Abschlussbericht Rowanfield School 1. Wie haben Sie Ihr Auslandspraktikum gefunden? Wer hat Ihnen dabei geholfen? (bitte möglichst genau und detailliert, da andere Studierende zukünftig so aus Ihren Erfahrungen lernen können!) Meine Freundin und ich studieren beide Lehramt für Sonderpädagogik mit dem Schwerpunkt Lernbehindertenpädagogik im 7. Semester. Da wir beide ein Praktikum an einer Schule im Ausland absolvieren wollten, beschlossen wir, uns gemeinsam bei Schulen im englischsprachigen Ausland zu bewerben. Da es bisher im Ausland noch keine Partnerschulen der LMU gibt, bewarben wir uns eigenständig bei ca. 50 Förderschulen in England, Irland und Schottland. Die Kontaktaufnahme mit ausländischen Schulen stellte sich schwieriger als angenommen heraus. Glücklicherweise kamen wir mit der Koordinatorin für Auslandspraktika der City of Edinburgh in Kontakt. Sie stellte die Verbindung zu den Schulen her und kümmerte sich um die Weiterleitung der Bewerbungen an eine Auswahl passender Schulen. 2. Welche Erwartungen hatten Sie zu Beginn des Praktikums? Meine Schule war für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und Lernschwierigkeiten. Anfangs habe ich mir meinen Schulalltag so ähnlich wie in Deutschland während meines Intensivpraktikums vorgestellt: eine Klasse mit ca. 12 Schülern und ein Lehrer mit zeitweiser Unterstützung einer Hilfslehrkraft. 3. Welche wurden erfüllt und welche nicht und warum? Doch es war ganz anders: Bevor der Unterricht losgeht, frühstücken alle Schüler gemeinsam entweder Toast oder Müsli (freitags gibt es sogar Pancakes ). Die Schule besteht aus dem „Primary“ (Grundstufe) und dem „Secondary“ (Sekundarstufe) Teil. Ich wurde in der Grundstufe eingesetzt, welche in insgesamt 3 Gruppen unterteilt ist. Der Unterricht findet in Gruppen zwischen drei und fünf Schülern statt. Für jede Gruppe gibt es jeweils eine Lehrkraft und einen „Pupil Support“, außerdem noch für alle 3 Gruppen eine „Behaviour Assistant“ und eine „Nursery Nurse“. Die Schüler haben also eine ganze Bandbreite an Lehrern und Unterstützern. Das ist aber auch nötig, da die Schüler immer wieder eine Auszeit nehmen müssen oder freiwillig in einen dafür vorgesehenen Raum gehen, wenn sie sich selbst nicht mehr kontrollieren können und ihre eigene Sicherheit und die der anderen Schülern gefährdet ist. Nach dieser individuellen Auszeit können die Schüler dann wieder in die Klasse zurückgehen oder mit Hilfe eines „Behaviour Assistant“ arbeiten. In meiner zugeteilten Klasse waren fünf Schüler, im Alter zwischen acht und neun Jahren. Das einzige Mädchen der Grundstufe befand sich in meiner Klasse. Die Lehrkraft war sehr nett, gab mir in den ersten Wochen viele wichtige Informationen und bezog mich von Anfang an mit in das Klassengeschehen ein. Mein Tagesablauf war folgender: 8:45 – 9:20 Breakfast: Ich helfe beim Frühstück vorbereiten, betreue die Schüler während des Frühstücks und rede mit ihnen (über Familie, Alltag, Freizeit und was sie sonst noch alles so auf dem Herzen haben J ). So weiß man gleich zu Beginn des Schultages was die Kinder belastet und in welcher Stimmung sie sind. 9:20 – 10:00 Literacy (Englisch): Hier werden die Schüler der Grundstufe nicht im Klassenverband unterrichtet, sondern sie werden in drei Gruppen bezüglich ihres Leistungsstands eingeteilt. Die Lehrerin, mit der ich die meiste Zeit über zusammen arbeite, unterrichtet die Schüler mit der mittleren Schwierigkeitsstufe. Die Stunde beginnt meist mit einem neuen Buchstaben, den die Schüler rausfinden sollen, in dem sie in eine Magic-Box greifen und einen Gegenstand mit dem neuen Buchstaben als Anfangsbuchstaben erkennen sollen. Zu diesem neuen Buchstaben wird ein passendes Buch gelesen und jeder Schüler darf den neuen Buchstaben an der Tafel schreiben. Anschließend bekommen die Schüler eine individuelle Arbeit (beispielsweise Buchstaben in Glitzer/Sand schreiben oder Bearbeitung eines Arbeitsblattes). Dabei wird mir ein Schüler zugeteilt, den ich bei seiner Arbeit unterstütze. 10:00 – 10:30 Physical Education (Sport): Bei den meisten Spielen (z.B. Basketball, Cricket etc.) gebe ich Hilfestellung und unterstütze die Schüler 10:30 – 10:45 Break im Hof: Manche Schüler spielen Fangen oder „What's the time Mr. Wolf?“ und ich spiele oft mit 10:45 – 11:00 Snack and Story: Die Schüler dürfen ihren selbstmitgebrachten Snack essen und die Lehrkraft liest ihnen ein Buch vor. Hierbei ist es meine Aufgabe, die Schüler zu unterstützen möglichst ruhig sitzen zu bleiben. 11:00 – 12:00 Numeracy (Mathe): Auch hier sind die Kinder wieder nach ihren Fähigkeiten in drei Gruppen eingeteilt. Zum Stundenauftakt wird meistens ein Mathespiel gespielt (z.B. „Don't role a Six“ oder Zahlen werden in die richtige Reihenfolge gebracht). Darauf folgen wieder individuelle Aufgaben (z.B. Arbeitsblätter) und auch hier unterstütze ich einen Schüler bei seiner Arbeit. 12:00 – 12:30 Topic: Jede Woche gibt es ein anderen Wochenthema, mit dem sich die Schüler beschäftigen (beispielsweise: „The earth, the moon and the stars“, „People who help us“). 12:30 – 12: 45 Lunch: Ich helfe beim Austeilen des Mittagessens und achte darauf, dass die Kinder still sitzen bleiben. 12:45 – 13:15 Break im Hof (in dieser Zeit hab ich meistens meine Mittagspause) 13:15 – 13:30 Reading: Die Schüler lesen ihr Buch, das an ihren individuellen Sprachstand angepasst ist. Oftmals gehe ich in dieser Zeit mit einem Schüler in die Schulbücherei und das Kind darf sich ein Buch aussuchen, welches wir dann gemeinsam lesen. 13:30 – 14:20 Class time: Diese Zeit wird jeden Tag anders genutzt, z.B. zum Singen, Musik hören, Lernspiele auf dem iPad spielen oder das „Topic“ wird aufgegriffen und es werden Arbeitsaufträge dazu bearbeitet. 14:20 – 14:55 Circle Time: Spiele mit allen drei Gruppen der Grundstufe gemeinsam, Bestimmung des Schülers der Woche (jeder nennt positive Eigenschaften über diesen Schüler) Oder Clubs (dienstags und donnerstags): Die Schüler haben 8 verschiedene Schulklubs zur Auswahl, die sie je nach Interesse frei wählen dürfen (z.B.: Schach spielen, Nähen, Kochen, in die Natur gehen, Schlagzeug spielen, im Chor singen etc.) 14:55 – 15:05 Home time: Die Tagesziele werden mit jedem Schüler individuell besprochen --> Bei Erreichen der Ziele bekommen sie Sticker und bei einer bestimmten Anzahl an Stickern ein kleines Geschenk als Belohnung/Motivation. 15:05 Die Schüler ziehen sich an und werden zu ihren Bussen/ Taxis gebracht 4. Wie haben Sie sich auf das Praktikum vorbereitet (Sprachkurse, interkulturelles Training, Einlesen in die Kultur des Gastlandes usw.)? Da ich vor der Reise mein Intensivpraktikum an einem Sonderpaedagogischen Förderzentrum in München absolviert hatte, habe ich mir vor dem Praktikum in Edinburgh nochmal die Unterlagen von der Zeit des Intensivpraktikums angesehen. Ich war davor noch nie in Schottland und so setzte ich mich mit der Kultur, der Sprache und den Sehenswürdigkeiten mit Hilfe von Reiseführern und YouTube-Videos auseinander. Einen Sprachkurs belegte ich nicht, da ich bereits für ein Jahr im englischsprachigen Ausland gelebt habe. 5. Mit welchen Aufgaben wurden Sie im Praktikum betraut? Schon nach einer kurzen Einweisungsphase durfte ich viel individuelle Arbeit mit den Schüler durchführen, welche aber von der Lehrerin vorgegeben wurde, so war ich bereits nach kurzer Zeit voll in den Schulalltag einbezogen. Da die drei Gruppen viel zusammenarbeiteten, war ich auch oft in den anderen Klassen als Unterstützungsperson tätig. Ich hatte sehr viele Freiheiten und durfte mir alle Bereiche in der Schule anschauen. So habe ich beispielsweise jeden Dienstag an einem anderen Schulklub teilgenommen und konnte so die ganze Bandbreite kennenlernen. Außerdem war es möglich für einige Tage den „Secondary“ Bereich der Schule kennenzulernen und mit den Älteren zu arbeiten. Da diese Schüler teilweise noch verhaltensauffälliger waren, konnte ich auch in diesem Bereich interessante Erfahrungen sammeln. Auch für meine weitere berufliche Laufbahn wurde mir bewusst, dass mich dieses Thema sehr interessiert und ich mir vorstellen könnte mein Studium noch mehr in die Arbeit mit „Verhaltensauffälligen Kindern“ zu vertiefen. 6. Konnten Sie dabei im Studium oder in bisherigen praktischen Erfahrungen Erlerntes umsetzen? Hilfreich waren vor allem die zahlreichen Praktika, die ich während meines Studiums bereits absolvierte. 7. Waren Sie ausgelastet? Ich war perfekt ausgelastet. Während des Schultages war ich immer beschäftigt und hatte die Möglichkeit, alle Aufgaben während dieser Zeit zu erledigen. So konnte ich die Zeit ab 15:10 Uhr frei gestalten und Edinburgh erkunden, Freunde treffen, Sport machen, einkaufen gehen etc. Ausflüge außerhalb von Edinburgh (Roadtrips) fanden eher an den Wochenenden statt. 8. Wie haben Sie Neues gelernt und was? Die Schule bietet sehr viel um die wichtigen Meilensteine, die viele Schüler im Laufe ihrer Entwicklung verpasst haben, nachzuholen. Dafür haben sie die „Nurture Space“ (Förder- bzw. Pflegeräume) eingerichtet. Dieser Bereich besteht aus: „The Zone“ und „The Hive“. Im Folgenden wird „The Zone“ näher erläutert. „The Zone“: Dieses Vorgehen lehnt sich an das Konzept der Psychologin Marjone Boxall an. An der Rowanfield School wird dieses Prinzip umgesetzt, indem Kleingruppen von bis zu vier Schülern in einem Raum („The Zone“) sehr individuell gefördert werden. Dieser Raum besteht aus verschiedenen Bereichen: Spielecke (Lego, Playmobil und Puppenecke), Küche, Esstisch, Leseecke mit Sofa und ein Tisch zum „gemeinsamen Lernen“. Da der Raum sehr gemütlich und freundlich eingerichtet ist, bietet er eine Wohlfühlatmosphäre. Die Ziele, die durch dieses Setting erreicht werden sollen, sind das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl der Schüler aufzubauen und zu stäken. Die soziale und emotionale steht im Vergleich zur akademischen Entwicklung im Vordergrund. In der „Zone“ arbeiten immer zwei Lehrkräfte, sodass jeder Schüler die individuell benötigte Aufmerksamkeit bekommt. Außerdem nimmt eine Lehrkraft die „Vorbild-Rolle“ ein und führt die Arbeitsaufträge, die von der anderen Lehrkraft gegeben werden, genauso aus, sodass die Schüler es nachahmen können. Dies bietet ihnen zusätzliche Sicherheit und dadurch gelingt es ihnen besser, ihre Potentiale zu entfalten. Der Ablauf der 60 Minuten ist immer gleich aufgebaut: Als Einstieg liest eine Lehrkraft ein Bilderbuch vor und die Schüler können es sich bequem machen und sich entspannen. Danach kommt eine „Lerneinheit“ in der Lernspiele gespielt werden und so die Englisch- und Mathekenntnisse vertieft werden. Dann folgt ein freier Teil, in dem die Schüler selbst entscheiden dürfen, was sie machen wollen. Anschließend findet ein gemeinsames Essen statt, damit die Schüler lernen den Tisch zu decken, gemeinsam zu essen und die Geschirrspülmaschine einzuräumen etc. Am Ende werden dann noch Punkte vergeben, wenn die individuellen Ziele der Schüler eingehalten wurden. Insgesamt steht im Vordergrund, dass die Schüler ihre sozialen Kompetenzen ausbauen und ihr Selbstwertgefühl gesteigert wird. Des Weiteren habe ich viel über die Arbeit mit technischen Geräten (IPad und SmartBoard) und über die damit verbunden Möglichkeiten und Chancen gelernt. 9. Hat Ihnen das Praktikum Spaß gemacht? Ja, sehr sogar! Es war einfach schön zu sehen, wie man schon nach so einer kurzen Zeit eine feste Bindung zu den Schülern aufbaut und sie einem ihre Probleme und Ängste anvertrauen. Ich fühlte mich auch schon nach ein paar Wochen als ein Teil der Schulfamilie und so fiel mir der Abschied am Ende ziemlich schwer. 10. Gab es irgendwelche Probleme während des Praktikums und welche? Gehen Sie hier auch auf die länderspezifischen Fettnäpfchen ein, auf die Sie gestoßen sind. Was denken Sie – wie hätten diese vermieden werden können? Bei anfänglichen Verständnisproblemen, aufgrund des schottischen Dialekts, bat ich meine Kollegen immer direkt, langsamer und deutlicher zu sprechen. Es schadet auf keinen Fall, wenn man sich vor Beginn der Reise schon mal mit Hilfe von YouTube-Videos mit dem doch etwas eigenwilligen schottischen Dialekt bekannt macht. 11. Wie gestalteten sich die Kontakte zu Kollegen am Arbeitsplatz? Meine Kollegen an der Rowanfield School waren sehr offen, freundlich, hilfsbereit und engagiert. Ich konnte sie alles fragen und sie erklärten mir alles, was ich sehen und wissen wollte. Von der Lehrerin, mit der ich am meisten zusammen arbeitete, konnte ich mir für die Zeit sogar ein Fahrrad ausleihen und manchmal nahm sie mich auch in ihrem Auto mit zur Schule. Außerdem gaben mir die Kollegen immer tolle Ausflugtipps für die Wochenenden in Edinburgh und Umgebung. 12. Konnten Sie Kontakte zu anderen Einheimischen aufbauen und wie? Neben den Kontakten in der Schule, lebten wir über Airbnb mit einem schottischen Pärchen in einer Wohngemeinschaft. In Pubs und auf Reisen trafen wir viele Schotten und kamen mit ihnen ins Gespräch. 13. Haben Sie Tipps für zukünftige Studenten an Ihrem Praktikumsort (z.B. Treffpunkte von Studenten oder studentische Vereine, Treffmöglichkeiten mit anderen Praktikanten/Austauschstudierenden vor Ort, Ausgehtipps, Sportmöglichkeiten, Freizeitmöglichkeiten, kulturelle Tipps, SIM-Karten bestimmter Anbieter, usw.) Edinburgh ist zwar sehr hügelig, aber dennoch kann ich Fahrrad fahren (für nicht ganz unsportliche Menschen) empfehlen, da man meistens sogar schneller als mit dem Bus am Ziel ankommt und so hat man auch gleich einen sportlichen Ausgleich zum Alltag Die Pub-Szene in Edinburgh ist einfach großartig. Es gibt unzählige schöne und gemütliche Pubs und in den meisten wird abends Live-Musik gespielt. Der irische Pub "Finnegans Wake" in der historischen Victoria Street ist vor allem für Studenten sehr zu empfehlen, da es mit einer Studentenkarte Rabatt auf Getränke gibt. Sonntags gibt es sowohl in Stockbridge als auch am Grassmarket einen Markt mit traditionellen schottischen Essen und anderen Köstlichkeiten. Auch The Royal Botanic Garden ist einen Besuch wert. Der Eintritt ist auch hier - wie für die meisten Museen- kostenlos. Außerdem lohnt sich ein Besuch des National Museum of Scotland und man darf sich hier auf keinen Fall die wunderbare Aussicht von der Dachterrasse des Museums entgehen lassen. Wer an der schottischen Politik interessiert ist, sollte sich das architektonisch anspruchsvolle Regierungsgebäude am Ende der Royal Mile aussehen. Die schönsten Sonnenuntergänge und eine wunderbare Aussicht über die Stadt kann man vom Calton Hill und vom Arthur's Seat bestaunen. Bei schönem Wetter lohnt sich ein Strandspaziergang am Portobello Beach. Dieser Strand ist der schönste und naheste an der Stadt und ist mit dem Lothian Bus ganz einfach zu erreichen. Ein Tagesauflug mit dem Bus 124 nach North Berwick ist auch sehr zu empfehlen. Dafür rentiert es sich eine Tageskarte für diesen Bus zu kaufen, da man dann die Möglichkeit hat, immer wieder ein- und auszusteigen. Auf dieser Strecke lohnt sich ein Hop-Off am Portobello Beach, in Aberlady (dort kann man ein paar Stunden durch das Nature Reserve zu wunderschönen verlassenen Stränden wandern) und als Ziel- und Endstation North Berwick. Dieses kleine Küstenörtchen bietet ein Birdcenter, zwei schöne Strände, viele nette kleine Geschäfte und Cafés und hat einfach richtig viel Scharm. Für Ausflüge außerhalb von Edinburgh lohnt es sich auf jeden Fall ein Auto zu mieten. Wir waren für eine Nacht auf der Isle of Sky und haben die gängige Autostrecke von Edinburgh aus am Loch Lomond entlang, durch das Glencoe Valley, über Fort Williams und über das Glennfinnen Viaduct (ein Highlight für alle Harry Potter Fans) nach Inverness, welches am berühmten Loch Ness liegt genommen. Von Inverness aus sind wir dann zurück und über die Brücke zur Isle of Skye. Die Isle of Skye war sehr beeindruckend und ist jedem Schottland-Besucher ans Herz zu legen. 14. Welche Kontakte konnten Sie außerhalb der Arbeit knüpfen? Anfangs war es nicht so einfach Kontakte außerhalb der Schule zu knüpfen, da wir nicht in studentische Kreise eingebunden waren, denn unser Alltag bestand von montags bis freitags von 8:30-15:30 Uhr aus Schule. Doch nach ca. zwei Wochen lernten wir zufällig andere deutsche Erasmus-Studenten kennen und ab diesem Zeitpunkt erhöhte sich jeden Tag die Anzahl an ausländischen Bekanntschaften und es entwickelte sich ein richtiges Netz aus internationalen Studenten. 15. Wie haben Sie eine Unterkunft gefunden und wie bewerten sie? Unsere Unterkunft hab ich bereits von Deutschland aus gefunden. Am Anfang war es gar nicht so einfach eine Unterkunft für nur 10 Wochen zu finden, da die meisten Wohnungen erst ab sechs Monate vermietet werden. Doch über Airbnb konnten wir dann eine sehr schöne Wohnung in Newtown finden, die sehr zentral gelegen war. Edinburgh ist allgemein für teure Mieten bekannt, aber die Lage und die Einrichtung der Wohnung rechtfertigte ihren hohen Preis. Die Schule war von unserer Wohnung nur ca. vier km entfernt, welche ich jeden Tag mit dem Fahrrad zurücklegte. So benötige ich kein Monatsbusticket, da man von unserer Wohnung aus, alles zu Fuß in der Stadt erreichen konnte. 16. Welche Eindrücke haben Sie von Ihrem Gastland (Kultur, Lebensgewohnheiten, Arbeitsbedingungen) gewonnen? Die Schotten, die ich kennengelernt habe (v.a. in der Schule) waren sehr offen, freundlich und hilfsbereit! Die Arbeitshaltung/Einstellung waren (zumindest in der Schule) dem sehr ähnlich, was ich bisher in Deutschland erlebte (pünktlich, gewissenhaft etc.) nur manchmal etwas unorganisiert, aber das kann auch an meiner Schule speziell liegen. 17. Haben Sie sich in der Sprache des Gastlandes verbessern können? Der schottische Dialekt benötigt am Anfang etwas Gewöhnung, aber nach einigen Tagen/Wochen kann man es gut verstehen und am Ende fiel mir der Dialekt gar nicht mehr auf. 18. Wie hat sich durch das Praktikum Ihre Studienmotivation, Ihr Studienverhalten und/oder Ihre Einstellung zum künftigen Beruf geändert? Für meine weitere berufliche Laufbahn wurde mir bewusst, dass mich dieses Thema sehr interessiert und ich mir vorstellen könnte mein Studium noch mehr in die Arbeit mit „Verhaltensauffälligen Kindern“ zu vertiefen. 19. Wäre die Praktikumstelle bereit, auch zukünftig ausländische Praktikantinnen/Praktikanten aufzunehmen? Ja, die Schule ist sehr offen für internationale Studenten, also bei Interesse einfach mal nachfragen. 20. Können Sie diese Stelle anderen Praktikantinnen/Praktikanten empfehlen? Bitte begründen Sie. Ich kann diese Schule nur jedem empfehlen, der viel Geduld und Offenheit für die Probleme dieser Schüler mitbringt! Die meisten Kinder, die auf diese Schule gehen, haben in ihrer Kindheit Erfahrungen gemacht, die sie nicht verarbeiten konnten. Außerdem haben diese Kinder viele Traumata erlebt und sind in einer unsicheren Umgebung aufgewachsen. Diese Erfahrungen lässt sie teilweise von einen auf den anderen Moment sehr aggressiv und impulsiv werden. In diesen Momenten können sie sich selbst nicht mehr kontrollieren und so werfen sie teilweise Stühle durch die Gegend oder reißen Plakate von den Wänden. Wenn sich die Schüler gar nicht beruhigen lassen, werden sie von den Lehrern mit einem bestimmten Griff (der regelmäßig trainiert wird) in einen Ruheraum gebracht, damit sie keine Gefahr mehr für sich selbst oder andere darstellen. Vielen Schülern gelingt es aber auch schon selbstständig in diesen Raum zu gehen, wenn sie merken, dass sie eine Pause/Auszeit brauchen. Durch den Einblick in die Vergangenheit und die Probleme der Schüler entsteht bereits nach kurzer Zeit eine sehr enge Verbindung zu den Schülern. Ich konnte so viele schöne Momente mit den Schülern teilen und sie sind mir nach dieser kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen, da man ihr Verhalten in gewisser Weise auch zu verstehen und sich in ihre Lebenssituation hineinzuversetzen versucht. Gerade das „hinter die Kulissen schauen“ und herauszufinden, warum sich diese Kinder so verhalten, finde ich unheimlich spannend und dazu hat mir diese Schule auf jeden Fall die Möglichkeit gegeben. Ich finde, dass dieses Praktikum sowohl für meine berufliche als auch meine persönliche Zukunft eine enorme Bereicherung ist. Es war eine rund um super schöne Zeit in Edinburgh, an die ich mich immer gerne zurück erinnere!! Ich werde auch in Zukunft mit der Schule über Briefe in Kontakt bleiben. 21. Haben Sie Verbesserungsvorschläge für die Organisation durch Student und Arbeitsmarkt? Ich wollte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Parteien bedanken, die mir diese unvergessliche und erfahrungsreiche Zeit in Edinburgh ermöglicht haben. Ich habe mich während dieser Zeit durch Student und Arbeitsmarkt und vor allem durch die Zusammenarbeit mit Herrn Johannes Hoch sehr gut betreut gefühlt und kann ein Auslandspraktikum nur jedem ans Herz legen.
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