Artikel KG - Kirchgemeinde Köniz

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www.kg-koeniz.ch | NOVEMBER 2016
Vielseitig im Dienste der Menschen
Bild: zVg
Bild: zVg
MEINUNG
GOTTESDIENSTE JE NACH
ZUHÖRERSCHAFT /
Die Magie der Worte
Was für mich eine gute Predigt ist.
Viele Predigten habe ich im Laufe meines
Lebens gehört,berührende und leere.Wenn
sich bei letzteren die Konzentration verabschiedet, stellen sich mir stets Fragen:
«Warum kein Paradigmenwechsel, kein
Modellwechsel im Denken? Warum keine
neuen Fragen – und neue Antworten?
Warum steht der Mann auf der Kanzel nicht
mit uns auf Augenhöhe? Predigte Jesus
eigentlich auf einer Kanzel? Warum redet
der Prediger oft zu statt mit uns? Warum
greift der Prediger nicht Themen auf, die
den Nerv aller treffen?
Die fehlende Kraft des Argumentes wird oft
durch Wortgeklingel oder Floskeln ersetzt.
Klar, nicht jedem Prediger ist die Gabe der
flammenden Reden gegeben, sicher aber
das Wissen, dass gewisse Predigten nicht
30 Minuten dauern dürften. Etwas wagen
statt zu langweilen, ist erfolgversprechender. Wird das Thema der Predigt in der Studierstube konstruiert, fehlt das Feuer, die
Magie der Berührung. Wird aber ein Anliegen oder eine Not wirklich erkannt, tönt es
anders und überzeugender.
Prediger im nahen Kontakt mit ihrer Gemeinde erleben deren Nöte und können
achtsam Predigten gestalten, die einen Alltagsbezug haben und eher berühren. «Hilfe
bei der Elendsbewältigung kann nur geben,
wem das Elend nicht fremd ist.» Kein
Thema sollte Sperrzone in einer Predigt
sein. Mit klaren, mutigen Worten und Inhalten, die verständlich sind, mit Einfühlung
und Menschenliebe taugt jedes menschliche Problem für eine Predigt.
Gott sollte die Säule einer Predigt sein. Wie
der Prediger Gott mit dem Thema verbin-
«Der Prediger steige
herab. Nur so kann er
den Nächsten aufrichten,
der am Boden liegt.»
Reformiert: Als Stellvertreterin für
Christa Schüpbach haben Sie den heilpädagogischen KUW Unterricht mit den
vier Schülern aus der Sprachheilschule
Wabern gestaltet. Wie haben Sie dabei
mit den Konfirmanden gearbeitet?
Pfarrerin Maria Fuchs Keller: Wir hatten
das Thema der letzten Konfirmation zusammen erarbeitet und dabei das Thema Glück
gewählt. Die Schüler erzählten, wann sie
glücklich sind; sportliche Aktivitäten wurden ebenso oft erwähnt wie mit Freunden
und Familien zusammen sein. Sie lasen ihre
Texte zum Thema selber. Mit einem Bild aus
der Natur kündigte ich den nächsten Konfirmanden an. Abwechselnd lasen wir die
Fuchs Keller: Für die
180 Einsassen vertritt
meine Kollegin Pfarrerin Ursula Wyss mit
30% die katholische
Kirche, ich mit 20% die
reformierte, ein Imam
hält das Freitagsgebet. Jeden Samstag
von 18.00–19.00 Uhr Neue Formen spriessen in der Kirche Wabern: Gottesdienst mit Jugend-Band, Showgruppe und Cola-Bar.
findet ein Gottesdienst
in Deutsch und/oder in
Englisch statt. Hier kann es vorkommen, wofür ich dankbar bin. Sie ermöglicht etwa Jugendaktivitäten Kirchgemeinde:
dass ein Besucher etwas fragt. Dann wird an der Weihnachtsfeier eine externe www.jugendbox.ch
der Gottesdienst interaktiv und wir erörtern Gruppe.
* Jugend Wabern:
Siehe www.kirche-wabern.ch /Angebote/Jugend
zusammen Fragen. Die Einsassen haben
(Kinder in Rubrik ... Angebote / Kinder und Familien
zwar den Ausblick in die Na- Können Sie weitere Beispiele mit
Familiengottesdienst
tur, können diese aber nicht geeigneten Gottesdiensten für Jugend- mit Kinderchor:
berühren und nicht im Wald liche geben?
4. Dezember um 9.30 Uhr und 24. Dezember um
herumstreifen wie wir. So Fuchs Keller: Seit kurzem gibt es wieder ei- 17.00 Uhr, Kirche Wabern.
brachte ich früher oft auch nen Jugendgottesdienst, den ich mit der kaetwas zum Anfassen mit: tholischen Kirche und dem Kirchenkreis
P f a r r e r i n M a r i a Fu c h s K e l l e r
Blätter, Steine, Muscheln. Spiegel als Team gestalte, am 21. Oktober
Seligpreisungen aus der Bergpredigt.Nach- Wir haben u.a. bunte Herbstblätter zwi- unter dem Motto «Respekt? Respekt!». Die I N F O
dem die Schüler einmal Vertrauen gefasst schen Plexiglasscheiben geklebt, die jetzt Band «Bees and Trees», die bei uns im Banhatten, haben sie mich mit ihrer Lebenser- im Seelsorgezimmer hängen. Bei der Seel- droom unten im alten Pfarrhaus Wabern
fahrung und mit ihrem Engagement beein- sorge gilt es darum, mit der dunklen Seite probt, begleitet uns musikalisch, die Showdruckt.
der Insassen einfühlsam umzugehen. Reli- gruppe «flava fiends» unterhält uns mit
gion kann,ähnlich wie Kunst,Räume öffnen, einer «Dancebattle». Andere Jugendliche
Sie sind als Seelsorgerin seit 7 3⁄4
Hoffnung geben, Aufatmen lassen und das werden in der «Cola+Co» Bar nichtalkoholiJahren auch in der JustizvollzugsanHerz und die Seele wieder füllen.Die Leitung sche Drinks mixen. Das haben sie bei unsestalt Thorberg im Einsatz. Wie stellt
der Justisvollzugsanstalt Thorberg bringt rem Jugendarbeiter Philippe Häni gelernt*.
sich dort Ihre Tätigkeit dar?
Text: Barbara Bürki
unserer Arbeit Wertschätzung entgegen,
«Bei Fragen wird der
Gottesdienst im Gefängnis
interaktiv.»
Refbejuso, Michael Stahl
«Kein Thema sollte Sperrzone in einer
Predigt sein».
Ob in der Justizvollzugsanstalt Thorberg
oder im Familiengottesdienst, in der
Sprachheilschule Wabern oder im Jugendgottesdienst: Pfarrerin Maria Fuchs Keller
gestaltet den Gottesdienst mit Blick und in
Zusammenarbeit mit Teilnehmenden.
«Fantasten
des Herrn»
Vielfalt ist gefragt
NEUE FORMEN VON GOTTESDIENSTEN / «Mir gefallen viele Formen von Gottesdiensten und ich schätze die
Vielfalt», sagt Pfarrer Mathias Gerber aus Oberwangen.
Eine Umfrage bei Passanten rund
um die Kirche Oberwangen.
Eine 32-jährige Frau mit Kopftuch
findet es schade, wenn bei den Gottesdiensten abgebaut wird. Für sie ist es
wichtig, dass die Menschen einen Ort
haben, wo sie ihre Religion leben können. «Welche Religion jemand ausübt,
ist seine persönliche Entscheidung»,
findet die bekennende Muslima.
Antonius von Padua
det entscheidet darüber, ob sich eine Kraftquelle auftut oder Trostlosigkeit.
Ich habe ein paar Predigten erlebt, wo Menschen am Schluss ergriffen wie nach einem
exquisiten Konzert da sassen.Wo man noch
lange nach dem letzten Wort weit weg beim
Gehörten verweilte. Und wo man erst noch
Bilder aus der eigenen Tiefe aufsteigen
liess, die Last leichter wurde und das Gehörte heilte.
Bild und Text: Romi Gygax
Wegen Reduktion von Pfarrstellenprozenten: Leere Kirche Oberwangen – aber
nur an drei Sonntagen pro Jahr. «Der Gottesdienst ist sehr wichtig für die Begegnung
mit Gott und Menschen.»
IMPRESSUM
«Reformiert.» kann schriftlich abbestellt werden:
Verlag reformiert., Abos, Gaswerkstrasse 56,
4900 Langenthal. [email protected]
ADRESSEN KIRCHGEMEINDE KÖNIZ
Präsident Kirchgemeinderat
Bruno Sigrist, 031 978 03 30,
[email protected]
Ev.-ref. Kirchgemeinde Köniz
Tel. 031 971 30 30, Fax: 031 971 30 35
Ritterhuus Schloss Köniz, Muhlernstrasse 5,
Postfach 589, 3098 Köniz
[email protected], www.kg-koeniz.ch
Redaktion «reformiert.» Köniz (S. 23–28):
Alfred Arm,Tel. 031 974 19 74
E-Mail: [email protected]
Redaktionsschluss allg. Teil Dez.-Nr:
Mi. 26. Oktober.
Redaktionsschluss Kreise Dez.-Nr:
Mi. 2. November, 12 Uhr.
Ausfallende
Gottesdienste
werden bedauert
Warum gibt es gelegentlich an Sonntagen keinen Gottesdienst mehr?
Wir mussten unsere Pfarr-Stellenprozente
gegen unten anpassen.Da ein Gottesdienst
relativ viel Vorbereitungszeit benötigt,
mussten wir die Ressourcen anders aufteilen. Wir wollten nicht bei persönlichen Gesprächen oder Kleingruppen sparen. Dafür erlaubten wir es
uns, drei Gottesdienste pro Jahr
während den Schulferien ausfallen
zu lassen. Der Gottesdienst ist aber
grundsätzlich sehr wichtig für eine
Begegnung mit Gott und der Menschen
untereinander.
Finden bei Ihnen auch neue Gottesdienstformen statt?
Knapp die Hälfte der Gottesdienste wird bei
uns von Musikbands begleitet. Wir verfügen über drei Bands, die moderne Musik in
den Gottesdienst bringen. Die Hälfte der
Gottesdienste bewegt sich im traditionellen Rahmen mit Orgel- oder Klaviermusik.
Wir beziehen Gottesdienstbesuchende mit
ein, beispielsweise in Form von Interviews.
Dies natürlich nach vorheriger Absprache.
«Ich möchte zu Gott beten
und nicht zu den Formen»
Pfarrer Mathias Gerber
Wie denken Sie über neue Gottesdienstformen?
Mir gefallen viele Formen und ich schätze
die Vielfalt. Trotzdem finde ich die Form gar
nicht so wichtig. Ich möchte zu Gott beten
und nicht zu den Formen.
Bild und Text: Monica Wieser
Ein älterer Mann lässt sich bei der Gartenarbeit stören und meint, er habe früher oft in Oberwangen den Gottesdienst
besucht. «Seit einiger Zeit begleite ich
meine Frau aber in die Gottesdienste
einer Freikirche.» Trotzdem findet er es
schade, wenn die Gottesdienste der
Landeskirche reduziert werden.
Ein 42-jähriger Mann im Überkleid
eilt vorbei Richtung Bahnhof. Der heutige Gottesdienst der Landeskirche sei
nicht mehr zeitgemäss, findet er. Vor
zwei Jahren habe er für sich die Freikirche entdeckt. «Am Anfang gibt es
jeweils fätzige Rock- und Popmusik.»
Dann komme der Pfarrer und erzähle
aus dem Leben. «Da denke ich dann
manchmal noch lange darüber nach.»
Er bedauert aber den Rückgang der
Gottesdienste in der Landeskirche.
Eine mittelalterliche Frau im Businessdress kommt von der Arbeit und
gesteht, dass sie aus der Kirche ausgetreten sei. «Ehrlich gesagt, ist es mir
egal wieviel Gottesdienste angeboten
werden, ich gehe höchsten noch anlässlich einer Hochzeit in die Kirche.»
Die Sozialdiakone Marc Bloesch (links)
und Philippe Häni (rechts) wurden
am 10. September im Berner Münster
für Ihre Ämter beauftragt.
Fa. Am 10. September wurden im Berner
Münster sechs Frauen und Männer für das
katechetische und das sozialdiakonische
Amt beauftragt. Beauftragte müssen über
entsprechende Ausbildung/en verfügen
und zudem Mitglied und bei der reformierten Kirche angestellt sein. Beauftragender
war Pfarrer Stefan Ramseier,Synodalrat der
Kantonalkirchen refbejuso. Er lud in seiner
Predigt die Neu-Beauftragten ein, zu «Fantastinnen und Fantasten des Herrn» zu werden. Aus der Kirchgemeinde Köniz Marc
Blösch wurden für das katechetische und
das sozialdiakonische Amt und Philippe
Häni für das sozialdiakonische Amt beauftragt. Diese zwei Ämter sind gemäss der
neuen Kirchenordnung gleichwertig mit
dem Pfarramt.
Mehr Informationen
Was heisst Beauftragung?
Siehe www.kg-koeniz.ch/Aktuell/Kirchgemeinde
Beauftragungsfeier im Münster: www.refbejuso.ch/
inhalte/beauftragung-und-einsetzung.html
TIPP
Niederscherli:
Adventskonzerte
Als Einstimmung auf die besinnliche und
als Kontrapunkt zur hektischen Adventszeit lädt Sie der Kirchenchor Niederscherli
unter der Leitung von Niklaus Loosli zu
seinen Konzerten ein. Es werden drei Kantaten von Georg Philipp Telemann aufgeführt, sowie das Gloria in D von Antonio
Vivaldi. Neben dem Kirchenchor sind Instrumentalisten und junge Gesangssolisten aus der Region Bern zu hören. Daten:
• Samstag 26. November, 20 Uhr, Kirche
Oberbalm (Fahrdienst ab Bahnhof Niederscherli, 19.20 Uhr)
• Sonntag, 27. November, 17 Uhr, Kirche
Niederscherli.