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SÜDWESTTEXT
Zeitung für die Textil- und Bekleidungsindustrie
Herausgegeben von Südwesttextil
www.suedwesttextil.de
August 2016 | Nr. 105
Themen
Verband + Industrie
Jahrhundert-Jubilare
Seite 6 + 7
Recht + Steuern
Arbeiten im Home Office
Seite 8
Jahrespressekonferenz 2016
Technik + Umwelt
Innovationen rund um die
Faser
Seite 11
Medienecho
Seite 3
Textiler trotzen den Risiken
Südwesttextil betont Zukunftschancen und fordert Systemwechsel in Energiewende
Die Journalisten zeigten großes Interesse
für die Textilbranche. Fotos: Südwesttextil
Zufrieden und zuversichtlich
zeigt sich die Mehrheit der badenwürttembergischen Textil- und
Bekleidungsindustrie. Sowohl die
Auslastung als auch die Erträge
sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das geht aus dem aktuellen
Geschäftsklimaindex des Wirtschafts- und Arbeitgeberverbands
Südwesttextil hervor, der auf der
Jahrespressekonferenz am 12. Juli
in Stuttgart von Verbandspräsident
Bodo Th. Bölzle vorgestellt wurde.
So beurteilen die Hersteller von
Garnen, Stoffen, Mode, Textilien
für den Wohn- und Schlafbereich
sowie von technischen Textilien
für die Auto-, Medizin- oder auch
Luftfahrtindustrie ihre derzeitige
Lage und auch die Aussichten für
die nächsten Monate besser als
noch vor einem Jahr.
Nach einem guten ersten Quartal 2016 mit einem Index von 15,00
Punkten hat sich das Geschäftsklima in der baden-württembergischen
Textil- und Bekleidungsindustrie in
den Monaten April, Mai und Juni
mit 14,94 Punkten solide gehalten.
Das drückt sich auch in der EinFortsetzung Seite 2
Internationalisierungsstudie „Technische Textilien“
Die Globalisierung bedeutet für den Mittelstand verstär- textilen Wertschöpfungsketten im Land tiefergehend zu
kten Wettbewerbsdruck, aber auch Chancen für neue analysieren. Darüber hinaus sollen die internationalen geGeschäftsfelder und Märkte. Internationalisierungsstra- ografischen Anwendungsmärkte für technische Textilien
tegien erfordern Zahlenmateund faserbasierte Werkstoffe
rial, diese sind bei technischen
»Unsere Branche, die mit lokalisiert und quantifiziert
werden. Daraus sollen konTextilien jedoch Mangelware.
cleveren Ideen ein FortDas wollen die Allianz Faserkrete Handlungsempfehlungen
schrittmacher ist, freut
basierte Werkstoffe Badenim Rahmen einer nachhaltigen
Württemberg (AFBW) und
sich über die Förderung.« Internationalisierungsstrategie
Südwesttextil ändern. Das
entwickelt werden. Die Studie,
Christoph Larsén-Mattes, Vorsitzender der AFBW
Ministerium für Wirtschaft,
die noch in diesem Jahr fertig
Arbeit und Wohnungsbau Bagestellt wird, dient den Unden-Württemberg hat die Wichtigkeit erkannt und för- ternehmen als strategische Entscheidungshilfe bei der
dert die Erstellung einer Internationalisierungsstudie mit Erschließung ausländischer Märkte.
48 000 Euro. Ziel der Studie ist es, den Status-Quo der Christine Schneider
Zahl des Monats
„Normen sind die Sprache des
Welthandels“, sagt das Deutsche
Institut für Normung (DIN), denn
sie vereinfachen den Warenverkehr,
erhöhen den Umsatz und sparen
Kosten. Laut einer Studie der TU
Dresden und des Fraunhofer Instituts
in Karlsruhe liegt der Nutzen bei
17 Milliarden Euro im Jahr. Kindersitze, Papier, Implantate, Aufzüge
oder Schutzkleidung: 400 DINMitarbeiter sorgen mit 33 000 Normen für Ordnung. Nach fünf Jahren
kommt jede auf den Prüfstand. Eine
ganz positive Entwicklung gibt es
für Ladekabel von Handys, Tablets
und Smartphones: Ab 2017 schreibt
die EU einheitliche Anschlüsse vor –
das Ende eines großen Kabelsalats.
Was halten davon wohl die Briten?
17
Azubitag 25. Oktober 2016
Exklusiv für die Auszubildenden
seiner Mitgliedsunternehmen bietet Südwesttextil eine Exkursion
zu den DITF Denkendorf an. Die
Auszubildenden sollen an diesem
Tag einen Einblick in die Zukunft
der Textil- und Bekleidungsindustrie
bekommen. Der Blick über den
Tellerrand wird durch Vorträge,
Experimente und die Führung durch
das Forschungsinstitut ermöglicht.
Der Azubitag wird am 25. Oktober
stattfinden. Die Einladung wird
nach den Sommerferien versandt.
Fortsetzung von Seite 1
Zeitraum mit 1,2 Prozent über der
des Vorjahres. Hier tut sich besonders die Textilindustrie mit 10,3
Prozent hervor, hingegen schwächelt die Bekleidungsindustrie mit
minus 5,9 Prozent. Doch erste Erholungen werden sichtbar, deswegen geht der Verband für 2016 von
einer zweiprozentigen Erhöhung
des Branchenumsatzes aus. Dieser
lag im letzten Jahr insgesamt bei
7,37 Mrd. Euro.
„Es ist erstaunlich, wie sich
unsere Unternehmen in einer Welt
der Sorgen und Risiken, in Zeiten
von Brexit und Terror behaupten“,
so Bölzle. Alles andere als hilfreich
seien dabei neue Gesetzesvorhaben,
die die Wirtschaft belasten. Als
Beispiele nannte er das geplante
Klimaschutzpaket oder ein Gesetz
zur Entgeltgleichheit. „Die angeb-
Geschäftslage
Erwartungen
SÜDWESTTEXT
02/13
-9,96
-13,89
-5,95
03/13
-5,97
-8,33
-3,57
04/13
8,91
2,38
15,65
01/14
12,98
8,89
17,14
02/14
0,08
1,11
-0,95
03/14
-4,03
19,44
-25,00
04/14
4,00
0,00
0,00
01/15
13,12
7,69
18,68
Textiler trotzen den Risiken
schätzung der aktuellen Lage aus.
60 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihre Kapazitätsauslastung als gut. Das sind 13
Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des letzten Jahres.
Auch die Ertragslage der Unternehmen hat sich wieder gefestigt: 15 Prozent bewerten sie mit
„gut“, 67 Prozent sind mit ihr zufrieden. Nur knapp ein Fünftel sehen sie kritisch. Das sah im letzten
Jahr noch anders aus. Da beurteilten sie 40 Prozent der Unternehmen
als schlecht.
Die Ergebnisse des Geschäftsklimaindex spiegeln sich auch in
der amtlichen Statistik wieder. So
fand in der Industrie in den ersten
fünf Monaten ein minimaler Beschäftigungsaufbau von 0,2 Prozent statt, der hauptsächlich durch
die Bekleidungsbranche mit 0,6
Prozent getragen wurde. Auch die
Umsatzentwicklung liegt für diesen
Geschäftslage
aktuelle Beurteilung
SüdwesttextilGeschäftsklimaindex
Quartal
2 Verband + Industrie
liche Lohndifferenz
von 8,89
22 Prozent
02/15
9,68
10,48
zwischen
Frauen0,71
ist
03/15Männern
-2,59 und-5,83
04/15 Unfug.
21,52 Dabei
22,37 werden
20,68
statistischer
01/16
15,00
16,67
13,35
Äpfel mit
Birnen
verglichen,
näm02/16
14,94
16,99
12,91
Der Südwesttextil-Geschäftsklimaindex basiert auf
einer vierteljährlichen Befragung der rund 200 Textilund Bekleidungsunternehmen des Verbandes. Zu
ihnen gehören Spinnereien, Webereien und Textilveredlungsbetriebe ebenso wie Hersteller TechnischeIn Kürze
Textilien - und Bekleidungshersteller.
Die Durchschnittliche Betriebsgröße beträgt 120 MitName der TIV geändert: Südwestarbeiter je Unternehmen.
Eine wesentliche Entlastung
fordert Südwesttextil bei den Energiekosten. Nach einer aktuellen
Mitglieder-Umfrage wie sie die
Nach einem guten ersten Quartal 2016 mit einem Index von 15,00 Punkten hat sich
das Geschäftsklima in der baden-württembergischen Textil- und Bekleidungsindustrie
in den Monaten April, Mai und Juni mit 14,94 Punkten solide gehalten.
lich alle erwerbstätigen Männer
mit allen erwerbstätigen Frauen.
Die Unterschiede resultieren fast
gänzlich aus familienbedingten
Auszeiten und Teilzeittätigkeiten
sowie den unterschiedlichen Berufswahlverhalten von Männern
und Frauen.“ Hier müsse man ansetzen, so Bölzle. Der Rest sei ein
Bürokratiemonster, das zur Unzeit
komme: „Uns stehen entscheidende
Jahre für den Industriestandort
Deutschland bevor. Die Politik hat
es in der Hand, ob wir unsere großen Chancen nutzen können oder ob
der spürbare Innovationsboom ausgebremst wird.“ Südwesttextil habe
viele Mitglieder, die neue Produkte
entwickeln, neue Märkte erobern,
in die Automobil- oder Baubranche liefern, erfolgreich Nischen
besetzen oder auf Trendthemen wie
Nachhaltigkeit setzen. „Diese Lust
auf Zukunft müssen wir lebendig
halten.“
August 2016 I Nr. 105
Relevanz der politischen Ereignisse
für ihr Unternehmen einschätzen,
halten 32,1 Prozent der befragten
Südwesttextil-Mitglieder das Thema „Energiewende“ für das bedeutendste Thema. Die Kosten seien
nicht länger tragbar, weder für Unternehmen noch für Verbraucher.
Strom sei in Deutschland allein
wegen der stetig steigenden EEGUmlage teurer als in den meisten
anderen Industrieländern. Das sei
ein erheblicher Wettbewerbsnachteil für die deutsche Industrie. „Wir
müssen weg von der EEG-Umlage,
hin zur Steuerfinanzierung“, so
Bölzle. Daher habe man auf Bundesebene mit fünf anderen Branchenverbänden das „Bündnis faire
Energiewende“ gegründet, um mit
Blick auf die nächste Bundestagswahl für einen Systemwechsel bei
der Finanzierung der Energiewende
zu werben.
www.suedwesttextil.de
textil hat seine „TIV Dienstleistungs
GmbH“ umbenannt: Seit April
firmiert sie unter „Südwesttextil
Service GmbH“. Der Verband
bittet, dies bei künftigen Zahlungen
zu beachten.
Das Südwesttextil-Mitglied Mattes
& Ammann in Meßstetten-Tieringen
kann ab sofort in seinem nach ISO/
IEC 17025 akkreditierten Prüflaboratorium – das erste eines reinen
Meterwarenlieferanten – Prüfungen
in folgenden Bereichen durchführen:
Physikalisch-technologische Prüfung,
Bestimmung des Brennverhaltens
und der Farbechtheit zur Ermittlung
der Materialeigenschaften von
Textilien und textilen Erzeugnissen.
Seite 1
Geschäftsführer
Christoph LarsénMattes ist stolz, dass das Projekt,
an dem sein Team fast zwei Jahre
gearbeitet hat, so erfolgreich zum
Abschluss gekommen ist: „Unser
Ziel ist es, immer einen Schritt
voraus zu sein. Gleichzeitig muss
die Investition auch kommerziell
gelingen. Da unser neues Labor
auch Fremdprüfungen ausführen
darf, rechnet sich der Vorgang.
Wir freuen uns über jeden erteilten
Auftrag.“
Onlineshoppen ist einfach – mit
wenigen Klicks ist das gewünschte
Produkt bestellt. Bei Sendungen
aus einem Nicht-EU-Land muss die
bestellte Ware jedoch durch den
Zoll. Die neue App „Zoll und Post“
hilft: Sie informiert über gesetzliche
Bestimmungen, berechnet mit dem
integrierten Abgabenrechner die
voraussichtlichen Einfuhrabgaben,
liefert wichtige Informationen rund
um die Einfuhr im internationalen Postverkehr und warnt vor
Produkten, die gefährlich oder
verboten sind. Denn oft handelt es
sich bei den besonders günstigen
Angeboten um gefälschte und teils
minderwertige Billigprodukte. Bei
der Einfuhr von Waren aus einem
Nicht-EU-Land fällt ab einem Sendungswert von 22 Euro grundsätzlich
die Einfuhrumsatzsteuer an. Ab
150 Euro kann, abhängig von der
Ware, Zoll hinzukommen. Die neue
App „Zoll und Post“ ist ab sofort
kostenlos im Apple App Store und
im Google Play Store verfügbar.
August 2016 I Nr. 105
SÜDWESTTEXT
Verband + Industrie 3 Medienecho
Jahrespressekonferenz vom 12. Juli – Auszüge der Reaktionen der regionalen Tagespresse
D
ie Stromkosten für Unternehmen seien nicht länger tragbar,
schimpfte Bodo Bölzle am gestrigen Dienstag. „Strom ist hierzulande allein wegen der stetig steigenden EEG-Umlage teurer
als in den meisten anderen Industrieländern“, betonte der Präsident
des Verbands Südwesttextil bei der Jahrespressekonferenz in Stuttgart.
Dadurch entstehe ein Wettbewerbsnachteil für die deutsche Industrie,
der sich auch auf die Bekleidungs- und Textilbranche auswirke. Südwesttextil fordert deshalb ein Umdenken: Das Erneuerbare-EnergieGesetz (EEG) des Bundes soll durch eine Steuerfinanzierung ersetzt
werden – um das zu erreichen, hat Südwesttextil über seinen Dachverband auf Bundesebene gemeinsam mit fünf weiteren Gemeinschaften
das „Bündnis faire Energiewende“ ins Leben gerufen. „Noch gibt es
eine Akzeptanz für die Energiewende“, erklärte auch SüdwesttextilHauptgeschäftsführer Peter Haas. „Diese wird aber geringer, wenn die
Kosten ungerecht verteilt werden.“
H
ohe Energiekosten werden für die Textilbranche im Südwesten
zu einem größeren Problem. Klimaschutzpläne der Bundesregierung und damit verbunden höhere Energiepreise gingen
zulasten der Wettbewerbsfähigkeit, sagte Präsident des Verbandes Südwesttextil, Bodo Bölzle, in Stuttgart. In einer Firma im Südwesten,
deren Namen er nicht nennen wollte, gebe es daher „Abwanderungsszenarien“. In der Bevölkerung sei die Energiewende zwar akzeptiert,
ergänzte Verbands-Hauptgeschäftsführer Peter Haas. „Aber diese Akzeptanz wird weniger, weil zunehmend gespürt wird, dass eigentlich
eine ungerechte Kostenverteilung da ist.“
T
extil aus Baden-Württemberg ist der Stoff, aus dem die Zukunft
ist. Wer so selbstbewusst wirbt, dem kann eigentlich nicht bange
sein. Und tatsächlich verbreitet der Präsident des Verbandes
Südwesttextil, Bodo Bölzle, gestern in Stuttgart gute Stimmung bei
der Vorstellung des aktuellen Geschäftsklimaindex. Die Mehrheit der
rund 200 Mitglieder des Branchenverbands jedenfalls beurteilen ihre
wirtschaftliche Lage und die Aussichten „deutlich besser als noch vor
einem Jahr“, so Bölzle. Das zeigt sich schon allein an der Beschäftigungslage. 25 Prozent der befragten Unternehmen wollen mehr Personal einstellen, im vergangenen Jahr wollten das nur sieben Prozent.
„Aber das Personal müssen Sie erst einmal finden. Das ist unser größstes Problem“, gibt Bodo Bölzle zu bedenken. Der Chef von Amann
& Söhne GmbH & Co. KG, Fadenhersteller aus Bönnigheim, spricht
von Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen. „Wir haben generell
ein Image-Problem. Die Textilbranche gilt als angestaubt.“ Für Ausbildungsberufe wie etwa Färber gebe es kaum Lehrlinge.
lia.com
– Foto
2811
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Foto:
E
nergieintensive Industrien werden zwar teils befreit von der
EEG-Umlage, damit deren Firmen im globalen Wettbewerb
bestehen können. Die Textilbranche kommt nach Darstellung
des Verbandes aber kaum in den Genuss dieser Befreiun­gen. ,,Auch in
Zukunft werden ( ... ) voraus­sichtlich mehr als 90 Prozent der Unternehmen die volle EEG­-Umlage zahlen müssen“, so Bölzle. Die werde
in den kommenden Jahren um zwei bis drei Cent steigen. Der Staat
sollte mit seinem Haushalt die Lasten tragen und nicht der Verbraucher,
fordert Südwesttextil gemeinsam mit anderen Industrieverbänden, etwa
dem Keramikindustrie-Verband (BVKI).
V
on der Metallbranche im Norden an die Spitze der badenwürttembergischen Textilindustrie: Peter Haas wechselte von
Hamburg nach Stuttgart und damit auch von einer Vorzeigebranche zu einem längst totgesagten Industriezweig. Doch der neue
Hauptgeschäftsführer von Südwesttextil glaubt an die Wiedergeburt
der Textilproduktion und wirbt für ein „Textile Valley“. „Besonders bei
den technischen Textilien, da sind wir stark. Die haben eine Art Wiedergeburt der Branche eingeleitet. In Baden-Württemberg sitzt zum
Beispiel der Weltmarktführer für Airbags. Wir sind Lieferanten für die
Automobilindustrie und die Luftfahrt. Viele Autoteile können aus Carbonfasern gefertigt werden und sind somit leichter. Oft gilt: Textil ist das
neue Metall. Textile Fasern werden auch im Bau, in der Medizin oder
für moderne Arbeitsschutz-und Sportbekleidung eingesetzt.“
D
ie Textilbranche im Südwesten ist guter Dinge. ,,Die Unter­
nehmen beurteilen ihre Lage und Aus­sichten deutlich besser als
vor einem Jahr“, sagte der Präsident des Verban­des Südwesttextil, Bodo Bölzle, in Stutt­gart und bezog sich dabei auf eine Bran­chenUmfrage. Die Geschäfte der etwa 200 Mitgliedsfirmen seien im vergan­
genen halben Jahr insgesamt „zufrie­denstellend bis gut“ verlaufen. Die
Er­wartungen bis Jahresende seien positiv. Sorgen machen der Branche
aber stei­gende Energiekosten. Die Textilbranche im Südwesten hat 24 000
Mitarbeiter, zu den Firmen zählen das Modeunterneh­men Hugo Boss
und der Wundverband­hersteller Hartmann.
e
gl. MwSt.
gl. MwSt.
SÜDWESTTEXT
Studie zu Fairtrade-Produkten
Hochschule Reutlingen untersucht Einfluss auf Käufer
Die Hochschule Reutlingen hat eine
Studie durchgeführt und veröffentlicht, die den Einfluss von FairtradeLabeln auf das Kaufverhalten beim
Einkauf von modischer Kleidung
untersuchte. Für diese Studie wurde der deutsche Einzelhändler Adler
Modemärkte AG ausgesucht, da Adler eines der ersten deutschen Modegeschäfte war, das bereits 2010
mit dem Verkauf von FairtradeProdukten begonnen hatte.
Ziel der Umfrage war es, die
Einflüsse des Fairtrade-Siegels auf
Adler-Kundinnen festzustellen und
das Kundenwissen über Fairtrade zu
erfassen sowie festzuhalten, ob dieses Wissen als wichtiger Faktor für
die ethische Käuferin einzuschätzen
ist. Ausgewertet wurden hierzu 127
Kundinnen-Befragungen der deutschen Adler Modemärkte sowie
weitere 1 712 korrekt ausgefüllte
Online-Fragenbogen. „Es konnte
gezeigt werden, dass die Käuferinnen kein fundiertes Wissen über
Fairtrade haben, jedoch spiegelt der
unerwartet hohe Stand des Kundenwissens über Fairtrade-Zertifizierungen das allgemeine Interesse an
dem Thema wieder“, stellt Professor
Jochen Strähle fest. Die Befragung
Seminarleitung
zeigt
zudem, „dass Kundinnen den
Boris Behringer
Einfluss
und die Ausdehnung von
Veranstaltungsort
Forum am Schlosspark
Fairtrade
überschätzen, was auf die
Schubartsaal
Stuttgarter Str. 33 ∙ 71638
Verwirrung
derLudwigsburg
Käuferinnen angesichts
der Siegelvielfalt am Markt
Anfahrt: www.forum.ludwigsburg.de
hinweist“,
so Strähle.
Veranstalter
Südwesttextil
Service GmbH Ziel der Studie war
Ein
weiteres
Kernerstraße 59 ∙ 70182 Stuttgart
Telefon:
+49 711 21050 - 0
es,
Modegeschäften
Empfehlungen
Telefax: +49 711 233718
im Sinne der Aufklärung über den
In Kooperation mit Südwesttextil e.V.
fairen
Handel zu geben. Angesichts
dieser Hauptergebnisse und des geringen Prozentsatzes der Befragten,
denen bewusst war, dass Fairtrade-
Produkte angeboten werden, ist es
dem Handel zu empfehlen, entweder ihre Fairtrade-Produkte besser
zu bewerben oder sie ganz aus dem
Sortiment zu nehmen.
Die Hochschule Reutlingen
forscht derzeit in mehreren geförderten Projekten zur Zukunft der
Textilindustrie. Zu diesem Thema
wurden bereits mehrere Studien
veröffentlicht, beispielsweise zur
Wirkungsweise nachhaltiger Kommunikation oder zur Möglichkeit,
Smartphone-Apps zur Informationsbeschaffung zu nutzen.
www.td.reutlingen-university.de
Die Studie gibt es auf
Anfrage bei:
Simone Löffler
Fakultät Textil & Design
Hochschule Reutlingen
E-Mail: [email protected]
August 2016 I Nr. 105
CSR-Projekt für Mittelständler
Um CSR geht es auch in einem Projekt der europäischen Sozialpartner
Euratex (Arbeitgeber) und IndustrieALL (Gewerkschaft), das Mittelständlern
helfen soll, ihre Risiken in ihrer Lieferkette zu analysieren. Dazu wurde ein
Online-Tool programmiert, das Carina Ammann (2.v.l.), Geschäftsführerin
des Stuttgarter ISCO-Textilwerks und der Wäschemarke Ammann, jetzt in
der Pilotphase als eine der ersten testen konnte. Dabei muss das Unternehmen Fragen zu den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsbeziehungen,
Umweltschutz, Compliance und Verbraucherthemen beantworten, vor
allem zum Umgang der eigenen Lieferanten mit den Themen und eventuellen Kontrollmechanismen. Am Ende wird ein Risikolevel berechnet
und das Programm schlägt Maßnahmen zur Verbesserung vor. Die jetzt
gesammelten Erfahrungen mit den Testunternehmen sollen helfen, das
Projekt zur Marktreife zu führen.
Termin vormerken
Nationales und
internationales Vertragsund Produkthaftungsmanagement
29. September 2016,
Forum am Schlosspark, Ludwigsburg
© iStock.com/maxsattana
taltungen
4 Verband + Industrie
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Neues aus dem Südwesttextil-Juristen-Team
Rechtsanwältin Lydia Knapp ist ab November im Juristen-Team von Südwesttextil.
Die Fachanwältin für Arbeitsrecht mit
einem Master of Laws Abschluss war
seit ihrem Studium in Tübingen bei
zwei Kanzleien mit den Schwerpunkten
individuelles und kollektives Arbeitsrecht,
Wirtschaftsrecht sowie Vertrags-, Wettbewerbs- und Versicherungsrecht tätig.
Lydia Knapp
Herzlich willkommen.
Nathan Binkowski hat ab 1. Juli in der
Rechtsabteilung von Südwesttextil als
Nachfolger von Kai-Uwe Götz den
Schwerpunkt Tarifpolitik und Tarifrecht
übernommen. Der erfahrene Südwesttextiler, der viele Mitglieder und ihre Themen
und Bedürfnisse kennt, hat sich in den
vergangenen Jahren einen guten Ruf
erarbeitet. Herzlichen Glückwunsch zu
dieser verantwortungsvollen Aufgabe. Nathan Binkowski
.
.
„Texklusiv“: Neue Workshops für Führungskräfte
Auf Schloss Haigerloch fand die Premiere des Chef-Trainings statt
bundesweit bekannt geworden, gab
wertvolle Tipps für eine zielführende
und konfliktlösende Kommunikation
mit Arbeitnehmern und ihren Vertretern. In praktischen Übungen wurde
analysiert, wie Eskalationen entstehen, aber auch vermieden werden
können.
Südwesttextil wird diese Reihe
mit weiteren Formaten fortsetzen,
angedacht sind Themen wie Krisenmanagement und Verhandlungstaktik.
Peter Haas
Auszeit von Büro und Meetings beim Südwesttextil-Workshop „Konflikt & Konsens“.
Wie gelingt eine erfolgreiche Kommunikation mit Betriebsrat und
Belegschaft? Viele Chefs und Personaler suchen nach praktikablen
Seminarleitung
Boris Behringer
Antworten. Dabei half Südwesttextil
Anfang Juni mit einem neuen SemiVeranstaltungsort
Filharmonie Filderstadt
narkonzept im exklusiven Rahmen:
Tübinger Str. 40 ∙ 70794 Filderstadt
Eingang
Kulisse
ImRestaurant
malerischen
Schloss Haigerloch
Anfahrt: www.filharmoniefilderstadt.de
auf der Schwäbischen Alb konnten
Veranstalter
neun Führungskräfte aus MitgliedsSüdwesttextil Service GmbH
Kernerstraße
59 ∙ 70182 Stuttgart
unternehmen
eine Auszeit von Büro
Telefon: +49 711 21050 - 0
und
Meetings
nehmen und mit
Telefax: +49 711
233718
einem Coach der besonderen Art ihre
Herausforderungen bearbeiten. Der
ehemalige Opel-Betriebsratschef
Klaus Franz, IG Metaller und in der
Unternehmenskrise als „Mr. Opel“
In Kooperation mit VerTex und Südwesttextil e.V.
Termin vormerken
Versicherungstag –
Absicherung textiler
Risiken
26. Oktober 2016,
Filharmonie Filderstadt
© iStock.bowie15
en
Verband + Industrie 5 SÜDWESTTEXT
August 2016 I Nr. 105
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Bei Mitgliedern vor Ort
Im Dialog mit … Christian Rauch
Olymp-Chef Mark Bezner (li.) mit den Verbandsvertretern und dem Kaufmännischen
Direktor Mathias Eggle.
Peter Haas und der Chef der Bundesagentur für Arbeit trafen sich in Stuttgart zu
einem konstruktiven Austausch.
Antrittsbesuch im „Olymp“: Die Verbandsgeschäftsführer Peter Haas
und Boris Behringer trafen vor kurzem auf die Firmenleitung des deutschen Marktführers für Herrenoberhemden. Mit dem gesamten Sortiment,
darunter auch Krawatten, Casuals und Strick, hat sich das BietigheimBissinger Familienunternehmen auf einen ungebrochenen Wachstumskurs
gesetzt. 237 Millionen Umsatz machte das Unternehmen 2015, dem
64. Jahr seines Bestehens. Mark Bezner führt es in dritter Generation.
Die Südwesttextil-Vertreter zeigten sich beeindruckt vom hochmodernen
Lager, das – nach einer im Unternehmen entstandenen genialen Idee –
durch seine Kombination aus Liege- und Hängewarentransport weltweit
einzigartig ist. Nicht nur die Gebäudeinvestitionen beweisen den Zukunftsoptimismus: So betonte Mark Bezner die Bedeutung der Ausbildung
im Unternehmen. Über 20 Azubis beschäftigt er in fünf produktionsnahen
Berufsbildern, gerade werden wieder 10 neue Nachwuchskräfte gesucht.
Seit zwei Jahren ist Christian Rauch Baden-Württembergs „oberster
Arbeitsvermittler“. Als Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit steht Rauch mehr als 8 000
Mitarbeitern in 19 Agenturen für Arbeit und ihren dazugehörigen Geschäftsstellen vor. Südwesttextil-Hauptgeschäftsführer Peter Haas freute
sich auf diesen Antrittsbesuch besonders: „Die Bundesagentur ist ein
ganz wesentlicher Partner von Arbeitgeberverbänden. Wir teilen wichtige
Aufgaben, beispielsweise in der Flüchtlingsintegration, der Nachwuchssicherung oder auch beim Thema Arbeit der Zukunft.“ So wie Rheinländer
Haas, zuletzt in Hamburg, ist auch Rauch in der Republik herumgekommen: Der gebürtige Regensburger hat einen Großteil seiner Laufbahn in
Ostdeutschland bestritten. Bis Ende 2007 hat er die Regionaldirektion
Sachsen-Anhalt-Thüringen geleitet und war vor seinem Wechsel nach
Stuttgart Geschäftsführer in der Bundesagentur-Zentrale in Nürnberg. 6 Verband + Industrie
SÜDWESTTEXT
August 2016 I Nr. 105
Jahrhundert-Jubilare
Zeugen der Industriegeschichte: Südwesttextil-Mitglieder feierten stolze Firmenjubiläen
Zugegeben, der berühmteste Stern
ist sicher der aus Untertürkheim.
Aber es gibt noch eine Firma, die
mit einem Stern weltbekannt wurde. Sie verwendete die besondere
Form mit den Zacken als praktische Aufwicklung für Nähzwirn
und machte das „GruschwitzSternchen“ zu ihrem Markenzeichen. Heute zählt das Südwesttextil-Mitglied zu den Marktführern
im Bereich der technischen Zwirne
und Garne. Jetzt feierte Gruschwitz sein 200-jähriges Jubiläum.
Dabei fing alles mit einem
Rausschmiss an: Weil der junge
Johann David Gruschwitz sich nicht von einer
Glaubensgemeinschaft
lossagen wollte, setzte
ihn sein Vater kurzerhand vor die Tür. So
auf sich selbst gestellt,
Gruschwitz
nahm der junge Mann
Textilwerke AG
aus dem sächsischen
Vogtland sein Schicksal
in die Hand und arbeitete sich am
Webstuhl seiner Gemeinde zum
Meister empor, bevor er 1816 im
Örtchen Neusalz an der Oder im
heutigen Polen seine erste eigene
Leinenzwirnerei gründete. Sie war
die Keimzelle der Gruschwitz Textilwerke, die über die Jahrzehnte
zu einem Weltunternehmen mit
zeitweise 6 000 Beschäftigten
wuchsen und deren Standort heute
Die beiden Gruschwitz-Geschäftsfüherer Ditmar Schultschick und Klaus Gudat (v.l.) sind
– kriegswirrenbedingt – über 700
stolz auf das 200-jährige Firmenbestehen. Fotos: Gruschwitz
Kilometer vom Gründungsort entfernt liegt: in Leutkirch im Allgäu.
Dort feierte Gruschwitz jetzt
mit Mitarbeitern und Freunden
das 200-jährige Bestehen als ganz
besonderes Fest. Eine Musik- und
Theaterschule aus der Region hatte
eigens für das Unternehmen und
über seine Geschichte ein zweistündiges Firmenmusical geschrieben. Der Logistikbereich war gekonnt zur Showbühne umdekoriert
worden – und die Vorführung wurde aufgelockert durch Talkrunden
mit Nachfahren des Gründers und
Vertretern der örtlichen Politik.
Ein weiterer Höhepunkt war
die Verteilung einer Firmenchronik, die über zwei Jahre lang aufwändigst von den Journalisten
Hildegard Nagler und Raimund
Haser (mittlerweile Landtagsabgeordneter) recherchiert wurde
und die jetzt auch im Buchhandel
erhältlich ist. Darin wird auch die
Gegenwart dargestellt, darunter
die breite Angebotspalette von
Aramid-Garnen für Turboladerschläuche im Auto über Garne für
medizinische Implantationsnetze,
schusssichere Westen oder für die
Herstellung von maritimen Seilen,
die viel leichter und langlebiger
sind als Stahlseile. Vorstand Ditmar Schultschick: „Diese breite
Basis und die Ausrichtung auf Nischen und Spezialitäten sind der
Grundstein unseres Erfolges.“
Ein Grund stolz zu sein – seit
mittlerweile 200 Jahren kann sich
die Firma Heinrich Otto & Söhne
am Markt behaupten. Im April
fanden die Feierlichkeiten zum
Firmenjubiläum im Garten der
Galerie der Stadt Wendlingen statt.
Die Gästeliste: ein gesellschaftliches Who‑is‑Who.
Der Familienbetrieb begann
seine Textiltradition im frühen 19.
Jahrhundert mit einer Baumwollspinnerei und war ein entscheidender Motor für die industrielle
Entwicklung im Südwesten. Während noch im Jahre 1944 die Werkhallen des Unternehmens beschlagnahmt wurden, damit die Firma
Daimler darin Schnellbootmotoren
herstellen konnte, entwickelte sich
Firmenchef Dirk Otto freute sich über die
Jubiläumsurkunde von Südwesttextil.
Foto: HOS
200
Jahre
über diese zwei Jahrhunderte die Parallele zu einem anderen UnterHOS Anlagen und Beteiligungen nehmen mit gleichem Namen und
GmbH & Co. mit drei Textilun- sagte: „Man ist fast versucht auszuternehmen an unterschiedlichen rufen: Otto: find‘ ich gut.“
Standorten.
Wendlingens Bürgermeister
Steffen Weige zeigte sich auf der
Jubiläumsfeier von der
nachhaltigen Prägung der
Firma für die Stadt Wendlingen begeistert: Wasserkraft, die Werksfeuerwehr, der Wohnungsbau
für die Mitarbeiter und
Heinr. Otto &
die Prägung eines ganzen
Söhne
Stadtviertels, noch heute
erkennbar durch einige
Straßennamen – all das ist auf die
Firma Otto zurückzuführen. Landrat Heinz Eininger zog dagegen die
200
Jahre
Verband + Industrie 7 SÜDWESTTEXT
August 2016 I Nr. 105
125
Jahre
Albert Ziegler
GmbH & Co. KG
Mit fünf Flachwebstühlen und
zehn Mitarbeitern gründete Albert Ziegler 1891 eine Firma zur
Herstellung von Schläuchen und
Schlauchpflegegeräten. 1953 baute Ziegler das erste Feuerwehrfahrzeug und stellte Feuerwehrschläuche aus Chemiefasern her.
Im Laufe der Jahre umfasste die
Produktpalette das gesamte Spektrum der Feuerwehrtechnik. Bis
heute wurden in der Ziegler-Geschichte insgesamt mehr als 20 000
Feuerwehrfahrzeuge ausgeliefert
und rund 60 Millionen Meter
Schlauch produziert, womit sich
eineinhalbmal die Erde umwickeln
lassen würde. Im vergangenen Jahr
wurden allein 650 Fahrzeuge weltweit ausgeliefert.
Geschäftsführer Youjun Luan: „Als Geschäftsführer für die Feuerwehr-Traditions-Marke Ziegler tätig zu sein, empfinde ich nicht nur
als große Ehre, sondern vor allem auch als eine Herausforderung, der ich mich mit all meiner Kraft und meinem unternehmerischen
Können gerne stelle.“ Fotos: Albert Ziegler
Während in früheren Jahren das
Verhältnis Inland zu Export bei 60
zu 40 lag, so liegt der Exportanteil
unterdessen bei rund 50 Prozent.
Der Marktanteil von ZieglerFahrzeugen in Deutschland selbst
liegt aktuell bei 35 Prozent. Im
Vergleich zu früher ist die Firma
zunehmend international ausgerichtet, vor allem der asiatische Raum
gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Dies liegt vor allem daran, dass die
Giengener Firma nach der Insolvenz 2011 im Jahr 2013 von dem
chinesischen Großkonzern CIMC
gekauft wurde.
Auch in Zukunft scheint es mit
der Firma weiter bergauf zu gehen:
Im ersten Halbjahr lag der Umsatz
bei bereits über 30 Millionen Euro
über dem Wert zum selben Zeitpunkt im Vorjahr. Es wird dieses
Jahr insgesamt ein Umsatz von
208 Millionen Euro angestrebt.
Somit ist Ziegler mit seinen rund
1 200 Mitarbeitern, 125 Jahre nach
Firmengründung, nicht nur ein international führender Anbieter von
Feuerwehrfahrzeugen und feuerwehrtechnischem Zubehör, sondern
auch Marktführer in Deutschland.
Zur Jubiläumsfeier wurden 3 000
Gäste erwartet.
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Termin vormerken
Personalleiterkreis
Um die Diskussion zu fördern und branchenspezifische Themen abbilden zu können,
werden drei Arbeitskreise gebildet.
Bitte melden Sie sich unter
www.suedwesttextil.de/veranstaltungen,
[email protected] oder
+49 711 21050 - 0
zu einem der folgenden Termine an:
Personalleiterkreis Bekleidung
Wann:
Gastgeber:
Anfahrt:
Montag, 14. November 2016, 13.00 Uhr bis ca. 17.00 Uhr
JOKER Jürgen Bernlöhr
Industriestraße 32, 74357 Bönnigheim
Personalleiterkreis Südbaden
Wann:
Gastgeber:
Anfahrt:
Dienstag, 22. November 2016,13.00 Uhr bis ca. 17.00 Uhr
ZUE Zwirnerei Untereggingen
Industriestrasse 1, 79805 Eggingen
Personalleiterkreis Textil
Wann:
Gastgeber:
Anfahrt:
Donnerstag, 24. November 2016, 13.00 Uhr bis ca. 17.00 Uhr
Albert Ziegler
Memminger Str. 28, 89537 Giengen
8 Recht + Steuern
SÜDWESTTEXT
August 2016 I Nr. 105
Arbeiten im Home Office
Bei der Einrichtung müssen verschiedene rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten berücksichtigt werden
In Zeiten der Digitalisierung spielen neue Arbeitsformen eine immer
größere Rolle. Oft wird dann auch
der Wunsch auf die Einrichtung
eines Home Office an den Arbeitgeber herangetragen. Auch für
Unternehmen kann zumindest ein
partielles Home Office eine gute
Werbung für neue Mitarbeiter sein.
Allerdings müssen bei der Einrichtung eines Home Office auch
verschiedene rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten und Grenzen
gesehen und berücksichtigt werden.
Zunächst ist besonders wichtig,
dass der Arbeitsort nicht verbindlich vertraglich im Home Office,
also zu Hause, vereinbart wird.
Derartige fixe Vereinbarungen
könnten nur bei dem Einverständnis des Mitarbeiters oder mit einer
wäre dann lediglich, ob die Tätigkeit am Betriebssitz zumutbar ist,
was zum Beispiel bei einer übermäßig langen Reisezeit nicht der
Fall wäre.
Dies ist besonders wichtig, weil
bei einer Tätigkeit von zu Hause ein
beitsschutzrecht auch an diesem
Arbeitsplatz. Insbesondere gilt auch
hier die Arbeitsstättenverordnung,
oder die Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der
Verwendung von Arbeitsmitteln.
Außerdem ist der Arbeitgeber auch
Keine fixen Vereinbarungen
hinsichtlich des Arbeitsorts
kaum praktikablen Änderungskündigung wieder aufgehoben werden.
Erfolgt hier keine verbindliche
Festlegung des Arbeitsortes und ist
darüber hinaus auch vorzugsweise
eine Versetzungsklausel vorhanden, die einen flexiblen örtlichen
Arbeitseinsatz zulässt, dann kann
ein einmal gewährtes Home Office
jederzeit wieder aufgehoben und
verlangt werden, dass die Arbeitsleistung wieder am Betriebssitz
erbracht wird. Zu berücksichtigen
Bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes ist zu berücksichtigen, dass die Anforderungen
des Datenschutzgesetzes ausreichend gewährleistet werden.
Foto: iStock.com/StockRocket
größeres Missbrauchsrisiko besteht,
da die Kontrolle der Arbeitsleistung
schwieriger ist.
Wenn die vertragliche Regelung dann dementsprechend getroffen wurde, ist bei der Einrichtung
des Home Office zu berücksichtigen, dass hier eine gewisse Verantwortlichkeit des Arbeitgebers
besteht. Schließlich gilt das Ar-
Recht kompakt
Geringfügige Beschäftigung
Frage: Ist die zeitliche Geringfügigkeitsgrenze immer bei zwei
Monaten oder 50 Arbeitstagen zu sehen?
Antwort: Nein, außer dieser im Gesetz vorgesehenen Grenze gibt es
vorübergehend noch erweiterte Möglichkeiten. Bis zum 31.12.2018
gilt eine Übergangsregelung, aufgrund derer die im Übrigen geltende
Grenze auf drei Monate oder 70 Arbeitstage erweitert ist, es sei denn,
dass die Beschäftigung berufsmäßig ausgeübt wird und ihr Entgelt
450 Euro im Monat übersteigt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist also der
Anwendungsbereich der geringfügigen Beschäftigung ausgedehnt
worden.
hier verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz vorzunehmen. Dies
könnte er durch eine Kontrolle des
Arbeitsplatzes selbst durchführen,
jedoch nur soweit der Arbeitnehmer
hier zustimmt. Alternativ und deutlich praktikabler dürfte allerdings
sein, wenn die Informationen von
dem Arbeitnehmer zur Verfügung
gestellt werden oder diese von dem
Arbeitgeber in einem Fragebogen
abgeprüft werden. Auf die Richtigkeit dieser Aussage darf der Arbeitgeber dann vertrauen, soweit diese
nicht offensichtlich als unzutreffend
erkennbar sind.
Bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes ist außerdem zu berücksichtigen, dass die Anforderungen des Datenschutzgesetzes
ausreichend gewährleistet werden.
Insbesondere muss hier sichergestellt werden, dass unbefugte Dritte
keinen Zugang zu den zumeist verwendeten personenbezogenen Daten erlangen. Es ist also zumindest
notwendig, dass ein entsprechender
Passwortschutz des Laptops vorhanden ist um den Verpflichtungen
als Arbeitgeber nach dem Bundesdatenschutzgesetz nachzukommen.
Die Kosten für die Einrichtung
des Arbeitsplatzes im Home Office
sind grundsätzlich von dem Arbeitgeber zu tragen. Insbesondere bei
Rechnern und Laptops wird sich
hier aber sowieso empfehlen, dass
diese zur Verfügung gestellt und mit
der erforderlichen Virenschutzsoftware ausgestattet werden. Vor allem
wenn auch andere Familienangehörige den Rechner des Arbeitsnehmers nutzen, besteht sonst ein
großes Sicherheitsrisiko. Soweit der
Arbeitnehmer seine privaten Mittel
nutzt, wird hier außerdem auch ein
Anspruch auf Erstattung der Nutzungskosten durch den Arbeitgeber
entstehen. Wichtig ist in diesem
Fall aber, dass die Übernahme der
Kosten von Telefon- und Internetanschluss in der Regel keinen geldwerten Vorteil bedeuten sondern als
steuerfreier Auslagenersatz behandelt werden.
Abschließend muss noch überlegt werden, wer im Falle einer
Beschädigung des überlassenen
Firmeneigentums haften soll.
Grundsätzlich wird auch hier die
abgestufte Arbeitnehmerhaftung
greifen, was bedeutet, dass der
Arbeitnehmer bei vorsätzlichem
oder grob fahrlässigen Verhalten
voll haftet, bei leichter Fahrlässigkeit gar nicht und bei mittlerer
Fahrlässigkeit eine Kostenteilung
stattfindet. Keine Probleme bestehen hingegen bei der Frage der
Unfallversicherung. Grundsätzlich
wird bei einem Unfall im Rahmen
der ausgeübten Tätigkeit von zu
Hause ein Arbeitsunfall vorliegen.
Nur wenn die Tätigkeit unterbrochen wird, liegt kein Arbeitsunfall
mehr vor.
Insgesamt stellt somit zumindest die teilweise Ermöglichung
einer Tätigkeit im Home Office eine
gut gestaltbare Möglichkeit für beide Vertragsparteien dar, wenn die
vorstehenden Gesichtspunkte berücksichtigt werden.
Fragen an:
RA Nathan Binkowski
Tel.: +49 711 21050-21
[email protected]
Recht + Steuern 9 SÜDWESTTEXT
August 2016 I Nr. 105
Wo ist der Betriebsrat?
Freigestellte Betriebsratsmitglieder müssen sich beim Arbeitgeber abmelden
Freigestellte Betriebsratsmitglieder
müssen sich beim Arbeitgeber unter Angabe der voraussichtlichen
Dauer der Betriebsratstätigkeit
abmelden, wenn sie außerhalb des
Betriebs Tätigkeiten nachgehen,
die erforderlich zur Erfüllung ihrer
Aufgaben als Betriebsräte sind. Zudem müssen sie sich auch nach der
Rückkehr in das Unternehmen wieder zurückmelden, entschied das
Bundesarbeitsgericht (BAG). Dies
liegt daran, dass auch freigestellte
Betriebsratsmitglieder grundsätzlich verpflichtet sind, während der
vertraglichen Arbeitszeit im Betrieb
anwesend zu sein und sich dort für
anfallende Betriebsratsarbeit bereit zu halten. Die Meldepflichten
dienen dazu, dem Arbeitgeber die
Arbeitseinteilung zu erleichtern.
Auch die Freistellung ändere nichts
hieran, so die Richter, da sich dies
aus den Nebenpflichten der Arbeitnehmer und dem Gebot der
vertrauensvollen Zusammenarbeit
nach dem Betriebsverfassungsgesetz ergebe. Der Arbeitgeber habe
ein berechtigtes Interesse daran, zu
erfahren, ob und ggf. wie lange ein
freigestelltes Betriebsratsmitglied
abwesend ist. Dies wird damit be-
keit anzugeben. Diese Information
werde von dem Arbeitgeber nicht
benötigt. Allerdings kann der Arbeitgeber zumindest nachträglich
Die Meldepflichten dienen dazu, dem Arbeitgeber die Arbeitseinteilung zu erleichtern.
Foto: iStock.com/BR _ TCmake_photo
gründet, dass diese Betriebsratsmitglieder nur von der beruflichen Tätigkeit freigestellt sind, nicht jedoch
von der Anwesenheitspflicht.
Bei der Abmeldung müsse die
voraussichtliche Dauer der Abwesenheit angegeben werden. Das
BAG erklärte, es bestehe hingegen
keine Verpflichtung, den Ort der
beabsichtigten Betriebsratstätig-
den Ort und notwendige weitere
Einzelheiten erfragen, falls das Betriebsratsmitglied Kostenerstattung
beantragt und diese geprüft werden
muss.
Fragen an:
RAin Hannah Bussmann
Tel.: +49 711 21050-19
[email protected]
Neue Arbeitsvertragsmuster
Die Muster der Arbeitsverträge
von Südwesttextil wurden erneut
aktualisiert. Zu beachten ist, dass
die Ausschlussfristenklauseln in
den Verträgen ohne Tarifverweis
geändert wurden. Für solche
Verträge, die ab dem 01.10.2016
geschlossen werden, ist aufgrund
einer dann in Kraft tretenden
Änderung des AGB-Rechts nur
noch die Ausschlussfrist nach den
neuen Verträgen zulässig. Hinweise für die Zeit bis einschließlich
30.09.2016 finden sich in den
Erklärungen in den jeweiligen
Verträgen. Bereits bestehende
Verträge müssen nicht geändert
werden und können unverändert
bestehen bleiben. Für Verträge,
die bzgl. der Ausschlussfristen
auf die entsprechenden Tarifverträge verweisen, ist durch die
Rechtsänderung keine Neuerung
notwendig geworden.
Die Muster gibt es im Mitgliederbereich von www.suedwesttextil.de
zum Download.
PH-Werte: Die Kolumne von Südwesttextil-Hauptgeschäftsführer Peter Haas
Peking-Panik?
»Chinesen denken
in Jahrtausenden
statt in Quartalen.«
Chinesische Investoren sind auf
Großeinkauf in Europa. Bis zur Jahresmitte haben sie fast schon so viele
Firmen übernommen wie im ganzen
Jahr zuvor. Mit 37 Übernahmen
liegt Deutschland auf Platz 1 – der
Roboterhersteller Kuka ist nur der
prominenteste Fall. Auch Personen
sind beliebte Akquiseziele: Jüngstes
Beispiel ist der bisherige Leiter des
BMW-Elektroautoteams, der mit seinen engsten Mitarbeitern und Leuten
von Tesla, Google und Mercedes zu
den Chinesen wechselte.
Ein Anlass zur Sorge? Mancher
klagt, so langsam würden sich die
Chinesen ins Herz unserer lang
unangefochtenen Industriekompetenz vorarbeiten. Verlieren wir die
Kontrolle? Sind wir auf dem Weg
zur verlängerten Werkbank Chinas?
Manche Sorge scheint berechtigt:
Während die Chinesen versuchen,
sich im Rohstoffbereich ein Monopol nach dem anderen zu sichern
und logistische Schlüsselpositionen
zu erlangen (der Hafen von Piräus
gehört ihnen jetzt und soll erste An-
laufstelle für chinesische Produkte
in Europa werden), gehen in China
selbst immer öfter die Schranken
für europäische Anbieter herunter.
War es das also mit der China-Euphorie? Einst das Land mit günstigen Produktionskosten und einer
Milliarde Kunden, dann der willkommene reiche Onkel aus Fernost und bald: der Feind im eigenen
Bett? Fakt ist: Für die deutsche
Textil- und Bekleidungsindustrie
ist der Handel mit China wesentlich. Peking muss Partner bleiben.
Vor vier Jahren traf ich in
Shanghai einen deutschen Professor, der Land und Leute hervorragend kannte (immerhin brachte er
den Chinesen auf Chinesisch chinesische Literatur bei!). Er machte
mir klar, dass China nicht umsonst
das „Reich der Mitte“ sei. Sie sähen
sich eben im Zentrum der Welt. Die
nur ein paar Jahrhunderte währende
Vorherrschaft Europas – oder bes-
ser gesagt: die Dominanz des Westens – empfinden Chinesen eher
als Treppenwitz der Geschichte, der
jetzt korrigiert würde.
Chinesen denken nicht in
Quartalen, sie denken in Jahrtausenden – und jetzt soll für sie ein
neues, goldenes anbrechen. Nach
Jahrzehnten des „billiger“ werden
sie „besser“. Und das ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, in dem wir
„teurer denn je“ sind. Das haben
Politik und Gewerkschaften noch
nicht wirklich verstanden. Laut
Statistischem Bundesamt hat sich
das Lohnniveau in keinem anderen
großen Euro-Land so stark erhöht
wie in Deutschland.
Noch haben wir eine Chance:
Erst vor wenigen Tagen zeigten
Forscher der Uni St. Gallen, dass
Produkte „made in Germany“ in
der internationalen Wertschätzung
auf Platz 1 liegen. China und Indien
sind Schlusslichter.
10 Technik + Umwelt
SÜDWESTTEXT
August 2016 I Nr. 105
Workshop REACH & Co.
Termine
Orientierung im Dschungel des textilen Schadstoff-Compliance-Managements
Es ist viel Bewegung in der Branche. Industrie 4.0 und die beschleunigte digitale Konversion
der Produktion, die Frage nach
den richtigen E-Commerce-Werkzeugen und Vertriebskanälen verändern die Geschäftsmodelle der
Unternehmen radikal.
Vor großen Umbrüchen steht
auch der Bereich des textilen
Umwelt- und Schadstoffmanagements. Treiber sind auf der gesetzlichen Seite vor allem das neue
EU-Chemikalien bzw. Stoffrecht
REACh, das derzeit einen unübersehbaren textilen Fokus entwickelt,
als auch die Detox-Kampagne von
Greenpeace. Initiativen wie die
ZDHC-Initiative, die sich als textiler Industriestandard in diesem
Bereich etablieren könnte, als auch
das deutsche „Textilbündnis“ sind
unübersehbare Zeichen, dass eine
neue Zeitrechnung angebrochen ist.
Die Thematik ist spannend,
hinreichend „chemisch“ und oft
äußerst komplex. Während sich
außerhalb der Branche Großunternehmen mit ganzen Stäben an Chemikern und IT-Spezialisten dieser
Frage annehmen, ist es für Textiler
im Mittelstand schwierig, hier
ihre Segel in den richtigen Wind
zu bringen. Aus diesem Grund
veranstalteten Südwesttextil und
die AFBW Mitte Juni unter Leitung des Umweltreferenten Stefan
Thumm den Workshop „REACh &
Co. und die textile Lieferkette“ an
den Hohenstein Instituten in Bönnigheim. Anhand von Vorträgen
und anschaulichen, allgemeinverständlichen Beispielen brachten
die Referenten der Hohenstein Institute, Dr. Alexander Alpmann und
Jörg Diekmann, Direktor Vertrieb
Compliance-Supplychain-Tools als
Funktion der Materialwirtschaft.
Auch hier ist vieles in Bewegung.
Selbst die Automobilhersteller mit
dem oft in diesem Zusammenhang
Die Referenten: Jörg Diekmann, Stefan Thumm, Dr. Alexander Alpmann
Fotos: Südwesttextil
International, sowie Stefan Thumm,
Südwesttextil, für die interessierten
Teilnehmer Licht ins Dunkel.
Schnell wurde durch die Ausführungen ersichtlich: Die Zukunft
gehört automatisierten Systemen,
die es vor allem dem textilen Mittelständler neben seinem eigentlichen Kerngeschäft ermöglichen,
sowohl den gesetzlichen Verpflichtungen als auch den vielschichtigen
Kundenanforderungen in diesem
Bereich nachkommen zu können.
Um die Kosten hierfür im Griff
zu behalten, braucht es daher eine
Konsolidierung der vielen hundert
„Restricted Substance Lists“ auf
eine textile Leit-RSL sowie eine
Konsolidierung der vielen textilen
Standards und Gütesiegeln.
Ein weiterer schwieriger Bereich sind die IT-gestützten Stoff-
genannten exklusiven IMDS-System stoßen aktuell an viele Grenzen. Die komplexen Anforderungen
nach den Vorstellungen der ECHA,
die Folgen des EUGH-Urteils in
Bezug auf Erzeugnisse und anderer Organisationen sind kaum oder
gar nicht abzubilden. Eine allumfassend funktionierende Lösung
gibt es derzeit nicht. Die Frage
nach dem richtigen System – auch
für den textilen Mittelstand – bleibt
daher offen und man darf gespannt
sein, was sich aus den bereits bestehenden oder im Aufbau befindlichen Systemen entwickelt.
Fragen an:
Dipl.-Ing.(FH) Stefan Thumm
Tel.: +49 151 281 090 45
[email protected]
Termin vormerken
Workshop Biozid
© iStock.Grafner
11. Oktober 2016,
ITV Denkendorf
Jetzt anmelden unter www.suedwesttextil.de/veranstaltungen, [email protected] oder +49 711 21050 - 11
Informationsveranstaltung
Im Rahmen der internationalen
Leitmesse AMB (internationale
Ausstellung für Metallbearbeitung)
widmet sich das Forum Leichtbau
am 16. September von 09.30
bis 11.30 Uhr der Frage: „Neue
Werkstoffe auf alten Maschinen?“
Aufgrund der spezifischen Eigenschaften von Verbundwerkstoffen
wie z. B. Gewicht, Faserstrukturen
und Stabilität der Bauteile ergeben
sich anderen Anforderungen an die
Bearbeitung als bei herkömmlichen
Materialien. Veranstaltungsort
ist die Region Stuttgart Lounge,
Messe Stuttgart, Eingangsbereich
Ost. Anmeldung bis 12. September
unter www.leichtbau-bw.de.
AFBW-Arbeitsgruppe
Am 29. September veranstaltet
die AFBW die „AG Smart Textiles“ unter Leitung von Prof. Dr.
Dirk Höfer mit dem Schwerpunkt
„Smart Home & Living“ bei den
Hohenstein Instituten in Bönnigheim.
Ziel ist es, Anknüpfungspunkte
für faserbasierte Werkstoffe und
technische Verfahren und Systeme
in Wohnräumen zu finden, die die
Wohn- und Lebensqualität, Sicherheit und effiziente Energienutzung
auf Basis vernetzter und fernsteuerbarer Geräte und Installationen
sowie automatisierbarer Abläufe
verbessert. Weitere Infos unter
www.afbw.eu.
31. Hofer Vliesstoffstage
Am 9. und 10. November dreht sich
in der Freiheitshalle Hof wieder alles
rund ums Vlies. Mehr unter www.
hofer-vliesstofftage.de.
Gatex-Seminar
Vom 14. bis 18. November findet
in der Gatex in Bad Säckingen das
Seminar „Textiles Grundwissen für
Kaufleute und Auszubildende“
statt. Es richtet sich an Mitarbeiter sowie Auszubildende in den
kaufmännischen Abteilungen von
Textil- und Bekleidungsunternehmen,
im Textilmaschinenbau, in Zulieferfirmen und im Einzelhandel. Die
Teilnehmer erhalten einen Überblick
über die Entstehung von Textilien
und können so deren Qualität
besser bewerten und bei Bedarf
fachkundiger beraten. Mehr unter
www.die-gatex.de/weiterbildung.
SÜDWESTTEXT
August 2016 I Nr. 105
Technik + Umwelt 11 Innovationen rund um die Faser
© Eschler
Das Netzwerk AFBW initiiert ein neues Projekt
Am 1. Januar dieses Jahres startete
die Allianz Faserbasierte Werkstoffe
Baden-Württemberg (AFBW) das
neue Projekt FIBER Push. Im Mittelpunkt von FIBER Push steht
die Entwicklung von innovativen
Fasermaterialien, die den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen forcieren, alternative Rohstoffquellen
nutzen und eine Verlängerung der
Nutzungs- und Produktlebensdauer
zum Ziel haben. Das Projekt richtet sich an Unternehmen, die an
neuen Fasermaterialien interessiert
sind, die diese einsetzen oder zur
technologischen Weiterentwicklung
beitragen können.
Dabei sollen Antworten auf
verschiedene Fragen gefunden
werden: Welches Entwicklungspotenzial steckt in faserbasierten
Materialien? Wie können wir es
nutzen und daraus Innovationen für
ein besseres Morgen entwickeln?
Dieses Vorhaben, das über die
nächsten drei Jahre durch EFRE
(Europäischer Fond für regionale
Entwicklung) gefördert wird, ist
ein Novum: Die AFBW, die sonst
brachenorientiert ausgerichtet ist,
wird mit FIBER Push erstmals ein
materialorientiertes Geschäftsfeld
aufbauen. Das Ziel: Über zwei Drittel aller technischen Neuerungen
sollen auf neue Materialien zurückgehen. Das gilt für nahezu alle
Wirtschaftszweige und Bedarfsfelder. Dabei gehören faserbasierte
Materialien zu den wesentlichen
Innovationstreibern. Sie tragen mit
neuen Funktionalitäten und Leistungsmerkmalen wesentlich zu
einem nachhaltigen Wirtschaften
und zu mehr Lebensqualität und
Wohlstand in unserer Gesellschaft
bei. Denn – für die Bewertung von
Innovationen gewinnen ökologische Belange zunehmend an Bedeutung. Deshalb sind mehr denn
je Lösungen gefragt, die die Nachhaltigkeit in der textilien Kette im
Auge behalten, die Material- und
Ressourceneffizienz erhöhen, das
Life-Cycle-Engineering berücksichtigen und die Ökobilanz im
Blick haben.
Im Fokus von FIBER Push
stehen zum einen nachwachsende
Rohstoffe, wie die Faseraufbereitung und Fasergewinnung von
Hanf, Flachs, Baumwolle, Cellulose, Holz, Wolle. Zum anderen
www.afbw.eu in neuem Look und mit FIBER Push
Nach sechs Jahren wurde die Internetseite der AFBW komplett überarbeitet
und überzeugt in neuem Look mit vielen Informationen, neuen Services
und dem neuen Geschäftsfeld FIBER Push. Leistungsstark wie immer hat
die AFBW auch den Kommunikationstools – Newsletter, SpotOn und
ShortNews – der Allianz einen neuen Anstrich gegeben.
Überzeugen Sie sich vom gelungenen Relaunch unter www.afbw.eu.
geht es um die Entwicklung neuer
Fasern, die beispielsweise durch
Funktionalisierung entstehen: QMilk, Basalt, Polymere, Biopolymere (PLA, PEF =Polyethylenfuranoat).
Am 2. Juni fand im Naturkundemuseum Schloss Rosenstein in
Stuttgart die feierliche Eröffnung
des neuen Geschäftsfeldes statt.
Zum Kick Off begrüßte Christoph
Larsén/Mattes, Vorsitzender der
AFBW die Teilnehmer. Die Festansprache hielt Prof. Dr.-Ing. Heinrich Planck, der stellvertretende
Vorsitzende des Netzwerkes.
„Innovative Fasermaterialien
im Quadrat“ lautete das Motto der
Veranstaltung, denn: „Mit den Projektbausteinen Wissenssammlung,
Wissensdarstellung, Wissenstransfer und Wissensvermittlung wollen wir das Ziel von FIBER Push
erfolgreich umsetzen“, erklärte die
Geschäftsführerin des Netzwerkes,
Ulrike Möller.
Im Anschluss an den offiziellen
Eröffnungsteil wurden die Herausforderungen, die Perspektiven und
auch der aktuelle Stand der Entwicklungen im Bereich FIBER
Push durch drei Vorträge präsentiert. Dr. Simone Müller-Hellwig
aus der Abteilung Nachhaltige
Produkte, Konzepte/Werkstoffe/
Recycling der Audi AG Ingolstadt
sprach über „CO²-Gewinnung aus
der Luft“. Stefan Thumm, Koordinator für Technik, Umwelt und Innovation bei Südwesttextil berichtete über „Biomass to fibre – Wege
zur 4. Generation nachwachsender
Fasern“. Abschließend zog das
Start-up Unternehmen manaomea
GmbH mit dem Referenten Paul
Kuhlmann und dem Vortrag „Lassen Sie sich umgarnen: Die kleine
Stiftrevolution“ das Auditorium in
den Bann.
Der Vorstandsvorsitzende Larsén-Mattes betonte, dass die AFBW
durch diese Unterstützung noch
weiter vorangetrieben werde und
damit sicherlich seinen Ruf als Exzellenznetzwerk in Baden-Württemberg weiter ausbauen kann.
Projekt-Interessierte sind herzlich eingeladen, mit der AFBW
Kontakt aufzunehmen. Ansprechpartnerin: Ulrike Möller, ulrike.
[email protected], www.afbw.eu
Ulrike Möller
12 Zu guter Letzt
SÜDWESTTEXT
August 2016 I Nr. 105
Textile Karriere fest im Blick
Gatex-Vorsitzender Volker Steidel (links) verabschiedete gemeinsam mit Ausbilder Uwe Rummler (hinten 2. v. l.), Manuel Kleppke
(hinten 4. v. l.), Ausbildungsleiter Matthias Rentschler (hinten rechts) und Ausbilder Henrik Piewatz (hinten rechts Mitte) sowie GatexGeschäftsführerin Christine Schneider (rechts) insgesamt 26 Absolventen ins Berufsleben.
Die Gatex-Zertifikat-Absolventen
Produktionsmechaniker – Textil Fachrichtung Spinnerei
Philip McCusker, Otto-Garne (Dietenheim)
Mazlum Sönmez, Gütermann (Gutach-Breisgau)
Patrick Moritz, J. H. Ziegler (Achern)
Erwin Suppes, Technische Textilien Lörrach (Lörrach)
Yasin Kisa, Zwirnerei an der Wutach (Stühlingen)
Mehmet, Adakli, Zwirnerei Untereggingen (Eggingen)
Produktionsmechaniker – Textil Fachrichtung Weberei
Julien Selbert, Global Safety Textiles (Maulburg)
Andreas Michel, Global Safety Textiles (Maulburg)
Giuseppe Maenza, Global Safety Textiles (Maulburg)
Aldo Cerbo, Textilwerke Todtnau (Todtnau)
Celik Gökalp, Textilwerke Todtnau (Todtnau)
Vladimir Aksinin, Zweigart & Sawitzki (Sindelfingen)
Produktveredler – Textil
Antonino Mignemi, Otto-Garne(Dietenheim)
Ferhart Yildiz, Lauffenmühle (Lauchringen)
Steven Basler, Textilveredlung an der Wiese (Lörrach)
Eugen Suppes, Technische Textilien Lörrach (Lörrach)
Textillaboranten
Viktoria Wacker, Gruschwitz (Leutkirch)
Sophia Meier, J. H. Ziegler (Achern)
Maschinen- und Anlagenführer – Spinnerei
Newid Abbaszadeh, J. H. Ziegler (Achern)
Benjamin Herzog J. H. Ziegler (Achern)
David Neunzig, J. H. Ziegler (Achern)
Birger Herbert Ismet Gluth, Lauffenmühle (Lauchringen)
Shqiprim Kertoku, Lauffenmühle (Lauchringen)
Maschinen- und Anlagenführer – Weberei
Arlind Hashani, Lauffenmühle (Lauchringen)
Maschinen- und Anlagenführer – Veredlung
Gioele Ronchi, Textilveredlung an der Wiese (Lörrach)
Denis Streufert, Textilveredlung an der Wiese (Lörrach)
Die Textilbranche hat 26 junge,
sehr gut ausgebildete Fachkräfte
mehr. Mit einem Berufsabschluss
und einem Gatex-Zertifikat in der
Tasche wurden sie am Dienstag
mit einer Abschlussfeier im textilen
Bildungszentrum Gatex ins Berufsleben verabschiedet. Vor allem zwei
Azubis aus dem Bereich Weberei
konnten in diesem Jahr punkten:
Das beste Ergebnis erzielten die
beiden Produktionsmechaniker
Textil/Weben, Giuseppe Maenza
von der Global Safety Textiles in
Maulburg und Celik Gökalp von
den Textilwerken Todtnau, mit je 89
von 100 Punkten. Der Durchschnitt
der Prüfung lag bei 71 Punkten. Die
Theorie-Prüfung umfasst je nach
Ausbildungsberuf die Fächer Fachrechnen, Fachkunde und Bindungslehre. Zum Bestehen müssen mindestens 50 Punkte erreicht werden.
„Seit 2008 bieten wir mit unserer Zertifikatsprüfung eine Zusatzprüfung zur regulären IHK-Abschlussprüfung und dokumentieren
damit: unsere Gatex-Absolventen
sind für unsere Industrie besonders gut qualifiziert“, erklärte der
Gatex-Vorsitzende Volker Steidel,
in seiner Verabschiedungsrede. „In
diesen letzten acht Jahren haben
insgesamt 215 Auszubildende dieses Zertifikat erlangt. Darauf sind
wir stolz.“
Mit einem Umsatz von ca. 32
Milliarden Euro im Jahr und 1 400
Unternehmen mit mehr als 132 000
Beschäftigten gehört die deutsche
Textil- und Bekleidungsindustrie
technologisch zur Weltspitze und
ist einer der modernsten und leistungsfähigsten Wirtschaftszweige
des Landes. Neben klassischen Produkten wie Bekleidung und Heimtextilien werden heute hochinnovative High-Tech-Produkte für die
unterschiedlichsten Lebensbereiche
hergestellt. Diese technischen
Textilien haben in den vergangenen Jahren eine Vielzahl neuer
Anwendungsgebiete erobert und
herkömmliche Materialien ersetzt
– beispielsweise in den Bereichen
Automobil, Bau und Medizin.
Im letzten Jahr wurde in
Deutschland mit technischen Textilien ein Umsatzplus von 14,6
Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt. „Unsere Branche bietet umfassende Karrieremöglichkeiten“,
betonte Steidel, zugleich Chef der
Lauffenmühle in Lauchringen, und
beglückwünschte die jungen Textiler zu ihrer Berufswahl.
Simone Diebold
Gatex-Vorstand
Auf der Mitgliederversammlung
der Gatex am 19. Juli wurden
Volker Steidel, Geschäftsführer der
Lauffenmühle, als Vorstandsvorsitzender und Bernhard Röttele,
Personalchef der Global Safety
Textile, als Vorstandsmitglied einstimmig für zwei weitere Jahre in
ihren Ämtern bestätigt.
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