Du hast zu deinem Abendmahl (eg 224/ eg 216)

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Du hast zu deinem Abendmahl (eg 224/ eg 216)
Autor: Wer morgens zur Arbeit aus dem Haus geht und noch nicht gefrühstückt
hat, kann ihm kaum widerstehen: Dem Duft von frischgebackenen Brötchen und
Kuchen aus einer Bäckerei. Mich erinnert dieser Duft an meinen Job in der
Studentenzeit, wenn ich müde und hungrig nach der Nachtschicht im Stahlwerk
nach Hause ging. Während die Häuser der Straßen noch dunkel waren, brannte
in der Backstube meines Freundes schon Licht. Dann klopfte ich an die
Seitentür, weil der Laden vorne noch geschlossen war. Und kurze Zeit später
stapfte ich aus dem duftenden Raum mit einem noch warmen Marzipankringel
heim. Das süße Teilchen meines Freundes versöhnte mich so mit der harten
Arbeit der Nacht.
Musik: CD1-Track 23:
Du hast uns Leib und Seel gespeist; nun gib uns so zu leben,
dass unser Glaub und Lieb dich preist, die uns dein Gnad will geben;
dass durch dein Treu die Sünd uns reu,
für die dein Sohn vergossen
sein teures Blut, das uns zugut den Himmel hat erschlossen
(overvoice)
Autor: Das kann wunderschön sein, nach harter getaner Arbeit etwas Leckeres
zu Essen zu bekommen, ohne selbst gekocht und gebacken zu haben. Diese
Erfahrung ist sehr alt und findet sich schon in der Bibel: Die Freunde von Jesus
damals waren keine Bäcker sondern Fischer. Aber auch ihre Arbeit war hart und
geschah meistens in der Nacht, wenn sie mit ihren Booten auf dem Meer die
Netze auswarfen. Einmal, so wird uns berichtet, kamen sie müde und erschöpft
am frühen Morgen mit ihrem Boot nach Hause. Hinter ihnen lag eine harte Zeit.
Nicht nur, dass an diesem Morgen die Netze leer waren und sie umsonst
gearbeitet hatten. Überhaupt hatten sie den Eindruck, dass ihr bisheriges Leben
umsonst gewesen war. Als sie mit ihrem Boot ans Ufer stießen, während im
Dorf noch alles dunkel war, brannte jedoch am Ufer ein Licht.
Sprechertext 1: „ Und als die Jünger an Land gingen, sahen sie ein
Holzkohlenfeuer mit Fischen und Brot darauf. Und Jesus sagte: “Kommt
her und haltet das Mahl! Dann trat er zu ihnen nahm das Brot und verteilte
es unter sie, ebenso die Fische“
( Joh. 21, 9f)
Musik: Strophe 3: Choral:( CD1-Track 2)
Nun segne Herr, uns Brot und Wein, deins Tisches edle Gaben!
Du selbst willst gegenwärtig sein und wunderbar uns laben
Gib über Bitten und Verstehn, wie du versprachst zu geben!
In dem, was unsre Augen sehn, gib dich uns selbst zum Leben!
?
Autor: Das gemeinsame Frühstück, das die Jünger damals am Ufer mit dem
Auferstandenen einnahmen, würden die Leute um Jesus so schnell nicht
vergessen. Dass der auferstandene Christus für seine Leute sorgt, das wollte
auch die frühe Christenheit in Erinnerung behalten.
Deshalb trafen sich schon bald auch die Christen der frühen Kirche regelmäßig
zum Essen und Trinken. Das geschah damals abends. Denn so konnten auch
die Sklaven, die erst spät von der Arbeit nach Hause kamen, mit den
wohlhabenden Christen gemeinsam auch Brot und Wein teilen. Im Abendmahl,
das seither zum gottesdienstlichen Leben der christlichen Kirche gehört, wissen
sie sich bis heute verbunden mit dem Christus, der seine Leute mit ihren Nöten
und Sorgen nicht vergisst,
Musik: Strophe 1: Choral (CD1-Track 23)
Du hast zu deinem Abendmahl als Gäste uns geladen.
Nun stehn wir, Herr, in deinem Saal mühselig und beladen
Wir tragen unsrer Wege Leid, viel Sorgen, Schuld und Schmerzen
Ob reich, ob arm, dich irrt kein Kleid, du kennst die Not der Herzen
Autor: Wenn ich heute noch einmal den Weg von den Stahlwerken nach Hause
gehe, sehe ich, dass sich vieles verändert hat. Die Hochöfen von damals sind
längst kalt. Viele der Stahlarbeiter haben ihre Arbeit verloren. Harte
Arbeitskämpfe hat es vor Jahren gegeben. Das war eine Zeit mit großen
Sorgen. Sorgen von Familienvätern und Ehemänner. Arbeiter, die sich
Hoffnungen gemacht hatten auf eine Zukunft im eigenen Heim. Und plötzlich
sehen mussten, wie sie ihre Schulden abbezahlen konnten, ohne in die Armut
abzurutschen.
Und auch die Backstube meines Freundes mit dem Laden vorne an der Straße
ist geschlossen und der Backofen lange schon kalt.
Musik: Strophe 2: Choral:( CD1-Track 23)
Ach Herr, vor dir ist keiner reich und keiner los und ledig;
Spricht einer hier dem andern gleich: Gott sei mir Sünder gnädig!
Du aber ludest uns zu dir, den Hunger uns zu stillen,
willst uns aus lauter Liebe hier die leeren Hände füllen
Autor: Wenn Christen heute im sonntäglichen Gottesdienst das Abendmahl
feiern, dann ist dieses Mahl nicht dazu geeignet, den Hunger im Magen zu
stillen. Ein Stückchen Brot oder eine Oblate und ein Schluck Wein oder
Traubensaft können nicht körperlich satt machen.
Aber für mich sind es sichtbare Zeichen des Auferstandenen, die er uns reicht,
um uns zu zeigen: wir sind nicht allein. Und so, wie Brot und Wein den Körper
stärken, so hilft uns seine Gegenwart, mit den Sorgen und Verfehlungen
unseres Alltags klarzukommen.
Wie das mit Gottes Brot im Abendmahl geschehen kann, hat Heinrich Mertens
einmal in einer Geschichte erzählt . Sie handelt von einem alten Bäcker, Der
wusste, dass Brot nicht nur den Leib satt machen kann. Die Leute kamen nicht
nur zum Brot kaufen zu ihm, sondern auch, wenn sie in Not waren oder es Streit
gab. An einem solchen Tag stürmt ein junger Mann in seine Backstube. Hinter
ihm rennt sein Vater, ein großer Kerl, mit einer Eisenstange in der Hand. Die
beiden haben augenscheinlich großen Stress. Doch der alte Bäcker beruhigt
den aufgeregten Mann und lädt die beiden anschließend ein:
Sprechertext:1 "Komm Gaston, iss ein Stück Brot; das beruhigt. Und iss
es zusammen mit deinem Sohn; das versöhnt. Ich will auch ein Stück Brot
essen, um euch bei der Versöhnung zu helfen." Dabei gab er jedem ein
Stück Weißbrot. Und Gaston nahm das Brot, auch sein Sohn nahm das
Brot. Und als sie davon aßen, sahen sie einander an, und der alte Bäcker
lächelte beiden zu. Als sie das Brot gegessen hatten, sagte Gaston:
"Komm, Junge, wir müssen an die Arbeit. "
Musik: Strophe 3: Choral:( CD1-Track 23)
Nun segne Herr, uns Brot und Wein, deins Tisches edle Gaben!
Du selbst willst gegenwärtig sein und wunderbar uns laben
Gib über Bitten und Verstehn, wie du versprachst zu geben!
In dem, was unsre Augen sehn, gib dich uns selbst zum Leben!
Musikinformation:
CD-Name: Du bist der Atem meiner Lieder, CD1-Track 23
Interpret: Kleine Kantorei des Christlichen Sängerbundes
Leitung: Horst Krüger
Komponist: Bearbeitung und Textunterlegungen: Horst Krüger
Melodie: Claude de Sermisy 1529/geistlich Antwerpen 1540/Erfurt;
Satz Str. 1+3: nach Michael Praetorius 1609
Strophe 1+4: Max Reger 1915 op.135a
Choralvorspiel: Johann Christian Heinrich Rinck 1770 – 1846, Strube Verlag,
München
Texter: Arno Pötzsch ( 1941) 1947
Verlag: Verlag Singende Gemeinde, Westfalenweg 207, 42111 Wuppertal
Labelcode: LC 07994
Label: RM Musik
Bestell-Nr: CS 95203
Text:
Titel: Brot in deiner Hand. Geschichten für Kinder von der Bedeutung des
heiligen Mahles
Autor: Heinrich A. Mertens,
Verlag: J. Pfeiffer, München 1982
ISBN-10: 3790400661
ISBN-13: 978-3790400663
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