Der neue Pfarrbrief ist erschienen

Q
Pfarrverband
M
St. Quirin
Pfarrbrief
St. Michael
2. Jahrgang
Seht, da ist der Mensch!
Oktober 2016
Lutherjahr
Jubiläum
Terminkalender
Umfrage
Gemeindeleben
Kinderseite
Ausgabe 3/2016
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Inhalt
Editorial03
Gelassenheit04
Seht, da ist der Mensch!06
Umfrage – Welches Zeichen der Zeit beschäftigt Sie?
08
Zum Beispiel XY – Marija Forster und Günter Rademacher
11
Der Mitgeh-Gott13
Christliche Zeichen in Aubing und Lochhausen
16
Pfarrheimsanierung St. Quirin17
Kirchenmusik in jungen Händen19
Jenen, die Leid zufügen, verzeihen
21
50 Jahre Pfarrkindergarten St. Quirin
23
Selige – Pater Rupert Mayer
25
Der Kleine Quirin – Gregorianischer Gesang
27
500 Jahre Reformation29
Heilig Kreuz im Moos31
Vermischtes34
Termine und Veranstaltungen37
Bilder aus dem Gemeindeleben41
Kinderseite44
2
Impressum
Redaktion: Dr. Klaus Bichlmayer (kb), Max Geierhos (mg), Klaus Götz (kg), Regina
Jooß (rj), Beate Kleiner (bk), Edith Matyschik (em), P. Abraham Nedumthakidy (an),
Dr. Heidemarie Seitz (hs), Dr. Josef Weiß-Cemus (jw)
Herausgeber: Pfarrverbandsrat St. Quirin-St. Michael, Ubostraße 5,
81245 München
V. i. S. d. P.: Dr. Klaus Bichlmayer, Walter-Schnackenberg-Weg 11,
81245 München, Tel. 863 47 47
Druck: Geiselberger Altötting; Auflage: 5600
Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe: 28. November 2016
Der Pfarrbrief erscheint auch im Internet:
www.quirin-aubing.de | www.michael-lochhausen.de
Seelsorgeteam für St. Quirin und St. Michael
P. Abraham Nedumthakidy, Pfarradministrator
P. Bright Jacob, Kaplan
Gerhard Liebl, Gemeindereferent
Pfarrbüro St. Quirin
Pfarrbüro St. Michael Tel. 89 13 66 910
Tel. 89 13 66 940
Tel. 89 13 66 950
Tel. 89 13 66 910
Tel. 89 13 63 0
Editorial
S
chon des Öfteren hat sich die Redaktion mit
dem Gedanken befasst, im Pfarrbrief eine
spezielle Seite für Kinder anzubieten. In dieser
Herbstausgabe ist es nun soweit: Drittklässler
der Grundschule am Lochhauser Schubinweg
haben Dankgebete verfasst, die zu einem Gebetswürfel zusammengesetzt werden können.
Sehen Sie, lesen Sie nun selbst. Die Redaktion ist für jede Rückmeldung dankbar, was Sie
von diesem Angebot halten, wie Sie es nutzen
können, alleine oder vielleicht gemeinsam mit
ihren Kindern oder Enkelkindern.
Passend zum Schulbeginn stellen wir zwei
Schulweghelfer vor, die ehrenamtlich für die
Sicherheit besonders der Erstklässler auf ihrem (noch) ungewohnten Weg zur Schule sorgen.
„Seht, da ist der Mensch!“, so lautete das
Motto zum diesjährigen Katholikentag in
Leipzig; Peter Jaumann zieht in der Rückschau
nochmals Bilanz und frägt: ‚Was bleibt von den
Leitimpulsen?‘
In unserer Reihe biblischer Geschichten
stellen wir dieses Mal Jakob vor, seine Familiengeschichte und seine Erfahrungen mit dem
„Mitgeh“-Gott und die Impulsseite rät zu
mehr Gelassenheit.
Papst Franziskus reist zum Beginn des
Luther-Jubiläums zu einer ökumenischen
Gedenkfeier am 31. Oktober nach Lund in
Schweden. Sind wir Christen auf dem Weg der
Versöhnung oder ist die Kirchenspaltung doch
unüberwindbar geworden? Letzteren Begriff
möchte übrigens Kardinal Marx im Hinblick
auf eine gemeinsame 1500-jährige Geschichte der Konfessionen als zu hart nicht gelten
lassen. Gedanken zu ‚500 Jahre Reformation‘
auch in diesem Heft.
Am 1. November jährt sich zum 71. Mal der
Todestag von Pater Rupert Mayer, Jesuit und
Präses der Marianischen Männerkongregation,
der schon früh die Zeichen der Zeit erkannte und in den Jahren des Nationalsozialismus
zum katholischen Widerstand gehörte. Wir
stellen den 1987 Seliggesprochenen in unserer
Seligen-Rubrik vor.
Mit den „Zeichen der Zeit“ in der Gegenwart befasst sich auch unsere Umfrage. „Welches Zeichen beschäftigt Sie heute in der Gegenwart?“, so lautet unsere Frage. Gibt es
überhaupt welche und nur negative, oder lassen sich in der heutigen Zeit doch positive,
weiterführende Zeichen der Hoffnung finden?
Lesen Sie, was unsere Befragten dazu meinen.
Informieren Sie sich aber auch konkret über
die neuesten Entwicklungen in unseren beiden Pfarrgemeinden. Für St. Quirin etwa steht
nach der baurechtlichen Genehmigung durch
das Ordinariat der Sanierung des Pfarrheims
nichts mehr grundsätzlich im Wege, und in einem Interview sprechen wir über die Neuordnung der Kirchenmusik in St. Quirin.
Eine anregende Lektüre und eine gute entscheidungsfreudige Zeit zum Erntedankfest
und in den Wochen auf dem Weg zum Advent
wünscht Ihre Pfarrbriefredaktion
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Liebe Leserinnen und Leser!
3
Impulsseite
Gelassenheit
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L
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iebe Gemeinde, wer von uns kennt nicht
das leichte, beschwingte Gefühl, wenn
man nach einem schönen Urlaub erholt nach
Hause kommt und davon träumt, dieses Gefühl auch in den Alltag hinüberzuretten? Doch
ehrlich gesagt, geht das leider oft schief.
Ganz schnell sind wir wieder im gewohnten Trott. Dabei sahen die Vorsätze im Urlaub
doch ganz anders aus! Während man die frische Luft am Meer oder in den Bergen einatmete, sich entspannte, das Leben unbeschwert
genoss, kam einem immer mal wieder der eine oder andere Gedanke an
den ständigen Stress zuhause in den
Sinn. Dann aber auch die feste Entschlossenheit, nach den Ferien einfach alles einmal leichter zu sehen,
und der Vorsatz, nicht mehr in das
gewohnte Hamsterrad einzusteigen.
Im Urlaub war endlich wieder einmal genügend Zeit, ein gutes Buch
zu lesen, und da war anschließend
der Vorsatz, es auch daheim wieder
häufiger zu tun. Es gab die Erkenntnis, wie viele schöne Orte es doch auf unserer Erde gibt,
und dann den Wunsch, sie hin und wieder an
ein paar freien Tagen auch zu entdecken. Es
wuchs die Sehnsucht, der strengen Herrschaft
unseres völlig durchgeplanten Alltags wenigstens ab und zu ein wenig entfliehen zu können,
kurz gesagt, den Alltag entspannter zu gestalten.
Allerdings sieht es in der Praxis dann meistens eher so aus: Das herrlich leichte „NachUrlaubs“-Gefühl hält noch kurze Zeit an, verabschiedet sich aber bei vielen Menschen nach
der ersten Arbeitswoche leider auch schon wieder. Nicht selten sorgen Ereignisse von außen
dafür, dass der Erholungseffekt schnell wieder
verschwunden ist: der Schulbeginn der Kinder
nach den großen Ferien, die unerledigte Arbeit am Arbeitsplatz, der Ausfall von Kollegen,
schlechte Nachrichten aus dem Freundeskreis.
Das Gefühl, der letzte Urlaub sei Monate her,
stellt sich nach kurzer Zeit wieder ein, der allgemeine Leistungsdruck des Alltags hat zum wiederholten Male die Oberhand gewonnen. Der
tägliche Job und die sonstigen Anforderungen
haben mich ins Hamsterrad zurückgeholt. Was
ist dagegen zu tun? Nur auf den nächsten Urlaub zu warten, ist auf Dauer zu wenig.
Um dem Leistungsdruck um mich herum
dauerhaft etwas entgegensetzen zu können,
muss ich mich an die Wurzeln des Übels herantrauen. Diese Wurzeln sind oft tiefer und weiter verzweigt, als wir es uns vorstellen können.
Ebenso werde ich mich vermutlich von dem
Gedanken trennen müssen, es gäbe ein Leben
ohne Leistungsdruck. Ein gewisser positiver
Leistungsdruck, eine gewisse Anspannung im
Leben ist sicher auch gesund und vermutlich
von Gott gewollt.
In der Bibel finden sich dazu durchaus Andeutungen: Schon am Anfang bei der Erschaf-
tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von
mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
Denn mein Joch drückt nicht und meine Last
ist leicht.“
Aus diesen Worten lässt sich für mich eine
große Gelassenheit heraushören, die vielen
Menschen heutzutage durch die Vielzahl ihrer Alltagsbelastungen verloren gegangen ist.
Die innere Ruhe, die den Urlaub so entspannt
gemacht hat, wird nach der Rückkehr fast so
schnell wie der leere Koffer nach dem Auspacken in der hintersten Ecke verstaut. Und
dabei bräuchten wir sie eigentlich so dringend
als Urlaubsmitbringsel, um die Anforderungen
des Alltags in den kommenden Monaten mit
Schwung und Freude bewältigen zu können.
Als ich nach mehr als 15 Stunden Heimreise
aus meinem Urlaub in Indien vor dem Pfarrhaus meine Koffer abstellte, kam ein Mann im
Rollstuhl vor meine Garage gefahren. Er wollte
eigentlich ins Pfarrbüro, das wegen der Ferienzeit aber nicht besetzt war, und dort um Hilfe bitten. Im ersten Moment dachte ich: Jetzt
habe ich noch nicht einmal Zeit gehabt, meine
Haustüre aufzusperren, und schon holt mich
die „Arbeit“ wieder ein.
Eigentlich wollte ich ihn auf die Öffnungszeiten des Pfarrbüros verweisen. Gleichzeitig
spürte ich aber in mir eine große Zufriedenheit und innere Ruhe und begann mit dem
Mann ein Gespräch, an dessen Ende er die gewünschte Unterstützung von mir bekam.
Ich wünsche uns allen, dass uns die Erinnerung an erholsame Urlaubstage die nötige
Gelassenheit schenkt, damit die täglichen Anforderungen nicht zum Leistungsstress für uns
werden und wir auch in anstrengenden Zeiten
wirklich menschlich bleiben können.
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
fung der Erde war Gottes Leistung erforderlich. Auch der Schöpfungsauftrag der Bibel
„Macht euch die Erde untertan“, beinhaltet
den Auftrag, etwas zu tun. Die Kunst dabei ist,
den notwendigen Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung zu schaffen in einer
immer komplizierter gewordenen Welt.
Wie kann es gelingen, dass Herausforderung nicht zur Überforderung wird und ich irgendwann daran zugrunde gehe? Dazu müsste
man die Ursachen des Leistungsdrucks genau
anschauen. Welcher Druck kommt von außen
und welcher Druck kommt von innen, von mir
selber? Mancher Leistungsdruck wird auch von
beiden Seiten genährt. Egal welche Blickrichtung ich einnehme, entscheidend ist, ob ich dabei ehrlich zu mir selbst bin, das heißt, ob ich
es schaffe, meine Veranlagung, meine Prägung
und meine Motivation genauer anzuschauen.
Beim Blick nach innen könnte ich fragen:
Was sind meine Werte, was macht mein Leben
für mich sinnvoll, wofür lohnt es sich, dass ich
mich einsetze?
Beim Blick nach außen stellt sich die Frage:
Wie möchte ich von anderen wahrgenommen
werden? Welches Image möchte ich zeigen
nach der Devise „mein Haus, mein Auto, mein
Aussehen, jung, dynamisch und erfolgreich“?
Beständig hohen Anforderungen gerecht werden zu müssen, die kaum zu schaffen sind, erzeugt einen immensen Druck, der auf Dauer
zu Lasten der eigenen Lebensqualität geht und
nicht nur mich, sondern auch mein Umfeld belastet.
Auch die Menschen zur Zeit Jesu kannten
einen Leistungsdruck, allerdings religiöser Art.
In mehr als 600 Vorschriften war festgelegt,
wie man zu leben hatte, um von Gott und den
Menschen anerkannt zu werden. Dazu kam
eine unerbittliche Kontrolle des Einzelnen.
Diesem religiösen Stress setzte Jesus seine befreiende Botschaft entgegen: „Kommt alle zu
mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu
P. Abraham Nedumthakidy, Pfarrer
5
Thema
Seht, da ist der Mensch
Gedanken vom Katholikentag in Leipzig
Das war ein starkes Leitwort, das schon
während des Katholikentags den vielen Menschen und Themen Zusammenhang und Ziel
gab. Der Katholikentag war auch ein großartiges Erlebnis mit vielen Eindrücken, angefangen von interessanten Gesprächen über die
DDR-Zeit bei meiner Gastfamilie über das
Feeling der großen Gottesdienste bis hin zu
den Impulsen der Vorträge und Podien. Niemand kann den Katholikentag zusammenfassen. Man hat immer nur einen Ausschnitt aus
dem Riesenangebot erlebt. Ich will hier einige
Einsichten dieser Tage in Leipzig ausführen,
die mir wichtig sind.
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Seht doch hin!
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Wouter van Dieren, ein niederländischer
Sozialpsychologe und Mitglied des „Club of
Rome“, verglich unsere Zivilisation mit dem
Turmbau von Babel – und zwar im Spätstadium der Verwirrung: Statistisch findet immer
noch Wachstum statt. Aber in Wirklichkeit
kämpft das gigantische Projekt mit zunehmenden internen Problemen. Die Versorgungs-,
Entsorgungs- und Organisationsprobleme
wachsen schneller als der Turm. Die Verantwortlichen sind in der Deutung der Situation
uneins. Manche glauben, es gehe mit entsprechender Anstrengung weiter nach oben. Andere suchen nach einer grundsätzlichen Änderung des Konzepts.
Wie soll man all die Nebenfolgen bewerten?
Zum Beispiel 140 Millionen Tonnen schwer
abbaubaren Plastiks in den Ozeanen oder 1,3
Milliarden Tonnen weggeworfene Lebensmittel, ein Drittel der Jahresproduktion, oder ein
um den Faktor 1000 beschleunigtes Artenster-
ben, oder dass 20% der Weltbevölkerung mehr
als 80% der Energie und Ressourcen verbrauchen. Und muss man nicht hinter den schönen Produkten ihren ganzen ökologischen und
sozialen „Rucksack“ mitbetrachten, den trotz
Effektivitätssteigerungen wachsenden Rohstoffbedarf, Abraumhalden, Monokulturen,
Massentierhaltung, klimaschädliche Emissionen, die oft elenden Produktionsbedingungen,
Abwässer und Müll?
Voilá, der moderne Mensch! Das Anthropozän ist ausgerufen. Erdgeschichtlich gerechnet dauert das Industriezeitalter kaum einen
Wimpernschlag. Ein paar Jahrhunderte der
Nutzung fossiler Energieträger genügten, auch
den letzten Winkel des Planeten zu verschmutzen und tragende Pfeiler des Lebenssystems
der Erde zu beschädigen. Man könnte auch sagen: Der Mensch randaliert. Oder er braucht
dringend einen Integrationskurs in die Rahmenbedingungen der Natur und in Sachen soziale Gerechtigkeit.
Was hat der Turmbau für eine Zukunft?
Niemand weiß die Lösung. Jedes neue Podium
zum Themenbereich „globale Verantwortung“
warf neue Fragen auf. Aber es gibt auch Hinweise auf gute Wege in die Zukunft.
Den anderen sehen –
Mit-Menschen werden
Wir sitzen in einem Boot. Wir müssen die
Erde miteinander teilen und eine gerechte
Hausordnung entwickeln. Das kann nur gemeinsam geschehen. Gegen die Folgen der
Klimaerwärmung kann man nationale Gren-
Gott schaut mit
Ob ein Kampf um begrenzte Ressourcen
die Zukunft verdüstert oder doch die gemeinsame Suche nach einer menschen- und naturgerechten Zivilisation gelingt, dies wird auch
Gott berühren. Denn nicht der Turmbau,
wohl aber das Lebenshaus Erde ist seine Verheißung. Seine Schöpfung steht hier in Frage.
„Kehrt um und glaubt dem Evangelium!“
So hat Jesus einst sein Wirken begonnen. (Mk
1,15) Heute ist von der „Großen Transformation“ die Rede und im Einzelnen von vielen
„Wenden“: Energiewende, Verkehrswende,
Wärmewende, Ernährungswende, Agrarwende, ... Die Liste des notwendigen Umdenkens
kann man probeweise jederzeit fortsetzen, um
sich die vielen Felder der Umkehr vor Augen
zu führen: Recyclingwende, Plastikwende, Lebensstilwende, ...
Jeder trägt zur Zukunft bei
Wie gelingt die große Wende? Kardinal Vlk
aus Prag und Bischof Wanke aus Erfurt machten im Gespräch über politische Aufbrüche in
Osteuropa klar, dass die Transformation der
Wirtschaft und Gesellschaft unbedingt auch
die Transformation der Herzen, die spirituelle
Verwandlung des Einzelnen braucht. Wenn die
Achtsamkeit für das Leben – für das eigene,
das der anderen und den Zusammenhang der
Natur – in uns als Wert und Praxis verwurzelt
ist, hat die Transformation eine tragende Basis.
Dann muss es aber auch in die Gesetze Eingang finden. Immer wieder kommt man zu der
Frage zurück, ob vom Einzelnen, den Bürgern,
den Konsumenten oder von der Politik, den
großen Institutionen, den Entscheidungsträgern die notwendigen Impulse ausgehen müssen. Wer ist zuerst verantwortlich?
Die Antwort liegt nicht im Entweder-oder,
sondern im Miteinander beider Ebenen. Auf
die Frage, wie man denn die ökologischen
Kosten in die Marktpreise einbringen könnte, antwortete der Vertreter aus dem Bundesumweltministerium: Das sei technisch einfach
zu lösen. Entscheidend sei: „Sorgen Sie dafür,
dass es im Koalitionsvertrag steht. Dann wird’s
gemacht!“ Also gilt es, den langen Weg der
Überzeugungsarbeit, des Werbens bis hinein in
Parteiprogramme zu gehen.
Aufeinander schauen
und miteinander lernen
Eine junge Abgeordnete aus Graz war aufgrund ihres Projekts, plastikfrei zu leben, in
die Politik gekommen. Sie konnte, da sie so
gar nicht etabliert wirkte, glaubwürdig erklären: „Es gibt nicht die Politik, sondern immer
bestimmte Politiker mit ihrer Motivation und
ihrem Unterstützerhintergrund.“
Jedes kleine Projekt zählt. Weniger Fleisch
essen. Das hätte übrigens sofort positive Auswirkungen auf die Welternährungslage. Nutzen statt besitzen, reparieren statt neu kaufen,
auf überflüssigen Schnickschnack verzichten.
„Aber beginnen Sie mit dem, was Ihnen leicht
fällt.“
Wirksam ist das einzelne Handeln nicht nur
durch seine einzelne Ressourcen-Einsparung.
Es wirkt, wenn es Aufmerksamkeit erweckt. Es
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
zen nicht schützen. Auch die Anreize des verschwenderischen Lebensstils kann man nicht
geheimhalten. Mit den vielen Flüchtlingen
kommen die exportierten Probleme zu uns
zurück. Kardinal Turkson vom Päpstlichen
Rat für Gerechtigkeit und Frieden sagte: „Nur
mit den Armen ist eine Lösung der weltweiten Probleme zu finden, nicht ohne oder gar
gegen sie.“
7
Umfrage
wirkt als Vorbild. Es wirkt, wenn es den Geist
verändert. Das Verhalten in der Gesellschaft
wird von prägenden Deutungsmustern gesteuert, die uns einsagen, was Ansehen gibt und im
Leben zählt.
Die Umsteuerung vom Turmbau zum Lebenshaus ist also eine große Bildungsaufgabe. Dazu gehört nicht nur wissenschaftliche
Erkenntnis, sondern Motivation, Einfühlung,
Freude, Hoffnung, eine Vision. Pirmin Spiegel,
Geschäftsführer von Misereor, der mich beeindruckt hat, sagte auch: „Gehen wir singend
voran!“
Hilfreich finde ich Leitimpulse, die in der
Vielzahl der Aspekte die Richtung weisen:
- Statt des Turmbaus ein Lebenshaus Erde für
alle mit einer fairen Hausordnung entwickeln,
die auch späteren Generationen noch Wohnqualität lässt.
- Als Weltchristenheit (vielleicht sogar interreligiös) einen Synodalen Prozess starten, um
sich als globale Wertegemeinschaft für die Anliegen der Enzyklika „Laudato si“, die Vereinbarungen des Pariser Klimaschutzabkommens
und die Ziele nachhaltiger Entwicklung (Agenda 2030) der UN-Generalversammlung vom
September 2015 einzusetzen.
Peter Jaumann
Welches Zeichen der Zeit beschäftigt Sie?
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A
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mazon Prime Now – Innerhalb von drei
Stunden ist die bestellte Ware beim Kunden. Ohne Wartezeit. Ich will etwas jetzt haben
und bekomme es auch sofort. Dazu ist nur ein
minimales Fingerkrümmen zum Klicken mit
der Maus notwendig. Ich-Alles-Sofort – diese
drei Worte beschreiben Hedonismus genauso gut, wie der Amazon-Prime-Now-Lieferservice. In unserer Zeit wird es anscheinend
immer wichtiger, materielle Wünsche sofort
befriedigen zu können. Ist das dann guter Service? Eine kundenorientierte Dienstleistung?
Oder entwickeln wir uns zu einer Gesellschaft,
in der man geduldiges Warten nicht mehr können muss? Klingt doch gut? Eine sehr kurze
Wartezeit reduziert aber auch die Zeit der Vorfreude. Und erinnern wir uns nicht alle gern
an Zeiten, in denen wir uns schon sehr auf
etwas gefreut haben, uns aber noch gedulden
mussten? Da blitzen vor allem Kindheitserinnerungen auf. Und da stellt sich mir dann die
Frage: Wie soll ich, in einer so hedonistischen
Gesellschaft, einem Kind beibringen, geduldig
zu sein und Vorfreude zu genießen, wenn rund
um uns herum jeder alles sofort bekommen
kann?
(Geografin, 31)
E
hrlich gesagt, es fällt mir schwer, aus den
vielen Zeichen der Zeit, die mich beschäftigen, ja bedrücken, ein einzelnes auszuwählen.
Natürlich könnte man hier die großen Probleme erwähnen, die wir, eingezwängt zwischen
Willkommenskultur und Angst vor Terroristen, mit den Menschen haben, die in Europa,
in Deutschland eine bessere Zukunft suchen.
Oder man könnte dazu auch den Wettbewerb
aller gegen alle rechnen, der zu einer enormen
M
ir fällt auf, wie abhängig wir Menschen
von den modernen Kommunikationsmitteln wie Handy, PC, Tablet etc. sind. Mittlerweile können Zweijährige diese Medien bedienen und die Jugendlichen kennen sich besser
aus als ihre Eltern. Die meiste Kommunikation läuft über kurze WhatsApp-Nachrichten,
die an einen ganzen Personenkreis verschickt
werden. Jede freie Minute wird genutzt, um
Nachrichten zu versenden. Doch hat man diese Möglichkeiten der Kommunikation nicht,
besonders als Jugendlicher, ist man „out“, wird
ausgeschlossen oder sogar gemobbt. Was die
Technik alles möglich macht, ist sicher hilfreich
und kann unseren Alltag erleichtern. Aber habe
ich dadurch wirklich mehr Zeit, mehr Freunde,
mehr ... ??? Und geht dabei nicht etwas Wichtiges, das Miteinander und die Zeit füreinander
verloren?
(Erzieherin, 33)
M
ich beschäftigt insbesondere der Zerfall
der Familien in unserer Gesellschaft. Es
gibt immer weniger Großfamilien, dafür im-
mer mehr Familien mit nur einem Elternteil
bzw. zwei Vollzeit arbeitenden Eltern. Bedingt
durch größere Mobilität und auf dem Arbeitsmarkt geforderte Flexibilität müssen immer
mehr Menschen ihre Heimat verlassen und
sich in einer neuen Umgebung niederlassen.
Das führt dazu, dass innerhalb der Familien
allein schon distanzbedingt weniger Zusammenhalt, füreinander einstehen und sich unterstützen möglich ist. Omas und Opas können
nicht mehr daheim betreut werden, sondern
müssen ins Pflegeheim. Kinder werden schon
im Kleinkindalter in Ganztagsbetreuungen untergebracht. Viele Kinder kennen auch keine
großen Familienfeste mehr mit Onkeln, Tanten, Neffen, Nichten, Cousinen und Cousins,
da die Familien verstreut leben. Für das Generationen übergreifende Zusammenleben ist
in unserer Gesellschaft häufig keine Zeit und
kein Platz mehr, obwohl alle davon profitieren
könnten.
(Angestellte, 56)
E
ines, was mir immer häufiger auffällt, ist,
dass viele Menschen kaum mehr Zeit zu
haben scheinen: Zeit für die Familie, Zeit für
Freunde oder auch einfach nur Zeit zum Entspannen. Viele Leute nehmen sich noch nicht
einmal die Zeit, um in Ruhe zu essen. Die Menschen sind zeitlich so eng getaktet, dass meiner
Meinung nach auch spontane Entscheidungen
oder Handlungen kaum mehr Raum finden.
Und dies ist ja manchmal auch nötig, um flexibel auf Alltagsgeschehnisse reagieren zu können. Man funktioniert eben! Ich habe den Eindruck, dass diese Lebensweise eine regelrechte
Hektik bzw. Unruhe verbreitet – trotz oder gerade wegen des perfekt geplanten Tages. Nun,
was bedeutet dies eigentlich für unsere sozialen Kontakte? Ich sehe bei dieser gesellschaftlichen Entwicklung die Gefahr, dass mehr und
mehr oberflächliche Beziehungen zwischen
den Menschen entstehen und dass die Ent-
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Leistungsorientierung und einer Beschleunigung des gesamten Lebens geführt hat. Für
mich aber steht zur Zeit die Beobachtung im
Mittelpunkt, dass ein lebensnotwendiges Tabu,
nämlich dem anderen nicht zu nahe zu treten, zusammengebrochen ist. So fällt mir auf,
dass sich schon Kinder gegenüber Erwachsenen einer respektlosen Sprache bedienen.
Die politische Debatte, und das nicht nur am
Stammtisch, ist mehr und mehr von einem
Halbstarken-Ton geprägt. Der Wutbürger, der
verbal nicht davor zurückschreckt, seinen Gegner zu ermorden, macht mir Angst. Nur gut,
dass es auch Gegenbilder wie Papst Franziskus
gibt, der unermüdlich und hoffentlich noch
lange unsere Menschlichkeit, unser Mitleid mit
denen am Rande einfordert.
(Rentner, 63)
9
wicklung echter Freundschaften aufgrund dieser Oberflächlichkeit eher in den Hintergrund
rückt. Und dies ist sicherlich hinderlich für ein
wirklich gutes Miteinander – und für den einzelnen Menschen selbst!
(Sozialpädagogin, 48)
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I
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n den vergangenen Monaten gab es so viele
Zeichen unserer Zeit, die einen beschäftigen
und von denen ich vielleicht drei hervorheben
möchte. Beklagenswert ist zum einen die Zunahme der Gewalt. Diese erstreckt sich von
herzlosen, verletzenden Anwürfen verbaler
Art über brutale Übergriffe auf Mitmenschen
bis zu den schrecklichen Bombenattentaten
und der damit verbundenen Bedrohung direkt
vor unserer „Haustür“. Zum anderen wird uns
das zunehmende Problem der Flüchtlinge, die
Zuflucht und Sicherheit in unserem Land bzw.
in Europa suchen, noch über einen langen
Zeitraum hinweg politisch und gesellschaftlich
stark beanspruchen. Was mich zudem persönlich sehr beschäftigt, ist die wachsende Gefahr
des Auseinanderdriftens der EU. Dieser Staatenverbund war die letzten Jahrzehnte ein sicherer Garant des Friedens innerhalb Europas.
Man kann nur hoffen, dass die liberalen und
demokratischen Kräfte in diesem Europa über
das erstarkende nationalistische Denken in den
einzelnen Staaten die Oberhand behalten, damit wir weiter in einem friedlichen, aber auch
von christlichen Werten getragenen, demokratischen Europa leben können.
(Hausfrau, 58)
E
twas, das mich schon länger beschäftigt,
ist die Tatsache, dass meine Generation
zwar Kritik an unserer heutigen Gesellschaft
übt, aber kaum Willen vorhanden zu sein
scheint, an diesem Zustand etwas zu ändern.
Es gäbe viele Dinge, gegen die man aufbegehren könnte: die systematische Zerstörung
der staatlichen Rentenversorgung, der Mangel
an effektiven Maßnahmen gegen den Klimawandel oder die grausame Massentierhaltung
zur Bereitstellung von billigem Fleisch im Supermarkt, um nur ein paar zu nennen. All dies
sind Dinge, gegen die man durch politisches
Engagement vorgehen könnte. Es gibt viele Formen gesellschaftlichen Engagements:
Proteste, Vereine, Parteien etc. Doch auch
hier nimmt die Beteiligung meiner Generation eher ab als zu. Denn viele meiner Altersgenossen haben andere Ziele: Studiert wird
hauptsächlich BWL, das heutzutage eher einer
Berufsausbildung gleicht. Das Studium wird
selbstverständlich in der Regelstudienzeit abgeschlossen (nach der Bologna-Reform sechs
Semester) und ein Master kam eigentlich kaum
in Frage. Kaum jemand kann oder will zwei
zusätzliche Jahre für sein Studium aufbringen.
Viele arbeiten heute nur ehrenamtlich, um den
Lebenslauf aufzubessern. Denn: „Darauf legen Personaler sehr großen Wert!“
(männlich, 25 Jahre)
W
as ist für mich heute ein Zeichen (Gottes?). Wo kann ich eines finden? In der
gesellschaftlichen Entwicklung mit der Frage
nach der Rolle der Familie, in der Technik mit
der umstürzenden digitalen Revolution, in der
Politik mit den Spannungen der Globalisierung und einem möglichen Scheitern Europas,
oder doch eher im privaten Bereich mit dem
Tod eines guten Freundes und beruflichen
Wendemarken? Ich bemerke ein vorschnelles
Abrutschen ins apokalyptisch Negative. Warum eigentlich? Die Kirche hat im Vatikanum
II ihr großes Dokument, mit dem sie auf die
Zeichen der neuen Zeit reagieren wollte, mit
„Gaudium et Spes“ (Freude und Hoffnung)
überschrieben. Und wenn unser Glaube an einen allmächtigen Gott stimmig ist, dann ist er
in allem zu finden – zumindest als Zeichen der
Hoffnung – und wenn es „nur“ nach dreistündigem schwerem Aufstieg in einem schönen
Zum Beispiel XY
Bergpanorama ist. Die Zukunft ist offen, der
Glaube hilft uns, ihr einen Sinn zu geben.
(Angestellter, 57)
M
ich beschäftigt, was ich dem allgegenwärtigen Optimierungswahn entgegensetzen kann, der mir weismachen will, dass ich
mich nie zufrieden zurücklehnen darf. Es geht
ja immer noch ein bisschen besser, man muss
sich nur anstrengen! Diesem Druck möchte
ich mich entziehen, stattdessen öfter mal fünf
grade sein lassen und vor allem zu mehr Innerlichkeit finden – ganz schön schwer, wenn die
Zeichen der Zeit auf Perfektionismus ausgerichtet sind …
(Lehrerin, 43)
Bei Wind und Wetter: Marija Forster
arija Forster öffnet mir ihre Haustür, begrüßt mich und bittet mich in die helle
Wohnküche. Es sind Sommerferien und der
jüngere Sohn von Frau Forster ist ebenfalls
anwesend. Ich sehe ihn nur ganz kurz, doch
mir fällt sofort auf, dass er mich mindestens
um einen Kopf überragt. Das erstaunt mich,
denn ich bin hergekommen, um mit Frau Forster über ihre Tätigkeit als Schülerlotsin zu sprechen. Da hatte ich irgendwie angenommen,
Frau Forster hätte selbst Kinder im Grundschulalter.
Schnell werde ich eines Besseren belehrt.
Ja, Frau Forster hatte als Schülerlotsin angefangen, als ihre Söhne noch klein waren, damals, vor zehn Jahren. Der Größere ist zu dem
Zeitpunkt gerade in die Schule gekommen und
bei der Schuleinschreibung gab es einen Stand,
an dem Frau Forster gefragt wurde, ob sie als
Lotsin arbeiten könnte. Seitdem macht sie das.
Seit zehn Jahren. Manchmal mehrere Schichten
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M
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am Tag. Und nur gegen eine kleine Aufwandsentschädigung. Bei jedem Wetter? Klar, dafür
gibt es ja die Uniform. Marija Forster zeigt mir
ihre Ausrüstung: eine Weste, eine regendichte
Jacke und einen langen Mantel (für besonders
kalte Tage). Und selbstverständlich hat Frau
Forster auch eine Kelle. (Und sie hat damals
sogar einen Hut und einen Regenschirm bekommen, aber diese Sachen verwendet sie
fast nie.) Alles, wie könnte es anders sein, in
leuchtendem Gelb. So steht sie also Morgen
für Morgen an der Straße und wartet auf die
Kinder, die in die nahegelegene Grundschule
an der Gotzmannstraße gehen. Frau Forster
kennt „ihre Kinder“, auf einige muss sie oft
etwas länger warten, das sind immer die gleichen, die da herumtrödeln, denen sagt sie dann
auch, dass sie sich beeilen müssen. Die Schule
beginnt schließlich um Punkt acht. Wie sie so
erzählt, von den Kindern und der Tätigkeit an
der frischen Luft, da wird deutlich, dass Frau
Forster das mit Leib und Seele macht. Und sie
kann es auch nur weiterempfehlen. Das Enga-
gement wäre zwar groß in Aubing, aber es würden doch immer wieder neue Schülerlotsinnen
und (vor allem auch) Schülerlotsen gebraucht.
Männer gibt es bis jetzt nämlich nur sehr wenige, die sich bereit erklären, morgens Kindern
über die Straße zu helfen. Und das ist doch
schade. Auch ältere, rüstige Menschen gäbe es
viele, die das machen könnten. Dafür melden
kann man sich übrigens direkt beim Elternbeirat der Schule. Dann wird einem erst einmal
alles erklärt. Später wird man eingewiesen und
hat dann nette Kolleginnen und Kollegen, mit
denen man auch einmal eine Schicht tauschen
kann, erzählt Marija Forster. Und das Lotsen
der Kinder? Ja, das macht wirklich viel Spaß.
Also, wenn ich mir Frau Forster aus Aubing
so ansehe, wie sie von ihren morgendlichen
Schichten erzählt, dann müssen die wirklich
viel Freude machen.
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Günter Rademacher ist immer in Bewegung, das merke ich sofort, als ich versuche, am
ersten Schultag ein Foto von ihm zu machen.
Dass er sich so viel und so schnell bewegt, ist
auch kein Wunder, denn der ältere Herr war
früher, zu DDR-Zeiten, Leistungssportler.
Heute lebt Günter Rademacher nicht mehr in
Sachsen und er ist natürlich auch kein Profisportler mehr. Er ist „Opa“ und das quasi von
Beruf. Nach Lochhausen ist er wegen seiner
zwei Enkelsöhne gezogen, die er mehrmals die
Woche betreut. Aber auch viele andere Kinder grüßen Günter Rademacher. Das kommt
Aufnahmen: rj
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Immer im Einsatz:
Günter Rademacher
Familie
daher, dass er bis zu fünfmal die Woche am
Zebrastreifen steht und in seiner gelben Uniform Autos für die Kinder der Grundschule
am Schubinweg aufhält. Daneben übernimmt
er auch noch häufig die Mittagsbetreuung von
Ganztagesschülern. Da kommt es schon einmal vor, dass er von den Kindern gefragt wird,
ob sie ihn „Opa“ nennen dürfen. Am Anfang
ist das schon gewöhnungsbedürftig gewesen,
aber inzwischen ist es normal, erzählt er mir.
Und der Einsatz als Schülerlotse, ist der nicht
anstrengend? Nein, wenn es nach Herrn Rademacher geht, sollten sich dafür noch viel
mehr Leute bei der Schule oder dem Elternbei-
rat melden. Denn mit der Schulwegsicherheit
ist es in Lochhausen nach wie vor schwierig,
vor allem bei der Ampel an der Lochhausener
Straße. Und dass so viele Eltern direkt vor der
Schule parken, ist auch ein Problem. Insgesamt aber macht Herrn Rademacher sein Einsatz Spaß und es kommen sogar häufig Eltern
auf ihn zu und bedanken sich bei ihm. Für so
viel Engagement kann man sich auch wirklich
nur bedanken, finde ich. Und für ein Foto hält
Herr Rademacher dann auch noch kurz still,
bevor er wieder in die Straße geht – für den
nächsten Schwung Kinder.
rj
Der Mitgeh-Gott
I
m Religionsunterricht der 3. Klasse bespreche ich die Gotteserfahrung des Jakob, die
ihm in Bet-El im Traum von der Himmelsleiter geschenkt wird. „Ich bin mit dir, ich behüte
dich, wohin du auch gehst“ (Gen 28,15). Ich
nenne sie für die Schüler der Einfachheit halber den „Mitgeh-Gott“. Das ist die besondere
Gotteserfahrung des Volkes Israel. Gott geht
den Weg mit, egal in welche Not, Dunkelheit
und Gottferne er führt. Gott bleibt treu. Er ist
ein persönlicher Gott. Er hat ein persönliches
Interesse an uns. Das Gegenstück dazu nenne
ich den „Hingeh-Gott“. Auch das ist ein wertvoller Teil des religiösen Lebens. Der Mensch
stellt seinen Alltag, seinen Lebenskampf zurück, um an heiligen Orten und zu geheiligten
Zeiten Gott zu begegnen.
Schauen wir, wie der Mitgeh-Gott Jakob
durch das Auf und Ab seiner Familiengeschichte begleitet.
Ich frage meine Schüler zuerst, ob sie Geschwister haben und ob sie auch mit ihnen
streiten müssen. Da gibt es viel zu erzählen. Jakob ist der Konflikt mit seinem Zwillingsbruder Esau schon in die Gene gelegt. Esau ist der
Draufgängertyp, der wilde, rothaarige Jäger. Jakob ist der zartere, der geistige Typ, das Muttersöhnchen, der lieber bei den Zelten bleibt.
Schon im Mutterleib hatte sich Jakob an der
Ferse des anderen festgeklammert. Hätte er da
schon Esaus Erstgeborenen-Bonus verhindern
wollen? Der Konflikt zwischen den beiden ist
unvermeidlich.
Wer Kinder hat, weiß, dass jedes Kind anders ist. Es ist schwierig, jedem gleich gerecht
zu werden, ja für die Eltern fast unmöglich,
jedem Kind gleich nah zu sein. Jedes Kind
braucht die Eltern anders. Leicht kommen
Fragen auf, ob jemand bevorzugt, ob ein Kind
mehr geliebt werde als ein anderes. Die Bibel
erzählt lapidar: „Isaak hatte Esau lieber, denn
er aß gern Wildbret; Rebekka aber hatte Jakob
lieber.“ (Gen 25,28)
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Biblische Familiengeschichten – Esau und Jakob
13
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Dann erleben wir, dass der schlauere Jakob
dem seinen spontanen Gelüsten nicht abgeneigten Esau sein Erstgeburtsrecht abkauft,
für den lächerlichen Preis einer Linsensuppe.
Und wie dann die Mutter mit höchster Raffinesse einfädelt, dass der alte, blind gewordene
Isaak anstelle Esaus irrtümlich seinen Segen
Jakob erteilt. Hier geht es um das Vatererbe,
und da wird es ernst. Denn hier wird endgültig
festgelegt, wer wieviel bekommt und also den
Eltern wieviel wert ist. Am Erbe haben sich
schon viele Familien zerstritten.
So ist es auch hier: Esau tobt. Esau deutet
den Namen seines Bruders, hebräisch Ja’akob,
als „Fersenschleicher“, als „Betrüger“. Und
stimmt es nicht? „Esau war dem Jakob Feind
wegen des Segens, mit dem ihn sein Vater gesegnet hatte, und Esau sagte: Es nähern sich
die Tage der Trauer um meinen Vater; dann
werde ich meinen Bruder Jakob umbringen.“
(Gen 27,41) Der Vater stirbt bald. Die Familiengemeinschaft liegt in Scherben. Jakob wird
zum Flüchtling auf Leben und Tod.
14
Dabei hatte das Familienglück von Isaak
und Rebekka mit einer göttlich gefügten Brautwerbung und einer großen Liebe begonnen
(Gen 24). Aber die Frage der Bibel ist nicht,
womit sie das verdient haben. Sondern wie ihr
Leben mit diesen Hypotheken doch gelingen
kann, mit der Verschiedenheit der beiden Brüder, der charakterlichen Verschlagenheit, oder
nennen wir es Schläue, des Ja’akob, mit der
Rohheit Esaus, mit der Feindschaft, die zwischen beiden entstanden ist.
Rebekka arrangiert Jakobs Flucht zu ihrem
Bruder Laban, in die alte Heimat seines Großvaters Abraham. Dann aber kann sie ihm nicht
weiter helfen. Sie muss ihn loslassen. Sie muss
ihn seine eigenen Erfahrungen machen lassen.
Und Jakob kann das erschlichene Erbe nicht
mitnehmen. Vor ihm liegen viele entbehrungsreiche Jahre fern der Familie.
Unverdient werden ihm unterwegs im
Traum die Treuezusage Gottes und dann die
Liebe zu Labans schöner Tochter Rahel geschenkt. Aber Jakob, der wie gewohnt seiner
Geschäftstüchtigkeit vertraut, macht daraus
Jakob tiefenpsychologisch deuten: Mit sich allein, in der Nacht vor dem ungewissen Schritt
über den Grenzfluss, wo Esau wartet, packt
Jakob die Frage, was sein Leben nun mit seinen Erfolgen, aber auch mit all den Lügen und
Zerwürfnissen wert ist. Es greift ihn in der Tiefe an. Und er versucht in seiner Art, die Anfechtungen siegreich zu beherrschen, den „Namen“ des anderen zu fassen. Zum Morgen hin
wendet sich erst das Ringen, als Jakob nun seinen Namen bekennt: Ich bin Ja’akob! Als er so
sein Leben bejaht, so wie es geworden ist, jetzt
segnet ihn Gott. Mit keinem Geschäft und keiner List kann Jakob den Segen erkaufen. Aber
wo er sich selber erkennt, begegnet er Gott.
Da ist Segen. Jakob ist gezeichnet, verletzt von
diesem Kampf. Er ist (längst) nicht mehr der
strahlende Erfolgstyp. So kann er auch der
Stammvater des Volkes mit dem Beinamen Israel werden.
Ähnlich überraschend wie im Gleichnis
vom barmherzigen Vater begegnet ihm Esau
am nächsten Tag nicht feindselig, sondern versöhnlich. „Esau lief ihm entgegen, umarmte
ihn und fiel ihm um den Hals; er küsste ihn
und sie weinten.“ (Gen 33,4) Wieder so ein unverdientes Geschenk. Der Friede zwischen den
Brüdern ist gefunden. Dass Esau die Geschenke Jakobs ablehnt, weil er sie nicht braucht,
und Jakob den Wunsch Esaus, doch nun miteinander zu ziehen, zurückweist, möchte ich als
Ausdruck der Freiheit beider werten. Sie können auch eine gewisse Distanz wahren.
Diese glückliche Begegnung ist nicht das
Happy End. Jakobs Weg führt weiter durch
Licht und Schatten, Geschwisterneid und
Hungersnot (siehe die Josefsgeschichte, Gen
37-50). Aber Gott geht mit.
Peter Jaumann
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Verträge. Mit Gott: Wenn du deine Verheißungen erfüllst, baue ich dir hier ein Gotteshaus
und spende dir in Zukunft 10% von allem Ertrag (Gen 28,20-22). Und von seinem Onkel
Laban will er sich mit seiner Mitarbeit die geliebte Rahel verdienen. Doch da ist er an einen
gerissenen Gegenspieler geraten, der bei diesem Geschäft den eigenen Vorteil sucht. Laban trickst Jakob erst mal aus und verheiratet
ihm verschleiert zuerst die unattraktive Tochter
Lea. Jakob muss noch sieben Jahre um Rahel
arbeiten. Dafür betrügt er am Ende nach vielen
Arbeitsjahren im Dienst Labans diesen um die
besten Herden. Und Rahel stiehlt ihrem Vater
auch noch die Götterbilder. Eine schöne Verwandtschaft! Immerhin sprechen sie sich aus
und gehen friedlich auseinander, wobei Laban
nicht erfährt, wie sehr er zuletzt noch hereingelegt worden ist (Gen 29-31).
Ist Jakob jetzt reif, den alten Bruderzwist
mit Esau beizulegen? Einerseits zeigt er sich
bis zuletzt immer wieder als der vorsichtige,
seine Chancen und den bestmöglichen Vorteil
abwägende Stratege. Als er der Heimat näher
kommt, lässt er Esau ausrichten, warum er so
lange weg war und dass er auf sein Wohlwollen
hoffe. Aus Angst vor Esau teilt er Leute und
Tiere auf zwei Lager auf, damit wenigstens
ein Teil entkommen kann, wenn der andere
Esau in die Hände fällt. Er schickt Geschenke an Esau voraus, um ihn zu beschwichtigen.
Schließlich stellt er wie ein Schachspieler seine
Liebsten auf, vorne sozusagen die „Bauern“,
die Mägde, dann Lea und zuletzt Rahel jeweils
mit ihren Kindern. Unterwürfig, mit sieben
Kniefällen, kommt er dem Bruder entgegen.
Davor aber wird der denkwürdige nächtliche Kampf mit Gott erzählt (Gen 32,23-33),
der Jakob doch verändert. Alle Sachen hat er
schon über den Fluss schaffen lassen. „Als nur
noch er allein zurückgeblieben war, rang mit
ihm ein Mann, bis die Morgenröte aufstieg.“
Man kann diese Schlüsselstelle im Leben von
15
Wegzeichen
Christliche Zeichen in Aubing und Lochhausen
Das Wegkreuz in Aubing-Ost
I
m Jahr 1954 ließ die Familie Georg Strobl
(Huislerhof) an der Aubing-Ost-Straße auf
den Pfarrgründen von St. Quirin ein Feldkreuz
errichten. Der damalige Pfarrer Joseph Oswald hatte der Familie einen Künstler aus Ettal
empfohlen, der dann den Auftrag auch bekam.
Am Fuß des Kreuzes steht die Inschrift „Im
Kreuz ist Heil“ und etwas darüber liest man
den Spruch: „Herr, segne unsere Fluren“.
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
16
Das Feldkreuz der
Familie Sedlmair
„Man möge an Wegesecken, wo man sich zu
begegnen pflegt, Kreuze errichten“ soll Papst
Leo III. im Jahre 779 empfohlen haben. Die
meisten der Wegkreuze bei uns in Oberbayern
stammen aus vergangenen Jahrzehnten und
Jahrhunderten. Sie wurden von der Bevölkerung als Zeichen ihres Glaubens errichtet.
Aber auch in unserer heutigen „modernen“ Zeit gibt es noch solche Glaubenszeugnisse, wie uns das Feldkreuz der Familie Sedl-
Aufnahme: kb
Auf die Initiative der Siedlergemeinschaft
Aubing-Ost e.V. hin wurde im Oktober 1975
das Feldkreuz renoviert. Der Verein, die Pfarrei und der Huislerhof teilten sich die Kosten. Beschädigungen in jüngerer Zeit konnten
ebenfalls überwunden werden.
kb
mair in Langwied zeigt. Dieses Kreuz wurde
von Georg und Ingrid Sedlmair – aus Anlass
der Hochzeit ihres Sohnes Andreas mit Maria Göttler – im Jahre 2004 in Auftrag gegeben. Ein Freund der Familie hat es gezimmert
und den Korpus schnitzte Anton Westermeir
aus Unterweikertshofen. Im Juli 2005 wurde
es aufgestellt und von Pater Hubert aus dem
Passionisten-Orden geweiht.
2014 hat das junge Paar zum 10. Hochzeitstag – mit inzwischen drei Kindern – am Kreuz
Renovierung
zum Dank eine Tafel angebracht mit folgendem Text:
Den Fluren zum Segen.
Den Müden zur Rast.
Den Frohen zu Gast.
Die Toten im Gedächtnis.
Als ewiges Vermächtnis.
Zum Dank Familie Sedlmair
Aufnahme: kb
Dieses Kreuz ist vermutlich vielen von uns
unbekannt. Es steht mit einer Bank im Schatten von Bäumen am Ende des Feldweges Osterangerstraße, nahe der Einmündung in die
Eschenrieder Straße, kurz vor der Autobahneinfahrt am Langwieder See.
Schauen Sie doch mal für ein paar besinnliche Minuten dort vorbei.
Wilhelm Denk
A
uch wenn es bis zum ersten Spatenstich
noch etwas dauert (geplanter Baubeginn
ist das Frühjahr 2018), beginnen nach der endgültigen Zusage durch den Vergabeausschuss
des Erzbischöflichen Ordinariats München
ab sofort die konkreten Planungen. Das Architekturbüro Holzapfel wird die Pläne, die
im vergangenen Herbst anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Grundsteinlegung unseres
Pfarrheims der Gemeinde vorgestellt wurden,
mit Änderungen, die sich aus den Vorgaben
der Stadt München bzw. Wünschen aus den
Pfarreigremien ergaben, in den nächsten Wochen bei der Lokalbaukommission einreichen.
In Dillingen, auf dem diesjährigen Pfarrgemeinderats-Wochenende, werden diese Pläne
bezüglich der notwendigen Maßnahmen und
Schritte vonseiten der Pfarrei durchgesprochen. Dies betrifft Details von baulichen Aspekten, Möglichkeiten der Beschaffung von
notwendigen finanziellen Eigenmitteln, Fragen
der Zwischenlagerung von Materialien sowie
Überlegungen zu möglichen Ausweichräumen
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Die Zukunft im Pfarrheim von St. Quirin
beginnt 2018
17
sammenarbeit sowohl innerhalb der Pfarrei
als auch zwischen Pfarrei und den zuständigen Personen des Ordinariats, wie dem Baubetreuer Herrn Bogner, dessen Funktion und
Zuständigkeit aufgrund einer Umstellung im
erzbischöflichen Bauwesen nach einer sehr
engagierten Begleitung über die gesamte Planungs- und Genehmigungsphase ab sofort von
der Unternehmensberatung Ernst & Young
übernommen wird. Doch auch hier fühlt sich
die Pfarrei in guten und kompetenten Händen.
Am Sonntag, 20. November 2016, plant die
Kirchenverwaltung nochmals eine öffentliche
Präsentation von Bau- und Zeitplänen, um allen Interessierten aus der Gemeinde die Möglichkeit der Information zu bieten. Die verantwortlichen Vertreter der Pfarrei werden dabei
für Fragen zur Verfügung stehen.
So möchte ich Sie zum Abschluss ganz
eindringlich bitten, dieses dritte große Sanierungsprojekt für die Zukunft unserer Gemeinde nach Kindergarten und Kirche mit allen
Ihren Möglichkeiten zu unterstützen, mit Worten, Taten und natürlich finanziell. Zeigen Sie
durch Ihr Engagement, wozu eine engagierte
Gemeinde fähig ist. Es lohnt sich!
Wolfgang Lindner, Kirchenverwaltung
18
Aufnahme: kb
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
während der Bauzeit. Diese wird mit ca. einem
Jahr veranschlagt.
Damit beginnt auch die heiße Phase der
Spendensammlung für ein Zukunftsprojekt
mit einer Bausumme von ca. 4,5 Mio. Euro,
von denen das Erzbischöfliche Ordinariat ca.
95% übernimmt.
Es ist als ein einmaliger Glücksfall anzusehen, dass Pater Abraham, der Pfarrgemeinderat und nicht zuletzt die Kirchenverwaltung
von St. Quirin die Modernisierungsbemühungen zu einem Zeitpunkt forciert und mit großer Hartnäckigkeit verfolgt haben, zu dem das
Ordinariat nicht nur über die notwendigen Mittel verfügt, sondern auch die Bereitschaft zeigt,
diese in den Pfarreien zu investieren. Hier hatte
sich ein Zeitfenster geöffnet, das die einmalige
Möglichkeit bot, nicht nur mit Schönheitsreparaturen die nächsten 10 bis 15 Jahre zu überstehen, sondern einen Grundstock für eine lebendige Gemeinde in der Zukunft zu schaffen.
Diese Grundsanierung war auch eine der Bedingungen vonseiten des Ordinariats, um sich
in diesem Umfang finanziell zu beteiligen.
Erleichtert wurde die Umsetzung erster
Überlegungen, die bereits 2009 angestellt wurden, durch eine äußerst vertrauensvolle Zu-
Auch das Foyer wird deutlich umgestaltet werden.
Vorstellung
S
eit dem 1. August ist die Lücke, welche der
berufliche Wechsel des bisherigen Kirchenmusikers Michael Leyk nach Germering hinterlassen hatte, auch offiziell geschlossen. Patricia Langenmantel und Lukas Klöck bilden
jetzt das neue Kirchenmusiker-Duo, das wir
unseren Leserinnen und Lesern in diesem Beitrag vorstellen möchten.
Wo stand die Wiege der beiden Neuen?
Patricia, Jahrgang 1995, wurde in Pfakofen
geboren, das im schönen Laabertal etwa 20 km
südlich von Regensburg liegt. Ihr Elternhaus
steht nicht weit weg von der Pfarrkirche, die
in ihrer jetzigen Form zwar erst 1929 erbaut
wurde, aber St. Quirin ziemlich ähnlich sieht
und mindestens zwei Vorgängerbauten hat.
­ fakofen wird in einer Urkunde 1185 zum ersP
ten Mal erwähnt und gehört heute mit seinen
etwa 1600 Einwohnern als selbständige Gemeinde zur Verwaltungsgemeinschaft Alteglofsheim. Patricia hat noch eine ältere Schwester.
Lukas, geboren 1994 in Kaufbeuren, stammt
aus Landsberg und hat dort seine Schulzeit
verbracht (wir berichteten darüber in der letzten Ausgabe).
Und euer Weg zur Musik?
Patricia kommt aus einer musikalischen Familie: Ihre Mutter leitet den Kirchenchor von
Pfakofen, ihre Schwester ist auch musikalisch.
Patricia begann schon in der 1. Klasse der
Grundschule mit dem Klavierunterricht, bald
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Aufnahmen: kb
Die Kirchenmusik in St. Quirin liegt
in jungen Händen
19
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
20
danach spielte sie schon die ersten Töne auf
der Querflöte. Die neue Orgel nebenan in der
Pfarrkirche, eine Jann-Orgel wie im Münchner
Liebfrauendom, machte sie richtig neugierig
auf dieses Instrument, und das nicht nur theoretisch. Erst ein Klavierlehrer, dann ein „richtiger“ Orgellehrer zeigten ihr, wie man einer Orgel kunstvoll Töne entlocken kann. Damit war
die Liebe zur Musik endgültig geweckt. Nach
der Gymnasialzeit in Mallersdorf wechselte
Patricia zum Musikstudium nach München.
Zur Zeit studiert sie im 7. Semester Lehramt
für Gymnasien und, als Doppelstudium, im
3. Semester Kirchenmusik.
Auch bei Lukas spielten Vorbilder aus der
Familie eine Rolle: Seine ersten Erfahrungen
mit einem Musikinstrument sammelte Lukas,
wie viele Kinder, mit der Blockflöte, und beim
Singen in einem Kinderchor. Doch bald schon
interessierte ihn die Jugendblaskapelle, in deren Stammkapelle sein Vater und dessen Bruder mit der Trompete mitspielten. Mit 10 Jahren erhielt er den ersten Trompetenunterricht
und die Liebe zur klassischen Trompetenmusik
wurde grundgelegt. Einige Zeit später wurde
jedoch das Klavier interessant und es war nahe
daran, der Trompete den Rang abzulaufen.
Die Klavierlehrerin war es auch, die Lukas den
Tipp gab, den Beruf des Musikpädagogen in
Betracht zu ziehen. Nach einer Orientierungsphase in den Fächern Mathematik und Physik
für das Lehramt entschied sich Lukas für den
Studiengang Schulmusik für Gymnasium in
München. Er beginnt jetzt das 7. Semester, der
Hauptschwerpunkt ist Chorleitung.
Schulmusiker – ein Beruf mit Zukunft?
Patricia und Lukas sind sich einig, dass die
beruflichen Aussichten als Schulmusiker zur
Zeit gut sind, vor allem, wenn man in München an der größten deutschen Ausbildungsstätte für Schulmusik studiert hat. Auffallend
sei jedoch der Trend unter den Kollegen,
Schulmusik als eine Art Studium mit Sicherheitsgarantie zu verstehen. Ein großer Teil der
Studenten orientiert sich allerdings nach dem
Studium um.
Musik in der Schule – was soll sie leisten?
Wenn sie selbst eines Tages vor der Klasse
steht und Musik unterrichten soll, möchte Patricia nicht nur Theorie vermitteln, sondern bei
ihren Schülerinnen und Schülern vor allem die
Freude am aktiven Musizieren wecken. Auch
Lukas ist der Meinung, dass Grundkenntnisse in Musikgeschichte zwar sein müssen, aber
auch die Praxis wichtig sei, selbst ein Instrument in die Hand zu nehmen oder zu singen.
Spaß an der Musik zu erfahren, sei eine wichtige und nachhaltige Motivation, sich aktiv mit
Musik zu beschäftigen. Kinder mit ganz unterschiedlichen Musikerfahrungen unter einen
Hut zu bringen, könne schon eine große Herausforderung sein.
Die unvermeidliche Frage nach den Hobbies
Für Patricia ist die Musik schon immer das
größte Hobby. Wenn Zeit (und Geld) bleibt,
geht sie gern auch auf Reisen. Lukas mag es
gern sportlich: Auf dem Mountainbike, in
Laufschuhen, oder als ausgebildeter Skilehrer
des Skiteams Buchloe.
Die Gemeinde St. Quirin wünscht Patricia
und Lukas viel Erfolg im Studium und bei der
Arbeit in Aubing.
Das Gespräch führte kb.
Wegweisung
A
uch das ist eines der sieben geistlichen
Werke der Barmherzigkeit. In manchen
Quellen – z.B. im Internetangebot der Diözese Augsburg zum Jahr der Barmherzigkeit
– ist dieses Werk anders formuliert: „Denen,
die uns beleidigen, verzeihen“. 1 Halten wir uns
aber an die Formulierung, wie wir sie im Gotteslob finden (Nr. 29,3). Da geht es um mehr
als nur keine „beleidigte Leberwurst“ zu sein.
In den Wochen vor dem Entstehen dieses
Textes sind Gewalt und Leid unserem Land,
unserer Stadt immer näher gekommen. Nizza,
Würzburg, München, Ansbach, das sind die
Stichworte, und es ist nicht auszuschließen,
dass es bis zu dem Tag, an dem dieser Pfarrbrief in Ihren Händen ist, noch mehr blinden
Hass, noch mehr dadurch verursachtes Leid
geben wird.
Wie sollen wir das machen? Wie sollen wir
dem jungen Mann verzeihen, der in München
blindwütig zehn Menschenleben, sein eigenes
eingeschlossen, ausgelöscht hat? Denen, die in
Würzburg und Ansbach in mörderischer Absicht um sich geschlagen oder gebombt haben?
Die in Frankreich in einem Gotteshaus einen
hochbetagten Priester brutal abgeschlachtet
haben? Und das sind ja nur die derzeit aktuellsten Beispiele. Es sind Beispiele, die klein werden im Vergleich, wenn wir nur ein paar Jahre
oder Jahrzehnte zurückgehen in der Geschichte unseres eigenen Landes. Vor ein paar Tagen
war Papst Franziskus in Auschwitz, er hat dort
geschwiegen, weil es keine Worte gibt für das
Leid, das dort zugefügt worden ist. Wer kann
hier verzeihen?
Es geht aber nicht um die Dimension von
Leid, die in Zahlen zum Ausdruck kommt.
Bundespräsident Joachim Gauck hat das sehr
eindrücklich formuliert beim Trauerakt im
Bayerischen Landtag: Er hat jedes einzelne
Opfer des Münchner Amoklaufs beim Namen
genannt und zum Ausdruck gebracht, dass es
jeder und jede Einzelne ist, die wir vermissen
und die in unserem Leben eine Lücke, ein Leid
hinterlassen. Ein Leid übrigens auch in der Familie des Amokläufers, das sollten wir nie vergessen.
Wie also umgehen mit dieser Forderung: Jenen, die Leid zufügen, verzeihen? Es fällt uns
so schwer, selbst dann, wenn das Leid nicht
unmittelbar uns persönlich zugefügt worden
ist. Um wieviel schwerer muss es sein, zu verzeihen, statt zu hassen, wenn das zugefügte
Leid ganz direkt und brutal ins eigene Leben
hineinschlägt? Und doch gibt es, ganz aktuell,
ein bewundernswertes Beispiel dafür, dass es
gelingen kann, nicht zu hassen.
Bei den Terroranschlägen in Paris im November 2015 ist, neben weit über 100 anderen
Menschen, eine junge Ehefrau und Mutter ermordet worden. Ihr Mann, der Journalist Antoine Leiris, hat nur wenige Tage später den
Mördern einen offenen Brief geschrieben,
eingeleitet mit den Worten „Meinen Hass bekommt ihr nicht!“. Im Text wird er noch deutlicher: „Nein, ich werde euch nicht das Geschenk machen, euch zu hassen. Auch wenn
ihr euch sehr darum bemüht habt; auf den
Hass mit Wut zu antworten würde bedeuten,
derselben Ignoranz nachzugeben, die euch zu
dem gemacht hat, was ihr seid.“2 Antoine Leiris hat es geschafft, sich der Logik von Hass,
Rache und Vergeltung zu entziehen. Es ist
ihm, wie er selbst in einem Zeitungsinterview
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Jenen, die Leid zufügen, verzeihen
21
erzählt hat, gelungen, sein Herz mit Traurigkeit statt mit Hass zu füllen.3 Der junge Witwer
und Vater hat darüber übrigens ein äußerst lesenswertes Buch geschrieben (Antoine Leiris:
„Meinen Hass bekommt ihr nicht“ BlanvaletVerlag 2016).
Ich habe größten Respekt vor Antoine Leiris, auch wenn der Verzicht auf den Hass vielleicht nur der erste Schritt ist zur Verzeihung.
Der erste Schritt hin zu einem Verhalten, zu
dem uns Jesus in seiner Bergpredigt auffordert: „Verzeiht, dann wird Gott euch verzeihen.“ (Lk 6, 37). Das ist ein hoher Anspruch,
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
1
Zitiert nach http://www.barmherzigkeitsjahr.de/werke-der-barmherzigkeit/; aufgerufen am
02.08.2016
2
Zitiert nach http://www.sueddeutsche.
de/leben/worte-eines-witwers-ihr-bekommtmeinen-hass-nicht-1.2741242; aufgerufen am
02.08.2016
3
Zitiert nach http://www.berliner-zeitung.
de/kultur/literatur/terror-in-paris-warum-antoineleiris-die-attentaeter-nicht-hassen-will-24072704;
aufgerufen am 02.08.2016
22
eine Forderung, die wir oft genug als Überforderung empfinden. Wenn es aber gelingt, ist
es der Weg zu einem friedlichen Miteinander,
zu einem Ausweg aus der Spirale von Rache
und Vergeltung, von Auge um Auge, Zahn um
Zahn. Antoine Leiris hat den Mördern seiner
Frau den Hass verweigert, und das war sein
Weg barmherzig zu sein. Wir haben vielleicht
nicht alle Antoine Leiris‘ Kraft zur Barmherzigkeit, trotzdem sind wir gefordert, unseren
Weg zu finden, wenn wir beleidigt werden,
wenn uns Leid zugefügt wird.
mg
Jubiläum
Danke für diesen guten Morgen, danke, dass
wir beisammen sind.
Danke für unsern Kindergarten, der jetzt
fünfzig wird.
Danke für alle unsre Freunde, danke für all
das Schöne hier.
Danke für Spielen, Lachen, Feiern. Herr, wir
danken dir.
Danke für unsern schönen Garten, danke,
dass wir dort glücklich sind.
Danke, wir dürfen klettern, toben, schaukeln,
Fußball spiel‘n.
Danke für alle tollen Feste, danke, wir spür‘n,
dass du uns liebst.
Danke, bleib auch in Zukunft bei uns. Herr,
wir danken dir.
M
it diesem Lied dankten die Kindergartenkinder mit ihren Familien und allen
Gästen beim Gottesdienst, der am Beginn des
großen Geburtstagsfestes in der Kirche gefeiert wurde, für ihren tollen Kindergarten. Ehemalige Kindergartenkinder spielten die Geschichte von den bunten Vögeln und auch an
der musikalischen Gestaltung waren überwiegend Kinder und Jugendliche beteiligt, deren
Kindergartenzeit schon einige Jahre zurückliegt, die sich aber, wie viele andere auch, sehr
positiv an die schöne Zeit dort erinnern und
deshalb zur Feier am 2. Juli 2016 gerne gekommen sind. Die jetzigen Kindergartenkinder
dankten im Gottesdienst auf ihre Weise für all
das, was ihnen dort besondere Freude macht,
und brachten dazu die passenden Gegenstände
mit, z.B. ein kunstvolles Bauwerk aus Duplosteinen.
Nach dem Gottesdienst ging es in einem gemeinsamen Zug hinüber auf‘s Festgelände im
Kindergarten, wo die fleißigen Hände des Personals, des Elternbeirats und des Sachbereichs
Feste und Feiern alles für das leibliche Wohl der
Geburtstagsgäste vorbereitet hatten. Mit einem
Geburtstagsständchen und vielen bunten Luftballons gratulierten die Kindergartenkinder ihrem Kindergarten. Wie es sich für einen runden Geburtstag gehört, gab es natürlich auch
ein Programm. Die Bigband «Munich Swing
Junction“, die seit vielen Jahren jede Woche im
Kindergarten für ihre Auftritte probt, sorgte
für den richtigen musikalischen Schwung. In
wochenlanger Vorbereitung hatte der Elternbeirat eine riesige Tombola zusammengestellt,
bei der jedes Los ein voller Treffer war. Wer
wollte, konnte sich im Garten kunstvoll in verschiedene Tiere oder Fabelwesen verwandeln
lassen. Als das Wetterglück den Kindergarten
dann am Nachmittag verließ, konnte der Zauberer zwar den einsetzenden Regen nicht einfach wegzaubern, dafür aber im voll besetzten
Pfarrsaal die vielen Kinder mit seinen Zaubertricks in Erstaunen versetzen. Wer den Quiriner Kindergarten ein wenig kennt, weiß um die
schönen Feste, die dort gefeiert werden. Der
50. Geburtstag war ein ganz besonders schönes Fest!
Angelika Zettelmeier, Angela Niedhammer
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
50 Jahre Kindergarten St. Quirin
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Aufnahmen: Tanja Winkler
24
Selige
R
upert Mayer wurde am 23. Januar 1876 in
Stuttgart geboren. Sein Vater war ein angesehener Kaufmann. Die Mutter kümmerte
sich um die sechs gemeinsamen Kinder. Rupert hatte einen älteren Bruder und vier jüngere Schwestern. Rückblickend sprach er von
einer „wunderschönen Jugendzeit“. Er war
musisch begabt und sportlich veranlagt. Am
meisten liebte er das Reiten. 1894 bestand er
in Ravensburg die Abiturprüfung und begann
noch im selben Jahr das Studium der Philosophie und Katholischen Theologie. Es führte
ihn über die Universitäten Freiburg (Schweiz),
München und Tübingen schließlich ins Priesterseminar nach Rottenburg. Am 2. Mai 1899
empfing er in Rottenburg die Priesterweihe.
Für gut ein Jahr bekleidete er eine Vikarstelle
in Spaichingen (Landkreis Tuttlingen). Da er
Jesuit werden wollte, das bis 1917 in Deutschland geltende Jesuitengesetz aber Niederlassungen dieses Ordens im Reich verbot, begann
er sein Noviziat im Oktober 1900 in Feldkirch
(Vorarlberg). Schnell erwarb er sich einen hervorragenden Ruf als Seelsorger und Prediger. Ab 1906 war er in den Niederlanden, in
Deutschland, Österreich und in der Schweiz
als „Volksmissionar“ tätig. 1912 berief ihn
Franziskus von Bettinger, damals Erzbischof
von München und Freising, nach München.
Rupert Mayer sollte sich dort besonders der
Zuwanderer annehmen. So wurde er zu einem
der ersten Arbeiterpriester in Deutschland.
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, ging er
freiwillig als Sanitätshelfer, Feldgeistlicher und
Divisionspfarrer im Elsass, in Galizien und
zuletzt in Rumänien an die Front. Ein amtliches Kriegstagebuch berichtet: „Der Herrgott
konnte einem [S]terbenden oder [S]chwerver-
wundeten (…) keinen besseren Tröster senden
als unseren Pater Mayer.“ Ende 1916 begleitete er einen Erkundungstrupp im rumänischen
Sultatal. Der Trupp geriet ins Feuer russischer
Truppen. „Da spürte ich plötzlich einen heftigen Schlag gegen mein linkes Schienbein, so
dass ich auf die Erde geschleudert wurde.“
Das Bein musste amputiert werden. Für seinen
Einsatz zeichnete man ihn mit dem Eisernen
Kreuz I. Klasse aus, das er nicht ohne Stolz
trug.
Seine Beinprothese hielt ihn keineswegs davon ab, nach dem Krieg mit der Sammelbüchse auf den Straßen Münchens Spenden für die
Notleidenden zu erbitten und das soziale Elend
der Großstadt zu mildern. In seinen Predigten,
bis zu 70 im Monat, bekämpfte er während und
nach der Münchner Räterepublik den Klassenund Rassenhass. 1921 ernannte ihn Kardinal
Faulhaber zum Präses der Marianischen Männerkongregation. Aufgrund seines regen sozialen Engagements wuchsen ihm die Ehrentitel
„Apostel Münchens“ und „15. Nothelfer“ zu.
Im August 1925 zelebrierte er einen Gottesdienst im Münchner Hauptbahnhof und begründete damit die Bahnhofsgottesdienste, die
es der Bevölkerung ermöglichten, auch dann
ihrer Sonntagspflicht nachzukommen, wenn
sie in aller Frühe an ihrem einzigen arbeitsfreien Tag zur Erholung wegfahren wollten.
Von Anfang an beobachtete er das Erstarken des Nationalsozialismus und den allmählichen Aufstieg Adolf Hitlers. „Ein ausgezeichneter Volksredner, aber ein Hysteriker
reinsten Wassers“, urteilte er über ihn in seinem Tagebuch. Nach Hitlers Machtergreifung
1933 wandte er sich in Vorträgen und Predigten mit deutlichen Worten gegen die Angriffe
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Pater Rupert Mayer
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Aufnahmen: kb
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
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der Nazis auf die Kirche. Öffentlich erklärte
er, ein Christ könne und dürfe nicht Nationalsozialist sein. Prompt geriet er ins Visier der
braunen Machthaber. Im April 1937 erteilten
ihm die NS-Behörden ein Redeverbot. Doch
Rupert Mayer predigte unbeeindruckt weiter,
denn er war überzeugt, man müsse Gott mehr
gehorchen als den Menschen. Im Juni 1937
wurde er zum ersten Mal verhaftet. Gegenüber
der Gestapo bekannte er schriftlich: „Ich erkläre, dass ich im Falle meiner Freilassung trotz
des gegen mich verhängten Redeverbotes nach
wie vor, sowohl in den Kirchen Münchens als
auch im übrigen Bayern, aus grundsätzlichen
Erwägungen heraus predigen werde. Ich erkläre insbesondere, dass ich auch in Zukunft von
der Kanzel herab in der bisherigen Form die
Kirche gegen etwaige Angriffe mit aller Entschiedenheit und Offenheit und Schärfe, aber
ohne persönliche Angriffe verteidigen werde.
Ich werde auch weiterhin in der von mir bisher
geübten Art und Weise predigen, selbst dann,
wenn die staatlichen Behörden, die Polizei und
die Gerichte meine Kanzelreden als strafbare
Handlungen und als Kanzelmissbrauch bewerten sollten.“
Ein Gericht verurteilte Pater Rupert wegen „heimtückischer Angriffe auf Partei und
Staat“ sowie Kanzelmissbrauchs zu sechs Monaten Gefängnis. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, der Haftbefehl aufgehoben.
Der unbeugsame Jesuit hielt sich von da an in
einem Exerzitienhaus am Starnberger See auf.
Nachdem er seine Ankündigung wahr machte und erneut von der Kanzel herab gegen das
Regime predigte, verhaftete ihn die Gestapo im
Januar 1938 zum zweiten Mal. Er saß in der
Strafanstalt Landsberg ein, kam aber aufgrund
einer Amnestie schon nach fünf Monaten wieder frei. Da er weiterhin unter scharfer Beobachtung seitens der Gestapo stand, befolgte
er von nun an das Redeverbot. Im September
desselben Jahres legte er in St. Michael (Neuhauser Straße) sein Professgelübde ab. Weil er
unter Berufung auf das Beichtgeheimnis Auskünfte über seelsorgerische Gespräche verweigerte, wurde er wegen „konspirativer Kontakte“ Anfang November 1939 zum dritten Mal
verhaftet. In der Einzelhaft im Konzentrationslager Sachsenhausen verschlechterte sich
sein Gesundheitszustand lebensbedrohlich.
Da die braunen Machthaber nicht den Tod des
bekannten und beliebten Paters riskieren wollten, stimmten sie in Absprache mit Kardinal
Faulhaber einer Verlegung ins Kloster Ettal
zu. Von August 1940 bis zum Kriegsende im
Mai 1945 durfte Pater Rupert das Kloster kein
einziges Mal verlassen, abgesehen von Mitbrüdern und Staatsbeamten durfte ihn niemand
besuchen, Seelsorge war ihm untersagt, predigen durfte er nur in der Hauskapelle. Seinem
Tagebuch vertraute er an: „Aufgrund meiner
Der Kleine Quirin
grundsätzlichen Einstellung gegen die kirchlichen Behörden blieb mir nichts anderes übrig,
als mich zu fügen. (. . .) Seitdem bin ich lebend
ein Toter, ja dieser Tod ist für mich, der ich
noch so voll Leben bin, viel schlimmer als der
wirkliche Tod, auf den ich schon so oft gefasst
war. Der Gestapo und der ganzen Bewegung
konnte ich und kann ich keinen größeren Gefallen erweisen, als hier ruhig abzusterben.“
Fünf Tage nach Kriegsende kehrte er nach
München zurück. Obwohl körperlich schwach,
versuchte er sofort wieder, den vom Krieg ausgezehrten und geschundenen Menschen zu
helfen. Er beschaffte Unterkünfte und Nahrungsmittel für Flüchtlinge und ausgebombte
Einheimische. Am Allerheiligentag 1945 erlitt
er während seiner Predigt in St. Michael einen
Schlaganfall, an dem er ein paar Stunden später starb.
Mehrere tausend Menschen folgten seinem
Sarg, als man ihn auf dem Ordensfriedhof der
Jesuiten in Pullach zu Grabe trug. Im Mai 1948
überführte man seine sterblichen Überreste in
den Bürgersaal und setzte sie vor dem Altar in
der Unterkirche bei. Seitdem ist dieser Ort eine
Wallfahrtsstätte, zu der Tag für Tag viele Besucher kommen. Am 3. Mai 1987 sprach Papst
Johannes Paul II. während einer Messe im
Olympiastadion den furchtlosen Jesuitenpater
selig. Da ihm bisher noch keine Wunderwirkung zugeschrieben wird, steht seine Heiligsprechung noch aus. Sein Gedenktag ist der 1.
November.
Der Selige Pater Rupert Mayer bleibt gerade in München und Umgebung hoch verehrt
und in unsterblicher Erinnerung. Schulen, karitative und soziale Einrichtungen tragen seinen
Namen. Der Caritas-Verband der Erzdiözese München und Freising verleiht die PaterRupert-Mayer-Medaille in Gold an Personen,
die durch einen beispielhaften persönlichen
Einsatz oder ihre Lebensleistung im Sinne des
Seligen hervorgetreten sind. 2015 wurden zum
Beispiel der Kabarettist Christian Springer für
sein Engagement im Bürgerkriegsland Syrien
und die Lochhausenerin Wilhelmine Heitmeier
für ihre seit 52 Jahren ausgeübte Sammeltätigkeit für den Caritasverband mit dieser Medaille
ausgezeichnet.
kg
D
as ist die älteste der tradierten Kunstformen der abendländischen Musik. Der
gregorianische Gesang ist schon früh Bestandteil der Römischen Liturgie. Seinen Namen
erhielt er nach Papst Gregor I., dem Großen,
der um 600 die Römische Liturgie reformierte
und die traditionellen Gesänge sammelte und
neu ordnete. Damit setzte sich die römische
Choraltradition gegenüber anderen Sangesformen, die sich bis dahin in Westeuropa entwickelt hatten, durch.
Es ist ein einstimmiger Gesang in lateinischer
Sprache, ohne reiche Verzierungen und große Tonsprünge, eine Silbe trägt
meist nur einen Ton. Lediglich Solopartien sind
aufwändiger gestaltet. Er
wird auch heute noch in
der Sonntagsmesse und
anderen liturgischen Feiern verwendet. Die
lateinischen Gesänge im Gotteslob, zum Bei-
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Gregorianischer Gesang
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spiel Ave Maria und Vaterunser, sowie die gesungenen Akklamationen (Antwortrufe), zum
Beispiel Kyrie und Agnus Dei, werden nach
gregorianischen Melodien gesungen. Sie werden – ohne Instrumentalbegleitung – von einem Solosänger oder einer Schola vorgetragen.
Möglich ist auch ein Wechselgesang zwischen
Priester und Gemeinde oder zwischen Vorsänger und Chor oder Gemeinde. In der Feier der
Eucharistie ist Gesang die natürliche Sprechweise, nicht etwa nur schmückendes Beiwerk.
Dass die liturgischen Texte meist einfach nur
gesprochen werden, ist eine moderne Vereinfachung in der Westkirche.
Über die Entstehung der Melodien des Gregorianischen Gesanges gibt es wenig gesicherte
Kenntnisse, da sie lange ausschließlich mündlich überliefert wurden. Seit dem 9. Jahrhundert wurden die Texte mit Zeichen versehen,
die die Art des Ausdrucks anzeigen sollten,
aber keine Auskunft über die Tonhöhe gaben.
Seit Anfang des 11. Jahrhunderts ist das mit
der Erfindung der Notenschrift auf vier Notenlinien möglich. Sie gab damals allerdings
keine Auskunft über Betonung und Längen,
die Dynamik des Gesangs, was dazu führte,
dass alle Töne einer Melodie gleich lang und
gleich laut gesungen wurden, ohne Rücksicht
auf Gliederung und Betonung des gesungenen
Textes. Die Melodien folgen den acht sogenannten Kirchentonarten, aufbauend auf den
Grundtönen D, E, F und G. Die Texte stammen aus der Bibel und bestehen überwiegend
aus Psalmversen.
Da es anfangs noch keine Notenschrift gab
und auch nur wenige Menschen lesen konnten, mussten die Gesänge auswendig gesungen
werden. Das setzte eine ausgebildete Sängerschar, eine Schola, sowie ein rund zehnjähriges Studium voraus, wozu vor allem Ordensgemeinschaften und Domschulen in der Lage
waren. Gerne bildete man auch Knaben aus,
deren helle Stimmen zusammen mit den Tenö-
ren dem Gesang der himmlischen Heerscharen
besonders nahe kommen sollten.
Der Gregorianische Gesang wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder dem gewandelten Musikgeschmack angepasst, hat aber
seinen charakteristischen Klang bis heute nicht
verloren. Der Versuch, unveränderte gregorianische Melodien mit deutschen Texten zu
unterlegen, war stets umstritten, in der katholischen Kirche zeitweilig sogar verboten. Es entstanden allerdings Neukompositionen, die sich
an gregorianische Melodien anschließen, zum
Beispiel „Christ ist erstanden“ (GL 318) oder
„Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“ (GL 247).
Das 2. Vatikanische Konzil „betrachtete den
gregorianischen Choral als den der römischen
Liturgie eigenen Gesang; demgemäß soll er in
ihren liturgischen Handlungen (…) den ersten
Platz einnehmen“. (Sacrosanctum Consilium,
116) Alle folgenden Päpste haben diese Einschätzung bestätigt, doch der Gregorianische
Gesang wurde im Zuge der Liturgiereform
weitgehend durch volkssprachliche Gemeindegesänge ersetzt. In Klöstern findet man noch
regelmäßige Messfeiern mit gregorianischem
Gesang. Besonders die Benediktiner und die Zisterzienser pflegen ihn. Die Benediktinermönche
des spanischen Klosters Santo Domingo de Silos und die Schola des Stiftes Heiligenkreuz im
Wienerwald schafften es mit Aufnahmen ihrer
Gesänge sogar in die Charts.
Die evangelischen Kirchen unterlegten zunächst die originalen gregorianischen Melodien mit deutschen Texten und brachten schon
1520 eine Sammlung deutscher Messen heraus.
Martin Luther bevorzugte die Neukomposition volkssprachlicher Kirchenlieder, was sich
schließlich durchsetzte.
em
Ökumene
500 Jahre Reformation
och vor wenigen Jahren hatte es für die
immer weniger werdenden ökumenisch
Interessierten den Anschein, als ob zwischen
Katholiken und Lutheranern alle wesentlichen
trennenden Aspekte tiefschürfend diskutiert
und genügend Einigkeit, bis auf die Amtsfrage
und die gegenseitige Einladung zum Herrenmahl, erzielt worden sei. Gegenseitige Lehrverurteilungen in der Vergangenheit wurden
zum großen Teil Missverständnissen zugeordnet und damit abgehakt. Sogar zum grundlegenden Streitpunkt der Rechtfertigungslehre
wurde ein klarstellendes Versöhnungspapier
feierlich unterzeichnet. Eigentlich warteten alle
darauf, dass Papst Franziskus die letzten Barrieren abbauen würde und die ökumenische
Bewegung in Deutschland auf die Zielgerade
einbiegen könnte. Doch wie schon in anderen
Fragen schlug der Papst eine (zunächst) andere
Richtung ein: Er suchte die Nähe zu den Orthodoxen Kirchen, natürlich eine, wenn auch
andere Stoßrichtung der (weltweiten) Ökumene.
Die Evangelische Kirche in Deutschland
(EKD) hatte ab 2008 mit einer Lutherdekade
begonnen, sich auf die 500. Wiederkehr des
Thesenanschlags von Martin Luther an der
Wittenberger Kirche im Jahr 1517, der gemeinhin als der Beginn der Reformation angesehen
wird, einzustimmen. Diese Dekade sollte dazu
einladen, die elementaren Thesen Martin Luthers mit den Fragen der heutigen Zeit zu verbinden. Eine gewisse Selbstzentrierung setzte
daraufhin in der EKD ein, die Weiterentwicklung der ökumenischen Beziehungen zur Katholischen Kirche begann zu stagnieren. Manche Kritiker sahen sogar in der anfänglichen
Wortwahl einer „Feier“ des Reformationsju-
biläums einen Affront gegen die katholischen
Mitchristen, denn schließlich könne man eine
bereits fast 500 Jahre anhaltende Kirchenspaltung nicht als Anlass zum Feiern definieren,
ohne der bisher erreichten Ökumene bewusst
schaden zu wollen. Als 2013 unter dem Titel
„Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ der Bericht
der lutherisch/römisch-katholischen Kommission für die Einheit erschien, der dem Reformationsgedenken im Zeitalter von Ökumene
und Globalisierung einen besonderen Rahmen
geben sollte und beispielsweise ausführlich
auf die Hauptthemen der Theologie Luthers
im Licht der lutherisch/römisch-katholischen
Dialoge einging, war klar, dass die katholische
Seite im Lutherjahr eine wichtige Rolle einnehmen sollte. In „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ wird ausdrücklich zum gemeinsamen
Gedenken aufgerufen und in den abschließenden „Fünf ökumenischen Imperativen“
(siehe Kasten unten) werden gegenseitige Verpflichtungen formuliert, welche der Ökumene
zwischen Lutheranern und Katholiken neuen
Schwung verleihen könnten.
Eine konkrete Frucht daraus wird bereits
im Oktober 2016, unmittelbar vor dem Beginn des Reformationsjahres, sichtbar werden.
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N
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Jeweils neun Mitglieder des Rates der EKD
und der Deutschen Bischofskonferenz werden zu einer Pilgerfahrt, übrigens der ersten
gemeinsamen Reise in der Geschichte beider
Kirchen, ins Heilige Land aufbrechen, um sich
am See Genezareth und in Jerusalem auf die
„gemeinsamen Wurzeln unseres Glaubens zu
besinnen“ (Kardinal Marx) und ein „über die
Kirchen hinausweisendes Zeugnis von der
Hoffnung zu geben, die uns als Christen trägt“
(Landesbischof Bedford-Strohm). Mit der Reise werde deutlich, dass beide Kirchen heute
mehr verbinde als trenne, und dass sie sich gemeinsam auf den einen Herrn Jesus Christus
ausrichteten, so Bedford-Strohm. Heute neu
von der Reformation die „Fokussierung auf
Christus“ zu lernen könne, auch aus katholischer Sicht ein „heilsamer Kontrapunkt gegenüber der Jesusvergessenheit“ sein, die sich im
„Zeitalter der Religion ohne Gott“, vor allem
ohne Jesus Christus, eingeschlichen habe (Bischof Manfred Scheuer, Linz).
Am 31. Oktober 2016 werden Papst Franziskus und der Präsident des Lutherischen
Weltbunds, Bischof Munib A. Younan, im
schwedischen Lund unter dem Motto „Vom
Konflikt zur Gemeinschaft – Verbunden in
Hoffnung“ die lutherisch-katholische Feier des
Reformationsgedenkens mit einem gemeinsamen Gottesdienst eröffnen. Danach bildet im
Stadion von Lund das „Bekenntnis zum gemeinsamen Zeugnis und Dienst von Katholiken und Lutheranern in aller Welt“ den thematischen Rahmen.
Und Luther selbst? Wie fällt die Bewertung
seiner Theologie, seiner Papstkritik, seiner Reformversuche heute aus? Einer der profundesten Lutherforscher, Prof. Erwin Iserloh,
kommt zum Schluss, dass „Luther absichtslos
zum Reformator geworden sei. Er habe ... dazu
beigetragen, der Vollgestalt des Katholischen
in der Kirche wieder zum Durchbruch zu verhelfen, ... die unter zeitgenössischen Missstän-
den verschüttet war.“ Seine erste These der
95 Ablassthesen – Buße als Umkehr des ganzen Lebens in Orientierung auf Christus, und
nicht auf taxierte Leistung – sei so katholisch,
dass sie auch zum Motto eines Katholikentages gekürt werden könnte. Vom Ketzer zum
Reformkatholiken also? Nicht ganz, aber wert
allemal, auch von katholischer Seite mit neuen,
versöhnten Augen erkundet zu werden.
kb
Der erste Imperativ: Katholiken und Lutheraner sollen immer von der Perspektive der
Einheit und nicht von der Perspektive der
Spaltung ausgehen, um das zu stärken, was
sie gemeinsam haben, auch wenn es viel
leichter ist, die Unterschiede zu sehen und
zu erfahren.
Der zweite Imperativ: Lutheraner und Katholiken müssen sich selbst ständig durch
die Begegnung mit dem Anderen und durch
das gegenseitige Zeugnis des Glaubens verändern lassen.
Der dritte Imperativ: Katholiken und Lutheraner sollen sich erneut dazu verpflichten,
die sichtbare Einheit zu suchen, sie sollen
gemeinsam erarbeiten, welche konkreten
Schritte das bedeutet, und sie sollen immer
neu nach diesem Ziel streben.
Der vierte Imperativ: Lutheraner und Katholiken müssen gemeinsam die Kraft des
Evangeliums Jesu Christi für unsere Zeit
wiederentdecken.
Der fünfte Imperativ: Katholiken und Lutheraner sollen in der Verkündigung und im
Dienst an der Welt zusammen Zeugnis für
Gottes Gnade ablegen.
Geschichte
Tumulte im damaligen Aubinger
Pfarrverband
N
ach der sogenannte Schmidt‘schen Matrikel – einer Diözesanbeschreibung aus
dem Jahre 1738 – hatte der damalige „Pfarrverband Aubing“ neben der Mutterpfarrei St.
Quirin noch neun Filialkirchen, die von Allach
bis Laim reichten, während das nahe Lochhausen/Langwied zusammen mit Gut Freiham erstaunlicherweise nicht dazugehörte.
Eine dieser neun Filialkirchen war die Wallfahrtskirche Heilig Kreuz bei Allach im Moos
am sogenannten Adelsberg. Die volkstümliche
Bezeichnung „Adelsberg“ geht auf die etwas
im Dunkel liegende Gründungsgeschichte zurück, wonach 1677 der noch 15-jährige Prinz
und spätere Kurfürst Max Emanuel seinen
adeligen Jagdbegleitern eine Art Unterstand
mit Küche und Brunnen bauen ließ und dabei
eigenhändig mithalf, einen kleinen Hügel aufzuschütten, den „Adelsberg“. Hierauf ließ er
ein Kruzifix errichten und bald darauf wurde
von wundersamen Heilungen berichtet, etwa
dass ein Kind mit krummem Arm bald nach
gemeinsamer Andacht mit der Mutter an diesem Kreuzbildnis wieder gesund geworden
war. Diese und andere wundersame Heilungen
und Gebetserhörungen sprachen sich schnell
herum und führten bald infolge des regen Pilgerzuspruchs zum Bau einer kleinen Rundkapelle. 1709 erst wurde die Kapelle dann endlich geweiht vom Freisinger Suffragan Baron
Zeller, obwohl der damalige Aubinger Pfarrer
J. B. von Prugg Bedenken hatte, dass diese abgelegene Kirche im Moos keine Mesnerwohnung hätte und so einsam und abgelegen von
Diebsgesindel leicht nächtens entweiht werden
könnte.
Die Weihe brachte aber wieder neuen
Schwung in die Wallfahrt und damit Gelder in
den Opferstock, sodass 1719 auf Anregung der
Pfarrei Aubing (Pfarrer Ziegler) und mit Genehmigung des Kurfürsten eine Sakristei angebaut
wurde und ein Kirchturm mit Glocke dazukam.
Ab dann war am 2. Sonntag nach Jakobi Kirchweih und am Fest der Kreuzerhöhung Patrozinium, wofür z.B. der Aubinger Pfarrer für das
Amt 1 Gulden und für die Predigt zusätzlich 1
Gulden und 30 Kreuzer erhielt. Er hatte dafür
auch einen längeren Fußweg zurückzulegen.
Der gleiche Pfarrer Ziegler war aber ziemlich
abweisend, als 1736 eine in München gegründete Gebetsbruderschaft („Confoederatio ChristCatholischer Andacht zu dem wunderthätigen
Heil. Kreuz auf dem Mooß/nächst Allach /
Aubinger Pfarr“) hierfür einen ererbten Dreifaltigkeitsaltar stiften wollte. Er fürchtete wohl um
seinen Einfluss in der eigenen Filialkirche sowie das Aufstellen eines fremden Opferstocks
und er zweifelte das langfristige Engagement
dieser Gruppierung für den Unterhaltsbeitrag
zum Gotteshaus an. Man einigte sich 1737
schließlich doch gütlich auf einen seitlichen
Anbau für diesen Altar, worauf die Gebetsbruderschaft bei Papst Clemens auch Ablässe
hierfür erwirkte und so die Wallfahrt noch einige Zeit erneut florierte. Aber dann kam ein
schleichender Niedergang der Wallfahrt und
die Bruderschaft zog sich 1752 zurück. Auch
die Einnahmen an Geld und Opferkerzen gingen stark zurück und dadurch waren die gleichzeitig steigenden Unterhaltskosten bei weitem
nicht mehr abgedeckt.
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Anfang und Ende der Wallfahrtskirche
Heilig Kreuz im Moos
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Die Kreuzkapelle verfiel deshalb zusehends
und 1792 wäre eine größere Reparatur unabdingbar gewesen, was aber die innerhalb des
Pfarrverbands zuständige Allacher Gemeinde
nicht mehr leisten wollte und konnte. Deshalb
einigte man sich intern mit dem Aubinger Pfarrer Sterr auf Zustimmung zum Abbruch. Da
traf 1792 ein Gesuch – angeblich der Aubinger und ihrer Filialgemeinden – bei den Aufsichtsbehörden ein, wonach die beteiligten Gemeinden durch Eigenbeiträge zum Erhalt des
Kirchleins beitragen würden. Unterschrieben
war das Gesuch neben einer gefälschten Unterschrift vom Aubinger Wirt Ruedorfer, der
ein persönliches Geschäftsinteresse am Fortbestand der für die umliegenden Wirte durchaus einträglichen Wallfahrt hatte, während der
Aubinger Pfarrer Sterr davon nichts wusste.
Dafür berichtete im Oktober 1793 Pfarrer
Sterr der staatlichen Obrigkeit, dem Landrichter in Dachau, dass der Zustand der Kreuzkapelle ruinös sei, dort seit 1788 keine Messe
mehr gelesen worden sei, dafür mehrfach eingebrochen worden sei und man in der stets
offenstehenden Kapelle nachts Diebsgesindel
und sogar unzüchtige Handlungen vermute.
Da der Allacher Gemeinde St. Peter und Paul
keinerlei Geldmittel für eigene Reparaturen zur
Verfügung stünden, sehe er keinen Ausweg außer Abbruch, wobei dieser Vorschlag nicht öffentlich gemacht werden dürfe, da er „von dem
unbändigen Bauernvolk die größten Grobheiten zu erwarten habe“.
Den ersten Abbruchversuch im April 1794
verhinderte allerdings ein Konsortium Aubinger und Menzinger Wirte und Gefolgsleute
recht handgreiflich und man schlug sogar an
der Kapelle Schmähschriften wider den Allacher Schulmeister und Mesner Pullacher und
den Aubinger Pfarrer Sterr an. Letzterer ersuchte sogar die Obrigkeit, ihm Ruhe und
Schutz vor einigen aufgebrachten Gemeindemitgliedern zu gewähren, was das Landgericht
dann durch energische Strafandrohungen wohl
durchgesetzt hat. Einige Aubinger versuchten
darauf, über eine Kollekte das Geld für den
Erhalt zusammenzubringen, was aber nicht
gelang. Deren Bitte, das Wallfahrerkreuz in
die für sie näher gelegene Pippinger Kirche zu
transferieren, wurde auch abschlägig beschieden.
Da trat eine überraschende Wende ein, da
das Kreuz aus dem Moos plötzlich verschwunden war und wie durch ein Wunder in der Allacher Kirche Peter und Paul hing, und zwar
angeblich ohne Zutun und Wissen irgendeines
Allacher Bürgers, wie man dort behauptete,
als die Aubinger und vier weitere Gemeinden
deshalb die Obrigkeit anriefen. Der zuständige
Dachauer Landrichter T. von Lippert glaubte
aber den Allachern dieses Kreuzwunder nicht
und brachte durch Verhör des Schullehrers
und Mesners Pullacher, der einzig im Besitz
des Kirchenschlüssels war, die volle Wahrheit
ans Tageslicht.
Offenbar war am 11. September 1774 der
Kaiserbauer von Untermenzing, ein Sympathisant und Sprecher des Aubinger und Menzinger Wirtekonsortiums, bereits leicht angetrunken, ins Allacher Wirtshaus eingekehrt, um
dort als neueste Nachricht zu verkünden, dass
das begehrte Kreuz samt Wallfahrt doch nicht
nach Allach, sondern nach Pipping kommen
solle, und er das jetzt überall weitersagen werde. Da bekam er plötzlich Freibier und wurde
so erst zum Bleiben und dann noch fürsorglich
nach Hause gebracht, während andere Allacher
unter Führung des Mesners Pullacher jetzt
Fakten schufen und das Kreuz bei Nacht und
Nebel in die Allacher Kirche brachten.
Die vom Landgericht Dachau angefragte
höhere Autorität, der Kurfürst Carl Theodor,
beließ es dann im Mai 1795 bei einem „scharfen Verweis“ an die Allacher für ihre eigenmächtige, sträfliche Handlung, akzeptierte aber
die geschaffenen Fakten und ordnete zugleich
der Kirche St. Peter und Paul an der Eversbuschstraße.
An der Abbruchstelle sollte ersatzweise ein
Wegkreuz aufgestellt werden. Jetzt befindet
sich ein Gedenkstein ca. 100 m weiter östlich
direkt an der Müllerstadelstraße unter einer
mächtigen Linde und umwuchert von Fliedergebüsch. Der dort nach Westen abzweigen-
de Feldweg hieß lange Zeit „Kreuzkapellenstraße“, wurde aber inzwischen geteert und
in Lußweg umbenannt. An diesem Sträßchen
Richtung Lußsee, ca. 500 m vom eigentlichen
Tatort entfernt, hat der Künstler Sebastian
Weiß in siebenjähriger Arbeit eine neue Heilig Kreuz-Kapelle aus Eisenschrott zusammengeschweißt und -geschraubt. Er hat die
Achse seiner Eisenkapelle genau auf die Stelle
der früheren Kapelle ausgerichtet, für ihn ein
magischer Ort. In diesem künstlerisch verarbeiteten Eisenschrott finden sich Symbole unterschiedlicher Weltreligionen und laden ein zu
Gebet und Meditation im friedlichen, religiösen Miteinander sogar mit „Telefonverbindung
direkt nach oben“.
Ein Besuch dieses indianisch angehauchten Tipi-Platzes lohnt sich, insbesondere wenn
man ins Gespräch mit dem Künstler Weiß dort
kommt, wie das der Quirin-Archivgruppe bei
ihrem diesjährigen Sommerausflug mitten in
die Aubinger-Allacher-Pfarrgeschichte gelang.
Da Abbruchreste der einstigen Kreuzkapelle
wohl zur Befestigung der Wege im Umfeld verwendet wurden, tauchen diese sogar noch auf
dem Tipi-Platz auf, etwa wenn dort ein Maulwurf ein INRI-Wapperl eines längst verrotteten, ehemaligen Wallfahrerkreuzes ausbuddelt.
Wer noch mehr Details zur Heilig-KreuzKapelle auf Langwieder Flur erfahren möchte, dem sei u.a. eine postume Publikation des
Allacher Heimatforschers Albert Pfretzschner
empfohlen (Amperland 1979, 525-530, über
Internet unter www.zeitschrift-amperland.de/
artikelarchiv als pdf-Datei zugänglich).
Joseph Burghart, Mitglied der Archivgruppe
St. Quirin
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Aufnahme: Joseph Burghart
den Abbruch der Kreuzkapelle an. Dieser erfolgte dann ungestört im Juli 1795, also noch
vor der Säkularisation 1803, wobei das Landgericht prophylaktisch den Aubingern Zuchthausstrafen angedroht hatte, falls es bei der
„Demolierung zu Exzessen kommen sollte“.
Die ebenfalls begehrte Glocke aus der Heilig
Kreuz-Kapelle, wegen der die Allacher von
Umlandgemeinden scherzhaft, aber historisch
nicht korrekt als „Glockendiebe“ bezeichnet
wurden, verblieb aber nur bis zum Einschmelzen im 1. Weltkrieg in Allach, während das
Kreuz dort immer noch zu bewundern ist in
33
In Kürze
Vermischtes
K
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
onzerte in St. Quirin. Die Reihe der
„Konzerte in St. Quirin“ wird am Samstag, 22. Oktober 2016, von der Capella Antiqua Bambergensis, ergänzt mit Jule Bauer und
Murat Coskun fortgesetzt. Die Capella war
auch im Jubiläumsjahr 2010 das musikalische
Highlight schlechthin, so dass wir uns freuen, das renommierte Ensemble für mittelalterliche Musik wieder begrüßen zu dürfen. Es
wird das Konzert, das um 19:30 Uhr in der
Pfarrkirche beginnt, unter das Motiv „Saladin
und die Kreuzfahrer“ stellen. Drei Wochen
später, nämlich am Samstag, 12. November
2016, führt der Kirchenchor von St. Quirin
zusammen mit Solisten und einem Orchester
unter dem Titel „Requiem Aeternam“ das siebenteilige Requiem op. 48 des französischen
Komponisten Gabriel Fauré (1845-1924) auf.
Konzertbeginn ist ebenfalls um 19:30 Uhr. Die
Leitung hat Lukas Klöck. Zu beiden Veranstaltungen wird herzlich eingeladen. Obwohl der
Eintritt frei ist, wird um großzügige Spenden
zur Finanzierung der Konzerte gebeten. (kb)
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Barmherzigkeit. Der Pfarrverbandsrat lädt
im Jahr der Barmherzigkeit zu einem Abend ein
mit dem Thema „Sei barmherzig … auch zu
dir selber! – Eine biographisch-biblische Reise
zum eigenen Herzen“. Der Referent, Michael
Kafka, Familienseelsorger an der Regionalstelle
für Ehe, Familie, Alleinerziehende in MünchenOst, möchte sich mit den Teilnehmern auf eine
Reise begeben. Diese Reise hat kein Ziel, nur
einen Weg, den Lebensweg jedes Menschen.
Biblische Impulse stellen die Erfahrungen auf
diesem Weg in einen größeren Zusammenhang
und zeigen neu, was Barmherzigkeit mit jedem
von uns zu tun hat. Termin: Donnerstag, 20.
Oktober 2016, um 19:30 Uhr, Pfarrsaal St.
Quirin. (Angela Niedhammer)
Fahnenweihe für den Verein Aubinger Nachbarschaftshilfe e.V. Unsere Fahne
durfte heuer ja schon die Fronleichnamsprozession in Lochhausen begleiten – warum
also nachträglich noch eine Fahnenweihe am
2. Oktober 2016 in St. Michael? Betrachten
wir die Geschichte der Fahnen und der Fahnenweihe so finden wir das Zeremoniell schon
ab dem 10. Jahrhundert im militärischen und
später auch im zivilen Bereich. Suspekt wurde
den Menschen die Fahnenweihe, allerdings, als
der Fahneneid auf die Hakenkreuzfahnen der
Organisationen des Dritten Reichs obligatorisch wurde. Positiv steht dem gegenüber, dass
eine Gruppe, eine Gemeinschaft oder ein Verein mit der Fahne, dem äußeren Zeichen der
Zusammengehörigkeit, von der Öffentlichkeit
besser wahrgenommen wird. Warum sollten
wir also nicht mit einer Fahne deutlich machen,
was uns als Christen wichtig ist und was uns
im täglichen Leben in Treue verbindet? Die
Betreuung und Unterstützung hilfsbedürftiger
Mitbürger im täglichen Leben, Beratung über
die möglichen Hilfen Dritter, Schulung und
Begleitung der ehrenamtlichen Helfer. Und
das ohne Rücksicht auf Konfession, ethnische
Zugehörigkeit oder Weltanschauung! Das geht
nicht ohne Gottes Hilfe, darum die Fahnenweihe und damit verbunden die Segnung der
Mitglieder, Leiterinnen und ehrenamtlichen
Helfer/-innen und deren hervorragender Arbeit. (Peter Asam, 1. Vorsitzender)
Bücherflohmarkt der Pfarrbücherei St.
Michael. Am Sonntag, 13. November, können
Interessierte von 10 bis 15 Uhr im Pfarrzent-
rum St. Michael Bücher erwerben. Wie jedes
Jahr können Sie auch wieder bei Kaffee und
selbstgebackenem Kuchen in den Büchern
schmökern oder sich mit anderen zusammensetzen. Mit dem Erlös werden neue Bücher
und Hörbücher für die Bücherei angeschafft.
Zusätzlich ist am Vormittag die Pfarrbücherei für die Ausleihe geöffnet. Zum Ausleihen
erwarten Sie dort die neuesten Romane, interessante Kinderbücher, Sachbücher zu Themen
wie München, Basteln, Religion und Hörbücher für Erwachsene und Kinder. Sie können
auch Zeitschriften lesen: Landlust, Daheim
in Deutschland, G – Geschichte, Die Stimme
Padre Pios und (neu!) die Kirchenzeitung. Bis
zum Flohmarkt-Termin im November nimmt
die Bücherei Bücherspenden während ihrer
Öffnungszeiten entgegen: immer sonntags
von 10:30 Uhr bis 12:30 Uhr und am zweiten
Dienstag im Monat von 14 bis 14:30 Uhr im
Pfarrsaal. Auf Ihren Besuch freut sich das Bücherei-Team. (Hiltrud Woltz/bk)
wollen gemeinsam hören – singen – beten –
spielen – basteln. Die Anmeldezettel mit weiteren Informationen werden rechtzeitig über
die Grundschule verteilt oder die Anmeldung
kann über [email protected] erfolgen. (bk)
Adventsingen in St. Michael. Das traditionelle Adventsingen findet auch heuer wieder am ersten Adventsonntag, 27. November,
um 17 Uhr in St. Michael statt. Unter Moderation von Otto und Gabriele Beck stimmen
uns verschiedene Musikgruppen mit volksmusikalischen Klängen in der nur durch Kerzen
beleuchteten Kirche auf die Adventszeit ein.
Otto Beck liest „Die heilige Nacht“ von Ludwig Thoma, die 2016 den einhundertsten Jahrestag ihrer Vollendung erlebt. Der Eintritt ist
frei, Spenden für einen caritativen Zweck sind
erbeten. (bk)
Liederabend im Gemeindezentrum Bartimäus. In Lochhausen, Giggenbacherstr. 20,
Freitag, 14. Oktober 2016, 19:30 Uhr. Nachdem ihre letzten Liederabende den großen
Liederzyklen „Winterreise“ und „Die schöne
Müllerin“ gewidmet waren, setzen Monika Stocker (Klavier) und Armin Holnaicher (Bariton)
in diesem Jahr Franz Schuberts „Schwanengesang“ ins Zentrum ihres Programms. Diese
Lieder bilden den Schlusspunkt von Schuberts
einzigartigem Liedschaffen und wurden von
seinem Verleger nach seinem Tod als Sammlung unter diesem Titel veröffentlicht. Unterbrochen werden die vierzehn Lieder von Franz
Schuberts Sonate für Violine und Klavier ADur mit Katharina Wild (Violine) und einem
Satz aus der sogenannten Arpeggione Sonate
in a-moll. Der „Arpeggione“ war ein damaliges Mode-Instrument. Sein Part wird aber heute oft von einer Bratsche übernommen und an
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Ökumenischer Kinderbibeltag in St. Michael. Der ökumenische Kinderbibeltag findet
in diesem Jahr am Samstag, 3. Dezember 2016,
von 9:45 Uhr bis 16 Uhr wieder im Pfarrheim
St. Michael statt. Alle Kinder zwischen 6 und
10 Jahren sind dazu herzlich eingeladen. Wir
Tanzend durch den Jahreskreis im GMZ
Bartimäus. Tanzend die kirchlichen Feste,
die Schöpfung und den Glauben feiern, und
zwar am Samstag, 3. Dezember, von 15 Uhr
bis 17:30 Uhr beim „Tanz in den Winter“. Im
Winter ruht die Natur, die Tage sind rau und
dunkel. Das Licht schwindet, wir lassen uns ein
auf die Adventszeit und gehen auf den Höhepunkt des Jahres zu, die Weihnacht. Tanzend
werden wir die Freude, die Weihnacht erleben
und einen Weg in die Andacht und Stille gehen. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich,
nur Freude am gemeinsamen Tanzen im Kreis.
Bitte geeignete Schuhe mitbringen. (Elisabeth
Winter)
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diesem Abend von Benedikt Holnaicher gespielt. Begleitet werden beide von Monika Stocker. (Elisabeth Winter)
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Abendmusik im Gemeindezentrum Bartimäus. Samstag, 19. November 2016, 19:30
Uhr in Lochhausen, Giggenbacherstr. 20. Die
Tradition der Lochhausener Abendmusik wird
heuer erstmals von Armin Holnaicher, der den
Stab von Dieter Birmann übernommen hat, in
gemeinschaftlicher Zusammenarbeit mit dem
Lochhausener Singkreis fortgeführt. Geplant
ist wieder ein Programm vom Barock bis zur
Moderne, von der Klassik bis zur Unterhaltungsmusik. Musikalisch wird die Abendmusik
weiterhin getragen von Amateuren und Profis,
von jung bis „a bisserl“ älter. Wenn auch Sie
dazu beitragen wollen, melden Sie sich doch
bitte bei Armin Holnaicher ([email protected]). Mit ihm können Sie alles Nötige klären. Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind,
aktiv oder als Zuhörer. (Elisabeth Winter)
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Lochhauser Adventskalender. Heuer findet zum 10. Mal der Lochhauser Adventskalender statt, eine ökumenische Tradition von
St. Michael und dem Evangelischen Gemeindezentrum Bartimäus. An jedem Tag im Advent gibt es ein Angebot. Entweder öffnet sich
in einer Familie in Lochhausen-Langwied die
Tür zu einem etwa ein- bis eineinhalbstündigen adventlichen Zusammensein oder es gibt
eine Veranstaltung in der Kirche, im Pfarrheim
oder im Gemeindezentrum Bartimäus wie z.B.
das Adventssingen oder den Kinderbibeltag.
Es kann musiziert werden oder gebastelt, man
hört zusammen adventliche Texte oder Musik,
manchmal auch drinnen oder draußen am offenen Feuer. Immer gibt es ein wärmendes Getränk, Tee oder auch mal Glühwein und dazu
etwas „zum Knabbern“. Dabei bleibt genügend Zeit für Gespräche. Jeder ist eingeladen,
alte Kontakte zu vertiefen oder neue zu knüp-
fen. Dabei wollen wir vor allem auch die neuzugezogenen Nachbarn nicht vergessen. Liebe
Lochhauser und Langwieder! Wenn auch Sie
Zeit und Lust haben, Ihre Tür an einem Tag zu
öffnen und sich überraschen zu lassen, wer zu
Ihnen kommt, oder wenn Sie einfach noch eine
Info wünschen, melden Sie sich bitte bei Frau
Richter unter Tel. 864 16 50 oder tragen Sie
sich in die Liste in St. Michael ein, möglichst
bis Anfang November. Den Kalender mit den
Terminen und Adressen finden Sie rechtzeitig
in St. Michael und in einigen Geschäften. (Ortrud Richter)
Bücher gesucht! Ihr Bücherregal quillt
über, und Sie wollten längst einen Teil Ihres
Lesestoffs weitergeben? Sie haben Bücher in
Ihrem Keller oder Speicher und nicht die Absicht, sie noch einmal zu lesen? Hier ist die Lösung für Ihr Problem: Spenden Sie Ihre überzähligen Bücher für den Bücherbasar in St.
Quirin! Sie können sie entweder im Pfarrbüro
von St. Quirin abgeben oder sich mit Walter
Niedhammer in Verbindung setzen (Tel. 863
47 61). Die Bücher werden beim Weihnachtsbasar am ersten Adventswochenende verkauft.
Der Erlös kommt einem sozialen Zweck zugute. Natürlich laden wir Sie herzlich ein, sich
dort auch selbst mit neuem Lesestoff zu versorgen – Sie haben dann ja wieder Platz im Regal! (mg)
Kalender
St. Quirin, Aubing
Oktober
Fr
07. Okt 15:00 Kleidermarkt Annahme
Sa
08. Okt 09:00 Kleidermarkt Verkauf
Di
11. Okt 19:30Archivgruppe
Fr
14. Okt
Pfarrgemeinderatswochenende bis 16.10.2016
So
16. Okt 11:00 Kleinkinder-Kirche
11:45 Brunch der Kleinkinder-Kirche
Mo
17. Okt 19:00 Projektgruppe Ökobilanz
Do
20. Okt 19:30 Kirchenverwaltung
19:30 „Sei Barmherzig … auch zu dir selber!“, Vortragsabend im Pfarrsaal
Sa
22. Okt 19:30 Konzert: Saladin und die Kreuzfahrer, Capella Antiqua Bambergensis
19:30 Generationenparty
So
23. Okt 11:00 Gottesdienst zum Weltmissionssonntag
November Di
01. Nov 15:00 Ökumenische Gräbersegnung
Mi
02. Nov 19:00 Pfarrrequiem
19:30 Vorstand Frauenbund
Di
08. Nov 10:00 Offener Frauentreff
19:30 Nachbarschaftshilfe Aubing
Fr
11. Nov 17:00 Wortgottesdienst zu St. Martin mit Umzug
Sa
12. Nov 19:30 Konzert: Requiem Aeternam, Kirchenchor und Orchester St. Quirin
So
13. Nov 09:00 Gottesdienst zum Volkstrauertag mit Fahnenabordnungen /
Jahrtag MGV Germania Aubing
Di
15. Nov 19:30 Pfarrverbandsrat
Do
17. Nov 19:30 Kirchenverwaltung
Fr
18. Nov Fortbildungswochenende der Kleinkinder-Kirche bis 20.11.2016
Jugend-Leiterrunden-Wochenende bis 20.11.2016
Sa
19. Nov 16:00 Treffen ehemaliger Israelfahrer
So
20. Nov 11:00 Gottesdienst mit Ministranteneinführung
12:00 Stehempfang im Pfarrsaal
Sa
26. Nov 14:00 Eröffnung des Weihnachtsbazars
So
27. Nov 09:00 Engelamt für verst. Seelsorger von St. Quirin mit Opfergang
09:30Weihnachtsbazar
11:00 Familiengottesdienst zum 1. Advent
Di
29. Nov 06:00 Engelamt bei Kerzenschein
06:30 Gemeinsames Frühstück im Pfarrsaal
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Veranstaltungen und Termine
Oktober bis Dezember 2016
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St. Quirin • St. Michael • 3/2016
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Di
29. Nov 19:30 Pfarrgemeinderat
Dezember So
04. Dez 09:00 Engelamt des lebendigen Rosenkranzes mit Opfergang
11:00Kleinkinder-Kirche
Di
06. Dez 06:00 Engelamt bei Kerzenschein
06:30 Gemeinsames Frühstück im Pfarrsaal
10:00 Offener Frauentreff
Do
08. Dez 18:00 Adventgottesdienst des Frauenbunds
18:45 Adventfeier des Frauenbunds
Sa
10. Dez 19:30 Konzert: Weihnacht in Alter Zeit, Vocalensemble Musica Aliter
und Barockensemble CordAria
So
11. Dez 09:00 Engelamt der Männer mit Opfergang
Di
13. Dez 06:00 Engelamt bei Kerzenschein
06:30 Gemeinsames Frühstück im Pfarrsaal
Mi
14. Dez 19:30 Kirchenverwaltung
Fr
16. Dez 19:00 Ministranten-Weihnachtsfeier
Seniorennachmittage mit Gottesdienst: Mi 19. Oktober und 7. Dezember 2016,
jeweils 14:30 Uhr
Meditationskreis: Di 18. Oktober, 15. November und 29. November 2016, jeweils 20 Uhr
Pfarrbriefredaktion: Di 25. Oktober und 29. November 2016, jeweils 20 Uhr
Sachbereich Mission, Entwicklung, Frieden: Do 13. Oktober 2016, 20 Uhr
Sachbereich Liturgie: Do 13. Oktober 2016, 20 Uhr
Sachbereich Jugend: Di 22. November 2016, 19:30 Uhr
Sachbereich Öffentlichkeitsarbeit: Di 22. November 2016, 20 Uhr
Sachbereich Ökumene: Do 8. Dezember 2016, 20 Uhr
Jugend-Leiterrunde: Mi 12. Oktober, 9. November und 14. Dezember 2016, jeweils 19 Uhr
St. Michael, Lochhausen
Oktober So
09. Okt Ausstellung „Vereine Langwied-Lochhausen“ bis 6. November 2016
Fr
14. Okt
Pfarrgemeinderatswochenende bis 16. Oktober 16
Di
18. Okt 08:15 Seniorenausflug
Do
20. Okt 19:30 „Sei Barmherzig … auch zu dir selber!“ Vortragsabend in St. Quirin
So
23. Okt 11:00 Gottesdienst zum Weltmissionssonntag/Missionsverkauf
November Di
01. Nov 15:00 Gräbersegnung
Mi
02. Nov 19:00 Pfarrrequiem
Fr
04. Nov 09:00 Hl. Messe (Herz Jesu)
So
13. Nov 10:00 Bücherflohmarkt bis 15 Uhr
11:00 Gottesdienst zum Volkstrauertag mit Fahnenabordnungen
Di
15. Nov 19:30 Pfarrverbandsrat
Fr
18. Nov 14:00 Annahme Kinderkleiderbazar (bis 16:30 Uhr)
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Fr
18. Nov 18:00 Verkauf Kinderkleiderbazar (bis 20 Uhr)
Sa
19. Nov 09:00 Verkauf Kinderkleiderbazar (bis 10 Uhr)
18:00 Vorabendmesse / Jahrtag Verein der Niederbayern
Sa
26. Nov 18:00 Gottesdienst mit Ministranteneinführung
So
27. Nov 11:00 Familiengottesdienst zum 1. Advent
17:00Adventsingen
Mo
28. Nov 20:00 Gottesdienst von Frauen für Frauen
Dezember Do
01. Dez 19:30 Pfarrgemeinderat
Fr
02. Dez 09:00 Hl. Messe (Herz Jesu)
Sa
03. Dez
Nikolausaktion der Jugend
10:00 Kinderbibeltag
Mo
05. Dez
Nikolausaktion der Jugend
Di
06. Dez
Nikolausaktion der Jugend
Mi
07. Dez 06:00 Morgenmeditation
06:30 Gemeinsames Frühstück
19:45 Kirchenverwaltung
So
11. Dez 11:00 Kleinkinder-Kirche
Sa
17. Dez 17:00 Waldweihnacht vor der Kirche (Bartimäus)
18:00 Versöhnungswortgottesdienst
Seniorennachmittage: Di 11. Oktober und 8. November 2016, jeweils 14:30 Uhr
Sachbereich Liturgie: Do 13. Oktober 2016, 20 Uhr
Sachbereich Öffentlichkeitsarbeit: Di 22. November 2016, 20 Uhr
Bibelabende: Mi 12. Oktober, 19. Oktober, 26. Oktober, 2. November, 9. November, 16. November, 23. November, 30. November, 7. Dezember, 14. November 2016, jeweils 20 Uhr
Pfarrbriefredaktion: Di 25. Oktober und 29. November 2016, jeweils 20 Uhr
Termine und Veranstaltungen unserer Nachbargemeinden
Adventskirche, Neuaubing
Mi
05. Okt 14:30 Seniorennachmittag im Gemeindesaal „Wiesn dahoam“
So
09. Okt 10:00 Solistenkonzert, Eintritt frei
So
06. Nov 18:00 Ökumenische Friedensdekade in St. Lukas
Sa
12. Nov 17:00 Ökumenischer Mini-Gottesdienst mit St. Konrad zum Martinstag
mit Laternenzug
Mi
16. Nov 19:00 Ökumenischer Buß- und Bettagsgottesdienst mit dem Pfarrverband Neuaubing-Westkreuz mit den Leininger Singers
Fr
02. Dez
Adventsmarkt in der Adventskirche (bis Sonntag, 4. Dez)
Mi
07. Dez 19:00 Adventsandacht mit dem Blockflötenensemble
St. Konrad, Neuaubing
So
02. Okt 10:00 Familiengottesdienst zum Erntedank
Fr
14. Okt
Kinderkleiderbasar Annahme (vor- und nachmittags)
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St. Quirin • St. Michael • 3/2016
40
Sa
15. Okt
Kinderkleiderbasar Verkauf (vormittags)
So
23. Okt 10:00 Kinderkirche - Gottesdienst in der Unterkirche
Fr
04. Nov 19:30 Theater „Die Tigerfalle“, kriminalistische Komödie von Hans Gmür
Sa
05. Nov 19:30 Theater „Die Tigerfalle“ (auch 12., 18. und 19. November)
Sa
12. Nov 17:00 St. Martinsfeier mit Laternenumzug und Feuer im Innenhof
Fr
25. Nov 17:00 Weihnachtsmarkt
Sa
26. Nov 15:00 Weihnachtsmarkt
So
27. Nov 15:00 Weihnachtsmarkt
St. Lukas, Westkreuz
So
02. Okt 11:00 Familiengottesdienst zum Erntedank
Di
04. Okt 10:00 Erntedankgottesdienst der Kindergartenkinder
So
09. Okt 11:00 Patrozinium – Orchestermesse von Joseph Haydn
Fr
14. Okt 19:00 Theater-Vorstellung „Lasst uns lügen“ (auch 15., 16., 21. - 23. Okt.)
So
23. Okt 11:00 Gottesdienst zum Weltmissionssonntag mit Just4fun
Sa
29. Okt 11:00 Ramsesfest im Pfarrsaal
Fr
11. Nov 16:30 St. Martinsfeier mit Laternenumzug
Sa
19. Nov
Weihnachtsmarkt
So
20. Nov
Weihnachtsmarkt
Fr
02. Dez 06:30 Rorateamt, anschl. Früstück
Fr
09. Dez 06:30 Rorateamt, anschl. Früstück
So
11. Dez 11:00 Gottesdienst mit Just4fun
19:00 Gospelkonzert mit Voices of Joy
Do
15. Dez 10:00 Krippenandacht der Kindergartenkinder
St. Markus, Neuaubing
Sa
22. Okt 19:00 Herbstfest
Sa
29. Okt 14:00 Schafkopfen für die Mission
Sa
19. Nov 15:00 Christkindlmarkt mit Adventskaffee
So
20. Nov 10:30 Christkindlmarkt mit Adventskaffee
So
27. Nov 14:00 Gottesdienst in der Aubinger Einkehr zum Gedenken
an den 1. Gottesdienst vor 50 Jahren
19:00 Adventliches Chorkonzert in der Kirche St. Markus
Spendenkonto Pfarrei St. Quirin, Aubing
IBAN: DE23 7016 9464 0000 0263 01, BIC: GENODEF1M07, Genossenschaftsbank München
Spendenkonto Pfarrei St. Michael, Lochhausen
IBAN: DE02 7016 9464 0000 2001 15, BIC: GENODEF1M07, Genossenschaftsbank München
Im Bild
Langjährige Weggefährten kamen zum Gedenkgottesdienst für Pfr. i.R. Alois Brem.
links oben: Dr. Michael Albus; rechts oben: PRin Katja Endl; unten links Franz Gebert
und Annette Lindner. Aufnahmen: mg
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Gemeindeleben – Höhepunkte der letzten Zeit
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St. Quirin • St. Michael • 3/2016
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links oben: Kinder-Bibelwoche in St. Quirin (Aufnahme: kb);. rechts:
Aufbruch zur heurigen Wallfahrt von St. Quirin (Aufnahme: W. Niedhammer). links: Fahnenweihe der Nachbarschaftshilfe Aubing e.V.
(Aufnahme: P. Asam)
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
links: Festgottesdienst 50 Jahre Fasslclub
Lochhausen in St. Michael (Aufnahme: J.
Krämer); mitte: Gruppenaufnahme von den
Zeltlagerteilnehmern St. Michael (Aufnahme:
M. Wohner); unten: Stadtteilgottesdienst in
St. Michael (Aufnahme: M. Wohner)
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Kinderseite
Wir danken Dir
St. Quirin • St. Michael • 3/2016
Kurz vor den Sommerferien durfte ich eine Religionsstunde von Frau Lause-Näger (vielen
Dank!) an der Grundschule am Schubinweg in Lochhausen besuchen. Dort habe ich mit Kindern
aus zwei dritten Klassen darüber gesprochen, wofür wir Gott jeden Tag danken können. Und den
Kindern ist wirklich viel eingefallen! Das Ergebnis waren kurze Dankgebete. Einige davon stehen
auf dieser Bastelvorlage für einen Gebetswürfel. Sie können die Vorlage entweder aus dem Pfarrbrief heraustrennen, kopieren oder im Internet unter www.quirin-aubing.de herunterladen. rj
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