pdf-ausgabe-2016-42 - Deutsche Gesundheits Nachrichten

Ausgabe | 42
28. Oktober 2016
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Wirtschaft
ABDA fordert Aus für Versand von rezeptpflichtigen Medikamenten
Die Apotheker wollen ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten
I
in Zukunft eine funktionierende
n lediglich sieben von 28 MitArzneimittelversorgung garantiegliedstaaten der Europäischen
ren zu können. Das Verbot des VerUnion (EU) ist der Versandhandel
sandhandels mit rezeptpflichtigen
mit rezeptpflichtigen ArzneimitArzneimitteln in Deutschland wäre
teln erlaubt – und das zum Teil nur
europarechtlich zulässig. Wir sollten
unter sehr restriktiven Bedingunkeine weiteren Apothekenschliegen. Neben Deutschland gehören
ßungen riskieren. Die Apothekendazu Dänemark, Estland, Finnland,
dichte liegt in Deutschland schon
die Niederlande, Schweden und
heute unter dem europäischen
Großbritannien. Dies zeigt eine
Der
EuGH-Entscheid
wird
die
Gesetzgeber
noch
eine
Weile
beDurchschnitt.“ Wenn der GesetzAuswertung der ABDA (Bundesschäftigen.
Foto: Flickr/r-hol/CC by nc 2.0
geber nicht einschreite, entstünde
vereinigung Deutscher Apotheein destruktiver Preiswettbewerb,
kerverbände). Demnach verbieten
drei Viertel aller EU-Mitgliedstaaten den Medikamenten freigeben müsse. Diese Mög- den gerade kleinere Apotheken, die viel
Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arz- lichkeit wurde auch durch die EU-Richtlinie für die Versorgung der Patienten vor Ort
2011/62 zur Bekämpfung von Arzneimittel- tun, nicht überstehen würden, sagte ABDAneimitteln.
Pressesprecher Reiner Kern den Deutschen
Die übergroße Mehrheit der Länder fälschungen bestätigt.
Zur jüngsten EuGH-Entscheidung über Gesundheits Nachrichten. „Das schadet am
macht damit von ihrem Recht Gebrauch,
die Rahmenbedingungen für ihr eigenes die Nichtgeltung der deutschen Arznei- Ende vor allem den Patienten.“
Zum Hintergrund: Die Apothekendichte
Gesundheitswesen auf nationaler Ebene zu mittelpreisverordnung für ausländische
setzen. In einer früheren Entscheidung hatte Versandapotheken fordert ABDA-Präsident in den 28 Mitgliedstaaten der Europäischen
der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Jahr Friedemann Schmidt: „Die deutsche Politik Union (EU) liegt im Durchschnitt bei 31
2003 geurteilt, dass jeder EU-Mitgliedstaat ist jetzt dringend gefordert: Der Gesetz- Apotheken pro 100.000 Einwohner. Mit 25
den Versandhandel zwar mit rezeptfreien, geber muss seinen Handlungsspielraum Apotheken pro 100.000 Einwohnern liegt
nicht jedoch mit verschreibungspflichtigen wiederherstellen, um den Patienten auch Deutschland unter diesem Durchschnitt.
Analyse
Die Krankenkassen sparen bei Behandlung im Ausland
Ob Zahnbehandlung, Knie-OP oder
künstliche Hüfte: Hohe Personal- und
Krankenhauskosten sind Kostentreiber
des deutschen Gesundheitssystems. Eine
Studie des Gesundheitsportals www.
junomedical.de zeigt: Würden die Kassen
mehr Patienten ins Ausland schicken,
könnten dadurch rund 18 Milliarden gespart werden. Für die Untersuchung hatte
das Portal 1.011 europäische Kliniken
verglichen und eine Preisersparnis von
durchschnittlich 25 Prozent ermittelt.
Medizinerin Dr. Sophie Chung von
Junomedical: „Durch niedrigere Kosten
bei Personal und Material sind viele Behandlungen im europäischen Ausland
günstiger. Bei gleicher Qualität und Leistung kosten beispielsweise zahnärztliche
Behandlungen in Polen oder der Türkei
ein Drittel weniger.“
Statistisch kostet jeder Bürger pro
Jahr rund 3.700 Euro, Menschen ab 65
Jahren 6.085 Euro, Senioren ab 85 sogar
13.410 Euro. Die Gesundheitskosten unter
Berücksichtigung der IGEL-Leistungen
liegen bei 328 Milliarden Euro. Größte
Kostenblöcke: Krankenhausbehandlungen (34 Prozent), Medikamente (18
Prozent), Ärztliche Behandlungen (15
Prozent) und Zahnarztkosten (5 Prozent).
Nach Abzug der Fixkosten – etwa
für Verwaltung oder Notfälle – sind 43
Prozent der Gesundheitskosten positiv beeinflussbar. Die Experten fordern
Gesundheitsminister Hermann Gröhe
(CDU) auf, konsequente Anreize zu
schaffen, damit Patienten und Kassen
gemeinsam auch im Ausland nach günstigen Alternativen suchen. Ein Teil der
Ersparnis von 18 Milliarden Euro könne
dann an die Behandelten ausgeschüttet
werden.
„Wer hilft, die Gesundheitskosten
zu senken, soll davon profitieren, wenn
er flexibel ist und zur Hüft-OP nach
Polen reist.“ Interessant: Patienten zeigen sich umso reisefreudiger, je mehr
Behandlungskosten sie selbst tragen
müssen, etwa bei Schönheitsoperationen. Mehr Medizintourismus erhöht
den Wettbewerb. Ergebnis: Die Haartransplantation in der Türkei gibt es ab
2.000 Euro – 80 Prozent günstiger als in
Deutschland
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Derweil hat Frankreich mit 33 Apotheken
eine leicht überdurchschnittliche Apothekendichte, während Italien und Polen mit
jeweils 30 Apotheken zwar unter dem EUSchnitt, aber immer noch über Deutschlands
Apothekendichte liegen. Die Unterschiedlichkeit in den EU-Ländern ist historischen,
geografischen, wirtschaftlichen, politischen
und regulatorischen Bedingungen geschuldet, die die Vielfalt Europas ausmachen.
„Der EuGH hat offensichtlich einen
rein merkantilen Blick auf die zu bearbeitenden Fragen gehabt und dabei völlig ausgeblendet, dass das, was für Konsumgüter
richtig sein mag, für besondere Güter wie
Arzneimittel noch lange nicht richtig ist“,
so Kern. „Er hat völlig außen vor gelassen,
dass die Arzneimittelpreisbindung ein
wichtiges Fundament für viele weitere
Steuerungsmechanismen im deutschen
Gesundheitswesen ist, die ohne feste Preise
nicht funktionieren“, wie etwas Sachleistung
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und Rabattverträge. „Wir gehen im Moment
davon aus, dass der Gesetzgeber einschreitet
und dafür sorgt, dass langfristiger Schaden
für das Versorgungssystem gar nicht erst
entsteht. Eine Möglichkeit dazu wäre das
Verbot des Versandhandels mit Arzneimitteln. Das wäre europarechtlich darstellbar.
Ohnehin ist in der ganz überwiegenden
Mehrheit der EU-Staaten der Versandhandel
mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln nicht
erlaubt.“
Wirtschaft
Novartis wartet mit Verkauf von Roche-Paket
Novartis denkt weiterhin über einen Verkauf seiner milliardenschweren Beteiligung am Rivalen Roche nach
K
onzernchef Joseph Jimenez macht
diesen Schritt allerdings davon abhängig, dass der Erlös reinvestiert werden
kann. „Beim Timing kommen viele Dinge
ins Spiel“, sagte der Amerikaner. „Die Dinge stimmen nicht immer perfekt überein
im Hinblick darauf, dass das richtige Ziel
oder einige ergänzende Zukäufe bereitstehen, um dieses Mittel umzuschichten.“ Novartis werde entscheiden, wenn
es an der Zeit sei.
Der Konzern aus Basel besitzt knapp
ein Drittel der stimmberechtigten RocheInhaberaktien, die an der Börse aktuell 12,5
Milliarden Franken (11,5 Milliarden Euro)
wert sind. Der frühere Novartis-Lenker Daniel Vasella hatte das Paket in der Hoffnung
schnüren lassen, einen Schulterschluss der
beiden Pharmariesen aus Basel erzwingen.
Allerdings kam es nie zu einer Fusion.
Denn die Erben der Roche-Gründerfamilie
Hoffmann-Oeri, die den Konzern mit einer
hauchdünnen Mehrheit von 50,01 Prozent
der Stimmrechte kontrollieren, stehen
hinter dem Unabhängigkeitskurs, den das
Roche-Management verfolgt.
Novartis sehe sich Jimenez zufolge
fortlaufend nach ergänzenden Zukäufen
Die Frühphase der biotherapeutischen Forschung wird am Konzernsitz in Basel und am US-Standort
Cambridge nahe Boston zusammengeführt. Foto: Flickr/Novartis AG/CC by nc nd 2.0
um. Das Unternehmen würde zwei bis
etwa fünf Milliarden Dollar ausgeben, um
seine Produktpipeline zu verstärken oder
geografisch zu expandieren.
Der Umsatz soll dieses Jahr weitgehend
auf dem Niveau von 2015 liegen, der um
Sonderfaktoren bereinigte Betriebsgewinn
dürfte in etwa stabil bleiben oder um einen niedrigen einstelligen Prozentbetrag
sinken, bekräftigte das Unternehmen
aus Basel seine bisherige Prognose. Die
Vorgaben gelten unter Ausschluss von
Wechselkursschwankungen.
Im Zeitraum Juli bis September lag
der Umsatz mit 12,13 Milliarden Dollar
leicht unter dem Vorjahresniveau, operativ
stand ein Minus von drei Prozent auf 3,38
Milliarden Dollar zu Buche. Analysten
hatten im Schnitt 12,25 Milliarden Dollar
Verkaufserlös und 3,28 Milliarden Dollar
bereinigten Betriebsgewinn prognostiziert. Unter dem Strich stand im dritten
Quartal mit 1,95 Milliarden Dollar um
sieben Prozent mehr Nettogewinn als
ein Jahr zuvor.
Der seit März amtierende neue Forschungschef James Bradner muss dafür
sorgen, dass Novartis im Milliardenmarkt der Krebs-Immuntherapie nicht
den Anschluss verpasst. Zudem kämpfte
der weltgrößte Hersteller von verschreibungspflichtigen Medikamenten in
seinem Kerngeschäft mit Rückschlägen:
Wegen der Kosten zur Ankurbelung der
Verkäufe des Herzmedikaments Entresto
und Umsatzeinbußen bei einem wichtigen Blutkrebsmittel droht dieses Jahr ein
Gewinnrückgang. Im Mai brachte Kon-
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zernchef Joseph Jimenez einen Umbau
der größten Geschäftssparte auf den Weg.
Anfang Oktober war bekannt geworden, dass Novartis Stellen streichen
wollte. Die Frühphase der biotherapeutischen Forschung wird am Konzernsitz
in Basel und am US-Standort Cambridge
nahe Boston zusammengeführt. Eine
Einrichtung in Schlieren bei Zürich mit
73 Mitarbeitern wird geschlossen und ein
Forscherteam in Shanghai aufgelöst, wie
ein Novartis-Sprecher erklärte. In Basel will
der Arzneimittel-Hersteller dafür 20 bis 25
neue Stellen in der Entwicklung schaffen.
Zudem verlegt Novartis sein Forschungsinstitut für Tropenkrankheiten,
in dem rund 100 Beschäftigte arbeiten, von
Singapur nach Emeryville. In der Kleinstadt
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in der Nähe von San Francisco arbeiten
die Schweizer bereits an Arzneien gegen
Infektions-Erkrankungen. Wie vielen Stellen in Shanghai und Singapur gestrichen
werden, teilte Novartis nicht mit. Im August
hatte Novartis seine Zell- und GentherapieEinheit aufgelöst und in andere Teile des
Unternehmens integriert, was den Abbau
von rund 120 Stellen bedeutet.
Forschung
Roche will mit neuen Medikamenten Wachstum anschieben
Der Schweizer Pharmariese Roche will mit neuen Medikamenten die wachsende Konkurrenz durch Nachahmerprodukte abschütteln
I
m laufenden Jahr rechnet der weltgrößte Krebsmedikamentenhersteller mit
insgesamt fünf Markteinführungen. „Das
ist eine beispiellose Zahl von neuen Medikamenten in einer so kurzen Zeit“, sagte
Konzernchef Severin Schwan in einer Telefonkonferenz. Roche kann neuen Schub
brauchen, denn im Jahresverlauf flaute
das Wachstum ab. In den ersten neun Monaten belief sich das Umsatzplus noch auf
vier Prozent, insgesamt setzte Roche 37,5
Milliarden Franken um.
Mehr als die Hälfte der Verkaufserlöse
im Geschäft mit verschreibungspflichtigen
Medikamenten geht auf das Konto der drei
Krebsmittel MabThera, Avastin und Herceptin. Allen drei Biotech-Arzneien drohen
ab 2017 Umsatzeinbußen, weil nach dem
Auslaufen des Patentschutzes günstigere
Nachahmerprodukte – sogenannte Biosimilars – auf den Markt kommen dürften.
Für Roche werde es immer dringlicher, mit
guten Nachrichten zu neuen Produkten
aufzuwarten, erklärte ZKB-Analyst Michael
Nawrath. An der Börse verlor Roche nach
dem Zwischenbericht leicht an Boden.
Im Verlauf des Jahres haben die Schweizer bereits das Medikament Tecentriq zur
Behandlung von Blasenkrebs sowie drei
weitere Arzneien gegen verschiedene andere Krebsformen auf den Markt gebracht.
Tecentriq – Roche´s erste Krebs-Immuntherapie – sei vom Markt sehr gut aufgenommen und kürzlich in den USA auch gegen
fortgeschrittenen Lungenkrebs zugelassen
worden. Bis Jahresende erwarten die Basler
die Verkaufsfreigabe der Arznei Ocrevus
zur Behandlung der Nervenerkrankung
Multiple Sklerose.
Nach drei Quartalen sieht sich Roche
auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Für 2016
werde währungsbereinigt ein Umsatzanstieg um einen niedrigen bis mittleren
einstelligen Prozentbetrag anvisiert. Roche
will 2016 zudem den um Sonderfaktoren
bereinigten Gewinn je Genussschein und
Inhaberaktie stärker als den Umsatz steigern. Die Aktionäre dürfen erneut mit mehr
Dividende rechnen.
Zu den größten Roche-Eigner gehörte
der ebenfalls in Basel sitzende Rivale Novartis. Konzernchef Joseph Jimenez hatte
signalisierte, dass Novartis die Position
abstoßen könnte, wenn sich die richtige
Gelegenheit ergebe. Roche-Chef Schwan
wollte sich nicht dazu äußern, ob die beiden Konzerne zu dem Thema Gespräche
führten.
Bis Jahresende erwarten die Basler die Verkaufsfreigabe der Arznei Ocrevus.
Foto: Flickr/Robin Hutton/CC by 2.0
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Forschung
Gene in der Zange
Neue Methode zur Untersuchung von Biomolekülen entwickelt
F
ür Biologen zählen zu den wichtigs- Forschergruppe. „Und wir können damit un- (Förster-Resonanz-Energie-Transfer) die
ten Fragen, wie Proteine und Gene in zählige Moleküle gleichzeitig untersuchen.“ übertragene Energie sehr stark vom Abstand
Die Wissenschaftler erstellen mithilfe der Farbstoffe abhängig ist, kann das System
menschlichen Zellen arbeiten, wie sie ihre
Aufgaben erledigen und mit etwaigen Stö- der DNA-Origami-Technik zunächst aus wie ein Lineal auf der Nanometerskala winrungen umgehen. Von großer Bedeutung vielen künstlichen DNA-Strängen gezielt na- zigste Verschiebungen im Molekül erkennen.
Die Universität Regensburg ist durch
ist dabei, wie die Biomoleküle auf winzigs- nometergroße, molekulare Klammern, die so
te Krafteinwirkungen reagieren. Wissen- konstruiert sind, dass sie selbständig Kräfte Prof. Dina Grohmann, Professur für Mischaftler der Universitäten Regensburg, ausüben können. In ihre speziell designten krobiologie, an der Entwicklung und
München und Braunschweig haben nun DNA-Klammern spannen sie einen in der Anwendung dieser Methode beteiligt. In
eine neue Methode entwickelt, mit deren Mitte mit einer speziellen Sequenz ausge- Zusammenarbeit mit der Regensburger
Hilfe man gezielt konstante Kräfte auf ein statteten Einzelstrang ein, an den wiederum Wissenschaftlerin demonstrierte das Foreinzelnes, nur wenige Nanometer großes das zu untersuchende Molekül anbindet. scherteam die Möglichkeiten der neuen
Molekül ausüben und gleichzeitig dessen Kraft können sie ausüben, indem sie den Kraftspektroskopie-Methode am Beispiel des
Reaktion auf die angelegte Kraft
beobachten kann.
So lässt sich testen, ob ein
Protein oder Gen seine Aufgabe noch richtig ausführt, wenn
kleinste Kräfte im Inneren einer
Zelle an der Struktur zerren. Für
die Untersuchung mit der neuen Kraftspektroskopie-Methode,
die nanoskopische Kraftmesser
einsetzt, benötigt man keine makroskopischen Werkzeuge und
kann zudem eine große Zahl
Moleküle parallel untersuchen,
ein enormer Zeitgewinn.
Mit dem neuen Ansatz
umgehen die Forscher zwei
fundamentale Einschränkungen bisheriger Methoden in der
Kraftspektroskopie. Sowohl beim
Rasterkraftmikroskop wie auch
bei den sogenannten optischen
und magnetischen Pinzetten haMit dem neuen Ansatz umgehen die Forscher zwei fundamentale Einschränkungen bisheriger Methoden in der
ben die untersuchten Moleküle
Kraftspektroskopie.
Foto: Flickr/Sanofi Pasteur/CC by nc nd 2.0
immer eine direkte Verbindung
zur makroskopischen Welt. Im
Grunde muss man dabei jeweils die Positi- in der Klammer befestigten Einzelstrang sogenannten TATA-Binding-Proteins, eines
on eines mindestens Mikrometer großen gezielt um einzelne Basen verkürzen. Damit wichtigen Faktors in der Genregulation. Die
Objekts (Kugel oder Metallspitze) genau lassen sich gezielt unvorstellbar kleine Kräfte Forscher fanden heraus, dass dieses Protein
kontrollieren und übt dann Kräfte auf Mo- zwischen 0 und 15 Pico-Newton ausüben, das nicht mehr effizient arbeiten kann, wenn
leküle aus, die an diesem Objekt verankert sind Billionstel Newton. Für die Forscher ist die DNA-Zielsequenz mit mehr als sechs
sind. Das ist technisch extrem aufwendig das ein ideales Untersuchungsinstrument, Pico-Newton gespannt wird. Noch steht
und verursacht zudem oft fehlerbehaftete denn im Zellinneren wirken genau Kräfte in die neue Technologie am Anfang. Da die
Signale. Zudem lässt sich damit immer nur dieser Größenordnung auf die Proteine oder DNA-Klammern winzig sind und autonom
ein Molekül nach dem anderen untersuchen. DNA ein. Die Messdaten lesen die Forscher arbeiten können, wäre es in Zukunft sogar
Von diesen Zwängen ist die neue Methode sehr elegant über den Energieaustausch denkbar, sie auch in einer lebenden Zelle
befreit. „Unsere Strukturen arbeiten völlig zweier eingebauter Fluoreszenzfarbstof- einzusetzen und dort die molekularen Vorautonom“, erklären die Wissenschaftler der fe aus. Da nun beim sogenannten FRET gänge live zu untersuchen.
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Gesundheitssystem
CDU will Kliniken nach Qualität bezahlen
Die CDU will die Bezahlung deutscher Krankenhäuser von Menge auf Qualität umstellen
Bis 2003 waren die Krankenhausleistungen über Pflegesätze abgerechnet worden.
Foto: Flickr/hugo Cardoso/Cc by nc nd 2.0
D
as geht aus einem Beschluss des
CDU-Bundesfachausschusses Gesundheit und Pflege hervor, der der in
Düsseldorf erscheinenden Rheinischen
Post vorliegt. Als Erweiterung zu den
geltenden Regeln nach der neuesten
Krankenhaus-Reform sprechen sich die
CDU-Experten in dem Papier „für die
Einführung eines durchgehend qualitätsorientierten Erlössystems und einer qualitätsorientierten Versorgungsplanung“
aus.
Um kurzfristig zu Qualitätssteigerun-
gen zu kommen, soll es Modellversuche
geben. Im bestehenden System ist es laut
CDU-Analyse jedoch zu „unzureichenden
Anreizen zur Qualitätssteigerung“ gekommen. Die Versorgung richte sich demnach
an Akuterkrankungen aus, chronische und
psychische Langzeiterkrankungen würden
zu wenig berücksichtigt. Anreize zur ökonomischen Optimierung lägen vor allem in
„Mengensteigerung und Kostenreduktion“.
Das sei aber nicht im Patienteninteresse,
wo „die Qualität der Leistungskette und
nicht die Quantität der Einzelleistungen“
im Mittelpunkt stehe, heißt es in dem Papier. Um das zu erreichen, will die CDU als
Erweiterung zu den geltenden Regeln nach
der neuen Krankenhausreform zusätzliche
„Qualitätsparameter“ in das bestehende
Fallpauschalen-System einbauen.
Damit solle man zu einer wissenschaftlich wie juristisch gewichteten „Qualitätszahl“ für die jeweilige Behandlung
kommen. Zudem seien Investitionen in
höhere Qualität etwa bei der Personal- und
Geräteausstattung nötig. Die Investitionen
müssten sich auch durch die Aussicht auf
höhere Erlöse bezahlt machen, fordern die
CDU-Experten. Zudem setzt die CDU auf
die „Marktmacht“ des Patienten und auf
den Zwang zu einer „transparenten und
vergleichenden Darstellung der Qualität“
deutscher Krankenhäuser.
Bis 2003 waren die Krankenhausleistungen über Pflegesätze abgerechnet
worden, in die für jede Klinik die Kosten
des Krankenhauses ohne Rücksicht auf die
tatsächlichen Ausgaben für den jeweiligen
Patienten eingerechnet wurden. Seitdem ist
schrittweise auf eine Finanzierung nach der
Devise „gleicher Preis für gleiche Leistung“
umgestellt worden, für die ein ständig
aktualisierter Katalog mit typischen Kosten
für eine bestimmte Krankheitsart und den
Schweregrad der Erkrankung aufgestellt
wird. Die durchschnittliche Verweildauer
hat sich in der Folge von neun auf sechs
Tage verringert. Die Unterscheidung zwischen einfachen und teuren Leistungen
wurde anhand von Millionen Fällen immer
differenzierter.
Wirtschaft
Übernahme durch ChemChina verzögert sich
Die Übernahme des Schweizer Agrochemiekonzerns Syngenta durch den chinesischen Staatskonzern ChemChina verzögert sich
S
tatt bis Ende des Jahres rechnet Syngenta nun damit, dass sich der Zulassungsprozess bis ins erste Quartal 2017
erstrecke, wie der weltgrößte Hersteller
von Pflanzenschutzprodukten mitteilte.
„ChemChina und Syngenta halten an der
Transaktion fest und sind zuversichtlich
hinsichtlich ihres Abschluss“, hieß es in der
Mitteilung.
Im dritten Quartal kam Syngenta auf
einen Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar,
drei Prozent weniger als in der Vorjahresperiode. Analysten hatten für das dritte
Quartal durchschnittlich einen Umsatz
von 2,6 Milliarden Dollar prognostiziert.
Syngenta bestätigte den Ausblick für das
Gesamtjahr und rechnet weiterhin mit
einem Umsatz knapp unter Vorjahr und
einer stabilen operativen Marge (Ebitda).
Der Schweizer Agrochemiekonzern
Syngenta rechnet mit einer vertieften EU-
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Überprüfung der geplanten Übernahme
durch die chinesische ChemChina. „Das ist
wahrscheinlich und wir erwarten das, aber
es ist nicht sicher“, sagte Syngenta-Chef Erik
Fyrwald. Syngenta erwarte dennoch einen
Abschluss der Transaktion um das Ende des
ersten Quartals 2017. Fyrwald widersprach
Medienberichten, wonach ChemChina und
Sinochem Fusionsgespräche führen. „Wir
haben keinen Grund zu glauben, dass da
etwas läuft.“
Der chinesische Staatskonzern ChemChina will der Europäischen Union einem
Insider zufolge weitergehende Konzessionen anbieten, um grünes Licht für die Übernahme des Schweizer Agrochemiekonzerns
zu erhalten. Der Chemieriese sei bereit, mit
der EU-Kommission voll zusammenzuarbeiten, um ihre Anforderungen zu erfüllen,
erklärte die mit der Sache vertraute Person.
ChemChina habe der EU im September
angeboten, Bereiche der Agrochemietochter
Adama Agricultural Solutions im Wert von
rund 20 Millionen Dollar zu verkaufen. Aber
die EU-Kommission habe das Angebot als
ungenügend eingestuft und ein „detaillier-
teres Menu von möglichen Maßnahmen“
aufgebracht. ChemChina konnte vorerst für
eine Stellungnahme nicht erreicht werden.
Vertreter von Syngenta und ChemChina
hatten sich vor einer Woche mit den EUAufsehern getroffen und versucht, mögliche
Bedenken auszuräumen, dass die Übernahme Kunden und Konkurrenten schaden
könnte. Nachdem die beiden Unternehmen keine Konzessionen anboten, kann die
EU-Kommission die Transaktion entweder
ohne Auflagen durchwinken oder aber eine
vertiefte Untersuchung einleiten, die bis zu
fünf Monate in Anspruch nehmen kann.
„Konstruktive Gespräche mit der EU dauern
an“, erklärte eine Syngenta-Sprecherin.
Bei anderen Übernahmen in Europa
stoßen die Chinesen zunehmend auf Hindernisse. So will Bundeswirtschaftsminister
Sigmar Gabriel die Übernahmepläne des Investors Fujian Grand Chip Investment (FGC)
für den angeschlagenen Chip-Anlagenbauer
Aixtron nochmals unter die Lupe nehmen
lassen. Gabriel hatte in der Vergangenheit
China unfaire Handels- und Übernahmepraktiken vorgeworfen.
In der Branche findet zurzeit eine Art Endspiel unter den großen Anbietern statt.
28. Oktober 2016
Seit der Ankündigung im Februar haben
Anleger die Chancen des Syngenta-Deals
mehrfach hinterfragt. Das kommt auch im
Aktienkurs zum Ausdruck, der mit knapp
400 Franken deutlich unter der Offerte von
ChemChina liegt. Der Konzern aus Peking
bietet 465 Dollar pro Aktie zuzüglich einer
Sonderdividende von fünf Franken. BaaderHelvea-Analyst Markus Mayer rechnet erst
im ersten Halbjahr 2017 mit einem Abschluss. Die EU wolle wohl Zugeständnisse
etwa bei genetisch modifiziertem Saatgut
oder allgemeinen Handelsfragen herausholen. Gefährdet sei die Transaktion aber
nicht. Im schlimmsten Fall würde wohl BASF
Interesse an Syngenta anmelden, sodass das
Risiko eines Kurseinbruchs begrenzt sei.
In der Branche findet zur Zeit eine Art
Endspiel unter den großen Anbietern statt,
bei dem bisher einzig BASF außen vor blieb.
So will der Leverkusener Chemiekonzern
Bayer den US-Saatgutriesen Monsanto für
66 Milliarden Dollar schlucken. Bereits Ende
2015 wurde der Zusammenschluss der USKonzerne Dow Chemical und Dupont auf
den Weg gebracht.
Foto: Flickr/Fruitnet.com/Cc by 2.0
Impressum Geschäftsführer: Christoph Hermann, Karmo Kaas-Lutsberg. Herausgeber: Dr. Michael Maier (V.i.S.d. §§ 55 II RStV).
Redaktion: Anika Schwalbe, Gloria Veeser, Julia Jurrmann, Cüneyt Yilmaz. Sales Director: Philipp Schmidt. Layout: Nora Lorz. Copyright:
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