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31/17–2.März2017
EinFilterfürschwerenWasserstoff
MiteinerfunktionalisiertenMetall-organischenGerüstverbindung(MOF)lassen
sichDeuteriumundTritiumrelativeinfachvonnormalemWasserstofftrennen
Stuttgart/Augsburg/PH/KPP-DeuteriumundTritiumsindStoffemitZukunft,machensichaber
rar.DieschwerenIsotopedesWasserstoffsfindennichtnurzahlreicheAnwendungeninder
Wissenschaft,sondernkönntenalsBrennstoffederKernfusionzumEnergiemixvonmorgen
beitragen.DeuteriumistzudemBestandteileinigerMedikamente,diegeradedas
ZulassungsverfahrenindenUSAdurchlaufen.SieausdernatürlichenIsotopenmischungdes
Wasserstoffszufiltern,istbislangjedochaufwendigundteuer.WissenschaftlerderStuttgarter
Max-Planck-InstitutefürIntelligenteSystemeundfürFestkörperforschung,derUniversitätLeipzig,
derJacobsUniversityBremen,derUniversitätAugsburgsowievomOakRidgeNationalLaboratory
(USA)könnendavielleichtAbhilfeschaffen.SiestellenimFachmagazinNatureCommunications
einemetallorganischeGerüstverbindung-kurzMOFfürmetalorganicframework-vor,mitdersich
diebeidenIsotopeeffizientervomGrosdesnormalenWasserstoffstrennenlassenalsmitden
bisherigenMethoden.
InMedikamentenhatDeuteriumeinenlebensverlängerndenEffekt,wennauchzunächstnurfür
denWirkstoffselbst.DenndermenschlicheStoffwechselbautMoleküle,diedasIsotopmitder
doppeltenWasserstoffmassetragen,langsamerabalsdiegleicheSubstanz,wennsiemit
normalemWasserstoffgemachtist.DaherlassensichdeuteriumhaltigeArzneimittelniedriger
dosieren,sodasssichauchihreNebenwirkungenverringern.Deuteriummischtzudemebenso
wiedasnochschwerereradioaktiveTritiumbeiderKernfusionmit.DieserProzessbringtdie
SternezumLeuchten,sollaberaucheinmalinentsprechendenKraftwerkenablaufen.Dennin
ihmverschmelzenAtomkernemiteinanderunderzeugendabeieinegroßeMengeEnergie.
WährendDeuteriuminderPharmazieerstseitkurzerZeitgenutztwirdundseinmöglicher
EinsatzinderEnergieversorgungnochinderZukunftliegt,findetesinderWissenschaftschon
langeVerwendung.ZumBeispielumdenWegvonNährstoffendurchdenStoffwechselzu
verfolgen.„DeuteriumundingewissemMaßeauchTritiumsindalsofüreinigeAnwendungen
nützlich“,sagtMichaelHirscher,deralsLeitereinerForschergruppeamMax-Planck-Institutfür
IntelligenteSystemeanderaktuellenArbeitmaßgeblichbeteiligtwar.„Bislangistesallerdings
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sehraufwendig,DeuteriumvomleichtenWasserstoffzutrennen.“
EineMetall-organischeGerüstverbindungalsDeuterium-FilterspartEnergie
SowirdetwaDeuteriumausschwerem,alsodeuteriumhaltigemWassergewonnen,daszu0,15
PromilleinnatürlichemWasserenthaltenist.MiteinerKombinationchemischerund
physikalischerVerfahrenwieetwaderDestillationwirdzunächstdasschwereWasserisoliert
undanschließendDeuterium-Gaserzeugt.Dasistsoaufwendigundenergieintensiv,dassein
GrammDeuteriumvon99,8ProzentReinheitetwa100Eurokostet.Damitistderschwere
BruderdesWasserstoffsrunddreiMalteureralsGold,obwohlDeuteriuminjedemGewässer
undanderErdoberflächeinsgesamtmehrals300MalhäufigeralsdasEdelmetallzufindenist.
„MitunsererMetall-organischenGerüstverbindungdürfteesnuneinfacherundweniger
energieintensivwerden,DeuteriumausdemnatürlichenGemischderWasserstoffisotopezu
isolieren“,sagtDirkVolkmer,dessenMitarbeiteramLehrstuhlfürFestkörperchemieder
UniversitätAugsburgdasMaterialsynthetisierthaben.IneinerMetall-organischen
Gerüstverbindung,englisch„metal-organicframework“oderkurz„MOF“,werdenMetall-Ionen
durchorganischeMolekülezueinemKristallmitrelativgroßenPorenvernetzt,weshalbsolche
StoffebezogenaufihrGewichtgroßeMengenGasaufnehmenkönnen.
InderVerbindung,diedasForscherteamnunalsFilterfürDeuteriumundauchfürTritium
vorstellen,bildenZink-undKupferionendiemetallischenKnotenpunkte.Bereits2012hatten
dieWissenschaftlereineMetall-organischeGerüstverbindungpräsentiert,diealsmetallische
KomponenteausschließlichZinkenthieltundebenfallsDeuteriumausdemnatürlichen
Isotopengemischfiltert–allerdingsnurbeiminus223GradCelsius.
KupferstattZink,undderFilterlässtsichmitflüssigemStickstoffkühlen
DieAugsburgerChemikerersetzteneinenTeilderZink-daherdurchKupferatome,deren
Elektronenhüllesogebautist,dassdasMaterialbeihöherenTemperaturenundselektiver
Deuteriumfiltert.DasbestätigtenMichaelHirscherundseineMitarbeiteramMax-PlanckInstitutfürIntelligenteSystemeunddieForscheramOakRidgeNationalLaboratoryin
verschiedenenTestsbewiesen.UnteranderemprüftensiebeiverschiedenenTemperaturen,in
welchenMengendasMaterialDeuteriumundnormalenWasserstoffauseinemGemischmit
gleichenAnteilenderbeidenIsotopeaufnimmt.Demnachspeichertesbeiminus173Grad
CelsiuszwölfMalmehrDeuterium.„BeidieserTemperaturlässtsichderTrennprozessmit
flüssigemStickstoffkühlenundwirddadurchkostengünstigeralsdieVerfahren,dienurbei
wenigeralsminus200Gradfunktionieren“,sagtMichaelHirscher.
BeiderInterpretationderverschiedenenMessergebnissehalfendieBeiträgedertheoretischen
ChemikerumThomasHeine,dervorkurzemeinenLehrstuhlanderUniversitätLeipzig
übernommenhat,nachdemervorheranderJacobsUniversityBremengelehrthatte.„Mit
unserenBerechnungenkonntenwirdieverschiedenenexperimentellenPuzzleteilezueinem
konsistentenGesamtbildzusammenführen“,sagtderWissenschaftler.
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DieMetall-organischeGerüstverbindungmussnochmehrGasaufnehmen
WiedieAnalysederDatenfürDeuteriumundWasserstoffergab,stimmtendieExperimenteund
dieVorhersagenderRechnungensehrgutüberein.DasmachtdieTheoretikerzuversichtlich,
dassderTeilihrerRechnungen,diesichnichteinfachexperimentellüberprüfenlassen,genauso
aussagekräftigsind.„DannstimmenwahrscheinlichauchunsereBerechnungenfürTritium,was
sichinExperimentenabernuruntergroßenSicherheitsvorkehrungenüberprüfenlässt“,sagt
ThomasHeine.
AuchdasradioaktiveWasserstoff-IsotopfiltertdasMaterialdemnachsehreffektivauseinem
GemischderIsotope.DasdürfteauchfüreineAnwendunginteressantsein,beideresnicht
darumgehtdasIsotopzugewinnen,sondernloszuwerden.DennWasserausKernkraftwerken,
auchdas,mitdemdieReaktorenvonFukushimabeiderKatastropheimJahr2011geflutet
wurden,enthältTritium.MitderneuenMetall-organischenGerüstverbindungergibtsich
vielleichteineMöglichkeit,dieseradioaktivenAltlastenzubeseitigen.Allerdingsmüsstedas
radioaktivverseuchteWasserdafürzunächstelektrolysiert,werdenumdietritiumhaltigen
WassermoleküleintritiumhaltigesWasserstoffgasumzuwandeln.BevorTritiumundDeuterium
mitgroßporigenKristallenjedochinderPraxisausdemIsotopengemischdesWasserstoffs
gefiltertwerdenkann,müssendieWissenschaftleresallerdingsnochweiterentwickeln–nicht
zuletzt,damitesnochmehrGasaufnimmt.PH
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