Als die Appenzeller Gras assen | Schweizer

Als die Appenzeller Gras assen | Schweizer Agrarmedien
14.04.15 14:19
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Schweiz-International
Publiziert: 08.04.2015 / 09:25
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Als die Appenzeller Gras
assen
Der gewaltige Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora am 10.
April 1815 kühlte weltweit das Klima ab. Das darauffolgende "Jahr ohne
Sommer" brachte Hunger und Verarmung - auch in der Schweiz. An
der Not war indes nicht nur das Wetter, sondern auch die Politik
Schuld, betonten Historiker diese Woche an einer Konferenz in Bern.
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Im Appenzell assen die Menschen aus Hunger 1816 Gras. Im Innerrhoden starben in jenem Jahr rund
10 Prozent der Bevölkerung. (Bild Astrid Götze-Happe / pixelio.de)
Die Abkühlung des Klimas durch die Vulkanasche in der Atmosphäre bescherte
der Schweiz im Jahr 1816 um 80 Prozent höhere Niederschläge und um 2 bis 4
Grad kühlere Temperaturen als gewöhnlich. Dies erklärt Renate Auchmann vom
Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern auf Anfrage.
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"Das Regenwetter hält an. Es kann nichts wachsen, es ist immer zu kalt", schrieb
ein Elsässer Zeitgenosse im Juli 1816. In diesem Monat schneite es mehrfach bis
in tiefe Lagen, die Gletscher rückten bis zu 15 Meter pro Jahr vor, und
Missernten und Hungersnöte suchten Mitteleuropa und Nordamerika heim.
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Am schlimmsten habe es die Ostschweiz getroffen, berichtet der Historiker
Daniel Krämer von der Universität Bern anlässlich der Konferenz "Vulkane,
Klima und Gesellschaft". Vom 7. bis 10. April diskutieren Klimaforscher und
AGROPOOL
Historiker zum 200. Jahrestag des wohl grössten Vulkanausbruchs der letzten
7000 Jahre in Bern die Auswirkungen der Katastrophe.
Sterben in Appenzell
http://www.bauernzeitung.ch/sda-archiv/2015/als-die-appenzeller-gras-assen.aspx
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Als die Appenzeller Gras assen | Schweizer Agrarmedien
14.04.15 14:19
Viele Ostschweizer Bauern hatten vom Landbau auf die Textilproduktion
umgestellt und waren von Weizenimporten aus Süddeutschland abhängig.
Diese wurden aus Angst vor Unruhen gestoppt. "Menschen grasten nun mit dem
Vieh", schrieb 1817 der Geistliche Ruprecht Zollikofer über die Bewohner von
Appenzell Ausserrhoden. Im Innerrhoden starben laut einem Amtskollegen in
jenem Jahr rund 10 Prozent der Bevölkerung.
Am Hunger war das Klima indes nicht allein Schuld, urteilt Krämer: Die
Hungerkrise nach dem "Jahr ohne Sommer" sei eine Konsequenz von
Klimastress, strukturellen Gründen, Armut und politischem Versagen. "Die
Politik reagierte sehr unterschiedlich auf die Hungerkrise", sagte Krämer auf
Anfrage der Nachrichtenagentur sda.
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In der Westschweiz kauften die Kantone Getreide im Ausland ein, um es
verbilligt abgeben zu können. Ausserdem griffen sie stärker in den Markt ein als
die Kantone in der Ostschweiz. Genf etwa reduzierte im Dezember 1816 die
Getreidepreise und erhöhte sie bis zur Ernte im Sommer 1817 nur schrittweise.
Aus diesem Grund stiegen die Preise von 1816 bis Sommer 1817 in Genf "nur"
um 220 Prozent. In Rorschach stiegen sie im gleichen Zeitraum um stattliche 587
Prozent. Ein Grund war, dass die Kantone der Ostschweiz vergleichsweise junge
und weniger finanzstarke Staatswesen waren. Auch der Strukturwandel in der
Textilindustrie sei mit verantwortlich gewesen, sagt Krämer.
"Erdäpfelkrieg" in Genf
Bemerkenswert ist laut dem Historiker ausserdem, dass sich die Kantone
gegenseitig sperrten und damit die Zirkulation von Getreide innerhalb der
Eidgenossenschaft verhinderten - obwohl der Bundesvertrag von 1815 dies
MARKTPREISE Schlachtvieh
Schweine
3.60
selten - den "Erdäpfelkrieg" in Genf ausgenommen. Er folgte auf Preisaufschläge
Ferkel
6.80
auf Kartoffeln im Herbst 1817.
QM MT T3
8.80
QM VK A3
6.90
zugeschrieben, glitten während der Krise immer mehr Personen unverschuldet
QM KV T3
12.50
und trotz Arbeit in die Bedürftigkeit ab", erklärt Krämer.
Tränker
3.50 - 3.70
Inspiration für "Frankenstein"
Lämmer
12.10
Die Ereigniskette von 1815 bis 1817 sei der bestdokumentierte Fall eines "Jahres
Preise diverse Labels
verbat. Trotzdem waren Hungerunruhen im Gegensatz zu anderen Ländern
Was sich nachhaltig änderte, war die öffentliche Wahrnehmung von Hunger:
"Wurde die Armut bislang dem liederlichen Lebenswandel der Betroffenen
ohne Sommer" und folgender Hungersnot, betont Christian Pfister, emeritierter
Klimageschichtsprofessor der Uni Bern. Sie zeigt nicht nur die Auswirkungen der
Witterung, sondern auch die Reaktionen der Menschen auf - vom
BLOGS
Krisenmanagement bis zur Inspiration von Wissenschaftlern und Künstlern.
 
So schrieb Mary Shelley ihren Schauerroman "Frankenstein" im Sommer 1816
im verregneten Genf, und Maler wie William Turner oder John Constable hielten
die grandiosen Abendstimmungen jener Zeit - die von vulkanischen Partikeln in
der Atmosphäre herrührten - in intensiven Erdfarben, Ocker und Gelbtönen fest.
Lebensmittel-Krawalle heute
Auch heutzutage würde ein vergleichbarer Vulkanausbruch zu einem
Preisanstieg der Grundnahrungsmittel führen, meint Krämer. Die Schweiz wäre
wohl weniger stark betroffen als Schwellen- und Entwicklungsländer. 2008
führten Preiserhöhungen für Nahrungsmittel in zahlreichen Ländern zu
Krawallen und Exportbeschränkungen für Lebensmittel.
Redaktionsblog: Transparente Löhne
senken das Lohnniveau nicht
wir Erde und Gesellschaft als ganzes System betrachten müssen."
Nach der Fenaco haben Recherchen von
Redaktor Hansjürg Jäger dazu geführt, dass
der SBV die Lohnbezüge des Direktoriums
offenlegt. Die neu gewonnenen Einsichten
werden aber kaum etwas an den Lohnpolit
sda
 Zum Artikel
Natürlich habe sich seit 1816 einiges geändert - etwa die Reichweite der Märkte
und die Vorhersage von Klimafolgen, fügt Stefan Brönnimann vom OeschgerZentrum an. "Doch der Ausbruch des Tambora und seine Folgen zeigen, dass
http://www.bauernzeitung.ch/sda-archiv/2015/als-die-appenzeller-gras-assen.aspx
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05.01.2015
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Enkelkind Nick (3)
im Sommer auf
der Alp Ginals.
(Bild: Marcel &
Imelda
Ammann/Turtmann
VS)
Die glückliche
Elyne mit den
glücklichen
Hühner. (Bild:
Margrit Hofstetter /
Schachen LU)
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