Mama Bavaria versucht ruhig zu bleiben

Mama Bavaria versucht ruhig zu bleiben
21.04.2016 21:20
Hilpoltstein
(HK) Uhr
Die "Mama Bavaria" ist von ihrem Nockherberg-Olymp herabgestiegen, um in der Stadthalle
Hilpoltstein ihren "Kindern" zu vermitteln, wie man Ruhe bewahren kann.
Kabarettistin Luise Kinseher schlüpft bei ihrem Auftritt in der "wunderschönen"
Stadthalle wieder in viele komische Rollen. - Foto: Klier
Das versucht die Kabarettistin Luise Kinseher in diesen "wunderschönen
Räumlichkeiten", indem sie in mehrere charakteristische Rollen schlüpft. Endlich,
so sagt sie, habe sie nach dem Nockherberg ein normales Publikum vor sich.
Gemeinsam wolle man in eine gewisse Leichtigkeit kommen: "Ich bin Ihr
Fernseher und stelle keine weitere Anforderungen mehr an Sie!"
Dann berichtet sie von einem Erlebnis, das sich durch den Abend ziehen sollte.
Im Hotelfahrstuhl ist sie nämlich einem attraktiven Mann begegnet. Sie ist im
sechsten Stock ausgestiegen, er wollte bis zum siebten fahren. Bei ihr war es
Liebe auf den ersten Blick und sie hat ihm gleich ihre Handynummer gegeben.
"Bis bald!", hatte er zum Abschied gesagt. Ein vager Zeitbegriff, der viele
Definitionen zulässt, wie sie alsbald erfahren soll. Sie wartet und wartet auf den
ersehnten Anruf. Ob er ein erfolgreicher Kunsthändler ist und keine Zeit hat?
Oder ist er ein rechtsextremer Terrorist?
Dann sinniert sie über die Zeit und das Alter. Daheim in Niederbayern sei es immer halb Drei gewesen. Der Uropa war
nämlich zu Fuß nach München gegangen und hatte gefragt, wie spät es sei. "Halb drei" hatte man ihm gesagt. Als
Studentin in München gab es für sie erst einmal eine Zeitumstellung. Aber aus Irrtümern lernt man bekanntlich:
"Gemessen an meinen Irrtümern . . . ", das Lachen unterbricht ihren Satz. Immer noch wartet sie auf den ersehnten
Anruf und träumt, was sie mit dem Lied "Sweet Dreams" eindrucksvoll unterstreicht.
"In der Wartezeit", so schlägt sie vor, "sollte man nicht altern". "Seit 17 Jahren bin ich 30!", rechnet sie vor. Ihre
Fitnessuhr zeigt ihr die voraussichtliche Lebenserwartung an. Schnell ein paar urkomische Übungen gemacht und schon
wird das Leben länger.
Schlagfertig geht Kinseher auf die Zwischenrufe aus dem Publikum ein. Lange hat der Mensch gebraucht, um das Feuer
zu zähmen, um eine moderne Küche und einen Thermomix zu haben. Trotzdem grillt er so gerne.
Jetzt ist sie die "b'suffne" Mary from Bavary, die ihr ehemaliges Stammstüberl in Giesing besuchen wollte. Daraus ist
jetzt eine Lounge geworden und das Weißbier heißt Hopfensmoothie. "Da habt's euer sch ... Pause!", lallt sie.
Die vornehme Frau Frese hat ihren Mann in der Damentoilette kennen gelernt. Schon damals hatte er sich immer wieder
verlaufen. Mit dem VW-Bully waren sie in Italien unterwegs gewesen. Erinnerungen werden wach: "Am 7. Mai, da ist's
geschehn."
Wieder in elegantem Schwarz und auf bayerisch wartet sie weiter und sinniert über die hohe Politik. "Alle jammern über
das Schulsystem. Da muss doch etwas geändert werden!", hatte sie zu Ludwig Spaenle, dem Kultusminister, gesagt.
Seine Antwort: "Meinen Sie, ich bin blöd" Überhaupt scheint es ihr ja so, als ob alle Politiker "was einnehmen".
"Klingt es bei Ihnen auch so blöd", fragt sie ins Publikum. Ein lautes "Doch!", ist zu hören. Tatsächlich hat der
Tontechniker in dieser akustisch problematischen Halle alle Hände voll zu tun. Trotzdem bleibt manches akustisch
unverständlich und Luise Kinseher sinniert über den Zusammenhang zwischen Hall und Halle.
Und immer noch kein Anruf. Genervt schreibt sie eine SMS an die Freundin: "In der überfüllten Hilpoltsteiner Stadthalle
gibt es frenetischen Beifall!" Da nimmt sie sich selber auf den Arm.
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Wahrsager haben schon wiederholt den Untergang der Erde prophezeit. Doch es ist noch nicht so weit und bis dahin
heißt es: "Ruhe bewahren!" Aber ihre Ruh', um es mit Goethes Gretchen zu sagen, ist hin! Immer noch kein Anruf! Jetzt
will sie es genau wissen, ruft den Hotelportier an und fragt nach ihrem Schwarm vom siebten Stock. Der Schock: Es gibt
keinen siebten Stock, nur einen Dachgarten. Doch dann ein Freudenschrei: "Er hat angerufen!"
Nun ist Eile geboten. Bevor sie nach langem Applaus Richtung Nürnberg zum Date enteilt, gibt es eine Zugabe mit
ständigem Blick auf die Uhr. Von wegen "Ruhe bewahren". Trotzdem singt sie als Zugabe in urkomisch-lustiger Parodie
und mit kräftiger Altstimme: "We have all the Time in the World". "Sie glauben gar nicht, wie gut Sie mir getan haben!",
schmeichelt sie dem Hilpoltsteiner Publikum zum Abschied.
Von Manfred Klier
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