Persönliche Stellungnahme zu den Ereignissen auf der SP

Persönliche Stellungnahme zu den Ereignissen auf der SP-Sitzung am 23.4 und zu unserem
angekündigten Rücktritt
Zu den Ereignissen:
Auf der letzten SP-Sitzung wurde zunächst versucht die Stellen im AStA-Vorstand auf 3 zu reduzieren,
ohne jedoch das Gehalt entsprechend anzupassen. Weil dies trotz Mehrheit (!) des Parlaments nicht
beschlossen wurde (eine 2/3 Mehrheit war nötig und wurde nicht erreicht), kam es zur Wahl eines
neuen AStA-Vorstands. Vom Vorstand wurde eine Person vorgeschlagen, die bereits als Referent_in
tätig war, konkrete Projekte vorgestellt hatte, sich bereits im Vorfeld über die Stelle beim Vorstand
informiert hatte und sich gut vorstellen konnte, die Stelle auch in der nächsten Wahlperiode zu
besetzen. Durch letzteres würde eine Kontinuität im AStA hergestellt, die aus meiner Sicht sehr von
Nöten ist. Von der Fachschaftenliste wurde eine Person vorgeschlagen, die zwar bereits im AStA
Vorstand tätig war dort jedoch mit einem Misstrauensvotum (!) abgewählt wurde. Die Person schien
sichtlich desinteressiert an der Stelle und wollte sich nach eigener Aussage „nur ums Tagesgeschäft“
kümmern. Auch wenn ich hier betonen will, dass ich persönlich kein Problem mit der Kandidatin der
Fachschaftenliste habe, halte ich die Entscheidung statt einer motivierten Kandidatin eine AlibiStellenbesetzung zu wählen für ein weiteres Armutszeugnis der Düsseldorfer Hochschulpolitik an der
HHU. Anstatt sich gemeinsam für einen AStA einzusetzen, der politisch agieren kann und die Belange
der Studierenden vertreten kann, werden engagierte Menschen am Zugang zu zentralen Positionen
in der Hochschulpolitik gehindert. Diese Mischung aus kindischen Listenstreitereien und persönlichen
Machtdemonstrationen von privilegierten weißen Studierenden ist symptomatisch für den Zustand
der Studierendenpolitik an der HHU. Diese Entscheidung reiht sich ein in eine lange Kette aus
Entscheidungen des Studierendenparlaments, die nicht im Sinne der Studierendenschaft getroffen
werden, sondern parlamentarische Debatten zum masturbatorischen Selbstzweck verkommen
lassen. Es ist mehr als traurig, dass die Studierenden zu großen Teilen von Menschen vertreten
werden, die sich mehr mit ihrer zukünftigen Karriere als Berufspolitiker oder Marketingprofi als mit
ihren Kommiliton_innen identifizieren. Dies und noch viele andere frustrierende Eigenheiten der
studierendenpolitischen Landschaft der HHU habe ich im AStA-Vorstand erleben müssen. Auch wenn
einzelne Studierende z.B. in Referaten durchaus das Interesse der gesamten Studierendenschaft
vertreten, ist die Gesamtsituation aus meiner Sicht für jeden halbwegs sozial und politisch
engagierten Studierenden untragbar. Mich persönlich nimmt dies schon seit einiger Zeit emotional
sehr mit und ich habe sehr viel Energie verschwendet nur um in so einem Umfeld produktiv agieren
zu können.
Im Folgenden möchte ich gesondert auf zwei Punkte eingehen:
1) Meine Grenzüberschreitung gegenüber einem Mitglied der JuSo-Hochschulgruppe
Zunächst möchte ich festhalten, dass ich keinen persönlichen Konflikt mit der betroffenen Person
habe. Ich habe unfairerweise meine Frustration mit dem gesamten Parlament in einem Impuls an
einer einzelnen Person, die mich in einem besonders verletzlichen Moment provoziert hat,
ausgelassen. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Um im Vorfeld eine solch emotionale Reaktion zu
vermeiden war ich, sichtlich frustriert, aus dem SP-Saal nach draußen getreten. Die Person hielt es
für nötig, extra das Fenster zu öffnen nur um mit einem hämischen Ton nochmal verbal
nachzutreten. Auch wenn ich in dem Moment schon mit jeder Erwartung an das Parlament bezüglich
einer verträglichen oder nur respektvollen Kommunikation abgeschlossen hatte, hätte ich sicherlich
ruhiger auf die Situation reagieren sollen, als ich es getan habe.
Stattdessen bin ich der Person körperlich zu nahe getreten, indem ich sie einmalig geschubst habe.
Es war zu keinem Zeitpunkt meine Intention die Person zu verletzen, was ich auch nicht getan habe,
egal wie verzerrt dies von einzelnen Parlamentarier_innen dargestellt wird. Ich wollte in meiner
emotionalen Betroffenheit einer verbalen Grenzüberschreitung eine physische entgegensetzen. Dies
ist eine Logik, welche ich wie gesagt mit Abstand selber verurteile. Es liegt mir nur daran die
Hintergründe zu erläutern. Das dieses Ereignis wie so oft von Listen politisch ausgeschlachtet und
überzogen dargestellt werden würde, war mir eigentlich schon währenddessen bewusst, jedoch egal.
Dies lässt sich aus meiner Sicht nicht vermeiden. Es ist bezeichnend, dass mir nur eine Woche vorher
eine Klage angedroht wurde, aufgrund eines Zeitungsartikels in der Campus Deliciti (mit dem ich
nichts zu tun hatte) noch bevor es zu irgendeinem Gespräch dazu gekommen wäre.
Grenzüberschreitung bezüglich meiner und Anna Tentis Person und Privatsphäre waren mehr oder
weniger an der Tagesordnung und von einem Großteil der Listen toleriert und/oder befeuert. Unsere
Arbeit und unser Engagement wurden dagegen von Seiten des Parlamentes stets kleingeredet. Ich
will mich da jedoch nicht im speziellen hervorheben, ich weiß, dass auch viele andere AStAVorstände ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Nichtsdestotrotz möchte ich mich nochmal bei der
betroffenen Person für meine Reaktion entschuldigen.
2) Den angekündigten Rücktritt von Anna Tenti und mir vom Amt des AStA Vorsitzenden respektive
AStA Vorstands.
Anna und Ich haben daher nicht lediglich aufgrund der Ereignisse der letzten SP-Sitzung unseren
Rücktritt angekündigt, sondern aufgrund des katastrophalen Zustands der studentischen
Hochschulpolitik, allen voran das unsäglich dysfunktionale Studierendenparlament. Dieses wird nicht
ohne Grund von Außenstehenden und oft sogar von (minimal kritikfähigen) Parlamentarier_innen
selbst als „Kindergarten“ bezeichnet. Im Gegensatz zu den Mitgliedern der parteinahen Listen, sehen
wir unsere Zukunft nicht in der Bundespolitik, sondern wollen uns für studentische Belange
einsetzen. Dies ist, so traurig es ist, außerhalb von AStA und SP wesentlich weniger frustrierend. Ich
freue mich daher über jede SP-Sitzung, der ich nicht mehr beiwohnen muss!
Mit anarchistischen Grüßen,
Andreas
P.S.: Dennoch möchte ich mich dafür einsetzen ,dass vor allem die Arbeit und die Projekte der
Referent_innen (CSD, festival contre le racisme, Sommerkult, Raumproblematik des
Schwulenreferats etc.) nicht unter den gegebenen Umständen leiden, daher werde ich meinen
Rücktritt nicht schriftlich einreichen, bevor das geplante Referent_innentreffen stattgefunden hat.