Manuskript

SWR2 MANUSKRIPT
ESSAYS FEATURES KOMMENTARE VORTRÄGE
SWR2 Wissen
Damit es nie wieder passiert
Der Kampf gegen den Rückfall von Straftätern
Von Nick Schader
Sendung: Mittwoch, 16. November 2016, 08.30 Uhr
Redaktion: Sonja Striegl
Regie: Sonja Striegl
Produktion: SWR 2016
Bitte beachten Sie:
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MANUSKRIPT
Musik 1: Mouse on Mars, Titel: „Port Dusk“
O-Ton 1 - Häftling Thomas:
Ja bei mir ging`s um Kinderpornografie und ich hab zweieinhalb plus nochmal
anderthalb bekommen, weil ich schon vorbestraft war.
O-Ton 2 - Häftling Franco:
Ich wurde wegen schwerem, sexuellem Missbrauch verurteilt zu sieben Jahren – in
54 Fällen.
O-Ton 3 - Häftling Stefan:
Ich bin zu einer Jugendstrafe von 9 Jahren wegen Mordes verurteilt worden.
O-Ton 4 - Häftling Thomas:
Gibt es eine Möglichkeit der Gutmachung? Dass man nicht nur bereut, sondern dass
man vielleicht auch aktiv etwas tun kann? Das sind halt Fragen die uns beschäftigen
– also mich beschäftigen.
O-Ton 5 - Häftling Franco:
Das ist anstrengend, auf jeden Fall. Aber es ist auch immer wieder schön zu sehen:
Aha, da habe ich wieder was dazu gelernt. Und das ermutigt dann auch wieder zu
machen. Man muss da wirklich an die Grenzen gehen.
O-Ton 6 - Häftling Stefan:
Auch wenn ich nur ein Opfer habe – tatsächlich ist es ein viel größerer Kreis, den ich
damit schädige. Und da hat man auch selbst die Verantwortung, und die Pflicht, alles
dafür zu tun, dass so etwas nicht mehr vorkommt.
Musik 1: (Ende Intro!)
Sprecherin:
„Damit es nie wieder passiert - Der Kampf gegen den Rückfall von Straftätern“.
Eine Sendung von Nick Schader.
Atmo 1: (Summton Türöffner)
Sprecherin:
Wer die JVA-Ludwigshafen betreten will, muss mehrere Sicherheitsschleusen
passieren. Hinter der ersten Tür muss man bei einem Wachmann seinen
Personalausweis und sein Handy abgeben. Hinter der nächsten Eisen-Tür muss man
warten, bis man abgeholt wird.
Atmo 2: (Schlüssel, Tür wird aufgeschlossen)
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Sprecherin:
Gefängnisdirektor Michael Händel öffnet die Tür. Die Sonne scheint in die langen,
weißen Gänge, die den Charme eines alten Schulgebäudes versprühen. Wären da
nicht immer wieder diese dicken Gitter-Türen, die den Weg versperren.
Atmo 3: (Tür wird aufgeschlossen)
Sprecherin:
Die Justizvollzugsanstalt Ludwigshafen ist eine Art „Spezial-Knast“. Sie ist eine
sogenannte „Sozialtherapeutische Anstalt“, die anders als normale
Justizvollzugsanstalten ein umfangreiches therapeutisches Angebot macht. So leben
die Gefangenen in der Regel in einer personell gut begleiteten Wohngruppe. Alle, die
hier einsitzen, haben schwere Straftaten begangen: Mord, Vergewaltigung oder
sexuellen Missbrauch von Kindern, schwerer Raub. Alle sind zu langen Haftstrafen
verurteilt worden und durchlaufen eine mehrjährige Therapie. Das Ziel: sie sollen
nach der Entlassung nie wieder Straftaten begehen. Anstaltsleiter Michael Händel:
O-Ton 7 - Michael Händel (Leiter der JVA Ludwigshafen):
Das Ziel ist, die Rückfallgefahr möglichst weit abzusenken. Also in dem Sinne, dass
die Wiederholungsgefahr gebannt ist oder sehr stark gemindert. Und das aus der
Absicht heraus, dass es keine neuen Opfer geben möge.
Sprecherin:
Bevor die Häftlinge einen Therapieplatz erhalten, sitzen sie zunächst in normalen
Gefängnissen ein. Dort können sie sich für eine Sozialtherapie „bewerben“. So wie
Franco, 38 Jahre alt, verurteilt wegen schweren sexuellen Missbrauchs an Kindern in
54 Fällen:
O-Ton 8 - Häftling Franco:
Man muss sich schon bemühen, hier hin zu kommen. Also das ist nicht einfach so,
ja, ich will hier hin und dann kommt man hier hin, sondern man muss im Vorfeld
schon Gespräche geführt haben, mit Sozialarbeiter und Psychologen etc. Und dann
wird in einer Konferenz entschieden, ob man dafür geeignet ist, oder nicht, hier in die
Anstalt zu kommen. Weil, die nehmen nicht jeden.
Sprecherin:
Eine Therapie gegen den Willen der Verurteilten ist sowieso sinnlos, wissen
Psychologen. Franco kam irgendwann zur Einsicht, dass er sein Leben und vor allem
sich selbst ändern muss.
O-Ton 9 - Häftling Franco:
Jeder der inhaftiert wurde, weiß wie schwer das ist, die erste Zeit da drin zu
verbringen. Und da stellt man sich einen Haufen Fragen. Und wenn man dann
schmerzlich feststellen muss, was man da überhaupt getan hat, und wen man damit
geschädigt hat, und man durchläuft diesen ganzen Prozess der Gerichtsverhandlung
– das ist ein unbeschreibliches Gefühl von…das man eigentlich gar nicht mehr
möchte. Denn man fühlt sich schmutzig, dreckig und versucht Antworten zu finden.
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Da ist die Entscheidung sehr nah, dass man sagt: Ich muss an mir arbeiten, ich
möchte wissen warum.
Sprecherin:
Die gleichen Gedanken haben auch Stefan in die Therapie geführt. Der 27-Jährige
wurde wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von neun Jahren verurteilt.
O-Ton 10 - Häftling Stefan:
Ich bin sehr froh hier zu sein. Ich hab jede Menge über mich gelernt. Auch über
meine Straftat und vor allem auch, wie ich das in Zukunft zu vermeiden habe. Im
Regelvollzug, wär ich dazu nie gekommen, das muss ich offen und ehrlich sagen.
Wirklich die gesamten Hintergründe, die habe ich erst hier erfahren.
Sprecherin:
Die meisten Inhaftierten in den 71 Sozialtherapeutischen Anstalten in Deutschland
sind Sexualstraftäter. Eine Ursache dafür ist, dass Ende der 1990er gleich mehrere
Paragraphen im Strafgesetzbuch geändert wurden. Unter anderem wurden die
Regelungen zur Sicherungsverwahrung verschärft. Für Sexualstraftäter konnte
dadurch die Sicherungsverwahrung schon beim ersten Rückfall verhängt werden,
gestrichen wurde das Höchstmaß von zehn Jahren. Zudem wurden die
Bewährungsauflagen erhöht. Auf der anderen Seite wollte der Gesetzgeber
erreichen, dass mehr Straftäter eine Therapie bekommen, erläutert Anstaltsleiter
Michael Händel:
O-Ton 11 - Michael Händel (Leiter der JVA Ludwigshafen:
Das Thema Sexualstraftäter kam tatsächlich erst 1998 zum Zuge. Als es ein Gesetz
gab, zur Bekämpfung von Sexualstraftaten und anderen gefährlichen Straftaten. Das
ging zurück auf eine Reihe schwerer Sexualstraftaten in der Bundesrepublik, wo der
Gesetzgeber dann gedacht hat, da muss man etwas tun. Dann wurde in der Folge
das so gesetzlich geregelt, dass Sexualstraftäter unter bestimmten
Voraussetzungen, bevorzugt sich in eine sozialtherapeutische Behandlung begeben
müssen.
Sprecherin:
Ende der 90er Jahre hatten mehrere grausame Fälle von Kindesmisshandlung für
Schlagzeilen gesorgt. In Niedersachsen war die zehnjährige Kim Kerkow vor dem
Haus ihrer Eltern entführt, dann vergewaltigt und ermordet worden. Der Täter hatte
Jahre zuvor schon einmal ein Mädchen missbraucht und getötet – und war nach vier
Jahren aus der Haft entlassen worden. Für ebenso großes Entsetzen sorgte die
Ermordung der siebenjährigen Natalie in Bayern. Auch sie war Opfer eines
Wiederholungstäters. Außerdem beschäftigte die deutsche Öffentlichkeit die
Gräueltaten des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux. Bürgerinitiativen
gründeten sich und sammelten Unterschriften mit dem Ziel, das Sexualstrafrecht zu
ändern. Als Folge wurden deutlich mehr Therapie-Plätze geschaffen. Straftäter
sollten nicht mehr nur weggesperrt, sondern auch therapiert werden. Zu dieser
Gruppe gehört der 53-jährige Thomas. Er wurde wegen mehrfachen Besitzes von
Kinderpornografie zu vier Jahren verurteilt.
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O-Ton 12 - Häftling Thomas:
Ich bin in die Untersuchungshaft gekommen und hab mich gefragt, was kann ich tun,
damit sowas nicht mehr vorkommt. Ich hab mich dann in der Anstalt in der ich war
erkundigt und hab mich mit dem dortigen Psychologen zusammen gesetzt. Die
haben mir dann dort die Möglichkeiten aufgezeigt und haben mir Info-Material
gegeben. Und nach dem Studium vom dem hab ich klipp und klar gesagt: Da möchte
ich hin, das hilft mir am meisten weiter.
Sprecherin:
Thomas: Kinderpornografie, Stefan: Totschlag, Franco: sexueller Kindesmissbrauch.
Drei Täter, drei verschiedene Taten. Und damit drei unterschiedliche Prognosen, wie
hoch die Gefahr ist, dass sie nach der Entlassung aus der Haft rückfällig werden. Am
Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg
erforscht Dr. Carina Tetal seit vielen Jahren, bei welchen Tätern die
Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall am größten ist.
O-Ton 13 - Carina Tetal (Max-Planck-Institut für ausl. u. int. Strafrecht):
Das höchste Rückfallrisiko haben Raubtäter und schwerer Diebstahl, sprich
Einbruch. Das sind die mit den höchsten Rückfallraten. Die Rückfallraten sind im 3Jahres-Zeitraum über 50 %. Und im 9-Jahres-Zeitraum etwa 2/3 der Raubtäter
werden rückfällig. Also das ist schon sehr, sehr hoch.
Sprecherin:
Ganz anders, als viele Boulevard-Medien mit ihrer Art der Berichterstattung
suggerieren, ist das Rückfall-Risiko bei Sexualstraftätern, statistisch gesehen,
ziemlich gering.
O-Ton 14 - Carina Tetal (Max-Planck-Institut für ausl. u. int. Strafrecht):
Also es gibt dann eben wieder einen der da ausbricht, den gibt`s natürlich, und der
erscheint in den Medien. Also man vergisst dann sozusagen den größten Teil der
Personen, der Täter. Der einschlägige Rückfall ist sehr, sehr, sehr gering. Also unter
1 Prozent der Vergewaltiger werden auch wieder wegen einer Vergewaltigung
innerhalb von 3 Jahren sanktioniert.
Sprecherin:
Obwohl die Rückfallgefahr gering ist, bei Vergewaltigern wie auch bei Mördern, sei
eine Therapie bei diesen Tätern sehr wichtig, betont der Direktor der
Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, Dr. Martin Rettenberger. Denn jeder
einzelne Rückfall hätte verheerende Folgen – im schlimmsten Fall eine
Vergewaltigung oder ein Mord.
O-Ton 15 - Martin Rettenberger (Direktor Kriminologische Zentralstelle):
Im Strafvollzug gibt es bestimmte Tätergruppen, die aufgrund von besonders schwer
wiegenden Delikten, vor allem sexuell motivierte Delikte, aber auch nicht-sexuell
motivierte Delikte, wie sehr schwerwiegende Gewaltdelikte, inhaftiert sind. Bei dieser
Tätergruppe ist es dann natürlich besonders wichtig, dass man alles dafür tut, die
Zeit im Vollzug zu nutzen, damit die Rückfallgefahr nach der Entlassung möglichst
gering ist.
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Sprecherin:
Gerade Sexualstraftäter sind gut therapierbar, betont der Kriminologe. Daher sei die
Unterbringung in einer Sozialtherapeutischen Anstalt sinnvoll:
O-Ton 16 - Martin Rettenberger (Direktor Kriminologische Zentralstelle):
Die Antwort da drauf, ob man Sexualstraftäter therapieren kann ist ganz klar: Ja.
Zum einen sehen wir das an den Studien, die die Wirksamkeit von
Therapieprogrammen überprüfen, dass bei den behandelten Personen die
Rückfallraten in der Regel deutlich niedriger liegen, als bei den Unbehandelten.
Sprecherin:
Verschiedene Studien haben die Wirksamkeit der Sozialtherapie bestätigt. Bei einer
der größten Untersuchungen wurden Mitte der 90er mehr als 1300 Sexualstraftäter in
Nordamerika begleitet. Das Ergebnis: Durch die Therapie sank die RückfallHäufigkeit um rund ein Viertel. Eine andere große Studie aus Kanada im Jahr 2002
kam zu dem Schluss, dass die Therapie die Zahl der Rückfälle um rund 12 Prozent
senken kann. Und eine sogenannte „Meta-Analyse“ des Rückfallforschers Martin
Schmucker aus Deutschland, die 2009 im Auftrag des Bundesjustizministeriums
ausgewertet wurde, kam zu dem Ergebnis, dass durch eine Sozialtherapie etwa ein
Drittel der Rückfälle bei Sexualstraftätern verhindert werden kann.
In der Justizvollzugsanstalt Ludwigshafen werden die Häftlinge umfangreich
behandelt. Dazu gehören eine Monate lange Einzeltherapie bei Psychologen, AntiGewalttrainings oder auch spezielle Gruppentherapien für Sexualstraftäter.
Atmo 4: Therapie-Sitzung (kurz offen, Stühle rücken, viele Stimmen durcheinander)
Sprecherin:
Ein nüchterner, kleiner Besprechungsraum in der JVA Ludwigshafen. 8 Stühle in
einem Halbkreis und davor der Psychologe Christian Broszio. Immer mittwochs
treffen sich hier die Teilnehmer der Gruppentherapie. Die Häftlinge sind alle
Sexualstraftäter. Männer unterschiedlichen Alters, die normal aussehen. Würde man
ihnen auf der Straße begegnen würde man bei keinem eine gewalttätige
Vergangenheit vermuten.
Das Thema dieser Gruppen-Sitzung ist die „Opfer-Empathie“. Dafür sollen sich die
Täter in ihre früheren Opfer „hinein fühlen“ – verstehen, was sie angerichtet haben.
Und in der Gruppe ganz offen darüber sprechen.
Atmo 5: Therapie-Sitzung Sexualstraftäter
O-Ton 17 - Collage Therapie-Sitzung:
Broszio: Ich würde gerne von Ihnen wissen, wenn wir so eine kurze Bilanz machen,
wie sie die letzten Runden erlebt haben, was Ihnen das Thema „Opfer-Empathie“
bisher gegeben hat. Häftling: Das ist belastend. Man muss damit umgehen können
und man muss es halt lernen sich in die Rolle reinzufühlen und auch mal die Sicht
von der anderen Seite zu sehen.
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Atmo 6: Therapie-Sitzung Sexualstraftäter
O-Ton 18 - Collage Therapie-Sitzung:
Broszio: Haben Sie denn bis zum heutigen Zeitpunkt das Gefühl, dass sich in Ihrer
Perspektive, in Ihrer Haltung etwas verändert hat durch das „BPS“? Häftling 1: Ja.
Häftling 2: Man muss halt viel an sich arbeiten, sag ich. Steinchen für Steinchen.
Und dadurch lernt man auch, dass man wirklich einen Fehler gemacht hat.
O-Ton 19 - Christian Broszio (Psychologe):
Viele Gefangene sagen, warum soll ich das in einer Gruppe machen, das geht doch
niemanden etwas an. Aber die Gruppe erzieht sich selber, und alle erleben vor allem
selber als Täter Entsetzen, wenn jemand anderes über seine Straftaten berichtet.
Und da wollen wir hin, dass wir Gefühle wecken, Entsetzen wecken und
Risikosituationen aufdecken.
Sprecherin:
Diese Gruppentherapie findet in der Regel einmal pro Woche statt und dauert 90
Minuten. Rund ein Jahr lang dauert das gesamte Programm. Alle acht Männer sollen
durch die Therapie lernen, ihre Schuld anzuerkennen und zu verstehen, dass sie das
Leben ihrer Opfer zerstört haben. Viele Täter wollen das am Anfang nicht wahrhaben
– der Psychologe Christian Broszio nennt das „Bagatellisierung“.
O-Ton 20 - Christian Broszio (Psychologe):
Wir lesen das meist schon aus den Urteilen raus, dass der Gefangene recht locker
mit seiner Geschichte umgeht und sagt: Da war ja gar nix, die hat gelogen. Was da
im Urteil steht ist ja gar nicht richtig, ich hab das nur gemacht, damit`s schnell vorbei
ist und damit das Mädchen nicht aussagen musste…und solche Geschichten. Die
lernen dann aber mit der Zeit genau diese Bagatellisierung raus zu arbeiten und
anzuerkennen, dass es eine Schutzbehauptung ist.
Sprecherin:
Der wegen Mordes verurteilte Stefan hat diese Phase ebenfalls durchlebt. Nach der
Verurteilung und am Anfang seiner Haft in einem normalen Gefängnis suchte er die
Schuld immer bei anderen. Dann kam er in die Therapie – und fing langsam an,
seine Tat und seine Schuld anzuerkennen. Ein harter, tränenreicher Weg, wie er
erzählt.
O-Ton 21 - Häftling Stefan:
Der menschliche Verstand oder auch wir alle, sind sehr fähig dazu uns alles gut zu
reden oder halt zu verharmlosen. Und das alles erst mal heraus zu graben und die
tatsächliche Wahrheit hervorzubringen, dass man eigentlich ein ganz mieser Kerl ist,
zumindest was man gemacht hat damals, dass das was richtig mieses ist und das es
da nichts zu beschönigen gibt, das ist verdammt schwer. Und auch sich selbst die
eigene Schuld einzugestehen und das nicht auf andere abzuwälzen sondern als
allererstes die Schuld bei sich zu suchen.
Atmo 7: Gang über den Flur mit Aufschließen
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Sprecherin:
Das ehrliche, schmerzhafte Gespräch über Schuld und Sexualität sollen die Häftlinge
in der Gruppentherapie lernen. Die Gruppendynamik gibt dabei oft entscheidende
Impulse. Zum Angebot der sozialtherapeutischen Anstalt Ludwigshafen gehören
deshalb auch die Wohngruppen. Sie bestehen aus zwölf Einzelhafträumen, einer
gemeinsamen Küche und einem Gemeinschaftsraum. Hier sollen die Männer
trainieren, die Grenzen anderer zu respektieren, eigene Grenzen mit adäquaten
Mitteln zu markieren und ein Verständnis für die Bedeutung von Normen und Regeln
für das menschliche Miteinander zu entwickeln. Sozialarbeiterin Ulrike Gräf leitet eine
solche Wohngruppe.
O-Ton 22 - Ulrike Gräf (Sozialarbeiterin):
Die Wohngruppen sind für uns ein ganz wichtiges Regulativ mit den Gefangenen. Die
leben da zusammen, wir können da alles super beobachten, wir sehen alles, die
Gefangenen beobachten sich gegenseitig und geben sich Rückmeldungen.
Sprecherin:
Außerdem erleben die Häftlinge hier zum Teil zum ersten Mal, wie sie Konflikte,
Ärger und Stresssituationen lösen können – ohne Gewalt.
O-Ton 23 - Ulrike Gräf (Sozialarbeiterin):
Da leben 12 Männer unterschiedlicher Herkunft zusammen und die kriegen natürlich
auch mal Streit. Und auf der Wohngruppe ist dann ein Klima wo diese Konflikte
besprochen werden und auch gelöst werden. Und es ist oftmals so, dass die Männer
das zum ersten Mal erleben, dass ein Konflikt ausgetragen wird und für alle Seiten
zufriedenstellend gelöst wird.
Sprecherin:
Anders als in normalen Haftanstalten sind in einer Sozialtherapeutischen Anstalt
auch die Justizvollzugsbeamten Teil des Behandlungskonzeptes. Claudia Batzler
macht diesen Job seit über 20 Jahren. Sie ist mit ihren Kollegen in erster Linie für die
Sicherheit in der JVA zuständig und überwacht daher die Schließzeiten der Häftlinge.
Die Beamten sind aber auch die ersten Ansprechpartner für die Gefangenen, wenn
es Probleme gibt.
O-Ton 24 - Claudia Batzler (Justizvollzugsbeamtin):
Ich bin Teil des Behandlungsteams. Wir haben zugewiesene Psychologen und
Sozialarbeiter, mit denen arbeite ich zusammen. Wir haben das sogenannte
„Bezugsbeamtensystem“, das bedeutet, dass jeder Bezugsbeamte bei uns 3 bis 4
oder 2 bis 3 Gefangene, die auf der Station liegen, betreut.
Sprecherin:
Claudia Batzler und die anderen Justizvollzugsbeamten betreuen die Häftlinge über
mehrere Jahre, bis zur Entlassung. Dadurch entsteht ein sehr persönliches
Verhältnis. Es schmerze, wenn sie vom Rückfall eines ihrer ehemaligen Häftlinge
erfährt.
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O-Ton 25 - Claudia Batzler (Justizvollzugsbeamtin):
Ja, wenn´s ein Rückfall war mit einem Sexualdelikt, da muss ich schon immer wieder
sagen, das nimmt mich schon mit. Vor allem wenn ich denjenigen gut kannte und der
3 oder 4 Jahre bei uns war. Das war jetzt erst, vor 2 oder 3 Jahren, da war das so.
O-Ton 26 - Christian Broszio (Psychologe):
Das sind natürlich schon Momente, die uns persönlich betreffen und auch betroffen
machen.
Sprecherin:
Ergänzt der Psychologe Christian Broszio.
O-Ton 27 - Christian Broszio (Psychologe):
Weil wenn man sich über 2 oder 3 Jahre intensiv mit einander beschäftigt, dann
kennt man sich und dann hat man auch irgendwie eine Beziehung aufgebaut. Wenn
die Männer hier entlassen werden, sag ich immer: Der einzige Erfolg, den ich hier mit
meiner Arbeit habe ist, dass wenn sie nicht wieder kommen müssen.
Sprecherin:
Franco, Stefan und Thomas, die drei Häftlinge, sind guten Willens, nach der
Entlassung straffrei zu leben. Der wegen vielfachen, sexuellen Missbrauchs
verurteilte Franco glaubt nach einigen Monaten der Therapie, dass er auf dem
richtigen Weg ist. Er habe hier erst gelernt über seine Gefühle und Probleme zu
sprechen, erzählt er. Dadurch würden sich seine Aggressionen auch nicht mehr so
aufstauen, wie früher.
O-Ton 28 - Häftling Franco:
Ich merk ja auch selbst, dass ich mich verändere – und das zum Guten. Dieses
Negative hat bei mir überhaupt nicht mehr die Oberhand. Und jeder kleine Schritt den
ich mache, ist die richtige Entscheidung bei mir, das klappt alles wunderbar.
Sprecherin:
Für die Therapeuten ist aber auch klar: Pädophilie kann man nicht einfach „wegtherapieren“. Bei manchen Tätern wird sie für immer bleiben. Das hat der
Kriminologe Martin Rettenberger in seiner Forschung herausgefunden:
O-Ton 29 - Martin Rettenberger (Direktor Kriminologische Zentralstelle):
Bei Tätern, die eine sehr ausgeprägte pädophile Störung aufweisen, also die
ausschließlich prä-pubertierende Kinder als Sexualpartner sehen oder erleben
können, das ist eine Gruppe bei der die Behandlung deswegen schwierig ist, weil sie
diese Sexualstörung eigentlich kaum behandeln können oder beheben können. Das
heißt, es wird kaum möglich sein, dass solche Personen dann irgendwann andere,
also erwachsene, ältere Personen als Sexualpartner akzeptieren können. Da können
sie nur drauf hinwirken, dass in Zukunft ein Leben ohne jegliche Sexualität möglich
wird.
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Sprecherin:
Therapie-Angebote wie „Kein Täter werden“ sollen solchen Straftätern helfen ein
Leben ohne ausgelebte Sexualität zu führen. Gewalttäter und Mörder sollen in der
Therapie vor allem lernen, ihre Wut rechtzeitig zu erkennen und gegen zu steuern –
anstatt einem anderen weh zu tun. Dieses Anti-Gewalttraining ist das Spezialgebiet
von Sozialarbeiter Rainer Herbold. Der zwei Meter große Hüne bringt zur Begrüßung
zwei große Schaumstoff-Schläger mit.
O-Ton 30 - Rainer Herbold (Sozialarbeiter):
Ich schlag jetzt mal auf den Tisch, ich schlag jetzt mal an die Wand, und ich kann
Ihnen auch mal auf den Arm schlagen. Nach festen Regeln, jeder hält einen
Schläger in der Hand. Es geht darum, dass man sich auf eine faire und
abgesprochene Art und Weise nach festen Regeln bekämpfen kann. Eine Regel
wäre man schlägt sich nicht ins Gesicht, nicht in den Schoß. Eine Regel wäre, wenn
einer „Stopp“ ruft, ist es rum.
Sprecherin:
Einmal pro Woche findet dieses Anti-Gewalt-Training statt. Jeweils 3 Stunden lang.
Regeln einzuhalten und ihre Aggressionen in den Griff zu bekommen. Alle Häftlinge,
die wegen Gewalttaten verurteilt wurden, durchlaufen dieses mehrwöchige Training.
O-Ton 31 - Rainer Herbold (Sozialarbeiter):
Das ist immer in einer Gruppe, das sind immer verschiedene von uns ausgewählte
Gefangene, üblicherweise 6 bis 8 mit einem Team von 2 oder 3 Trainern. Wir
machen viele Vertrauensübungen, wir machen viele Übungen wo´s drauf ankommt
was auszuhalten. Wir machen auch Konfrontationsübungen, machen ProvokationsTests – also wie weit muss ich zum Beispiel bei Ihnen gehen, bis es Ihnen zu viel
wird und Sie sagen „stopp“.“
Sprecherin:
Bei den allermeisten Häftlingen sei dieses Training wirksam, sagt der Psychologe.
Gewaltbereite Menschen würden hier zwar nicht plötzlich zu harmlosen Lämmern –
aber man könne ihnen Methoden beibringen, um ihre Aggressionen zu erkennen und
rechtzeitig gegen zu steuern.
O-Ton 32 - Rainer Herbold (Sozialarbeiter):
Die Leute sollen lernen die Aggressionen, die sie haben, die sie auch in irgendeiner,
vielleicht abgeschwächten Form behalten, dass sie die steuern können und das sie
die so steuern, dass keiner mehr unter ihnen leidet – darum geht`s.
Musik 2: (Häftlingsband)
Sprecherin:
Eine Aufnahme der Häftlingsband „Pätchwörk“, die in der JVA Ludwigshafen
entstanden ist. Die Proben und das individuelle Üben fördern – neben der Musikalität
– Fähigkeiten wie die soziale Kompetenz und die Konzentration der Häftlinge.
Musik 3: (Häftlingsband)
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Sprecherin:
Deshalb macht die JVA neben den umfangreichen therapeutischen Angeboten auch
Angebote für die Freizeit. Von der Häftlingsband über den Gefängnischor bis zur
Sportgruppe. Die Häftlinge haben dadurch soziale Kontakte. So wie bei der täglichen
Arbeit, zum Beispiel in der Küche oder den hausinternen Verpackungsbetrieben,
erzählt Sozialarbeiterin Ulrike Gräf.
O-Ton 33 - Ulrike Gräf (Sozialarbeiterin):
Arbeit ist aus unserer Sicht was ganz Wichtiges. Die Gefangenen sollen ja auch
lernen einen geregelten Tagesablauf zu führen und da ist Arbeit natürlich etwas ganz
existentiell Wichtiges. Und es dient natürlich auch dazu, den Lebensunterhalt zu
sichern.
O-Ton 34 - Häftling Thomas:
Für jeden von uns ist es schon wichtig, dass er ein bisschen finanziellen Ausgleich
bekommt. Weil wir alle 14 Tage die Möglichkeit haben einen Einkauf zu machen,
über eine externe Firma. Das heißt also, wir werden zwar nicht hoch entlohnt, aber
es reicht meistens aus, sich die Kleinigkeiten des Lebens zu holen.
Sprecherin:
Kleinigkeiten wie mal ein Duschgel oder was Süßes zum Essen, ergänzt Thomas.
Wenn er weiter gut mitarbeitet, wird der 53-Jährige in rund einem Jahr entlassen.
Natürlich denkt er oft an diesen Tag. Einerseits sehnt er ihn herbei, andererseits hat
er Angst vor der Freiheit.
O-Ton 35 - Häftling Thomas:
Wir haben alle Schiss – wir haben wirklich alle Schiss! Das liegt (zum einen) da dran,
dass wir vielleicht zum ersten Mal in Haft sind und nicht wissen was auf uns zu
kommt, wenn wir raus kommen.
Sprecherin:
Diese Angst vor der Freilassung ist durchaus begründet. Wer vom strukturierten
Leben in einer Vollzugsanstalt in das unstrukturierte Leben in Freiheit komme, erlebt
Verunsicherung. Deshalb ist direkt nach der verbüßten Strafe die Gefahr am größten.
Warnt die Rückfallforscherin Carina Tetal, vom Max-Planck-Institut für ausländisches
und internationales Strafrecht.
O-Ton 36 - Carina Tetal (Max-Planck-Institut für ausl. u. int. Strafrecht):
Das Rückfallrisiko ist direkt nach dem Zeitpunkt – also bei uns ist es eben nicht nur
die Haft sondern auch die Geldstrafe – direkt danach ist es am höchsten. Und schon
nach 1,5 Jahren ist es deutlich flacher, also wird die Rückfallgeschwindigkeit deutlich
flacher. Also das meiste passiert in den ersten 1,5 Jahren.
Sprecherin:
Die Freilassung wird in der JVA Ludwigshafen durch ein mehrstufiges System
abgesichert. Kurz vor Haftende kommen die Männer in eine Übergangsabteilung, in
der sie auf die Freilassung vorbereitet werden. Danach in die Freigängerabteilung,
erläutert Psychologe Christian Broszio.
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O-Ton 37 - Christian Broszio (Psychologe):
Das sind meistens gestaffelte Freiheitsgrade. Einmal Ausgänge mit Mitarbeitern,
stundenweise. Im nächsten Schritt dann mit der Familie, also mit eigenen
Angehörigen, die wir allerdings kennen müssen, also persönlich kennen müssen.
Und in einem weiteren Schritt, vielleicht nach einer nochmaligen kurzen Überprüfung,
auch Alleinausgänge und Besuche bei der Familie zu Hause.
Sprecherin:
Selbst nach der Entlassung können die Häftlinge noch weiter betreut werden,
ergänzt Anstaltsleiter Michael Händel.
O-Ton 38 - Michael Händel (Leiter der JVA Ludwigshafen):
Strafgefangene, die von hier entlassen werden und bei denen man noch einen
weiteren Behandlungsbedarf sieht, haben dann die Möglichkeit nochmal in der
Psychotherapeutischen Ambulanz weiter behandelt zu werden.
Sprecherin:
Dieses gesamte System, von der Einzel- bis zur Gruppentherapie, vom Freigang bis
zur Nachsorge habe sich bewährt, resümiert der Direktor der Kriminologischen
Zentralstelle Wiesbaden, Martin Rettenberger.
O-Ton 39 - Martin Rettenberger (Direktor Kriminologische Zentralstelle):
Wenn wir aktuelle Studien nehmen sehen wir, dass ca. 25 % Verbesserungsquote
erreicht werden kann. Das heißt im Vergleich zu einer unbehandelten Gruppe hat die
behandelte Gruppe, die mit sozialtherapeutischen Maßnahmen behandelt wird, eine
um 25 % geringere Rückfallquote. Und das ist, wenn wir uns jetzt nochmal diese
schwerwiegenden Delikte in Erinnerung rufen, durchaus als ein sehr großer Erfolg zu
bewerten.
Sprecherin:
Dafür muss ein großer Aufwand betrieben werden. Eine Sozialtherapeutische Anstalt
ist deutlich teurer als ein normales Gefängnis. Die Wohngruppenleiter, die
Psychologen, die intensive Betreuung – all das kostet viel Geld, räumt auch
Anstaltsleiter Michael Händel ein.
O-Ton 40 - Michael Händel (Leiter der JVA Ludwigshafen):
Weil wir haben eine Betreuungsquote, die sehr viel besser ist als im Regelvollzug.
Wir sind hier in einem Rahmen von 1 zu 12. Das ist etwas ganz anderes als im
Regelvollzug wo sie vielleicht auf einen Psychologen über 200 Gefangene haben.
Sprecherin:
Nach Angaben der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden kostet ein Haftplatz
in einer Sozialtherapeutischen Anstalt im Schnitt etwa doppelt so viel wie im
Regelvollzug – nämlich rund 220 Euro pro Häftling und Tag. Dr. Martin Rettenberger
kommt in seinen Forschungen dennoch zu dem Ergebnis, dass die Sozialtherapie
auch wirtschaftlich Sinn macht.
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O-Ton 41 - Martin Rettenberger (Direktor Kriminologische Zentralstelle):
Wir wissen aus Untersuchungen, dass sich dieser Mehraufwand, dieser finanzielle
und personelle Mehraufwand, dass sich der unter dem Strich rechnet. Das heißt,
dadurch dass Personen früher entlassen werden können und dadurch dass die
Personen, die entlassen werden können auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit
selbst wieder am Arbeitsmarkt Fuß fassen und nicht auf Dauer angewiesen sind auf
soziale Leistungen, haben wir rein volkswirtschaftlich durch diese
Behandlungsmaßnahmen einen Gewinn.
Sprecherin:
Noch dazu gibt es bei den therapierten Häftlingen weniger Rückfälle, und damit auch
weniger Opfer. Stefan, der verurteilte Mörder, ist sich jedenfalls sicher, dass er nie
wieder einem anderen Menschen weh tun wird.
O-Ton 42 - Häftling Stefan:
Von daher kann ich mir echt an den Kopf fassen und denken, was ist mir damals
durch den Kopf gegangen, das ist dermaßen krank. Also da hat sich deutlich was
geändert.
Sprecherin:
Auch Franco ist optimistisch, dass er keinen sexuellen Missbrauch mehr begehen
wird.
O-Ton 43 - Häftling Franco:
Das kann gar nicht mehr passieren, weil das Problem war, das nicht auszusprechen,
was einen belastet, welche Gefühle man hat. Und das hat jetzt alles stattgefunden,
schon in diesem halben Jahr. Und da mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Und
solche Opfer nochmal produzieren: niemals! Ist für mich…steht außer Frage, könnte
ich gar nicht.
Sprecherin:
Thomas wird als erster der drei aus der Sozialtherapeutischen Anstalt Ludwigshafen
entlassen. Er hat seine Vorliebe für Kinderpornografie im Griff, wie er glaubt. Und
trotzdem bleibt eine gewisse Unsicherheit.
O-Ton 44 - Häftling Thomas:
Ich steh schon so ein bisschen vor einer Blackbox. Und hab halt auch so ein
bisschen Bammel. Aber ich geh das Ganze mit Optimismus und mit Tatkraft an. Und
in wie weit ich das alles umsetzen kann und wie weit ich dagegen steuern muss und
wie weit ich mir wieder Hilfe holen muss, das wird sich dann erst in der Realität
zeigen.
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