Franz David - Fortsetzung und Schluss

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DEZEMBER 2015
Franz David
- Fortsetzung und Schluss -
Burgruine Devin (ung. Deva, dt. Theben), 2008
Foto: Aktron
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Liebe Leserin, lieber Leser!
„David, Franz (1510 – 79)… 1566
schon öffentlich Antitrinitarier, 1568
Bischof der Unitarier. Seit etwa 1571
lehrte er die Nichtanbetung Christi,
entzweite sich darüber mit Biandrata
und Sozini und wurde 1579 in Deva
eingekerkert, wo er bald starb…“ lesen
wir im „RGG“, dem evangelischen
Lexikon „Die Religion in Geschichte
und Gegenwart.“ Seine genaue Todesursache und das genaue Datum sind
also unbekannt. Ihm fällt das
Verdienst zu, erstmalig in der Geschichte des Abendlandes eine Gleichberechtigung der katholischen, lutherischen, calvinistischen und unitarischen Religion durch einen Landtagsbeschluss herbeigeführt zu haben. Sicherlich war dabei die Tatsache
hilfreich, dass der Fürst selber
unitarisch war. Als dieser 1571 starb,
brachen denn auch wiederum Strei-
tigkeiten aus, die Franz David letztlich
das Leben kosteten. Die oben genannten Biandrata und Sozini vertraten
einen moderateren Weg des Unitarismus, doch sind ihre Namen heute
nur noch Spezialisten geläufig, während Franz David von allen ungarischen Unitariern als Märtyrer verehrt
wird. Drei Jahre also nur, von 1568
bis 1571, währte das Toleranzedikt
von Torda. Aber für immer bleibt es
ein Meilenstein in der Geschichte der
Toleranz in Europa. Das Bild, das die
Diskussion um die entscheidende
Abstimmung darstellt, entspringt der
Phantasie des Künstlers, kommt aber
der Wirklichkeit sicher sehr nahe.
Lesen Sie dazu den Text, den Dávid
Gyerö, der Berater des Bischofs, zum
Bild und seiner Geschichte verfasst
hat.
Martin Schröder
Das Edikt von Torda
Das Gemälde und die Geschichte
Am Ende des 19. Jahrhunderts gab
die Stadt Torda in Siebenbürgen ein
Gemälde in Auftrag, um damit der
Einwanderung des ungarischen Volkes in das karpathische Becken vor
eintausend Jahren zu gedenken. Das
Bild, gemalt von Aladár Korosfoi –
Kriesch, sollte das wichtigste Ereignis
in der Geschichte Tordas festhalten.
Dieses trug sich zu am 13. Januar
1568, als der Landtag von Siebenbürgen das „Edikt von Torda“ erließ.
Erstmalig in der Weltgeschichte wurden damit religiöse Toleranz und Freiheit des Glaubens in der Verfassung
eines Landes verankert. Das Gemälde
illustriert die religiöse Konstellation
Mitteleuropas in der Mitte des 16.
Jahrhunderts. Aus Deutschland und
der Schweiz kamen lutherische,
calvinistische und antitrinitarische
Wellen, deren Vertreter die Richtigkeit
der Ideen diskutieren wollten. In den
meisten Orten attackierte die katholische Kirche die neuen Glaubensbewegungen und verfolgte ihre Vertreter. An manchen Plätzen wandten
sich die neuen Bewegungen gegeneinander. So wurde Michael Servet,
der berühmte antitrinitarische Vordenker und Schriftsteller, auf Befehl
Calvins in Genf im Jahre 1553
lebendig verbrannt.
Was Siebenbürgen einzigartig machte
im Vergleich mit dem restlichen
Europa war die Offenheit, mit der es
jede Strömung der Reformation begrüßte. Erst etablierten sich die
Lutheraner, dann die Calvinisten,
schließlich, 1568, die Unitarier neben
der bestehenden katholischen Kirche.
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Obwohl es zahlreiche Diskussionen
zwischen den verschiedenen Theologen gab, war Gewalt kein Mittel der
Auseinandersetzung.
Das Edikt von Torda legalisierte diese
Situation. Mit der Unterzeichnung des
Edikts durch König Johann Sigismund anerkannte die siebenbürgische
Verfassung alle vier christlichen Bekenntnisse als gleichberechtigt und
als juristische Person. Weiterhin wurde damit sichergestellt, daß niemand
wegen seines religiösen Bekenntnisses
verfolgt werden konnte, denn Glaube
ist ein Gottesgeschenk. Hier muß
gesagt werden, daß König Johann
Sigismund Unitarier war. Sein persönlicher Berater in religiösen Fragen
war Franz David (Dávid Ferenc), der
Gründer dieser Kirche. Aber anders
als die übrigen Regenten Europas, die
versuchten, anderen ihre Religion
aufzuzwingen, bot Johann Sigismund
den anderen drei Kirchen gleiche
Rechte.
In dem Gemälde steht Franz David im
Mittelpunkt und plädiert für das neue
Gesetz. Links sitzt König Johann
Sigismund auf dem Thron, zu seiner
Rechten und Linken seine Nachfolger
István und Kristóf Bathory. Links
neben dem Fürsten steht sein
Berater, der italienische Arzt Georgio
Blandrata. Am Tisch hinter David sitzt
links der Berater Mihály Csáki und
rechts der Drucker Gáspár Heltai;
Letzterer hält eine Bibel in seinen
Händen. Ein unitarischer Pfarrer
blickt über Heltais Schulter. Rechts
blicken ein katholischer Priester und
ein Calvinistischer Prediger zweifelnd
auf David. Weiter unten rechts stehen
in den Bänken Vertreter des ungarischen Adels einschließlich Gáspár
Békes, der enthusiastisch auf David
zeigt. Im Hintergrund sieht man
Abgeordnete der drei siebenbürger
Nationen: Ungarn, Deutsche und
Szekeler (Ungarn, die in der südlichen Region leben).
Das riesige, zwölf Quadratmeter große
Gemälde wurde anläßlich der Milleniumsaustellung 1896 in Budapest enthüllt und erhielt hohe Anerkennung
von der Kritik. 1898 wurde es im
Bürgersaal der Stadthalle von Torda
ausgestellt. Nach dem zweiten Weltkrieg fand es seinen endgültigen Platz
im Stadtmuseum, das einst den
Königen gehörte. Dort kann es heute
in seinen Originalfarben besichtigt
werden.
Dávid Gyerö
Administrative Counselor of the
Unitarian Church in Transylvania
Kolozsvár 2002
aus dem Englischen: Martin Schröder
Grablege von Johannes Sigismund Zapolya (1540-1571)
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Verkündigung des Toleranzedikts 1568 auf dem Reichstag in Torda / Thorenburg /Turda
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Gottesfeier vom 15. November 2015
– Volkstrauertag –
Eingangsspruch:
Du lebst, also wandelst du dich, ich halte dich nicht fest, ich mach dich in
keinem Bilde fest, sondern wir halten die Überraschungen des Lebens aus.
Max Frisch
Schriftlesung:
Wer um die Nähe des Ewigen weiß, bleibt unberührt von dem jahrtausendealten unfruchtbaren Streit der Philosophen und Atheisten, Metaphysiker und
Gottesgelehrten um das Dasein oder Nichtdasein Gottes, seine Verborgenheit
oder Erkennbarkeit, sein Nichteingreifen oder sein Wirken in der Welt…
Er weiß: Gott ist und wirkt in mir.
K. O. Schmidt
Evangelium:
Und ein anderer unter seinen Jüngern sprach zu ihm: Herr, erlaube mir, dass
ich hingehe und zuvor meinen Vater begrabe. Aber Jesus sprach zu ihm: Folge
du mir und laß die Toten ihre Toten begraben. Und er trat in das Schiff, und
seine Jünger folgten ihm.
Mt 8, 21-23
Kurzfassung des Predigttextes
Meine lieben, andächtigen Mitmenschen!
In der evangelischen Kirche sah man
jahrhundertelang keinen Gedenktag
für die Verstorbenen vor. Man argumentierte mit Jesu Worten, wie wir sie
in unserem heutigen Sonntagsevangelium gehört haben: „…laß die Toten
ihre Toten begraben.“ Seine Jünger
sollten sich um Verstorbene nicht
kümmern. –
Tatsächlich ist der heute offizielle
Gedenktag Totensonntag erst im 19.
Jahrhundert entstanden. 1816 hat
Friedrich Wilhelm III. von Preußen
verfügt, dass es im Kirchenjahr der
evangelischen Kirche einen Totensonntag geben solle. Er konnte das,
denn er war das Oberhaupt der
evangelischen Kirche in Preußen. Dies
hat dann die evangelische Kirche in
Preußen sofort durchgeführt, die
anderen deutschen Länder haben
rasch nachgezogen. Ein Gedenktag
für die Verstorbenen war offenbar
auch in der evangelischen Kirche ein
allgemeines Bedürfnis. Offiziell gab es
keinen
„Totensonntag“.
Vielleicht
hängt es damit zusammen, dass bis
auf den heutigen Tag der Name ein
wenig schwankt. Auch Ewigkeitssonntag wird er genannt, um darauf
hinzuweisen, dass nicht der Tod Sinn
und Ende unseres Lebens sei,
sondern dass wir den Blick immer in
die Zukunft richten sollten, da das
Überleben des Todes nur ein Stadium
in unserem Leben auf dem Weg in die
Ewigkeit ist. So ist es zu diesem
Namen Ewigkeitssonntag gekommen.
Die evangelischen Pfarrerinnen und
Pfarrer, die ich kenne, ziehen diesen
Namen vor. Umgangssprachlich aber
höre ich die Menschen immer vom
Totensonntag sprechen. Die Hauptsache ist, dass wir wissen, was wir
meinen: Wir leben nicht nur, um zu
sterben! Das ist der eigentliche
Gedanke dabei. Unser Leben hat
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einen großartigen Sinn und es liegt
immer in Gottes Hand!
Über unser Leben denken wir nach,
bis wir müde werden und sagen
können: Alle für mein Leben wichtigen
Fragen habe ich mir gestellt und
zumeist Antworten gefunden. Wenn
aber Antworten offen geblieben sind,
will ich auch zufrieden sein, denn alle
Probleme können wir unmöglich in
diesem einen Leben lösen. Aber leben
wollen und müssen wir es! Von
Christian Friedrich Hebel gibt es das
Wort, „Wer leben will, muss das Fieber
riskieren.“ Das bedeutet, wenn ich
lebe, muss ich auch durch Schwierigkeiten hindurch. Wenn ich lebe,
schaffe ich mir Schwierigkeiten, die
ich lösen muss. Die Aufgabe unseres
Lebens besteht in der Suche nach
Lösungen, darin, andere nicht zu
verletzen, ihnen zu helfen und selbst
zu Kraft und Klarheit zu gelangen.
Dann hat das Fieber seine läuternde
Wirkung. Ein Fieberschub lässt den
Körper und auch die Seele gesünder
werden: Wer das Leben riskiert, muss
auch das Fieber riskieren. Volkstrauertag, Totensonntag sind die
Gedenktage, die uns einmal im Jahr
über den Sinn des Lebens und den
Tod nachdenken lassen. Lasst doch
die Toten die Toten begraben. Das
bedeutet, halte dich nicht auf mit
dem, was du nicht ändern kannst.
Das will dieser angehende Jünger
nicht. Er will stehen bleiben und alle
aufhalten. Aber Jesus hat eine
Mission, er will und muss vorwärts
gehen und sagt deshalb, belaste dich
nicht mit weniger wichtigen Problemen, geh voran! Natürlich sterben
wir alle, und es ist die Kultur des
Menschen, seine Toten zu bestatten.
Für den Historiker ist das ein
entscheidender Schritt. Wenn er die
ersten Menschen betrachtet, hatten
sie eine Beerdigungskultur, so wie z.
B. der Neandertaler? Deshalb wird er
von der Naturwissenschaft auch als
höher entwickelt eingestuft. Er war
offenkundig in der Lage über den Sinn
seines Lebens nachzudenken und
sogar sein Leben zu verlängern über
den Tod hinaus. Denn jeder Beerdigungskult ist eine Verlängerung des
Lebens über den Tod hinaus.
Wenn man heutzutage Sterbeanzeigen
in den Zeitungen liest, fällt auf, dass
sie nicht mehr viele Christenkreuze
enthalten. In meiner Jugend waren
Todesanzeigen ohne dieses christliche
Element selten. Es waren zumeist
Freimaurer (wenn nicht Mitglieder
einer anderen Religion), bei denen das
christliche Kreuz auf der Anzeige
fehlte. Aber auch sie sind tief religiöse
Menschen, doch sie verwenden auf
ihren Todesanzeigen ihr eigenes
Zeichen, den Zirkel mit dem Dreieck
und berufen sich auf den großen
Meister, der seine Lehrlinge, Gesellen
und Meister aus diesem Leben
abberufen hat.
Dass wir heutzutage eine eher
unreligiöse Beerdigungskultur haben,
ist eine neue Entwicklung, über die es
nachzudenken gilt. Wir beobachten
den Mangel an christlichen Beerdigungen einerseits und das Bedürfnis
bei den Menschen, über den Tod
hinauszudenken andererseits. Das
Kreuz früher auf der Anzeige symbolisierte das Leben nach dem Tod
und den festen Glauben, der Verstorbene sei seinem Gott ein Stück
näher gekommen. Dieser Schritt auf
das Göttliche hin ist heutzutage in
vielen der Anzeigen nicht mehr zu
finden. Heute entschließen sich
Menschen dazu, in einem Friedwald
unter einem Baum beerdigt zu werden. Ist das nicht auch eine Annäherung an Gott, den Schöpfer allen
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Lebens? Zweifelsohne ist es eine
Annäherung, denn Gott ist der
Schöpfer unseres Planeten und des
gesamten Kosmos! Der Mensch kann
nur begrenzt handeln und experimentieren innerhalb dieser Schöpfung. Mögen die Menschen heute
atheistischer sein, aber ihre Naturverbundenheit ist doch unerschüttert.
Ich denke an ein Gemeindemitglied,
dessen Mann war ein leidenschaftlicher Segler und Skeptiker und
wünschte sich eine Seebestattung.
Auch dies ist eine Rückbesinnung auf
die Natur. Ob der Körper verbrannt
wird, ob er allmählich vermodert, ob
seine Asche ins Meer verstreut wird,
immer ist es der Wunsch, eins zu
werden mit der Natur. Darauf heben
alle unsere heutigen Testate ab.
Lassen Sie mich deshalb meine
heutige
Ansprache
mit
dem
berühmten Gedicht „Astern“ von
Gottfried Benn beschließen:
Astern –, schwälende Tage,
Alte Beschwörung, Bann,
Die Götter halten die Waage
Eine zögernde Stunde an.
Noch einmal die goldenen Herden
Der Himmel, das Licht, der Flor,
Was brütet das alte Werden
Unter den sterbenden Flügeln vor?
Noch einmal das Ersehnte,
Der Rausch, der Rosen Du –,
Der Sommer stand und lehnte
Und sah den Schwalben zu.
Noch einmal ein Vermuten,
Wo längst Gewissheit wacht:
Die Schwalben streifen die Fluten
Und trinken Fahrt und Nacht.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen,
wünsche ich uns allen einen gesegneten November.
Amen
Pfarrer Martin Schröder
-8-
…und Torgau ist die Amme
- Fortsetzung und Schluss -
Die Wartburg (2005)
Luthers Lebensgeschichte nach dem
Aufenthalt auf der Wartburg blieb
weiter mit den Fürsten verknüpft. In
den Nachfolgern von Friedrich dem
Weisen, Johann dem Beständigen und
Johann Friedrich dem Großmütigen
fand er engagierte Unterstützer der
Reformation. Weitere Fürsten wie
Philipp I. von Hessen schlossen sich
an. Besonders Philipp war ein wortgewaltiger Vorkämpfer der reformatorischen Gedanken.
Die
Reformationsgeschichte
nach
Luthers Tod 1546 schien zunächst erfolglos zu verlaufen, denn im Schmalkaldischen Krieg 1547 wurden die
sächsischen Truppen in Mühlberg bei
Torgau von den Kaiserlichen vernichtend geschlagen.
Foto: Lencer
Der Sieg Kaiser Karls V. führte jedoch
nicht dazu, dass die Einheit der
Religion im Reich wieder hergestellt
werden konnte. Karl hatte ein Reich
übernommen, das allein in Europa
von der Iberischen Halbinsel bis zum
Balkan reichte und von den Niederlanden bis Sizilien. Der Inhalt der
Protestschrift Martin Luthers „Für die
Freiheit des Christenmenschen“, die
jedem nach seinem Gewissen die Religionsausübung überließ, hatte jedoch
in das allgemeine Denken Eingang
gefunden. Im Augsburger Religionsfrieden 1555 wurde ein Gesetz verabschiedet, das die rechtliche Basis
für die Koexistenz der protestantischen und katholischen Reichsstände schuf. Die darin enthaltene
freie Religionsausübung bezog sich
-9-
jedoch nur auf die jeweiligen Landesherren, deren Untertanen mussten die
Religion ihrer Landesherren annehmen oder auswandern.
Trotz der legitimen Berechtigung und
Progressivität der reformatorischen
Idee, die zunächst zu einem individuellen Religionsbekenntnis zu führen
schien, erkennen wir hier aus unserer
heutigen Sicht, dass das Machtinteresse der Fürsten den Wunsch nach
religiöser Freiheit überlagerte und um
Jahrhunderte verschob. Damit war
der Verlauf der Reformation für die
weitere deutsche und europäische
Geschichte entscheidend.
Die Familie Luther stand ebenfalls in
vielfältiger und auch tragischer Beziehung zu Torgau. 1552 floh Luthers
Ehefrau Katharina von Bora vor der
Pest in Wittenberg nach Torgau. Kurz
vor der Stadt hatte sie einen
Kutschunfall, bei dem sie sich das
Becken brach. Sie konnte noch die
Hochzeit ihres Sohnes in Torgau
erleben,
starb
aber
dort
am
20.12.1552 und ist dort begraben.
Heute gibt es eine Oberschule, die
ihren Namen trägt.
Und auch in der weiteren deutschen
Geschichte ist Torgau, wenn man
nachforscht, bedeutender als vermutet. Es taucht im 17. und 18.
Jahrhundert als Festungsstadt auf
und diente im 2. Weltkrieg als Zentrale für das Wehrmachtsstrafsystem.
Hier befanden sich 2 von 8 Gefängnissen der Wehrmachtjustiz, das Fort
Zinna und das Gefängnis Brückenkopf. In beide Gefängnisse wurden
Wehrdienst- und Befehlsverweigerer,
Deserteure und Spionage-Angeklagte,
Kriminelle, Kriegsgefangene und Angehörige des deutschen und europäischen Widerstands eingeliefert. Die
Zahl der Erschossenen kann heute
nicht mehr ermittelt werden.
Rote-Armee-Soldaten und GIs an der
Brücke in Torgau (26.04.1945)
Foto: AP
Und noch ein anderer Ort löst
Beklemmungen aus. Fährt man von
der Brücke Richtung Schloss, kommt
man am ehemaligen Jugendstrafhof
der DDR vorbei. Auch Jugendwerkhof
genannt, war er ein gefürchtetes Umerziehungslager, dem sich viele Jugendliche durch Selbstmord entzogen.
Das Gelände wurde 1990 aufgelöst
und ist heute eine Gedächtnisstätte.
Am Ende unseres Rundganges
betreten
wir
die
Schlosskapelle.
Sie ist die erste
Kirche,
die
nach
den
Grundsätzen
des
neuen
Glaubens
errichtet wurde.
So
ist
die
Kanzel
(Bild
links), von der
„das Wort“ verkündet wird, in
zentraler Lage
in der Mitte der Kirche und der Altar
ist ein einfacher Tisch (Bild auf Seite
12), nach Westen ausgerichtet, an den
jeder herantreten kann. Es gibt kei-
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nen Platz für Reliquien. Zunächst gab
es kein Altarbild. Die Kapelle wurde
1544 von Luther selbst geweiht. Als
15jähriger erlebte der spätere Stadtarzt Gabriel Summer (1529-1610) die
Einweihung der Schlosskapelle. „An
die Predigt dieses großen Mannes will
ich mich ewig erinnern, obwohl ich ihn
schon als Kind gehört habe… (ich)
danke Gott, … diesen heiligen Mann zu
sehen und zu hören…“
In der Schlosskapelle wirkte auch
Johann Walter (1496 - 1570), der
erste protestantische Kantor überhaupt, von 1526 bis 1548. Er war
Komponist und Herausgeber der
Gesangbücher von Wittenberg (1524)
und Straßburg (1537). Von ihm wurde
unter vielen anderen Melodien das
Lied „All Morgen ist ganz frisch und
neu“ komponiert.
Trotz der nachmittäglichen Uhrzeit
fühlen wir uns erfrischt und erfüllt
von unserem Ausflug und freuen uns
auf eine weitere Beschäftigung mit
dem umfassenden Thema. Dazu gibt
es noch genug Gelegenheit bei den
drei weiteren nationalen Ausstellungen. Sie finden alle im Jahr 2017 in
Wittenberg, in Eisenach (Wartburg)
und in Berlin (Martin-Gropius-Bau)
statt.
GSF
Wappen von Torgau
Aus dem Gemeindeleben
Liebe Leserin, lieber Leser!
Unsere traditionelle Adventskaffeetafel fand in diesem Jahr am 28. November,
dem Sonnabend vor dem 1. Advent, statt. Im Pfarrhaus versammelten sich
zahlreiche Gemeindemitglieder. Unsere Tische waren mit Apfelpyramiden
stimmungsvoll geschmückt, die Räume mit Lichterketten festlich beleuchtet. Wir
sangen die schönen alten Weihnachtslieder, von Elke und Uwe Bienzeisler auf
der Gitarre und dem Akkordeon begleitet. Pfarrer Schröder las aus den Memoiren
von Dylan Thomas, wie sich in seiner Kindheit das Weihnachtsfest an der
walisischen Küste abspielte; und auch das Weihnachtsjulklapp machte allen
wieder viel Freude. Es war ein fröhlicher, aber auch ein wenig nachdenklicher
Nachmittag und damit eine besinnliche Vorbereitung auf den kommenden
Heiligabend.
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v.l.n.r.: Heidrun Löber, Linus Sprakel, Swanhild Leyke-Röhling, Lasse Sprakel, Nikolas
Schröder, Silja Sprakel-Leyke, Svenja Leyke.
Foto: GSF
v.l.n.r.: ein Freund der Familie Bienzeisler, Christine Blomeyer, Karin Böttcher, Pfr. Martin
Schröder, Inge Paulsen-Miosga, Elke Bienzeisler, Uwe Bieneisler, Svenja Leyke, Nikolas
Schröder, Marianne Schier, Anne Kahnt, Marianne Perrot
Foto: GSF
Pfarrer Martin Schröder
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ANZEIGE
24.12.2015,
Donnerstag,
15.30 Uhr
FÜR
DEZEMBER 2015
Gottesfeier zum Heiligabend
im Nachbarschaftsheim „Mittelhof“,
Königstraße 42-43, 14163 Berlin (Zehlendorf)
VORANZEIGE
FÜR DEN
JANUAR 2016
17.01.2016,
Sonntag,
6.56 Uhr
Das Wort zum Tage
im Deutschlandradio Kultur auf UKW 89,6 MHz
es spricht Pfr. Martin Schröder
17.01.2016,
Sonntag,
15.30 Uhr
Gemeindetreffen
im Nachbarschaftsheim „Mittelhof“,
Königstraße 42-43, 14163 Berlin (Zehlendorf)
Wir wünschen unseren
Leserinnen und Lesern eine
gesegnete Weihnachtszeit und
ein gesundes und friedvolles
neues Jahr 2016 !
Pfarrer Martin Schröder
Kapelle im Schloss Hartenfels
Foto: GSF