ausblick 01-2016 - institut für christliche psychologie

bekennend professionell persönlich
VON DER MELODIE DER ZUKUNFT
Ein Tiefblick von Markus Müller Seite 04
NEUE PRÄSIDENTIN DES ICP
Interview mit Dorothea Schär
Seite 08
GENERATIONENWECHSEL
Neue Institutsleitung
Seite 13
01/16
EDITORIAL
INHALTSVERZEICHNIS
04
massgeschneidert
Soziales Engagement
zum Beruf machen
individuell
aktuell
Inhouse-Schulungen
Ausbildung in Sozialpädagogik
Nächste Info-Veranstaltungen:
• 24.08.2016 in Bern, 19.00 – 21.00 Uhr
• 30.08.2016 in Olten, 19.00 – 21.00 Uhr
• 05.09.2016 in Winterthur, 19.00 – 21.00 Uhr
Informationen und Anmeldung
Tel. 062 293 50 01, [email protected]
UNG IST
DIE AUSBILD
NNT.
ISCH ANERKA
EIDGENÖSS
Aktuelle Angebote siehe:
www.icptp.ch/weiterbildung/inhouse-schulung
Kontakt und weitere Informationen:
Marc Peterhans, 062 293 50 01,
[email protected]
Höhere Fachschule für Sozialpädagogik
www.icptp.ch
TIEFBLICK
Von der Melodie
der Zukunft
von Dr. Markus Müller
08
ANBLICK
« ICP überzeugt mich, weil
es sorgfältig um die
Verbindung von Glaube und
Fachlichkeit ringt »
Interview mit Dorothea Schär
11
AUGENBLICK
?
Ein Lebenszeichen Gottes Rolands Kolumne
12
EINBLICK
Absolventinnenund Absolventen-Tag
von Marc Peterhans
13
EINBLICK
Generationenwechsel
Das Nein-Sage-Online-Training
Von zu Hause aus lernen!
Nein-sagen bzw. Grenzen zu setzen fällt vielen nicht leicht. Ein Grund liegt darin, dass wir
Beziehungsstress befürchten und selten das Nein-Sagen gelernt haben. The Healing No.
Vom fünffachen Ja will vermitteln, dass es auch ein Nein gibt, das Beziehungen vertiefen
und manchmal sogar heilend wirken kann, vor allem in helfenden, pädagogischen oder
sozialen Aufgaben.
Dauer dieses Online-Trainings: ca. 6 Monate
Weitere Informationen: [email protected]
Anmeldung: unter www.icptp.ch
Verantwortlich: Werner May, Dipl. Psych.
14 RÜCKBLICK
Nach 10 und 20 Jahren
nachgefragt bei ...
Christian Dössegger
und Reto Zimmerli
16
ÜBERBLICK
Agenda und News
3
AUSBLICK
IN DIE ZUKUNFT
L
iebe Leserin, lieber Leser,
Was bringt die Zukunft? Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft? Welche
Trends bahnen sich in unserem Umfeld an?
Solche Fragen bewegen Organisationen in
regelmässigen Abständen oder vor grösseren Umbrüchen. In den letzten Monaten
auch das icp. Wir wollen uns gut für die
Zukunft rüsten und neu positionieren. Wie
in diesem AUSBLICK zu lesen ist, wird der
langjährige Institutsleiter Roland Mahler
2017 pensioniert. Zusammen mit dem
Stiftungsrat waren wir herausgefordert,
uns mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, um unser Institut so umzugestalten,
dass es auch nach der Pensionierung von
Roland Mahler «fit» für die Zukunft ist.
Auch mich persönlich beschäftigten in diesem Zusammenhang Fragen zu meiner
Zukunft: Soll ich die Institutsleitung am
icp übernehmen? Soll ich mich entscheiden, für weitere 5, 6, 7 … Jahre am icp tätig
zu sein? Ein intensiver Entscheidungsprozess begann, Gespräche mit Familie und
Freunden, eine Standortbestimmung im
Rahmen eines Coachings und schliesslich
die Entscheidung: Ja, ich will – und auch
diese Entscheidung mit dem Nachsatz:
«mit Gottes Hilfe!»
Zukünftige Entwicklungen zu antizipieren
und darauf abgestützt Entscheidungen zu
treffen und Veränderungen einzuleiten,
ist – persönlich wie auch als Organisation – ein riskantes Unternehmen. Wer
kann schon mit Gewissheit sagen, was die
Zukunft in einer so schnelllebigen Welt
bringt? In dieser Ungewissheit mich getragen zu wissen von dem, der von sich
sagt «ich bin das Alpha und das Omega,
der Erste und der Letzte, der Anfang und
das Ende» gibt eine Ruhe und eine Gewissheit, die ich in meiner Verantwortung als
Leitungsperson unglaublich schätze. Auch
wenn damit nicht alle Fragen beantwortet
sind, auch wenn damit Entscheidungen
noch nicht gefällt sind, ist es ein Fundament, das Halt gibt, um sich mutig und
mit Freude den anstehenden Aufgaben
zu stellen.
So habe ich gerne und mit Überzeugung ja
gesagt zur neuen Aufgabe. Ja dazu, mich
weiterhin in dieses spannende Institut zu
investieren. Weiterhin darum zu ringen,
wie Menschen gefördert und ausgerüstet
werden können.
Gerne lassen wir Sie in dieser zweiten
Ausgabe des AUSBLICKs an diesem spannenden Ringen teilhaben – viel Vergnügen
beim Lesen!
Marc Peterhans
Schulleiter Höhere Fachschule für
Sozialpädagogik icp
IMPRESSUM:
Herausgeber:
Institut für christliche Psychologie, Therapie und
Pädagogik icp
Froburgstr. 266, CH-4634 Wisen
062 293 50 01, [email protected], www.icptp.ch
Redaktion:
Fritz Imhof, Marc Peterhans
Konzept und Gestaltung:
mediawerk (Quellenhof-Stiftung), Winterthur
Druck:
Optimo Service AG, Winterthur
Auflage:
800 Exemplare, zweimal jährlich
Bildnachweis:
Titelbild: istockphoto
Portraits: privat
AbsolventInnen-Tag: Marc Peterhans
Einblick, Seite 13: istockphoto
4
TIEFBLICK
TIEFBLICK
Fachartikel
VON DER MELODIE
DER ZUKUNFT
WAS AUF UNS ZUKOMMT UND WIE WIR MÜNDIG
DAMIT UMGEHEN KÖNNEN
Das Jahr 2015 liegt (längst) hinter uns. Zehn Jahre liegen hinter uns. 70 Jahre
liegen hinter uns. 400 Jahre, ja, 2000 Jahre liegen hinter uns. Analoges gilt beim
Blick nach vorne: Das Jahr 2016 liegt (grossenteils) vor uns. Zehn Jahre liegen
vor uns. 70 Jahre liegen vor uns … Eine unglaubliche Wucht, die sich da plötzlich
gedanklich, gefühls- und empfindungsmässig vor uns aufbaut und uns beflügelt
oder aber ausbremst und letzte Energien raubt.
Was ist los nach 2015?
Da muss man sich festhalten, besser noch hinsetzen. Die Stichworte, die uns zum Jahr 2015 spontan einfallen, sind noch längst nicht verdaut. Man
sagt, dass 2015 die Spur für das 21. Jahrhundert
gelegt wurde und die Weichen dazu gestellt worden
sind – mehr noch als 2001 (9/11), mehr noch als
2008 (Finanzkrise), mehr noch als 2011 (brennende
Vorstädte, Arabischer Frühling, Fukushima). 2015:
Das Jahr ist geprägt von Reizworten wie Flüchtlingsdrama, Mittelmeer als Massengrab, Ukraine,
Rettungsschirm und Griechenland, Syrien, Dschihadismus, Terror und Terrornacht in Paris, Pegida,
Schon fast nebensächlich war der VWSkandal, der FIFA-Skandal, der Ölpreiszerfall.
Und kaum zur Kenntnis genommen
haben wir, dass Christian und Bettina Wulff
wieder verheiratet sind.
Silvesternacht in Köln, Boko Haram, IS … Dies
und anderes bedrückt, beschämt, macht sprachlos.
Schon fast nebensächlich war der VW-Skandal,
der FIFA-Skandal, der Ölpreiszerfall. Und kaum
zur Kenntnis genommen haben wir, dass Christian und Bettina Wulff wieder verheiratet sind, dass
mal wieder richtig Sommer war, dass sich die Fussballschweiz für die Europameisterschaft qualifiziert
hat, dass erstmals in der Geschichte 190 Nationen
Ja zu einem Klimavertrag gesagt haben, dass die
Ein-Kind-Politik in China beendet wurde, dass in
Deutschland und der Schweiz mehr Frauen zu Müttern wurden als dies je seit 1989 der Fall war, dass
die Diktatur in Myanmar zu Ende ist, dass noch nie
so viele Menschen in Mitteleuropa Arbeit hatten
wie 2015, dass die Zahl der Schulabbrecher seit
2001 um die Hälfte reduziert worden ist, dass sich
die Zahl der Verkehrstoten in den vergangenen 20
Jahren halbiert hat, dass weltweit 91% der Bevölkerung Zugang zu Trinkwasser haben (1990: 77%),
dass die Kindersterblichkeit seit 1990 von 12,7 Mio.
auf 5,9 Mio. gesunken ist.
Was wird vor diesem Hintergrund werden – im
kommenden Jahr und in den kommenden Jahrzehnten? Klar ist eigentlich nur: Es ist eine wirklich
spannende Frage. Lassen wir noch einige Einschätzungen auf uns wirken:
2015: Das ist die tiefgreifendste Zäsur seit dem
2. Weltkrieg – ein Mauerfall zwischen Erster und
Dritter Welt. Wir stehen vor einer Zeitenwende.
Das Jahr 2015 hat gezeigt: Die Welt ist aus den
Fugen – Es wird nie mehr so sein wie es war – Ein
gewaltiger Lernprozess steht bevor. Es war das Jahr,
in dem die Welt über uns hereingebrochen ist: Das
Projekt ist gescheitert – Aus Willkommenskultur
wird Angstkultur – Wohlstand und Krieg werden
neu verteilt – Ein Jahr, in dem sich die Fundamente
verschoben haben …
Und dann steht man da, begnügt sich damit, den
eigenen Alltag zu bewältigen, beruflich und privat
das Beste zu geben – als nicht christlich orientierter
Mensch genauso wie als Christenmensch.
Vom notwendigen Weg
aus der Unmittelbarkeit
Wir kennen aus dem Coaching Sätze wie: Lasst uns
wieder mal den Wald statt nur die Bäume sehen,
oder: Aus der Vogelperspektive schaut das nochmals
ganz anders aus – lasst uns mal in diese Sichtweise
wechseln. Diese Aufforderung befolgend, erkennen
wir, dass unsere Gespräche in der Regel auf drei
Ebenen ablaufen:
Auf der ersten Ebene finden wir die nahezu zahllosen Einzelereignisse, beflügelnd manchmal, und
mindestens so oft bedrohlich bis lähmend. Angesichts solcher Ereignisse findet man leicht ins Gespräch. Der Stammtisch ist geradezu prädestiniert
dazu, Einzelereignisse zu verhandeln.
Die zweite Ebene umfasst die sichtbaren Entwicklungslinien. Insbesondere rückblickend sagt man
sich: Eigentlich völlig logisch und klar. Hätten wir
genau hingeschaut, hätte man bereits 1968 sagen
können, dass wir auf ein echtes demographisches
Problem zugehen. Und eigentlich war es 1989 offensichtlich, dass es über kurz oder lang zu enormen
Bevölkerungsverschiebungen kommen wird. Und
ebenso klar: 1998 war doch bereits absehbar, dass es
über kurz oder lang zu einer grossen Währungskrise kommen wird. Auch wenn solches rückblickend
leicht zu sagen ist, so liegt doch ein Körnchen Wahrheit in der Aussage, dass weltgeschichtlich bedeutsame Ereignisse nicht vom Himmel fallen. Alles bahnt
sich an, oft unsichtbar oder einfach übersehen. Die
Soziologen reden an dieser Stelle von einer «Inkubationszeit». Man fragt sich: Warum sind wir so blind
(gewesen) und haben uns überraschen lassen? Ob
wir es in Zukunft besser machen?
Die dritte Ebene betrifft die «heilsgeschichtliche
Dynamik». Dabei geht es – man entschuldige die
wohl im ersten Moment etwas fremd klingenden
Begriffe – um die Geschichtsschau Gottes und das,
was sich von seiner Urabsicht her mit dieser Welt
ergeben wird. Wer an dieser Stelle aufmerksam ist,
ahnt, dass Gott grosse und gute Absichten mit der
geschaffenen Welt hat, dass aber zwischenzeitlich
mit einer Reihe von Turbulenzen und Erschütterungen zu rechnen ist. Einige Grundsätze sind offensichtlich, etwa: Es wird immer wieder zu ähnlichen
apokalyptischen Ereignissen kommen, allerdings in
gesteigerter Form. Oder: Beides reift zur vollen Gestalt aus: Das Böse und die Gemeinde Jesu Christi.
Oder: Die ganze Menschheitsgeschichte bewegt sich
auf ein Ziel zu: Weltgericht und Weltvollendung.
Man redet in diesem Zusammenhang öfters von
Rückblickend sagt man sich:
Eigentlich völlig logisch und klar.
Hätten wir genau hingeschaut, hätte
man bereits 1968 sagen können,
dass wir auf ein echtes demographisches
Problem zugehen.
einer «Spiralentwicklung der Weltgeschichte». Klar
ist: Es wird auch im 21. Jahrhundert nicht einfach
immer schöner, besser, leichter und wohliger. Wo
genau wir im Hinblick auf kommende, möglicherweise schreckliche Dinge stehen, muss offen bleiben.
Christen neigen (zu) oft zu fatalem und nicht hilfreichem Skeptizismus. Diesem muss genauso eine
Absage erteilt werden wie einem bedenkenlosen
Illusionismus.
Womit wir zu rechnen
haben – drei Dynamiken
Seit Jahren ist offensichtlich und wird mehr oder
weniger offen diskutiert: Wir erleben grundlegende
Veränderungen in mindestens drei gesellschaftlichen
Elementarbereichen: In der Demographie (Stichwort Überalterung), im Bereich der vorhandenen
Ressourcen (nicht nur bei den Finanzen, sondern
auch bezüglich Hoffnung, Vertrauen, Liebe, stabilen
Beziehungen, …). Drittens im Bereich von Migration und Integration (das Jahr 2015 hat uns den
Anfang dieser Dramatik vor Augen geführt). Rund
um diese Fundamentaldynamiken herum erleben
wir täglich mehr oder weniger bemerkenswerte Ereignisse. Die Frage stellt sich: Was tun wir, um auch
in Zukunft lebenswertes Leben zu ermöglichen?
Blickt man noch etwas tiefer in das Gebälk des 21.
Jahrhunderts, kommt man nicht umhin, drei Stich-
5
6
TIEFBLICK
TIEFBLICK
worte zu nennen, die uns bis ins Letzte herausfordern werden:
A: Die Vergleichgültigung von Zukunft. Gemeint ist
die allgemeine Geschichtsvergessenheit. Wer Vergangenheit abschafft, schafft auch Zukunft ab. Was
bleibt, ist der desorientierte Kampf um das Überleben in der Gegenwart. Man spricht vom «Gegenwartsoptimierungswahn» oder von der «Selbstoptimierung» als die «geradezu einzige Fasson der
Weltrettung» (so die Schriftstellerin Ilija Trojanow).
Das Verrückte: «Du kennst die Anfänge nicht, die
Enden sind dunkel, irgendwie dazwischen hat man
dich ausgesetzt. In der Welt sein heisst im Unklaren
sein» (Peter Sloterdijk in seinem Buch «Die schrecklichen Kinder der Neuzeit»). Es ist ein Drama, wie
sehr uns die Liebe zur Zukunft verloren gegangen
ist. Logisch: Zum einen überhitzen wir uns im Wettlauf um gelungene Gegenwart (und brennen dabei
aus), zum andern gleicht das, was wir hinterlassen,
eher einem Scherbenhäufchen als dem, worauf auch
kommende Generationen bauen könnten.
B: Scheitern als Normalzustand. Wir hören: Ehen
scheitern, Projekte scheitern, der Euro scheitert, der
Kapitalismus scheitert, … In den vergangenen Jahrzehnten haben wir bekanntlich sehr viel Wert darauf
gelegt, mit viel Energie (und Finanzen) Scheitern zu
verhindern: Im Bildungsbereich, im Gesundheitsbe-
Liegen nicht hier die Fundamentalherausforderungen für all jene, die sagen,
dass sie christozentrische Soziale Arbeit
betreiben wollen? Wer hier Nachhaltiges bewirkt, gewinnt Zukunft, ja,
gewinnt das 21. Jahrhundert.
reich, im Sozialbereich. Die Kernfrage scheint aber
nicht in der Vermeidung von Scheitern zu liegen,
sondern im mündigen Umgang mit Scheitern. Mündigkeit wäre, gerade im und durch Scheitern hindurch im Frieden zu bleiben. Wenn Jesus tatsächlich
der Friedefürst ist und die Engel bei seinem Kommen vom Frieden auf Erden gesungen haben, dann
müssten Christen in diesem Bereich Vorreiter sein.
C: Kampf der Kulturen. Je spezialisierter und fragmentierter unsere Gesellschaft wird, desto mehr Gegensätzlichkeiten treten zutage. Kulturen, nicht nur
im Grossraum von Religionen, prallen aufeinander.
Es beginnt bei den Liedern am Sonntag im Gottesdienst, geht über die Auseinandersetzungen zwi-
schen Reich und Arm, Gesunde und Kranke, Jung
und Alt, Bildungshungrige und Bildungsferne und
endet im Umgang von Menschen mit unterschiedlichem kulturellen und religiösen Hintergrund. Dass
Christen eine sehr spezifische Art haben, sich in
diesem Zusammenprall von Kulturen («Clash of
Civilizations», wie Samuel Huntington es erstmals
1993 beschrieb) zu artikulieren, ist offensichtlich.
Die Jesusart ist öfters mal anders als das, was wir
üblicherweise aus dem Umgang mit Konflikten kennen.
Fazit: Fast etwas verlegen müssen wir fragen: Ist
nicht genau hier die Kernherausforderung für Berufsleute in der Sozialarbeit und der Sozialpädagogik mit Händen zu greifen? Zugespitzter: Liegen
nicht hier die Fundamentalherausforderungen für
all jene, die sagen, dass sie christozentrische Soziale Arbeit betreiben wollen? Wer hier Nachhaltiges bewirkt, gewinnt Zukunft, ja, gewinnt das 21.
Jahrhundert.
Von drei Schlüsseln zur Bewältigung
kommender Herausforderungen
Vergangenheit und Zukunft sind Ressourcen zur
Bewältigung der Gegenwart. Wir greifen an dieser
Stelle je eine Dimension heraus. Unsere persönliche,
berufliche und gesellschaftliche Vergangenheit ist
voller Erfahrungen. Zu selten stellen wir uns allerdings der Frage, was sich denn in unserem privaten,
in unserem beruflichen und in unserem gesellschaftlichen Sektor über Jahre hinweg bewährt und sich
damit als wahr und als Wahrheit erwiesen hat. Beispiel: Im Umgang mit meinem ganz persönlichen
Älterwerden, im Umgang mit scheinbar unnahbaren
Menschen, im Umgang mit Geld, im Umgang mit
ehelichen Spannungen, im Umgang mit andern Kulturen, im Umgang mit … Wir warten immer noch
darauf, dass die sozialen Medien voll von Hinweisen aus Gemeinden und Berufsfeldern sind, was sich
in unseren Lebensfeldern wirklich bewährt, also als
wahr und Wahrheit erweist. Der Grund-Satz dazu
lautet: Ein Leben in und aus Bewährtem ist befreites
und befriedetes Leben.
Zur Ressource Zukunft. Auch dazu ein Stichwort:
Es lautet Verheissung bzw. Leben aus der Verheissung. Ich habe mir vor Jahren angewöhnt, alle Verheissungen in der Bibel grün anzustreichen. Das
Ergebnis: Ich besitze eine ziemlich grüne Bibel.
Gemeint sind nicht nur jene speziell ausgesuchten
Sätze, die einem früher als Konfirmandenspruch zugesagt worden sind, oder die man heute an Silvester
als Los zieht. Verheissungen sind das, was Gott für
diese Welt und unser Leben vorschwebt – vor und
nach dem Tod. Wir Menschen tun – ich wünschte,
wir täten es – nichts anderes, als uns in den Fluss
dieser Verheissungen einzuklinken. Christen sind
deshalb – als «Eingeklinkte» – Zukunftserzähler
und Zukunftsmaler, und zwar von dem, was Gott
vorschwebt und dem, wo sie als Eingeklinkte mitmachen und beteiligt sein dürfen. Alles moralische
Überladensein, alles Polizisten- und Schiedsrichterdasein findet darin sein Ende.
Wer so aus dem Bewährten und dem Verheissen-Zugesprochenen lebt, ist ein Mensch in gesicherter
Identität. Er weiss, wer er ist, und er weiss, wozu er
da ist. Diese Identität ist nicht mühsam aufgebaut
und erworben, nicht durch äusserlich Erreichtes
charakterisiert und nicht anhand von Leistung, Besitz oder Können definiert. Sie ergibt sich aus dem,
was in Wahrheit geworden ist, und dem, was uns
Menschen zugesprochen und verheissen ist. Menschen, die in solch gewordener und zugesprochener
Identität sicher sind, sind ein Geschenk in unserer
und an unsere Gesellschaft: In unseren Familien,
in unseren Berufen und Arbeitsfeldern, in unseren
Rathäusern, Schulhäusern, Krankenhäusern, Kulturhäusern und …
Sozial engagiert: Die Melodie
des Wirkens Gottes erklingen lassen
Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, soziales Engagement, Sozialmanagement. Wir wissen es: Die Wurzeln von alledem liegen, grob gesagt, in dem, was
früher mit dem heute überholt wirkenden Begriff
«Diakonie» gemeint war. Diakonie meint keineswegs bloss etwas für besonders Fromme oder moralisch Gewissenhafte. Wo wir uns als sozial Engagierte trotz der Kantigkeit des Begriffes als Diakone
(wörtlich als von unten Kommende, als Dienende
statt Herrschende) verstehen, tun wir nichts anderes als uns in das Barmherzigkeitsgeschehen Gottes
in dieser Welt einzufädeln. Diakonie ist Hilfe zum
Leben aus Liebe zum Leben. Gott ist Liebhaber des
Lebens und Diakonie deshalb ein Einsteigen und
sich Einklinken in die Hilfe, die Fürsorge, die Liebe,
Barmherzigkeit und Hingabe Gottes für und an den
Menschen. Diakonie ist die Melodie des Wirkens
Gottes zugunsten des Lebens (nicht nur des besonderen Lebens) in dieser Welt. Diakonie ist das Verfügbarmachen des vorhandenen, uns anvertrauten
Reichtums, nicht die Reaktion auf eine Not. Diakonie ist Liebesarbeit, Liebesdienst, Enthusiasmus der
Nächstenliebe, Neues hervorbringende Liebeskraft,
himmlisch geordnete Liebestätigkeit. Der diakoni-
sche Mensch ist der Mensch, der zu wahrer Grösse
hinabgestiegen ist.
Was wäre eine Welt,
geprägt von solchen Menschen?
2000 Jahre Geschichte zeigen: Das Beste, was dieser Welt durch das Christentum passieren konnte,
war eine christusbezogene Bildung und ein christusbezogenes soziales Handeln. Was wäre das 2.,
3. und 4. Jahrhundert ohne die sieben Tugenden
Gott ist Liebhaber des Lebens und
Diakonie deshalb ein Einsteigen und sich
Einklinken in die Hilfe, die Fürsorge,
die Liebe, Barmherzigkeit und Hingabe
Gottes für und an den Menschen.
der Barmherzigkeit? Was wäre das 21. Jahrhundert
ohne christusliebende sozial Engagierte, getragen
von einer hartnäckigen, unzerstörbaren Hoffnung?
Wir brauchen mehr Orte, an denen wir über diese
Hoffnung austauschen, austauschen über das, was
sich unter uns bewährt und als wahr und hilfreich
erweist, gerade im eigenen Scheitern, in gefährdeter
Identität, in ausbrennenden und auszehrenden Tätigkeiten. Überforderung wird nicht die Ausnahme,
sondern pure Normalität sein. Wir brauchen Milieus und Biotope, in denen wir uns stets aufs Neue
erzählen und zusprechen, was wirklich zählt: in Ressourcenknappheiten, in demographischen Veränderungen, in kulturellen und religiösen Konfliktzonen.
Gut, dass icp immer wieder solche Orte schafft.
Dr. Markus Müller
Dr. Markus Müller, 61, verheiratet mit Doris, 4 Kinder von 17 bis 25 Jahren, studierte Heilpädagogik,
Erziehungswissenschaft und Anthropologie. Drei
Jahre arbeitete er am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Zehn Jahre war er im vollzeitlichen Dienst des CJM München. Im Anschluss daran
arbeiteten er und seine Frau von 1996 bis 1999 an
der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik in Zizers/ Igis mit. Von 2001 bis 2012 war er Direktor der
Pilgermission St. Chrischona; während fünf Jahren
leitete er gleichzeitig das Theologische Seminar St.
Chrischona. Heute ist Markus Müller Heimpfarrer
der Heimstätte Rämismühle bei Winterthur/CH.
7
8
ANBLICK
ANBLICK
9
INTERVIEW MIT DOROTHEA SCHÄR
« ICP ÜBERZEUGT MICH,
WEIL ES SORGFÄLTIG UM DIE
VERBINDUNG VON GLAUBE
UND FACHLICHKEIT RINGT »
Seit 1. Januar 2016 ist Dorothea Schär Präsidentin des Stiftungsrats des ICP. Im Interview sagt sie, was
sie motiviert und welche Schwerpunkte sie setzten möchte.
D
orothea Schär, herzliche Gratulation zur Wahl als Präsidentin des
Stiftungsrates ICP. Was hat dich motiviert, diese Berufung anzunehmen?
Obwohl ich schon seit fünf Jahren im
Stiftungsrat des ICP mitarbeite, brauchte ich für mich Zeit, diesen Entscheid
mit Gott, meinem Umfeld und natürlich
auch mit dem Stiftungsrat zu bewegen.
ICP überzeugt mich – beispielsweise,
weil es sorgfältig um die Verbindung
von Glaube und Fachlichkeit ringt und
damit einen sinnvollen Beitrag in der Bildungslandschaft leistet – deshalb habe
Dorothea Schär, 56, verheiratet mit Martin, 2 Kinder, 3 Enkelkinder und viele Pflegekinder. Dorothea arbeitet im eigenen
Familienunternehmen COPIA CONSULT
GmbH (www.copia.ch) als Supervisorin,
Coach, Erwachsenenbildnerin und Dozentin. Das Ehepaar wohnt in Landquart,
Graubünden.
ich mich dann auch gerne für dieses Amt
entschieden.
Als ICP liegt ein intensives Anerkennungsverfahren für die Höhere Fachschule für Sozialpädagogik hinter uns,
und wir gehen auf einen Generationenwechsel zu. Meine langjährige sozialpädagogische Erfahrung und mein
Grundanliegen ‚nächste Generation‘
motivieren mich, diesen Übergang aktiv mitzugestalten. Mit dem Stiftungsrat
habe ich ein starkes Team, mit dem ich
gerne unterwegs bin.
Wo gibt es Schnittpunkte zwischen
deiner Berufsarbeit und dem Auftrag
des ICP?
Es gibt einige Schnittpunkte. Ich habe
viele Jahre als Sozialpädagogin gearbeitet und bin heute als Ausbildungssupervisorin mit Sozialpädagogen in Ausbildung unterwegs. Weiter arbeite ich in
der Erwachsenenbildung, unterrichte an
einer Höheren Fachschule für Sozialpädagogik, einer Ausbildungsinstitution für
Supervision, in überbetrieblichen Kursen für Fachangestellte Betreuung und
leite gemeinsam mit meinem Mann ein
Young Professionals Studienprogramm.
Wo liegen deine beruflichen Schwerpunkte?
Supervision, Coaching, Schulung und
Teamentwicklung sind meine aktuellen
Schwerpunkte.
Ich arbeite mehrheitlich im sozialen und
kirchlichen Umfeld, aber nicht nur. In
all meinen Berufsfeldern geht es darum,
Menschen dabei zu unterstützen, ihre
Ressourcen zu erkennen und zu nutzen,
ihre Sozialkompetenz zu leben und Eigenverantwortung in allen Lebensbereichen zu übernehmen.
Hast du weitere Engagements ausserhalb der zentralen Berufsarbeit?
Wichtig ist mir das Engagement in meinem familiären Umfeld über alle Generationen hinweg, also von meiner Mutter
bis hin zu meinen Enkelkindern. Ich
arbeite in einer örtlichen Freikirche mit
und bin im Helferteam eines zweitägigen Weihnachtsmarktes in unserem
Quartier.
Was möchtest du zum Thema «Fachlichkeit und Glaube miteinander
verbinden» ins ICP einbringen?
Ich möchte in einer natürlichen Selbstverständlichkeit als Christin leben und
handeln können. Für mich soll es keine
Trennung zwischen Fachlichkeit und
Glaube geben. Wenn wir als Christen
arbeiten und diese Verbindung nicht leben, dann sind wir nicht bei uns und
handeln letztlich fremdbestimmt. Das
heisst nicht, dass wir permanent missionieren, aber bewusst mit und aus der
Ressource Glauben leben und schöpfen.
Dazu gehören für mich gelebte und bereinigte Beziehungen. Ich denke, dass ich
mit dieser Haltung im ICP nichts Neues
anstosse.
Wo liegen deiner Meinung nach die
Chancen und Zukunftsperspektiven
des ICP?
Was in den letzten Jahren möglich wurde, wollen wir erhalten, pflegen und weiterentwickeln. Was um uns geschieht,
wollen wir beobachten und proaktiv
auf neue Herausforderungen zugehen.
Das geschieht bereits, wie beispielsweise mit den Weiterbildungsangeboten,
Inhouse-Schulungen und dem Diskurs
über Christliche Soziale Arbeit. Wir
sind als Institution gut vernetzt. Diese
Wachheit und Beweglichkeit müssen wir
uns erhalten und stärken und damit die
bereits vorhandene Akzeptanz im Bildungsmarkt ausbauen.
Der bevorstehenden Generationenwech-
sel ist für das ICP Herausforderung,
aber auch Chance und zukunftsweisend.
Nach der Pensionierung von Roland
Mahrer, der für ICP viel und wertvolle
Aufbauarbeit geleistet hat, wird Marc
Peterhans, der aktuelle Schulleiter, als
Gesamtleiter des Instituts eingesetzt.
Marc Peterhans kennt das ICP in seiner
Tiefe sehr genau, kann nahtlos übernehmen und weiter entwickeln.
Wie gehst du an deine Rolle als Stiftungsratspräsidentin heran?
Ich will aufmerksam an den aktuellen
gesellschaftlichen Themen dranbleiben,
proaktiv handeln, und die mir von Gott
geschenkte Autorität leben. Mit Freude
und Respekt gehe ich an meine neue
Aufgabe. Ich bin überzeugt, dass das ICP
und der Stiftungsrat gut aufgestellt sind
und wir darauf aufbauend weiterarbeiten können.
Beratungszentrum Winterthur
bekennend
professionell
Anmeldung und Informationen:
Sekretariat: 052 363 25 27,
Direktwahl: 076 348 29 85
[email protected]
icp Beratungszentrum
Dr. Roland Mahler
Neuwiesenstrasse 95
CH-8400 Winterthur
Tel. 052 363 25 27
Zertifikatsausbildung zum ADHS-Coach
professionell
11
persönlich
Angebote:
Psychotherapie
ADHS-Verhaltenstraining
Neurofeedback
Elterncoaching
bekennend
AUGENBLICK
persönlich
Die Ausbildung befähigt zur Begleitung, Unterstützung und zum Training von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS).
Anmeldung und Informationen:
Sekretariat: 052 363 25 27
[email protected]
Rolands Kolumne
EIN LEBENSZEICHEN
GOTTES ?
Die Bilder und Kommentare sind eindringlich. Menschen, die wie Treibgut an den
Strand griechischer Inseln gespült werden.
Beladene Frauen, Männer und Kinder, die
wie Vieh irgendwelchen Bahnschienen
folgen. Grenzzäune, Schlagbäume und
Stacheldraht. Erklärende Politiker und unzufriedene Bürger. Obdachlose Menschen,
die irgendwo in Luftschutzkellern untergebracht werden … Schlagworte wie «Willkommenskultur», «IS-Terror», «Flüchtlingsobergrenzen» etc. sind inzwischen zu
Nebengeräuschen des Alltags geworden,
ebenso wie die Bilder, die Hunderttausende Flüchtlinge, die belästigten Frauen…. Je
mehr wir wissen, desto schneller vergessen
wir. Einfach aus Gewohnheit. Weil die
Halbwertszeit von Schreckensnachrichten
inflationär abnimmt.
Und wo ist Gott? Eben noch haben wir
Weihnachten gefeiert – es hat uns vielleicht daran erinnert, dass wir uns im
christlichen Abendland auf den Spross einer Füchtlingsfamilie berufen! – nun steht
schon Ostern an. Auch hierbei verweisen
die Ereignisse auf ein besetztes Land, auf
die Spannungen zwischen den Machtblöcken und den Ohnmächtigen, auf Opfer
und Täter, auf Ungerechtigkeit und Leiden. Und wo ist Gott?
Er ist mittendrin. Auf dieser Seite des
Zauns wie auf jener. Die Täter berufen sich
auf ihn und stehen für seine Ordnung. Die
Opfer glauben an seine Gerechtigkeit, hoffen auf sein Eingreifen in letzter Minute.
Alles im Namen Gottes und für ihn – oder
doch nicht? Ist alles nur religiöses Gerede?
Kann man sich auf irgendetwas verlassen?
Ist Gott ein Gott der Überlebenden? Ostern verneint dies klar! Gott scheitert – so
wie all unsere Hoffnungen («wir schaffen
das!»), so wie unsere Projekte und Pläne,
so wie unser Versuch, die Geschichte von
uns fernzuhalten. Gott scheitert und stirbt
den Tod des Verbrechers, des Terroristen (Hochverräter, welche die römische
Rechtsordnung umstürzen wollten, wurden in der Regel gekreuzigt!). Sein Coup
scheint misslungen. Dieser Jesus aus Nazareth hat versagt. Er hat es nicht geschafft!
Doch dann rollt dieser Gott die Steine
der Geschichte weg und holt seinen Sohn
(den Menschensohn!) aus der Gruft! Zumindest im Zeugnis einiger Frauen – die
ja nicht wirklich zählen. Aber plötzlich ist
er wieder mitten unter den Menschen; sie
spüren es und einige sehen es sogar. Ein
Lebenszeichen der Gemeinschaft, der Solidarität, der Furchtlosigkeit. … Die Jünger
werden ergriffen von der Intensität ihres
Erlebens! Jesus lebt! Sie verlassen ihre
sicheren Häuser. Aber das ist fast schon
Pfingsten!
Dr. Roland Mahler
Institutsleiter icp
12
EINBLICK
EINBLICK
13
Generationenwechsel beim icp
ABSOLVENTINNENUND ABSOLVENTEN-TAG
«Gesellschaftliche Trends – Chancen und Herausforderungen für
die (christliche) Soziale Arbeit» lautete das Themen des erstmals in
dieser Form durchgeführten Tages der Absolventinnen und Absolventen. Über 40 Personen, die eine der sozialpädagogischen oder
sozialtherapeutischen Ausbildungen am icp absolviert hatten,
nahmen am 7. November 2015 in Wisen daran teil.
D
r. Markus Müller hielt am Morgen
das Hauptreferat. Die zentralen
Gedanken seines Referats sind in dieser
Ausgabe des AUSBLICKS als Fachartikel
zu finden. Darauf aufbauend wurden in
Workshops für verschiedene Arbeitsbereiche der Sozialen Arbeit Chancen und
Herausforderungen der Zukunft diskutiert: Jürgen Haag, Leiter Berufliche Integration der GEWA (Stiftung für berufliche Integration), leitete den Workshop im
Bereich der Arbeitsintegration; Xili Fux,
Gesamtleiter Teen Challenge Schweiz und
Absolvent am icp, stellte sich diesen Fragen rund um die sozialpädagogische Arbeit mit psychisch beeinträchtigten Menschen; Roland Mahler, Institutsleiter icp
und Leiter des ADHS Beratungszentrums,
thematisierte zukünftige Herausforderun-
gen für die Arbeit mit ADHS- und ASS
(Asperger)-Betroffenen.
Musikalisch garniert wurde der Tag
durch Beiträge von Roland Mahler und
Urs Meier. Neben vielen Gesprächen und
dem Auffrischen von Erinnerungen an die
gemeinsame Ausbildungszeit, gab es auch
die Möglichkeit, die Schulungsräumlichkeiten zu besichtigen – die meisten AbsolventInnen hatten ihre Ausbildung ja noch
im Tagungshaus Hupp absolviert.
Der Tag der Absolventinnen und Absolventen findet alle zwei Jahre statt. Der
nächste ist für 2017 geplant.
Marc Peterhans
Schulleiter Höhere Fachschule
für Sozialpädagogik icp
VON ROLAND MAHLER
ZU MARC PETERHANS
Im Sommer 2017 wird der langjährige icp-Institutsleiter Dr. Roland Mahler pensioniert. Bereits jetzt
hat das icp seine Nachfolge geregelt. Ab September 2016 wird Marc Peterhans die Institutsleitung
übernehmen und damit Kontinuität in der Leitung des Instituts gewährleisten.
I
m Sommer 2012 – fünf Jahre vor der
Pensionierung von Roland Mahler –
begann unter der Führung des Stiftungsrats das Projekt «icp 2017». Es galt, im
Rahmen eines Organisationsentwicklungsprozesses die Nachfolge von Roland
Mahler zu klären und das icp so weiter
zu entwickeln, dass es auch ohne die prägende Person von Roland Mahler für die
Zukunft gut aufgestellt ist. Mit der Übernahme der Institutsleitung durch Marc
Peterhans setzt das icp auf Kontinuität auf
dem erfolgreichen Weg, der in den letzten
Jahren eingeschlagen wurde.
Marc Peterhans wird die Leitung des Instituts ab September 2016 übernehmen. Er
ist bereits seit 2009 Mitglied der Geschäftsleitung. Nach seinem Psychologiestudium
an der IGNIS-Akademie für Christliche
Psychologie in Deutschland arbeitete er
für zwei Jahre mit verhaltensauffälligen
Jugendlichen. Ab 2001 baute er am icp die
damalige Ausbildung in Sozialpädagogik
(ASP) auf. Er war mitverantwortlich für
die Fusion der beiden Ausbildungen am
icp (ASP und SCS) und übernahm 2007
die Schulleitung der neuen höheren Fachschule für Sozialpädagogik. Anschliessend
führte er die Schule erfolgreich durch das
Aufnahmeverfahren. Daneben bildete er
sich zum dipl. Erwachsenenbildner HF
weiter. Marc Peterhans ist seit 2009 mit
Christina verheiratet und Vater von zwei
Söhnen im Alter von 1 und 3 Jahren. Er
wird neben der Institutsleitung auch weiterhin die höhere Fachschule für Sozialpädagogik leiten.
Das Hauptanliegen des icp bleibt, Bildung
und Dienstleistungen im Sozialbereich auf
christlicher Grundlage anzubieten. Dies
geschieht durch die Ausbildung von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen an
der höheren Fachschule und mit Angeboten im Weiterbildungsbereich. Zudem
engagiert sich das icp für Fachtagungen,
Arbeitsgruppen und Publikationen rund
um Themen einer christlichen Sozialen
Arbeit. Das Beratungszentrum in Winterthur wird ab 2017 nicht mehr durch das
icp, sondern durch Roland Mahler privat
weitergeführt.
Roland Mahler übernahm 1999 die Schul-
leitung der damaligen Schule für christliche Sozialtherapie (SCS). Von Anfang an
war es ihm ein Anliegen, dass das Dach
des damaligen Vereins weiter gespannt
würde. So wurde im Frühjahr 1999 die
Stiftung icp gegründet. Unter dem neuen
Dach und der Leitung von Roland Mahler
wurden in den folgenden Jahren verschiedene Angebote lanciert und entwickelt:
der IGNIS-Fernkurs in Christlicher Psychologie, die IGNIS-Berater-Ausbildung
sowie ein Qualitätsmanagement-System
(QWA) für soziale Einrichtungen. In den
letzten Jahren baute Roland Mahler u.a.
das Beratungszentrum für ADHS-Betroffene auf und konzipierte parallel dazu
einen Zertifikatslehrgang zum ADHSCoach. Ein Arbeitsschwerpunkt von ihm
war zudem die Entwicklung einer christlichen Sozialen Arbeit. Welche seiner vielen Interessen er dann nach seiner Pensionierung im Sommer 2017 weiterverfolgt,
wird er in einer Ausgabe des AUSBLICKs
2017 verraten.
14
RÜCKBLICK
RÜCKBLICK
Nach 10 Jahren nachgefragt bei ...
CHRISTIAN DÖSSEGGER
01
Nach 20 Jahren nachgefragt bei ...
RETO ZIMMERLI
01
Etwas Wertvolles, das du am icp gelernt hast
Etwas Wertvolles, das du am icp gelernt hast
Gegenseitige Wertschätzung und Achtung, aufgebaut auf den christlichen Werten.
02
Die letzte Weiterbildung/der letzte (Fach)Artikel, den ich spannend fand, befasste sich mit …
02
Aktuell absolviere ich eine Weiterbildung in der «Multifamilienarbeit»,
und das Spannende dabei ist, dass ich nicht mehr als «Experte» im Zentrum bin, sondern die anwesenden Familien sich gegenseitig Ratschläge
und Tipps aus ihrem Familienalltag weitergeben.
03
PERSONALIEN
Name/Vorname:
Dössegger Christian
Ausbildung am icp:
Sozialpädagogik hfs,
erster Jahrgang 2001–05
Aktuelle(r) Beruf(e)/Tätigkeit(en): Päd. Leiter der Kindertagesklinik in
Bern Kinder- und Jugendpsychiatrie
Wohnort:
Uettligen (BE)
Zivilstand/Kinder:
Verheiratet,
Vater von 3 Töchtern
04 05
06 Was ich von (einem) Klienten gelernt habe
Beharrlich für seine Wünsche und Anliegen einzustehen und nicht bei
den ersten Widerständen aufzugeben.
03
Ein Vorbild von mir ist …
... alle stillen «Schaffer», die nicht im Rampenlicht stehen und sich täglich mit grosser Sorgfalt und riesigem Engagement für die bedürftigen
Familien einsetzen.
04 Als Ausgleich zu meinem Beruf …
05
... verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie und treibe für mich Sport.
Name/Vorname:
Zimmerli Reto
Was ich von (einem) Klienten gelernt habe
Ausbildung am icp:
1994–97 und 2001 –02
Ein förderliches Klima beruht auf Gegenseitigkeit und Augenhöhe.
Wenn der Klient/die Klientin mir auch etwas Neues aufzeigen kann,
motiviert dies beide zum Weiterkommen.
Diesen Impuls habe ich für meine sozialpäagogische Arbeit durch meinen christlichen Glauben erhalten:
Ein Vorbild von mir ist …, weil …
Werner May, weil er die Poesie als Muse in die Sozialpädagogik
gebracht hat.
Erfolg ist für mich …
… wenn Gott meine Puzzleteile zu meinem Erstaunen zu einem stimmigen Bild zusammensetzt (wenn z.B. ein Team entsteht, dessen Mitglieder sich gut ergänzen und effektiv zusammenarbeiten)
In 10 Jahren möchte ich …
06 Mein Tipp für alle, die noch in der Ausbildung sind:
Geniesst die einmalige Gemeinschaft zusammen. Besonders zu empfehlen ist ein Nachtschlitteln mit Marc Peterhans ☺
Mein Tipp für alle, die noch in der Ausbildung sind:
Das Wesentliche ist nicht der Stoff, der vermittelt und verdaut wird,
sondern der Prozess des Sich-Erkennens im Bild Gottes und des DuWerdens mit meinen Weggefährten.
07
PERSONALIEN
Meine eigenen Grenzen zu erkennen und dazu zu stehen:
Ich bin ergänzungsbedürftig und auf Gnade angewiesen.
Mit dem Cello den Lobpreis zu begleiten.
Es gibt bei Gott keine hoffnungslosen Fälle. Wir haben eine begründete
Hoffnung und dürfen diese vermitteln. So kann sich beim Ratsuchenden etwas entfalten.
... mit gleicher Freude und Spass meiner «Arbeit» nachgehen.
07
15
Welche neuen Aufgaben und Tätigkeitsfelder siehst du für die christliche Soziale Arbeit in Zukunft?
Es könnte das Szenario eintreten, dass das Geld seinen Wert verliert
oder nicht mehr handelbar ist. Dann braucht es die christliche Sozialarbeit im Tauschhandel und im Zusammenbringen der verschiedenen
Talente. Die Einsamkeit im Alter ist ein anderes Feld, wo die christliche
Soziale Arbeit in Zukunft besonders gefragt sein kann.
Aktuelle(r) Beruf(e)/Tätigkeit(en):
Geschäftsleitung Stv.
Christuszentrum,
Job Coach (CAS HSLU)
Wohnort:
Othmarsingen (AG)
Zivilstand/Kinder:
verheiratet mit Renate,
Vater von 2 Töchtern
16
ÜBERBLICK
AGENDA
Infoveranstaltung Höhere Fachschule
für Sozialpädagogik
24. August 2016, 19.00–21.00 Uhr
Bern
Infoveranstaltung Höhere Fachschule
für Sozialpädagogik
30. August 2016, 19.00–21.00 Uhr
Olten
Praxisausbilder/innen-Tag 2016
01. September 2016
Wisen, Fachschule Froburg
Infoveranstaltung Höhere Fachschule
für Sozialpädagogik
05. September 2016, 19.00–21.00 Uhr
Winterthur
Diplomfeier hfs Klasse 2012–2016
09. September 2016
Olten, Hotel Olten
Ausbildungsstart neue Ausbildungsklasse der
Höheren Fachschule für Sozialpädagogik
12. September 2016
Wisen, Fachschule Froburg
Anmeldeschluss Aufnahmeverfahren Höhere
Fachschule für Sozialpädagogik
12. Oktober 2016
Aufnahmeverfahren Höhere Fachschule
für Sozialpädagogik
26. Oktober 2016
Wisen, Fachschule Froburg
Start Zertifikatslehrgang ADHS-Coach
12. November 2016
Winterthur
#NEWS
#01:
Die Büroräumlichkeiten des icp in Elsau werden
per Ende Juni dieses Jahres aufgelöst. Da Sabine Mahler,
die das Institutssekretariat leitet, diesen Sommer in Pension geht, wird das Institutssekretariat mit dem Schulsekretariat zusammengelegt und von Lilian Brechbühl in
den Räumlichkeiten der Höheren Fachschule in Wisen
SO geführt. Cordula Schweizer, die für die Buchhaltung
verantwortlich ist und bisher auch in Elsau arbeitete, wird
neu ebenfalls in Wisen arbeiten.
#02: Roland Mahler startete im vergangenen Jahr das
Buchprojekt «christliche Soziale Arbeit». Sein Ziel ist, wesentliche Inhalte des Nachdiplomkurses «christliche Soziale Arbeit» in Buchform zu veröffentlichen. Begleitend
zum Buchprojekt diskutiert eine Arbeitsgruppe, bestehend
aus VertreterInnen aus der Praxis und VertreterInnen der
Höheren Fachschule, verschiedene Inhalte aus dem Nachdiplomkurs, um diese weiterzuentwickeln. Das Buch soll
2017 erscheinen.
#03: Im vergangen November organisierte das icp in
Zusammenarbeit mit der HFS Zizers sowie der Höheren
Fachschule Agogis einen Dozierenden-Tag für alle Dozentinnen und Dozenten von Höheren Fachschulen für
Sozialpädagogik der Deutschschweiz. Das Thema lautete
«Förderung der Persönlichkeit - die (un)mögliche Kernaufgabe einer Lernbegleitung». Redner an der Tagung war
Prof. Dr. R. Arnold, Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogik
an der TU Kaiserslautern. Insgesamt nahmen rund 80 Dozierende daran teil.
> weitere Informationen unter www.icptp.ch