Bericht über Hilfstransport nach Novi Pazar 2015

Hilfslieferung nach Serbien durch Felix Transport – Bettwäsche gespendet vom Rotary Club Laufen
Am 23.9.2015 luden wir einen Sattelschlepper in 2 Alterszentren des Bürgerspitals Basel mit 76 nicht
mehr gebrauchten elektrisch verstellbaren Spitalbetten und 6 Nachttischchen für 2 Spitäler in Novi
Pazar. Stefan Rommerskirchen hatte wie im Vorjahr die Helfer organisiert, alles koordiniert und alle
Zollpapiere erstellt. Bereits im Sommer 2014 lieferten wir 56 Betten dorthin, in eine der ärmsten
Regionen Serbiens an der Grenze zum Kosovo. Die Reise hätte am Tag darauf beginnen sollen, doch
die Grenze von Kroatien nach Serbien war wegen der Flüchtlingstragödie blockiert. So stellten wir
den dreiachsigen Auflieger in Zwingen ab und starteten am Mittwochmorgen , 7.10.2015 um 5 Uhr.
Wie letztes Jahr begleitete mich auf der Hinfahrt die Krankenschwester Sibela aus Novi Pazar, die seit
16 Jahren im Bürgerspital Basel arbeitet und das Ganze ins Rollen brachte. Die 1. Etappe führte im
Dauerregen über Au SG, München und Salzburg nach 719 km und 9:34 h Fahrzeit nach Villach, wo wir
bei Helmut Hennefeld, dem ehemaligen Direktor der Papierfabrik Zwingen und Mitrotarier,
übernachten konnten. Er lud uns auch zu einem feinen Nachtessen in ein tolles Restaurant ein, da
seine Frau gerade in Wien weilte.
Durch den Karawankentunnel, in dessen Mitte die Grenze Österreich – Slowenien verläuft ,
Slowenien und Kroatien erreichten wir am Donnerstagnachmittag die kroatisch-serbische Grenze HRBajakovo/ RS Batrovci bei Lipovac, wo wir 4 Stunden für das Löschen des durch die Nord Transport
AG gratis erstellten T1 und das Neuerstellen der Transitpapiere brauchten. Und dies, obwohl wir
etwa 20 Lkws in der Schlange vor der Grenze überholen konnten, weil Sibela einen Polizisten kannte,
der auch aus Novi Pazar stammte. Ich war froh, dass sie übersetzen konnte, denn weder die Zöllner
noch die Zolldeklaranten sprechen deutsch oder englisch. Nikola Stanjevic von Schöni doo Podgorica
hatte liebenswerterweise wiederum die Spedition AB Royal avisiert, welche die neuen Papiere
speditiv erstellte.
Auf der Höhe von Belgrad verliessen wir die Autobahn auf der Nr. 22 Richtung Lazarevac und nach
658 km und 9:36 h Fahrzeit legten wir um 21 Uhr in Rusanj die nächste Ruhepause ein bei einem
Restaurant mit einem grossen beleuchteten Parkplatz direkt an der Strasse. Wir freuten uns auf ein
gutes Nachtessen, doch der riesige Salm war leider ungeniessbar, so dass wir nur die Kartoffeln und
das Gemüse essen konnten. Nach der Übernachtung im Lkw und 290 km Landstrasse über Kraljevo
und Raska, davon 100 kurvige Kilometer dem Fluss Ibar entlang, erreichten wir am Freitag kurz nach
10 Uhr Novi Pazar. Dort wurden wir im Zollhof wie alte Bekannte empfangen, vom Zollchef zum
Kaffee mit Keksen und von einem Freund eines einheimischen Regierungsmitgliedes in Belgrad
sogleich zum Essen in ein nahe gelegenes Restaurant eingeladen.
Danach war die Ware bereits verzollt. Als ich den Lkw öffnen wollte, war die Batterie des Schlüssels
entladen und beim Versuch, die Türe mit dem Schlüssel zu öffnen, brach dieser ab! Ein Zöllner (!!)
holte mir eine neue Batterie und so konnten wir zum ersten Spital für körperlich Behinderte fahren,
das ich vom letzten Jahr schon kannte. Auch da wurden wir freudig empfangen. Die Hälfte entluden
wir in der Spezialklinik und danach mussten beim 2. Spital zuerst 5 Autos verstellt werden, damit ich
überhaupt ins Areal kam. Die Zufahrten waren bei beiden Spitälern mehr als nur eng! Um 18 Uhr
hatten wir dann alles abgeladen und für 20 Euro konnte ich an der Strasse den Lkw von Hand
waschen lassen, der nach 1630 km doch ziemlich dreckig war, da es ausser am Freitag fast immer
geregnet hatte. Nach einer Dusche in einem Hotel wurden wir von der Spitaldirektorin zu einem
feinen Nachtessen mit serbischer Musik eingeladen.
Die Freude über die anscheinend grösste Hilfslieferung für Novi Pazar war in beiden Spitälern gross
und die leuchtenden Kinderaugen wegen der von unserem Kunden Andreae Arlesheim grosszügig
gespendeten Palette Süsswaren sind unvergesslich. Am Samstag kam das Regionalfernsehen für ein
Interview und einen Bericht. Danach bezahlte ich die Bettwäsche für 257 Betten, die der Rotary Club
Laufen fürs Spital mit neuromuskulären Erkrankten gespendet hatte. Die 648‘000 Dinar,
umgerechnet 6‘340 Franken, waren wohl der grösste je bezahlte Betrag in diesem Laden und ich
erhielt ein Hemd als Geschenk! Sie berichteten mir, dass die Spezialklinik Bolnica vor 5 Jahren aus
Geldmangel gebrauchte Bettwäsche gekauft hatte. Ich konnte mich vor Ort überzeugen, dass die alte
Bettwäsche schäbig und zerrissen war und die Eisengestelle mit Sprungfedern eines Spitals unwürdig
sind.
Dann besichtigten wir mit der Spitaldirektorin und ihrem kaufmännischen Leiter die Stadt, eine
Moschee, das mittelalterliche serbisch-orthodoxe Kloster Sopocani (Unesco Weltkulturerbe) mit
schönen Wandmalereien, die gerade renoviert werden und trafen nach dem Mittagessen einige
Leute beider Spitäler, die uns für die Hilfslieferung danken wollten. Sie meinten, ich hätte in Novi
Pazar Freunde fürs Leben gefunden, was mich sehr berührte.
Als ich im Hotel schlafen wollte, war gerade eine Hochzeit im Gange. Zum Glück hörte die Musik um
Mitternacht auf zu spielen. Der Muezzin weckte mich am Sonntag früh und um 8 Uhr fuhr ich alleine
auf einer fast leeren Strasse heimwärts. Nach 20 Minuten musste ich in einer Polizeikontrolle zum 1.
Mal in meinem Leben einen Alkoholtest machen, was mich aber nicht beunruhigte, da ich seit
Freitagabend keinen Alkohol getrunken hatte. Die Busse wegen leicht überhöhter Geschwindigkeit
war mit 15 Euro erträglich. Am Zoll nach Kroatien musste ich am Nachmittag 3 ½ Stunden anstehen,
da es nur eine Spur für leere und beladene Lkws gibt und es 2 km Stau auf dem Pannenstreifen hatte.
Ich fuhr dann noch bis kurz nach Zagreb. Nach 1100 km durch Kroatien, Slowenien, Villach, Lienz und
das schöne Pustertal lud ich am Montagabend im Südtirol Klimageräte für ein Alterszentrum in Köniz.
Die Ladung zahlte doppelt so viel, als wenn ich in Serbien geladen hätte!
Via Brenner und den 1783 m hohen Arlbergpass mit einigen engen Kurven erreichte ich am
Dienstagvormittag das Zollamt Schaanwald und hatte nach einer halben Stunde verzollt. In Vaduz
musste ich eine Palette ab- und den Rest umladen, damit ich am Mittwoch in Köniz auf einer
Baustelle mit Hebebühne und Kran abladen konnte. In Thun lud ch dann 27 Paletten für nach Basel.
Nachdem ich den Lkw für den nächsten Tag vorgeladen hatte, war Innen- und Aussenreinigung
angesagt. Am liebsten wäre ich am nächsten Tag gleich weitergefahren!
Es hat Spass gemacht, wieder einmal selber zu fahren und war wiederum eine tolle Erfahrung, innert
einer Woche 8 Länder mit dem 480 PS starken Actros zu durchfahren und 3400 km ohne Kratzer
hinter mich zu bringen. Der Verbrauch von 25.1 Liter auf 100 km lässt sich ebenfalls sehen.
Anstelle von Kundengeschenken haben wir den Transport wiederum gratis ausgeführt. Die
Dankbarkeit der Leute entschädigt für Vieles und ich möchte nächstes Jahr gerne wieder einen
Hilfstransport machen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Denjenigen, die in der Schweiz
unzufrieden sind, kann ich eine solche Reise nur empfehlen, dann sieht man Vieles mit ganz anderen
Augen!
Zwingen, im Oktober 2015
Felix Transport AG
Hanspeter Felix