Interview Martina Hill Wir kennen Sie als Daniela Katzenberger oder Angela Merkel aus „Switch reloaded“ oder amüsieren uns mit ihr in der „heute-show“, wo sie als „Bettina Schausten“ zeigt, was sie kann: komisch sein – und zwar auf den Punkt. Dass Martina Hill aber auch Fans in China hat, das erfuhr sie erst, als sie von chinesischen Touristen in Deutschland angesprochen wurde. Dann folgten eine Interviewanfrage der „Deutschen Welle China“ und eine Einladung ins Land des Lächelns. Was Martina Hill dort erlebt hat, erzählt sie in „Was mache ich hier eigentlich?“. Natürlich verdammt witzig und ziemlich schräg. So 'ne Art Chinareiseroadmoviebildertagebuch eben … In unserem Interview verrät Martina Hill unter anderem, ob wirklich immer drei Chinesen um einen Kontrabass sitzen oder warum das Essen in China manchmal zurückguckt … Frage: Das Erste, was Sie in Ihrem Leben über China und die Chinesen gelernt haben, liegt kindergartenweit zurück. Welche China-Basics hatten Sie damals im Kopf und welche Rolle spielten dabei ein Kontrabass oder der heimische Sandkasten? Martina Hill: Damals habe ich dank meiner Kindergärtnerin gelernt, dass der Chinese an sich gerne mit einem Streichinstrument – bevorzugt einem Kontrabass – auf der Straße sitzt und sich was erzählt, und das am liebsten zu dritt. So lange, bis die Polizei kommt und nachfragt, was das denn sei. Und damals dachte ich auch, dass man, wenn man ein Loch durch die Erde buddelt, in China wieder rauskommt. Das erschien mir logisch. Frage: Wahnsinn! Sie werden nach Peking eingeladen. Es gibt da allerdings noch ein klitzekleines Problem: Sie müssen in ein Flugzeug steigen. Was löst das bei Ihnen aus? Martina Hill: Reine Panik! Ich hab’ Flugangst, und zwar so richtig. Seit Jahren nehme ich für meine Reisen, wenn’s irgendwie geht, den Zug. Die Vorstellung, in zehntausend Metern Höhe zehn Stunden einmal um die halbe Welt zu fliegen, lässt mich auch heute noch erschauern und treibt mir den eiskalten Angstschweiß auf die Stirn. Ich hab’ mich ernsthaft schlaugemacht, wie die Zugverbindungen nach Peking sind. Aber fast zwei Wochen mit der Transsibirischen Eisenbahn – das erschien mir dann doch echt ein wenig zu lang. Ein Weg wohlgemerkt … Frage: Ihr erstes nachhaltiges Erlebnis in Peking scheint auf einer Toilette auf dem Flughafen stattgefunden zu haben … Was war da los? Martina Hill: Das war tatsächlich ein ziemlich – ich sag mal – rustikales erstes Erlebnis. Ich hab’ ja auf Damentoiletten schon so einiges erlebt, aber das, was die nette chinesische Dame da neben mir gemacht hat, noch nicht. Ich sag’ mal so: Bei so’ner richtig fiesen Erkältung hätte ich für die Menge an Sekret aus den oberen Nasenhöhlen bestimmt eine gute Handvoll Taschentücher gebraucht, um das aus dem Körper ans Tageslicht zu befördern. Aber nicht in China, hier geht das ganz ohne jedes Hilfsmittel. Einfach hochziehen und raus damit. Gilt da auch gar nicht als unhöflich und, wie mir die Dame in der Flughafentoilette recht deutlich vorgemacht hat, auch nicht als „lady-un-like“. Frage: Weiter geht es mit Nirwana in der ersten Nacht, einem vollverpackten Frühstück und Ihrer ersten Pressekonferenz – eine nachhaltige Erfahrung? Martina Hill: Mehr als das. Im Traum hatte ich in der Nacht vor der Pressekonferenz Kurt Cobain das Leben gerettet, der hat dann Strandkörbe auf Norderney vermietet. Die Frühstücksbestellung per Telefon hat bestimmt fast 20 Minuten gedauert, mein Englisch ist aber auch eingerostet. Und auf der Pressekonferenz musste ich dann auf einer riesigen Trommel trommeln, etwas aus der Peking-Oper tanzen und eine chinesische Spezialität kochen. Ich war ein bisschen überfordert, ich kann nicht kochen. Peking-Oper kann ich auch nicht und beim Trommeln – naja, da hab ich mich ganz gut geschlagen. Alles in allem eine nachhaltige Erfahrung. Aber so ging’s ja dann weiter … Frage: „Ssssri, thuu, wuann – Äähhkschn!“ – wie lief es am Set und was machte Ihr treuer KölnPeking-Jetlag derweilen? Martina Hill: Ich hab’ ja dann in Peking auch in einer chinesischen Sketch-Comedy mitgespielt. Das war schon eine krasse Erfahrung. In dem Filmteam waren alle so wahnsinnig schnell, kann aber auch sein, dass ich aufgrund meines doch beeindruckenden Jetlags ziemlich langsam war. Das war ja auch der erste Jetlag meines Lebens, aber lustig. Und die Sketche sind dann auch ziemlich witzig geworden. Frage: Martina allein unterwegs in Peking: Sie landen in einer Markthalle voller chinesischer Köstlichkeiten – was kosten Sie? Martina Hill: Erstmal war’s sprichwörtlich ein Augenschmaus. Dass mich das Essen ungefähr genauso interessiert anguckt, wie ich das Essen angucke, war mir neu. In China mag man sein Essen halt offensichtlich möglichst frisch. Und auch möglichst am Stück, also wie zu Lebzeiten der zu verzehrenden jeweiligen Spezialität. Das war für mich als Vegetarierin schon ein bemerkenswerter Eindruck. Am skurrilsten fand ich dann die Seesternspieße und die Skorpione am Stil. Aber ich hab’ wohl eine Skorpionintoleranz, wie ich feststellen musste, das war also nix für mich. Frage: Freier Tag und Kulturprogramm und „WEIiiße PagOOOOOdeeeee“ – was könnten uns diese Stichworte sagen? Martina Hill: Ich bin ja selbst eher durch Zufall auf die Weiße Pagode gestoßen, weil die Verbotene Stadt schon wieder verboten war. Die Sehenswürdigkeiten in Peking machen aber auch verdammt früh zu. Da können die noch so sehenswürdig sein, um 16 Uhr 30 is’ Schicht. Ich bin dann in einen ganz wunderschönen Garten geraten, in den Garten der Weißen Pagode. Ist ’ne ganz witzige Geschichte, erzähl’ ich dann im Buch. Frage: Drei Dinge, die Sie nun über die Chinesen wissen? Martina Hill: Eine grüne Ampel bedeutet gar nichts, man kann alles essen, was vier Beine hat, schwimmt oder fliegt, außer Tische, Boote und Flugzeuge - und man meistert sein Leben lächelnd oder überhaupt nicht. Interview Martina Hill: Literaturtest
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