Konzeptualisierung von Health Literacy in partizipativer Palliative

Konzeptualisierung von Health Literacy in
partizipativer Palliative Care Forschung
Klaus Wegleitner1, Patrick Schuchter1, Sonja Prieth2
1IFF
Wien / Institut für Palliative Care und OrganisationsEthik
Alpen-Adria Universität Klagenfurt, Wien – Graz
2 Tiroler Hospiz Gemeinschaft
Gesundheits- und Medizinsoziologiekongress
18./19.09.2014 in Villach
IFF Wien
Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Institut für Palliative Care und OrganisationsEthik
Kontextualisierung
Forschungs – Approach IFF Wien
 Entwicklung von Organisationen und Netzwerken
(Settings Approach) in Hospice- und Palliative Care
 Partizipative Versorgungsforschung, Interventionsforschung
(Heintel 2002, 2012) & Organisationsentwicklung (Pelikan et al.
1993; Grossmann, Scala 1996)
 Entwicklung von Regionen und Communities
 Interventionsforschung (Krainer, Lerchster 2012) / Community
Based Participatory Research (CBPR) (Minkler Walllerstein 2003)
/ Action Research (Hockley, Froggatt, Heimerl 2013)
 Partizipative (Wright 2012; von Unger 2012; Heimerl et al. 2012,
transdisziplinäre Forschung (Reitinger 2008) in Palliative Care
 Health Promoting Palliative Care, Community Development
(Kellehear 2005; Kellehear, Young 2011)
IFF Wienfür Interdisziplinäre Forschung
Fakultät
und Fortbildung
Fakultät
für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Klagenfurt
Institut
für Palliative
I Graz I Wien
Care und OrganisationsEthik
Fragestellungen
 a) Inwieweit werden Fragen und Herausforderungen der
Health Literacy im Palliative Care Diskurs relevant, bzw. wo
sind diese implizit eingelagert?
 b) Welche Konzeptualisierung von Health Literacy könnte
den spezifischen Lebens- und Betreuungssituationen von
sterbenden Menschen und ihren Angehörigen gerecht
werden?
 Im Kontext von partizipativer Palliative Care Forschung
 Projektkontext: Sorgende Gemeinde im Leben und
Sterben / Landeck / Tirol
IFF Wienfür Interdisziplinäre Forschung
Fakultät
und Fortbildung
Fakultät
für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Klagenfurt
Institut
für Palliative
I Graz I Wien
Care und OrganisationsEthik
Kontextualisierung
Was ist Palliative Care?
 „ ... ist ein Ansatz mit dem die Lebensqualität von PatientInnen und
ihren Familien verbessert werden soll, wenn sie mit einer
lebensbedrohlichen Krankheit und den damit verbundenen Problemen
konfrontiert sind. Dies soll durch Vorsorge und Linderung von Leiden,
durch frühzeitiges Erkennen und fehlerloser Einschätzung und
Behandlung von Schmerzen und anderen physischen, psychosozialen
und spirituellen Problemen erfolgen.“ (WHO 2002)
 Hospizidee und Palliative Care als Reaktion auf die
Industrialisierung und medizinische Körperzentrierung
der Betreuung am Lebensende
„Gesundheitskompetenz basiert auf allgemeiner Literacy und umfasst das Wissen, die
Motivation und die Kompetenzen von Menschen, relevante Gesundheitsinformationen in
unterschiedlicher Form zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im
Alltag in den Domänen der Krankheitsbewältigung, der Krankheitsprävention und der
Gesundheitsförderung Urteile fällen und Entscheidungen treffen zu können, die ihre
Lebensqualität während des gesamten Lebenslaufs erhalten oder verbessern.” (Sörensen
et al. 2012, 3) – Integrated Model of Health Literacy
IFF Wienfür Interdisziplinäre Forschung
Fakultät
und Fortbildung
Fakultät
für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Klagenfurt
Institut
für Palliative
I Graz I Wien
Care und OrganisationsEthik
Vorgehen
 Diskursanalyse programmatische Papiere der WHO, der
EAPC (European Association for Palliative Care) und der
entsprechenden Dachverbände in Deutschland, Österreich
und der Schweiz
 Projektprozesse- und Inhalte werden retrospektiv entlang
unterschiedlicher Dimensionen von Health Literacy
analysiert
 Focusgruppengespräche mit pflegenden Angehörigen,
Ehrenamtlichen und Selbsthilfegruppen aus aktuellen
Projektzusammenhängen
IFF Wienfür Interdisziplinäre Forschung
Fakultät
und Fortbildung
Fakultät
für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Klagenfurt
Institut
für Palliative
I Graz I Wien
Care und OrganisationsEthik
Health Promotion und Health Literacy im
internationalen Palliative Care Diskurs
 Programmatische und politische Palliative Care Papiere der
EAPC (z.B. EAPC 2009, 2010, 2010a, 2010b) und der WHO
(z.B. 2007)
 beziehen sich kaum auf Health Promotion und nicht
auf Health Literacy
 Positionspapiere der Hospiz- und Palliativ - Dachverbände
in Aut, D und CH
 keine Bezüge zu Health Promotion und Health Literacy
IFF Wienfür Interdisziplinäre Forschung
Fakultät
und Fortbildung
Fakultät
für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Klagenfurt
Institut
für Palliative
I Graz I Wien
Care und OrganisationsEthik
Health Promotion und Health Literacy im
internationalen Palliative Care Diskurs
 EAPC Ebene – interdisziplinäre scientific community
 Professionalisierung, Institutionalisierung &
Standardisierung
 Holistisches Palliative Care Modell mit Fokus auf
Individuelle Betreuungsebene
Entwicklung von Versorgungsangeboten
 Organisationen, Netzwerke und Communities als Settings
von Gesundheitsförderung in Palliative Care kaum im Blick
 WHO Ebene
 Public Health Action Programme – Top Down
 Prozesshafte Übersetzungsstrategien von Health Promotion
in Palliative Care fehlen weitgehend
IFF Wienfür Interdisziplinäre Forschung
Fakultät
und Fortbildung
Fakultät
für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Klagenfurt
Institut
für Palliative
I Graz I Wien
Care und OrganisationsEthik
Parallelentwicklung: von den Healthy Cities
zu den Compassionate Communities
o Health Promotion in
Palliative Care
o vorsorgend Leiden mindern
o die „community“ beteiligen
o Wissensvermittlung zu
Gesundheit, Sterben und Tod
o soziale Unterstützung und
wechselseitige
Hilfepotentiale fördern
(Kellehear 2008: 142 ff)
o
Community: Public Health
Palliative Care International Developing Compassionate
Communities
IFF Wien
Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Institut für Palliative Care und OrganisationsEthik
Konkreter Projekthintergrund
Sorgende Gemeinde im Leben und Sterben
 Gefördert vom Stifterverband für die Deutsche
Wissenschaft
 Lokaler Praxis- & Forschungspartner: Tiroler
Hospizgemeinschaft (THG)
 Modellprojekt in der Stadtgemeinde Landeck (Tirol
/ Österreich)
 Ko-Auftraggeber: Gemeinderat / Sozialausschuss
IFF Wienfür Interdisziplinäre Forschung
Fakultät
und Fortbildung
Fakultät
für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Klagenfurt
Institut
für Palliative
I Graz I Wien
Care und OrganisationsEthik
Sorgende Gemeinde im Leben und Sterben
HPPC - Community Development
Die Sorge für alte, schwer kranke und sterbende
Menschen und ihrer Bezugspersonen in der Gemeinde
stärken.
1. Wie ist die (informelle) Sorge am Lebensende und in
Hinblick auf das Lebensende organisiert?
2. Wie können (informelle) Sorge-Netzwerke am Lebensende
gestärkt werden?
 Wer sorgt für wen? In welcher Weise?
 Was kann eine nachhaltige Sorgekultur gefördert werden?
 Wie sollte das Verhältnis des informellen Netzes zu den
professionellen Diensten gestaltet werden?
 Wie können die Selbsthilferessourcen von Bürgerinnen und
Bürgern unterstützt werden?
IFF Wienfür Interdisziplinäre Forschung
Fakultät
und Fortbildung
Fakultät
für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Klagenfurt
Institut
für Palliative
I Graz I Wien
Care und OrganisationsEthik
z.B. Projektphase I: interventionsorientierte Analyse
Erhebung und Entwicklung
Gemeindepolitik /
reg. Öffentlichkeit
Informelles SorgeNetz / Vereine
Betroffene und
deren Geschichten
Expertinnen / prof.
Versorgung
Sorgeteam
o Einzel- und Gruppeninterviews mit Betroffenen, informellen und
formellen HelferInnen; laufendes auswerten und einspeisen/rückkoppeln
o Vernetzungsworkshops; „Sorgenetz stärken“ usw.
IFF Wienfür Interdisziplinäre Forschung
Fakultät
und Fortbildung
Fakultät
für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Klagenfurt
Institut
für Palliative
I Graz I Wien
Care und OrganisationsEthik
Referenzdiskurse
 Health Promoting Palliative Care (Kellehear 1999, 2005)
 Caring Democracy (Tronto 2013)
 Politik der Sorge
 Wer trägt Sorge für wen? Wie ist das Verhältnis von privater und öffentlicher Sorge
organisiert? Wer leistet Sorge-Arbeit? Wer entzieht sich direkter Sorge-Arbeit? Wer
übernimmt welchen Teil der Sorge? Wer hat Macht? Wer definiert, was legitime
Bedürfnisse sind? Welche Abhängigkeits- und Macht-Relationen bestehen? Wer ist
„ausgeschlossen“? Wie sind die einzelnen Teile des Sorge-Prozesses organisiert?
 Dispositiv (Foucault) Sorgekultur
 Was wird als relevantes Sorge-Wissen anerkannt?
 Welche Diskurse gelten als Sorge-Diskurse? Wie werden diese (re-) produziert?
 Wie wird Wahrheit über das Sorgen sozial erzeugt? Welche Regeln gelten hier?
 Sorgewissen – Sorgepraxis - Sorgeartefakte
 Health Literacy (Nutbeam 2000, Kickbusch 2001, Sörensen et al. 2012) in
Palliative Care
 Gesundheitskompetenzen, Selbsthilferessourcen stärken
 „Sorge-Souveränität“ fördern
IFF Wienfür Interdisziplinäre Forschung
Fakultät
und Fortbildung
Fakultät
für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Klagenfurt
Institut
für Palliative
I Graz I Wien
Care und OrganisationsEthik
Spezifische Lebenssituation sterbender Menschen und
ihrer (pflegenden) Bezugspersonen
 Phase größter Vulnerabilität
 Relationale Autonomie, Angewiesenheit
 Eingeschränkte Kommunikations- und Entscheidungsfähigkeit
 existentielle Unsicherheit, Ängste und Sorgen
 „Es is nix mehr wie´s war …“ – „War das alles vom Leben …“





Sterben und Tod als gesellschaftliches Mysterium
Umgang mit Ungewissheit – unabsehbare Betreuungsverläufe
laufend implizite und explizite Betreuungsentscheidungen
Plan- und Machbarkeit der Versorgung stoßen an Grenzen
„Enge der Sorge“
 Soziale Isolation, Überlastung, Mehrfachpflege, Gewissen und Schuld,
Belastende Familiendynamiken, Soziale Erwartungshaltungen,
Rollenbilder und Selbstverständnisse, Sorge(un)gerechtigkeit, usw.
 Herausforderung: Hilferessourcen wissen, annehmen und
im sich verändernden Prozess anwenden/organisieren
IFF Wienfür Interdisziplinäre Forschung
Fakultät
und Fortbildung
Fakultät
für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Klagenfurt
Institut
für Palliative
I Graz I Wien
Care und OrganisationsEthik
Lebenswelt und Community orientierte Health Literacy
in Palliative Care
Sorge-Souveränität und
Partizipation & Empowerment
Equity & Nachhaltigkeit
soziale Teilhabe
ermöglichen
Präventiv leiden
mindern
Wohlbefinden und Lebensqualität bis
zuletzt fördern
Gesundheitsförderliche
Kommunalpolitik
Umgang mit Krankheit
& Sterben
finden
Voneinander Wissen im lokalen
Sorgenetz
verstehen
Wissen
Motivation
Kompetenz
umsetzen
Zugang und prozesshafte Vermittlung für
vulnerable Betroffene
Organisationskultur des Sterbens
beurteilen
Gesundheitskompetente
Organisationen (Brach et al. 2012)
Health Literacy von Professionals
Health Literacy von informellen
HelferInnen
Hilfe annehmen
Gesundheitsverhalten
Sozial-kommunikative
Vermittlungs-, Deutungs- und
Unterstützungsprozess in der
Betreuung am Lebensende
Adaption des Modells der Integrierten
Health Literacy, vgl. Sörensen et al. 2012
Projektphasen II & III
Health Promotion & Community Development
 Lokales Sorgeteam
 BürgerInnen - Forum und Zukunftswerkstätte
 Lokal entstehende Initiativen & Projekte
initiieren, beraten & begleiten
 in Schulen, in Pfarrgemeinde, in Vereinen, lokale
Vernetzung der Organisationen, Selbsthilfegruppen,
Trauercafe, Angehörigengruppe, Kunstprojekte,
Erzählcafé, „Letzte Hilfe“-Kurs, Hospiz und Schule,
„SeniorInnen für SeniorInnen“ usw.
IFF Wienfür Interdisziplinäre Forschung
Fakultät
und Fortbildung
Fakultät
für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Klagenfurt
Institut
für Palliative
I Graz I Wien
Care und OrganisationsEthik
Health Literacy als geteiltes / kollektives Wissen
einer nachhaltigen Sorgekultur in der Gemeinde
Prof.
Dienstleister
Pflegende Angehörige als
Betroffene
Ehrenamt
„Kümmerer“
vernetzen, vermitteln,
beraten
Öffentliches
Bewusstsein schaffen
Erfahrungswissen
heben - Sorgewissen
Betroffene vorbereiten
Sorge-Team
Initiativgruppen
übers Leben und
Sterben reden
Hilfe ermöglichen
entmoralisieren
Sorgerechtigkeit fördern
Augen und Ohren
offen halten
sich kümmern
„Zutaten“ für eine gute Sorgekultur
LebensErfahrung
Fachwissen
IFF Wien
Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Institut für Palliative Care und OrganisationsEthik
Einander im
Blick haben
„Zugang“
gewähren
und finden
Vernetzen
und
Organisieren
Rollen
verstehen
Danke für ihre Aufmerksamkeit
Kontakt:
Ass.-Prof. Mag. Dr. Klaus Wegleitner
IFF Wien / Institut für Palliative Care und OrganisationsEthik / Alpen-Adria Universität Klagenfurt, Graz Wien
Schottenfeldgasse 29/4/1 / A-1070 Wien
[email protected]
IFF Wien
Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung
Institut für Palliative Care und OrganisationsEthik