GRAShalm 15.1

DIE ZEITSCHRIFT DER GRÜNEN UND
ALTERNATIVEN STUDENT_INNEN LINZ
Online: bit.ly/OnlineGH
*)Das Zeichen * soll als Erweiterungsmöglichkeit dienen. Frauen* und Männer* steht
für alle Menschen, die sich dem jeweiligen Geschlecht zuordnen. Somit werden alle
Trans-, Intergender und queere Personen miteingeschlossen und finden Platz im binären Geschlechtssystem unserer Gesellschaft.
2
Quelle: flic.kr/photos/bswise, CC BY 2.0
Text von Martina Kofler
In unserer privilegierten Gesellschaft in der wir leben, gibt sich mensch meistens nicht die Mühe
nach einer anderen Lösung zu suchen, als das kaputte oder abgelaufene Produkt wegzuwerfen
und einfach durch ein neues zu ersetzen. Aber warum ist das so?
First World – Wegwerfgesellschaft?! 2
Sozialraumorientierung als Konzept
zur Inklusion 4
Critical Mass 6
Das Frauenreferat 8
PEGIDA10
„Du bist aus Linz, aber woher
kommt dein Essen?“ 12
GRAS-Tipp14
GRAS FAQ 16
ÖH-Wahlen17
GRAS-Tipp18
Mate-Eistee19
Brauchen wir heterodoxe Ökonomie? 21
Und täglich grüßt die Gewaltdebatte 22
Vegetarismus24
Lieber tausend Freud*innen im
Rücken, als eine Bank im Nacken ... 26
Ist Klimaschutz schlecht
für die Industrie? 27
Zeitgeschichte Ausstellung
1938 – 1945 in der voestalpine 28
Warum eigentlich immer so kritisch? 30
Veranstaltungstipps32
FIRST WORLD –
WEGWERFGESELLSCHAFT?!
INHALT
Heutzutage haben wir laufend die
Möglichkeit etwas das nicht so ist, wie
wir es wollen oder defekt ist, durch
etwas Neues zu ersetzen. Dabei wird
vergessen, dass die Produkte, die
ohne darüber nachzudenken im Müll
landen Ressourcen verbrauchen, die
oftmals nicht so einfach nachwachsen.
Handy, Computer oder Fernseher
werden häufig nicht so lange genutzt,
wie es möglich wäre. Es gibt neuere
Technik, ein Aktionsangebot, das nur
noch kurze Zeit vorhanden ist oder
einfach etwas das einem modernem
Image eher entspricht.
TECHNOLOGIE
Hat mensch dann auch noch das nötige Kleingeld in der Tasche, wird meist
nicht lange darüber nachgedacht,
wieviel Aufwand in dem Produkt
steckt, welches weggeworfen wird.
Erwiesen ist, dass die Produktionstechnologie sich stetig verbessert, was
eigentlich zu Folge haben sollte, dass
weniger Ressourcen für die Produktion von Elektronikartikeln verbraucht
werden. Dem ist jedoch nicht so. Je
effizienter die Herstellung wird, desto billiger wird das zu verkaufende
Endprodukt. Die Folge daraus ist logischerweise: Der Konsum steigt, die
Nachfrage wird erhöht und es wird
mehr produziert.
Beispielsweise wird heute ein Handy
für nur mehr etwa 18 Monate genutzt.
Wird dies auf 30 Jahre hochgerechnet, verbraucht eine Person in dieser
Zeitspanne 20 Handys. Für die Produktion dieser 20 Mobiltelefone werden 20.000 Liter Wasser verbraucht.
Natürlich lässt sich auch mit Produkten, die eine kürzere Lebensdauer
erreichen, mehr Geld verdienen. Die
geplante Obsoleszenz (das absichtlich technisch hergeleitete Verfallsdatum) ist heute weit verbreitet. Der
wissenschaftliche Fortschritt würde es
möglich machen, dass Produkte um
ein Vielfaches länger halten, als sie es
jetzt tun, jedoch würde dies dem Ziel
des Wirtschaftssystems widersprechen.
Es gibt ein paar einfache Tricks durch
die mensch dem etwas entgegenwirken kann:
›› Handy mit herausnehmbaren Akku
kaufen
›› Drucker mit Druckpatronen, welche mensch selbst nachfüllen kann
›› Second Hand Geräte
›› diese Liste ist beliebig erweiterbar.
LEBENSMITTEL
Die extremsten Fälle der „Wegwerfsucht“ treten vor allem im Bereich der
Lebensmittel auf, wobei es hier nicht
nur die Konsument_innen betrifft,
sondern auch die Erzeuger_innen
und Verkäufer_innen. Es werden weltweit etwa ein Drittel der produzierten Lebensmittel weggeworfen. Hier
unterscheiden sich Industrieländer
und Entwicklungsländer leider nicht
wesentlich voneinander. Während in
ärmeren Ländern die jährlich weggeworfene Menge an meist für die
westliche Welt produzierten Nahrungsmitteln von 630 Millionen Tonnen durch unzureichende Lagerung,
Kühlung und Verpackung erklärt werden kann, verhält es sich in den westlichen industriellen Ländern der Erde
anders: 670 Millionen Tonnen der
produzierten Nahrungsmittel landen
im Müll, wobei dies eher im Handel
(aufgrund von Aussehen, Druckstellen etc.), oder bei den Konsument_innen passiert, indem noch essbare Lebensmittel weggeworfen werden. Die
Grundfrage der Verteilungsgerechtigkeit ist damit unabhängig von „arm
und reich“, sondern ergibt sich aus
der Eigendynamik des globalisierten
Wirtschaftssystems.
Wo jede_r ansetzen kann, ist beim
eigenen Verhalten. Angefangen kann
damit werden, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mit dem „zu
verwenden bis“ Datum gleichgesetzt
wird. Steht auf einem Lebensmittel,
dass es bis zu einem gewissen Datum
zu verwenden ist, bedeutet dies, dass
WEGWERFGESELLSCHAFT
nach diesem Datum das Produkt gesundheitlich bedenklich sein kann.
Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist
hingegen einfach nur die Zusicherung
des_r Erzeuger_in, dass das Produkt
bis dahin die beste Qualität hat. Solange also die Milch noch gut riecht,
schmeckt, sich die Konsistenz nicht
verändert hat und gekühlt gelagert
wurde, kann sie getrunken werden.
Problematisch ist das Mindesthaltbarkeitsdatum für Supermärkte, denn
rechtlich darf es nach dem Ablauf
nicht mehr zum Verkauf stehen. Einige kleinere Geschäfte verschenken
dann die abgelaufene Ware oder geben sie an gemeinnützige Organisationen, doch der Großteil wirft die noch
gute Ware in den Müll. Ein Mittel um
dagegen als Konsument_in zu protestieren, ist das sogenannte dumpstern oder containern. Hierbei werden Mülltonnen nach noch essbaren
Lebensmitteln durchsucht. Rechtlich
befindet sich das Dumpstern in einer
Grauzone, aber solange mensch nirgends einbricht und etwas beschädigt, ist es legal.
Menschen, die nicht dumpstern gehen wollen können auch einfach einmal zu einem Fairteiler schauen. Es
handelt sich dabei um einen öffentlich
zugänglichen Kühlschrank in dem
Menschen Lebensmittel, welche sie
nicht mehr brauchen, hineingeben
können und andere können sie sich
einfach nehmen. Beispielsweise steht
an der JKU im Kopfgebäude beim
Portierseingang so ein Kühlschrank.
Es ist auch ratsam sich eine Einkaufsliste zu schreiben und sich einfach
Gedanken darüber zu machen, ob
mensch das wirklich braucht. Ist doch
einmal zu viel im Kühlschrank kann es
einfach in einen Fair-Teiler gegeben
werden.
VIDEO-TIPP
bit.ly/KaufenFürDieMüllhalde
3
SOZIALRAUMORIENTIERUNG
ALS KONZEPT ZUR
INKLUSION
Inklusion ist schon seit längerer Zeit ein Begriff der immer wieder durch die
Medien geistert und eher als Utopie vermittelt wird. Doch woher kommt dieser
Begriff eigentlicht?
Text von Christof Ortner
In der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung werden vier Paradigmen unterschieden. Begonnen hat
der Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung mit der totalen Ausschließung aus der Gesellschaft, der
sogenannten Exklusion. In diesem Abschnitt wurden Menschen mit Lernschwierigkeiten oder körperlichen
Einschränkungen nicht als Teil der
Gesellschaft gesehen und deswegen
wurde auch nicht auf ihre Bedürfnisse
eingegangen. Als nächster Abschnitt
kommt das Paradigma der Separation
– also die Betreuung von Menschen
mit Beeinträchtigung an abgelegenen Orten – , die große Betreuungseinrichtungen hervorbrachte. Das
Modell der sozialen Arbeit setzt dabei
– vor allem im Bereich der Arbeit mit
Menschen mit Beeinträchtigung – bei
der dritten Phase der Integration an
und versucht mit vielen verschiedenen Ansätzen den Sprung in die vierte
Phase – das Paradigma der Inklusion
– zu erreichen.
4
Im Paradigma der Integration geht
es vor allem darum, Menschen den
Zugang zu Leistungen (Familienentlastung, Wohnassistenz, persönliche
Assistenz etc.) zu ermöglichen und
sie anhand eines vordefinierten Zieles
anzuleiten, um sich in ihrer Umwelt
zu bewegen und somit ihre angeblichen Defizite zu minimieren. Dabei
wird immer davon ausgegangen,
dass die_der Sozialarbeiter_in sich
einens Wunsches annimmt und sich
um Lösungen bemüht. Bei der Inklusion sollen Menschen anhand von
Partizipation und dem Konzept der
Sozialraumorientierung dazu ermuntert werden, ihre eigenen Bedürfnisse
durch Eigeninitiative zu erfüllen, ohne
auf die „Gunst“ von sozialstaatlichen
Einrichtungen angewiesen zu sein.
Um den Unterschied etwas anschaulicher zu machen, soll folgendes Beispiel im Bereich der Wohnhäuser zur
Verständlichkeit beitragen:
SOZIALRAUMORIENTIERUNG
Wenn Sozialbetreuer_innen sich im
Rahmen einer aktivierenden Befragung bei den Menschen danach erkundigen, was sie in ihrem Wohnquartier ärgert, bedrückt oder aufregt, so
steht dahinter immer die Frage nach
den Interessen der Menschen.
„Was wollen Sie hier ändern?“ Mit
dieser Frage wird sich nicht danach
erkundigt, was die Menschen gleichsam als wohlfahrtsstaatliche Gabe
von wem auch immer erwarten, sondern es wird nach Anlässen („Entrüstungspunkte“) gesucht, bei denen die
Leute bereit sind, mit eigener Aktivität
zur Gestaltung ihres Wohnquartiers
beizutragen. Dabei gilt es, sehr aufmerksam zu sein, nicht auf als Interessen getarnte Wünsche hereinzufallen,
wie etwa: „Wir brauchen hier unbedingt mehr Parkplätze – können Sie
das nicht mal an die zuständige Stelle
weitergeben?“ Wenn Menschen mit
der Formulierung eines Bedarfs die
Verantwortung für die dafür notwen-
digen Handlungsschritte an die fragende
Instanz delegieren, haben sie keinen Willen
artikuliert, sondern mehr oder weniger offen einen Wunsch zu Gehör gebracht, für
dessen Erfüllung andere zuständig sind.
Die Konfrontation mit Wünschen stellt eine
ständige Verführung für soziale Arbeit dar.
Wenn Fachkräfte in der sozialen Arbeit sich
darin gefallen, Wünschen nachzukommen
oder gar die alleinige Verantwortung für
die Veränderung von Lebensbedingungen
oder gar Biografien zu übernehmen, manövrieren sie sich in eine ausweglose Situation.
Zum einen sind sie mit derlei Aufgaben völlig überfordert, und zum anderen nehmen
sie den wünschenden Menschen die Möglichkeit eigener Aktivität und verstärken somit eine passive Erwartungshaltung auf optimale Betreuung und wohlfahrtstaatliche
Zuwendung.
theoretisch und doch etwas unrealistisch,
wird jedoch schon seit 2008 umgesetzt.
Eines der ersten Projekte, das so gestaltet
wurde, hatte seinen Start in einer Gemeinderatssitzung. Dort gab es einen Imker, der
leider zu wenig Verkäufer_innen für den wöchentlichen Markt hatte. Die dort ansässige
Werkstätte einer Trägerorganisation hatte
leider zu wenig Produkte, dafür aber sehr
viele interessierte Personen für den Verkauf.
So entstand zunächst eine Kooperation, die
sich dann immer weiter ausdehnte. Durch
die Schaffung einer Möglichkeit die Interessen auszubauen, kam es zu einer WinWin-Win Situation. Mittlerweile sind noch
weitere gemeinsame Aktivitäten mit dem
Bienenzuchtverein hinzugekommen. Dies
ist ein Beispiel für Sozialraumorientierung
und für die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigung.
Diese oben erwähnte Eigeninitiative soll
durch das Konzept der Sozialraumorientierung gestärkt werden und eine Brücke zum
Paradigma der Inklusion bilden. Die Sozialraumorientierung baut darauf auf, nicht
„Defizite“ eines Menschen zu bestimmen
und diese durch pädagogische und zielgerichtete Betreuung zu minimieren, sondern
sie zielt darauf ab, die Gegebenheiten der
Umwelt der Menschen so zu gestalten, dass
diese am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Damit wandelt sich die Perspektive vom „Menschen mit Defiziten“ zu
„Umwelt, die Partizipation ermöglicht oder
nicht ermöglicht“. Wichtig dabei ist, dass die
Umwelt einer Person so veränderbar ist, dass
sie selbstständig an Prozessen und Projekten
teilnehmen kann. Diese Konzept klingt sehr
Um den Gedanken der Sozialraumorientierung und der daraus resultierenden Inklusion zum Schluss noch einmal auf den Punkt
zu bringen, muss noch erwähnt werden, das
im Konzept der Inklusion das gesamtgesellschaftliche Bild im Vordergrund steht und
keine Einzelinteressen. Wenn im öffentlichen Verkehr eine Niederflurstraßenbahn
zum Einsatz kommt, hilft es nicht nur Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung,
sondern auch Eltern mit Kinderwägen und
älteren Menschen.
Damit nützt Inklusion nicht nur Menschen
mit Beeinträchtigung, sondern verbessert
auch das Leben von Menschen ohne Beeinträchtung erheblich und ermöglicht eine
beidseitige Partizipation.
VIDEO-TIPP
bit.ly/Näherkommen
SOZIALRAUMORIENTIERUNG
5
Quelle: flic.kr/photos/hauptillusionator, CC BY-NC-SA 2.0
CRITICAL MASS
Ausgehend von den ersten Zusammenkünften von ein paar
Dutzend Fahrradbegeisterten in San Francisco, hat sich die
Critical Mass inzwischen zu einem globalen Phänomen von teils
enormen Ausmaßen ausgewachsen.
Text von Fabian Jordan
Quelle: flic.kr/photos/franknieuwenhuis, CC BY-NC-SA 2.0
6
Im Jahre 1992 begann eine kleine
Gruppe von Menschen mit der Umsetzung einer ganz besonderen Art
des Protestes: Sie druckten Flyer und
trafen sich zur gemeinsamen, „Commute Clot“ genannten, Radtour durch
die von Autos dominierte Stadt San
Francisco. Es ging um den Spaß am
Radeln mit Gleichgesinnten und um
mehr Aufmerksamkeit für das Fahrrad als gleichberechtigtes Verkehrsmittel. Die Idee wurde zum beliebten
Treffpunkt und wuchs rasch in Größe
und Reichweite. Der Name „Critical
Mass“ entstand erst etwas später und
geht auf den chinesischen Alltagsverkehr zurück: Wenn eine Gruppe
von weniger starken Verkehrsteilnehmer_innen groß genug wird, also
eine kritische Masse erreicht, kann sie
auch eine ungeregelte und stark befahrene Autostraße überqueren. Das
funktioniert natürlich nur wegen der
großen Anzahl an Zweirädern, die
diesen Effekt innerhalb von Sekunden
ermöglicht.
Mittlerweile finden Critical Masses in
vielen Städten rund um den Globus
statt. Eines der Hauptmerkmale dabei
ist vor allem immer der hierachiefreie
Charakter, der sich von der scheinbar zufälligen und unorganisierten
Zusammenkunft bis hin zur Routenfindung in Form von Schwarmintelligenz durchzieht: Wer will, denkt sich
Ort und Zeit für einen Treffpunkt aus
und informiert per Flyer oder Internet möglichst viele Menschen von
der Idee. Wenn sich die Masse dann
in Bewegung setzt, entscheidet wer
vorne fährt die Richtung, die bei jeder
Kreuzung neu zur Debatte steht. Da-
bei geht es aber nicht immer um die
ruhigste oder schönste Route, auch
wichtige Autoverkehrsadern werden
gerne befahren, da es eben diese sind,
welche die stärksten Symbole für die
jahrelang auf das Auto zugeschnittene
Verkehrspolitik sind. Denn die Critical
Mass möchte auffallen, Denkprozesse
anregen und nimmt sich dafür auch
den Platz den sie braucht!
Von Anfang an war natürlich die
rechtliche Grundlage ein sehr heikle.
In den USA kam es schon einige Male
zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, inklusive Massenverhaftungen
und fast überall gab es Versuche seitens der Politik, die Veranstaltungen
zu verbieten, zu instrumentalisieren
oder in feste Bahnen zu zwängen.
Hier aber greift die Besonderheit einer jeden Critical Mass: Es gibt keine
Organisation, keine Verantwortlichen, keine Mitglieder. Offiziell ist es
ein zufälliges Zusammentreffen von
vielen, oft tausenden Radfahrbegeisterten.
Während in Österreich die größten
Critical Masses in Wien mittlerweile an die Tausend Radfahrer_innen
anlocken, hält den Weltrekord für
die größte Zusammenkunft zur gemeinsamen Stadtrundfahrt in Budapest, die im April 2013 unfassbare
100.000 Menschen mobilisierte.
Aber wieso wird da einfach mal für ein
paar Stunden die Innenstadt lahmgelegt, werden sich jetzt viele denken,
geht das nicht an der Sache vorbei?
Dem sei zu entgegnen, dass der automobile Verkehr tagtäglich zu einigen
CRITICAL MASS
Stunden Stillstand im Berufsverkehr
führt, was meist als gegeben hingenommen wird. Mit Musik und Klingeln wird dann den Hupkonzerten
entgegnet, Passant_innen und anderen Verkehrsteilnehmer_innen zugewunken und getreu dem Motto „We
aren‘t blocking traffic, we are traffic“
die Straße per Fahrrad zurückerobert.
Und was die teils aufgebracht reagierenden Autolenker_innen meist übersehen: Sie schweißen mit ihrer Wut
ungewollt die Gruppe noch mehr
zusammen. Es fühlt sich unglaublich
stark an, endlich mal nicht alleine einem nicht abreißen wollenden Strom
an tonnenweise Metall gegenüberzustehen und dabei auch noch zu guter
Musik zu tanzen. In diesem Sinne: Reclaim the streets!
FACTS
›› Erste: 25.09.1992, San Francisco
›› Größte: Ca. 100.000 Menschen,
20.04.2013, Budapest
LINKS
›› criticalmass.at (CMs in Österreich)
›› criticalmass.wikia.com (CMs Weltweit)
TERMINE
›› Linz, Graz, Salzburg und Innsbruck:
Jeder letzte Freitag im Monat
›› Wien: Jeder 3. Freitag im Monat
›› BrückenRADLn für eine sichere
Nibelungenbrücke: Freitag, 8.5.2015
7
DAS FRAUENREFERAT
Eine Bestandsaufnahme
Text von der GRAS Linz
Öffnet Mensch die Seite der ÖH JKU
und sucht nach dem „Frauenreferat“
so entgegnet ihm folgendes Statement:
„Das Frauenreferat will eine Frauenpolitik der ÖH, die sich von ideologischen und parteipolitischen Parolen
distanziert und auf konstruktive Verbesserungsvorschläge baut. Besonders wichtig ist uns die persönliche
Beratung in schwierigen Situationen.
Wir wollen dafür sorgen, dass Institutionen und Initiativen, die sich außerordentlich für die Förderungen von
Frauen einsetzen, vor den Vorhang
geholt werden. Wir wollen nicht immer auf Schwächen von Frauen hinweisen, sondern gezielt ihre Stärken
positiv fördern.
Außerdem sehen wir es als unsere
Aufgabe, die Frauen an der JKU zu
fördern, doch genauso sind wir der
Meinung, dass auch Männer* gefördert werden sollten.
Die Sprechstunden werden individuell vereinbart.“
An dieser Stelle wurde das Statement
ganz bewusst in voller Länge abgedruckt. Dies ist leider, neben einzelnen Frauenfrühstücken (zu denen
auch herzlich alle Männer* eingeladen wurden), so ziemlich das einzige,
was das Frauenreferat an öffentlich
wirksamer Arbeit an der JKU in der
letzten Legislaturperiode zustande
gebracht hat.
8
Wir als GRAS haben ein anderes
Verständnis davon, was aktive Arbeit
in einem Frauenreferat bedeutet.
Scheinbar feministische Debatten beschränken sich aktuell auf Diskussionen um die „richtige“ geschlechtsneutrale Schreibweise oder darauf „dass
Männer* von nun an unterdrückt
werden sollen“. Feminismus kann
und muss auch mehr sein, damit sich
die patriarchalen Strukturen endlich
zerschlagen lassen! Dass diese immer
noch tief in unserer Gesellschaft verankert sind, beweist einmal mehr die
Handlungsnotwendigkeit!
Das Frauenreferat der ÖH ist im gesamtgesellschafltich
betrachteten
Kontext nicht wichtig. Von dort aus
kann weder der Mainstream-Mediendiskurs über Feminismus groß
beeinflusst werden, noch kann Sexismus völlig überwunden werden. Das
ist uns durchaus bewusst.
Doch die aktuelle „Politik“
des Frauenreferats, die eine_n glauben lässt es gäbe
gar keinen Anlass, aktiv zu
werden und sich mit frauenspezifischen
Thematiken auseinanderzusetzen,
stimmt uns als feministische Gruppe doch traurig
und nachdenklich.
Wir möchten an dieser Stelle unsere Idee zu aktiver Arbeit im Frauenreferat und
einzelne Ansatzpunkte vorstellen, von denen wir glauben, dass sie die Lebensrealität von Frauen* an der JKU
und damit einem Teil der
Gesellschaft, zum Positiveren verändern können.
DAS FRAUEN*REFERAT
Das Frauenreferat stellt eine Einrichtung innerhalb der Österreichischen
Hochschüler_innenschaft an der
JKU dar. Damit genießt es bestimmte
strukturelle Möglichkeiten und Handlungsspielräume. Zum einen verfügt
das Referat, wie alle anderen, über
bestimmte materielle und finanzielle
Ressourcen, die Möglichkeit an der
JKU Seminarräume gratis zu benützen, aber auch über eine Referentin,
die für ihr Engagement und die organisatorischen Aufwände eine Entschädigung bekommt. Somit beste
Startbedingungen, um kritische und
aktionistische Projekte auf die Beine
zu stellen.
SICHTBARKEIT
Das Frauenreferat an der ÖH JKU
braucht einen eigenen Raum! Das Referat soll für die Studierenden sichtbar
sein, fixe Öffnungszeiten haben und
in erster Linie einen Freiraum bieten.
Feministische Politik braucht entsprechende Kanäle und Sichtbarkeit, um
auf Missstände aufmerksam machen
zu können.
FREIRAUM
Das Frauenreferat soll im universitären Kontext ein Freiraum sein, von
dem aus möglichst hierarchiearm und
frei von politischen Machtstrukturen
der feministische Diskurs fortgeführt
und in verschiedene gesellschaftliche
Bereiche – auch außeruniversitäre –
hineingetragen werden soll. Neben
dieser Freiraumfunktion könnte das
Referat auch als Schutzraum funktionieren und so Zuflucht vor sexistischer
Alltäglichkeit bieten.
INNERHALB DER UNIVERSITÄT
Wir fordern aktives Einsetzen für den
Ausbau geschlechtsspezifischer Forschung und entsprechender Anreize.
Des Weiteren muss der Abbau von
Hürden und Barrieren für Frauen*
an der JKU weitergehen. Noch immer sind Frauen* in den horizontalen
Strukturen unterrepräsentiert. Nur
14,6% der Professuren an der JKU
sind weiblich besetzt (22,2% österreichweit). Selbst im Gremium der
ÖH, der Universitätsvertretung sind
nur sehr wenige Frauen* und die Parität ist nicht gewahrt.
FEMINISTISCHE POLITIK NACH
AUSSEN TRAGEN
Mit Hilfe von diversen Veranstaltungen an der Universität in Form von
Lesungen, Filmabenden oder Diskussionsveranstaltungen sollen den
Student_innen außerhalb von Vorlesungen Raum für Austausch über
feministische Themen bieten. Dazu
eigenen sich auch Kooperationen mit
anderen Frauenreferaten (z.B. der
Stadt Linz, Kunstuniversität Linz) und
feminstischen Gruppen in Linz (Maiz,
Feminismus und Krawall). Nicht einmal am Weltfrauen*tag, an dem es
inzwischen nichts Außergewöhnliches mehr ist, feministische Aktionen
umzusetzen wurde das Frauenreferat
aktiv.
AKTIVES EMPOWERMENT
Mit der gesellschaftlichen Sozialisation als Frau* werden gewisse Verhaltensmuster und Rollenvorstellungen
vermittelt. Das ist natürlich auch bei
Männern* so, allerdings sind die gesamtgesellschaftlich als „männlich“
geltenden Attribute eher positiv konnotiert, die weiblichen eher negativ.
Die Situation von Männern* und Frauen* ist also eine grundsätzlich unterschiedliche und darf nicht in einen
Topf geworfen werden. Darum geht
es hier nur um Frauen*.
Frauen* sollen durch das Frauenreferat angeregt werden, sich aktiv mit verschiedenen Thematiken zu beschäftigen, sich darüber auszutauschen und
selbst aktiv werden. Mit einer offenen
Plenumskultur kann anderen Studentinnen leichter Verantwortung über-
„VON WEGEN GLEICHSTELLUNG...“
›› Gläserne Decke in Poltik, Wirtschaft und Wissenschaft?
›› Gender Pay Gap?
›› Ist Kinderbetreuung reine Frauen*sache?
›› Care Economy?
›› Bezahlte vs. unbezahlte Arbeit?
›› Diskontinuierliche Lebensläufe führen zu Altersarmut
besonders häufig bei Frauen*!
›› Strukturelle Diskriminierung durch zu wenig Kinderbetreuungsplätze, ...!
›› Alltäglicher Sexismus!
›› Frauen* sind überdurchschnittlich häufig von häuslicher und sexueller Gewalt sowie Stalking betroffen!
tragen werden, ihr Selbstbewusstsein
gestärkt werden und selbstbestimmte
Handlungsspielräume erfahren. Außerdem werden so endlich auch an
der JKU Politik und politischer Aktivismus zur Frauen*sache.
Darüber hinaus fordern wir den
Aufbau einer neuen feministischen
Bibliothek an der Johannes Kepler
Universität, von Studentinnen selbst
verwaltet. Auch der Name „Frauenreferat“ bräuchte dringend eine Überarbeitung. Die Tür sollte grundsätzlich für alle offen stehen, die sich als
Frauen* verstehen.
Mit diesem Artikel haben wir unserem
Frust kundgetan, dass hier aktuell gerade strukturelle Möglichkeiten für
aktive feministische Politik mehr als
verschwendet werden. Für uns gilt
das Motto „Mensch kann nicht nicht
kommunizieren“ auch für die Politik.
Mensch kann zwar von sich behaupten, unpolitisch zu sein, aber auch
dadurch wird ein Zeichen gesetzt und
in weitere Folge Politik gemacht. Also
ist auch scheinbar unpolitisch zu sein
ein politisches Statement. Das Frauenreferat setzt zur Zeit das Zeichen,
dass feministische Politik an der JKU
nicht gebraucht wird. Wir sehen das
aus guten Gründen nicht so! Lasst uns
gemeinsam gegen eine patriachale
Gesellschaft kämpfen! Und lasst uns
gemeinsam gegen die herrschende
Ignoranz und scheinbare Immunität
gegenüber feministischer Politik, besonders an der Johannes Kepler Universität kämpfen!
LINKS ZUM THEMA
›› oeh.univie.ac.at/vertretung/referate/frauenreferat
Broschüre „Frauen*forscherin“ vom Frauen*referat
der ÖH-Bundesvertretung: Darin werden unter anderem queer_feministische Orte, Räume, Initiativen,
Gruppen, Kollektive und Projekte in Wien vorgestellt.
Jede Ausgabe hat einen inhaltlichen Schwerpunkt.
Warum nicht auch für Linz?
›› maedchenmannschaft.net
›› zwischengeschlecht.org
›› anschlaege.at/feminismus
DAS FRAUEN*REFERAT
9
PEGIDA
„Wir sind das Volk“ und „Wirr ist das
Volk“ ertönte es seit Oktober letzten
Jahres in vielen Großstädten Deutschlands. PEGIDA spaltete die Deutschen von Beginn an. Die Einen sahen
in der Bewegung eine Gruppe aus
besorgten Bürger_innen, die lediglich das aussprechen, was viele andere Menschen denken und befürchten
würden. Sie sagten Dinge wie „Man
müsse die Angst der Menschen und
die Sorgen ernst nehmen“. Zuspruch
bekamen die Befürworter_innen auch
von Politiker_innen.
Und die ganzen anderen? Die Reihe
der Gegner_innen war lang, sie zeigte sich regelmäßig bei den Gegendemos, in TV-Politshows und in der
Presse. Die Bandbreite an Äußerungen reichte von „Angst- und Wutbürger_innen, geleitet von Fremdenhass“
bis hin zu „islamophoben Rassisten
und Neonazis“. Wie auch immer die
Menschen, die wöchentlich für und
mit PEGIDA auf die Straße gingen,
politischen eingeschätzt wurden, eins
stand immer fest: Offensichtlich hatten in Deutschland einige Menschen
ein Bedürfnis nach einer solchen Bewegung, bei der sie ihrer Meinung
kundtun können. Glücklicherweise
hatten stets deutlich mehr Menschen
ein ebenso großes ein Bedürfnis, ihre
Meinung kundzutun: Gegen PEGIDA, Islamophobie, Fremdenhass und
rechtsradikales Gedankengut.
Und in Österreich? Da war mensch
sich schon fast sicher, dass all diesen
Angst- und Wutbürger_innen, Rassisst_innen,
Fremdenhasser_innen
und Neonazis sowieso schon genug
Gehör verschafft wird durch die Politik. Besonders dank der FPÖ haben
solche Haltungen fast auf allen politischen Ebenen Einzug gehalten.
Anfang des Jahres wurde mensch
dann eines Besseren belehrt. In Wien
wurde die erste Veranstaltung von
PEGIDA – oder besser PÖGIDA – organisiert und abgehalten. Deklariert
als sogenannter „Spaziergang“ stellte
10
sich schnell und noch deutlicher als
beim deutschen Vorbild heraus, wer
da wirklich unterwegs ist: Hitler- und
Kühnengrüße, antisemitische Sprechchöre und ausländerfeindliche Aussagen prägten den „Spaziergang“.
Während mensch tatsächlich in Dresden und den anderen deutschen
Städten nicht alle Teilnehmer_innen
automatisch als rassistisch und rechtsradikal bezeichnen konnte, zeichnete
sich in Österreich ein anderes Bild ab.
Vielleicht lag das ja auch daran, dass
die „gemäßigteren“ Rechten genug
Unterschlupf und Unterstützung bei
und durch FPÖ und Co. bekommen.
Übrig bleibt wohl einfach der „harte
Kern“ der Neonazis. Wie dem auch
sei, PEGIDA fasste auch in Österreich Fuß: Nach Wien kam Linz. Die
erste Demonstration, auch hier als
„Spaziergang“ tituliert, wurde ohne
größere Zwischenfälle begleitet. Das
mag auch daran gelegen haben, dass
durch das Organisationsteam zu Beginn der Veranstaltung den Anhänger_innen eingebläut wurde, sie mögen doch bitte ihre Arme untenlassen.
Letztlich kamen sie nicht besonders
weit, die PÖGIDAs: eine breite und
für Linzer Verhältnisse sehr große Gegendemonstration verhinderte das in
Form einer Blockade. Etwa zwei Stunden standen sich die beiden Gruppen
gegenüber, warfen sich Sprüche und
Schneebälle an die Köpfe. Mehr ist
nicht passiert. Zum Schluss hat ein
Großteil der Blockade PÖGIDA unter
lautem Jubel zum Bahnhof „begleitet“. Das wars. Linz und PEGIDA – einmal und nie wieder!
Doch sie gaben nicht auf, die Ewiggestrigen, das haben sie so an sich.
Also kam der nächste Spaziergang,
eine Woche später. Gleicher Ort,
gleiche Zeit, anderes Ergebnis. Ein
massives Polizeiaufgebot und eine
riesige Sperrzone sorgten dafür, dass
die Demonstrant_innen ungestört
ihre Kundgebung durchführen konn-
PEGIDA
ten. Die Teilnehmer_innen der erneut
sehr großen Gegenveranstaltung hatten keine Möglichkeit, sich ihnen in
den Weg zu stellen. Zu Ausschreitung
kam es dann später am Hauptbahnhof. Da hat danan uach das Polizeiaufgebot nichts mehr geholfen. Das
lag aber weniger an der Menge der
Polizist_innen als vielmehr an deren
Engagement: Einige PEGIDA-Demonstrat_innen konnten ungehindert
Antifaschist_innen verprügeln. Die
Polizei stand nach mehrmaliger Aufforderung, zu Helfen, lediglich daneben, statt einzugreifen.
Wir waren bei den Anti-PEGIDA-Demos dabei und wollen dir mit ein paar
Bildern ein Gefühl dafür geben, wie
es so war.
KOMMENTAR
Kathrin Quell
Ich habe mich im Artikel wirklich um
Objektivität bemüht, aber im Kontext
von PEGIDA kann ich einfach nicht
anders, als einmal zu einer wichtigen
Frage aus meiner Sicht Stellung zu
nehmen: NEIN, mensch muss PEGIDA nicht ernst nehmen, nicht mit ihnen reden und auch nicht ihre Sorgen
verstehen lernen! Denn was PEGIDA
tut, ist nicht neu: sich für die eigenen
vermeintlichen Probleme einen Sündenbock suchen. Die Sorgen sind
es ebenso wenig: die Angst vor dem
Fremden, vor wirtschaftlichem Abstieg und davor, dass irgendwer mehr
haben könnte als mensch selber. PEGIDA reiht sich mit ihrer Art der Argumentation nahtlos ein in eine lange
Geschichte vermeintlich politischer
und bürgerlicher Bewegungen. Und
noch eine letzte Frage: Nein, sie sind
vielleicht nicht alle (Neo)Nazis, aber
sie tun letztlich nichts anderes als
eben jene getan haben. Und das Ergebnis von damals ist bis heute überall spürbar. Darum: kein Vergeben,
kein Vergessen und nie wieder!
VIDEO-TIPP
bit.ly/DresdenRostock
PEGIDA
11
„DU BIST AUS LINZ, ABER
WOHER KOMMT DEIN ESSEN?“
Die österreichische Umweltorganisation Global 2000 und die Grünen und
Alternativen Student_innen (GRAS) an der JKU luden zu einem Info-Abend im
Keplergebäude zum Thema Ernährungssouveränität ein. Dabei ging es vor allem
um Lebensmittel, die aus der Region stammen und vom Kleinhandel oder direkt
vom Hof kommen, abseits von überdominanten Supermarkt-Großkonzernen.
Text von der GRAS Linz
Das Ergebnis war eine gut besuchte
Veranstaltung (ca. 50 Leute) in lockerer Atmosphäre, mit ansprechenden Vorträgen. Eingestimmt wurden
die Besucher_innen auf das Thema
zuerst durch den Poetry Slamer Markus Neumann. Ein sehr interessiertes
Publikum lauschte aufmerksam den
Vorträgen und stellte im Anschluss
Fragen. Nachdem die ausgelosten
Preise verteilt worden waren, wurde
das reichhaltige Bio-Buffet eröffnet
und genützt, um sich untereinander
auszutauschen.
DIE EINZELNEN VORTRÄGE
(teilweise nachzuhören auf Radio Fro,
FROzine-Sendung vom 20.3.)
Anna Geiger, Landwirtschaftsexpertin von Global 2000 und Dominik
Dax, Biobauer aus Kirchdorf a.d.
Krems sprachen über die Auswirkungen einer kapitalistisch organisierten
Lebensmittelindustrie. Besonderes
Augenmerk legten sie dabei auf Umweltaspekte, soziale Kontextfaktoren
und wirtschaftliche Veränderungen.
Typisch dafür sind zum Beispiel der
dadurch entstehende Preisdruck auf
landschaftliche Kleinbetriebe, Konzentrationsprozesse im Handel und
der Kapitalabfluss aus der Region.
12
„PEPIS BIOGURKEN“
Gerald Pflügelmeier aus Fraham bei
Eferding berichtete, dass im Laufe der
letzten Jahre zunehmend das Merkmal der Regionalität wichtiger wurde
und inzwischen den Biotrend ablöst.
Die Preise für den Einzelhandel müssen mit Bedacht festgelegt werden, da
eine Großkette anders kalkuliert als
ein Kleinunternehmen und ein großes
Preisgefälle beim Endverkaufspreis zu
einem Konzentrationsprozess führen
könnte. Dieser könnte den Hof wieder
von der Abnahme durch große Ketten
abhängig machen.
KRÄUTERHOF AUFREITER
Familie Aufreiter erläuterte Details
ihrer Kooperation mit Abnehmer_innen, wo gemeinsam Felder bewirtschaftet werden und dann die (Feld)
Früchte der gemeinsamen Arbeit unter allen Mitwirkenden aufgeteilt werden. Die Kosten belaufen sich dabei
jährlich auf 30 Euro pro Erwachsenem. Teilweise werden Biowaren auch
mit bis zu 50% Anteil für WirGemeinsam-Zeitscheine verkauft (WirGemeinsam ist ein Zeit-Tauschkreis,
der vor allem in OÖ stark verbreitet
ist). Damit ist dann nachbarschaftliche Hilfe für die anfallende Arbeit am
Hof einzutauschen.
LEBENSMITTELSOUVERÄNITÄT
NETS.WERK – REGIONALE PRODUKTE ONLINE BESTELLEN
Renate Liedl vom Nets.Werk Urfahr
erzählte, wie es ganz klein vor fast zwei
Jahren mit weniger als 5 Kund_innen anfing, die sie zuhause empfing,
während sie jetzt schon um die 90
hat. Diese kommen jeden Freitag in
ihr Geschäftslokal, wo sie auch Beschäftigte hat. Ihre Verkaufspreise orientieren sich an den Wunschpreisen
der regionalen Bio-Lieferant_innen.
Deshalb kostet ein Liter Milch auch
unterschiedlich viel, je nachdem von
welchem Hof. Kund_innen bestellen
die gewünschten Waren bis Montag
23:00 per Internet und holen das
Bestellte dann am Freitag ab. Entweder in Urfahr oder im Süden von Linz
(Geheimtip: veganes Grammelschmalz). Das Nets.Werk hat bereits etliche autonome Regionalstellen in OÖ
und NÖ, kooperiert aber auch mit
komplett eigenständigen Betrieben.
Besonderes Augenmerk wird auf die
Vermeidung von Plastikverpackungen
gelegt.
KLEINSUPERMARKT EINMAL
ANDERS
Bernd Fischer, Nah&Frisch-Unternehmer in Losenstein, erzählte, wieso er sich entschied, die lokale Nahversorgung in Losenstein zu retten.
Er übernahm den dort ansäßigen
Nah&Frisch-Supermarkt, der gerade
am Zusperren war. Die Zugehörigkeit
zum Nah&Frisch-System erfordert
„nur“ 60% des Produktangebots von
der Zentrale und räumt damit einen
größeren Freiraum bei der Warenvielfalt ein als vergleichbare Ketten.
Auch setzte er eigenwillig aber erfolgreich die Verbannung von Sackerl und
Folien aus Plastik in seinem Sortiment
durch. Seither kommen Kund_innen
vermehrt mit eigenen Stofftaschen
und Tupperdosen, was beweist: Es
geht auch ohne Wegwerfplastik!
FAZIT
All diese Projekte regen zu einem reflektieren Umgang mit unserer Verantwortung als Konsument_innen an
– eine Verantwortung, die nicht wegdiskutiert werden kann. Allerdings
darf nicht angenommen werden, dass
durch diese Handlungen der Kapitalismus und seine immanenten Sachzwänge überwunden werden können.
Bio und nachhaltiger Konsum wurden
in den letzten Jahren zu einem extrem
profitträchtigen Markt. Dadurch wird
ein gewisses Publikum angesprochen
und dieses wieder nur zu mehr Konsum angeregt. Es ist richtig und wichtig Initiativen wie oben geannt zu unterstützen – wenn man die finanziellen
Ressourcen dafür hat – allerdings darf
die Kritik nicht an dieser Stelle aufhören, denn dann verfällt mensch nur
den gleichen kapitalistischen Mustern.
Noch ein Lesetipp zum Thema:
Die Zeit ist reif für Ernährungssouveränität (50 S., attac.at/agrar,
viacampesina.at oder ernährungssouveränität.at/ernaehrungssouveranitat/broschuere-ernaehrungssouveraenitaet).
LINKS ZUM THEMA
›› Die Zeit ist reif für Ernährungssouveränität (50 S., attac.at/agrar, viacampesina.at oder
ernährungssouveränität.at/ernaehrungssouveranitat/broschuere-ernaehrungssouveraenitaet)
›› FROzine-Sendung: cba.fro.at/282889
›› Pepis Biogurken: pepis.eu
›› Kräuterhof Aufreiter: aufleben.at
›› Wir Gemeinsam (Zeit-Tauschkreis): wirgemeinsam.net
›› NETs.werk: netswerk.at
›› Bericht über Bernd Fischers Geschäft in Losenstein:
gbw.at/oesterreich/artikelansicht/beitrag/anders-wirtschaften-ist-moeglich
›› Global 2000: global2000.at
LEBENSMITTELSOUVERÄNITÄT
13
GRAS-TIPP
Kostenlose Mietrechtsberatung
Als Mieter_in hast du auch Rechte – auch wenn die
andere Seite das oft nicht so sehen will!
Text von Rainer Kilpatrick
Die meisten von uns sind darauf angewiesen, während dem Studium und
das restliche Leben Wohnraum zu
mieten. Während Studierendenheime
und gemeinnützige Wohnungsgenossenschaften nur soviel verlangen dürfen, um ihre Kosten abzudecken, geht
es auf dem privaten Wohungsmarkt
vielfach um einiges rauer zu. Gerade
deshalb ist es gut zu wissen, welche
Rechte du als Mieter_in hast und wo
du dich genauer erkundigen kannst,
damit deine Finanzen nicht unnötig
über Gebühr strapaziert werden.
KOMPLEXE RECHTSLAGE
Weil das Mietrecht im Laufe der letzten 100 Jahre immer wieder „reformiert“ wurde, gibt es eigentlich
verschiedene Mietrechtsregime, je
nachdem wieviel Wohneinheiten im
Haus bestehen, wann das Haus gebaut und wann etwas dazugebaut
wurde (z. B. Dachbodenausbau). Diese Zersplitterung kann dazu führen,
dass in ein und demselben Haus je
nach Wohnung verschiedene Regelungen auf die einzelnen Mietverträge
anzuwenden sind. Hier nur eine vereinfachte Darstellung der wichtigsten
Mietvertrags-Gruppen auf dem privaten Wohnungsmarkt.
MIETRECHTLICHER VOLLSCHUTZ IM
MRG-ALTBAU
Der Vollschutz gilt in der Regel
für Mehrparteienhäuser, die vor
1.7.1953 baugenehmigt wurden (außer es wurde an der Wohnung bereits
Wohnungseigentum begründet und
sie wurde erst nach dem 2. Weltkrieg
errichtet).
14
Wenn das Mietrechsgesetz (MRG)
voll zur Anwendung kommt, kannst du
dich glücklich schätzen. Es gibt eine
halbwegs strenge Mietzinsobergrenze, die sich zwar nicht mit einer klaren
mathematischen Formel berechnen
lässt, aber nicht überschritten werden darf. Ausgehend vom Richtwert
(derzeit in OÖ EUR 5,84/m²) sind
je nach Wohnung Zu- und Abschläge
vorzunehmen (mit 25% Zuschlägen
ist aber nach der Rechtssprechung
die Obergrenze normalerweise erreicht), und dann in vielen Fällen noch
10% USt, sprich das meiste über
brutto EUR 8/m² ist gesetzwidrig (im
MRG-Altbau). Somit liegt die erlaubte
Höchstmiete doch oft unter den (auch
für ebensolche Altbau-Wohnungen)
verlangten Mieten. Die Betriebskosten müssen getrennt vom Mietzins
ausgewiesen werden. Das MRG ist
dann auch bei Untervermietung (z. B.
in WGs) anzuwenden (der Mietzins
darf das 1,5-fache des maximal zulässigen Hauptmietzins sein, Weiterverrechnung der Betriebskosten aber
nur 1:1).
MIETRECHTLICHER TEILSCHUTZ IM
MRG-NEUBAU
Hier handelt es sich um Mehrparteienhäuser, die nach dem 1.7.1953
gebaut wurden (oder, wenn an der
vermieteten Wohnung bereits Wohnungseigentum begründet ist, nach
Kriegsende errichtet) und damit gilt
nicht der strenge Richtwert, sondern
die Höhe der Miete kann freier gewählt werden. Für MRG-Altbau und
MRG-Neubau gleichermaßen (und
auch bei Untervermietung) gelten folgende Bestimmungen:
GRAS-TIPP
›› In der Regel muss die Befristung
von Mietverträgen mindestens
3 Jahre betragen und schriftlich
vereinbart werden, damit die vermietende Seite sie rechtlich durchsetzen kann.
›› Als Kaution dürfen nur maximal
6 Bruttomonatsmieten verlangt
werden (Rechtsprechung).
›› Befristete Mietverträge kannst du
nach dem 1. Jahr mit 3-Monatsfrist
kündigen (unabhängig von der
Dauer der Befristung), unbefristete
jederzeit mit der geltenden Kündigungsfrist (außer es wurde für eine
bestimmte Zeit ein Kündigungsverzicht vereinbart).
›› Vermieter_in muss dich gerichtlich
kündigen und einen wichtigen
(meist nach dem MRG) Kündigungsgrund geltend machen.
ABGB-WOHNUNG – NUR ALLGEMEINES ZIVILRECHT
In den meisten anderen Privatwohnungen (z. B. in Ein- und Zweiwohnungshäuser) gilt das MRG nicht,
sondern nur das relativ alte (1811
eingeführte, seitdem immer wieder
novellierte) Allgemeine Bürgerliche
Gesetzbuch (ABGB). Das erlaubt bei
der Vermietung einen relativ großen
Gestaltungsspielraum, aber es gibt
immerhin das Verbot der gröblichen
Benachteiligung der anderen Vertragspartei und von sittenwidrigen
Klausel. Befristungen sind beliebig
vereinbar und auch bindend (also kein
vorzeitiges Kündigungsrecht nach
einem Jahr, wenn nicht ausdrücklich
vereinbart).
BEI „GEWERBLICHER“ VERMIETUNG
GILT KSCHG
Unabhängig davon, ob für den Mietvertrag das MRG gilt oder nur das
ABGB, kann aber auch das Konsument_innenschutzgesetz
(KSchG)
gelten, und zwar wenn die Vermietung
gewerblich betrieben wird (Faustregel: Ab 5 vermieteten Wohnungen).
Das heißt dann, dass für die überlassenen Räumlichkeiten und Gegenstände Gewährleistung gilt, aber
auch strengere Bestimmungen für die
Vertragsklauseln.
GEMEINNÜTZIGE WOHNUNGSGENOSSENSCHAFTEN
Wenn du dich bei Wohnungsgenossenschaften anmeldest, hast du die
Chance, irgendwann zu einer preiswerten Mietwohnung zu kommen,
denn die Miethöhe darf nur kostendeckend vorgeschrieben werden. Die
Wartedauer kann ganz unterschiedlich sein (bis zu mehrere Jahre) und
hängt einerseits von deinen Wünschen (Größe, Gegend etc.) und andererseits von der Dringlichkeit deines Wohnbedarfs ab. Ein zusätzlicher
Vorteil der normalerweise niedrigen
Miethöhe ist, dass du in vielen Fällen
ohne Probleme auch Wohnbeihilfe
bekommen kannst, wenn dein Einkommen gering ist.
WOHNUNGSVERMITTLUNG
Makler_innen werden meist im Auftrag von Wohnungseigentümer_innen tätig und wären eigentlich dazu
da, beide Seiten umfassend zu informieren und einen Interessenausgleich
zu vermitteln. In der Realität sieht das
leider oft anders aus. Trotzdem müsstest du im Fall einer „erfolgreichen“
Vermittlung eines Wohnobjekts die
gesetzlich geregelt Provision voll blechen (1 Bruttomonatsmiete im Fall
eines 3-Jahres-Vertrags oder kürzer,
2 BMM bei mehr als 3 Jahren Vertragsdauer). Und das dafür, dass dir
eine Wohnung gezeigt und der Mietvertrag vorgelegt wird. Mein Tipp
daher: vermeide solche unnötigen
Zusatzkosten – es gibt oft auch andere
Wohnungen zur Auswahl.
RECHTSFRAGEN/-STREIT – AUSKUNFT UND VERFAHRENSORTE
Wenn du in Linz eine ABGB-Wohnung (unter)mietest, ist bei Rechtsstreitigkeiten das jeweilige Bezirksgericht zuständig (BG Urfahr und BG
Linz, abhängig von der Wohnungsadresse), bei MRG-Angelegenheiten in
Linz die Schlichtungsstelle der Stadt
Linz für Wohn- und Mietrechtsangelegenheiten, außerhalb von Linz generell das Bezirksgericht (egal, ob MRG
oder nur ABGB gilt).
Kostenlose Auskunft:
›› Schlichtungsstelle der Stadt Linz:
[email protected]
at, Tel. 0732 7070, Amtsstunden:
Mo & Do 7:00-12:30 / 13:3018:00, Di & Mi 7:00-13:30, Fr
7:00-14:00
›› Bundes-ÖH und AK (siehe GRASTipp auf Seite 19)
›› Bei jedem Bezirksgericht am Amtstag (meistens Dienstag Vormittag)
Bei der Schlichtungsstelle steht dir
ein risikoloses Verfahren zur Verfügung, weil Anträge kostenlos sind, du
keinen Rechtsbeistand haben musst
und etwaige Kosten der Gegenseite
nicht von dir zu bezahlen sind, sogar
wenn du nicht recht bekommst (eine
Entscheidung der Schlichtungsstelle
am Ende des Verfahrens kostet nur
einmal EUR 6,50). Von der Schlichtungsstelle werden nur Sachverhalte
nach dem MRG, WGG (Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz, sprich:
im gemeinnützigen Wohnbau) und
Heizkostengesetz beurteilt. Folgende
Dinge kannst du dort beantragen
(ua.):
›› Zulässigkeitsüberprüfung der
Höhe des Mietzinses
›› Überprüfung der Zulässigkeit
von Betriebskosten und laufenden
öffentlichen Abgaben
›› Ersatz von dir bezahlten Aufwendungen in der Wohnung
›› Anerkennung als Hauptmieter_in
(bei Scheinuntervermietung: um
von dir mehr Miete verlangen zu
können)
GRAS-TIPP
›› Rückzahlung von verbotenen Leistungen und Entgelten (z. B. Ablösen
für Wohnungsüberlassung ohne
Gegenwert)
›› Entgeltüberprüfung für mitvermietete Gegenstände und sonstige
Leistungen
›› Rückzahlung von Kautionen
›› Legung der Wärmekostenabrechnung
Wenn du eigene Erfahrungen, Fragen (z. B. ob deine Wohnung Altoder Neubau ist) oder Anregungen
zum Thema Mieten und Wohnbeihilfe hast, schick einfach eine Mail an
[email protected]
Es gibt vernünftige Vorschläge, den
umfassenden Schutz des Mietrechts
auf alle vermieteten Wohnungen
auszudehnen, aber die politische
Willensbildung zum Angehen dieser
überfälligen Reform ist noch im „Auf
der langen Bank“-Stadium, unter
anderem weil SPÖ und ÖVP lieber
zu „wichtigeren“ Themen wie Erbschaftssteuer öffentliche Watschenplattler aufführen. Anscheinend ist es
für Österreich (oder zumindest die
Regierungsparteien) eine entscheidendere Frage, ob das Geld von Verlassenschaften besteuert werden soll
oder nicht (weil sich die ehemaligen
Eigentümer_innen sonst vielleicht im
Grabe umdrehen könnten), als zu erreichen, dass Studierende und junge
Familien in ganz Österreich Zugang
zu Wohnraum haben, ohne dafür bis
zur finanziellen Belastungsgrenze
ausgenommen zu werden.
15
GRAS FAQ
Wir erklären uns!
WER SIND DIE GRAS?
In allererster Linie sind wir zunächst
einen Gruppe junger Menschen, die
sich in unterschiedlichsten Bereichen
politisch engagieren. Jede_r darf
mitmachen, jede_r ist willkommen,
keine_r hat mehr zu sagen, als eine
andere Person. Alle haben das gleiche
Mitspracherecht.
SOLL GRAS FÜR MEDIZINISCHE
ZWECKE FREIGEGEBEN WERDEN?
Die Legalisierung nur für medizinische Zwecke halten wir für eine
scheinheilige Argumentation weil das
im Endeffekt nur der Pharmaindustrie
zu enormen Gewinnen verhilft, den
Genuss aber weiter in die Illegalität
abdrängt. Wir stehen für eine generelle Legalisierung ein. Es gibt ein Menschenrecht auf RAUSCH, egal welche
Substanz.
WARUM SEID IHR DER MEINUNG,
DASS GENDER STUDIES VERPFLICHTEND SEIN SOLLEN?
Wir sehen die Universität als Bildungsstätte und nicht als Ausbildungsstätte
(FH) und deshalb soll sich jede_r Student_in zumindest einmal im Studileben mit der eigenen (Geschlecher)
Rolle in der Gesellschaft aktiv auseinandersetzen. Das gehört für uns
zu einem erfolgreichen Universitätsabschluss dazu. Die als Alternativen
angedachten Kurse können für uns
Gender-Studie Kurse nicht ersetzen,
da zum Beispiel eine Vorlesung zu
Ethik nicht den gleichen Themenkomplex abdeckt.
STIMMT ES, DASS IHR FLEISCHKONSUM IN DER MENSA VERBIETEN
WOLLT?
Von einem Verbot kann keine Rede
sein. Wir streben an, dass es jeden
Tag eine vegetarische oder vegane
Alternative zu Fleisch gibt, welche gut
schmeckt, leistbar, gesund und abwechslungsreich ist!
IHR SEID IMMER NUR DAGEGEN,
ODER?
Nein, wir sind eigentlich nie dagegen, sondern immer dafür. Aber halt
immer für anderes als die anderen.
Ansonsten siehe Artikel auf Seite XYZ.
ÖH-WAHLEN
19. – 21. Mai 2015
WAS KRITISIERT IHR AN DER AKTUELLEN ÖH-EXEKUTIVE?
Wir kritisieren den Stillstand in der
ÖH Politik. Die bestehenden Dienstleistungseinrichtungen funktionieren
gut. Doch die ÖH muss mehr bieten
als nur Dienstleistungen – zu einer
zeitgerechten ÖH-Arbeit gehören
auch gesellschaftspolitische Inhalte.
Student_innen brauchen eine kritische und engagierte Vertretung gegenüber den Professor_innen, der
Universtität und der Bundespolitik.
Die ÖH kann eine junge, treibende
Kraft in politischen und Bildungsfragen sein, aber nur wenn sie nicht eine
noch konservativere Politik betreibt
als das die „Alten“ ohnehin schon
machen und zu allem Ja und Amen
sagt, was vom Rektorat oder vom Wirtschaftsministerium kommt.
IHR WOLLT DEN KOMMUNISMUS,
ODER?
Zunächst kritisieren wir den Kapitalismus aufs Schärfste. Wir konzentrieren uns darauf, die Mechanismen des
Kapitalismus zu verstehen und daraus
Kritikpunkte zu formulieren.
DEN KOMMUNISMUS gibt es nicht.
Wir sind alle dazu aufgerufen, unsere
Gesellschaft mitzugestalten und zu
formen. Es ist doch auch langweilig
bei einem Rätsel schon davor die Lösung zu kennen, oder?
WIE FINANZIERT SICH DIE GRAS
LINZ?
Wir beziehen ausschließlich Vereinsförderung vom Land Oberösterreich. Damit finanzieren wir unsere
Diskussionsveranstaltungen,
Film­
abende, Publikationen und alles was
sonst noch an Veranstaltungen ansteht. Dafür akzeptieren wir keine Inserate – weder von Landes- und Stadtpolitiker_innen, noch von Banken
oder Firmen.
16
WIE VIEL WAHLKAMPFBUDGET
HABT IHR?
Unser Wahlkampfbudget beläuft sich
auf insgesamt 6000 Euro.
WIE STEHT IHR ZU DEN GRÜNEN?
Mit den Grünen pflegen wir ein
freundschaftlich kritisches Naheverhältnis. Das heißt, wir stimmen mit
vielen Grundwerten der Grünen
überein, hinterfragen diese aber
stets. In unserer Arbeit sind wir nicht
so stark an realpolitischen Gegebenheiten gebunden und gehen daher in
unseren Forderungen einen idealistischeren Weg.
SEID IHR EWIGE STUDENT_INNEN?
Nein. Und selbst wenn: Wir würden
das nicht als Beleidigung sehen, sondern als Kompliment. Es soll ja noch
interessante Dinge neben der Scheinejagd geben.
WARUM KANDIDIERT NIEMAND
VON EUCH AUF DER TNF FÜR EINE
STUDIENVERTRETUNG?
Auf der TNF leisten unfraktionierte
Kolleg_innen großartige Arbeit – wir
fänden es reichlich unfair, dort nur
zu kandidieren um (vermeintlich)
Einfluss zu gewinnen und sich durch
mehrfach inskribierte Kolleg_innen
der eigenen Fraktion wählen zu lassen.
WIE KANN ICH BEI EUCH MITMACHEN UND EUCH TREFFEN?
Während dem ÖH-Wahlkampf sind
wir bei schönem Wetter auf dem Bibliotheksplatz mit Liegestühlen, Mate-Eistee und Keksen anzutreffen.
Wenn es drinnen gemütlicher ist, stehen wir vor dem ÖH Shop im Keplergebäude.
Oder schreib einfach eine E-Mail an
[email protected] oder kontaktier uns
per Facebook, wir laden dich gerne zu
unserem nächsten Plenum ein!
ÖH-WAHLEN 2015
Vom 19. – 21. Mai 2015 hast du auch
heuer wieder die Chance, von deinem
Wahlrecht Gebrauch zu machen!
Wenn du bis zum 31. März deinen
ÖH Beitrag und eventuelle Studiengebühren bezahlt hast, dann warten drei
Stimmzettel in der Wahlurne, darauf
von dir gekreuzt zu werden.
1.Zettel: Studienrichtungsvertretung,
welche dich bei institutsbezogenen
Problemen vertritt.
2.Zettel: Hochschulvertretung, welche dich direkt an der JKU vertritt.
3.Zettel: Bundesvertretung, welche
sich bundesweit gegenüber der Politik für deine Interessen einsetzt
Zur Wahl musst du lediglich deine gültige Kepler Card mitbringen.
Mit den Novellierungen des Hochschulgesetzes von letzten Jahr hast du
nun auch die Möglichkeit zur Briefwahl. Falls du an den drei regulären
Wahltagen nicht die Chance hast, auf
der JKU zu sein, kannst du vom 1. April bis zum 12. Mai eine Wahlkarte zu
beantragen. Du musst dabei jedoch
beachten, dass die Studienrichtungsvertretung (StV) ausschließlich in der
Wahlkabine gewählt werden kann. Deine Wahlkarte per Briefwahl für Hochschulvertretung und Bundesvertretung
muss bis spätestens am 2. Wahltag bei
der Bundeswahlkommission eingelangt sein.
Seit 10 Jahren wird das erste Mal die
Bundesvertretung wieder direkt gewählt. Bei der letzten Wahl wurde sie
noch von den Hochschulvertretungen
entsendet. Durch diese Neuerung im
Hochschulgesetz ist deine Möglichkeit
an der politischen Teilhabe und damit
das Gewicht deiner Stimme noch größer geworden. Also nutz deine Chance
und geh wählen!
17
GRAS-TIPP
ÖH-Vertragscheck, Arbeiter_innenkammer, Gewerkschaft,
kostenlose ARBEITSRECHTSAUSKUNFT und mehr
Text von Rainer Kilpatrick
ARBEITEN WÄHREND DES STUDIUMS
IST DIE REGEL
Viele von uns sind parallel zum Studium berufstätig (laut AK/Wiso-Studie
von 2014 im österreichweiten Durchschnitt 60%, an der JKU sogar 74%).
Aber auch sogenannte „Praktika“
spielen eine wichtige Rolle, sind aber
aus arbeitsrechtlicher Sicht häufig
im Prinzip normale Arbeitsverträge
(siehe www.watchlist-praktikum.at).
Arbeitsrecht ist ein komplexes Thema,
aber es gibt Rat und Hilfe von fachkundiger Seite.
ARBEITSRECHT-BERATUNG GRATIS
(siehe rechte Seite)
Als Arbeitnehmer_in sitzt du in der
Regel am kürzeren Hebel, was deine
Verhandlungsposition betrifft. Wenn
du deine Rechte als Arbeitskraft
kennst, kannst du sie auch geltend
machen. Verstöße gegen die zwingenden (unabänderlichen) Bestimmungen des Arbeitsrecht sind anfechtbar.
Damit du aber wirklich zu deinem
Recht/Geld kommst, ist es oft am besten, sich über eine sinnvolle Vorgehensweise mit den Expert_innen von
AK und Gewerkschaft zu beraten, die
alljährlich die Auszahlung von vielen
100 Mio. Euro für betroffene Arbeitnehmer_innen erreichen. Teilweise ist
es nötig, zu Gericht zu gehen, wenn
Unternehmen nicht einsichtig sind,
aber dafür gibt es erfahrene Jurist_innen, die regelmäßig im Auftrag der
AK und Gewerkschaft (siehe Kontaktdaten auf der rechten Seite) Fälle bei
Gericht ausfechten.
18
Beispiele, wo du Rat und Rechtsbeistand brauchen könntest, wären etwa:
›› Dein Arbeits- oder freier Dienstvertrag: Überprüfung aller Vertragsbestimmungen auf Zulässigkeit
›› Dein Gehaltszettel: Überprüfung
auf Richtigkeit (Grundgehalt, Zuschläge, usw.)
›› Deine Einstufung im Kollektivvertragsschema: Ist sie zu niedrig, hast
du Anspruch auf Nachzahlungen
›› Berechtigte Dienstverhinderung
(Krankheit, uä.): Hier hast du (häufig) Anspruch auf Lohnfortzahlung
›› Mindestkündigungsfrist: Wird sie
unterschritten, hast du Anspruch
auf Kündigungsentschädigung
KÜNDIGUNGSSCHUTZ BEI FORDERUNGEN IN EIGENER SACHE
Damit du auch bei aufrechtem Arbeitsvertrag deine Rechte geltend
machen kannst, ohne mit Kündigung
bestraft zu werden, gibt es das Verbot
der Motivkündigung (d.h. das Unternehmen darf dich nicht kündigen, nur
weil du deine Rechte als Arbeitnehmer_in geltend gemacht hast). Damit
du das Geltendmachen deiner Rechte im Ernstfall auch beweisen kannst,
mach das am besten schriftlich und
sichere den Beweis (Faxbestätigung,
Brief, Mail eingeschrieben oder Bestätigung der Übernahme). Manche
Kollektivverträge haben sehr kurze
Einwendungsfristen (in Extremfällen
nur ein paar Monate) für gewisse Ansprüche, daher frag besser früher bei
AK oder Gewerkschaft bezüglich der
Richtigkeit deiner kollektivvertraglichen Einstufung, usw. nach, damit du
nicht versehentlich Geld „verlierst“.
GRAS-TIPP
DEINE RECHTE BEI KAUF- UND
DIENSTLEISTUNGSVERTRÄGEN
Auch bei Rechtsgeschäften des Alltags, wie zum Beispiel dem Kauf von
Geräten oder Dienstleistungsverträgen (Mobilfunk, Internet, ...) tauchen
bisweilen Probleme auf, für deren
Lösung dann juristischer Rat nützlich
ist (Konsument_innenschutz). Solche
Auskünfte bekommst du bei der vertragscheck-Kooperation (Bundes-ÖH
& Gewerkschaft) oder als AK-Mitglied
(siehe rechte Seite).
ALLES DOKUMENTIEREN – FÜR DEN
ERNSTFALL
Bei Rechtsstreitigkeiten im Arbeitsrecht oder auch sonstigen Verträgen
stellt sich oft die Frage der Beweislage. Je besser du von Anfang an die
Details dokumentierst (Inserattext,
Gesprächsnotizen, Festhalten von
möglichen
Unregelmäßigkeiten,
Aufbewahren aller schriftlichen Belege), desto leichter kannst du bei der
Rechtsberatung die genauen Umstände schildern und notfalls in einem
Rechtsstreit den Beweis führen.
MATE-EISTEE
DIE 3 KOSTENLOSEN
RECHTSBERATUNGSANGEBOTE
Für alle und sofort!
Bundes-ÖH, AK und Gewerkschaft
1. Vertragscheck-Kooperation von Bundes-ÖH & Gewerkschaft
(GPA-djp Jugend):
oeh.ac.at/vertragscheck, [email protected],
Tel. 05/03 01 21 51 0 (Mi 17:00 – 9:00)
›› Arbeitsrechtsinfos und Überprüfung von Arbeitsverträgen auf
rechtswidrige Klauseln
›› Konsument_innenschutz-Themen unter Tel. 01/3108880-41
(Mi 17:00 – 9:00)
Verträge des Alltags (Kauf: Reklamation/Gewährleistung/
Garantie, Mobilfunk, Internet, Freizeit, Reisen, …)
Weitere Angebote des Sozialreferats (Bundes-ÖH):
›› Sozialberatung: oeh.ac.at/#/soziales
(Tel. 01/310 88 80-43, [email protected])
›› Mietrechtsberatung:
oeh.ac.at/#/studierenleben/wohnen/wohnrechtsberatung
(Tel. 01/310 88 80-41, Skype: oeh-bv.wohnrechtsberatung)
›› ÖH-Sozialfond-Beratung:
oeh.ac.at/studierenleben/soziales-und-geld/oeh-sozialfonds
(Tel. 01/310 88 80-22 oder -45, [email protected])
2. AK-Beratungsangebote
›› Arbeitsrecht
›› Konsument_innenschutz
›› Mietrecht
›› Steuertipps und -infos
›› Familienbeihilfe/Kinderbetreuungsgeld und andere Sozialthemen
Sonstige AK-Angebote (für Mitglieder):
110-Euro- Bildungsscheck (pro Jahr), digitale Bibliothek
Kontakt:
AK OÖ - Zentrale Linz, Volksgartenstr. 40, 4020 Linz
Service-Hotline 05/0690601
ooe.arbeiterkammer.at
3. Gewerkschaft (GPA-djp)
Arbeitsrecht-Beratung
Sonstige Vorteile:
›› 10% Ermäßigung auf alle Bücher (Bestellung per email,
Lieferung nach hause)
›› 20% Member-Bonus bei T-Mobile
›› Vergünstigte Bedingungen bei Drei
›› Führerschein-Lernmodul
›› Veranstaltungskarten ermäßigt
›› Jugendherbergsausweis (bis 27)
›› Ermäßigt Hollywood Megaplex
Kontakt:
Dominik Samassa, Volksgartenstr. 40, 4020 Linz, Tel. 05/030126114
[email protected]
gpa-djp.at
GRAS-TIPP
Wenn du unseren Infostand besuchst findest
du nicht nur super tolle Blöcke, Stressbälle, Buttons, Sticker, Frisbees und zutrauliche Grasis,
sondern kommst auch in den Genuss unseres
BIO Mate-Eistees aus Fairem Handel. Da wir
dir die „Kunst des Mateteebrauens“ nicht vorenthalten wollen, findest du nachfolgend das
GRAS-Matetee-Rezept.
ZUTATEN FÜR EINEN LITER AUFGUSS
3 TL Matetee
5 EL Vollrohrzucker
1 Zitrone
ZUBEREITUNG
Zu Beginn musst du einen Liter Wasser mit deinem Wasserkocher oder mit Topf und Herd zum
kochen bringen. Während das Wasser langsam
heiß wird gibst du 3 Teelöffel des Matetees in einen Teefilter oder in ein Teesieb. Dieses packst
du dann in deine Teekanne, dazu kommen noch
5 Esslöffel Rohrzucker und der Saft einer Zitrone. Danach kannst du den Teekanneninhalt mit
dem kochenden Wasser aufgießen. Nach einer
10 minütigen Ziehzeit hast du das „Mateteebrauen“ erfolgreich abgeschlossen. Warm oder
kalt – Matetee schmeckt immer gut und gibt dir
den nötigen Kick für den restlichen Tag oder die
Nacht. ;)
WIR VERWENDEN FÜR UNSEREN MATE-EISTEE
FOLGENDE PRODUKTE
Bio Matetee von EZA Fairer Handel GmbH und
Bio Vollrohrzucker „Mascobado“ von EZA Fairer Handel GmbH
Diese Produkte findest du unter anderem in
Weltläden und in gut sortierten Biofachgeschäften.
WISSENSWERTES
Der Matetee hat seine Wurzeln in Südamerika. Besonders in Brasilien und Argentinien ist koffeinhaltige Aufguss aus
den Blättern und Stängeln des Stechpalmengewächses ein fester Bestandteil
der Kultur. Durch die anregende Wirkung und gute Verträglichkeit des Matetees ist dieser auch besonders gut für
gestresste Studierende geeignet ;-)
19
Die Diskussion über plurale Denkansätze in der Ökonomie an der JKU
ist enflammt. Aktuell ist es so, dass der Studienplan des Bachelorstudiums
WiWi die Studierenden nicht dazu verpflichtet, sich mit Alternativen,
abseits des neoklassischen Modells, zu beschäftigen. Doch warum wird
seitens der Sozialdemokratie die große Veränderung der Gesellschaft
gerade von jungen Wirtschaftswissenschafts-Studierenden erwartet?
Text von Christina Pree
Zunächst stellt sich die Frage, wie es
zur Durchsetzung des neoklassischen
Wirtschaftmodells kam. Mit dem
Scheitern des Keynesianismus Ende
der 60er Jahre und dem Aufkommen
des Monetarismus in den USA wurde
der Weg für die neoklassische Theorie erneut geebnet. Treibende Kräfte waren im akademischen Bereich
Milton Friedman (Chicagoer Schule)
und Friedrich August von Hayek (Österreichische Schule). Im politischen
Bereich waren es Ronald Reagan und
Margaret Thatcher.
Die Universitäten sind seit dieser Zeit
auch immer weiter zur Ausbildungsstätte der Wirtschaft verkommen. Mit
allen gesellschaftlichen Nachteilen,
aber auch allen wirtschaftlichen „Vorteilen“. Forschung ist von privaten
Förderungen abhängiger als je zuvor
und in ganz Europa herrscht seit dem
Ende der 70er Jahre der „Glaube“ an
den Neoliberalismus und den freien
Markt. Warum sollte dies auf den Universitäten keine Spuren hinterlassen?
Lehrstühle werden mit neoklassischen
Theoretiker_innen besetzt, weil es
zum gesellschaftlichen Paradigma
geworden ist und sich der Wirtschaft
gut verkaufen lässt.
Alternativen sind in einem kapitalistischen Staat, der seit Jahren von einer neoliberalen Politik geführt wird
nicht erwünscht. Diese einseitige
Ausrichtung auf die Neoklassik in der
Wirtschaftswissenschaft ist genau der
Treibstoff, welchen der Neoliberalismus in der Politik braucht. Getreu
dem Motto „There is no alternative“
20
werden Studierende auf Leistungsbilanzen, Rationalisierung, Profitorientierung, Effektivität und Deregulierung gedrillt.
Dass dies zu einer Verschärfung der
hiesigen Verhältnisse führt, ist die logische Folge. Selbst die Finanzmarktkrise und in deren Folge die Schuldenkrisen führen scheinbar nicht zu einer
Abkehr vom neoklassischen Denken
in der Wirtschaftswissenschaft.
In letzter Zeit mehren sich die Forderungen nach alternativen Denkansätzen in der Lehre und das sowohl außeruniversitär von NGOs als auch von
Fraktionen und Studierenden selbst.
An diesem Punkt stellt sich allerdings
die Frage, was diese Alternativen sein
sollen, wer diese lehren und was das
Ziel der „pluralen“ Ansätze sein soll.
Wird denn mit Keynes alles besser?
Oder sollten wir es lieber noch einmal
mit Marx probieren? Und wer sagt
eigentlich, dass diese beiden die einzigen Alternativen sind? Diese Fragen
bleiben offen, genauso offen bleibt,
wer sie beantworten kann. Sprich
wer kann Marx oder experimentelle
Wirtschaft in dieser Größenordnung
lehren? Dafür braucht es Ressourcen,
Zeit und den politisch-gesellschaflichen Willen.
Es ist sicherlich schön und gut, andere
wirtschafltiche Denkweisen kennenzulernen. Inwieweit diese allerdings
den gesellschaftlichen und politischen Diskurs beeinflussen, bleibt offen. Vor allem deshalb, weil die Hauptlinie ja weiterhin die Neoklassik bleibt.
HETERODOXE ÖKONOMIE?
BRAUCHEN WIR
HETERODOXE
ÖKONOMIE?
Denn Forschungsaufträge werden
weiterhin größtenteils nur für diesen
Bereich vergeben.
In dieser Diskussion wird oft vergessen, dass diese angeblich „neuen“
Alternativen sehr wohl auf der Universität behandelt werden. Allerdings in
den sogeannten Wolkenwissenschaften wie Soziologie und Philosophie,
die finanziell chronisch unterfinanziert sind und zumeist belächelt werden. Dies beweist einmal mehr, wer
den Diskurs über das wissenschaftliche Denken bestimmt. An diesem
Punkt stellt sich auch die Grundfrage,
wie viel Sinn überhaupt Wirtschaftswissenschaften haben, die losgelöst
von der Gesellschaft in abstrakten
Modellen rechnen, lehren und forschen. Gerade im Hinblick auf die gesellschaftspolitische Tragweite, die die
Wirtschaft mit sich bringt.
Die Forderung nach einer heterodoxen Ökonomie ist absolut unterstützenswert. Allerdings darf diese nicht
nur zu einem optischen „Kreuzchen“
auf sozialdemokratischen Plakaten
unter der Kategorie „Für euch erreicht“ verkommen. Dafür ist das
Thema zu wichtig, zu ernst und sollte
deshalb nicht der Sozialdemokratie
überlassen werden. Wir fordern deshalb reiche Eltern für alle! So wäre es
allen Studierenden möglich, Wolkenwissenschaften zu studieren und über
diesen Weg den Diskurs mit sinnvollen Methoden und Modellen nachhaltig zu verändern.
21
Im Zuge von linken, insbesondere von antifaschistischen Demonstrationen fällt eines immer ganz besonders auf: wenn mensch sich
nicht davor, währenddessen und danach von
jeglicher Gewalt distanziert, hat er_sie sich
in der öffentlichen Wahrnehmung disqualifiziert. Da ist dann keine angemessen Diskussion mehr möglich, es ist keine Gesprächsbasis mehr vorhanden über die Inhalte einer
Demonstration, wenn sich nicht alle von
vorne herein völlig einig sind, dass Gewalt,
„egal von welcher Seite“, komplett widerwärtig und abzulehnen ist.
UND TÄGLICH GRÜSST
DIE GEWALTDEBATTE
Kommentar von Kathrin Quell
“Ob Links- oder Rechtsterrorismus – da sehe
ich keinen Unterschied”
“Doch, doch”, ruft das Känguru, “die einen
zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und
Autos sind schlimmer, denn es hätte meines
sein können. Ausländer besitze ich keine.”
Das Känguru
aus „Die Känguru Chroniken“
von Marc Uwe Kling
22
GEWALTDEBATTE
Dabei wird dann auch alles an sogenannter
„Gewalt“ in einen Topf geworfen. Besonders
beliebt ist dabei der Vergleich von Sachbeschädigung und Gewalt gegen Menschen.
Dabei gibt es doch ganz offensichtliche
Unterschiede. Bei objektiver Betrachtung
muss mensch eigentlich automatisch zu dem
Schluss kommen, dass die Gewalt, die sich
gegen Gegenstände richten, nie die gleiche
Qualität von Gewalt haben kann, wie die von
zielgerichtete Agression gegen Menschen.
Aber sei`s drum. Diese Art der Gewaltdebatte können alle Beteiligten eigentlich nur
verlieren, da sich wohl nie alle Menschen
wirklich einig darüber werden können, dass
die Gewalt gegen Menschen schlimmer ist
als die gegen Dinge. Es gibt jedoch noch
eine andere Art der Debatte, ähnlich häufig ausgelöst, mit Stammtischparolen beschrien und dennoch inhaltlich komplett
anders angesetzt. „Ob links oder rechts, ist
doch eh total egal, alles dieselben Chaoten.
Da ist keiner besser als der andere.“
Woher diese Aussage kommt, liegt wohl auf
der Hand. Der Mehrheitsbevölkerung fällt
wohl weniger die politische Ausrichtung von
aktivistischem Handeln auf, als viel mehr die
Tatsache, dass eine riesige Menge an Polizist_innen mit Sack und Pack und jede Menge Steuergeldern auf den Straßen der Städte
für Recht und Ordnung sorgen müssen, sobald es zu linken oder rechten Demonstrationen kommt. Besonders erschwert wird der
Umstand dadurch, dass immer dann, wenn
es eine rechte Demonstration gibt, mit fast
absoluter Sicherheit eine linke Gegenveranstaltung stattfindet. Und wenn dann im
Fernsehen, oder in den Zeitungen Bilder
von Ausschreitungen zwischen linken und
rechten Personen gezeigt werden, spätestens dann ist für alle Zuschauer_innen klar:
alles die selben Chaoten, die wollen doch
nur Zerstörung anrichten und die Gesundheit von Unbeteiligten ist denen egal.
Nein, so simpel ist es einfach nicht und so
leicht sollten es sich die Menschen auch
nicht machen.
Eines eint beide Seiten, sowohl die Linke,
als auch die Rechte: die Wut und der Hass
aufeinander. Daraus resultiert Gewaltbereitschaft. Das war es aber auch schon. Die
Gewalt von Rechten und Rechtsextremen
orientiert sich ansonsten fast ausschließlich gegen sowieso schon unterdrückte und
diskriminierte Minderheiten. Gegen Menschen, die in der Gesellschaft sowieso schon
kaum eine Stimme haben und sich nich wehren können. Das und nichts anderes ist der
Kern der rechten Gewalt, egal ob in Form
von körperlichen Übergriffen oder im Wahlprogramm der FPÖ. Die Opfer der Rechten
haben, mal fernab von willkürlichen rassistischen Vorverurteilungen, nichts getan, um
diesem Hass ausgesetzt zu werden. Und
genau das ist der Unterschied zu linker Gewalt: diese richtet sich gegen Rechte, gegen
Nazis, gegen Personen, die sowieso schon
diskriminierte Menschen vorverurteilen,
verletzten, beleidigen und ihnen das Leben
zur Hölle machen. Ganz davon abgesehen
zählen Rechte ganz sicher nicht zu einer
diskriminierten Minderheit. Wenn also das
nächste Mal die Stammtischparole kommt,
„links und rechts sei alles das selbe“, liegt die
Reaktion klar auf der Hand: nein, es ist nicht
alles dasselbe. Vielleicht hat beides ähnliche Ausprägungen (teilweise Gewalt gegen
Menschen, Sachbeschädigungen, Widerstand gegen die Polizei etc.), aber die Gründe für das Handeln und der Personenkreis
der von der jeweiligen Gewalt betroffenen
Personen könnte kaum unterschiedlicher
sein. Darum sollte mensch die Dinge auch
dementsprechend unterschiedlich betrachten, statt sich an der ewigen Gleichmacherei
zu beteiligen.
STAY REBEL – NO PASARAN!
GEWALTDEBATTE
23
VEGETARISMUS
Ohne Nahrung kann kein Mensch überleben, aber Nahrung impliziert nicht
zwangsläufig Fleisch. Weltweit sind immer mehr Menschen Vegetarier_innen
oder Veganer_innen aus der Überzeugung heraus, sich selbst, der Umwelt und
allen Lebewesen etwas Gutes damit zu tun.
Text von Martina Kofler
WARUM?
Gründe für eine vegetarische Ernährung sind vielfältig. Es kann sich um
ethische Beweggründe handeln, also
den Protest gegen Massentierhaltung,
die Vertretung der Ansicht dass auch
Tiere ein Recht auf Leben haben oder
einfach um den Ekel vor toten Tieren.
Des Weiteren spielt die Welternährung eine wesentliche Rolle. Ein Drittel der weltweiten Getreideernte wird
jährlich an Nutztiere verfüttert. Um
ein Kilogramm Fleisch herzustellen
werden 16kg Getreide benötigt.
Beim Aspekt der Umweltverträglichkeit stehen die durch Massentierhaltung erzeugten Treibhausgase, aber
auch die um ein Vielfaches höheren
Ressourcen, wie Wasser, Land und
Energie, welche zur Fleischproduktion verbraucht werden, im Vordergrund.
Die
Weltlandwirtschaft
könnte problemlos
12 Milliarden
Menschen ernähren.
Das heißt, ein Kind,
das heute an
Hunger stirbt, wird
ermordet.
,,
Eine vegetarische Ernährung beugt
auch bestimmten Krankheiten wie
Diabetes, Gicht oder Herzkreislauferkrankungen vor und zudem erhöht
es auch die Heilungschancen bei bestimmten Krankheiten.
,,
Jean Ziegler
ehemaliger UN-Sonderbeauftragter für das Recht auf
Nahrung
FORMEN VON VEGETARISMUS
Wie bei allem Anderen gibt es auch
bei der vegetarischen Ernährungsweise verschiedene Formen. Wird
kein Fleisch, aber dennoch Fisch
gegessen, ist mensch ein_e Pisco
Vegetarier_in. Bei dem Verzicht auf
24
VEGETARISMUS
Fleisch und Fisch, ist es der Ovo-Lacto Vegetarismus, wobei Ovo für Ei
und Lacto für Milch und den daraus
hergestellten Produkten steht. Werden zudem auch keine Eier gegessen,
lebt mensch Lacto-Vegetarisch, beim
Verzicht auf Milch, Ovo-Vegetarisch.
Pudding-Vegetarier_innen sind Menschen die zwar auf Fleisch und Fisch
verzichten, aber ansonsten sehr viele
hoch verarbeitete und nährstoffarme
Produkte essen. Die konsequenteste Form ist die vegane Ernährung.
Hierbei kommen weder Fleisch, Fisch
noch Milch und Eier, sowie daraus verarbeitete Produkte auf den Teller. Zudem wird Honig aus dem Speiseplan
gestrichten und meist auch keine Produkte aus Leder, Pelz oder anderen
tierischen Bestandteilen genutzt.
WAS IST ZU BEACHTEN?
Oftmals wird gesagt, dass sobald
mensch auf Fleisch verzichtet die Ernährung nicht ausgewogen sei. Bei
der Ovo-Lacto-Vegetarischen Ernährung (die bekannteste Form von
Vegetarismus) ist dies nicht der Fall,
solange diese ausgewogen und abwechslungsreich ist. Einzig Eisen ist
als kritischer Nährstoff zu nennen,
welcher jedoch auch bei Fleischkonsum einen Problemnährstoff in Industrieländern darstellt. Am besten werden grünes Gemüse, sowie Getreide
zusammen mit Vitamin C reichen
Obst- und Gemüsesorten gegessen.
Bei der veganen Ernährungsform ist
durch den gänzlichen Verzicht auf
tierische Produkte besonders aufzupassen. Vitamin B 12 kommt in natürlicher Weise nur in tierischen Produkten vor. Es entsteht aber auch bei der
Herstellung von Sauerkraut und anderen durch Milchsäurebakterien vergorenen Lebensmitteln. Außerdem
ist es oft in pflanzlichen Alternativen
von Milch zugesetzt. Um genügend
Proteine (Eiweiß) aufzunehmen, ist es
wichtig, viel hochwertiges Getreide
und Hülsenfrüchte zu essen. Die Zufuhr von Calcium kann durch das Essen von Nüssen und grünem Gemüse
gesteigert werden.
ALTERNATIVPRODUKTE ZU FLEISCH
UND TIERISCHEN NEBENERZEUGNISSEN
Heutzutage gibt es zahlreiche Alternativen zu Fleisch, Milch und Eiern.
„Fleischersatz“ ist zum Beispiel Tofu,
Seitan, texturierter Soja oder Tempeh.
Als Alternative zu tierischer Milch
kann Pflanzenmilch wie Soja-, Reis-,
Hafer-, Kokos-, Mandel- oder Mungobohnenmilch verwendet werden.
Soja-, Johannisbrotkern- oder Reismehl sowie Pfeilwurzelstärke können
als Ersatz für Eier verwertet werden.
Für das Backen von Kuchen eignen
sich Bananen sehr gut als Eialternative. Gegenvorschläge zu Honig sind
zum Beispiel Agavendicksaft oder
Ahornsirup.
Egal ob Veggie oder nicht, ein paar
Dinge sollten immer beachtet werden.
Was auf den Teller kommt, sollte regional und saisonal sein. Die Produktionsweise sollte tiergerecht sein, einen
geringen Verarbeitungsgrad aufwei-
RATATOUILLE MIT POLENTALAIBCHEN
sen und wenig Zusatzstoffe enthalten.
Besser Bio als Konventionell und am
besten auf Märkten und in Bioläden.
Wenn etwas von weit weg kommt,
ist es wichtig auf das Fair Trade oder
andere Siegel zu achten und hierbei
natürlich am besten auch Bioqualität wenngleich diese Siegel oft kein
Garant für gute Arbeitsbedingungen. Wenn Fleisch gegessen wird, am
besten seltener und dafür von einem
glücklichen Tier.
VIDEO-TIPP
bit.ly/VeggieQuarks
(Pro Portion: 236 kcal, 8 g eW, 8 g Fett, 32 g KH)
RATATOUILLE
70 g Zwiebel
80 g Tomaten
280 g Zucchini
160 g Paprika (grün, rot)
160 g Melanzani
1 EL Olivenöl
110 g Tomato pronto
45 g Tomatenmark
etwas Gemüsesuppe
Gewürze
Das Gemüse waschen, putzen und in
Stücke schneiden. Die Zwiebel ringelig schneiden, in Olivenöl anrösten, Gemüse dazugeben, mitrösten,
mit Gemüsesuppe aufgießen und
das Gemüse kernig dünsten. Tomatenmark und passierte Tomaten dazugeben. Das Ratatouille mit Salz,
Knoblauch, Oregano und Basilikum
würzen und mit den Polentalaibchen
servieren.
POLENTALAIBCHEN
100 ml Milch
100 ml Milch
35 g Grieß
35 g Polenta
280 g Kartoffeln
Gewürze
Für die Laibchen Grieß und Polenta
in einem Gemisch aus Wasser und
Milch dünsten. Masse etwas überkühlen lassen und nach Belieben würzen.
Kartoffeln schälen, kochen, noch
heiß passieren und unter die Polenta-Grießmasse mischen.
Laibchen formen und auf einem Blech
im Rohr backen.
VEGETARISMUS
25
IST KLIMASCHUTZ SCHLECHT
FÜR DIE INDUSTRIE?
LIEBER TAUSEND FREUD*INNEN IM RÜCKEN,
ALS EINE BANK IM NACKEN ...
Neue Horror-Szenarien geistern durch die Medien: Die Wirtschaft mache sich auf die Beine und
wandere ab, zehntausende Arbeitsplätze seien in Gefahr. Stehen unsere Fabrikshallen bald leer? Ein
kürzlich veröffentlichter Faktencheck zur Energiewende entlarvt die Mythen in der aktuellen Diskussion
um Klimaschutz und Energiewende in Europa und Österreich als völlig haltlos.
Text von Julia Krikler
österreichweit gegenseitig unterstützen und neue Hausgruppen neben
dem Austausch von Know-How auch
finanziell von den bereits langjährig
etablierten Hausprojekten profitieren
können. Ein positiver Effekt, der mit
gemeinschaftlichem Wohnen einhergeht ist, dass dem Immobilienmarkt
Werteigentum entzogen wird. Mit
Objekten die durch juristische Personen, also den jeweiligen Hausvereinen, erworben werden, kann nicht
mehr spekuliert werden. Sie stehen allen Bewohner*innen als Nutzungseigentum zur Verfügung, ohne dass sich
irgendwer daran bereichern könnte
Die Lösung lautet: Machs dir selbst!
Auf den Säulen von Selbstorganisation, Mitbestimmung, Solidarität und
Inklusion will das HabiTAT gemeinschaftliche Wohnformen realisieren.
Dabei wird aber nicht nur günstiger
Wohnraum geschaffen, es sollen auch
Räume für kulturelle, künstlerische,
politische und soziale Projekte entstehen. Ganz im Sinne des Do-It-Yourself-Konzepts können alle Ideen realisiert werden, die den Bedürfnissen
der jeweiligen Hausbewohner*innen
entsprechen und selbstbestimmt in
Angriff genommen werden. Durch
Solidarität und Inklusion wird gewährleistet, dass alle Personen ihren Platz
in einem Hausprojekt finden können,
Vielfalt und Gleichwertigkeit jedes*r
Einzelnen stehen im Vordergrund.
Um das sicherzustellen, wurde vom
HabiTAT bereits eine Rechtsstruktur
ausformuliert, die die gekauften Häuser dem Immobilienmarkt dauerhaft
entziehen soll. Dabei hat HabiTAT gefühlt tatsächlich tausend Freund*innen im Rücken. Es besteht eine enge
Kooperation mit dem deutschen
Mietshäusersyndikat, das bereits seit
20 Jahren solidarische, selbstverwaltete Hausprojekte ermöglicht.
Der Solidaritätsgedanke herrscht
aber nicht nur innerhalb der jeweiligen Hausgemeinschaft. Ein geplanter
Solidarzusammenschluss zielt darauf
ab, dass sich die einzelnen Projekte
26
Große Mithilfe kommt auch von verschiedenen Stiftungen, wie der RASENNA aus Wien. Nicht zuletzt aufgrund der guten Zusammenarbeit
mit zahlreichen Unterstützer*innen
steht nun das erste konkrete Projekt
in Linz in den Startlöchern und kann
vermutlich bald realisiert werden. Anfang April startet deshalb eine große
Crowdfunding Kampagne. Damit
wird die Erstellung von Musterverträgen finanziert, die von Hausgruppen
in ganz Österreich für den Kauf von
Objekten genutzt werden können.
FACTBOX
›› Informationen zur Kampagne und
zu Unterstützungsmöglichkeiten
des Projekts finden sich in Kürze auf
startnext.com
›› HabiTAT: habitat.servus.at
›› Mietshäusersnydikat: syndikat.org
Text von Johannes Wahlmülller, GLOBAL 2000-Klimasprecher
Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Global 2000, (Text erschien in GLOBALNEWS 4/2014)
…so sehen das zumindest die Mitglieder des Vereins HabiTAT der sich im
Januar 2014 in Linz gegründet hat.
Die HabiTÄT*ERINNEN arbeiten daran, selbstorganisierte, selbstverwaltete und solidarische Wohnprojekte
in Österreich möglich zu machen und
zu fördern. Dazu werden derzeit funktionierende Strukturen aufgebaut.
Denn: Das Problem heißt noch immer
Kapitalismus! Steigende Lebenserhaltungskosten und die herrschende
kapitalistische Verwertungslogik stellen für viele Menschen eine große Belastung dar, die das „gute Leben“ zur
Utopie werden lässt.
Wenn sich IndustrievertreterInnen
öffentlich zu Wort melden, stellen sie
dabei gerne die drohende Abwanderung der Industrie in den Raum. Sie
beziehen sich dabei häufig auf eine
Studie, die Industriellenvereinigung
und Wirtschaftskammer gemeinsam
veröffentlicht haben und die ein Negativ-Szenario zeichnet: Ehrgeizige Klimaschutzbemühungen sollen zehntausende Arbeitsplätze bedrohen. 25 Prozent
der österreichischen Wirtschaft könne
abwandern. Sachlich nachvollziehbare
Begründung für diese Annahme gibt es
allerdings keine.
UNBEGRÜNDETE PANIKMACHE
Der Studienautor Friedrich Schneider
berief sich gegenüber GLOBAL 2000
auf Aussagen von Personen aus der
Wirtschaft. Der uns vorliegenden Studie konnten wir entnehmen, dass ganze zwölf Personen aus Wirtschaft und
Politik befragt wurden, nur fünf davon
aus Industrieunternehmen. Obwohl die
Ergebnisse der Studie somit auf fragwürdigen Annahmen fußen, wird damit
Stimmung gemacht. Sinnvoll umgesetzter Klimaschutz kann die Wirtschaft
sogar beleben, zeigen hingegen zahlreiche andere Untersuchungen. Bei
der Präsentation des österreichischen
Klimaberichts bezeichneten ÖkonomInnen, die von der Wirtschaftskammer bereits mehrfach zitierte Studie
als „extremen Ausreißer“ in der Fachliteratur. Die Energiekosten machen bei
den meisten Unternehmen weniger als
zwei Prozent ihres Umsatzes aus. Lediglich für einige wenige Industriezweige
wie die Stahlindustrie sind CO2- und
Energiekosten tatsächlich relevant.
Die Voest hat laut eigenen Angaben
zwischen 2008 und 2012 etwa 45
Millionen Euro für CO2-Zertifikate aus-
gegeben. Für einen Konzern mit elf Milliarden Umsatz pro Jahr eine durchaus
verkraftbare Summe.
INDUSTRIE PROBT AUFSTAND
Die stromintensive Industrie hat von
der Energiewende bis dato sogar profitiert: Seit 2010 sind die Industriestrompreise um bis zu 18 Prozent zurückgegangen. Durch umfangreiche
Ausnahmeregelungen profitiert die
Industrie nämlich stärker als Haushalte von sinkenden Strompreisen. Auch
andere Einschätzungen zeichnen kein
allzu trübes Bild von der europäischen
Wirtschaft: Das World Economic Forum reiht elf europäische Staaten unter
die 20 wettbewerbfähigsten Länder
der Welt. Österreich liegt auf Platz 16.
Eine hunderte Seiten starke Studie der
EU-Kommission, die nach “Carbon
Leakage”, also der Abwanderung der
Industrie durch Klimaschutzauflagen
suchte, konnte keinen Beweis dafür finden. Warum also probt die Industrie
den Aufstand?
KLIMASCHUTZ IST EIN JOBMOTOR
Das große Staubaufwirbeln dient vor
allem dazu, möglichst wenig zu den
künftigen Klimaschutzanstrengungen
der EU beitragen zu müssen und möglichst viele Gratis- CO2-Zertifikate zu
bekommen. Natürlich muss es für die
Industrie sinnvolle Rahmenbedingungen geben. Dennoch sollte auch sie
einen fairen Beitrag zum Klimaschutz
leisten. Noch dazu, wo die Industrie
von Investitionen in den Klimaschutz
stark profitiert: Beim Ausbau erneuerbarer Energien liefert die Maschinenbauindustrie Turbinen und Getriebe,
werden Windräder aufgestellt, sorgen
Zementwerke für ein stabiles Fundament, wird thermisch saniert, entstehen
GLOBAL 2000
am Bau Arbeitsplätze und die Stahlindustrie liefert Schienen für den Ausbau
der Bahninfrastruktur. Klimaschutz ist
ein Jobmotor auch für die etablierte
Industrie und schafft aufstrebende und
innovative Branchen. In Deutschland
knackte man im Jahr 2000 die Marke
von 100.000 Beschäftigten im Bereich
erneuerbarer Energie, 2012 waren
es bereits knapp viermal so viele. In
Österreich sind 66.700 Menschen in
diesen Sektoren beschäftigt. Ohne ambitionierte Klimapolitik sind diese aufstrebenden Zukunftsbranchen in ihrer
Existenz bedroht. Seit 2011 haben die
Investitionen in erneuerbare Energie
europaweit bereits um 58 Prozent abgenommen. Anstatt über Ausnahmen
für die „old economy“ zu diskutieren,
sollte die Politik den Blick nach vorne
wagen.
ENERGIEWENDE FAKTENCHECK
Wirtschaftliche Entwicklung und Klimaschutz sind also durchaus ein vielversprechendes Paar. Wir brauchen eine
Diskussion darüber, welchen Beitrag
die Industrie leisten soll und wie aufstrebende Branchen eine Chance bekommen. GLOBAL 2000 spricht sich
dafür aus, dass CO2-Emissionen langfristig nicht gratis sein dürfen, dass aber
die Einnahmen für Klimaschutz zweckgebunden werden sollen. Damit könnten Zukunftsbranchen ausgebaut und
sinnvolle Klimaschutzprojekte auch in
der Industrie vorangetrieben werden,
was letztlich auch ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöht. GLOBAL 2000 macht
sich stark, dass diese Vorschläge von
der Politik diskutiert werden.
Nähere Infos zum Thema finden Sie auf
energiewende-faktencheck.at
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Welche Rolle spielte die „Stahlstadt“ Linz im Nationalsozialismus? Und wann bzw.
wer errichtete das Stahlwerk hier? Die Zeitgeschichteausstellung der Voestalpine
Linz, welche im Herbst 2014 eröffnet wurde, beschäftigt sich mit genau diesen
Fragen. Sie ist den NS-Zwangsarbeiter_innen der „Reichswerke Hermann
Göring AG Berlin“ am Standort Linz gewidmet und sollte für alle Linzer_innen
Pflichtprogramm sein.
Text von Christina Pree
Quelle: www.Lentia-Verlag.at
ZEITGESCHICHTE AUSSTELLUNG
1938 – 1945 IN DER VOESTALPINE
Göring Linz. „Der größte Nachkriegsfund an NS-Personal und Lohnunterlagen eines Unternehmens“
(Voestalpine. Zeitgeschichteausstellung 1938 – 1945).
,,
Die Ausstellung vermittelte mir einen Eindruck,
wie prägend die Jahre
1938 – 1945 für Linz waren. Ihre Wirkung hinterlässt diese Zeit nicht nur
durch das riesige Stahlwerk bis heute.
,,
Christof Ortner
Ab dem Jahr 1938 wurde in Linz ein
Werk zur Herstellung von Stahl und
Eisen aufgebaut. Es gehörte zu den
Reichswerken „Hermann Göring“
und war seit Kriegsbeginn ein wesentlicher Bestandteil der NS-Rüstungsindustrie. Der schnelle Aufbau und
die Inbetriebnahme waren nur durch
den Einsatz von tausenden Zwangsarbeiter_innen, Kriegsgefangene und
KZ-Häftlingen möglich.
Die Ausstellung ist in vier Bereiche unterteilt und bringt einem_r mit audiovisuellen Elementen das Schicksal der
Menschen näher.
NATIONALSOZIALISMUS UND LINZ
Vor 1938 war Linz als Industriestandort nicht so bedeutsam wie beispielsweise Steyr mit der Waffenfabrik Josef
Werndl. Die Ernennung der Stadt
Linz zu einer von fünf „Führerstädten“
und der Bau des riesigen Stahlwerkes
veränderten die Stadt nachhaltig. In
diesem Teil der Ausstellung wird die
wirtschafltiche sowie auch kulturelle
Bedeutung des Aufbaus dargestellt.
28
ZWANGSARBEIT UND IHRE ERSCHEINUNGSBILDER
„Europa arbeitet in Deutschland“
– Die Propagandaschrift des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz Fritz Sauckel 1942 war nur
eine von mehreren Rekrutierungsversuchen ausländischer Arbeitskräfte.
Die verschiedenen Instrumente der
Willkür, die Mechanismen der Unterdrückung, Phasen der Rekrutierung
,,
Museumspädagogisch
und -technisch ist die
Ausstellung sehr gelungen. Die Beleuchtung
der Lage von weiblichen Zwangsarbeiter_
innen hat mich besonders berührt.
,,
Sophie Nandic
und die Reglementierung der Arbeitseinsätze werden in diesem Bereich
thematisiert.
DAS MENSCHLICHE SCHICKSAL
Mit Audiodokumenten stellen die
Menschen ihre Geschichte selbst
in den Vordergrund. Es werden die
Unterschiede in den Lebens- und Arbeitsbedingungen beschrieben. Je
nach Nationalität, Geschlecht, Alter
etc. wird die Hierachie im Sinne der
NS Ideologie auch unter den Zwangsarbeiter_innen näher beleuchtet.
Wir, die Grünen und Alternativen Student_innen Linz, wollen gemeinsam
mit der Linken Liste Linz eine Exkursion zur Zeitgeschichteausstellung
inklusive Führung anbieten. Diese soll
im Juni stattfinden. Schau auf unsere Facebook Seite, Homepage oder
achte auf Flyer und Plakate, die auf der
Uni ausliegen. Dort wird der genaue
Termin bekannt gegeben.
Die Auseinandersetzung mit dem
NS-Regime, das Gedenken an die Millionen Opfer sowie antifaschistisches
Engagement darf niemals aufhören!
Rassismus und faschistische Tendenzen lassen sich noch viel zu oft in unserer Gesellschaft finden. Kämpfen wir
gemeinsam für ein Zusammenleben
der Menschen ohne Diskriminierung
und Stigmatisierung.
ZUR AUSSTELLUNG
›› Eintritt 8,00 €
›› Ermäßigt 6,00 €
›› Öffnungszeiten ohne Anmeldung
›› Freitag 13:00 – 17:00 Uhr
›› Samstag 09:00 – 17:00 Uhr
›› voestalpine.com/zeitgeschichte
In der Buchserie LiNZ-Zeitgeschichte vom Lentia-Verlag erschienen zwei Puplikationen:
Von der Provinz zur Stahlstadt: Der Beginn der VÖEST, sowie Wohnen und Alltagsleben.
Beide Bände beschreiben auf je 248 Seiten die gewaltigen Veränderungen in Linz von 1938-1945.
Bestellung unter www.Lentia.at.
ZERSTÖRUNG UND WIEDERAUFBAU
Der letzte Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit den Fragen, wie es
nach 1945 sowohl mit den Täter_innen als auch Opfern weiterging, wie
aus den Hermann Göring Werken die
VÖEST wurde und welche Entschädigungen die Opfer – wenn überhaupt
– erhielten.
Basis dieser Ausstellung sind rund
38.000 Personalakten und Lohnbögen der Reichswerke Hermann
ZEITGESCHICHTE AUSTELLUNG
Quelle: www.Lentia-Verlag.at
29
WARUM EIGENTLICH IMMER SO
KRITISCH?
Beim Blättern durch diesen Grashalm wird mensch des Öfteren auf folgendes
Wort stoßen: Kritik. Und tatsächlich wird dieser Begriff sehr häufig und wie
selbstverständlich von uns verwendet. Was genau wir aber darunter verstehen
und welche Bedeutung Kritik für unsere politische Arbeit hat, haben wir bis jetzt
versäumt, zu erläutern. Hier also der Versuch, dies nachzuholen.
Text von Julietta Adorno und Magdalena Gassner
KRITIK IM ALLTAGSVERSTÄNDNIS
Was kommt vielen Menschen in den
Sinn, wenn sie an den Begriff Kritik
denken? Oftmals steht hier der negative und kontraproduktive Aspekt
im Vordergrund, viele verstehen darunter sogar Sudern oder Meckern.
Demnach bekommen Menschen,
die bestehende Sachverhalte kritisieren, oftmals als Reaktion zu hören:
„Du weißt es ja eh nicht besser!“ oder
„Mach‘s doch selber!“ Denn mit dem
Finger auf etwas zeigen können ja viele, Lösungsansätze bieten jedoch nur
wenige. Dies kommt sehr häufig in
der politischen Praxis vor, in der sich
Kritik oftmals nicht auf etwas Konkretes bezieht.
KRITIK
P l
IP el
-T eb
IK teR
US rz
M ly/Ä
30
Antworten auf diese Fragen zu finden
ist aber alles andere als einfach, denn
es übersteigt generell unsere Vorstellungskraft, die Grenzen unseres
Wissens auszumachen. Deshalb erscheint es uns erst einmal nur sinnvoll,
Dinge innerhalb des uns bekannten
Rahmens zu kritisieren, nicht aber außerhalb davon. Das führt jedoch automatisch dazu, dass unsere Vorstellung
von einer besseren Welt von vornherein beschränkt wird. Jeder Lösungsvorschlag, der sich innerhalb dieser
Grenzen bewegt, stellt also lediglich
eine Modifizierung des Bestehenden
dar und wird wenig an der Gesamtsituation ändern.
WAS KANN KRITIK?
Wenn Kritik als Praxis, also als generell hinterfragende Haltung gegenüber bestehenden Verhältnissen verstanden werden soll, um als solche
wiederum Machtkonstellationen aufzuzeigen, dann liegt ihre eigentliche
Essenz und Funktion auf der Hand:
Sie wirft mehr Fragen auf als dass
sie Antworten gibt. Erst recht hält sie
keine Lösungsvorschläge parat. Allerdings ermöglicht sie es uns, „Distanz
zur selbstverständlich gewordenen
Welt“ (Butler 2009) einzuhalten. Etwas, das uns zumindest hilft, wieder
mehr Kontrolle über unser Leben
zu gewinnen, indem wir uns einfach
gewisser Machtverhältnisse und
Wirkmechanismen, die unser Leben
auf elementare Weise beeinflussen,
bewusst werden. Genau hier finden
t.
bi
Doch was bedeutet nun der Begriff
Kritik? Was kann diese, und sind es
wirklich nur konkrete Lösungsansätze, nach denen wir streben (sollten)?
Gibt es nicht mehr, was hinter Kritik
steht? Und wie ist das Verhältnis von
Kritik und Macht?
WAS IST KRITIK?
Die US-amerikanische Philosophin
Judith Butler erklärt in Anlehnung an
den französischen Soziologen Michel
Foucault Kritik als Praxis, die sich nicht
damit begnügt, konkrete Sachverhalte zu be- bzw. verurteilen, sondern
die einer grundlegenden Einstellung
gleichkommt, sich entschieden gegenüber herrschenden Machtverhältnissen zu positionieren, anstatt diese
als gegeben hinzunehmen (vgl. Butler
2009). Dies setzt aber bereits voraus, dass wir uns der Existenz dieser
Machtverhältnisse bewusst sind. Hier
stehen wir jedoch schon vor dem ersten Problem, denn dazu ist es wichtig,
das Verhältnis von Wissen und Macht
vor Augen zu haben, sprich den Fragen nachzugehen: Welches Wissen
liegt unserer Art, über gewisse Dinge
zu denken, zugrunde? Wer produziert
dieses Wissen und verfügt somit auch
über Macht?
Was soll denn dann bitteschön überhaupt der Sinn von Kritik sein, wenn
sie immer Gefahr läuft, nur an der
Oberfläche zu bleiben? Ist es überhaupt möglich, aus diesem gegebenen Rahmen in die so genannte Metaebene zu treten? Und wenn ja, wäre
der Versuch, dies zu tun, nicht auch
wieder gleich zum Scheitern verurteilt? Wenn wir nämlich diesen Gedanken konsequent zu Ende denken,
tut sich gleich die nächste Frage auf:
An welchen moralischen Maßstäben
messen wir diese neue, bessere Welt,
wenn wir noch keine konkrete Vorstellung davon haben, wie genau diese
aussehen soll? Ziemlich frustrierend,
was?
wir ihr konstruktives Moment. Kritik
bzw. eine kritische Grundeinstellung
gegenüber der Welt ist demnach
eine Tugend, sprich eine positive Eigenschaft und eine Qualität, die sich
Menschen aneignen können. Durch
sie sind wir im Stande, aus dem uns
bekannten Rahmen heraus zu treten
und uns die Normen zu vergegenwärtigen, die uns einschränken, um diese dann in Folge abzuschütteln. Also
bewirkt Kritik nicht nur die Einnahme
einer anderen Perspektive auf bestehende Mechanismen von außen, nein,
sie ermöglicht es uns auch innerhalb
des Systems zur Selbstreflexion zu gelangen. Wir können uns dadurch mit
unserer eigenen Rolle auseinandersetzen, die ein essentielles Element im
bestehenden System ist.
KRITIK UND MACHT
Kritik ist demnach durchaus etwas
Positives, jedoch dürfen auch hier
Machtmechanismen nicht übersehen
werden. Wie eingangs erwähnt, ist es
wichtig, sich Fragen über die Beziehung von Wissen und Macht zu stellen, also auch von Kritik und Macht.
Zum einen ist es wichtig festzuhalten,
dass es ein Trugschluss ist, dass „richtige“ und „falsche“ Kritik existiert,
wenn wir beim Verständnis von Kritik
als Praxis bleiben. Was aber schon unterschieden werden kann, ist a) Kritik,
die innerhalb des Rahmens steht und
demzufolge oft als verkürzt bezeichnet wird, weil sie eben das Bestehende
hinnimmt und b) tiefergehende Kritik,
die sich mit dem Rahmen bzw. System
auseinandersetzt und dieses auch
aufzeigt (siehe dazu auch die Ausführungen in dem Artikel über „Kapitalismuskritik“). Zum anderen sollten wir
uns beim Üben von Kritik immer auch
die Frage der Macht bzw. unserer eigenen Positionierung stellen. Wer ist
in der Position, Kritik zu äußern und
KRITIK
wird dabei gehört? Kritik kann nämlich durchaus auch einen exklusiven
Charakter annehmen!
Kritik trägt ganz klar einen essentiellen Teil zur gesellschaftlichen Entwicklung bei, aber dennoch müssen wir
uns bewusst sein, wie wir sie anwenden. Wir sollten andere Menschen
in neue Rahmen, Gebilde, Diskurse,
Konzepte mitnehmen und nicht die
Tür zuschlagen: Wir müssen Kritik als
Instrument des Aufzeigens von neuen
Möglichkeiten begreifen und nicht als
Machtinstrument gegeneinander verwenden!
Nutzen wir also einerseits die Praxis
der Kritik, um uns entschieden gegenüber HERRschenden Machtverhältnissen zu positionieren und andererseits auch, um unsere Rolle und
Position in der Gesellschaft selbst zu
hinterfragen UND natürlich, um uns
langsam aber stetig in eine Richtung
zu bewegen, die unseren Vorstellungen einer besseren Welt entspricht!
WAS BEDEUTET DAS FÜR DIE POLITISCHE PRAXIS?
Wie durch obige Ausführungen hoffentlich deutlich wurde, sollte Kritik
auf alle Fälle der politischen Praxis
voraus gehen. Da sich die GRAS aber
als Gruppe politischer AKTIVist_innen versteht, wollen wir es nicht dabei
belassen, ständig nur zu kritisieren
und uns kritisch mit uns selbst auseinander zu setzen. Daher folgt der Kritik
auch immer der Versuch, die daraus
erworbenen Erkenntnisse in die Praxis
umzusetzen.
QUELLE
Butler, Judith (2009): Was ist Kritik?
Ein Essay über Foucaults Tugend. In:
Jaeggi, Rahel/Wesche, Tilo (Hg.):
Was ist Kritik? Frankfurt, Suhrkamp, S.
221–246.
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BRÜCKENRADLN
Fr, 8. Mai, 15:30 Uhr
Treffpunkt: Hauptplatz Linz
Eine Stunde lang BrückenRADLn auf der Nibelungenbrücke Linz: Einmal nicht gefährlich
am „Gehsteigradweg“ sondern gemeinsam
auf der Fahrbahn in voller Breite.
Radle mit, für eine sichere Nibelungenbrücke!
ANTI-TTIP DEMO
Sa, 18. April, 10 Uhr
Treffpunkt Volksgarten
Am 18.04.2015 ist der TRANSATLANTISCHE
AKTIONSTAG gegen die Handelsabkommen!
ÖH-WAHL
Di – Do, 19. – 21. Mai
Halle C, JKU
Du wählst deine Hochschul-, Bundes und
Studienrichtungsvertretung.
QUERDENKEN#20
Fr, 24. April, 19 Uhr
OÖ Landesbibliothek Schillerplatz
„Europa in der Depression – wie kommen wir
da wieder raus?“
Vortrag und Diskussion mit Stephan Schulmeister und Michel Reimon.
PFLASTERSPEKTAKEL
Do – Sa, 23. – 25. Juli
Landstraße und Altstadt Linz
Die 29. Ausgabe des Pflasterspektakels verwandelt Linz zum Schauplatz internationaler
Straßenkunst auf höchstem Niveau.
BETHLEHEMSTRASSEN*FEST
Sa, 16. Mai 12 – 18 Uhr
Betlehemstraße Linz
Die Betlehemstraße wird zur entschleunigten,
kommunikativen und interkulturellen Begegnungszone.
Eine Initiative von luft*raum, Klimabündnis
OÖ und Südwind OÖ.
ALTERNATIVER ERSTER MAI
Fr, 1. Mai, 10 Uhr
Treffpunkt: Picknick im Schillerpark
Rettungsschirme für Menschen statt für Banken! Nimm deinen eigenen Rettungs(regen)
schirm mit
Ich möchte mehr von euch und eurer Arbeit
erfahren. Bitte schickt mir Infos zu!
Postgebühr zahlt
Empfängerin
Ich möchte eucht gern mal treffen. Lasst uns über
die Rettung der Uni oder des Universums reden.
Ladet mich zu eurer nächsten Sitzung ein!
Sonstiges:
Name
Straße
PLZ, Ort
E-Mail
An
GRAS Linz
Landgutstraße 17
4040 Linz
Herausgeberin: GRAS Linz, Landgutstr. 17, 4040 Linz
fb.com/gras.linz | gras-linz.at | [email protected]
Fotos (wenn nicht anders gekennzeichnet): GRAS Linz
Druck: in.takt Druckerei
Eine handverlesene Auswahl von Veranstaltungen in nächster Zeit
VERANSTALTUNGSTIPPS
SELBSTVERWALTETE BETRIEBE IN ARGENTINIEN – LESUNG UND GESPRÄCH
Sa, 16. April, 19 Uhr
OÖ Landesbibliothek Schillerplatz
Im Jahr 2001 brachte eine Krise die argentinische Wirtschaft zum Erliegen. Anstatt der
Pleite zuzusehen, übernahmen ArbeiterInnen
ihre Betriebe. Viele dieser selbstverwalteten
Unternehmen bestehen bis heute. Juan Pablo
Hudson hat eines davon jahrelang begleitet
und unterstützt. Sein Buch ist eine Collage
aus Forschungsberichten und persönlichen
Reflexionen.
Eine Veranstaltung von Südwind OÖ, Abteilung Politik und Entwicklungsforschung
(JKU), weltumspannend arbeiten und der
Landesbibliothek OÖ.