Viele Unternehmen geben Geld an der falschen Stelle aus.

managerSeminare | Heft 213 | Dezember 2015
Foto: Thies Rätzke
Speakers Corner
Henrik Meyer-Hoeven
über Weiterbildungsinvestitionen
„Viele Unternehmen geben Geld an
der falschen Stelle aus.“
M
an kennt das aus dem Spitzensport, vor allem dem Fußball:
Das Team bleibt hinter den Erwartungen zurück, und schon geht die
hektische Suche nach dem geeigneten
Trainer los. Schlechte Ergebnisse,
neuer Trainer – das ist das Mantra
vieler Clubmanager. Nur wenige Vereine pflegen eine langfristige Zusammenarbeit in guten wie in schlechten
Zeiten. Und dass, obwohl die Analyse
von mehr als 150 Trainerentlassungen in der Fußball-Bundesliga
zwischen 1963 bis 2009 gezeigt hat,
dass ein Wechsel des Coachs nur selten einen Effekt hatte. Im Gegenteil:
Die betroffene Mannschaft spielte
den Rest der Saison mit dem neuen
Trainer genauso gut oder schlecht wie
mit dem alten Trainer.
Immerhin haben manche Vereine
mittlerweile dazugelernt. Ihnen geht
es bei der Suche nach dem passenden
Trainer weniger um die Person als
vielmehr um einen umfassenden
„Spielsystem“-Ansatz. So gibt es ein
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„System Löw“, ein „System Tuchel“
und ein „System Guardiola“. Das
bedeutet: Alle an der Performanceentwicklung Beteiligten handeln
systematisch und koordiniert nach
einem umfassenden Konzept. Das
strategische Ziel dahinter: den Erfolg
vom Zufall – und der Person des Trainers – befreien.
Unternehmen sind häufig noch
lange nicht so weit. Sie stecken eher
auf dem Niveau der Fußballclubs fest,
die meinen, ein einzelner Trainer
wird es schon richten. „Wir müssen
unsere Leute wohl mal wieder trainieren“ – Das ist ein typischer, auch
heute noch häufig gehörter Satz von
Führungskräften, wenn es gilt, die
Leistungen oder die Motivation ihres
Teams zu steigern. In etlichen Konzernen gibt es einen üppigen Seminarkatalog, aus dem sich Führungskräfte in so einem Fall fröhlich
bedienen dürfen. Oft wählen auch die
Mitarbeiter Trainings nach ihrem
Gusto aus – und die Chefs nicken
managerSeminare | Heft 213 | Dezember 2015
freundlich ab. Denn Weiterbildung ist
ja politisch korrekt. Die Chefetage
betrachtet sie mit Wohlwollen, denn
ein reichhaltiges Weiterbildungsangebot ist ein fetter Pluspunkt im
Employer Branding.
Resultat: In der Regel geht der Mitarbeiter zum Seminar, bekommt dort
viele neue Wissensimpulse – und vergisst sie gleich wieder, weil der
Arbeitsalltag nach dem Kurs kein
praktisches oder nachhaltiges Umsetzen ermöglicht. Chefs, die gezielt
nachfragen, was denn das Seminar
für den Job gebracht hat und wie der
Mitarbeiter das dort Gelernte für die
tägliche Arbeit nutzen will? Kann
man mit der Lupe suchen. So kommt
auch durch eine an sich gut aufgestellte und üppig budgetierte Personalentwicklung im Unternehmen
kaum etwas zustande, außer: sinnlose Kosten.
Bei genauerem Hinsehen könnten
sich Unternehmen einen Großteil der
Gelder, die sie für Weiterbildung ausgeben, sparen. Denn viele Weiterbildungsprogramme
funktionieren
immer noch nach dem GießkannenPrinzip – willkürlich, ohne nachhaltigen Lerneffekt und damit ohne
Wertschöpfung oder Kapitalbildung
für das Unternehmen. Leider verfolgen nur wenige Unternehmen einen
systematischen Ansatz, wenn es um
die Verbesserung von entscheidenden
persönlichen Kompetenzen der Mitarbeiter geht. Woran liegt das?
Ein wichtiger Grund ist, dass vielen
Firmen gar nicht bewusst ist, wie
wichtig als Grundlage aller Weiterbildung ein gemeinsames Verständnis
davon wäre, was eigentlich wünschenswerte, zu fördernde Kompetenzen sind. Sie präzisieren Kompe-
Henrik Meyer-Hoeven
Prof. Dr. Henrik Meyer-Hoeven hat
an der HSBA Hamburg School of
Business Administration den Lehrstuhl für Organisation und Personal inne und ist zudem Geschäftsführer des Hamburger Personalentwicklers PAWLIK Consultants
GmbH. Kontakt: hmeyer-hoeven@
pawlik.de
tenzen nicht. Sie sind weit von einer
akzeptierten Kompetenzdiagnostik
entfernt.
Das führt zu widersprüchlichen
Anforderungen und Aktivitäten rund
um das Thema Personalentwicklung.
Da hat zum Beispiel eine neue Führungskraft eine Idee, wie sich ihr Mitarbeiter entwickeln sollte. Aber ihr
Vorgänger hatte völlig andere Vorstellungen. Die Personalentwicklung
sieht es wiederum anders. Und die
Trainer, die für die vorigen beiden
Seminare beauftragt waren, verfolgten ebenfalls unterschiedliche
Ansätze. Wie aber soll sich unter solchen Bedingungen ein Mensch systematisch und zielgerichtet entwickeln?
Was vielen Unternehmen fehlt,
ist eine schlüssige Lernarchitektur
– ein „System XY“ wie im Fußball, in
das sämtliche Weiterbildungsmaßnahmen sinnvoll eingebettet sind.
Dazu müssten die Kompetenzen des
einzelnen Mitarbeiters analysiert
werden. Der Status quo müsste mit
den Zielen von Abteilung und Unternehmen abgeglichen werden. Und
auch die Führung und die Bewertungssysteme müssten damit verknüpft werden.
Statt wild Trainings einzukaufen,
sollten Betriebe bei der Wahl der
Lernmethoden zudem viel stärker als
bisher auf modulare Lerninhalten on
the Job setzen. Denn, wie sagte schon
Aristoteles: „Exzellenz ist keine Handlung, sondern eine Gewohnheit“.
Erfolgreiche Gewohnheiten sind eben
kein Produkt singulärer Maßnahmen.
Sie sind ein Produkt des Alltags, wie
auch Forschungsergebnisse der Neuropsychologie bestätigen. Um also
wirklich bessere Ergebnisse zu erzielen, gibt es nur einen überzeugenden
Weg: üben, üben, üben. Und zwar im
beruflichen Alltag. Trainings off the
Job können dabei einen wichtigen
Impuls bieten, sind sie doch sozusagen eine angeleitete Ersterfahrung in
einer Laborsituation.
In einem solcherart langfristig
angelegten Lernsystem geht es um
Lernen in kleinen Schritten – Schritten, die in Tempo, eingesetzten Medien und Inhalten vom Lernenden
selbstbestimmt gesteuert werden.
Wir nennen diesen dynamischen Systemansatz „Flow Learning“. Das ist
nachhaltiger als das übliche Trainingspotpourri – und in der Regel
auch preiswerter.
Henrik Meyer-Hoeven
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