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Red Bull
Fussball
und
der
„Der Verein gehört den Menschen und Mitgliedern,
die sich mit ihm identifizieren“
Die folgenden Zeilen sind weit mehr als die üblichen und viel
gehörten Kritiken an RB. Wer beispielsweise in Zukunft von
Freunden oder Bekannten Sätze wie „der SC hat doch auch
Sponsoren - alles halb so wild“ zu hören bekommt, findet hier
Anhaltspunkte für eine fundierte Gegenargumentation. Wer
sich darüber hinaus klarmachen möchte, was die gegenwärtige Entwicklung des Fußballs in nicht allzu ferner Zukunft für
den Sport-Club bedeuten wird, der sollte sich 5 Minuten Zeit
nehmen um diesen Flyer zu lesen.
Einleitung
RB Leipzig hat den Profifußball in Deutschland erreicht.
Eigentlich war es abzusehen und jedem von uns war klar,
dass es eines Tages leider dazu kommen wird. Nun ist
es also soweit, Heimspiel gegen RB Leipzig. Die öffentliche Diskussionen über dieses Projekt, Konstrukt oder
wie auch immer man es nennen mag, wird in der Vergangenheit vermutlich jeder mitbekommen haben. Wir
haben bereits die vergangenen Heimspiele genutzt, um
in unserem Spieltagsflyer „Nord-Mitte-Unten“ über diese
Thematik zu berichten. Gebündelt wollen wir nun mit
diesem Flyer möglichst alle Fans des Sport-Clubs erreichen, um unsere kritische Auffassung auf den Konzern
Red Bull, dessen Marketingaktivitäten im Sport, insbesondere im Fußball, mitzuteilen.
Nachdem wir das Unternehmen näher betrachtet haben
und verstehen wie dieses „tickt“, werden wir uns zunächst
dem Einstieg von RB in den österreichischen Fußball
widmen. Dies ist interessant, um Parallelen zum Einstieg
in Leipzig zu erkennen. Was diesen angeht, wollen wir vor
allem auch jene Instanzen, Gesetze und Regelungen hervorheben, welche den Aufstieg von RB verhindern hätten
können, ja vielleicht sogar müssen. Es wird herausgearbeitet, wer Verantwortung hierfür übernehmen muss
und somit ebenfalls kritisiert werden sollte. Denn bei all
der Kritik an diesem Unternehmen und seinem Fußballclub wird unserer Meinung nach oftmals gerne vergessen, dass es diverse Verbände, Behörden und Einzelpersonen waren, welche dieses Projekt in seiner heutigen
Form schlussendlich erst möglich machten. Abschließend wollen wir unsere Positionierung in Bezug
auf RB darlegen und unsere Forderungen, Erwartungen
und Hoffnungen an den Sport-Club, die Verbände und
auch an die SC-Fans darlegen.
Das Unternehmen Red Bull und dessen Marketingkonzept
Beginnen wir zunächst mit Äpfeln und Birnen. Unter der
Abkürzung „RB“ verbirgt sich das Unternehmen „Red
Bull“. Der Österreicher Dietrich Mateschitz gründete
1984 die Red Bull GmbH mit Hauptsitz im österreichischen Fuschl am See. Zu dieser Zeit waren Energy-Drinks
in Europa weitestgehend unbekannt, ganz im Gegensatz
zu Südostasien, wo die Drinks bereits weit verbreitet
waren. Mateschitz wurde auf einer Dienstreise darauf
aufmerksam und erwarb schließlich die Lizenzrechte an
einer thailändischen Marke, deren Name sich in etwa mit
„roter Stier“ übersetzen ließ. Heute ist das Unternehmen
weltweit bekannt und fährt auf Konzernebene Milliardenumsätze ein. Red Bull wird meistens als Getränkehersteller betitelt, was bei genauer Betrachtung jedoch nicht
wirklich korrekt ist. Es handelt sich vielmehr um eine
Verkaufsmaschine, denn die weltweit etwa 7000 Mitarbeiter arbeiten beinahe alle ausschließlich im Marketing
und Vertrieb. Die eigentliche Produktion, Abfüllung und
Logistik übernehmen externe Dienstleister.
Ein Blick auf die Homepage des Unternehmens bestätigt diese Beobachtung. Auf der gesamten Startseite
lässt sich kein einziger Hinweis auf das vermeintliche
Produkt, den Energy Drink aus der Dose, erkennen.
Vielmehr werden gesponserte Events, Sportler oder
Musiker angepriesen. Das Kerngeschäft liegt nicht in
der Produktion des Getränks, sondern in der Pflege der
Marke und dessen Steigerung. Es ist der Firmenwert,
im Fachjargon auch als „Goodwill“ bezeichnet, der das
Unternehmen so wertvoll macht. Darunter ist die Differenz zu verstehen, welche entsteht, wenn bei einer Übernahme des Unternehmens der Kaufpreis den Wert der
Vermögensgegenstände abzüglich der Schulden übersteigt. Dieser Wert, der Ausbau der Marke und nicht
etwa die Anzahl der verkauften Dosen, ist das Herz von
Red Bull. Im Gegensatz zu anderen Großunternehmen
nahm Red Bull hierfür aber keine bekannten Superstars
unter Vertrag. Vielmehr spezialisierte man sich zunächst
auf eine Nische: die Extremsportarten. In diesem Bereich
ist RB omnipräsent und sponsert so ziemlich jedes
Event oder angesagten Star. Egal ob Surfer, Biker, Skater,
Flieger, Snowboarder, Breakdancer: RB hat sie alle. Doch
gerade der Extremsport birgt auch reichlich Gefahr. So
sind bei Red Bull Veranstaltungen in den vergangenen
Jahren bereits mehrere Sportler tödlich verunglückt.
Sicherlich kann man argumentieren, dass es in der Natur
mancher dieser Sportarten liegt, sich in Lebensgefahr zu
begeben. Jedoch muss sich RB auch den Vorwurf gefallen lassen, ihre Sportler zu immer spektakuläreren aber
auch gefährlicheren Aktionen zu „motivieren“.
Red Bull und der Fußball: Ein Blick nach Österreich
Doch neben den Extremsportarten entdeckt das Unternehmen immer mehr jene Sportarten, welche ganze Massen in
ihren Bann ziehen. So unterhält RB gleich zwei Rennställe in
der Formel 1 und auch Eishockey-Vereine, beispielsweise
in München. Aber lasst uns endlich zum Fußball kommen.
Derzeit besitzt Red Bull vier Fußballvereine, die den
Firmennamen vollständig im Vereinsnamen tragen: FC
Red Bull Salzburg, New York Red Bulls, Red Bull Ghana
sowie Red Bull Brasil. Auf die Teams in New York, Ghana
und Brasilien wollen wir im Folgenden nicht näher eingehen, jedoch lohnt es sich, die Übernahme von RB in
Salzburg genauer zu betrachten. Diese gibt tiefe Einblicke
in die wahre Motivation des Unternehmens, dessen Logik
und Denkweise, aber auch Berechenbarkeit und Kälte.
Dies soll für die spätere Betrachtung vom Standort Leipzig
von Vorteil sein.
Im Sommer 2005 stieg die Red Bull GmbH bei der verschuldeten Salzburger Austria als Sponsor ein. Dies wurde
zunächst von großen Teilen der Fans als positiv wahrgenommen, jedoch war zu diesem Zeitpunkt wohl noch
niemandem bewusst, welches Ausmaß hinter diesem Einstieg steckte. Etwa zwei Monate nach dem Einstieg wurde
auf der Mannschaftspräsentation deutlich, wie wenig den
neuen Eigentümer die Tradition des Vereins kümmert. So
trug nicht nur der Vereinsname fortan den Namen des
neuen Sponsors, auch wurden die Vereinsfarben (violett-weiß) komplett ausgetauscht. Ab sofort sollte zu
Hause in rot-weiß und auswärts in blau gespielt werden.
Auch sollte als Gründungsjahr 2005 und nicht mehr 1933
genannt werden, was erst nach Eingreifen der österreichischen Liga wieder rückgängig gemacht wurde, da nur
somit eine Wahrung der Vereinsidentität (wovon abseits
des Papiers jedoch nicht die Rede sein kann) vorliegt.
Als komplett neu gegründeter Verein hätte man in der
untersten Spielklasse starten müssen, was wohl kaum in
die normale Halbwertszeit eines Managers gepasst hätte.
Klar wird, dass RB mit dem ursprünglichen Verein absolut
nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollte. Die
Austria sollte ausschließlich als Lieferant für die Bundesligalizenz dienen.
Als Reaktion darauf wurde von einigen Fans die „Initiative Violett-Weiß“ gegründet, mit dem Ziel, die Tradition
des SV Austria Salzburg auch bei Red Bull Salzburg beizubehalten. Anfangs stieß man bei den neuen Verantwortlichen mit seinen Forderungen auf taube Ohren.
Erst nachdem die erwarteten Ergebnisse auf dem Rasen
ausblieben und die Medien zunehmend über den „Farbenstreit“ berichteten, kam man zu Gesprächen zusammen. Das Ergebnis war, man kann es nicht anders sagen,
lächerlich: Als Zugeständnis bot man den Fans an, das
Logo des Trikot-Herstellers violett zu färben, ebenso die
Kapitänsbinde und Torwartstutzen. Nachdem die Initiative daraufhin die Gespräche abbrach, hatten die neuen
Verantwortlichen vermutlich ihr Ziel erreicht. Nun konnten
sie die Fans in der Öffentlichkeit als „Ewiggestrige und
Radaubrüder“ diffamieren. Nur wenige Monate später
ließen die Fans am 7. Oktober den „Sportverein Austria
Salzburg“ in das Vereinsregister eintragen und gründeten bzw. wiederbelebten somit ihren eigenen Verein.
Auf dessen Werdegang soll nun nicht weiter eingegangen werden. Nur so viel, innerhalb von 10 Jahren ist die
Austria aus der untersten Spielklasse in die zweithöchste
Spielklasse aufgestiegen und somit wieder im Profigeschäft angekommen. Vielleicht ging dieser rasante Aufstieg etwas zu schnell, derzeit steht der Verein mit hohen
Schulden mit dem Rücken an der Wand. Über die Jahre
hinweg hatten die Fans immer mehr an Einfluss verloren
bzw. ihr Vertrauen vermutlich in die falschen Führungskräfte gesteckt. Es bleibt ihnen in jedem Fall zu wünschen,
dass die Geschichte dieses Vereins weitergeht und er sich
in Zukunft wieder besser aufstellen kann.
Die Gründung von RB Leipzig
Nach Österreich nun also auch Deutschland. Der ganz
große Wurf blieb in den vergangenen Jahren in Salzburg aus. Zwar wurde die Meisterschaft seit 2005 ganze
sechs Mal gefeiert. Das große Ziel, die Teilnahme an
der Champions League, für die man sich in Österreich
selbst als Meister erst qualifizieren muss, jedes Mal aufs
Neue erfolgreich vermasselt. Doch die CL soll langfristig
mit einem RB-Team besetzt werden. Im Frühjahr 2011
äußerte sich Dietrich Mateschitz wie folgt: „Wir bauen RB
Leipzig mit dem Ziel auf, in drei bis fünf Jahren in der
Bundesliga zu spielen. Wir wollen auch in der Champions
League dabei sein“. Aktuell scheint der Plan, zumindest
was die Bundesliga angeht, realistisch. RB Leipzig führt
die Tabelle nach 23 Spieltagen vor unserem Sport-Club
an. Doch wie kommt es, dass ein Club in solch einer
kurzen Zeit quasi aus dem Nichts an der Tür der 1. Liga
klopfen kann? Betrachten wir nun also die Gründung von
RBL und den Werdegang der vergangenen Jahre. Auch
wollen wir besonders jene Regeln und Institutionen
beleuchten, welche diesen Aufstieg vielleicht hätten verhindern können.
Vor knapp sieben Jahren, im Mai 2009, wurde RasenBallsport Leipzig e.V. gegründet. Verwundert wird sich
so mancher die Augen beim Kürzel e.V. („eingetragener
Verein“) reiben. Jedoch wurde die Lizenzspielerabteilung
sowie die Nachwuchsabteilungen bis zur U16, also die
gesamte Fußballabteilung, mit dem Aufstieg der ersten
Mannschaft 2014 in die „RasenBallsport Leipzig GmbH“
ausgegliedert. Deren Gesellschafter ist wiederum zu 99%
die Red Bull GmbH und zu einem Prozent der Verein.
Doch zur Struktur später mehr.
Bereits 2006 versuchte der Konzern in Leipzig Fuß zu
fassen. RB war allerdings mit der Übernahme des FC
Sachsen Leipzig gescheitert. Der FC Sachsen Leipzig
spielte damals in der Oberliga, da es noch keine 3. Liga
wie heute gab, also in der vierthöchsten Spielklasse. Der
Versuch scheiterte, da sich Clubs der obersten vier Spielklassen dem DFB-Lizensierungsverfahren unterziehen
mussten. Der DFB legte zu diesem Zeitpunkt ein Veto
ein, da er eine zu große Einflussnahme des Investors
befürchtete. Auch hätte die geplante Umbenennung in
„Red Bull Leipzig“ gegen die Statuten des DFB verstoßen, welche die Änderung des Vereinsnamens zugunsten
eines Sponsors verbietet. Was also tun? Richtig, man
suchte eine Möglichkeit um diese Regelung zu umgehen
und wurde in der 5. Liga (also in der Oberliga) fündig,
da in dieser die DFB-Lizenzbestimmungen nicht mehr
gelten. Auf der Suche nach einem geeigneten Übernahmeverein stieß man schließlich auf den SSV Markranstädt, ein Oberligist in einer Randgemeinde von Leipzig.
Red Bull gründete also 2009 den „RasenBallsport Leipzig
e.V.“, übernahm das (erkaufte) Spielrecht vom SSV Markranstädt und startete in der Saison 2009/2010 in der
Oberliga.
Die Rolle von Verbänden, Regelungen und Funktionären
Genehmigt wurde die Übernahme des SSV Markranstädt
durch verschiedene Behörden und Verbände, wie etwa der
Finanzdirektion, dem Landesfußballbund sowie dem sächsischen Fußballverband. Wie dies geschehen konnte, stößt
bei uns auf Unverständnis. In den Regularien des sächsischen Fußballverband heißt es beispielsweise: „Die Neugebung (...) von Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung
sind unzulässig“. Komisch, wie kann ein Logo mit zwei roten
Stieren und einer Abkürzung im Sinne des Firmennamens
nicht als Werbezweck verstanden werden?
An dieser Stelle wird es nun spannend. Klar und nachvollziehbar ist, dass die Stadt Leipzig mit blinkenden Euroscheinen in den Augen dem RB-Projekt wohlgesonnen war.
Doch was ist mit den Fußball-Verbänden? Deren Vertreter
ließen immer wieder deren positive Haltung gegenüber RB
und den geplanten Aktivitäten in Leipzig durchblicken. Bei
genauerem Hinblicken lässt sich auch vermuten warum. So
war beispielsweise der aktuelle DFB-Generalsekretär Helmut
Sandrock von 2006 bis 2008 Geschäftsführer bei Red Bull
Salzburg. Hoppla! Laut DFB-Homepage ist der Generalsekretär der höchste Hauptamtliche innerhalb des DFB und ist
ebenfalls stimmberechtigtes Mitglied des DFB-Präsidiums
(Anm.: Sandrock trat am 25. Februar 2016 von diesem Amt
zurück). Mit Hinblick auf die Entscheidungen innerhalb des
Präsidiums und Vorstandes des DFB ist er als Generalsekretär für die fachliche Vorbereitung sowie konkrete Entscheidungshilfen verantwortlich. Ein ehemaliger RB-Funktionär
ist höchster Hauptamtlicher und stimmberechtigtes Mit-
glied im DFB-Präsidium? Man muss kein Halunke sein, um
hier Böses zu denken.
Doch es wird noch besser. Scheinbar ist auch ein Wechsel
in die andere Richtung kein Problem. Ulrich Wolter, heute
immer noch Mitglied des dreiköpfigen Vorstandes bei
RBL, wechselte 2012 vom DFB nach Leipzig, um dort
als Geschäftsführer anzufangen. Auf die Frage, ob man
ihn aufgrund seiner Kontakte zum Verband geholt habe
antwortete Wolter: „Gute Verbindungen sind nie abträglich“.
Womit er Recht hat, allerdings sind sie in diesem Zusammenhang auch ziemlich widerlich. Und als ob dies noch
nicht reichen würde um sämtliche Statuten und Regeln mindestens bis in den letzten Winkel auszunutzen, kommt auch
noch Kaiser Franz („never, never ever came come everybody
somebody to offer me something“) immer wieder um die
Ecke und wird nicht müde seinem Freund Mateschitz zur
Seite zu stehen. Doch handelt es sich hierbei wirklich nur
um einen Freundschaftsdienst? Könnte ein Beckenbauer
in seiner Funktion als Ehrenpräsident beim FC Bayern vielleicht selbst großes Interesse am Aufstieg von RB haben? In
der derzeitigen Diskussion um die Vermarktungsrechte der
Bundesliga spielt schließlich deren Attraktivität eine wichtige Rolle, welche gerade im Ausland durch RB zunehmen
könnte. Davon würde auch der FC Bayern als Branchenprimus profitieren.
Ein Rätsel bleibt, warum beispielsweise auch Rainer
Calmund immer wieder ein dickes Wort in der Presse für
RB einlegt. Uns ist jedenfalls nicht bekannt, dass RB auch
Schnitzel herstellt...
Das Konstrukt stinkt jedenfalls bis zum Himmel. Doch
genug mit den Mutmaßungen. Was kann man RB, abseits
von Profitgier und Marketinggeilheit, konkret vorwerfen?
Der vermutlich größte Streitpunkt ist die geschickte Umgehung der sogenannten „50+1 – Regel“, eine Regel der
Deutschen Fußball-Liga (DFL). Diese soll verhindern, dass
Investoren nicht die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen können, in welche die Vereine ihre
Profimannschaft ausgegliedert haben. Erlaubt ist es jedoch,
dass die Investoren die Mehrheit des Kapitals besitzen. Laut
dieser Regel können sich Investoren also maximal 49% der
Stimmanteile erkaufen. RB hat es geschafft, 99% des Stammkapitals durch die Red Bull GmbH in die Sportabteilung zu
pumpen. Für die Stimmenmehrheit sorgen jedoch gerade
einmal 14 stimmberechtigte Vereinsmitglieder, welche allesamt aus dem RB-Umfeld stammen. Geradezu lachhaft wirkt
die Aussage des DFL-Geschäftsführers Andreas Rettig: „Der
Satzung des Ligaverbandes liegt das Leitbild eines offenen
Vereins zugrunde. Die nun zugesagten Änderungen der
Mitwirkungs- und Gestaltungsrechte der Vereinsmitglieder
erfüllen diese Anforderung“. Mittlerweile ist es möglich,
Mitglied bei RBL zu werden, jedoch nicht wie bei uns mit
Stimmberechtigung. Möglich ist lediglich eine Fördermitgliedschaft ohne Stimmrecht. Je nach Zahlungsbereitschaft
gehen damit „Vorteile“ wie ein Begrüßungspaket (enthalten
in der 100 Euro – Mitgliedschaft), ein Treffen mit der Mannschaft (Silber Paket, 500 Euro im Jahr) oder die Übergabe
eines Fan-Shirts durch den Lieblingsspieler (Gold Paket,
1000 Euro jährlich) einher. Ein offener Verein sieht für uns
auf jeden Fall anders aus! Dies bestätigt auch §4 Nr. 9 der
Lizensierungsordnung der DFL, welcher die Vereine dazu
verpflichtet, gewisse Mindestvoraussetzungen in Bezug auf
die demokratische Mitbestimmung bei der Wahl der Vereinsführung einzuhalten. Wir fragen uns, was ist das für eine
Demokratie, in der ausgewählte Angestellte des Investors
Entscheidungen treffen?
Auch in Hinblick auf die Transfers nutzen die RB-Vereine
ihre Organisation aus. So wechselte im Sommer 2014 das
Toptalent Marcel Sabitzer von Rapid Wien nach Leipzig
um dann direkt nach Salzburg verliehen zu werden. Durch
eine Vertragsklausel war ihm ein direkter Wechsel innerhalb Österreichs nicht möglich gewesen. Doch nicht nur
zwischen Leipzig und Salzburg können nun auf diese Art
und Weise Spieler hin und her geschoben werden. Red Bull
besitzt auch die Kontrolle am FC Liefering, welcher RB als
sogenanntes „Farmteam“ dient. Dies hat den Hintergrund,
dass die 2. Mannschaft von RB nicht in die zweithöchste
Spielklasse aufsteigen könnte. In dieser spielt aber der
FC Liefering, wo fortan auf höchstem Niveau Spieler und
Trainer ausgebildet werden. Wohlgemerkt auf Kosten kleinerer österreichischer Vereine.
Gedankenspiele Marketingkonzept
Auf Kosten kleinerer Vereine wird sich auch der Aufstieg
von RB und möglicher Nachahmer in Deutschland auswirken. Sicher wird sich dadurch das spielerische Niveau
etwas anheben und der „Marke Bundesliga“ zu noch
mehr Bekanntheit verhelfen. Die Verantwortlichen von
RB, allen voran Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick,
argumentieren immer, dass sie langfristig eine Bereicherung für die Liga sein werden. Doch stimmt das wirklich?
Für was gehen wir jedes Wochenende in die Stadien,
sitzen vor dem Radio oder in der verqualmten Kneipe?
Wenn das Topspiel am Samstag Abend zukünftig Ingolstadt gegen Leipzig lautet, gute Nacht (leider sehr
wahrscheinlich). Klar ist dann das Niveau vielleicht
besser als bei Darmstadt gegen Frankfurt, aber ganz
ehrlich, wer will so ein scheiß Spiel denn bitte sehen?
Noch sind wir nicht in England, wo der (gut zahlende)
asiatische Kunde via Pay-TV und angepasster Sendezeit (der Begriff „Anstoßzeit“ passt hier weniger) dem
vermeintlichen Topspiel hinterher eifert.
Doch wo war in den vergangenen Jahren das Aufbäumen der (kleinen) Vereine? Immer mehr Vereine haben
ihre Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert. In der Bundesliga spielen größtenteils nicht
mehr eingetragene Vereine, als Zusammenschluss vieler
verschiedener Menschen, sondern (gewinnorientierte)
Unternehmen. Auch wenn wir diese Entwicklung sehr
kritisch sehen, spielen wir dieses Spiel einmal mit und
stellen einen einfachen Vergleich zur Wirtschaft her. Hier steht ein Unternehmen im ständigen Wettbewerb
zu anderen Unternehmen. Dringt nun ein neues Unternehmen von außen in den Markt, erhöht sich der Wettbewerb. In diesem Fall verstärkt sich die Konkurrenzsituation innerhalb des Marktes und der Kampf um das
Überleben beginnt. Ist ein Unternehmen nicht innovativ genug oder hat verglichen mit den anderen deutlich geringere finanzielle Mittel, droht der Verlust von Arbeitsplätzen oder gar das Aus.
Beim Sport-Club sind unsere Innovationen im übertragenen Sinne die Fußballschule, die immer wieder
neue Talente zum Vorschein bringt. RB ist ein neuer
Wettbewerber auf dem Markt, der eigentlich aus einer
ganz anderen Branche kommt. Dadurch hat RB, wie wir
alle wissen, deutlich mehr finanzielle Mittel, die unsere
„Innovationen“ in den Schatten stellen.
Die bittere Realität
Mittlerweile steht RB an der Tabellenspitze, der
Durchmarsch in Liga 1 ist so gut wie sicher und
die Ambitionen in den nächsten Jahren hoch: der
Champions-League-Gewinn sei nicht ausschließbar, sagt RB Boss Mateschitz. RB wird sich fest in der
Bundesliga etablieren.
Es ist jetzt an der Zeit dafür zu sorgen, dass RB nicht als
Was
nun, was tun?
Es ist zu erwarten, dass RB in Zukunft fester Bestandteil
der Bundesliga sein wird. Ein Blick auf die gegenwärtige
Kritik vieler Fans bei Spielen gegen RB zeigt, dass diese
sich hauptsächlich auf die allgemeine Ablehnung RBs
konzentriert. Wir sind der Meinung, dass es an der Zeit ist
einen Schritt weiter zu denken. Es wird realistisch gesehen
leider nicht möglich sein zu verhindern, dass sich RB in
Langfristig werden wir uns als Sport-Club gegen diesen
Wettbewerber nicht durchsetzen können. Dies gilt nicht
nur für den Sport-Club, sondern auch für den Großteil
der anderen Bundesligaclubs. Werfen wir wieder einen
Blick auf die Wirtschaft. Tritt ein finanziell übermächtiges Unternehmen in einen neuen Markt, würden die
anderen Unternehmen versuchen, dies zu verhindern.
Denn sie wissen, dass der neue Wettbewerber ihre
Existenz gefährdet. In der Regel ist es jedoch sehr schwer
dies zu verhindern. Doch in unserem Beispiel wäre es
durchaus möglich gewesen. Denn in der DFL regeln die
Vereine ihren „Fußballmarkt“ in erster Linie selbst und
machen ihre eigenen Regeln. Doch in dieser Richtung ist
kaum etwas geschehen. Schade.
Vorbild für weitere Unternehmen dient. Dabei sehen wir
auch den Sport-Club in der Pflicht. Denn sollte dies der
Fall sein und es werden noch weitere Unternehmen wie RB
kommen, welche die Bundesliga als attraktives Marketingfeld ausnutzen wollen, dann werden wir langfristig unsere
Position im deutschen Profifußball verlieren.
der oberen Tabellenhälfte der Bundesliga etabliert. Dies
bedeutet jedoch nicht, dass man RB auch nur in irgendeiner Art und Weise akzeptieren sollte. Jedoch sollte es
auch allen Fans klar sein, dass es unrealistisch ist durch „Dosen in den Müll“ Forderungen irgendeine Verbesserung erzielen zu können.
Was wir vom Sport-Club Freiburg e.V. fordern:
Der Sport-Club soll sich in Zukunft aktiv und öffentlich dafür einsetzen, dass nicht weitere Unternehmen wie RB
den Weg in den Profifußball finden
Klare und öffentliche Positionierung des SC gegen RB Leipzig. Damit geht einher, dass keinerlei Sympathien seitens
des Vereins gegenüber RBL gezeigt werden
Keine Ausrichtung von Testspielen gegen RB-Teams
Suche nach Kooperationen sowie Austausch mit Vereinen, welche eine ähnliche Struktur
und Philosophie wie die des Sport-Club Freiburgs vorweisen. Daraus resultierend gemeinsames Bündnis gegen
die Entwicklung des Fußballs
Fokussierung und Beibehaltung der bisherigen Vereinsphilosophie: d.h. langfristige und nachhaltige Planung
in Bezug auf Finanzen sowie Spieler. Aufrechterhaltung der Vereinsstruktur. Stimmberechtigte Mitglieder als
essenzieller Bestandteil und Rückgrat des Vereins
Verzicht auf „Marketing-Experimente“ wie bspw. die rosa-blauen Europa League-Trikots oder die derzeitigen lila
Ausweichtrikots
Was wir von den Verbänden fordern:
Konsequente Umsetzung und Aufrechterhaltung des bestehenden Regelwerkes hinsichtlich dem Einstieg und
der Einflussnahme von Investoren
Keine Ausnahmeregelungen für den Einstieg von Investoren
Keine Besetzung von Ämtern mit ehemaligen RB-Funktionären oder Funktionären mit vergleichbarem Hintergrund
Grenzen des „Wachstums“ festlegen. Arbeit im Sinne der Menschen und Fans und nicht im Sinne des maximalen
Profits
Was wir von den SC Fans erwarten:
Gewissenhafte, kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Entwicklung des Fußballs, welche anschaulich
durch RB vorangetrieben wurde
Bewusstmachen, dass Konzerne wie RB die Existenz des Sport-Clubs im Profifußball langfristig gefährden
Interessenabwägung zwischen einem ehrlichen Fußball, bei dem die Menschen (also auch die Fans) im Mittelpunkt
stehen - oder einem nach kapitalistischen Zielen folgenden Fußball, bei dem nicht Menschen, sondern ausschließlich
Konsumenten im Mittelpunkt stehen
Mitglied im Verein werden, aktive Mitbestimmung der Vereinspolitik
Zusammenfassung
Ganz egal ob man nun Fan oder Verantwortlicher ist,
jeder sollte sich Gedanken darüber machen, wie sich
der Fußball auf der einen Seite entwickeln sollte und in
welche Richtung, im Gegensatz dazu, er sich auch entwickeln könnte. Nicht nur wir Fans sollten ein großes
Interesse daran haben, dass der Sport-Club auch noch in
ferner Zukunft im Profifußball mitmischen kann. Auch die
Verantwortlichen innerhalb des Vereins sollten sich ihrer
Verantwortung gegenüber uns Mitgliedern, aber auch
gegenüber ihrem derzeitigen Arbeitsgeber, bewusst sein
und auf dessen Bestehen hinarbeiten.
Der Aufstieg eines Teams geht immer mit dem Abstieg
eines anderen einher – seid euch dessen bitte bewusst.
Kontakt CORRILLO ULTRAS
Ansprechen könnt ihr uns am besten am Vorsängerpodest auf der Nordtribüne oder bei Auswärtsspielen des SportClubs. Zudem könnt ihr uns per E-Mail kontaktieren: [email protected]
Aktuelle Informationen, Möglichkeiten uns zu unterstützen sowie Fotos zur Freiburger Fanszene, dem Sport-Club
Freiburg und uns findet ihr unter www.corrillo.org.