Johannes Kollwitz Guter Kunstunterricht V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de oder Kunstlehrer sind glückliche Menschen w G ut 50 neue Unterrichtsideen für ältere Schüler der Sekundarstufe 1 Themenbereich Musik/Kunst Bestellnummer 09-004-289 LEHRER SELBST VERLAG V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de ut G Stand: 20.05.2015 w Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved. Nachdruck, auch auszugsweise, vorbehaltlich der Rechte, die sich aus §§ 53, 54 UrhG ergeben, nicht gestattet. © LehrerSelbstVerlag 2015 Sokrates & Freunde GmbH, Koblenz (Germany) 2015 www.lehrerselbstverlag.de Druck: www.f-druck.de Inhalt 6 Tabellarische Übersicht der Unterichtseinheiten .......................................................................... 11 1. 1.1 1.2 1.3 1.4 Der erste Klassiker: Keith Haring und seine Bildwelten Sprichworte und Redensarten im Stil von Keith Haring oder Wir sitzen alle in einem Boot .......... Streit- und Schulszenen nach Keith Haring ..................................................................................... Labyrinth-Bilder nach Keith Haring oder Wo bin ich und wenn ja, wie viele? ................................ Holzskulpturen nach Keith Haring oder Lange keine Laubsäge mehr in der Hand gehabt! ............ 17 21 24 28 2. 2.1 2.2 2.3 2.4 Der zweite Klassiker: Roy Lichtenstein und die Ben Day Dots A classical Painting goes Pop oder Mona Lisa á la Lichtenstein ...................................................... Landschaften und Stillleben im Stil von Roy Lichtenstein ............................................................... Selbstportraits im Stil von Roy Lichtenstein ................................................................................... Six Animals oder Mutation eines Tieres ......................................................................................... 31 35 38 41 3. 3.1 3.2 3.3 Der dritte Klassiker: Niki de Saint Phalle, eine fröhliche Kämpferin Nanas – gemalt und modelliert ...................................................................................................... Aids-Plakate inspiririert durch Niki oder Mach's mit! ..................................................................... Herzbilder nach Niki oder My heart belongs to daddy ................................................................... 45 49 52 4. 4.1 Der vierte Klassiker: Pointilismus oder der Verläufer der Ben Day Dots Landschaftsbilder der Romantik im Stil der Pointilisten oder Caspar David Friedrich meets Georges Seurat ....................................................................... Pointilistische Gesichter oder Punkt für Punkt für Punkt ............................................................... 55 58 4.2 V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Vorwort .......................................................................................................................................... Der fünfte Klassiker: Film und Comic Comicfiguren im Stil von Romero Britto oder Zerlegt Bambi! ........................................................ Avatare oder Lehrer in Pandora ..................................................................................................... Findet Nemo! Oder Fische sind Freunde, kein Futter ..................................................................... Doppelportraits nach Erró oder Monster sind auch nur Menschen ............................................... Gestaltung eines Filmplakates/DVD-Covers oder Fluch der Karibik 7 – Captain Jack Sparrow im Seemannsheim ...................................................... 6. 6.1 6.2 6.3 6.4 6.5 6.6 Gemischte Klassiker Szenen nach Ernst Ludwig Kirchners Berliner Straßenbildern ........................................................ 79 Gesichterreihe nach Alexej von Jawlensky oder Die Menge macht‘s ............................................. 82 Nach Paula Modersohn-Becker: Eine Landschaft – zwei Jahreszeiten ........................................... 84 Fiktive Portraits nach Amedeo Modigliani oder Die Langhälse ...................................................... 86 Scherenschnitte nach den Nus Bleus von Henri Matisse ................................................................ 90 Ausschnittvergrößerungen inspiriert durch Gemälde von Domenico Gnoli oder Kleine Dinge groß machen ..................................................................................................... 92 Blumenbilder nach Georgia O’Keeffe ............................................................................................. 95 Stadtlandschaften nach Georgia O‘Keeffe oder Viel zu viele Fenster! ........................................... 98 Telefonszenen und Paare nach Richard Lindner ............................................................................. 100 6.7 6.8 6.9 w G ut 5. 5.1 5.2 5.3 5.4 5.5 61 64 68 70 74 Übermalungen nach Arnulf Rainer oder Bitte keine Schnurbärte und Brillen ............................... Kerzenbilder nach Gerhard Richter oder Advent, Advent .............................................................. Maschinen und Geräte nach Konrad Klapheck oder Die tödlichen Bügeleisen .............................. Alte Köpfe – neu gestaltet nach Shepard Faireys Hope-Plakat ....................................................... 104 108 111 115 7. 7.1 7.2 7.3 7.4 7.5 7.6 7.7. Collagen und anderer Schnickschnack Collagen aus gerolltem Papier oder Rolled Paper, roll it, Baby! ..................................................... Geometrische Abstraktion: Collage eines Farbrhythmus ............................................................... Pop Art-Collage mit „gefüllten“ Silhouetten oder Zwölf Blickwinkel .............................................. Gefüllte Schrift statt Gefüllter Paprika ............................................................................................ Landschaften aus Mosaik-Schnipseln ............................................................................................. Abstrakte Collagen aus Wellpappe ................................................................................................. Schuhmodelle aus Wellpappe oder Die Blutgrätsche .................................................................... 121 123 127 131 136 139 142 8. 8.1 8.2 8.3 8.4 8.5 Aufwendigeres oder Manchmal muss es eben mehr sein Faces in Shoes oder Recycling durch Kunst .................................................................................... Holzmontagen nach Kurt Schwitters oder Da, da statt Dada .......................................................... Nagelbilder nach Günther Uecker oder If I had a hammer ............................................................ Plastische Bilder nach Boris Kleint .................................................................................................. Wandskulpturen nach Bruce Gray .................................................................................................. 145 148 152 156 161 9. 9.1 9.2 9.3 9.4 9.5 9.6 9.7 Vermischtes Falsche Verpackungen oder Die Prinzenflasche ............................................................................. Frauenfiguren nach Roberto Fantini ............................................................................................... Japanische Tuschmalerei: Bambus ................................................................................................. Käse oder Wurst ? Kunst ist uns nicht Wurst! Kunst ist kein Käse! ................................................. Obst und Gemüse oder Vitamine in der Kunst ............................................................................... Tieraugen oder Schau mir in die Augen, Kleines I .......................................................................... Menschenaugen oder Schau mir in die Augen, Kleines II ............................................................... 165 168 171 174 177 181 185 V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de 6.10 6.11 6.12 6.13 ut Nachwort und Ausblick .................................................................................................................. 189 G Literaturliste ................................................................................................................................... 193 Bildnachweise ................................................................................................................................ 195 w Websites ......................................................................................................................................... 197 Jede Art von Kunst ist gut, außer der, die langweilig ist. Voltaire V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Karl Valentin Jede künstlerische Leistung ist ein Sieg über die menschliche Trägheit. Herbert von Karajan Es gibt keine schöpferische Tätigkeit ohne Ungehorsam. Jean Cocteau Die Kunst muss nichts. Die Kunst darf alles. Ernst Fischer w G ut Kunst ist, wenn man’s nicht kann. Denn wenn man’s kann, ist’s keine Kunst. Johann Nepomuk Nestroy 4 Vorwort Guter Kunstunterricht – eine Herausforderung oder Kunstlehrer sind glückliche Menschen V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Ich unterstelle, Sie, verehrte Leserin und verehrter Leser, sind Fachkollegin bzw. Fachkollege, haben also Kunstpädagogik studiert und im Referendariat – oder wie es in manchen Bundesländern heißt - im Vorbereitungsdienst – mehr oder minder gelernt, Kunstunterricht zu planen und durchzuführen. Ich selber darf sagen, dass ich diese anspruchsvolle Tätigkeit erst in den ersten Jahren meiner Berufstätigkeit wirklich gelernt habe. Sorry, lieber Professor für Kunstdidaktik, sorry, liebe Fachseminarleiterin. ut Zu Beginn aller Überlegungen steht bei mir das „WAS“ und dazu können hilfreich sein: ein Blick in die Kunstgeschichte, ein Werbeplakat, das im Vorübergehen aufgefallen ist, eine Anzeige in einer Zeitschrift, Ergebnisse beim Googeln, ein Filmvorspann, ein Buch-Cover, ein Blick auf Schülerarbeiten aus dem Unterricht von Kollegen/innen u.v.a.m. Sie vermissen in meiner Aufzählung die Begriffe Kerncurricula, Rahmenrichtlinien, Lehr- oder Stoffverteilungspläne? Nun, die Lektüre der Kerncurricula, früher Rahmenrichtlinien genannt, die ich für unser Fach kenne, hat mir bei der konkreten Planung meines Unterrichts fast nie helfen können. Ich erspare Ihnen und vor allem mir, näher auf solches Schriftgut einzugehen. Dementsprechend werden Sie in diesem Buch auch Begriffe wie Kompetenzen, Kompetenzerwerb, Lernfelder, Bausteine oder noch schlimmer Module nicht finden. Mich treibt beim Kunstunterricht immer die ganz konkrete Frage an: Was mache ich morgen mit meiner Klasse? Welche Materialien benötige ich dazu? Wie lange wird diese Unterrichtseinheit dauern? Und … ganz entscheidend: Was kann im Idealfall dabei herauskommen? Ich gebe es gerne zu: Ich bin dabei eher ergebnis- als prozessorientiert. Entscheidend ist (für mich), was am Ende dabei herauskommt. w G Was ist also guter Kunstunterricht? Trotz aller Zieltransparenz, ministerieller Vorgaben und allgemein verbindlicher Curricula bleibt dies m. M. nach eine Fragestellung, die nicht nur überwiegend subjektiv beantwortet werden kann, sondern muss. Nun, altersgemäße Fähigkeiten im Zeichnen, Malen, Drucken, plastischen Gestalten und Design müssen natürlich vermittelt und Monster, Gouache auf Papier, Klasse 5 immer weiter ausgebaut werden. Dazu gehören auch Kenntnisse des verwendeten Materials und der verwendeten Werkzeuge. Wann verwende ich einen Borstenpinsel, wann einen Haarpinsel? Was kann ich grafisch mit einem 6B-Bleistift erreichen, was mit Kohle, was mit Kreiden? Wie reagiert welches Papier (oder andere Malgründe) auf Wasser-, Aquarell-, Gouache- oder gar Acrylfarben? Wie reagiert Modelliermasse (oder Ton) unter meinen Händen, wie lange sind die Trocknungszeiten? 5 6 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Neben solch handwerklich/technischen Bereichen sollten die Bereitschaft und die Fähigkeit treten, sich mit Kunst auseinanderzusetzen, d.h. Kunstwerke aller Epochen zu beschreiben, zu analysieren, letztendlich zu verstehen und als menschliche Kreativleistung wertzuschätzen. Aber auch solch kognitive Fähigkeiten können in unserem Fach über die Praxis erworben werden. Dazu ein Beispiel: In der Unterrichtseinheit A Classical painting goes POP ging es darum, ein berühmtes Gemälde in die Farb- und Formsprache Roy Lichtensteins zu transformieren. Zwei Schülerinnen taten dies mit Picassos „Guernica“; durch den Umgestaltungsprozess konnten sie erst einzelne Bildelemente isolieren, erkennen und benennen und so den komplexen Bildaufbau dieses Jahrhundertwerks verstehen, weil sie ihn handelnd nachvollzogen. Transformation des Gemäldes „Guernica“ von Pablo Picasso in den Stil von Roy Lichtenstein, 100 x 40 cm, Klasse 10 G ut Wichtige Rahmenbedingungen für guten Kunstunterricht werden auch durch Ort, Material und Werkzeuge für künstlerisches Tun geschaffen: An meiner Schule gibt es mittlerweile nahezu optimale Voraussetzungen: Fachräume mit guten Lichtverhältnissen und einen entsprechenden Etat. So konnten meine Fachkollegen und ich von den unsäglichen Farbkästen und dem minderwertigen Papier herkömmlicher Zeichenblöcke umschwenken auf gutes Zeichenpapier (170g/m², bläulich-weiß, Format 50 x 70 cm) und gut deckende und gut mischbare Gouachefarben (in Literflaschen), Paletten, Pinsel und Spachtel verschiedenster Art. Hinzu kommt eine große Auswahl für den Bereich Zeichnung/Grafik: Blei- und Buntstifte, Kohle und Grafit, Pitt- und Ölkreiden stehen immer bereit. Unsere alte Diasammlung konnte schon vor Jahren durch eine Laptop-Beamer-Kombination mit Internetanbindung ersetzt werden, sodass Bildbesprechungen und -analysen problemlos in den Unterricht eingebaut werden können. All dies stellt meine Schule jedem Kollegen und allen Schülern kostenlos zu Verfügung. Ein engagierter Förderverein und eine ebensolche Elternschaft ermöglichen viele dieser Vorteile, die eine staatliche Schule allein sicher nicht finanzieren könnte. w Besonders erfreulich ist dadurch die Möglichkeit, großformatig (eben 50 x 70 cm) zu arbeiten, sodass meine Schule immer mit aktuellen und auffallenden, weil großformatigen Schülerarbeiten dekoriert werden kann. Diese Präsentation der Originale und die Veröffentlichung vieler Schülerarbeiten auf unserer Homepage (www.ratsschule.de) macht alle Protagonisten stolz und motiviert zu Höchstleistungen. Um solche zu ermöglichen, ist ein entsprechendes „geistiges“ Umfeld vonnöten: Das Fach Kunst muss ein gewisses „Standing“ in Ihrem Kollegium und bei der 6 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag 7 Schulleitung haben, in Zeiten der Ökonomisierung von Bildung ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Wenn ich regelmäßig unsere Schule mit aktuellen Schülerarbeiten dekoriere, diese beschrifte und mit Erläuterungen versehe, können Kollegen, Eltern, Mitschüler und Besucher der Schule nachvollziehen, was im Kunstunterricht geleistet wird, Anteil nehmen und Interesse bekunden. Der Mathematik- und Physiklehrer wird so staunen gemacht, was seine Schützlinge im Bereich Kunst zu leisten imstande sind, und sieht so den einen Schüler oder die andere Schülerin mit anderen Augen. V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Zurück zum eigentlichen Unterricht: Mir ist es sehr wichtig, dass die normale Schulatmosphäre einer Art Werkstattatmosphäre weicht. Dementsprechend präpariere ich den Kunstraum meist vor Stundenbeginn und stelle alle notwenigen Materialien und Werkzeuge bereit. Aufgabenstellungen versuche ich so zu formulieren und zu strukturieren, dass es allen möglich ist, zu einer individuellen Bildlösung zu kommen. Nichts ist schrecklicher als ein dreißigteiliger Satz von Schülerarbeiten, die sich gleichen wie ein Ei dem anderen. „Wir machen hier Kunst, nicht Mathematik“, antworte ich oft auf die Frage, ob irgendetwas richtig oder falsch sei. Sicher ist manchmal eine bestimmte Farbwahl nahezu zwingend, aber oft obliegt sie dem persönlichen Empfinden und dem Geschmack des einzelnen Schülers. w G ut Nach einer möglichst kurzen Einführung ins Thema, einer knappen und schnell verständlichen Aufgabenstellung soll möglichst lange selbstständig gearbeitet werden. Dabei steht der Lehrer als Berater permanent zur Verfügung, demonstriert – falls gewünscht – auch die ein oder andere Technik. Auf Schlussbesprechungen am Ende einer Doppelstunde verzichte ich in der Regel, am Ende einer Einheit erst erfolgt eine Reflexion und gemeinsame Präsentation der Arbeiten. Wie bereits eingangs erwähnt, sind mir die Endergebnisse wichtiger als der Prozess. „Entscheidend is auffem Platz“, würde analog ein Fußballtrainer sagen. Und wenn ich in die Augen stolzer Schüler blicke und lobend-staunende Kommentare von Eltern und Kollegen höre, dann bin ich mir immer von Neuem sicher: Ein solch ergebnisorientier Ansatz kann so falsch nicht sein. Kunstlehrer/innen müssen glückliche Menschen sein, dürfen sie doch mit anderen und für andere kreativ sein. Am Ende einer gelungenen Unterrichtseinheit bin ich ein glücklicher Mensch. Skripturale Malerei, Gouache auf Papier, je 70 x 50 cm, Klasse 7 Im Folgenden werde ich 50 Unterrichtseinheiten vorstellen, die ich an einer Realschule in Niedersachsen mehrfach durchgeführt, immer wieder variiert und letztendlich für meine Schüler 7 8 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag und mich optimiert zu haben glaube. Ich versuche mir vorzustellen, wie Sie bei der Lektüre reagieren und welche Fragen Sie sich stellen: Funktioniert das auch? Könnten das meine Schüler? Hätten sie Freude an diesen Themen? Ich selbst hatte und habe immer noch Probleme damit, fertige Unterrichtseinheiten von anderen, seien sie nun publiziert oder kursieren nur als Arbeitsblatt im Kollegenkreis, einfach so zu übernehmen. Sei es nun der persönliche Ehrgeiz, nur eigene Ideen verwirklichen zu wollen, oder die Skepsis, dass diese oder jene Einheit nicht in und bei jeder Lerngruppe funktioniert, welche Einwände auch immer Sie gegen solche Bücher wie das vorliegende haben, nehmen Sie meine Vorschläge als Anregungen, als eine Art Steinbruch, aus dem Sie die für Sie und Ihre Schüler interessanten Stücke herausbrechen und eventuell ganz neu zusammensetzen. Dennoch kann ich Ihnen wie ein Kochbuchautor versichern: Die „Rezepte“ funktionieren, wurden alle mehrmals nachgekocht. V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Die 50 beschriebenen Unterrichtseinheiten habe ich versucht, mehr oder minder sinnvoll in neun Kapitel einzuordnen. Die Beschreibung der einzelnen Einheiten folgt immer dem gleichen dreiteiligen Muster: Einer Darstellung der zugrunde liegenden Idee bzw. des Impulses (Grundidee) folgt ein Abschnitt, in dem alles zur Durchführung Notwendige aufgelistet wird (Material/Medien/Werkzeuge); den Abschluss bildet eine Schilderung, wie diese Unterrichtseinheit ablaufen soll bzw. kann (Ablauf). Erwarten Sie aber bitte keine zur Übernahme fertigen Unterrichtseinheiten mit Arbeitsblättern und Kopiervorlagen. Ich denke, Sie sind Kollege/in und Profi und können und wollen meine Ideen für Ihre Lerngruppe modifizieren und variieren. ut Bei fast allen Abbildungen in diesem Buch handelt es sich um Schülerarbeiten, die ich selbst fotografiert habe. In den meisten mir bekannten Publikationen zum Kunstunterricht in der Sekundarstufe 1 sind m. M. nach meist viel zu wenige Schülerarbeiten abgebildet, um einen wirklichen Eindruck von der möglichen Vielfalt, aber auch von den möglichen Schwierigkeiten eines Themas zu bekommen. Auf Abbildungen von Originalen der Kunstgeschichte habe ich i.d.R. zum einen verzichtet, da es im einen oder anderen Fall rechtliche Probleme gab, zum anderen weil alle notwendigen Abbildungen heutzutage problemlos im Netz zu finden sind. Wissenschaftlich anmutende Anmerkungen in Form von Fußnoten werden Sie ebenso vergeblich suchen, da mein Buch kein wissenschaftliches sein soll, sondern Ideen und Erfahrungen aus der Praxis für die Praxis enthält. Auch die Literaturliste im Anhang erhebt daher weder den Anspruch wissenschaftlicher Vollständigkeit, noch wurde bei ihrer Erstellung die letzte Aktualität anstrebt. G Widmungen sind nicht unbedingt meine Sache, Danksagungen aber schon. So gilt mein Dank meinen Schülerinnen und Schülern der Ratsschule in Melle, die meine Ideen i.d.R. aufgeschlossen und interessiert, in nicht wenigen Fällen sogar begeistert aufgenommen haben. Ein weiterer Dank gilt meinen Fachkollegen der Ratsschule. Manchmal haben sie mich zu Recht gebremst, manchmal angespornt und dadurch weitergebracht. w Einer der größten Künstler des 20. Jahrhunderts, der leider aus dem Focus vieler Kunstinteressierter zu verschwinden scheint, lieferte mir vor Jahren das Motto für mein Tun. Mehr als nur ein Bonmot, sondern ein wirklich be- und nachdenklich stimmendes Zitat von Joseph Beuys: „Im Grunde müsste der Kunstunterricht, auch für die Schüler, das schwierigste Fach sein. Im Augenblick ist er noch das bequemste Fach, in dem man machen kann, was man will. Ich glaube, die Kinder verachten den Lehrer, weil er zu wenig fordert.“ (zit. nach: Stachelhaus, Heiner: Joseph Beuys, Düsseldorf 1988, S. 106) 8 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag 9 In diesem Sinne: Holen wir das schönste aller Schulfächer aus der Bastel- und Mandala-Ecke. Machen wir anspruchsvollsten Kunstunterricht, dessen Ergebnisse Schüler, Eltern und Kollegen staunen machen. Das tun viele von Ihnen sowieso schon, aber nach der Lektüre der folgenden Seiten eventuell jedoch mit neuen Inhalten und Themen. Ich wünsche Ihnen und Ihren Schülern viel Erfolg und Freude bei Ihrer Arbeit. Johannes Kollwitz w G ut V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de P.S. Hoffentlich überflüssig zu erwähnen ist, dass die Wortformen Schüler, Lehrer und Kollege immer auch die weibliche Form mit einschließen. Um der leichteren Lesbarkeit willen wurde auf umständliche Doppelformulierungen i.d.R. verzichtet. 9 10 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag Thema Technik Dauer Aufwand Anspruch Klasse in Do.-St. Vorbereitung Schwierigkeit Beispiele Seite Schülerarbeiten Malerei 2 bis 3 gering mittel 9 / 10 95 Stadtlandschaften nach Georgia O'Keeffe Malerei 2 bis 3 gering mittel 9 / 10 98 Ausschnittvergrößerungen nach Domenico Gnoli Malerei 3 bis 4 gering hoch 9 / 10 92 Maschinen & Geräte im Stil von Konrad Klapheck Monster nach Erró Alte Köpfe im Stil des Hope-Plakates von Shepard Fairey Malerei 3 bis 4 gering sehr hoch 10 111 Malerei 5 bis 6 hoch sehr hoch 10 70 Malerei 4 bis 5 mittel mittel 10 115 Malerei 4 bis 5 hoch mittel 9 165 Malerei 2 bis 4 gering mittel 9 / 10 86 Malerei 3 bis 4 gering mittel 9 / 10 79 mittel hoch 9 / 10 82 G ut Falsche Verpackungen V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Blumenbilder nach Georgia O'Keeffee Köpfe nach Amedeo Modigliani w Straßenszenen nach Ernst Ludwig Kirchner Zehnteilige Gesichterreihe nach Alexej Jawlensky Malerei Zeichnung 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag 5 bis 6 11 Thema Thema Technik Technik Nu bleu Nu bleu nach nach Henri Matisse Henri Matisse Dauer Aufwand Anspruch Dauer Aufwand Anspruch Beispiele Beispiele ScherenScherenschnitt schnitt Collage Collage 2 2 sehr gering sehr gering mittel mittel 8 bis 10 8 bis 10 90 90 Kerzen Kerzen nach nach Gerhard Richter Gerhard Richter Malerei Malerei 2 bis 4 2 bis 4 gering gering mittel mittel 8 bis 10 8 bis 10 108 108 Telefonszenen & Paare Telefonszenen &nach Paare Richard Lindner nach Malerei 3 bis 4 gering hoch 10 100 Malerei 3 bis 4 gering hoch 10 100 Friedrichim Stil des Landschaften Pointilismus im Stil des Pointilismus Pointilistische Gesichter Pointilistische Gesichter Wurst oder Käse Malerei 4 bis 5 mittel mittel 9 / 10 84 Malerei 4 bis 5 mittel mittel 9 / 10 84 Malerei 2 bis 3 mittel gering 8/9 55 Malerei 2 bis 3 mittel gering 8/9 55 Malerei 2 bis 3 mittel gering 7/8 58 Malerei 2 bis 3 mittel gering 7/8 58 Malerei 3 bis 4 mittel mittel 9 / 10 174 Malerei 3 bis 4 mittel mittel 9 / 10 174 Malerei 3 bis 4 mittel mittel 9 / 10 177 Malerei 3 bis 4 mittel mittel 9 / 10 177 Malerei 4 bis 5 mittel 9 / 10 181 Malerei 4 bis 5 mittel 9 / 10 181 9 / 10 185 9 / 10 185 G ut Wurst oder Käse V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Schwierigkeit Schwierigkeit Eine Landschaft zwei Jahreszeiten Eine Landschaft nach zwei Jahreszeiten Modersohn-Becker nach Modersohn-Becker Romantik meets Pointilismus Romantik meets FriedrichPointilismus Landschaften Obst & Gemüse Obst & Gemüse Tieraugen w Tieraugen Schülerarbeiten Schülerarbeiten Seite Seite Vorbereitung Vorbereitung Richard Lindner Menschenaugen Malerei 4 bis 5 mittel Menschenaugen Malerei 4 bis 5 mittel 12 Klasse Klasse in Do.-St. in Do.-St. mittel bis hoch mittel bis hoch mittel bis hoch mittel bis hoch 12 12 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag Thema Technik Dauer Aufwand in Do.-St. Vorbereitung Anspruch Klasse Schwierigkeit Beispiele Seite Schülerarbeiten Malerei 5 bis 6 hoch sehr hoch 10 64 Frauenfiguren nach Roberto Fantini Malerei 5 -6 mittel gering 8/9 168 Japanische Tuschmalerei Malerei Tuschzeichnung 5 bis 6 gering mittel 8 bis 10 171 Landschaften & Stillleben im Stil von Roy Lichtenstein Selbstpotraits im Stil von Roy Lichtenstein A Classical Painting goes Pop berühmte Gemälde im Stil von Roy Lichtenstein Collage Malerei 4 bis 5 hoch mittel 9 / 10 35 Collage Malerei 4 bis 5 hoch hoch 9 / 10 38 Collage Malerei 5 bis 6 hoch hoch 10 31 Collage Malerei 6 bis 7 hoch sehr hoch 9 / 10 41 ut Six Animals Mutation eines Tieres V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Avatare Lehrer in Pandora G Nanas in drei Gemütszuständen 2 gering gering 8 bis 10 45 Design Typografie Zeichnung 2 bis 3 gering gering 8 bis 10 49 3 bis 4 hoch gering 10 52 w Aidsplakate im Stil von Niki de Saint Phalle Malerei Zeichnung Herzbilder im Stil von Niki de Saint Phalle Montage Objektkunst 13 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag 13 13 Thema Technik Dauer Aufwand Anspruch Klasse in Do.-St. Vorbereitung Schwierigkeit Beispiele Seite Schülerarbeiten Malerei 2 bis 3 gering gering 8 bis 10 21 Labyrinth-Bilder im Stil von Keith Haring Malerei Zeichnung 3 bis 4 gering mittel 8 bis10 24 Sprichworte & Redensarten im Stil von Keith Haring Malerei 2 bis 3 mittel gering 8/9 17 Holzskpulpturen im Stil von Keith Haring Comicfiguren im Stil von Romero Britto Gestaltung eines Filmplakates o. einer DVD-Hülle Skulptur 3 bis 4 hoch mittel 9 / 10 28 Malerei Zeichnung 5 bis 6 hoch hoch 9 / 10 61 Zeichnung Collage Texten 3 bis 4 hoch mittel 8/9 74 Malerei Zeichnung 3 bis 4 sehr hoch mittel 9 104 G ut Übermalungen nach Arnulf Rainer V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Streitund Schulszenen im Stil von Keith Haring Collage 4 bis 5 sehr hoch hoch 8/9 123 Gefüllte Schrift Collage Zeichnung 5 bis 6 hoch mittel 9 / 10 131 4 bis 5 mittel gering 7 bis 9 142 w Rhythmus mit farbigem Papier geometrische Abstraktion Neue Schuhmodelle aus Wellpappe 14 Collage 14 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag Thema Technik Dauer Aufwand Anspruch Klasse in Do.-St. Vorbereitung Schwierigkeit Beispiele Seite Schülerarbeiten Collage 5 bis 6 hoch mittel 9 / 10 139 Findet Nemo ! Collage Malerei 2 bis 3 mittel mittel 6/7 68 Collagen aus gerolltem Papier Collage 5 bis 6 hoch mittel 7 bis 9 121 V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Abstrakte Collagen aus Wellpappe Pop Art-Collage mit gefüllten Silhouetten Collage Malerei 4 bis 5 hoch mittel 8 bis 10 127 Landschaft aus Mosaikschnipseln Collage 4 bis 6 hoch mittel 5 bis 7 136 Plastik Mixed Media 5 bis 6 sehr hoch hoch 9 145 Montage Objektkunst 7 bis 8 sehr hoch hoch 10 152 Montage Objektkunst 6 bis 7 sehr hoch mittel 9 /10 148 Montage Objektkunst 5 bis 6 sehr hoch hoch 9 / 10 156 5 bis 6 sehr hoch hoch 10 161 Faces in Shoes G ut Nagelbilder nach Günther Uecker Holzmontagen nach Kurt Schwitters w Plastische Bilder nach Boris Kleint Wandskulpturen nach Bruce Gray Montage Objektkunst 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag 15 15 ut V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de w G Der erste Klassiker: Keith Haring 1. Der erste Klassiker: Keith Haring und seine Bildwelten 1.1 Bildliche Darstellung von Redensarten und Sprichworten im Stil von Keith Haring oder Wir sitzen alle in einem Boot Grundidee w G ut V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Keith Haring und seine farbenfrohen „Knubbelmännchen“ zieren Tassen, Bettwäsche, Handtücher, T-Shirts u.v.a.m. Schnell fanden Kunstlehrer daran Interesse, und so findet man sowohl im Internet als auch in herkömmlich publizierter Literatur reichlich Beispiele, in denen sich die farbigen Haring-Figuren tummeln. Seine Bilder mit gesellschaftskritischem Ansatz und Arbeiten, in denen er die/seine männliche Homosexualität thematisiert, sind eher unbekannt, manche wegen ihrer Drastik in der Sekundarstufe 1 sicher noch nicht einsetzbar. Da formal recht einfach nachzuempfinden und malerisch noch simpler umzusetzen, ist also Harings Bildsprache ideal für neue Unterrichtsideen. Nachdem ich im Deutschunterricht selbst in höheren Klassen feststellen musste, dass viele Redensarten und Sprichworte nahezu in Vergessenheit geraten sind, thematisierte ich solche im Literaturunterricht und kam dabei auf die Idee, diese bildlich darstellen zu lassen. 16 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag 17 Der erste Klassiker: Keith Haring Material/Medien/Werkzeuge Neben Zeichenpapier (50 x 35 cm, 170g/m²) , Gouachefarben, Bleistiften und dicken schwarzen Filzstiften (3 bis 4 mm Strichstärke) benötigen Sie mehrere Abbildungen von Haring-Bildern und arbeiten mit Ihren Schülern die typischen Gestaltungselemente heraus: nahezu runder Kopf, halsloser Ansatz an den Rumpf, runde, fast faustartige Hände ohne Finger, monochrome Farbgestaltung, Beschränkung auf Primär- und Sekundärfarben und grafische Zeichen, die Bewegung andeuten, wie sie die Schüler auch aus Comics kennen; außerdem eine Liste mit deutschen Sprichworten und Redensarten. Um Ihnen die Arbeit zu erleichtern, folgt eine Liste, die nicht mal annähernd Vollständigkeit für sich beansprucht. Einige Redensarten und Sprichworte sind zudem wirklich veraltet und finden sich im sprachlichen Alltag seit Jahrzehnten nicht mehr wieder, andere eignen sich für eine bildliche Darstellung nur bedingt oder gar nicht: G ut V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de In der Tinte sitzen, Auf dem Schlauch stehen, Morgenstund hat Gold im Mund, Der frühe Vogel fängt den Wurm, Gespenster sehen, Für jemanden die Hand ins Feuer legen, Etwas auf die Goldwaage legen, Aus dem Rahmen fallen, Die Arschkarte ziehen, Jemandem in den Arsch kriechen, Jemandem einen Korb geben, Jemanden oder etwas an der Angel haben, Nicht mehr alle Latten am Zaun haben, Wir sitzen alle in einem Boot, Wes Brot ich ess, des Lied ich sing, Sein Fähnchen in den Wind hängen, Mit dem/gegen den Strom schwimmen, Wo man singt, da lass dich nieder, Auf großem Fuß leben, Den Hals nicht vollkriegen, Einen Frosch im Hals haben, Einen Vogel haben, Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus, Den Teufel an die Wand malen, Aus allen Wolken fallen, Auf Wolke sieben schweben, Jemandem auf den Sack/Wecker/Keks gehen, Mit der Faust auf den Tisch hauen, Alles auf eine Karte setzen, Am Ball bleiben, Äpfel mit Birnen vergleichen, Auf Rosen gebettet sein, Auf dem Holzweg sein, w Auf dem Teppich bleiben, Auf den Ohren sitzen, Aus dem letzten Loch pfeifen, Aus der Haut fahren, Aus einer Mücke einen Elefanten machen, Bekannt sein wie ein bunter Hund, Den Braten riechen, Den Faden verlieren, Den Kopf verlieren, Den Letzten beißen die Hunde, Den Löffel abgeben, Den Mund zu voll nehmen, Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, Die Katze aus dem Sack lassen, Die Katze im Sack kaufen, Die Ohren steif halten, Die Sau rauslassen, Drei Kreuze machen, Ein Auge zudrücken, Ein Brett vor dem Kopf haben, Ein Haar in der Suppe finden, Ein Rad abhaben, Eine dicke Lippe riskieren, Eine lange Leitung haben, Eine Nadel im Heuhaufen suchen, Eine Schraube locker haben, Einen Denkzettel bekommen, Einen Kater haben, Eine Eselsbrücke bauen, Etwas an die große Glocke hängen, Etwas auf die lange Bank schieben, Etwas aus dem Ärmel schütteln, Grün hinter den Ohren sein, Hinter dem Mond leben, Im Trüben fischen, In den Hafen der Ehe einlaufen, In der Zwickmühle sitzen, In die Luft gehen, Ins Fettnäpfchen treten, Ins Gras beißen, Im Trüben fischen, Jemandem auf den Zahn fühlen, Jemandem auf den Leim gehen, 17 18 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag Der erste Klassiker: Keith Haring w G ut V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Jemandem den Buckel herunterrutschen, Jemanden an der Nase herumführen, Jemandem die Würmer aus der Nase ziehen, Jemandem einen Bären aufbinden, Jemandem Honig um den Bart schmieren, Jemanden anbaggern, Jemanden auf den Arm nehmen, Jemanden aufs Glatteis führen, Jemanden in die Wüste schicken, Jemanden nicht riechen können, Kein Blatt vor den Mund nehmen, Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen, Nicht alle Tassen im Schrank haben, Perlen vor die Säue werfen, Sich etwas aus den Fingern saugen, Sich etwas von der Backe putzen, Schmutzige Wäsche waschen, Sich im Kreise drehen, Sich ins Fäustchen lachen, Sich wie das fünfte Rad am Wagen fühlen, Tomaten auf den Augen haben, Wer A sagt, muss auch B sagen, Sich aufführen wie ein Elefant im Porzellanladen, Blut ist dicker als Wasser, Das Kind mit dem Bade ausschütten, Scherben bringen Glück, Blut ist dicker als Wasser, Eine Hand wäscht die andere … 18 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag 19 Der erste Klassiker: Keith Haring Ablauf V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Beginnen Sie doch mal mit einem kurzen Lehrervortrag, in den so Sie so übertrieben viele Redensarten und Sprichworte einbauen, dass Ihren Schülern Ihr merkwürdiger Sprachstil auffallen muss. Einige der verwendeten Redensarten halten Sie an der Tafel fest, wobei in vielen Fällen sicher eine inhaltliche Klärung vonnöten ist. Anschließend verteilen Sie eine Liste, die besprochen wird und als Auswahlgrundlage dient. Jeder Schüler sucht sich eine Redensart/ein Sprichwort aus und entwickelt im Kopf und oder als Skizze eine Grundidee, wie man diese bildlich darstellen könnte. Dann wird diese auf das große Blatt übertragen und ein Farbkonzept festgelegt, das möglichst kontrastreich angelegt werden soll. Nach der Ausmalung der Figuren mit möglichst gleichmäßigem und deckendem Farbauftrag werden die Hintergründe ebenso gestaltet. Ist alles getrocknet, werden alle Umrisslinien des Bildes sehr breit mit einem schwarzen Filzstift nachgezogen. Abschließend drucken die Schüler ihre Redensart oder ihr Sprichwort noch am PC aus. Eine „altmodisch wirkende“ Schrifttype wie Old English, Edwardian Script IT oder Lucida Blackletter schafft einen wirkungsvollen Kontrast zum Haring-Stil. w G ut Selbstverständlich ist eine Verknüpfung mit dem Deutschunterricht von Vorteil, in dem das Thema „Redensarten & Sprichworte“ eingeführt und/oder vertieft werden kann nach dem Motto: Eine Hand wäscht die andere. 19 20 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag Nachwort und Ausblick Nachwort und Ausblick V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Was bleibt darüber hinaus noch zu sagen? Ich hoffe, liebe Leserin, lieber Leser, ich konnte Sie mit der einen oder anderen Idee etwas überraschen. Mein Versuch bestand darin, einige wirklich neue Ideen zu beschreiben, die problemlos im Kunstunterricht umgesetzt werden können. Zugegeben, Aufgabenstellungen zu Keith Haring, Niki de Saint Phalle und Roy Lichtenstein geistern seit Jahrzehnten durch Handreichungen für den Kunstunterricht, aber vielleicht ist es mir in diesen Fällen dennoch gelungen, einige neue Akzente zu setzen. Außerdem – wie bereits im Vorwort erwähnt – benutzen Sie dieses Buch als eine Art Steinbruch oder eine Art Puzzle. So könnte ich mir vorstellen, dass Sie aus dem vorgestellten Fundus eine Unterrichtseinheit zum Thema Frau zusammenstellen, die mit Nanas beginnt, über Matisse‘ Nus bleus zu den Frauenfiguren Fantinis, Kirchners und Lindners führt. Und eventuell inspiriert Sie gerolltes Papier zu ganz anderen Aufgabenstellungen, als ich Sie beschrieben habe. ut Wenn wir Kunstlehrer uns in unserem Schulalltag unserer Verantwortung, der Subjektivität und der großen Freiheit unseres Planens und Handelns bewusst bleiben, dann kann dabei nur Gutes in unendlicher Vielfalt entstehen. Freiheit meint in unserem Zusammenhang: Alles ist doch möglich. Aber wann ist unser Kunstunterricht gut? Ist er gut, wenn er den Kerncurricula entspricht? Ist er gut, wenn Eltern sagen: „Ach, wie hübsch!“? Ist er gut, wenn zu Wettbewerben eingereichte Arbeiten mal prämiert werden? Ist er gut, wenn die örtliche Sparkasse die entstandenen Arbeiten ausstellt? Ist er gut, wenn er neueste Erkenntnisse der Kunstpädagogik und Kunstdidaktik berücksichtigt? Ist er gut, wenn durch ihn die Schulflure schön dekoriert werden können? Ist er gut, wenn zu Weihnachten, zu Ostern oder zu Erntedank etwas Ansprechendes gebastelt wurde? Ist er gut, wenn Schüler Rundbögen der Romanik und Spitzbögen der Gotik zuordnen können? Trotz ministerieller Vorgaben mit anzustrebenden Kompetenzen und Kerncurricula ist man doch zufrieden, wenn keine großartigen Beschwerden über unseren Unterricht und dessen Ergebnisse laut werden, wenn „nette Bildchen“ die Schulflure und die Homepage schmücken, wenn ab und zu mal erfolgreich an einem Malwettbewerb teilgenommen wird. Eltern – so sie denn überhaupt Interesse am Kunstunterricht zeigen – sind zufrieden, wenn ihre Kinder da „mal was Kreatives“ machen. Schüler sind zufrieden, wenn die Aufgabenstellungen halbwegs interessant und bewältigbar sind und sie ohne große Anstrengung mindestens zu einer Drei führen. w G Aber wann sind wir zufrieden? Und da sind wir wieder bei der Subjektivität: Allen Rahmenbedingungen zum Trotz können wir – anders als unsere Mathematik- und Englischkollegen, die die binomischen Formeln und den If-Clause nicht einfach unter den kerncurricularen Tisch fallen lassen können – allein entscheiden, was Eingang in unseren Unterricht findet. Ja, ja, ich weiß, auch bei uns gibt es Pflichtthemen, Perspektive zum Beispiel, aber wie wir dieses Thema aufbereiten und im Unterricht behandeln, können wir ganz allein kreativ und subjektiv bestimmen. Dabei stellt sich sicher auch die Frage: Kann man Kunst eigentlich unterrichten? Kunst bedingt totale Freiheit oder, um mit Jonathan Meese zu sprechen, muss zur Diktatur der Kunst führen. (Meese, Jonathan: Ausgewählte Schriften zur Diktatur der Kunst, Berlin 2012) Erzählen Sie das mal Ihrem Schulleiter! Birgit Engel, an der Kunsthochschule Münster lehrende Professorin, stellt in ihrer Dissertation die für mich entscheidende Frage: Kunst oder Unterricht? (Engel, Birgit: Spürbare Bildung. Über den Sinn des Ästhetischen im Unterricht, Internationale Hochschulschriften Band 426, Waxman Verlag, Münster, New York 2004) 181 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag 189 Nachwort und Ausblick Also: Kann man im schulischen Kunstunterricht überhaupt Kunst machen? Berücksichtigt man alle Einschränkungen, mit denen wir täglich leben, muss diese Frage eher verneint werden. Künstlerische Prozesse werden terminiert (z.B. Montag, 1. und 2. Stunde) und nach 90 Minuten für eine Woche unterbrochen, Material und Räumlichkeiten sind begrenzt, Neigung und Willen zu künstlerischen Prozessen sind bei den Beteiligten extrem unterschiedlich ausgeprägt. In der Regel werden künstlerische Prozesse nur ein halbes Jahr lang betrieben, es folgt eine ebenso lange Pause zugunsten von musikalischen Prozessen, dann wird wieder in Kunst gemacht (epochaler Unterricht). Kunst im Sinne von subjektiven Kreativleistungen, die nur in totaler Freiheit gelingen können, kann meiner Meinung nach nicht Inhalt und Ziel schulischen Kunstunterrichts sein. Prozesse und Arbeitsbedingungen von Kunst und Kunst im Unterricht sind zu unterschiedlich, wenn nicht gar gegensätzlich. V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Man stelle sich vor, angehende Maler und Bildhauer würden an Akademien so ausgebildet werden wie Physiker oder Biologen an Universitäten. Dem Bologna-Prozess haben sich alle Kunsthochschulen entzogen bzw. ihn erfolgreich ignoriert. Kunstlehrer werden aber leider immer noch so ausgebildet wie ihre Latein- oder Erdkundekollegen, aber sie dürfen und können auch nicht zu Künstlern oder wie Künstler ausgebildet werden. Oft müssen oder wollen auch Lehrer vollkommen fachfremd unser Fach unterrichten, weil das ja – zumindest bis Klasse 7 oder 8 – doch jede/r kann. Das kann gelingen, wenn elementares Interesse an der aktuellen Entwicklung der Kunst besteht, will sagen, wenn man Jonathan Meese, Neo Rauch, Martin Eder, Ed Ruscha, Mike Kelley, Francis Alys oder Ai Waiwai kennt oder sich über die letzte Documenta überhaupt aufregen kann. G ut Bernhard Balkenhol bemerkt dazu: „Die Diskussion um fachdidaktische Theorie ist an Schulen oft völlig unbekannt oder wird – mit dem entschuldigenden Hinweis auf Lehrpläne – verweigert. (…) Noch schlimmer allerdings ist die Unkenntnis von moderner Kunst, besonders der Gegenwartskunst und deren Theorien. (Balkenhol: In Kunst, um Kunst und um Kunst herum, S. 10) Auch er beklagt also die Unkenntnis von moderner Kunst, die bei vielen Kunstlehrern vorherrschen soll. Mal abgesehen davon, dass es sich dabei um eine „Baucheinschätzung“ aus dem Elfenbeinturm der universitären Wissenschaft handelt, so bleibt umgekehrt zu fragen, wann geht die Wissenschaft – also die Kunstpädagogik und -didaktik – denn mal an den Ort des Geschehens ihrer Forschung, um festzustellen, wie konsequenz- und wirkungslos sie eben dort ist? Mir sind keine Untersuchungen bekannt, die sich mit dem theoretischen Background von Kunstlehrern, ihren konkreten Arbeitsbedingungen, ihrem täglichen Unterricht und vor allem dessen Ergebnissen beschäftigt. Die Tür zu meinem Kunstraum ist stets offen, hereinspaziert, liebe Forschungselite der Kunstdidaktik und Kunstpädagogik. w Aber zurück zur kunstpädagogischen Realität: Was sind unsere Ziele abseits von Kompetenzerweiterung und Kerncurricula? In einem älteren Buch zum schülerorientierten Kunstunterricht fand ich folgendes Zitat: „Schülerarbeiten haben nicht die Aufgabe, den Lehrer ästhetisch zu befriedigen oder Kunst zu produzieren, sondern den Schüler zu aktivieren.“ (aus Schmid, Gregor: Schülerorientierter Kunstunterricht, München 1978, S. 167) Es soll im Kunstunterricht nicht um die Produktion von Kunst gehen? Worum denn sonst, bitte schön? Ich will mit meinen Schülern schon Kunst machen, aber ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten entsprechende Kunst, die man thematisch und auch handwerklich-technisch ernst nehmen kann. Kunstunterricht kann sich aber nicht nur an Lüpertz, Koons, Meese, Rauch, Hurst orientieren, an aktuellsten Formen der Installation, Performance und Konzeptkunst. Darf er auch nicht. Rückblicke ermöglichen erst Ausblicke. 182 190 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag Nachwort und Ausblick Die theoretische Bandbreite ist oft so riesig wie die Qualitätsstreuung. Vom Ausmalen von Mandalas bis zu gestalterischen Versuchen mit Rinderdärmen. Ja, Sie haben richtig gelesen. (Zaake, Gerd-Peter: Darmblähungen. Gestalterische Versuche mit Rinderdärmen in KUNST + UNTERRICHT, Heft 295, 2005, S. 36 - 39) Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, wenn die von mir beschworene Subjektivität zu gestalterischen Versuchen mit Rinderdärmen führt, bitte sehr. Nun, Rinderdärme sind meine Sache nicht, aber vielleicht Ihre oder die Ihrer Schüler. Mandalas jedoch haben in gutem Kunstunterricht nichts zu suchen. V e 0 w 9 r o w -0 K rs .L 0 u c eh 4- ns ha re 28 tun u rs 9 te el © rr bs 2 ic tv 01 ht er 5 la g. de Aktuelle Tendenzen der Kunstszene wahrzunehmen, zu goutieren oder zu verdammen, ist die eine Seite. Sie in den Kunstunterricht zu integrieren eine andere. Welchen Stellenwert hat moderne Kunst in der Breite unserer Gesellschaft? Wie viele Menschen in Deutschland kennen Jonathan Meese und setzen sich ernsthaft mit seinen Positionen auseinander? Seien wir doch ehrlich, Kunst – zumindest zeitgenössische – ist etwas für Minderheiten. Warum also in Dreiteufelsnamen glaubt so mancher, aktuellste Kunst gehöre in die Schule, muss mit Vierzehnjährigen analysiert werden? Die dazu notwendigen (Vor)Kenntnisse können junge Menschen in diesem Alter einfach nicht haben. Aber auch dies ist wieder eine sehr subjektive Einschätzung. Sollten Sie eine Unterrichtseinheit zu Jonathan Meese für eine – sagen wir 9. oder 10. Klasse – konzipiert haben, lassen Sie es mich wissen. Ich wäre wirklich neugierig. So, genug gelästert. Machen wir uns an die Arbeit. Konzipieren und planen wir den bestmöglichen Kunstunterricht, auch wenn er und seine Ergebnisse viel zu selten entsprechend gewürdigt werden. Johannes Kollwitz Zum Schluss ein paar Ideen, die noch der konkreten Ausarbeitung und Umsetzung harren: Malerei nach Wirklichkeit Kopffüßler nach Horst Antes Spiegeleier nach Dieter Krieg Schalter und Hebel nach Peter Klasen Figurative Malerei nach Tim Eitel Informelle Malerei nach Emil Schumacher, Rudolf Englert und Fred Thieler Cupcakes, Kuchen und Torten Pilze, Teekannen Bakterien und Viren Hamburger Lego- und Playmobil-Figuren Schmetterlinge Gestaltung/Design Skulptur & Objektkunst Filmplakate nach Saul Bass Kartenspiele nach Sonja Delaunay und Salvador Dali Schilder für die Schule mit Piktogrammen Gestaltung eines Schachbretts und von Schachfiguren Tische nach den Fallenbildern von Daniel Spoerri Indirekte Portraits (Typen) mit gefüllten Hosen Haribo-Plastiken aus Pappmaschee Akkumulationen, Poubelles, Coupes, Coleres und Decollagen nach Arman Objekte nach Lauren Clay Materialbilder nach Tony Cragg Objektkunst mit Stühlen Gipsskulpturen nach Hans Arp w G ut Malerei nach Vorbildern 183 09-004-289 © 2015 Lehrerselbstverlag 191
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