Darstellung Depots und Werkstätten - RhB

Die Werkstätten und
Depotanlagen der
Rhätischen Bahn
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Die Werkstätten und
Depotanlagen der
Rhätischen Bahn
Darstellung der Betriebswerkstätten, Depotanlagen und
Remisen der Rhätischen Bahn von 1889 - 2016
Florian Huber
Foto: Florian Huber
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Einleitung
Insgesamt gab es sechs Depots, die zur „Abteilung Zugförderung und Werkstätten“ (ZfW) mit Hauptquartier in
Landquart gehörten. Innerhalb des ZfW sind die Depots der Sektion Zugförderung (Zf) unterstellt. Die Zf ist
verantwortlich für den Einsatz der Triebfahrzeuge einschliesslich deren tägliche Wartung, für die Ausbildung
und den Einsatz der Lokomotivführer, für den Visiteurdienst (Wagenkontrolle) und auch für die
Wagenreinigung. Damit ist der Hauptaufgabenbereich der Depots vorgestellt. Einige Depots haben noch
Sonderaufgaben zu erfüllen. Depotwerkstätten gibt es in Landquart (mit Nebendepots in Chur-Bahnhof und
Davos-Platz), in Samedan, in Poschiavo und Pontresina. Früher existierten auch noch Depotwerkstätten in
Mesocco, Grono und Chur-Sand. Auch wenn sich die Mitarbeiter der RhB auf das Ganze Bahnnetz verteilen,
so gibt es doch Schwerpunkte im Personaleinsatz. So sind in Landquart rund 400 RhB-Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter beschäftigt, davon 180 allein in der RhB-Hauptwerkstätte. Diese verfügt über alle notwendigen
modernen technischen Einrichtungen, Anlagen und Werkzeuge, um Reparaturen am Rollmaterial
vorzunehmen, diese ständig zu kontrollieren und instandzuhalten sowie Neubauten auszuführen. Man
unternimmt in der RhB-Hauptwerkstätte in Landquart auch grosse Anstrengungen, um die Lebensdauer des
Rollmaterials durch Umbauten und Modernisierung zu verlängern, damit die Bedürfnisse auch in
Spitzenverkehrszeiten abgedeckt werden können. Auch Spezialarbeiten werden in Landquart mit grossem
Erfolg und viel Liebe zum Detail ausgeführt. So wurden aus den zwanziger Jahren stammende Salonwagen
und Speisewagen in Landquart zu neuem Leben erweckt und damit Zeugnis abgelegt vom grossen
handwerklichen Können der Facharbeiter in der Hauptwerkstätte Landquart.
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Foto: Florian Huber
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Eine Lokomotive wird revidiert
Bei der Rhätischen Bahn werden jährlich neben vielen Hunderten von Gross- und Kleinreparaturen an rund 340
Fahrzeugen die Hauptrevisionen ausgeführt. Die von einer Revision zur anderen einzuhaltenden Zeitspannen
bei den verschiedenen Fahrzeugtypen sind ungleich und in den Nebenbahnverordnungen vorgeschrieben. Es
gelten für:
Triebfahrzeuge, Personenwagen,
Speisewagen, Gepäck- und Postwagen
4 Jahre
Güterwagen
5 Jahre
Dienstfahrzeuge
6 Jahre
Dies bedeutet, dass im Durchschnitt täglich 1.1 Fahrzeug revidiert die Werkstätten verlassen müssen, um das
Jahresprogramm bewältigen zu können. Diese Zusammenstellung ist jedoch kein Massstab über die
Leistungsfähigkeit einer Werkstätte, weil in den Werkstätten, in denen nur Triebfahrzeuge revidiert werden, der
Aufwand pro Fahrzeug in Stunden bedeutend grösser ist als in denjenigen mit Revision von Anhängewagen. Im
nachfolgenden Dokument wird detailliert auf die einzelnen Depots und Werkstätten mit ihren einzelnen
Aufgabenbereichen eingegangen.
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Hauptwerkstätte und
Depot Landquart
Foto: Florian Huber
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Foto: Archiv RhB
Das „Hauptquartier“ des technischen Dienstes für das Rollmaterial und die Stromversorgungsanlagen befindet
sich in Landquart, also an dem Ort, wo schon Bahnbau, damals weitab vom Dorfe Igis, sozusagen auf dem
Felde die erste Werkstätte entstand. Dieses „Hauptquartier“ umfasst nebst den Werkstätte- und Depotanlagen
die administrative Betreuung von rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Ausbildung des Fahrpersonals
und der technischen Spezialisten, die Konstruktionsbüros mit den Ingenieuren und Spezialisten für
wagenbauliche, traktionstechnische, mechanische, elektrotechnische und elektronische Probleme, die
Einsatzzentrale für Triebfahrzeuge und Fahrpersonal, die Arbeits- und Produktionssteuerung samt Termin- und
Kostenüberwachung. Bei all diesen Tätigkeiten werden in sehr weitgehenden Masse EDV-Anlagen
mitverwendet. Die ganze Organisation entspricht durchaus derjenigen eines modernen Industriegebietes.
Die dominierende Anlage in Landquart ist zweifellos die Hauptwerkstätte mit einem Areal von 45 000 m 2. Die
Hauptwerkstätte befasst sich in erster Linie mit dem Grossunterhalt der Fahrzeuge, also mit den Revisionen,
Erneuerungen und mit den grösseren Reparaturen. Sie ist heute ein modern organisierter und sehr modern
eingerichteter Betrieb, der durchaus in der Lage ist, auch viele Teile für neue Fahrzeuge, die in der
schweizerischen Fahrzeugindustrie für die RhB gefertigt werden, herzustellen, ja sogar selber Spezialfahrzeuge
zu bauen und jedenfalls alle Fahrzeugumbauten durchzuführen. Um den saisonbedingt sehr ungleichmässigen
Anfall an Revisionsfahrzeugen auszugleichen, werden auch Arbeiten für Dritte und für verschiedene RhBBetriebe ausgeführt. Als Filiale der Hauptwerkstätte Landquart kann die Depotwerkstätte Poschiavo bezeichnet
werden. Insgesamt sind in den beiden Werkstätten über 150 qualifizierte Berufsleute und Hilfskräfte beschäftigt,
und es werden auch Handwerkerlehrlinge in verschiedenen Berufen ausgebildet. Der Berufsstolz, die Freude
am fertiggestellten Fahrzeug und die Identifikation mit dem Unternehmen sind in den RhB-Werkstätten noch
sehr ausgeprägt. Die Erstellung der täglichen Einsatzbereitschaft bei den Lokomotiven, Triebwagen und Wagen,
einschliesslich der Wartung und der Ausführung von Kleinreparaturen, obliegt den Depotwerkstätten und den
ihnen angegliederten Wagenvisiteurposten. Die Depotwerkstätten sind auch für die Fahrzeugreinigung
zuständig, wozu in Landquart eine grosse Durchlaufwaschanlage zur Verfügung steht. In den Depots
übernehmen die Lokomotivführer, über 180 an der Zahl, ihre Triebfahrzeuge, und hier erhalten sie ihre
Anweisungen und Einsatzpläne.
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Foto: Florian Huber
Hauptwerkstätte
Landquart Geschichte
Zeichnung: Archiv RhB
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Landquart bleibt bis zum Bau der ersten Bündner Schmalspurbahn ein unbedeutender Ort. Grösser als der
Ortsteil Landquart-Station mit 138 Einwohnern ist 1888 der Ortsteil Landquart-Fabriken mit 240 Einwohnern,
bieten doch eine Maschinenfabrik, eine Eisengiesserei und eine Holzschleife etliche Arbeitsplätze. Die Eröffnung
der Prättigauer Bahn und die folgenden Ausdehnungen des Meterspurnetzes verändern die Bündner
Verkehrsgeographie, was in keinem Bündner Ort markantere bahnbauliche Rückwirkungen hat als in LandquartStation. Bereits für die erste Streckenerweiterung plant die Rhätische Bahn die Verlegung der Werkstätte Davos
nach Landquart. Damit beginnt 1896 das sprunghafte Wachstum des Ortsteils Landquart-Station. In den 25
Jahren nach der Werkstattgründung wächst die Bevölkerung um mehr als das Achtfache auf 1072 Einwohner.
Es sind vor allem die beiden mittelgrossen Betriebe der Rhätische Bahn, die hier Arbeiter und ihre Familien
anziehen: Der Hauptwerkstattbetrieb des
Unternehmens
und
das
grösste
Lokomotivdepot. Gegründet auf der leeren
W iese, fehlen dem Betrieb in unmittelbarer
Umgebung Wohnmöglichkeiten und die
Infrastruktur. Der Direktion der RhB ist das
schon bei der Planung der neuen Werkstatt
bewusst, weshalb sie zielstrebig den Bau
von Arbeiterwohnhäusern in Angriff nimmt.
Mit dem Bau der ersten Etappe der
Werkstätte beschliesst die Rhätische Bahn
1895 die Erstellung von 20 Wohnungen in
Einzel- und Doppelhäusern. 1901 folgte eine
zweite Etappe von fünf Vierfamilien- und
zwei Einfamilienhäusern, zu denen sich
schon 1904 zwei weitere Einfamilienhäuser
gesellen. In einer letzten Ausbauetappe
wächst die RhB-Siedlung 1906 bis 1910 auf
37 Häuser. In einer Zeit, in der von
Foto: Florian Huber
„Kloakenreform“ viel der Rede ist und in der
z.B. Zürich-Aussersihl viele Arbeiterhäuser noch nicht an die Kanalisation angeschlossen sind, erhält die
ländliche RhB-Arbeitersiedlung von Anfang an eine Kanalisation. Damit nicht genug: Auf ihrem Areal fördert die
Bahngesellschaft den Aufbau einer ganzen Infrastruktur: Durch den Erwerb des Hotels Landquart mit dem jetzt
ja nicht mehr in Betrieb stehenden Posthof und des Gasthauses „Davoserhof“ kommt die RhB schon 1891 zu
eigenen Verpflegungs- und Übernachtungsstätten. Gleichzeitig dient der Kopfbau des Hotels Landquart als
Aufnahmegebäude. Die autonome Selbstversorgung der Werksiedlung verbessert sich 1897 mit dem Bau des
Schlachthauses, das mit einem Metzgerwohnhaus verbunden ist, und mit dem Konsumhaus, das ebenfalls eine
Wohnung für den Konsumverwalter enthält. 1907 und 1908 hält die Rhätische Bahn in ihren Geschäftsberichten
fest, dass die Kredite für den Bau einer Bad- und Waschanstalt mit Speisesaal gesprochen seien. Hinzu kommt
ein neues Schulhaus, das das Provisorium von 1898 ersetzt. So sorgt die Rhätische Bahn auch für die
Versorgung, die Hygiene und die Erstellung von Räumen für die Bildung ihrer Stammarbeiterschaft in Landquart.
- Bis 1910 ist zwischen der Werkstätte und dem Fluss Landquart auf einem rasterförmigen Strassenmuster eine
bahneigene Werksiedlung entstanden, wie sie in der Schweiz einmalig ist - die übrigen grösseren
Privatbahnwerkstätten in Chur, Zürich, Bellinzona, Yverdon usw. befinden sich in Stadtnähe - Landquart-Station
ist noch am ehesten mit dem Bahnarbeiterort Erstfeld zu vergleichen.
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Für die 1888-1890 erbaute Meterspurbahn Landquart - Davos genügte eine kleine Werkstätte in der Remise
Davos. Mit der geplanten Streckenerweiterung von Landquart bis Thusis entsteht ab 1896 ein ansehnlicher
Bahnbetrieb mit 92 Streckenkilometern, und der Bau von weiteren 83 Kilometern Bahnlinien ins Vorderrheintal
und ins Engadin ist geplant. Es entspricht der weitsichtigen Planung der Rhätischen Bahn, in Landquart-Station
grosse Ländereien zu erwerben, um hier die zentralen Werkstätten zu errichten. Vorbilder für EisenbahnWerkstätten gibt es genügend: Schon 1855 bauten die Nordostbahnen in Zürich und die Centralbahn in Olten je
eine grosszügige Werkstattanlage - auch die 1871 in Winterthur erbaute Lokomotivfabrik ist ein Beispiel, wie
man rationell Kessel, Rahmen, Achsen usw. produzieren und montieren kann. Immer handelt es sich um für die
Zeit moderne Flachbauanlagen mit kleineren und grösseren Hallenbauten. Als besonders vorbildlich gilt die von
Niklaus Riggenbach gebaute Werkstätte Olten. In einem Expertenbericht über die bestehende Landquarter
Werkstätte von 1896 und die notwendige Erweiterung im Jahre 1901 heisst es: „In der Hauptwerkstätte der
Schweiz. Centralbahn in Olten (werden) die schwersten Malletmaschinen auf einfachste Weise nur durch zwei
Paar Hebeböcke gehoben“, eine Methode, die für die RhB ebenfalls empfohlen wird. Der gleiche Bericht verweist
„als abschreckendes Beispiel einer irrationalen Montierungseinrichtung auf die Lokomotiv-Montierwerkstätte der
Vereinigten Schweizerbahnen in Rorschach“.
Der Bericht über Einrichtungen der RhB-Werkstätten von 1896 lobt: „Die allgemeine Situation der bestehenden
Werkstätte ist eine vorteilhafte und die verschiedenen Anlagen sind gut disponiert“. Die Kernanlage von 1896 ist
H-förmig. Den Mitteltrakt bilden das Werkmeister- und Vorarbeiterbüro, die Flaschnerei, Werkzeugmacherei und
das Kraftzentrum, ferner ein Arbeiterabort, die Schreinerei und die Sattlerei. In der Sattlerei stellt man vorerst
hauptsächlich Riemen für die Kraft-Transmission her, während die Sitzbänke der Personenwagen noch
hauptsächlich geschreinert werden. Gegen Chur sind die Schmiede, das Kesselhaus und die
Maschinenwerkstätte kammförmig angebaut. In der Maschinenwerkstätte sind Drehbänke, Hobel-, Schappingund Fräs-Maschinen, später auch eine hydraulische Presse zum Auf- und Abpressen von Achsen und Kurbeln
untergebracht. Allein schon die Funktionsbezeichnungen der einzelnen Arbeitsräume zeigen die Vielfältigkeit
der Berufe, die für den Lokomotiv- und Wagenunterhalt notwendig sind. In zwei Hallenbauten gegen die Station
hin werden die Lokomotiven und die Wagen getrennt demontiert und montiert, vorerst auf nur 2 und 3 Geleisen,
ein paar Jahre später bereits auf 4 und 6 Gleisen. Bei diesen Montagehallen handelt es sich um traditionelle
Mischbauten mit massiv gemauerten Wänden oder mit Holzfachwerkwänden, die noch 100 Jahre später entlang
der Schiebebühnenhalle zu sehen sind. Die Dächer sind mit Holzkonstruktionen in Satteldachform mit
Firstlaternen gestaltet. Auf dem grossen, rechteckigen Werkstattareal entstehen bis 1902 verschiedene
freistehende Holzhallen für die „neue“ Malerei und Lackiererei, für das Material und für die Remisierung der
Wagen und Lokomotiven, die aber mit den Erweiterungen ab 1908 bald verschwinden.
Die Ausbauphase 1908-1912 ist die prägende in der Baugeschichte der Hauptwerkstätte Landquart. Während
die Einzelformen der Wagen-Reparatur-Halle noch Rücksicht auf jene des angrenzenden Blockes von 1896 und
1902/03 nehmen, zeigt sich an den freistehenden Bauten abstrakte Spätjugendstilgestaltung. Besonders
deutlich ist dieser Gestaltungswille an der Fassade der Kesselschmiede zu erkennen, die nach dem Übergang
zum elektrischen Betrieb die Funktionsbezeichnung „Wagenwerkstätte 2“ erhält. Gegen das Bahnareal ist es die
wohl auffälligste Einzelfassade - sie steht zwischen dem Lokdepot und dem Werkstattkomplex. Die
Dreischiffigkeit der Eisenskeletthalle widerspiegelt sich in der dem Eisenfachwerk vorgesetzten Fassade: Die
Giebelwalmform der Fachwerkträger tritt hier in einem entsprechenden Giebelfeld mit gegossenem Rahmen
unter dem Dachabschluss, 5 Lisenen und zwei achteckigen Giebelfenstern in Erscheinung. Im
darunterliegenden Mauerfeld setzen sich die fünf Lisenen als vertikale Fenstereinfassungen fort. Die Gestaltung
der Fassaden vor den beiden Seitenschiffen weist dieselben Zierelemente auf. Die Flächen werden so von
konstruktiv begründeten Mauerverstärkungen gegliedert, die man als endgültig ungegenständliche
Entsprechung zu den abstrakten Pilastern des Schreinergebäudes betrachten kann. Die „neue“ Lokomotivereparatur erhält ein ähnlich gestaltetes Hallendach, während die Schiebebühne und weitere Arealteile
grossflächig mit Flachdachkonstruktionen überdeckt werden - diese niedrigen Hallenteile erhalten durch
Laternen-Oberlichter natürliches Licht. Es handelt sich um eine typisch nordostschweizerische
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Hallenkonstruktion nach dem Patent des Zürcher Oberländer Fabrikunternehmens Söquin und Knobel, das sich
von der Shedbauweise insofern unterscheidet, als die Sheds nur gegen Norden Dachfenster aufweisen.
Bemerkenswert ist auch die Gestaltung der Kraftzentrale (später Magazin MV) an der Schulstrasse. Wie bei den
erwähnten Hallenfassaden ist auch hier die Handschrift des späteren RhB-Hochbaumeisters Meinrad Lorenz zu
verspüren, sind doch aktuelle Jugendstileinflüsse mit liebevollen Heimatstilelementen verbunden - der
Treppengiebel dieses Baus verschwindet zwar später wieder, aber der Hausteinsockel, die Rundbogenfenster,
das Vordach über der Eingangstüre und der an die barocke Herrschaftsarchitektur Graubündens erinnernde
Treppenhausturm mit dem Kegelhelm bleiben erhalten.
Zeichnung: Archiv RhB
In allen Abteilungen sind die nötigen Transporteinrichtungen, Kranen und anderen Hebezeuge usw., sowie die
zur Zubringung und Verteilung der Fahrzeuge dienenden Schiebebühnen und Abstellgleise vorhanden. So hat
die aus kleinen Anfängen entstandene und in eigener Regie entwickelte Hauptwerkstätte heute einen Ausbau,
der die Bahngesellschaft in den Stand setzt, fast alle anfallenden Arbeiten selbst rationell auszuführen.
Anhand von Planmaterial lassen sich die drei Hauptphasen in der Baugeschichte der Hauptwerkstätte ziemlich
genau ausmachen. Der Gründungsbau von 1896 bestand aus einer winkelförmigen Anlage. An einem 50 m
messenden Längstrakt, der von einem Bürogebäude angeführt wurde, waren nach Norden und Süden
Quertrakte angefügt. nach Norden standen die Hallen der Wagen- und der Lokomotiv-Montage (29 m), nach
Süden zwei Trakte unterschiedlicher Länge, die Schmiede (10.5 m) und die Maschinen-Werkstätte (20 m) vor.
Im rückwärtigen Teil der Wagen-Montage-Halle war die Maler- und Schreinerwerkstätte untergebracht.
Dominierender Bauteil der Anlage war die Achse (Nord-Süd) mit der Lokomotiv-Montage und der MaschinenWerkstätte, die man als durchgehende Halle von 59 m Länge errichtet hat. Zwischen 1896 und 1902 wurde der
Längstrakt nach Westen um 10 m verlängert, und diesem Vorbau fügte man einen schmalen, kurzen Querarm
mit Magazinräumen an.
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Ausbau der Werkstätten
und der Depotanlagen
Foto: Heinz Räss
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In den letzten Jahren wurde der Rollmaterialbestand der RhB laufend erneuert und vergrössert. Der Ausbau der
Werkstätte- und Depotanlagen - mit Ausnahme von Poschiavo - ist dabei etwas zu kurz gekommen. Zwar wurden
die Einrichtungen und Werkzeugmaschinen, insbesonders in der Hauptwerkstätte, grundlegend modernisiert,
doch blieb der umbaute Raum im Wesentlichen seit 1913 unverändert! Seither hat aber die Transportleistung
der RhB auf rund das 3.5-fache zugenommen. Grösser geworden ist nicht nur die Anzahl Fahrzeuge, sondern
auch deren Beanspruchung. Eine Anpassung der Werkstätte- und Depotanlage war somit dringend nötig. Der
bauliche und betriebliche Rückstand musste ab 1970 sehr dringend aufgeholt werden. Entsprechend einem
Gesamtkonzept „wo wird was gemacht“, verbunden mit einer Ausbauplanung, wurden die Hauptwerkstätte und
die Depots sukzessive umgebaut, modernisiert oder sogar neu erstellt.
Seit einigen Jahren wird der Ausbau der Werkstätte- und Depotanlagen eingehend studiert und geplant. Aus
vielen Varianten hat sich schliesslich eine optimale, den finanziellen und räumlichen Möglichkeiten Rechnung
tragende Lösung herausgeschält. Für die Planungsarbeiten und für die Besprechungen mit Behörden und
Fachleuten wurde unter anderem auch ein Modell der Gesamtanlage erstellt.
Glücklicherweise konnten zwei wesentliche Objekte des generellen Ausbauprogrammes HW und Depot
Landquart in das Erneuerungsprogramm 3b (Art. 56 Eisenbahngesetz) aufgenommen werden. Es ist dies einmal
die Einstell- und Unterhaltungshalle für Triebwagen und Lokomotiven im Depot Landquart. Diese Halle enthaltet
auch eine mechanische Reinigungsanlage mit durchgehendem Geleise für Personenwagen. Das zweite wichtige
Bauprojekt war eine neue Montagehalle für Lokomotiven und Triebwagen in der Hauptwerkstätte Landquart. Es
wurde vorgesehen, auch die Wicklerei der HW in diese neue Halle zu verlegen, damit Motoren, Transformatoren
usw. in einem Kranarbeitsgang vom Fahrzeuge in die Wicklerei und umgekehrt transportiert werden können. Die
beiden genannten Objekte beanspruchten rund 2.5 bzw. 4.4 Mio. Franken. Die Werkstätten der RhB entsprechen
zum heutigen Zeitpunkt sehr weitgehend den an sie jetzt und in den nächsten Jahren gestellten Anforderungen.
Selbstverständlich müssen Organisation, Arbeitsabläufe und Einrichtungen immer wieder überprüft und wo nötig
den aktuellen Bedürfnissen angepasst werden.
Foto: Heinz Räss
Foto: Heinz Räss
Foto: Niklaus Saxer
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Die Werkzeugabteilung
in der HW
Foto: RhB-Nachrichten
Es mag für viele Mitarbeiter der grossen RhB-Familie und Bahninteressierten von Interesse sein, über die
Organisation der Hauptwerkstätte und insbesondere über die Aufgaben und Arbeitsbereich einzelner
Abteilungen etwas Näheres zu erfahren.
Die Hauptwerkstätte in Landquart umfasst, in der Reihenfolge der Kostenstellen aufgeführt, die folgenden
Abteilungen (Zahl = Nr. der Kostenstelle):
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Dreherei, Radsatzwerkstätte Hilfsmaschinen
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Schmiede, Schweisserei, Lagergiesserei
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Detailschlosserei, Nebenbetrieb
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Elektroschlosserei, Elektr. Installationen
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Werkzeugunterhalt, Werkzeugausgabe, Fräserei, Unterhalt der geschw.-Messer und Instrumente
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Wicklerei
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Wagenwerkstätte I
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Sattlerei
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Schreinerei
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Lokomotivwerkstätte
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Wagenwerkstätte II (ehemalige Kesselschmiede)
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Werkstätte für thermische Fahrzeuge
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Malerei, Lackiererei
Foto: RhB-Nachrichten
Schreinerei früher und heute im Vergleich
Foto: Florian Huber
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Wo Rauch ist, da ist
auch Feuer
Foto: Florian Huber
Das Areal der Hauptwerkstätte der RhB in Landquart wird überragt durch ein 42 m hohes Kamin. Seine lichte
Weite beträgt am Boden 4 m, beim Austritt der Rauchgase noch 2.2 m. An diesem Kamin sind 4
Dampfkesseleinheiten angeschlossen, drei vom Typ Sulzer und einer vom Typ Escher-Wyss,
Doppelflammrohrkessel Jahrgang 1911 respektive 1922. Die Kessel 1 und 2 sind ausgerüstet für
Flammkohlenfeuerung und werden von Hand bedient. Ihr stündlicher Kohlenverbrauch beträgt 160 – 200 kg.
Die Kessel 3 und 4 sind mit Schwerölbrenner für eine stündliche Verbrauchsmenge von 240 kg ausgerüstet.
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Rotunde Landquart
Zeichnung: Archiv RhB
Bei den esten Lokremisen der RhB handelt es sich um Rechteckremisen. Dieser Typ wird auch später noch bei
den grösseren Werkstatt- und Remisenanlagen 1907 in Mesocco, 1908-1910 in Poschiavo und Pontresina,
ferner Samedan und 1914 für die Arosa-Bahn in Chur-Sand verwendet. Er hat speziell im Tenderlok-Betrieb den
Nachteil, dass die Maschinen hintereinander zu stehen kommen und das Wenden und Herausnehmen
bestimmter Lokomotiven umständlich ist. Bereits 1847 hat Robert Stephenson diesen Nachteil erkannt und in
London-Camden ein “Roundhouse” rund um eine Drehscheibe gebaut. Die “Rotonde” findet darauf vor allem in
Frankreich Verbreitung, wobei man später die Drehscheibe nicht mehr überdacht und den Kreis nicht mehr ganz
schliesst. - Für den Bau einer solchen Ringsegment-Remise entscheidet sich auch die Rhätische Bahn
angesichts des für den Albulabetrieb drastisch zu erhöhenden Lokbestandes. Dieser Lokschuppentyp hat den
zusätzlichen Vorteil, dass etappenweise Segmente angefügt werden können: “Für die Zukunft muss unbedingt
eine Erweiterung im Auge behalten werden”, schreibt der Präsident des Verwaltungsausschusses über die
Erstellung eines neuen Lokschuppens 1904 an den Verwaltungsrat, Provisorien kämen schliesslich teurer zu
stehen als der etappenweise Bau einer grosszügigen Anlage. Die Direktion beschaffte bei den noch jungen
Schweizerischen Bundesbahnen Unterlagen über die in Beton konstruierte Rotunde von St.Gallen. Für die neue
Remise Landquart holte man sich aber noch detaillierte Offerten ein für eine Konstruktion mit
“Fundamentmauern aus Bruchsteinen, Gewände aus Backsteinrohbau 25/25 cm und Holzzementdach”. An der
Ausschreibung beteiligt sich unter anderem eine der bekanntesten Betonbauunternehmungen “Maillart & Cie.”
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Aus Zürich. - Ingenieur Robert Maillart plant zu dieser Zeit den Wasserturm für das Depot von St.Gallen, später
erhält er als Spezialist für die Konstruktion von Betonbrücken Weltgeltung. Maillart setzt sich in seinem Bericht
zum Angebot vor allem für eine Betonkonstruktion ein: “Da der Pfeiler zwischen den Toren in armiertem Beton
schmaler gestaltet werden kann als Mauerwerk so kann die Anlage kompendiöser gestaltet werden…die
Feuersicherheit (erhöht sich) … das Fundamentmauerwerk reduziert sich, Pfeilermauerwerk,
Backsteinmauerwerk und Fenstergewände, eiserne Pfeiler und Träger, die gesamte Zimmerarbeit … fallen ganz
weg.” Kein Holz kann verfaulen, keine Eisenträger vom Lokomotivrauch angegriffen werden. Die gegenüber der
Holzkonstruktion preislich weniger vorteilhafte Betonkonstruktion sei dafür viel dauerhafter und billiger im
Unterhalt. Maillart schlägt vor, die Flächen des Flachdaches gegen innen zu neigen, was Vorteile für die
Beleuchtung und die Entwässerung mit sich bringe. - “Die Tatsache, dass sich der armierte Beton gerade für
Lokremisen anderwärts rasch Eingang verschafft hat, dürfte die Richtigkeit unserer Darlegungen zur Genüge
erhärten.” Robert Maillart sieht für seine Remisenfassaden eine expressive Jugendstilgestaltung mit
Drillingsfenstern vor. Von den fünf Unternehmungen, die die Bauarbeiten offerieren, macht er allerdings das
teuerste Angebot. Da die Rhätische Bahn seine Argumentation für die Betonkonstruktion unterstützt, kommt
eine zweite Eingabe zustande. Diesmal tut sich Maillart mit der ortsansässigen Bauunternehmung Caprez & Cie.
zusammen, ein weiteres Unternehmen offeriert nicht mehr. Die drei neuen Eingaben von Kuoni & Cie. Chur,
Maillart/Caprez Zürich/Landquart und Baumeister Huder aus Chur sehen nun alle die von der RhB gewünschte
Betonkonstruktion vor, während Maillart das erste Mal den einzigen Betonvorschlag machte. Der PortlandCementröhrenfabrikant und Baumeister Huder aus Chur macht eine um 2 ½ % günstigere Offerte als Maillart
und erhält somit - nachdem Maillart die Direktion von seiner Betonvariante überzeugt hatte - den Auftrag zur
Bauausführung in armiertem Beton.
Foto: Archiv RhB
Foto: Heinz Räss
1905 können die ersten fünf Lokstände der Kreissegmentremise bezogen werden. Pralles zur Bahnlinie
Landquart - Chur ist ein zweigeschossiger Kopfbau mit Zimmern für den Depotchef, die Lokomotivführer, die
Lampisterie, die Wäscherei und für weitere Nutzungen angebaut. Der kleine Turmaufbau auf diesem Gebäude
beherbergt ein Wasserreservoir. Für die beiden Erweiterungen auf 13 und schliesslich auf 19 Stände muss die
Materialgrube der Bahngesellschaft aufgefüllt werden. Da sich die Ausdehnung des Netzes der RhB rascher
entwickelt als 1905 vorausgesehen, werden diese Erweiterungen in kurzen Abständen 1907 und 1908 in Angriff
genommen. Das Resultat ist eine Remisenanlage mit einem vollen Halbkreis um die Drehscheibe. Der grosse
Innenraum mit seiner kassettenartigen Betonrippendecke wirkt noch 100 Jahre später hell und modern. Im
Gegensatz zum Projekt Maillart hat Huder die Aussenwände traditionell mit Sichtbacksteineinfassungen für je
ein Zwillingsfenster mit Stichbogensturz ausgeführt. Und auch die Dachflächen sind nicht gegen innen, sondern
traditionell gegen die Traufe geneigt, wobei in die Neigung gegen die Drehscheibe die Oberlichter eingelassen
sind.
Bildet die Besichtigung einer Depotanlage an und für sich schon ein faszinierendes Erlebnis, so sind die
Aneinanderreihung von 19 Ständen um eine Drehscheibe und der ringförmige, lichte, grosse Hallenraum in
Landquart besonders beeindruckend - ein Resultat einer grosszügigen Planung und, so darf man das im Falle
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dieser Baugeschichte wohl bezeichnen, ein Resultat der Ausnützung der Vorschläge eines der bekanntesten
Beton-Ingenieure. Er selber kommt allerdings im Bündnerland und bei der RhB für die neue Linienführung in
Klosters als Brückenbauer noch gebührend zum Zuge.
Insgesamt stehen heute 19 Geleise zur Verfügung, wovon zwei für Dampflokomotiven, und drei als Zufahrt zu
den Nebengebäuden dienen. Interessant sind vorallem die zwei Geleise, welche für die Dampflokomotiven
reserviert sind. Dieser Teil des Depots befindet sich noch praktisch im Ursprungszustand, abgesehen von den
ersetzten Toren. Das Rotunden-Depot in Landquart, ist eines der letzten seiner Art in der Schweiz.
Foto: Florian Huber
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Impressionen aus der
Hauptwerkstätte
Foto: Jonas Krummenacher
Foto: Florian Huber
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Foto: Florian Huber20
Foto: Florian Huber
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Fotos: Florian Huber
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Betriebswerkstätte
Mesocco
Foto: Florian Huber
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Foto: Florian Huber
Foto: Florian Huber
Das Depot der BM befand sich in Mesocco. Ab 1942 gehörte die Misoxerlinie der RhB. Die Linie war nicht mit
dem Stammnetz verbunden (Verbindung war geplant). Im Misox hatte man sich bis 1978 um alles gekümmert.
Seit der Verlegung des Personen-, Gepäck- und Stückgutverkehrs auf die Strasse (1972) wurde die Misoxerlinie
Stück um Stück verkürzt. 1978 nach einem Unwetter hatte das Depot keine Funktion mehr, da es von der Strecke
abgetrennt wurde. Der Grossunterhalt an den Fahrzeugen, die Hauptrevisionen (R1, R2, R3), grössere
Reparaturen, Umbauten, Anstrich, der Bau neuer Fahrzeuge, die Herstellung von Bauteilen für die
Materialverwaltung, der Bahndienst, usw. sind grundsätzlich Sache der Hauptwerkstätte Landquart.Die DepotWerkstätte in Mesocco steht noch heute im stillgelegten Bahnhofsgelände von Mesocco. Die Remise war
zweigleisig und hatte genügend Platz um alle Reparaturen und sonstigen Arbeiten durchzuführen. Bis 1944 war
es Eigentum der BM, danach wurde es in die ZfW der RhB eingegliedert. Alle grösseren Arbeiten, wie Revisionen
und Farbwechsel wurden danach in der HW Landquart vorgenommen. Manchmal wurden auch
Unterhaltungsarbeiten für andere Bahnen vorgenommen, insbesondere von Meterspurbahnen im Tessin. Die
Werkstätte beschäftigte 2 Vorarbeiter, 3 Arbeiter und 1 Putzer. Zwei weitere Mitarbeiter wurden teilweise in der
Werkstätte und teilweise im Kraftwerk benötigt. Mit Hilfsmitteln war die Werkstätte nicht all zu günstig
ausgerüstet. Es fehlten beispielsweise Hebevorrichtungen und Schweissanlagen. Dafür besass die werkstätte
eine Räderpresse und einen elektrischen Radreifwärmer. Nach der Stillegung des oberen Teiles der BM wegen
eines Unwetters, war das Depot vom Rest der Strecke abgeschnittem und zweckentfremdet. Auch Rollmaterial
war noch im Depot zurückgeblieben. Die Werkstätteneinrichtung war noch viele Jahre zurückgelassen worden.
1978 wurde in einer alten Fabrikhalle in Grono eine provisorische Werkstätte eingerichtet. Eigens für diese neue
Werkstätte wurde ein Zufahrtsgleis errichtet. Im Gebäude sind zwei Gleise vorhanden die Platz für ca. drei
Triebwagen bieten, also nicht viel mehr als in Mesocco. Zusätzlich hätten auch noch maximal drei Wagen Platz.
Das eine Gleis besitzt keine Zufahrtsmöglichkeit, weshalb ein Kran zur Verfügung steht um die Fahrzeuge auf
dieses Gleis ohne Anschluss zu befördern.
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Betriebswerkstätte und
Depot Sand
Zu einer selbständigen Bahngesellschaft (ChA) gehört auch eine Werkstätte sowie Remise dazu. Die räumlichen
Verhältnisse für den Bau dieser Anlage fanden sich auf dem Sand, wenige Kilometer vom Bahnhof Chur entfernt.
Das Depot Chur Sand besorgte ausser normalen Aufgaben einen Teil des Grossunterhalts an den Triebwagen
der Chur - Arosa - Strecke, ferner oblag dem Depot die Wartung der Gleichrichteranlagen an der Chur-ArosaBahn.
Anfänglich verfügte dieses Depot über Einrichtungen, die es ermöglichten, in fast allen Bereichen der Technik
Reparaturen auszuführen. Die Fusion zur RhB brachten zwar Veränderungen komerzieller, aber auch
technischer Art, hingegen blieb die Eigenständigkeit des Depots weitgehend gewahr, und zwar bis gegen 1970.
Was bis anhin aber oft in mühevollem Alleingang vollzogen wurde, ging allmählich an die Hauptwerkstätte nach
Landquart, wo moderne Einrichtungen vorhanden sind. Heute dient das Depot als Dienstdepot für die
Meterspurmaschinen der Sersa. Zwischenzeitlich war auch ein Teil des Club 1889 im Sand beheimatet.
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Betriebswerkstätte und
Depot Samedan
Mit dem Bau der Eisenbahnlinie durch den Albula wurde in Samedan ein Depot mit Nebenwerkstätte errichtet.
Samedan war beim Bau der Albulabahn wichtigster Stützpunkt für den Dampflokeinsatz und den Lokunterhalt.
Seit Beginn der Elektrifizierung des Stammnetzes, die im Engadin begann, gehörte zum Depot Samedan bis
1922 die Hauptwerkstätte für elektrische Lokomotiven. Bei der Eröffnung im Jahre 1903 waren das zwei Bauten:
Eine Wagenremise aus Holz mit drei Standplätzen (Grundfläche 14 x 33 m; abgebrochen um 1960) im Südoste
des Aufnahmegebäudes und die Lokomotivremise mit Reparaturwerkstätte im Südwesten. Letztere war ein
flachgedeckter Bau mit sechs zeltförmigen Oberlichtern. Die Grundfläche betrug 24.5 x 54 m. Der Baukörper
war gegliedert durch grosse Stichbogenfenster, deren Gewände mit Backsteinen gefasst waren. An der östlichen
Schmalseite öffneten sich vier Einfahrtstore. Auf die Eröffnung der Unterengadiner-Linie wurde die Anlage
bedeutend erweitert. Im Jahre 1911 genehmigte der Verwaltungsrat dafür 680 000 Franken; 1913 waren die
Arbeiten beendigt. Es entstand ein grosser, in der Grundfläche quadratischer Bau (54.6 x 55.6 m).
Dem Depot Samedan wurde auch das Nebendepot Scuol-Tarasp unterstellt. Das Depot Samedan wurde 1903
mit dem Bau der Albulabahn (Dampfbetrieb) eröffnet. Anfangs war es eine einfache Wagenremise aus Holz mit
drei Standplätzen und einer Lokremise mit Reparaturwerkstätte. Mit der Aufnahme des elektrischen Betriebes
auf den Engadinerstrecken (1913) wurden die Depotanlagen und die Werkstätte in Samedan erheblich erweitert
und mit Fahrleitung versehen. Damals wurde der gesamte Unterhalt der elektrischen Treibfahrzeuge im Depot
Samedan durchgeführt und von dort aus die elektrischen Anlagen unterhalten. Mit dem Abschluss der
Stammnetz-Elektrifizierung erhielten das Depot und die Werkstätte Landquart 1922 den Unterhalt der
elektrischen Lokomotiven zugewiesen. 1981 kam der Beschluss des Verwaltungsrates, den Depotneubau
Samedan in drei Sommeretappen von 1982 bis 1984 durchzuführen. Damit hat Samedan im Engadin auf 1700
m ü.M. ein schönes, modernes Depot erhalten. Auch die Dienste für Fahrleitung, SW/NF, Energieversorgung
und der Bahndienst haben Räumlichkeiten im Depot.
Foto: Florian Huber
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Foto: Fabian Wild
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Foto: Archiv RhB
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Betriebswerkstätte und
Depot Poschiavo
Foto: Archiv ABB
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Das Depot Poschiavo erfüllt eine Sonderaufgabe. Bis 1942/44 Hauptwerkstätte der einstigen Bernina-Bahn,
dann wurde sie der RhB angegliedert. In den 60er Jahren wurde es unumgänglich, die ehemalige BBHauptwerkstätte zu modernisieren. Besondere Überlegungen wurden angestellt um zu prüfen, ob Poschiavo
weiterhin HW-Charakter behalten soll. Das Resultat der Untersuchungen unter Einbeziehung auswärtiger
Experten war, dass hier zwischen 1969 und 1972 eine modernisierte erweiterte, zweckmässig eingerichtete
Depotwerkstätte entstand. Im Rahmen eines ZfW-Gesamtprogrammes wird hier weiterhin der Grossunterhalt an
den Gleichstrom-Triebfahrzeugen ausgeführt, zudem werden bestimmte Stammnetz-Wagenserien zur Revision
zugewiesen. Doch wurden gewisse Spezialarbeiten (z.B. die Reparatur von Triebmotoren, die Behandlung von
Dieselmotoren usw.) in der HW-Landquart zusammengefasst. Unterhalts-, Revisions- und Umbauarbeiten
werden, soweit nötig am gesamten RhB-Rollmaterial durchgeführt. Seit dem Eintreffen der DrehstromTriebwagen (1988 und 1990) hatten sich erhebliche Raumprobleme abgezeichnet, der Abstellraum war knapp
bemessen, es mussten rasch neue Abstellplätze geschaffen werden. 1990 wurde vorerst das Depot Pontresina
um acht Triebwagen-Standplätze erweitert. Die Depotwerkstätte Poschiavo führt zudem viele sonstige Arbeiten
für den Bahndienst, für den Fahrleitungsdienst und auch für Dritte aus. Die RhB ist froh, im Puschlav einen derart
leistungsfähigen Stützpunkt zu haben. Auch für die Talschaft ist die RhB als Arbeitgeber von Bedeutung. In
Poschiavo ist eine Fahrleitungsgruppe stationiert, ein Chefmonteur betreut die Gleichrichteranlagen der BerninaSüdseite. Auch steht hier ein Hilfswagen für Notfälle bereit. In den rauhen Wintern gibt es hoch in den Bergen
öfter einmal eine Streckenunterbrechung, dann sind die Mannen der Bernina-Südseite oft auf sich allein gestellt.
Die Bernina Bahn mit der Strecke St.Moritz - Tirano ist in den Jahren 1906 - 1910 erbaut worden. Im Juli 1910
wurde der durchgehende Betrieb aufgenommen. Die Verwaltung und die Direktion der Bernina Bahn hatte ihren
Sitz in Poschiavo. Ausser den Stationsgebäuden wurden auch zwei Depotwerkstätten erstellt, nämlich eine in
Pontresina und eine grössere in Poschiavo, am Sitz der Verwaltung. Schon im Jahre 1913 wurde eine erste
Erweiterung der Werkstätte vorgenommen. Es kamen Maschinen für die Revision der Triebfahrzeuge dazu und
in der Folge wurden noch die Malerei und eine kleine Elektrowerkstatt angegliedert.
Im Jahre 1943 wurde die Berninalinie mit der Rhätischen Bahn fusioniert. Aus dem Jahre 1945 stammen weitere
Projekte für einen Ausbau der Werkstätten in Poschiavo, die aus finanziellen Gründen jedoch nicht realisiert
werden konnten. In den Jahren 1961/62 wurde in Zusammenarbeit mit der Post ein neues BahnAufnahmegebäude mit den dazugehörigen Postbüros erstellt. Die erfreuliche Verkehrssteigerung in den
fünfziger und sechziger Jahren erforderte neues Rollmaterial, das zum grossen Teil im Depot Poschiavo
unterhalten und untergebracht werden musste. Dadurch wurde der Raummangel immer spürbarer. Im Zuge der
Rationalisierung und Modernisierung konnten in den Jahren 1965 - 1968 Projekte für einen Neubau der
Werkstätten und einen Umbau der alten Einstellhalle und Werkstatt ausgearbeitet werden. Im September des
Jahres 1969 konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden.
Aus dem Baubericht:
Es handelt sich um eine zeitgemäss konzipierte Shedhalle und einen Annexbau mit Flachdach. Vorallem wurde
darauf geachtet, dass sich das Gebäude harmonisch in die Umgebung einfügte. Das tragende Stahlskelett
wurde mit vertikalen Wandplatten verkleidet. Mit Ausnahme des Kellergeschosses, des Treppenhauses, der
Aufzugswände und des nicht unterkellerten Teils sind sämtliche Elemente der Halle vorfabriziert worden. Die
Konzeption der Halle ist klar und einfach, konstruktiv logisch und erfüllt funktionell alles, was für eine Werkstatt
notwendig ist. Die Werkstatthalle mit Malerei hat eine Grundfläche von 1352 m 2 und einen Kubikinhalt von 14
936 m3. Die Öltankanlage besteht aus drei 50 000 Liter fassenden Stahltanks, die einzeln im Tankteller versetzt
sind. Die Bauzeit erstreckte sich über 2 ½ Jahre, da der Betrieb in allen Teilen aufrecht erhalten bleiben musste.
Am Neu- und Umbau der Anlagen waren etwa 50 Unternehmen beteiligt, wobei nach Möglichkeit die ansässigen
Firmen aus der Talschaft berücksichtigt wurden.
Die Aufgaben der Depotwerkstätte Poschiavo:
Die vielschichtigen Aufgaben lassen sich in zwei Hauptgruppen unterteilen.
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Dem Depot Poschiavo sind rund 20 Triebfahrzeuge für den Einsatz und den täglichen Unterhalt zugeteilt.
In der Werkstätte werden die Hauptrevisionen und Reparaturen an allen Bernina-Triebfahrzeugen
vorgenommen
Foto: RhB-Nachrichten
Foto: RhB-Nachrichten
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Betriebswerkstätte und
Depot Pontresina
Das Depot Pontresina ist Zentrum der Schneeräumung über den Bernina. Im Winterdienst sind die
Mannschaften früh morgens bei der Schneeräumung und nehmen rauhe Zeiten in Kauf. Am Abend werden die
Räummaschinen für den nächsten Tag vorbereitet und instandgesetzt. Man hat Noteinsatz-Funktionen beim
Fahrleitungsdienst. Ein Chefmonteur für Gleichrichteranlagen der Berninalinie hat hier seinen Standort.
Hauptaufgaben sind der Triebfahrzeug- und Traktorenunterhalt sowie der allgemeine Werkstattbetrieb,
Personal- und Fahrzeug-Einteilungen, Büroarbeiten. Die kleine Mannschaft ist täglich restlos eingesetzt, der
Depotchef und sein Stellvertreter haben jeden Dienst, auch ausserhalb der Arbeitszeit, zu leisten.
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Foto: Fabian Wild
Foto: Florian Huber
Foto: Fabian Wild
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Die Materialverwaltung
der RhB
Foto: Florian Huber
Der Materialverwaltung, ein Dienstzweig des Kommerziellen Dienstes, obliegt die Bewirtschaftung des gesamtes
Ersatz- und Betriebsmaterials der RhB, angefangen mit den kleinsten Ersatzteilen für Fahrzeuge, über Schienen
und Schwellen bis zu den Dienstkleidern der Beamten.
Dem Laien scheint eine Materialverwaltung eine unproblematische und eher langweilige Angelegenheit zu sein.
Tatsächlich kommt ihr vor allem bei einer Bahnunternehmung, die ihren Betrieb trotz allen Widerwärtigkeiten
aufrecht erhalten muss, eine sehr wichtige Funktion zu. Die RhB besorgt weitgehend den Unterhalt und die
Erneuerung von Geleise-, Fahrleitungs-, Sicherungs- und Fernmeldeanlagen sowie von Lokomotiven,
Triebwagen, Personen- und Güterwagen selbst. Für die Abwicklung dieser Arbeiten trägt eine optimale
Materialbewirtschaftung, die sich auf Einkauf, Lagerhaltung, Verteilung und Rückschub sowie
Materialabrechnung erstreckt, wesentlich bei.
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Quellenverzeichnis
Diverse RhB-Nachrichten
50 Jahre RhB
- Geschäftsberichte RhB 1904, 1905, 1908, 1912
- Die Neubauten der RhB, Schweizer Journal, F. Skvor und E. Cadalbert
- Chur - Arosa vom Bau und Betrieb der Bahn, H. Hofmann
- Die Bauten der Rhätischen Bahn Geschichte einer Architektur von 1889 bis 1949, Luzi Dosch
-
-
Die elektrischen und Dieseltriebfahrzeuge Schweizerischer Eisenbahnen Stammnetz - Triebfahrzeuge,
Claude Jeanmaire, Archiv Nr. 219
-
Rhätische Bahn Heute – Morgen – Gestern
-
Expertenberichte RhB
-
Industriealisierung; Werkstätten als “Residenz der Lokomotiven”, H.P. Bärtschi
-
Archiv RhB-Hochbau Chur
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