Gott ist Sieger - Hoffnungskirche zu Pankow

Evangelische Hoffnungskirchengemeinde Berlin-Pankow
PREDIGT im Gottesdienst am 03.05.2015 in der schwedischen Victoriagemeinde
(Textgrundlage: Joh 16,5-11)
von Pfarrer Matthias Motter
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des
Heiligen Geistes sei mit Euch allen. Amen.
Die Victoriagemeinde wurde 1903 gegründet. Ihren Namen erhielt sie von der damaligen
schwedischen Kronprinzessin Victoria, eine gebürtige Prinzessin von Baden.
Liebe Gemeinde,
ich ahnte es ja schon, habe dann aber nochmal auf Ihrer Internetseite nachgeschaut und da
steht es so. Natürlich eine Prinzessin, die als Namensgeberin für diese Gemeinde diente.
Aber eine Prinzessin mit durchaus schönem Name: Victoria. Auf Deutsch: Sieg.
Sieger ist man gerne. Verlierer kaum.
Könige wurden und werden besonders dann verehrt und gefeiert, wenn sie viele Siege
errungen haben – da spielt ja zum Beispiel Gustav Adolf in der deutsch-schwedischen und
auch protestantischen Geschichte eine große Rolle.
In der Politik, in der Wirtschaft, im Sport sowieso und oft auch im Privatleben scheint das
Ziel stets der Sieg zu sein. Keiner ist gerne Verlierer.
Jesus von Nazareth scheint am Ende seines Lebens auf der Verliererseite zu stehen – und mit
ihm die, die an ihn glaubten. Kein Sieg in Sicht. Dabei hatten sie so viel erhofft. War er nicht
der Messias. Sollte er nicht eine neue, bessere Welt bringen? Gerechtigkeit. Frieden. Der Sieg
des Guten. Sehnen wir uns nicht bis heute danach?
Und was sehen wir? Viel zu oft schier unfassbares Leid – ertrinkende Flüchtlinge, entführte
Mädchen, verzweifelte Menschen in den Kriegs- und Katastrophengebieten der Welt, stilles
Leid in den Wohnungen oder Krankenhäusern oder auf den Straßen unserer Stadt.
Wer ist da der Sieger?
Kein Messias ist zu sehen, der sagt: Ich bin doch da, ich sorge jetzt für Gerechtigkeit und
Frieden. Im Gegenteil. Der Messias, an den sie geglaubt haben, der sagt seinen Jüngern: Ich
gehe. Ich gehe jetzt weg aus dieser Welt. Ich werde hingerichtet.
Wie allein gelassen, wie verloren fühlten sie sich – seine Jünger. Wie verloren fühlen sich
Menschen auch heute, fühlen vielleicht auch wir uns manchmal.
Seltsame Worte aber, die Jesus in unsere Traurigkeit hinein spricht. Wir haben es eben aus
dem Evangelium des Johannes gehört. Jesus sagt: Es ist gut für euch, dass ich weggehe.
Es ist gut, alleingelassen zu werden? Verlierer, verloren zu sein?
Aber warum fragt mich denn niemand, wohin ich gehe?, höre ich Jesus entgegnen. Wo euer Blick
endet, wo ihr nur das Ende seht, da geht Gottes Weg weiter, sagt Jesus.
Was das bedeutet, kann nur der verstehen, der nach der Dunkelheit des Karfreitags vom Licht
des Ostermorgens berührt worden ist.
Gottes Weg endet nicht am Kreuz. Und unser Weg muss auch nicht in Angst und Traurigkeit
enden.
Die Jünger in der Erzählung des Johannes-Evangeliums sehen nur den nahenden Tod Jesu.
Aber Jesus verkündigt, was wir mit Ostern im Rücken glauben dürfen. Gott hat nicht
verloren. Gott ist der Sieger. Seine Lebenskraft, seine Liebeskraft ist stärker als alles andere.
Und er lässt uns nicht allein.
Die Gegenwart Gottes bei uns nennt Jesus hier im Johannesevangelium mit einem schwer zu
übersetzenden Begriff. Im griechischen Urtext steht der Begriff Paraklet. Das bedeutet im
Wortsinn „der Herbeigerufene“. Und diesen Beistand, diesen Tröster, diesen Helfer, diesen
Parakleten müssen wir nicht einmal selbst herbeirufen – Jesus sorgt dafür, dass er kommt. So
hören wir es aus dem Johannesevangelium.
Ich werde ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun, so haben
wir es im Evangelium gehört.
Gottes Weg geht weiter. Gott wird der Welt die Augen öffnen. Auch uns hoffentlich.
Dass wir den Glauben nicht verlieren. Den Glauben an Gottes Weg, der weiter geht, an seine
Lebens- und Liebesmacht, die siegt – allem anderen, allem Traurigen, allem, was uns
verzweifeln lassen will, zum Trotz.
Möge Gott uns die Augen öffnen für die Spuren seiner Gegenwart, für die Strahlen seines
Lichtes, das schon jetzt in unsere Welt hineinleuchtet. Vielleicht spüren wir es in
wunderbaren Begegnungen mit anderen Menschen. Vielleicht erfahren wir es als die Kraft,
die uns mutig und stark macht zur Tat. Vielleicht tröstet es uns in dunkler Nacht.
Mögen wir einander stärken in diesem Glauben an den, der der Sieger war, ist und sein wird
über alle Dunkelheit, und bei dem – so dürfen wir hoffen – am Ende niemand verloren,
niemand Verlierer ist.
Die Victoriagemeinde wurde 1903 gegründet. Ihren Namen erhielt sie von der damaligen
schwedischen Kronprinzessin Victoria.
Vielleicht aber erzählt der Name der Victoriagemeinde aber auch von dem Sieg Gottes, dem
Sieg der Gerechtigkeit und der Liebe.
Amen.
Es gilt das gesprochene Wort.