Informationen - Carl Orff Institut Salzburg

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cc: collectif combined
"Veni, Veni, Venias" und "Limes"
Performancegruppe "Das Collectif", Orff-Institut Mozarteum Salzburg
Künstlerische Leitung: Irina Pauls
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Aufführung am 19. November 2016 im Theater KunstQuartier, 19.00 Uhr
Paris-Lodron-Straße 2a, 5020 Salzburg
Dauer: Ca. 100 Min. mit Pause
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Veni, Veni, Venias
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Ausschnitte aus „Carmina Burana“ von Carl Orff und Improvisationen über
„Carmina Burana“ in einer Choreografie von Irina Pauls
Aus der künstlerischen Arbeit der Universität Mozarteum
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Seit 2012 arbeitet die Performancegruppe "Das Collectif" unter der künstlerischen Leitung
von Irina Pauls an einer speziellen Interpretation der "Carmina Burana", welche das
Zusammenwirken von Körper und Musik aus der Perspektive des zeitgenössischen
Tanzes beleuchtet.
Jenseits der bekannten Aufführungspraxis der „Carmina Burana“ knüpft Pauls’
Bearbeitung stark an Carl Orffs musikalische und geistige Auseinandersetzung an.
Inspiriert von prägnanten Kompositionsprinzipien stellt die neue Lesart einzelne Motive
des Werks in den Vordergrund, bearbeitet sie spielerisch und erweitert sie phantasievoll zu
Szenen, in denen die Verbindung von Tanz und Musik auf besondere Weise erlebbar wird:
Die Klänge des reichhaltigen Schlaginstrumentariums und der Sprachrhythmus der
lateinischen Texte wirken als Impulse für die Tänzerinnen und lösen die Bewegungen aus.
Der Rhythmus verdichtet sich mit den Tanzenden zum gemeinsamen Pulsieren und löst
sich dann wieder in eine feingliedrige Körper-und Klangwelt auf.
Das choreografische Konzept steht im Kontext zur Entstehungszeit der Liedtexte aus dem
11./12. Jahrhundert und zieht daraus Figuren, Konstellationen, Situationen und
Tanzformen. Das „Rad der Fortuna“ bildet das übergreifende Thema: Werden und
Vergehen, Aufstieg und Fall, das Auf und Ab des menschlichen Schicksals.
Konzept/Choreografie/Gesamtleitung: Irina Pauls
Musikalische Leitung: Florian Müller
Ausstattung: Ragna Heiny
Performancegruppe: Das Collectif
Musiker: Schlagwerkstudenten Orff Institut/ Universität Mozarteum
Mit: Katharina Augendoppler, Johanna von Bibra, Marie-Christine Burger, Magdalena
Eidenhammer, Rahel Imbach, Matthias Klebel, Andrea Kraft, Susanne Rebholz, Alina
Reißmann, Maria Schreiner, Mirjam Stadler, Sara Wilnauer, Viktoria Wirth
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Veni, Veni, Venias, Foto: Chris Rogl
Copyright: Universität Mozarteum
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Mit freundlicher Genehmigung der Universal Edition AG Wien, in Vertretung von Schott Music Mainz und der
Carl Orff-Stiftung
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Limes
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Tanzstück von Irina Pauls (Choreografie) und Matthias Engelke (Musik)
Mit: Johanna von Bibra, Magdalena Eidenhammer, Elina Lautamäki, Patrizia Lohinger,
Susanne Rebholz, Sara Wilnauer, Viktoria Wirth
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Unterschiedslos- vereinheitlicht- deckungsgleich- gleichgerichtet- konform.
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Wer sind die Jugendlichen, die hinter Terror und Gewalt stehen?
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Einzigartig- besonders- subjektiv- vielfältig- originell.
Dabei miteinander.
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Das Tanzstück ist ein Plädoyer für eine Gesellschaft, die den Einzelnen unter uns allen
wahrnimmt.
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Mit dieser Arbeit geht „Das Collectif“ in eine neue künstlerische Phase. Körper und
Rhythmus bleiben die Konstanten. Live elektronische Klänge bilden den Spielraum für
Improvisatorisches.
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Interview mit Matthias Engelke und Irina Pauls, Juli 2016
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Matthias, im Februar 2016 kamst du zum ersten Mal nach Salzburg zur Probe mit dem
„Collectif“ Welches kompositorische Material hattest du vorbereitet?
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M. Engelke: Ganz klar nur der erste Teil, der stand vom Grundprinzip weitgehend, d.h.
dem Prinzip der rhythmischen Verschiebung und des Zufalls, das in gut erkennbaren
einzelnen Pattern ist und einem trotzdem gut vertraut ist. Also eine unendliche Permution,
die vielleicht erst nach 100 Takten zu hören ist. Es entstehen immer wieder neue
rhythmische Verhältnisse. Die Grund-Patterns dafür basieren auf einer Idee, und das ist
die Aufnahme der Schnalle meines Mikrofonkoffers.
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Was passierte dann damit beim Proben mit den Tänzerinnen?
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M. Engelke: Bei den Proben erkenne ich erst den dynamischen Bogen, den die
Choreografie nehmen soll. Das entwickelt sich im Laufe des Probenprozesses gemeinsam
mit Irina. Es gibt zudem Entscheidungen, welche Klanglichkeit passt oder welche doch
eher nicht. Ich habe zum Beispiel sirenenartige Klänge rausgenommen, weil sie nicht
mehr der energetischen Qualität entsprachen. Dafür sind holzartige dazugekommen, die
mehr die Bodenhaftung unterstützen.
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Es gab also von Anfang an eine gedachte Zweiteilung des Tanzstücks. Wie habt ihr euch
den zweiten Teil gedacht?
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I. Pauls: Es ging mir um den größtmöglichen Kontrast, also sollte der zweite Teil ganz
stark von der Individualität der Darstellerinnen leben. In den Proben habe ich nach ihrem
persönlichen Ausdruckswillen gesucht. Der ihnen innewohnende künstlerische Ausdruck
sollte sichtbar und hörbar sein und Resonanz erzeugen. Meine Vorstellung war ein
Klangraum, zu dem jeder speziell beträgt und der dennoch ein vielfältiges Ganzes bildet.
Matthias und ich haben uns dafür auf ein technisch aufwendiges neues Feld begeben...
M. Engelke: Die Hauptarbeit war das Entwickeln meines individuellen elektronischen
Instuments. Das habe ich konzipiert und durch ein Zusammenspiel von Computer, den
Controlern und dem Mixer verwirklicht. Es berücksichtigt die Anzahl der Tänzerinnen und
die von Ihnen verwendeten Instrumente, die dann die Wahl eines entsprechenden
Klangwandlers bedingen mit dem ich die Bühnen- oder Instrumentenklänge meinem
Instrument zuführen kann. Es gibt zum Beispiel Kontaktmikrofone für die Schwingungen,
die die tanzenden Körper erzeugen oder spezielle Instrumenten-Mikrofone. In der Probe
passe ich diese Konstruktion auf die Entwicklungen im künstlerischen Prozess an. Dabei
lerne ich mein Instrument kennen und lerne es zu „spielen“. Denn ich muss mit einer
Vielzahl von Signalen umgehen, die zudem im Computer in echtzeit prozessiert und
ausgegeben werden können. Zum einen habe ich das Direktsignal. Das wird dann im
Computer bearbeitet. Im Fall des Instruments für diese Produktion habe ich den Zugriff auf
das Direktsignal vom bearbeiteten Signal vollständig entkoppelt. Jedes Mikrofon-Signal
leite ich in acht parallele Bearbeitungswege weiter von denen mir jeder eine
unterschiedliche Klanglichkeit als Resultat der Bearbeitung ausgibt. Ich habe damit eine
Art Klangfarben-Baukasten zur Hand: klangliche Grundierung, Rhythmisierung,
harmonische Anreicherung. Ich muss also erlernen auf welchen klanglichen Aspekt ich mit
welchem Regler zugreifen kann.
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Was passiert damit dann konkret im Moment der Aufführung?
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M. Engelke: Ich stelle das Mischungsverhältnis live her und trete damit in Kommunikation
mit dem Performer, der das Ausgangs-Signal erzeugt. Es entsteht eine Art kreative
Rückkopplung mit dem Performer in diesem Moment. Das hat einen
kammermusikalischen und einen improvisatorischen Aspekt.
I. Pauls: Für die Darstellerinnen hat sich gezeigt, wie intensiv und konzentriert sie auf den
selbst erzeugten Klang hören müssen, um wirklich mit Matthias und seinem „Instrument“ in
Kommunikation zu treten. Erst dann ist es wunderbar, was aus den Körpern heraus an
Klang entsteht.
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Matthias, „Limes“ ist deine erste Arbeit mit dem Collectif? Was reizt dich daran?
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M. Engelke: Es sind Performer, mit denen eine echte musikalische und improvisatorische
Arbeit möglich ist. So wie zum Beispiel mit Johanna: sie hat diese sprachlichen und
stimmlichen Möglichkeiten. Das Musizieren und der Tanz rücken auf spezielle Weise
zusammen.
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Das Collectif
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Seit 2007 am Carl Orff- Institut beheimatet, bietet Das Collectif den kreativen Platz für eine
künstlerische Zusammenarbeit mit wechselnden Partnern, Lehrenden und Studierenden.
In ihren Arbeiten widmet sich die Performancegruppe besonders der Verbindung von Tanz,
Musik und Sprache und entwickelt daraus ihr besonderes Profil. Eine kontinuierliche
Zusammenarbeit besteht seit 2009 mit der Choreografin Irina Pauls. Gastspiele führten die
Gruppe neben Österreich nach Malta, USA, Kanada und Deutschland. Mit „Veni Veni
Venias“ widmet sich das „Collectif“ seit vier Jahren dem künstlerischen Werk von Carl Orff
auf eigenwillige Weise jenseits der bekannten Aufführungspraxis in verschiedenen
Stückversionen.
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www.carlorff-tanzperformance.jimdo.com
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Irina Pauls, Choreografin
Irina Pauls lebt als freischaffende Choreografin und Regisseurin in Leipzig. Ihre
Tanzausbildung erhielt sie an der Palucca Schule Dresden. Choreografie studierte Pauls
an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig. Sie kreierte mehr als achzig
Uraufführungen als Leiterin der Tanztheater an verschiedenen Bühnen Deutschlands und
im Ausland, unter anderem in Athen, Dublin, Manila, Valletta, Perm, Salzburg und in
Thailand. Seit 2009 entstehen vor allem Site- Specific Performances. Pauls hat
Lehraufträge an der Universität Mozarteum Salzburg und an der Hochschule für Musik und
Theater in Leipzig.
www.irina-pauls.de
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Limes, Foto: Chris Rogl
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Copyright: Universität Mozarteum
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Rezension: Salzburger Nachrichten, 29. Juni 2015
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