Biopos eV Teltow-Seehof Bearbeiter Kapitel Biopolymere

Clusterkonferenz Kunststoffe und Chemie 2015
Biopolymere
Kernteam: Prof. Dr. H.-P. Fink , Prof. Dr. D. Hofmann, Dr. M. Hahn (alle Fraunhofer IAP), Dr. H. Lerche (KuVBB e.V.), K. Dohrmann (ZAB)
Ergebnisse der Potenzialanalyse, Kapitel Biopolymere
Auftraggeber: MWE Potsdam
Hauptauftragnehmer: Biopos e.V. Teltow-Seehof
Bearbeiter Kapitel Biopolymere: Prof. D. Hofmann,
Fraunhofer Institut für Angewandte Polymerforschung IAP Potsdam-Golm
Kurze Produkt- und Marktanalyse:
Biopolymere für technische Anwendungen umfassen ein breites
Materialspektrum:
• Natürliche Biopolymere wie Cellulose, Celluloseester, Stärke, TPS,
Lignin, Hemicellulosen, Chitin, Pektin, Proteine
• Neuere Biobasierte Kunststoffe wie PLA, PHA, Bio-PA (z.B. Evonik
Vestamid Typen), »drop-ins« (Bio-PE, Bio-PP, Bio-PET)
• biobasierte Blends von Kunststoffen auch mit Stärke oder Lignin
Aus Biopolymeren sind fast alle Produktgruppen wie aus erdölbasierten
Kunststoffen herstellbar (Fasern, Folien, Fliese, Formteile etc.)
Typische Einwände potenzieller Endhersteller (z.B. Automobil,
Haushaltsgeräte - Ergebnisse eines Workshops):
• Endhersteller nicht bereit, eventuelle Mehrkosten zu tragen, da sie
befürchten diese nicht auf die Endabnehmer umlegen zu können.
• Viele Endkunden sehen biobasierte Kunststoffe in Konkurrenz zur
Nahrungserzeugung und/oder haben Zweifel an der ökologischen und
energetischen Nachhaltigkeit dieser Materialien.
• Die Endhersteller befürchten Probleme bei der Qualitätssicherung für
Ihre Produkte, wenn sie Biopolymere einsetzen.
• Probleme werden auch mit der stabilen Verfügbarkeit entsprechender
Biopolymere in großen Mengen gesehen.
Mögliche Lösungsansätze:
• Aussagefähige Energie- und Ökobilanzen / Zertifizierungen
• Das Thema Recycling von Biopolymeren adressieren
• Betonung von Materialvorteilen für Bioipolymere (wo gegeben)
• Bevorzugte (dezentrale) Nutzung lokaler Biomassequellen
• Verbesserte fachliche Informationen zum Thema Biopolymere
Weltweit werden zurzeit im Kunststoffbereich jährlich in aller Regel
profitabel etwa 7 Mio. Tonnen cellulosebasierte Werkstoffe (inkl.
cellulosebasierte Chemiefasern), 2,5 Mio. t Wood-Plastic Komposite und
etwa 2 Mio. t neuere biobasierte Kunststoffe (vergl. oben) produziert und
finden Eingang in Produkte. In allen Bereichen wird eine dynamische
Aufwärtsentwicklung erwartet.
Fazit: Biopolymere finden sich nicht nur in kompostierbaren Einkaufstüten
und es gibt bereits umfangreiche profitable Marktnischen für ihren
Einsatz, die ohne staatliche Subventionen wirtschaftlich sind.
Methodisches:
Befragt wurden:
• 9 Polymerhersteller (incl. Compoundeure) im Land Brandenburg und 5
Biopolymerhersteller außerhalb
• 123 brandenburgische kunststoffverarbeitenden Firmen
• 7 Netzwerke in und um Brandenburg
Rücklauf/Internetanalyse:
• 54 der insgesamt befragten 137 Unternehmen und alle Netzwerke
• Problem: Biopolymere bilden in den wenigsten Fällen das Kerngeschäft
• Zusätzlich erfolgte zu allen Firmen mit Webauftritt eine Analyse der
entsprechenden Webseiten (war in etwa 90 % der Fälle möglich)
Ergebnisse der Potenzialanalyse:
• Die Herstellung von Biopolymeren im Land Brandenburg reduziert sich
nach gegenwärtigem Stand auf technische Stärke (Emsland), kleinere
Mengen von PLA für Entwicklungszwecke (UIF) und (zukünftig) kleinere
Mengen an schwefelfreien Ligninen (biotechnologische Anlagen – vergl.
Teil Feinchemie). Die Firma Linotech GmbH ist der einzige uns bekannte
Biopolymercompoundeur.
• Bei den Verarbeitern setzen bereits 28 Unternehmen Biopolymere ein
(meist aber nicht als Kerngeschäft). 8 weitere Unternehmen planen
mittelfristig Biopolymere zu nutzen.
Vorschläge für Wertschöpfungsketten (Beispiele):
• Dezentrale Produktion von Oligo-PLA aus einheimischen Reststoffen,
gefolgt von Umwandlung in hochwertige Multiblock-PLA durch
Reaktivextrusion bei zentralen Verarbeitern und Produktentwicklungen.
• Entwicklung von PLA-Typen bzw. anderen geeigneten biobasierten
Kunststoffen mit besonders guten thermo-mechanischen Eigenschaften
gefolgt von Entwicklungen hochwertiger Produkte.
• Gezielte Herstellung hochwertiger gereinigter Lignine in geeigneten
Bioraffinerien und deren Nutzung zur gezielten Produktentwicklung.
• Entwicklung
von
voll
biobasierten
Faserkompositen
mit
Anschlussmöglichkeiten zu Produktentwicklungen für den Leichtbau.
• Entwicklung und Vermarktung innovativer Verpackungsmaterialien und
Verpackungsprodukte mit maßgeschneiderten Eigenschaften.
Empfehlungen für die brandenburgische Wirtschaftspolitik:
• Brandenburg verfügt nur über sehr wenige Hersteller von
Biopolymeren. Daher Potenzial für Neuansiedlungen prüfen.
• Von den Brandenburgischen Kunststoffverarbeitern setzt bisher nur
eine Minderheit Biopolymere ein. Hier gibt es Entwicklungspotenzial.
• Wir empfehlen in einer Anlaufphase zunächst gut vermarktbare
Projekte im Sinne genannten Wertschöpfungsketten zu fördern, um mit
den Ergebnissen Verarbeiter, Produktentwickler und potenziellen
Kunden von den Vorteilen von Biopolymeren zu überzeugen.