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Unsere Themen:
Entzündete Mückenstiche: Was tun?
Brustschmerzen durch Speiseröhrenkrämpfe
Morbus Osler: Neue Therapie
Schwindel: Wie man der Ursache auf die Spur kommt
Wie gesund ist Bier?
Abenteuer Diagnose: Toter Zahn
Entzündete Mückenstiche: Was tun?
Mücken gehören zum Sommer wie Sonne, Urlaub und Erdbeereis. Mittlerweile kommen in
Deutschland über 50 verschiedene Arten vor. Immer mehr Arten aus südlichen Ländern
werden auch hierzulande heimisch. Zuletzt haben Forscher beobachtet, dass die
Japanische Buschmücke sich hier angesiedelt hat. Ihre Stiche verursachen öfter schwere
Reaktionen.
Zwar werden Mückenstiche in Deutschland generell als ungefährlich eingestuft, dennoch
sind sie äußerst lästig, da sie einen starken Juckreiz mit sich bringen. Mit dem Stich der
Mücke gelangt ein örtlich betäubendes und blutgerinnungshemmendes Sekret in die
Stichwunde. Dadurch wird der Botenstoff Histamin freigesetzt, der für die Quaddelbildung
und den lästigen Juckreiz verantwortlich ist
.
Allerdings können sie auch allergische Reaktion hervorrufen oder zu Entzündungen führen.
In der Regel handelt es sich dabei um lokale Entzündungsrektionen, die mit einer
Schwellung und Rötung der Einstichstellen einhergehen.
Entzündungen an der Einstichstelle werden in den meisten Fällen durch Kratzen
verursacht. Dadurch gelangen Bakterien, in der Regel Streptokokken, die die menschliche
Haut besiedeln, in die Einstichstelle. Mittlerweile wird allerdings auch davon ausgegangen,
dass die Bakterien auch von den Mücken selbst übertragen werden können. Insbesondere
in ländlichen Gebieten, in denen Mücken Kontakt mit tierischen Ausscheidungen haben,
kann das Risiko für eine Übertragung der Keime auf den Menschen erhöht sein. Zudem gibt
es Hinweise darauf, dass sich die Speichelzusammensetzung der Mücken ändert, sodass
die Gestochenen phasenweise stärker darauf reagieren.
Immer häufiger werden allerdings auch schwere Reaktionen beobachtet, die dazu führen,
dass die Betroffenen im Krankenhaus behandelt werden müssen. Denn wenn
Streptokokken in den menschlichen Körper gelangen, vermehren sie sich in den
Lymphbahnen und können dann ein sogenanntes Lymphödem verursachen. Gelangen die
Keime in den Blutkreislauf, droht eine Blutvergiftung (Sepsis). Wird sie nicht rechtzeitig
erkannt und behandelt, kann sie mit schwerwiegenden Komplikationen einhergehen und
sogar zum Tod führen. Bei einer drohenden Blutvergiftung reicht eine Therapie mit
Antibiotika-Tabletten nicht mehr aus, sodass die Antibiotika intravenös verabreicht werden
müssen.
Um solche Komplikationen zu vermeiden, gilt es grundsätzlich, die Mückenstiche nicht
aufzukratzen. Kühlung mit kalten, feuchten Lappen, Coolpacks oder kühlenden Gels aus
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der Apotheke lindern den lästigen Juckreiz. Präparate mit lokal wirksamen Antihistaminika
oder äußerlich anzuwendende kortisonhaltige Salben sind ebenfalls gut wirksam. Kommt
es allerdings zu starken, sich großflächig ausbreitenden Schwellungen, Eiterbildung oder
gar Allgemeinsymptomen wie Fieber, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
Den effektivsten Schutz vor lästigen Insektenstichen bieten langärmelige Kleidung,
Insektengitter sowie Mückenschutzmittel zum Auftragen auf die Haut. Diese Mittel sorgen
dafür, dass Mücken den Geruch des Menschen nicht mehr wahrnehmen.
Interviewpartner im Beitrag:
Joachim Kurzbach, Facharzt für Innere Medizin
Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin & hausärztliche Versorgung Dr. Vogt & Kurzbach
Rahlstedter Bahnhofstraße 25, 22143 Hamburg
Tel. (040) 677 32 29, Fax (040) 677 27 26
Internet: www.praxis-rahlstedt.de
Dr. Andreas Kleinheinz
Chefarzt der Klinik für Dermatologie
Ärztlicher Direktor, Elbeklinikum Buxtehude GmbH
Am Krankenhaus 1, 21614 Buxtehude
Tel. (04161) 703 6202
E-Mail: [email protected]
Brustschmerzen durch Speiseröhrenkrämpfe
Beim normalen Schlucken wird in der Speiseröhre eine peristaltische Welle ausgelöst, die
die aufgenommene Nahrung in Richtung Magen transportiert und zu einer reflektorischen
Erschlaffung und Öffnung des unteren Speiseröhrenschließmuskels führt. Dieser
verschließt außerhalb des Schluckakts die Öffnung der Speiseröhre in den Magen und
verhindert damit das Zurückfließen von Magensäure und Speisebrei.
Bei der sogenannten Achalasie handelt es sich um eine sehr seltene
Nahrungspassagestörung der Speiseröhre. Dabei ist der Schluckakt gestört, weil die
Speiseröhre nicht ausreichend beweglich ist und der untere Speiseröhrenschließmuskel
nicht erschlafft. Somit kann der Inhalt der Speiseröhre nicht in den Magen entleert werden,
sodass es zu einem Aufstau von Nahrungsbrei in der Speiseröhre kommt. Dies verursacht
die für die Achalasie typischen Schluckbeschwerden und Schmerzen. Erst wenn der durch
die sich aufstauende Nahrung aufgebaute Druck in der Speiseröhre den Druck des unteren
Speiseröhrenschließmuskels übersteigt, kann sich der Nahrungsbrei in den Magen
entleeren. Beim normalen Schlucken beträgt der Druck in der Speiseröhre maximal etwa
180 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Bei der Achalasie kann sich ein Druck bis zu 600
mmHg aufbauen.
Die Erkrankung verläuft in drei Stadien: Im ersten Stadium ist die Speiseröhre noch
funktionsfähig und versucht, gegen den zu hohen Druck im Mageneingang „anzupumpen“.
Im zweiten Stadium wird die Muskulatur der Speiseröhre bereits schwächer, da sich die
Speiseröhre zunehmend ausweitet. Im Endstadium der Erkrankung ist die Speiseröhre
schließlich funktionslos und unbeweglich.
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Mit der fortschreitenden Funktionsstörung nehmen typischerweise auch die dadurch
verursachten Beschwerden zu. In der Regel sind Schluckstörungen das führende
Symptom. Es können allerdings auch wiederkehrende Krämpfe im Brustkorb auftreten. Da
häufig zunächst nur Brustkrämpfe auftreten, werden die Symptome nicht selten als
Beschwerden einer Herzerkrankung missgedeutet.
Die teilweise erheblichen Schluckstörungen führen bei fast allen Betroffenen im Laufe der
Erkrankung zu einem zunehmenden Gewichtsverlust. Wenn der Speisebrei in der
Speiseröhre stecken bleibt, kommt es zu Erbrechen oder einem passivem Hochlaufen des
Speisebreis in die Speiseröhre. Insbesondere bei nächtlich auftretendem Reflux kann dies
zu einem "Verschlucken" von Speiseresten und Magensäure in die Luftröhre kommen.
Lungenentzündungen, sogenannte Aspirationspneumonien, können die Folge sein.
Die Ursachen der Achalasie sind bislang nicht eindeutig geklärt. Es werden sowohl
autoimmune als auch genetische Komponenten diskutiert. Verantwortlich für die
Funktionsstörung ist eine Degeneration der Nervenzellen, die die Muskulatur der
Speiseröhre versorgen. Der Verlauf der Achalasie ist unterschiedlich: Bei einigen
Betroffenen nehmen die Beschwerden sehr schnell zu, bei anderen nur schleichend. Ohne
Behandlung verschlechtert sich die Situation bei allen Erkrankten im Laufe der Zeit.
Die Diagnose der Achalasie lässt sich gut durch eine Druckmessung in der Speiseröhre
erbringen: Bei der sogenannten Manometrie kann die unzureichende Öffnung des unteren
Speiseröhrenschließmuskels in der Kombination mit der gestörten Pumpfunktion der
Speiseröhre oberhalb des Schließmuskels festgestellt werden. In fortgeschrittenen Phasen
der Erkrankung zeigt auch die Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel das typische Bild
einer Sektglas-Speiseröhre. In Frühstadien ist diese Untersuchung aufgrund des
uncharakteristischen Befunds häufig nicht richtungsweisend, eine Druckmessung zeigt
dann aber bereits das typische Bild der Achalasie. Generell zählt eine klassische
Magenspiegelung zur Routinediagnostik, um andere Ursachen der Schluckstörungen
auszuschließen.
Die Achalasie ist bis heute nicht heilbar. Allerdings gibt es Behandlungsmöglichkeiten, die
eine normale Nahrungsaufnahme ermöglichen und ein Linderung der Beschwerden
erreichen. Die Auswahl des Therapieansatzes richtet sich nach den individuelle
Voraussetzungen des einzelnen Patienten sowie dem Zustand der Speiseröhre.
Im Rahmen des medikamentösen Therapieansatzes kommen Präparate zum Einsatz, die
die Spannung der Muskulatur in der Speiseröhre herabsetzen können. Diese Präparate
werden routinemäßig zur Behandlung von Bluthochdruck oder
Herzkranzgefäßverengungen eingesetzt und sind aus diesem Grund nicht frei von
Nebenwirkungen. Dazu zählen vor allem sogenannte Kalzium-Antagonisten und Nitrate.
Beide Präparate wirken blutdrucksenkend. Dies kann bei Patienten mit niedrigem
Blutdruck zu Kreislaufbeschwerden führen. Insgesamt ist der Einfluss der Medikamente auf
die Symptome gering und der Erfolg der Therapie eher mäßig. Aus diesem Grund kommt
sie allenfalls in den Anfangsstadien der Achalasie zum Einsatz.
Mittlerweile ist die sogenannte Ballondilatation das Therapieverfahren der Wahl. Im
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Rahmen einer Magenspiegelung wird dabei der verengte Mageneingang durch einen über
das Endoskop eingeführten Luftballon erweitert. Die größte Gefahr dieser Methode liegt in
einer sogenannten Perforation, das bedeutet ein Einriss der Speiseröhre mit der Gefahr
einer Entzündung im Brustkorb. Zudem ist nicht selten innerhalb von fünf Jahren eine
erneute Dilatation notwendig.
Die Botulinustoxin-Injektion ist ebenfalls ein etabliertes Therapieverfahren, das auch im
Rahmen einer Magenspiegelung durchgeführt wird. Die Erfolge sind in der Regel allerdings
von kurzer Dauer. Hierbei wird Botox in den unteren Speiseröhrenschließmuskel gespritzt.
Botox ist ein Nervengift und lässt den Muskel erschlaffen. Seit der Möglichkeit der
Magenspiegelungen sind operative Therapieverfahren zunehmend in den Hintergrund
getreten. Die Verfahren sind technisch anspruchsvoll und gehören in die Hand von
erfahrenen Magen- und Speiseröhrenoperateuren.
Interviewpartnerin im Beitrag und Studio:
Priv.-Doz. Dr. Jutta Keller
Leiterin der Funktionsdiagnostik
Medizinische Klinik
Israelitisches Krankenhaus in Hamburg
Orchideenstieg 14, 22297 Hamburg
Tel. (040) 51125 0
E-Mail: [email protected]
Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Carsten Zornig
Stellvertretender Ärztlicher Direktor und Direktor der Chirurgischen Klinik
Israelitisches Krankenhaus Hamburg
Orchideenstieg 14, 22297 Hamburg
Tel. (040) 51125 5101, Fax. (040) 51125 5102
E-Mail: [email protected]
Weitere Informationen:
www.achalasie.de
Morbus Osler: Neue Therapie
In Deutschland leiden rund 35.000 Menschen an der Erbkrankheit Morbus Osler. Die
Erkrankung ist gekennzeichnet durch krankhafte Erweiterungen von Blutgefäßen. Diese
sogenannten Teleangiektasien können prinzipiell überall am Körper auftreten, finden sich
jedoch vor allem in der Nase, im Gesicht und den Schleimhäuten des Magen-Darm-Traktes.
Da die Gefäßerweiterungen sehr verletzlich sind, kann es leicht zu Einrissen und damit zu
Blutungen kommen. Häufiges, unstillbares Nasenbluten ist das typische Leitsymptom der
Erkrankung.
Das Nasenbluten kann so starke Ausmaße annehmen, dass es zu einer ausgeprägten
Blutarmut (Anämie) kommen kann, die Bluttransfusionen erforderlich macht. Vorbeugend
können Nasensalben verwendet werden, im Blutungsfall kann eine Nasentamponade
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helfen. Die Gefäßerweiterungen können im Rahmen von Laserbehandlung verödet werden.
Eine Heilung auf Dauer ist bislang noch nicht möglich.
Auch im Magen-Darm-Trakt können die Gefäßerweiterungen Ursache für häufig
wiederkehrende Blutungen sein. Zur Abklärung kann eine Magen-Darm-Spiegelung
durchgeführt werden. Gefäßerweiterungen können dabei mithilfe von Laseranwendungen,
Unterspritzungen oder elektrischer Verödung behandelt werden.
Größere Gefäßerweiterungen in anderen Organen wie Lunge, Leber und Gehirn bleiben oft
lange unbemerkt und werden durch plötzliche Blutungen oder Organversagen
lebensbedrohlich. Gefäßkurzschlüsse, sogenannte Shunts, in der Leber können zu einer
Überlastung des Herzens führen. Betroffene bemerken zunächst in den meisten Fällen
Abgeschlagenheit und mangelnde körperlicher Belastbarkeit. Als therapeutischer Ansatz
steht zunächst die medikamentöse Verbesserung der Herzfunktion im Vordergrund. Im
weiteren Verlauf kann in einigen Fällen eine Lebertransplantation notwendig sein.
Die ersten Anzeichen der Erkrankung zeigen sich meist in der Pubertät mit Nasenbluten.
Die Diagnose wird vor allem klinisch gestellt, genetische Untersuchungen sind möglich. Es
wird davon ausgegangen, dass mindestens drei mutierte Gene das Krankheitsbild
verursachen können. Zwei davon sind mittlerweile bekannt.
Seit dem Jahr 2008 steht mit dem Antikörper Bevacizumab ein Wirkstoff zur Behandlung
des Morbus Osler zur Verfügung - dies wurde zufällig entdeckt. Das Medikament ist
eigentlich zur Behandlung von Darmkrebs, Brustkrebs und einigen Lungenkrebsarten
zugelassen. Seine Wirkung beruht auf der Unterdrückung von Gefäßneubildung, die für die
Versorgung und das Wachstum des Tumorgewebes notwendig ist. Da nicht nur die Bildung
von Tumorgefäßen, sondern auch andere Gefäßsprossungen gehemmt werden, wird das
Medikament auch bei der Augenerkrankung Makuladegeneration eingesetzt.
Für Morbus Osler speziell ist der Wirkstoff nicht zugelassen. Die Behandlung erfolgt als
sogenannter Off-Label-Use. Bevacizumab wird gut vertragen, und die eher seltenen
Nebenwirkungen wie Neigung zu hohem Blutdruck und Übelkeit sind gut zu behandeln.
Das Medikament wird intravenös verabreicht - in der Regel sechsmal im Abstand von zwei
Wochen. Die Wirkung hält durchschnittlich etwa 9 bis 18 Monate an. Bei 70 Prozent der
behandelten Patienten können die Beschwerden deutlich gelindert werden.
Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Ajay Chavan
Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Klinikum Oldenburg gGmbH
Rahel-Straus-Str. 10, 26133 Oldenburg
Tel. (0441) 403 2521
Internet: www.klinikum-oldenburg.de/de/patienten/institut_fuer_radiologie
E-Mail: [email protected]
Weitere Informationen:
Morbus Osler Selbsthilfe e. V.
Internet: www.morbus-osler.de
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Schwindel: Wie man der Ursache auf die Spur kommt
Schwindel ist ein häufiges Phänomen. Er ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne,
sondern vielmehr ein Symptom, das verschiedenste Ursachen haben kann. Bei Schwindel
handelt es sich um eine Scheinbewegung: Es entsteht das Gefühl, dass sich die Umgebung
beziehungsweise der eigene Körper dreht oder der Boden schwankt. Tatsächlich beruhen
diese Bewegungen aber auf einer gestörten Wahrnehmung der Umgebung.
Das für das Gleichgewicht zuständige Organ befindet sich im Innenohr. Es besteht unter
anderem aus drei flüssigkeitsgefüllten Bogengängen, die um 90 Grad versetzt zueinander
stehen und in denen sich spezielle Sinneszellen befinden. Bei jeder Bewegung werden
diese aktiviert und liefern Informationen an das Gehirn.
Im Gehirn findet ein Abgleich mit Informationen der Augen, der Stellung von Gelenken und
der Muskulatur statt. Das Gehirn berechnet daraus die Position des Körpers im Raum.
Passen diese Informationen nicht zueinander, entsteht Schwindel.
Die häufigste Schwindelform ist der Lagerungsschwindel. Etwa 10 bis 20 Prozent aller
Menschen haben mindestens einmal in ihrem Leben eine solche Schwindelattacke. Der
Lagerungsschwindel entsteht meistens im hinteren Bogengang eines
Gleichgewichtsorgans. Dorthin verirren sich Kalziumkristalle - sogenannte Otolithen. Beim
Aufrichten vom Liegen ins Sitzen oder Stehen bewegen sich die Kristalle mit der
Schwerkraft in der Flüssigkeit des Bogengangs und reizen die Sinneshärchen, sodass
Drehschwindelattacken ausgelöst werden.
In den meisten Fällen bildet sich der Lagerungsschwindel rasch von selbst zurück. Ist das
nicht der Fall, können Körper- und Kopflagerungsübungen helfen, die Otolithen aus den
Bogengängen des Gleichgewichtsorgans zu entfernen. Etwa 70 Prozent der Patienten sind
danach beschwerdefrei.
Wie lassen sich die Ursachen für Schwindel aufdecken und die Beschwerden gezielt
behandeln? Ihre Fragen dazu beantwortet Dr. Björn Machner nach der Sendung im Visite
Expertenchat. mehr
Prinzipiell werden zwei weitere Arten von Schwindel unterschieden: Der sogenannte
zentrale Schwindel wird durch Störungen im Gehirn selbst verursacht - also zum Beispiel
als Folge von Durchblutungsstörungen im Rahmen eines Schlaganfalls oder durch
Tumoren.
Ein peripherer Schwindel liegt vor, wenn das Gleichgewichtsorgan (wie beim
Lagerungsschwindel) oder der Gleichgewichtsnerv geschädigt ist. Dabei muss
unterschieden werden, ob nur ein Gleichgewichtsorgan geschädigt ist oder beide. Ein
beidseitiger Ausfall der Gleichgewichtsorgane kann zum Beispiel durch Nebenwirkungen
von Medikamenten - dem Antibiotikum Gentamycin - oder durch eine Hirnhautentzündung
ausgelöst werden. Die typischen Symptome sind dann Schwindelattacken und
Bilderwackeln, die vor allem bei körperlicher Bewegung auftreten.
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Ein weiterer Grund für einen beidseitigen Ausfall des Gleichgewichtsorgans kann der
Morbus Menière sein. Diese Erkrankung des Innenohrs beeinträchtigt die Funktion des
Gleichgewichtsorgans erheblich. Schwindel und Übelkeit treten sehr plötzlich und oft in
Verbindung mit Schwerhörigkeit, Ohrgeräuschen und Druck auf den Ohren auf.
Ein einseitiger Ausfall eines Gleichgewichtsorgans ist in der Regel die Folge einer
Entzündung des Gleichgewichtsnervs. In den meisten Fällen werden diese Entzündungen
durch Herpesviren verursacht. Auch bei dieser sogenannten Neuritis vestibularis tritt die
Schwindelsymptomatik plötzlich auf. Der Schwindel kann sowohl als Dreh- als auch als
Kippschwindel empfunden werden. Er ist in jedem Fall stark ausgeprägt und geht oft mit
Übelkeit und Erbrechen einher. Die Betroffenen neigen zu Stürzen. Zudem haben sie
sichtbare Augenbewegungsstörungen, Nystagmus genannt. Typischerweise nehmen die
Beschwerden in den ersten Stunden rasch zu, bleiben einige Tage und bilden sich
schließlich innerhalb von Tagen bis Wochen zurück. Die Besserung ist darauf
zurückzuführen, dass das Gehirn lernt, den Ausfall eines Gleichgewichtsorgans zu
kompensieren.
Schwindelbeschwerden können auch als Folge ganz anderer Erkrankungen auftreten. Im
Rahmen einer schlecht eingestellten Zuckerkrankheit kann es zur Polyneuropathie
kommen. Bei dieser Erkrankung werden die peripheren Nerven zunehmend geschädigt
und gehen zugrunde. Schließlich ist die Verbindung zwischen dem betroffenen Körperteil also zum Beispiel den Füßen und Beinen - und dem Gehirn so gestört, dass es zu
spürbaren Funktionsstörungen kommt. Handelt es sich bei den geschädigten Nerven um
motorische Nerven, so beeinträchtigt dies die Beweglichkeit der entsprechenden
Muskelpartien. Handelt es sich um sensible Nerven, kommt es zu Missempfindungen,
Taubheitsgefühlen und Gleichgewichtsstörungen.
Die Diagnosemöglichkeiten von Schwindel sind so vielfältig wie die möglichen Ursachen
der Beschwerden. Eine ideale Betreuung bieten Schwindelambulanzen. Ganz wichtig ist die
genaue Beschreibung des Schwindelgefühls, denn sie kann bereits wichtige Auskunft über
die mögliche Ursache geben. Im Rahmen der bildgebenden Diagnostik stehen mit der
Computertomografie und der Magnetresonanztomografie zwei sehr zuverlässige Methoden
zur Verfügung, um nötigenfalls strukturelle Veränderung als Ursache der Beschwerden zu
erkennen oder auszuschließen.
Interviewpartner im Studio:
Priv.-Doz. Dr. Björn Machner, Facharzt für Neurologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Klinik für Neurologie
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 29 28
E-Mail: [email protected]
Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Christoph Helmchen
Ärztlicher Leiter der Schwindelambulanz Lübeck
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Klinik für Neurologie
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Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 2928
E-Mail: [email protected]
Wie gesund ist Bier?
Bier ist das meistkonsumierte alkoholische Getränk der Deutschen: Im Jahr 2014 lag der
Pro-Kopf-Verbrauch bei 107 Litern - nur die Tschechen trinken mehr. Während im Norden
Deutschlands herbe Biere bevorzugt werden, trinkt man im Süden lieber Helles oder
Weizen und im Rheinland am liebsten Kölsch und Alt. Nach dem Reinheitsgebot von 1516
besteht Bier auch heute noch ausschließlich aus den vier Grundzutaten Wasser, Hopfen,
Malz und Hefe.
Kaum einem Getränk werden so viele positive Eigenschaften zugesprochen wie dem Bier.
So soll es zum einen Nierensteinen, Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen. Zum
anderen soll es beruhigend wirken und das Einschlafen erleichtern. Es soll revitalisieren
und akute Erschöpfungszustände kurieren, den Haarwuchs fördern und bei sexueller
Unlust helfen. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass die Schäden und Risiken des Alkohols
den positiven Nutzen der Wirksubstanzen im Bier überwiegen - und zwar auch bei einem
geringen Konsum.
Neben Alkohol und Kohlenhydraten enthält Bier Mineralstoffe, Spurenelemente und
Vitamine aus der Gerste sowie ätherische Öle aus dem Hopfen. Hopfen gehört zu den
Hanfgewächsen. Es enthält wertvolle Bitterstoffe sowie ätherische Öle, die dem Bier die
typische Würze verleihen und bei Appetitlosigkeit, Magenschwäche und Unruhezuständen
helfen. Hopfen wirkt beruhigend, aber stoffwechselanregend. Und er enthält
entzündungshemmende Flavonoide. Auch das Polyphenol Xanthohumol gilt als antioxidativ
und kommt in keiner anderen Pflanze vor. Diese positiven Wirkungen beziehen sich
allerdings auf Hopfenextrakt. Tatsächlich ist die Menge an Hopfen im Bier zu gering, um
wirksam zu sein.
Das Malz im Bier liefert viele B-Vitamine. Insbesondere die für den Stoffwechsel wichtigen
Vitamine B2 (Riboflavin), B6 (Pyridoxin), Panthenolsäure sowie Niacin kommen in größerer
Menge vor.
Als Mineralstoff im Bier ist die Phosphorsäure wichtig, ein Bestandteil von Zellbausteinen.
Bier enthält auch Kalium und Magnesium, allerdings sind die Konzentrationen zu gering,
um sich positiv auf den Elektrolythaushalt im Blut auszuwirken. Durch seinen geringen
Natriumgehalt wirkt Bier sich aber positiv auf den Blutdruck aus. Es hat zudem eine
harntreibende Wirkung. Den gleichen Effekt haben allerdings auch Wasser und Tee.
Und obwohl Bier praktisch fett- und gänzlich cholesterinfrei ist, ist es ein Kalorienlieferant:
100 Milliliter liefern durchschnittlich etwa 43 Kilokalorien - Weißbier etwa 38 Kilokalorien
(im Vergleich, je 100 Milliliter: Apfelsaft: 46 Kilokalorien, Cola: 38 Kilokalorien, fettarme
Milch: 48 Kilokalorien). Studien belegen zwar, dass mäßiger Biergenuss das Körpergewicht
theoretisch vermindern kann. In der Praxis führt der regelmäßige Konsum von Bier
dennoch häufig zu einer Gewichtszunahme, dem sogenannten Bierbauch. Bier verstärkt
mehr als andere alkoholische Getränke das Hungergefühl, vor allem da die Bitterstoffe im
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Hopfen eine appetitanregende Wirkung haben. Zudem stoppt der Alkohol im Bier die
Fettverbrennung.
Und auch im Hinblick auf die mutmaßliche Verbesserung der Schlafqualität schneidet das
Bier schlechter ab als gedacht. Insbesondere die Durchschlafqualität wird durch den
Alkoholgehalt deutlich beeinträchtigt.
Immerhin ist alkoholfreies Bier im Freizeitsportbereich eine gute Alternative zu klassischen
Sportgetränken, da es viel Flüssigkeit und eben auch Mineralien und Elektrolyte liefert.
Interviewpartner im Beitrag:
Oliver Wesseloh, Dipl.-Ing. für Brauwesen, Weltmeister der Sommeliers für Bier
Kehrwieder Kreativbrauerei
Internet: www.kreativbrauerei.de
E-Mail: [email protected]
Niels Schulz-Ruhtenberg,Facharzt für Allgemeinmedizin, Ernährungs- und Sportmedizin
Am Kaiserkai 46, Hamburg
Tel. (040) 64 66 17 60
Internet: www.aerzteamkaiserkai.de, www.ernaehrungsmediziner.de
E-Mail: [email protected]
Jörg Klose
Paulaners Bremen
Schlachte 30, 28195 Bremen
Internet: www.paulaners.de
E-Mail: [email protected]
Abenteuer Diagnose: Toter Zahn
Ein plötzlicher Schmerz, ein Stechen im rechten Auge reißt Heidi S. aus dem Schlaf. Und
dann lässt auch noch die Sehkraft nach - plötzlich hat sie nur noch ein Drittel ihrer vorher
normalen Sehstärke. Sie kann nur noch schemenhaft sehen. Für Heidi S. ist das besonders
bedrohlich. Denn seit ihrer Kindheit hat sie auf dem linken Auge nur eine Restsehkraft von
zehn bis 20 Prozent.
In der Uniklinik wird eine Entzündung des Sehnervs als Ursache der Beschwerden
diagnostiziert. Bei sonst gesunden jungen Menschen kann das ein erster Hinweis auf eine
Multiple Sklerose sein. Die Verdachtsdiagnose ist ein Schock für Heidi S. und ihren
Ehemann. Sie erhält hochdosiertes Kortison. Es soll den Entzündungsprozess stoppen. Es
ist wichtig, die Entzündung schnell in den Griff zu bekommen, damit sich der Sehnerv
möglichst vollständig erholen kann.
Um mögliche andere Ursachen der Entzündung auszuschließen, wird das Blut von Heidi S.
auf eine Infektion mit Herpes, Borreliose und Lues untersucht. Doch im Labor finden sich
weder Hinweise auf eine bakterielle oder virale Entzündung noch auf ein autoimmunes
Geschehen wie zum Beispiel eine Multiple Sklerose. Immerhin schlägt die Kortisontherapie
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an, und die Sehkraft verbessert sich innerhalb von Tagen wieder auf 60 Prozent. Heidi S.
kann von Tag zu Tag besser sehen, sie wird aus dem Krankenhaus entlassen.
Einmal in der Woche geht sie nun zu ihrem Augenarzt. Zunächst verbessert sich ihre
Sehkraft weiter. Doch dann, plötzlich, verschlechtert sich das Sehvermögen wieder
deutlich. Egal was der Augenarzt versucht - er kann die fortschreitende Erblindung nicht
stoppen.
Deshalb schickt er Heidi S. schließlich zu einem Neurologen. Der führt sowohl eine
Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes als auch eine Untersuchung des Hirnwassers
durch. In der MRT will er schauen, ob auch andere Nervenbahnen betroffen sind. Im
Hirnwasser sucht er nach typischen Veränderungen, die im Rahmen bakterieller, viraler
oder autoimmuner Entzündungsreaktionen auftreten. Beide Untersuchungen sind absolut
unauffällig. Während die Visusverschlechterung weiter voranschreitet, haben die Ärzte
immer noch keine Erklärung für die Entzündung am Sehnerv. Und auch eine erneute
Kortisontherapie schlägt nicht an.
Das Sehvermögen nimmt weiter ab. Wie der Zufall es will, wird Heidi S. bei ihrem nächsten
Augenarzttermin von einem anderen Arzt untersucht. Und der hat eine ungewöhnliche
Idee: die des "Augenzahns". Er schickt Heidi S. zum Zahnarzt. Von der Legende des
"Augenzahns" hatten Heidi S. und ihr Mann schon gehört - daran geglaubt hatten sie nicht.
Der Augenzahn ist der obere Eckzahn. Er ist der längste Zahn im Gebiss. Seine Wurzelspitze
reicht fast bis zur knöchernen Augenhöhle. Entzündungen im Bereich der Wurzelspitze
können so auf den nahegelegenen Sehnerv übergreifen. Die Folge sind Schwellungen,
Rötungen und starke Druckschmerzen dicht unter dem Auge. Umgangssprachlich ist so der
Name "Augenzahn" entstanden.
Tatsächlich wird der Zahnarzt fündig. Eine Röntgenaufnahme vom Oberkiefer zeigt die
Entzündung. Da der Zahn bereits wurzelbehandelt ist, ist die Entzündung für Heidi S. nicht
schmerzhaft. Rasch wird der Übeltäter gezogen. Und bereits am nächsten Tag bemerkt
Heidi S. eine Verbesserung ihrer Sehkraft. Es ist wie ein Wunder: Die Entzündungsherde am
Sehnerv verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind.
Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. med. Sabine Aisenbrey, Fachärztin für Augenheilkunde
Direktorin der Universitätsklinik für Augenheilkunde
Pius-Hospital Oldenburg
Georgstraße 12, 26121 Oldenburg
Tel. (0441) 229 1261,
Internet: www.pius-hospital.de
Richard Bähr, Facharzt für Neurologie, Palliativmedizin
Oberarzt der Klinik für Neurologie
Ammerland Klinik GmbH
Lange Straße 38, 26655 Westerstede
Dieter Hagedorn, Facharzt für Augenheilkunde
Zentrum Gesundheit
Tagesklinik Leer
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Ledastr./Ecke Ostersteg 1, 26789 Leer
Internet: www.zentrumgesundheit.de
Dr. med. dent. Dominik Rindermann, Zahnarzt
Westerlandstrasse 29, 26847 Detern
Tel. (04957) 990316, Fax. (04957) 990342
E-Mail: [email protected]
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