Artikel lesen - Liederschatzprojekt

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IN T ERV IEW
Kein Streit mehr um die Lieder!
LIEDERSCHATZ-PROJEKT In vielen Gemeinden – besonders in freikirchlichen – werden kaum noch
traditionelle Choräle gesungen. Um dem entgegenzuwirken, startete der evangelikal orientierte
SCM Verlag „Das Liederschatz-Projekt“. Es soll die Schönheit der alten Lieder wieder bekannter
machen. Dafür werden auf drei CDs 36 Kirchenlieder neu vertont. Mit einem der Initiatoren des
Projektes, dem Musiker Albert Frey (Wüstenrot bei Heilbronn), sprach Karsten Huhn.
idea: Herr Frey, Sie schreiben moderne Lobpreislieder. Nun haben Sie 36 alte Kirchenlieder neu eingespielt. Warum haben Sie die Kiste mit den alten
Liedern noch mal aufgemacht?
Frey: Die Idee hatte der Verleger Ulrich Eggers. Ihm war
aufgefallen, dass seine Kinder – und mit ihnen eine ganze
Generation von Christen – nur noch moderne WorshipSongs sangen und die alten Choräle zum Teil gar nicht
mehr kannten. Eggers rannte bei mir offene Türen ein.
Wenn ich als Lobpreisleiter Gottesdienste gestalte, lasse ich
auch immer wieder alte Choräle einfließen. Ich bin mit ihnen aufgewachsen, sie gehören zu unserem geistlichen
Erbe. Aber auch ich spürte: Wir müssen sie noch besser
verstehen, erschließen, integrieren! Beim Liederschatz-Projekt machen Musiker mit, die für moderne Lobpreismusik
stehen. Indem wir jetzt die alten Lieder neu vertonen, machen wir deutlich, dass die alten Lieder für uns ebenso
wichtig sind. Dabei haben viele junge Musiker zu den alten
Chorälen ein problematisches Verhältnis.
Choral gegen Lobpreis: Das muss nicht sein!
Warum?
Zunächst haben die alten Lieder eine andere Text- und Musiksprache, die für viele unverständlich ist, die in ihrer
Schönheit erst entdeckt werden muss. Viele Jüngere verbinden mit den alten Liedern auch geistige Enge und Rückwärtsgewandtheit. Umgekehrt fremdeln viele Ältere mit
den neuen Liedern. Daraus entsteht ein Kampf zwischen
Alt und Jung, der bis heute in vielen Gemeinden tobt: Gesangbuch gegen Beamer, Orgel gegen Schlagzeug und
dann eben auch Choral gegen Lobpreis. Ich denke, es ist
höchste Zeit, dass sich beide Lager versöhnen. Es geht in
den alten wie in den neuen Liedern um dieselben Inhalte,
um denselben Gott.
Wie sind Sie auf den Kanon mit 36 Liedern gekommen?
Wir haben die Musiker und geistlichen Leiter vieler Kirchen nach ihren Lieblingsliedern befragt. Wichtig war uns
auch, verschiedene Epochen und Frömmigkeitsstile zu berücksichtigen. Am Ende bestand die Schwierigkeit darin,
sich auf 36 Lieder zu beschränken – es gibt natürlich noch
weit mehr, die ebenso interessant gewesen wären.
Sie haben die Lieder neu vertont. Was hat sich gegenüber den
ursprünglichen Fassungen verändert?
Wir wollten die Lieder für eine Generation erschließen, die
überwiegend durch Popmusik geprägt ist. Wir haben die
Lieder meist mit durchgehendem Rhythmus arrangiert.
Die klassischen Choräle enthalten häufig Atempausen von
undefinierter Länge. Auf sie haben wir in den neuen Fassungen, da, wo es möglich war, verzichtet oder extra Taktschläge eingefügt. Auch für die Musiker wird die Arbeit
leichter, weil wir die Akkorde vereinfacht haben. In der
Popmusik klingt ein Akkord oft über einen ganzen Takt,
die Melodie bewegt sich sozusagen durch den Akkord hindurch. Im klassischen Choral wird auf jeden Melodieton
ein neuer Akkord gesetzt. Das ist eine hohe musikalische
Kunst. Es kann oder will aber nicht jeder auf der Gitarre
nachspielen – wenn er nicht gerade ausgebildeter Kirchenmusiker ist. Solche Bearbeitungen waren übrigens in der
Kirchenmusik immer schon üblich, zum Beispiel bei Johann Sebastian Bach (1685–1750). Er hat etwa „Wer nur den
Eine Auswahl der Choräle, die neu vertont wurden:
Martin Luther (1483–1546)
Paul Gerhardt (1607–1676)
Aus tiefer Not schrei ich zu dir
Befiehl du deine Wege
Aus tiefer Not schrei ich zu dir,
Herr Gott, erhör mein Rufen.
Dein gnädig' Ohren kehr zu mir
und meiner Bitt' es öffne;
denn so du willst das sehen an,
was Sünd und Unrecht ist getan,
wer kann, Herr, vor dir bleiben?
Befiehl du deine Wege
Und was dein Herze kränkt
Der allertreusten Pflege
Des, der den Himmel lenkt;
Der Wolken, Luft und Winden
Gibt Wege, Lauf und Bahn,
Der wird auch Wege finden,
Da dein Fuß gehen kann.
7.2016
IN T ERV IEW
lieben Gott lässt walten“ nicht nur neu harmonisiert, sondern gleich noch die Taktart geändert!
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Albert Frey (51) ist einer der
bekanntesten Liederdichter
und Produzent moderner
Lobpreismusik. Seit Mitte der
1990er Jahre verantwortet er
die CD- und Liederbuchreihe
„Feiert Jesus!“. Frey ist
katholisch und mit der
evangelisch-freikirchlich
geprägten Sängerin Andrea
Adams-Frey verheiratet.
Warum Paul Gerhardts Lieder so haltbar sind
Der Liedermacher Paul Gerhardt (1607–1676) ist bei Ihnen
gleich mit sechs Liedern vertreten. Woran liegt’s?
An der lyrischen und theologischen Qualität der Texte.
Wenn ich mit anderen Musikern über Paul Gerhardts Texte spreche, kommt immer der Satz: „Der hat Substanz.“
Gerhardts Frömmigkeit verbindet Himmel und Erde. Er
fängt oft mit Naturbeobachtungen an und kommt dann zu
den ewigen Dingen. In „Geh aus, mein Herz, und suche
Freud“ besingt er etwa die Freuden eines Gartens im Sommer, bewundert Narzissen, Lerchen, Bienen und erweckt
damit die Vorfreude auf den himmlischen Paradiesgarten.
Ein zweiter Grund für die Haltbarkeit von Paul Gerhardts
Texten: Seine Lieder kann man immer singen – auch und
gerade dann, wenn es einem schlechtgeht. Er denkt nach
über Krankheit, Trauer und Tod und über die Frage, warum Gebete nicht erhört werden. Gerhardt macht praktisch
alle Lebenssituationen zum Thema.
Neu vergleicht, dürfte man dann fairerweise nur die besten
Lieder unserer Zeit heranziehen. Gebrauchslieder, die nach
kurzer Zeit wieder verschwinden, gab es damals wie heute. Allerdings gibt es heute schon viele Lieder, die von Text
und Melodie her eher mittelmäßige Qualität haben, aber
durch begeisternde Darbietung der Original-Interpreten
und starke Medienpräsenz bekannt und beliebt werden.
Die Botschaft der Reformation in einem Klagelied
Das Geheimnis eines guten Liedes
Sie selbst haben Luthers Lied „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“
neu eingespielt. Warum haben Sie dieses Lied gewählt?
Es ist ein Klagelied, in dem Luther um die Frage von Schuld
und Gnade ringt und seine Theologie in wenigen Zeilen auf
den Punkt bringt. Luther nimmt die zerstörerischen Wirkungen der Sünde sehr ernst. Zugleich weiß er, dass Gottes
Gnade größer ist: „Ob bei uns ist der Sünde viel, bei Gott ist
viel mehr Gnade“. Das ist die Botschaft der Reformation
und auch die entscheidende Basis für mein Leben: Ich bin
durch Jesus bei Gott angenommen. Außerdem begeistert
mich die herbe Renaissance-Melodik und -Harmonik.
Haben die alten Lieder mehr geistliche Tiefe als die neuen
­Lieder?
Ich denke nicht, dass man das so grundsätzlich sagen
kann. Wenn wir heute von alten Kirchenliedern sprechen,
dann denken wir an die allerbesten Lieder, die aus der Fülle aller Lieder übrig geblieben sind und den Test der Zeit
bestanden haben. Von den anderen, vielleicht weniger guten Liedern redet heute keiner mehr. Wenn man Alt und
Welche Lieder unserer Zeit werden auch in 500 Jahren noch
gesungen werden?
Das lässt sich jetzt noch nicht abschätzen. Darüber stimmt
das Kirchenvolk ab. Die derzeitigen „Top Ten“-Listen lassen noch nicht ahnen, was auf lange Sicht übrig bleibt. Entscheidend ist dabei immer das Zusammenspiel von Text
und Melodie, und eben nicht das Arrangement oder der
„Sound“.
Zwei Zeilen 16-mal wiederholt: Die Zeit ist bald vorbei
Die alten Kirchenlieder hatten bis zu 16 Strophen, heute haben
die Lieder manchmal nur noch zwei Zeilen, die dafür 16-mal
wiederholt werden.
Die Anzahl der Strophen hat sich im Lauf der Jahrhunderte immer mehr verringert. Schon vor 100 Jahren war bei
vielen Liedern nach drei Strophen Schluss. Zur Nüchternheit und Wortorientierung der Reformation hat sich mehr
Emotion gesellt, etwa durch die Kraft der Wiederholung,
die – maßvoll eingesetzt – Wichtiges unterstreicht. Das darf
Nikolaus Ludwig Graf von
Zinzendorf (1700–1760)
Fanny Crosby (1820–1915)
Herz und Herz vereint zusammen
Seligstes Wissen: Jesus ist mein
Herz und Herz vereint zusammen
sucht in Gottes Herzen Ruh.
Lasset eure Liebesflammen lodern
auf den Heiland zu.
Er das Haupt, wir seine Glieder,
er das Licht und wir der Schein;
er der Meister, wir die Brüder,
er ist unser, wir sind sein.
Seligstes Wissen: Jesus ist mein!
Köstlichen Frieden bringt es mir ein.
Leben von oben, ewiges Heil,
völlige Sühnung ward mir zuteil.
(aus den USA)
Die 36 Lieder des Liederschatz-Projektes
18 Ludwig
I N T EKonrad
R V I E Allendorf:
W
• J ohann
Jesus ist kommen, Grund ewiger
Freude, 1736
• Christian David (1728)/Christian Gottlob Barth (1827)/Johann
Christian Nehring (1704): Sonne der Gerechtigkeit
• Cornelius Becker: Wohl denen, die da wandeln, 1602
• Carl Boberg: Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte, 1885
• Fanny Crosby: Seligstes Wissen, Jesus ist mein!, 1873
• Johann Franck: Jesu, meine Freude, 1653
• Ignaz Franz: Großer Gott, wir loben dich, 1768
• Paul Gerhardt: Befiehl du deine Wege, 1653
• Paul Gerhardt: Du, meine Seele, singe, 1653
• Paul Gerhardt: Geh aus, mein Herz, und suche Freud, 1653
• Paul Gerhardt: Ich singe dir mit Herz und Mund, 1653
• Paul Gerhardt: Lobet den Herren alle, die ihn ehren, 1653
• Paul Gerhardt: Die güldne Sonne, voll Freud und Wonne, 1666
• Julie Katharina von Hausmann: So nimm denn meine Hände, 1862
• Philipp Friedrich Hiller: Jesus Christus herrscht als König, 1757
• Cornelius F. A. Krummacher: Stern, auf den ich schaue, 1857
• Martin Luther: Aus tiefer Not schrei ich zu dir, 1524
• Martin Luther: Ein feste Burg ist unser Gott, 1529
• Johann Mentzer: O dass ich tausend Zungen hätte, 1704
• Joachim Neander: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren,
1680
• Georg Neumark: Wer nur den lieben Gott lässt walten, 1657
• Hedwig von Redern: Weiß ich den Weg auch nicht, 1901
• Eleonore Fürstin Reuß: Ich bin durch die Welt gegangen, 1867
• Martin Rinckart: Nun danket alle Gott, 1636
• August Dietrich Rische: Gott ist die Liebe, 1852
• Samuel Rodigast: Was Gott tut, das ist wohlgetan, 1675
• Cyriakus Schneegaß: In dir ist Freude, 1598
• Joseph M. Scriven: Welch ein Freund ist unser Jesus, 1855
• Horatio Gates Spafford: Wenn Friede mit Gott, 1873
• Philipp Spitta: O komm, du Geist der Wahrheit, 1833
• Anne Steele: Solang mein Jesus lebt, 1760
• Gerhard Tersteegen: Gott ist gegenwärtig, 1729
• Gerhard Tersteegen: Ich bete an die Macht der Liebe, 1757
• Unbekannt: Schönster Herr Jesu, 1677
• Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf: Herz und Herz vereint, 1725
• Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf: Jesu, geh voran, 1725
Die Frage nach dem Leid wurde damals stärker behandelt
– wobei wir da gegenwärtig etwas aufgeholt haben. Moderne Lobpreismusik widmet sich zunehmend Trauer, Klage, Buße, Gerechtigkeit oder anderen Themen. Das Klischee, dass heute nur Halleluja gejubelt oder nach dem
Motto „Mein Jesus und ich“ gesungen werde, trifft schon
lange nicht mehr zu. Insgesamt entdecke ich mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede zwischen damals und heute.
Die alte Sprache der Choräle nicht verändern
Die alten Choräle klingen für heutige Ohren mitunter sperrig.
Kein Wunder, dass sich 16-Jährige damit heute schwertun.
Wir haben uns dennoch dagegen entschieden, die alten
Texte zu modernisieren. Natürlich ist es ein Vorteil, wenn
man Lieder sofort versteht. Wenn man sich aber auf die alten Schätze einlässt, wird man mit der Zeit auch ihre Sprache verstehen. Wir singen ja auch englische Lieder, ohne
auf Anhieb alles genau zu verstehen.
In ihren Liedern preisen Christen ein „Lamm auf dem Thron“,
das die „Sünden der ganzen Welt trägt“. Auf viele Zeitgenossen wirken solche Verszeilen bizarr.
Die biblische Bildsprache ist schön, tief – und erklärungsbedürftig. Ich bin dafür, solche Aussagen nicht abzuschaffen, sondern sie dem Hörer nahezubringen. Das Lamm ist
ein friedliebendes, gewaltloses Tier. Die Bibel gebraucht
das Bild vom Lamm auf dem Thron als Bild für Jesus, der
durch seine Hingabe am Kreuz den Anspruch erwirbt, der
wahre Herrscher zu sein. Es erinnert uns daran, nicht irdische Macht und Gewalt zu verehren, sondern dem wahren König zu vertrauen. Solche Bilder sind viel spannender
und prägen sich viel besser ein als eine entzauberte Sprache, die mit der Nüchternheit eines Geschäftsberichts daherkommt.
Als Griesgram durch die Welt?
auch so sein. Aber ich bin zuversichtlich, dass gerade das
Liederschatz-Projekt Songschreiber wieder zu mehr Inhalt,
zu mehr Strophen inspiriert.
Leid spielt heute wieder eine größere Rolle
Haben sich im Lauf der Jahrhunderte die Themen der Kirchenlieder verändert?
Philipp Spitta (1801–1859)
O komm, du Geist der Wahrheit
O komm, du Geist der Wahrheit,
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer,
rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer
den Herrn bekennen kann.
Manche Lieder enthalten theologisch anstößige Aussagen. In
„Gott ist gegenwärtig“ von Gerhard Tersteegen heißt es zum
Beispiel: „Wir entsagen willig / allen Eitelkeiten / aller Erdenlust und Freuden.“ Warum soll ein Christ allen irdischen Freuden entsagen und als Griesgram durch die Welt laufen?
Ich würde unterscheiden zwischen von Gott geschenktem
Genuss und zerstörerischem Egoismus. Aber das Thema
Eleonore Fürstin Reuß
zu Köstritz (1835–1903)
Ich bin durch die Welt gegangen
Ich bin durch die Welt gegangen,
und die Welt ist schön und groß;
und doch ziehet mein Verlangen
mich weit von der Erde los.
7.2016
T
Z
LIED
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P
R
S
ER CH
OJEK
IN T ERV IEW
Am Liederschatz-­
Projekt wirken
unter anderen
diese Künstler mit:
Thomas Enns
Albert Frey
Andrea Adams-Frey
Juli Friesen
Lothar Kosse
Arne Kopfermann
Anja Lehmann
Daniel Harter
Johannes Hartl
Sarah Kaiser
Luisa Natterer
Andreas Volz
Gracetown: Winnie Schweitzer, Pamela Neumann, Lena Belgart und Claus-Peter Eberwein
„falscher Ehrgeiz“ hat uns auch heute etwas zu sagen. In
„Jesu, meine Freude“ von Johann Franck (1618–1677) heißt
es zum Beispiel: „Weg, ihr eitlen Ehren / ich mag euch
nicht hören / bleibt mir unbewusst!“ Als Künstler gegen
die eigene Eitelkeit anzusingen, ist eine dauerhafte Herausforderung – und es ist gut, daran erinnert zu werden.
Wir singen oft Dinge, die wir weder glauben noch leben. Bin
ich ein Heuchler, wenn ich solche Zeilen dennoch mitsinge?
Geistliche Lieder schärfen das Bewusstsein für den Anspruch Gottes an uns. Vielleicht ist es dann manchmal besser, eine Strophe nicht mitzusingen und dafür umso intensiver darüber nachzudenken. Das Ziel ist natürlich, dass
Mund und Herz übereinstimmen. Gleichzeitig singen wir
aber auch in Gemeinschaft. Wir dürfen uns in der Glaubensgemeinschaft auch in etwas hineinsingen, was wir
selbst noch nicht zu 100 % leben, was uns aber in die richtige Richtung lockt. Wir können uns also getrost durch das
gemeinsame Singen tragen lassen.
Wenn der Lobpreisleiter Fehler macht
Ich stelle mir die Situation für Lobpreisleiter schwierig vor:
Vor dem Gottesdienst haben Sie sich vielleicht noch mit Ihrer
Frau gezofft. Wenige Augenblicke später singen Sie auf der
Bühne ein Versöhnungslied – obwohl der Groll noch nicht abgeklungen ist.
Meine Frau und ich versuchen in Gottesdiensten und Konzerten, nicht den Eindruck von stets heldenhaften Vorzeigechristen zu erwecken. Um dem entgegenzuwirken, sprechen wir manchmal in den Liedansagen von Schwierigkeiten und Niederlagen. Ehrlichkeit, auch Zweifel und Fragen
sind wichtig. Außerdem hoffe ich auf die Gnade Gottes:
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Wenn es vor dem Gottesdienst zum Streit kam und ich
noch keine Gelegenheit hatte, das in Ordnung zu bringen,
werfe ich Gott im Gebet alles hin und bitte ihn um seine
Hilfe, damit ich trotzdem sein Wort vermitteln kann. Gott
ist größer als unsere Fehler. Er wirkt auch durch unsere
menschlichen Schwächen.
Musik hat große Manipulationskraft. Bei Jugendtreffen reicht
es manchmal schon, die Lautstärkeregler hochzuziehen, und
die Menge schwebt in Verzückung himmelwärts.
Musik darf und soll Menschen beeinflussen. Im besten
Fall stellt sie eine Verbindung zwischen Gott und dem
Menschen her. Lobpreisleiter tragen eine große Verantwortung, dass dies auf angemessene Weise geschieht.
Das, was wir für Gottes Ehre halten, hat in Wirklichkeit
oft mit eigenen Interessen zu tun. Allerdings dürften manipulierte Hochstimmungen die Ausnahme sein. Im Gemeindealltag wären die Musiker doch froh, wenn die Gottesdienstbesucher etwas begeisterter mitsingen würden.
Bei Jugendveranstaltungen mag es eine Versuchung sein
– sicher mit den besten Absichten –, künstlich Stimmung
zu erzeugen. Ich finde es toll, wenn Jugendliche wild tanzen. Entscheidend ist aber, ob sie das aus einer Partylaune
heraus tun oder weil sie begeistert von Jesus sind. Wenn
diese Begeisterung wirklich aus der „frohen Botschaft“
heraus kommt – wunderbar!
Vielen Dank für das Gespräch!
bbDie erste CD erscheint am 23. Februar, die beiden
weiteren im September 2016 und Januar 2017.
www.das-liederschatzprojekt.de
07031 74140