Börsen-Zeitungspezial

www.boersen-zeitung.de
Börsen-Zeitung spezial
Verlagsbeilage zur Börsen-Zeitung I 19. Mai 2016 I Nr. 94
Mittelstandsfinanzierung
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Verlagsbeilage 19. Mai 2016
Auf der Hauptzeile
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Unterzeile Unterzeile Unterzeile Unterzeile
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Text
„Hier soll ein
griffiges Zitat
oder einbesonderer Fakt
stehen“
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Verlagsbeilage 19. Mai 2016
Inhalt
4 Finanzmanagement der Mittelständler
sollte klarer Strategie folgen
Von Jürgen Abromeit | Indus Holding AG
6 Von den Vorteilen forderungsbasierter
Unternehmensfinanzierung profitieren
Von Stefan Zeidler | DZ Bank
8 Differenziertes und ausgewogenes
Zusammenspiel von Kapitalgebern finden
Von Tobias Fischer-Zernin | Joh. Friedrich Behrens AG
10 Start-ups brauchen Banken
und Banken brauchen Start-ups
Von Stefan Bender | Deutsche Bank
12 Innovationsstrategie integriert KMU
verstärkt in das Geschehen
Von Dr. Axel Nawrath | L-Bank
14 Factoring lohnt sich als schnelle und
einfache Finanzierungslösung mehrfach
Von Joachim Secker und Jörg Diewald | GE Capital Germany
Impressum
Redaktion: Claudia Weippert-Stemmer
Anzeigen: Bernd Bernhardt (verantwortlich)
und Stephan Sandner
Technik: Tom Maier
Gestaltung und typografische Umsetzung: Thomas Schumann
Titelfoto: ronstik/fotolia
Druck: Westdeutsche Verlags- und Druckerei GmbH,
Kurhessenstraße 4–6, 64546 Mörfelden-Walldorf
Verlag Börsen-Zeitung in der Herausgebergemeinschaft
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Tel.: 069/27 32-0
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Vertrieb Fax: 069/23 41 73
Geschäftsführung:
Ernst Padberg (Vorsitzender), Torsten Ulrich, Dr. Jens Zinke
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4
Verlagsbeilage 19. Mai 2016
Finanzmanagement der Mittelständler
sollte klarer Strategie folgen
Oberstes Ziel ist das zeitgerechte, optimale und kostengünstige Stillen des Bedarfs
Jürgen Abromeit
Vorstandsvorsitzender
Indus Holding AG
D
er Mittelstand ist die tragende
Säule der deutschen Wirtschaft.
Elementarer Bestandteil langfristig
erfolgsversprechender
Unternehmensstrategien sind durchdachte und
fest verankerte Finanz- und Finanzierungspläne. Diese müssen Unternehmen entsprechend ihren individuellen
Zielen und Möglichkeiten aufstellen,
regelmäßig kontrollieren und möglicherweise auch anpassen. Gelingt es
ihnen, erreichen sie langfristige Stabilität, Liquidität und Bonität. Gemeinsamer Nenner aller Finanzierungspläne ist der vollständige Ausgleich
zwischen Mittelherkunft und -verwendung. Die Mittelherkunft bildet die
Basis für eine umfassende Finanzstrategie. Für alle weiteren Überlegungen
sollte die Optimierung des operativen
Cash-flow die Grundlage sein.
Zunächst einmal muss ein Unternehmen festlegen, welche operativen
Cash-flows zu erwarten sind und wie
hoch das Working Capital ist. Anschließend sollten Optimierungsmöglichkeiten und -instrumente definiert
werden. So entsteht die operative
„Cash-Ausgangslage“ – heutzutage
die wichtigste Kennzahl. Die Verwendung der finanziellen Mittel leitet sich
aus der Unternehmensstrategie ab.
Der Cash-Bedarf für das operative Geschäft, aber auch für alle anderen Ausgaben, wie Investitionen, Zinsen, Tilgungen und Ausschüttungen, müssen
akkurat geplant und in der Finanzstrategie verzeichnet werden. Kontrolle
und notwendige Anpassungen sollten
monatlich erfolgen.
Ganze
Bandbreite der
Instrumente
nutzen, keine
Abhängigkeiten
eingehen
Manchmal entsteht zwischen operativer Mittelherkunft und Mittelverwendung eine Lücke, die nicht mit
eigenen Mitteln geschlossen werden
kann. Unternehmen sollten dann entweder ihr Eigenkapital stärken oder
Fremdkapital einsetzen. Abhängig
von den Zielen und der Ausgangslage
wird im Rahmen der Gesamtstrategie
das Verhältnis zwischen Eigen- und
Fremdkapital festgelegt. Für alle
Branchen mit Ausnahme des Handels
ist das Verhältnis ein Drittel zu zwei
Dritteln empfehlenswert. Ein hohes
Eigenkapital ist zwar in Niedrigzinsphasen eine teure Finanzierungsart.
In konjunkturellen Schwächeperioden
sichert sie aber das Überleben. Eigenkapital stellen üblicherweise Gesellschafter beziehungsweise Aktionäre
zur Verfügung. Ergänzend existieren
Finanzierungsinstrumente mit Eigenkapitalcharakter, wie Hybrid- und
Wandelanleihen. Der Finanzbedarf
muss unbedingt einer klaren Strategie folgen, da diese die Grundlage des
Geschäftsmodells bildet. Oberstes Ziel
aller Finanzierungsstrategien ist das
zeitgerechte, optimale und kostengünstige Stillen des Bedarfs, der sich
aus dem Finanzplan ergibt. Abgesehen davon bestehen für Unternehmen
noch wichtige Nebenziele. Zum einen
sollten sie die ganze Bandbreite der
Finanzierungsinstrumente
nutzen
und keine Abhängigkeiten eingehen.
Zum anderen müssen sie auf eine ausgewogene Tilgungsstruktur achten
und Zins- und Währungsrisiken ausschalten. Finanzierungsengpässe müssen in jedem Fall vermieden werden!
Mittelständlern stehen je nach Größe
und Kapitalbedarf viele interessante
Finanzierungsinstrumente zur Verfügung. Für eine kurzfristige Überbrückung eignen sich revolvierende
Euro-Bar-Vorschüsse der Hausbank
oder das Verkaufen von Forderungen
aus Lieferungen und Leistungen. Größere Unternehmen mit sehr guter Bonität können zudem auch Geldmarktpapiere ausgeben. Der mittelfristige
Finanzbedarf wird vorzugsweise mit
klassischen Bankdarlehen gedeckt,
wobei bilaterale Vereinbarungen zu
bevorzugen und syndizierte Kredite
beziehungsweise
Konsortialkredite
zu vermeiden sind. Für große Unternehmen kommen zusätzlich Schuldscheindarlehen und Asset-BackedSecurities-Konstruktionen mit einem
überschaubaren Aufwand und vertretbaren Kosten in Frage. Den langfristigen Finanzierungsbedarf sollten
kleine und mittlere Unternehmen mit
Versicherungs- und Hypothekendarlehen und größere Gesellschaften mit
Unternehmensanleihen decken.
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Deutsche Bank
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Verlagsbeilage 19.
5. April
Mai 2016
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Unterzeile Unterzeile Unterzeile Unterzeile
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12.05.2016
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Verlagsbeilage 19. Mai 2016
Von den Vorteilen forderungsbasierter
Unternehmensfinanzierung profitieren
Digitale Angebote erleichtern auch kleineren Unternehmen den Zugang
Stefan Zeidler
Firmenkundenvorstand
DZ Bank
I
m Mittelstand gewinnen forderungsbasierte
Finanzierungsinstrumente wie Factoring oder
ABCP-Programme zunehmend an
Bedeutung. Steht bei kleinen und
mittelständischen Unternehmen das
Factoring als alternative Finanzierungsform im Fokus, nutzen größere
wachstumsstarke Unternehmen im
Rahmen ihres Working Capital Management vermehrt ABCP-Programme. Dabei handelt es sich um die
verbriefte Form von Forderungsverkäufen. Nach Marktdaten setzten im
vergangenen Jahr insgesamt 20 300
Unternehmen Factoring ein. Der
Deutsche Factoring-Verband vermeldet für 2015 einen Anstieg der kumulierten Umsätze seiner Mitglieder
um 10,1 % auf 209 Mrd. Euro. Ebenso verzeichnete der deutsche ABCPMarkt mit einem Volumen von ca.
15 Mrd. Euro im Jahr 2015 ein leichtes Wachstum.
Die Wachstumsraten belegen: Alternative
Finanzierungsinstrumente,
die Flexibilität und unternehmerische Freiheit erhöhen, stehen derzeit
im Mittelstand hoch im Kurs. Factoring und ABCP-Programme führen dabei den Unternehmen sofort
Liquidität zu, optimieren damit das
Working Capital und reduzieren die
Abhängigkeit von Kreditlinien durch
Diversifikation der Finanzierungsinstrumente. Der Vorteil gegenüber
klassischer Finanzierung ist zudem,
Factoring
Forderungseingänge
Forderungsschuldner
Originator
1
Forderungen aus
Lieferungen und
Leistungen
Begleichung
offener Rechnungen
3
Forderungsverkauf
2
Sofortige
Liquidität
FactoringGesellschaft
© Börsen-Zeitung
Quelle: DZ Bank
Sinkendes
Risiko bei
dass die Finanzierung atmen kann –
das Finanzierungsvolumen passt sich
dem konkreten Bedarf an. Insbesondere für Unternehmen mit saisonalem Geschäft oder hohem Wachstum
ist das ein entscheidender Vorteil.
steigender
Liquidität
Für die Banken ist der Markt für forderungsbasierte
Unternehmensfinanzierungen ein umkämpftes, aber
dennoch interessantes Geschäftsfeld.
Auch auf Investorenseite ist eine verstärkte Nachfrage an der Assetklasse
Handelsforderungen zu verzeichnen.
Dies befördert nicht nur den Wettbewerb unter den Banken, sondern
ruft auch neue Akteure auf den Plan.
Im Zuge der anhaltenden Digitalisierung drängen verstärkt Fintechs in
den Markt und entwickeln innovative Angebote wie Online-Plattformen zum Handel von Forderungen.
Banken, die sich gegenüber den
neuen Marktakteuren öffnen, können
durch Kooperationen mit Fintechs
ihre Position im wettbewerbsintensiven Markt stärken. Gleichzeitig profitieren die Start-ups von der Produktexpertise und der Kundennähe der
Finanzinstitute. Die DZ Bank beteiligt sich vor diesem Hintergrund an
dem Fintech TrustBills, bei dem in
Kooperation mit international führenden Banken perspektivisch eine
globale Forderungsbörse für Firmenkunden aller Größen etabliert wer-
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Verlagsbeilage 19. Mai 2016
größere wachstumsstarke Unternehmen mit einem Forderungsvolumen ab
10 Mill. Euro pro Jahr sind zudem
forderungsbasierte Finanzierungen in
Form von Verbriefungen geeignet. Der
Kerngedanke solcher Verbriefungen
– genannt Asset Backed Commercial
Papers (ABCP) – ist, dass Unternehmen ihre Forderungen verkaufen und
damit auch die gleichen Vorteile wie
beim Factoring erzielen können.
ABCP
Forderungseingänge
Forderungsschuldner
Originator
1
Forderungen aus
Lieferungen und
Leistungen
Stiller
Forderungsverkauf
Kaufpreiszahlung
2
Weiterleitung
der
Zahlungseingänge
Im Gegensatz zum klassischen Factoring verkauft das Unternehmen
bei einer ABCP-Finanzierung seinen
Forderungsbestand jedoch nicht an
einen Factoring-Anbieter, sondern
an eine Zweckgesellschaft. Zudem
bleibt die Beziehung zwischen dem
Verkäufer der Forderungen und seinem Kunden davon unberührt, da
der Verkauf in der Regel still erfolgt.
Dies ist für viele Kunden ein sehr
wichtiger Aspekt. Technisch funktioniert dies als revolvierender Verkauf – der häufig automatisiert über
professionelle
Software-Lösungen
erfolgt – an die eigens gegründete
Zweckgesellschaft. Diese refinanziert
sich wiederum über den Verkauf
von Geldmarktpapieren, den ABCP,
die zunehmend von institutionellen
Investoren nachgefragt werden. Die
Zweckgesellschaft wird zudem von
einer Bank betreut, die im Bedarfsfall
die Liquidität zum Ankauf der Forderungen sicherstellt.
Zins und Tilgung
ABCPInvestoren
Zweckgesellschaft
3
Emissionserlös
Liquiditätsfazilität
5
4
Kreditversicherung
Kreditversicherer
© Börsen-Zeitung
den soll. Für das genossenschaftliche
Spitzeninstitut ist die Beteiligung ein
wichtiger strategischer Schritt, um
das Firmenkundengeschäft für den
zunehmenden Wettbewerb digital
zu stärken und ein zukunftsträchtiges Marktsegment von Beginn an zu
besetzen.
Mit den neuen und innovativen Angeboten haben verstärkt auch kleinere Unternehmen mit geringen Forderungsbeständen die Möglichkeit,
von forderungsbasierter Unternehmensfinanzierung im Factoring zu
profitieren. Das klassische Factoring
ist im Vergleich für Unternehmen
mit Umsätzen ab 250 000 Euro interessant. Heute wird es hauptsächlich
von Unternehmen aus den Branchen
Handel, Dienstleistung, Logistik und
Produktion genutzt.
Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine offenen Forderungen
aus Lieferung und Leistung gegen
eine Gebühr an einen spezialisierten
Dienstleister. Das Unternehmen erhält sofort den ausstehenden Rechnungsbetrag und umgeht damit das
Risiko, dass Zahlungen erst verspätet
eintreffen oder ganz ausfallen. Die
Bank
Quelle: DZ Bank
Factoring-Gesellschaft übernimmt
zudem oftmals das Inkasso. Dieser
Aspekt ist nicht unerheblich, da damit eine Entlastung von administrativen Aufgaben im Forderungsmanagement erzielt werden kann,
einem Bereich, der in vielen mittelständischen Unternehmen erhebliche Kapazitäten bindet.
Durch den Einsatz von Factoring
erreicht das Unternehmen eine Verkürzung der Bilanz und damit auch
die Optimierung wichtiger Bilanzkennzahlen, wie die Eigenkapitalquote. Dies wiederum kann sich positiv auf das Rating und die Bonität
des Unternehmens selbst auswirken
und Refinanzierungskosten bei den
Banken senken oder aber auch bei
der Einhaltung von Covenants, also
einzuhaltenden Finanzkennzahlen
im Rahmen von Kreditverträgen, unterstützen.
Abhängig von der Unternehmensgröße sind unterschiedliche forderungsbasierte Finanzierungsformen
sinnvoll: Für kleine und mittelständische Unternehmen und Gewerbetreibende kommt das klassische Factoring als Einstieg in Betracht. Für
Factoring
als Einstieg –
ABCP
für wachstumsstarke
Unternehmen
Die Laufzeit eines solchen Programms beträgt zwischen fünf und
sieben Jahre. Durch den kontinuierlichen Verkauf von Forderungen erhält das Unternehmen eine
hohe Planungssicherheit in der
Sicherstellung der Liquidität und als
entscheidender Faktor – gerade für
größere Unternehmen – die Optimierung des Working Capital.
Die Weichen für weiteres Wachstum
am Markt für forderungsbasierte Unternehmensfinanzierung sind gestellt:
Über das breite Spektrum der modularen Finanzierungsinstrumente der
Banken und Factoringdienstleister
und die neuen innovativen digitalen
Angebote von Fintechs können mittelständische Unternehmen aller Umsatzgrößenklassen von den Vorteilen
der forderungsbasierten Unternehmensfinanzierung profitieren.
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Verlagsbeilage 19. Mai 2016
Differenziertes und ausgewogenes
Zusammenspiel von Kapitalgebern finden
Gute Abstimmung der Komponenten gewährleistet langfristige, unabhängigere Finanzierungssicherheit
Tobias Fischer-Zernin
Vorstandsvorsitzender
Joh. Friedrich Behrens AG
D
er Wandel des Finanzierungsumfeldes stellt vor allem für
mittelständische Unternehmen eine
Herausforderung dar. Die veränderte Geschäftspolitik der Banken
hat in den letzten Jahren den Zugang zu klassischen Bankfinanzierungen tendenziell verschlechtert,
und gleichzeitig wird die Marktorientierung des deutschen Finanzsystems immer stärker. Damit gewinnen kapitalmarktbasierte Finanzierungsinstrumente und institutionelle
Investoren zunehmend an Bedeutung, und die Hausbank trägt künftig
nicht mehr für alles Sorge.
Die Möglichkeiten der Finanzierung
für mittelständische Unternehmen
haben sich erweitert – neben Bankfinanzierungen, öffentlichen Förderprogrammen und Private Placements
gibt es seit einigen Jahren auch für
nichtbörsennotierte Mittelständler
die Möglichkeit, sich an den Kapitalmarkt zu wenden. Damit haben sich
die Parameter der Unternehmensfinanzierung verändert, und gleichzeitig erhöhen sich die Anforderungen
an Unternehmen in Bezug auf die
Transparenz. Auch neue regulatorische Rahmenbedingungen, allen
voran Basel III, wirken sich hier maßgeblich aus.
Im Sinne einer strategisch ausgerichteten Finanzierung ist es für mittel-
ständische Unternehmen wichtig,
ein differenziertes und ausgewogenes Zusammenspiel von Hausbank,
weiteren Bank- und Finanzierungspartnern (Leasing, Factoring etc.),
dem Kapitalmarkt und auch institutionellen Investoren zu finden. Wenn
diese Komponenten gut aufeinander
abgestimmt sind, ist eine langfristige,
von Einzelkomponenten eher unabhängige Finanzierungssicherheit gewährleistet.
In diesem Umfeld befand sich 2015
auch die Joh. Friedrich Behrens AG,
die im Jahr 2011 ihre erste Unternehmensanleihe über 30 Mill. Euro am
Kapitalmarkt erfolgreich platziert
hat. Die Gesellschaft ist als börsennotierte AG bereits seit 1977 mit dem
Kapitalmarkt verbunden und einer
der europaweit marktführenden
Systemanbieter von Befestigungstechnik für Holz.
Die seit über 100 Jahren bestehende
Behrens-Gruppe mit über 400 Mitarbeitern hat ihren Hauptsitz bei
Hamburg und Tochter- und Beteiligungsunternehmen in Europa und
Übersee. Über diesen Verbund vertreibt der klassische Mittelständler
in Deutschland entwickelte und
produzierte
Werkzeugmaschinen
sowie entsprechende Befestigungsmittel. Die Markenzeichen „BeA“
und „Reich“ stehen für Spitzenpro-
dukte der Befestigungstechnik, die
sich durch innovative Technologien,
höchste Qualitätsstandards und moderne Fertigungsmethoden auszeichnen. Zu den Abnehmern gehören die
holzverarbeitende Industrie, die Verpackungsindustrie, die Bauindustrie
und die Automobilindustrie.
Behrens stellte sich die Aufgabe,
rechtzeitig eine Struktur für die
Refinanzierung ihrer Anleihe zu
entwickeln. Vor dem Hintergrund,
dass sich das Marktumfeld für mittelständische Unternehmensanleihen in den letzten Jahren deutlich
gewandelt hat und Emissionen hier
tendenziell schwieriger geworden
sind, entschied die Behrens AG, gemeinsam mit der EULE Corporate
Capital GmbH ein neues, individuell
auf die Unternehmensgruppe abgestimmtes Finanzierungskonzept zu
entwickeln, um die Finanzierungsbasis zu verbreitern und zu stabilisieren.
Umsetzung
neuer
Strukturen
bei Behrens
Schon im Vorfeld war für Behrens
klar, dass die Gesellschaft nicht ausschließlich auf eine neue Unternehmensanleihe setzt. Der Vorstand definierte klare Finanzierungsziele: ein
geringeres Volumen in der Anleihe,
um die Blockfinanzierung zu reduzieren, Aufteilung der Fälligkeiten
und Reduzierung der Zinslast für die
gesamte Gruppe. Mit dieser Maß-
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9
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gabe sollte ein hohes Maß an Finanzierungssicherheit in das Unternehmen gebracht werden. Zudem wollte
Behrens mit der Erweiterung des Kreises ihrer Finanzierungspartner sowie der Nutzung von differenzierten
Finanzierungskomponenten eine ausgewogene Basis schaffen, um nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen.
Ein Baustein der neuen Finanzierungsstruktur war die neue Unternehmensanleihe. Grundlage für den
Erfolg in einem schwierigen Marktumfeld war die hohe Umtauschquote der bisherigen Anleger. Diese
honorierten nicht nur die Unternehmensstrategie, sondern auch die
nachhaltige und transparente Kommunikation mit dem Kapitalmarkt
und zeigten ihr Vertrauen in das
Management und das starke Geschäftsmodell. Trotz der hohen
Nachfrage war es für die Gesellschaft
wichtig, eine Volumenreduzierung
zur ersten Anleihe vorzunehmen, um
die Entschuldung von Behrens weiter
voranzutreiben und den Anteil der
Anleihe am gesamten Finanzierungsmix auf unter 50 % zu reduzieren.
Darüber hinaus schlossen wir mit der
neuen Hausbank einen Rahmenkredit zur mittelfristigen Betriebsmittelfinanzierung ab. In diesem Zusammenhang konnte das bisherige
Bankenkonsortium aufgelöst und die
bislang gestellten Sicherheiten neu
strukturiert werden. Für die Laufzeitendiversifizierung platzierte Behrens Teile ihres Kapitalbedarfs über
Sale-and-lease-back und Immobilienfinanzierungen.
Die Herausforderung für uns bei der
neuen Gesamtfinanzierung bestand
darin, dass neben der Abstimmung
der einzelnen kapitalgebenden Partner auch eine Neugestaltung der
Sicherheitensituation sowie die Unterlegung der Wachstumsperspektiven umzusetzen war. Einen besonderen Fokus legte der Vorstand auf die
Gestaltung der Nebenbedingungen
(Kosten, Laufzeiten, Anpassung der
Finanzierungen an die gesetzlichen
Anforderungen im Zusammenhang
mit einem Wertpapierprospekt). Auf
Basis unserer breiten Aufstellung
und unter Gewinnung eines neuen
Investorenkreises konnten wir unsere Gesamtfinanzierungsstruktur
in einer integrierten Struktur gestalten, die Abhängigkeiten reduziert
und eine kurz-, mittel- und langfristige Ausrichtung der Kapitalbedarfe sicherstellt – und damit das
Wachstum der Gesellschaft nachhaltig unterstützt.
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Verlagsbeilage 19. Mai 2016
Start-ups brauchen Banken
und Banken brauchen Start-ups
Wie spezialisierte Teams der Deutschen Bank junge Gründer beim Wachstum begleiten
Stefan Bender
Leiter Firmenkunden Deutschland
Deutsche Bank
W
enn es Eigenschaften gibt, die
Unternehmer
auszeichnen,
dann sind es diese: Sie haben die
Fähigkeit, Chancen dort zu entdecken, wo sie kein anderer sieht. Und
sie haben die Kraft und den Mut,
auch gegen Widerstand an einer Idee
festzuhalten und ein selbst gestecktes
Ziel zu erreichen.
Deutschland wird heute weltweit
als wirtschaftliches Erfolgsmodell
gesehen. Das verdankt es zu einem
großen Teil seinen Unternehmern.
Ohne die oft charismatischen Gründerpersönlichkeiten gäbe es keinen
starken Mittelstand, ohne die weltweit denkenden Entrepreneure keine erfolgreiche Globalisierung. Und
die nächste Generation steht längst
bereit: Gerade die hochinnovativen
und dynamischen Start-up-Unternehmen entwickeln sich in Deutschland zunehmend zum Jobmotor
– und das in einer Vielzahl von Branchen, die weit über den traditionell
mit Tech-Gründungen verbundenen
IT-Bereich hinausgehen.
Es ist eine fast unüberschaubare
Vielfalt von Unternehmen, die sich
– einen Kontinent und gleichzeitig
nur eine E-Mail vom Silicon Valley
entfernt – in Deutschland als „Startup“ verstehen. So unterschiedlich die
Ideen und die Menschen auch sind,
eint sie doch ein gemeinsames Selbst-
verständnis: Anders als traditionelle
Firmengründer, die sich mit ihrem
Handwerk selbständig machen, einen alteingesessenen Betrieb übernehmen oder auf sonst eine Weise
einem bewährten Geschäftsmodell
folgen, sehen sie sich als Verfechter
der einen, neuen, zündenden und
möglichst skalierbaren Idee, als innovative Elite und Gestalter einer wirtschaftlichen Zukunft, von der sich
heute allenfalls ein erster Funke zeigt.
Auch die Erwartungen dieser neuen Gründergeneration an eine Bank
unterscheiden sich von der traditionellen Hausbank-Beziehung, wie sie
im Mittelstand gelebt wird. Klassische Existenzgründer sind beliebte
und umworbene Bankkunden. Ihre
Geschäftsmodelle lassen sich mit
herkömmlichen Instrumenten gut erfassen. Sie passen in die Kategorien,
mit denen die meisten Geschäftsbanken ihr Geschäft organisieren. Ganz
anders die innovativen Start-ups mit
ihren unscharfen Geschäftsmodellen,
oft noch fehlenden Produkten und
unklarem Finanzbedarf. Sie schrecken ab und sind anziehend zugleich:
Denn nur allzu schnell können sie sich
zu international erfolgreichen, dankbaren Kunden entwickeln, auf die
keine Bank verzichten darf und will.
Umgekehrt gilt aber genauso: Startups brauchen Banken, und zwar
Banken sind
viel mehr als
Geldgeber
– auch wenn das für manchen überraschend wirken mag – nicht in
erster Linie als Geldgeber. Wagniskapitalgeber, Business Angels, Beteiligungsgesellschaften sind in der Anfangszeit eines Start-up oftmals viel
bessere Finanzierer, und Kapital gibt
es gerade in Nullzins-Zeiten genug.
Die Stärken einer guten Bank liegen
für Start-ups in den Anfangsjahren
ganz woanders: Sie ebnet den Weg,
ist Unterstützer und Ratgeber, gewährt Zugang zu ihrem Know-how.
Das klappt nur, wenn beide Seiten auf
einer gemeinsamen Grundlage denken und handeln. Aber wie schafft
es eine Bank, einen solchen Zugang
zu dieser ebenso besonderen wie anspruchsvollen Zielgruppe zu finden?
Für uns bei der Deutschen Bank führt
der Weg über spezielle Teams, die sich
ganz den Bedürfnissen der Start-ups
verschrieben haben. Ihnen gehören
nicht nur Bankexperten unterschiedlicher Fachrichtungen an, sondern auch
Naturwissenschaftler oder Ingenieure, denn nur so können sie auf Augenhöhe diskutieren. Sie sind unternehmerisch motivierte Ansprechpartner
mit direktem Draht in alle Abteilungen
der Bank hinein. Das ist wichtig, denn
wenn es auf Tempo ankommt und der
Blick sich schon von Anfang an auf
internationale Expansion richtet, weil
sich vielleicht die Kunden in Südame-
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Verlagsbeilage 19. Mai 2016
Energien, aber auch in der Automobilindustrie. Im Zusammenspiel mit
unseren Start-up-Teams sind wir daher bestens aufgestellt und werden
diese Expertise weiter ausbauen.
Foto: Syda Productions/fotolia
Eine gute Bank ebnet
Start-ups in den Anfangsjahren den Weg,
ist Unterstützer und
Ratgeber und gewährt
Zugang zu ihrem
Know-how.
rika, die Zulieferer in Taiwan und das
Forschungsnetzwerk in den USA befinden, dann wird es in Gelddingen
schnell sehr komplex.
Der Blick auf Dienstleistungen und
Finanzprodukte der Bank kann dabei
nicht an erster Stelle stehen. Vor allem
anderen geht es darum, das Geschäftsmodell des Kunden zu durchdringen
und erst daraus alles andere abzuleiten. Das ist kein statischer Prozess,
denn in der Regel entwickeln Startups dieses Geschäftsmodell ständig
iterativ weiter. Wer da als Bank in
Schubladen denkt und nicht ergebnisoffen mitdiskutieren kann, verliert
schnell den Anschluss. Entscheidend
in unseren Start-up-Teams sind die
richtige Herangehensweise und drei
unterschiedliche Fähigkeiten.
 Innovation verstehen: Wo liegt
der Kern, die zentrale Wertschöpfung des neuen Unternehmens?
Wer ein Verständnis für den Innovationsgehalt eines Start-up entwickelt hat, kann Risiken bewerten, Bedürfnisse identifizieren und
in Finanzierungsgesprächen eigene Impulse setzen.
 Strategie diskutieren: Im strategischen Dialog mit dem Unternehmensgründer oder seinem Chief
Financial Officer (CFO) zeigt eine
Bank ihre eigentlichen Stärken. Wie
soll das Unternehmen in zwei bis
drei Jahren aussehen? Was bedeutet das für die Währungsrisiken, für
die Bilanzbelastungen, für die langfristige Finanzierung? Gute Unternehmer sehen die Zukunft von Kunden und Produkten, gute Banker
denken nicht nur die zukünftigen
Finanzthemen gleich mit.
 Praktische Lösungen finden: 2 Mill.
Umsatz in Deutschland, aber 5 Mill.
Euro Marketingausgaben in den
USA? Mit einem differenzierten
und transparenten Berichtswesen
oder eigenen Gesellschaften lässt
sich das vielleicht besser finanzieren. Ein guter Kunde zahlt nur in
Landeswährung? Vielleicht ist es
jetzt an der Zeit für eine Absicherung. Ein neuer Risikokapitalgeber
wird gebraucht? Vielleicht hat die
Bank schon den richtigen Kontakt.
Diese Beispiele zeigen: Auch wenn
„Finanzierung“ gern mit Kapitalbeschaffung gleichgesetzt wird, beginnt sie doch viel früher und geht
weit darüber hinaus. Wir unterstützen bei der Liquiditätssteuerung,
organisieren den Zahlungsverkehr,
helfen bei der Beschaffung öffentlicher Fördermittel und öffnen die
Türen zum eigenen Netzwerk oder
zu möglichen Kapitalgebern. Wenn
dann das Wachstum Grenzen überschreitet, unterstützen wir das
Risikomanagement durch moderne
Handelslösungen oder das Währungsmanagement. Und vielleicht
folgt irgendwann in der Zukunft der
Gang an den Kapitalmarkt, und die
langjährige Vertrauensbeziehung zu
einer Bank mit starken Wurzeln im
Finanzgeschäft zahlt sich noch einmal aus.
Wer als Bank für Start-ups attraktiv
sein will, sollte auch ihre Technologien verstehen. In Deutschland sehen
wir viele Start-up-Geschäftsmodelle, die neue digitale Technologien
nutzen – auch jenseits des Internets.
Die Deutsche Bank verfügt seit vielen Jahren über spezialisierte Teams
mit tiefgehendem Fachwissen und
Erfahrungen in Bereichen wie Life
Sciences oder den erneuerbaren
Eine Bank
muss selbst
unternehmerisch denken
Dabei haben wir gelernt, dass vor
allem die Auswahl der Teammitglieder ein wichtiger Erfolgsfaktor ist.
Ebenso sehr kommt es darauf an,
interne Wege zu verkürzen, Hierarchien abzubauen, Infrastrukturpartner innerhalb der Bank mit auf den
Weg zu nehmen und somit Entscheidungen auch innerhalb der Bank
schneller und effektiver zu machen.
Die enge Zusammenarbeit mit jungen
Fintech-Unternehmen im Rahmen
unserer umfassenden Digitalisierungsstrategie hilft uns heute wieder
dabei, auch unser eigenes Haus mit
den Augen eines Start-up zu sehen.
Im Umgang mit der anspruchsvollen
Zielgruppe junger Wachstumsunternehmen muss jede Bank ihre eigenen
Stärken finden und einbringen. Die
Deutsche Bank sieht sich im Wettbewerb dank dreier traditioneller
Schwerpunkte gut aufgestellt.
 Internationale Ausrichtung: Fast
zwei Drittel aller Start-ups arbeiten praktisch von Anfang an in
mehreren Ländern. Dank unseres
weltweiten Netzwerkes bieten wir
Kontoführung, Cash- und Währungsmanagement allein in 40
Ländern an.
 Kapitalmarktnähe: Nur etwa jedes zehnte Start-up nutzt Bankdarlehen als Finanzierung. Viel
wichtiger ist für sie der Zugang zu
internationalen Investoren, Gründerfonds oder Kapitalmarktexperten, wie wir sie bieten können.
 Unternehmerbank: Mehr als 90 %
der großen Familienunternehmen und der Weltmarktführer
in Deutschland sind Kunden der
Deutschen Bank. Die Begleitung
erfolgreicher Unternehmen ist Teil
unseres Anspruchs.
Chancen erkennen, Schwierigkeiten überwinden: Eine Bank, die erfolgreiche Unternehmer als Kunden
gewinnen will, muss selbst unternehmerisch denken. Ein Wirtschaftsstandort, der auch in Zukunft attraktiv sein will, sollte diese Eigenschaft
fördern und fordern.
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Verlagsbeilage 19. Mai 2016
Innovationsstrategie integriert KMU
verstärkt in das Geschehen
Steigerung der Aktivitäten im Fokus – Mitarbeiter auf künftige Herausforderungen vorbereiten
Dr. Axel Nawrath
Vorstandsvorsitzender
L-Bank
N
ach wie vor gilt die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft
als vorbildhaft in der Welt – mit Baden-Württemberg als starkem Flaggschiff. Und die Statistik bestätigt diesen Ruf – zumindest auf den ersten
Blick: Nach Berechnungen des ZEW
liegt der Anteil von Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F & E) am
Bruttoinlandsprodukt in Deutschland
bei international guten 2,85 %. Baden-Württemberg erreicht mit 4,80 %
sogar ein absolutes Spitzenergebnis.
Zudem lässt sich ein weiteres Steigen
der unternehmerischen Innovationsausgaben beobachten. Ein rundum
positives Bild also? Näher betrachtet
zeigt sich, dass dies vor allem auf die
hohen Investitionen von Großunternehmen zurückgeführt werden kann.
Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ziehen sich dagegen
immer mehr aus dem Innovationsgeschehen zurück. Nach aktuellen
Erhebungen des Stifterverbandes
für die Deutsche Wissenschaft sind
sowohl die Innovationsintensität
als auch die Innovationsausgaben
deutscher KMU im internationalen
Vergleich gering. Bei den Ergebnissen präsentiert sich ein gemischtes
Bild. Während deutsche KMU bei der
Häufigkeit der Produkt- oder Prozessinnovationen gut platziert sind,
erreichen sie beim Umsatzanteil mit
neuen Produkten im europäischen
Vergleich nur einen unbefriedigenden Platz im Mittelfeld. Dabei wurden auch der Mangel an Fachkräften
und die meist nicht in ausreichendem Umfang vorhandenen internen
Finanzierungsquellen als wichtige
Ursachen identifiziert.
Weg vom
Patent zur
Markteinführung
erleichtern
Für das Land Baden-Württemberg
war diese Diagnose Anlass, aktiv zu
werden. Mit der Innovationsstrategie
des Bundeslandes sollen kleine und
mittlere Unternehmen verstärkt in
das Innovationsgeschehen integriert
und ihre Innovationsaktivitäten gesteigert werden. Besonders der Weg
vom Patent zur Markteinführung eines Produkts, aber auch die Neuausrichtung der Produktion in Richtung
Industrie 4.0 soll mittels geeigneter
Finanzierungs- und Beratungsangebote erleichtert werden.
Die seit Herbst letzten Jahres eingeführten Produktangebote der L-Bank
setzen genau an dieser Stelle an. Das
Förderdarlehensprogramm
„Innovationsfinanzierung
Baden-Württemberg“ ermöglicht die Finanzierung marktnaher F & E zu besonders
günstigen Konditionen. Grundlage
ist das KfW-ERP-Innovationsprogramm, das mit weiteren Vergünstigungen wie beispielsweise einem
Tilgungszuschuss in Höhe von 1,0 %
noch attraktiver ausgestattet wurde.
Die gute Resonanz verdeutlicht, dass
das Programm richtig konzipiert ist.
41 Projekte mit rund 34 Mill. Euro
Finanzierungsvolumen wurden bis
Ende März auf den Weg gebracht.
Mit dem Programm „InnovFin70“
unterstützt die L-Bank die Banken
und Sparkassen bei der Finanzierung
von innovativen mittelständischen
Unternehmen in Baden-Württemberg durch eine Verbürgung der
entsprechenden Hausbankdarlehen.
Auch hier wurden jetzt die ersten
InnovFin-Bürgschaftsfälle bewilligt.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist der
leichte Programmzugang: Viele
KMU schrecken vor dem Begriff
der Innovation zurück. Schon weil
sie den Aufwand zur Belegung der
Förderfähigkeit nicht abschätzen
können. Diese Zugangsbarriere
wurde beseitigt. Die Unternehmen
können für die Antragstellung auf
eine kostenlose Unterstützung bei
der Projektbeschreibung durch das
Expertennetzwerk der L-Bank zurückgreifen. Auf diesem Weg wird in
Baden-Württemberg das bei Großunternehmen beliebte Programm auch
für KMU zugänglich gemacht, damit
sich das hohe Innovationspotenzial
der baden-württembergischen Wirtschaft künftig auch in der Breite voll
entfalten kann.
Besonders spannend für unsere Wirtschaft sind die neuen Entwicklungen
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in der Produktionsorganisation. In
der Industrie 4.0 verzahnt sich die
Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik.
Das ermöglicht individuelle Produkte, kostengünstig und in hoher
Qualität. Dabei sind zum Teil erhebliche Investitionen in neue Technologien notwendig. Investitionen, die
beispielsweise über die angesprochenen Instrumente der Innovationsfinanzierung unterstützt werden
können. Genauso wichtig ist es,
dass die Mitarbeiterentwicklung mit
den Veränderungen Schritt hält. Die
mittelständischen Unternehmer sind
sich im Klaren darüber, dass hier erhebliche Mittel notwendig sind.
Auf dem von PwC abgefragten Weihnachtswunschzettel 2016 deutscher
Familienunternehmer stand denn
auch die Weiterbildung der Mitarbeiter ganz oben. Läge auf dem
Gabentisch
eine
siebenstellige
Summe für Investitionen, würde
diese von mehr als der Hälfte der
Befragten in die Weiterbildung der
Mitarbeiter investiert werden. Der
Mittelstand weiß also, auf was es bei
der Industrie 4.0 ankommt. Die Technik ist wichtig, um ihre Nutzenpotenziale zu erschließen, braucht es aber
qualifizierte Mitarbeiter. Mitarbeiter,
die mit den neuen Komplexitäts-,
Abstraktions- und Problemlösungsanforderungen umgehen können.
Foto: Coloures-pic/fotolia
Verlagsbeilage 19. Mai 2016
Das zieht natürlich auch veränderte
Qualifikationsanforderungen nach
sich. Das vorhandene Fach-Knowhow muss mit Prozesskenntnissen,
Soft Skills im Bereich von Kommunikation und Teambildung und sehr
häufig auch erweiterten Fremdsprachenkenntnissen ergänzt werden.
Fast auf allen Ebenen sind zudem
zusätzliche IT-Kenntnisse notwendig.
In der Industrie 4.0
verzahnt sich die Produktion mit modernster
Informations- und Kommunikationstechnik.
Weiterbildung
tut not
Weiterbildung tut also not. Und muss
natürlich auch finanziert werden.
Das neue L-Bank-Programm „Weiterbildungsfinanzierung 4.0“ setzt an
dieser Stelle an. Gefördert werden
Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, die der Erweiterung der beruf-
lichen Qualifikation der Beschäftigten dienen. Dabei können alle direkt
und indirekt anfallenden Kosten, die
bei einer Fort- und Weiterbildungsmaßnahme anfallen, finanziert werden. Damit der Kapitalbedarf von
Unternehmen nicht an fehlenden
Sicherheiten scheitert, bietet die
Bürgschaftsbank
Baden-Württemberg eine optionale Kombi-Bürgschaft an. Mit den neuen Fördermöglichkeiten werden Mittelständler in
die Lage versetzt, technische Innovationen zu finanzieren und gleichzeitig
ihre Mitarbeiter für die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten.
Ein wichtiger Schritt für den Innovationsstandort Baden-Württemberg!
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Factoring lohnt sich als schnelle und
einfache Finanzierungslösung mehrfach
Wachstumsbeschleuniger im Mittelstand – Aus Kunden werden regelmäßig langjährige Partner
Joachim Secker
Chief Executive Officer
GE Capital Germany
A
ls Mittel für die Wachstumsfinanzierung hat sich Factoring
im Mittelstand mittlerweile etabliert.
Nach Angaben des Deutschen Factoring-Verbandes besitzt diese Finanzierungsform seit 2007 eine jährliche
Steigerungsrate von durchschnittlich
11 %, gemessen am Finanzierungsvolumen. 2015 betrug dieses 209 Mrd.
Euro – 20 300 Unternehmen, insbesondere Mittelständler, vertrauen der
Forderungsfinanzierung.
Was sind die Erfolgsfaktoren von Factoring? Die generellen Vorteile liegen
auf der Hand. Zunächst kauft ein Factoring-Anbieter die Forderungen eines Unternehmens gegenüber dessen
Kunden über eine vereinbarte Zeit
hinweg auf. Der Dienstleister deckt
dann Ausfallrisiken ab, versorgt das
Unternehmen ab dessen Rechnungsstellung sofort mit frischer Liquidität
und kann Mahnwesen sowie Debitorenmanagement übernehmen.
Damit erhalten Factoring-Kunden
sehr schnell und einfach Liquidität, die sie zur Finanzierung ihres
Wachstums oder für die Investition
in Anlagen benötigen. Die Flexibilität nimmt zu, und es bleibt mehr Zeit
für das operative Geschäft. Gleichzeitig bekommen Unternehmen von
einem Factoring-Anbieter, der seine
Geschäftsprozesse digitalisiert hat,
sämtliche Daten zu Zahlungseingän-
Jörg Diewald
Chief Commercial Officer
GE Capital Germany
gen und Liquidität aufbereitet und in
Echtzeit eingespielt. Per App erhalten Entscheider in Unternehmen alle
notwendigen Informationen, um das
Forderungsmanagement und damit
die Forderungsfinanzierung zu optimieren, zum Beispiel aktueller Stand
der Liquidität, Entwicklung von Forderungslaufzeiten.
Es bleibt mehr
Zeit für das
operative
Damit nicht genug. Weitere Vorteile
erfahren mittelständische Unternehmen durch Factoring, wenn sie mittels einer strategischen Übernahme
wachsen möchten. Die Akquisition
von Unternehmen beziehungsweise
Unternehmensteilen, deren Portfolien optimal zum eigenen Geschäft
passen oder dieses ergänzen, bringt
in der Regel einen Wachstumssprung. Die Buy-out-Finanzierung
für das zu akquirierende Unternehmen erfolgt dabei in Zeiten hoher
Liquidität und niedrigster Zinsen
bevorzugt aus dem Eigenkapital oder
Akquisitionsfinanzierungen.
Doch
spätestens bei der Bereitstellung der
Betriebsmittelfinanzierung für das
Target stellen sich die Fragen: Muss
ich mich als Investor auf noch mehr
Leverage – also die Hebelwirkung
der Finanzierungskosten auf die
Eigenkapitalverzinsung – einlassen?
Können meine bestehenden Banken
die notwendige Betriebsmittelfinanzierung noch leisten und wenn ja – zu
welchen Finanzierungsquoten?
Geschäft
Im Rahmen dieser Fragestellungen
kommt Factoring ins Spiel. Denn wir
dürfen nicht vergessen: Jedes Target
verfügt über eine Debt Capacity in
Abhängigkeit von der Bonität. Hinzu
kommt, dass im Verbund mit dem eigenen Unternehmen neue Strategien
und damit zusätzliche Investitionen
in das Target anstehen, die „on top“
finanziert werden müssen.
Unter diesen Vorzeichen laufen die
Überlegungen auf das Factoring
zu. Mit dieser Finanzierungslösung
kann das Working Capital aus den
bestehenden Rechnungen des Targets heraus finanziert werden. In der
Regel können rund 90 % des Werts
der Forderungen in den Targets zeitnah in Liquidität umgewandelt werden. Denn Geschwindigkeit ist oft
einer der entscheidenden Faktoren
bei Mergers & Acquisitions(M & A)Transaktionen.
Wenn uns bei GE Capital die notwendigen Materialien – Information
Memorandum und Open Account
Ledger – vorliegen, können wir innerhalb von 48 Stunden eine belastbare
Aussage darüber treffen, ob Factoring möglich ist beziehungsweise
wie viel Liquidität aus dem Forderungsbestand des Targets gewonnen
werden kann. Der Liquiditätszufluss
aus dem Forderungsverkauf führt
dann zu einem geringeren Leverage,
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Foto: tashatuvango/fotolia
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weil damit die Finanzierung des
Working-Capital-Bedarfs des Targets
abgedeckt wird. Und im Gegensatz
zur klassischen Bankenfinanzierung
spielt hier die Bonität des Targets
keine Rolle, soweit die Forderungen
werthaltig sind. Zudem können mit
der durch Factoring entstandenen
Liquidität eigene Rechnungen sofort
bezahlt und meist 2 bis 3 % Skonto
gespart werden. Factoring wird somit
zur effizienten Betriebsmittelfinanzierung.
Unterstützung bei der Wachstumsfinanzierung heißt auch, dass ein
Factoring-Anbieter mit tiefer Branchenkenntnis in der Regel sehr gut
einschätzen kann, wie sich nach der
Akquisition die neue Marktpositionierung, die Investitionen und die
gewonnene Liquidität auf den künftigen Unternehmenserfolg auswirken.
Hier ist der Finanzierungspartner
also gleichzeitig Planungspartner.
Dazu ein Beispiel aus der Praxis: Wir
haben vor einiger Zeit einen Fonds
bei der Akquirierung eines Lebensmittelproduzenten unterstützt. Die
Buy-out-Finanzierung erfolgte hier
ausschließlich aus Eigenkapital. Das
akquirierte Unternehmen verfügte
jedoch durch den Konditionendruck
im Lebensmitteleinzelhandel über
Das FactoringUnternehmen muss
mit seinem Kunden
stets auf Augenhöhe
kommunizieren, sich
langfristig engagieren
und ihn mit seiner
Branchenexpertise
unterstützen.
Gemeinsame
Wachstumsplanung
einen eingeschränkten Liquiditätsspielraum. Dazu kamen die branchenüblichen langen Zahlungsziele
dieser Handelskunden. Um international und auch insgesamt wettbewerbsfähiger zu werden, mussten
erhebliche Investitionen in neue Anlagen getätigt werden.
Hier war die Frage, ob dies durch
die bestehenden Bankkontakte erfolgen sollte – oder durch einen
dritten Partner, der noch dazu in der
Lage war, ein Investment in dieser
Größenordnung zu stemmen. Als
einer der Marktführer in Deutschland, der noch zusätzlich tiefe Expertise im Cross-Border-Factoring
für internationale Expansionen von
Mittelständlern hat, konnten wir die
Transaktion zum Erfolg führen.
Für die Wahl des richtigen Partners
zur Wachstumsfinanzierung sind
noch einige weitere Punkte sehr
wichtig. Das Factoring-Unternehmen
muss mit seinem Kunden stets auf
Augenhöhe kommunizieren, sich
langfristig engagieren und ihn mit
seiner Branchenexpertise unterstützen. Am Anfang steht hier meist die
Analyse zur Liquiditätsplanung. Dabei muss der Factoring-Anbieter generell über genügend Erfahrung in
seinem Geschäft sowie über eine tiefgreifende Expertise im Mittelstand
und dessen Anforderungen verfügen.
Zusätzlich muss er die entsprechenden Tools bereitstellen können: Hier
sind Schnelligkeit und Übersichtlichkeit Trumpf. Das Factoring-Geschäft
ist heute im Alltag – eingebettet in die
persönliche Betreuung und das individuelle Verständnis für die Kunden
– ein digitales Business.
Wer einmal erlebt hat, wie Factoring
das eigene Unternehmenswachstum
voranbringt, wie Chancen genutzt
und Flexibilität gewonnen werden
konnten, der bleibt dieser Finanzierungsform auch sehr gerne treu.
Insbesondere, wenn die persönliche
Beratung, die digitale Einbindung
und die Unterstützung für internationale Expansionen dazukommen. Wir
erleben es regelmäßig, dass aus Kunden, die zunächst einen einmaligen
oder kurzfristigen Liquiditätsbedarf
für ihr Wachstum haben, langjährige
Partner werden. Das geht nicht selten
so weit, dass wir persönlich für Aufsichtsratsmandate in den betreuten
Unternehmen angefragt werden. Das
zeigt uns wiederum besonders deutlich, dass die Arbeit von FactoringGesellschaften über die Liquiditätsbeschaffung hinausgeht.
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Wer mir nur Produkte verkaufen
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