Hintergrundinformationen

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Pressekonferenz am 18.Oktober 2016 / 200-Jahr Feier der SGN (SNG)
DEPOSITUM SGN Archiv / Institut für Stadtgeschichte
10 Briefe an die Lebenden. eine auswahl aus
dem SGN archiv
Text: JOACHIM SCHOLZ, SGN
Digitalisierung (1-8): SVEN TRÄNKNER, SGN
Revision und Übergabeverzeichnis: RENATE STROHMEIER/BRIGITTE LOTZ, SGN
»Bonaparte aux Pyramides« von MAURICE ORANGE (1867-1916), Musée du Vieux Granville
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»Früher haben nicht wenige Menschen geglaubt, das Leben sei ewig, und wenn sie stürben,
würden sie in eine nächste Welt gehen. Später löste ein neuer Glaube dieses Denken ab, und
der Tod und die Sterblichkeit wuchsen zu einem Schreckgespenst heran. ...Sie waren sicher, nur
ein Menschenleben lang ... Gelegenheit zu haben, etwas bewirken zu können. Leider rückte sich
der einzelne Mensch damit in den Mittelpunkt und machte sich wichtig. In ihrem ... Streben,
Spuren zu hinterlassen, kommen nur wenige Menschen darauf, dass sie sich gar nicht darum
bemühen müssen! Ganz ohne ihr Wollen, ohne ihr Zutun, hinterlassen Menschen Spuren. Denn
nichts, das einmal in der Welt war, geht je verloren. Manchmal wartet die Erfahrung in einem
Buch, bis jemand kommt, der es lesen kann.«
KARIN AFSHAR, »Der letzte Almani«
Einleitung
»Deux siècles vous contemplent«
Archive setzen keinen Staub an. Sie sind dazu da, ihn auf den ihnen anvertrauten
Kulturgütern zu verhindern und vertreten, falls gut geführt, eine lebende und sich täglich
wandelnde Station auf unserer Reise von der Kleinstadt der noch Lebenden in die
Großstadt der Verblichenen. Denn die Findmittel eines Archivs erzählen die Geschichte
von Menschen, die für gewöhnlich schon lange tot sind - in unserem Falle nicht allzu
lange.
Bis zur Übergabe als Depositum an das Institut für Stadtgeschichte befand sich das
nachfolgend mit wenigen Beispielen vorgestellte Archivgut in einem Magazin, das hinter
der Sammlung ägyptischer Altertümer am Ersten Lichthof verborgen lag. Wir verdanken
Letztere den Nordafrika-Expeditionen des bedeutendsten aller Frankfurter Forschungsreisenden, nämlich EDUARD RÜPPELL (1794-1884) (s. Brief Nr 7). Der Vergleich mit
Ägypten lehrt es uns, bescheiden zu bleiben.
Bekanntlich hatte der spätere »Löwe Neapels« aus dem korsischen Haus BONAPARTE
vor der Schlacht vor den Pyramiden (1796) seinen Soldaten zugerufen, es sähen 40
Jahrhunderte auf sie herab. Das Archiv der SGN würde am gleichen Ort in der Tiefe der
Zeit versinken; wir schaffen mit „Deux siècles“ gerade mal 5% dessen.
Und andererseits steckt mehr, sehr viel mehr Zeit als zwei oder selbst 40 Jahrhunderte
in uns. Die Expedition BONPARTES begleiteten führende Naturforscher ihrer Zeit, darunter ein gewisser MARIE JULES CÉSAR LE LORGNE DE SAVIGNY (1777-1851). Die Proben
und Ergebnisse legten einen Grundstein nicht nur der Ägyptologie, sondern auch zu
unserer heutigen Kenntnis von Flora, Fauna, Geographie und Geologie Nordafrikas. Als
einer der wichtigsten Erben SAVIGNYS trug der bereits erwähnte Frankfurter Kaufmann
und Forschungsreisende namens RÜPPELL dazu bei, den Norden des Kontinents seiner
Erforschung zu öffnen. Dabei reisen wir in eine Zeit zurück, die sich nicht mehr nach
Jahrtausenden, sondern in Jahrmillionen rechnet. Im Vergleich dazu ist selbst die alte
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ägyptische Zivilisation nicht mehr als eine Mücke auf der Haut des Bioplaneten, der von
manchen nach einer antiken Gottheit mit dem Namen »GAIA« bedacht wird. Mit einigen
Beinchen und Borsten einer weiteren und wie erwähnt etwas kleineren Mücke, nämlich
Briefen aus Antike und Hochrenaissance aus dem Archiv der SGN, fangen wir an.
»Und Gott schuf große Walfische«
GENESIS
Brief Nr. 1
Aus den Jahren 1512 und 1558. Leben vor der Gründung
(Sgn.-Nr. 3195, CONRAD GESNER)
Jeder, der sich mit Biologie befasst, kennt den Namen des schwedischen
Naturökonomen CAROLUS LINNAEUS (1707-1778), der zu Recht, doch manchmal nicht
ganz ohne Übertreibung als Vater der biologischen Systematik gerühmt wird. Mit einem
im Jahre 1758 bereits in 10. Auflage veröffentlichten Monument namens »Systema
Naturae« schuf LINNAEUS eine binominale Nomenklatur aus Gattungs- und Artnamen
nebst höherer Ordnung, die bis heute allen Versuchen, sie abzulösen, standgehalten
hat. Dieser Erfolg überschattet den Umstand, dass LINNAEUS keinesfalls der Begründer
biologischer Systematik ist, als der er gerühmt wird, denn er hat sein Ordnungssystem
ja nicht aus dem Vakuum des Weltalls ausgefällt. Vielmehr hat LINNAEUS die zu seiner
Zeit bereits existierenden, aber viel zu diversen Nomenklaturen vereinheitlicht und uns
Biologen damit das Leben erleichtert. So wurde — um nur ein Beispiel zu nennen —
aus dem jedem Tropen-Taucher geläufigen Griffelseeeigel, den der Danziger Kaufmann
und Naturalist JACOB THEODOR KLEIN (1685-1759) unter dem etwas sperrigen Namen
„Spezies I, Mamillae Sancti Pauli Melitensium“ beschrieben und illustriert hatte, die Art
Echinus mammillatus, LINNAEUS, 1758. Auch der Name des gesamten Tierstammes,
nämlich
Echinodermata,
Stachelhäuter,
stammt von KLEIN.
Um aber die eigentlichen Begründer
biologischer Systematik zu finden, müssen wir
ein wenig weiter ausholen, und von den
überlieferten
Höhepunkten
biologischer
Forschung aus Antike und Renaissance sind
immerhin zwei Monographien im Archiv der
SGN präsent.
Zweihundert Jahre vor LINNAEUS unternahm ein Züricher Arzt und Naturforscher
namens CONRAD GESNER (1516-1585) den Versuch, die zu seiner Zeit bekannte
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biologische Vielfalt umfassend zu beschreiben. In unserem Archiv findet sich GESNERS
Originalausgabe der »Historica animalicum«, vierter Band, »Piscium & aquatilium
animantium natura, datiert aus dem Jahre 1558.
Der Titel verrät die Genealogie, nämlich die Anlehnung an PLINIUS DEN ÄLTEREN alias
GAIUS PLINIUS SECUNDUS (23 oder 24 n.Chr. - 79 n.Chr.). PLINIUS D.Ä. hatte das
Schicksal, weniger über sein Leben, als vielmehr aufgrund seines eines
Wissenschaftlers würdigen Ablebens in den Glutwolken des Vesus bekannt zu werden.
Von ihm stammt, was wichtiger ist, die Einteilung nach Land, Wasser- und Flugtieren,
ein theoretisches System, dem GESNER den Vorzug gegenüber der an sich
fortschrittlicheren Systematik eines ARISTOTELES gab. Letzterer hatte mit seiner
Unterscheidung zwischen »blutleeren Tieren« und »Bluttieren« die heute geläufige
Trennung zwischen Vertebrata und den ungleich vielfältigeren Invertebrata
vorweggenommen. Bei GESNER findet sich hingegen ein Krebs einträchtig neben Hai
(Abb.) und Wal. Andererseits sind aber die zoologischen Beschreibungen GESNERS von
einer Detailfülle, auf die selbst DARWIN noch zurückgegriffen hat.
Die Frage der Benennung, Beschreibung und anschließender Untergliederung der
Lebensformen, also all das, was man heute als Taxonomie bezeichnet, ist keine
theoretisierende Betrachtung von Haarespaltern, sondern eine rein praktische Frage.
PLINIUS hatte diese vielleicht etwas besser erkannt als ARISTOTELES, indem er sich die
Zeit nahm, jede der ihm bekannten Lebensformen mit genauer Quellenangabe
aufzuzeichnen. Wenn wir keine Namen vergeben, auf die wir uns zuvor einigten, und
Regeln festlegen, wie wir dazu kamen, dann können wir auch nicht darüber sprechen.
»Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenze meiner Welt« (WITTGENSTEN). Dem
Regenwurm ist es dagegen vollkommen egal, ob wir ihn Wurm oder Egel nennen. Erst
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die Taxonomie transportiert die Individualisierungen der Biosphäre außerhalb des
Menschen in das Kommunikationssystem der Wissenschaft und des Menschen.
Taxonomie ist demzufolge keine Hilfswissenschaft, sondern die Basis aller
Lebenswissenschaft.
Umso froher sind wir, auch eine Ausgabe immerhin des Jahres 1512 der »Naturalis
historica« von PLINIUS in unserem Archiv zu Gast zu wissen. Wie auch im Falle
GESNERS verdanken wir diesen Zeugen aus
Hochrenaissance
und
Antike
einer
Schenkung des Senckenbergers
LUKAS
VON HEYDEN
(1838-1915), Sohn des
Gründungsmitglieds Carl von Heyden
(1793-1866). Wir werden Lukas von Heyden
auch in den nachfolgenden »Briefen«
wieder begegnen.
»Call me Ishmael«
MELVILLE, »Moby Dick«
Brief Nr. 2
Das Jahr 1817
(Sgn.-Nr. 2, Protokollbuch 1817-1830)
Das erste Protokollbuch der SNG (SGN) enthält auf über dreihundert Seiten die
Aufzeichnungen früher Sitzungen der SNG, beginnend mit der Allerersten am
17.November 1817, und endend am 17.November 1830.
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Der im Folgejahr erweiterte Kreis der Gründungsmitglieder zeichnete hier erstmalig
gegen. Zwei Ziele waren ihnen wesentlich: die Förderung der Sammlungen und der Bau
eines „öffentlichen Naturalienkabinetts“, sie zu beherbergen. Die Grundsteinlegung des
ersten Senckenberg Naturmuseums erfolgte bereits im April 1820.
Zu der Benennung der Gesellschaft nach Senckenberg verweise ich auf den vierten
Brief (s.u.).
»
»He n´enseigne pas, je raconte« (»Ich belehre nicht, ich erzähle«)
MONTAIGNE
Brief Nr. 3
Die Gründung des Archivs der SNG im November 1867
(Sgn.-Nr. 3197, Mitgliederverzeichnis VON HEYDEN)
Zum 50-Jährigen Jubiläum der SNG hatte Professor LUKAS VON HEYDEN das erste bis
in unsere Tage erhaltene Mitgliederverzeichnis angelegt, datiert vom November 1867.
VON HEYDENS Verzeichnis wurde bis zum September 2001 kontinuierlich erweitert und
vor einigen Jahren restauriert. Randnotizen lassen erkennen, dass VON HEYDEN für die
Erstellung seiner Listen Akten angelegt und Protokolle der SNG gebündelt hatte. Daher
werten wir dieses Findmittel als die Geburtsstunde des Archivs der Senckenberger.
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Zum 150-Jährigen Geburtstag unseres Archivs wechselt es als Depositum in das
Institut für Stadtgeschichte.
Die Namensliste Korrespondierender- und Ehrenmitglieder gleicht einem »Who is Who«
bedeutender Wissenschaftler und Prominenter, die zu unserem heutigen Weltwissen
beigetragen haben: ALEXANDER VON HUMBOLDT, GEORGES CUVIER, JOHANN
WOLFGANG VON GOETHE, PHILIPP FRANZ VON SIEBOLD (Japan-Pionier), CHARLES
DARWIN, LOUIS AGASSIZ (der 1851 erstmals das Anthropozän, das Erdzeitalter des
Menschen, propagiert hatte), ALOIS ALZHEIMER (Entdecker der nämlichen
Demenzerkrankung), CHARLES LYELL (einer der bedeutendsten Geologen aller Zeiten),
EDWARD DRINKER COPE (Entdecker des Brontosaurus), RUDOLF VIRCHOW (Begründer
der Zellpathologie), diverse Mitglieder des Bankhauses METZLER, und viele andere
mehr. Konzentrieren wir uns auf GOETHE.
»Veritas temporis filia«
AULIUS GELLIUS
Brief Nr. 4
GOETHE und die Senckenberger - eine lange Geschichte in Kürze
(Sgn.-Nr. 26, korrespondierende Mitglieder der SNG)
Wahrheit, Tochter der Zeit. Das dem römischen Schriftsteller AULIUS GELLIUS
zugeschriebene Zitat trifft in gewisser Weise auch auf die komplexe Beziehung
zwischen GOETHE und den frühen Senckenbergern zu. Die Nachwelt, vor allem die
preußische Ära in Frankfurt, deren Beginn sich am 3.Oktober 2016 zum 150ten Male
jährte, haben das beiderseitige Verhältnis überhöht und verklärt. Dass die Gründung der
SNG auf eine Anregung GOETHES zurückgegangen sei, darf inzwischen als widerlegt
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gelten (SAKURAI 2013, „Science and Societies in Frankfurt am Main“), ein Umstand, der
nach einer Erklärung verlangt.
Im Gründungsmonat der SNG, im November 1817, war GOETHE bei einer Mehrheit
unter den angehenden Senckenbergern wenig beliebt, denn er war just zu diesem
Zeitpunkt gerade dabei, seine Frankfurter Bürgerschaft gegen eine Gebühr von 30
Kreuzern aufzugeben — »aus Geiz« —, wie BERGER & SETZEPFANDT (2012) schreiben,
denn er wollte die »Abzugssteuer« (Zweitwohnsitzsteuer) sparen. Die Abgabe sollte
dazu beitragen, den von der Stadt angehäuften Schuldenberg (eine Hinterlassenschaft
der Befreiungskriege gegen Napoleon) zu verkleinern.
Die Frankfurter Bürger haben über Jahrzehnte hinweg diesen Frevel, die Verweigerung
des fälligen Obolus, ihrem nunmehr ehemaligen Mitbürger übel genommen.
Trinksprüche in der Art von »Goethe ist uns theuer, drum zahlt er keine Steuer«
kursierten damals auch im
Senckenberg
Museum,
wohingegen
JOHANN
CHRISTIAN
SENCKENBERG,
der
bekanntlich
sein
Vermögen für die Bürger
einsetzt hate, als wahrhaftiger
Patriot
im
Frankfurter
Treibhaus galt. Insofern war
die
Namensgebung
der
Gesellschaft auch ein klein
wenig
gegen
GOETHE
gemünzt (SAKURAI 2013).
Dessen ungeachtet war der
Dichter, Naturforscher und
Sohn des Kaiserlichen Rates
ein
höchst
prominenter
Zeitgenosse, und trotz aller
Animositäten
auch
in
Senckenberg
jener
Zeit
allgegenwärtig.
Zumindest
der Mitbegründer unserer Forschungssammlungen EDUARD RÜPPELL (1794-1884) hat
GOETHE sehr geschätzt, und GOETHES berühmte Schrift über den Zwischenkiefer ist als
wichtiger Beitrag zur frühen Evolutionsforschung aus Dialogen mit dem
Gründungsmitglied der SNG, SAMUEL THOMAS SOEMMERRING (1755-1830), erwachsen.
SOEMMERING präparierte nämlich in Kassel einen indischen Elefanten, dessen Skelett
von Goethe untersucht wurde.
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Darüber hinaus gab es auch eine verwandtschaftliche Beziehung: Der erste Direktor der
SNG, Johann Georg Neuburg (1757-1830) war mit MARIA MARGARETHA MELBER
(1772-1797), einer Tante JOHANN WOLFGANG VON GOETHEs, verheiratet gewesen, und
in Weimar haben sich einige Korrespondenzen zwischen NEUBURG und GOETHE
erhalten.
Am Ende kam man doch nicht an ihm vorbei: GOETHE wurde am 13. Juli 1820, also mit
einiger Verspätung, als »Korrespondierendes Mitglied Nr. 38« in die SNG
aufgenommen. Als Korrespondierende Mitglieder Nr. 1 und 2 hatte man zwei Jahre
zuvor die Brasilienpioniere FREYREISS und PRINZ VON WIED-NEUWIED geehrt. Heute ist
die Zeit über den nie offen ausgetragenen Konflikt hinweggegangen und GOETHE wurde
zu einem der Aushängeschilder der SNG.
»This is the question
Marry
Children — (if it Please God) — Constant companion, (& friend in old age)
who will feel interested in one, — object to be beloved & played with. —
better than a dog anyhow. — Home, & someone to take care of house —
Charms of music & female chit-chat. — These things good for one’s health.
— .... but terrible loss of time. — (...)
Not Marry
No children, (no second life), no one to care for one in old age.— What is the
use of working ‚in‘ without sympathy from near & dear friends—who are near
& dear friends to the old, except relatives
Freedom to go where one liked — choice of Society & little of it. —
Conversation of clever men at clubs — Not forced to visit relatives, & to bend
in every trifle. — to have the expense & anxiety of children — ...«
CHARLES DARWIN (1838)
Brief Nr 5
Ein Treffen der Familie DARWIN im Senckenberg
(Sgn.-Nr. 70, korrespondierende Mitglieder)
CHARLES DARWIN, der bis heute sicherlich der einflussreichste aller Biologen der
Neuzeit, wurde am 26.April 1873 zum korrespondierenden Mitglied ernannt, und seine
Antwort traf bereits am 2.Mai ein. Der Text entstammt offensichtlich einem Diktat, und
aus DARWINS eigener Hand ist an dieser Stelle wohl nur die Unterschrift überliefert.
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Die Senckenberger hatten sich
anfänglich etwas schwer mit Darwin
getan. Sie standen anfänglich noch
ganz unter dem Einfluss der
Kataklysmentheorie
des
französischen Naturforschers CUVIER,
von dem sich einige Briefe an
EDUARD RÜPPELL (s.u.) bei uns
erhalten haben.
Nach der erweiterten Neuauflage von
»On the Origin of Species« (1872)
war das Eis geschmolzen. Neben
CHARLES wurden später auch zwei
seiner Söhne zu korrespondierenden
Mitgliedern der SNG ernannt: der
Botaniker FRANCIS DARWIN, und der
Astronom GEORG HOWARD DARWIN
(beide am 12.Juni 1908). GEORG
HOWARD DARWIN ist übrigens sehr
bedeutend gewesen, auch wenn er
naturgemäß dazu verurteilt war,
zeitlebens im Schatten seines Vaters
zu verweilen. Als Astronom hatte G H
DARWIN die Theorie erstellt, dass das
Mondgestein irdischen Ursprungs sei (Abspaltungstheorie), und darüber wurde auch in
Vorträgen im Senckenbergmuseum lebhaft diskutiert.
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»Omnium enim rerum principia parva sunt.« (»Aller Dinge Anfang ist nämlich klein«)
CICERO
Brief Nr. 6
Die Große Ordnung in Richtung des kleinsten Raumes: Christian
Gottfried Ehrenberg (1795-1876)
(Sgn.-Nr. 1150)
Der Berliner Naturkundler EHRENBERG kehrte im Jahre 1825 als einer von nur wenigen
Überlebenden einer vom Pech verfolgten Rotmeer-Expedition nach Kairo zurück. Seine
zwei verbliebenen Reisebegleiter, der Maler FINZI und der Jäger BRETZKA, wurden ihm
von EDUARD RÜPPELL Abgeworben. Zeitlebens bleiben EHRENBERG und RÜPPELL
Rivalen und kritisierten die Arbeiten des jeweils anderen.
Trotzdem förderte RÜPPELL aktiv die Aufnahme des zeitweiligen Reisegefährten
ALEXANDER VON HUMBOLDTS als Korrespondierendes Mitglied bei Senckenberg (am 7.
April 1837). Ebenfalls auf
Anregung RÜPPELLS erhielt
EHRENBERG den SOEMMERRING
Preis der SNG für »wichtige
und
interessante
naturwissenschaftliche
Beobachtungen durch eisernen Fleiß und
ingeniösen Scharfsinn«.
EHRENBERGS
eigentliche
Bedeutung
liegt
in
der
Begründung
der
Mikropaläontologie,
damals
»Mikrogeologie«
genannz.
Ohne Mikropaläontologie wäre
heute die Suche nach Öl- ,
Gas- und anderen in der Erde
verborgenen
Rohstoffen
schwierig bis unmöglich.
Außerdem entdeckte EHRENBERG das sog. Luftplankton, die
in
der
Atmosphäre
freischwebenden Lebewesen
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im großen Luftozean, wie es HAECKEL später nannte. Das wird heute etwa bei der
Erforschung
der
Ausbreitung
von
Infektionskrankheiten
als
geradezu
selbstverständliches Wissen betrachtet. EHRENBERGS Entdeckungen wirbelten auch an
anderer Stelle, nämlihc mitten auf dem Meer, buchstäblich Staub auf. DARWIN schickte
ihm »Staub« aus der Sahara, den er von den Segeln der HMS Beagle gekratzt hatte
(die Probe ist bis heute am Berliner Museum für Naturkunde erhalten und wurde vor
einigen Jahren von GORBUSHINA & KRUMBEIN neu beschrieben).
Zurück zur Mikropaläontolgie. Ihre bereits erwähnte Begründung erfolgte mit
Ehrenbergs epochaler Monographie über das »Erde und Felsen schaffende unsichtbar
kleine Leben« (1854). Und wir haben das Manuskript dazu.
Im Zuge der Erschließung des Senckenberg Archivs wurde vor etwa 10 Jahren ein
»Atlas in 40 Tafeln zur Geologie des kleinen Lebens« mit handkolorierten Tafeln und
Aufzeichnungen Ehrenbergs entdeckt. Der auf das Jahr 1842 datierte Atlas trägt die
handschriftliche Widmung »Sr Majestaet dem Koenige Friedrich Wilhelm IV in tiefer
Ehrfurcht dankbarst gewidmet«. Wie dieser ungemein wertvolle Band nach Frankfurt
gelangt ist, lässt sich heute leider nicht mehr nachvollziehen. Die Tafeln und die
Handschriften sind aber so erhalten, als hätte Ehrenberg sie gerade eben erst
gezeichnet und hätte sich soeben vom Tisch erhoben. Sie bezeugen aus der Feder des
Meisters dessen visionäre Vorstellung einer großen Ordnung in Richtung des kleinsten
Raumes.
»Ho, travellers we a-passing by«
FREDERICK DELIUs, »A village Romeo & Juliet«
Brief Nr 7
Ein Frankfurter ALEXANDER VON HUMBOLDT: EDUARD RÜPPELL
(1794-1884)
(Sgn.-Nr. 3199)
EDUARD RÜPPELL ist der bedeutendste Senckenberger, der je gelebt hat. Der Namen
geht nicht etwa auf den Rüpel zurück, wie seine zahlreichen Gegner es gerne
kolportiert hatten (denn Rüppell war recht rauflustig), sondern auf »Rupel«, eine
Rebsorte, und verweist auf Weinbauern, von denen die Familie abstammt.
Im Jahre 1860 stammte jedes zweite Sammlungsobjekt im Senckenberg von Rüppell.
Wie JOHANN CHRISTIAN SENCKENBERG gab er sein gesamtes Vermögen zum Wohle der
Bürger der Stadt Frankfurt und der Sammlungen aus. »Alles weggeben vor dem End ist
das beste Testament« schrieb er im Jahre 1876.
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Der Kollege FRANK BERGER aus dem HMF nennt RÜPPELL den ALEXANDER VON
HUMBOLDT Frankfurts (2012), aber man könnte umgekehrt auch A.V. HUMBOLDT als den
„RÜPPELL Berlins“ bezeichnen. Vielleicht liegt es nur an dem kratzbürstigen Namen, das
RÜPPELL weniger bekannt geworden ist? (Am Rande: hätte BEETHOVEN Erfolg gehabt,
wenn er einen minder klangvollen Namen getragen hätte?). Wie dem auch sei: Es ist
allein RÜPPELL zu verdanken, dass Senckenberg bereits in den 1830ern zu den 5
bedeutendsten naturkundlichen Sammlungen in Europa gezählt wurde (SAKURAI 2013).
Zwischen RÜPPELL und ALEXANDER VON HUMBOLDt, von dem übrigens zwei Briefe an
RÜPPELL erhalten sind, gab es eine Reihe erstaunlicher Gemeinsamkeiten:
-
Beide waren anfänglich wohlhabend
Beide waren Autodidakten
Beide forschten und reisten auf eigene Kosten, gaben nahezu ihr gesamtes
Vermögen aus, und endeten in bescheidenen Verhältnissen
Beide stammen (väterlicher bzw. mütterlicherseits) von französischen Hugenotten
ab
Beide verloren früh im Leben den Vater (und Rüppell auch die Mutter)
Beide heirateten nicht
Bei beiden stand die Beschäftigung mit Mineralogie am Anfang
Beide hatten in dem damals weltberühmten Baron FRANZ VON ZACH den gleichen
akademischen Lehrer in Astronomie und Geodäsie, und übernahmen von diesem
eine Begeisterung für die »Vermessung der Welt«.
Während A.V. HUMBOLDT mit
Forschungsreisen in der
Neuen Welt zu Ruhm und
Ansehen kam, trug RÜPPELL
im
Verlauf
mehrerer
Expeditionen
im
„Peträischen Arabien“, in
Nubien
und
Abyssinien
Grundlegendes zu unserer
Kenntnis der regionalen
Archäologie,
Ethnologie,
Mineralogie, Meteorologie,
Botanik und Zoologie bei.
Zwei
Leitarten
der
Zoologischen Gesellschaft
Frankfurt wurden übrigens
von Rüppell entdeckt und benannt: der Blutbrustpavian, und der äthiopische Wolf. Die
Holotypen befinden sich in der senckenberger Säugetiersektion.
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RÜPPELL verdankte seine Erfolge als Forschungsreisender nicht zuletzt seinem
überragenden Sprachtalent. Er beherrschte fließend verschiedene arabische, nubische
und äthiopische Sprachen und Dialekte, und er verstand es, sich als Einheimischer zu
tarnen (Abbildung).
Nach seiner vorletzten und der letzten erfolgreichen Afrikareise, die ihn 1832/1834 nach
Abyssinien geführt hatte, posierte er im heimischen Frankfurt in arabischer Tracht. Wir
wissen nicht genau, wann die Fotos entstanden sind. ROBERT MERTENS bildet eine von
zwei bekannten Aufnahmen in seiner ausgezeichneten RÜPPELL Biographie ab (1949).
Das zweite Foto wurde erst 2014 im Zuge der Erschließung unseres Archivs
wiederentdeckt. Es ist nicht ganz so gut erhalten wie das von MERTENS Verwendete,
zeigt dafür aber vielerlei zusätzliche Details. Gerade das Verblichene - in Anlehnung an
JAMES JOYCE ein „Fadograph of a Yestern Scene“ - macht den Reiz dieses Dokuments
aus: die Selbstdarstellung von einem, der schon lange tot ist.
»Sie orten euch nicht anhand der
Gegenstände in euren Taschen. Ihr selbst seid der
Gegenstand«
KARIN AFSHAR (»Der letzte Almani«)
Brief Nr. 8
Im Schatten des Reichstags: Der Architekt Ludwig Neher und das
Neue Senckenberg Museum
(Sgn-Nr. 225, 3200; Korrespondenzen mit der Dr. Senckenbergischen Stiftung,
Bauplan)
Irgendwann war die aus den Jahren 1821/22 stammende alte Herberge für die
Senckenbergischen Sammlungen am Eschenheimer Turm zu klein geworden, um noch
weiteren Zuwachs zu verkraften. Aufgrund des Entgegenkommens der Stadt Frankfurt
am Main fand sich ein neues Gelände an der Viktoria-Allee (heute: Senckenberganlage)
von etwa 17.000 m2, das man der »Dr. Senckenbergischen Stiftung« im Tausch für das
alte Gelände anbot. Am 13. August 1903 trat die Stadt Frankfurt die nämlichen
Grundstücke an die Stiftung ab. Die Stiftung wiederum ermöglichte im Gegenzug den
bis 1907 abgeschlossenen Neubau der wissenschaftlichen Institutionen. Ein Original
des Vertrags hat sich im Archiv der SNG nebst diversen Vorentwürfen und Abschriften
erhalten. Der Vertrag legt fest, dass das Gelände nur für Zwecke der Forschung und
Bildung genutzt werden darf — ein Passus, der auch heute noch seine Gültigkeit hat.
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Der königliche Baurat LUDWIG NEHER
(1850-1916), der das Neubauvorhaben
schließlich umsetzte, war Schüler des
berühmten Architekten PAUL WALLOT
(1841-1912).
Letzterer
kam
in
Oppenheim nicht weit entfernt von der
Furt der Franken zur Welt. Noch heute
steht in dieser kleinen, nahe am Rhein
gelegenen Stadt sein Geburtshaus mit
einer Gedenktafel, die auf den Erbauer
des Berliner Reichstages hinweist. Und
da Wallot seit dem Jahre 1900 als
Ehrenmitglied der SNG an der
Entwicklung der Gesellschaft und nicht
zuletzt auch an deren Ausschreibung für
den Neubau mitwirkte, dürfte es seinem
Einfluss zu verdanken gewesen sein, dass es sein Schüler war, der den Zuschlag
erhielt.
Zahlreiche Entwürfe und
Baupläne
NEHERS
haben im Archiv der
SGN
die
Zeiten
überdauert.
Interessanterweise
ist
der an dieser Stelle
illustrierte, etwas an den
»Reichstag« erinnernde
und nicht realisierte
Entwurf bereits im Jahre
1899 entstanden. Es
sieht demnach so aus,
als habe der WALLOT
Schüler schon früh von
einem Vorhaben Wind
bekommen, das ihn eines Tages nicht nur das Senckenberg-Museum, sondern im
Folgejahr dank des gewonnenen Prestiges auch das hinter dem Römer gelegene
»Neue Rathaus« der Stadt Frankfurt gestalten liess.
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»Behold, the sea itself,
And on its limitless, heavy breasts, the ships ....«
WALT WHITMAN, »Leaves of Grass«
Brief Nr. 9
Die Seefahrer (1898/99)
(Sgn-Nr. 3219)
Im »Anuma Elish«, der erst 1876 anhand von Tontafeln aus Nineveh übersetzen
Kosmogenie der Babylonier, stand am Anfang wie in vielen anderen polytheistischen
Schöpfungsmythen jener Zeit ein Kampf zwischen den Mächten des Weltunordnung
und der Weltordnung (in griechischer Sprache: zwischen »Chaos« und »Kosmos«). Der
Urzustand bestand aus einem wässrigen Chaos und erbitterten Kämpfen mit großen
See-Monstern. Der Autor der Genesis, von dem angenommen wird, es sei MOSES
gewesen, drehte die Kosmogenien
seiner Zeit um. So sind die
babylonischen Monster, die Wale,
jetzt göttlichen Ursprungs - „And God
created great whales« steht am
Anfang von MELVILLES »Moby Dick«.
(zusammengefasst nach GORDON
2006, in »Querschnitte“/Morphisto«).
Während man über die Wale und die
Oberflächen der Meere im 19.
Jahrhundert schon einiges wusste,
war das babylonische Chaos noch
immer in den lichtlosen Abgründen
präsent, von der man annahm, sie
entweder
vollkommen
unbelebt
(»Azoische Tiefen«, FORBES 1843)
oder von Monstern bevölkert. „Da
unten aber ist´s fürchterlich“ schrieb
FRIEDRICH
SCHILLER
in
»Der
Taucher« (1797) (zitiert nach TÜRKAY
2015, unveröff. Vortrag).
Spätestens mit der Challenger Expedition (1872-1876) wurde klar, dass alle sich geirrt
hatten und der größte Lebensraum der Erde, die Tiefsee, einigermassen reich an Leben
ist. Die Tiefseefauna zu erfassen war Ziel der „Deutschen Tiefsee-Expedition“ und dies
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insbesondere in Regionen wie dem südlichen Atlantik, der Antarktis und im indischen
Ozean, die von anderen Expedition noch nicht kartiert wurden. Ausgewählt und
umgebaut wurde der Dampfer »Valdivia«, der bislang die Hamburg-Amerika-Linie
befahren hatte.
Teil der wissenschaftlichen Besatzung wurde ein gewisser OTTO
STRASSEN,
Privatdozent für spezielle Zoologie in Leipzig und von 1909 bis Februar 1934 Direktor
des Senckenbergmuseums. Aus seinem Nachlass stammen insgesamt 28 Fotoalben,
sogenannte „Reise-Erinnerungen“ von Bord der Valdivia: Schaufenster in eine längst
vergangene Zeit, die uns auf den alten Plattenaufnahmen dennoch modern anmutet,
denn viele der wissenschaftlichen Instrumente und die diversen Schlepp- und
Plankton-Netze, die man damals verwendete, sind auch auch heute noch bei
Expeditionen nicht nur von Senckenbergern in Gebrauch.
ZUR
In einem der 28 Alben findet sich eine Urkunde, ein
sogenannter Taufschein, der über die Reinigung
OTTO ZUR STRASSENS durch Neptun anläßlich der
Querung de Äquators dokumentiert. Eine
Photographie der Prozedur ist im Falle OTTO ZUR STRASSENS zwar nicht überliefert,
wohl aber am Beispiel des Forschungsleiters der Expedition, CARL CHUN.
Das uralte Ritual auf dem Weg in unbekannte Regionen, wie es vor Jahrhunderten die
portugischen Seefahrer praktiziert hatten, mag dazu beigetragen haben, dass die
Forschungsfahrt eine reiche Ausbeute an Proben und Erkenntnissen mit nach Hause
brachte, für deren Erläuterung hier leider der Platz fehlt.
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»Man born of desire
Cometh out of the night,
A wand´ring spark of fire,
A lonely word of eternal thought
Echoing in chance and forgot«
ROBERT SEYMOUR BRIDGES,
»Invocation to music«
Brief Nr. 10
Eine Depesche an den Zaren: Feiern im Jahre 1917
(Sgn.-Nr. 361)
Hundert Jahre nach der Gründung der Senckenbergischen Naturforschenden
Gesellschaft stand die Welt im Krieg, und die Senckenberger feierten ihr Jubiläum. Die
präzise Choreographie lässt sich anhand der Findmittel aus dem SGN Archiv mit teils
bewegenden Dokumenten recht
genau rekonstruieren.
Unter
den
schirftlichen
Zeugnissen sticht ein Telegramm
der
königlich
bulgarischen
Gesandtschaft hervor, datiert
vom 22.November 1917, dem
Tag der Feier: Der König von
Bulgarien
habe
auf
ein
(Einladungs-)Schreiben
nicht
antworten könne, weil er sich im
Ausland befände. Tatsächlich
hatten die Senckenberger den
Zaren der Bulgaren eingeladen,
an der Feier als Ehrengast Nr. 1
teilzunehmen, denn man hatte
den Beschluß gefasst, ihm im
Sinne einer patriotischen Geste
die
korrespondierende
Mitgliedschaft anzutragen.
Hinter den dürren Worten der
bulgarischen Antwort verbergen
sich Weltgeschichte und eine
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kaum zu überbietende Dramatik. Am 11.November überquerte eine überwiegend aus
Bulgaren bestehende Armee unter dem Kommando AUGUST VON MACKENSENS die
Donau in Höhe der alten römischen Limes-Festung Swischtow. Zuvor waren
rumänische Truppen mit 600.000 Mann in die ungarische Tiefebene eingedrungen. Ihr
strategisches Ziel war es, die nach der russischen »BRUSSILOW-Offensive« und
horrenden Verlusten torkelnde K.u. K Monarchie endgültig zu Fall zu bringen.
General MACKENSEN wählte einen alten Kunstgriff, der als »Überflügelung« bekannt ist.
Statt dem Feind direkt in Ungarn entgegenzutreten, dort, wo er stark war, durchbrach er
die überdehnte Flanke. Sowjetische Truppen leisteten nicht ganz drei Jahrzehnte an
einem weiter östlich gelegenen Ort namens Stalingrad ähnliches. Der Erfolg
MACKENSENS auf dem Felde war zwar kaum minder glänzend, aber nicht entscheidend.
Vorübergehend gab er aber zur Hoffnung Anlass. Am 6.Dezember, dem Geburtstag
MACKENSENS, fiel Bukarest und damit Rumänien. Es folgte das Jahr 1918.
Zurück zur Situation, wie
sie
sich
den
Senckenbergern
dargeboten haben mag. In den
Wochen
vor
der
Jahrhundertfeier stand die
militärische Situation ganz
auf der Kippe, und hätten
die rumänische Führung
mit etwas mehr Umsicht
disponiert, dann wäre der
Krieg mit dem Kollaps
Österreich-Ungarns bereits
Ende
1917
zuende
gegangen.
Wie
angespannt die sich bis in das
Frankfurter Museum durchpausende Lage gewesen sein muss, erschließt sich indirekt
aus unseren Archivalien. Hier findet sich beispielsweise ein Bescheid der
Presseabteilung des 18. Armeekorps über die Freigabe des späteren Senckenberg
Direktors und damaligen Hauptmanns OTTO ZUR STRASSENS - mit der Auflage, bei
einem Vortrag im Museum nicht über den »Mangel an Rohstoffen« an der Front zu
referieren. Im Museum selbst gab es lediglich belegte Brote und auch die nur gegen
den Eintausch von Lebensmittelmarken. Wie sehr hoffte man da, der tristen Feier etwas
Glanz zu verleihen über die Gegenwart des Zaren von Bulgarien.
Ein langer Weg lag hinter den Senckenbergern; ein längerer vor ihnen.
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Quellen (Auswahl)
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MERTENS, R. (1949): EDUARD RÜPPELL. - Frankfurt am Main (Waldemar Kramer). 388 Seiten.
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Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 1817-1966. Senckenberg-Buch 46, Frankfurt am
Main (Waldemar Kramer). 571 Seiten
SCHWARZMÜLLER, T. (1995): Zwischen Kaiser und „Führer“: Generalfeldmarschall AUGUST VON
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