Protokoll zur Sitzung der Arzneimittelkommission am 23.03.2015

PROTOKOLL
ZUR SITZUNG DER ARZNEIMITTELKOMMISSION AM 23. MÄRZ 2015
Christophorus-Kliniken GmbH - Klinik am Schloßgarten
An alle Mitglieder der Arzneimittelkommission
sowie die teilnehmenden niedergelassenen Ärzte
Anwesend waren:
Frau Dr. Greving
Frau Dr. Peters
Herr Dr. Borde
Herr Dr. Jakob
Herr Dr. Kleinjung
Es fehlten:
Frau Bludau
Frau Dr. Vockelmann
Herr Dr. Krings
Herr Dr. Meyer
Herr Dr. Mühlmeyer
Herr Dr. Schrameyer
Herr Dr. Splittgerber
Herr Dr. Strick
Herr Dr. Müter, Dülmen
Herr Dr. Nagel, Coesfeld
Herr Dr. Steimann
Die Einladung zur Sitzung erfolgte am 12.02.2015.
Sitzungsbeginn: 18:00 Uhr, St.-Vincenz-Hospital, Coesfeld,
Sitzungsende: 19:30 Uhr
Der langjährige Vertreter des Billerbecker Ärzte Rings, Herr Dr. Lebrecht, ist mit dem Eintritt in den
Ruhestand aus dem Gremium ausgeschieden. Er ließ seinen Dank für die langjährige fruchtbare
Zusammenarbeit an die AMK-Mitglieder übermitteln.
Als neues Mitglied der AMK wurde Herr Dr. Kay Schrameyer begrüßt.
Herr Dr. Schrameyer vertritt die Chirurgische Klinik 1 in der AMK anstelle des bisherigen Mitglieds
Herrn Dr. Krings.
Anhand der Tischvorlagen wurden die nachstehenden Beschlüsse gefasst.
Aus der Arzneimittelliste werden gestrichen:
-
Ambisome Amp.
Arilin® Vaginalsuppositorien
Astonin H (Fludrocortison)
Bromocriptin 2,5mg Tabletten
Buscopan® Suppositorien
Chloraldurat Kapseln 250mg
Distraneurin® (Clomethiazol) Mixtur
InfectoDiarrstop LGG mono Beutel
Multibionta Tropfen
Predni Ophtal Augengel
Tabotamp 5 x 1,25cm Wundgaze
Tabotamp 5 x 35cm Wungaze
TachoSil Schwamm 3 x 2,5cm
außer Vertrieb (12/2014), Restmengen noch vorhanden
Indikationseinschränkung, kein Bedarf mehr
nicht mehr verkehrsfähig ab 1.1.2015; keine Alternative
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Austausch von Präparaten:
alt / bisher:
neu:
Advantan (Methylprednisolon)
Biatain adhesive Verband
Flucloxacillin 1g Ampulle
Infanrix Hexa Amp.
Lyrica Kapseln
Minirin mit Rhinyle
Phenobarbital Tropfen
Plastulen Duo Kapseln
(Eisen + Folsäure)
Betamethason Creme, Salbe, gleiche Stärkenklasse
Biatain silicone Verband (bei gleichen Abmessungen)
Flucloxacillin 2g Ampulle
Hexyon Fertigspritze
Pregabalin Kapseln
Desmogalen 5ml Nasenspray
Pulver-Set statt Fertiglösung (Pädiatrie)
Ferro Sanol duodenal Kapseln ohne Folsäure
Propranolol Lösung
Seroquel retard Tabletten
Tabotamp fibrillar
Tissucol 1ml und 2ml
Anpassung an Hemangiol® Lösung (Pädiatrie)
Quetiapin retard Tabletten
Curacel fibrillar (bei gleichen Abmessungen)
Tisseel, 2ml und 4ml
Änderung ab Hersteller
Wegen der immer wiederkehrenden unkalkulierbaren Lieferausfälle werden unterjährig aktuelle Produktwechsel regelhaft notwendig werden.
Einführung in das Arzneimittelsortiment:
Braunol® 100ml,
Braunol® Fl. 250ml Sprühflasche,
Carum carvi Kindersuppositorien1g
Clindamycin 300mg Tabletten
Daxas® (Roflumilast) 500µg Tabl.
NUR für Amb.klinik Augen-OP
NUR für Amb.klinik Augen-OP
anstelle halbierter Tabletten zu 600mg
die niedergelassenen Kollegen halten dieses Produkt
für klinisch nicht hilfreich bei hohen Kosten
Dominal® forte 40mg / 80mg Tabletten Renaissance eines Alt-Produktes zur Schlaftherapie
(Prothipendyl)
Gadovist® 1,0mmol/ml 15ml Fertigspr. regelhafter Einsatz in der Radiologie seit 3/2014
InfectoDexaKrupp® Lösung 2mg/5ml
alternativ zu Suppositorien Klismacort® (Prednisolon)
Instanyl® 100µg (Fentanyl Nasenspray) 1,8ml (8 Einzeldosen), BtM
Nitrofurantoin retard 50mg, 100mg
Leitlinienempfehlung HWI
Primovist® 0,25mmol/ml Fertigspr. 10ml regelhafter Einsatz in der Radiologie seit 3/2014
Ranitidin 150mg Tabletten
anstelle halbierter Tabletten zu 300mg
Takipril® Amp. 5ml (Prilocain)
hyperbar, für operative Kurzeingriffe
Valdoxan® (Agomelatin) 25mg Tabl.
Dauerverordnungen aus dem ambulanten Sektor
Xifaxan® (Rifaximin), nur 550mg Tabl. Antibiotikum der Rifamycin-Klasse, nicht resorbierbar
(nicht teilbar)
TTK: 12,60€ (stationär)
unverändert bleiben:
-
Tabotamp fibrillar / Curacel fibrillar 5 x 7,5cm
-
Arista AH Absorbierendes Hämostatikum (oder Alternative gem. Preis-Verhandlungen);
eine Apothekenbevorratung erfolgt dazu nicht mehr.
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Mit der Abteilung Gynäkologie bleibt zu klären:
-
Fibrogammin (Faktor XIII)
Lagerungsmengen - Lagerort
bisher: 1.750 IE (20 IE /kg KG bei 87 kg)
andere Vorschläge zur Lagermenge?
Vorschlag für Lagerort: Kreißsaal
(nicht: Apotheke)
Verschiedenes:
1.
Blutzucker-Teststreifen – Verordnung / Empfehlung in den niedergelassenen Bereich:
Herr Dr. Nagel: Als Blutzucker-Teststreifen auf Kosten der GKV dürfen nur noch billige Produkte verordnet werden (Positiv-Vorgabe der Krankenkassen). Neueinstellungen von Patienten sollten dieses berücksichtigen, damit der weiterbetreuende Hausarzt nicht sofort beim ersten Patientenkontakt wieder umstellen müsse.
Hier sind die Mitarbeiter des Diabeteszentrums aufgefordert im direkten Kontakt die Möglichkeiten abzusprechen.
2.
Stellenwert von Spiriva im niedergelassenen Bereich
GKV-Verordnungen 2013: 159,2 Mio DDD (-3,2%), 1,73€ / DDD
Tiotropium soll 2016 aus dem Patentschutz fallen; daher versucht der Hersteller derzeit die
Verwender auf das Device „RESPIMAT“ umzustellen, ein als gut beurteiltes Inhalationshilfsmittel, das stationär und ambulant jeweils annähernd preisgleich zur alternativen Kapselmenge ist:
GKV-Kosten:
- 30 Kapseln kosten 64,41€ (Re-Import incl. Inhalator) bis 69,15€ (Original incl. Inhalator)
- 30 Kapseln vom Originalanbieter (ohne Inhalator) sind preisgleich zu 1 Respimat (67,66€).
Dass zukünftige Generikaanbieter die Inhalationskapseln deutlich billiger verkaufen werden,
ist selbstredend. Es empfiehlt sich daher die Beibehaltung der Kapseln.
3.
Austauschverbotsliste: Der gemeinsame Bundesausschuss hat im Dezember 2014 eine
Liste von Wirkstoffen verabschiedet, die in der öffentlichen Apotheke aus wirtschaftlichen
Gründen nicht mehr ausgetauscht werden dürfen, z. B. wegen Rabattverträgen.
Diese Liste enthält Wirkstoffe, die seit jeher und auch weiterhin in den CK im üblichen Rahmen gegen gelistete Produkte ausgetauscht werden.
4.
Dosierung Clindamycin iv:
Es wird darauf hingewiesen, dass eine Anordnung für Clindamycin Ampullen NICHT in der
Form „3x1 Ampulle“ zu erfolgen hat sondern korrekterweise als Milligramm-Angabe:
2 x 900mg oder 3 x 900mg. Damit soll eine nicht beabsichtigte Hochdosis von 2.700mg pro
Tag vermieden werden. Junge Kollegen wissen oft nicht, wieviel in 1 Ampulle enthalten ist und
ordnen daher „3x1“ an.
5.
Interferone? Rebif, Extavia, Avonex
Die Apotheke klärt mit der Pflegefachkraft Frau Nadine Kleene, welche Zubereitungen regelhaft in welchen Mengen und wo zu bevorraten sind.
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6.
Betäubungsmittelverbrauch <-> Empfehlung im Arztbrief
Ausgehend von einem Gespräch zwischen Vertretern von CÄR und dem ÄD Herrn Dr. Gerleve wurde seitens CÄR betont, dass zu viele Empfehlungen für Targin® (Oxycodon + Naloxon)
ausgesprochen würden.
Targin ist weiterhin (bis 2018?) patentgeschützt und damit unverhältnismäßig teuer:
auf GKV-Rezept:
Targin 10/5,
50 Ret.-Tabl.
60€
Oxycodon 10mg, 50 Ret.-Tabl.
37€
Targin® wird in der Arzneimittelvereinbarung 2015 der KVWL als „zu vermeiden“ aufgeführt
trotz der zusätzlichen Indikation „restless leg-Syndrom“.
Betäubungsmittel 2014
01.01.2014 - 31.12.2014
CK gesamt
Menge
[Stk]
Anteil
Menge
Wert
Anteil
Wert
Targin
10.740
13,5%
7.720 €
24,9%
Oxycodon
16.300
20,5%
3.600 €
11,6%
Hydromorphon
29.300
36,9%
11.940 €
38,6%
Morphin
21.500
27,1%
6.270 €
20,3%
1.590
2,0%
1.430 €
4,6%
Pflaster
(Fentanyl, Buprenorphin)
Das Problem der verursachten GKV-Kosten ist insbesondere den nachgeordneten
Ärzten zu kommunizieren!
Entgegen der Produktbewerbung erhalten nahezu alle Patienten zusätzlich Laxantien bei
Dauerverordnung.
Aktuell bewirbt Mundipharma das Targin® mit der Zusatzindikation restless-leg-syndrome. Die
Aufforderung, dass dieses in den CK ausschließlich mit den Chefärzten (ggf. auch Oberärzten) kommuniziert werden darf, wurde wie üblich schriftlich überreicht.
Zuwiderhandlungen werden bei Bekanntwerden mit Hausverbot geahndet!
7.
NOAK – Neue orale Antikoagulantien – aktueller Verbrauchsstand
Hierzu war nichts Neues zu berichten; in den CK werden weiterhin in mindestens zwei Drittel
aller oralen Antikoagulationeneinsätze die Cumarine genutzt.
8.
Ferinject® - Verbrauch – Kosten
Diese teuren Eisenpräparate sind im Vormarsch (auch deutschlandweit): 11.800 € Kosten ohne nachweislichen Mehrnutzen. Eine präoperative Gabe ist meist zu kurzfristig vor dem OPTermin möglich, so dass der Aufbau von Hämoglobin / Erythrozyten nicht zeitgerecht erfolgen
kann. Das, auch von den Eisen-Anbietern (!), favorisierte patient-blood-management hat noch
keine nutzbringende Organisationsstruktur, die eine präoperative Eisengabe zu maximalen Effekten führt. Die diskutierte Unverträglichkeit bei einer Infusion gilt lt. europäischer und nationaler Aufsichtsbehörden gleichermaßen für ALLE Eisenpräparate.
Derzeit kosten 500mg Eisen soviel wie eine Erythrozytenkonserve.
9.
Kurzhinweis zu Ivabradin (Procoralan®) (nicht gelistet) mit Rote Hand-Brief und Anwendungseinschränkungen
10. Kaliumchlorid-Ampullen 20mmol als Trinkampulle:
Im Rahmen einer Geschmacksprobe wurde intensiv über die Infusionsmengen und –dauer
sowie Konzentrationen der Infusionslösungen mit Kaliumzusatz diskutiert.
11. Lieferprobleme:
Herr Dr. Kleinjung wies auf die ständigen und umfangreichen Lieferprobleme der Hersteller
hin. Die Verwendung der Wirkstoffnamen von der Anordnung bis zur Anwendung mindert geringfügig das wachsende Problem der Fehlerquellen bei notwendigem Produktwechsel.
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12. PPIs im Krankenhaus:
Eine Auswertung der BARMER GEK aus den Jahren 2012 bis 2013 demonstriert die riesige
Menge der stationär angeordneten Protonenpumpeninhibitoren.
13. Arzneimittelkosten im Krankenhaus:
Wie im niedergelassenen Sektor werden auch im Krankenhaus die maßgeblichen Arzneimittelkosten durch wenige Arzneimittel unter Patentschutz verursacht (Foliendemonstration).
14. Patentschutzablauf bis 2018
Herr Kleinjung wies auf die bis 2018 zu erwartenden Patentschutzabläufe und ihre Relevanz
für das Krankenhaus hin. Die Antimykotika Vfend® und Cancidas® sowie das schon angesprochene Targin® sind davon betroffen.
Nächster Sitzungstermin (geplant):
Montag, der 28. September 2015, 18.00 Uhr s.t.
gez. Dr. Kleinjung
2015-03-27
(Protokollführung)
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