Ein solides Fundament - Kantonsspital Graubünden

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164. Jahrgang, Nr. 215
Dienstag, 9. August 2016 CHF 3.30
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20032
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EXKLUSIV IM BT
Schönheitskorrektur
für «hässlichstes Haus»
BT-Kolumnist Charly Bieler hatte vor sechs Jahren
ein Haus an der Seestrasse in Wädenswil im Kanton
Zürich als «hässlichstes Gebäude des Landes» bezeichnet. Zeigte seine Kritik nun späte Wirkung?
Das Haus wurde nämlich in der Zwischenzeit umfassend umgestaltet und damit sämtliche Farben in
Pastell, jegliche Formen und den unrühmlichen Titel los. In seiner neusten Kolumne schreibt Bieler
wieder über das Gebäude und seine Verwandlung
vom «hässlichsten» zum nun durchaus ansehnlichen Gebäude. (BT)
Ein solides Fundament
Streit im ACS
eskaliert: Anzeige
gegen Wasserfallen
Bis ins Jahr 2023 wird das Kantonsspital Graubünden rundum erneuert.
Allein das laufende Projekt Sanierung,
Umbau, Neubau (SUN) verschlingt
430 Mio. Franken. Bereits im nächsten
Jahr wird auch der 65 Mio. Franken
teure Neubau der Kinderklinik in
Angriff genommen, und auch die
Pläne für ein Gesundheitsresort auf
dem Areal des Frauenspitals Fontana
gehen nach der vom Stimmvolk
erst kürzlich klar gutgeheissenen
Umzonung in die Konkretisierungsphase. Vor diesem Hintergrund
hat gestern die Spitalführung den
Jahresbericht 2015 und die neusten
Finanzkennzahlen präsentiert. Fazit:
«Das Kantonsspital Graubünden ist
finanziell gesund», wie Stiftungsratspräsident Martin Schmid und
CEO Arnold Bachmann an der
Jahresmedienkonferenz festhielten.
Das Zentrumsspital erarbeitete einen
Betriebsertrag von 321 Mio. (+3 Mio.)
und erzielte ein Jahresergebnis von
31 Mio. (Vorjahr 36 Mio.). Mit Blick auf
den mit den Neubauten steigenden
Abschreibungsbedarf sind diese
Mehreinnahmen auch unabdingbar.
Mit erneut fast 17 000 stationären
Patientinnen und Patienten und rund
65 000 ambulant behandelten Fällen
konsolidierten sich die Zahlen auf
hohem Niveau. Erstmals übertraf die
Zahl der Mitarbeitenden die Marke
von 2000, womit das Kantonsspital
der zweitgrösste Arbeitgeber in
Graubünden ist. (NW/YB)
STRAFANZEIGE Die Kontroverse
um die Führung des Strassenverkehrsverbandes ACS ist um ein juristisches Kapitel reicher. Die Verbandsführung hat gegen den Berner
FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen eine Strafanzeige eingereicht.
Wasserfallen werden üble Nachrede und Beschimpfung vorgeworfen. Michael Gehrken, Generaldirektor des Automobil Clubs der
Schweiz (ACS) ad interim, bestätigte einen Bericht des «Blick» von gestern. Eingereicht wurde die Anzeige
bei der Berner Staatsanwaltschaft
von Gehrken und dem bisherigen
ACS-Präsidenten Mathias Ammann. Auslöser der Anzeige war ein
Zitat von Wasserfallen gegenüber
der Nachrichtenagentur SDA in
einer Meldung vom 30. Juli. Damals
ging es um den von Wasserfallen gesperrten Zugriff auf die ACS-Konten
bei der Berner Kantonalbank. (SDA)
S C H W E I Z .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 19
Kaiser Akihito
denkt über
Abdankung nach
G R A U B Ü N D E N . ................ Seite 3
K L A R T E X T ............ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 2
Kampf dem Seefrosch
Der invasive Seefrosch nimmt im Rheintal immer
mehr Lebensräume in Beschlag und verdrängt
einheimische Amphibien. Auch in Graubünden
verschreibt sich ein Projekt der Bekämpfung des
lauten und lästigen Tiers.
G R AU B Ü N D E N ..... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 5
Kulturhistorischer Lesestoff
Der Autor Onno Wesseling
sorgt mit einem Roman über
die Bündner Zuckerbäcker in
den Niederlanden für Furore.
Der Schriftsteller lebte acht
Jahre in Graubünden.
K U LT U R . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 13
Die nächsten zwei «Pumpis»
Die BT-Serie zum Churer Pumpilauf geht in die
nächste Runde. Heute werden die Turn- und
Sportlehrerin Sabine Neuwirth und Beda Gujan,
Geschäftsleiter Plankis Chur, vorgestellt.
C H U R .................... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 6
Meister von Himmel und Hölle
Vor 500 Jahren starb Hieronymus Bosch in der südniederländischen Provinzstadt
‘s-Hertogenbosch. Die Visionen
des Malers üben bis heute eine
grosse Anziehungskraft aus.
K U LT U R . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 13
Schlange stehen bei Züger
Das «House of Switzerland» an den Olympischen
Spielen in Rio de Janeiro führt der 31-jährige
Zürcher Chris Züger. Sein kulinarisches Angebot
stösst auf riesiges Interesse. BT-Sportredaktor
Kristian Kapp hat ihn vor Ort besucht.
S P O R T .................. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 15
Mehr als doppelt so breites Trottoir
Die Stadt Chur investiert eine halbe Million in die Sicherheit im Bereich Gäuggelistrasse.
Im Bereich der Churer Gäuggelistrasse zwischen der Einfahrt Migros Markt und der Einmündung
Rheinstrasse wird es bisweilen eng.
Zu eng vor allem für Fussgänger,
denen das Kreuzen auf dem nur 1,4
Meter breiten Gehsteig teilweise
nicht möglich ist, ohne auf die Stras-
se auszuweichen. Um den Engpass
zu beheben, will die Stadt das Trottoir um mehr als das Doppelte verbreitern. Insgesamt ist ihr die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer
eine halbe Million Franken wert,
wie Stadtingenieur Roland Arpagaus gegenüber dem BT ausführt.
Die Trottoirverbreiterung ist allerdings nicht die einzige «Korrektur»,
welche die Stadt beim Nadelöhr an
der Gäuggelistrasse vornimmt. Im
Gespräch hat Arpagaus erklärt, was
noch unternommen wird. (ESÖ)
C H U R .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Seite 6
Seewis hat sein Alpmuseum wieder
Auf 1715 Metern über Meer gibt das Alpmuseum Seewis Einblicke in die traditionelle
Käserei auf einer Alp. Mit einer Feier wurde es am Sonntag wiedereröffnet.
Bis 1985 war in der Hütte am Fuss
der Schesaplana – dem höchsten
Berg des Rätikons – noch gekäst
worden. Seither dient das über 100
Jahre alte Gebäude als Alpmuseum
und dokumentiert anhand historischer Gerätschaften wie Melkeimern, Gebsen und Rahmkellen
den Alltag der einstigen Sennen und
Hirten. 2012 wurde die Hütte von
einer Schneelawine eingedrückt.
Die Seewiser nahmen mit reichlich
Unterstützung – unter anderem
von freiwilligen Helfern – den Wiederaufbau in die Hand und konnten
nun vergangenen Sonntag die Wiedereröffnung des Alpmuseums feiern. Zu diesem Anlass erschienen
an die 300 Besucher. (BT)
G R A U B Ü N D E N ................. Seite 5
GRAUBÜNDEN Seite 3
TOKIO Japans Kaiser Akihito hat
sich in einer Fernsehansprache besorgt über seine nachlassenden
Kräfte gezeigt. Direkt äusserte sich
der 82-Jährige gestern aber nicht zu
möglichen Überlegungen, den
Thron noch zu Lebzeiten an seinen
Sohn zu übergeben. Er sei nun mehr
als 80 Jahre alt, seine Kraft lasse
nach und er habe bereits zwei Operationen hinter sich, sagte er in der
rund zehnminütigen, im Fernsehen
ausgestrahlte Rede. «Ich bin besorgt, dass es für mich schwierig
wird, meine Aufgaben als Symbol
des Staates mit voller Kraft zu erfüllen, wie ich das bis jetzt getan habe», sagte Akihito. (SDA)
W E L T . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 21
Trump lockt mit
Steuergeschenken
DETROIT Der Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat in Detroit sein Wirtschaftsprogramm
vorgestellt: Steuersenkungen für
Firmen und Privatpersonen sowie
Neuverhandlung von internationalen Handelsverträgen. Er werde
Geld in den Bau und die Erneuerung
von Strassen, Brücken, Flughäfen
und Häfen investieren, sagte Trump
in seiner Rede. (SDA)
W E L T . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 21
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HAARSCHNITT UND TRAUMFARBE?
Historische Gerätschaften geben auch den jüngsten Besuchern
einen spannenden Einblick in die jahrhundertalte bäuerliche Kultur. (EW)
CHUR Seite 6
KULTUR Seite 13
SPORT Seite14
SCHWEIZ Seite 19
WELT Seite 21
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TV/RADIO Seite 22
RESSORT Seite xx
GRAUBÜNDEN
D i e n s t a g , 9. Au g u s t 2 0 1 6
B ü n d n e r Ta g b l a tt
3
NACHGEFRAGT
«Wichtiger als Gebäude
sind Kooperationen»
BÜNDNER TAGBLATT: Ein Jahresertrag von über
320 Millionen Franken, über 2000 Mitarbeitende und
Bauvorhaben in dreistelliger Millionenhöhe; können
Sie verstehen, dass es Leute gibt, die bei solchen
Zahlen ein Unbehagen beschleicht – auch angesichts
unaufhörlich steigender Krankenkassenprämien?
ARNOLD BACHMANN (CEO KANTONSSPITAL
GRAUBÜNDEN): Das kann ich sehr gut verstehen.
Es gilt aber zu präzisieren, dass die Krankenkassenprämien heute auf Fallkosten beruhen und es folglich darum geht, jeden einzelnen Fall möglichst effizient und kostengünstig zu behandeln. Und da
spielen neue Gebäude und einfache Abläufe eine
wesentliche Rolle. Erste Resultate dieser Anstrengungen zeigen unsere seit 2010 stets sinkenden
Fallkosten. Dies beschert uns auch das gute Finanzergebnis.
Grossbaustelle: Vom bestehenden Bettenhaus D aus können die Bauarbeiten für das neue Haus H1 eindrücklich betrachtet werden.
Nach Abschluss des Projektes «SUN» wird sich in diesem Gebäude an der Loëstrasse auch der neue Haupteingang befinden.
Kantonsspital plant bereits
die nächsten Baustellen
Noch ist das Projekt Sanierung, Umbau, Neubau (SUN) in vollem Gange, da plant das Kantonsspital Graubünden
mit der neuen Kinderklinik und dem Gesundheitsresort Fontana bereits die nächsten Ausbauschritte.
▸ NO R B E R T WA S E R ( T E X T )
YA N I K B Ü R K L I ( F O T O S )
D
Das Kantonsspital Graubünden ist
derzeit eine einzige Grossbaustelle.
Und fertig gebaut wird das Zentrumsspital nie sein, zu dynamisch
entwickelt sich das Gesundheitswesen. Mit der Präsentation des Jahresberichts und der Kennzahlen für
das Jahr 2015 haben Stiftungsratspräsident Martin Schmid und CEO
Arnold Bachmann gestern aufgezeigt, dass die eingeleiteten Massnahmen die gewünschte Wirkung
erzielen. So konnte beispielsweise
trotz leicht weniger Patienten im
stationären Bereich ein leicht höherer Ertrag erzielt werden. «Das deutet darauf hin, dass der Schweregrad der Fälle gestiegen ist», erklärte Bachmann und sieht darin auch
eine unmittelbare Folge der eingegangenen Kooperationen mit anderen Spitälern. «Höhere Fallzahlen
bei komplexen Fällen ermöglichen
die Steigerung der medizinischen
Qualität, die Sicherung von Bereichen der hoch spezialisierten Medizin und nicht zuletzt auch die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit und
den Zugang zu Innovationen», erläuterte Martin Schmid die Zusammenhänge.
Insgesamt hat das Kantonsspital rund 150 Kooperationsverträge
abgeschlossen, darunter mit dem
Kantonsspital Glarus, dem Landesspital Liechtenstein und dem Regionalspital Surselva. Im Schnitt gibt es
pro Regionalspital bereits sieben
Kooperationsverträge.
Tarifentscheide haben Folgen
Seit die Spitalfinanzierung über
Fallpauschalen erfolgt, sind die Tarife die auschlaggebende Grösse.
Mit zwei Entscheiden im August
und September 2015 hat das Bundesverwaltungsgericht in den langen Tarifstreitigkeiten wegweisen-
de Entscheide gefällt. Beim stationären Tarifvertrag geht Bachmann
davon aus, dass es nur noch zu marginalen Anpassungen kommt. «Bis
auf zwei kleinere Versicherungen
haben wir uns auch mit allen Versicherern einigen können», sagte
Bachmann auf Nachfrage. Ständerat Martin Schmid kritisierte die
Unsicherheiten bei den Tarifen und
sieht auch auf politischer Ebene
Handlungsbedarf.
Gravierende Auswirkungen hat
der Tarifentscheid im ambulanten
Sektor. Die trotz gestiegener Fallzahlen gesunkenen Einnahmen
sind ein Indiz dafür. Zwar würden
die getätigten Rückstellungen insgesamt ausreichen, um die Ausfälle
zu decken, sagte Bachmann, im Jah-
resbericht zeichnet der CEO aber
ein düsteres Bild. Mit einem Tarif
von 82 Rappen bzw. 83 Rappen pro
Taxpunkt sei kaum ein Spitalambulatorium mehr kostendeckend,
warnt er. «Die Nachhaltigkeit der
ambulanten Spitalversorgung ist
hochgradig gefährdet.» Bachmann
rechnet mit einer Verschärfung und
Verdrängung im Wettbewerb um
ambulante Leistungen.
Das gibt einen fliessenden Übergang zur zweiten
Frage. Ihr Namensschild an der Medienkonferenz
trug den Zusatz «Dr. oec. HSG», jenes von Stiftungsratspräsident Martin Schmid «Dr. iur. HSG». Trägt
die jüngste Entwicklung des Kantonsspitals die
Handschrift der St. Galler Kaderschmiede?
Wir haben am Kantonsspital Graubünden über all
die Jahre versucht, eine Verbindung von Medizin
und Ökonomie zu erreichen. In vielen Spitälern
sind das noch heute Gegensätze. Wenn es gelingt,
den medizinischen Nutzen auch unter dem Kriterium der Ökonomie zu optimieren, dann werden
Resultate möglich, wie wir sie heute präsentieren
können.
Noch immer lassen sich viele Patienten ausserhalb
des Kantons behandeln. Bis 2023 wird das Spital
saniert, umgebaut und erneuert. Bringt das Projekt
SUN Graubünden in eine neue Liga?
Nein, das würde ich nicht sagen. Das Wichtigste ist
die Qualität der medizinischen Leistungen. Wenn
diese stimmt, können auch die Mittel erarbeitet
werden, um ein Spital nachhaltig zu betreiben. Es
65 Mio. für Kinderklinik
Nicht länger zuwarten will das Kantonsspital bei der Behebung der
Engpässe und Unzulänglichkeiten
in der Kinderklinik. Der Stiftungsrat
hat grünes Licht für eine neue Kinderklinik gegeben. 45 Mio. Franken
verschlingt allein das neue Bettenhaus, weitere 20 Millionen sind für
Umbauten vorgesehen. Der Baubeginn ist im Mai 2017 geplant, zwei
Jahre später soll sie dem Betrieb
übergeben werden können.
Erst nach Abschluss des Projekts «SUN» im Jahr 2023 soll das
Gesundheitsresort Fontana in Angriff genommen werden. Bereits
nächstes Jahr soll aber ein öffentlicher Architekturwettbewerb durchgeführt werden.
Letzter Auftritt: Martin Vincenz (r.), Leiter der Unternehmenskommunikation
und künftiger CEO von Graubünden Ferien, eröffnet die Medienkonferenz.
Ausgewählte Kennzahlen 2015 Kantonsspital Graubünden
Finanzkennzahlen (in Mio.)
Betriebsertrag stationär
Betriebsertrag ambulant
Öffentliche Hand
Personalaufwand
Medizinischer Bedarf
Übriger Betriebsaufwand
Total Erträge
Total Aufwand
EBITDA (vor Abschreibungen)
EBITDA-Marge
Jahresergebnis
2014
199,4
82,5
16,5
–193,2
–46,4
–38,6
317,9
–278,2
39,8
12,5 %
36,0
2015
202,8
81,7
14,4
–200,1
–46,9
–39,3
320,7
286,25
34,5
10,7 %
31,0
+/–
+1,7 %
–1,0 %
–12,8 %
+3,6 %
+1,1 %
+1,8 %
+0,9 %
+2,9 %
–13,3 %
17 164
104 246
6,1 Tage
69 751
58 716
16 880
103 464
6,1 Tage
71 479
61 287
–1,7 %
–0,8 %
+0,9 %
+2,5 %
+4,4 %
Leistungskennzahlen
Patienten stationär
Pflegetage stationär
Aufenthaltsdauer
Taxpunkte ambulant
Total Fälle
Eindrückliche Zahlen
Einen tiefen Einblick in den Spitalalltag der neun Departemente ermöglicht der gestern veröffentlichte Jahresbericht. Die reich bebilderte Publikation (auch online unter
www.ksgr.ch zugänglich) wartet
auch mit vielen eindrücklichen
Zahlen auf. So wurden 2015 in der
Frauenklinik Fontana 1031 Kinder
geboren, es gab 4333 Notfall-Fahrten der Rettung Chur, 724 Helikopterlandungen, es gab 17 676 Besuche
im Gynäkologischen Ambulatorium und eine Zunahme um 14 Prozent oder 6458 MRI-Untersuchungen. Hinter jeder dieser Zahlen
steckt ein Patientenschicksal. Wenn
dieses dann in der Statistik der Patientenzufriedenheit in einem Wert
von 9,4 (auf einer Skala von 0–10)
Niederschlag findet, dann haben
die meisten der 2074 Mitarbeitenden einen guten Job gemacht.
Auf Kurs: Arnold Bachmann, Vorsitzender der
Geschäftsleitung des Kantonsspitals Graubünden. (YB)
geht mit dem Erneuerungsprozess vor allem darum, den Anschluss nicht zu verpassen und nachzuziehen. Viel wichtiger als Gebäude sind Kooperationen, wie wir sie zum Beispiel mit dem Kantonsspital Glarus und Liechtenstein eingegangen sind.
Vor allem aus Sicht des Kantonsspitals?
Auch aus Sicht der Partner. Im Fall Glarus kann ich
das sehr gut beurteilen, weil ich dort auch Verwaltungsratspräsident bin. Wenn man die Entwicklung des Kantonsspitals Glarus in den letzten Jahren betrachtet, kann man guten Gewissens von
einer Win-Win-Situation sprechen.
Wichtiger als die Infrastruktur sind gute Ärzte.
Wird das Kantonsspital Graubünden mit der neuen
Infrastruktur auch ein attraktiverer Arbeitgeber?
Das spielt sicher auch eine Rolle. Bereits in den letzten vier, fünf Jahren ist es uns gelungen, Nachfolgen sehr gut zu regeln. So konnten jüngst auch in
der Kinderklinik und in der Neurochirurgie Chefpositionen sehr gut besetzt werden. Es gab sogar
eine Auswahl unter hochkarätigen Kandidaten, darunter auch Schweizern. Das zeigt, dass man uns
auf der Landkarte der Schweizer Spitäler wahrnimmt.
Als nächstes Grossprojekt soll ab etwa 2022 das
Gesundheitsresort Fontana umgesetzt werden. Fassen
Sie für sich bereits eine Altersresidenz ins Auge?
Ich bin mir noch nicht ganz einig mit meiner Frau …
(lacht) Der Beweggrund ist aber natürlich ein anderer. Ich bin klar der Meinung, dass wir im Bereich
von «alt werden in Graubünden» noch Potenzial
nach oben haben. Da gilt es, neue Formen zu entwickeln. Pflegeheime sollten wirklichen Pflegefällen
vorbehalten sein. Im Übergang gibt es aber sehr
viele mögliche Formen externer Betreuung. Etwas
in dieser Richtung möchten wir mit dem Kantonsspital als Bauherr an dieser hervorragenden Wohnlage gern realisieren. (NW)