kma report bauen & planen 06/2015

kma Das Gesundheitswirtschaftsmagazin | www.kma-online.de | Juni 2015 | ISSN: 1615-8695
2015
Das Krankenhaus
der Zukunft
Neubauprojekte dauern, die Medizin galoppiert davon: Wer morgen nicht
die Klinik von gestern haben will, muss heute vorausschauend bauen.
Aktuelle
Zehn
aktuelle
Bauprojekte
Bauprojekte
Es gehtbauen
Heute
auch –anders
für morgen
Gebäude-Infrastruktur 2030
Innenraumgestaltung
Traumhimmel
Schöne
neue Welt
überm Tomografen
Waschtisch SILENIO
INHALT
Monat 201x
kaldewei.de
2
report bauen & planenMonat
Juni 2015
IT-Branchen-Report der Krankenhaus Unternehmensführung
2012 | 8.
1. Jg
INHALT UND EDITORIAL
Juni 2015
Nachrichten
Bauaktivitäten deutscher Kliniken
Weniger Kliniken – mehr Bauprojekte
7
Elektromobilität
Pilotprojekt für das E-Auto
Aktuelle Bauprojekte
8
Aktuelle Bauprojekte
Foto: Sander Hofrichter Architekten
4
Heute bauen – für morgen
Bauen & Ausstatten
16
8
Visionär: Drei aktuelle Klinikneubauprojekte porträtieren wir
für Sie – drei „Krankenhäuser der Zukunft“: das Waldkrankenhaus Eisenberg, das KRH Klinikum Siloah Hannover und das
Gesamtklinikum Schaumburger Land.
Karen Treuter: Aktualisierung von Bauprojekten
Permanente Aufgabe für alle
20
Peter Heinen: Nachhaltiges Bauen
Aus Bausünden lernen
24
Ein Blick voraus: Neubau-Eröffnungen 2016
28
Waldkrankenhaus Eisenberg
EDITORIAL
EDITORIAL
Holz, Glas, Waldblick – und die Privacy eines Einzelzimmers
30
KRH Klinikum Siloah Hannover
Solide hellgesehen – für SIE!
Durchdacht und flexibel
32
Krankenhaus-Ambiente
Mut zur Unüblichkeit
38
SRH Wald-Klinikum Gera
Heilkraft von Medizin und Kunst
40
Markenbildung
Kunst als Alleinstellungsmerkmal
42
Marco Schmidt: Gebäude-Infrastruktur 2030
Schöne neue Welt
Unternehmensnachrichten
46
Funktionalität und Farbvielfalt
iQ Granit als zuverlässiger und multifunktionaler Partner
Rubriken
6
market place
48
Grüne Liste
48
Anzeigen- und Produktweltenindex
50
Veranstaltungen und Impressum
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
Niemand kann hellsehen, sicher. Trotzdem ist die Vorstellung
verlockend, einmal einen Blick in die Zukunft zu werfen und eine
Fantasie davon zu entwickeln, wie die Welt wohl in fünf, zehn oder
zwanzig Jahren aussehen mag. Wenn Kliniken neu bauen, können
zwischen der ersten Idee und der Eröffnungszeremonie schnell
viele Jahre vergehen – ja sogar ein Jahrzehnt und mehr. Deshalb
müssen Krankenhäuser geradezu Zukunftsszenarien durchspielen, damit sie sich später ungehindert weiterentwickeln können –
und nicht ihre Fehler von gestern bereuen müssen. Im kma report
bauen & planen 2015, den Sie in Ihren Händen halten, stellen wir
Ihnen brandaktuelle Bauprojekte vor, in denen sich das „Krankenhaus zur Zukunft“ schon manifestiert; oder bei denen sich
die Macher von heute die Mühe gemacht haben, beim Bauen und
Ausstatten an die Verantwortlichen, Patienten und Mitarbeiter
der nächsten Generation(en) zu denken. Und: Wir haben Architekten, Klinik-Bauchefs wie auch Gebäudespezialisten aus der
Wissenschaft eingeladen, einmal laut darüber nachzudenken,
wie das Krankenhaus der Zukunft nach menschlichem Ermessen
aussehen dürfte. Sie haben ein wenig hellgesehen – fundiert und
solide – für SIE!
Viel Freude und Inspiration bei der Lektüre wünscht Ihnen
Adalbert Zehnder, Redakteur bei kma
3
NACHRICHTEN
Bauaktivitäten nach Bundesländern
Bundesland
223
Bayern
Gerd Schifferdecker: „Der Erneuerungsbedarf ist immer noch
erheblich“, sagt der Geschäftsführer
von Schwab Marketing in München.
Seit fast 40 Jahren beobachtet und registriert die Unternehmensberatung
Bauprojekte im deutschen Gesundheitswesen.
BAUAKTIVITÄTEN DEUTSCHER KLINIKEN
Weniger Kliniken – mehr Bauprojekte
Obwohl – und weil – Krankenhäuser Standorte schließen und ihr medizinisches
Angebot zusammenziehen, bleiben ihre Bauaktivitäten lebhaft. Die Münchner Unternehmensberatung Schwab Marketing registriert in ihrer aktuellen Marktstudie
für 2015 wider Erwarten sogar noch mehr Baumaßnahmen als vor einem Jahr.
Nach massiven Investitionen in die Krankenhauslandschaft in Ostdeutschland
nach der Wiedervereinigung und einem
späteren Erneuerungsbedarf auch im
Westen habe er gesamtdeutsch „mit einem
stetigen Rückgang gerechnet“. Genau dies
aber sei überraschenderweise nicht der
Fall. Das Investitionsvolumen aller derzeit
in irgendeiner Weise aktiven Bauprojekte
schätzt der Marktforscher auf „mehr als 20
Milliarden Euro“.
4
203
Baden-Württemberg
136
Niedersachsen
86
Hessen
84
Rheinland-Pfalz
77
Schleswig-Holstein
46
Sachsen
42
Berlin
32
Sachsen-Anhalt
31
Hamburg
27
Mecklenburg-Vorpommern
20
Brandenburg
19
Saarland
17
Thüringen
14
Bremen
5
Summe
1.062
Bayern vorn: Gegenüber dem Vorjahr ist die
Zahl der Bauprojekte im Freistaat um zehn
Prozent gestiegen. Bayern rückte damit vom
zweiten auf den ersten Rang vor und tauschte
mit Nordrhein-Westfalen die Tabellenplätze.
Die jährlich aufgelegte Studie gilt als fast
seismografisches Register für Bauaktivitäten im Gesundheitswesen, weil sie neben
gerade abgeschlossenen, noch laufenden
sowie konkret geplanten Projekten auch
solche erfasst, die sich erst im sehr frühen
Stadium der Vorplanung befinden.
Nach Schifferdeckers Beobachtungen
investieren Kliniken stark in Sanierungsmaßnahmen – insbesondere in eine Verbesserung der Hygiene, eine Erneuerung
von OPs, veralteter Brandschutz-, Gebäude- oder Medizintechnik sowie in psychiatrische, neurologische und geriatrische
Abteilungen. Auffällig sei die steigende
Anzahl von „kleineren“ Projekten auch
unter einer Million Euro und eine immer
häufigere Vergabe ohne Ausschreibung.
Das Gesamtvolumen im zweistelligen Milliardenbereich erklärt sich laut Schifferdecker durch höhere Preise, eine überdurchschnittlich starke Investitionsfreudigkeit
privater Klinikketten und neue Bestimmungen im Baurecht.
Adalbert Zehnder
Nordrhein-Westfalen
Quelle: Schwab Marketing/Marktstudie „Krankenhausbauprojekte
in der Bundesrepublik Deutschland – 2015 und Folgejahre“
Bauprojekte nach Typen
Art der Baumaßnahme
Anzahl
413
Sanierung
Erweiterung
377
Neubau/Ersatzneubau
258
Nutzungsumwandlung
14
Quelle: Schwab Marketing
Stand der Bauprojekte
Status
Foto: Schwab Marketing
Mindestens 1.062 Vorhaben von Neu- beziehungsweise Umbau oder Sanierung sind
im deutschen Gesundheitswesen aktuell
am Laufen – fast sieben Prozent mehr als
vor einem Jahr (995): Dies ergibt sich aus
der Marktstudie „Krankenhausbauprojekte
2015 und Folgejahre“ der Unternehmensberatung Schwab Marketing. Darin werden
Bauaktivitäten deutscher Krankenhäuser,
Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen erfasst. „Dass die Zahl der Projekte
weiterhin diese Dimension erreicht, ist für
uns über die Maßen erstaunlich“, sagt Geschäftsführer Gerd Schifferdecker.
laufende
Bauprojekte
in Planung
Anzahl
569
vor Bau
54
im Bau
368
fast fertig
71
Quelle: Schwab Marketing
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
NACHRICHTEN
FAKTOR ENERGIE
Kliniken konsumieren und produzieren
Deutsche Krankenhäuser: Entwicklung der Betriebskosten
für Energie in Milliarden Euro seit dem Jahr 2000
2000
0,86
2001
0,98
2002
1,07
2003
1,15
2004
1,17
2005
1,31
2006
1,47
2007
1,55
2008
1,74
2009
1,80
2010
2,00
2011
2,05
2012
2,13
2013
2,27
Quelle: Statistisches Bundesamt
Krankenhäuser als Eigenstrom-Produzenten
33%
Helden des Alltags
gehen ihren nächsten
Schritt auf iQ Granit
der Krankenhäuser
produzieren eigenen Strom
Im Alter von 15 Jahren wurde Kelly Cartwright das rechte Bein amputiert, um eine aggressive Form von Krebs
zu stoppen. Operation und Reha erfolgten in verschiedenen Krankenhäusern und Einrichtungen - alle ausgestattet mit iQ Granit. Dies gab Kelly den Halt und das
Vertrauen auf ihrem Weg zur mehrfachen Weltrekordhalterin und Goldmedaillengewinnerin bei den Paralympics
2012 in London.
29%
mit Blockheizkraftwerken
Helden des Alltags sind auch die Mitarbeiter in Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen, die ihren Patienten
unermüdlich zur Seite stehen und die wir mit unserem
iQ Granit Bodenbelag bestmöglich unterstützen. Mit
seiner Ästhetik und seinen herausragenden technischen
Eigenschaften leistet er einen stillen Beitrag zu vielen
Heldengeschichten. Darum vertrauen Gesundheitseinrichtungen weltweit auf die Multifunktionalität und die
einzigartigen Reinigungs- und Pflegeeigenschaften von
iQ Granit.
11%
mit Photovoltaik-Anlagen
www.tarkett.de
Quelle: DKI Krankenhaus Barometer 2014
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
5
Entdecken Sie die Farbvielfalt der neuen iQ Granit.
SÄBU MODULBAU
WALDMANN
OP Modul. modular.
autark. sicher.
Raumleuchte ViVAA reduziert den
Energiebedarf deutlich
Foto: SÄBU GmbH
PRODUKTWELT
MARKET PLACE
Das OP-Modul in SÄBU-Modulbauweise ist eine schnelle und sichere Lösung, wenn
ein mobiler und autarker OP
für den vorübergehenden oder
auch dauerhaften Gebrauch
eingesetzt werden soll.
Das OP-Modul besteht aus
3 Zonen: Technik-, OP- und
Hygienebereich. Alle bautechnischen Komponenten werden
mit erforderlichem Strahlenund Schallschutz konstruiert.
Zusätzlich zum OP-Modul können angrenzende Nutzungseinheiten wie Ein- und Ausleitung,
Sterilisation, Wasch- und Umkleidebereiche als Komplettleistung mitgeliefert werden.
Der Operationsbereich wurde
mit einer großen Schutzzone
unter der Zuluftdecke für die
Operation am offenen Herzen
zur Minimierung des nosokomialen Infektionsrisikos realisiert.
Jegliche Übergänge und Eckausbildungen wurden hygienisch gelöst und mit einem
Hygiene-Gutachten belegt.
1 In Krankenhäusern entfallen circa 20 Prozent
des Gesamtenergieverbrauchs auf den Strombedarf und verursachen damit die Hälfte der
Energiekosten. Ein Fünftel des Strombedarfs
entfällt auf die Beleuchtung. Grund genug, das
Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz
zu nutzen. LED-Raumleuchten wie die Anbauleuchte ViVAA der Produktmarke Derungs von
Waldmann reduzieren den Energiebedarf deutlich und amortisieren sich schon nach wenigen
Monaten.
Nach der einfachen Montage erhellt ViVAA Flure,
Aufenthalts- und Wartebereiche und andere
Räume für durchschnittlich 55.000 Betriebsstunden. Die Lichtqualität ist herausragend:
Je nach Größe und Abdeckung werden bis zu
11.433 Lumen beziehungsweise bis zu 111
Lumen/Watt erreicht. Dadurch sind weniger
Leuchten erforderlich, um Räume optimal zu
illuminieren. Weitere Möglichkeiten zur Steigerung der Energieeffizienz bestehen im Einsatz
von Lichtmanagementsystemen, die die Beleuchtungsstärke an das Tageslicht anpassen,
eine biologisch wirksame Tageslichtnachführung steuern und Schaltzeiten berücksichtigen.
Zusätzlich zahlen sich Präsenzmelder für die
Beleuchtung in wenig frequentierten Klinikbereichen innerhalb weniger Monate aus.
Nach Informationen der Herbert Waldmann
GmbH & Co. KG
weitere Informationen:
www.waldmann.com
1
Tageslicht gezielt ausnutzen: Weitere Möglichkeiten zur Steigerung der Energieeffizienz bestehen
im Einsatz von Lichtmanagementsystemen, die die
Beleuchtungsstärke an das Tageslicht anpassen.
stimmen. In der Schlossbergklinik Oberstaufen
soll das schon bald der Fall sein. Derzeit wird
das Krankenhaus zu einer Rehabilitationsklinik
umgebaut. Für die Gestaltung der Bäder engagierte die Klinikleitung die sächsischen Badspezialisten von König Bäder. In einem ersten Bauabschnitt gestalteten sie zwölf Bäder komplett
neu. Unter anderem wurden alle Badewannen
durch bodengleiche barrierefreie Duschen ersetzt. Etwa 9.000 Euro hat die Schlossbergklinik
pro Badsanierung investiert.
Eugen Weber, stellvertretender Verwaltungsdirektor BRK Schlossbergklinik Oberstaufen:
„Mit den Arbeiten waren wir außerordentlich
zufrieden. Von der Planung über die Durchführung der Bauarbeiten bis hin zum Abschluss
und der Rechnungsstellung hat einfach alles
gepasst.“ Noch in diesem Jahr setzt König Bäder den Umbau der Bäder in Oberstaufen mit
einem zweiten Bauabschnitt fort.
Nach Informationen von König Bäder
weitere Informationen:
www.koenig-baeder.de
Foto: König Bäder
Foto: Constantin Meyer Photography
KÖNIG BÄDER
SÄBU Morsbach GmbH
Zum Systembau 1
51597 Morsbach
www.saebu.de
[email protected]
Tel.: +49 (0)2294 694 0
Fax.: +49 (0)2294 694 38
6
Modernisierte Bäder für die
Schlossbergklinik Oberstaufen
Wer in eine Reha-Klinik eincheckt, möchte
seinen früheren Gesundheitszustand wiederherstellen. Das gelingt am besten, wenn der Patient zum Gast wird. Dafür muss das Ambiente
2
2
Hotelstandard in der Klinik: Die in die Jahre
gekommenen Bäder wurden in zeitlose und modern
wirkende Wohlfühlbereiche verwandelt.
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
NACHRICHTEN
ELEKTROMOBILITÄT
Pilotprojekt für das E-Auto
Wegen hoher Anschaffungskosten sind elektrisch betriebene Fahrzeuge in Klinikfuhrparks noch immer
von Pioniergeist getriebene Ausnahmen. Die Freiburger „Viamedica – Stiftung für eine gesunde Medizin“
will daran etwas ändern. Denn E-Mobile scheinen für Krankenhäuser wie geschaffen zu sein.
ersorgung, Entsorgung, Speisen,
Wäsche, Post: Die Logistik ist
eine Lebensader des Krankenhausbetriebs. Aber Pkw, Liefer-, Lastund Krankenwagen produzieren Lärm
und Abgase. Und auf Dauer, erwarten
Experten, dürften die Spritpreise wieder spürbar anziehen – alles Dinge, die
nicht zum Unternehmen Krankenhaus
passen. Ganz anders ist dies mit elektrisch betriebenen Autos: Sie sind praktisch geräuschlos und emissionsfrei.
Und auch wenn die Anschaffungskosten noch deutlich über denen konventionell betriebener Fahrzeuge liegen,
können sie sich trotzdem auf Dauer
finanziell rentieren, denn sie gelten als
wartungs- und verschleißarm. Eine
„Tankfüllung“ mit Strom kostet nur
wenige Euro. Und weil viele Kliniken
selbst Strom herstellen, etwa in Blockheizkraftwerken, produzieren sie damit faktisch zugleich eigenen „Elektro-Sprit“ zum Selbstkostenpreis.
V
„Elektromobilität ist für die Fuhrparks von Kliniken eine sehr interessante Option“, sagt Markus Loh,
Geschäftsführer von Viamedica. Die
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
Stiftung, die sich für mehr Umweltfreundlichkeit in der Gesundheitsbranche einsetzt, will noch 2015 ein
Pilotprojekt am Uniklinikum Freiburg
starten, in dem erforscht und ausprobiert werden soll, an welchen Stellen
welche Typen von Elektroautos im
Klinikbetrieb sinnvoll und wirtschaftlich eingesetzt werden können. „Da ist
noch viel Musik drin“, sagt Loh.
Partnerkliniken gesucht
Im kommenden Jahr soll das Projekt
auf eine Handvoll weiterer Krankenhäuser ausgedehnt werden. Interessierte Kliniken können sich bei der
Stiftung melden. Diese führt aktuell
auch Gespräche mit dem Autohersteller
Daimler, der als Fahrzeuganbieter gewonnen werden soll. Ein weiteres Ziel
des Projekts ist es, Fuhrpark-Konzepte
zu entwickeln und Know-how für mehr
Entscheidungssicherheit zu sammeln.
Hierfür sollen systematisch Fuhrparkdaten ausgewertet werden wie Fahrzeiten, Verbrauch, Strecke oder transportierte Güter.
Für den Viamedica-Geschäftsführer
fällt Krankenhäusern bei der Verbreitung der Elektromobilität in der Gegesellschaft eine Vorreiter- und Vorbildrolle zu. „Wenn Krankenhäuser
Elektromobilität sichtbar nutzen und
damit demonstrieren, dass sie funktioniert, hat das eine Ausstrahlung auf
die Mitarbeiter und das örtliche Umfeld.“ Nicht zuletzt führten ElektroAutos, die mit Schriftzug oder Logo
als Klinikfahrzeuge zu erkennen seien,
zu einem Prestige-Gewinn.
Adalbert Zehnder
7
Foto: Klinikum Ernst von Bergmann
Als ein Nachteil von Elektrofahrzeugen gilt, dass ihre Reichweite geringer
ist als die von benzinbetriebenen. Bei
den typischerweise in Kliniken anfallenden Fahrten – innerhalb des eigenen Campus’ oder im benachbarten
städtischen Umfeld – fällt dies indes
kaum ins Gewicht. Und da der Fuhrpark hier nachts ohnehin weitgehend
ruht, behindert es keinen, wenn die
Fahrzeuge da an die Steckdose gehen.
Der Zeit voraus: Der kommunale Klinikkonzern Ernst von Bergmann nahm Anfang 2014 seine
ersten beiden Elektroautos vom Typ BMW i3 in Betrieb – für innerstädtische Touren zu Uni,
Labor oder Pathologie sowie für Fahrten zwischen seinen Standorten Potsdam und Bad Belzig,
die 60 Kilometer voneinander entfernt sind. Steffen Grebner, Vorsitzender der Geschäftsführung,
will weitere E-Mobile in den Fuhrpark aufnehmen.
AKTUELLE BAUPROJEKTE
Waldkrankenhaus Eisenberg: Das futuristische Krankenhaus in Thüringen
hat ein italienischer Stararchitekt entworfen. Baubeginn: 2016 (Seite 10).
Klinikum Region Hannover: Das KRH
Klinikum Siloah-Oststadt-Heidehaus ist das
größte in jüngster Zeit eröffnete Großkrankenhaus Deutschlands. In Betrieb: seit
September 2014 (Seite 12).
8
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
Foto: Ludes Generalplaner GmbH
AKTUELLE BAUPROJEKTE
Foto: Matteo Thun & Partners
Gesamtklinikum Schaumburger Land: Drei Häuser unterschiedlicher
Träger verschmelzen zu einem Neubau an einem neuen Standort. Eröffnung: Jahreswechsel 2016/2017 (Seite 14).
AKTUELLE BAUPROJEKTE
Heute bauen – für morgen
Eins ist schon eröffnet, eins wird gerade gebaut, eins ist fertig geplant.
Eines haben die hier für Sie ausgewählten Bauprojekte gemeinsam:
An ihnen lässt sich ablesen, wie man heute so vorausschauend bauen
kann, dass morgen nicht das Krankenhaus von gestern herauskommt.
Die Konkurrenz schläft nicht: Im
Städtedreieck Jena-Eisenberg-Gera liegen oder entstehen auf engstem Raum
drei Krankenhäuser, die aus dem
Rahmen fallen. In Jena wird Thüringens einzige Universitätsmedizin neu
gebaut. In Gera steht mit dem SRH
Wald-Klinikum Deutschlands erstes
„Kulturkrankenhaus“. Und demnächst
beginnt mittendrin, in Eisenberg, der
Bau eines futuristischen Krankenhauses: Hier entsteht ein Glaspalast im
Wald – mit Hotelstandard für alle.
Foto: KRH
Mikro- und Makro-Erweiterung: Am
kürzlich eröffneten KRH Klinikum Siloah-Oststadt-Heidehaus in Hannover
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
dachten die Planer so weit voraus, dass
sich einzelne Räume wie der Gesamtkomplex später jederzeit wandeln und
weiterentwickeln können.
Wie spart man Energie? Indem man
alles tut, damit man möglichst wenig
verbrauchen muss. Das „Gesamtklinikum Schaumburger Land“, das derzeit westlich von Hannover entsteht,
ist ein Hightech-Haus auf der grünen
Wiese und erreicht annähernd die
energetische Qualität eines NiedrigEnergie-Hauses. Ein wichtiges Motiv
für diesen anspruchsvollen Standard:
wirtschaftliche Nachhaltigkeit.
Adalbert Zehnder
9
AKTUELLE BAUPROJEKTE
Erste Klasse als Normalfall: Auch die Patientenzimmer sollen sich in Eisenberg deutlich vom in
Deutschland üblichen Standard abheben. Zwar gibt es nur Zweibettzimmer, aber das Arrangement
von Bad und Möbeln schafft die Privatheit eines Einzelzimmers – und immer mit Waldblick.
WALDKRANKENHAUS EISENBERG
Hotelstandard für alle
Sein Bau hat noch gar nicht begonnen – da
macht es schon Furore. Ein italienischer
Stararchitekt wird es bauen. Es gibt schicke Zweibettzimmer für alle, weit über den
in Deutschland üblichen Standards und
mit Waldblick – was sonst. Und es wird
derzeit als ein Prototyp des „Krankenhauses von morgen“ gehandelt – dabei liegt
es mitten in der Provinz: das Waldkrankenhaus im thüringischen Eisenberg.
2016 soll der Spatenstich erfolgen, 2018
soll es in Betrieb gehen – und dank seines
futuristischen Charakters und seines ausgefallenen Ambientes zu einem überregionalen Patientenmagnet erwachsen. Und
dank seines medizinischen Profils, denn
es wird die Orthopädie des Universitätsklinikums im nahen Jena beherbergen, die
größte Einrichtung dieser Art europaweit.
Mit dem neuen Bettenhaus mit Platz für
246 Patienten will das Management des
Krankenhauses in der 11.000-EinwohnerKreisstadt im hügligen Südthüringen ganz
neue Wege gehen. Eisenberg will sich in der
Hotelkategorie klassifizieren. Dort, wo heute noch ein DDR-Plattenbau aus dem Jahr
1989 steht, sollen die Patienten ab 2018 im
Wohlfühl-Ambiente genesen. Hier wird ein
10
futuristischer Rundbau mit viel Lärchenholz und Glas entstehen, der mehr nach
Hotel als Krankenhaus aussieht.
„Alles fing an mit dem guten alten lateinischen Wort ‚hospes‘. Davon kann die
Gastfreundschaft, ‚hospitality‘, abgeleitet
werden – aber auch ‚hospital‘, das Krankenhaus. Wir haben uns gefragt: ‚Was hat heute
das eine noch mit dem anderen zu tun?‘ In
vielen Krankenhäusern sehr wenig. In unserem Projekt wollen wir beides ganz selbstverständlich miteinander verbinden. Ist es
möglich, ein Hotel für unsere Patienten
zu bauen, das auch die Funktionalität des
Krankenhauses erfüllt? Bei unserem neuen
Bettenhaus wird das so sein. Es wird nur
noch Zweibettzimmer geben, die aber so
aufgeteilt sind, dass sie wie Einbettzimmer
wirken. Jeder hat seinen privaten Rückzugsbereich und dennoch die Sicherheit, nicht
allein zu sein. Durch Fenster, die bis zum
Boden reichen, haben alle Patienten einen
Außenbezug zur Natur, und der Rundbau
des Bettenhauses lässt in jedes Zimmer
Tageslicht. Außerdem werden zwei Zimmer
über einen Wintergarten verbunden sein –
Begegnungsstätte, aber auch Pufferzone. Er
hat eine eigene Klimafunktion und dient als
Wärmespeicherzwischenzone. Dadurch wird
eine ausgewogene Temperaturregulierung
erreicht, es geht weniger Energie verloren.
Kreation eines Hotelarchitekten
Verantwortlich dafür zeichnet der Architekt
und Designer Matteo Thun aus Mailand, der
diverse Preise für Hotelbauten gewonnen
hat. Damit Effizienz, Funktionalität und
Anwenderfreundlichkeit im Krankenhausalltag im neuen Bettenhaus gewährleistet
werden, arbeitet das Team um Matteo Thun
mit dem Leipziger Büro der Planungsgesellschaft HDR TMK zusammen, die auf
Krankenhausbau spezialisiert ist.
Doch nicht nur die Architektur soll das
Waldkrankenhaus in Eisenberg zu einem
Krankenhaus der Zukunft machen. Die
Patientenversorgung wird umstrukturiert.
Und auch die Mahlzeiten sollen zum Event
werden: In einer offenen Küche werden vor
den Augen der Patienten die Speisen frisch
zubereitet. Mit Kräutern, die aus dem hauseigenen Therapiegarten stammen. Der
Geschäftsführer des Waldkrankenhauses,
David-Ruben Thies, erzählt im Gespräch
mit kma davon, was das neue Bettenhaus
für ihn so besonders macht:
Bei MRSA: Zweier- wird Einzelzimmer
Sollten sich in Zukunft gesetzliche Vorgaben für Krankenhausstandards ändern,
ermöglicht es der Grundriss unseres neuen Bettenhauses, problemlos darauf zu
reagieren. Multiresistente Erreger sind
ein großes Thema. Wir haben zwar bereits
ausreichend Isolierbetten eingeplant, doch
könnten ohne viel Aufwand und zusätzliche
Kosten Zweibettzimmer zu Einzelzimmern
umgebaut werden. Grundsätzlich aber wird
es keine Einzelzimmer geben: Diese Bedingung knüpfte die Erfurter Landesregierung
an die finanzielle Förderung des Projekts.
Nasszellen vom Schiffbauer
Innovative Architektur und ein ausgeklügeltes Energiekonzept – unser neues Bettenhaus ist trotzdem nicht teurer als ein ‚normales‘ Bettenhaus. Der Quadratmeterpreis
liegt beim üblichen Schnitt von 2.700 Euro.
Es bedarf nur ein wenig mehr Recherche
und Arbeit, um die Ideen bezahlbar zu machen. Man muss intelligente Wege finden.
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
AKTUELLE BAUPROJEKTE
Projektdaten
Neubau Bettenhaus
Projektstandort
Eisenberg/Thüringen
Bauherr
Waldkrankenhaus „Rudolf Elle“ GmbH Eisenberg
Baubeginn
I. Quartal/2016 (geplant/witterungsabhängig)
Eröffnung (geplant)
2018
Investitionskosten
41,7 Millionen Euro
Finanzierung
Fördermittel Land: 30,75 Millionen Euro
Eigenmittel 10 Millionen Euro
Bruttogeschossfläche
14.500 Quadratmeter
Architekturbüro
ARGE Matteo Thun + Partners/HDR TMK
Projektsteuerung
Drees und Sommer, Erfurt
Wir haben zum Beispiel einen Partner aus
der Schiffbau-Industrie: Dieser wird uns
vorgefertigte Nasszellenbereiche liefern,
die uns 7.000 bis 8.000 Euro kosten.
Holland als Vorbild
Der neue Bettenhausbau wird auch Änderungen im Krankenhausalltag mit sich
bringen. Ich war in Holland unterwegs
und habe mir dort die Architektur und das
Arbeiten in Krankenhäusern angesehen.
Daran werden wir uns orientieren. Diesen
holländischen Standard in einem deutschen Krankenhaus einzuführen, ist ganz
neu. Es wird in der Pflege Unit-Strukturen
Die Köpfe dahinter: Der Mailänder Architekt Matteo Thun (m.) bekam
den Zuschlag für das ökologisch nachhaltigste und zugleich wirtschaftlichste Konzept. Der deutsche Krankenhausplaner Michael Keitel von
HDR TMK (l.) wird ihn unterstützen. Rechts: der Geschäftsführer des
Waldkrankenhauses Eisenberg, David-Ruben Thies.
geben. Das Pflegepersonal ist nur noch für
fest zugeordnete Einheiten zuständig, mit
dem Pflegeschlüssel 1 zu 8. Es wird keine
zentrale Station mehr geben, sondern nur
Pflegestützpunkte. Auch für Ärzte gibt es
Änderungen. Einzelzimmer für Oberärzte
fallen weg, es wird ein Open Office eingerichtet. Das spart Platz und Baukosten, es
kommt dadurch aber auch zu mehr Austausch zwischen den Ärzten. All das wird
Arbeitsabläufe deutlich schneller machen –
und die Patientenzufriedenheit erhöhen.
Und: Wir wollen nachhaltig sein. Insgesamt
setzen wir auf das Energiekonzept zero
FÜR GESUNDMACHER.
CO2: Wir verwenden regionale, nachwachsende Ressourcen, setzen regenerative
Energien ein, speichern überschüssige
Energie. Das dominierende Element der
Innen- und Außenfassade wird unbehandeltes Holz sein. Das passt gut zu unserem Haus – immerhin befinden wir uns im
Saale-Holzland(!)-Kreis. Es hat eine warme
Ausstrahlung, was das Wohlbefinden unserer Patienten unterstützt. Das Material
lässt sich gut verarbeiten und ist nicht zu
teuer. Und es stellt keine Belastung für die
Umwelt dar – falls das Gebäude in einigen
Jahrzehnten abgerissen werden sollte.
Aileen Hohnstein
Fotos: Matteo Thun & Partners/Waldkrankenhaus Eisenberg
Projekttyp
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8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
11
AKTUELLE BAUPROJEKTE
Große Klinik – kurze Wege: Im zweistöckigen Funktionsgebäude unten
vereinigen sich Diagnostik und Behandlung in unmittelbarer Nähe zueinander. Direkt obendrüber: die drei riegelförmigen, quer aufgesetzten
Bettenhäuser. Die kompakte Anlage soll Wartezeiten so kurz wie möglich
halten und den Rahmen bereitstellen für klinik- wie fachübergreifende
Diagnostik und Therapie.
KRH KLINIKUM SILOAH HANNOVER
Kompakt und wandelbar
Notaufnahme, Diagnostik und Behandlung
aus zwölf Fachkliniken an einem Fleck
konzentriert; fast ausschließlich Zweibettzimmer mit Hotelkomfort; und eine
Architektur, die so angelegt ist, dass das
Klinikum sich später jederzeit wandeln und
weiterentwickeln kann – im Detail wie als
Gesamtkomplex: Der größte seit dem kmaBaureport 2014 eröffnete Krankenhausneubau in Deutschland ist das Klinikum
Siloah-Oststadt-Heidehaus der Kliniken
Region Hannover GmbH (KRH).
Das neue Großkrankenhaus mit 535 Betten vereinigt in sich zwei KRH-Kliniken am
Standort des bisherigen Klinikums Siloah
im südlichen Stadtzentrum von Hannover.
Der Standort Oststadt-Heidehaus wurde
geschlossen, statistisch fielen durch die
Fusion insgesamt 100 Betten weg. Der
etwas kompliziert klingende Name des
neuen Klinikums erklärt sich aus dem Anspruch, die Tradition dieser alteingesessenen Krankenhäuser weiterleben zu lassen
– nicht zuletzt, um auch für Patienten und
Mitarbeiter des aufgelösten Standorts einen Identifikationspunkt zu schaffen. Der
Neubau ersetzt bestehende Krankenhäuser aus den 1950er und 1960er Jahren; er
führt die medizinischen Fachabteilungen
unter einem Dach zusammen; er macht
optimierte Betriebsabläufe mit kurzen
Wegen möglich; er beschleunigt den Informationsfluss und erleichtert die klinik- und
fachübergreifende Diagnose und Therapie;
er reduziert die Bauunterhaltungs- und
12
Investitionskosten; und dies bei einem
um 18.000 Quadratmeter geringeren Verbrauch an Grundstücksfläche. Architekt
Linus Hofrichter erklärt, wie er bei der
Planung des Klinikums – das auch das bisher größte seines Büros ist – die Idee vom
„Krankenhaus der Zukunft“ umgesetzt hat:
„Die Planung eines zukunftsweisenden und
nachhaltigen Krankenhauses beginnt mit
einem intelligenten Funktions- und Raumprogramm. Große Räume sind immer mit
hohen Investitionskosten verbunden und
teuer im Unterhalt. Dennoch sollten alle
Räume eines Krankenhauses so proportioniert sein, dass sie auch nach Jahren
an neue Anforderungen und Funktionen
angepasst werden können. Bei der Frage
nach der Anzahl und Nutzung von Räumen
werden Bauherren und Krankenhausplaner
immer wieder vor eine Vielzahl von Fragen
gestellt: Können wir es uns in Zeiten knapper Kassen erlauben, einzelne Räume nur
wenige Stunden zu nutzen? Benötigt eine
bestimmte Person oder Funktion einen
exklusiv für den einen Zweck reservierten Raum? Diese Fragen bilden oftmals
die Keimzelle einer interdisziplinären
Nutzung. Mit sinnvoller Poolbildung und
der Verlängerung der Nutzungsdauer von
Räumen beginnt verantwortungsbewusste
Nachhaltigkeit. Ein retrospektiv entwickeltes Raumprogramm sollte daher mit sehr
vielen Bedenken verbunden sein, denn der
heute passende Maßanzug ist meist schon
bei der Einweihung zu eng geworden.
Zimmer mit Aussicht: Trotz Großstadtlage
blicken im neuen Klinikum alle Patienten ins
Grüne. Es gibt fast nur Zweibettzimmer. An allen Betten befinden sich Multimedia-Terminals
mit Telefon, Fernseher und Internetzugang.
Quadratmetergenaue Raumprogramme
sind gegenüber der nachfolgenden Generation nicht verantwortbar, da sie keine
Chancen für zukünftige Entwicklungen
lassen. Medizinische Diagnostik entwickelt
sich wesentlich schneller als die bauliche
Struktur. Sinnvoller ist es daher, bei jedem
Bauvorhaben eine Mikro- und eine Makroerweiterung planerisch vorauszudenken.
Typenräume statt Raumtypen
Beim Neubauprojekt in Hannover hat unser
Büro die Themen Flexibilität, Interdisziplinarität und Nachhaltigkeit von Beginn an
zur Grundlage jeglicher Bauplanung erhoben. Dort wurden weitestgehend Räume
mit nur einer festen Funktion vermieden
und stattdessen Typenräume umgesetzt,
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
AKTUELLE BAUPROJEKTE
die vielfältigste Nutzungen ermöglichen.
Interdisziplinarität wird hier im Klinikalltag
gelebt. Verschiedene Abteilungen arbeiten
in einem fruchtbaren Miteinander – auch
weil die Raumstrukturen dazu auffordern.
In Hannover wurde auch eine interdisziplinäre Chefarztambulanz mit Chefarztzimmern, Untersuchungsräumen und Warteräumen umgesetzt. Die Zahl der Räume
ist wesentlich geringer als die der dort
praktizierenden Ärzte. Im Betriebsalltag
entstehende Slots werden vielmehr effizient genutzt. Funktions- und Raumplanung
muss daher mit einer adäquaten Personalplanung einhergehen.
Patienten-Austausch-Zone (PAZ)
Die Effizienz von Operationssälen hängt
maßgeblich von einer passgenau geplanten Peripherie ab. Der prä- und postoperative Behandlungsprozess ist für einen
wirtschaftlichen Betriebsablauf genauso
wichtig wie die richtige Wegeführung in
der OP-Abteilung selbst. Deshalb hat das
Klinikum eine große flexible PatientenAustausch-Zone (PAZ). Diese bietet einen
Mehrwert für Patienten, egal ob sie ambulant oder stationär operiert werden. Die
Bündelung in einer zusammenhängenden
Zone schafft eine optimale Betreuungssituation, da so hoch qualifiziertes Personal
interdisziplinär und in ausreichender Stärke vorgehalten werden kann. In der PAZ
werden die Patienten zentral von Fachkräften medizinisch und persönlich versorgt,
was eine wesentlich intensivere Betreuung
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
13
Projekttyp
Klinikneubau
Projektstandort
Hannover
Bauherr
Klinikum Region Hannover GmbH
Baubeginn
2010
Eröffnung
September 2014
Investitionskosten
192 Millionen Euro
davon Baukosten
140 Millionen Euro
Finanzierung/Geldgeber
Fördermittel, Eigenmittel
Bruttogeschossfläche
62.000 Quadratmeter
Nutzfläche
32.000 Quadratmeter
Architektenbüro
Sander Hofrichter Architekten GmbH
Prozessplaner
Lohfert & Lohfert
ermöglicht als in der Vor-oder Nachbereitungszone einer einzelnen Abteilung.
Nachhaltigkeit manifestiert sich natürlich
nicht nur in der Raum- oder Logistikplanung, sondern etwa auch im Einsatz von
umweltverträglichen Baumaterialien. Auch
dem Thema Energie fällt bei der nachhaltigen Planung von Krankenhäusern eine
Schlüsselrolle zu. Eine Energieersparnis
ist immer zu begrüßen, aber das reine
Aufrüsten mit mehr Dämmung oder Technik ist nicht der Königsweg. Ganzheitliche
Energiekonzepte sind gefragt, denn nur
diese sind im Sinne der Umwelt zielführend. In Hannover hat unser Büro deshalb
in erster Linie Konzepte aus den Bereichen
Geothermie und Bauteilaktivierung umgesetzt: Der Hubschrauberlandeplatz zum
Beispiel wird im Winter mit preiswerter
Erdwärme eisfrei gehalten.“
Adalbert Zehnder
Fotos: Sander Hofrichter Architekten
Projektdaten
AKTUELLE BAUPROJEKTE
Projektdaten
Projekttyp
Klinikneubau
Projektstandort
Obernkirchen, OT Vehlen, Landkreis Schaumburg
Bauherr
Agaplesion Ev. Krankenhaus Bethel Bückeburg
gGmbH
Baubeginn
Archäologische Grabungen 03/2011,
Spatenstich 07/2014
Eröffnung (geplant)
Jahreswechsel 2016/2017
Investitionskosten
130 Millionen Euro,
davon Baukosten: 102,9 Millionen Euro
Finanzierung
Förderung Land Niedersachsen, Eigenmittel
Bruttogeschossfläche
41.363 Quadratmeter
Nutzfläche
22.150 Quadratmeter
Architekt
Ludes Generalplaner, Berlin
Projektsteuerung
Temak GmbH, Trier
GESAMTKLINIKUM SCHAUMBURGER LAND
437 Betten, 520 Bäume
Allein hätten die drei kleinen Häuser der
Grund und Regelversorgung im Schaumburger Land auf Dauer wahrscheinlich
nicht alle überlebt. Deshalb beschlossen
sie etwas Ungewöhnliches: eine trägerübergreifende Verschmelzung in einem
einzigen Neubau an einem völlig neuen Standort – auf der grünen Wiese, in
Obernkirchen, das keine Kreisstadt ist
und kaum 10.000 Einwohner zählt. Aber:
In der Region, die zu versorgen ist und
155.000 Einwohner zählt, liegt es radikal
zentral. 65 Prozent dieser Einwohner werden das Klinikum in maximal 15 Minuten
erreichen können, alle anderen in weniger
als 30 Minuten.
Auf einem Acker vor dem Städtchen im
mittleren Süden Niedersachsens tummeln
sich seit vergangenem Juli Lastwagen,
Bauarbeiter und Kranen. Wenn das neue
Zentralklinikum Ende 2016 eröffnet wird,
werden hier im Grünen drei durch einen
Eingangsbereich verbundene quadratische
Baukörper stehen, symbolisch für die bisherigen Häuser: die Kreiskrankenhäuser
Stadthagen und Rinteln sowie das Evangelische Krankenhaus Bethel-Bückeburg
der Agaplesion-Gruppe.
14
95 Mio.
Euro stellt die niedersächsische
Landesregierung für das Neubauprojekt „Gesamtklinikum Schaumburger
Land“ zur Verfügung – nach Aussagen
von Sozialministerin Cornelia Rundt
ist dies die höchste Einzelförderung,
die in dem norddeutschen Bundesland
bisher ausgeschüttet wurde.
die medizinische Qualität nicht vorangebracht werden: Alle drei boten dasselbe
Leistungsspektrum an, konnten jeweils
nur knapp die nötigen Mindestmengen erreichen. Das wird jetzt anders: Wir bündeln
unsere Kompetenzen an einem zentralen
Standort, sind nicht mehr zergliedert und
haben die richtige Größe, um wirtschaftlich zukunftsfähig zu sein. Vorher gab es
drei Küchen oder drei Rezeptionen. Das
brachte natürlich Kostennachteile.
Nahbar statt monumental
Im neuen Gesamtklinikum werden neueste Technologien in der Patientenversorgung Einzug halten; ein effektives Energiekonzept hilft, Kosten zu reduzieren,
und die Architektur trägt dazu bei, dass
der Alltag für Mitarbeiter und Patienten
durch kurze Wege so angenehm wie möglich gestaltet wird. Wodurch sich das neue
Klinikum auszeichnet, beschreibt jetzt Geschäftsführer Achim Rogge:
Unser Neubau ist zwar kompakt gebaut,
wirkt aber dennoch großzügig, was stark
an den begrünten Innenhöfen liegt. Durch
sie haben selbst Räume der Gebäudeinnenseite Tageslicht. Wir bauen nicht in die
Höhe – eher in die Breite. So grenzen wir
uns von Krankenhaus-Großeinheiten ab,
die von Patienten optisch oft als befremdlich und einschüchternd angesehen werden. Durch unsere Innenarchitektur und
unser Farbkonzept mit vielen hellen Farben
wollten wir ein Ambiente zum Wohlfühlen
schaffen. Unsere Außenanlagen haben einen parkähnlichen Charakter. 520 Bäume
werden rund um das neue Klinikum gepflanzt, rund 49.000 Quadratmeter Rasenfläche entstehen.
„Die drei kleinen Häuser hier im Kreis mit
jeweils nicht einmal 250 Betten hatten
sich nicht spezialisiert. Deshalb konnte
Über das Energiekonzept hat man sich
viele Gedanken gemacht, schließlich
muss auch ein neu gebautes Klinikum in
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
AKTUELLE BAUPROJEKTE
der Zukunft wirtschaftlich ‚fit‘ bleiben.
Wie spart man Energie? Indem man sie
nicht verbraucht! Modernste Isoliermaterialien führen dazu, dass wir annähernd
die energetische Qualität eines NiedrigEnergiehauses erreichen. Der zulässige
Primär-Energiebedarf, bezogen auf die statische Beheizung, wird um etwa 27 Prozent
unterschritten. Zwei Blockheizkraftwerke
sollen so viel Wärme und Strom erzeugen,
dass die Grundlast durch sie abgedeckt
wird. Im Sommer wird die Wärme der Heizkraftwerke dazu genutzt, Prozesskälte
für die medizintechnischen Großanlagen
bereitzustellen. Insgesamt werden die beiden Blockheizkraftwerke 60 Prozent der
benötigten Elektro-Energie, 80 Prozent
der Wärme-Energie und 45 Prozent der
Kälte-Energie erzeugen. Zur Abdeckung
der Spitzenlast werden hoch effiziente
Kompressionskältemaschinen eingesetzt,
im Bereich der Wärmegewinnung wird das
System durch zwei Niederdruck-Heißwasserkessel ergänzt.
Ein Beispiel: Im Erdgeschoss finden die Patienten alles, was schnell und leicht zu erreichen sein muss wie ZNA, Patientenaufnahme, Physiotherapie, Elektives Zentrum
und ein Andachtsraum. Das Besondere an
diesem ‚Raum der Stille‘ ist die helle Wandverkleidung. Sie ist aus ‚Obernkirchner (!)
Sandstein‘ gemacht, der hier am Ort in
Deutschlands nördlichster Bergbaustadt
abgebaut wird – und der weltberühmt ist:
das Weiße Haus in Washington ist größtenteils aus ihm gemacht. Voraussichtlich
werden wir in unserem Neubau auch ein
eigenes Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) und eine KV-Ambulanz haben
und dadurch eine stärkere ambulante und
stationäre Verzahnung im Klinikalltag erreichen, die hier in der ländlichen Region
besonders wichtig ist.
Bevor in Schaumburg an der Zukunft gebaut werden konnte, stand da eine Reise
in die Vergangenheit. Schon 2011 fanden
archäologische Grabungen statt, um die
Bauarbeiten nicht durch Zufallsfunde zu
gefährden. Reste einer 2000 Jahre alten
Siedlung wurden ausgegraben, darunter
Keramikscherben und Feuerstellen. Einige dieser Fundstücke sollen in der neuen
Klinik ausgestellt werden – und das Einzige
sein, das in dem 437-Betten-Haus an alte
Zeiten erinnert.
Aileen Hohnstein/Adalbert Zehnder
Baustellen-Livecam
http://to.kma-online.de/fc91
Hier können Sie das Bauprojekt live verfolgen. Besonders unterhaltsam: das Zeitraffer-Video von November 2014 bis heute.
GUTE BESSERUNG
FÜR IHRE BÄDER!
Hightech im Grünen
Für unsere Mitarbeiter ändert sich übrigens zurzeit sehr viel: Der Neubau bringt
einen enormen Technologie(vor)sprung mit
sich. Radiologie, Krankenakten, Diktate:
Alles wird digital sein. Gut für unsere Mitarbeiter und Patienten ist, dass die Funktionsbereiche im Neubau so aufgeteilt sind,
dass Wege kurz und Abläufe effizient sind.
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
BERATUNG · PLANUNG · BAU
KOMPLETT AUS EINER HAND
15
WWW.KOENIG-BAEDER.DE
Foto: Krankenhausprojektgesellschaft Schaumburg
Eng verzahnt: Die drei Gebäudeteile symbolisieren die hier zusammengezogenen Einzelstandorte, die dann nicht mehr existieren. Eng
verzahnen werden sich auch ambulante und stationäre Versorgung einer
ländlichen Region: Eine KV-Ambulanz und ein MVZ sind hier integriert.
BAUEN & AUSSTATTEN
Ständiges Werden: Die einzige Universitätsmedizin in
Thüringen wird komplett neu errichtet. Seit dem aktuell
laufenden Bauabschnitt ist das UK Jena selbst Bauherr –
und dank eines neu gegründeten Geschäftsbereichs sind
Klinikumsvorstand und Bauprojekt in Kommunikation und
Abstimmung eng verbunden.
AKTUALISIERUNG VON BAUPROJEKTEN
Permanente Aufgabe für alle
Zwischen der Idee für ein neues Klinikum und der Eröffnung liegt schnell ein Jahrzehnt. Weil Medizin, Technik, Bevölkerung und Krankheiten sich verändern, müssen
Bauprojekte laufend aktualisiert werden. Ein Erfahrungsbericht aus dem UK Jena.
Von Karen Treuter
ie Planungen für den ersten
Bauabschnitt des Uniklinikums
Jena (UKJ) begannen 1996. Die
Eröffnung des zweiten Bauabschnitts
soll 2018 erfolgen – wenn alles gut
geht. Unterm Strich sind dies am
Ende 22 Jahre. Das Projekt zählt zu
den größten Klinikneubauten in der
Bundesrepublik und bietet auf rund
50.000 Quadratmetern Nutzfläche
Platz für 15 Kliniken. In direkter Anbindung an die seit 2004 am Standort
Lobeda am nördlichen Stadtrand von
Jena befindlichen Gebäude entstehen
Flächen für 710 Betten und 13 Operationssäle. Zudem wird ein neues
Forschungs- und Institutsgebäude errichtet. Im Ergebnis soll ein Komplex
entstehen, der alle somatischen Kliniken an einem Standort vereint und als
„ein Ganzes“ funktioniert.
D
16
Daher war es von Anfang an wichtig,
nicht „in Beton“ zu denken, sondern
in Abläufen und Funktionen. Ein solcher Prozess verlangt komplexes Denken, Stringenz und Durchhaltevermögen. Und vor allem braucht er die
notwendige Unterstützung von denen,
die das Projekt strategisch und finanziell verantworten. Als öffentlich gefördertes Bauprojekt durch den Freistaat
Thüringen ist durch den Zuwendungsbescheid aus dem Jahr 2012 ein exakter Rahmen definiert. Und ohne diesen
definierten Rahmen würde es das Bauprojekt gar nicht geben. Mit einem Volumen von rund 308 Millionen Euro
ist der zweite Bauabschnitt das größte
Bauprojekt Thüringens. Das UKJ trägt
davon 85 Millionen Euro selbst, das
Land Thüringen mit 223 Millionen
Euro den Großteil der Baukosten. Die
Deutsche José Carreras LeukämieStiftung fördert zudem mit einer Million Euro die Einrichtung einer Station
für Stammzelltransplantationen. Ein
wichtiger Erfolgsfaktor, um im vorgegebenen Rahmen flexibel agieren zu
können: Das UKJ ist selbst Bauherr.
Eigenregie schafft Nähe
Weil das UKJ erstmals selbst Bauherr
ist, wurde am Klinikum im Jahr 2008
der Geschäftsbereich Neubau eingerichtet. Das ist eine enorme Herausforderung, aber auch ein großes Plus
für den Bauprozess. Unser elfköpfiges
Team ist Teil des UKJ. Das schafft
mehr Nähe und Identifikation, wir
sind keine „externe“ Verwaltungseinheit. Diese Nähe garantiert einen
stetigen Informationsfluss. Als Teil
des UKJ sind wir ständig informiert
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
Foto: UK Jena (Szabo)
BAUEN & AUSSTATTEN
über strategische Entwicklungen und
aktuelle Änderungen, die auf den ersten Blick mitunter nicht direkt mit
dem Neubau zu tun haben. Auch die
Kommunikation zwischen UKJ-Vorstand, dem Geschäftsbereich Neubau
und dem Zuwendungsgeber, dem Freistaat Thüringen beziehungsweise den
beteiligten Ministerien, wird dadurch
spürbar beschleunigt und vereinfacht.
Dazu tragen auch die Quartalsberichte
und ein eigener Projektausschuss des
UKJ-Verwaltungsrats bei.
Neben der Etablierung und dem erforderlichen Aufbau des Geschäftsbereichs Neubau als Teil des „Bauherrn
UKJ“ waren folgende Etappen von
zentraler Bedeutung: Neben strategischen Gesprächen des Klinikumsvorstands wurden erste Nutzergespräche
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
mit den Kliniken und Instituten bereits
ab 2007 geführt: Welche strategischen
Entwicklungen zeichnen sich ab? Wie
sieht die Prognose der Behandlungskapazitäten aus? Diese Gespräche waren
die Basis für das Raum- und Funktionsprogramm. Ein weiterer Schwerpunkt war die Entwicklung eines
„Affinitätenmodells“. Welche Einrichtungen gehören funktionell zusammen
und müssen daher auch räumlich zusammengeführt werden? Welcher Art
sind die Verbindungen untereinander?
Das daraus entwickelte „Betriebsorganisatorische Grundlagenkonzept“ bildet die strategische Aufgabenstellung
für das Projekt ab.
Frühzeitig definierte Standards
Parallel dazu wurden die Festlegungen
getroffen, die für die bauliche Zukunft
entscheidend sind: durchgängige planerische Grundprinzipien und einheitliche Standards. Auch wenn dies auf
den ersten Blick wie ein Widerspruch
wirken mag: Gerade die frühzeitige
Definition und Festlegung von grundlegenden Strukturen und einheitlichen
Standards für das Bauprojekt ermöglichen später Aktualisierungen mit überschaubarem Aufwand. Gerade weil wir
nicht wissen, wie das Krankenhaus von
morgen oder übermorgen aussehen
wird, kann unser Lösungsansatz heute
nur heißen: Möglichst allgemeingültige Grundlagen, individuelle Lösungen
und Spezialisierungen bleiben Sonderbereichen vorbehalten. In der Planung
bedeutet das: klar strukturierte technische Versorgungssysteme, einheitliche
durchgängige Wegeführung für Patienten und Besucher, Personal, Ver- und
17
BAUEN & AUSSTATTEN
„Für mich wird das Krankenhaus der Zukunft durch ein Bauprojekt nicht
realisiert – sondern ermöglicht.“ Karen Treuter, Uniklinikum Jena
In einer zweiten Runde der Nutzergespräche in den Jahren 2009 und 2010
wurde der Fokus auf die Abläufe und
Strukturen gerichtet. Wie werden die
betriebsorganisatorischen Grundsätze in Prozesse umgesetzt? Wie können
diese Prozesse in einer neuen Gebäudestruktur neu gestaltet werden? Welche Funktionen können gemeinsam
genutzt werden, welche Synergieeffekte können dabei erreicht werden?
Gerade angesichts der bisherigen dezentralen Klinikstruktur mit über acht
verteilten Standorten im Stadtgebiet
war diese Phase von zentraler Bedeutung. Dabei war es besonders wichtig,
an den planerischen Grundgedanken
diszipliniert festzuhalten. So war es
möglich, Raum zu schaffen, in dem
diese Prozesse funktionieren, die sich
aber auch nach der Fertigstellung weiter entwickeln können.
Auf diesen Ergebnissen basierte der
Entwurf, der 2011 als Förderantrag
gestellt wurde. Damit war der Rahmen abgesteckt. Im April 2012 wurde
der Zuwendungsbescheid übergeben,
nachdem die Finanzierung gesichert
war. Im Juni 2013 erfolgte die Vergabe
an den Generalunternehmer, die Ed.
Züblin AG, Grundsteinlegung war im
Oktober 2013, Richtfest im November 2014. Um auch im Bauprozess auf
wichtige Entwicklungen reagieren zu
können, hat das UKJ ein strukturiertes Änderungsmanagement eingeführt.
Das Ziel ist dabei aber klar die Minimierung von baulichen Änderungen.
Stringentes Änderungsmanagement
Das Änderungsmanagement hat eine
eindeutige Grundlage: Die mit dem
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Generalunternehmer fixierte Leistung basiert auf der mit den jeweils
betroffenen Funktionsstellen des
UKJ abgestimmten und bestätigten
Planung. Jede Änderung des vereinbarten Leistungsumfangs kostet
daher zusätzliches Geld für die Ausführungsplanung, die Bauausführung und die Finanzierung. Auch vor
diesem Hintergrund haben wir das
Änderungsmanagement sehr stringent aufgebaut. Jede Änderung wird
in einer ersten Phase hinsichtlich ihrer medizinischen und betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit bewertet.
Erst nach dieser Bestätigung erfolgt
die konkrete Bewertung der Änderung durch den Generalunternehmer.
In einer zweiten Phase wird auf der
Grundlage dieser Bewertung durch
den Klinikumsvorstand abschließend
über die Ausführung der Änderung
entschieden. Dieses Verfahren ist extrem arbeitsintensiv, aber die Mühe
lohnt sich. Ein Ergebnis kann daher
auch sein: Die Änderung kann in der
jetzigen Phase nicht realisiert werden,
aber sie wird für die Zeit nach der Inbetriebnahme avisiert.
Integrierte Projektplanung
Der Bau eines neuen Klinikums zieht
eine Vielzahl von neuen beziehungsweise zu ändernden Strukturen und
Prozessen mit sich. Am UKJ haben wir
dazu die „AG Inbetriebnahme“ installiert. Wie muss die Wäscheversorgung
neu organisiert werden? Wie wird der
Patienten- und Materialtransport realisiert? Welche Kommunikationsmittel sollen in der Zukunft im gesamten
Haus übergreifend genutzt werden?
Das sind nur einige der Themen, die
dort bereichsübergreifend diskutiert
werden und aus denen dann einzelne
Projekte werden.
Hinzu kommen Maßnahmen wie die
Errichtung des Parkhauses als separate Baumaßnahme oder der Bau eines
zusätzlichen Bettenhauses. Und auch
die enge Abstimmung mit weiteren
externen Partnern wird dort bearbeitet. Ein konkretes Beispiel: Mit dem
Umzug der Kinderklinik von der Innenstadt nach Jena-Lobeda werden
auch unterstützende Einrichtungen
wie das Ronald-McDonald-Haus mit
seinen Elternwohnungen oder die Beratungsstelle der Elterninitiative für
krebskranke Kinder umziehen. All
das sind Prozesse und Projekte, die
verzahnt werden müssen.
Das „neue UKJ“ wird mit der Inbetriebnahme ab Mitte 2016 zu den modernsten Kliniken in Europa zählen.
Noch haben wir einiges an Arbeit vor
uns. Für mich ist klar: Das „Krankenhaus der Zukunft“ wird nicht durch
ein Bauprojekt realisiert, sondern ermöglicht. Das „Krankenhaus der Zukunft“ ist eine permanente Aufgabe
für alle Bereiche und Berufsgruppen
an einem Klinikum.
Foto: UK Jena (Szabo)
Entsorgungsgüter und eine hohe Standardraumabdeckung.
Karen Treuter leitet seit 2008 den
Geschäftsbereich Neubau am Universitätsklinikum Jena. Zuvor bekleidete die
promovierte Bauingenieurin Leitungsfunktionen in der Bauindustrie.
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
BAUEN & AUSSTATTEN
PRODUKTWELT
CLINICALL GERMANY
Meilensteine für das digitale Krankenhaus
Jederzeit Zugriff auf relevante
Patiendaten.
Fotos: ClinicAll
Direkter Anschluss an die
moderne Medienwelt.
Über 90 Prozent der deutschen Krankenhäuser
setzen bereits auf computergesteuerte Krankenhausinformationssysteme. Diese werden jedoch
überwiegend nur zur Unterstützung administrativer und logistischer Aufgaben genutzt. Nur ein
geringer Teil bundesdeutscher Krankenhäuser
verfügt bereits über eine vollständige digitale
Vernetzung, die es ermöglicht, die für die Behandlung benö tigten Daten und Funktionen
überall dort zur Verfügung zu stellen, wo sie auch
gebraucht werden.
ClinicAll und SRC Infonet setzen neue Maßstäbe
Die medizinische Versorgung und Aufenthaltsqualität verbessern, die Effizienz der Behandlungsprozesse steigern und zugleich die Verwaltungskosten senken – das muss nicht länger
die Quadratur des Kreises sein. Der deutsche
Software-Entwickler ClinicAll Germany und SRC
Infonet, der slowenische Marktführer für Kundeninformationssysteme (KIS), mit einer über 20-jährigen Tradition im Gesundheitswesen, setzen mit
ihrem aktuellen Pilotprojekt neue Maßstäbe.
Einmaliges Projekt in Europa
Erstmalig statten der slowenische SoftwareGigant SRC Infonet und der deutsche Infotainment-Spezialist ClinicAll Germany gemeinsam
eine Klinik in Slowenien mit einer wegweisenden Technologie aus. Dabei werden 180 ClinicAll
Bedside-Terminals installiert – eine innovative
Lösung auf Basis von Windows 8®, die in jedem
Krankenzimmer den Anschluss an die moderne
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
Medienwelt und auf Wunsch auch volle Integration in das hauseigene KIS bietet.
E-Health trifft Infotainment
Einzigartig an diesem Projekt ist, dass in das ClinicAll-System das KIS von SRC Infonet integriert
wird. So kommen nicht nur die Patienten in den
Genuss von Fernsehen über IPTV, Internetzugang
über vollständigen Webbrowser, Video on Demand
(VoD), Telefon mit VoIP sowie Zugriff auf aktuelle
Nachrichten, Wettervorhersagen, Online-Spiele,
Klinikinformationen u.v.m.. Dank der nahtlosen
KIS-Integration von SRC Infonet haben Ärzte und
medizinisches Personal außerdem Zugriff auf
relevante Patientendaten, die sie direkt am Krankenbett nutzen können. Dies stellt einen perfekt
synchronisierten Behandlungsablauf während der
gesamten medizinischen Behandlung – über alle
beteiligten Mitarbeiter hinweg – sicher.
Jederzeit Zugriff auf Patientendaten
Erstmals wird es möglich, eine digitale Patientenakte auf dem Bedside-Terminal direkt am Krankenbett aufzurufen. Das Revolutionäre daran: Es
können nahezu alle gängigen Applikationen für
digitale Patientenakten nahtlos angebunden werden, ob beispielsweise Aqua Orbis oder Siemens
Medico. So bietet das innovative Klinik-System
maximale Flexibilität bei der Daten-Implementierung, sowie höchste Zukunftssicherheit für die
Integration von Zusatzanwendungen. Der Datenzugriff funktioniert auch mobil, über einen speziell für den medizinischen Bereich entwickelten
PocketPad.
ClinicAll Germany GmbH
Hamtorstraße 5
41460 Neuss
www.clinicall.de
[email protected]
Tel.: +49 (0)2131/52 81 30
Fax: +49 (0)2131/52 81 390
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BAUEN & AUSSTATTEN
Foto: Medfacilities
Lehrgeld bezahlt: Die Projektverantwortlichen am Uniklinikum Köln haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Nie wieder soll
eine Sanierung so aufwendig, langwierig und
kostspielig sein wie die derzeit laufende – und
nötige. Künftig lassen sich die Räume flexibel
an veränderte Anforderungen anpassen.
NACHHALTIGES BAUEN
Aus Bausünden lernen
Der Bettenturm des Uniklinikums Köln ist mit seiner tollkühnen Hängehaus-Konstruktion ein
Architektursymbol der 1970er Jahre – aber auch eine Altlast erster Garnitur. Welche Lehren sich
daraus ziehen lassen, berichtet Peter Heinen, Chef der Bautochter des Klinikums.
Von Peter Heinen
nders als bei vielen Nutzimmobilien – vom Supermarkt über
Büro- und Logistikzentren bis
hin zum Hotel – sind im Krankenhaussektor Neubauten auf der grünen
Wiese eher eine Seltenheit. Vielmehr
sind hier Konzepte zur Sanierung im
A
20
Bestand oder für raumeffiziente Erweiterungsbauten aufgrund des stark
begrenzten Raums an der Tagesordnung. Für viele Kliniken ist die Bausubstanz von gestern ein Handicap:
Nur mit äußerst hohem Aufwand
ist es oft möglich, die Gebäude so
kernzusanieren, dass sie den komplexen heutigen Anforderungen des
sich stetig wandelnden Gesundheitsmarkts gerecht werden. Was bleibt
ist der Anspruch, heute nachhaltiger
und zukunftssicherer zu planen, als es
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report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
BAUEN & AUSSTATTEN
PRODUKTWELT
NORA SYSTEMS
Kautschukböden für Klinik der kurzen Wege
Fotos: nora systems GmbH
Einheitliche Optik: nora Bodenbeläge gibt es im gleichen Design
für verschiedene Anforderungen
und Bereiche.
Besondere Funktionen: Die
Kautschukböden sind für OPs
und Untersuchungsräume auch
elektrostatisch ableitfähig
verfügbar.
Mit dem KRH Klinikum Siloah-Oststadt-Heidehaus
ist in grüner Lage mitten in Hannover eines der
modernsten Krankenhäuser Niedersachsens entstanden. Das neue Klinikum mit 535 Betten und
einer OP-Abteilung mit neun Sälen ist der erste
komplette Neubau eines Krankenhauses auf einer
neuen Liegenschaft in der Region Hannover seit
40 Jahren. Das Ergebnis: bestmögliche medizinische Versorgung und Pflege in einem anspruchsvollen Ambiente mit Hotelkomfort. Als es um die
Wahl des Fußbodens für Bereiche mit speziellen
Anforderungen wie die Intensivstationen, Untersuchungsräume und die stark frequentierten Flure
ging, entschieden sich Planer und Nutzer für Kautschuk-Bodenbeläge von nora systems. Insgesamt
sind in dem neuen Gebäude 24.000 Quadratmeter
nora Böden verlegt.
sollen den Patienten die Orientierung erleichtern“, erläutert Innenarchitektin Petra Gunst
von sander.hofrichter architekten. „In den Fluren haben wir uns für noraplan signa in einem
harmonischen Grauton entschieden, so dass wir
bestimmte Bereiche mit kräftigen Leitfarben akzentuieren und so Patienten und Besucher beispielsweise zu den Aufzügen, Leitstellen und
Stützpunkten leiten können.“ Ein weiteres Plus:
nora Bodenbeläge gibt es im gleichen Design
für verschiedene Anforderungen und Funktionsbereiche. So muss der Boden beispielsweise
in Operationssälen und bestimmten Untersuchungsräumen elektrostatisch ableitend sein.
„Dass die Kautschukböden im gleichen Dekor erhältlich sind, ist ein großer Vorteil“, betont Gunst.
„So gibt es keinen Bruch bei der Gestaltung.“
Verschiedene Funktionen – gleiches Design
Der Neubau ersetzt die bestehenden KRH Kliniken Siloah und Oststadt-Heidehaus, deren
Gebäude aus den 1950er- und 1960er-Jahren
baulich nicht mehr zeitgemäß waren. Mit der
Zusammenlegung der Häuser werden hohe Synergieeffekte erzielt: die Zusammenführung und
Kooperation medizinischer Fachabteilungen unter einem Dach, optimierte Betriebsabläufe mit
kurzen Wegen sowie weniger Bauunterhaltungsund Investitionskosten.
Keine Beschichtung erforderlich
Neben dem Design und dem harmonischen
Farbspektrum waren auch wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend bei der Entscheidung für
die Kautschukböden. „Die nora Beläge haben
sich schon in vielen anderen Objekten im langfristigen Unterhalt als sehr günstig erwiesen“,
sagt Carsten Meiners, der bei sander.hofrichter
architekten als Projektleiter für den Neubau zuständig war. „Die Kautschukböden sind extrem
verschleißfest und langlebig.“ Aufgrund ihrer extrem dichten Oberfläche lassen sich nora Böden
leicht reinigen und benötigen als einzige unter
den elastischen Bodenbelägen keine Beschichtung. Dadurch werden zeit- und kostenaufwändige Instandhaltungsarbeiten gespart.
Bestens durchdacht ist das Farbkonzept in der
neuen Klinik, das nicht nur attraktiv wirkt, sondern auch eine spezielle Funktion erfüllt. „Die
Farben, die wir im Klinikum eingesetzt haben,
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
nora systems GmbH
Höhnerweg 2-4
69469 Weinheim
www.nora.com/de
[email protected]
Tel.: +49 (0)6201/80 56 66
Fax: +49 (0)6201/88 30 19
21
BAUEN & AUSSTATTEN
Bettenhochhaus-Sanierung:
ein kleines Jahrhundertprojekt
Vor zehn Jahren, 2005, begann die Sanierung und Modernisierung
des 84 Meter hohen Bettenhochhauses der Uniklinik Köln – weitere fünf Jahre wird sie voraussichtlich dauern. Fassade, Gebäudetechnik, Zimmer, Bäder, Behandlungs- und Funktionsräume
werden komplett erneuert – bei laufendem Betrieb. Die rund
eineinhalb Jahrzehnte dauernde Sanierung wird voraussichtlich
fast die Hälfte der Zeit verschlingen, die der Bettenturm zuvor
in seiner Ursprungsform überhaupt in Betrieb war. Bis zu zwei
Etagen werden pro Jahr fertig. Die erste in Betrieb genommene
Etage wird am Ende mehr als zehn Jahre älter sein als die letzte.
Die im Zuge der Sanierungsmaßnahmen bereits gesammelten
Erfahrungswerte werden systematisch ausgewertet und zur Optimierung aktuell laufender und künftiger Sanierungsarbeiten
genutzt. Die Gesamtkosten des Mammutprojekts werden mit
mindestens 86 Millionen Euro veranschlagt.
Fortsetzung von Seite 20
damals üblich war. Ein Beispiel, aus
dem sich zahlreiche Erkenntnisse
für die Sanierung solcher baulichen
„Altlasten“ ziehen lassen, ist die erfolgreiche Modernisierung des Bettenhauses der Uniklinik Köln durch
dessen Tochterunternehmen Medfacilities GmbH.
Ein Kind des „Brutalismus“
Aus der Luft betrachtet, dominiert
das Bettenhaus mit seinen 18 Geschossen das Bild des gesa mten
bezeichnet. Beim Richtfest am 22. Oktober 1971 war es, wie es heißt, das
größte Hängehaus der Welt. Neben
offensichtlichen „Bausünden“ der damaligen Zeit wie beispielsweise dem
großzügigen Einsatz des Baustoffs
Asbest, die heute in dieser Form natürlich niemand mehr wiederholen
würde, birgt dieses Sanierungsprojekt
viele weitere Herausforderungen. Für
die Projektverantwortlichen der Medfacilities war dies ein zusätzlicher Ansporn, das Bettenhaus so zu gestalten,
dass eine so aufwendige Sanierung
„Eine langfristige Masterplanung hilft, Ziele unabhängig von schnelllebigen Trends zu verfolgen und
das große Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren.“
Peter Heinen, Geschäftsführer Medfacilities
Un i k li n i k- Ca mpus’. Nicht oh ne
Grund wird die Epoche, in deren
Zeitgeist das Gebäude entworfen
w u rde, heute als „Brutalismus“
22
zukünftig nicht mehr notwendig
wird, weil sich die Räume flexibel an
veränderte Anforderungen anpassen
lassen.
Das Bettenhaus beherbergt auf den
18 Geschossen nahezu 900 der insgesamt 1.400 Betten der Uniklinik
Köln. Saniert wird hier seit 2005 sukzessive Geschoss für Geschoss im laufenden Klinikbetrieb. Notwendig ist
dieses relativ zeitaufwendige Vorgehen, da auf dem eng bebauten Kölner
Campus keine temporären Ausweichflächen im notwendigen Umfang zur
Verfügung stehen, um das Bettenhaus
für die Dauer der Sanierung komplett
zu räumen. Möglich ist es aufgrund
der Hängebau-Konstruktion des Gebäudes.
Im Inneren befindet sich ein Stahlbetonkern, der für die Stabilität des
Gebäudes sorgt und zentral alle Versorgungsstränge beinhaltet. Im Kopftragwerk führen elf Stahlbetonrippen
die Stahlseile, an denen die Ebenen
aufgehängt und mit dem Stahlbetonkern verbunden sind. Die Decken der
Ebenen wurden beim Bau des Gebäudes am Boden betoniert und von
einem Kran auf dem Dach hochgezogen. Das Bettenhaus wurde auf diese
Weise von oben nach unten errichtet,
was bei der Sanierung ein ähnliches
Vorgehen erfordert.
Den Beginn der Sanierung bildeten
2005 die Modernisierung des Kopftragwerks und die Errichtung eines effizienten neuen Baukrans auf
dem Dach. Inzwischen sind 9 der 18
Obergeschosse auf Hotelstandard gebracht. Dabei wurden zuletzt jeweils
zwei Ebenen innerhalb von gut einem
Jahr kernsaniert.
Baulärm – aber rücksichtsvoll
Seit Projektbeginn finden alle Sanierungsarbeiten unter strengen Auflagen statt. Die Medfacilities ist dabei
unter anderem für die Auswahl, Einweisung und Überwachung der ausführenden Handwerksunternehmen
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
BAUEN & AUSSTATTEN
Peter Heinen, Geschäftsführer Medfacilities
zuständig. Um die Genesung der Patienten in den Geschossen unterhalb
und oberhalb der zu sanierenden Flächen nicht zu beeinträchtigen, gilt
beispielsweise auf der Baustelle: nur
schleifen und nicht bohren, sondern
nur schonend kernbohren. Besondere Arbeits- und Ruhezeiten sind einzuhalten. Die Zulieferung darf aus
Hygienegründen ausschließlich über
einen Außenaufzug erfolgen. Wege,
Treppen und Aufzüge von Patienten,
Besuchern und Mitarbeitern auf der
einen und die Baustellenlogistik auf
der anderen Seite sind strikt voneinander getrennt. Und nicht zuletzt sind
besondere Vorsichtsmaßnahmen mit
Blick auf die Seile der Gebäudekonstruktion notwendig.
Ausgefeilte Umzugslogistik
Obwohl nun lediglich für zwei Geschosse mit jeweils 2.636 Quadratmetern Ausweichflächen gefunden werden müssen, hat dies immer wieder zu
kleineren Zeitverzögerungen geführt,
da jede Ausweichfläche bis zuletzt noch
für andere Zwecke genutzt werden
muss. Um einen reibungslosen Ablauf
der sich daraus ergebenden komplexen Umzugslogistik zu gewährleisten,
muss die Medfacilities an mehreren
Baustellen gleichzeitig absolut termintreu arbeiten.
Möglichst flexible Flächen
Aktuell geht man davon aus, dass sich
die Anforderungen an ein Krankenhaus alle zehn Jahre stark ändern.
Schon aus diesem Grund und aus
Gründen der Nachhaltigkeit ist es
heute das Ziel, Flächen zu schaffen,
die möglichst flexibel und langfristig
nutzbar sind. Dies gelingt erfahrungs8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
gemäß am besten, wenn die Planer
die Möglichkeit haben, einen auf
beispielsweise zehn Jahre angelegten
Masterplan für den gesamten Gebäudebestand der jeweiligen Klinik zu
entwickeln. So wird verhindert, dass
kurzfristig für jeden neuen Bedarf ein
Stückwerk geschaffen wird. Das große Ganze wird stets im Blick behalten und konsequent umgesetzt. Eine
solche Masterplanung ist für jedes
Krankenhaus sinnvoll, unabhängig
von dessen Größe.
Für das Bettenhaus der Uniklinik
Köln bedeutete dieser ganzheitliche
Ansatz mittels Masterplanung die
Auslagerung von Spezialbereichen in
andere Gebäude sowie die Schaffung
von Standardebenen, auf denen bei
minimalen Anpassungen jede Station untergebracht werden kann. Eine
solche Anpassung kann beispielsweise
die Einbringung eines Behandlungsbads anstelle des sonst vorgesehenen
Multifunktionsbüros auf der dermatologischen Station sein. Auf diese Weise ist nun für die zukünftige
Nutzung des Bettenhauses eine größtmögliche Flexibilität gewährleistet.
An spätere Umbauten denken
Ein weiterer wichtiger Stichpunkt
sind die Reserven für spätere Umbauten – seien es Installationsschächte,
Abhangdecken oder auch geänderte
Flächenbedarfe. Hier muss der goldene Mittelweg gefunden werden zwischen dem Wunsch, hier und heute die
Mehrkosten dafür möglichst gering
zu halten und der Aussicht, zukünftig gegebenenfalls ein Vielfaches der
ursprünglichen Kosten für dasselbe
Ergebnis in Kauf zu nehmen.
Haltbareres Material rechnet sich
Bei der Materialauswahl gilt es, die
gesamten Lebenszykluskosten im
Blick zu behalten und nicht ausschließlich nach den aktuellen Beschaffungskosten zu entscheiden.
Trinkwasserleitungen aus Edelstahl
sind beispielsweise in der Beschaffung deutlich teurer als herkömmliche
Leitungen, jedoch erheblich haltbarer
und wartungsärmer. Heute wird in
der Regel mit einem Gebäudelebenszyklus von 25 Jahren geplant. So naheliegend wie notwendig ist es daher,
Materialien mit einer dazu passenden
Haltbarkeit zu wählen.
Um zu verhindern, dass die eigenen
Bauprojekte zu den „Altlasten“ von
morgen werden, ist eine ganzheitliche Sichtweise auf das Baugeschehen der jeweiligen Klinik notwendig.
Insbesondere eine langfristige Masterplanung kann hier helfen, Ziele unabhängig von schnelllebigen
Trends zu verfolgen und das große
Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren. Und schlussendlich sind natürlich Lösungen gefragt, die auf lange
Sicht die Flexibilität der gesamten
Klinik erhalten.
Foto: Medfacilities
„Ich hätte das Ding am liebsten gesprengt.“
Peter Heinen: Der Architekt kam 1999
als Technischer Direktor an die Uniklinik
Köln. 2003 gründete er deren Bautochter
Medfacilities GmbH, deren Geschäftsführer er seither ist.
23
BAUEN & AUSSTATTEN
ERÖFFNUNG 2016
Steiler Zahn: Die Sanierung des markanten 21-geschossigen Bettenhochhauses aus DDR-Zeiten ist das Schlüsselprojekt bei der Neu- und Umgestaltung des Campus Mitte der
Berliner Charité. Die tonnenschweren Betonplatten werden
durch energieeffiziente, leichtgewichtige Alu-Elemente
ersetzt. 22 Millionen Euro soll die Sanierung der Fassade
kosten. Dies entspricht gut einem Zehntel der Gesamtkosten des Neubau- und Sanierungsprojekts.
1
CHARITÉ BERLIN
Halbzeit beim Umbau der
Berliner Universitätsmedizin
Schaffen Sie’s – oder schaffen Sie’s
nicht? Das ist hier wieder mal die Frage –
hier, in Berlin. Weil Sie ihn sicher nicht
mehr hören können, wollen wir Ihnen an
dieser Stelle den – eigentlich in der Luft
liegenden – Running Gag mit dem Flughafen in einer großen ostdeutschen Stadt
ersparen, der dafür konzipiert wurde, ewig
zu werden und nie zu sein – und bei dem
schon sein Nicht-Betrieb, wie es heißt, jeden Monat 20 Millionen Euro kostet.
1 2
2
Zweckoptimist: „Wir liegen im Zeit- und im
Kostenrahmen“, ist derzeit einer der Lieblingssätze des Vorstandschefs der Berliner Charité,
Karl Max Einhäupl.
24
Weil die Verantwortlichen der Charité darum sehr genau wissen – und weil sie verhindern wollen, dass ein weiteres Berliner
Großprojekt unfreiwillig und überregional
zum Politikum oder zum Objekt von Hohn
und Spott wird, haben sie vor eineinhalb
Jahren – nach einigem Suchen allerdings
erst – einen Generalunternehmer unter
Vertrag nehmen können: eine Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus dem Baukonzern Züblin und dem Baudienstleister Vamed. Diese Arbeitsgemeinschaft musste
rechtsverbindlich – und bei Androhung
einer empfindlichen Konventionalstrafe –
zusichern, dass sie das Bettenhaus saniert und zusammen mit den es umgebenden neuen Bauten termingerecht
schlüsselfertig übergibt. Ende 2016 soll
der Umbau des Campus Mitte der Berliner Universitätsmedizin abgeschlossen
sein, versicherte kürzlich deren Bau-Chef
Christian Kilz.
Begonnen hatten die Bauarbeiten im Frühjahr 2014. Binnen drei Jahren soll „das in
den 1970er Jahren geplante und in den
1980er Jahren in Betrieb genommene
Herzstück der Charité auf den Krankenhausstandard des 21. Jahrhunderts gebracht werden”, wie Charité-Vorstandschef
Karl Max Einhäupl es formulierte. Zu dem
Großprojekt gehören die Entkernung und
Sanierung des 21-stöckigen Hochhauses,
dessen alte Betonplatten-Fassade komplett entfernt und durch eine neue energieeffiziente aus Alu-Elementen ersetzt
werden soll. Und: ein mit dem Bettenturm
kombinierter fünfgeschossiger Neubau
für Intensivstationen, 15 OPs und die Rettungsstelle. Projektvolumen unterm Strich:
202,5 Millionen Euro.
Adalbert Zehnder
Foto: Charité
SLK KLINIKUM HEILBRONN
Vier Finger am
Gesundbrunnen
3 Bei den SLK Kliniken im Raum Heilbronn nördlich von Stut tgar t werden
gerade zwei Standorte von Grund auf
saniert oder neu gebaut: Heilbronn und
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
BAUEN & AUSSTATTEN
www.cofely.de
Energie | Technik | Service
COFELY MACHT
AUS WENIGER
ENERGIE MEHR
LEISTUNG.
3
Endspurt: Der erste Bauabschnitt der kommunalen SLK Kliniken im
nordwürttembergischen Heilbronn soll in spätestens einem Jahr,
im Sommer 2016, in Betrieb gehen. Geplantes Investitionsvolumen:
knapp 200 Millionen Euro.
Wir sind Technik-Spezialisten. Aber wir wollen
Ihnen nicht einfach nur Anlagen verkaufen.
Warum nicht? Weil wir viel mehr für Sie leisten
können. Wir möchten Sie verstehen und Ihnen
Lösungen vorschlagen, die zu Ihnen passen,
Sie entlasten und auf die Sie sich ganz einfach verlassen können.
Bad Friedrichshall. Mit den beiden Anfang 2012 gestarteten Projekten will der
kommunale Klinikverbund im nördlichen
Baden-Württemberg die baulichen Voraussetzungen dafür schaffen, um die
optimale Gesundheitsversorgung der
Bürger in der Region Heilbronn-Franken
langfristig zu sichern. Voraussichtlich 300
Millionen Euro wollen Land, Stadt- und
Landkreis Heilbronn und die SLK Kliniken
Heilbronn GmbH gemeinsam investieren.
Das Klinikum „Gesundbrunnen“ am Unternehmenssitz in Heilbronn soll zu den
Krankenhausbauprojekten deutschlandweit gehören, die im kommenden Jahr –
2016 – eröffnet werden.
Das Ziel ist Effizienz.
Machen wir uns auf den Weg.
Offiziell startete die Baumaßnahme mit
dem Spatenstich am 19. März 2012. Die
Fertigstellung des Rohbaus wurde mit
einem Richt fest am 25. Februar 2014
gefeiert. Auf einer Grundfläche von rund
82.000 Quadratmetern entstehen 15
neue Pflegestationen und neue Funktionsbereiche inklusive Zentral-OP, Zentraler Notaufnahme und erweiterter Ambulanzräumlichkeiten. Insgesamt wird
das Klinikum nach Fer tigstellung des
Neubaus über rund 950 Betten verfügen.
Am Standort Gesundbrunnen soll ab 2017
noch ein zweiter – und damit der letzte –
Bauabschnitt errichtet werden. Das neue
Klinikgebäude mit seinen untereinander
verbundenen vier Gebäudefingern wird
rund 195 Millionen Euro kosten.
Adalbert Zehnder
Foto: SLK Kliniken
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
25
WISSNER-BOSSERHOFF
image 3-w – Das waschbare Klinikbett
Vor gut einem Jahr präsentierte wissner-bosserhoff das image 3 – ein universelles Klinikbett mit
Niedrigpflegeposition. Mit dem neuen image 3-w
wird das innovative Bettenkonzept um ein weiteres bahnbrechendes Feature erweitert.
Gut gerüstet für steigende Hygieneanforderungen im Klinikalltag
Das „w“ im Markennamen steht für waschbar: Die
neue Generation ist speziell für den effektiven
Einsatz in Waschstraßen und Dekontaminationszentren entwickelt. Dank einem intelligenten
Produktdesign kann auf diese Weise die Einhaltung der Hygieneanforderungen im Klinikalltag
nachhaltig verbessert und vereinfacht werden.
Eine klare Chassis- und Bettkonstruktion ohne
Mulden und schöpfende Stellen ermöglicht die
optimale Trocknung nach der Reinigung und Desinfektion. Zusätzlich verhindern Ablaufbohrungen die Bildung von Staunässe. Die patentierte
Konstruktion der SafeFree®-Seitensicherungen
bietet einen optimalen Abfluss von Flüssigkeiten. Die Lamellen der Liegefläche sind absolut
wasserdicht, ihre relativ großen Zwischenräume
verhindern Staunässe auf der Liegefläche. Das
image 3-w entspricht damit nicht nur den AKBWA-Anforderungen (Arbeitskreis Bettgestellund Wagendekontaminationsanlagen). Es wurde
darüber hinaus einem intensiven Härtetest in
der Miele Professional Großkammer-Waschanlage unterzogen. Im Ergebnis waren nicht nur die
Waschergebnisse in der Miele-Anlage hervorragend, auch der Wasserablauf und die anschließende Betriebsbereitschaft des Betts wurden als
einwandfrei bewertet.
Mobilisierung des Patienten auf höchstem Sicherheitsniveau
Neben dem Anspruch an eine optimale Waschbarkeit stehen – wie auch beim image 3 – Aspekte wie Sturzprävention und die Unterstützung bei der Mobilisierung im Fokus. Für das
image 3-w übernommen wurden innovative Erfolgslösungen wie die patentierten SafeFree®Seitensicherungen. Ihre Höhe lässt sich in vier
Positionen individuell für eine sichere und
26
Wasserfest: Das Bettgestell
image 3-w von wissner-bosserhoff ist nicht nur waschbar,
es erleichtert dank innovativer
technischer Features wie der
SafeFree®-Seitensicherung auch
die Mobilisierung des Patienten
und bietet höchsten Komfort –
auch für die Pflege am Bett.
Foto: wissner-bosserhoff
PRODUKTWELT
BAUEN & AUSSTATTEN
ergonomische Patientenmobilisierung anpassen. Der Verzicht auf Klappschienen oder
Mittellückenprotektoren ermöglicht zudem
einen freien Zugang zum Patienten. Der mehr
als 300.000-fach praxiserprobte Seitensicherungstyp ist in weniger als zwei Sekunden mit
nur einer Bewegung absenkbar. Gleichermaßen
bewährt ist die implementierte 3-Stopp-Strategie: mit einer Höhenverstellbarkeit von 28 cm
für eine sichere Schlafposition, 42 cm zum ergonomischen Bettausstieg in Stuhlhöhe und 80
cm für eine komfortable und rückenschonende
Pflege. Die zentrale fünfte Transportrolle des
image 3-w erleichtert nicht nur das Manövrieren in engen Patientenzimmern und in Aufzügen,
sondern auch aufwendigere Bettentransporte
wie etwa zur Bettenzentrale oder zu den OPs.
Komfort und Design für ein Healing
Environment
Die einzigartige und vielfach erprobte Ergoframe®-Liegefläche geht mit dem doppelten
Rückzug deutlich über eine sogenannte DBfK-Rückenlehne hinaus. Das Platzangebot im Beckenbereich wird um 16 cm erweitert, um Scher- und
Reibungskräfte signifikant zu reduzieren. Gleichzeitig verhindert die Autokontourfunktion ein
Herunterrutschen des Patienten und verringert
somit seine Rücklagerung. Zusätzlich besticht
das neue Mitglied aus der image 3-Serie durch
ein wohnliches Hotel-Design, das durch seine
universelle Verwendbarkeit nicht nur in Wahlleistungszimmern für Ambiente im Sinne eines
Healing Environment sorgt.
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report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
Nachhaltige Energie-Einspartechnik für alle luft-BAUEN
und
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technischen Anlagen
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8. Jg. | Juni 2015
report
& planen
27
BAUEN & AUSSTATTEN
WALDKRANKENHAUS EISENBERG
Holz, Glas, Waldblick – und die Privacy eines
Einzelzimmers
28
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
BAUEN & AUSSTATTEN
Fotos: Matteo Thun & Partners
Privatheit und Geselligkeit: Wie die
Taille einer Sanduhr verjüngt sich der
Grundriss der Doppelzimmer an den
Raumkanten der Nasszellen (rechts und
links oben) und des Wintergartens (untere Bildmitte). Die Raumaufteilung lässt
dem Patienten die Freiheit zu entscheiden, ob er Ruhe wünscht oder Kontakt.
Der Wintergarten dient als Wohnzimmer.
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
29
BAUEN & AUSSTATTEN
KRH KLINIKUM SILOAH HANNOVER
Foto: Sander Hofrichter Architekten
Durchdacht und flexibel
30
Foto: Sander Hofrichter Architekten
Foto: Sander Hofrichter Architekten
Wegweisend: Ein Farbleitsystem hilft Patienten und Besuchern, sich
im Haus zu orientieren. Die neutrale Heilfarbe Grün kennzeichnet die
Behandlungsräume. Die Farben Rot, Gelb und Violett stehen für die
Heilpflanzen Hibiskus, Ringelblume und Lavendel und weisen den Weg
zu den einzelnen Bettenhäusern mit ihren Patientenzimmern.
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
Foto: Sander Hofrichter Architekten
BAUEN & AUSSTATTEN
Ressourcenschonend ist eine Klinik nur dann, wenn die Logistik in
die Bauplanung integriert wird. Insbesondere die Effizienz der OPs
hängt maßgeblich von einer passgenau geplanten Peripherie ab.
Foto: Sander Hofrichter Architekten
Flexibles Raumkonzept: Die Stationsgrößen können jeweils den aktuellen
Bedürfnissen angepasst werden. So
lassen sich in belegungsarmen Zeiten
Pflegebereiche zusammenlegen und bei
starker Belegung schnell wieder öffnen.
Gute Ökobilanz: Nachhaltigkeit manifestiert sich auch im Einsatz
von Baumaterialien, die umweltverträglich hergestellt wurden und
möglichst wenig Schadstoffe oder Gerüche ausdünsten. Hilfreich
ist deshalb der Einsatz eines Baubiologen im Planungsprozess.
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
31
BAUEN & AUSSTATTEN
Die Heilkraft des Wohnzimmers: In einer
Psychiatriestation des Berliner St. HedwigKrankenhauses wurde ein Behandlungskonzept
realisiert, das darauf setzt, die Patienten ans
Gesundsein statt ans Kranksein zu erinnern.
32
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
BAUEN & AUSSTATTEN
KRANKENHAUS-AMBIENTE
Mut zur Unüblichkeit
In vielen Kliniken fühlt man sich schon allein wegen der Raumatmosphäre krank. In einer Psychiatriestation der Alexianer in Berlin beschlossen die Verantwortlichen deshalb, krankenhaustypische
Ausstattungselemente wegzulassen – und Räume zu schaffen, die ans Gesundsein erinnern.
in riesiger Massivholztisch aus
einheimischer Eiche, der Platz
bietet für bis zu 17 Personen.
Holzparkett, ein Sofa zum Hinlümmeln, hier und da leuchtet es kräftig
gelb oder lila an den Wänden. Schlichte, aber stylish wirkende, selbst kreierte
Möbel. Was auf den ersten Blick aussieht wie eine hippe WG, in der die Bewohner über viel Sinn für Ästhetik und
Design verfügen, ist in Wirklichkeit
eine Psychiatriestation für Schizophrenie-Patienten am St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin. Das traditionsreiche Haus im Stadtteil Mitte gehört
zum katholischen Alexianer-Verbund
und wurde vor 150 Jahren im neugotischen Stil in Ziegelbauweise errichtet.
E
Das Behandlungskonzept der Station
heißt „Soteria“. Der Name leitet sich
vom altgriechischen Wort für „Heilung“ ab. Die Therapieidee stammt aus
den USA und richtet sich an Menschen
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
in psychotischen Krisen. Ihr Ziel: ein
therapeutisches Milieu zu schaffen mit
einem Zusammenleben in wohnlicher
Umgebung und der Integration alltäglicher Abläufe wie Einkaufen oder
Kochen. Bis zu zwölf SchizophreniePatienten können hier Hilfe finden.
Die meisten von ihnen sind unter 30.
So wichtig wie Medikamente
In der Soteria steht an erster Stelle,
sich wohlzufühlen. Das Leben mit
anderen in Alltäglichkeit gehört genauso zur Therapie wie Medikamente
und Gespräche. Ohne eine Umgebung,
die Ruhe und Behaglichkeit ausstrahlt,
geht gar nichts. In der Soteria spielen
daher Architektur und Farbkonzept
eine große Rolle. „Wir wollten so wenig wie möglich an ein Krankenhaus
erinnern lassen“, sagt Oberarzt Martin Voss. Das Ideal sei eine WG auf
Zeit, in Räumen, wo das Gesundsein
und nicht das Kranksein betont werde.
Um das zu erreichen, wurden typische
Klinikausstattungen einfach weggelassen wie Handläufe in den Fluren,
Rammschutz an den Ecken, verstellbare hydraulische Krankenhausbetten.
Stattdessen gibt es in den Patientenzimmern speziell angefertigte Möbel,
hergestellt in Berliner Tischlerbetrieben. Tisch, Stuhl, Bett – mit der reduzierten Einrichtung wirken die Zimmer eher wie die eines Hostels. Auf
jeden Fall nicht wie die einer Klinik.
Oberarzt Voss hat die Berliner Soteria gemeinsam mit dem Architekten Jason Danziger entwickelt. 2011
zog die Internistische Station von St.
Hedwig in ein neues Gebäude – die
leeren Räume boten die Möglichkeit,
etwas Neues aufzubauen. Ein Jahr
hat es gedauert, bis Farbkonzept,
Raumaufteilung und Einrichtung ein
stimmiges Gesamtbild ergaben. Danziger, der vorher noch nicht mit einem
33
BAUEN & AUSSTATTEN
Krankenhaus zusammengearbeitet
hatte, näherte sich dem Projekt auf
interdisziplinärer Ebene: Welche
Bedürfnisse haben SchizophreniePatienten, welche architektonischen
Möglichkeiten lassen sich in dem
Altbau realisieren, welche Materialien können verwendet werden, um der
Hygiene gerecht zu werden? Er führte auch eine Befragung bei Patienten
und Mitarbeitern durch, um herauszufinden, welche Gestaltungselemente
ihnen wichtig sind. Im Oktober 2013
wurde die Einrichtung dann eröffnet.
Herzstück der Berliner Soteria ist die
offene Küche mit dem sich anschließenden Wohnzimmer. Hier wird gemeinsam gekocht, gegessen, geredet,
gelebt.
Denkschablonen überwinden: Oberarzt Martin Voss (r.) und Architekt
Jason Danziger sehen in dem Soteria-Konzept den Beleg dafür, dass
Stationen mit relativ geringem baulichem und finanziellem Aufwand
ansprechender eingerichtet werden können.
Das Soteria-Konzept
Individualität durch Farben
Ein geeignetes Farbkonzept zu finden,
war schwieriger. Schizophrenie-Patienten, die Stimmen hören, Angst haben
oder an Depressionen leiden können,
sind schnell von sie umgebenden Reizen überfordert. Daher dominieren
Weiß und Grau, ergänzt mit farbigen
Highlights. „Insgesamt war es wichtig, eine richtige Balance zu finden:
Die Räumlichkeiten durften nicht zu
steril, aber auch nicht zu überbordend
und reizüberflutend sein“, erklärt
Voss. Das übergeordnete Prinzip bestand darin, dass die Farben Orientierung bieten, aber auch Individualität
zulassen sollen. So ist zum Beispiel
jedes Zimmer anders angestrichen.
Außerdem gibt es so gut wie keine
geschlossenen Bereiche, fast überall
haben die Patienten Zutritt. Während
auf einer klassischen Krankenstation
mit 23 Betten etwa 17 Prozent der
Fläche Gemeinschaftsräume und 34
Prozent Personalräume ausmachen,
ist dieses Verhältnis in der Soteria fast
34
Soteria ist ein spezielles Behandlungskonzept für Menschen in
psychotischen Krisen, bei dem die Milieutherapie im Zentrum
steht. Entwickelt wurde es in den 1970er Jahren in den USA. Das
Wort „Soteria“ kommt aus dem Altgriechischen und heißt so viel
wie Heilung, Wohl, Rettung. Das Zusammenleben in einer wohnlichen Umgebung, die Integration von alltäglichen Abläufen wie
Einkaufen und Kochen sowie die Haltung der Betreuer stellen das
therapeutische Milieu dar. Patienten und Mitarbeiter begegnen
sich auf Augenhöhe und gestalten gemeinsam den Tagesablauf.
umgekehrt: Dort nehmen Personalräume nur noch 7 Prozent der Fläche
ein, Gemeinschaftsräume hingegen 45
Prozent. Für Architekt Danziger ist
das ein Signal an die jungen Erwachsenen, die zur Behandlung auf der
Station sind: Man ist hier gemeinsam
auf einer Ebene mit den behandelnden
Mitarbeitern.
„Wir wollen für unsere Patienten,
die sich mehr oder weniger in einer
akuten Psychose befinden, eine nach-
haltige Entspannung bewirken. Ein
Milieu schaffen, in dem sie sich sicher
und vor allem nicht eingeschlossen
fühlen“, erklärt Voss. Wie nachhaltig
sich Architektur tatsächlich auf den
Heilungsprozess von Patienten auswirkt, darauf möchte Voss sich nicht
festlegen. Es gebe einige Studien dazu;
aber die Wirkung zu messen, sei bekanntermaßen schwierig, sagt der Psychiater. Begleitforschungen an anderen
Einrichtungen hätten jedoch ergeben,
weiter Seite 36
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
BAUEN & AUSSTATTEN
PRODUKTWELT
REMS-MURR-KLINIKEN
Hygiene ist hier mit eingebaut worden
Die Vorhänge in Nahaufnahme:
Farbe und Dessin sorgen im
Patientenzimmer zudem für eine
Wohlfühlatmosphäre.
Foto: drapilux
Foto: Fotostudio M42 (Zern & Frank)
Sicherer Start ins Leben:
drapilux-Stoffe mit antimikrobieller Zusatzfunktion minimieren
mögliche Risikofaktoren.
„Die Sicherheit der Patienten und das Hygienemanagement haben in unserer Klinik zu jeder
Zeit allerhöchste Priorität“ – das behauptet wohl
jedes Krankenhaus. Doch es gibt Unterschiede.
In dem Mitte 2014 eröffneten Neubau der RemsMurr-Kliniken in Winnenden ist man sogar über
die gesetzlichen Vorschriften hinausgegangen
und hat u. a. antimikrobiell wirkende Materialoberflächen eingesetzt. „Bei der Innenausstattung der rund 370 Zimmer haben wir sorgfältig
zwischen hygienischen, optischen und wirtschaftlichen Aspekten abgewogen“, erklärt Projektleiterin Daniela Feindor.
Einsatz intelligenter Vorhänge
„Besonders wichtig gegen die Verbreitung von
Keimen sind natürlich Desinfektionsmaßnahmen“, so Hygienefachkraft Regina Bürkle. Desinfektionsmittelspender sind ein sichtbares
Zeichen dafür – nicht erkennbar ist hingegen,
dass spezielle Oberflächenmaterialien ebenfalls
Schutz bieten. Die mit drapilux all in one ausgestatteten Vorhangstoffe absorbieren Schadstoffe und Gerüche, und sie haben auch eine antimikrobielle Wirkung, sodass sich die Keimzahl auf
dem Textil Studien zufolge um 99 % reduzieren
lässt. Damit helfen solche Materialien effektiv,
das Infektionsrisiko im Krankenhaus zu reduzieren. Das Rems-Murr-Klinikum Winnenden setzt
die intelligenten Stoffe u. a. auf der Intensivstation und der Kinderintensivstation ein. „Besonders in diesen sensiblen Bereichen legen wir
größten Wert darauf, Komfort mit Funktionalität
zu verbinden“, sagt Regina Bürkle.
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
Hinzu kommt auch ein wirtschaftlicher Aspekt:
„Der Vorteil von Vorhängen mit antimikrobieller Zusatzfunktion ist zudem, dass die Zahl der
Waschintervalle deutlich gesenkt werden kann“,
so Bürkle.
Patienten fordern Investitionen der Krankenhäuser
Bei der 2014 von drapilux durchgeführten bundesweiten Umfrage unter 1.000 Bürgerinnen und
Bürgern wurde deutlich: Für 96 % der Befragten
steht die Behandlungsqualität bei der Wahl des
Krankenhauses ganz vorn, Hygiene folgt mit
84,3 % bereits an zweiter Stelle. Die Rems-MurrKliniken haben das erkannt.
Design und Funktion passen
Auch die Optik der Vorhänge erfüllt die hohen
Ansprüche des Rems-Murr-Klinikums Winnenden.
„Das Farbkonzept ist vollständig auf die Genesung des Patienten ausgerichtet“, sagt Projektleiterin Daniela Feindor. „Die beigefarbenen
drapilux-Vorhänge erzeugen in Kombination mit
den eierschalenfarbenen Wänden eine harmonische Wohlfühlatmosphäre.“ Sie wurden aus der
200°-Kollektion mit einem Sonderdessin ausgewählt. „Hierbei handelt es sich um hochwertige
Stoffe, die nach ganz individuellen Vorstellungen
und Ansprüchen gestaltet werden können“, ergänzt drapilux-Vertriebsleiter Dr. Norbert Rehle.
Moderner Textildruck und intelligente Zusatzfunktionen für mehr Sicherheit und optimale
Raumhygiene: Das geht zusammen, wie sich an
diesem Klinikum zeigt.
drapilux
Marke der Schmitz-Werke GmbH & Co.KG
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35
BAUEN & AUSSTATTEN
Fortsetzung von Seite 34
dass der Effekt der Behandlung nach
dem Soteria-Konzept ein positiver sei.
Psychosen müssten mit weniger Medikamenten behandelt werden. „Und
wir beobachten, dass die Patienten
gerne hier sind und sich nicht sagen:
‚Ich will so schnell wie möglich weg
hier‘.“ Viele suchten auch nach dem
stationären Aufenthalt ihre Ansprechpartner auf, erzählt der Arzt. „Damit
haben wir einen guten Startpunkt für
die Weiterbehandlung.“
WG auf Zeit: Drei Monate lang „wohnen“ die Schizophrenie-Patienten im
Durchschnitt in der Station mit dem „Soteria“-Behandlungskonzept.
Hostel-Atmosphäre: Statt der – in somatischen wie in psychiatrischen Stationen – üblichen Krankenhausbetten stehen in der „Soteria“ Möbel, die in Berliner Tischlerbetrieben gefertigt wurden. Sie sollen Orientierung, Geborgenheit
und Identifikation mit dem Raum herstellen, sagt Architekt Jason Danziger,
der die Möbel in den Zimmern selbst entworfen hat.
36
Möbel aus dem Wohnkatalog
Die Berliner Einrichtung ist mit 550
Quadratmetern eine kleine. Doch
sowohl Voss als auch Danziger sind
überzeugt, dass auch größere Stationen
mit relativ wenig baulichem und finanziellem Aufwand ansprechender eingerichtet werden können. „Oft erzielt das
Abweichen von üblichen Gestaltungselementen einen enormen Effekt“, sagt
Voss. Ein Weg dorthin könne sein,
einfach einen Katalog mit objekttauglichen Wohnmöbeln aus dem „zivilen“
Sektor aufzuschlagen. Das zeigen die
Patientenzimmer der Soteria: Sie sind
komplett mit Sonderanfertigungen
eingerichtet. Am Ende muss das nicht
teurer sein als eine klinikübliche Einrichtung. Die maßangefertigten Betten
etwa haben nicht mehr gekostet als
übliche Krankenhausbetten.
Was es braucht, ist Ideenreichtum
und Einfühlungsvermögen. „Ich
glaube, dass die Wichtigkeit der Gestaltung von Räumlichkeiten unterschätzt wird, vor allem in der Psychiatrie“, kritisiert Martin Voss. „Die
Frage ist nur, warum sich so wenige
Krankenhäuser damit beschäftigen.“
Gerade dort seien die Liegezeiten lang,
manchmal bis zu fünf Monate. „Die
Patienten leben dort. Ich verstehe einfach nicht, warum sie das in einem
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
BAUEN & AUSSTATTEN
Zimmer tun müssen, das genauso
eingerichtet ist wie für jemanden, der
sich ein Bein gebrochen hat.“
Wintergarten und Sitzecken
In den oft endlosen Fluren müsse man
es schaffen, Rückzugs- und Begegnungsmöglichkeiten bereitzustellen:
Damit Patienten nicht – wie so oft
– „einfach nur ziellos umherlaufen“,
sagt Voss. In der Soteria wurde die
Flurlandschaft durch Sitzecken und
einen Wintergarten unterbrochen.
Was Voss besonders auffällt, sind
die vielen Schilder, die oft in regulären Stationsfluren angebracht sind.
„Wenn man versucht, sich das mit den
Augen eines Menschen anzuschauen,
der reizüberflutet ist, ist das teilweise
enorm.“ Schon allein eine Reduktion
dieser Schilder könne helfen, den Patienten den Aufenthalt angenehmer
zu machen.
Auf Normalstationen übertragbar
Die B erliner Soteria gilt als anschauliches Beispiel dafür, dass der
Aufwand, um Krankenhäusern das
Krankenhaushafte zu nehmen, geringer ist als gedacht. Bereits ein minimaler Farbeinsatz kann eine positive
Wirkung erzielen. In der Soteria sind
die Fensterlaibungen farbig angestrichen. Durch das einfallende Licht wird
die Farbe reflektiert und in den Raum
hineingetragen – ein physikalisches
Phänomen, das sich je nach Tagesverlauf oder Jahreszeit ändert. „Eine
Patientin hat das wahrgenommen
und fand diesen Effekt inspirierend.
Es hat sie sicherer gemacht, denn es
war keine Halluzination, sondern ein
Fakt“, erzählt Jason Danziger. Das
Gestaltungskonzept der Soteria ist für
ihn auch auf andere Stationen übertragbar: „Ich weiß, dass es nicht unbedingt teurer sein muss. Es verlangt
nur nach Sensibilität und Bereitschaft,
sich mit den verschiedenen Faktoren
einer Station auseinanderzusetzen.“
Aileen Hohnstein
Fotos: Huthmacher/Schmund
„Ich glaube, dass die Wichtigkeit der Gestaltung von
Räumen unterschätzt wird.“ Martin Voss, St. Hedwig-Krankenhaus Berlin
Das Rufsystem mit Sprachfunktion passend zum Schalterprogramm
Gira Rufsystem 834 Plus
Das Gira Rufsystem 834 Plus ist ein Rufsystem zum Hilferuf und zur Kommunikation in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Wohnanlagen und Arztpraxen. Es ermöglicht, Notrufe auszulösen und Gespräche in bestechend hoher Qualität zu führen – dank digitaler
Echounterdrückung auch in Sanitärbereichen. Das System erfüllt die Anforderungen der DIN VDE 0834 und ist in die Gira Schalterprogramme integriert. Durch ein neu entwickeltes Plug-and-Play-Installationskonzept ist es überaus leicht zu installieren.
Mehr Informationen unter www.gira.de/rufsystem834plus
Abb. v. l. n. r.: Zweifachkombination Sprachmodul Plus/Ruf- und Abstelltaster mit Nebensteckkontakt Plus, Patientenhandgerät mit
Sprachfunktion, Dienstzimmerterminal Plus mit Sprachmodul Plus, Zimmersignalleuchte Plus, Zweifachkombination Tastschalter/
SCHUKO-Steckdose, Schalterprogramm Gira E2, Reinweiß glänzend
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
37
BAUEN & AUSSTATTEN
Edles Empfangskomitee: Im Eingang des Wald-Klinikums Gera, das als „Kulturkrankenhaus“ ausgestaltet ist, werden
Patienten, Besucher und Mitarbeiter von Figuren der Welt- und Kunstgeschichte empfangen. Jede Figur findet sich im
Inneren der Klinik wieder und dient als Orientierungshilfe und Identifikationspunkt für einzelne Stationen. Die roten Lichtstrahlen symbolisieren arterielles, die blauen venöses Blut.
SRH WALD-KLINIKUM GERA
Heilkraft von Medizin und Kunst
In Gera steht Deutschlands erstes „Kulturkrankenhaus“. Kunst begrüßt die Patienten, ersetzt nackte
Stationsziffern, schafft Identifikation. Sie kann ein handfestes Profilierungsinstrument sein, um auf
einem konkurrenzreichen Regionalmarkt zu bestehen – oder sogar überregional Kunden anzuziehen.
m Eingang begrüßt einen erstmal Martin Luther. Die Naturheilkundlerin Hildegard von
Bingen schließt sich an. Dann der
Star-Dichter Friedrich Schiller, der
Industrielle Carl Zeiss, der Architekt
Walter Gropius. Das Begrüßungskomitee im Wald-Klinikum Gera ist ein
Fries aus Wandplastiken und vereint
in überlebensgroßen Porträts zwölf
Figuren der Kulturgeschichte, deren
Leben in irgendeiner Weise mit Thüringen verknüpft ist. Sie stammen aus
der Werkstatt des Bildhauers Jürgen
Goertz aus der Heidelberger Gegend.
Patienten oder Besucher, die durch
die gläserne Eingangstür herein- und
herausgehen, bestaunen die bunten
kuriosen Gesichter – bis sie weggelockt werden von den fernen Klängen
A
38
des schwarzen Salonflügels aus der
Klaviermanufaktur Förster in Löbau/
Sachsen, weiter hinten im Foyer.
Filmmusik und Bauchtanz
Regelmäßig engagiert das Krankenhaus Abiturienten des Geraer Musikgymnasiums, die Atmosphäre und
Leichtigkeit herbeimusizieren: mit
Chopins Regentropfen-Prélude oder
dem Lovesong aus dem Soundtrack
von „Titanic“. Manchmal hüllt sich
hier auch eine OP-Schwester in orientalische Gewänder, um sich zu melancholischen Klängen beim Bauchtanz
zu schlängeln. Dieser Ort ist unwirklich und real zugleich, so fabelhaft
wie irdisch, so seriös wie abgefahren. Und er holt mit seiner Stimmung
die Menschen, die das Krankenhaus
betreten, bei ihren oft sehr gemischten
bis schmerzhaften – und manchmal
hoffentlich auch freudigen – Gefühlen
ab. „Die Besucher fi nden das schön“,
berichtet Karin Erlebach, Mitarbeiterin
am Empfang. „Viele posieren vor dem
Kunstwerk im Eingang und fotografieren.“ Auch bei Krankenhausmitarbeitern scheinen die Plastiken gut anzukommen. Ein Mann im weißen Kittel
zückt schnell sein Smartphone und
schießt ein Foto, bevor er hinauseilt.
Doch ein bisschen Kunst im Eingangsbereich alleine macht noch lange kein
„Kulturkrankenhaus“. Als 2006 das
Konzept für den Klinikneubau stand,
ging es um mehr: Kunst und Architektur sollten eine Einheit bilden, um eine
angenehme Atmosphäre zu schaffen.
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
BAUEN & AUSSTATTEN
Sterile Krankenhausästhetik mit endlosen, eintönigen Fluren sollte es nicht
geben. Stattdessen wurde der Kunst
die Rolle als Leitmotiv zugewiesen,
das sich seit der Einweihung des Hauses im Jahr 2013 vom Eingangsbereich
bis in die Patientenzimmer fortsetzt.
Alleinstellungsmerkmal
Der Grund, warum die Kulturidee
entwickelt wurde, liegt an der wettbewerbsintensiven Region. In einem
30-Minuten-Radius befinden sich in
Jena ein Universitätsklinikum sowie
in Zwickau ein großes kommunales
Klinikum. Aufgrund negativer demografischer Entwicklung und fehlender Einpendler in die wirtschaftlich
schwache Gegend um Gera musste
sich das neue Krankenhaus von der
Konkurrenz abheben. Da sich die
medizinische Versorgung in den einzelnen Häusern aus der Patientensicht
wenig unterscheidet, war die Kultur
ein innovativer Ansatz. „Ohne besonderes Konzept und Gepräge würde das
Krankenhaus nicht jenes Alleinstellungsmerkmal bekommen können, das
nötig ist, um bestehen zu können und
die Investition zu refinanzieren. Also
war eine besondere, mutige Entscheidung nötig, die Reichweite und Geltung schafft“, erklärt Uwe Leder, der
Geschäftsführer des Wald-Klinikums.
Sind die Patienten zufrieden, stellt sich
auch der Erfolg ein. Ambiente und
Klima des Hauses spielten dabei die
entscheidende Rolle, sagt Leder weiter:
„Wie reden Mitarbeiter miteinander,
wie wird mit dem Patienten geredet,
wie ist die Gestik, Mimik, Haltung,
die Atmosphäre? Was höre ich, was
sehe ich? Das alles wird durch unser
Kulturkonzept positiv beeinflusst.“
Wer heute durch die weitläufige und
hohe Halle im Erdgeschoss des Kulturkrankenhauses läuft, sieht vor
allem viele geschwungene Formen.
Licht fällt durch breite Fensterfronten, Bäume stehen in riesigen Übertöpfen, Besucher und Patienten haben
es sich daneben auf Sitzgelegenheiten
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
„Wie reden Mitarbeiter miteinander, wie mit den
Patienten? Das alles wird durch das Kulturkonzept
positiv beeinflusst.“ Uwe Leder, Klinikgeschäftsführer
bequem gemacht. Den Gang hinunter sind großformatige Porträtbilder
aufgestellt: von 100-Jährigen, die der
Wiesbadener Fotograf Karsten Thormaehlen abgelichtet hat. Es ist eine
der Ausstellungen, die regelmäßig im
Haus organisiert werden. Das gehört
zum Kulturprogramm, genauso wie
die „Kulturzeit“, die fast täglich für
15.30 Uhr angesetzt ist. Das Krankenhaus hat sich ein Netzwerk mit Künstlern, Musikern und Musikschülern
aufgebaut, die ehrenamtlich oder gegen ein kleines Entgelt EntertainmentProgramme darbieten. Manchmal
spielen Patienten sogar selbst, um sich
die Zeit im Krankenhaus niveauvoll zu
vertreiben und die Heilkraft des Musizierens zu nutzen. Es ist auch schon
vorgekommen, dass Besucher, deren
Angehörige ihren Geburtstag im Krankenhaus verbringen mussten, „Happy
Birthday“ für sie gespielt haben. Krankenhaustristesse? Man vergisst hier
fast, dass es so etwas gibt.
160 Millionen Euro – 60 Millionen davon Eigenmittel – wurden in den Bau
des Kulturkrankenhauses investiert.
Das Klinikum, das nicht nur technisch
und medizinisch, sondern auch künstlerisch auf neuestem Stand ist, schreibt
seit fünf Jahren schwarze Zahlen.
„Zugute kommt uns, dass wir gemeinnützig sind und unsere SRH-Stiftung
konsequent auf regionale Gewinnverwendung sieht“, sagt Uwe Leder. „Ende
2016 werden wir alle Darlehen getilgt
haben und komplett schuldenfrei sein.
Das gelingt nur, weil das Konzept wirtschaftlich aufgeht.“ Und dass es aufgeht, liegt stark an dem einzigartigen
Titel, mit dem sich die Klinik schmücken kann: „Erstes Kulturkrankenhaus
Deutschlands“ – das ist ein Marketingfaktor, ein Patientenmagnet.
Marketing in eigener Regie
Geschäftsführer Leder kann merkliche Unterschiede zwischen dem
„Kulturkrankenhaus“ und einer
„normalen“ Klinik feststellen. So
habe das architektonisch und inhaltlich anspruchsvolle Ambiente einen
anderen Einfluss auf Mitarbeiter und
Patienten als die Atmosphäre eines
schmucklosen, funktionalistischen
Zweckbaus. Als A rbeitsplatz ein
„Kulturkrankenhaus“ angeben zu
weiter Seite 41
Klinikmagistrale und Kulturtempel: Das
Eingangsgebäude mit seinen rund 500 Funktionsräumen ist räumlich-organisatorisch das
Verbindungsglied zwischen OP- und Diagnostikzentrum und den beiden Bettenhäusern – und Schauplatz für Ausstellungen und
Musikaufführungen.
39
BAUEN & AUSSTATTEN
MARKENBILDUNG
Kunst als Alleinstellungsmerkmal
Er ist Kunstsammler, war Chef des landeseigenen Klinikkonzerns LBK und lernte – nach einem Autounfall schwer verletzt im Krankenhaus – die Heilwirkung der Kunst aus der Patientenperspektive kennen
und schätzen. Ein kma-Gespräch mit dem Hamburger Gesundheitsunternehmer Heinz Lohmann.
Wird in Zukunft Ihrer Einschätzung
nach Kunst im Krankenhaus eine größere Rolle spielen?
Was man auf jeden Fall sagen kann:
Die Patientenorientierung wird ganz
generell eine größere Rolle spielen.
Die Menschen fragen aktiv: „In welches Krankenhaus gehe ich?“ Durch
größere Transparenz der Leistungen
und zusätzliche Angebote ist diese Wahl möglich. Patienten werden
viel stärker mitentscheiden als in der
Vergangenheit. Die Anbieter von Gesundheitsleistungen müssen Patienten
also mehr berücksichtigen. Dazu zählt
neben der medizinischen Versorgung
auch die Atmosphäre. Deswegen spielen heute Gestaltungsfragen auch eine
größere Rolle als vor 20, 30 Jahren.
Immer mehr Krankenhäuser denken
und überlegen sich Wege, wie sie Patienten nicht nur als „defekte“ Kranke
ansprechen können, die eine medizinische Behandlung benötigen – sondern
als „ganze Menschen“.
Welche Mittel und Wege oder Strategien gibt es denn für Kliniken, um
Patienten und Besucher mit Kunst zu
beeindrucken?
Sehr wichtig ist ein Gesamtkonzept. Noch wichtiger sind jedoch
Akteure, die sich die Förderung von
Kultur persönlich auf die Fahnen
schreiben. Bei uns hat sich damals herausgestellt, dass Präsentationsformen,
die Menschen individuell besuchen
können, wie Kunstausstellungen, für
Gesundheitseinrichtungen besonders
gut geeignet sind. Es ist viel schwie-
Gesundheitsexperte, Kunstexperte: Der
Hamburger Gesundheitsunternehmer Heinz
Lohmann und seine Frau Ulla sammeln seit
1969 Kunstobjekte – vor allem experimentelle
Gegenwartskunst. In dem 1994 gegründeten
Privatmuseum C15 machen sie diese Werke
auch der Öffentlichkeit zugänglich.
40
riger, Patienten mit Veranstaltungen
zu erreichen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfinden – Konzerte
etwa. Einige werden zu krank sein,
um dorthin zu gehen, weil sie vielleicht
gerade frisch operiert wurden. Andere, die kurz vor der Entlassung stehen,
sind in Gedanken schon zu Hause. Bei
Kunst ist das anders. Da kann jeder
den Zeitpunkt des Anschauens selbst
bestimmen. Mit einer Ausstellung können Sie zusätzlich sogar Besucher von
außen in Ihr Krankenhaus locken. Eine
Ausstellungseröffnung kann für ein
Krankenhaus eine gute Möglichkeit
sein, sich nach außen hin – gegenüber
potenziellen Kunden – zu präsentieren,
und zwar auch mit seinen medizinischen Angeboten.
Wie kommt es denn, dass das Bewusstsein dafür, Kunst als Instrument
der Image- oder sogar der Markenbildung einzusetzen, offensichtlich noch
gar nicht allzu weit verbreitet ist?
Ob in einem Krankenhaus Kunst ausgestellt wird, ist immer noch stark
abhängig vom Engagement einzelner
Menschen, die dieses Potenzial bereits
erkennen. Das können Ärzte sein, Geschäftsführer oder andere, die Wert
darauf legen, dass ihre Krankenhäuser in zusätzlicher Weise, jenseits der
essenziellen Dinge wie dem Profil und
der Qualität der Medizin, ein weiteres
Alleinstellungsmerkmal erlangen. Man
kann davon ausgehen, dass das in Zukunft alles noch professioneller werden
wird. Es gibt heute schon Häuser – die
arbeiten mit Galeristen zusammen.
Interview: Aileen Hohnstein
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
Foto: Lohmannkonzept (von Traubenberg)
Wie erleben Sie als kunstsinniger
Krankenhausberater die Optik stationärer Einrichtungen?
Im Ambiente von Krankenhäusern
herrscht leider allzu oft Tristesse. Dabei sollen Gesundheitsinstitutionen
doch gesund machen! Wenn ich im
Eingangsbereich mancher Einrichtung
stehe, denke ich: „Noch eine halbe
Stunde hier – und ich bin krank.“
Fortsetzung von Seite 39
können, erzeuge bei den Mitarbeitern
eine überdurchschnittliche Identifikation mit dem Unternehmen – und so etwas wie Stolz, erzählt der Klinikchef.
Eine weitere wichtige Erfolgskomponente ist für ihn ein starkes Marketing, das diese Idee offensiv transportiert. „Wenn für dieses Team Kultur
und Kunst von Wert sind und Teil des
persönlichen Selbstverständnisses,
dann wird es in der Umsetzung zum
Selbstläufer. Und dieses Team muss
im Haus sein.“ Das Thema „Kulturkrankenhaus“ von einer externen
Marketing-Agentur einzukaufen
oder outzusourcen – das funktioniere nicht.
Auf dem Rundgang durchs Kulturkrankenhaus geht es weiter in die beiden Bettenhäuser. Statt auf der Ebene „Kardiologie“ befinden sich die
1 Million
Euro wurde im Kulturkrankenhaus
Gera ausschließlich in Kunst investiert – für die rund 40.000 (stationären)
Patienten im Jahr und 1.700 Mitarbeiter. Die 900 Originalkunstwerke in den
Patientenzimmern (alles Doppelzimmer) bringen mitsamt Bilderrahmen
4,5 Tonnen auf die Waage.
Patienten auf der Ebene „Martin Luther“. Statt „Pneumologie/Infektiologie“ heißt es nun „Hildegard von Bingen“. Die bekannten Persönlichkeiten,
deren Kopfreliefs im Foyer zu bewundern sind, begegnen einem im Inneren
des Krankenhauses wieder und geben
Ebenen oder Stationen einen Namen
und ein Gesicht.
„Kunst öffnet den Blick für Neues,
regt die Fantasie an und schafft eine
Atmosphäre des Wohlfühlens“, lautet
die Philosophie des Kulturkrankenhauses. Die Bilder – bis hinein in die
Krankenzimmer – sollen den Patienten
Angst nehmen. Wer ans Bett gefesselt
ist, kann sich ablenken. Angehörige
können sich mit Streifzügen durch die
Kulturgeschichte auf den einzelnen
Ebenen wie in einem Museum die Zeit
vertreiben. Auf dem Weg zurück aus
der ersten Etage des Bettenhauses geht
es über eine Brücke, die zum Treppenhaus führt. Ein Arzt steht dort mit einem Mann und bespricht leise mit ihm
die medizinischen Befunde. Der Blick
des Patienten ruht auf dem großen
Kunstwerk im Foyer, während er dem
Arzt zuhört. Im Alltag im Kulturkrankenhaus sind Kunst und Medizin wie
selbstverständlich eins.
Aileen Hohnstein
Fotos: SRH
BAUEN & AUSSTATTEN
drapilux bietet mehr als 1.500 flammhemmende
Stoffartikel. Optional sind die Gardinen und
Dekorationsstoffe zusätzlich mit antibakteriell
wirkenden und luftreinigenden Eigenschaften
ausrüstbar. Intelligent effektiv, angenehm frisch,
wohltuend gesund.
DRAPILUX AIR
Diese Vorhangstoffe bauen auf katalytischem
Wege Schad- und Geruchsstoffe ab.
Einsatzgebiet: Überall dort, wo saubere und
frische Luft im Vordergrund steht.
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Stoffe mit der antimikrobiellen Zusatzfunktion
reduzieren Bakterien und Infektionserreger auf
dem Textil.
Einsatzgebiet: Überall dort, wo die
Gesundheit im Vordergrund steht.
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
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41
Foto: Nickl & Partner (Müller-Naumann)
BAUEN & AUSSTATTEN
Zukunftsmusik: Die Klinik von morgen könnte ein ganzheitlicher Gesundheitstempel mit Rehaund Wellnessbereich sein – und unerhört anderen Ansätze: Ihre Infrastruktur lebt von kleinteiligen
raffinierten Methoden statt von Techniklastigkeit; ein neues Hygieneverständnis lässt Biologie
statt Chemie zum Einsatz kommen. Symbolbild: das Kreiskrankenhaus Agatharied in Oberbayern.
GEBÄUDE-INFRASTRUKTUR 2030
Schöne neue Welt
Adiabate Kühlung, sorptive Entfeuchtung, Milchsäurebakterien als hygienisierende Anti-Flora zu KillerKeimen: Wir haben Marco Schmidt von der TU Berlin gebeten, ein Bild von der Energieversorgung und
der Infrastruktur im Krankenhaus der Zukunft zu zeichnen. Er ließ seiner Fantasie freien Lauf.
Von Marco Schmidt
ir schreiben das Jahr 2030.
Lichtdurchflutete, begrünte, freundliche Eingangsbereiche erinnern Patienten und
Angehörige eher an ein Luxushotel
als an ein Krankenhaus. Fast alle
deutschen Klinken haben sich in den
letzten Jahren zu Gesundheitszentren mit angeschlossenem Wellnessbereich weiterentwickelt, in denen
W
42
der Patient sowohl Körper als auch
Geist nach medizinischen Eingriffen
rehabilitiert oder Vorsorge betreibt.
Exquisite Restaurants ziehen auch
Gäste von außerhalb an. Im angrenzenden Spa-Bereich wie auch auf den
verglasten oder begrünten Dächern
finden sowohl Reha-Maßnahmen als
auch Präventions- und Fitnesskurse
statt. Der Druck war groß, als die
multiresistenten Keime vor etwa 15
Jahren weiter um sich griffen und
die notwendigen Investitionen in das
Gesundheitssystem nicht mehr allein
über die Krankenkassenbeiträge finanzierbar erschienen. Die Idee, privates
Kapital über Beteiligungsgesellschaften zu mobilisieren, die insbesondere
eine enge Bindung zwischen Krankenhausbetreibern und potenziellen
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
Foto: Berliner Energieagentur
BAUEN & AUSSTATTEN
Foto: kma-Archiv
Energiemix der Zukunft: Marco Schmidt von der TU Berlin
sagt vorher, dass Krankenhäuser künftig grundsätzlich Strom
selbst produzieren werden. Batteriespeicher werden demnach auf mittlere Sicht so kraftvoll sein, dass Strom aus Photovoltaikanlagen (hier: das Vivantes Klinikum Berlin-Neukölln)
eine kalkulierbare und konstante Energieform sein wird. Für
eine geringe Grundlast und als Redundanz der Energieversorgung sollen Blockheizkraftwerke zur Verfügung stehen.
Patienten schuf, ermöglichte den Aufbau einer zukunftsfähigen Infrastruktur, um für die Herausforderungen der
alternden bundesdeutschen Gesellschaft gewappnet zu sein.
Ähnlich der Beteiligungsmodelle im Energiesektor, die private Investitionen akquirierte und in den Aufbau einer Infrastruktur für erneuerbare Energien lenkte, wurde auch das
Gesundheitssystem über Beteiligungsmodelle reformiert.
Dies war Voraussetzung für die nötigen Investitionen in
einen nachhaltigen Umbau der Energieversorgung von Kliniken – und für die Einführung völlig neuer Behandlungsmethoden und Technologien.
Eigene Stromproduktion
Jedes Krankenhaus hat inzwischen seine eigene Stromproduktion über Photovoltaik. Die angeschlossenen Batteriespeicher dienen sowohl als Backup für die medizinischen
Geräte und gleichzeitig für Tag-/Nachtausgleich sowie gegen Vergütung als Puffer für das öffentliche Stromnetz. Eine
geringe Grundlast wird noch über Blockheizkraftwerke zur
Verfügung gestellt, die automatisiert betrieben werden und
primär der Redundanz der Energieversorgung dienen. Die
Preise für Erdöl, Erdgas und Biomasse hatten sich innerhalb
von 36 Monaten verachtfacht, was erhebliche Innovationen im Wärmemarkt auslöste. Der Wärmebedarf hat sich
in der Folge durch normative Vorgaben zur Gebäudehülle
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
43
VISIANO
LED-UNTERSUCHUNGSLEUCHTE
Die VISIANO ist ein wahres Multitalent. Denn hier verschmelzen sämtliche Anforderungen aus der Praxis mit
modernster Lichttechnik. So ist sie nicht nur ein Meisterstück hinsichtlich Ergonomie und Bewegungsradius,
sondern schafft mit zweifarbigen Premium-LEDs ein
homogenes, dimmbares Lichtfeld mit optimaler Lichtfokussierung. Sicherheit in doppelter Hinsicht: geprüft
nach IEC 60601 und integrierter Hygienefunktion.
Herbert Waldmann GmbH & Co. KG, Tel. 07720 601-100
sales.germany @ waldmann.com, www.waldmann.com
BAUEN & AUSSTATTEN
1.000 kleine dezentrale Geräte
Gegenüber den Heizkesseln und Wärmespeichern aus dem letzten Jahrhundert liefern heute unzählige dezentrale
Kleinstwärmepumpen über ein Dreileiternetz Wärme, Kälte und Warmwasser. Die Energieströme innerhalb des
Gebäudes werden zu 80 Prozent nur
verschoben, Zirkulationsverluste vermieden – und Legionellen haben keine
Chance mehr, sich auszubreiten. Der
Kühlbedarf für Gebäude und medizinische Geräte wird rein über Verdunstungsprozesse aus Regenwassernutzung
gedeckt. Regenwasser hat den Vorteil,
dass es keinen Kalk enthält und so
die chemische Aufbereitung entfallen
kann. Hierdurch werden Trinkwasser,
Abwasser und Kosten für die Enthärtung gespart. Die direkte Kühlung über
das Dreileitersystem senkt die Betriebskosten um mehr als 90 Prozent gegenüber der veralteten Erzeugertechnik.
Der gleichzeitige Bedarf an Wärme
und Kälte und die Bereitstellung über
Niedertemperatursysteme sind exergetisch auf höchstem Effizienzniveau
angekommen. Dies ermöglicht unter
anderem die Nutzung der Abwärme
der medizinischen Geräte und EDV im
Winter zur Gebäudeheizung.
Die Einführung von Sorptionstechnologien auf Basis von hygroskopischen
Salzlösungen ermöglicht heute eine
äußerst hygienische Regulierung der
Luftfeuchtigkeit in den Krankenhäusern. In den Lüftungsanlagen wie auch
in ästhetisch anspruchsvollen kleinen
Kunstwerken, die Wasserspielen ähneln, wird Magnesiumchlorid zirkuliert, das sowohl eine hygienisierende
Funktion für die Luftqualität als auch
44
eine Rückgewinnung der in Verdunstungsprozessen im Gebäude „verloren
gegangenen“ Wärme hat. Magnesiumchlorid war bis dato Abfallprodukt
bei der Meerwasserentsalzung und ist
mit etwa 50 Euro pro Kubikmeter unschlagbar günstig.
Durch die Verlagerung der Funktion
der Luftfeuchteregulierung und Hygienisierung der Innenraumluft konnte
der Luftwechsel in Krankenhäusern
energetisch und hygienisch bedarfsgerecht auf ein Optimum dimensioniert werden. Der Zielkonflikt, die
Innenräume gleichzeitig zu Be- oder
Entfeuchten und das CO2 hinauszubefördern, konnte so auf eine Zielgröße
optimiert werden. Hierdurch kann im
unmittelbaren Bezug zur Belegungsdichte, nämlich aus der CO2-Konzentration der Abluft, die Luftwechselrate
kontinuierlich den Bedürfnissen angepasst werden. Dezentrale energieeffiziente Kleinlüftungsgeräte mit hoher
Wärmerückgewinnung und optionaler
Nachtauskühlung ergänzen die zentrale Infrastruktur.
Gute Keime bekämpfen böse
Auch die Innenraumbegrünung hat
wieder Einzug gehalten und bildet ein
wesentliches Element für das Wohlergehen von Patienten und Mitarbeitern.
Durch das System der sorptiven Entfeuchtung über Salzlösungen wird im
Winter die verlorengegangene Energie durch Verdunstung der Pflanzen
wieder energetisch nahezu kostenlos
zurückgewonnen. Im Sommer dienen
die Pflanzen innerhalb und außerhalb
des Gebäudes zur Kleinklimaverbesserung und zur Verschattung. Das ursprüngliche Konzept, multiresistenten
Keimen durch Vermeidung von Pflanzen, Erhöhung von Luftwechselraten,
Verschärfung der Hygienestandards
und der immer häufigeren Anwendung von Desinfektionsmitteln zu
begegnen, vergrößerte die Probleme
eher anstatt sie zu verringern, was vor
etwa zehn Jahren zu einer radikalen
Kehrtwende führte. Man hat sich auf
die Grundlagen der ökologischen Zusammenhänge zurückbesonnen; statt
alles mehrfach zu desinfizieren und
erst den Raum für die Verbreitung von
Resistenzen zu schaffen, wurden für
den Menschen ungefährliche Milchsäurebakterien und verwandte Mikroorganismen, die zu den gefährlichen
Keimen in Konkurrenz stehen, gezielt
in den Krankenhäusern verbreitet. Mit
Ausnahme der weiterhin sterilen OPRäume konnte durch ein neues Hygieneverständnis – insbesondere durch
den Einsatz „guter“ Mikroorganismen – das Problem der Ausbreitung
multiresistenter Keime gelöst werden.
So konnten auch die bis vor einigen
Jahren hohen Luftwechselraten auf
ein energetisches Optimum reduziert
werden.
Mehr Infos
www.khplus.info
Website des Froschungsprojekts „Krankenhaus plus“. Dessen Ziel ist es, die
Energieverbräuche von Krankenhäusern
nach Einzelbereichen aufzuschlüsseln
und transparent zu machen, damit Kliniken ihren Energieverbrauch untereinander vergleichen können.
Foto: privat
erheblich reduziert. Die Anforderungen
der EnEV 2027 wurden gegenüber der
EnEV 2019 weiter verschärft; und es
wurden weitere Technologien wie sorptive Be-/Entfeuchtung über Salzlösungen, adiabate Kühlung und Nutzung
der Abwärme von Abwasser oder medizinischen Großgeräten einbezogen.
Marco Schmidt arbeitet an der TU Berlin
im Institut für Architektur am Fachgebiet
„Entwerfen von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens“ und leitet
derzeit das Projekt „Krankenhaus plus“.
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
BARRIEREFREIE TÜREN
BAUEN & AUSSTATTEN
FÜR DAS GESUNDHEITSWESEN
RAUMSPARTÜREN FÜR BAD UND WC
Durch die Funktion und den besonderen
Öffnungsverlauf der Küffner-Raumspartür
lassen sich bei rechtzeitiger Planung durch
den Architekten erhebliche Baukosten einsparen: Ohne optische Einschränkung können Räume größer und Flure schmaler, ggf.
barrierefrei oder wenigstens barrierereduziert
ausgelegt werden.
Die besondere Konstruktion der Raumspartür führt dazu, dass der Türflügel nur 1/3 der
Türbreite in den Flur aufschlägt.
Die Küffner Raumspartür kann ohne unnö-
tiges Manövrieren von Rollstuhlbenutzern
bedient werden. Der Türdrücker bleibt stets in
erreichbarer Nähe und die Tür kann komfortabel geöffnet und nahezu frontal angefahren
werden.
Sie ermöglicht damit Menschen mit körperlichen Einschränkungen, die abhängig von
Rollstuhl oder Rollator sind, den einfachen
und selbständigen Zugang zu sonst schwer
zugänglichen Bereichen, wie beispielsweise
Sanitärräumen in Kranken- oder Seniorenzimmern.
150 x 150 cm
FINGERSCHUTZTÜREN FÜR KINDERSTATIONEN
Insbesondere für Kindergärten und Kinderkrippen aber ebenso für Kinderstationen in
Krankenhäusern sowie für Heime von Menschen mit Behinderungen bietet sich die Küffner-Fingerschutztür mit ihren einzigartigen
Sicherheitsvorzügen an.
Durch die besondere Form, sowie die in der
Zarge integrierten, kugelgelagerten Bänder
dreht sich die Bandkante des Türblattes beim
Öffnen und Schließen immer in gleichmäßigem Abstand von ca. 3mm um den Zargenspiegel.
Dadurch wird ausgeschlossen, dass z.B. Kinderfinger in den Spalt zwischen Tür und Zarge
eingeklemmt und abgeschert werden können.
Der bisher gefährliche Aufschlagbereich des
Türblattes auf die Zarge wurde durch ein,
in die Kante integriertes, Dämpfungsprofil
„entschärft“. Die neue „Knautschzone“
vermeidet Verletzungen durch die Schlossoder Bandkante des Türblattes und schont
dadurch empfindliche Kinderfinger. Pädagogisch wertvoll, da die Gefahrenstellen nicht
„versteckt“, der Verletzungsgrad jedoch
wesentlich verringert werden kann.
Hygienisch, wartungarm und barrierefrei.
Es werden die Regeln der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (BG/GUV-SR S2)für
Kindertageseinrichtungen erfüllt.
Küffner Aluzargen GmbH & Co. OHG | Kutschenweg 12 | 76287 Rheinstetten | fon +49 721 5169 0 | fax +49 721 5169 40 | [email protected] | www.kueffner.de
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
45
PRODUKTWELT
UNTERNEHMENSNACHRICHTEN
FUNKTIONALITÄT UND FARBVIELFALT
iQ Granit als zuverlässiger und multifunktionaler Partner
Fotos: Tarkett Holding GmbH
Unterschiedliche Designs
ermöglichen eine klare, aber
dennoch harmonische Abgrenzung z. B. vom Foyer zu Wartebereichen.
Lebendige Kontrastfarben in
der neuen iQ Granit dienen der
einfachen Orientierung in Fluren.
Mit über 40 Jahren Erfahrung und mehr als
70 Millionen verlegter Quadratmeter weltweit ist
Tarkett iQ Granit eine maßgebende Referenz für
homogene Bodenbeläge aus Vinyl. Sein dezent
gerichtetes, granuliertes Design ist im Gesundheitswesen ein echter Klassiker und kaschiert
geschickt Gebrauchsspuren der alltäglichen
Nutzung.
Neue Farbpalette und Dessinierung
Die jüngst auf 49 Positionen erweiterte Farbpalette glänzt mit der größten Auswahl an Grauund Beigetönen im Markt, außerdem mit neuen
lebendigen Farbskalen in Gelb, Rot, Grün und
Blau sowie einer zusätzlichen Farbe als Multicolor-Variante. Darüber hinaus sind zwölf zentrale
Kernfarben der Kollektion nun auch optional mit
gleichem NCS-Farbcode in der ruhigeren Dessinierung „Micro“ verfügbar.
Diese beiden unterschiedlichen Designs und
abgestufte Farbintensitäten innerhalb der Kollektion lassen zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten zu. Kontrastfarben dienen der einfachen
Orientierung in Fluren, das neue, uninahe Design
Micro fördert eine ruhige Raumatmosphäre. Die
Kombination beider Designvarianten ermöglicht
eine klare, aber dennoch harmonische Abgrenzung z. B. von Fluren zu Wartebereichen.
IQ Granit als komplettes Allround-Konzept
In Ergänzung zur kompakten Belagsvariante
sind zu vielen iQ Granit Farben eine Vielzahl von
46
Funktionslösungen erhältlich, die optimal in
Design, Farbton und Performance abgestimmt
wurden. Die neue iQ Granit Kollektion ist somit
ein komplettes Allround-Konzept aus Kompaktund Akustikbelägen, dauerhaften R10-Sicherheitsbelägen, leit- und ableitfähigen Lösungen
sowie einem Nassraumkonzept und passendem
Zubehör. Multicolorierte Schweißschnüre wurden der Farbgebung und Musterung des jeweiligen Bodendekors individuell angepasst.
iQ Granit ist lebenslang einpflegefrei und renovierbar. Durch trockenes Highspeed-Polieren der
Belagsoberfläche lassen sich Nutzungsspuren
wirkungsvoll bearbeiten und leichte Verkratzungen effektiv behandeln. Dies trägt zu einer nachhaltigen Reduzierung von Schmutzanhaftungen
bei. Auf zusätzliche Beschichtungsmaßnahmen
kann während der gesamten Nutzungsdauer
verzichtet werden. Durch die entfallenden Trocknungszeiten ergeben sich keinerlei Einschränkungen von Betriebsabläufen.
Die phthalatfreien und zu 100 Prozent recyclingfähigen iQ-Beläge von Tarkett lassen sich
nach der so genannten wannenförmigen Verlegemethode verarbeiten, die für eine sichere und
hygienische Bodenbelagslösung sorgt. Das Ergebnis sind silikonfreie Sockelausbildungen wie
aus einem Guss – dicht, sauber, hygienisch und
ästhetisch sehr ansprechend. Auf Hohlkehlprofile, angesetzte Sockelstreifen oder Dichtstoffe
kann verzichtet werden.
Tarkett Holding GmbH
Nachtweideweg 1-7
67227 Frankenthal
www.tarkett.de
[email protected]
Tel.: +49 (0)6233/81-0
Fax: +49 (0)6233/81-16 88
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
UNTERNEHMSNACHRICHTEN
HWP FÜHREND IN DER DIGITALEN PLANUNG
Smarte Krankenhäuser durch integrierte, vernetzte Planung
Die Digitalisierung beeinflusst derzeit rasant die Bau- und die Gesundheitsbranche.
Die Vorteile sind für Krankenhausmanager in Planung, Ausführung, Inbetriebnahme und Betrieb durch eine
transparentere Krankenhausplanung
nachvollziehbar. Indem alle Gebäudeinformationen und abgeleitete Attribute wie Kosten, Materialbeschaffenheit oder energetische Eigenschaften
zentral gespeichert werden, entsteht
ein realistisches Abbild des späteren
Krankenhauses. Qualitäten sind früh
realisierbar und fixierbar. Eine höhere
und frühzeitigere Kostensicherheit sind
gegeben. „Visualisierungen und Simulationen von Varianten und Szenarien erleichtern Klinikmanagern die Entscheidungsfindung,“ so Andreas Schindler,
BIM-Manager und Architekt bei HWP.
„Zudem haben sie den Vorteil, durch
BIM-Projekt „Medical Center Replacement“
für die U.S. Army Corps of Engineers in RamsteinWeilerbach.
eine vollständige Dokumentation aller
Gebäudeinformationen und durch die
Übernahme der Daten in das Life Cycle
Management ihr Facility Management
optimieren zu können.“
HWP Planungsgesellschaft mbH
www.hwp-planung.de
Foto: H W P Planungsgesellschaft mbH
Die HWP Planungsgesellschaft mbH
(HWP) mit Sitz in Stuttgart hat Building Information Modeling (BIM)
deutschlandweit als eines der ersten
Unternehmen eingeführt und seit
2006 in der Krankenhausplanung
angewandt. BIM erlaubt als innovativer, kollaborative Planungsansatz
das Sammeln, Vernetzen und Analysieren von umfassenden Daten zu einem Bauvorhaben in einem einzigen
digitalen Modell.
Besser planen und sicherer bauen
Als unabhängiges Hygieneinstitut für das Gesundheitswesen
prüfen und unterstützen wir unsere Kunden in der Aufbereitung
von Medizinprodukten und in der Raumlufttechnik. Außerdem
beraten wir umfassend in der Krankenhaushygiene und bei
Baumaßnahmen.
Die Hygieneverordnungen der Länder fordern die Sicherstellung
der baulich-funktionellen Voraussetzungen für die Einhaltung
der Hygiene in medizinischen Einrichtungen, oft konkret
verbunden mit der Forderung einer krankenhaushygienischen
Bewertung von Bauvorhaben. Dabei lohnt es sich, die Krankenhaushygiene frühzeitig einzubinden. So können alle relevanten
Hygieneanforderungen bereits bei der Planung von Baumaßnahmen berücksichtigt werden. Zeitverzug und zusätzliche Kosten
durch Umbaumaßnahmen nach verfehlten hygienischen Abnahmen werden so vermieden.
Mehr wissen. Weiter denken.
Aufbereitung
Bauen
Beratung
Labor
Raumlufttechnik
HYBETA GmbH · Münster · Heidelberg · Leipzig
Zentrale: Nevinghoff 20 · 48147 Münster
T: +49 (0)251 2851-0 · F: +49 (0)251 2851-129
[email protected] · www.hybeta.com
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
Aber auch während der Baumaßnahme ist die Hygienebetreuung
sehr wichtig. Schließlich darf der laufende Betrieb nicht gefährdet werden, wenn um- oder angebaut wird.
Wenn Sie mehr über HYBETA oder unsere Hygieneberatung bei
Baumaßnahmen wissen möchten, besuchen Sie uns auf
www.hybeta.com – oder rufen Sie einfach an.
47
GRÜNE LISTE
bauen & planen
Alle Angaben ohne Gewähr
REGISTER
BAUEN UND PLANEN
ALHO Systembau GmbH
Hammer 1
51598 Friesenhagen
www.alho.com
[email protected]
Tel.: +49 (0)22 94/696-0
Fax: +49 (0)2294/696-277
KÖNIG BÄDER . Die Badgestalter
Bergener Ring 37
01458 Ottendorf-Okrilla
www.koenig-baeder.de
[email protected]
Tel.: +49 (0)35205/6030
Fax: +49 (0)35205/60311
Küffner Aluzargen GmbH & Co. OHG
Kutschenweg 12
76287 Rheinstetten
www.kueffner.de
[email protected]
Tel.: +49 (0)721/516 90
Fax: +49 (0)721/51 69 40
SÄBU Morsbach GmbH
Zum Systembau 1
51597 Morsbach
Internet: www.saebu.de
E-Mail: [email protected]
Tel: +49 (0)2294/694-0
Fax: +49 (0)2294/694-38
ANZEIGEN- und PRODUKTWELTENINDEX
Anzeigen
Seite
ALHO Systembau GmbH
11
Cofely Deutschland GmbH
25
drapilux Schmitz-Werke GmbH + Co. KG
41
Franz Kaldewei GmbH & Co. KG
2
Gira Giersiepen GmbH & Co. KG
37
Herbert Waldmann GmbH & Co. KGw
43
HYBETA GmbH
47
KÖNIG BÄDER . Die Badgestalter
15
Küffner Aluzargen GmbH & Co. OHG
45
Tarkett Holding GmbH
5
SÄBU Morsbach GmbH
13
Securiton GmbH
51
SEW Systemtechnik für Energierecycling und Wärmeflußbegrenzung GmbH 27
wissner-bosserhoff GmbH
Titelschürze + 52
Produktwelten
ClinicAll Germany GmbH
drapilux Schmitz-Werke GmbH + Co. KG
nora systems GmbH
SÄBU Morsbach GmbH
Tarkett Holding GmbH
wissner-bosserhoff GmbH
48
Seite
19
35
21
6
46
26
GEBÄUDETECHNIK
Cofely Deutschland GmbH
Dürener Str. 403-405
50858 Köln
www.cofely.de
[email protected]
Tel.: +49 (0)221/46 905-0
Fax: +49 (0)221/46 905-486
Gira
Giersiepen GmbH & Co. KG
Dahlienstraße
42477 Radevormwald
www.gira.de
[email protected]
Tel.: +49 (0)2195/60 20
Fax: +49 (0)2195/60 21 91
HWP Planungsgesellschaft mbH
Rotenbergstraße 8
70190 Stuttgart
www.hwp-planung.de
[email protected]
Tel.: +49 (0)711/16 62-0
Fax: +49 (0)711/16 62-123
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
GRÜNE LISTE
RUBRIK bauen
Unterrubrik
& planen
SEW® Systemtechnik für Energierecycling
und Wärmeflussbegrenzung GmbH
Industriering Ost 86-90
47906 Kempen
www.sew-kempen.de
[email protected]
Tel.: +49 (0)2152/91 56-0
Herbert Waldmann GmbH & Co. KG
Peter-Henlein-Straße 5
78056 Villingen-Schwenningen
[email protected]
Tel.: +49 (0)7720/60 10
Tel.: +49 (0)7720/60 11 00 (Vertrieb)
Fax: +49 (0)7720/60 12 90
HYGIENE UND SICHERHEIT
HYBETA GmbH
Zentrale
Nevinghoff 20
48147 Münster
www.hybeta.com
[email protected]
Tel.: +49 (0)251/28 51-0
Fax: +49 (0)251/28 51-129
IT UND KOMMUNIKATION
ClinicAll Germany GmbH
Hamtorstraße 5
41460 Neuss
www.clinicall.de
[email protected]
Tel.: +49 (0)2131/52 81 30
Fax: +49 (0)2131/52 81 390
RAUMAUSSTATTUNG
drapilux Schmitz-Werke GmbH + Co. KG
Hansestraße 87
48282 Emsdetten
www.drapilux.com
[email protected]
Tel.: +49 (0)2572/92 7-0
Fax: +49 (0)2572/92 74 45
Franz Kaldewei GmbH & Co. KG
Beckumer Straße 33-35
59229 Ahlen
www.kaldewei.com
[email protected]
Tel.: +49 (0)2382/78 50
Fax: +49 (0)2382/78 52 00
nora systems GmbH
Höhnerweg 2-4
69469 Weinheim
www.nora.com/de
[email protected]
Tel.: +49 (0)6201/80 56 66
Fax: +49 (0)6201/88 30 19
Tarkett Holding GmbH
Bodenbelagslösungen für den Objektbereich
Nachtweideweg 1-7
67227 Frankenthal
www.tarkett.de
[email protected]
Tel.: +49 (0)6233/810
Fax: +49 (0)6233/81 16 88
wissner-bosserhoff GmbH
Haupstraße 4-6
58739 Wickede
www.wi-bo.de
[email protected]
Tel.: +49 (0)2377/784-0
Fax: +49 (0)2377/784-163
Securiton GmbH
Alarm- und Sicherheitssysteme
Von-Drais-Straße 33
77855 Achern
www.securiton.de
[email protected]
Tel.: +49 (0)7841/622 3-0
Fax: +49 (0)7841/622 3-10
kma report bauen & planen – Grüne Liste –
auch auf http://to.kma-online.de/fu93
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
49
SERVICE
Veranstaltungen
IMPRESSUM
JUNI 2015
kma report bauen & planen ist ein Supplement der
Zeitschrift kma Das Gesundheitswirtschaftsmagazin
und erscheint einmal jährlich.
Juni 2015 | 8. Jg
18. und 19.6. München
IIR Deutschland Konferenz
Information: Euroforum Deutschland GmbH
Tel.: 0221/96 86 30 00
www.euroforum.de
Anschrift des Verlags
Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14 | 70469 Stuttgart
Postfach 301120 | 70451 Stuttgart
Tel.: 0711/89 31-0 | Fax: 0711/89 31-298
Internet: www.thieme.de
AUGUST 2015
Anschrift der Redaktion
kma medien in Georg Thieme Verlag KG
Neue Grünstraße 17 | 10179 Berlin
Tel.: 030/33 09 19-0 | Fax: 030/33 09 19-29
E-Mail: [email protected] | www.kma-online.de
ISSN 1615-8695
26. und 27.8. Düsseldorf
Energiemanagementsysteme – Anwendung
und Umsetzung in der Praxis
Information: VDI Wissensforum GmbH
Tel.: 0911/621 42 01
www.vdi-wissensforum.de
OKTOBER 2015
30. und 31.10. Berlin
Hospital Concepts
Information: emtec e.V.
Tel.: 030/747 43 00
www.hospital-concepts.de
FEBRUAR 2016
16. bis 19.2. Berlin
Bautec – Internationale Fachmesse für
Bauen und Gebäudetechnik
Information: Messe Berlin GmbH
E-Mail: [email protected]
www.bautec.com
23. bis 25.2. Frankfurt am Main
Facility Management
Information: Mesago Messe Frankfurt GmbH
Tel.: 0711/61 94 60, www.mesago.de
MÄRZ 2016
15. bis 17.3. Düsseldorf
10. Internationale Konferenz zur Speicherung
erneuerbarer Energien IRES
Information: Eurosolar e.V.
Tel.: 0228/36 23 73
www.eurosolar.de
APRIL 2016
16.4. Berlin
Grünbau Berlin
Information: Messe Berlin GmbH
Tel.: 030/38 20 62
www.bautec.com
MAI 2016
10. und 11.5. Düsseldorf
fm Nutzerkongress
Information: Internationales Institut für
Facility Management GmbH
Tel.: 0208/205 21 97
www.nutzerkongress.de
50
1
TECHNISCHES FACHKRÄFTE SEMINAR
Eine gemeinsame Plattform für
den technologischen Vorsprung
Herausgeber
Prof. Dr. Axel Ekkernkamp, Florian Gerster
Für die unterschiedlichen Steuerungsgeräte wie Telefon, Licht, TV/Video, Multimedia, Rufanlage etc. existiert in vielen
Einrichtungen derzeit noch ein separates
Leitungsnetz im Patientenzimmer. Heute
kann das konvergente Netzwerk als multimediafähige Kommunikationsplattform
mehrere herkömmliche Funktionalitäten
in einem einzigen System kombinieren.
Securiton vermittelt in diesem Seminar
zusammen mit Praxisexperten wie Sachverständigen, Planern aus Ingenieurbüros
und Leitern der Betriebstechnik wichtige
Informationen und Erfahrungen zu den
Themen „Multimedia, Netzwerk, Rufanlagen und Elektrotechnik“. Die Vorträge thematisieren die heutigen Anforderungen
und technischen Möglichkeiten am Patientenbett in Bezug auf Normen und Vorschriften. Die Teilnehmer erfahren neben
den klassischen Grundlagen auch aktuelle
Dinge wie beispielsweise die zu erwartenden wesentlichen Änderungen hinsichtlich
der Norm DIN VDE 0834 in 2015/2016.
Redaktionelle Leitung kma report bauen & planen
Adalbert Zehnder: [email protected]
1
Dienste im Patientenzimmer. Multimedia. Netzwerk. Rufanlagen.
Seminar am 2. Juli 2015 für Technische
Fachkräf te, Fachplaner und IT-Verantwortliche im Klinikum Rechts der Isar in
München.
Nach Informationen von Securiton GmbH
weitere Informationen unter
www.securiton.de
Foto: Securiton GmbH
Chefredaktion (V.i.S.d.P.)
Kirsten Gaede: [email protected]
Redaktion
Simone Müller: [email protected]
Redaktionssekretariat
Inger Hebestreit: [email protected]
Grafik
Ulrike Gödecke, Claudia Probst
Ursula Schicke (CvD/Leitung Grafik)
Titelbild: Matteo Thun & Partners, Mailand
Schlussredaktion: Birgit Schumacher
Internet: Jürgen Hoffmann
Autoren dieser Ausgabe
Aileen Hohnstein, Daniel Blöchle, Peter Heinen, Marco
Schmidt, Karen Treuter
Anzeigenverkauf
Adelheid Rödig, Tel.:+49(0)711/89 31-326
[email protected]
Assistenz der Anzeigenleitung
Heike Ellwanger, Tel.: 0711/89 31-316
[email protected]
Es gilt die Anzeigen-Preisliste Nr. 14 vom 1. Januar 2015
Leser- und Abonnentenservice:
Tel.: 0711/89 31-321 | Fax: 0711/89 31-422
E-Mail: [email protected]
Druck: F&W Mediencenter, Kienberg
Urheber- und Verlagsrechte
Das Supplement und alle in ihm abgedruckten Beiträge und
Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und
Vervielfältigung sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung
des Verlags gestattet. Mit der Annahme zur Veröffentlichung
überträgt der Autor dem Verlag das Recht der Vervielfältigung, auch in digitalisierter Form (CD-Rom o.ä.).
Gezeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der
Redaktion wieder. Eine Haftung für die Richtigkeit der Veröffentlichung können Verlag und Redaktion trotz sorgfältiger
Überprüfung nicht übernehmen.
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Printed in Germany
© Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart . New York 2015
report bauen & planen Juni 2015 | 8. Jg
RUBRIK
Unterrubrik
VISOCALL IP – Gesamtlösung für das Gesundheitswesen
» IP-basierte Technikplattform für Kommunikation, Organisation und Pflege
» Schwesternrufsystem (nach DIN VDE 0834)
» Integriertes Kommunikations- und Multimediasystem
Seminar am 02.07.2015 in München
Dienste im Patientenzimmer
Multimedia. Netzwerk. Rufanlagen.
Neu: Änderungen der DIN VDE 0834
Securiton GmbH
Alarm- und Sicherheitssysteme
Hauptsitz · 77855 Achern
www.securiton.de · Tel. +49 7841 6223-0
Ein Unternehmen der Securitas Gruppe Schweiz
8. Jg. | Juni 2015
report bauen & planen
51
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DAS universell einsetzbare
Niedrigklinikbett
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Immer richtig – mehr unter:
www.wi-bo.de/image3