Berührung als Kommunikation in der letzten

„Berühre mich –
ich spüre dich“
Berührung als
Kommunikation
in der letzten
Lebensphase
Projektarbeit im Interprofessionellen Basislehrgang
Palliative Care in Graz 2014/2015
Abgabetermin: 26. Mai 2015
VerfasserInnen:
Jurtin Ines
Kajgo Nikica
Madl Michaela
Moitzi Eva
Eidesstattliche Erklärung
Wir erklären an Eides statt, dass wir die vorliegende Projektarbeit selbstständig und
ohne fremde Hilfe verfasst, andere als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel nicht
benutzt beziehungsweise die wörtlich oder sinngemäß entnommenen Stellen als
solche kenntlich gemacht haben.
Die vorliegende Projektarbeit ist mit dem elektronisch übermittelten Textdokument
identisch.
Jurtin Ines:
________________________________
Kajgo Nikica:
________________________________
Madl Michaela:
________________________________
Moitzi Eva:
________________________________
Inhalt
Vorwort ........................................................................................................................ 4
Einleitung..................................................................................................................... 5
Ziel dieser Arbeit ......................................................................................................... 6
Im Angesicht des Todes .............................................................................................. 7
Teilnehmer der Projektgruppe ..................................................................................... 8
1. Der Sterbeprozess mit seinen Sterbephasen (Ines Jurtin) .................................... 12
1.1
Der Sterbeprozess........................................................................................... 12
1.2
Sterbephasen nach Kübler-Ross ..................................................................... 12
1.3
1.2.1
Phase 1: Nichtwahrhabenwollen und Isolierung .................................... 12
1.2.2
Phase 2: Zorn ........................................................................................ 13
1.2.3
Phase 3: Verhandeln ............................................................................. 13
1.2.4
Phase 4: Depression ............................................................................. 13
1.2.5
Phase 5: Zustimmung ............................................................................ 13
Terminalphase und Sterbephase..................................................................... 14
2. Was ist nonverbale Kommunikation (Eva Moitzi) .................................................. 16
2.1
Berührung ........................................................................................................ 16
2.2
Formen der Berührung .................................................................................... 18
2.2.1
Initialberührung ...................................................................................... 18
2.2.2
Ausstreichen / Ausleiten von Händen und Füßen .................................. 19
2.2.3
Massage der Füße................................................................................. 19
1
2.2.4
Berührung der Handflächen ................................................................... 19
2.2.5
Therapeutic Touch ................................................................................. 19
2.3
Unterstützende Öle zum Ausstreichen und Massieren und deren Wirkung ..... 20
2.4
Fallbeispiel....................................................................................................... 21
3. Berührung als Kommunikation bei verschiedenen Religionen (Nikica Kajgo) ....... 23
3.1
Judentum ......................................................................................................... 24
3.1.1
Glaubensgrundlagen ............................................................................. 24
3.1.2 Umgang mit Berührung im Judentum ........................................................ 25
3.2
Islam ................................................................................................................ 26
3.2.1 Glaubensgrundlagen ................................................................................. 26
3.2.2
3.3
3.4
3.5
Umgang mit Berührung im Islam ........................................................... 27
Buddhismus ..................................................................................................... 29
3.3.1
Glaubensgrundlage ............................................................................... 29
3.3.2
Umgang mit Berührung im Buddhismus ................................................ 30
Hinduismus ...................................................................................................... 31
3.4.1
Glaubensgrundlage ............................................................................... 31
3.4.2
Umgang mit Berührung im Hinduismus ................................................. 32
Christentum ..................................................................................................... 33
3.5.1
Glaubensgrundlage ............................................................................... 33
3.5.2
Umgang mit Berührung im Christentum ................................................. 34
4. Was brauchen pflegende Angehörige (Michaela Madl)......................................... 35
2
4.1
Auswertung und Ergebnis des Fragebogens ................................................... 36
4.2
Einige Tipps zur Berührung mit sensiblen Händen .......................................... 39
4.3
Fallbeispiel:...................................................................................................... 40
5. Resümee ............................................................................................................... 43
5.1
Jurtin Ines ........................................................................................................ 43
5.2
Moitzi Eva ........................................................................................................ 43
5.3
Kajgo Nikica..................................................................................................... 44
5.4
Madl Michaela ................................................................................................. 45
Literaturverzeichnis ................................................................................................... 47
Abbildungsverzeichnis ............................................................................................... 49
Anhang ...................................................................................................................... 50
3
Vorwort
Berühren, spüren – berührt sein, gespürt werden.
Ohne Zweifel zählen Berühren und Spüren zu den Erfahrungen, die wir in dieser
Welt machen. Sie sind eine Brücke in eine Welt, in der sich die Wortsprache erst
ihren Platz erobern muss.
Insofern erscheint mir Berührung in erster Linie als Ausdruck des Gefühls, weniger
des Denkens und muss somit in all den Lagen des Lebens, in denen der denkende
Mensch – der homo sapiens – dem fühlenden Menschen – dem homo sentiens –
weicht, die wortreiche Sprache unterstützend leiten oder gar ersetzen, um so eine
sprachreiche Auseinandersetzung zwischen dem Selbst und dem Gegenüber zu
ermöglichen.
In den Situationen des Sterbens, in denen es uns die Wortsprache verschlägt und sie
im Gegenüber zu versiegen scheint, bleibt uns doch der Austausch von Berührung,
die an der Scheidelinie von Du und Ich, von Dort und Hier, von Leben und Tod auch
als Zeichen gegen das Ausgrenzen wirksam wird.
Voller Freude denke ich an das Bild der 5 jährigen Enkelin eines Sterbenden zurück,
die zwischen den Latten der Bettumrandung die Hand des Großvaters suchend
streichelte, wie er es wohl auch unzählige Male mit ihrer Hand gemacht hatte. Durch
diesen Griff über die Kluft fiel der Rahmen des Bettes und die Mauer des ängstlichen
Schweigens im Zimmer und Berühren und damit Begreifen war auch für die
Erwachsenen wieder möglich. Sie beschrieben dies später gar als Erlösung aus der
Ohnmacht.
Wenn Dietmar Weixler in seinen Gedanken zu Basaler Stimulation über die
„praktische Umsetzung einer Haltung zum Menschsein“ schreibt, so muss Berühren
immer ein Teil unser ganzheitlichen Arbeit mit „ganzen Menschen“ - mit ihren
individuellen Vergangenheiten, Beziehungen, Sorgen, Wünschen und Zielen – sein
und
mithin
ein
unverzichtbarer
Teil
einer
ganzheitlichen
Palliative
Care
(http://www.basale-stimulation.at/pdf_datei/bs_aus_der_sicht_eines_arztes.pdf).
Dr. Daniczek Thomas, Knittelfeld
4
Einleitung
Die Pflege und Betreuung schwerkranker Menschen in der letzten Lebensphase stellt
für viele pflegende Angehörige wie auch für Pflegepersonen
eine große
Herausforderung dar, im Speziellen, wenn die herkömmliche Art und Weise zu
kommunizieren nicht mehr möglich ist. Der Verlust der verbalen Kommunikation am
Ende des Lebens stellt die Frage der weiteren Kommunikationsmöglichkeit in den
Raum. Aufgrund zunehmender Bewusstseinseintrübung nimmt der Stellenwert der
Berührung, als unverzichtbarer Teil der weiteren Kommunikation in der Pflege und
Begleitung an Bedeutung zu. Berührung ist nicht nur ein Mittel zum Zweck, die
Qualität der Berührung wird nicht nur als reine Pflegetechnik verstanden, sie wird
zum wichtigsten Element, um auf nonverbaler Ebene mit dem Sterbenden in Kontakt
zu bleiben. Eine „berührende Begleitung“ ist ein entscheidender Teil im letzten
Lebensabschnitt eines schwerkranken, sterbenden Menschen. Berührung gilt als
unentbehrliche Hilfsquelle, um eine gänzliche Kontaktlosigkeit zu verhindern, sowie
eine umfassende und kompetente Betreuung zu gewährleisten. Menschen, die
sterben, wünschen sich gehalten zu werden - ohne Berührung kann kein Lebewesen
fortbestehen.
Hierzu
Pflegepersonen
eine
erfordert
es,
therapeutische
dass
pflegende
Beziehung
zum
Angehörige
wie
auch
betroffenen
Menschen
aufbauen. Doch genau in diesen Situationen, in denen eine verbale Kommunikation
nicht mehr möglich ist, stoßen pflegende Angehörige nicht selten an ihre Grenzen.
Sie sind häufig nicht in der Lage, Menschen, die sich auf ihr Lebensende zubewegen
richtig zu berühren und damit auch mit diesen zu kommunizieren. Berührungsängste,
Unwissenheit, Hilflosigkeit, die Angst etwas falsch oder nicht richtig zu machen, stellt
die Begleiter immer wieder vor eine große Aufgabe. Auf der Akutstation, im
Pflegeheim, in der Hauskrankenpflege wie auch im Mobilen Palliativteam werden wir
alltäglich mit dieser Angst konfrontiert.
„Kann ich berühren? Wie kann ich berühren? Wie kann ich Berührungen einsetzen?
Wo kann ich berühren? Womit? Will der Betroffene überhaupt berührt werden?“
Das sind Fragen, die immer wieder von Angehörigen gestellt werden, denn sehr oft
müssen sie sich das erste Mal in ihrem Leben mit Tod und Sterben
auseinandersetzen und sind als unerfahrene Helfer im Umgang mit Todkranken
kaum vorbereitet.
5
Berührung als Kommunikation ist ein individuelles Unterstützungsangebot und ein
wichtiger Bestandteil zur nonverbalen Verständigung in der letzten Lebensphase.
Einen Menschen zu berühren bedeutet, Nähe zu zulassen, Berührung gibt unseren
Gefühlen einen Ausdruck, sanfte Berührung vermittelt Geborgenheit, Ruhe,
Anteilnahme, Vertrauen und Wohlbefinden, zugleich wird sie als Zeichen tiefer
Verbundenheit verstanden.
Berühren wir einen Menschen, ist es unbedingt erforderlich, darüber nachzudenken
und zu wissen, welche individuellen Berührungsgewohnheiten für den betroffenen
Patienten gewichtig sind. Informationen über das Leben des sterbenden Menschen
in Hinsicht auf Herkunft, Prägung und Kultur sind dringend erforderlich, um
Berührung bewusst als Kommunikationsmittel sorgsam, fachkundig und adäquat
anwenden zu können. Zumal der Teil der aus anderen Kulturkreisen stammenden
Menschen, die in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen untergebracht sind, stetig
zunimmt. Die Individualität jedes Einzelnen steht immer Vordergrund.
Die Aufgabe der professionellen Unterstützung liegt darin, pflegenden Angehörigen
wie auch in der Pflege tätigen
Personen nahezubringen, dass Berührung als
Kommunikation ein bedeutsamer Baustein in der Betreuung schwerkranker,
sterbender Menschen ist.
Ziel dieser Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, durch Information, Anleitung und Beratung, pflegende
Angehörige zu unterstützen, zu fördern sowie Pflegepersonen in ihrem Handeln zu
sensibilisieren. Ziel ist es auch, den Begleitern vor Ort, Kommunikation in Form von
Berührung nahezubringen, dazu auch gezielte Anwendungen des Berührens
individuell an den Berührungsgewohnheiten angepasst aufzuzeigen, um somit einen
kommunikativen Zugang zum Sterbenden zu schaffen. Durch fundierte Beratung und
eine professionelle Unterstützung sollen die Belastungen der Pflegenden und der
Angehörigen reduziert werden. Gestärkt in ihrer Kompetenz und „wissen wie“ sollen
pflegende Angehörige und auch Pflegepersonen, ohne Ängste und Unsicherheiten,
die Brücke zwischen „Ich und Du“ aufrecht erhalten, das Gefühl von Nähe,
Geborgenheit und Anwesenheit über Berührung vermitteln.
6
Im Angesicht des Todes
Bleibe still neben mir.
Wenn es so weit sein wird mit mir,
brauche ich den Engel in dir.
Bleibe still neben mir in dem Raum,
jag den Spuk, der mich schreckt,
aus dem Traum,
sing ein Lied vor dich hin, das ich mag,
und erzähle was war manchen Tag.
Zünd ein Licht an, das Ängste verscheucht,
mach die trockenen Lippen mir feucht,
wisch mir die Tränen und Schweiß vom Gesicht,
der Geruch des Verfalls schreckt dich nicht.
Halt ihn fest, meinen Leib, der sich bäumt,
halte fest, was der Geist sich erträumt,
spür das Klopfen, das schwer in mir dröhnt,
nimm den Lebenshauch wahr, der versöhnt.
Wenn es soweit sein wird mit mir,
brauche ich den Engel in dir.
Text: Friedrich Karl Barth / Peter Horst
Musik: Peter Jansen
Aus: Uns allen blüht der Tod, Peter Jansens Musik Verlag Telgte-Westfalen, 1979
7
Teilnehmer der Projektgruppe
Ines Jurtin
Alter:
46 Jahre
Qualifikation:
Diplomierte Gesundheits- und
Krankenpflegeperson
Einrichtung:
Mobile Dienste Volkshilfe Murtal
Motivation an diesem Projekt zu arbeiten:
Ich arbeite seit 14 Jahren als DGKP in der Hauskrankenpflege, davon 2 Jahre im
mobilen Palliativteam. Körperkontakt und Berührung sind für mich eine ganz wichtige
Form der zwischenmenschlichen Beziehung.
Hände haben mich schon immer fasziniert, Hände berühren. Beim Wort Berührung
tauchen in meinen Gedanken Bilder von Händen auf. Hände die arbeiten, berühren,
fassen, streicheln. Mit Händen wird Liebe und Zärtlichkeit, aber auch Trost und
Beruhigung ausgedrückt.
Hände – Berührung sind ein sehr wichtiges zwischenmenschliches Kommunikationsmittel. Dabei kommt es aber immer auf die Art und Weise der Berührung an. Sie
kann sich unangenehm, hart, schmerzhaft, oberflächlich, streifend, behutsam, fest
oder liebevoll anfühlen. Berührung kann Ängste auslösen, kann in Tabuzonen
eindringen und Schamgefühle wecken. Sie kann aber auch Nähe herstellen und
Wohlbefinden, Geborgenheit und Sicherheit vermitteln.
In meiner Betreuung und Begleitung Sterbender habe ich bemerkt, dass Angehörige
aber teilweise auch Pflegepersonen den Sterbenden leider zunehmend weniger und
flüchtiger berühren. Dabei glaube ich, dass bewusste Berührungen sehr viel zum
Wohlbefinden des Sterbenden beitragen können. Vor allem dann, wenn verbale
Kommunikation nicht mehr möglich ist.
8
Eva Moitzi
Alter:
49 Jahre
Qualifikation:
Diplomierte Gesundheits- und
Krankenpflegeperson
Einrichtung:
LKH Knittelfeld, Palliativstation
Motivation an diesem Projekt zu arbeiten:
Ich habe viele Jahre auf Akutstationen (medizinische und neurologische Abteilung)
gearbeitet. Seit ich auf der Palliativstation tätig bin, kann ich den uns anvertrauten
Menschen als Ganzen wahrnehmen, auf seine Wünsche, Bedürfnisse und Ängste
eingehen - ohne Zeitdruck. Ich erlebe es immer wieder wenn wir Patienten von
anderen Stationen übernehmen, die sich bereits in der terminalen Phase ihres
Lebens befinden, wie Angehörige uns oft aggressiv und fordernd gegenüber stehen.
Dies legt sich meist in kürzester Zeit, wenn wir auch sie mit all ihren Ängsten und
ihrer Hilflosigkeit wahrnehmen.
Wenn die Betreuer sie nur etwas führen und ihnen ein Werkzeug geben, so dass sie
ihren sterbenden Angehörigen begleiten und dadurch das Gefühl bekommen, dass
sie noch viel Gutes tun können. Angehörige müssen mit dem doppelten Leid
zurechtkommen. Einerseits mit der eigenen Trauer und Hilflosigkeit und andererseits
mit dem Loslassen des geliebten sterbenden Menschen. Berührung auf individuelle
Art ist oft ein hilfreiches Werkzeug mit dem Angehörige auch gut können. Ich sehe in
diesem Projekt eine gute Möglichkeit meine Kollegen auch auf den anderen
Stationen wieder etwas zu sensibilisieren beziehungsweise auch Hilfestellung zu
geben. Denn es ist nicht immer nur eine Frage der Zeit, sondern es wird oft im
Arbeitsalltag „vergessen“. Aber es ist oft auch die Angst von Kollegen sich darauf
einzulassen. Wenn man sich einlässt, muss man sich mit seiner eigenen Sterblichkeit
auseinandersetzen.
„Ihr seid glücklich und froh, wie sollt' ein Scherz euch verwunden! Doch der
Krankende fühlt auch schmerzlich die leise Berührung.“
Johann Wolfgang von Goethe
9
Kajgo Nikica
Alter:
38 Jahre
Qualifikation:
Pflegehelfer
Einrichtung:
Caritas Schloss Wasserleith
Motivation an diesem Projekt zu arbeiten:
Mein Name ist Nikica Kajgo und ich bin seit 2005 als Pflegehelfer bei der Caritas im
Schloss Wasserleith beschäftigt. Hier arbeite ich vorwiegend mit Menschen im hohen
Alter und mit Demenzkranken. Dabei mache ich Erfahrungen mit dem Sterben der
Bewohner und der Begleitung von Angehörigen. Durch meine Berufserfahrung,
Begleitung von Sterbenden und das Erleben vom Versterben der Bewohner, habe
ich mich persönlich sehr verändert. Ich bin dadurch sensibler und aufmerksamer
geworden und musste lernen, Gefühle zuzulassen. Ich arbeite seit 14 Jahren in der
Langzeitpflege, und trotzdem ist es für mich nicht leicht mich mit dem Thema
Sterben, Tod und Abschied auseinanderzusetzen. Mir ist bewusst geworden, dass
wir ein Konzept brauchen. Für mich taucht immer wieder die Frage auf „Was
bedeutet
eigentlich
Palliative
Care
in
der
Langzeitpflege?“.
Welche
Rahmenbedingungen brauchen wir um palliativ arbeiten zu können? Es ist eine
große Herausforderung, bis zur letzten Lebensphase die Lebensqualität zu erhalten,
sowie das Sterben in Würde zu ermöglichen. Parallel zur Bewohnerbetreuung
möchten wir Angehörige ins Boot holen, sie durch Wissen und Erfahrungen
unterstützen, ihre Ängste und Sorgen lindern, eine Atmosphäre der Geborgenheit
und Zuwendung bieten.
Das Thema Religion und Glaube hat für mich einen großen, persönlichen
Stellenwert. Durch meine Arbeit mit den Bewohnern, die der katholischevangelischen Religion angehören, hat es in mir Interesse für dieses Projekt
geweckt.
Aus diesem Grund habe ich mich für das Kapitel „Berührung als Kommunikation bei
verschiedenen Religionen“ entschieden. Mit diesem Teil der Arbeit möchte ich einen
Einblick in verschiedene Religionen und Kulturen geben, um somit einen besseren
Zugang vermitteln.
10
Michaela Madl
Alter:
38 Jahre
Qualifikation:
Diplomierte
Gesundheits-
und Krankenpflegeperson
Einrichtung:
Mobiles Palliativteam
Judenburg-Knittelfeld-Murau
Motivation an diesem Projekt zu arbeiten:
Kommunikation ist ein sehr breit gefächertes Thema. Kommunikation ist nicht immer
einfach. Es benötig viel Wissen, Empathie und die Bereitschaft sich einzulassen.
Speziell in der Begleitung und Pflege sterbender Menschen. In der letzten
Lebensphase kommt es oftmals zum Verlust der verbalen Kommunikation. Wenn
diese nicht mehr stattfinden kann, sind pflegende Angehörige sowie Pflegepersonen
in
ihrem
Tun
gefordert.
Meine
Motivation
zum
Thema
„Berührung
als
Kommunikation“ ist es, pflegenden Angehörigen im häuslichen Bereich aufzuzeigen,
dass Kommunikation zwischenmenschlich erfolgt und dass es dazu nicht immer
Worte braucht. In meiner Arbeit treffe ich immer wieder auf pflegende Angehörige,
die in der Betreuung todkranker, sterbender Menschen ein Gefühl der Hilflosigkeit
entwickeln, wenn die Sprache verloren geht. Sie haben Angst und wissen häufig
nicht, wie sie damit umgehen sollen. Umso wichtiger ist es, aufzuzeigen wie wertvoll
Berührungen sein können, um mit dem Sterbenden in Beziehung zu bleiben. Durch
diese Projektarbeit soll pflegenden Angehörigen vermittelt werden, dass sie eine
wichtige Ressource sind und dass man mit Kommunikation in Form von Berührung,
dem sterbenden Menschen Gefühle wie Zuwendung, Nähe, Halt und Geborgenheit
spüren lassen kann. Zugleich auch soll durch dieses Projekt den Angehörigen ein
„Werkzeug“ gegeben werden, welches das Gefühl von Hilflosigkeit, Angst und
Unsicherheit aus dem Weg räumt.
11
1.
Der Sterbeprozess mit seinen Sterbephasen
(Ines Jurtin)
1.1
Der Sterbeprozess
Sterben ist ein Teil des Lebens. Aus biologischer Sicht beginnt das Sterben bereits
mit der Geburt durch das stete Absterben von Zellen. Psychologisch wird ein Mensch
dann als Sterbender bezeichnet, wenn er objektiv vom Tod bedroht ist und er sich
dieser Bedrohung soweit bewusst ist, dass sie sein Erleben und Verhalten bestimmt
(vgl. Nagele & Feichtner, 2009, S.43). Von Sterbeforschern wird der Sterbeprozess
oft als Entwicklung beschrieben, die bei verschiedenen Menschen ähnlich verläuft.
In weiterer Folge möchte ich daher zunächst näher auf das Phasenmodell der Ärztin
und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross eingehen, in welchem sie die Erfahrung
aus über 200 Interviews mit sterbenden Patienten aus den USA verarbeitet, und
dann die letzten beiden Stadien des Sterbeprozesses beschreiben, die JonenThielemann mit Terminal- und Sterbephase bezeichnet (vgl. Nagele & Feichtner,
2009, S.51).
1.2
Sterbephasen nach Kübler -Ross
Nach dem Modell von Kübler-Ross verläuft die psychische Verarbeitung des
Sterbens bei allen Menschen, die ausreichend unterstützt werden, in 5 Phasen.
1.2.1 Phase 1: Nichtwahrhabenwollen und Isolierung
Der Betroffene kann seine schwere, unheilbare Erkrankung innerlich noch nicht
anerkennen. Er fordert neue Untersuchungen, glaubt an Verwechslungen oder
beschuldigt die behandelnden Ärzte der Unfähigkeit. So berichtet Kübler Ross von
einer Patientin, die ihr Verdrängungsritual zuerst mit „ich doch nicht, das ist ja gar
nicht möglich“ äußert, dann behauptet, dass die Röntgenaufnahmen irgendwie
vertauscht worden sein müssten und schließlich eine Bestätigung fordert, dass ihr
Name versehentlich auf einen anderen Befund geraten sei. (vgl. Kübler-Ross, 2001,
S.62).
Die Verleugnung in dieser Phase mildert den Schock, und der Betroffene gewinnt
Zeit und Kraft, um sich mit der Wahrheit auseinander zu setzen.
12
1.2.2 Phase 2: Zorn
„Auf das Nichtwahrhabenwollen folgen meistens Zorn, Groll, Wut, Neid. Dahinter
steht die Frage: »Warum denn gerade ich?«“ (Kübler-Ross, 2001, S.76).
Es kommt in der Regel zu einer Flut negativer Emotionen, die sich oft in
„Kleinigkeiten“ wie Unzufriedenheit mit dem Essen, dem Zimmer, den Ärzten und
dem Pflegeteam, aber auch in Streitigkeiten mit der Familie und in aggressiven
Beschuldigungen äußern.
1.2.3 Phase 3: Verhandeln
In dieser, meist kurzen, aber für den Patienten hilfreichen Phase, wird der
bevorstehende Tod als unvermeidlich anerkannt. Weiteres Verdrängen ist aufgrund
eindeutiger, körperlicher Anzeichen nicht mehr möglich. Die Sterbenden versuchen
durch Verhandeln (oftmals mit Gott) mehr Lebenszeit zu erreichen (vgl. Kübler-Ross
2001, S.119ff).
1.2.4 Phase 4: Depression
Ein neues Stadium wird erreicht, wenn der Betroffene jede Hoffnung aufgibt und in
Traurigkeit versinkt. Der Sterbende bereut zurückliegende Versäumnisse und trauert
um das, was er mit seinem Tod verlieren wird, sowie um das, was ihm wichtig ist:
Partner, Kinder, Freunde und Angehörige (vgl. Küberl-Ross, 2001, S.123ff).
„Es handelt sich bei dieser Reaktion aber nicht um eine Depression im engeren Sinn,
die medikamentös angegangen werden muss. Daher ist der Ausdruck Phase der
Traurigkeit zutreffender“ (Schäffer et. al., 1998, S.502).
1.2.5 Phase 5: Zustimmung
In dieser letzten Phase nimmt der Betroffene sein Schicksal an. Diese Phase ist fast
frei von Gefühlen, der Schmerz scheint vergangen, der Kampf ist vorbei, „nun kommt
die Zeit der »letzten Ruhe vor der langen Reise«, wie es ein Patient ausdrückte“
(Kübler-Ross, 2001, S.154). Der Sterbende ist müde und schwach, schläft viel und
möchte meist nicht gestört werden. Die Kommunikation beschränkt sich mehr auf
Gesten als auf Worte, „oft ist es nur eine Handbewegung, die zum Bleiben auffordert“
(Kübler-Ross, 2001, S.154).
13
1.3
Terminalphase und Sterbephase
Die Terminalphase wird als Endphase des Lebens bezeichnet und umfasst die
Zeitspanne von wenigen Tagen oder auch nur Stunden vor dem Tod. Der Begriff
„Sterbephase“ bezeichnet nach Jonen-Thielemann die letzten Stunden des Lebens.
(vgl. Nagele & Feichtner, 2009, S.43, S.51).
Am Beginn des Sterbens ist oft eine Art innerer Rückzug zu bemerken. Dinge, die
den Sterbenden zuvor sehr interessiert haben, verlieren an Bedeutung, verbale
Äußerungen reduzieren sich allmählich auf das Notwendigste. Besonders in dieser
Phase liegt es an uns, den Angehörigen diese Veränderungen zu erklären.
Entlastend für die Angehörigen kann vor allem die Information sein, dass der innere
Rückzug des Sterbenden nicht als Zeichen der Ablehnung zu deuten ist, sondern als
Zeichen dafür, dass dem Sterbenden langsam der Bezug zu unserer „Welt“ verloren
geht. Angehörige sollten auch wissen, dass das Hörvermögen deutlich länger
bestehen bleibt, als es dem Sterbenden gelingt, sich verbal zu äußern und sie daher
noch immer ansprechbar sind. Diese „Ansprechen“ kann aus meiner Erfahrung durch
bewusste Berührung des Sterbenden unterstützt werden.
Im weiteren Verlauf des Sterbens nimmt die Bewusstseinstrübung zu und es gelingt
immer weniger, den Sterbenden aufzuwecken. Oft reagieren die Sterbenden in
dieser Phase nur mehr auf die Stimme oder Berührung von ihnen sehr
nahestehenden Menschen (vgl. Nagele & Feichtner, 2009, S.45ff).
Besonders in den letzten Stunden des Lebens kann daher der direkte Körperkontakt
(Berührung)
zu
einem
sehr
wesentlichen
Kommunikationsmittel
werden.
Körperkontakt und Berührung sind ursprüngliche Formen unserer sozialen
Kommunikation und finden nonverbal statt. Hier ist es wichtig, Berührungen bewusst
zu setzen. Sie sollen Zuwendung ausdrücken und Angst lindern.
Für die Angehörigen und uns ist es wesentlich zu wissen, dass die Art und Weise
dieser bewussten Berührung (hart, oberflächlich, flüchtig, kosend usw.) dem
Sterbenden indirekt immer etwas mitteilt. Die Qualität der Berührung bestimmt auch
in diesen letzten Stunden des Lebens das Wohlbefinden des Sterbenden. Dies zeigt
14
sich auch in nonverbalen Reaktionen des Sterbenden auf diese Berührung. Kommt
die Berührung beim Sterbenden positiv an, kann sich dies durch eine ruhige und
regelmäßige Atmung ausdrücken (vgl. Nagele & Feichtner, 2009, S.95ff).
Aus meiner Erfahrung in der Betreuung und Begleitung Sterbender glaube ich, dass
bewusste Berührung, vor allem, wenn verbale Kommunikation nicht mehr möglich ist,
die körperliche, sowie seelische Ebene positiv beeinflussen.
Auf die verschiedenen Formen der Berührung, der sogenannten nonverbalen
Kommunikation, wird im nächsten Kapitel genauer eingegangen.
15
2.
Was ist nonverbale Kommunikation (Eva Moitzi)
Nonverbale Kommunikation beschreibt alle Formen der Kommunikation, die sich
nicht auf eine sprachliche Informationsvermittlung stützen. Informationen können
über alle Sinne kommuniziert werden z.B. durch, Musik, Bilder, Geruch, Geschmack
sowie Gesten, Körperhaltung und Berührung.
„Kommunikation ohne Worte, nicht an Sprache gebundene Kommunikation“
(Schäfler, et. al., 2000, S.227)
Nonverbale Kommunikation vom lateinischen abgeleitet:
Non = nicht
Versus = Wort
Communicator = sich verständigen
Wir wollen uns speziell mit dem Thema „ Berührung in der terminalen Phase“
auseinandersetzen. Wie können wir Angehörige und Begleiter von sterbenden
Menschen unterstützen. Was benötigen sie? Was ist für sie in dieser schwierigen
Zeit hilfreich? Um dies herauszufinden werden wir im Rahmen dieser Projektarbeit
einen Fragebogen für pflegende und begleitende Angehörige erstellen, um zu
erfahren wo wir ihnen Hilfestellung geben können.
2.1
Berührung
Die Berührung nimmt einen besonderen Stellenwert in der nicht sprachlichen
Kommunikation ein. Berührung kann unterschiedliche Qualitäten aufweisen. Sie kann
sich unangenehm, hart, schmerzhaft, oberflächlich oder liebevoll anfühlen. Die Art
und Intensität der Berührung sind Qualitätsmerkmale in der Pflege. Berührung ist
aber viel mehr als ein Mittel zum Zweck. Berührung ist Begegnung, sie ist eine
Interaktion, die Ängste lösen und das Herz berühren kann. Bei der Berührung wird
ein Reiz erzeugt, der Einfluss auf die Gefühlsebene nimmt und auf diese Weise
unser Innerstes berührt.
16
Es sollte immer darauf bedacht werden, welche Körperteile von welchen Personen
berührt werden dürfen und welche Köperzonen absolute Tabubereiche sind. Die
Berührung nimmt jedoch auch einen besonderen Stellenwert in der Pflege ein, wenn
es ich um uns fremde Kulturen und Religionen handelt. Zu diesem Thema wird in
einem späteren Kapitel näher eingegangen.
In der Sterbephase, in der sich ein Patient nicht verbal äußern kann, ist es für uns
Pflegekräfte wichtig, Biografiearbeit mit Bezugspersonen zu leisten um zu klären:
Wie hat der sterbende Mensch Berührung früher empfunden? Wie wichtig war ihm
Nähe? Auch die Frage der Dauer, Intensität und des ausgeübten Druckes der
Berührung ist sinnvoll zu hinterfragen, denn gute Berührung hat Qualität (wie berühre
ich), Konstanz (Kontakt halten), Intensität (Eindeutigkeit) und Rhythmus. Dies sind
wichtige Fragen, um Betroffene und Angehörige gut zu begleiten.
In Situationen in denen eine verbale Kommunikation mit dem Sterbenden nicht mehr
möglich ist, stellt für pflegende Angehörige eine schwierige Situation dar. Nicht nur,
dass die sprachliche Verständigung verlorengeht, sondern auch Ängste, Hilflosigkeit
und Trauer werden für Angehörige zur große Belastung.
Einer der größten Wünsche von Sterbenden ist „nicht alleine gelassen zu werden“. In
dieser Situation können wir Pflegenden den Angehörigen ein Rüstzeug geben, um
ihnen den Zugang zum sterbenden geliebten Menschen zu ermöglichen und eine
weitere Kommunikation auf nicht sprachlicher Ebene aufrecht zu erhalten.
Kommunikation in Form von Berührung, so dass sie am Ende des irdischen Lebens
noch gemeinsam schöne Momente miteinander erleben dürfen. Ich sage deshalb
„dürfen“, denn ich sehe es als Geschenk, gemeinsam ein Stück des Abschieds zu
gehen. Im Speziellen wenn ich im Nachtdienst an der Seite eines sterbenden
Menschen sitze und seine Hand in meiner liegt. Ich verspüre oft Frieden im Herzen
denn es ist vor allem eine emotionale Berührung auf die man sich einlässt.
Voraussetzung ist jedoch, dass der Patient mit der Berührung einverstanden ist und
er die Möglichkeit hat sich jederzeit davon zu distanzieren.
17
2.2
Formen der Berührung
Es gibt verschiedene, unterschiedliche Formen der Berührung, einige davon möchte
ich näher beschrieben.
Um mit dem nicht mehr verbal kommunizierenden, sterbenden Menschen in Kontakt
zu treten, ist es für die Pflegeperson, aber auch für den pflegende Angehörigen
wichtig, für ihn klare, verständliche Zeichen zu setzen. Dies geht am besten mit der
Initialberührung, die ich im folgenden Kapitel näher beschreiben werde.
2.2.1 Initialberührung
Diese Form der Berührung kommt aus der Basalen Stimulation. Die Initialberührung
ist eine ritualisierte Begrüßung, aber auch Verabschiedung, welche dem Patienten
Respekt, Sicherheit und Vertrauen vermitteln soll. Es sollte eine dem Patienten
vertraute
Form
der
Kontaktaufnahme
sein.
Der
Mensch
hat
ein
Berührungsgedächtnis, aus diesem Grund ist die Erhebung der Biografie von großer
Bedeutung.
Der Bewusstseinseingetrübte Patient nimmt in der Regel seine Umgebung über das
Gehör war. Es passiert häufig dass er „plötzlich“ ohne jede Vorankündigung
angefasst wird, also auf Berührung nicht vorbereitet ist. Außerdem weiß er bei den
verschiedensten Geräuschkulissen nie, wann ein Geräusch oder ein gesprochener
Satz ihm gilt oder dem Nachbarpatienten, Angehörigen oder Kollegen der
Pflegekraft. Diese Situation bedeutet für den Patienten beträchtlichen Stress, weil er
sich nie entspannen kann.
Wenn ein Patient lernt, dass nur dann etwas an ihm oder mit ihm gemacht wird wenn
er vorher z.B. an der linken Schulter berührt wurde, dann gewinnt er Sicherheit, kann
seinen Stress reduzieren und sich entspannen. Wird einen sterbenden Patienten
eine Initialberührung angeboten, sollte man genau beobachten, ob der Patient mit
Aufmerksamkeit reagiert. Bleibt diese Reaktion aus, ist zu überlegen, ob der Bereich
der Berührung anders gewählt werden sollte. Umso wichtiger ist es, dass alle in der
Betreuung beteiligten Personen dieselbe Berührung als Begrüßung oder auch als
Verabschiedung durchführen. Hierzu gibt es die Möglichkeit, speziell im Stationärenund Langzeitpflegebereich, in Patientennähe eine Tafel anzubringen, an der eine für
18
den Patienten ausgewählte Initialberührung dargestellt ist. Die Initialberührung ist
also bei allen Patienten sinnvoll, die ihr Umfeld nicht selbst kontrollieren können.
Kontaktmöglichkeiten für eine Initialberührung:

Schulter

Thorax

Hände
2.2.2 Ausstreichen / Ausleiten von Händen und Füßen
Hierfür mit beiden Handflächen die jeweilige Körperregion umfassen. Dies passiert
mit ganz leichtem Druck. Vom Unterarm bis zu den Fingern sowie vom
Unterschenkel bis zu den Zehenspitzen. Immer mit Bedacht und unter Beobachtung
des Patienten ob es ihm angenehm ist oder nicht!
2.2.3 Massage der Füße
Mit leichtem Druck der Fingerspitzen von der Ferse bis zu den Zehenspitzen.
2.2.4 Berührung der Handflächen
Die begleitende Hand immer unter die des Sterbenden Menschen legen. So wird
dem sterbenden Menschen die Möglichkeit gegeben, dass er sich jederzeit aus der
Berührung zurückziehen kann.
2.2.5 Therapeutic Touch
Dies ist eine ganzheitliche Behandlung durch heilsame Berührung. Ich stelle diese
Möglichkeit nur kurz vor. Diese Art der Berührung darf nur von Therapeutic Touch
ausgebildeten Personen durchgeführt werden. Dies ist nur ein kurzer Einblick in
Therapeutic Touch und in Bezug auf Berührung in der letzten Lebensphase.
Therapeutic Touch ist eine sanfte Methode zur Harmonisierung der körpereigenen
Energien. Das Ziel dieser Berührungsformen ist die Verbesserung der subjektiven
Befindlichkeit des Patienten und seine Entlastung von psychischem und physischem
Stress.
19
Beim sterbenden Menschen, setzt sich der Therapeutic Touch Therapeut auf den
Bettrand, zentriert sich und berührt gleichzeitig das Hand Chakra des Patienten und
die Gegend um das Herz Chakra. Es wird die Zeit genutzt, um den Patienten ein
Gefühl tiefer Anteilnahme und Liebe zukommen zu lassen, sowie auch die Erlaubnis,
loslassen und gehen zu dürfen.
Ausgebildete Personen von Therapeutic Touch können auch bei Angehörigen
Handlungen vollziehen um ihnen seelische Belastung zu nehmen (vgl. Krieger, 2012,
S.212ff).
2.3
Unterstützende Öle zum Ausstreichen und Massieren und
deren Wirkung
Für Ausstreichungen und Massagen können eigene Hautlotion/Creme oder folgende
Öle aus der Aromapflege verwendet werden:

Rosengeranie - stärkend, harmonisierend, ausgleichend, „herztröstend“

Lavendel fein - ausgleichend, beruhigend, aufbauend, angstlösend und
antidepressiv, bei Erschöpfung anregend und erfrischend (vgl. Werner
M.,2009, S.127, S.178)
Bei diesen beiden Ölmischungen werden vom jeweiligen Öl 1 Tropfen mit 10 ml
Olivenöl vermischt.

Wegbegleitungsöl - fertige Mischung mit Mandelöl, Zusätze: Pelargonie, Rose
sowie Zitrone
20
2.4
Fallbeispiel
Hr. XY war ein Freund von mir, er verbrachte die letzten Wochen seines Lebens auf
unserer Station. Als Hr. XY sich auf den Weg machte dieses irdische Leben zu
verlassen, wurde ich von seinen Kindern und dessen Gattin angerufen, um mir die
Möglichkeit zu geben, mich von meinem Freund verabschieden zu können. Als ich
kam, verließen sie das Zimmer. Ich glaube, sie haben die Situation nicht mehr
ausgehalten, denn sie waren sehr dankbar, dass ich da war. Ich setzte mich an seine
Seite, hielt seine Hand und sagte ihm noch Dinge, die für mich wichtig waren. Er
hatte die Augen geschlossen, konnte sich nicht mehr verbal mitteilen. In meiner
Traurigkeit merkte ich gar nicht, dass ich seine Hand so festhielt und da war es: „Die
für mich besonders berührende Situation die ich erleben durfte“. Mein Freund löste
sich aus meinem Händedruck, machte noch zwei tiefe Atemzüge und verstarb. Ich
bin heute noch dankbar, dass ich das erleben durfte. Es wird uns nur manchmal
geschenkt, dabei zu sein beim letzten Atemzug und in ein friedlich, entspanntes
Gesicht eines Sterbenden - eines Freundes zu blicken.
Mein Freund hat mir jedoch auch vermittelt (ich interpretiere es so): „Schön dass du
da bist, jedoch halte mich nicht fest“.
Für mich war es eine traurige, jedoch auch eine schöne Erfahrung bis zum Tod eines
mir sehr wertvollen Menschen „da zu sein“!
Ein sogenannter schöner Tod
Eines Morgens wachst du auf und bist nicht mehr am Leben. Über Nacht, wie
Schnee und Frost, hat es sich begeben.
Alle Sorgen dieser Welt bist du nun enthoben.
Krankheit, Alter, Ruhm und Geld sind wie Wind zerstoben.
Friedlich sonnst du dich im Licht einer neuen Küste, ohne Ehrgeiz, ohne Pflicht.
Wenn man das nur wüsste!
Mascha Kaleko
21
Bewusste Berührungen sind Begegnungsformen die absichtlich und klar sind. Es
sind oft unsere pflegende Hände, die den Verstorbenen die Augen schließen und
somit an einem der größten Geheimnisse des Lebens teilnehmen dürfen. Bewusste
Berührung soll nicht im „Vorbeigehen“ passieren. Berühren heißt, sich auf das
Gegenüber einzulassen und ganz für ihn da sein.
Ich kann aber nur dann gut begleiten, wenn ich dazu bereit bin, mich zu öffnen und
mich emotional auf die Situation einzulassen.
Es ist wichtig, dass wir in unserem Pflegeberuf wieder sensibilisiert werden und uns
der Herausforderung stellen, trauernde, ängstliche und hilflose Angehörige gut
unterstützen zu können. Die Praxis zeigt, dass kulturelle sowie religiöse
Unterschiede in Bezug auf die Pflege und Betreuung vermehrt zum Thema werden.
Die fehlende Erfahrung im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen (in Bezug
auf Berührung, Nähe und Distanz), wirft häufig Fragen in unserem Berufsalltag auf.
Umso wichtiger ist es, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen, um eine Basis
an Grundwissen im Umgang mit anderen Kulturen zu erhalten. Dabei geht es uns vor
allem um die Berührung in der terminalen Lebensphase. Im Zuge dieser Projektarbeit
wollen wir einen Einblick in diese Thematik geben.
22
3.
Berührung als Kommunikation bei verschiedenen
Religionen (Nikica Kajgo)
In den letzten Jahren hat sich unsere Gesellschaft gewaltig verändert. Die religiösen
Unterschiede in unserer Gesellschaft sind deutlicher geworden. Das Leben, Sterben
und Tod und damit die Einstellung zum Leben und Tod werden durch religiöse
Zugehörigkeit beeinflusst. Die menschlichen Bedürfnisse, Pflege, Sterben und
Totenrituale führen oft zu Differenzen, Spannungen und zu Schwierigkeiten zwischen
Pflegepersonal
und
Angehörigen.
Verschiedene
Religionen
praktizieren
unterschiedliche Gebräuche und haben unterschiedliche Bedürfnisse. Durch
ständige Migration in Europa (auch in Österreich) kommt es dazu, dass immer mehr
Sterbende aus anderen Glaubensrichtungen zu betreuen sind. Deshalb brauchen
Pflegepersonen mehr Informationen und Wissen über andere Religionen (z.B. Islam,
Buddhismus, Hinduismus und Judentum). Die Unterschiede im Umgang mit
Schwerkranken und Sterbenden stellen uns Pflegende vor neue Herausforderungen
und können zu Überforderung des Pflegepersonals führen. Das Pflegepersonal muss
in der Betreuung mit Menschen anderer Kulturen und Religionen viel Verständnis,
Offenheit, Sensibilität und Geduld zeigen. Um eine gute Sterbebegleitung zu
ermöglichen, braucht man gewisse Rahmenbedingungen. Da in Pflegeheimen die
Zeitressourcen aufgrund eines vorgegebenen Personalschlüssels besonders knapp
sind,
stellt
uns
das
Betreuen
von
sterbenden
Menschen
vor
große
Herausforderungen. Damit wir Pflegepersonen, Menschen mit anderem religiösen
und kulturellen Hintergrund bestens betreuen und begleiten können, brauchen wir
Wissen über besondere Bedürfnisse.
Deshalb stelle ich mir die Fragen: „Haben Menschen aus anderen Kulturen und
Religionen andere Bedürfnisse in Bezug auf Begleitung und Berührung?“. „Was
brauchen wir, wie kann man dazu beitragen, mit Menschen verschiedener Herkunft
die nonverbale Kommunikation zu verbessern, Leben zu unterstützen und ein
Sterben in Würde zu gewährleisten?“
23
3.1
Judentum
3.1.1 Glaubensgrundlagen
Das Judentum ist die älteste und kleinste Weltreligion. Heute gibt es weltweit ca. 18
Millionen, davon etwa 5 Millionen in Israel. Die meisten Juden leben in den USA,
wenige in Südamerika und Russland. Etwa 12000 Juden leben in Österreich. Das
geografische und politische Zentrum der Juden Israel wurde 1948 etabliert. Die
Juden glauben an einen und einzigen Gott, der bildlos ist. Die Gottesdienste finden in
der Synagoge statt. Die Sprache ist Hebräisch. Der erste und wichtigste Feiertag der
Juden ist der siebente Tag der Woche, der Sabbat (Samstag). Die Geburt,
Mündigwerden, Hochzeit und Tod sind im Leben des Juden wichtig. Nach dem Alten
Testament war Moses Führer, Prophet und Gesetzgeber, der die Juden aus Ägypten
in das gelobte Land (heute Israel und Palästina) führte. Das Heilige Buch der Juden
ist die Bibel (Alte Testament) und ist hebräisch geschrieben. Die Rabbiner sind
Lehrer, die alles über das Jüdische Gesetz wissen. Diese sind keine Priester
sondern Schriftgelehrte (http://de.wikipedia.org/wiki/Judentum).
ABB 1: Davidstern = Symbol der Juden
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Judentum)
24
3.1.2 Umgang mit Berührung im Judentum
Die Achtung von körperlicher Scham und die Wahrung der Intimität ist ein großes
Bedürfnis. Die Verabreichung von Schmerzmedikamenten lehnen sie ab. Das
Sterben wird wertgeschätzt. Der Krankenbesuch gilt als heilige Pflicht. Man darf sich
dem Kranken nicht aufdrängen. In der jüdischen Tradition ist es ganz wichtig, dass
der Sterbende bis zuletzt als Lebender behandelt wird (vgl. Heller 2012, S.95, S.97).
Die Kopfbedeckung der männlichen Juden (Kippa) wird auch im Bett getragen. Die
Frauen verhüllen ihr Haar vollständig. Am Sabbat sind sie zur körperlichen Erholung
verpflichtet (keine elektrische Geräte benutzen und keine ausgiebige Körperpflege).
Ganz wichtig ist das Händewaschen nach dem Aufstehen und vor dem Essen. Ein
gläubiger Jude rasiert sich nur trocken. Dem kranken und sterbenden Menschen darf
sein Zustand nicht verheimlicht werden. Passive Sterbehilfe darf nicht geleistet
werden.
In den Jüdischen Gemeinden gibt es Frauen und Männer die ehrenamtlich die
Betreuung von Schwerkranken und Sterbenden übernehmen (sog. Chevra
Kaddischa = Heilige Bruderschaft) (http://www.cdkschweiz.ch/wissen/ethik/anderekulturen-in-der-pflege.html). Es ist wichtig Sterbende nie alleine zu lassen, besonders
wenn sie Schmerzen haben. Es ist zu beachten, dass die im Sterben liegende
Person
weder
gelagert
noch
sonst
bewegt
werden
darf.
(http://www.so.ch/fileadmin/internet/ddi/igsaa/13_4_Betreuung_Pflege/MAS_Sterbeb
egleitung_Todesfall.pdf). Liegt ein Jude im Sterben müssen Angehörige verständigt
werden. Keine pflegerischen Maßnahmen durchführen, damit sich der Sterbende in
Ruhe lösen kann. Die Frauen bevorzugen gleichgeschlechtliche Pflegekraft. Bei den
Männern ist es egal. Die Reinigung mit fließendem Wasser hat große Bedeutung, da
es als Rückkehr zum Ursprung gilt. Das Waschen durch Baden ist unhygienisch
(https://books.google.at/books?id=EUjTD4KjvV0C&pg=PA159&lpg=PA159&dq=pfleg
e+in+der+sterbephase+bei+der+juden&source=bl&ots=undijfRMiJ&sig=cR9TjYSyBF
3PT1npVLfpkaUDudI&hl=de&sa=X&ei=qFKwVMrPHoLraLutgKAN&ved=0CEwQ6AE
wBw#v=onepage&q=pflege%20in%20der%20sterbephase%20bei%20der%20juden
&f=false).
25
3.2
Islam
3.2.1 Glaubensgrundlagen
Islam ist Glaube der Muslime, was übersetzt „sich Gott unterwerfend“ bedeutet. Es
gibt keinen Gott außer Allah und sein Prophet ist Mohamed. Die fünf Säulen des
Islams sind Grundpflichten jeder Muslime: 1) der Glaube an Allah als einzigen Gott
und Mohamed als dessen Propheten (Sashada), 2) fünf Mal täglich betten (Salat), 3)
Fastenmonat Ramadan (Saum), 4) Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch) einmal im
Leben, 5) die Gabe von Almosen an Bedürftige (Zaktat). Islam gibt es in drei
unterschiedlichen Glaubensrichtungen: Sunniten (90%), Schiiten (6%), Alewiten
(4%). Das höchste Glaubensziel im Islam ist der Frieden. Die Gesundheit und
Krankheit gehören gleichermaßen zum Leben (vgl.Kraill, 2010, S.8ff). Islam hat 1,6
Milliarden Anhänger und ist nach dem Christentum die zweitgrößte Religion.
Derjenige, der dem Islam angehört ist Muslime, im deutschsprachigen Raum als
Moslem bezeichnet. Der größte Anteil der Muslime lebt in Indonesien (12,9%),
Pakistan (11,1%), Indien (10,3%), Bangladesch (9,3%). Muslimisch geprägte Länder
sind Albanien, Bosnien, Mazedonien, der Kosovo und die Türkei. Die textliche
Grundlage des Islams ist der Koran. In Österreich leben ca. 500.000 Muslime
(http://de.wikipedia.org/wiki/Islam).
ABB 2: Stern und Mondsichel = Symbol des Islams
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Islam)
26
3.2.2 Umgang mit Berührung im Islam
Die Pflege von muslimischen Patienten kann schnell zu großen Missverständnissen
führen.
Im
Islam
herrscht
geschlechtliche
Trennung
(wenn
möglich
von
gleichgeschlechtlichen Pflegepersonen zu betreuen). Ganz wichtig ist die Wahrung
der Intimsphäre. Es ist wichtig, sich in einer sauberen Umgebung zu befinden.
Gewaschen wird immer unter fließendem Wasser und ohne Unterbrechung. Von
Bädern oder Ganzkörperwäsche wird abgesehen. Nach jeder Harn- oder
Stuhlausscheidung soll man sich waschen oder mit einem feuchten Tuch abwischen.
Die Intimpflege erfolgt nur mit fließendem Wasser und mit der linken Hand (kein
Toilettenpapier
verwenden).
Die
Verwendung
von
Inkontinenzprodukten
ist
unerwünscht. Wenn möglich sollte ein Paravent aufgestellt werden. Oftmals
übernehmen
auch
Angehörige
die
Körperpflege.
Die
Frauen
sollten
die
Körperbehaarung im Achsel- und im Schambereich entfernen. Finger und
Zehennägel sind immer kurz zu halten. Ganz wichtig ist es, eigene Kleidung oder ein
langes Nachthemd zu tragen. Die Frauen tragen immer ein Kopftuch. Sexualität ist
ein Tabuthema. Sie liegen auf der rechten Seite, vollständig zugedeckt und die Füße
sollen in Richtung Mekka liegen. Schlafmedikamente werden nicht akzeptiert (vgl.
Kraill, 2010, S.13ff). Gegessen wird nur mit der rechten Hand und nach dem Gebet.
Auch Medikamente aller Art sowie rektale Untersuchungen werden verweigert. Bei
Berührung ist Vorsicht geboten. Wichtig ist es zu wissen, dass Moslems dem
anderen Geschlecht nicht die Hand geben dürfen, Blickkontakt zu meiden und auch
Händeschütteln zur Begrüßung kennt der Islam nicht (vgl. Kraill, 2010, S.17ff). Die
Sterbenden dürfen nie alleine gelassen werden, deshalb werden sie meist von dem
Angehörigen betreut und es wird ein muslimischer Seelsorger (Hoca-Imam)
informiert. Ein Muslim darf nicht durstig sterben. Wenn möglich zum Trinken geben
ansonsten den Mund ständig befeuchten. Der Sterbende wird mit dem Körper in
Richtung Mekka gedreht und dabei wird er von Angehörigen unterstützt (in
Ausnahmefällen darf das Pflegepersonal helfen). Das Berühren von Andersgläubigen
ist nur mit Handschuhen möglich. Nach dem Tod gilt, dass Muslime nicht vom
anderen Geschlecht nackt gesehen werden dürfen. Die Frauen dürfen während der
Menstruation nicht zu den Sterbenden (vgl. Kraill, 2010, S.28). Die Muslime glauben,
dass das Leben erst nach dem Tod beginnt. Das Thema darf in Gegenwart des
Sterbenden nicht erwähnt werden, es darf nur über seine guten Taten gesprochen
27
werden. Trauerreaktionen sind nicht erlaubt (vgl. Kraill 2010, S.23). Die Angehörigen
spielen eine große Rolle. Es ist ganz wichtig, diese in den Sterbeprozess
einzubeziehen
(http://www.rudolfinerhaus.at/fileadmin/media/5_
Pflegebildung/Schule/FBA/Kraill_Elisabeth_2010.pdf).
28
3.3
Buddhismus
3.3.1 Glaubensgrundlage
Der Buddhismus ist eine Religion die ihren Ursprung in Indien findet. Weltweit gibt es
ca. 380 Millionen Anhänger. Hauptsächlich ist er in Süd-, Südost-, und Ostasien
verbreitet. Die Hälfte aller Buddhisten lebt in China. In Europa leben heute ca. 1,8
Millionen. In Österreich leben ca. 25.000 Buddhisten. Die Grundlagen dieser Religion
sind die vier edlen Wahrheiten:
1. das Leben ist in der Regel von Leid (dukkha) über Geburt, Alter, Krankheit und
Tod geprägt
2. dieses Leid ist durch die drei Geistesgifte Gier, Hass und Verblendung verursacht
3. das zukünftige Leid kann durch die Vermeidung dieser Ursachen nicht entstehen
4. die Mittel zur Vermeidung von Leid und damit zur Entstehung von Glück
Die Buddhisten berufen sich auf die Lehren des Siddhartha Gautama, der in
Nordindien lebte. Er wird als Buddha bezeichnet (Erwachter). Die buddhistische
Lehre
kennt
keinen
Allmächtigen
Gott
oder
eine
ewige
Seele
(http://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus).
ABB 3: Buddha Statue = Symbol des Buddhismus
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus)
29
3.3.2 Umgang mit Berührung im Buddhismus
Die Medikamente, wie zum Beispiel Schmerzmittel oder Sedativa werden abgelehnt.
Die Füße, die als unrein gelten, sollen nicht auf eine eventuell im Zimmer
vorhandene Buddha Statue zeigen. Die natürlichen Körperöffnungen gelten ebenso
als unrein.
Die asiatischen Buddhisten legen Wert darauf, dass buddhistische Frauen vom
weiblichen
Pflegepersonal,
und
männliche
Buddhisten
vom
männlichen
Pflegepersonal gepflegt werden. Im westlichen Buddhismus ist es nicht so streng
geregelt, aber es muss abgesprochen werden. Zur Vorbereitung auf den
Sterbeprozess wird ein buddhistischer Lehrer gewünscht. Der Tod wird als Beginn
einer neuen Existenz betrachtet. Neben dem Bett eines Sterbenden versammeln sich
dessen Familie, Mönche, Lehrer und betreuende Personen. Es muss vermieden
werden, dass jemand in der Nähe des Sterbenden, Ärger auslöst. (egal wer:
Angehörige, Pflege-, Hauswirtschaft-, Reinigungspersonal). Wenn Gefühle wie Ärger
oder Hass aufkommen, führt das nach buddhistischem Glauben zu einer
ungünstigen Wiedergeburt. Die Wünsche des Sterbenden soll man berücksichtigen.
Da Buddha auf der rechten Seite gestorben ist, sollte man den Sterbenden (wenn er
wünscht) auf die rechte Seite drehen. Um den Sterbeprozess nicht zu stören, soll
man den Körper für mehrere Stunden nicht berühren. Weinende und Wehklagende
Menschen werden von ihm ferngehalten. Im buddhistischen Glauben tritt der Tod ein,
wenn der Sterbende dreimal ausatmet und nach dem dritten Ausatmen nicht mehr
einatmet
(http://www.beckshop.de/fachbuch/inhaltsverzeichnis/9783170213371_TOC_001.pdf
).
30
3.4
Hinduismus
3.4.1 Glaubensgrundlage
Mit fast 1,1 Milliarden (etwa 15% Weltbevölkerung) ist er nach dem Christentum
(31%) und Islam (23%) die drittgrößte Weltreligion. Sein Ursprung liegt in Indien. Die
Anhänger werden Hindus genannt. Die Gläubigen glauben, dass sich das Leben und
der Tod in einem Kreislauf (Samsara) befinden. Die Hindus glauben an eine
Reinkarnation. Rund 92% Hindus leben in Indien, 81% Nepal, Bali 90%, Mauritius
49%, Fiji 30%. Die Hindus sind auch in Amerika, Afrika und Europa stark vertreten.
Das Wort „Hindu“ stammt aus dem Persischen und bedeutet Fluss Indus.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Hinduismus). Der Hinduismus ist kein Name sondern
wird mehr als geografische Bezeichnung für das Land und den Fluss Indus und seine
Bewohner angesehen (vgl. B. Heller 2012 S. 32). Der Tod wird als Akt der Befreiung
in eine geistig- spirituale Wirklichkeit (Moksha) bezeichnet (vgl. Heller, 2012, S. 33).
ABB 4: OM-Zeichen = bei Hindus heilig
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hinduismus)
31
3.4.2 Umgang mit Berührung im Hinduismus
Entscheidend
ist
eine
Absprache
zwischen
Pflegepersonal,
Patienten
und
Angehörigen. Körperpflege ist für die Hindus sehr wichtig. Die Hindus duschen
täglich (wenigstens eine Ganzkörperwaschung) und mindestens zweimal Mundpflege
nach jedem Essen. Die Körperpflege kann nur von Gleichgeschlechtigen Personal
durchgeführt werden. Das Schamgefühl ist sehr ausgeprägt. In der Sterbephase sind
die Bedürfnisse, Wünsche und Notwendigkeiten sehr unterschiedlich und sind immer
abzuklären. Manchmal können sich die Patienten nicht äußern und solche
Situationen bedeuten Stress für das Pflegepersonal. Auf Wunsch ruft man einen
Priester. Das Wasser aus dem Ganges Fluss (Weihwasser) spielt eine große Rolle
(http://www.johannes-hospiz.de/cms/upload/pdf/Begleitung_ sterbender_Hindus.pdf).
32
3.5
Christentum
3.5.1 Glaubensgrundlage
Das Christentum ist eine Religion die aus dem Judentum hervorging. Die Anhänger
werden Christen genannt. Mit rund 2,3 Milliarden Anhängern ist sie die am weitesten
verbreitete Religion. Ein jüdischer Wanderprediger, Jesus von Nazareth, ist von
zentraler Bedeutung für das Christentum. Dieser wurde in Jerusalem gekreuzigt, ist
von den Toten auferstanden und wird Sohn Gottes genannt. Die Anhänger nennen
ihn Jesus Christus. Die Christen glauben an einen Gott. Jesus ist nach christlichem
Glauben der wahre Gott und wahre Mensch. Der Tod Jesus am Kreuz bewirkt die
Erlösung von Schuld und Sünde der Menschheit. Jesus Christus hat das kommende
Gottesreich verkündet (http://de.wikipedia.org/wiki/Christentum). Jesus wurde vor
ungefähr 2000 Jahren in Palästina (heutige Israel) von Mutter Maria geboren. Als
Prediger verkündigte er ein Reich des Friedens und Gerechtigkeit. Er wurde als
Anführer festgenommen und zum Tod am Kreuz verurteilt. Jedes Jahr zu Ostern
feiern die Christen die Auferstehung Jesu. Die Bibel ist das Heilige Buch der
Christen. Das wichtigste Symbol der Christen ist das Kreuz. Die Gottesdienste finden
in einer Kirche statt und werden von einem Priester geleitet. Das wichtigste Gebot ist:
„Liebe deinen nächsten wie dich selbst“. Der heilige Tag der Christen ist der
Sonntag. Die römisch- katholische, die evangelische und die orthodoxe Kirche sind
die drei größten christlichen Glaubensrichtungen. Für die Katholiken ist der Papst der
Stellvertreter von Jesus auf Erde (http://www.lehrerweb.at/materials/gs/religion/print/
weltrel/christentum.pdf).
33
ABB 5: Kreuz mit Corpus = Symbol der Christen
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Christentum)
3.5.2 Umgang mit Berührung im Christentum
Der Tod ist der Übergang in das ewige Leben. Die Krankensalbung ist ganz wichtig
und wird von einem Priester durchgeführt. Das Beten spielt eine große Rolle (zum
Beispiel das Vaterunser, Psalmen oder auswendig gelernte Gebete). Es ist erlaubt
Hand zu halten. Das Beten findet mit Priestern und Angehörigen statt. Der
Sterbende, der meistens nicht mehr dazu in der Lage ist zu sprechen, kann jedoch
noch sehr lange hören. Neben geprägten Worten sich auch sinnfällige Gesten eine
fühlbare Hilfe am Sterbebett. Für den Sterbenden ist es sehr wichtig, dass er bei der
Hand gehalten wird. Dies zeigt sich dadurch, dass wenn man die Hand loslässt, er
nach ihr greift. Vielleicht reicht sein Bedürfnis nach Geborgenheit und Angenommen
sein über menschliche Nähe hinaus (vgl. Birgit Heller 2010, S.125).
Bei der Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen, stellen ihre
Angehörige wichtige und unverzichtbare Partner dar. Um es für den Betroffenen so
leicht wie möglich machen zu können, ist es wichtig die Angehörigen mit
einzubeziehen. Für die Angehörigen ist es wichtig, dass sie vom Pflegepersonal nicht
ständig korrigiert werden, sondern das Pflegepersonal soll vielmehr einen
Gesprächspartner darstellen, mit dem sie über ihre Gefühle, Ängste, etc. sprechen
können. Angehörige kennen oft nicht den richtigen Umgang, das Pflegepersonal soll
sie in solchen Situationen begleiten und unterstützen.
34
4.
Was brauchen pflegende Angehörige (Michaela Madl)
Man kann einen sterbenden Menschen bis zuletzt begleiten und mit Hilfe des
Wissens um nonverbale Kommunikation die Verbindung zwischen „ich und du“
aufrecht erhalten. Pflegende Angehörige haben eine verantwortungsvolle Aufgabe,
die sie mit viel Liebe und Hingabe Tag für Tag ausüben. Die letzte Phase des
Lebens ist für Angehörige dennoch oft schwer zu bewältigen, vor allem, wenn die
Möglichkeit sich sprachlich untereinander auszutauschen, nicht mehr gegeben ist.
Die meisten Angehörigen sind in dieser schwierigen Zeit überfordert, sie wissen
oftmals nicht, wie sie mit ihrem Familienmitglied einfühlsam und ohne Worte
kommunizieren können. Angehörige stoßen in solchen Situationen nicht selten an
ihre Grenzen und ziehen sich vom Sterbenden zurück. Sie sind sich unsicher, haben
Angst und fürchten sich davor, im Umgang mit Sterbenden etwas falsch oder nicht
richtig zu machen.
„Ein tatsächlich (noch) lebender Mensch ist sozial tot, wenn er mit anderen
Menschen und besonders mit Bezugspersonen nicht (mehr) kommuniziert und in
Interaktion steht und wenn seine Bekannten, Freunde und Verwandten sich ihm
gegenüber so verhalten, als existiere er nicht (mehr)“ (Kostrzewa & Kutzner, 2009,
S.21).
Umso wichtiger ist es, pflegende Angehörige mit ihrer Hilflosigkeit nicht alleine
stehen zu lassen. Daher ist es Aufgabe, fachlich kompetenter Pflegepersonen,
Angehörige als direkte Bezugsperson zu begleiten, stützen, informieren und anleiten,
damit diese ihren schwerkranken Sterbenden weiterhin gut betreuen können. Es gilt
also, die Beziehung zwischen Patient – pflegende Angehörige – Pflegefachpersonen
bewusst aufzubauen um die zwischenmenschliche Brücke, in Form von nonverbaler
Kommunikation aufrecht zu halten.
„Kommunikation gilt als Herzstück zwischenmenschlicher Beziehungen, ja ohne
Kommunikation ist keine Beziehung denkbar“ (Specht-Tomann & Tropper, 1999,
S.121).
In der Begleitung von sterbenden Menschen, ist die Berührung mit den Händen eine
häufige Geste der Unterstützung, der Beruhigung, des Trostes, vor allem aber ein
35
Zeichen für „ich bin bei dir“. Unser Leben ist, mehr denn je, der Kommunikation
verschrieben. Von den ersten Stunden und Tagen unseres Lebens bis ins hohe Alter
kommunizieren wir.
4.1
Ausw ertung und Ergebnis des Fragebogen s
Wir, die Verfasser dieser Projektarbeit, sind als professionelle Pflegepersonen in
verschiedenen Bereichen tätig. Hierzu gehören die Palliativstation, das Pflegeheim,
die Hauskrankenpflege und das mobile Palliativteam. Dennoch sind es immer wieder
dieselben Fragen, die uns von Seiten pflegender Angehöriger gestellt werden.
„Kann ich berühren? Wie kann ich berühren? Wie kann ich Berührungen einsetzen?
Wo kann ich berühren? Womit? Will der Betroffene überhaupt berührt werden?“
Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, einen Fragebogen auszuarbeiten. In
diesem wurde erhoben, wie pflegende Angehörige grundsätzlich zum Thema
Berührung stehen und was es noch braucht, um Berührung als Kommunikation in die
Pflege und Betreuung schwerkranker, sterbender Menschen zu integrieren und gut
umsetzen zu können. Ziel dieser Befragung war es, Meinungen und Erfahrungen von
pflegenden Angehörigen, welche sterbenskranke Menschen betreuen, zu erhalten,
um darauf aufbauend einen Leitfaden zu entwickeln, in dem Informationen sowie
ausgesuchte Möglichkeiten der nonverbalen Kommunikation in Form von Berührung
aufgezeigt werden.
Der Fragebogen beinhaltet vier geschlossene und eine offene Frage, welche uns als
Anreiz, zugleich auch als Denkanstoß dienten, wichtige Informationen anschließend
in den Folder für pflegende Angehörige zu übernehmen.
Insgesamt wurden 50 Fragebögen ausgegeben, davon
45 Stück an die
Projektgruppe ausgefüllt zurückgegeben. Die fehlenden 5 Stück wurden aufgrund
des vorzeitigen Versterbens des zu pflegenden Angehörigen nicht wieder an uns
ausgehändigt. Das Ergebnis der Auswertung möchte ich zum besseren Verständnis
anhand der gestellten Fragen darstellen und anschließend bildlich in einem
Diagramm aufzeigen. Die angegebenen Zahlen in der ersten bildlichen Darstellung
beziehen sich auf die Anzahl an Personen, die die Projektgruppe durch das Ausfüllen
eines Fragebogens unterstützt hat.
36
Folgende geschlossenen Fragen mit den Antwortmöglichkeiten „ja“ oder „nein“
wurden im Fragebogen gestellt:
1. Glauben Sie, dass man über Berührung kommunizieren kann?
2. Glauben Sie, dass Symptome wie Angst und Unruhe durch spezielle
Berührungen gelindert werden können?
3. Wäre es für Sie hilfreich, in der Begleitung Ihres schwerkranken Angehörigen,
Formen der nonverbalen Kommunikation in Form von Berührung aufgezeigt zu
bekommen, um diese dann anzuwenden?
4. Fällt es Ihnen schwer, Ihren schwerkranken Angehörigen zu berühren?
Die Antworten zu den oben stehenden Fragen sind im folgenden Diagramm
dargestellt:
Auswertung Fragen 1 - 4
1
2
45
40
35
30
ungültig
25
45
45
43
43
20
nein
ja
15
10
5
1
0
1. Frage
2. Frage
3. Frage
4. Frage
ABB 6: Diagramm Über die Auswertung der Fragen 1 - 4
37
„Einen anderen Menschen zu berühren, bedeutet immer ein sehr intimes
Geschehen. Wichtig ist dabei, einerseits die eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu
respektieren sowie andererseits sensibel für die Bedürfnisse und Reaktionen des
Patienten zu sein“ (Nagele & Feichtner, 2009, S.97).
Die letzte der 5 Fragen wurde offen gestellt. Für uns war es wichtig, herauszufinden
in welchen Bereichen es noch an Unterstützung bedarf, wo in Hinsicht für die Pflege
noch zu arbeiten ist, wie und in welchen Bereichen professionell pflegende
Angehörige informieren, anleiten und beraten können. Für alle in der Betreuung
eines
schwerkranken
sterbenden
Menschen,
muss
es
ermöglicht
werden,
angemessene Hilfestellung entgegen zu bringen.
5. Was könnte für Sie hilfreich sein, wenn sich Ihr Angehöriger nicht mehr mit
Worten mitteilen kann?
Die Ergebnisse dieser offen gestellten Frage werden ebenfalls in einem Diagramm
abgebildet. Ähnliche Angaben der Befragten wurden in Gruppen zusammengefasst
und mit einem treffenden Begriff betitelt und dargestellt. Durch die offene
Fragestellung kam es auch zu Mehrfachnennungen, deshalb entsprechen die
gegebenen Antworten nicht den an der Umfrage teilgenommenen Personen.
Auswertung Frage 5
4
5
Keine Angaben
13
Nonverbale Kommunikation verstehen
8
Unterstützung durch Fachpersonal
14
17
Gefühl des "Daseins" vermitteln können
Empathie
Ressource "Zeit"
ABB 7: Diagramm über die Auswertung der Frage 5
38
Berührung ist viel mehr als nur ein Mittel zum Zweck. Berührungen können
beeinflussen. Berührung ist Begegnung, ist Kommunikation, ist Gemeinsamkeit. In
jeder Berührung drückt sich seinem Gegenüber eine Beziehung aus.
Vielen der Befragten ist es wichtig, die Körpersprache des Betroffenen zu erkennen
und zu deuten wissen. Gestik und Mimik spielen dabei eine große Rolle: „Wie kann
ich erkennen, ob es dem Angehörigen gut oder schlecht geht“? Viel Zeit, sich auf
Gefühle einzulassen, mit dem Menschen gemeinsam zu spüren um Zuneigung zu
vermitteln. Immer wieder aber auch wird betont, dass es seitens der Angehörigen
keine gute Begleitung gibt, ohne ein fachlich kompetentes Team im Hintergrund zu
haben. Für betroffene Angehörige ist es wichtig, professionelle Ansprechpersonen zu
haben, die mit ihrer Erfahrung beraten, begleiten und unterstützen.
Hinsichtlich der Auswertung des Fragebogens, ist mir noch deutlicher geworden,
dass nicht „nur“ der Patient im Mittelpunkt steht. Unser Augenmerk auf pflegende
Angehörige soll dazu ermutigen, dass Kommunikation, auch wenn diese sprachlich
nicht mehr möglich ist, aufrecht erhalten bleibt und zwar in Form von Berührung.
4.2

Einige Tipps zur Berührung mit sensiblen Händen
Es gibt Gerüche, die einem Sterbenden besonders unangenehm sein können.
Achten und kontrollieren sie Ihre Hände, ob diese nach Rauch, Knoblauch oder
anderen Duftstoffen riechen.

Geben sie Acht, dass eingerissene Nägel, rauhe Haut, kratzige Kleidungsstücke
oder Schmuck, den zu pflegenden Patienten nicht irritieren.

Nicht mit kalten Händen berühren! Die Handflächen gegenseitig einige Male
aneinander reiben, kann sehr hilfreich sein.

Versuchen Sie nachzuvollziehen, welche Gefühle Sie mit Ihren Händen
übertragen.
39

Achten
Sie
auf
die
Berührungsqualität,
verändern
Sie
bewusst
die
Geschwindigkeit der Bewegungen oder auch die Druckstärke – versuchen Sie
Ihre Berührungen zu reflektieren.

Zu schnelle, hastige, ruckartige oder zu verlangsamte Bewegungen sind
unangenehm. Selbstsichere Hände sind wohlbekommen und wohltuend.

Legen Sie Ihre Hand unter die des Sterbenden. So fühlt sich dieser eher
getragen und hat die Möglichkeit, seine Hand auch wieder von ihrer zu lösen.

Beobachten Sie Körpersprache des Sterbenden, welche Berührungen ihm am
angenehmsten ist (vgl. Otterstedt 2005, S.101ff).
4.3
Fallbeispiel:
Ich möchte hier kurz ein Beispiel aus meiner Praxis, also aus meiner eigenen
Erfahrung anführen. Durch meine Tätigkeit im mobilen Palliativteam durfte ich vor
knapp einem Jahr ein Ehepaar kennenlernen, welches seit über 60 Jahren
verheiratet ist. Fr. D., sie ist die Patientin, die wir betreuen, steht kurz vor ihrem 90.
Geburtstag. Als Grunderkrankungen sind eine Demenz vom Typ Alzheimer, eine
Herz-, sowie eine Niereninsuffizienz bekannt. Der Gatte, bereits 94 Jahre,
selbständig mobil, kognitiv keine Einschränkungen. Er kümmert sich gemeinsam mit
Unterstützung einer 24 Stunden Betreuung um seine Gattin. Die Anforderung zur
unterstützenden Betreuung erfolgte durch die Tochter des Ehepaares. Der Grund
sowie die Bitte einen Hausbesuch durchzuführen war der, dass der Gatte mit der
Gesamtsituation nicht mehr zurechtkam. Der Rückzug seiner Frau aufgrund der
Alzheimer Demenz und der damit zunehmender „Nichtkommunikation“ machte die
Betreuung für den Gatten mehr als schwierig. Das Fortschreiten der Krankheit, führte
dazu, dass die aktive Beteiligung am täglichen Leben seitens der Patientin kaum
noch vorhanden war, zudem noch der Verlust des sprachlichen Miteinanders. Für
den Gatten war die Situation nicht mehr auszuhalten. Viele gemeinsame Jahre, die
das Ehepaar miteinander verbrachte, waren auf Basis einer guten Kommunikation
aufgebaut, welche nun nicht mehr stattgefunden hat. Ein Gefühl der Verzweiflung
und Hilflosigkeit tat sich auf, hinzukommend auch das Nichtwissen im Umgang mit
40
Demenz, und der dadurch entstandenen Veränderung der Betreuungssituation. Beim
ersten Hausbesuch habe ich bemerkt, dass der Gatte die veränderte Situation
überhaupt nicht annehmen konnte, er war verzweifelt und völlig hilflos. Im Laufe
eines langen Gespräches konnte vorerst eine gute Gesprächsführung zwischen dem
Gatten und mir hergestellt werden. Während des ganzen Gespräches hielt ich die
Hand seiner Gattin und streichelte diese. Dem Gatten ist aufgefallen, wie ruhig die
Patientin in dieser Zeit war und wie zufrieden sie in ihrem Bett gelegen hat. Für den
Gatten war das eine völlig neue Situation, er war überrascht, welche positiven
Auswirkungen eine simple Berührung machte. Es folgten noch viele weitere
Besuche, jeder Besuch brachte mit unserer Unterstützung das Ehepaar gegenseitig
wieder näher. Es wurden beruhigende Ausstreichungen an Armen und Beinen
gemacht, zuerst gemeinsam, dann durch den Gatten alleine. Die nonverbale
Kommunikation in Form von Berührung wurde dem Gatten näher gebracht. Eine
ehrenamtliche Mitarbeiterin vom Hospizverein, die auch eine spezielle Ausbildung im
Umgang mit Demenzpatienten hat, wurde in die Betreuung mit eingebunden.
Mittlerweile ist es so, dass der Gatte kaum noch Unterstützung unsererseits benötigt.
Ich zitiere den Gatten: „Ich bin so froh, dass ich professionelle Unterstützung
bekommen habe. Mein Dank ist unendlich. Auch wenn sich meine Frau verbal nicht
mehr äußern kann, verstehen wir uns ohne Worte sehr gut. Und noch eines möchte
ich gerne sagen, ich will mir nichts einbilden, aber diese vielen Berührungen die
meiner Gattin zu teil werden, sind besser als jedes Medikament“.
41
Deine Hände
>>Schläfst du?<< - >>Nein, ich schlafe nicht.
Draußen weht der Wind so sehr<< >>Willst du Wasser? Willst du Licht? << >>Deine Hände gib mir her.
Deine Hände lieb ich so.
Sind so still und sind so kühl.
Halt ich sie, so werd ich froh.
Bin getrost, wenn ich sie fühl.
Hold mir noch der bittre Tod
Lächeln mir, tritt er mich an,
Wenn ich in der letzten Not
Deine Hände halten kann<<
(PRERADOVIC, P. v.)
42
5.
Resümee
5.1
Jurtin Ines
Durch die Auseinandersetzung mit der Projektarbeit wurde mir bewusst, wie
umfassend sich das Thema Berührung darstellt. Berührungen gehören zum
pflegerischen Alltag und werden als ein Teil der Pflegehandlung oft zur Routine. Mir
wurde auch klar, wie sehr es auf die Art und Weise der Berührung ankommt und
dass es notwendig ist zu hinterfragen, ob meine Berührung für den Sterbenden als
angenehm empfunden wird.
Beim Schreiben der Arbeit habe ich aber auch bemerkt, wie sehr mich dieses Thema
selbst „berührt“ und dass der Wiedereinstieg in den Basislehrgang für mich aufgrund
meiner gesundheitlichen Vorgeschichte, viel zu früh war. Ich kam dabei immer wieder
an meine eigenen Grenzen und benötigte dringend die Motivation meiner
Projektgruppe.
Mir wurde bewusst, dass man sich mit dem Thema Palliativpflege nur dann wirklich
auseinandersetzen kann, wenn man sich vollkommen darauf einlässt und zulässt.
Für mich persönlich – wie möchte ich berührt werden, wenn ich mich verbal nicht
mehr mitteilen kann.
5.2
Moitzi Eva
Die Entscheidung an diesem Projekt mitzuarbeiten war für mich am Anfang der
Themenwahl gleich klar. Da die Berührung als Kommunikation und dies vor allem in
der letzten Lebensphase ganz etwas Wertvolles ist. Es bedarf unserer Hilfe, diesen
Menschen empathisch und hilfreich zur Seite zu stehen – sie zu unterstützen und in
Ihrem Tun zu stärken und wenn notwendig, auch zu führen und begleitend da zu
sein. In unserem Arbeitsalltag macht man Berührung ganz automatisch, diese kann
aber auch oft für uns eine Belastung sein. Durch das Erarbeiten dieses Projektes und
das intensive Auseinandersetzen mit bewusster Berührung, hat es mich in meinem
eigenen Handeln gestärkt und gezeigt, dass wir, auch wenn nichts mehr zu tun ist
noch vieles möglich und machbar ist.
43
Ich gehe jetzt in meiner täglichen Arbeit mit Menschen noch viel achtsamer in Bezug
auf Berührung um. Besonders wertvoll empfinde ich, den von uns erstellten Folder
für Angehörige. Wenn wir diesen vor allem im Pflegeheimen sowie in der
Hauskrankenpflege integrieren können und auch etwas bewegen können, haben wir
einen großen Beitrag der Palliativ Care geleistet. Schon alleine mit dem
Weitertransportieren beziehungsweise Ausgeben des Folders an Angehörige, setzt
sich die professionelle Pflegekraft mit dem Thema auseinander und wird dadurch im
eigenen Handeln sensibilisiert. Meine Gedanken dazu sind: „Wenn wir nur einen
kleinen Prozentanteil unserer Kollegen damit erreichen, Berührung bewusst
einzusetzen, und Angehörige damit gut unterstützen können, haben wir viel erreicht.
Einen besonderen Dank möchte ich unserer Projektbegleiterin DGKP Serafine Isak
aussprechen, sie hat so viel Herzenswärme und stand uns immer sehr hilfreich zur
Seite – Danke!
5.3
Kajgo Nikica
Das Thema unserer Arbeit ist für mich ausgesprochen interessant. Ich fühlte mich
durch dieses Thema sehr angesprochen, denn Berührung als Kommunikation,
speziell in der letzten Lebensphase, war für mich eine große Überwindung, da es bei
meiner täglichen Arbeit in der Pflege immer wieder für Distanzen gesorgt und ein
Gefühl des Ekels erregt hat. Obwohl ich unzählig mal berührt habe (zum Beispiel bei
der Körperpflege, beim Mobilisieren oder Lagern) war mir jedoch nicht bewusst, was
Berührung wirklich bedeuten kann.
Aufgrund dessen, dass die anderen Mitglieder der Projektgruppe bereits im Bereich
der Palliativpflege tätig sind, war es für mich sehr motivierend an diesem Projekt
mitzuwirken.
Gleichzeitig ist es eine Herausforderung meine Kollegen dazu zu bewegen, sich
bewusst mit dem Thema „Berührung als Kommunikation“ auseinanderzusetzen und
neue Impulse für das gesamte Team zu setzen. Es ist jedoch nicht immer einfach
Neues umzusetzen. Aufgrund der hohen Arbeitsanforderungen und des Zeitmangels,
stoßen wir immer wieder auf Widerstand.
44
Auf der für mich sehr schwierigen Suche nach Literatur zu diesem Thema, wurde mir
deutlich bewusst, welche Rolle Berührung bei schwerstkranken und sterbenden
Menschen in unserer multikulturellen Gesellschaft einnimmt. Die Suche war nicht
immer einfach, da im Speziellen „Berührung als Kommunikation“ in Bezug auf andere
Religionen und Kulturen noch bedeutend zu wenig publiziert wird. Was mir die Arbeit
noch zusätzlich erschwerte, war, dass ich die deutsche Grammatik nicht ausreichend
beherrsche, weil ich im Ausland (Kroatien) geboren und aufgewachsen bin.
Die Kolleginnen in der Projektgruppe haben mich in jeder Hinsicht unterstützt und
waren für mich eine Art motivierende Quelle, für die ich sehr dankbar bin.
5.4
Madl Michaela
Durch die Auseinandersetzung zum Thema und die umfangreiche Literaturrecherche
hatte ich die Möglichkeit noch vieles zu erfahren, wovon ich selbst glaubte bereits zu
wissen. Ich wurde euphorisch, habe mir Bücher gekauft, Zeitschriften sowie
Broschüren zugelegt und habe das Internet nach brauchbarem Arbeitsmaterial
durchstöbert. Mit Erfolg!
Eine große Herausforderung, so habe ich es jedenfalls empfunden, war es, die auf
vier Projektgruppenmitglieder verteilten Themenbereiche in „eine“ Arbeit zu
verpacken. Durch die an mich gegebene und verantwortungsvolle Aufgabe als
Projektleiterin, fühlte ich mich quasi verpflichtet, dass alles rund und reibungslos
abläuft. Wer macht was? Wie? Wann? Auch das Erstellen des Fragebogens und die
anschließenden Auswertungen wurden im Team gemeistert. Auch hier habe ich die
Erfahrung gemacht, dass eine gute Zusammenarbeit nur dann funktioniert, wenn alle
an einem Strang ziehen. Danke an alle aus der Gruppe!
Die gemeinsame Arbeit und Auseinandersetzung mit betroffenen Angehörigen war
für mich eine Bereicherung. Informationen, Tipps und Anwendungen wurden mit
großer Dankbarkeit entgegengenommen und ausgeführt. Immer wieder gab es
positive Rückmeldungen – für mich die Bestätigung „am richtigen Weg zu sein“. Ich
freue mich, Menschen meine erworbenen Erkenntnisse weiterzugeben, sie beraten
zu können und ihnen eine Stütze in schwieriger Zeit zu sein.
45
Durch das Aufzeigen verschiedener Anwendungen, wie man auch in der letzten
Lebensphase die Kommunikation aufrecht erhalten kann, haben pflegende
Angehörige das Gefühl bekommen ein „Werkzeug“ in der Hand zu haben, zu helfen,
etwas Gutes zu tun aber vor allem die Brücke zwischen „Ich und Du“ aufrecht zu
halten.
Eine kurz gefasste Broschüre zur Information pflegender Angehöriger, ist aus meiner
Sicht ein wichtiger Teil um betroffene Personen wissen zu lassen, dass sie nicht
alleine sind und professionelle Unterstützung erhalten. Aus diesem Grund haben wir
uns dazu entschlossen eine solche zu gestalten. Die Broschüre wird an betroffene
Personen ausgehändigt und liegt zusätzlich auf ausgesuchten Stationen oder
Zentren zur Ansicht auf.
Jeder Mensch sollte die Erfahrung machen dürfen durch Berührung berührt zu
werden.
46
Literaturverzeichnis
Heller, Birgit: Wie Religionen mit dem Tod umgehen. Freiburg im Breisgau, 2012
Kojer, Marina, Schmidl, Martina: Demenz und Palliative Geriatrie in der Praxis. Wien,
2011
Kostrzewa, Stephan, Kutzner, Marion: Was wir noch tun können. Basale Stimulation
in der Sterbebegleitung. Bern, 2009
Krieger, Dolores: Therapeutic Touch. Die Heilkraft unserer Hände. Bielefeld, 2012
Kübler-Ross, Elisabeth: Interviews mit Sterbenden. München, 2001
Nagele, Susanne, Feichtner, Angelika: Lehrbuch der Palliativpflege. Wien, 2009
Otterstedt, Carola: Der nonverbale Dialog. Dortmund, 2005
Schäffler, Arne (Hrsg): Pflege heute. Lehrbuch und Atlas für Pflegeberufe. Ulm, 1998
Schäfler, Arne (Hrsg.): Pflege heute. Lehrbuch und Atlas für Pflegeberufe. München,
2000
Specht-Tomann, Monika, Tropper, Doris: Zeit des Abschieds. Sterbe- und
Trauerbegleitung. Düsseldorf, 1999
Werner, Monika, Ruth, von Braunschweig: Praxis Aromatherapie. Stuttgart, 2009
47
Verzeichnis der Quellen aus dem Internet
http://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus
http://de.wikipedia.org/wiki/Christentum
http://de.wikipedia.org/wiki/Hinduismus
http://de.wikipedia.org/wiki/Islam
http://de.wikipedia.org/wiki/Judentum
http://www.basale-stimulation.at/pdf_datei/bs_aus_der_sicht_eines_arztes.pdf
http://www.beckshop.de/fachbuch/inhaltsverzeichnis/9783170213371_TOC_001.pdf
http://www.cdkschweiz.ch/wissen/ethik/andere-kulturen-in-der-pflege.html
http://www.johannes-hospiz.de/cms/upload/pdf/Begleitung_ sterbender_Hindus.pdf
http://www.lehrerweb.at/materials/gs/religion/print/ weltrel/christentum.pdf
http://www.rudolfinerhaus.at/fileadmin/media/5_Pflegebildung/Schule/FBA/Kraill_Elis
abeth_2010.pdf
http://www.so.ch/fileadmin/internet/ddi/igsaa/13_4_Betreuung_Pflege/MAS_Sterbebe
gleitung_Todesfall.pdf
https://books.google.at/books?id=EUjTD4KjvV0C&pg=PA159&lpg=PA159&dq=pfleg
e+in+der+sterbephase+bei+der+juden&source=bl&ots=undijfRMiJ&sig=cR9TjYSyBF
3PT1npVLfpkaUDudI&hl=de&sa=X&ei=qFKwVMrPHoLraLutgKAN&ved=0CEwQ6AE
wBw#v=onepage&q=pflege%20in%20der%20sterbephase%20bei%20der%20juden
&f=false
www.basale-stimulation.at
48
Abbildungsverzeichnis
Abb 1: Davidstern = Symbol der Juden ..................................................................... 24
Abb 2: Stern und Mondsichel = Symbol des Islams .................................................. 26
Abb 3: Buddha Statue = Symbol des Buddhismus .................................................... 29
Abb 4: OM-Zeichen = bei Hindus heilig ..................................................................... 31
Abb 5: Kreuz mit Corpus = Symbol der Christen ....................................................... 34
Abb 6: Diagramm Über die Auswertung der Fragen 1 - 4 ......................................... 37
Abb 7: Diagramm über die Auswertung der Frage 5 ................................................. 38
49
Anhang
Begleitschreiben
50
Fragebogen
51