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Gesellschaft für Virologie e. V.
Gesellschaft für Virologie
Präsident:
Prof. Dr. Thomas Mertens
Institut für Virologie
Universitätsklinikum Ulm
Albert-Einstein-Allee 11
89081 Ulm
 +49 731 500 65100
Fax +49 731 500 65102
[email protected]
German Member of the
European Parliament
Rue Wiertz
Altiero Spinelli 05F163
B-1047 Brussels
1. Vizepräsident:
Prof. Dr. Hartmut Hengel
Datum: 30.04.15
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Sehr geehrte Damen und Herren,
die Gesellschaft für Virologie vertritt als wissenschaftliche Fachgesellschaft mehr als 1000 Ärzte, Tierärzte und Naturwissenschaftler in
Deutschland, Österreich und der Schweiz, deren Aufgabe die Erforschung und Bekämpfung von Viruskrankheiten ist. Anlass unseres Briefes ist eine Petition an das Europäische Parlament zur kompletten Abschaffung von Tierversuchen. Ein solches Vorhaben hätte katastrophale Folgen für die Forschung in Europa, die Patientenbehandlung und
Prophylaxe weltweit und auch die Volkswirtschaft. Wir möchten Sie
persönlich auffordern, verantwortlich zu handeln und dies zu verhindern.
Warum sind Tierexperimente in der biomedizinischen Forschung weiterhin notwendig? Virusinfektionen sind fortdauernd ein enormes Problem für die Gesundheit von Menschen auf der ganzen Welt. Alleine mit
den Viren Hepatitis B und C und HIV, die chronische Infektionen verursachen, sind weltweit fast 500 Millionen Menschen infiziert. Jährlich
sterben mehrere Millionen Menschen an akuten Virusinfektionen ausgelöst durch Viren wie Influenza, Masern oder tropische Fieberviren
(z.B. Ebola-Virus Ausbruch in Afrika). Altbekannte und neu auftretende
Viren stellen auch in Zukunft eine anhaltende schwere Bedrohung dar.
Dieser Bedrohung kann man nur durch intensive Forschung an Therapeutika und Impfstoffen entgegentreten. In den letzten Jahren sind große Erfolge erzielt worden, die ohne Tierversuche nicht möglich gewesen wären. Die Medikamenten- und Impfstoffforschung müsste ohne
Tierversuche nahezu vollständig eingestellt werden, da die Wirksamkeit
und Sicherheit neuer Medikamente und Impfstoffe sowie deren Wirkweise zunächst nur im Tierversuch geprüft werden kann. Hierfür gibt es
keine Alternative. Jetzt vollzieht sich offensichtlich ein gesellschaftlicher
und politischer Abwägungsprozess, in dem entschieden werden muss,
ob wir in Zukunft weiterhin großen Seuchen mit Hilfe der biomedizinischen Forschung entgegentreten wollen, oder ob wir den Tierschutz
einseitig höher gewichten als das Leben und die Gesundheit von Millionen von Menschen.
Wir begrüßen ausdrücklich alle sinnvollen Maßnahmen zum Schutz der
Tiere und treffen alle Vorkehrungen, den Versuchstieren keine unnötiWWW:
http://www.g-f-v.org
Institut für Med. Mikrobiologie u. Hygiene
Universitätsklinikum Freiburg
Hermann-Herder-Str. 11
79104 Freiburg
 +49 761 203 6534
Fax +49 761 203 6626
[email protected]
2. Vizepräsident:
Prof. Dr. Franz X. Heinz
Department für Virologie
Kinderspitalgasse 15
A-1095 Wien, Österreich
 +43 1 40160 65500
Fax +43 1 40160 965599
[email protected]
Altpräsident:
Prof. Dr. Nikolaus Müller-Lantzsch
Institut für Virologie
Universitätsklinikum des Saarlandes
Kirrberger Str., Geb. 47
66421 Homburg/Saar
 +49 6841 16 23931
Fax +49 6841 16 23980
[email protected]
Schriftführer:
Prof. Dr. Sigrun Smola
Institut für Virologie
Universitätsklinikum des Saarlandes
Kirrberger Str., Geb. 47
66421 Homburg/Saar
 +49 6841 16 23931
Fax +49 6841 16 23980
[email protected]
Schatzmeister:
Prof. Dr. Detlev H. Krüger
Charité Universitätsmedizin Berlin
Institut für Med. Virologie
Helmut Ruska Haus
Charitéplatz 1
10117 Berlin

+49 30 450 525092
Fax +49 30 450 525907
[email protected]
Bankverbindung:
Deutsche Bank 24, Filiale Wuppertal
BLZ 330 700 24, Kto.-Nr. 171844400
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gen Schmerzen zuzufügen, die Tierzahlen so gering wie möglich zu halten bzw. Tierexperimente durch alternative Methoden zu ersetzen.
Die Umsetzung der Petition an das Europäische Parlament zur kompletten Abschaffung von
Tierversuchen würde jedoch das Ende der unerlässlichen tierexperimentellen biomedizinischen Forschung in Europa bedeuten. Auch wir Virologen würden dazu verurteilt, Infektionsgefährdungen untätig zuzusehen und auf Erkenntnisse aus Ländern zu warten, wo Tierschutz weit weniger stringent durchgeführt wird.
In diesem Sinne bitten wir Sie DRINGEND, der erwähnten Eingabe nicht zuzustimmen. Bitte
setzen Sie sich auch für eine Darstellung der Notwendigkeit von Tierversuchen in der Öffentlichkeit ein, zum Wohle unserer Gesellschaft in Europa und weltweit. Völlig unbestritten ist,
dass sich zunehmend mehr Fragen ohne Tierversuche lösen lassen. An Methoden zur Reduktion und dem Ersatz von Tierversuchen wird zu Recht intensiv geforscht. Hier nehmen
Virologen eine Vorreiterrolle ein, denn viele Experimente zur Virusvermehrung werden inzwischen in Zellkultursystemen gemacht und neue Therapieansätze werden mit Hilfe von Computer-Modellen entwickelt. Dennoch wird es auf absehbare Zeit nicht möglich sein, Tierversuche vollständig zu ersetzen. Wir weisen in diesem Zusammenhang auf die umfassende
Stellungnahme zu Tierversuchen der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Leopoldina
und der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaft hin. Mit der Novellierung des
Tierschutzgesetzes (2010/63/EU) ist bereits sichergestellt, dass jedes Experiment ausführlich begründet und erst nach intensiver Prüfung und Abwägung des zu erwartenden Nutzens
durch unabhängige Kommissionen behördlich genehmigt werden muss. Die Virologen in
Deutschland, Österreich und der Schweiz möchten Sie persönlich bitten, zur Versachlichung
des Themas Tierversuche Ihren Beitrag zu leisten, auch durch entsprechende unmissverständliche Aussagen in der Öffentlichkeit und dadurch, dass Sie sich im EU Parlament gegen die oben erwähnte Eingabe stellen.
Die entscheidenden Punkte:
 Viruserkrankungen bedrohen die Gesundheit vieler Millionen Menschen weltweit (Hepatitisviren, HIV, Influenza, Gastroenteritisviren, tropische Fieberviren wie Ebola und
neu auftretende Viren)
 Therapieoptionen und Präventionsmaßnahmen (Impfstoffe) sind nicht ausreichend
verfügbar und müssen intensiv weiter erforscht und entwickelt werden
 Die Erforschung von viralen Gesundheitsrisiken für den Menschen und die Erprobung
neuer Therapie- und Präventionsmaßnahmen ist ganz ohne Tierversuche nicht denkbar
 Die Gesellschaft für Virologie setzt sich für einen schonenden und wohlüberlegten
Umgang mit Tieren ein
 Eine Abschaffung von Tierversuchen muss allerdings verhindert werden, um dringend
erforderliche Innovationen im Bereich der Therapie und Prävention humanpathogener
Virusinfektionen (die ohne Tierversuche nicht zu erreichen sind) zu ermöglichen.
In Erwartung Ihrer geschätzten Antwort verbleiben wir
mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. med. Th. Mertens