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21.07.2010
Wie Künstler den Wandel im Ostend sehen
Das Ostend befindet sich im Umbruch: Vieles wird
abgerissen, Neues entsteht in einem ganz anderen Stil.
Hotels, Büros und schicke Lofts wachsen. Der Wandel
beschäftigt Künstler.
Ostend. Isabella Ramos nimmt die Besucher im fünften Stock des
Bürogebäudes in der Ostbahnhofstraße 13–15 in Empfang. An ihrem
Blazer ist ein Schild befestigt, das sie als Mitarbeiterin von «Arty Space» ausweist. Sie stellt sich vor
und erzählt von ihrer Arbeit. Es geht um die Aufwertung von Plätzen und ganzen Stadtteilen, darum,
aufzuzeigen, mit welchen Mitteln ein solcher Prozess erfolgen könne.
Wandel im Stadtteil
Das Stichwort lautet «Gentrifizierung» – ein Begriff, der die sozialen Umstrukturierungsprozesse eines
Stadtteils beschreibt. Was wie eine Szene aus dem realen Alltag eines Unternehmens wirkt, das ein
Produkt verkaufen möchte, ist in Wirklichkeit Teil der Performance «60314» der Gruppe Arty Chock.
Hierbei handelt es sich um ein Performancekollektiv, das im vergangenen Jahr gegründet wurde und
sich aus Studenten und Doktoranden der Theater-, Film- und Medienwissenschaften der GoetheUniversität zusammensetzt. Bereits 2009 hat sich die Gruppe in einer Performance-Aktion unter
anderem mit der Neugestaltung und den daraus resultierenden Veränderungen des neuen Uni-Campus
im Westend sowie dessen Wahrnehmung durch die Studenten und Besucher auseinander gesetzt.
Dieses Mal führte ihr Weg ins Ostend. «Ich habe das Gefühl, hier befindet sich zurzeit die größte
Baustelle Frankfurts. Es ist der Stadtteil, in dem aktuell die stärkste Entwicklung stattfindet», schildert
Tim Schuster von Arty Chock.
Vieles werde abgerissen, Neues entstehe in einem ganz anderen Stil. Das Alte komme weg und werde
ersetzt, etwa durch Hotels, Büros oder schicke Lofts. «Dieser Prozess hat sich in den vergangenen
Jahren besonders rund um den geplanten Bau der Europäischen Zentralbank bemerkbar gemacht.
Zurzeit scheinen sich diese Entwicklungen noch stärker zu beschleunigen.» Orte mit ihren spezifischen
Eigenschaften, ihren Veränderungen, etwa durch Baumaßnahmen, sind Themen, die die Mitglieder von
Arty Chock in ihren Theater-Performances immer wieder aufgreifen. «Wir gehen raus aus der
Institution Theater in den öffentlichen Raum, jedoch nicht, weil wir ein Stück im Freien aufführen
wollen, sondern weil wir uns mit den Besonderheiten eines Ortes, wie der Infrastruktur, der
Architektur und der Bedeutung für die Menschen, die im Stadtteil leben, auseinandersetzen», betont
Tim Schuster.
Dieses Mal haben sie sich das Gelände der ehemaligen Feuerwache an der Ostbahnhofstraße
ausgeguckt, das zurzeit noch brachliegt. «Uns war es wichtig, auch mit Anwohnern rund um den Platz
in Kontakt zu kommen. Wir wurden gut aufgenommen und während unserer Proben von vielen Seiten
unterstützt», fügt er hinzu. Nach und nach werden die gut 250 Zuschauer der Performance auf das
Grundstück gelassen. Die Gruppe positioniert sich, wirft sich Kartons zu, die zu einer Wand aufgetürmt
werden, auf der ein Film projiziert wird. Er zeigt den Abriss des Bunkers am Ostbahnhof.
Grünes Band grenzt aus
http://www.fnp.de/fnp/print_rmn01.c.7975002.de.htm
05.08.2010
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Es folgen weitere Aktionen: So wird etwa getanzt, als Verweis auf die Clubszene des Viertels. Dabei
wird auch das Thema «Ausgrenzung» aufgegriffen, das die Zuschauer, die zuvor mit roten und grünen
Bändern ausgestattet wurden, zu einem Teil selbst nachfühlen dürfen. Diejenigen nämlich, die ein
grünes Band haben, müssen das Grundstück für eine Weile verlassen, bekommen in dieser Zeit nicht
mit, was sich innerhalb der Mauern vollzieht. «Mit der Performance wollen wir Gedanken zu diesen
Themen anstoßen, ohne jedoch auf moralische Art zu kritisieren», betont Tim Schuster.
Weitere Informationen zur Gruppe Arty Chock gibt es im Internet unter http://www.artychock.tk
© 2010 Frankfurter Neue Presse
http://www.fnp.de/fnp/print_rmn01.c.7975002.de.htm
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