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WIEN MUSEUM
01–06 2015
AUSSTELLUNGEN
VERANSTALTUNGEN
#7
01– 06 2015
Ausstellungenaa Veranstaltungen
Inhalt
AUSSTELLUNGEN
4
6
8
11
12
14
Ich bin ich. Mira Lobe und Susi Weigel
Romane Thana. Orte der Roma und Sinti
Mythos Galizien
Liebes Wien, Deine Ingeborg Strobl
Der Ring. Pionierjahre einer Prachtstraße
Vorschau Herbst 2015
VERANSTALTUNGEN
15
Vorträge / Diskussionen / Konzerte / Lesungen etc.
STADTEXPEDITIONEN
3 4
35
36
37
3 8
39
Wo Chinatown sichtbar wird
Nordbahnhof, Karl Lueger-Kult
Votivkirche, Roma und Sinti in Floridsdorf
(Homo-)Sexuelle Topografie, Ingeborg Strobl
Hotel Metropole, Galizien in Wien
Wohnen an der Ringstraße, Im Stubenviertel
FÜHRUNGEN
4 0
4 3
Führungen durch die Dauerausstellungen
Führungen durch die Sonderausstellungen
FÜR KINDER
4 4
Spielstation / Führungen / Workshops / Konzerte / Stadtexpeditionen
FÜR SCHULEN
48
Führungen, Workshops und Informationsveranstaltungen
Impressum
Für den Inhalt verantwortlich: Wien Museum (Direktion Wolfgang Kos). Redaktion: Christine Koblitz, Peter Stuiber.
Kalendarium: Denise Fuchs. Grafik: Perndl+Co. Lektorat: Katharina Sacken. Druck- und Satzfehler vorbehalten.
2
VORWORt
WIEn MUSEUM
DerBreitenerfolgwarerhofft,aberkonntenicht
erwartetwerden.EinerseitsistLiteraturgenerell
einschwierigesMuseumsthema.Andererseits
habenwirunsetwasUngewöhnlichesvorgenommen,nämlicheineAusstellung,diefürErwachseneebensonahrhaftundkurzweiligistwiefür
Kinder.Mehrnoch:DasMuseumwurdezueinem
Ort,andemElternundKindermiteinanderins
Gesprächkommen,einanderDingeerklärenoder
aufderSchaukelBüchervorlesen.Dankedem
kuratorischenTeamumLisaNoggler-Gürtler.
„Ichbinich“wirdübrigensimVorarlbergMuseum
eineweitereStationmachen.
Foto: sabine Hauswirth
ImWinter2014/15gehörtdasWienMuseumvor
allemdenKindern,siemachen30%desPublikumsaus–ziemlichvielFröhlichkeitundWirbel
ineinerInstitution,dievorgarnichtsolanger
ZeitvonrespektvollerEhrfurchtgeprägtwar.
DashängtnatürlichmitderAusstellung„Ich
binich.MiraLobeundSusiWeigel“zusammen,
nebenderKlimt-Schauvon2012dieerfolgreichsteAusstellungdesWienMuseumsseit
dessenNeustartimJahr2003(dieAusstellung
läuftnochbis1.März).
mitanderenInstitutionenerweitertdenHorizont
undbringtneueThemenzugänge.Gleichzwei
wichtigeAusstellungendeserstenHalbjahrs
2015sindmitKooperationspartnernentstanden:
„RomaneThana.OrtederRomaundSinti“
(ab12.Februar)mitderInitiativeMinderheiten
unddemRomanoCentrosowiedemBurgenländischenLandesmuseum,„MythosGalizien“
(ab26.März)mitdemInternationalenKulturzentrumKrakau.UndauchvieleVeranstaltungen
habendenHinweis„InKooperationmit…“.
EinMuseumwiedasWienMuseumistmehrals
einOrtderPublikumsmaximierung.Dochman
freutsichnatürlich,wenndasAngebotankommt:
2014warunserpublikumsreichstesJahr,mitrund
165.000GästenalleinamKarlsplatz.Daswar
möglich,weilalleAusstellungen–auchsolche
mitrechtspeziellenThemen–Interessefanden.
SchonzumsiebentenMalalsounserHalbjahresprogramm-BookletmitunseremKomplettangebot–vonLive-MusikbiszugroßenVorträgen,vonKindereventsbiszuSchulführungen.Das
heißtauch:siebenverschiedeneFarbtöne,dieein
elegantesSpektrumergeben.Nichtknallig,eher
subtil.DieFarbe,fürdiesichunsereGrafikpartnervonPerndl+Codiesmalentschiedenhaben,
könntemanübrigensals„Geggirot“bezeichnen.
AucheinsehraktivesStadtmuseumgestaltet
nichtnurauseigenerKraft:Zusammenarbeit
Wolfgang Kos
DirektorWienMuseum
3
aUSStEllUnGEn
bIS 1. MäRZ Wien MuseuM Karlsplatz
VERANSTALTUNGEN S. 18, 19 / FÜHRUNGEN S. 40 /
FÜR KINDER S. 44, 45 / FÜR SCHULEN S. 49
DaserfolgreichsteDuoder
österreichischenKinderbuchliteraturstehtimMittelpunkt
derAusstellungimWien
Museum,diefürKinderwie
fürErwachsenekonzipiertist.
MiraLobe(1913–1995)zähltzu
denbedeutendstenKinder-und
JugendbuchautorInnendes
20.Jahrhunderts,insgesamt
veröffentlichtesierund100
Bücher,diein30Sprachen
übersetztwurden.AusLobes
kongenialerWort-Bild-PartnerschaftmitderIllustratorinSusi
Weigel(1914–1990),dieheuer
100Jahrealtgewordenwäre,
entstanden45Bücherundviele
Fortsetzungsgeschichten.Allein
dieTitellösenbeiGenerationen
von(Vor-)LeserInnenvielfältige
Assoziationenaus:„Daskleine
Ichbinich“,„DieOmamaim
Apfelbaum“,„DieGeggis“.
4
Foto: Wien Museum
ICh bIn ICh
MIrA lOBe unD susI WeIgel
Auf der Seite der Kinder
„Ichmöchtewissen,werich
bin“.Sofragtdasratlose,
namenloseEtwas,umsicham
EndederGeschichtealsselbstbewusstesWesenzuentdecken:
„Sicherlichgibtesmich:
ICHBINICH!“Immerwieder
gehtesinLobesundWeigels
Bücherndarum,Kindern
Ängstezunehmenundsiezur
Eigenständigkeitzuermutigen.
OhnepädagogischenZeigefingerundstetsaufderSeiteder
Kinderstehend,vermittelndie
Geschichtendarüberhinaus
WertewieToleranz,Solidarität
mitAusgegrenztenundVeränderungswillen.
DieSchauerlaubtspannende
EinblickeindieArbeitsweise
vonLobeundWeigel.Vordem
HintergrundihrerBiografien
erschließensichauchZusammenhängederösterreichischen
Nachkriegsgeschichte.Darüber
hinaussindanderebedeutendeLobe-IllustratorInnenwie
AngelikaKaufmann,Winfried
OpgenoorthundChristina
Oppermann-Dimowinder
Schaupräsent.
Foto: Kollektiv Fischka © Wien Museum
Foto: Kollektiv Fischka © Wien Museum
Die Ausstellung „übersetzt“
das kreative Potenzial der
Kinderbücher mit spielerischen
Elementen und ­überraschenden
Inszenierungen. Kinder dürfen
in der Ausstellung schaukeln
und sind eingeladen, frei
nach Susi Weigel Papier zu
reißen und an der Wand aus
den ­Schnipseln Collagen zu
­gestalten. Auch eine „Buch­
stabenkiste“ steht bereit. Einige Bereiche sind nur für
Kinder zugänglich: Hier können
sie ­Geschichten von Mira Lobe
hören, gelesen von Cornelius
Obonya.
„Das kleine Ich bin ich“
von Mira Lobe, 1972
© Verlag Jungbrunnen
5
aUSStEllUnGEn
12. FEbRUaR bIS 17. MaI Wien MuseuM Karlsplatz
ROManE thana
Orte Der rOMA unD sIntI
VERANSTALTUNGEN S. 19–22, 25–29 /
STADTEXPEDITIONEN S. 36 / FÜHRUNGEN S. 43 /
FÜR KINDER S. 46 / FÜR SCHULEN S. 49, 50
In KOOPERatIOn MIt InItIatIVE MInDERhEItEn, lanDESMUSEUM bURGEnlanD UnD ROManO CEntRO
Ansichtskarte der Oberwarter
Romasiedlung, 1930er-Jahre
© Landesmuseum Burgenland
DieAusstellunggibtEinblicke
indieLebenssituationvon
RomaundSintiinÖsterreich
underzähltderenGeschichte
undGeschichten.Phasender
ZwangsassimilierungwechseltenmitsolchenderAusgrenzung.ImFokusstehenOrte:
dieseitdem18.Jahrhundert
bestehendenSiedlungender
Burgendland-Romaebensowie
traditionellePlätzeinWienoder
ZwangsortederVerfolgung.
Geschätzte90%derösterreichischenRomawurdenin
denVernichtungslagernder
Nationalsozialistenermordet.
DiewenigenÜberlebenden
standennach1945vordem
Nichtsundwurdensystematischbenachteiligt.Etliche
6
zogennachWien,auchinder
Hoffnung,nichterkennbarzu
sein.DerüberwiegendeTeilder
heuteinÖsterreichlebenden
RomaundSintikamalsArbeitsmigrantenausOst-undSüdosteuropa.LangeZeitundbisheute
lebtenviele„imVerborgenen“.
DarstellungenvonRomaund
SintistammtenüberJahrhundertehauptsächlichvonNichtRoma.DazugehörenromantisierendeVorstellungenebenso
wieBilderderVerachtung.
Esexistierenkaumhistorische
Selbstzeugnisse.Aufdiese
WeisewurdenStereotypeund
Feindbilderfestgeschrieben,
dieletztlichderLegitimation
vonrassistischerVerfolgung
dientenundweiterhindienen.
Wandvitrine mit Madonna, um 1960
© Privat
ImMittelpunktderAusstellung
stehenalsGegenperspektiven
elfBeiträgevonMenschen
ausderRoma-undSinti-
Community,dieihrerFamiliengeschichtenachgingen,sich
mitihrerIdentitätauseinandersetztenoderfürdieAusstellung
recherchierten,Videointerviews
machtenoderkünstlerische
Ceija Stojka:
Ohne Titel, 1995
© Wien Museum
Beiträge ­lieferten. Solche Geschichten führen zum Busbahnhof Erdberg wie zu den RomaReinigungskräften im Wiener
AKH. Welche Folgen hatte das
Oberwarter Attentat von 1995
auf die Menschen in der Roma­
siedlung? Von der schmerzhaften Auseinandersetzung
mit dem Holocaust zeugt eine
Gruppe von Gemälden von Ceija
Stojka, die vom Wien ­Museum
angekauft wurde. Aus der
Vielstimmigkeit der Geschichten ergeben sich neue Sichtweisen auf die Gegenwart, die
klischeehafte Wahrnehmun­gen
durchbrechen.
Barka Emini in der Leebstraße in
Favoriten, 1999
© Privat
Rupa Ratzer und Karl Stojka, um 1950
© Karl Ratzer
7
aUSStEllUnGEn
26. MäRZ bIS 30. aUGUSt Wien MuseuM Karlsplatz
MYthOS GalIZIEn
VERANSTALTUNGEN S. 24, 26, 30 /
STADTEXPEDITIONEN S. 38 /
FÜHRUNGEN S. 43 / FÜR SCHULEN S. 50
In KOOPERatIOn MIt DEM IntERnatIOnal CUltURal CEntRE In KRaKaU
Die österreichisch-russische Grenze
bei Brody, um 1910
© Regionalmuseum Brody
8
Galizienwarfastsogroßwie
dasheutigeÖsterreich,die
kosmopolitischeHauptstadt
Lembergwarum1900die
viertgrößteStadtÖsterreichUngarns.Heuteweißmanin
Wienkaumnoch,woGalizien
einstlag.Dochimmernochist
eseinRaum,derImaginationen
auslöst:AlsInbegriffweltverlorenerAbgeschiedenheit.
WunderrabbisunddievernichteteWeltdesOstjudentums.
DasArmenhausderMonarchie.
JosephRoth,derausder
galizisch-russischenGrenzstadtBrodystammte,sprach
voneinem„Zwischenreich“.
­A rbeiterverein „Postup“, 1902
Sammlung Herbert Pasiecznyk
Boryslaw, ca. 1900
© Ossolin
´ski National Institut in Wroclaw
War das periphere Galizien
Endstation oder Transferraum,
Osten des Westens oder Westen
des Ostens? Heute gehört der
Westteil zu Polen, Ostgalizien
liegt in der Ukraine. Politik und
Krieg haben der Frage nach der
europäischen Identität der Re­
gion neue Aktualität gegeben.
Entstanden ist Galizien als
künstliches Gebilde als Folge
europäischer Machtpolitik: 1772
fiel nach der Teilung Polens ein
Gebiet an Österreich, dem man
den Namen „Galizien“ gab. Für
Polen war das eine nationale
Katastrophe, für Reformkaiser
Joseph II. ein zu kolonisierendes
und „zivilisierendes“ Territorium, das Bodenschätze und
Rekruten lieferte. Galizien war
von sprachlicher und ethnoreligiöser Vielfalt geprägt: Man
sprach Polnisch, Ukrainisch
und Jiddisch, man war katholisch, jüdisch und orthodox.
Rückständigkeit und
­Fortschritt
Juden aus Galizien, Mitte 19. Jh.
Sammlung Marek Sosenko
Die Ausstellung entstand in
­Kooperation zwischen dem
­Kulturzentrum (ICC) in ­Krakau
und dem Wien Museum.
Erstmals gilt der Blick den
divergierenden polnischen,
ukrainischen, österreichischen
9
E. Benninghoven:
Zivilbevölkerung an der Ostfront, 1914/15
© Österreichische Nationalbibliothek,
Bildarchiv und Grafiksammlung
Maurycy Gottlieb:
Frau in jüdischer Kleidung, ca. 1876
© Lviv National Art Gallery
und jüdischen Perspektiven.
Diese werden mit historischen
Fakten konfrontiert. Dem Mythos Armut und Rückständigkeit
stand der Mythos Fortschritt
gegenüber. Um 1900 wurde
­Galizien durch seine großen
Ölvorkommen zum „österreichischen Texas“. Nach der Teil­
autonomie von 1867 entstand
der Mythos vom „guten Kaiser“
in Wien. Galizien als multikulturelles Arkadien? Zugleich
nahmen aber die sozialen und
nationalen Spannungen zu. Ein
Abschnitt widmet sich „Galizien
in Wien“: Ab 1880 strömten
10
jüdische Migranten – darunter
etliche Künstler und Intellektuelle – in die Reichshauptstadt.
„Galizien nach Galizien“ heißt
das Schlusskapitel: Mit dem
Zerfall der Monarchie verschwand Galizien 1918 von der
Landkarte. Doch als Mythos und
„literarische Landschaft“ feierte
es ein zum Teil nostalgisches
Comeback, vor allem nach der
Öffnung von 1989 – nachdem die
von Zerstörung und Vertreibung
heimgesuchte Region lange
aus dem westlichen Blickfeld
verschwunden war.
aUSStEllUnGEn
20. MaI bIS 6. SEPtEMbER Wien MuseuM Karlsplatz
STADTEXPEDITIONEN S. 37
lIEbES WIEn,
DeIne IngeBOrg strOBl
Erstmalswidmetdieinder
SteiermarkgeboreneKünstlerin
eineAusstellungausschließlich
ihrerBeziehungzuWien,wo
sieseit1967lebt.Diemeisten
ArbeitenentstandenimAuftrag
desWienMuseumsoderspeziellfürdieseSchau.
Sieerzählenvonalltäglichen
Orten,diefürIngeborgStrobl
vonpersönlicherBedeutung
warenundsind.Diemeisten
sindinzwischenverschwunden:
„Ichsuchesienicht,sondern
siefindenmich.“Dasaus
einemV ideo,einigenGegenständenundFotosbestehende
Ensemble„BrunnenBeisl“
isteineHommageanein
Lieblingswirtshaus,dessen
letzteWochenStroblbegleitet
hat.WeitereDokumentationen
gelteneinemGarteninMeidling,derDruckereiRemaprint
odereinerSetzerei:Mitbeiden
produziertesieüberJahrzehnte
hinweginPapierwahl,TypografieundLayoutakribisch
gestalteteBücher,Kartenoder
Editionen.
Ingeborg Strobl:
Brunnen Beisl in Ottakring, 2009
demRiesenradoderSpielkarten
ausdenabgelegtenSchachteln
einerWohnungsräumung.
ImabgenutztenStadthallenbad
entstandknappvordessen
Renovierungeinesubjektive
FotoserieüberdenWegvon
derSchlüsselausgabeund
denUmkleidekabinenbis
zurSchwimmhalle.Weitere
„Rohstoffe“fürmultimediale
ArrangementssindStrobls
SammlungvonPostkartenmit
DerThemenfokusWien,ergänzt
mitObjektenausWarschau,ist
nurscheinbareineEinschränkung:InStroblssparsamer
ArbeitmitgenauemBlickauf
ephemereDetailsöffnetsich
immereinpersönlichesUniversum,ihreCollagenbeinhalten
MaterialienwieFotos,Videos,
Aquarelleoderrätselhafte
Fundstücke.
Ingeborg Strobl:
Stadthallenbad Wien, 2010
11
aUSStEllUnGEn
11. JUnI bIS 4. OKtObER Wien MuseuM Karlsplatz
VERANSTALTUNGEN S. 20 /
STADTEXPEDITIONEN S. 39 /
FÜHRUNGEN S. 43 / FÜR SCHULEN S. 50, 51
DER RInG
PIOnIerJAHre eIner PrACHtstrAsse
ZumJubiläumderRingstraße
2015rücktdasWienMuseum
derenPionierjahreinden
Mittelpunkt:Wienaufdem
WegzurmodernenGroßstadt,
vomBeginnderPlanungen
biszurfeierlichenEröffnung
desBoulevardsam1.Mai
1865.NochniegezeigtePläne,
Entwürfe,ModelleundFotografienerzählenvonArchitekten,
MalernundBildhauernaufder
SuchenachdemStilderZeit,
schilderndasNebeneinander
vonAlt-undNeu-Wien,BaustellenundBrachland,Abbruchund
Neubau.
DieRingstraße,ihregroßzügigenöffentlichenGebäudeund
privatenPalästewurdenzur
BühneeinerGesellschaftim
Umbruch,inderdasGroßbürgertumgegenüberdemAdelan
Bedeutunggewann.Zugleich
wurdenhieraberauchInteressenkonfliktezwischenKaiserhof,Staat,Militärverwaltung
undStadtverwaltungausgetragenundmitarchitektonischen
Mittelnsymbolischüberhöht.
1858verwandeltesichWienin
eineriesigeBaustelleundein
12
Carl Haack:
Schwarzenbergplatz und
Kärntner Ring, um 1870
© Wien Museum
VersuchslaborfürneueArchitektur:Die„ViaTriumphalis“der
Donaumonarchiewurdedurch
dieFülleexemplarischerBautenindendamalsbevorzugten
historischenStilformenzur
„Hauptstraßedes19.Jahrhunderts“.DiebeimVerkaufder
BauparzellenerzieltenGelder
dientenderFinanzierungder
öffentlichenGroßbautenwie
derOperoderdesRathauses.
Der1858ausgeschriebene
„Concours“wardererste
internationalestädtebauliche
WettbewerbderModerne.
ErwarGrundlagefürden
„Grundplan“von1859,derbis
zumEndedesRingprojekts
imfrühen20.Jahrhundert
gültigbliebundsichbewährte.
150Jahredanachgiltesnicht
nurdasästhetischeKlima
jenerZeitdurcheindrucksvolle
Objektezuveranschaulichen,
sondernauchkritischnachzufragen.Ausgangspunktdafür
istAdolfLoos’„PlanvonWien“
(1912/13),dereineradikale
RevisionderRingstraßevorsah,
umdiebaulicheTrennungzwischenheutigerInnenstadtund
denumliegendenBezirkenzu
entschärfen.WiewürdenheutigePlanspieleaufdergrünen
WiesedesGlacisaussehen,und
welcheaktuelleVorstellungvon
Stadtließesichdarausableiten?
Franz Alt:
Der Stadtpark mit dem Eisernen Pavillon, 1866
© Wien Museum
Rudolf von Alt: Das Atelier des Bildhauers Fernkorn
mit dem Modell des Erzherzog Carl-Denkmals, 1856
© Wien Museum
Josef Hasslwander:
Neujahrskarte mit der
Eröffnung des Franz-JosefKais am 1. Mai 1858
© Wien Museum
13
Vorschau
herbst 2015 wien museum karlsplatz
24. September 2015
bis 10. JÄNNER 2016
WIENER KUNSTSZENE
DER 80er-JAHRE
GALERIE PAKESCH
Didi Sattmann:
Herbert Brandl, Heimo Zobernig, Galerist Peter Pakesch und Franz West. (v. l. n. r.),
1987
© Didi Sattmann /Privatarchiv
22. Oktober 2015
bis 17. Jänner 2016
ANDREAS GROLL
FRÜHE STADTFOTOGRAFIEN
Andreas Groll:
Stephansdom-Spitze
und Kreuzrose des
Südturms vor der
Aufsetzung, 1864
© Wien Museum
14
veranstaltungen
VORTRAG / BUCHVORSTELLUNG
DI, 13. JAN, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
Die erste ausführliche kulturwissenschaftliche
Arbeit über die österreichische Nordpolexpedition
(1872–1874).
Johan Schimanski, Literaturwissenschaftler an
der Arctic University of Norway in Tromsø.
Ulrike Spring, Historikerin, 2003–2007 Kuratorin
im Wien Museum, lehrt am Sogn og Fjordane
University College in ­Norwegen.
Einleitung: Wolfgang Müller-Funk (Kultur­wissenschaftler)
In Kooperation mit dem Böhlau Verlag.
Eintritt frei!
VORTRAG
DO, 15. JAN, 18.15 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
SUSANNE BREUSS
PAPIERKLEIDER
UND ­BOHNENMEHL
ALLTAGSLEBEN IM
ERSTEN ­WELTKRIEG
Foto: Hertha Hurnaus
JOHAN SCHIMANSKI/ULRIKE SPRING
PASSAGIERE DES EISES
POLARHELDEN UND ARKTISCHE
DISKURSE 1874
VORTRAG / BUCHVORSTELLUNG
MI, 21. JAN, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
HARRY GLÜCK. WOHNBAUTEN
„LUXUS FÜR ALLE“
Einleitung: Maria Vassilakou, Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Stadtentwicklung und
Verkehr; Michael Ludwig, Stadtrat für Wohnbau
und ­Stadterneuerung
Vortrag: Reinhard Seiß (Stadtplaner, Doku­
mentarfilmer und Publizist. 2007 erschien das
kritische Buch „Wer baut Wien?“.)
Diskussion mit Christian Kühn (Architektur­
kritiker), Cornelia Schindler (Architektin),
­Liesbeth Waechter-Böhm (Architekturkritikerin)
Susanne Breuss, Kulturwissenschaftlerin, seit
2004 Kuratorin im Wien Museum im Department
Geschichte und Stadtleben, Ausstellungen und
Publikationen zu Themen des Alltags.
Kein österreichischer Architekt hat so viele
Wohnungen geplant wie er, und keiner hat die
Architektenschaft so sehr polarisiert – obwohl
oder vielleicht weil es Harry Glück seit den
1960er-Jahren gelungen ist, im sozialen Wohnbau
eine unvergleichlich hohe Wohnzufriedenheit zu
schaffen. Im Buch geht Reinhard Seiß gemeinsam
mit elf renommierten AutorInnen der Frage nach,
worin die Bedeutung des bald 90-jährigen Architekten für den Wohnbau liegt.
Eintritt frei!
In Kooperation mit dem Müry Salzmann Verlag.
Eintritt frei!
15
veranstaltungen
KONZERTREIHE
Sonus Saxophonquartett © Rita Skof / Starrydynamo Studios
JUNGE TALENTE
KAMMERMUSIK IM
SCHUBERT- UND HAYDNHAUS
In Kooperation mit BASIS.KULTUR.WIEN und dem
Joseph Haydn Institut für Kammermusik
Eintritt frei!
SO, 18. JAN, 16 UHR
SCHUBERT GEBURTSHAUS
SO, 17. Mai, 16 UHR
SCHUBERT GEBURTSHAUS
Werke von Copland und Schubert.
Werke von Grieg, Bartók, Escaich und Schubert.
SO, 15. FEB, 16 UHR
HAYDNHAUS
SO, 21. JUNI, 16 UHR
HAYDNHAUS
Werke von Berlioz, Schubert und Wagner.
Werke von Haydn und Mendelssohn Bartholdy.
TRIO POLYCHORD
SCHUBERT UND DIE MODERNE
DUO MIRIAM ALBANO
UND JOELLE BOUFFA
EIN LIEDERBLUMENSTRAUSS
SONUS SAXOPHONQUARTETT
ALTES IN NEUEM GEWAND
DAS MELANGE QUARTETT
1809: DER EINE STIRBT, DER ­ANDERE
WIRD GEBOREN
SO, 22. MÄRZ, 16 UHR
SCHUBERT GEBURTSHAUS
KLAVIERQUARTETT NEKO
ZURÜCK ZU DEN WURZELN
Werke von Brahms, Mahler, Schubert, Strauss
und Turina.
Trio grazioso
Stella Maria Schletterer (Gitarre)
Werke von Haydn, Carl Philipp Emanuel Bach,
Wilhelm Friedemann Bach, Locatelli und Sor.
16
Das Melange Quartett, Foto: Privat
SO, 19. APRIL, 16 UHR
HAYDNHAUS
veranstaltungen
Julius Schmid: Marie von Ebner-Eschenbach in ihrem Arbeitszimmer, 1894
© Wien Museum
konzert
DO, 29. JAN, 18.30 Uhr
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
MUSIK IM MUSEUM
In der Pause jeweils kunsthistorische Vorträge
von Karl Schütz, dem ehemaligen Direktor der
Gemäldegalerie des KHM.
Gesamtleitung: Eduard Melkus
buchpräsentation
MI, 28. JAN, 18.30 UHR
UHRENMUSEUM
LOTTI, DIE UHRMACHERIN
ROMAN DER DICHTERIN
und ­UHRENSAMMLERIN
MARIE VON ­EBNER-ESCHENBACH
Marie von Ebner-Eschenbach gehört zu den
­bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen. Den Durchbruch brachte ihr 1880 der
Roman „Lotti, die ­Uhrmacherin“, in dem sie ihre
eigene Leidenschaft für ­Uhren ­verarbeitet und ein
erstaunlich modernes ­Frauenbild zeichnet. Die
wertvolle Uhrensammlung der Schrift­stellerin
befindet sich im Bestand des Uhren­museums.
Evelyne Polt-Heinzl, Daniela Strigl und Ulrike
Tanzer, die Herausgeberinnen der neuen, auf vier
Bände angelegten Leseausgabe Marie von EbnerEschenbachs, stellen die Schriftstellerin vor und
präsentieren Passagen zum Thema „Uhren“. Im
Anschluss führt ­Kuratorin Eva-Maria Orosz zu
den Uhren von Marie von Ebner-Eschenbach.
Das Tokio-Wien-Quartett (Toshio Oishi, Violine,
Eri Ota, Violine, Mari Adachi, Viola, Reine Hirano,
Violoncello) spielt:
W. A. Mozart: Streichquartett D-Dur, KV 575
F. Schubert: Streichquartett d-moll
„Der Tod und das Mädchen“
Eintritt frei!
DO, 23. APRIL, 18.30 Uhr
Das Ensemble E. Melkus (Thomas Böttcher,
V
­ ioline, Karin Reda, Flöte, Harald ­Schlosser,
Klarinette) spielt:
A. Schönberg: „Verklärte Nacht“
H. Gal: Trio für Flöte und zwei Violinen
F. Krommer: Concertino für Violine, Flöte,
­Klarinette und Streicher
In Kooperation mit dem Verein Capella Academica Wien.
Karten unter 0664-210 68 08 und
[email protected]
Um Anmeldung wird gebeten bei Anna Willim: [email protected] oder (+43) 02742 802-1612
In Kooperation mit dem Residenz Verlag.
Eintritt frei!
17
veranstaltungen
LESUNGEN SO, 8. FEB, 14–19 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
> Ich bin ich S. 4
25 x MIRA LOBE
LESEMARATHON
Fünf Stunden lang sind im Atrium des Wien
Museums Texte aus Büchern von Mira Lobe zu
hören. Ausgewählt und gelesen werden sie von
25 Persönlichkeiten aus Kultur, Publizistik oder
Politik.
Alle Gäste haben eine persönliche Beziehung zu den zeitlosen Büchern von Mira Lobe: Weil sie ­ihnen als Kinder vorgelesen wurden. Weil sie selbst Vorlesende waren oder sind. Weil sie Mira Lobe persönlich kannten. Oder weil sie an der Ausstellung „Ich bin ich – Mira Lobe und Susi Weigel“ mitgewirkt haben.
Es lesen:
Barbara Coudenhove-Kalergi, Journalistin
Larissa Cerny, Grafikerin
Bernhard Fetz,
Direktor Österreichisches Literaturarchiv
Heinz Fischer, Bundespräsident
Margit Fischer,
Vorsitzende ScienceCenter-Netzwerk
Sabine Haag,
Generaldirektorin Kunsthistorisches Museum
Petra Hartlieb, Buchhändlerin und Schriftstellerin
Paulus Hochgatterer,
Jugendpsychiater, Schriftsteller
Heinz Janisch, Schriftsteller
Rudi Klein, Witzzeichner
Herbert Lackner, Journalist
Reinhardt Lobe, Psychoanalytiker, Sohn von Mira Lobe
Siegfried Loos, polar÷ architekten
Elisabeth Menasse-Wiesbauer,
Direktorin ZOOM Kindermuseum
Lisa Noggler-Gürtler, Ausstellungskuratorin
Christine Nöstlinger, Schriftstellerin
Sylvie Rohrer, Schauspielerin
Klaus Rott, Schauspieler
Ernst Seibert, Kinder- und Jugendbuchforscher
Danielle Spera, Direktorin Jüdisches Museum
Clarissa Stadler, Journalistin
Die Strottern, Musiker
Folke Tegetthoff, Märchenerzähler
Renate Welsh, Schriftstellerin
Gabriele Zuna-Kratky,
Direktorin Technisches Museum
Der genaue Zeitablauf wird erst knapp vor der Veranstaltung
festgelegt und findet sich ab 29.Jänner unter
www.wienmuseum.at
Eintritt frei!
18
veranstaltungen
„Roma zurück nach Indien“, Tafel, 2005
© Bundesministerium für Inneres, Abteilung IV/7, Mauthausen Memorial
VORTRAG / BUCHVORSTELLUNG
DI, 24. FEB, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
> Ich bin ich S. 4
GEORG HUEMER
MIRA LOBE
DOYENNE DER ÖSTERREICHISCHEN
KINDER- UND JUGENDLITERATUR
> Romane Thana S. 6
VOR 20 JAHREN
DIE MORDE VON OBERWART
WAS ÄNDERTE SICH FÜR DIE ROMA?
Mit Rudolf Sarközi (Obmann des Kulturvereins
österreichischer Roma), Manuela Horvath
­(Studentin aus Oberwart, Mitarbeiterin der Ausstellung „Romane Thana“), Erich Maria Schneller
(Autor des Buches „Zigeuner. Roma. Menschen“)
Einleitung und Moderation: Gerhard Baumgartner
(Dokumentationsarchiv des österreichischen
Widerstandes)
In der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1995
­wurden vier Bewohner der Roma-Siedlung in
Oberwart durch eine Rohrbombe getötet, die
auf der Zufahrtsstraße platziert worden war,
versteckt im Ständer eines Schildes mit der
Aufschrift „Roma zurück nach Indien“. Der
B
­ ombenanschlag war der erste rassistisch
motivierte Mord in Österreich nach 1945. Der
Atten­täter Franz Fuchs wurde 1997 verhaftet und
zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt.
In Kooperation mit dem Depot.
Einleitung: Heidi Lexe (Institut für Germanistik/
Uni Wien; Leiterin der STUBE)
Kommentar: Heinz Janisch (Kinderbuchautor)
Mira Lobe: eine jüdische Intellektuelle, die nach
einer von Flucht und Ausgrenzung geprägten
Biografie 1950 in Österreich eine neue Heimat
fand und hier zur Zentralfigur einer sich erneuernden Kinderliteratur wurde. Die erste große
Lobe-Biografie basiert auf dem Nachlass der
Autorin und zahlreichen Interviews.
Georg Huemer, Literatur- und Kulturwissenschaftler, von
2007 bis 2014 am Ludwig ­Boltzmann Institut für Geschichte
und Theorie der Biographie, Co-Kurator der Ausstellung
„Ich bin ich – Mira Lobe und Susi Weigel“.
In Kooperation mit dem Praesens Verlag.
Eintritt frei!
Mira Lobe, Wien 1960er-Jahre, Foto: Fred Prager
DISKUSSION
mI, 18. FEB, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
Eintritt frei!
19
veranstaltungen
> Romane Thana S. 6
mozes f. HEINSCHINK
CHRISTIANE FENNESZ-JUHASZ
DIE SPRACHE DER ROMA
ZUR SAMMLUNG heinschink
im phonogrammarchiv DER
­AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
Mozes F. Heinschink, seit 1959 Beschäftigung mit
Sprache und Kultur der Roma und Sinti. Seine
Sammlung ethnografischer Tondokumente befindet sich im Phonogrammarchiv.
Christiane Fennesz-Juhasz, Ethnomusikologin,
Kustodin im Phonogrammarchiv, u. a. zuständig
für die Sammlung Heinschink.
18.15 UHR
> Romane Thana S. 6
TimeA JUNGHAUS
OPPOSITION IS NOT ENOUGH
THE ROLE OF ROMA ART IN THE
CONTEMPORARY CONSTELLATION
Timea Junghaus, ungarische Kunsthistorikerin,
leitet seit 2005 das „Roma Cultural Participation
Project“ in Budapest, 2007 war sie Kuratorin des
internationalen Roma-Pavillons „Paradise Lost“
auf der Biennale in Venedig. Ausstellungen u. a.
zur Kunst der Roma-Frauen.
Eintritt frei!
© Nora Schoeller
VORTRÄGE
DO, 26. FEB, 17.30 UHR
wien MUSEUM KARLSPLATZ
BUCHVORSTELLUNG / GESPRÄCH
MI, 4. MÄRZ, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
DIE WIENER RINGSTRASSE
DAS BUCH ZUM JUBILÄUM
Einführung: Alfred Fogarassy (Herausgeber)
Gespräch: Andreas Nierhaus (Architekturhistoriker, Kurator Wien Museum) mit Monika Faber
(Fotohistorikerin), Siegfried Mattl (Zeithistoriker)
und András Pálffy (Architekturbüro Jabornegg &
Pálffy).
Das Jahr 2015 steht ganz im Zeichen des Jahrhundertprojekts Ringstraße. Vor 150 Jahren, am
1. Mai 1865, wurde der Prachtboulevard eröffnet.
Schon vor den Ausstellungen zum Jubiläum –
jene des Wien Museums beginnt am 11. Juni – erscheint ein repräsentatives Buch mit
­Fotografien von Nora Schoeller, vielen noch nie publizierten historischen Aufnahmen und
wissenschaftlichen Beiträgen.
Im Expertengespräch werden historische und
gegenwärtige Perspektiven auf die „Hauptstraße
des 19. Jahrhunderts“ behandelt.
In Kooperation mit dem Verlag Hatje Cantz.
Eintritt frei!
20
> Der Ring S. 12
veranstaltungen
STUDIENPRÄSENTATION / DISKUSSION
DO, 5. MÄRZ, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
> Romane Thana S. 6
BESSERER BILDUNGSZUGANG
FÜR ROMA!
PRÄSENTATION DER
ROMBAS-STUDIE
Mit: Mikael Luciak (wissenschaftlicher Leiter der
Studie, Initiative Minderheiten), Tamara Weinrich
und Usnija Buligovic (Mitarbeiterinnen der Studie),
Andrea Härle (Romano Centro)
Diskussionsleitung: Serdar Erdost (ORF Radio,
Volksgruppensendungen)
Eine neue Studie zeigt auf, was sich in den
vergangenen 75 Jahren für Roma und Sinti im
österreichischen Bildungswesen verändert hat:
von Ausgrenzung und Schulverbot über vermehrte Zuweisungen in Sonderschulen bis hin zu
stärkerer Bildungsbeteiligung unter oft anhaltender sozialer Benachteiligung. Ein inklusiver
Forschungszugang – Roma und Sinti waren auch
als Interviewer beteiligt – ermöglicht Einblicke in
sehr unterschiedliche Bildungserfahrungen, die
auf vielfältige Weise gesellschaftliche Stereotype
kontrastieren.
VORTRÄGE
DO, 12. MÄRZ, 17.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
> Romane Thana S. 6
MARKUS WEIGL
FREMDMACHUNG UND
­ENTRECHTUNG
DER POLIZEILICHE
­ORDNUNGS­BEGRIFF „ZIGEUNER“ ­
IN ÖSTERREICH 1918–1938
Markus Weigl, Historiker, beschäftigt sich mit der
Geschichte des Antiziganismus in Österreich.
18.15 UHR
> Romane Thana S. 6
GERHARD BAUMGARTNER
DER VERGESSENE GENOZID
ROMA UND DER HOLOCAUST
Gerhard Baumgartner, Historiker, seit
2014 wissenschaftlicher Leiter des DÖW,
­ orschungsschwerpunkt u. a. Verfolgungs­
F
geschichte der Roma und Sinti.
Eintritt frei!
In Kooperation mit Initiative Minderheiten
und Romano Centro.
Konzentrationslager Dachau, 20. Juli 1938
Foto: Bundesarchiv Außenstelle Ludwigsburg
Eintritt frei!
21
veranstaltungen
> Romane Thana S. 6
MEDIA FOCUS
di, 10., und mi, 11. MÄRZ, Beginn jeweils 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
EUROPE – A HOMELAND
FOR THE ROMA
ERSTE FOUNDATION FILM NIGHTS
Gezeigt werden Dokumentarfilme zum Leben der
Roma in drei Ländern in Zentral- und Osteuropa.
Im Rahmen der „ERSTE Foundation Roma
Partnership“. Produziert wurden die Filme von
„­Transitions Online“ in Kooperation mit Center for
Independent Journalism (CIJ) / Budapest; ­
MEMO 98 / Bratislava; Media Development Center / Sofia; Romea / Prag; Center for Independent Journalism / Bukarest; School of Communication /
University of Miami.
Präsentation: Alina Serban und Hajnalka Bessenyei (Erste Stiftung)
Home is Home (SK): In Krásnohorské Podhradie,
einem kleinen slowakischen Dorf nahe der ungarischen Grenze, ist die ansässige Roma-Community
von Übergriffen und Absiedelung bedroht.
In the Shadow of Roma (CZ): Auf dem Gelände des
ehemaligen tschechischen KZ Lety befindet sich
seit Jahrzehnten ein Schweinemastbetrieb: Diese
Entwürdigung des Erinnerungsortes symbolisiert
das auch in Tschechien noch immer fehlende
Bewusstsein für die NS-Verbrechen an den Roma.
MI, 11. MÄRZ, 18.30 uhr
Locating Roma – on the chances following
your talents
Fading Notes (HU): Musik der Roma hat in Ungarn
eine lange Tradition. Noch Anfang der 1990erJahre spielten bis zu 5000 MusikerInnen in den
Restaurants des Landes. Doch immer weniger
Lokale können sich Live-Musik leisten – für die
Roma nicht nur ein finanzielles Problem, sondern
auch eine Gefährdung ihrer kulturellen Identität.
Filmstill „Because there is Hope“
Stage Dreams (HU): In den 1970er-Jahren wurde
Gyula Sárközi, der aus ärmsten Verhältnissen
stammt, zum Ballettstar. Heute hilft er mit seiner
Musiktanzschule Madách benachteiligten Kindern
und Jugendlichen der Roma.
DI, 10. MÄRZ, 18.30 uhr
Roma Homelands – the rise of the extreme
right in Europe and remembrance work
Because there is Hope (CZ): Im Zentrum steht
eine Sozialinitiative in der Kleinstadt Krupka im
Nordwesten der Tschechischen Republik: In einer
Gegend, in der es immer wieder zu rassistischen
Übergriffen kommt, finden Roma-Jugendliche
mithilfe des Hip-Hop zu ihren kulturellen Wurzeln.
22
The Candidate (SK): Auf lokaler und regionaler
Ebene gibt es in der Slowakei immer mehr RomaPolitiker. Der Aktivist Stano Daniel kandidierte
2014 erstmals für das Europäische Parlament mit
dem Ziel, national und europaweit auf die sozialen
Probleme seiner Volksgruppe aufmerksam zu
machen.
Details unter www.romahomeland.org
In Kooperation mit der ERSTE Stiftung.
Eintritt frei!
veranstaltungen
Roman Ondák: Ein Museum, 2009, Foto: Lisa Rastl © Wien Museum
VORTRÄGE / DISKUSSION
DO, 19. MÄRZ, 18.30 UHR
FR, 20. MÄRZ, 9.30 UHR, 14.30 UHR, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
internationale TAGUNG
DIE ZUKUNFT DER STADTMUSEEN
Stadtmuseen wie das Wien Museum sind Zukunftsmodelle. Denn immer mehr Menschen
unterschiedlicher Herkunft leben in Großstädten,
sie alle sollen sich in „ihrem“ Museum repräsentiert fühlen.
Zugleich müssen Stadtmuseen schneller und
beweglicher sein als große Tanker wie Nationaloder Landesmuseen. Es geht um Aktualität und
neue Lebensverhältnisse, um Migration, Mobili­tät
und urbane Mythen. Es geht auch darum, Sammlungen neu zu befragen, das Stadtmuseum als
Diskussions- und Veranstaltungsort zu ­etablieren.
Schlagwörter zirkulieren: Partizipation, Stadtforum, inklusives Museum, das Museum als
Schlüsselort im Städtetourismus. „Hier kommt
man Wien auf die Spur“, lautet ein Slogan des
Wien Museums, „Neues aus der Vergangenheit“
ein anderer.
Nehmen sich die Stadtmuseen zu viel vor? Wie
werden sie sich 2020 präsentieren? Eingeladen
sind Direktorinnen und Direktoren von ausgewählten europäischen Museen, die Veränderungs­
prozesse durchlaufen. Sie berichten von ihrer
Arbeit und stellen ihre Visionen zur Diskussion.
Ein Beispiel stammt aus den USA, wo häufig
Community-Arbeit im Zentrum der Museums­
praxis steht.
Eintritt frei!
VORTRÄGE / PRÄSENTATIONEN
DO, 19. MÄRZ, 18.30 UHR
Wolfgang Kos, Direktor Wien Museum (bis September 2015)
Lisa Yun Lee, Direktorin Jane Addams HullHouse, Chicago
FR, 20. MÄRZ, 9.30 UHR
Marie-Paule Jungblut, Direktorin Historisches Museum Basel
Joan Roca, Direktor Museu d’Història de
B
­ arcelona (angefragt)
Anja Dauschek, Leiterin Planungsstab
S
­ tadtmuseum Stuttgart
FR, 20. MÄRZ, 14.30 UHR
Jan Gerchow, Direktor Historisches Museum Frankfurt
Paul Spies, Direktor Amsterdam Museum
FR, 20.MÄRZ, 18.30 UHR
Matti Bunzl, Direktor Wien Museum (ab Oktober 2015)
Anschließend Diskussion mit Bernhard Tschofen, Professor für Populäre Kulturen an der ­Universität
Zürich, und den ReferentInnen.
23
veranstaltungen
HÖRBILDER
DO, 9. APRIL, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
Foto: Pawel Mazur
AUSSTELLUNG FÜR EINEN ABEND
WIE KLANG WIEN?
PETER WALDENBERGER stellt
SOUNDS AUS STÄDTEN vor
Sound-Consultant: Josef Schütz
> Mythos Galizien S. 8
JACEK PURCHLA
GALIZISCHE MYTHEN
WO EINANDER ERINNERUNGEN
TREFFEN
Vortrag auf Polnisch und Deutsch
„Galizien ist – ähnlich wie überhaupt Mitteleuropa – in erster Linie eine komplizierte Beziehung
zwischen Zeit und Raum. Sowohl real als auch
imaginär ist Galizien ein Territorium, wo einander
die Erinnerungen treffen. Die Erinnerungen von
Polen, Ukrainern, Österreichern, Juden, aber
auch von Tschechen, Ungarn oder Armeniern.
Gekrönt wird das Ganze von der Erinnerung an ein
‚verlorenes Paradies‘, das heute exterritorial ist.“
(Jacek Purchla im Katalog „Mythos Galizien“)
Jacek Purchla, Historiker. Professor an der JagellionenUniversität und an der Ökonomischen Universität in Krakau,
1990/1991 Vizebürgermeister von Krakau. Themenschwerpunkte: Stadtentwicklung, Denkmalschutz, Kulturgeschichte
des 19. und 20. Jahrhunderts.
Seit 1991 Direktor des Internationalen Kulturzentrums (ICC) in
Krakau. Initiator der Ausstellung „Mythos Galizien“, Mitherausgeber des Katalogs.
Eintritt frei!
24
Eine Ausstellung mit ausschließlich akustischen
Exponaten, die dennoch Bilder evozieren und die
Stadt sinnlich erlebbar machen. Wie klang die
Tram­way vor 50, wie vor 30 Jahren? Wie veränderte
sich der Verkehrslärm der Stadt? Historische
­Geräuschaufnahmen aus dem Radioarchiv führen
an unterschiedliche Orte, in das Wiener Kanal­
system ebenso wie in den Prater oder ins Beisl.
Zu hören sind Klänge aus Wien und anderen
Städten, die Peter Waldenberger u. a. für die
„Diagonal-Stadtporträts“ aufgenommen hat. In
dieser Klangshow werden die Sounds zu einer
Weltlandschaft des Urbanen gemixt.
Peter Waldenberger, Radiojournalist, Feature­gestalter und
Filmemacher, Redakteur der Ö1-Reihe „Diagonal“.
Josef Schütz, Lehrbeauftragter für Musikaufnahme an der
Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.
Eintritt frei!
Foto: Joseph Schimmer
VORTRAG
FR, 27. MÄRZ, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
veranstaltungen
Buchpräsentation / ZeitzeugengespräcH
DDI, 14. APRIL, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
DISKUSSION
DO, 16. APRIL, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
Evelyn Steinthaler (Milena Verlag) stellt ihr Buch „Wien 1945“ vor und spricht mit den
Z
­ eitzeugen Rudolf Gelbard (Shoah-Überlebender),
Vilma Neuwirth (Fotografin, Autorin von
„­ Glockengasse 29. Eine jüdische Arbeiterfamilie in
Wien“), Käthe Sasso (Widerstandskämpferin) und
Richard Wadani (Wehrmachts­deserteur, Aktivist).
Präsentation der Studie „Beschäftigungssituation
von Personen mit Migrationshintergrund in Wien“:
Petra Wetzel (L&R Sozialforschung)
WIEN 1945
KRIEGSENDE UND AUFBRUCH
Das Ende des Zweiten Weltkriegs jährt sich zum
70. Mal. Im April 1945 befreite die Rote Armee
Wien von den Nationalsozialisten. Das Buch „Wien
1945“ dokumentiert die wichtigsten Ereignisse
zu Kriegsende und die ersten Monate der Besatzungszeit, erinnert an allerletzte Kriegs­dramen
wie die Erschießungen in der Förstergasse, den
Brand des „Steffls“ oder den Schwarzmarkt
auf dem Karlsplatz. Zentral in dem Buch sind
­Erinnerungen von Zeitzeugen.
Evelyn Steinthaler arbeitet als Herausgeberin, Übersetzerin
und Autorin in Wien. Vielfältige Arbeit im freien Kulturbereich.
Bruno Kreisky-Anerkennungspreis für das Politische Buch
2008 für „Frauen 1938“.
In Kooperation mit dem Milena Verlag.
© Milena Verlag
Eintritt frei!
> Romane Thana S. 6
MIGRATION UND arbeitsmarkt
zur situation zugewanderter
ROMA UND KURDEN
Einführung: Josef Wallner (Leiter Abteilung
­Arbeitsmarkt und Integration in der AK Wien)
Diskussion mit Soma Ahmad (Politologin), Barka
Emini (Bildungs- und Berufssberaterin), Andrea
Härle (Romano Centro), Elizabeta Jonuz (Bildungs­
forscherin und Migrationssoziologin, Uni­versität
Köln), Jean Kepez (Verband der kurdischen
V
­ ereine), Susanne Pfanner (Leiterin der RomaKontaktstelle im Bundeskanzleramt)
Diskussionsleitung: Mevlüt Kücükyasar (Referent Bildungspolitik in der AK Wien)
Im Rahmen der von der AK beauftragten Studie
„Beschäftigungssituation von Personen mit Migrationshintergrund in Wien“ wurde am Beispiel der
Roma und Kurden erstmals auch die Situation von
Angehörigen ethnischer Minderheiten erhoben. Der
größte Teil der rund 30.000 bis 35.000 in Österreich
lebenden Roma ist seit den 1960er-Jahren zugewandert, zuerst als Gast­arbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien, in jüngster Zeit vor allem aus
dem östlichen Mitteleuropa, wo die soziale Lage der
Roma besonders prekär ist. ­Jeder fünfte Roma hatte zum Zeitpunkt der Interviews keine Arbeitsstelle.
In Kooperation mit der Arbeiterkammer Wien.
Eintritt frei!
25
veranstaltungen
VORTRAG MIT MUSIK / KONZERT DI, 28. APRIL, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
> Romane Thana S. 6
POPMUSEUM MIT WOLFGANG KOS
„WENT TO SEE THE GYPSY“
MYTHOS FREIHEIT
VORTRAG
DI, 21. APRIL, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
> Mythos Galizien S. 8
MARTIN POLLAcK
POST-GALIZISCHE MYTHEN
NOSTALGIE UND SCHULDGEFÜHL
„Galizien, das war ein von Granaten umgepflüg­tes
Schlachtfeld, ein gigantischer Friedhof. Auf Jahre
hinaus wurde das Kronland, das 1918 von den
politischen Landkarten verschwand, zu einer unheilschwangeren Metapher für den Krieg, für das große Schlachten und elende Sterben. Später geriet das ferne Land in Vergessenheit […]“
(Martin Pollack im Katalog zu „Mythos Galizien“)
Martin Pollack studierte Slawistik und G
­ eschichte, Redakteur
beim „Wiener Tagebuch“ (1976–1984) und beim „Spiegel“
(1987–1998), seither freier Autor und Übersetzer aus dem
Polnischen. Als einer der Ersten schrieb Pollack über die
historischen Regionen Galizien und ­Bukowina. Bücher u. a.:
„Galizien. Reise durch eine verschwundene Welt“ (1984),
­„Kaiser von Amerika – Die große Flucht aus Galizien“ (2010).
Eintritt frei!
Anschließend
KONZERT
DIKNU SCHNEEBERGER TRIO
Foto: Diknu Schneeberger
Foto: Ayse Yavas
Musikbeispiele von Folk und Jazz bis Rock und
Rap: mit Django Reinhardt, Woody Guthrie, Van
Morrison, Steeleye Span, Santana, Jimi Hendrix,
Gypsy Love, Gogol Bordello, Lady Gaga, KAL u. a.
Diknu Schneeberger, Gitarre
Martin ­Spitzer, Rhythmusgitarre
Joschi Schneeberger, ­Kontrabass
Mit seinem 2007 erschienenen Debütalbum
­„Rubina“ sorgte der damals 17-jährige Wiener
Gitarrist für Furore und wurde zum Shooting Star
der internationalen Gypsy-Jazz-Szene. Es folgten
die Alben „The Spirit of Django“ und „Friends“.
Inzwischen hat der Gitarrenvirtuose, dessen Vater
im Trio den Bass spielt, seine auf Swing à la Django
Reinhardt basierende Musik weiterent­wickelt.
Eintritt frei mit gültigem Museumsticket!
26
veranstaltungen
> Mythos Galizien S. 8
Roma in Raiding in Burgenland, 1930er-Jahre © Burgenländisches Landesarchiv
BUCHVORSTELLUNG / KONZERT
DO, 30. APRIL, 18.30 uhr
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
Philipp Mettauer,
Barbara Staudinger (Hg.)
„OSTJUDEN“ –
GESCHICHTE UND MYTHOS
Studien Verlag (Innsbruck-Wien-Bozen 2015)
Um 1900 veränderte sich die jüdische Welt Mittel­
europas. Pogrome und wirtschaftliche Not hatten
zur Folge, dass osteuropäische Juden massenhaft
in den Westen migrierten, in Metropolen wie Wien
genauso wie nach Amerika. Die meist religiösen
„Ostjuden“ trafen dort auf weitgehend integrierte
„West­juden“ und ein völlig neues Umfeld.
Eine Perspektive des Buches führt in den Osten,
zu den jüdischen Gemeinden Galiziens. ­Andere
Beiträge setzen sich mit den „Ostjuden“ im
Westen auseinander: mit Wien, Migration und
Menschenhandel, mit Kulturtransfer.
Kurzreferate von Philipp Mettauer, Peter Becker
und Barbara Staudinger.
Dazwischen und anschließend
KONZERT
KLEZMER RELOADED
Maciej Golebiowski, Klarinetten
Alexander Shevchenko, Bajan (Knopfakkordeon)
Das polnisch-russische Duo kam vor 13 Jahren
nach Wien, 2008 erschien die erste CD, 2011 folgte
das Album „MAHLER reloaded“. Inspiriert von
Jazz, Folk, Klassik u. a. fanden die Musiker ihren
Zugang zum ostjüdischen Klezmer.
In Kooperation mit dem Institut für jüdische Geschichte
Österreichs.
Eintritt frei!
VORTRÄGE
DI, 5. MAI, 17.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
> Romane Thana S. 6
ERIKA THURNER
ROMA IN ÖSTERREICH
WEICHENSTELLUNGEN
IN DER zweiten REPUBLIK
Erika Thurner, Historikerin, Institut für
Politikwissenschaft der Universität Innsbruck,
Forschungsschwerpunkte u. a.: Minderheiten,
Migration, Frauen- und Genderforschung,
Zigeunerverfolgung im Nationalsozialismus.
DI, 5. MAI, 18.15 UHR
> Romane Thana S. 6
HELMUTH FIGDOR
WO SIND SIE, VOR DENEN
WIR UNS FÜRCHTEN dürfen?
DAS ANDERE/FREMDE IN UNS
Helmuth Figdor, Psychoanalytiker und Univ.-Doz.
am Institut für Musikpädagogik, Universität für
Musik und darstellende Kunst Wien.
Eintritt frei!
27
veranstaltungen
PRÄSENTATION von kunsthandwerk > Romane Thana S. 6
sa, 9. mai, so, 10. mai, jeweils 10–18 UHR
Illustration: BettelLobbyWien
ROMANO BUTIQ
ROMA-DESIGN AUS BUKAREST
IM WIEN MUSEUM
DISKUSSION
MI, 6. mai, 18.30 UHR
> Romane Thana S. 6
BETTELN: GERÜCHTE UND FAKTEN
Mit Ulli Gladik (Filmemacherin, u. a. Dokumentation „Natasha“), Ferdinand Koller (BettelLobbyWien, Autor von „Betteln in Wien“, pädagogischer
Leiter Romano Centro) u. a.
Eine mobile Boutique aus Bukarest vor dem Wien
Museum: Erstmals außerhalb Rumäniens werden
Designprodukte vorgestellt und angeboten, die
von Roma entworfen wurden. Die Kooperative
„Romano ButiQ“ wurde 2011 gegründet, um das
kulturelle und künstlerische Erbe der RomaCommunity zu bewahren und zu fördern. Die
BesucherInnen sind eingeladen, das eine oder
andere Produkt aktiv mitzugestalten.
In Kooperation mit der Erste Stiftung.
Eintritt frei!
Der Film „Natasha“ von Ulli Gladik zeigt den
Alltag einer Bulgarin, die mehrmals jährlich nach
Österreich fährt, um ihre Familie zu ernähren.
Eine typische Geschichte: Die meisten Menschen,
die bei uns betteln, kommen aus der Slowakei,
Ungarn, Bulgarien und Rumänien, viele von ihnen
sind Roma und Romnija. Speziell über sie kursieren immer wieder vage Gerüchte: „Organisierte
Banden aus Rumänien erbetteln in Österreich
Millionen“, titelte etwa das Wirtschaftsmagazin
„Format“.
Eintritt frei!
28
Foto: Gabi Balanescu
Diskussionsleitung: Peter Huemer (Historiker und Publizist)
veranstaltungen
WIENER VORLESUNG
MO, 11. MAI, 18.30 UHR
> Romane Thana S. 6
Franz Liszt spricht in seinem Buch „Die Zigeuner
und ihre Musik in Ungarn“ mit Empathie vom
„Zigeunergefühl“ – von ihrer bedingungslosen
Leidenschaft und Liebe zu Freiheit und Natur. Er
glaubte, eine innere emotionale Verwandtschaft
zu verspüren. Wie zahlreiche andere Künstler an
der Schwelle des industriellen Massenzeitalters
bewunderte er aus der Distanz die Unabhängigkeit der „Zigeuner“ und deren Musik und Tänze.
Doch ist die Zigeunerromantik schnell vergessen, wenn Roma in den Dörfern und Städten
auftauchen. Dann gelten die „freien Zigeuner“ als
gemeine Diebe und Lügner, unzähmbare Wilde
oder Bande von asozialen Schmarotzern. Wie
dieses Spannungsverhältnis zwischen jahrhundertealtem Hass und romantischer Faszination
entstehen und sich bis heute halten konnte,
zeigt Klaus-Michael Bogdal in seinem brillant
recherchierten und hochaktuellen Buch „Europa
erfindet die Zigeuner “.
© Jan Scheffner
KLAUS-MICHAEL BOGDAL
DAS „ZIGEUNERGEFÜHL“
WIE PASSEN FASZINATION UND
VERACHTUNG ZUSAMMEN?
KONZERT
SO, 17. MAI, 18.00 UHR
> Romane Thana S. 6
FINISSAGE „ROMANe THANA“
KARL RATZER TRIO
Zum Abschluss der Ausstellung „Romane Thana –
Orte der Roma“ tritt mit dem Jazz-Gitarristen und
Komponisten Karl Ratzer einer der bekanntesten
Roma-Musiker Österreichs auf. Ratzer kam 1950
in Wien als Sohn von Karl Stojka zur Welt, sein
Cousin ist der Jazzmusiker Harri Stojka.
In Kooperation mit den Wiener Vorlesungen.
Begonnen hat Ratzer in den Wiener Klubs der
1960er-Jahre: Mit 15 Jahren wurde er Gitarrist
und Sänger der R&B-Band „Slaves“, es folgten
„C-Department“ und „Gypsy Love“. 1972 ging
Ratzer in die USA, wo er bei zahlreichen Funk-,
Soul- und Jazz­projekten mitwirkte. Es entstanden
Aufnahmen u. a. mit Jeremy Steig und Chet Baker.
1980 kehrte Ratzer nach Wien zurück, seither
spielt er mit eigenen Jazzformationen. Zuletzt
erschien 2014 die CD „Underground System“.
Eintritt frei!
Eintritt frei mit gültigem Museumsticket!
Klaus-Michael Bogdal, Literaturwissenschaftler, Universität
Bielefeld. Für „Europa erfindet die Zigeuner“ (2013, Suhrkamp)
erhielt er den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung.
29
veranstaltungen
VORTRaG
MI, 20. MAI, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
> Mythos Galizien S. 8
> Mythos Galizien S. 8
TAGUNG
DO, 21. MAI, 9–18 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
FR, 22. MAI, 9–18 UHR
POLNISCHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN IN WIEN
LARRY WOLFF
Imagining Galicia:
INTERNATIONALE KONFERENZ
Mythology and Mental Mapping GALIZIEN IN BEWEGUNG
WAHRNEHMUNGEN,
In seiner grundlegenden Publikation „Inventing
Eastern Europe“ hat der amerikanische Historiker
­BEGEGNUNGEN, VERFLECHTUNGEN
herausgearbeitet, dass die Vorstellung eines weniger „zivilisierten“ Osteuropa erst mit der Aufklärung des 18. Jahrhunderts entstanden ist.
Auch Galizien war eine Region im ideologischen
Spannungsfeld zwischen „östlich“ und „westlich“,
zwischen kultureller Imagination und geopolitischer Realität. Mit dem Buch „The Idea of Galicia“,
in dem es um „Geschichte und Fantasie“ in der
politischen Kultur der Habsburgermonarchie geht,
lieferte Larry Wolff einen wichtigen Beitrag zur
aktuellen Auseinandersetzung mit Galizien und
seinen kulturellen Bedeutungen.
Larry Wolff, Professor für Geschichte an der New York
University, European and Mediterranean Studies. Bücher u. a.:
„Inventing Eastern Europe: The Map of Civilisation on the Mind
of the Enlightenment“ (1994), „The Idea of Galicia“ (2010).
Der Vortrag leitet die Tagung „Galizien in Bewegung“ ein.
In Kooperation mit dem Doktoratskolleg „Galizien und
sein multikulturelles Erbe“.
Eintritt frei!
Fast ein Jahrhundert nachdem 1918 mit dem
Habsburgerreich auch dessen östlichste Provinz
von den Landkarten verschwand, lebt der Mythos
Galizien scheinbar ungebrochen fort. Nach dem
Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die von
der Geschichte verschüttete Region ab 1989 neu
entdeckt, literarisch, historiografisch sowie in
politischen Debatten – bis hin zur Vorstellung
einer Wiege der polnischen wie ukrainischen
Nationalbewegungen.
Veranstaltet wird die Konferenz vom interdiszi­
plinären Doktoratskolleg „Galizien und sein multi­
kulturelles Erbe“, das an der Universität Wien
gestartet wurde. Ziel der im Zusammenhang mit
der Ausstellung „Mythos Galizien“ stehenden
Tagung ist, gängige Bilder aufzubrechen und neue
Perspektiven zu öffnen. Die Vorstellung Galiziens
als statische, „unbewegliche“ Peripherie wird infrage gestellt, die unterschiedlichsten Austausch­
beziehungen werden behandelt.
Die Vorträge am ersten Tag finden im Wien Museum statt, jene
am Freitag in der Polnischen Akademie der Wissenschaften
(1030, Boerhaavegasse 35).
Bahnhof Tarnów, Sammlung Marek Sosenko
Programm ab 15. März unter: http://dk-galizien.univie.ac.at
In Kooperation mit dem Doktoratskolleg „Galizien und
sein multikulturelles Erbe“ und der Polnischen Akademie
der Wissenschaften in Wien.
Eintritt frei!
30
veranstaltungen
PRÄSENTATION / DISKUSSION
DI, 2. JUNI, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ
Foto: Herhta Hurnaus
ENTFERNUNG.
ÖSTERREICH IN AUSCHWITZ
NEUGESTALTUNG DER
­ÖSTERREICH-AUSSTELLUNG IM
MUSEUM AUSCHWITZ-BIRKENAU
Einleitung: Hannah Lessing (Nationalfonds für
Opfer des Nationalsozialismus)
KONZERTNACHMITTAG
SA, 30. MAI, 14–18 UHR
schubert gEBURTSHAUS
SCHUBERTIADE IN LICHTENTAL
„FREMD BIN ICH EINGEZOGEN …“
Mit dem „Einsiedlerchor“ – Schulchor der Volksschule Einsiedlergasse (Leitung: Eva ReicherKutrowatz), Cornelia Hübsch (Sopran), Gernot
Heinrich (Tenor) und Eduard Kutrowatz (Klavier)
„Geschichtenerzählerin“ Katharina ­Stemberger
liest aus dem Roman „Schubert“ von Peter
Härtling.
Der Chor der Volksschule Einsiedlergasse im
5. Bezirk setzt sich zum überwiegenden Teil
aus Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache
zusammen. Im Schulchor findet man 16 verschiedene Sprachen, Musik wird als zusätzliche
„Sprache“ genützt. Die musikalische Förderung
findet auch im Rahmen einer Partnerschaft mit
der Musikuniversität Wien statt.
In Kooperation mit der Schubert-Gesellschaft Wien-Lichtental
und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
Eintritt frei!
Vorstellung des Konzepts: Birgit Johler, Albert
Lichtblau (wissenschaftliche Leitung), ­Christiane
Rothländer, Barbara Staudinger, Hannes
­Sulzenbacher (Projektleitung)
Diskussionsleitung: Matti Bunzl (Wien Museum)
Die 1978 eröffnete Österreich-Ausstellung im
Museum Auschwitz-Birkenau stand unter dem
Motto „Österreich – Erstes Opfer des National­
sozialismus“, das lange Zeit Bestandteil der
österreichischen Identität war. Seit vielen Jahren
wurde eine Neugestaltung gefordert, die auch die
Mitverantwortung für die Taten des National­so­
zialsmus berücksichtigt. 2013 wurde die Ausstellung in der Baracke 17 geschlossen. Nach einem
Wettbewerb wurde ein Team mit der Neugestaltung beauftragt.
Das Konzept steht unter dem Titel „Entfernung.
Österreich in Auschwitz“ und verweist auf die
geografische Entfernung „ebenso wie die physische Entfernung der nach Auschwitz Deportierten, aus Österreich und dem Leben“. Die neue
Darstellung wird die Geschichte der österreichischen Opfer und TäterInnen verschränken.
Eintritt frei!
31
veranstaltungen
AUKTION
DI, 9. JUNI, 18.30 UHR
WIEN MUSEUM karlsplatz
OPEN HOUSE MIT SPEZIALPROGRAMM
SO, 14. JUNI, 10–18 UHR
HERMESVILLA
Von Mai bis Juni 2015 bevölkert eine Schar von
Kunstfiguren den Karlsplatz. Die 50 ­lebensgroßen
Figuren der Initiative „Hunger auf Kunst und
Kultur“ werden von Künstlerinnen und Künstlern
aus verschiedenen Sparten gestaltet und setzen
ein Zeichen für das Anliegen, allen Menschen eine
Teilhabe am kulturellen Leben zu ermöglichen.
Zum Abschluss der Aktion können die Figuren im
Wien Museum ersteigert werden.
Nach dem letztjährigen ersten Schwerpunkttag zu Kaiserin Elisabeths Hermesvilla lautet
diesmal das Motto „Ein Sommernachtstraum“.
Die Verwechslungskomödie von William Shakes­
peare war das Lieblingsstück der Kaiserin. Der
berühmte Maler Hans Makart sollte daher das
Schlafzimmer Elisabeths mit Szenen aus dem
„Sommernachtstraum“ ausstatten.
HUNGER AUF KUNST UND KULTUR EIN SOMMERNACHTSTRAUM
DIE KÜNSTLER der ­HERMESVILLA
Auktionator: Otto Hans Ressler
Eintritt frei!
KONFERENZ
FR, 12. JUNI, AB 17 UHR
WIEN MUSEUM karlsplatz
CITYx
ZUKUNFTSIDEEN FÜR DIE STADT
Die Künstler der Hermesvilla stehen an diesem
Tag im Mittelpunkt. Wie kam Makart an den
­Kaiserhof? In welchem Zusammenhang stand
er mit Carl Hasenauer, dem Architekten der
Hermesvilla? Wer war eigentlich jener Bildhauer,
nach dem der „Tilgner-Saal“ in der Hermesvilla
benannt ist? Und wie stand die Kaiserin zu diesen
Künstlern, die ja nicht von ihr, sondern vom Bauherrn Franz Joseph ausgewählt wurden?
„Ideas worth spreading“ – das Motto der großen
kalifornischen TED-Konferenz gilt auch für
deren Wien-Ableger. TEDxVIENNA organisiert
seit 2010 die CITYx-Konferenz mit hochkarätigen
TeilnehmerInnen aus aller Welt. Im Fokus stehen
diesmal Themen wie „Urban Prototyping“ oder
„Wie Städte die Welt retten können“.
Foto: Herhta Hurnaus
Informationen zum Eintritt und Detailprogramm ab Frühjahr
unter www.tedxvienna.at
32
veranstaltungen
14 Uhr:
Die Künstler der Hermesvilla
Führung mit Michaela Lindinger. In der Hermesvilla trafen unterschiedliche Künstler aufeinander: Architekt Carl Hasenauer, Viktor Tilgner als
Bildhauer des Kaisers, der Maler und Dekorateur
Hans Makart sowie Ernst Herter, der deutsche
Lieblingsbildhauer der Kaiserin. Was planten sie
für die Hermesvilla? Woran arbeiteten sie sonst?
Wo sieht man heute ihre Spuren in Wien?
14 Uhr:
Kinderführung zur Geschichte der Hermesvilla
Die Hermesvilla war Kaiserin Elisabeths „Traumschloss“ inmitten des einstigen kaiserlichen
Jagdgebietes (heute Lainzer Tiergarten). Bei der
Führung werden das originale Turnzimmer und
das Schlafzimmer der exzentrischen Kaiserin besucht und viele spannende Geschichten erzählt.
Ab 6 Jahren
Foto: Hertha Hurnaus
11 Uhr:
„For Titania with love“
Führung mit Elisabeth-Biografin und Wien Museum-Kuratorin Michaela Lindinger. Die Hermesvilla als Zauberschloss von „Oberon“ für „Titania“.
Thema dieser Führung sind die Planungen Franz
Josephs und die Ergänzungen Elisabeths.
KONZERTNACHMITTAG
SA, 20. JUNI, 14–18 UHR
beethovenWOHNUNG HEILIGENSTADT
„Beethoven 1815“ und das
Ende des Wiener Kongresses
Studierende und Absolventen der Universität
für Musik und darstellende Kunst Wien ­spielen
Klavierwerke, Kammermusik und Lieder.
D
­ azwischen gibt es kurze historische Vorträge
und Spezialführungen durch das Haus.
In Kooperation mit der Wiener Beethoven-Gesellschaft.
Eintritt frei!
15 Uhr:
„Eine Schande für ganz Österreich“
Filmvorführung „Sisi auf Schloss Gödöllö“ (Regie: Christian Frosch, 1994). Dauer: 40 min
Mit dem „Sommernachtstraum“ beschäftigte sich
auch Filmemacher Christian Frosch in „Sisi auf
Schloss Gödöllö“. Er zeigt eine exaltierte, spielerische Kaiserin, die einen grotesken (Alb-)Traum
inmitten von Feen und Elfen durchlebt. Der Film
wird im Tilgner-Saal vorgeführt.
Anschließend Diskussion mit dem Regisseur.
Eintritt frei!
33
StaDtEXPEDItIOnEn
JEWEIlS FREItaG naChMIttaG
StaDtEXPEDItIOnEn
GeleitetwerdendieStadtexpeditionenvon
ExpertInnen,diealsGästeihrSpezialwissen
einbringen,odervonwissenschaftlichenMitarbeiterInnendesMuseums.Wirfreuenuns
überaktiveMitwirkungderTeilnehmerInnen
undEinbringungeigenerErfahrungen!
Beitrag: EUR13,–
Beschränkte TeilnehmerInnenzahl!
Keine Reservierung per Telefon
und E-Mail möglich!
Die Karten sind im Vorverkauf ab 10. Februar
2015 im Wien Museum Karlsplatz erhältlich.
Kassazeiten: Di–So, 10–18 Uhr
Die Stadtexpeditionen finden bei jedem
Wetter statt.
Bei manchen Routen ist ein gültiger
Fahrausweis für die Wiener Linien
erforderlich.
Foto: Fariba Mosleh
DasWienMuseumalsSchlüsselzurStadt:
ErkundetwerdenhistorischeSchauplätze
undOrte,dievonVeränderungenimurbanen
Alltagerzählen.DieSpurensucheführtins
WienderVergangenheitebensowiehinter
dieKulissenderheutigenStadt.
Fr, 6. MÄrz, 16 uHr
WO ChInatOWn SIChtbaR WIRD
Orte Der CHinesisCHen COMMunitY
MitFariba Mosleh(Kulturwissenschaftlerin,
HerausgeberindesBuches„ViennaChinatown
INvisible“)undRuei-Ran Wu(Musiker)
FriseursalonXiaoFei,ChinaBooks,SinoAsia
Supermarkt,ModegeschäftQiQi,Reisebüro
SunTravel:Dassindnureinigederzahlreichen
AnlaufpunktevoninWienlebendenChinesInnen,
diesichimGrätzlumdieKettenbrückengasse
im4.und5.Bezirkbefinden.BeidiesemstadtethnologischenRundgangwirdderAlltageiner
ansonstenwenigsichtbarenMinderheitmit
vielfältigstenMigrationshintergründenerlebbar.
Dauer: 2 Stunden
Treffpunkt: 1040, Ecke Rechte Wienzeile/Preßgasse
(Terrasse vor dem Restaurant Big Bowl)
34
stadtexpeditionen
FR, 13. MÄRZ, 16 UHR
AM GELÄNDE DES EINSTIGEN NORDBAHNHOFS
DIE LETZTE BEGEHUNG?
Der gigantische Nordbahnhof war der größte
Bahnhof Wiens. Von hier aus fuhren die Züge
in Richtung Brünn, Krakau und Lemberg. 1865
­wurde er eröffnet, in den 1960er-Jahren wurde
der kriegsbeschädigte Prachtbau abgerissen.
Heute erinnert am Praterstern fast nichts mehr
an ihn.
Auch für die Kohlenversorgung Wiens spielte der
Nordbahnhof eine zentrale Rolle. Sein Frachtenbahnhof erstreckte sich über rund 80 Hektar –
das entspricht der Größe von 110 Fußballfeldern.
Nachdem der Bahnhof nicht wiederaufgebaut
wurde, steht das riesige „Nordbahnhofgelände“
seit Jahrzehnten städteplanerisch zur Disposition. Derzeit wird das Areal sukzessive für den
neuen Stadtteil „Nordbahnviertel“ verbaut. Der
Rundgang führt zu den letzten bahngeschicht­
lichen Zeugnissen: Wasserturm, Kohlenrutschen,
ehemalige Ölgasanstalt etc.
Dauer: 2 Stunden
Treffpunkt: 1020, U1-Station Vorgartenstraße/
Ausgang Radingerstraße
Festes Schuhwerk, Begehung auf eigene Gefahr!
Foto: Elisabeth Heimann
Mit Franz Haas (ÖBB) und Sándor Békési
(­Stadthistoriker, Wien Museum)
FR, 20. MÄRZ, 15.30 UHR
DER „HERRGOTT VON WIEN“
LUEGER-KULT UND RELIGIÖSE ERINNERUNGSORTE
Mit Elisabeth Heimann (Historikerin) und
M
­ ichaela Lindinger (Kulturhistorikerin, Kuratorin
Wien Museum)
Karl Lueger war von 1897 bis 1910 Wiener
Bürger­meister. Mit großen Infrastrukturprojekten
veränderte der heute umstrittene Kommunal­
politiker Wien, mit seiner antisemitischen
Rhetorik erreichte er eine große Wählerschaft.
­Moderne Bildpropaganda trug zu seiner Popularität wesentlich bei, seine Sakralisierung setzte
schon während der Amtszeit ein. So ließ Lueger
Kirchen bauen, auf deren Altarbildern er als
Stifter zu sehen ist.
Die Route führt zu heute weitgehend vergesse­
nen Erinnerungsorten im 13. und 14. Bezirk:
Zur ­Kirche ­St. Anna, in der Lueger inmitten von
­Heiligen zu sehen ist. In die Versorgungsheimkirche im heutigen Geriatriezentrum in Lainz,
wo neben dem Altarbild auch Büsten und ein
Denkmal an Lueger erinnern. Oder in die Kapelle
des Krankenhauses.
Dauer: 2,5 Stunden
Treffpunkt: Haupteingang der St. Anna-Kirche,
1140, Gruschaplatz/Linzer Straße
35
stadtexpeditionen
FR, 27. MÄRZ, 16 UHR
EIN NATIONALDENKMAL AN DER RINGSTRASSE
DIE VOTIVKIRCHE UND IHRE UMGEBUNG
Mit Renata Kassal-Mikula (Kunsthistorikerin,
ehem. Kuratorin Wien Museum)
Die Votivkirche, der erste große Bau von Heinrich
von Ferstel, geht auf ein Attentat zurück: 1853
­versuchte ein Schneidergeselle, Kaiser Franz
J­ oseph zu töten. Daran sollte die Gedenkkirche
erinnern, deren Bau mit Spendengeldern finanziert werden ­sollte. Nachdem erst vorgesehen
war, diese beim Belvedere zu ­errichten, wählte
Ferstel schließlich einen Bauplatz im Stadterweiterungsgebiet der Ringstraße. 1856 wurde
der Grundstein gelegt, zwei Jahre später war der
Rohbau fertig. Aufgrund von Geldnot wurde die
„im gotischen Style“ erbaute Votivkirche erst 1879
fertiggestellt.
Auch in der Umgebung der Votivkirche befinden
sich wichtige Bauwerke, u. a. das Hotel Regina,
das Chemische Institut, die Palais Ölzelt und
Ephrussi und die ebenfalls von Ferstel ­geplante
Universität.
> Romane Thana S. 6
ORTE DER ROMA UND SINTI
SPURENSUCHE IN FLORIDSDORF
Mit Willi Horvath (Musiker) und Susanne Winkler
(Historikerin, Kuratorin Wien Museum)
Ab den frühen 1920er-Jahren lebten LovaraRoma aus Ungarn und Sinti bevorzugt am linken
und rechten Ufer der Alten Donau in Floridsdorf.
Besonders am Mühlschüttel und am Bruckhaufen
entstanden Gehöfte der verschiedenen Groß­
familien.
Die meisten der Lovara – unter ihnen die Familien
Horvath, Stojka oder Rigo – waren Pferdehändler.
Willi Horvath aus einer Lovara-Familie lebt seit
seiner Geburt 1966 wie seine Vorfahren und viele
Verwandte in Floridsdorf. Er hat zahlreiche Familiengeschichten aufgearbeitet. In seiner Kindheit
gab es noch freie „Gstätten“, heute aber „erinnert
an das Floridsdorf meiner Kindheit schon fast
nichts mehr“.
Dauer: ca. 2,5 Stunden
Treffpunkt: Strandgasthaus Birner,
1210, An der oberen Alten Donau 47
Foto: Willi Horvath
Dauer: 2,5 Stunden
Treffpunkt: 1090, Haupteingang der Votivkirche
FR, 10. APRIL, 16 UHR
FR, 24. APRIL, 16 UHR
(v. l.): Unbekannter; Johann Floriani, genannt Goca; Charly
mit Gitarre; Florian Nitsch, genannt Seske; Hanki Florian.
Aufgenommen um 1950 vor einem Opel Blitz, Franklin­
straße 40 in Floridsdorf.
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Foto: Rosa Lila Villa
Reisebüro am Brunnenmarkt, Foto: Ingeborg Strobl, 2014
stadtexpeditionen
FR, 17. APRIL, 16 UHR
FR, 8. MAI, 16 UHR
(HOMO-)SEXUELLE TOPOGRAFIE
VOM CLOSET ZUM COSMOPOLITAN CHIC
Mit Andreas Brunner (Historiker, QWIEN) und
Matti Bunzl (Ethnologe, Wien Museum)
Die LesBiSchwule Geschichte Wiens ist dem
Stadtbild in vielfältiger Weise eingeschrieben.
Diese Öffentlichkeit ist eines der zentralen
­Paradoxa in der Vergangenheit der ­Community,
drängte das „Closet“ von Menschen mit ­nicht-
normativer Sexualität doch stetig aus der bürger­
lichen Privatsphäre nach draußen. Klappen,
Cruising Areas und gut versteckte Schwulenbars
waren die konkreten Manifestationen dieser
Strukturen. Solche „alten“ Formen existieren
mittlerweile im Spannungsfeld mit „neueren“
Entwürfen, die Öffentlichkeit durch neoliberalen
Konsum und politisierten Aktivismus schaffen.
Das Resultat ist eine spannende Gleichzeitigkeit,
deren Dechiffrierung nicht nur die Geschichte der
Sexualität, sondern die der Stadt allgemein ausleuchtet. Die Expedition führt in den Resselpark,
in die Gegend um den Naschmarkt und zu Orten
mit unterschiedlichem Selbstverständnis wie die
Alte Lampe, das Motto oder die Rosa Lila Villa.
Fr, 29. MAI, 16 UHR
> Liebes Wien S. 11
MEIN LIEBES WIEN
INGEBORG STROBL ZEIGT PERSÖNLICHE ORTE
Mit Ingeborg Strobl (Künstlerin) und Wolfgang Kos (Historiker, Wien Museum)
Die Expedition „verlängert“ die Museumsausstellung „Liebes Wien, Deine Ingeborg Strobl“ hinaus
in die Stadt, die Route beginnt am Brunnenmarkt
und endet in Meidling. Die Stationen wurden
ausgewählt, weil sie auch mit dem Lebenslauf
der Künstlerin verbunden sind. „Diese Orte haben
mich gefunden“, sagt Ingeborg Strobl.
Am Brunnenmarkt wird u. a. ein verschwundenes
Wirtshaus „besucht“, dem Strobl eine künstlerische Dokumentation gewidmet hat. Weitere
Stationen sind die Druckerei Remaprint, mit der
Strobl zahlreiche Druckwerke produziert hat, und
ein fantasievoll dekorierter Garten, den eine Frau
im Hof eines Meidlinger Gemeindebaus angelegt
hat. Endpunkt ist Strobls Lieblingsbad, das Theresienbad. Es ist bis 20 Uhr geöffnet, also eventuell
Schwimmsachen mitnehmen!
Dauer: 2,5 Stunden
Treffpunkt: Gasthaus Müller (Schanigarten),
1160, Payergasse 14 (beim Yppenplatz)
Dauer: 2 Stunden
Treffpunkt: 1040, Wien Museum Karlsplatz
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stadtexpeditionen
FR, 5. JUNI, 16 UHR
HOTEL METROPOLE
ERINNERUNG UND ZUKUNFT
Mit Gerhard Baumgartner (Historiker, Leiter DÖW)
un