70 Jahre Schlacht um die Seelower Höhen 70 Jahre Erinnerungsort

Nr. 1/2015: 07. April 2015
70 Jahre Schlacht um die Seelower Höhen
70 Jahre Erinnerungsort
Vor 70 Jahren begann mit der Schlacht um die Seelower Höhen die letzte sowjetische Großoffensive in
Europa, die mit der Einnahme Berlins endete. Die Siegermächte wussten, dass dies auch das Ende des nationalsozialistischen Deutschland bedeutete. Der britische Premierminister Winston Churchill betonte bereits Monate vor Kriegsende: "Nichts wird eine derartige psychologische Wirkung haben und eine solche
Verzweiflung unter allen Widerstandskräften hervorrufen wie ein Angriff auf Berlin. Für das deutsche Volk
wird dies das deutlichste Zeichen der Niederlage sein.“
Als er das sagte, war noch nicht abzusehen, wer als
Erster das lang ersehnte Ziel erreichen würde. Politische Entschlossenheit und die Fähigkeit der Roten
Armee trugen dazu bei, dass die Sowjetunion als Sieger die Hauptstadt allein einnahm. Das Mitglied des
Kriegsrates der 1. Weißrussischen Front, Generalleutnant Konstantin F. Telegin, unterstrich dies während der Babelsberger Konferenz im April 1946: "Wir
alle verstanden, dass der Krieg mit der Einnahme Berlins endet … und es wäre natürlich unverzeihbar [gewesen], wenn wir den Verbündeten erlaubt hätten, als
Erste Berlin zu betreten."
Der 8. Mai war in der DDR bis 1967 und anlässlich des
30. und 40. Jahrestages als "Tag der Befreiung des
deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus" ein arbeits-
freier Feiertag. Seit Gründung der Gedenkstätte Seelower Höhen im Jahr 1972 gehört es zur Selbstverständlichkeit, die Leistungen der Sowjetunion zur Befreiung vieler europäischer Völker darzustellen. Daran
änderten die politischen Umwälzungen vor 25 Jahren
nichts. Was sich jedoch änderte, waren Zweifel einiger
Besucher an den historischen Leistungen der Sowjetunion und die Infragestellung des Begriffs Befreiung.
Die vielen Diskussionen, die ich persönlich seit 1991
führte, regten mich zum tieferen Nachdenken an.
Zweifel an der Richtigkeit der Begriffswahl kamen jedoch nie auf. Obwohl ich die Rede des damaligen
Bundespräsidenten Richard v. Weizsäcker anlässlich
des 40. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges kannte, verstand ich ihren tieferen Sinn erst später: "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns
alle befreit von dem menschenverachtenden System
der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft." Es gehört zur „historischen Wahrheit“, dass Deutschland
eine "Fremdbefreiung" brauchte, denn der deutsche
Widerstand konnte aus eigener Kraft die Verbrechen
nicht beenden. Heute erinnert die Gedenkstätte an
die Befreiung durch die Siegermächte und daran, wer
die Hauptlast in diesem Krieg trug - aber auch an weitere Worte des vor wenigen Wochen verstorbenen R.
v. Weizsäcker: "Niemand wird um dieser Befreiung
Willen vergessen, welche schweren Leiden für viele
Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach
folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die
Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen.
Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn
jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen." Diesen historischen Kontext herzustellen, gehört heute ebenfalls zum gesellschaftlichen Auftrag
der Gedenkstätte Seelower Höhen.
Zur Erinnerungsarbeit der Gedenkstätte gehört nicht
nur die Darstellung der Schlacht und deren unmittelbaren Folgen für die Kulturlandschaft und für die in
ihr lebenden Menschen. Die Ereignisse des Jahres
1945 hatten weitreichende politische Folgen. Die Berliner Operation war „ … von besonderer Bedeutung.
Mit der Einnahme Berlins wurden die wichtigsten militärischen und politischen Fragen endgültig entschieden, von denen in vieler Hinsicht die Nachkriegsentwicklung Deutschlands und seiner Stellung im politischen Leben Europas abhing.“ Dieses Urteil von Marschall Shukow zeigt die politische Tragweite der letzten Großoffensive der Roten Armee in Europa. Ohne
den von deutschem Boden ausgegangenen Krieg, der
Befreiung durch die Siegermächte und vor allem der
gewachsenen politischen und militärischen Stärke der
Sowjetunion wären wohl keine zwei deutschen Staaten in unterschiedlichen, gegensätzlichen Bündnissen
entstanden. Einige aktuelle außenpolitische Ereignisse
haben Wurzeln, die bis ins Jahr 1945 und den nachfolgenden Entwicklungen zurückreichen. Die Veranstaltung "Geschichten zur Geschichte", die die Gedenkstätte im November 2014 durchführte, verdeutlichte
diese historische Tatsache am Beispiel der Grenzöffnung im Herbst 1989 und des Abzuges der russischen
Truppen aus Deutschland im Jahr 1994 an persönlichen Lebensgeschichten.
Der heute international anerkannte Erinnerungsort
Seelower Höhen befindet sich an einer Grenze, die
ebenfalls eine Folge des Krieges ist und unser Land von
jenen Staaten trennt, die unter der deutschen Eroberungs- und Vernichtungspolitik am meisten leiden
mussten. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung für unsere Arbeit. Grenzüberschreitende Bildungsarbeit, gemeinsame Projekte und wissenschaftlicher Gedankenaustausch über Gemeinsamkeiten und
Brüche unserer Geschichte prägen in vielfacher Weise
das Wirken der Gedenkstätte.
Zukünftig muss sich die Gedenkstätte verstärkt der
grenzüberschreitenden Bildungsarbeit zuwenden. Da
die Zeitzeugen zunehmend verstummen, wird die
Gedenkstätte, welche ihre Erlebnisse aufgenommen
und archiviert hat, neben den Schulen ein wichtiger
Lernort bleiben. Ob der geplante Weg, in Brandenburg die Fächer Politische Bildung, Geografie und
Geschichte in einem neuen, übergreifenden Fach
"Gesellschaftswissenschaften" zusammenzulegen,
offensichtlich bestehende Defizite im historischen
Wissen abbaut, wird die Zukunft zeigen.
Polnische und deutsche Schüler während des Projektes
Spurensuche, 2007
Angesichts der Tatsache, dass Politiker historische
Ereignisse in ihrem Sinne umdeuten, um tagespolitische Ziele zu proklamieren, sehe ich für unsere Tätigkeit eine immer aktuelle Aufgabe: Geschichte
entsprechend des Wissensstandes unverfälscht zu
vermitteln. Dies fängt bereits bei der Begriffswahl
an. So haben vor 70 Jahren nicht nur Deutsche und
Russen gegeneinander gekämpft, sondern Angehörige vieler Nationen, die sich damals in den multinationalen Verbänden gegenüberstanden.
Ich freue mich, dass sich in den letzten Tagen viele
Journalisten aus dem In- und Ausland am historischen Ort über das Jahr 1945 und unsere Arbeit informiert und darüber bereits in den unterschiedlichen Medien berichtet haben.
Für die Mitarbeiter der Gedenkstätte Seelower Höhen stellen die zahlreichen Veranstaltungen anlässlich des runden Jahrestages eine willkommene Gelegenheit dar, auf den Gedenk- und Erinnerungsort
aufmerksam zumachen. Gleichzeitig möchte ich mich
auf diesem Wege für Ihre jahrelange Unterstützung
bedanken.
Ihr Gerd-Ulrich Herrmann, Leiter der Gedenkstätte
75 Jahre im Namen des Völkerrechts
Vom Suchdienst zum Archiv
Die Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der
nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen
deutschen Wehrmacht (WASt) blickt auf eine 75-jährige Geschichte zurück. Am 26.08.1939 nahm die amtliche Auskunftsstelle gemäß Artikel 77 der Genfer
Konvention die "Wehrmachtauskunftsstelle für Kriegsverluste und Kriegsgefangene" ihre Tätigkeit auf. Zu
ihren Aufgaben gehörten: das Meldewesen über Verluste, Vermisstennachforschung, Erstattung von Sterbefallanzeigen und Mitwirkung bei gerichtlichen Todeserklärungen, Bearbeitung der wöchentlichen Lazarettmeldungen, Registrierung und Auskunftserteilung
von Kriegsgräbern, Aufbewahrung und Zustellung von
Nachlässen und Kriegstestamenten und Führung der
Erkennungsmarkenverzeichnisse sowie die Personalveränderungsmeldungen.
Anlässlich des Festakts zum 75-Jährigen Bestehens der
WASt betonte die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters,: „Dieser 75-jährige Jahrestag ist
ein stilles und nachdenkliches Jubiläum. Der Kriegsopfer zu gedenken und die Erinnerung an die Schrecken des Krieges auch in nachfolgenden Generationen
wach zu halten, ist und bleibt eine immerwährende
Aufgabe und moralische Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland. Hierzu leistet die Deutsche
Dienststelle einen wichtigen Beitrag, denn ihre Unterlagen sind für die Mitmenschen und besonders auch
für Forschung und Wissenschaft von großer Bedeutung …. Über die Jahrzehnte ist aus dem Suchdienst
und seiner Nachkriegsverwaltung eine wichtige Stütze
unserer Erinnerungskultur geworden."
In den kommenden Jahren gilt es die Hunderte Millionen Dokumente zu erhalten, damit dieses schwere
historische Erbe auch in Zukunft nicht verloren geht
und Wissenschaftlern sowie den nachkommenden
Generationen zur Verfügung steht. Die Behörde wird
seit 2012 aus dem Etat der Kulturstaatsministerin gefördert (2014 mit 15,6 Millionen Euro).
Zu den heutigen Aufgaben der WASt gehören:
Kriegssterbefallangelegenheiten: Seit Ende des Krieges wurden 3,3 Millionen Kriegssterbefälle von Angehörigen der Wehrmacht, SS, Polizei, Reichsarbeitsdienst und anderen Militärverbänden der standesamtlich Beurkundung zugefügt.
Dienstzeitangelegenheiten: Allein im Zeitraum von
2011-2013 erteilte die Behörde 46 983 Auskünfte an
ehemalige Kriegsteilnehmer über ihre Dienstzeit.
Schicksalsklärung und Verbleibsangelegenheiten:
Viele Menschen sind noch 70 Jahre nach Kriegsende
im Ungewissen über den Verbleib ihrer Angehörigen.
Im obengenannten Zeitraum wurden 35 172 Auskünfte erteilt. Eine weitere sensible Aufgabe ist die
Klärung von Anfragen von Kriegskindern aus vielen
Staaten, die ihre Väter suchen.
Kriegsopferversorgung: Die umfassende Aktenlage
gestattet es der WASt, den Versorgungsämtern Auskünfte in Kriegsopferversorgungsangelegenheiten zu
erteilen. Von 2011 bis 2013 waren es 580 Auskünfte.
Nationalsozialistische Gewaltverbrechen: Hier unterstützt die WASt Polizei und Justiz bei der Klärung von
Gewaltverbrechen. Allein im genannten Zeitraum
führte die WASt 5091 personengebundene Überprüfungen durch.
Kriegsgräber: Die Schwerpunkte liegen hier in der Führung des amtlichen Kriegsgräbernachweises, Bearbeitung der Umbettungs- und Graböffnungsprotokolle,
Identifizierung der Kriegstoten anhand der Erkennungsmarken und Auswertung der Gräberlisten.
Nachweis über Kriegsgefangenschaft: Die WASt verwaltet 15 Millionen Unterlagen über Aspekte der
Kriegsgefangenschaft. Sie arbeitet eng mit der Datenbank des Deutschen Roten Kreuzes in München zusammen.
Staatsangehörigkeit: Hier geht es um Klärung der
Staatsangehörigkeit von Vertriebenen.
Weitere Aufgaben sind die Bereiche Nachlässe (seit
1947 über 310 000 Vorgänge) Beiträge zur Geschichtsforschung und die Führung der Erkennungsmarken- und Feldpostnummernverzeichnisse.
Gedanken zu einer Ausstellung in der WASt
Die Ausstellung "Fehlende Bilder. Kriegskinder 19401945" befasst sich mit einem Thema, dass von den
Historikern kaum Beachtung fand. Die Kuratorin Gerlinda Swillen schrieb zum Geleit: "Kriege finden nicht
nur auf dem Schlachtfeld statt. Sie zerstören nicht
nur Städte und Ernten und vertreiben die Bevölkerung. Sie greifen auch tief in die menschlichen Beziehungen ein, ja, auch in das Intimste der Menschen, in
ihr Gefühls- und sexuelles Leben." Die Ausstellung
beleuchtete das Schicksal der "Kriegs- bzw. Besatzungskinder", dass bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts kaum in der Öffentlichkeit bekannt war. Als
erste brachen die norwegischen Lebensbornkinder
ihr Schweigen. Die WASt hat in den letzten Jahren
viele dieser "Kinder des Krieges" bei der Suche ihrer
Väter unterstützt.
Bei nationalen Organisationen meldeten sich bisher Tausende, die
eine Auskunft über ihre Väter erhalten möchten. Die Historikerin Anette Warrnig schätzte
die Anzahl der dänischen Frauen, die ein Liebesverhältnis mit deutschen Soldaten eingegangen sind, auf ca. 50 000. Die Zahl der daraus geborenen Kinder wird auf 10 000 geschätzt. Ähnliche Zahlen werden für Norwegen angegeben.
Viele dieser Kinder, die ohne ihre leiblichen
Väter aufwuchsen, mussten über Jahrzehnte
Ausgrenzungen und Diskriminierung erfahren.
Erst Jahrzehnte nach dem Krieg traten sie an
die Öffentlichkeit und erzählten über ihr
Schicksal.
Quelle: Begleitmaterial zur Ausstellung "Fehlende Bilder. Kriegskinder 1940-1945" in der
WASt, Oktober 2014
Die WASt im Überblick (Ausschnitt):
Nutzfläche der Dienststelle (m²)
Gewicht der Akten und Karteikarten (t)
Zentralkartei (Stück)
Personalunterlagen (Wehrstammbücher) des Heeres und Luftwaffe
Personengebundene Meldungen aus dem Bestand des Krankenbuchlagers Berlin (Jahrgänge 1900-1928)
Meldungen der ehemaligen Gegnerstaaten der in Gefangenschaft Verstorbenen oder auf den Schlachtfeldern gefundenen
deutschen Gefallenen
Gräberlisten In- und Ausland
Umbettungsprotokolle
Zentralgräberkartei
Grabmeldungen aus dem Ersten Weltkrieg
Nachlasskartei
Nachlässe
Feldpostnummern-Verzeichnungen in Bänden (1939-1945)
Unterlagen dienstverpflichtete Handelsseeleute (Akten)
Kartei über im Dienst der Kriegsmarine verloren gegangenen
Handelsschiffe
Quelle: WASt, 1939-2014. Im Namen des Völkerrechts. Arbeitsbericht 2011/2012/2013,
16 400
4300
18 000 000
5 000 000
10 000 000
790 000
60 000
729 318
4 500 000
900 000
268 318
4 975
156
67 308
2 098
Aus Küstrin wurde Kostrzyn
Vor 70 Jahren endeten die Festungskämpfe
Am 30. März 1945 endeten die Kämpfe um die Festung Küstrin. Nur jeder 10. der deutschen Soldaten
erreichte die eigenen Linien bei Golzow. Auf beiden
Seiten starb eine unbekannte Anzahl von Soldaten.
Küstrin wurde fast vollständig zerstört.
Das Festungsmuseum Kostrzyn und die Gedenkstätte
Seelower Höhen luden am 28. März 2015 zu einer gemeinsamen Veranstaltung ein. Ca. 120 polnische und
deutsche historisch Interessierte nahmen an einer
Zubettung von Gebeinen von unbekannten Soldaten
auf dem Kommunalfriedhof Kostrzyn teil.
Bereits während des Aufbaus des Festungsmuseums
tauschten beide Seiten Informationen und Unterlagen
aus. Dies fand beim Schreiben des Buches seine Fortsetzung, wodurch der Autor aus dem Fundus und Wissensstand der polnischen Kollegen schöpfen konnte. An
dieser Stelle sei dem Direktor des Museums Herrn Richard M. Skałba und dem Historiker Herrn MA Marcin
Wichrowski für die kollegiale Zusammenarbeit gedankt.
Erschienen im HeliosVerlag, März 2015.
Foto: Mattias Lubisch
Vor der 1945 zerstörten Marienkirche hielten Bischof
Dr. Wojciech Leder (Kostrzyń), Superintendent Roland
Kühne (Seelow) und Jaroslaw Szmajda von der polnische Nationalen Orthodoxen Kirche (Gorzow) eine
ökumenische Andacht und weihten ein neues Kreuz.
Nach einer thematischen Führung und dem Besuch
des Museums in der Bastion Philipp stärkten sich die
Gäste. Der zweite Teil der gemeinsamen und von der
Stiftung deutsch-polnische Zusammenarbeit geförderten Veranstaltung begann mit einem Gedenken am
sowjetischen Ehrenmal in Seelow. Ein Abschluss dieser
Veranstaltung war die Präsentation des Buches "Die
Festung Küstrin 1945. Anspruch und Wirklichkeit".
Nicht nur, dass diese Publikation in deutscher und
polnischer Sprache verlegt wurde, ist Ausdruck der für
beide Seiten dienlichen Kooperation, sondern auch die
gemeinsamen Gespräche in den Monaten zuvor.
Neben der Geschichte
von Festung und Garnison stehen die politischen und militärischen
Ziele beider Seiten in der
Endphase des Zweiten
Weltkrieges, der Ausbau
der Stadt zur Festung
sowie die kritische Betrachtung der Kampfhandlungen im Februar
und März 1945 in und
um Küstrin im Mittelpunkt der Publikation.
Aus dem Inhaltsverzeichnis:
Vorwort
Geschichte der Festung und Garnison
Festungen im 20. Jahrhundert
Zur Festung erklärt!
Küstrin - Eckpfeiler der Oderverteidigung?
Der lang erwartete Angriff
Das westliche Festungsvorfeld
Die letzten Tage Küstrins
Aus Küstrin wird Kostrzyn
Anlagen
Kriegsverbrecher SS-Gruppenführer Heinz Reinefarth
Struktur und Bestand des 32. Schützenkorps
Operation „Bumerang“
Bericht von Gruppenführer Reinefarth
Protokoll Hermann Körner vom 26. Januar 1951
Martyriumsmuseum Słońsk
Die am 30. Januar 2015 anlässlich des 70. Jahrestages
des Massakers von Sonnenburg eröffnete Ausstellung
thematisiert die Geschichte von Zuchthaus und Konzentrationslager. Das erste Kapitel informiert über den
Bau des Zuchthauses im Jahr 1832, die Internierung
polnischer Freiheitskämpfer Mitte des 19. Jahrhunderts und die Haft von Andersdenkenden in der
Weimarer Republik. Das zweite Kapitel beinhaltet u.a.
die Geschichte des Berliner KZ und das Schicksal der
"Schutzhäftlinge" in der "Hölle Sonnenburg" sowie die
Internierung der "Nacht- und Nebel-Häftlinge".
Die Tafeln für den Zeitraum 1933 bis 1945 erarbeitete
der "Arbeitskreis zur Geschichte des Konzentrationslagers und des Zuchthauses Sonnenburg
bei der Berliner VVN-BdA" unter Leitung von Dr. Hans
Coppi.
Für die Modernisierung des Martyriumsmuseums hat
die Gemeinde Słońsk ca. 324 TEUR aus EU-Mitteln
akquiriert.
Museumsgebäude, 2015
Zuchthaus Sonnenburg, um 1930
Ein Schwerpunkt stellt das Massaker an 819 Häftlingen
aus vielen europäischen Ländern und die juristische
Aufarbeitung in beiden deutschen Staaten und in
Polen dar. Das dritte Kapitel beinhaltet die Geschichte
des europäischen Erinnerungsortes.
Blick in die Ausstellung
Das Martyriumsmuseum ist Mittwoch bis
Sonntag von 11:00 bis 16:00 Uhr geöffnet.
Der Eintritt ist frei.
Gedenkplatz vor dem Museum
Literaturempfehlungen
Aus unserem Shop
Autoren: Uwe Klar und
André Vogel,
erschienen im HeliosVerlag, 2015
Diese Publikation erscheint im Ch. Links Verlag in der Reihe "Orte der
Geschichte".
Erhältlich ab Mitte April
2015.
Dieses Buch beschreibt
erstmalig detailliert die
Kämpfe um die Tirschtiegelstellung und die
Festungsfront
OderWarthe-Bogen im Januar
und Februar 1945, betrachtet aber auch die
Gründe und den Verlauf
der Errichtung dieser Befestigungslinie
sowie
ihre Nutzung im Zweiten
Weltkrieg und in der
Nachkriegsperiode.
Die Seelower Höhen und
das Oderbruch wurden
im Winter und Frühjahr
1945
zum
größten
Schlachtfeld
Deutschlands. Die furchtbaren
Kämpfe forderten Zehntausende Menschenleben und zerstörten eine
einzigartige Kulturlandschaft. Nach dem Krieg
entstanden beiderseits
der Oder zahlreiche Museen, Denkmale und
Kriegsgräberstätten. 70
Jahre nach Ende des
Zweiten
Weltkrieges
stellt das vorliegende
Buch erstmals die Erinnerungsorte links und
rechts der Oder kompakt
in Wort und Bild vor.
Museumsführer in russischer und polnischer Sprache
Erinnerungstourismus - Bestandteil des Kulturtourismus?
Die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) führt
in Kooperation mit der Stiftung für Collegium Polonicum in Słubice und der Gedenkstätte Seelower Höhen
eine Tagung unter dem Titel "Der Zweite Weltkrieg.
Kulturtourismus und Politik“ vom 15. bis 17. April 2015
in Seelow durch.
Die Idee für eine Zusammenkunft von Historikern,
Mitarbeitern von Gedenkstätten und Touristikern
wurde in der Gedenkstätte Seelower Höhen bereits
vor gut einem halben Jahr entwickelt. Anlässlich des
70. Jahrestages plante die Gedenkstätte das 4. Internationale Seelower Gespräch zur Thematik politische
Bildung und Kulturtourismus. Gemeinsam mit der
Europa-Universität wurde diese Idee präzisiert und die
Tagung zusammen vorbereitet. Dank der Arbeit von
Frau Dr. Kurilo konnten Fördermittel akquiriert werden. Wir freuen uns, dass auch Vertreter des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur sowie des Tourismus- Marketing Brandenburg ihre Teilnahme zugesagt
haben.
Schwerpunkte der Tagung:
Panel 1: Der Zweite Weltkrieg. Erinnerungsorte an
Krieg und Gewaltherrschaft
Panel 2: Kulturtourismus und Politik
Panel 3: Marketing und Kulturtourismus
Seit vielen Jahren gehören politische Bildung und
Kulturtourismus zum Alltag der Gedenkstättenarbeit. Vorträge und Exkursionen im Rahmen der
seit 2003 existierenden Veranstaltungsreihe
"Geschichte und Verantwortung", das mehrstündige Programm "Kampf um die Seelower
Höhen" und themenbezogene Führungen im
Bereich der Gedenkstätte haben bisher Zehntausende Gäste erreicht. Besonders für touristische Gruppen werden militärhistorische Themen
mit Informationen über Landschaft, Spuren Fontanes in der Region und spezielle Aspekte der
brandenburg-preußischen Geschichte kombiniert. Längst hat sich die Gedenkstätte zu einem
der bekanntesten touristischen Leuchttürme
entwickelt.
Zukünftig gilt es, gemeinsam mit unseren polnischen Partnern bestehende Angebote zu bündeln und zum Nutzen der Beteiligten zu vermarkten. Noch in diesem Jahr ist die Erarbeitung
von zwei Erinnerungsrouten geplant. Ein Beispiel
zeigt die Publikation "Die Schlacht um die Seelower Höhen. Erinnerungsorte beiderseits der
Oder". Ein weiteres Produkt könnte in Zusammenarbeit mit den Kollegen in Słońsk und Kostrzyn entstehen. Die nächsten Newsletter werden diese Thematik erneut aufgreifen.
Programmhinweis
Samstag, 18. April 2015, 10.00 bis 16.00 Uhr
Gedenkstätte Seelower Höhen, 15306 Seelow, Küstriner Straße 28a
„70 Jahre Stätte des Gedenkens. Von einer sowjetischen Gedenkstätte
zu einem internationalen Erinnerungsort“
Wie kein anderer Ort in der Bundesrepublik stehen die Seelower Höhen für den
schnellen Wandel von einem Schlachtfeld zu einem Erinnerungsort. Bereits 191 Tage,
nachdem die Waffen schwiegen, wurde das Denkmal und der sowjetische Soldatenfriedhof eingeweiht. Damit wurde Seelow zum Ort der Erinnerungen an den sowjetischen Sieg über das nationalsozialistische Deutschland und des Gedenkens an die
gefallenen Rotarmisten.
Anlässlich des 70. Jahrestages der Schlacht um die Seelower Höhen bietet die Gedenkstätte Seelower Höhen historisch interessierten Gästen ein abwechslungsreiches
Programm, in dem die wechselvolle Geschichte und die noch heute sichtbaren Spuren verschiedener Geschichtsauffassungen im Mittelpunkt stehen.
Ablauf:
10.00 – 16.00
Informationsstand des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Land
Brandenburg
10.00 – 10.30
70 Jahre Frieden! – Wunden heilen! – Nie wieder Krieg!
Gemeinsam mit dem Aktionskünstler Ben Wagin erinnert der Geschichts- und Heimatverein Gusow-Platkow an das Kriegsende
vor 70 Jahren. „Alte und knorrige Bäume beiderseits der Straßen
im Oderland haben viele Kämpfe erlebt und überstanden. Mit
den symbolischen Binden um die Bäume“ wird erinnert, dass bereits seit 70 Jahren Frieden herrscht und viele Wunden verheilt
sind. (Pressemittelung des Geschichtsvereins Gusow-Platkow)
11.00
Podiumsgespräch
„In brandenburgischer Erde. Spuren des Krieges“
An diesem Gespräch nehmen teil Herr Wladimir Kukin (Leiter des
Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit der Botschaft
der Russischen Föderation), Herr Albrecht Laue (Verein zur Bergung der Gefallenen in Osteuropa e. V.) und Herr André Vogel
(Kampfmittelbeseitigungsdienst Land Brandenburg).
11.45 – 16.00
Sonderausstellung „Vermisst in Klessin“
Der Verein zur Bergung der Gefallenen in Osteuropa informiert
über die schweren und verlustreichen Kämpfe um Klessin und die
Bergung von sterblichen Überresten von Gefallenen der Wehrmacht und der Roten Armee.
12.00 und
14.30
Führung durch den Leiter der Gedenkstätte
„70 Jahre Stätte des Gedenkens. Kontinuität und Brüche der Geschichtsdarstellung am historischen Ort.“
Technisches
Infrarotbeobachtungseinrichtung
Über die Verwendung der Infrarotgeräte innerhalb der
Wehrmacht ist noch vieles im Verborgenen. Ein Zeitzeuge berichtet über den Einsatz von Kampfpanzer der
Panzerdivision Müncheberg während der Schlacht um
die Seelower Höhen: „Am Abend [16. April 1945] begann links von Seelow unser Nachtangriff unter Einsatz
unserer Nachtsichtgeräte. Es wurde ein voller Erfolg.
Die alte Stellung war bald wieder in deutscher Hand.
Von der Wirkung der neuen Geräte waren alle begeistert.“ (Deutsche Militärzeitschrift, Nr. 13, S. 68)
Technische Details und die Einführung dieser Ausstattung veröffentlicht Herr Eberl auf seiner Internetseite
http://www.panther1944.de. Eines dieser Geräte, an
einem Panther montiert, befindet sich in der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz. Erste Test
wurden bereits in der zweiten Hälfte des Jahres 1943
auf dem Truppenübungsplatz der Panzerschule Fallingbostel durchgeführt. Das verwendete Gerät erhielt
die Bezeichnung F. G. 1250 (Fahrgerät) und bestand
aus einem 20-cm-Suchscheinwerfer und einem Bildwandler. Das Gerät befand sich am Turm und war
schwenkbar. Somit konnte der Kommandant an den
Fahrer und Richtschützen während der Dunkelheit
entsprechende Weisungen erteilen.
Das „Nachtsichtgerät“ hatte allerdings nur eine effektive Einwirktiefe von maximal 600 Meter. Damit war
die Reichweite der 7,5-cm-Kampfwagenkanone um
50 % gemindert. Diesen Nachteil sollte der gemeinsame Einsatz mit dem SonderKfz. 251, auf dem ein 60cm-Suchscheinwerfer montiert war, kompensieren.
Verschiedene Quellen benennen erfolgreiche Einsätze
einzelner mit dem IR-Gerät ausgestatteter Panther an
der Westfront und weiterer Truppenversuche.
Offensichtlich war die Ausstattung der neu produzierten Panther mit dem F. G. 1250 vorgesehen. Allerdings wurden auf Grund von Lieferschwierigkeit bis
Oktober 1944 erst 20 Panzer mit dem Gerät ausgestattet. Darauf wies das Oberkommando des Heeres
an, alle zum Einbau von Infrarotgeräten vorgesehenen
Panther in den „normalen“ Zustand zurückzubauen.
Das heißt, dass die hintere, rechte Munitionsablage im
Kampfraum und der Gepäckkasten wieder eingebaut
werden mussten. Auf der oben genannten Internetseite wird die bisher bekannte Anzahl an ausgelieferten Panthern mit dem F. G. 1250 mit 44 beziffert.
Demnach erhielt die I. Abteilung des Panzerregiment
29, das seit dem 12. März 1945 zur Panzerdivision
Müncheberg gehörte, am 5. April zehn Kampfpanzer
des Typus Panther. Die Quelle dieser Angabe lautet:
Thomas L. Jentz, „Germany’s Panther Tank – The
Quest for Combat Supremacy“.
Kampfpanzer Panther
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Eduard Eberl