„Die Italiaener sind in der Composition praechtig, lebhaft

Abonnement, 5. Konzert
Montag 13.06.2016
Dienstag 14.06.2016
Mittwoch 15.06.2016
20.00 Uhr · Kleiner Saal
Akademie für Alte Musik Berlin
Robin Johannsen Sopran
Christoph Huntgeburth Traversflöte und Blockflöte
Raphael Alpermann Cembalo
Georg Kallweit Konzertmeister
„Die Italiaener sind in der
Composition praechtig,
lebhaft, ausdrueckend,
tiefsinnig, etwas bizarr,
frey, verwegen, frech,
aber auch singend,
schmeichelnd, zaertlich,
ruehrend und reich an
Erfindung.“
Johann Joachim Quantz, 1752
Programm
Alessandro Scarlatti (1660–1725)
Konzert für Blockflöte, Streicher und Basso continuo a-Moll
Allegro – Largo – Fuga – Piano – Allegro
„Bella, s’io t’amo“ – Kantate für Sopran, Blockflöte und Basso
continuo
Recitativo: „Bella s’io t’amo“
Aria: „Ardo, è ver per te d’Amore“
Recitativo: „T’amo si, t’amo o cara“
Aria: „Quel vento che d’intorno“
Antonio Vivaldi (1678–1741)
Konzert für Streicher und Basso continuo e-Moll RV 134
(ohne Satzbezeichnung)
Andante e Pianissimo
Allegro
„All’ ombra di sospetto“ – Kantate für Sopran, Flöte und
Basso continuo RV 678
Recitativo: „All’ombra di sospetto“
Aria: „Avezzo non è il core“
Recitativo: „Ò quanti amanti“
Aria: „Mentiti contenti“
PAUSE
Programm
Giovanni Battista Pergolesi (1710–1736)
„Vidit suum dulcem natum“ – Arie aus dem Stabat mater
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
„Concerto nach italienischem Gusto“ für Cembalo F-Dur
BWV 971
(ohne Satzbezeichnung)
Andante
Presto
„Non sa che sia dolore“ – Kantate für Sopran, Flöte, Streicher
und Basso continuo BWV 209
Sinfonia
Recitativo: „Non sa che sia dolore“
Aria: „Parti pur e con dolore“
Recitativo: „Tuo saver al tempo“
Aria: „Ricetti gramezza e pavento“
Premiumpartner
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Alessandro Scarlatti
„Concerto nach
italienischem Gusto“
Alessandro Scarlatti
Die musikalische Laufbahn von Alessandro Scarlatti spielte
sich in Rom und Neapel ab. Seine Ausbildung erhielt der
gebürtige Sizilianer in Rom, wo er auch ersten Anstellungen
als Organist und Kapellmeister
nachging. Mit Talent und Geschick
gelangte er schnell in den Umkreis
führender Persönlichkeiten der
römischen Gesellschaft. Er genoss
die Förderung des Kardinals Benedetto Pamphili und des Herzogs
Flavio Orsini; ferner musizierte er
am Hof der ehemaligen schwedischen Königin Christina und durfte
sich Kapellmeister der Königin
nennen. Trotz dieses großen Erfolgs
folgte er 1683 dem Ruf nach Neapel,
wo er als Kapellmeister des spanischen Vizekönigs tätig wurde. Hier
komponierte er vor allem Opern
und weltliche Kantaten. Die Verbindung nach Rom brach er aber nie
ab und kehrte 1703 als Kapellmeister an der Basilika Santa
Maria Maggiore wieder zurück. Mehrere Jahre war Scarlatti
nun nochmals in Rom tätig und schrieb hier unter anderem
große Oratorien für die römische Aristokratie. Seine letzten
Alessandro Scarlatti
Lebensjahre verbrachte er dann – bis zuletzt musikalisch sehr
aktiv – vorwiegend in Neapel.
„Nirgends ist die Musik zu einem solchen Grade der
Vollkommenheit gebracht worden, und nirgends wird
sie so fleißig getrieben, als zu Neapel. Die ganze Nation
ist gleichsam musikalisch, der Ton ihrer Stimme, die
Sprache, alles ist harmonisch; die Kinder singen von
Jugend auf, und unter den Erwachsenen wird man viele
finden, die eine Arie gleich nach dem Gehöre nachsingen.
Neapel ist daher die Quelle der Musik; aus dieser Schule
sind eine Menge der größten Komponisten entstanden.“
Johann Jakob Volkmann (1771)
Durch seine vielen Kompositionen in den unterschiedlichsten
Gattungen zählte Scarlatti zu den berühmtesten europäischen
Komponisten. Viele Nachwuchsmusiker zogen daher nach
Neapel, um Unterweisungen von ihm zu bekommen. So weilte
1725, nur wenige Monate vor Scarlattis Tod, der Dresdner Hof­
flötist Johann Joachim Quantz in der Stadt und ließ sich von
dem allseits verehrten „Altmeister“ unterrichten. Ob dieser
Besuch von Quantz und dessen außergewöhnliches Flötenspiel
der Auslöser dafür waren, dass sich Scarlatti noch einmal intensiv mit diesem Blasinstrument beschäftigte, kann nicht mehr
geklärt werden. Tatsache ist aber, dass er in dieser Zeit sieben
Konzerte für Soloflöte, Streicher und Basso continuo komponierte, die 1725 in einer Handschrift von 24 Flötenkonzerten
neapolitanischer Komponisten zusammengestellt wurden.
Zu dieser bemerkenswerten Werkserie gehört auch das Konzert
a-Moll, das in einer fünfsätzigen Form erscheint. Im Zentrum
steht dabei eine eindrucksvolle vierstimmige Fuge mit einem
chromatisch aufsteigenden Thema. Zwei langsame und zwei
lebhafte Sätze bilden die Klammer um diesen musikalischen
Mittelpunkt.
Antonio Vivaldi
Die zahlenmäßig umfangreichste Werkgruppe von Alessandro
Scarlatti sind seine mehr als 700 weltlichen Kantaten. Es handelt sich dabei in den meisten Fällen um Auftragskompositionen, die Scarlatti in Rom und Neapel für Privataufführungen
in Adelssalons oder Akademien schrieb. Die meisten dieser
Stücke sind für eine Solostimme und Basso continuo sowie
zum Teil auch für ein oder zwei begleitende Instrumente vorgesehen. Textlich werden in der Mode der Zeit überwiegend
historisierende oder allegorische Sujets bemüht. Scarlatti gliedert seine Kantaten stets in eine Abfolge von Rezitativen und
Arien, wobei er musikalisch sehr abwechslungsreich vorgeht.
Die Kantate „Bella, s’io t’amo“ ist erst seit wenigen Jahren
komplett, als in einer neapolitanischen Bibliothek eine Handschrift mit dem einleitenden Rezitativ aufgefunden wurde.
Durch den Einsatz der konzertierenden Blockflöte erhält diese
Kantate eine außergewöhnliche Farbe.
Antonio Vivaldi
Die Stadt Venedig war für Antonio Vivaldi der Ausgangspunkt
seiner musikalischen Laufbahn. Nach einer Ausbildung zum
Priester erhielt er dort 1703 eine Anstellung als Violinlehrer
am Ospedale della Pietà. Es handelte sich dabei um ein ausschließlich von Mädchen bewohntes Armen- und Waisenhaus,
in dem Musikunterricht als Teil der Erziehung eine große
Rolle spielte. Vier solche Konservatorien existierten in Venedig, in der Zeit um 1700 hatten sie sich bereits als führende
Orte der städtischen Musikpflege etabliert und selbst die Kirchenmusikpraxis an der Basilika San Marco in den Schatten
gestellt. Die besten Musiker wurden als Lehrer engagiert, zu
den feierlichen Aufführungen erschienen zahlreiche Zuhörer
aus nah und fern.
Antonio Vivaldi
Antonio Vivaldi blieb dem Ospedale
della Pietà mehr als drei Jahrzehnte
kontinuierlich verbunden. Hier gab
er Unterricht, leitete die Musikaufführungen und komponierte für die
Konzerte am Ospedale, die jeweils
Samstag abends und am Sonntag
nach der Messe stattfanden. In diesem Rahmen wurden die meisten
der vielen Instrumentalkonzerte
Vivaldis uraufgeführt – von reinen
Streicherkonzerten bis zu den Concerti con molti stromenti.
„Das erste der vier Ospedali, welches ich am häufigsten
besuche und wo es mir am besten gefällt, ist das der
Pietà; es ist auch das erste wegen der Vollkommenheit
des Orchesters. Welche Korrektheit der Ausführung!“
Charles de Brosses, französischer Musikreisender (1739)
In seinen weltlichen Kantaten schloss sich Antonio Vivaldi an
die von Alessandro Scarlatti praktizierte Gattungstradition
an. Allerdings sind von Vivaldi weit weniger entsprechende
Werke überliefert als von seinem neapolitanischen Kollegen,
da ihm schlicht die Anlässe fehlten: Kantaten erklangen in
höfisch-aristokratischer Sphäre, aber kaum in einem venezianischen Ospedale. Somit handelt es sich bei den rund 40
Vivaldi-Kantaten durchweg um Gelegenheitswerke, die aber
dennoch eine hohe musikalische Qualität aufweisen. Die
Kantate „All’ombra di sospetto“ besteht aus jeweils zwei Rezitativen und Arien und weist zusätzlich zur Vokalstimme
einen virtuosen Flötenpart auf.
Giovanni Battista Pergolesi
Giovanni Battista Pergolesi
Kurz Notiert
In den Jahren nach Alessandro Scarlattis Tod stieg der junge
Giovanni Battista Pergolesi geradezu kometenhaft zum führenden neapolitanischen Musiker auf. Er wurde Organist der Hofkapelle und schließlich stellvertretender städtischer Kapellmeister, er schrieb Werke in allen Gattungen und Formen, die
im neapolitanischen Musikleben des frühen 18. Jahrhunderts
gepflegt wurden, darunter Messen und Psalmvertonungen,
Kantaten, geistliche Dramen und weltliche Bühnenwerke
sowie einige wenige Instrumentalkompositionen. Pergolesis
Laufbahn dauerte jedoch nur wenige Jahre, da er 1736 im
Alter von nur 26 Jahren an Tuberkulose starb.
Seine berühmteste überlieferte Komposition ist eine Vertonung
des „Stabat mater dolorosa“. Pergolesi orientierte sich bei der
Komposition an einer in Neapel bekannten Version dieses
Gebets von Alessandro Scarlatti, die ebenfalls mit Sopran- und
Altsolisten, Streichern und Basso continuo besetzt war. Anders
als Scarlatti aber verzichtete Pergolesi vollständig auf rezitativische Abschnitte und schuf eine zwölfteilige Komposition,
die ausschließlich aus Arien und Duetten besteht. Stilistisch
ließ er sich hierbei von der modernen weltlichen Solokantate
beeinflussen.
Das Stabat mater ist ein Gebet in Reimstruktur und zählt
zur liturgischen Gattung der Sequenz. In sehr persönlicher
Weise reflektiert dieser Text die Leiden der Gottesmutter
Maria beim Kreuzestod Jesu. Die Dichtung entstand mit
­großer Wahrscheinlichkeit im 13. Jahrhundert, als mögliche
Autoren werden Bonaventura (gest. 1274) oder Jacopone da
Todi (gest. 1306) angenommen. Bereits wenige Jahrzehnte
später wurde das Stabat mater vielerorts an Marienfesten
sowie in der Passionszeit in der Liturgie gesungen und später
von Komponisten der unterschiedlichsten Stilepochen mehrstimmig vertont.
Johann Sebastian Bach
Johann Sebastian Bach
Johann Sebastian Bach hatte im Gegensatz zu vielen seiner
musizierenden Zeitgenossen nie das Vergnügen, eine gewisse
Zeit seines Lebens in Italien verbringen zu können. Weder als
Konzertmeister am italophilen Hof
in Weimar noch als Kapellmeister
in Köthen und schon gar nicht als
vielbeschäftigter Leipziger Thomaskantor war ihm ein Aufenthalt im
Süden vergönnt. Umso stärker richtete sich seine kompositorische
Aufmerksamkeit auf zeitgenössische italienische Werke. Soweit ihm
Manuskripte und Drucke zugänglich waren, studierte er die Kompositionen, fertigte Bearbeitungen in
verschiedensten Versionen an und
verwendete schließlich italienische
Stilelemente in eigenen Werken.
Bach kannte Vivaldis „L’estro armonico“ und andere moderne Instrumentalkonzerte, auch italienische
Kantaten waren ihm nicht fremd.
Als Leipziger Thomaskantor komponierte er 1735 ein „Concerto nach Italiaenischem Gusto“ für Cembalo und veröffentlichte es im zweiten Teil seiner „Clavier-Übung“. Das Werk
(BWV 971) orientiert sich an der Standardform eines Vivaldischen Concertos: Zwei schnelle Ecksätze, in denen nicht mit
spielerischer Virtuosität gespart wird, rahmen einen langsamen, ausdrucksstarken Mittelsatz ein.
Ebenfalls von italienischen Einflüssen bestimmt ist Johann
Sebastian Bachs Kantate „Non sa che sia dolore“ (BWV 209),
Johann Sebastian Bach
Kurz Notiert
deren Gestalt und Entstehungsgeschichte Bach-Forscher
allerdings vor mehrere Rätsel stellt. Der vertonte Text stiftet
dabei mit seinen verklausulierten und obendrein in schlechtem Italienisch verfassten Formulierungen eher Verwirrung,
als dass er zur Aufklärung beitragen könnte: Besungen wird
der schmerzliche Abschied eines jungen Gelehrten, der in sein
Vaterland zurückreist, um diesem zu dienen. Als einziger lokaler Hinweis erscheint im zweiten Rezitativ die Stadt Ansbach,
an deren Hof der vielversprechende Gelehrte offenbar überaus
geschätzt wurde.
Bachs zweifellos ambitioniertestes Leipziger Kompositionsprojekt außerhalb der Kirchenmusik bildete die sogenannte
„Clavier-Übung“. Mit dem vierteiligen Werk, das zwischen 1726
und 1741 zumeist im Selbstverlag erschien, präsentierte sich
der Thomaskantor der musikalischen Öffentlichkeit als Autor
anspruchsvoller und moderner Musik für Tasteninstrumente.
Nähere Untersuchungen der Textstruktur ergaben, dass der
unbekannte Kantatendichter einige Zitate aus bekannten
Opernlibretti in seinen Text einfließen ließ. So gehen zwei
Verse des ersten Rezitativs aus einem Gedicht von Giovanni
Battista Guarini (1538–1612) und einige Verse der letzten Arie
aus einem Libretto von Pietro Metastasio (1698–1782) hervor.
Der letztgenannte Hinweis vermag immerhin die Datierung
von Bachs Komposition zu präzisieren. Mit Blick auf die ersten
Vertonungen des Metastasio-Librettos durch Leonardo Vinci
und Nicola Porpora kann Bach die Kantate erst nach 1729
geschrieben haben.
Dennoch bleibt unklar, wem die Abschiedsmusik galt. Immer
wieder wurde Johann Matthias Gesner als möglicher Adressat
ins Gespräch gebracht, der in Ansbach ausgebildet wurde und
daselbst kurz tätig war, bevor er zwischen 1730 und 1734 als
Rektor der Leipziger Thomasschule Bachs direkter Vorgesetzter war. Weshalb der Feingeist und spätere Göttinger Profes-
Johann Sebastian Bach
sor Gesner allerdings mit einer ungelenk gedichteten italienischen Kantate verabschiedet werden sollte, entzieht sich jeder
Logik.
Die Autorschaft Johann Sebastian Bachs gilt im Allgemeinen
als sicher, auch wenn die Kantate lediglich in einer Abschrift
aus dem späten 18. Jahrhundert überliefert ist. Die ausladende
Sinfonia für Streicher und Soloflöte mit ihren harmonischen
und rhythmischen Feinheiten enthält auffallende Parallelen
zu den Instrumentalkonzerten Bachs. In den beiden Arien
vertieft Bach mit seiner Vertonung den Inhalt des Textes: So
überwiegt in der ersten Arie („Parti pur e con dolore“) mit
Seufzern der schmerzhafte Abschied, während die zweite Arie
(„Ricetti gramezza e pavento“) einen lebhaft-tänzerischen
Akzent setzt.
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Texte
Alessandro Scarlatti: Kantate „Bella, s’io t’amo“
1. Rezitativ
Bella, s’io t’amo il sai,
e sai l’imenzo foco
che m’accesero in sen tuoi vaghi rai.
Te noto che ogni loco
ove, o cara, non sei
orrido è a gl’occhi miei,
e da te lungi non ritrovo pace.
Ma la pena più ria,
il duolo più mordace,
che mi tormenta il cor,
non sai qual sia.
Schöne, dass ich dich liebe, du weißt,
und du weißt um das unermessliche Feuer,
das mir entfacht in meiner Brust
deine wunderbaren Strahlen.
Dir ist bekannt, dass jeder Ort,
wo du, Teure, nicht bist,
schrecklich ist in meinen Augen,
und, dass ich, getrennt von dir,
keinen Frieden finden kann,
aber das härteste Leid,
den beißendsten Schmerz,
der mir das Herz quält, kennst du nicht,
weißt nicht, welcher es ist.
2. Arie
Ardo, è ver, per te d’Amore,
ma la pena del mio core
non è Amor, è Gelosia.
Questa sol col suo timore,
del suo gel col fier rigore,
da tormenti all’alma mia.
Ich brenne, es ist wahr, deinetwegen vor Liebe,
aber mein Herzeleid
ist nicht Amor, sondern Eifersucht.
Diese allein, mit ihrer Furcht,
mit der stolzen Kraft ihres Frostes,
verursacht meiner Seele Qualen.
3. Rezitativ
T’amo si, t’amo o cara,
ma dell’amarti, oh Dio,
sento un tremore
che non da pace al core,
e m’avvelena in sen ogni piacere.
Tremo, che nel vedere
un lucido cristallo il tuo bel viso
lo stesso cor ch’ai in sen,
resti conquiso dal gran poter
delli tuoi lumi vaghi
e sento pena al cor, fiera et amara;
Ich liebe, ja liebe dich, meine Teure.
Aber in dieser Liebe zu dir,
o Gott, fühle ich ein Zittern,
das dem Herzen keinen Frieden gibt
und mir vergiftet in der Brust jeglichen Genuss.
Ich zittre, dass, wenn ich einen klaren Kristall
sehe – dein schönes Gesicht –,
du dieses Herz in der Brust hast,
dass ich dann erobert bin von der großen Macht
deiner wunderbaren Augen,
und ich fühle Herzeleid, heftiges und bitteres.
Texte
temo che ogn’un sgopaghi
della bellezza tua si vaga e rara,
et in fine pavento del sole ancor,
dell’Aura ancor, del vento.
Ich fürchte, dass jeder sich sattsieht an deiner
Schönheit, die so wunderbar und e­ rlesen ist,
und schließlich gerate ich in Angst vor der
Sonne, vor dem Morgengrauen, vor dem Wind.
4. Arie
Quel vento che d’intorno
scherzando ogn’or ti va,
preso da tua beltà,
vien per baciarti;
e il vago Dio del giorno
quando a te fissa un raggio
l’invia per darti omaggio
ed adorarti.
Jener Wind, der um dich
scherzend ständig weht,
kommt, ergriffen von deiner Schönheit,
dich zu küssen.
Und der unstete Gott des Tages schickt,
wenn er seinen Strahl auf dich richtet,
ihn, um dir ein Geschenk zu geben,
und um dich anzubeten.
Antonio Vivaldi: Kantate „All’ombra di sospetto“
1. Rezitativ:
All’ombra di sospetto
il mio costante affetto
perde al quanto la fede,
e à beltà lusingie va
ei poco crede.
Schon beim Schatten eines Zweifels
büßt meine dauerhafte Neigung
von ihrer Zuversicht viel ein
und schenkt weiblicher Verlockung
nicht länger so viel Glauben.
2. Arie:
Avezzo non è il core,
amar beltà d’amore
ch’addolcisca il penar
con finti vezzi.
Se lusingiero è il dardo
ogni piacer è tardo
à fia che l’adorar
per forza sprezzi.
Ich habe nicht das Herz,
zu lieben eine Schöne,
die Schmerz versüßen möcht’
mit falschem Kosen.
Ist die Anziehung nicht echt
fällt alle Wonne schwer,
bis man Vergötterung
zuletzt verachten muss.
Texte
3. Rezitativ:
O quanti amanti,
o quanti che fedeli,
e costanti regon delusi
dà lusinghe accorte
d’amor frà le ritorte.
Più d’ogni un così langue,
e tante volte il sangue
spargeria per mostrar il vero amore.
concetto dall’ardore di vezzosa bellezza
ch’ogn’or gli strugge l’alma ed al suo
affetto calma
mai spera di goder,
sin ch’ingannato viene amante
schernito, ed ingannato.
O wieviel Liebende, wieviele,
die standhaft sind und treu,
werden von listiger Betörung
der Liebe eingefangen.
Mehr als die meisten schmachtet man,
ist gar bereit, Blut zu vergießen,
um wahre Liebe zu beweisen.
Erfüllt mit der Inbrunst
jener schönen Verheißung,
die ständig die Seele peinigt,
darf man stille Zuneigung
nicht zu genießen erhoffen,
bis man, als Liebender getäuscht,
verachtet und betrogen wird.
4. Arie:
Mentiti contenti
son veri tormenti,
d’amante fedel.
Gran male è qual bene
son dardi quei guardi,
che vibran per pene
bellezza crudel.
Falsche Zufriedenheit
bedeutet echte Qual
für den getreuen Liebenden.
Von Übel sind die Wonnen
und schmerzhaft die Blicke,
die durchdringend aussendet
eine grausame Schöne.
Giovanni Battista Pergolesi: „Vidit suum“ aus „Stabat mater“
Vidit suum dulcem natum
morientem desolatum,
dum emisit spiritum.
Sie sah trostlos und verlassen
ihn am blut’gen Kreuz erblassen,
ihren lieben, einz’gen Sohn.
Texte
Johann Sebastian Bach: Kantate „Non sa che sia dolore“
1. Sinfonia
2. Rezitativ
Non sa che sia dolore
chi dall’amico suo parte e non more.
Il fanciullin’ che plora e geme
eEd allor che più ei teme,
vien la madre a consolar.
Va dunque a cenni del cielo,
adempi or di Minerva il zelo.
Wer vom Freunde scheidet und nicht stirbt,
weiß nicht, was Schmerz ist.
Wenn das Kind weint und leidet,
und wenn seine Furcht am größten ist,
kommt die Mutter, es zu trösten.
Gehe also auf Geheiß des Himmels,
tue nun, was Minerva verlangt.
3. Arie
Parti pur e con dolore
lasci a noi dolente il core.
La patria goderai,
a dover la servirai;
varchi or di sponda in sponda,
propizi vedi il vento e l‘onda.
Scheide denn, und lass uns
in Schmerz und mit wehem Herzen zurück.
Freue dich des Vaterlandes,
diene ihm gebührlich.
Du fährst nun von Gestade zu Gestade,
günstig sind dir der Wind und die Wellen.
4. Rezitativ
Tuo saver al tempo e l’età constrasta,
virtù e valor solo a vincer basta.
Ma chi gran ti farà più che non fusti
Ansbaca, piena di tanti Augusti.
5. Arie
Ricetti gramezza e pavento,
qual nocchier, placato il vento,
più non teme o si scolora,
ma contento in su la prora
va cantando in faccia al mar.
Deine Gelehrsamkeit ist der Zeit und deinem
Alter voraus. Tugend und Wert allein gereichen
dir schon zum Sieg. Doch wer wird dich noch
größer machen, als du bereits warst ?
Ansbach ist es, voll der erhabenen Herren.
Weise von dir Kummer und Furcht, wie der
Steuermann, wenn der Wind sich gelegt hat,
sich nicht länger fürchtet und nicht erbleicht,
sondern zufrieden am Bug steht
und singend dem Meer begegnet.
Mitwirkende
Im Porträt
Akademie für Alte Musik Berlin
1982 von Mitgliedern mehrerer Berliner Sinfonieorchester
gegründet. Name in Anlehnung an die „Akademien“ im Berliner Musikleben des 18. Jahrhunderts gewählt. Verbindung
einer an den historischen Bedingungen orientierten Aufführungspraxis mit Spontanität des Spiels und Farbigkeit des
Ausdrucks als künstlerisches Anliegen. Breitgefächertes
Repertoire vom 17. bis zum 19. Jahrhundert – zahlreiche
­Wiederaufführungen vergessener Werke aufgrund eigener
Quellenarbeiten.
Mitwirkende
Seit 1984 mit einer eigenen Konzertreihe im Konzerthaus
­Berlin vertreten. Seit 1992 kontinuierliche und erfolgreiche
Zusammenarbeit mit dem RIAS Kammerchor. 1994 begann
die regelmäßige Zusammenarbeit mit der Berliner Staatsoper
Unter den Linden, mit der Spielzeit 2012/13 außerdem eine
eigene Konzertreihe im Münchner Prinzregententheater.
Zahlreiche Rundfunk-, Schallplatten- und CD-Aufnahmen
(seit Herbst 1994 exklusiv für harmonia mundi france), die
regelmäßig mit internationalen Preisen ausgezeichnet werden.
Gastspielreisen in nahezu alle europäischen Länder und in
den Nahen Osten, nach Südostasien, China und Japan, Nordund Südamerika.
Das Ensemble musiziert unter der wechselnden Leitung seiner
Konzertmeister Stephan Mai, Bernhard Forck und Georg
Kallweit sowie ausgewählter Dirigenten. Regelmäßige künstlerische Partner sind neben René Jacobs, mit dem das Ensemble
eine über 30-jährige erfolgreiche Zusammenarbeit ver­bindet,
Dirigenten wie Marcus Creed, Daniel Reuss, Peter Dijkstra und
Hans-Christoph Rademann oder Solisten wie Cecilia Bartoli,
Andreas Scholl, Sandrine Piau und Bejun Mehta oder die Tanzcompagnie Sasha Waltz & Guests, mit der das Ensemble in
den letzten Jahren mehrere Aufsehen erregende Produktionen
herausbrachte.
www.akamus.de
Georg Kallweit Violine (Konzertmeister)
Dörte Wetzel Violine
Anja-Regine Graewel Viola
Jan Freiheit Violoncello
Walter Rumer Kontrabass
Lee Santana Laute
Raphael Alpermann Cembalo und Orgel
Christoph Huntgeburth Traversflöte und Blockflöte
Mitwirkende
Robin Johannsen
In Philadelphia (USA) geboren. Studium an der Carnegie
­Mellon University und an der University of Cincinnati. 2002
mit einem Stipendium der American Berlin
Opera Foundation ausgezeichnet, danach festes
Mitglied des Ensembles der Deutschen Oper
­Berlin. Von Christian Thielemann nach Bayreuth
verpflichtet, wo sie die P
­ artien des Hirten
(„Tannhäuser“) und des Waldvogels („Siegfried“)
sang. 2005–07 Engagement am Leipziger Opernhaus, seit 2008 freiberuflich tätig. Umfangreiche
internationale Konzerttätigkeit, Einladung zu
bedeutenden internationalen Musikfestivals.
Zusammenarbeit mit Dirigenten wie René Jacobs
und Alessandro di Marchi, Hans-Christoph
Rademann, Antonello Manacorda und Andrea
Marcon. Ihr Repertoire umfasst die großen Partien ihres Stimmfaches wie Susanna, Konstanze,
Pamina, Blonde oder Marcelline bis hin zur Operette (Adele
in „Die Fledermaus“ oder Valencienne in „Die lustige Witwe“).
In den letzten Jahren widmete sie sich verstärkt der Barockmusik.
www.robinjohannsen.com
Christoph Huntgeburth
1956 in Münster (Westfalen) geboren. Studierte Block- und
Traversflöte bei Winfried Michel und Hans Martin Linde sowie
Cembalo und Generalbass an der Schola Cantorum in Basel.
1982 Dozentur am Konservatorium Bern (Schweiz). Seit 1984
ist er Professor an der Hochschule der Künste (heute Universität der Künste) Berlin. Neben dem barocken Flötenrepertoire
intensive Beschäftigung mit der klassischen und romantischen
Flötenmusik.
Mitwirkende
Als Solist internationale Konzerttätigkeit. Zahlreiche Aufnahmen für Rundfunk, Schallplatte und CD. Neben Nachbauten
barocker Traversflöten aus eigener Werkstatt spielt Christoph
Huntgeburth ausschließlich Originalinstrumente aus seiner
umfangreichen Flötensammlung.
Seit 1997 1. Flötist und regelmäßiger Solist der Akademie für
Alte Musik Berlin.
www.christoph-huntgeburth.de
Raphael Alpermann
Geboren 1960. Im Alter von fünf Jahren erster Klavierunterricht. 1978–83 Studium an der Hochschule für Musik Hanns
Eisler (im Hauptfach Klavier bei Hellmuth Nagel). 1983–86
Meisterstudium an der Akademie der Künste, zusätzlicher
Cembalo-Unterricht unter anderem bei Walter-Heinz Bernstein, Ton Koopman und Gustav Leonhardt.
Gründungsmitglied der Akademie für Alte Musik Berlin.
Umfangreiche Konzerttätigkeit als Solist und Ensemblemitglied, inzwischen in allen fünf Kontinenten. 1995 Debüt als
Solist bei den Berliner Philharmonikern. Zahlreiche CD-Aufnahmen. Lehrauftrag an der Hochschule für Musik Hanns
Eisler Berlin. Meisterkurse für Cembalo und Kammermusik.
Georg Kallweit
Geboren in Greifswald. Studium an der Hochschule für Musik
Hanns Eisler, danach Engagement im Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Intensive Beschäftigung mit Barockvioline und
historischer Aufführungspraxis. Inzwischen freiberuflich tätig,
unter anderem ständiges Mitglied der Akademie für Alte Musik
Berlin. Außerdem Gründungsmitglied der Berliner Barock-­
Compagney. Internationale Konzerttätigkeit, Rundfunk- und
CD-Aufnahmen. Lehrauftrag für Barockvioline an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig.
Aktuell
Vorankündigung
Donnerstag 12.05.2016
20.00 Uhr · Kleiner Saal
DORIC STRING QUARTET
Joseph Haydn Streichquartett G-Dur op. 64 Nr. 4 Hob III:66
Claude Debussy Streichquartett g-Moll op. 10
Sonnabend 18.06.2016
Ludwig van Beethoven Streichquartett e-Moll op. 59 Nr. 2
12.00 bis 18.00 Uhr
Tag der offenen
Tür im26.05.2016
Konzerthaus Berlin
Donnerstag
20.00 Uhr · Kleiner Saal
Veranstaltungen in allen Sälen, unter anderem
HORENSTEIN ENSEMBLE
George Butterworth
Banks
fo Green Willow“ – Idyll
∙ Wunschkonzert
„100 Werke“„The
mit dem
Konzerthausorchester
Orchester,
für Kammerensemble
Berlinfür
unter
Chefdirigent
Iván Fischer bearbeitet von Felix
Korinth;
Suite
für Streichquartett Konzerthaus Berlin
∙ Konzert
mit dem
Publikumsorchester
Henri
Marteau
unter Leitung von DirkKlarinettenquintett
Wucherpfennig op. 13
Maurice Ravel „Tzigane“ – Konzertrhapsodie für Violine
∙Orgelvorführungen
und Orchester, für Violine und Kammerensemble bearbeitet
∙ Programme
und Aktionen
von Sylvain
Blassel für Kinder und Familien
∙ Mitsinge-Veranstaltungen für Groß und Klein, Jung und Alt
∙ Kammermusik mit Mitgliedern des Konzerthausorchesters Berlin
∙Führungen
∙ Informationen über das Konzerthaus und die neue Konzertsaison
Der Eintritt ist frei.
DIE BLUMEN WURDEN ÜBERREICHT VON ZUKUNFT KONZERTHAUS E. V.
IMPRESSUM
IMPRESSUM
HERAUSGEBER Konzerthaus Berlin, Intendant Prof. Dr. Sebastian Nordmann · TEXT Horst A. Scholz · REDAKTION
Herausgeber Konzerthaus Berlin, Intendant Prof. Dr. Sebastian Nordmann · Text Dr. Bernhard Schrammek · Redaktion
Dr. Dietmar Hiller, Tanja-Maria Martens · KONZEPTION / GESTALTUNG Meta Design AG · ABBILDUNGEN StaatsbiblioDr. Dietmar Hiller · KONZEPTION und GESTALTUNG Meta Design AG · Abbildungen Archiv Konzerthaus Berlin (3), Uwe
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