DAS HOTEL DER ZUKUNFT

DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG
3. AUSGABE
SEITE 03
SUITE
SEITE 04
SEITE 01
HERB
ST
2015
SEITE 06
SEITE 12
SPORTS-MAN
SOS-SERVICE
HEIM-VORTEIL
PSYCHO-QUIZ
Ein Genussmensch hilft
anderen beim Abnehmen
Die netten Helfer
hinter den Kulissen
Emma Nischler und ihr
Leben in Naturns
Die etwas andere
Physiotherapeutin
UNSER PROGRAMM
GESUND,
GENIESSEN –
LINDENHOF
1
WOHIN GEHT DIE REISE?
DAS
HOTEL
DER
ZUKUNFT
Am Anfang war
der Plan... Chiara und
Joachim Nischler
wollen neue Trends
setzen
Trotz zufriedener Gäste und diverser Auszeichnungen braucht auch die Familie Nischler eine
Strategie für die nächsten Jahre und arbeitet deshalb am „Leitbild Lindenhof 2020+“
Joachim Nischler hat die Auszeichnung kurz zur Kenntnis genommen – und sich
bei den Mitarbeitern bedankt. Eine große Feier gab es nicht. „Natürlich sind wir stolz, dass
wir den Holiday Check Award wieder bekommen haben. Aber wichtiger ist, dass wir an die
nächsten Jahre denken. Und uns so aufstellen,
dass unsere Gäste auch in Zukunft mit uns zufrieden sein werden“, sagt der Chef des Hotels
Lindenhof in Naturns.
Der Hotelier weiß: die Branche boomt, die
Konkurrenz ist groß, der Kampf um die Gäste
führt nicht nur in Südtirol zu manchmal absurden Investitionen. Deshalb hat sich Familie
Nischler Unterstützung durch eine Tourismus-Beratungsgesellschaft geholt, mit der
langfristige und vernünftige Änderungen angestrebt werden. „Wir werden bestimmt nicht
von heute auf morgen alles umbauen. Wir
wollen eine Strategie erarbeiten, mit der wir
uns in den Punkten verbessern, in denen es
notwendig ist – und mit der wir vielleicht sogar neue Trends setzen können“, sagt Joachim
Nischler, der deshalb bei seinen Überlegungen
zum Leitbild Lindenhof 2020+ auch schon die
nächste Generation mit einbezieht. Die Töchter Chiara und Emma sind bei allen Workshops dabei.
Obwohl die Nischlers schon ein Anschluss–
Grundstück zum Hotel gekauft haben, planen
sie keinen Schnellschuss. Mit den Tourismusexperten von Kohl & Partner erstellen sie eine
Marktanalyse, arbeiten an Zukunftsszenarien
der Branche und erstellen ein Benchmark.
„Wir müssen erst Klarheit bekommen, wohin
die Reise geht“, sagt der 46-jährige Chef des
Hauses, für den allerdings Stillstand ein Rückschritt ist. Und so weiß er schon heute, dass er
auch vor der nächsten Saison investieren wird:
Jedes Zimmer soll eine Klimaanlage erhalten,
weil sonst zumindest bei dieser doch immer
mehr um sich greifenden wahnsinnigen Hitze
im Juli und August an Schlaf nicht zu denken
ist, jedes Bett wird gegen ein Boxspring-Schlafsystem getauscht, das den Rücken schont.
Damit ist ein Leitbild bereits gesetzt: das Hotel soll seinem Ruf „Gesund, gesünder – Lindenhof“ treu bleiben. Auch in einem anderen
Punkt bekennt sich die Familie Nischler klar
zum bestehenden Konzept. „Wir bleiben ein
Hotel für alle – und freuen uns auch über Familien und Kinder“, sagt Nischler. Bis zum
Jahr 2018 will er sogar ein „neuartiges Hotel
für die ganze Gesellschaft“ schaffen, in dem
sich alle wohlfühlen können. Die erste Idee: es
soll ein Schwimmbad mit Spielwiesen für Fa-
milien entstehen, es sollen Oasen der Ruhe für
gestresste Urlauber eingeplant werden. Sogar
an einen eigenen Speisesaal für Familien ist
gedacht. Nischlers Vision: „Jeder soll im Lindenhof den Urlaub machen können, den er für
sich am angenehmsten empfindet.“
Trotz aller notwendigen Zukunftsstrategien
weiß aber auch Joachim Nischler, was sein Kapital ist: die Mitarbeiter. Sie sollen weiterhin
dafür sorgen, dass es den Gästen im Lindenhof besser geht als anderswo. Und deshalb
überlegt die Hoteliersfamilie, auch ihnen bei
einer neuen Ausrichtung entgegen zu kommen. „Wenn wir zwölf Monate im Jahr geöffnet haben würden, müssten sich unsere Mitarbeiter nicht mehr von November bis Februar
arbeitslos melden“, sagt Joachim Nischler, der
sich in den Workshops schon mal damit befasst, welches Klientel er in dieser Zeit ansprechen könnte.
Bis dahin gibt es ein Dankeschön für den hoffentlich nächsten Holiday Check Award.
„Vielleicht könnten wir ja mit den Mitarbeitern auch mal darauf anstoßen“, sagt die Frau
des Hauses, Lorella Lorenza Longhitano.
Das ist die Vision 2016.
GOURMETHERBST IM
LINDENHOF: 12.10. BIS 15.11.
Der Chefkoch hat ein Ziel: „Ich
möchte, dass unsere Gäste gesund
genießen können“, sagt er im
Interview auf Seite 10. Das gilt
auch beim Gourmetherbst mit
einem ganz speziellen Programm:
Montags gibt es bei herrlicher
Aussicht hoch oben in Unterstell
die besten Weine zu kosten,
dienstags wird ein Riesling­-Gala­­
-Dinner aufgetischt, mittwochs
und donnerstags besuchen wir ein
Weingut, freitags lernen Sie durch
unsere Sommeliers die Südtiroler
Weinkultur kennen. Und natürlich
gehört zum Gourmetherbst
jeden Tag ein Gourmetessen von
Andreas Pirchers Team.
2
BELLICON­W OCHE IM LINDENHOF: VOM 24. BIS 31. OKTOBER
Spaß an der Bewegung ist
das Motto bei der bellicon®­
Fitnesswoche. Manuel Eckardt
von pur­life gibt Ihnen unter an­
derem Tipps für einen gesunden
Rücken und ein gestärktes Herz.
3
WEINWOCHE IM LINDENHOF:
VOM 8. BIS 15. NOVEMBER
Joachim Nischler freut sich auf
die Weinwoche ganz besonders:
Als Gastgeber darf er selbst auf
Reisen gehen und noch mehr
Wein genießen als sonst. Der
Hotelchef lädt Sie zu exklusiven
Kellerführungen und Weinverko­
stungen mit Spitzenwinzern ein.
„Es ist für mich als Weinfreund
immer wieder ein besonderes
Erlebnis“, sagt er.
Die Lindenhof–Rezeption
erreichen Sie täglich
von sieben bis 22 Uhr.
Telefon:
0039 0473 666242
oder unter [email protected]
HAUSPOST
DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG
SEITE 02
KIDS CLUB
KENNEN SIE DEN?
JULIA HAT EIN ZIEL:
DIPLOMIERTE
KINDERBETREUERIN
DER
MYSTERY MAN
170 haben sich beworben, 22 haben die
Aufnahmeprüfung bestanden: Glückwunsch an
unsere Kids-Animateurin Julia Perkmann, sie ist
dabei – und wird jetzt von September an ein
Jahr lang die Landesfachschule für Sozialberufe
in Bozen besuchen und sich zur diplomierten
Kinderbetreuerin ausbilden lassen. „Das ist ein
wichtiger Schritt für mich. Ich werde aber
selbstverständlich dem Lindenhof treu bleiben“,
sagt die 23-Jährige, die während der Ferien und
wann immer es geht weiter im Viersterne S-Hotel
arbeiten wird. „Wir freuen uns für Julia, und wir
freuen uns für uns, dass sie dem Lindenhof
erhalten bleibt“, sagt Joachim Nischler. Die neue
Julia wird Lisa heißen – und nach einer
Einarbeitungszeit mit Julia den Kids-Club an
Stelle der „Neu-Studentin“ leiten. Lisa Grüner, 21,
beginnt ihren Job am 1. September.
AUSSTELLUNGEN IM LINDENHOF
SCHMUCK AUS
STROMKABELN
Fast jeden Abend ist im Lindenhof nach dem
Essen was geboten – es gibt immer mal wieder
Wandertipps vom Experten, Live-Musik, einen DJ
und Ausstellungen mit Verkauf. Wir stellen heute
Daniela Windisch vor, die einmal in der Woche im
Hotel ihren Modeschmuck präsentiert.
Sieben Jahre hat Daniela Windisch in einer
Lohnbuchhaltung gearbeitet. Fünf Mal in der Wo­
che von acht bis 17 Uhr. Und fünf Mal in der
Woche hat sie von acht bis 17 Uhr gedacht: Was
mache ich hier bloß? „Ich bin ein kreativer
Mensch. Und ich fühlte mich eingesperrt mit all
den Zahlen“, sagt sie. Doch erst ihr Freund gab
ihr den Mut, ihr Leben zu ändern. „Du musst
Deine Träume leben. Nicht Deine Träume
träumen“, sagte er ihr.
Heute führt sie das Leben, das ihr gefällt. Daniela
Windisch ist selbstständige Schmuckdesignerin.
Wenn ihre Tochter Noemi morgens im Kindergar­
ten ist, arbeitet sie zu Hause an ihrer Kollektion,
wenn ihre Tochter abends schläft, geht sie in
gute Hotels und versucht, ihren Schmuck zu
verkaufen. Zum Beispiel jeden Mittwoch im
Lindenhof. „Das macht Spaß, weil die Leute im
Urlaub ganz anders drauf sind. Manchmal reden
wir auch nur miteinander“, sagt sie.
Eigentlich war alles Zufall bei ihr. Zum Beispiel
die Sache mit dem Schmuck. Daniela Windisch
war bei der Kreativmesse in Bozen. Und weil ihr
an einem Stand eine Kette so gut gefiel, diese
aber 80 Euro kostete, kaufte sie sich ein
Starterset – und begann selbst zu kneten. Heute
macht sie Schmuck aus Kaffeekapseln, Fahrrad­
schläuchen, Stromkabel, Korken oder Gummibän­
dern. Alles ist möglich – und alles zwischen 15
und 50 Euro. Und Zufall war auch die Sache mit
den Hotels. Ein Hotel wollte sie als Rezeptionistin
einstellen, aber Daniela Windisch wollte weiterhin
kreativ arbeiten. „Also habe ich gefragt, ob ich
vielleicht meinen Schmuck dort ausstellen darf.“
Sie durfte. Und so begann ihre Wanderausstel­
lung in den Hotels.
website: www.danicus.it
www.facebook.com/DanicusSchmuckDesign
Warum Joachim Nischler immer wieder sein
eigenes Hotel testen lässt
Der vielleicht 50 Jahre alte Gast kniet sich mit seinen
1,90 Metern unter das Waschbecken – und legt mühsam ein
paar seiner Haare in die hinterste Ecke. Wenn er sie morgen
noch dort findet, wird er an die Rezeption gehen und sich über
die Zimmerreinigung beschweren. Wenn nicht, wird er auf
seiner Liste unter der Rubrik „Basiskriterien“ den Versuch mit
den Haaren abhaken und ohne weitere Bemerkungen in seine Excel–Liste übernehmen.
Paul Martin, wie er im Lindenhof heißt und danach nie
wieder, ist hauptberuflicher Hoteltester, ein so genannter
Mystery Man. Joachim Nischler hat bei einer Agentur einen Mann oder eine Frau gebucht, der oder die für rund
3.000 Euro sein Hotel nach allen Regeln der Kunst
testet. Wer wann kommen wird, weiß der Auftraggeber nicht. Das kann ein paar Tage danach, das kann aber auch Wochen später sein.
Unser Paul Martin jedenfalls hat in Naturns
als normaler Gast ein- und als erholter Urlauber ausgecheckt. Erst danach, als ihn die Rezeptionistin verabschiedet, zieht er einen
Ausweis und gibt sich zu erkennen. „Da wir
im Lindenhof wirklich alles versuchen,
um den Gast zu verwöhnen, bleibe ich
hier selbst bei einem Mystery Man gelassen“, sagt die Rezeptionschefin Bea
Stecher. In anderen Häusern, so weiß
sie, führe diese Schlussszene schon
mal zu ernsthaften Schockzuständen beim Personal.
turns geschossen, ein paar davon finden sich als gute und
schlechte Beispiele in seinen Ausführungen, die aus der „Analyse der Gästebetreuung“ nach Hardware, Angeboten, Mitarbeitern besteht, aus „internem Marketing“ („Ich bin um 22.45
Uhr an der Bar erst nach fünf Minuten gefragt worden, ob ich
noch ein Bier möchte“) und aus den so genannten kritischen
„Gast-Aktionen“.
?
Tatsächlich ist das Gesamturteil in der Powerpoint–
Präsentation, die der
Tester dem Hotelchef
Joachim Nischler zusammen mit der nicht
bezahlten Hotelrechnung überreicht, bisher immer im grünen
Bereich gewesen. Grün
heißt: 80 bis 100 Prozent
Zufriedenheit,
sehr gute Leistung.
Nach grün, gelb (60 bis
80 Prozent, bitte im
Auge behalten) und rot
(0 bis 60 Prozent, stop, unbedingt Handlungsbedarf)
sind auch die einzelnen Themenfelder im QualityCheck aufgeteilt, der alle Abteilungen im Hause erfasst.
„Hier werden namentlich mit Uhrzeit gewisse Verhaltensweisen und Reaktionen der Mitarbeiter und der Direktion
aufgeführt“, sagt Nischler, der mit den drei Tests im Jahr seine Mannschaft noch besser für die nächste Saison schulen
kann. Nischler: „Es sind oft die Kleinigkeiten, die entscheiden, ob sich ein Gast wohl fühlt oder nicht.“
Diese Kleinigkeiten führt Paul Martin schonungslos in seiner
Dokumentation aus. 300 Fotos hat er in den vier Tagen in Na-
Beispiel 1: „Obwohl ich mich zunächst mit einem anderen Mann telefonisch für das Doppelzimmer angemeldet hatte, waren Badeschuhe für Mann und
Frau in der Suite.“
Beispiel 2: „Ich habe um 22.28 Uhr eine ausgeliehene Nagelfeile zurück gebracht. Obwohl
die Rezeption bis 22.30 Uhr offiziell besetzt sein sollte, nahm sie xx (Name ist
der Redaktion bekannt…) schon in Freizeitkleidung entgegen.“
Beispiel 3: „Kellner xx (Name ist der
Redaktion bekannt….) begrüßte mich
zwar höflich, aber zurückhaltend, als
ich kurz vor Küchenschluss noch in
den Speisesaal kam.“
Beispiel 4: „Als ich mich beschwerte, dass die Pasta nicht
nach meinem Geschmack war,
sagte xx (Name ist der Redaktion bekannt…) nur: oh.“
Beispiel 5: „Der Rückenfit–
Kurs endete schon nach 25
Minuten, obwohl im Termin
klar von 9 Uhr bis 9.30 Uhr
angegeben war.“
„Wir strafen ja keinen Mitarbeiter wegen solcher Dinge ab.
Aber es ist für jeden gut zu
wissen, wie manches Verhalten
bei einem kritischen Gast ankommt“, sagt der
Hotelchef Joachim Nischler, der den Lindenhof gleich drei Mal im Jahr testen lässt. Einmal schickt die Vereinigung Belvita Alpine
Wellness-Hotels einen Mystery Man, einmal
die Dolce Vita-Kette – und einen bestellt Nischler selbst. „Alle 55 Leute bei uns plus unserer Familie wollen, dass sich die Gäste im
Lindenhof wohl fühlen. Deshalb lernen wir
auch gerne, was man noch besser machen
kann“, sagt der Hotelchef, und Paul Martin
sagt: „Glauben Sie bitte ja nicht, dass ich
in meinem Privatleben auch so bin – und um
20.59 Uhr in den Speisesaal gehe. Und um
22.28 Uhr eine Nagelfeile zurückgebe.“
Wie Herr Martin morgen heißen wird, wissen wir nicht. Wir
wissen nur, dass er in ein Hotel eincheckt, in dem es nur bis
20 Uhr Abendessen gibt. „Da werde ich dann nämlich um
19.59 Uhr in den Speisesaal gehen“, lächelt der Mystery Man.
Wann er die Nagelfeile zurückgeben wird, sagt er nicht.
DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG
SEITE 03
SPORT
DER PERSONALCOACH
BODYBUILDING
GEHT
MANCHMAL
AUCH IN DEN
KOPF…
FIT IM
LINDENHOF
Wie Christian Pirpamer sein Leben
veränderte – und warum er heute sagt: Es braucht
keine Vorschriften und keinen Aufwand,
um gesund zu bleiben
Mitten in der Nacht, kurz vor drei, klingelte das Handy. Und Hans aus Hamburg wollte
wissen, was er tun solle. „Ich stehe hier in St. Pauli vor einer Wurstbude – und habe einen Heißhunger auf Currywurst“, erklärte er in verzweifeltem Tonfall. „Ja, Mann, dann iss doch eine.
Oder iss zwei Würste. Oder drei“, antwortete der
Personalchoach aus Naturns, wobei er schwört, er
hätte dem Hans das auch mittags um drei geraten
und es habe nichts damit zu tun gehabt, dass er
aus dem Schlaf gerissen worden sei.
ligen Situation ab. Wie leben sie bisher? Bringen sie
30 Minuten von dem, was er Body-Art und arbeiten
mit dem eigenen Körper nennt, in ihrem täglichen
Lebensrhythmus unter – oder doch nur 15? Und
was ist dabei wichtig für sie? Fettverbrennung?
Rückentherapie? Kräftigung der Muskeln? Beweglichkeit? „Die Menschen haben unterschiedliche
Tagesabläufe“, sagt der 29-Jährige, für den bei seinen Plänen, die er ihnen mit gibt, nur eines wichtig
ist: Er darf sie nicht überfordern, weil sie Spaß an
dem haben sollen, was sie tun. „Der Körper unterscheidet nicht in physischen und psychischen
Stress“, sagt Pirpamer. „Wenn ein Manager nach 16
Stunden Stress am Arbeitsplatz noch meint, er müsse zwei Stunden joggen, überfordert er sich. Dann
ist der Sport nicht mehr gesund.“
Die kleine Geschichte aus dem Leben des Christian Pirpamer zeigt einen Teil der Philosophie
des Lindenhof-Fitnesstrainers: Obwohl unter seinen Klienten natürlich viele Urlauber sind, halten sie Kontakt zu ihm,
Spaß, Lebensfreude, Gesundheit
weil sie ihm vertrauen. Obwohl sie
„Wenn dir ein
– für Chris, wie ihn alle nennen,
schon lange nicht mehr bei ihm
Programm dein
gehört das zusammen. Was bei seitrainieren, denken sie an seine Vorner jungen Vita erstaunlich ist.
gaben, was leicht fällt, weil er sie in
Leben diktiert,
Oder auch nicht.
nichts überfordert. Und obwohl er
läuft was schief“
sagt, dass bei einem ästhetischen
Der Junge aus dem Passeiertal hatte
und gesunden Körper zu 80 ProChristian Pirpamer
nur ein Ziel: Er wollte auf die Bühne
zent die Ernährung ausschlagge– als Bodybuilder. Dem ordnete er
bend sei, will er auch beim Essen
sein Leben unter. Er brach die Schule ab, er trainicht in „Du darfst“ und „Du darfst nicht“ unternierte von morgens bis nachts. Er ernährte sich
scheiden. „Es braucht keine Vorschriften, um genach strengen Regeln, kochte alles vor, nahm es in
sund zu bleiben. Es braucht nicht einmal viel AufKanistern mit, um im vorgeschriebenen Moment so
wand“, sagt der Mann, dem auch ohne Namensund so viel Gramm von diesem oder jenem essen zu
schild jeder den Personalcoach ansieht: groß wie
können. „Wenn ich mal eine Erdbeere zu viel geeine Eiche, kräftig wie ein Bär, bewaffnet mit
gessen hatte, machte ich mir Vorwürfe und konnte
Muskeln an allen einsichtbaren Stellen.
nachts nicht schlafen“, erzählt er. Zu spät merkte er,
dass zumindest er kein Typ für die BodybuilderChristian Pirpamer ist kein Fitnesstrainer der alten
Welt ist, in der ein Muskel an der richtigen Stelle
Schule, der – nach dem Motto „quäl dich, du Sau“
mehr zählt als ein Lächeln für den Mitmenschen im
– seine Klienten den Berg hochscheucht und sie
entscheidenden Moment. Chris bekam Streit mit
Stunden später im Fitnessraum zu kleinen Monseinen Eltern, Kumpels zogen sich zurück von ihm
stern züchtet. Er holt seine Kunden in der jewei-
und irgendwann auch seine Freundin. „Ich konnte
ja nicht mal mit ihr Pizza essen gehen“, sagt er.
Die Erkenntnis, alles falsch gemacht zu haben,
kam spätestens dann, als er dank dubioser Freunde
viel Geld und sein eigenes Fitnessstudio verloren
hatte. „Wenn dir ein Programm dein Leben diktiert und dir sagt, was du wann trainieren und was
du wann essen musst, läuft was gründlich schief“,
weiß er heute. Deshalb vermittelt er seit ein paar
Jahren im Hotel Lindenhof in Naturns den Gästen das, was er nicht hatte: Lebensfreude mit
Sport und Essen. Er erklärt, wie wichtig es ist, auf
seinen Körper zu hören – und fragt in einer Stunde zehn Mal, wie es einem geht. „Ich muss wissen,
wie ein Körper auf diese oder jene Übung reagiert“, sagt der Mann, der jahrelang nicht auf sein
Inneres gehört hat. Er erklärt, wie wichtig richtige Ernährung ist – und sagt, dass er ein Genussmensch geworden sei. „Aber wenn ich etwas genieße, zum Beispiel ein Eis oder Kuchen oder
Wein, sollte ich es nicht jeden Tag essen oder
trinken. Dann genieße ich es ja nicht mehr.“
Bodybuilding hat aus Christian Pirpamer einen
anderen Menschen gemacht. Einen, der für sich
gelernt hat, wie es nicht geht. Und der dadurch
den Gästen im Lindenhof beibringen kann, wie
sie wirklich gesünder und sportlicher leben können. „Ich möchte den Leuten weiter helfen“, sagt
Chris – und lächelt nur, wenn einer als Ziel ausgibt, in einer Woche Urlaub zehn Kilo abnehmen
zu wollen. „Wenn Du nicht nur Deine Kilos, sondern auch Deine Lebensqualität verlieren willst,
schaffen wir das. Aber glaub mir: gesund abnehmen kannst Du nachher auch zu Hause.“
Notfalls ist Christian Pirpamer auch nachts um
drei zu erreichen…
Neben Personalcoach
Christian Pirpamer
bilden Physiotherapeutin/Yogalehrerin
Christine Stiebler und
Wellnesstrainer
Arthur Pircher das
Fitnessteam im
Lindenhof. Sie sind
alle darin ausgebildet, den Kursteilnehmern auf sanfte oder
energische Weise
Spaß an der Bewe–
gung zu vermitteln.
Eine gesunde
Körperhaltung und
Wohlbefinden stehen
im Mittelpunkt der
verschiedenen Kurse
wie Aquafitness,
Body Styling, Yoga,
Trampolin, Rückenfitness usw. Sie werden
im Hotel täglich
kostenlos angeboten.
Die Übungseinheiten
werden durch das
Saunateam mit
täglichen Themenaufgüssen ergänzt.
Um auf die individuellen Wünsche und
Ziele der Gäste
eingehen zu können,
bietet Christian
Pirpamer auch
Privatstunden an.
Christian Pirpamer
hat schon mit 17
Jahren in Kaltern
sein eigenes
Fitnessstudio
geleitet. Seit knapp
zehn Jahren ist der
heute 29-Jährige als
freier Mitarbeiter im
Hotel Lindenhof als
Fitnesstrainer tätig,
zusätzlich können
ihn Gäste als
Personalcoach
buchen. Nach seiner
Bodybuilder-Karriere
hat er viel Geld und
Zeit in Kurse
investiert, die in
seine eigene
Sportphilosophie
passten. Er hat sich
unter anderem zum
Ernährungsberater,
zum Instructor Body
Art, zum Pilates-und
Yoga-Experten und
zum professionellen
Personalcoach
ausbilden lassen. Er
besitzt den B–Schein
für Fitnesstrainer.
SERVICE
DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG
DER MANN FÜR ALLE FÄLLE
WIE CARLETTO ZUM
„MISTER LINDENHOF“ WURDE
Karl Trenkwalder ist mit dem Hotelchef
durchs Leben gewandert – und arbeitet seit 24 Jahren im Viersterne S-Hotel
Abteilungsleitersitzung mit dem Direktor. „Maros, ich muss den Garten heute fertig machen. Gehst Du
für mich?“
Vorgespräche zur Mitarbeiterschulung mit dem Direktor.
„Heute kann ich nicht. In der Garage bröckelt der Putz.“
Erste Gespräche wegen des Umbaus mit dem Direktor.
„Wenn ich den Rasen jetzt nicht mähe, ist es zu spät.
Nachher regnet es.“
Der Direktor Joachim Nischler kennt alle Ausreden seines Abteilungsleiters – und akzeptiert sie lächelnd. Denn
Karl Trenkwalder ist ein Hausmeister des alten Schlags.
„Ich werde fürs Arbeiten bezahlt, nicht fürs Reden“, sagt
der Chef des Facility Managements im Viersterne S-Hotel Lindenhof. „Des was?“, fragt der Naturnser und schaut
so spitzbübisch, dass man sofort merkt, veräppelt worden
zu sein.
Seit 24 Jahren arbeitet Carletto, wie ihn alle nennen, bei
der Familie Nischler. Job mit Familienanschluss sozusagen. Denn Joachim Nischler behauptet gar, dass er seinen
Freund Trenkwalder erst „lebensfähig“ gemacht habe.
Beide sind Jahrgang 69, sie sind zusammen in Naturns
aufgewachsen, gemeinsam in den Kindergarten gegangen
und haben in der Volksschule in der gleichen Klasse gelernt. „Ich habe ihm bei uns im Hotelpool schwimmen
beigebracht. Ich habe ihn mit unserem Fiat Panda Fahrunterricht gegeben und bin bei seiner Fahrweise auf den
Fahrten nach Laas zig Tode gestorben – und er hat durch
mich endlich mal Frauen kennengelernt“, behauptet Joachim Nischler. Einer wie Carletto lässt ihn halt reden.
Es ist tatsächlich eine besondere Beziehung, die Karl
Trenkwalder mit dem Lindenhof verbindet. Sein Onkel
Karl, vor ihm der Hausmeister im Hotel, war einst mit
dem Seniorchef Werner Nischler groß geworden, beide
werden dieses Jahr 75. Karl der Zweite, den sie dann Carletto nannten, ist 46 – wie Joachim Nischler. Und Carletto wurde der Nachfolger seines Onkels. „Er hat damals
Hilfe gebraucht, dann habe ich den Job in der Fabrik aufgegeben. Gottseidank“, sagt er, und das nicht nur, weil er
im Hotel seine große Liebe kennengelernt hat: Hilde Pircher ist stellvertretende Gouvernante im Hotel.
Seit 24 Jahren ist Trenkwalder jetzt im Lindenhof der
Mann für alle Fälle. „Am Anfang habe ich sogar noch
draußen im Garten Bier gezapft, wenn der Seniorchef mit
seinen Gästen von der Wanderung zurückgekommen ist“,
erzählt er. Das Hotel war kleiner, die Mitarbeiter weniger
– und mit den Urlaubern, die zum Wandern kamen, waren alle auf du und du. „Es war eine andere Zeit“, sagt
Carletto, aber dass sie schöner war, will er nicht sagen. Er
ist irgendwie auch stolz darauf, was sein Freund Joachim
bis heute geschaffen hat, er ist stolz auf den verantwortungsvollen Job, der ihn ausfüllt – und auch auf seine zwei
Mitarbeiter, die er einmal eingestellt hat: mit den slowakischen Brüdern Maros und Michal Arvay, die jetzt auch
schon über zehn Jahre im Lindenhof arbeiten, hat er das
große Haus mit den vielen Gästen im Griff. „Ich glaube,
für uns drei ist das ein Traumjob. Er ist vielseitig, wir ver-
Und was machen wir
als nächstes? Karl
Trenkwalder (rechts)
mit Maros und Michal
Arvay (von links)
stehen uns glänzend, und wir arbeiten draußen und drinnen. Wo gibt’s das sonst noch“, sagt Karl Trenkwalder.
Der Mann, der eigentlich Mechaniker werden wollte, behauptet, rundherum glücklich und zufrieden zu sein. Zumindest, wenn er nicht so viel reden muss.
Was sein Aufgabengebiet alles umfasst? „Ja, alles halt“,
sagt er – und ist froh, dass er nach einem Blick auf die Uhr
das ungeliebte Interview abbrechen kann. „Wir haben
Abteilungsleitersitzung“, sagt er und verabschiedet sich
schnell. Man hört noch zufällig, wie er hinter der Tür
nach Maros ruft. „Ich muss nach der Dachrinne schauen.
Maros soll zu dieser Sitzung da gehen.“
Karl Trenkwalder wohnt mit seiner Lebensgefährtin
Hilde Pircher in Tschirland, einem Ortsteil von Naturns. Dort
ist er nicht der „Hausmeister“. „Der Garten ist Hildes
Aufgabe“, sagt der 46-Jährige, dessen großes Hobby der
Fußball ist. Er hat früher selbst in Naturns gespielt – und ist
heute leidenschaftlicher Anhänger von Juventus Turin.
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DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG
SEITE 05
SERVICE
Lindenhof in Naturns. Eine „Gouvernante“, einst Erzieherin von Kindern des Hochadels, ist heute im Hotel die
Frau für alle Fälle. Sie ist die Chefin der Zimmermädchen, ist für die Wäscherei verantwortlich, sie hat dafür
zu sorgen, dass es überall im Hause sauber ist und
einladend aussieht. Und täglich, sagt sie, fallen ihrem Hotelchef Joachim Nischler neue Aufgaben für sie ein. Und
den Gästen auch. „Es kommt schon mal vor, dass man
Pampers kaufen oder den Lottoschein abgeben muss.“
Den schwierigsten Teil der Gouvernanten-Aufgabe kann
aber wohl nur eine Multikulti-Frau wie Anja Scheer lösen:
Die Mehrzahl ihrer Zimmermädchen kommen aus Ungarn, der Slowakei, Thailand und den Philippinen. „Da
musst du verschiedenste Nationen und unterschiedliche
Charaktere unter einen Hut bringen“, sagt sie – und das,
obwohl viele kaum der deutschen Sprache mächtig sind.
Fußballtrainer kennen das auch – und wissen, wie schwierig es ist, eine Truppe aus verschiedenen Ländern zu motivieren. „Wir versuchen das mit Schulungen vor der Saison und einem Drehbuch, das ihnen genau aufzeigt, was
wir von ihnen erwarten“, sagt die „Gouvernante“, die ihren Mädchen allerdings aus eigener Erfahrung gleich in
den ersten Tagen nach der Ankunft eines auf den Weg
gibt: „Lernt deutsch. Nur so könnt ihr hier bestehen.“
Wir werten es mal als Notlüge. Schließlich haben sie damit den wichtigsten Sprachtest noch nicht bestanden:
„Wos tuat obr a des blond Schtodtweibez ba inz do?“
Dieser ständige
Stress...: Ildiko, Hilde,
Miriam, Anja, Terezia,
Erika, Adele und
Veronika (von links)
Auf thailändisch heißt das übrigens:
Es könnte für Anja Scheer ja mal wichtig sein…
EINE FRAU FÜR ALLE FÄLLE
DIE SCHNALSERIN
AUS BAD HERSFELD
Seit 15 Jahren lebt die „Gouvernante“ Anja Scheer multikulti im Schnalstal. Die
Deutsche muss sich mit den Einheimischen genauso verständigen wie im Lindenhof mit
Zimmermädchen aus Thailand, Ungarn, der Slowakei und den Philippinen
Irgendwie sind für eine Deutsche Menschen aus
dem Schnalstal und von den Philippinen in einem Punkt
ziemlich ähnlich: „Wenn du sie zum ersten Mal reden
hörst, verstehst du nix“, sagt die Hessin aus Bad Hersfeld,
die in Unser Frau lebt und in Naturns mit Philippinis arbeitet. Und mit Thais, mit Ungarn, mit Slowaken.
Willkommen in der Multikulti-Welt der Anja Scheer.
„Wos tuat obr a des blond Schtodtweibez ba inz do“, fragten
sich vor 15 Jahren vor allem die einheimischen Frauen im
Schnalstal. Zur Jahrtausendwende war die Globetrotterin
aus Deutschland eher zufällig ins Skigebiet nach Kurzras
auf 2011 Meter gekommen. Und weil sie im ersten Jahr
nichts verstand, ist sie geblieben. Sie hat als gelernte Hotelfachfrau einen Job in der Hotellerie gefunden und einen
Skilehrer als Ehemann. „Das zeigt wieder, dass es manchmal doch gut ist, wenn man nicht alles versteht“, sagt Anja
Scheer, die inzwischen auf 511 Höhenmeter weiter unten im
eigenen Haus in Unser Frau lebt. Mit Ehemann und Zwillingen, 12 Jahre alt. „Wir haben uns geeinigt: die Einheimischen reden schnalserisch, ich antworte hochdeutsch.“
Es ist ein außergewöhnliches Leben, das die außergewöhnliche Frau bis zu ihrer plötzlichen Sesshaftigkeit in
Südtirol geführt hat. Mit 15 ist sie zu Hause ausgezogen
– und weil sie nur eine Lehrstelle bei einem Kürschner
bekam, hat sie gelernt, wie man aus Tierfellen Kleidung
macht. „Das war nicht mein Ding, aber ich musste ja ein
bisschen Geld verdienen“, erzählt sie heute. Ihr Ding:
Menschen kennenlernen, andere Länder sehen, andere
Kulturen begreifen. So zog es sie nach Sardinien, wo eine
Aushilfskraft für die Bar gesucht wurde und wo sie sich
über zwei Konsequenzen schnell klar wurde. Sie musste
Sprachen lernen – und sie wollte im Hotelgewerbe bleiben. Die weiteren Stationen: Hotelfachschule Bad Hersfeld, wieder Sardinien, Deutschland, Südtirol, Spanien.
Ende der 90er Jahre führte sie gar mit ihrem damaligen
Freund ein kleines Restaurant in der Nähe von Malaga.
„Ich habe nie gefragt, was morgen ist. Ich habe immer nur
den Tag gelebt“, sagt sie.
Heute kommen der großen, blonden Frau ihre vielfältigen
Erfahrungen mit unterschiedlichsten Menschen zugute.
Seit drei Jahren arbeitet sie als „Gouvernante“ im Hotel
Anja Scheer fährt jeden Tag vom Schnalstal,
wo sie wohnt, nach Naturns, wo sie arbeitet. „Das
ist nur dann kein Vergnügen, wenn es schneit“,
sagt die 47-jährige Mutter der Zwillinge Emely
und Robin (12Jahre alt). Als „Gouvernante“ führt
sie seit drei Jahren sozusagen den Haushalt im
Hotel Lindenhof – und ist Chefin der Zimmer­
mädchen. Ihr liebstes Hobby ist das Skifahren
– kein Wunder, hat sie doch vor 15 Jahren den
Skilehrer Hannes Laterner geheiratet.
NATURNS
DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG
HIER BIN ICH GEBOREN, HIER BIN ICH ZU HAUSE
EMMAS
WELT
Die Nischler-Tochter lebt dort, wo andere Urlaub
machen – und sie ist stolz darauf
So können nur doofe Städter fragen.
Wird es Dir hier eigentlich nie langweilig? Es ist
doch nichts los in Naturns.
„Langweilig?“, sagt sie – und schaut fragend zurück. „Warum denn?“
Hast Du nie überlegt, ob Du in Mailand oder Hamburg oder Zürich mehr Möglichkeiten hättest?
„Was für Möglichkeiten denn?“, sagt sie – und wäre
sie nicht so wohl erzogen, würde sie sicher an dieser
Stelle das Gespräch abbrechen.
Was ist denn das Besondere, das Dich hier hält –
außer Familie und Freunden?
Sie schüttelt den Kopf, ohne dass sie ihn vor dem
Betrachter bewegt, und denkt offensichtlich darüber
nach, ob sie dem alten Typen jetzt tatsächlich erklären soll, was Leben heißt und wie leben richtig geht.
„Die Natur“, sagt sie. „Ich brauche die Natur.“ Sie
sagt es so, als ob ihr klar wäre, dass der andere nicht
verstehen würde, was sie meint. Städter halt.
Emma Nischler lebt seit 19 Jahren in Naturns. Sie
ist in der 5000-Seelen-Gemeinde geboren, sie ist
ein paar Meter weiter weg von dem Hotel ihrer Eltern in den Kindergarten gegangen, in die Grundschule. Sie hat sich früher auf den zwei Spielplätzen
an der Etsch mit ihren Freundinnen verabredet,
heute weiß sie genau, wann sie wen zu welcher
Uhrzeit im Tschirlander Hof und wann und wen
sie zu welcher Uhrzeit in der Bar San Zeno in der
Bahnhofstraße trifft. Jeder kennt jeden, alle wissen
alles. „Manchmal erzählt man sich im Ort schon,
dass die oder jene schwanger ist – noch vor es die
Frau selbst weiß“, sagt die Hoteliers-Tochter, und
selbst dieser Dorfklatsch klingt bei ihr so, als ob sie
ihn nicht missen wollte. So wenig wie die Berge, so
wenig wie die Tiere, so wenig wie die Ruhe, so wenig wie die Idylle. „Gestern war ich mit meinem
Freund auf der Mausloch-Alm. Dieser Blick ist einfach grandios.“ Ihre Augen leuchten.
Die Welt der Emma Nischler liegt dort, wo andere
acht Tage Urlaub machen. Auf 554 Metern Höhe,
mit 315 Sonnentagen im Jahr. „Ich glaube, es ist ein
Privileg, hier leben zu dürfen“, sagt die 19-Jährige,
die gerade das Abitur hinter sich gebracht hat und
sich vielleicht jetzt doch für zwei oder drei Jahre
von ihrer Heimatgemeinde verabschieden muss.
Sie will Kunst studieren – und das geht nur in großen Städten mit Kunstakademien. „Neulich habe ich
die in Mailand angeschaut. Ganz ehrlich: ich habe
dort sofort Kopfweh bekommen.“ Dieser Krach,
dieses Chaos, dieser Verkehr, diese Anonymität –
das ist nichts für die Tochter einer Mailänderin.
Und selbst ihre Mutter, die sie begleitet hat, hat kapituliert. „Wenn man erst mal Naturns gewöhnt
ist…“, sagt Lorella Lorenza Longhitano. Wahrscheinlich wird sich Emma Nischler in Verona einschreiben, das ist übersichtlicher – und sie ist
schneller wieder in ihrer Heimat.
Mit 19 weiß sie noch nicht so genau, wohin die Reise
gehen wird. Sie studiert jetzt erst mal Kunst, weil sie
seit ihrem 11. Lebensjahr Geige spielt und eine
Stimmausbildung gemacht hat – und sich für Bilder
bzw. Klassik interessiert. Vielleicht aber wird sie
auch irgendwann den Weg ins Hotel finden wie ihre
Schwester Chiara, die sich dafür schon entschieden
hat. „Wir sind beide im Hotel aufgewachsen. Es
macht auch Spaß, sich mit Gästen zu unterhalten“,
sagt die Künstlerin Emma Nischler.
Es kommen Hamburger, Mailänder, Züricher in
den Lindenhof. Sie erzählen von ihrem Zuhause.
Und Emma hört immer aufmerksam zu. So ist sie –
vielleicht im Gegensatz zu Freundinnen, die auf den
Bauernhöfen leben – weltoffen geblieben. Sie hört
gerne Geschichten aus Hamburg, Mailand oder Zürich. Aber am liebsten hört sie die in Naturns. Und
dass der Hamburger, Mailänder, Züricher ihre Geschichten nicht immer versteht, erkennt sie nicht
nur an dem Schreiber dieser Zeilen. Sondern auch
an den Urlaubern, die ganz entzückt den Fotoapparat suchen, wenn die Marketenderin der Musikkapelle Naturns ihre Meran-Tracht angezogen hat.
„Für mich ist das normal, für die Gäste nicht“, sagt
Emma Nischler, die ihren großen Auftritt auf der
Freilichtbühne zwischen Kindergarten und Rathaus
hatte. I will always love you, hat die damals 18-Jährige vor all den Touristen gesungen.
Es galt sicher ihrem Freund, aber ein bisschen auch
Naturns.
„Mein Freund hat mir am Sonntag eine Stelle im
Wald gezeigt und gesagt: um 19 Uhr kommen die
Rehe. Und um 19 Uhr ist ein ganzes Rudel voller
Rehe gekommen.“
Natur pur. Emma Nischler hat ihr Glück gefunden. Da kann der Städter fragen, wie er will. Sogar
der Freund ist ein richtiger Naturbursche.
Emma Nischler hat gerade am Pädagogischen
Gymnasium in Meran mit Fachrichtung Musik ihr
Abitur absolviert. Noch in diesem Jahr will die
19-Jährige ein Kunststudium beginnen. Ihre Eltern,
Lorella Lorenza Longhitano und Joachim Nischler,
unterstützen ihre Pläne. Ihre Schwester Chiara
hat sich bereits entschieden, im Hotelbetrieb einzu­
steigen. „Es ist schön, eine Tochter mit künstlerischer
Begabung und eine mit organisatorischem Talent
zu haben“, sagt Joachim Nischler.
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DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG
NATURNS
Ihr Lieblingsplatz, sagt Emma
Nischler, sei bei ihr zu Hause in
ihrem Zimmer. Weit und breit sehe
sie kein Haus – nur die Natur. Berge,
Obstbäume. Allerdings: dieser
Bereich ist unter Ausschluss der
Öffentlichkeit. Aber die 19-Jährige
hat auch Tipps für jedermann.
SCHÖNSTE
AUSSICHTEN
Ganz in der Nähe von unserem Haus
oberhalb von Tschirland kommt man zum
Naturlehrpfad „Gsindboden“. Dort, oberhalb
der „Waldschenke“, soll früher auf einer
Waldlichtung am Nörderberg das Gesinde
der umliegenden Bauernhöfe Teufeleien
betrieben haben. Heute trifft man da auf
675 Metern Höhe anderes „Gesinde“ – zum
Beispiel meinen Vater beim Joggen.
Manchmal will ich auch ganz hoch hinaus.
Dann fahre ich auf der anderen Seite von
Naturns mit der Seilbahn Unterstell auf
1300 Meter am Sonnenberg hoch. Von dort
müssen Sie ja nicht gleich die 90 Kilometer
auf dem Meraner Höhenweg wandern, es
reichen zehn Minuten zu einer gigantischen
Aussichtsplattform, auf der ich mich
manchmal wie im Himmel fühle. Einen
solchen Blick hat man nur von ganz oben…
BESONDERER
SPAZIERGANG
Für Emma Nischler
ist Naturns die große
Bühne: Hier in der
Urlaubsidylle ist
die Hotelierstochter
zu Hause
Zwei Stunden in einer ganz anderen Welt –
so fühle ich mich auf dem Jesus-Besin­
nungsweg. Sie müssen nicht religiös sein,
aber beeindruckend sind die 15 Stationen
schon, die am Fuße des Nörderbergs auf
214 Metern Höhe die wichtigsten Ereignisse
aus dem Leben Jesus dokumentieren.
Wenn ich abtauchen will, gehe ich da hin,
weil ich auch im Hochsommer im Schatten
die Seele baumeln lassen kann. Und
auch die Füße – in einem Bach. Oberhalb
des Sportplatzes Naturns am Ende
der Bahnhofstraße geht die „Auszeit“ los.
BESTE EINKAUFSMÖGLICHKEITEN
Wally Albers Modehaus könnte auch in
Mailand stehen. Ich bin froh, dass es in der
Bahnhofstraße in Naturns steht. Und ich bin
froh, dass ich Gäste nicht nach Meran zum
Einkaufen schicken muss, sondern guten
Gewissens Mode Alber und auch Mode Sport
Schgör in Naturns empfehlen kann. Wally
Alber bietet sehr exklusiv in unserer Gegend
Mode von Cucinelli an, bei uns in Italien
inzwischen so eine Nummer wie Armani.
Wally Alber hat als Erste an Brunello
Cucinelli geglaubt, als der noch selbst im
kleinen Fiat die Modehäuser mit seinen
Wollpullovern abklapperte. Was er heute
fährt, weiß ich nicht. Aber er hat auch im
Mode-Olymp mit seinen hochwertigsten
Kaschmir-Pullovern die Frau nicht verges­
sen, die von Anfang an an ihn geglaubt hat:
Wally Alber aus dem kleinen Naturns.
Und noch ein Laden in Naturns gefällt mir
ausgesprochen gut: Bei Papier-Hanny an der
Hauptstraße habe ich schon als Kind
stundenlang gestöbert, weil es dort einfach
alles gibt: Schreibwaren für die Schule,
Bücher, Kosmetik, Porzellan.
Ein Wunderladen.
Alber-Mode, Bahnhofstraße 22 (Foto)
Mode Sport Schgör, Bahnhofstraße 11
Papier Hanny, Hauptstraße 12
INTERESSANTE
LOKALITÄTEN
Vielleicht können Sie ja verstehen, dass
selbst ich nicht jeden Abend die Lindenhof–
Küche genießen will. Andreas Pircher, bitte
verzeih mir! Aber: wenn ich Lust auf
Kleinigkeiten habe oder nur Freunde zum
Reden und Trinken treffen will, gehe ich in
den Tschirlander Hof oder in die San Zeno
Bar. Und wenn mich mein Vater mal
ausnahmsweise außerhalb des Hotels
einlädt, freue ich mich auch auf die
Sterneküche im Restaurant „Kuppelrain“ in
Kastelbell. Sollten Sie trotz Dreiviertel-Pen­
sion im Lindenhof mal was anderes
ausprobieren wollen: Die Familie Trafoier hat
ihr Gourmetrestaurant auch mittags als
Bistro mit kleineren Köstlichkeiten geöffnet.
Wenn Sie mein Vater am Nebentisch nicht
stört, ist es einen kulinarischer Ausflug wert.
Er ist nämlich oft dort, weil die Frau des
Hauses ihm früher als Kindermädchen die
Windeln gewechselt hat. Man ist halt auch
im Alter noch anhänglich…
Sterne-Restaurant Kuppelrain,
Bahnhofstraße 16 in Kastelbell
Tschirlander Hof, Tschirland 75
San Zeno Bar, Bahnhofstraße in Naturns
GOURMET
DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG
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UNSERE WINZER
Viele Jahre dominierte
der Obstbau im Vinschgau. Doch immer
mehr erkennen die
Landwirte, dass ihre
Zukunft im Weinanbau
liegt. „Die Voraussetzungen hier sind dank
der Landschaft und der
Wetterbedingungen
geradezu ideal“, sagt
auch der Weinkenner
und Lindenhof­-Chef
Joachim Nischler, der
seinen Gästen immer
wieder Ausflüge zu den
Weingütern Südtirols
anbietet und vom
8. bis 15. November im
Lindenhof eine „Weinwoche“ präsentiert quasi
zum Abschluss der
Gourmettage. Heute
stellt er vier Winzer aus
der Gegend von Naturns vor. Vier verschiedene Charaktere, die
durch ihren Wein und
ein besonderes Leben
von sich reden machen.
MARINUSHOF
Sabrina und Heiner Pohl haben
ein abgeschlossenes Wirt­
schaftsstudium und mehrere
Jahre bei Großunternehmen in
der Industrie gearbeitet. 2004
entschlossen sie sich zu einem
neuen Leben – als moderne
„Bauersleut“. Zehn Jahre
später steht für die Eltern von
inzwischen vier Kindern fest:
„In der hektischen Industrie­
welt ist die Zeit das Maß aller
Dinge. In der Landwirtschaft
bestimmt die Natur den Rhyth­
mus.“ Fünf Weinberge auf
1,8 Hektar in arbeitsintensiver
Lage gilt es zu pflegen. Blau­
burgunder, Zweigelt, Riesling
und Grauburgunder füllt Heiner
bei Andreas Menz in Marling
ab. „Wir machen pro Jahr
10.000 Flaschen, ich denke
mal, ab 15.000 Flaschen würde
sich eine eigene Weinkellerei
lohnen“, sagt Pohl, dessen
Edelbrände schon mehrfach
ausgezeichnet worden sind.
Franz Pratzner (links)
und Joachim Nischler:
gemeinsame Ziele
vor der Burg
Weingut Marinushof
Kastelbell, Alte Straße 9
Familie Pohl
Telefon: 0039 0473 624717
FALKENSTEIN
KÜNSTLER FRANZ
Mit Nischler-Trauben soll der Naturnser Winzer einen
der besten Blauburgunder im Vinschgau kreieren
Irgendwann war Franz Pratzner
klar: „Entweder ich mache es richtig oder
gar nicht“, sagte sich der Landwirt – und investierte in den Weinanbau. Seit 1995 produziert und vermarktet er selbst, 2003 hat er
eine der modernsten Produktionen gebaut
– sowohl von der Architektur her als auch
von der Technik. 2008 fügte sein Bruder ein
weiteres Haus mit Pensions-Zimmern und
Restaurant plus Holzfasskeller dazu. Auf
zehn Hektar baut Franz Pratzner inzwischen am Sonnenberg oberhalb Naturns
seine Reben in idealer Lage an: viel Sonne
am Tag und kühle Nächte sorgen für beste
Trauben – vor allem für den Riesling, Weißburgunder, den Gewürztraminer und den
Blauburgunder. Und zusammen mit Franz
freuen wir uns im Lindenhof schon auf einen ganz besonderen Blauburgunder. Uns
gehören nämlich am gleichen Berg oben an
unserer Burg 3.500 Quadratmeter Anbaufläche, die wir auf Lebzeit Franz Pratzner
verpachtet haben. Er und ich haben jetzt ein
gemeinsames großes Ziel: Hier soll einer
der besten Blauburgunder im Vinschgau
entstehen.
60.000 Flaschen Wein füllt das Weingut
Falkenstein schon heute pro Jahr ab – und
vor allem der Riesling ist mehrfach preisgekrönt (unter anderem mit dem Gambero
Rosso) und gilt als einer der besten in Italien. „Der Riesling macht bei uns inzwischen auch 50 Prozent aus“, sagt Pratzner,
der als bodenständiger Winzer gilt und vor
allem auf die Originalität seiner Weine achtet. Und der mit seiner Handwerkskunst be-
weist, dass auch im Vinschgau ansprechende
Rotweine entstehen können. Sein Blauburgunder ist überall angesehen – übrigens
ebenso wie seine sortenreinen Grappas und
Edelsteinbrände. Für ihn hat sich der durchaus riskante Umstieg von Obst- auf Weinbau auf jeden Fall gelohnt, schon ohne unseren gemeinsamen Blauburgunder…
Selbstverständlich bietet die Familie Pratzner in ihrem Restaurant zu den eigenen
Weinen auch die typischen Südtiroler Spezialitäten an. Was sich da mehr lohnt, ist
schwer zu sagen: Der Wein? Das Essen? Die
Aussicht?
Weingut Falkenstein
Naturns, Schlossweg 19
Familie Franz Pratzner
Telefon: 0039 0473 666054
HIMMELREICH
Der Wein vom HimmelreichHof hat sich bereits einen
Namen gemacht. Das liegt
auch daran, dass die Familie
Fliri durch intensive Handarbeit
alles versucht, um das Beste
aus den Trauben heraus zu
holen. 18.000 Flaschen werden
jährlich abgefüllt – doch das
intensivste Erlebnis haben
die Weintrinker vor Ort. Denn
im Himmelreich-Hof gibt es
zum sauren Rindfleisch, der
Gerstsuppe, dem Speckknödel
oder der Himmelreicher Brettl­
marende mit heißen Kartoffeln
Wein direkt aus den Fässern.
Weingut: Himmelreich-Hof
Kastelbell–Tschars, Klostergasse 15/A, Familie Markus Fliri
Telefon: 0039 0473 624417
UNTERORTL – JUVAL
Der Besitzer ist Bergsteiger.
Und was für einer. Da wundert
es keinen, dass Reinhold Mess­
ner auch auf seinem Wein­
baugebiet das Pächterehepaar
Aurich klettern lässt. Steillage
nennt sich die 4 Hektar-Fläche
mit einem Höhenunterschied
von 250 Metern unterhalb des
Schlosses Juval. Oben wird
der Weiß- und Blauburgunder
geerntet, unten der Riesling.
Und auch die Hofbrennerei
liefert außergewöhnliche
Obstbrände. Zum Beispiel den
Palabirnenbrand. Um die be­
sondere Birnensorte zu ernten,
rückt jedes Jahr die Freiwillige
Feuerwehr Glurns aus und
steigt mit der Drehleiter auf die
alten Hochstammbäume.
Weingut Unterortl
Juval 1B, Kastelbell
Familie Aurich
Telefon: 0039 0473 667 580
DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG
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GOURMET
DANIEL ALBRECHT UND SEIN ÜBERLEBENSPLAN
„WENN DU
KEINE FRAU KRIEGST,
MUSST DU
KOCHEN KÖNNEN“
Der 21-Jährige gilt als hoffnungsvoller Jungkoch –
und beweist sein Talent täglich bei den Vorspeisen
Die Schattenseiten in den Berufen
des Gastgewerbes hat Daniel Albrecht im
eigenen Elternhaus erlebt: Mutter und Vater arbeiten in Hotels. „Da hast du kaum
Freizeit. Und wenn, dann haben die anderen keine“, sagte die Mutter. „Tu dir das
nicht an. Werde auf keinen Fall Koch“,
sagte der Vater, der seit Jahren im Hotel
Edelweiß in Töll als Küchenchef arbeitet.
die Teigwaren, das Risotto. Hors d’oeuvrier
ist die offizielle Bezeichnung – und Albrecht
ist stolz darauf. „Ich habe relativ schnell was
erreicht – aber ich bin noch lange nicht am
Ende“, sagt er. Kein Zweifel: der Mann hat
noch Ziele. „Ich werde Weiterbildungen
machen, ich werde schauen, wie andere Köche arbeiten, und irgendwann will ich auch
mal Küchenchef sein.“
Doch wie das für einen jungen Mann so ist:
er hört nicht auf seine Eltern.
Die Karriere des Landwirts steht offensichtlich erst mal hinten an. Und das ist
auch gut so. „Daniel ist ein großes Talent“,
sagt der Chefkoch Andreas Pircher – und
lässt ihm meist freien Lauf. So kann er mit
seiner ganzen künstlerischen Kreativität
und der Unterstützung seiner Kollegen
neue Rezepte kreieren. Das, so erzählt er,
macht ihm richtig Spaß. Und so servieren
die Kellner den Gästen schon mal ein
Cremesüppchen vom Muskatkürbis mit
Amaretto, Chilibandnudeln mit Büffelmozzarella oder einen soufflierten Kräuterknödel mit mariniertem Löwenzahn und Speck.
„Ich versuche, mir immer mal wieder etwas
Neues einfallen zu lassen“, sagt er.
Daniel Albrecht hörte auf seinen Onkel.
Der ist Landwirt – und Daniel erzählt, welchen Spaß er früher hatte, wenn er ihm
beim Obstbau helfen konnte. „Mein
Traumberuf war immer Landwirt“, sagt er.
Bis zu dem Tag, als ihm sein Onkel einen
guten Rat gab: „Du weißt doch nie, ob Du
eine Frau im Leben kriegst. Und wenn Du
keine kriegst, musst Du kochen können, um
zu überleben. Also: lerne Koch – Landwirt
kannst Du immer noch werden.“
Jetzt ist der junge Mann aus Naturns seit
vier Jahren im Gastgewerbe, erst als Lehrling in Rabland, später als Koch im Lindenhof. Heute ist er im Viersterne S-Hotel für
die Vorspeisen zuständig, für die Suppe, für
Auch Daniel Albrecht weiß: gerade in Südtirol ist die Konkurrenz groß. Viele junge
Menschen lernen den Kochberuf und träumen von der großen Karriere. Die Fernseh-
kochs sind das große Beispiel. Allerdings
nicht für den 21-jährigen Lindenhof-Nachwuchs. „Das könnte ich nie“, sagt er. Er wolle
alles, nur nicht im Rampenlicht stehen. „Mir
zittern ja schon die Hände, wenn ich mal
beim Frühstück in unserer Showküche stehen muss. Nein, das kann ich nicht brauchen,
dass mir einer beim Kochen zuschaut.“
Einen Tag in der Woche hat der junge Mann
frei. Ansonsten arbeitet er von acht bis 13.30
Uhr und von 17 bis 22 Uhr. Jeden Tag, jeden
Abend. „Ich glaube, diese Arbeitszeiten sind
auch ein Grund dafür, dass wir zwar in der
Schule viele Frauen hatten, die Köchin werden wollten, dass aber nachher kaum noch
ein weibliches Wesen in einer großen Küche
zu finden ist“, sagt Daniel Albrecht. Auch er
hat Probleme mit diesem Pensum, fallen
doch viele Feste mit Freunden – gerade am
Wochenende – aus. Aber: „Was glauben Sie,
was mein Vater sagen würde, wenn ich mich
jetzt darüber beschweren würde?“
Also beschwert er sich nicht. Und kocht
weiter. Erstens, weil es ihm richtig Spaß
macht, und zweitens, weil er ja keine Zeit
hat, die richtige Frau fürs Leben zu finden.
„Mein Onkel hatte schon recht: Landwirt
kann ich immer noch werden“, sagt Daniel
Albrecht und lacht.
Viele mögen italienische Pasta. Aber:
wie macht man den Eiernudelteig, den man
für jegliche Pasta-Art verwenden kann?
Daniel klärt auf: Menge/kg: etwa 0,7
Zutaten:
– 250g Hartweizenmehl
– 250g Weizenmehl
– 200g Vollei (4St.)
– 10ml Olivenöl
– Evtl. etwas Wasser
Zubereitung:
– Beide Mehlsorten vermischen
– Eier mit Olivenöl verrühren
– Alle Zutaten zu einem festen Teig kneten
– Den Teig in Folie wickeln und 30 Min.
rasten lassen
Bei sofortiger Verwendung können Sie den
Teig schon bei der Zubereitung salzen.
GOURMET
DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG
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GAST­–ANSICHTEN
BITTE RECHT
FREUNDLICH
Die Älteren unter uns, die – was man sich
heute kaum noch vorzustellen vermag – ohne
Selfies das Licht der Welt erblickt haben,
erinnern sich vielleicht an die so genannten
Porträt-Fotografen. Die haben, ganz ohne
Handy oder Tablets, andere Menschen
abgelichtet, indem sie hinter einem riesigen
Apparat verschwunden sind und den eigenen
Kopf noch mit einem großen schwarzen Tuch
versteckt haben, als ob sie sich für das, was
sie vom Kunden verlangten, schämten. „Bitte
recht freundlich“, haben sie uns dann
zugerufen – und wenn wir nicht gerade
unter den Angela-Merkel-Mundwinkeln zu
leiden hatten, ist uns das auch für diesen
Moment gelungen. Für zehn Sekunden,
manche haben es gar in der Hektik des Alltags
auf 25 Sekunden gebracht.
ANDREAS PIRCHER
NUR GESUNDES ESSEN
IST GOURMETESSEN
Der Lindenhof-Chefkoch hat sich zum diplomierten Diätkoch ausbilden
lassen – und gibt die Devise aus: gesund genießen
Bitte recht freundlich.
Es grenzt an ein Wunder, dass es im Jahre 2015
einen Flecken auf dieser Welt gibt, an dem 61
Menschen 24 Stunden non-stop zu lächeln
scheinen. Morgens, mittags, abends. Immer
recht freundlich. Ohne dass sich ein Fotograf
hinter einem Tuch versteckt hätte, ohne dass
irgendwo eine dieser hochmodischen Selfie–
Stangen mit dem iphone ausgefahren wäre.
Das Haus des Lächelns steht in Naturns,
Kirchweg 2.
Terezia lächelt morgens um neun, wenn
der Gast wieder einmal für Überschwemmung
im Bad gesorgt hat. Jenny lächelt um zehn,
wenn die kleine Anna zum dritten Mal
ihren Kakao auf dem Tischtuch verschüttet.
Deborah lächelt um zwölf, wenn der Urlauber
sich beschwert, dass die Sonne zu sehr
scheint, Martin lächelt um 15 Uhr, wenn der
Wanderer sich darüber mokiert, dass oben am
Gipfel der Wind doch ziemlich heftig war,
Helmut lächelt um 19 Uhr, wenn es den Ersten
im Speisesaal zu kalt ist. Lea lächelt um 21 Uhr,
wenn die Herrschaften an Tisch 14 bitten, doch
endlich die Klimaanlage aufzudrehen, Stefan
lächelt morgens um eins, wenn die Letzten an
der Bar ankündigen, dass sie die Nacht hier
durchmachen werden. Und Michaela erzählt am
anderen Morgen, ihr Freund behaupte, dass sie
sogar im Schlaf gelächelt habe.
Nun drängt sich die Frage auf: kann
man lächeln lernen? Oder muss man es sogar
lernen, wenn man im Hotel arbeitet? Und warum
lernt es meine Kollegin Kira nicht, die mich acht
Stunden am Tag im Büro anschaut, als sei ich
am Elend dieser Welt der allein Verantwortliche.
Ich fürchte, ich werde Kira nicht mehr ändern.
Und auch den Nörgler im Getränkemarkt nicht,
den Nachbarn, der seit 25 Jahren die Mülleimer
vor dem Haus kontrolliert, den Taxifahrer, dem
die Fahrt vom Flughafen in die Rebmannstraße
zu kurz ist, die Bäckersfrau, die schon auf einen
Zehn-Euro-Schein nicht rausgeben will, und all
die vielen anderen. „Lächeln ist keine lernbare
Reaktion, sondern wird den Menschen schon
von Geburt an mitgegeben“, steht in Wikipedia,
und der Emotionsforscher Dieter Zapf warnt gar
vor einem „zwangsverordneten“ Lächeln. Es
führe kurzfristig zu Kreislaufveränderungen und
auf Dauer zu Stress und Depressionen.
Im Haus des Lächelns in Naturns im Kirchweg 2
ist höchstens mal einer erkältet, aber noch nie
einer mit Depressionen ausgefallen. Das nährt
den Verdacht, dass die Menschen im Hotel
Lindenhof so sind, wie sie sind.
Von Geburt an recht freundlich.
Sie haben zig Stunden Ausbildung mit Praktikum im
Krankenhaus auf sich genommen, um diplomierter Diätkoch
zu werden. Servieren Sie in Zukunft Krankenhauskost im
Viersterne S-Hotel?
Keine Sorge. Das Menü gibt’s bei uns weiterhin auf dem
Teller und nicht aus der großen Schüssel. Nein, im Ernst:
es sind nur Kleinigkeiten, die ich bei unserem Essen von
dem einbaue, was ich gelernt habe. Aber es sind Kleinigkeiten mit großen Auswirkungen. Unser Menü schmeckt
hoffentlich auch in dieser Saison gut, aber es ist noch gesünder geworden. Ich habe den Kurs gemacht, weil es immer wieder Neues gibt und ich überzeugt bin: Gourmetessen muss gesund sein, sonst ist es kein Gourmetessen.
In Kopenhagen im Restaurant Noma gibt es nur regionale Küche. Da verzichtet der Chefkoch sogar auf Olivenöl, weil es
nicht in Dänemark hergestellt werden kann. Auch aus ökologischen Gründen, sagt er.
Das würde mir jetzt etwas zu weit gehen. Wir beziehen
den Großteil unseres Fleisches zwar auch aus Österreich
oder Deutschland, aber manches gute Stück kommt
schon mal aus Argentinien oder Uruguay. Ich habe aber
gelesen, dass der so genannte ökologische Fußabdruck
da trotzdem geringer sein kann als bei kleineren Höfen
in Europa. Die großen Farmen mit über 400 Mastkälber
können ganz andere ökologischen Anforderungen erfüllen als kleine Höfe.
Wie schmecken denn die Kleinigkeiten?
Sie schmecken die wahrscheinlich gar nicht. Und nehmen
die auch kaum wahr. Wir machen jetzt viel mit Chia–Samen, einem perfekten Omega 3-Lieferanten, den die alten
Maya schon als Medizin erkannt haben. Wir verwenden
Aronia-Beeren, die gut für Blut, Herz und Kreislauf sind
– und wir stellen aus Regiokorn, also aus Dinkel und Roggen aus der Gegend, selbst unser Brot und unsere Nudeln
her. Nur um ein paar Beispiele zu nennen.
Vielleicht machen wir uns doch zu viel Gedanken um das, was
wir essen. Der Fernsehkoch Vincent Klink hat mal gesagt, der
Spaß am Essen ist das Wichtigste. Ihm sei ein Amerikaner, der
abends lustvoll in einen Burger beißt, lieber als ein Deutscher, der
morgens sein Müsli runter würgt.
Vielleicht bin ich als diplomierter Diätkoch jetzt der
Spaßverderber: aber gesünder lebt der Deutsche mit dem
Müsli allemal. Und wer unsere Müsli im Lindenhof
kennt, weiß, dass die keiner runter würgen muss. Wir
lassen das Korn, das wir frisch anbieten, vorher acht
Stunden quellen, damit es später im Magen seine Ruhe
gibt. Und wir bieten jetzt die Aronia-Beeren dazu an.
Ist denn gesunde Küche gleich Regio-Küche?
Ich bin ein Fan von regionalen Produkten. Und wir haben
ja vor der Haustüre fast alles, wenn wir bei unseren Menüs
saisonal denken. Da leben wir in Südtirol fast wie im Paradies. Fische direkt aus dem Passeiertal, die ich heute bestellen kann und morgen frisch geliefert bekomme, Milch,
Käse, Wurst, Öl, Obst und Gemüse quasi direkt vom
Bauern – wir brauchen keinen Etikettenschwindel, um
von regionaler Küche zu sprechen.
Das heißt, die Devise des Lindenhof-Chefkochs ist: „gesund genießen“.
Genau. Und wer das Essen gesund genießt, kann im Leben keinen großen Fehler mehr machen. Dem geht es gut.
Und dadurch hat er auch den Spaß, von dem Vincent
Klink erzählt.
SEITE 11
DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG
PORTRÄT
JANEK KASERER
EIN PRAKTIKANT
PACKT AUS
Acht Wochen muss der Hotelfachschüler
Janek Kaserer, 17, aus Partschins ein Praktikum an
der Rezeption im Hotel Lindenhof absolvieren.
Es ist gut, dass Du da bist. Wahrscheinlich
hätte sich der Hotelchef sonst nicht getraut, eine
Woche während der Saison auf Reisen zu gehen.
Ich habe auch das Gefühl, der Joachim Nischler
hat auf mich gewartet. Jetzt mach ich halt seinen Job
auch noch mit. Das kann ja nicht so schwer sein.
Du hast ja schon Erfahrung gesammelt.
Im vergangenen Jahr musstest Du acht Wochen ein
Praktikum in einem anderen Hotel
in der Küche machen. Hat man Dir da auch so viel
Verantwortung aufgebürdet?
Schon. Ich habe Kartoffeln geschält und
den Salat geputzt.
Hobby 1: Attila Tamas
mag Kinder – auch
wenn ihm Jung-Gast
Rubi beim Kartenspiel
keine Chance lässt
ATTILA TAMAS UND DIE ZUKUNFT
„VIELLEICHT BEDIENEN SIE
MICH JA IN FÜNF JAHREN“
Der 30-jährige Rumäne war Deutschlehrer, jetzt arbeitet er als Kellner im Lindenhof –
und hat seine eigenen Ansichten über das Leben, über die Menschen, über das Geld
Irgendwann hat er es aufgegeben. „Ich
heiße Oottila, nicht Attila.“ Ottila. „Nein,
nicht mit dem deutschen O, es klingt für Sie
vielleicht nur wie ein O. Oottila.“ Ottila.
mich auf keinen Fall kaputt arbeiten, um dann das ganze Geld dafür zu verwenden, wieder gesund
zu werden.“
„Lassen Sie es bitte. Bleiben wir bei Attila. Wir
in Siebenbürgen sprechen das ungarisch aus.
Das hat in Südtirol noch keiner kapiert“, sagt er.
Es ist manchmal nicht einfach, Attila Tamas zu
verstehen. Das liegt sicher nicht an mangelnden
deutschen Sprachkenntnissen. Als studierter
Deutschlehrer hat er in Südtirol keinerlei Probleme. Und oft ist er besser zu verstehen als
manch eingefleischter Vinschgauer in Joachim
Nischlers Mitarbeiterteam. Es liegt eher daran,
dass er nicht immer sagen will, was er denkt –
und sich lieber in Lebensweisheiten flüchtet.
„Du musst Ziele haben. Wenn du alles bekommst, was du dir wünschst, wirst du das Leben irgendwann nicht mehr schätzen“, sagt der
30-jährige Mann, der vor vier Jahren in Siebenbürgen ausgezogen war, um neue Herausforderungen zu finden. Das, gibt er zu, ist ein Grund
gewesen. Der andere aber war, dass der Staat
Rumänien immer mehr bei der arbeitenden Bevölkerung abkassiert hat und das Gehalt keinen
Lebensstandard mehr sicherte.
Als er damals nach Südtirol kam,
wollte ihn nur eine Pizzeria – als
Kellner. „Ich habe gedacht, wenn
das andere können, kann ich es
auch“, sagt Attila Tamas unter
dem Gesichtspunkt: Hauptsache
weg aus Rumänien. Er ist Kellner
geblieben, bis heute. Seit 2013 arbeitet er im Viersterne S-Hotel
Lindenhof in Naturns, und er gibt
zu, anfangs überwältigt gewesen
zu sein. „Ich habe nur gestaunt“,
sagt er. Über die Gäste, über die
Menüs, über die Kollegen. „Lampe“ haben sie ihn genannt, weil er
oft feuerrot wurde, wenn er mit
den Urlaubern sprechen musste. Inzwischen
hat er mehr als gelernt („Ich habe immer Alex
zugeschaut“), kennt die Stammgäste per Namen, vergisst (fast) nichts mehr – und ist in
Konversationen schon so geübt wie die alten
Hasen. „Ob Kellner oder Deutschlehrer – du
musst immer dein Bestes geben“, sagt er.
Nach vier Jahren Südtirol rechnet er ab: 50 Teller sind zu Bruch gegangen, ein paar Tassen im
Müll gelandet, und vier, fünf volle Gläser haben
den Besteller nicht erreicht. Und er hat sich verändert. Nicht nur, dass er vom Deutschlehrer
zum Kellner learning by doing geworden ist, er
hat auch eine andere Beziehung zu Geld bekommen. Weil er lange Zeit von seiner Familie
getrennt ist, weil er auch bei den Menschen
hierzulande sieht, dass Profitstreben nicht immer zum Glück führt. „Bei mir steht die Familie an erster Stelle, dann kommt die Gesundheit, erst danach denke ich an das Geld. Ich will
Das ist nicht einfach, weil auch Kellner nur
Menschen – und nicht jeden Tag gleich gut gelaunt sind. „Ich glaube, dass jeder Mensch eine
Maske hat, die er hin und wieder mal aufsetzen muss.“ Wenn er sie aufsetzt, merkt man es
ihm nicht an. Oder stört es ihn vielleicht doch,
wenn er sieht, wie viel Geld andere haben,
während seine Familie vor 20 Jahren den letzten Urlaub gemacht hat? „Ganz bestimmt
nicht“, sagt Attila Tamas und lacht. „Wissen
Sie: im Rad ist man mal oben und mal unten.
Und vielleicht bedienen Sie mich ja in fünf
Jahren hier im Lindenhof.“
Und was musst Du im Lindenhof
noch machen – außer den Chef zu vertreten?
Eigentlich alles, was so an der Rezeption
anfällt. Außer Martin sind ja nur noch fünf Frauen da,
die sorgen schon dafür, dass es mir nicht
langweilig wird. Bevor sie was selbst machen,
lassen sie mich arbeiten.
Aber eigentlich sollte ein Praktikant ja lernen…
Bei den Frauen hier habe ich gelernt,
wie man mit Gästen umgeht – und dass man immer
freundlich sein muss. Das fällt mir nicht so leicht.
Aber hier bekomme ich gleichen einen Rüffel, wenn
ich das mal kurzzeitig vergesse.
Macht Dir die Arbeit mit fünf Mädels Spaß – und
siehst Du Deine Zukunft auch an der Rezeption?
Mit den Mädels macht das schon Spaß.
Aber so wie sie möchte ich nie arbeiten. Die bewegen
sich ja kaum, sitzen den ganzen Tag nur rum.
Nein, die Rezeption ist nichts für mich. Da gehe ich
lieber in den Service und springe von der
Küche in den Speisesaal.
Wichtig ist ja für eventuelle Jobs später,
dass ein Praktikant in Erinnerung bleibt…
… das ist mir, glaub ich, gelungen. Ich habe
gleich in den ersten Tagen im Lindenhof ziemlich
für Aufregung gesorgt.
Weil Du in der Hauspostille in der Rubrik
„Südtirolerisch leicht gemacht“ ein paar ziemlich
schweinische Begriffe eingeführt hast?
Das hat vielleicht einen Anschiss gegeben… Ich kann
mich dafür nur bei den Gästen entschuldigen,
die mit Kindern da waren. Vielleicht sollte man hin
und wieder sogar bei der Arbeit an der
Rezeption den Kopf einschalten.
Hobby 2: Attila
Tamas mag Bücher.
Der Kellner ist ein
vielbelesener Mann
Attila Tamas ist vor 30 Jahren
in Siebenbürgen geboren, hat
dort studiert und unterrichtete
in der Schule Jugendliche in
deutsch. Inzwischen spricht
er auch noch italienisch - und
arbeitet als Kellner im Hotel
Lindenhof in Naturns. Wenn er
Urlaub hat, gibt es für ihn aller­
dings nur ein Ziel: Rumänien!
Du wirst vielleicht ja später mal das
Klein Fein-Hotel AnderLahn in Partschins von Deinem
Vater übernehmen. Gibt’s etwas, was Du für diese
Zeit im Lindenhof gelernt hast?
Ich werde nie einen Praktikanten was schreiben
lassen, was die Gäste zu lesen bekommen…
WELLNESS
DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG
SEITE 12
damit den Input setzen, der die Selbstheilungskräfte im Körper anregt. Den „inneren
Arzt“, nennen die Physiotherapeuten das.
„Hattest Du mal eine Blinddarmoperation?“,
fragt sie und schickt für den Gast, der ihr gerade noch einmal erklären wollte, dass er eigentlich wegen seines Rückens hier ist, hinterher, dass oft schlecht verheilte Narben die
Schmerzen auslösen. „Du musst Dir das wie
einen Stromkreislauf vorstellen. Wenn der irgendwo unterbrochen wird, geht auch das
Licht aus.“
Stefania Pfeifer will helfen. Immer. Auch Gästen, die nur eine Woche im Urlaub hier sind.
Ein bisschen Handauflegen und gute Heimreise ist ihr zu wenig. Vermutlich liegt es an
ihrer Biographie, dass sie anders ist als andere
Physiotherapeuten. Sie war Grundschullehrerin in Naturns, hörte mit 37 auf, als ihr drittes
Kind kam – und durfte nach 18 Jahren Unterricht dank den damaligen Spielregeln des italienischen Staates in Rente. Und weil sie sich
schon immer für Physiotherapie interessiert
hatte, begann sie ein neues Leben – auf der
Schulbank und nicht mehr hinter dem Pult.
Die doppelte Steffi:
vor der Behandlung will
die Physiotherapeutin
Pfeifer alles von ihrer
Patientin Pfeifer
wissen…
WIE STEFANIA PFEIFER MIT RÜCKENSCHMERZEN UMGEHT
PSYCHO IN DER
WELLNESSABTEILUNG
Die Lindenhof-Mitarbeiterin hat Physiotherapeuten unterrichtet und
ihnen beigebracht: „Du musst den Patienten verstehen, ehe du ihn behandelst“
Der Gast hat Rückenschmerzen. Schon
seit langem. Da und dort und hier zwickt es.
Und auch ins Bein fährt es ihm ab und zu.
Manchmal kann er nicht mehr gerade stehen.
Willkommen bei Steffi.
„Was machst Du beruflich?“, fragt sie. „Wie
bist Du bisher behandelt worden?“, fragt sie.
„Hattest Du in letzter Zeit irgendwelche anderen Probleme?“ fragt sie. „Kannst Du nachts
ruhig schlafen?“, fragt sie.
Hallo. Was will die denn? Warum macht sie
nix? Sie ist doch Physiotherapeutin. Sie muss
doch nur an die richtigen Stellen drücken. Einfach drücken, kneten, massieren. Das haben die
anderen zu Hause auch so gemacht. Okay, es
hat nichts geholfen. Aber hilft es was, wenn sie
weiß, dass ich schlecht geschlafen habe?
Bis vor kurzem war Stefania Pfeifer Dozentin
an der Fachhochschule für Physiotherapie in
Bozen. Sie hat den Nachwuchs einer Branche
ausgebildet, die boomt. 180 Bewerber gibt es
jedes Jahr in Bozen, nur 20 werden aufgenommen. Was die Frau aus Naturns ihren Schülern gelehrt hat, wendet sie im Lindenhof
selbst an. „Du musst den Patienten verstehen,
ehe du ihn behandelst“, hat sie gepredigt.
Ganzheitlich denken ist die Modefloskel in der
Medizin schlechthin. Doch was die Vinschgauerin, die alle nur Steffi nennen, von den
Gurus dieser Welt unterscheidet, ist die
menschliche Herangehensweise. Sie interessiert sich für ihren Patienten, sie hört ihm zu.
Erst dann beginnt sie zu drücken, kneten,
massieren. „Meistens kommen die Menschen
mit einem Rezept vom Arzt. Da steht Rückenschmerzen“, sagt sie und schüttelt den Kopf.
„Es gibt hunderte von Ursachen für Rückenschmerzen. Und wenn ich wirklich was dagegen tun will, muss ich wissen, was der Auslöser
für die Schmerzen ist.“ Nur dann, so erzählt
sie, könne sie den richtigen Nerv reizen und
Stefania Pircher-Pfeifer ist
seit 42 Jahren mit Peter Pfeifer
verheiratet, lebt in Naturns und
hat drei Söhne. Einer wohnt
inzwischen in Bayern, einer in
Wien – und nur der Dritte ist im
Vinschgau geblieben. Die ehe­
malige Grundschullehrerin, die
zuletzt an der Fachhochschule
in Bozen Physiotherapeuten
ausbildete, ist 64 Jahre alt und
arbeitet seit 15 Jahren als freie
Mitarbeiterin im Lindenhof. Ihre
Hobbies sind lesen und tanzen
– und die vier Enkelkinder.
„Hat bei Dir noch niemand festgestellt, dass
Du durch eine falsche Beckenstellung unterschiedliche Belastungen aushalten musst?“,
fragt sie – und erklärt, dass es leider keine solche Waagen gibt, wie sie sie jetzt als Beweis
brauchen würde. Wenn man beide Hälften des
gequälten Urlaubers auf die Waage stellen
würde, sei sie sich sicher, dass eine Hälfte
durch diese Fehlstellung des Beckens vier Kilo
mehr schleppen müsse. Vier Kilo mehr – und
das jeden Tag, zig Jahre lang. „Das musst Du
Dir mal vorstellen.“
Sie glaubt, dass man das korrigieren kann.
Und damit auch die Schmerzen lindern. Nicht
in acht Tagen Urlaub, aber der Anfang wird in
Naturns gemacht. Sie lehrt ein paar nützliche
sportliche Übungen, drückt am Becken, knetet, massiert – und der Gast hört sich über
Dinge reden, die er sonst nur sich selbst vor
dem Spiegel anvertraut. Das sei normal, sagt
Frau Pfeifer, im Bindegewebe speichere das
vegetatives Nervensystem alles, was der
Mensch so erlebt – und bei manchen müsse das
raus, je tiefer sie drücke. Keine Sorge, sie sei
verschwiegen. „Es gab schon Patientinnen, die
haben plötzlich zu weinen angefangen.“
Der Patient könnte weinen, weil er links vier
Kilo mehr hat als rechts. Aber das wird sich
dank Steffi ändern, wobei die Frage unbeantwortet bleibt, ob es nach dem Dessertbuffet im
Lindenhof rechts auch vier mehr werden.
Ein Fall für den Psychologen.
„Mich hat neulich mal ein Gast gefragt, warum
ich eigentlich nicht Psychologie studiert habe“,
sagt die Physiotherapeutin plötzlich.
Es wundert nicht mehr, dass Steffi immer ausgebucht ist. Bei dieser Physio-Psychotherapeutin liegt jeder richtig. Mit Rückenschmerzen
oder vier Kilo zu viel. Auf beiden Seiten.
IMPRESSUM
Herausgeber: Familie Nischler, Hotel Lindenhof Style&Spa Resort Naturns, www.lindenhof.it, Tel. 0039 0473 666242; Verantwortliche Gesamtleitung: Joachim Nischler;
Redaktion: Katharina Nischler, Horst Walter; Gestaltung: Beda Pfleger; Fotografie: Andreas Marini; Repro: Günther Piltz; Druck&Versand: G.A.S. Salzburg