nordlichter - Berlevåg Pensjonat & Camping

NORDLICHTER
MITTEILUNGSBLATT
erscheint im hohen Norden, sporadisch und unvorhersehbar
wie das echte Nordlicht.
Editorial: NORDLICHTER 2015, 19. Ausgabe, im Januar 2016
Herausgeber: Berlevåg Pensjonat & Camping /Arctic Glasstudio, c/o Dieter und Daniela Salathe, Pb. 88, N-9981 Berlevåg,
Tel. +47-78 98 16 10 /+47 78 98 11 55, mail: [email protected] / [email protected], web: www.berlevag-pensjonat.no /www.arcticglasstudio.no
Redaktor: Dieter Salathe --- Druck: Epson Stylus Office + Kopiermaschine der Gemeindeverwaltung
Das Jahr 2015 begann für Daniela und mich mit einem sogenannten „Pang-Start“. Wie in ‚Nordlichter 2014‘ angekündigt, hatten wir während zweier Jahre zusammen mit Freund und Glas-Guru Steve Klein einen neuen Jahrgang einer
„Artist in Residence“ Zusammenkunft vorbereitet. Nach letzten wichtigen Vorbereitungen während des ganzen Januars
hat das Glaskünstler-Treffen mit dem Titel „THE FIRST LIGHT“ vom 02. –12.02.15 in Berlevåg stattgefunden.
Teilnehmer ‚Artist in Residence‘ (von links): Dieter Salathe/Berlevåg (Handyman), Emma Varga/Australien,
Diane Tang/USA, Siv Johansen/Norwegen, Steve Klein/USA (Mentor), Daniela Salathe/Berlevåg,
Cheryl Wilson Smith/Canada, Björg Lauvrak/Norwegen, Tanja Pak/Slowenien, Richard Parrish/USA (Mentor),
Shelagh Swanson/Schottland, Terri Grant/USA, Purnima Patel/England
Als Einstimmung auf das kreative Arbeiten im Arctic Glasstudio besuchten wir mit der Gruppe zuerst einige exotische
Lokalitäten in der Region: Eishotel und Huskyfarm in Kirkenes, Samisches Museum in Varangerbotn, Gedenkstätte
für die Opfer der Hexenprozesse in der Finnmark in Vardö, konzipiert von der US-Künstlerin Louise Bourgeois und
dem Schweizer Architekten Peter Zumthor. Auf der Fahrt nach Berlevåg schufen dann das erste kurze Sonnenlicht
(The first light) und der volle Mond über der Schneelandschaft den erhofften, inspirierenden äusseren Rahmen.
Die nächsten 7 Tage arbeiteten die Glaskünstler an ihren individuellen Projekten. Täglich leiteten Steve und Richard
gemeinschaftliche Sessionen, zwecks Austausch von Erfahrungen, Inspirationsquellen, Arbeitsmethoden etc. unter
der internationalen Künstler-Schar. Jede Nacht liefen die Schmelzöfen heiss, gefüllt mit neuen, verrückten, experimentellen Probestücken aller Teilnehmer. Während der kurzen Dämmerstunden der wenigen wettermässig nicht zu
heftigen Tage gab es Exkursionen ins nahe Umland, zum Einholen weiterer winterlicher Inspiration, Nordlichter eingeschlossen. Und – als wäre es von uns inszeniert – wurde auch die Rückreise nach Kirkenes per Auto zu einem
neuen abenteuerlichen Erlebnis für unsere Gäste: Fahren im Konvoi hinter dem stiebenden Schneepflug, durch die
einsame, vom Winde verwehte Winterlandschaft. 11 dankbare, inspirierte Glaskünstler reisten dann heim aus unserem „Winter-Wunderland“. Zurück blieben 3 etwas ausgepumpte aber zufriedene und glückliche Arrangeure –
Marika (Quartiermeisterin, Verpflegung, Chaos-Bekämpfung…), Dieter (Fahrer, Guide, „Gimmer-längmer“, Fotograf…)
und allen voran Daniela, der grundsolide ‚Dreh- und Angelpunkt‘ der „Artist in Residence Berlevåg 2015“. 
Als Belohnung für die mustergültig durchgeführte Residency gönnte sich Daniela im Juni einen Kurzurlaub. In Kintbury, eine Zugstunde westlich von London, war sie Gast bei ihrer ‚Glas-Freundin‘ Purnima. Währed Tagen besuchten die beiden Kunstmuseen, Ateliers, Galerien und Ausstellungen in und um London, und sie nahmen sich ausführlich Zeit zum Glas-Fachsimpeln in Purnimas Heim und Studio. Eine inspirierende ‚New Energy‘-Spritze für Daniela.
Derweil lief zu Hause und bei Pensjonat & Camping alles seinen gewohnten Gang. Nachdem der Winter schon wieder kein richtiger war (zu kurz, zu warm), täuschte der frühe, milde Frühling einen warmen Sommer und eine lange
Camping-Saison an. Aber nein, Juni/Juli war kalt, windig, neblig feucht. Die wenigen Touristen reisten hurtig weiter.
Der Sommer kam erst im August, streckte sich aber kompensierend hin bis Ende September. Dies passte auffallend
vielen norwegischen Wohnmobil-Reisenden ins Konzept, so dass die Camping-Saison doch noch eine gute wurde.
Die Zimmer-Belegung in der Pension hielt sich das ganze Jahr über hoch. Hier profitierten wir erneut von einer regen Besuchsfrequenz von Fachkräften bei den im Dorf laufenden Bau- und Entwicklungsprojekten. Nur bei einem
Projekt – der erwünschten Wiedereröffnung des lokalen Hotels – ging es auch 2015 überhaupt nicht voran.
Übrigens arbeitete neu die 16-jährige Sandra als Sommer-Aushilfe bei uns, sowohl in der Pension wie im Glasstudio.
Sie ersetzte die nach Deutschland zurückgekehrte Monika, sowie die leider weiterhin krankgeschriebene Grete.
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An zwei Stellen hat sich das Ortsbild Berlevågs im Laufe des vergangenen Jahres ganz wesentlich verändert:
Unterhalb der Kirche war auf Ende Oktober der Bauplatz geräumt und die neue Berlevåg Skole fertig gestellt. Das
nagelneue und funktionell gegliederte Schulgebäude wurde von Schülern und Lehrern in der letzten NovemberWoche freudig in Betrieb genommen. Mit dem NOK 130 Mio.-Projekt hat Berlevåg nicht nur eine moderne Lehrarena
für die 10-jährige Grundschule erhalten. Hier sind auch zeitgemässe Räume und Einrichtungen vorhanden für die Kulturschule, Hausaufgaben-Betreuung, organisierte Freizeit-Aktivitäten, Kurse, etc. Im zentralen Hauptgebäude der Schule
liegt der neue Kultursaal mit u.a. flexiblem Bühnen-System, Audio-Video Einrichtung mit Grossleinwand und einer
Teleskop-Tribüne. Gedacht für Schule, Gemeinde, Kulturprojekte, Vereine und Private soll der Saal eine Arena bieten
für Theater, Konzerte, Versammlungen, Shows, Feiern und Feste, zur Freude und Nutzung für die ganze Bevölkerung.
Neue ‚Skyline‘ unterhalb der Kirche – topmoderne Berlevåger Schule
Neuer Liegehafen schafft Platz im vormals engen Fischereihafen
Noch offensichtlicher sind die Veränderungen im Bereich des Fischereihafens. Und dies, obwohl das Resultat
des grössten Jobs nicht einmal zu sehen ist! Während des ganzen Jahres wurde unablässig gebohrt, gesprengt und
beharrlich das ganze Hafenbecken – Schaufel-für-Schaufel – von 5 auf 7m Wassertiefe ausgebaggert. Gut sichtbar
hingegen ist die Hafenerweiterung auf der Südseite. Wo früher seichter Hafengrund nicht nutzbar war, liegt jetzt das
auf 5m ausgetiefte Becken des künftigen Liegehafens. Ebenfalls nicht zu übersehen ist das deutlich höhere, neue
Leuchtfeuer auf der Varnes-Mole beim Hafenmuseum. Derweil ziert das alte Leuchtfeuer jetzt das Freigelände des
Museums. Das vielleicht wichtigste Teilprojekt des ganzen Ausbaus ist auch seit längerem deutlich zu sehen. Es
wird aber erst Ende März vollendet sein – die neue, hohe Abschirm-Mole auf der Nordseite der Einfahrt zum inneren
Hafen. (Siehe Panorama auf http://portberlevog.kystnor.no/) Nach Vollendung wird das Fischerdorf Berlevåg gerüstet sein für eine nachhaltige Fischerei-Zukunft, mit einem modernen Hafen, geeignet für grössere, sicherere
Fischerboote und für solide Betriebe an Land für die Anlieferung der Fänge.
Modernisierung von Schule und Hafen haben natürlich auch finanzielle Konsequenzen für eine Gemeinde. Die Einführung der kommunalen Eigentumssteuer ist von dem im Herbst neugewählten Einwohnerrat bereits beschlossen.
Als Mitglied der künftigen Eigentumssteuer-Rekurskommission bin ich im Juni an eine Schulung nach Trondheim
geschickt worden. Der Kurs war wie erwartet bürokratisch trocken, während die Streifzüge durch die Altstadt der
ehemaligen norwegischen Hauptstadt touristisch und kulinarisch sehr interessant waren. Spannen war es auch im
selbst auferlegten Nostalgie-Spiel zu versuchen, unsere eigenen ‚historischen Spuren‘ von unserer Motorrad-Reise
aus dem Jahre 1982 wiederzufinden. Viel Gummi-Abrieb von Motorrad-Stiefeln und Stollenreifen war aber nicht
mehr aufzufinden! 
Von den letztjährigen Berlevåg-Besuchern möchten wir diesmal folgende hervorheben: Unsere privaten Stammgäste Hans & Eva brachten voriges Jahr ihre Freunde Ernst & Irene mit ans Eismeer. Dabei kamen die BerlevågNeulinge in den Genuss der umfangreichen ‚Berlevåg-Adventure‘-Erfahrung von Eva & Hans – wissensvermittelnde,
orientierungssichere Wander-Leitung mit eingeschlossen. Die gemeinschaftliche Reise erst im Spätsommer zu unternehmen erwies sich zudem als wettermässiger Volltreffer, abgerundet vom ersten Nordlicht des Herbstes.
Ganz toll war natürlich auch, dass Danielas Mutter Hilda sich wünschte, ihren 82. Geburtstag in Berlevåg zu feiern.
Als ihr Enkel Ivo mit Freundin Magdalena sich als Reisebegleiter anerboten war die Sache geritzt. So begleiteten die
zwei Jungen die Jubilarin Ende Februar zur fröhlichen Geburtstagsfeier ans Eismeer. Unter dem flachen Bogen der
zurückgekehrten Wintersonne machten wir tolle Spaziergänge mit und ohne Schneeschuhe, im und rund ums Dorf.
Dazwischen Schlechtwetter-Programm mit kreativen Bastelstunden im Glasstudio. Und abends das Familienleben
geniessen mit gutem Essen & Trinken und mit nächtelangen, hart umkämpften Rummikub-Partien! 
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Mitte September überliessen Daniela und ich die Führung der Tagesgeschäfte in Glasstudio und Pensionat an unsere treue Allrounderin Marika. So reisten wir unbelastet zu einem 3-wöchigen Familien-Urlaub ins zentrale Europa.
In Liestal (CH) besuchten wir zuerst meine betagten Eltern. Zusammen mit Vater und meinen beiden Brüdern hatten ich Anfang Jahr aus der Ferne am schwierigen Entscheid teilgenommen, unsere demente Mutter im April in die
kompetente Betreuung des Pflegezentrums Brunnmatt zu übergeben. Ein Sturz mit Schenkelhalsbruch als Folge
wenige Tage nach unserem Eintreffen machte einen kurzen Spitalaufenthalt notwendig. Dies steigerte den Pflegebedarf von Mutti nochmals akut und anhaltend, was uns erst recht von der Notwendigkeit und Richtigkeit des getroffenen Entscheides überzeugte. Ganz erfreulich war es zu erleben, wie der 94-jährige Vati nun als ‚Alleinstehender‘
in seinem geliebten Eigenheim eigenständig wieder sein Leben leben kann. Befreit von der nicht mehr handtierbaren
Pflegeverantwortung für seine demente Ehefrau, unterstützt vom Hauspflege-Dienst und den nahen Verwandten.
Nebst Spital- und Pflegeheim-Besuchen blieb glücklicherweise auch Zeit für eine Familien-Zusammenkunft, wo uns
unter anderem der letztgeborene Spross der Familie – das Bübchen Emil – vorgestellt wurde. (Und in der Zwischenzeit ist auch noch meine Grossnichte Ellie dazugekommen.)
Bei Mamma Hilda in Triesen (FL) verweilten wir dann nur über ein Wochenende. Sie hatte zum Familien-Treffen
eingeladen, mit all ihren Kindern und Ehepartnern, Grosskindern und auch die Urenkelin Manel war zum ersten Mal
mit dabei. Dann führte die Reise weiter ostwärts, bequem und gemütlich mit dem Reisezug nach Hallein (A) zum
Besuch bei Danielas Tanten und Onkeln. Dorthin begleitete uns Mamma und Danielas Schwester Barbara. Daniela
und ich wohnten fürstlich im Dachzimmer in Inge und Willys schöner Altstadt-Wohnung, mit Blick zur Kirche, über die
Dächer der Stadt und zu den umliegenden Bergen. Nebst gemütlichem Zusammensein mit den älter gewordenen Senioren machten wir Ausflüge in die nahe Umgebung und Einkaufsbummel in Halleins schöner Altstadt. Für Barbara
und Daniela wurden Kindheitserinnerungen wach aus den Ferien bei Grossmammi und Grossvati, z.B. beim
Schmöckern im alteingesessenen Spielwarenladen Oedl. Ich begleitete Hilda auf mehreren lehrreichen Spaziergängen entlang der Salzach und in der Stadt, durch die ‚Hintergassen und Schleichweglein ihrer Jugend‘. Zum Abschluss der Halleiner-Tage machten wir eine gemütliche Pferdekutschen-Fahrt ins Bluntautal zur Jausenstation
‚Gasthaus Bärenhof‘. – Auf der Bahnfahrt zurück Richtung Schweiz trennten sich unsere Wege in Landeck (A).
Mamma und Daniela wurden dort von Schwester Uschi abgeholt, für einen Besuch bei ihr und Lüzza in Scuol (CH)
im Unterengadin. Derweil wollte ich mich nochmals über die aktuelle Situation meiner Eltern in Liestal ins Bild setzen.
Und sogar ein kurzes, lustiges Wiedersehen mit unserem Berlevåg-Freund Josef auf seinem Hof mit Alpenblick in
Wolfisberg (CH) brachte ich noch auf die Reihe. Treffpunkt mit Daniela war dann die Eincheck-Halle auf dem Flugplatz in Zürich für die Rückreise. Diese verlief reibungslos und brachte uns zurück ins vorwinterlich frostige Berlevåg,
wo schon die ersten zauberhaften Nordlichter des Winters über den spätnachmittäglichen Nachthimmel huschten.
Die Häufigkeit der Nordlichter nahm dann im Laufe des Winters eher ab, so dass es für das späte Erscheinen dieser
‚NORDLICHTER‘ eigentlich eine natürliche Erklärung gäbe.  Wichtiger aber ist, dass es im Glasstudio schon seit
Wochen auch an Wochenenden ‚keine ruhige Minute‘ mehr gibt. Zusammen mit Schülern der hiesigen Schule hat
Daniela im Herbst am Strand Gipsabdrücke von 12 spannend strukturierten Klippen und Steinplatten gemacht. Die
Schüler haben dann in mehreren Runden mitgeholfen diese Abdrücke in stabile, hitzebeständige Formen umzuarbeiten. Mit Hilfe dieser Formen sind in der Zwischenzeit 36 verschiedenfarbige, felsenstrukturierte Glasplatten der Grösse
27 x 45 cm entstanden. Diese Schmelzprozesse verliefen aber Mitnichten so problemlos wie in einem Satz ausgedrückt. Um das Problem der Lufteinschlüsse und der unkontrollierten Blasenbildung in den Griff zu bekommen, waren
unsere Problemlöser-Fähigkeiten und Know-how hart gefordert. Vom stetig wachsenden Zeitdruck gar nicht zu reden!
Zur offiziellen Eröffnung der neuen Berlevåger Schule am 2. Februar müssen die 36 Platten nämlich an der 8m
hohen Hauptwand der zentralen Wandelhalle fertig geschliffen, poliert, arrangiert und montiert sein. Dann können
wir das von Daniela vorgeschlagene Gemeinschaftsprojekt ‚Ausschmückung der neuen Schule‘ hoffentlich erfolgreich als abgeschlossen erklären.
Damit auch die Dokumentation des Ausschmückungs-Projekts für die 10-minütige Präsentation am 2. Februar noch
fertig wird, muss sich der Schreiberling jetzt rüber ins Glasstudio sputen, um seine gestalterische Arbeit mit Wort
und Bild dort fortzusetzen. Darum ist für die ‚Nordlichter 2015‘ jetzt Punktum.
Wir wünschen allen Nordlichter-Freunden viel Vergnügen beim Lesen und
ein kreatives, gutes neues Jahr. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.
Herzlichst – Dieter & Daniela