Welche Personen aus der Bibel fallen Euch spontan ein? Bitte nennt

Der Fremdling sei unter euch wie ein Einheimischer 3. Mose 19,33-34 18.10.2015 Ev. St.-Markus-Gemeinde, Bremen 1
Welche Personen aus der Bibel fallen Euch spontan ein? Bitte nennt einfach mal Namen, die Euch
einfallen.
Die meisten bedeutenden Personen in der Bibel, lebten zumindest für eine Zeit außerhalb ihrer
Heimat, waren Flüchtlinge, Kriegsgefangene, auf Asyl angewiesen, wegen des Glaubens verfolgt
oder Wirtschaftsflüchtlinge. Das gilt für Abraham, Isaak und Jakob, Josef und seine Brüder, Mose,
David, Daniel, Jeremia und Hesekiel. Es gilt für Jesus, Petrus, Johannes, Paulus und viele der ersten
Christen.
Deshalb wird schon dem Volk Israel in den Gesetzen gesagt:
3. Mose 19,33-34 33 Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht
unterdrücken. 34 Der Fremde, der bei euch wohnt, soll euch wie ein Einheimischer gelten und
du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der
Herr, euer Gott.
Liebe Gemeinde!
Drei Punkte dazu:
1. Ideal und Wirklichkeit
2. Ordnung im Chaos – die Liebe zählt
3. Eine neue Ordnung der Gemeinde
1. Ideal und Wirklichkeit
Im Alten Testament galten zum Teil sehr harte Regeln und Gesetze. Vieles verstehen wir heute gar
nicht mehr. Eigentlich sollte das Volk Israel bei der Einnahme des Landes alle fremden Völker vertreiben. Die Israeliten wurden vor jeder Vermischung mit anderen Völkern gewarnt, da andere Menschen mit anderer Religion das Volk verleiten könnte, vom Glauben an den einen Gott abzufallen.
Diese Angst haben auch viele Staaten in Europa heute. – Paulus stellt in seiner Rede auf dem Areopag in Athen im Blick auf die verschiedenen Völker und Kulturen fest:
Apostelgeschichte 17,26
Gott hat aus einem einzigen Menschen die ganze Menschheit hervorgehen lassen, damit sie die Erde
bewohnt.
Für jedes Volk hat Gott festgesetzt, wie lange es bestehen und in welchen Grenzen es leben soll.
Von daher scheint der Gedanke, der viele Menschen heute bewegt, dass alle Menschen doch in ihrer
Heimat bleiben sollten, biblisch begründet. Aber das ist so nicht richtig.
Die Bibel berichtet von Gottes guter Schöpfung, aber auch davon, dass sich die Welt nach dem Sündenfall anders entwickelt hat. Es ist geradezu normal, dass Menschen die Heimat verlassen und in ein
anderes Land ziehen müssen. Davon wird gleich nach dem Schöpfungsbericht in der Bibel berichtet.
Die Gründe sind sehr unterschiedlich.
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Obwohl Gott dem Volk Israel geboten hatte, sich nicht mit anderen Völkern zu vermischen,
gibt es von Beginn an Gebote für den Umgang mit Menschen aus anderen Völkern. Das ist die
Wirklichkeit.
Zur Zeit kommen Menschen aus dem arabischen Kulturkreis nach Europa. Es finden manche Menschen und Staaten in Europa unvorstellbar, wie hier ein gutes Miteinander möglich sein soll. Aber es
ist eine Wirklichkeit. Zur Wirklichkeit der Geschichte gehört übrigens, dass auch aus Nordeuropa
Menschen in Richtung Süden gezogen sind, nicht als friedliche Asylbewerber, sondern eher mit Vernichtung und Raub, wenn wir an die Vandalen denken. Vandalismus ist ja für uns ein Fachbegriff für
sinnlose Zerstörung. So hausten Europäer in Nordafrika. Auch die Wikinger waren nicht nur friedliche Seefahrer. Vom Kolonialismus mal ganz abgesehen.
Zur Wirklichkeit gehört auch, dass bei vielen von uns die Vorfahren nicht aus Bremen kommen. Immer
wieder sind Menschen aus verschiedenen Völkern hier her gekommen. So ist die einheimische Bevölkerung das Ergebnis eines Völkermischmasch. Das ist die Wirklichkeit. Im Blick auf die Wirklichkeit
gab Gott schon damals seine Anweisung, wie das Volk mit Fremdlingen umgehen soll:
3. Mose 19,33-34 Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der
Fremde, der bei euch wohnt, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst;
Mit seinen klaren Anweisungen schafft Gott die Möglichkeit Ordnung ins Chaos zu bringen:
2. Ordnung im Chaos – die Liebe zählt
Gott ist interessiert an unserer Wirklichkeit, an unserem Leben, dass unser Leben gelingt. Das
gilt trotz allem Chaos, trotz aller Sünde. Gott möchte, dass das Leben der Menschen zurechtkommt
und gelingen kann. Das ist auch der Sinn aller Gebote.
Jeder Mensch ist von Gott geliebt. Gott möchte, dass auch wir jeden Menschen lieben.
Theoretisch ist das jedem klar. Die Frage ist nur: Wie soll das gehen?
Natürlich kann man nicht zu allen Menschen in gleicher Weise enge Beziehungen unterhalten. – Aber
es geht schon, an einer inneren positiven Grundhaltung zu arbeiten.
Überlegen wir einfach mal, was unsere Sprache so sagt: Wer kennt den Begriff Allotria treiben? - …..
Wir meinen damit so viel wie Spaß oder vergnüglicher Unfug. Der Begriff kommt von dem griechischen Wort ἀλλότριος, allotrios, „fremdartig, nicht zur Sache gehörig“, dies kommt von ἀλλος, allos
= anderer, fremd. Hier wird klar, dass wir das Fremde im besten Fall für spaßig oder Unfug halten.
Viele Menschen haben Angst vor allem Fremden. Das Fremde und den Fremden verstehe ich nicht
und was ich nicht verstehe, kann ich nicht einschätzen, mich nicht drauf einstellen, und das macht mir
Angst. Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber.
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Sich fremd fühlen hat zwei Seiten, der Fremde fühlt sich in der neuen Umgebung fremd und er wird
von den Einheimischen als fremd empfunden. Man kann sich aber auch in bekannter Umgebung, in
der Familie (vgl. Josef 1. Mose 37) und in der Heimat (vgl. Lukas 4,23-24) fremd fühlen. - Das Problem der Ausländer, der Fremden wird in der Bibel zunächst aus der Sicht der Betroffenen dargestellt.
Deshalb hatte ich ja nach verschiedenen bekannten Namen aus der Bibel gefragt. – Gott weist das
Volk Israel darauf hin „Ihr seid Fremdlinge in Ägypten gewesen“. Die Erfahrung der Unterdrückung,
die sie in Ägypten gemacht haben, soll das Volk lehren, nun nicht auch Fremdlinge zu unterdrücken,
sondern sie gleichberechtigt zu behandeln. –Mit dem Volk Israel waren auch viele andere Bevölkerungsgruppen aus Ägypten geflohen.
Gott ist es wichtig, dass nun für alle Menschen das gleiche Recht gilt. So wie man sich um Witwen und Waisen im Volk kümmern sollte, damit sie zu ihrem Recht kommen, so sollten sich nun alle
auch um Fremdlinge kümmern. – Das gleiche Recht gilt für alle, das bedeutet auch, dass die gleichen
Pflichten für alle gelten. – In Israel war dies das Recht und die Pflicht zur Heiligung des Sabbats. Bis
heute ist es so, dass manche Israelis am Sabbat gerne die Araber arbeiten lassen. Vom Gesetz her galt
in der Zeit des Alten Testaments aber, dass auch sie, dass alle Menschen in Israel am Sabbat frei hatten und nicht arbeiten sollten.
Es ist schon eigenartig, dass uns in Deutschland der Parteichef der Grünen, Cem Özdemir, daran erinnern muss, dass wir mal klar formulieren müssen, dass es in Deutschland Grundwerte gibt, die für
alle gelten sollen und an die sich auch alle halten sollen. Er fordert, jedem Flüchtling eine Art Startup-Paket über deutsche Werte und Regeln zu überreichen.
Leider ist die Diskussion über die Grundwerte zur Zeit nur eine Abwehr und Schutzreaktion im Blick
auf die Angst vor Überfremdung.
Gott meint es mit seinen Weisungen und Geboten gut mit uns, mit jedem Menschen. Seine Gebote
haben das Ziel, dass das Leben gelingt. Dies sollte der Ansatz sein, wenn wir darüber nachdenken,
wie wir Flüchtlinge behandeln, wie es hier mit der Nächstenliebe aussieht. Gottes Gebote sind gut
für uns und für alle Menschen. Es ist gut, wenn wir uns daran wieder neu orientieren.
Der Hinweis auf die Gebote darf dabei keine Abgrenzung, keine Reglementierung sein. Es geht
Gott darum, dass wir den Mitmenschen und auch den Flüchtling lieben, wie uns selbst. Es geht nicht
um ein Gegeneinander. Es geht aber auch nicht darum, dass wir nicht mehr an uns selber denken und
nur noch an den anderen. Wenn wir den Fremdling und jeden Mitbürger lieben wie uns selbst,
gibt es eine echte Gleichberechtigung und ein gutes Miteinander.
3. Eine neue Ordnung der Gemeinde
Wir hörten in der Schriftlesung einige Worte aus dem Brief an die Gemeinde in Ephesus. Ein großer
Spannungspunkt damals war, dass einige Christen Juden waren, andere hatten früher dem Heidentum
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angehört. Dass man nun gemeinsam an Jesus, den Retter, glaubte, war klar, aber die unterschiedliche
Kultur war ein Problem. Was ist vom Glauben her möglich und was nicht? Im Epheserbrief wird nun
formuliert: (Epheser 2,14-15) 14 Ja, Christus selbst ist unser Frieden. Er hat die Zweiteilung überwunden und hat aus Juden und Nichtjuden eine Einheit gemacht. Er hat die Mauer niedergerissen, die
zwischen ihnen stand, und hat ihre Feindschaft beendet. Denn durch die Hingabe seines eigenen Lebens 15 hat er das Gesetz mit seinen zahlreichen Geboten und Anordnungen außer Kraft gesetzt.
Sein Ziel war es, Juden und Nichtjuden durch die Verbindung mit ihm selbst zu einem neuen Menschen zu machen und auf diese Weise Frieden zu schaffen.
Auch die unterschiedliche Sprache war ein Problem. Bei den ersten Christen in Jerusalem waren alle
Jude gewesen, aber einige sprachen Griechisch, andere Aramäisch. Einige hatten immer in Israel gelebt und waren regelmäßig im Tempel gewesen, andere hatten irgendwo im römischen Reich gelebt
und bestenfalls eine Synagoge gehabt, wo man sich versammeln konnte. Die Frage der Einheit beschäftigte die christliche Kirche von Beginn an. Schon Jesus hatte vor seiner Kreuzigung um die Einheit der Christen gebetet: Joh 17,22-23 22 Die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich nun
auch ihnen gegeben, damit sie eins sind, so wie wir eins sind. 23 Ich in ihnen und du in mir – so sollen sie zur völligen Einheit gelangen, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und
dass sie von dir geliebt sind, wie ich von dir geliebt bin.
Eine Kirche, die stolz darauf ist, eine klare nationale Kultur zu haben und nicht multikulti zu
sein, ist also keine christliche Kirche.
Es ist das Wesen der Kirche, dass die Einheit durch Jesus Christus begründet ist und nicht durch
Sprache, Nationalität oder Kultur. Eine Gemeinde ist dann ein lebendiges Zeugnis für den Glauben,
wenn viele unterschiedliche Menschen zusammen gehören, in Jesus Christus ihren Frieden haben,
und gemeinsam Gott loben und Gott dienen.
Das Zeugnis der Kirche ist nur gemeinsam möglich. Gestern kamen einige Syrer. Sie fragten, ob
hier eine katholische Kirche sei und sie brauchten warme Kleidung. Ich war froh, dass gerade der
persische Bibelkreis war. Eiham kann auch arabisch. Sie erklärte, dass es eine Kleiderkammer bei der
Inneren Mission gibt, konnte wegen Kinderwagen die Adresse der Verschenkeaktion der Freien
Christengemeinde weitergeben und auch einen Kontakt zur arabischen Gemeinde herstellen. Heidi
war da, ich war da, aber wir hätten uns abmühen können und hätten den Leuten doch nicht weitergeholfen. Es geht nur, wenn alle zusammenarbeiten.
Es fällt vielen schon schwer, Lieder im Musikstil anderer Generationen mit zu singen, zur Band oder
zur Orgel, viele haben mit einem ganz anderen Stil einer anderen Konfession Probleme, wenn es zu
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emotional oder zu intellektuelle, zu liturgisch oder zu frei, zu bunt oder zu nüchtern ist. Jetzt wird uns
auch noch gesagt, dass in der Kirche Menschen aller Nationen zusammen gehören.
Es wird immer auch unterschiedliche Gruppen in der Kirche geben. So war es in der ersten Gemeinde in Jerusalem. So ist es heute. Es ist für viele einfacher in ihrer Muttersprache zu singen und
zu beten und die Bibel zu lesen. Deshalb gibt es Gottesdienste in viele verschiedenen Sprachen in
Bremen. Bei den Koreanern sind viele auch nur für einige Jahre Studium oder Arbeit hier. Bei anderen, die länger hier leben, ist die Muttersprache ein Stück Heimat. Aber die Kinder können häufig
dann schon besser Deutsch. Gerade für sie ist es wichtig, dass es eine gute Gemeinschaft der fremdsprachigen Gemeinde mit der deutschen Gemeinde gibt. Für viele, die nach Deutschland kommen, ist
die Integration in die deutsche Gemeinde eine wichtige Hilfe, um hier auch heimisch zu werden. Das
Wichtigste ist die Liebe der Christen untereinander. Bei allen unterschiedlichen Gruppen darf es kein
„Wir“, „Ihr“ und „die da“ geben. Es gibt in der Kirche nur ein „Wir, die wir zu Jesus Christus gehören“. Die Liebe zu Christus führt zur Liebe zu den Christen. Da spielt die Nationalität und die
Sprache keine Rolle.
Was in der Gesellschaft oft nicht funktioniert, kann und soll in der Gemeinde beginnen: Jedem Christen gilt:
Ihr seid also nicht mehr Fremde oder Gäste ohne Bürgerrecht.
Ihr seid vielmehr gleichberechtigte Mitbürger der Heiligen
und Mitglieder von Gottes Hausgemeinschaft.
In der Gemeinde gibt es also keine Fremdlinge, keine Ausländer, sondern nur Mitbürger, nur Gemeindeglieder, Glieder an dem einen Leib von Jesus Christus.
Andererseits sind wir als Christen in dieser Welt, in unserer Gesellschaft alle etwas fremd. Für Christen zählt in erster Linie, was Jesus Christus will, was er gesagt und getan hat. wie er führt. Das verstehen andere nicht.
2013 war es die Jahreslosung: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen
wir.“ Hebr. 13,14 und im Philipperbrief steht: Phil 3,20 Wir (dagegen) haben schon jetzt Bürgerrecht
im Himmel. Von dort her erwarten wir auch den Retter, den Herrn Jesus Christus!
Wir sind hier fremd, aber haben das Bürgerrecht im Himmel. Das ist die neue Ordnung der
Gemeinde. Amen.
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