Zuflucht in Deutschland

NR . 22 WINTER 2016
BADEN-BADENER UNTERNEHMER GESPR ÄCHE
Shi Mingde
Karl-Heinz Streibich
Carsten Spohr
Chinas Reformkurs
öffnet das Land
Die digitale
Revolution ist ein
Tsunami
Die Politik muss
europäischen
Airlines helfen
Spezial
Zuflucht in Deutschland
Die Menschenrechtsaktivisten Salah Zater, Visar Duriqi,
Kamal Khan, der türkische Botschafter bei der EU Izzet
Selim Yenel und Finanzstaatssekretär Jens Spahn
EDITORIAL
Dr. Karl-Ludwig Kley,
Vorstandsvorsitzender
der Baden-Badener
Unternehmer Gespräche
Liebe Baden-Badener,
Ende des Jahres wurde die Deutsche Post AG
zur Zahlung eines Bußgeldes verpflichtet, weil verschiedene ihrer über 20.000 Filialen und Niederlas-
sungen der gesetzlichen Verpflichtung zur Streik-
Großen nicht in der Lage, effektiv zu kontrollieren,
wer aufgrund welcher Umstände Zugang zu und
Aufenthalt in seinem Territorium erhält.
Selten ist die Diskrepanz von Realität und Über-
anzeige nicht beziehungsweise nicht rechtzeitig
bau eklatanter zutage getreten als durch die aktu-
durch eine eigens dafür vom Bundesministerium für
derung, die diese für die Institutionen des Staates
nachgekommen waren. Diese Versäumnisse waren
Arbeit und Soziales angeforderten Untersuchung
der Bundesagentur für Arbeit festgestellt worden,
die wiederum durch die Anfrage einer Bundestagsabgeordneten der Linken angestoßen worden war.
Nur wenige Tage zuvor hat Jens Spahn, Parla-
mentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium (und Alumnus des 136. BBUG) einen
Debattenband zur Flüchtlingskrise herausgegeben
(siehe S. 74). Bei der Vorstellung seines Buches
„Ins Offene“ konstatierte Spahn, jüngstes Mitglied
im Präsidium der CDU, nichts Geringeres als „in
vielen Bereichen quasi ein Staatsversagen“. „Der
naive Luxus, geltendes Recht nicht umzusetzen“,
schreibt Spahn angesichts der nur sporadischen
Durchführung von Abschiebebeschlüssen, „fordert
einen hohen Tribut“.
Was hat das Bußgeld der Deutsche Post AG mit
der Flüchtlingskrise zu tun? Auf den ersten Blick
nichts. Auf den zweiten Blick sehr viel. Denn beides
zusammen beschreibt in eindrücklicher Weise die
ganze Paradoxie (oder sollte man lieber sagen:
Parodie?) unseres Staates: Einerseits haben wir
über Jahrzehnte ein hypertrophes System von Re-
gelungen und Verordnungen kultiviert, leisten uns
Vorkehrungen für die noch so unwahrscheinlichs-
elle Massenzuwanderung und durch die Überfor-
darstellt. Dies ist zugleich ein „Stresstest“ (Spahn)
für praktisch alle Bereiche der Politik, der uns
dazu zwingen wird, vieles, was uns bisher sakrosankt erschien, auf den Prüfstand zu stellen – vom
Baurecht bis zum Bildungswesen. Nachdem wir es
schon bei der Wiedervereinigung verpasst haben,
den „Reset-Knopf zu drücken“ und die durch viele
Updates schwerfällig gewordene Software unseres
Landes mit einem umfassenden Systemcheck wieder leistungsfähig zu machen, sollten wir die zwei-
te Chance, die uns das weltpolitische Schicksal
zugespielt hat, nicht ungenutzt lassen. Die beein-
druckende humanitäre Hilfe, die Deutschland zu
leisten bereit ist, sollten wir deshalb verbinden mit
einer Besinnung auf die Grundlagen unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts und unseres Wohlstands und, soweit nötig, deren mutigen Erneuerung. Denn nur wenn wir diesen Wohlstand und die
Handlungsfähigkeit von Staat und Gemeinwesen
auf Dauer bewahren, werden wir auch politisch
und finanziell in der Lage sein, auf Dauer zu helfen.
Herzlich
Ihr
ten Eventualitäten und Risiken und ein Universum
von sozialen Absicherungen, das in der Welt ein-
zigartig ist. Andererseits ist der gleiche Staat im
Karl-Ludwig Kley
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3
Elementiertes Bauen
mit System:
wirtschaftlich, schnell
und nachhaltig
INHALT
konzipieren bauen betreuen. www.goldbeck.de
03
Editorial
von Karl-Ludwig Kley
SCHWERPUNKT DIGITALISIERUNG
10
„Im Ökosystem Digitalisierung müssen wir
die Arbeit neu organisieren“
von Christian P. Illek
16
Wandel initiieren und nicht geschehen lassen
von Volkmar Denner
22
Digitale Revolution ist ein Tsunami
von Karl-Heinz Streibich
26
E-Gaming als Chance für Unternehmen
und Herausforderung für Eltern
von Sascha L. Schmidt und Florian Bünning
32
Kreativität schlägt Kapital
von Tobias Ragge
38
Fusion als Chance nutzen
von Dirk Barnard
42
Die Politik muss die Chancengleichheit
für europäische Airlines sichern
von Carsten Spohr
50
Perspektiven der privaten Raumfahrtindustrie
von Fritz Merkle
56
„Chinas Reformkurs öffnet das Land“
von Shi Mingde
16
22
26
ZUFLUCHT IN DEUTSCHLAND
50
62
Turkey is ready to move forward
von Izzet Selim Yenel
66
Meinungsfreiheit ist Menschenrecht
Die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte zu Gast beim 137. BBUG
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INHALTSVERZEICHNIS
INHALT
67
71
67
All are leaving, escaping from corruption
von Visar Duriqi
69
It is high time
von Kamal Khan
71
Libya four years after the revolution
von Salah Zater
73
Zufallsbegegnung zwischen Baden-Baden und Hamburg
von Salah Zater
74
Mahnung ins Ungewisse
Jens Spahn – eine Buchrezension
76
„Was ich noch sagen wollte“
von Klaus Rittershaus
BBUG INTERN
78
88
6
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78
Das war das 137. BBUG
81
IM GESPRÄCH ÜBER KRISEN UND WIE
MAN SIE MEISTERT – DIE EINSICHTEN DES 137. BBUG
von Uwe Franke und Helmut Gassel
82
Aus den Regionalkreisen
88
BBUG-Folgetreffen
130
BBUG-Fortsetzungsgespräche
132
Die neuen Vorstände
134
Ehrendes Gedenken
135
Organisation und Gremien
136
Das wird wichtig 2016
138
Zu guter Letzt: Frank Trümper
138
Impressum
DIE ZUKUNFT DER MOBILITÄT
IST IN BEWEGUNG.
Seit 1915 ist ZF zu einem weltweit führenden Technologiekonzern
in der Antriebs- und Fahrwerktechnik sowie der aktiven und passiven
Sicherheitstechnik mit 134.000 Mitarbeitern geworden. Künftig werden
wir alle relevanten Technologien für die Megatrends der Zukunft aus
einer Hand anbieten. Erfahren Sie mehr über automatisiertes Fahren,
Sicherheit sowie Effizienz auf zf.com/technologietrends
Der neue GLS.
Auf jedem Gelände in seinem Element.
Evolutionärer
Wandel, Revolution
oder Tsunami?
Die Digitalisierung aller Lebensbereiche war das
Schwerpunktthema des 137. BBUG. Mit Beiträgen von
Volkmar Denner, Christian P. Illek , Tobias Ragge,
Sascha L. Schmidt und Karl-Heinz Streibich
DER PERSONALVORSTAND DER DEUTSCHEN TELEKOM ERKLÄRTE
VOR DEM 137. BBUG, WELCHE HERAUSFORDERUNGEN DARAUS FÜR
UNTERNEHMEN ERWACHSEN
Foto: Deutsche Telekom AG
SCHWERPUNKT DIGITALISIERUNG
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CHRISTIAN P. ILLEK
„Im Ökosystem Digitalisierung müssen
wir die Arbeit neu organisieren“
Manch ein Telekom-Mitarbeiter in Frankfurt weiß morgens noch
nicht, an welchem Schreibtisch er tagsüber arbeiten wird. Dort und
an weiteren Standorten haben wir mit der Neugestaltung der Arbeitsplätze begonnen, es entstehen Future Workplaces, Arbeitsplätze der Zukunft. So schaffen wir die Voraussetzung für neue
Arten der Zusammenarbeit. Wechselnde Schreibtische sind dafür nur ein äußeres Zeichen. Es geht um viel mehr. Die zunehmende Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt. Wir werden uns
anpassen müssen – und sollten uns dabei nicht zu viel Zeit lassen.
Bei diesen Veränderungen erleben
wir Revolution und Evolution zugleich.
Revolution, weil die Digitalisierung radikal ist – und ungeheuer schnell vonstattengeht. Nur zur Erinnerung: Google ist gerade 16 Jahre alt. Facebook
gibt es seit 2004, das iPhone gar erst
seit 2007. Heute ist Apple das wertvollste Unternehmen der Welt, gefolgt
von Google auf Rang zwei.
Und es ist eine Evolution, weil Unternehmen, die sich nicht anpassen,
untergehen werden. Angesichts dieser
Selektion spricht man auch von digitalem Darwinismus. Bestes Beispiel ist
Kodak, einst Inbegriff für (analoge) Fotografie mit 145.000 Mitarbeitern. Heute fotografieren wir alle digital. Kodak
ging 2012 in die Insolvenz.
Größe allein ist kein Erfolgsgarant
und Zukunftsfähigkeit misst sich nicht
in der Anzahl der Mitarbeiter. In der
Telekommunikationsbranche spüren wir
diesen Veränderungsdruck besonders
deutlich. Zwei Beispiele, die zeigen,
wie umfassend die Veränderungen in
unserer Branche sind: Mit den Smartphones wurden auch Bewegtbilder mobil. Immer neue Services bieten videobasierte Kommunikation in Echtzeit –
Tendenz steigend. Das alles ist ohne IT
und vor allem ohne Netze nicht denkbar.
Und im Internet der Dinge (oder Internet of Things) erleben wir Maschinen,
die miteinander sprechen, sich austauschen, Daten sammeln und analysieren.
Dahinter stecken Cloud-Dienste wie
zum Beispiel die der Telekom. Gigantische Rechenzentren, die mit großem
Aufwand gesichert werden.
Wir durchleben einen massiven Wandel, und er vollzieht sich immer schneller. Aber warum ist das so? Was steckt
hinter dem immer rasanteren Tempo
der Digitalisierung?
Um das zu verstehen, muss man die
drei wesentlichen Merkmale des derzeitigen Fortschritts erkennen. Er ist
• exponentiell
• digital und
• kombinatorisch.
Wir alle spüren dieses Tempo. Hätten
Sie vor wenigen Jahren gedacht, dass
Sie eine TV-Sendung unterwegs auf
dem Handy weiterschauen, wenn Sie
das Haus verlassen? Oder dass Sie Videos vom Urlaub live an Freunde streamen? Gestern Zukunftsmusik – heute in
unserer Westentasche. Wir haben es dabei nicht mit einer linearen, sondern mit
einer exponentiellen Entwicklung zu
tun. In immer kürzeren Abständen entstehen Dinge, die wir vor kurzem noch
für unvorstellbar gehalten haben. Kein
Wunder – denn dafür ist das menschliche Gehirn schlicht nicht gemacht.
Ein Beispiel für fehlende Vorstellungskraft bietet das Schachspiel. Der
Legende nach erbat sein Erfinder ein
Reiskorn auf dem ersten Feld, zwei auf
dem zweiten, vier auf dem dritten und
so weiter. Bis zum 32. Feld bleibt die
Menge der Reiskörner noch überschaubar. Es sind etwa zwei Milliarden, das
entspricht einer Reisfeldernte. Aber auf
der zweiten Hälfte des Schachbretts
sprengen die Zahlen jede Vorstellung.
Oder können Sie sich ein Bild machen
von den rund 18 Trillionen Reiskörnern
(18 mal 1018), die bis zum 64. Feld insgesamt zusammenkommen?
Und so ist das auch bei der Digitalisierung. Auf der ersten Hälfte des Schachbretts sind vor allem Geschäftsmodelle
und Unternehmen unter Druck geraten.
Kodak, Karstadt, Quelle, Neckermann,
Grundig – die Liste ist lang.
Im übertragenen Sinne nähern wir
uns rasant der zweiten Hälfte des
Schachbretts – wenn wir sie nicht
Fotos: Shutterstock 270830714
SCHWERPUNKT DIGITALISIERUNG
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R ADIK ALE DIGITALISIERUNG
CH RI STIAN P. I LLE K
DR. CHRISTIAN P. ILLEK
Dr. Christian P. Illek, geboren 1964 in Düsseldorf, ist seit dem 1. April 2015
Personalvorstand der Deutschen Telekom. Zuvor war er als Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland tätig.
Von April 2010 bis September 2012 verantwortete Illek bereits das Marketing der Telekom Deutschland GmbH. Vorausgegangen waren
Stationen in Vorstand und Geschäftsführung der Festnetz- und der Mobilfunksparte.
Nach dem Studium der Chemie und der Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf und München hatte Christian P. Illek zunächst Führungspositionen bei Bain & Company und Dell
in Deutschland und der Schweiz übernommen.
Christian P. Illek bei seinem Vortrag vor den Teilnehmern des 137. BBUG
schon erreicht haben. Zukünftig werden Rechner so intelligent sein, dass
sie selbst Menschen ersetzen können.
Vom zweiten Maschinenzeitalter sprechen deswegen die MIT-Forscher Erik
Brynjolfsson und Andrew McAfee und
haben darüber ein lesenswertes Buch
geschrieben („The Second Machine
Age“, 2014).
Wir stehen an der Schwelle dieses
Zeitalters. Alles ist digital, alles wird
vernetzt: Die Analysten von IDC gehen
davon aus, dass bis 2020 mehr als 200
Milliarden Geräte miteinander vernetzt
sind. Dabei entstehen ungeheure Datenmengen. Digitale Informationen –
sie sind die zweite große gestalterische
Kraft des zweiten Maschinenzeitalters.
Denn sie können das Treibmittel für
weitere Innovationen sein. Ein gutes
Beispiel dafür ist die Navigations-App
Waze des gleichnamigen Unternehmens. Es gehört inzwischen zum Google-Konzern. Dieser Dienst beruht auf
den Daten der mehr als 70 Millionen
Nutzer selbst (Stand 2014): Sie halten
Kartenmaterial und Verkehrsinformationen aktuell.
Damit steht Waze auch exemplarisch
für die dritte Kraft dieser neuen Zeit.
Das Unternehmen hat Vorhandenes neu
miteinander kombiniert: Standortsensoren, Datenübertragungstechnik, Navigationssysteme und nutzergenerierte
Inhalte. Das alles gab es schon. Aber
hier wird es intelligent miteinander
verbunden.
Das ist Innovation durch Neukombination von Bestehendem. In Zeiten
fortschreitender Digitalisierung werden wir diese Form der Innovation immer häufiger erleben.
Innovation durch
Kombination von
Bestehendem gehört
die Zukunft
Für die Deutsche Telekom ist Digitalisierung Kerngeschäft – im doppelten
Sinne. Einerseits ermöglichen wir unseren Kunden die Teilhabe an der digitalen Welt. Andererseits müssen auch
wir selbst das Tempo der Digitalisie-
rung aufnehmen. Das betrifft unsere
Arbeitswelten, wie oben geschildert.
Aber es geht auch um Grundsätzliches,
wie etwa die Produktentwicklung. Digitalisierung öffnet hier nicht nur den
Blick auf die Kundensicht. Sondern
führt auch zu neuen und kreativen Formen der Zusammenarbeit.
Wir sind überzeugt: Menschen wollen
die beste Verbindung. Immer und überall, nahtlos, über alle Technologien hinweg. Unser Netz ist nicht nur ein Stück
Infrastruktur, sondern macht den digitalen Wandel auch erlebbar. Dafür brauchen wir das beste Produktionsmodell.
Und wir brauchen das beste Team.
Daraus erwächst ein klarer Auftrag
an den Personalbereich. HR-Spezialisten müssen das Geschäft des eigenen
Unternehmens unter den Vorzeichen
der digitalen Transformation verstehen.
Und dafür sorgen, dass die richtigen
Leute mit den richtigen Fähigkeiten an
der richtigen Stelle eingesetzt werden.
Digitale Transformation braucht entsprechendes Workforce-Management.
Dadurch eröffnen sich auch enorme
Chancen für humanere und bessere
Arbeitsbedingungen – und für eine
höhere Arbeitsqualität. Die Voraussetzungen dafür müssen wir schaffen.
Bei der Deutschen Telekom haben wir
damit längst begonnen. Die oben erwähnten Arbeitsplätze der Zukunft sind
dafür nur ein Baustein. Es geht um neue
Formen der Zusammenarbeit. Sie bringen das Know-how der gesamten Firma
mit ihren 230.000 Mitarbeitern weltweit zusammen. Etwa mithilfe unseres
internen sozialen Netzwerkes, über alle
Bereichs- und Ländergrenzen hinweg.
Internes Crowdsourcing, wenn man so
will – dank Digitalisierung.
Personalarbeit orientiert sich dabei
an einem Dreiklang: Skills, Places und
Tools. Erstens müssen wir es unseren
Mitarbeitern ermöglichen, digital zu
arbeiten. Regelmäßige Weiterbildung
gewinnt noch mehr an Bedeutung, lebenslanges Lernen wird zum Muss.
Zweitens braucht es die richtigen Rahmenbedingungen, etwa durch inspirierende Arbeitsumgebungen und Möglichkeiten zur mobilen Arbeit. Und
schließlich brauchen unsere Mitarbeiter
auch die richtige Hardware – leicht zu
bedienen und zeitgemäß.
Gleichzeitig müssen wir lernen, existierende Führungsmodelle weiterzuentwickeln. Wo mehr und mehr virtuelle
Teams zum Einsatz kommen, braucht
es eine Führungskultur, die begeistert.
Und Führungskräfte, die ihre Rolle vor
allem darin sehen, das eigene Team zu
befähigen. Empathie und gute Kommunikation werden dabei zur wichtigen
Qualifikation.
Wie aber sieht zukünftig die Arbeit
aus, wenn Rechner selbst Menschen ersetzen können? Auf der zweiten Hälfte
des Schachbretts werden wir genau das
mehr und mehr erleben. Schon heute
vertrauen wir doch Reiseempfehlungen
aus dem Web, und die Steuersoftware
ersetzt oftmals schon den Gang zum
Steuerberater. Und doch sind das erst
die Anfänge.
Auf der anderen Seite werden Menschen kaum vollständig und in allen
Bereichen durch Maschinen abgelöst
werden. Viel wahrscheinlicher ist, dass
es ein Nebeneinander geben wird. Maschinen werden unsere Kollegen und
Kooperationspartner. Sie nehmen uns
körperlich anstrengende oder stupide
Arbeiten ab. Also gerade das, was uns
belastet. Dabei führt der Mensch über
Kreativität und Strategie. Und die Maschine bringt taktische Analytik ein.
Es liegt an uns, wie wir diese Kooperation zukünftig gestalten. Fest steht:
Die Maschinen werden immer intelligenter, und das Entwicklungstempo
nimmt zu. Es wird also nicht zuletzt darum gehen, die Beschäftigungsfähigkeit
der Menschen zu sichern. Unternehmen
können und müssen hier einen Beitrag
leisten. Und das nicht nur im eigenen,
im engeren Sinne wirtschaftlichen Interesse. Denn die rasante technologische
Entwicklung hat auch direkten Einfluss
darauf, wie wir als Gesellschaft insgesamt zusammenleben. Oder anders ausgedrückt: Digitales Außenseitertum ist
Gift für Wirtschaft und Gesellschaft.
Deswegen bin ich davon überzeugt,
dass Arbeit im Ökosystem Digitalisierung insgesamt neu organisiert werden
muss. Es sollte allen klar sein, dass es
sich um eine Aufgabe für die gesamte
Gesellschaft handelt.
Fotos: BBUG/MS
SCHWERPUNKT DIGITALISIERUNG
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VOLKMAR DENNER
Wandel initiieren und
nicht geschehen lassen
Der Bosch- Chef erläuter te den Teilnehmern des 137. BBUG,
wie er durch Verbindung von Tradition und Moderne
den Wandel in der Automobilindustrie mitgestalten will
Bosch ist ein Traditionsunternehmen und es ist unser Anspruch, noch
heute im Sinne unseres Gründers zu
handeln. Werte wie Zuverlässigkeit
und Vertrauen bestimmen nach wie
vor unseren Alltag. Aber das Bewahren von Traditionen bedeutet nicht
Stillstand und schon gar nicht Rückschritt. Denn gleichzeitig ist es unser
Anspruch, den Wandel in der Automobilindustrie mit unseren Innovationen
mitzuprägen und uns als Unternehmen
stets neu zu erfinden.
Die Revolution durch das Internet
und die Vernetzung der Welt sind auch
in der Automobilindustrie spürbar.
Dabei fragt man sich unwillkürlich,
warum diese Veränderungen gerade jetzt um sich greifen. Aus meiner
Sicht beruht dies im Wesentlichen
auf der exponentiellen Zunahme der
Leistungsfähigkeit der zugrunde liegenden Technologien. Zum einen verdoppelt sich gemäß dem sogenannten
Moore’schen Gesetz die Anzahl der
Transistoren pro Flächeneinheit rund
alle 18 Monate. Als Physiker muss
ich darauf hinweisen, dass dies kein
physikalisches Gesetz ist, sondern
eine von Gordon Moore formulierte
Prognose, die von der Halbleiterindustrie seit Jahrzehnten in konkrete
Produkte umgesetzt wird. Als Folge
haben wir heute Computer in der Hosentasche, die noch vor 20 Jahren bei
gleicher Leistungsfähigkeit die Größe eines Kühlschranks gehabt hätten.
Bosch adressiert
die Vernetzung
auf drei Ebenen
bis hin zu
Dienstleistungen
Dazu kommt, dass sich die Bandbreite, also die übertragenen Daten pro
Sekunde, alle 21 Monate verdoppelt.
Denn nicht nur die Anzahl der Tran-
sistoren nimmt zu, sondern auch deren
Schaltgeschwindigkeit. Darüber hinaus lassen neuere Übertragungstechniken höhere Datenraten zu. Auf Basis
dieser steigenden Leistungsfähigkeit
sind heute eine allgegenwärtige digitalisierte Kommunikation und eine Vernetzung von Geräten und Menschen
möglich. Dazu kommt eine Vielzahl
von Sensoren, mit deren Hilfe die Umgebung erfasst und vermessen werden
kann. Wenn wir heute die neueste App
auf unserem Handy nutzen, interessieren uns die dahinterliegenden Technologien allerdings wenig. Im Vordergrund stehen die Funktionalität und
die Einfachheit der Bedienung.
Wir adressieren bei Bosch die Vernetzung auf drei Ebenen: Zunächst
werden die „Dinge“ mit Konnektivität ausgestattet und liefern damit ein
digitales Abbild der Welt. Mit der
Bosch- eigenen Softwareplattform,
der Bosch IoT Suite, werden die „Dinge“ untereinander vernetzt und die
Voraussetzungen für internetbasierte
SCHWERPUNKT DIGITALISIERUNG
Fotos: BOSCH GmbH
Parken wird einfacher. Im ersten Schritt durch sensorbasierte Parkplatzsuche und aktives Parkplatzmanagement. In Zukunft parkt
sich das Auto alleine ein (Automated Valet Parking).
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WANDEL IN DER AUTOMOBILINDUSTRIE
VOLK MAR DENNER
Neue Lösungen sind das eine, aber der Wandel in der
Automobilindustrie bringt auch noch andere Veränderungen
für Bosch, wie etwa neue Kunden.
Die Zukunft des Automobils ist automatisiert, elektrisch, vernetzt und Mobilität ist mehr als das Automobil.
Dienstleistungen geschaffen. Die dritte
Ebene ist die der Dienstleistungen und
Anwendungen, bei denen Bosch die
Themen Mobilität, Energie, Gebäudeund Industrietechnik adressiert.
Am Beispiel der Mobilität lässt sich
die Wandlungsfähigkeit des Unternehmens Bosch am besten zeigen. Das
erste Großserienprodukt von Bosch
war der Magnetzünder, mit dem der
Verbrennungsmotor zuverlässig wurde. Heute rettet das Antischleudersystem ESP von Bosch jedes Jahr
Tausende von Menschenleben. Die Zukunft des Automobils wird aus meiner
Sicht automatisiert, vernetzt und elektrifiziert sein und Mobilität ist deutlich mehr als nur das Auto.
Google, Tesla, Uber – neue Spieler
mischen derzeit die Automobilindustrie auf. Dabei nutzen sie den Veränderungsdruck in der Industrie, der
zum Teil aus dem demografischen
Wandel und dem Trend zur Urbanisierung resultiert, zum Teil aber auch
den veränderten Anspruch der Nutzer
an Mobilität widerspiegelt. Heute ist
es eine Selbstverständlichkeit, überall
und jederzeit online zu sein, und der
Wunsch nach personalisierten, komfortablen Lösungen nimmt zu. Unternehmen können heute in der Automobilindustrie nur bestehen, wenn sie
diese Trends verstehen und aufgreifen.
Außerdem verschieben sich die Grenzen der Automobilindustrie, denn Mobilität ist mehr als das Auto. So ist das
erfolgreichste Elektrofahrzeug in Europa das E-Bike mit fast 400.000 verkauften Exemplaren in 2014 allein in
Deutschland. Bosch hat ganz wesentlich mit seinen Antrieben diesen Trend
mitgeprägt. In China sind bereits heute 120 Millionen Elektro-Scooter auf
den Straßen unterwegs, denn diese erfüllen das Kundenbedürfnis nach bezahlbarer, individueller Mobilität. Bei
annähernd halbem Anschaffungspreis
kostet der Elektro-Scooter im Betrieb
nur 15 bis 20 Prozent eines konventionellen Scooters. Und damit ist der
E-Scooter in China auch für die Bevölkerung mit geringem Einkommen
erschwinglich.
Aber natürlich bietet Bosch auch
kundenzentrierte Lösungen für das
Auto an. Wer kennt das Problem nicht,
in eine enge Parklücke einparken zu
müssen. Und die Spuren im Parkhaus
sind stumme Zeugen davon, dass nicht
jeder Einparkversuch gelingt. Beim
Einparken wird uns zunehmend die
Automatisierung der Fahrzeuge zu
Hilfe kommen. Heute ist schon das
Einparken per Smartphone in die eigene Garage möglich. In der Zukunft
werden Fahrzeuge auch im Parkhaus
automatisiert parken. Wir nennen
diese Lösung Automated Valet Parking.. Dabei wird das Fahrzeug am
Eingang des Parkhauses abgegeben
und parkt dann selbstständig ein. Der
Kunde erspart sich so die mühsame
und zeitraubende Suche nach einem
Parkplatz und das Fahrzeug bleibt von
Schrammen verschont. Nebenbei können 20 Prozent mehr Fahrzeuge auf
der gleichen Fläche geparkt werden,
denn dank des automatisierten Einparkens können die Fahrzeuge enger
nebeneinander stehen, da keine Türen
geöffnet werden müssen.
Neben der Automatisierung ist die
Vernetzung ein weiterer wesentlicher
Trend in der Automobilindustrie.
Eine unserer neuesten Lösungen, der
Falschfahrerwarner, ist für mich auf
diesem Gebiet ein Beispiel für unseren Anspruch, „Technik fürs Leben“ zu entwickeln. „Geisterfahrer
unterwegs!“ - Jeder kennt diese Warnungen, von denen rund 2.000 jedes
Jahr allein in Deutschland im Radio
gesendet werden. Oft genug führen
diese Falschfahrten zu kritischen Situationen und teilweise zu schweren Unfällen. Die Statistik zeigt, dass knapp
jede dritte Falschfahrt bereits nach
500 Metern endet – im schlimmsten
Fall tödlich. Die Warnung über das
Radio wird jedoch erst nach mehreren
Minuten ausgestrahlt und damit oft
zu spät. Daher hat Bosch eine Lösung
entwickelt, bei der schon nach wenigen
Sekunden alle betroffenen Fahrzeuge
gewarnt werden. Basis der Funktion
ist die regelmäßige, anonymisierte
Meldung der eigenen Position an die
Cloud und deren Verknüpfung mit genauen Karteninformationen. Je mehr
Fahrzeuge also vernetzt sind, desto
engmaschiger ist das unsichtbare Sicherheitsnetz. Ein Fahrzeug, das in die
falsche Richtung fährt, kann in dieser Menge sofort identifiziert werden.
Daher nennen wir die Funktion den
„Schutzengel aus der Cloud“.
Innovationen in der Batterie sind
der Grundstein des Erfolgs der Elektromobilität. Bosch setzt sein Wissen
und hohe Finanzmittel ein, um den
Durchbruch in der Elektromobilität
zu schaffen. Unter anderem haben wir
unlängst das Start-up Seeo übernommen, mit dessen disruptiver Technologie eine Steigerung der Energiedichte
um mehr als das Doppelte möglich
erscheint.
Neue Lösungen sind das eine, aber
der Wandel in der Automobilindustrie
bringt auch noch andere Veränderungen für Bosch, wie neue Kunden.
Zur Jahrtausendwende erschien es
noch undenkbar, dass neue branchenfremde Spieler sich im konsolidierten
Markt der Automobilhersteller etablieren können. Mittlerweile sind Firmen wie Tesla und Google im Kontext
von elektrifizierten und automatisierten Fahrzeugen in aller Munde. Für
Bosch als Zulieferer bedeutet das, sich
auf neue Kunden einzustellen. Wie gut
das gelingen kann und sich dann für
beide Seiten lohnt, zeigt unsere Zusammenarbeit mit Tesla. In der Hälfte
der sonst üblichen Zeit wurden innovative Fahrerassistenzsysteme entwickelt. Dies war nicht zuletzt durch die
Bosch-interne Aufstellung möglich.
Kleine, agile Teams haben gemeinsam
mit dem Kunden neue Wege in der
Entwicklung beschritten.
Dies bringt mich zu einem wichtigen Thema. Innovative Lösungen
und die Zusammenarbeit mit neuen
Kunden erfordern unternehmensintern neue Herangehensweisen. Es ist
wichtig, diesen Wandel zu initiieren
und nicht „geschehen zu lassen“. In
der chinesischen Strategielehre gibt es
den Begriff des „Situationspotenzials“
(Begriff des „shi“). Anstatt ein Modell
Fotos: BOSCH GmbH
SCHWERPUNKT DIGITALISIERUNG
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WANDEL IN DER AUTOMOBILINDUSTRIE
VOLK MAR DENNER
DR. VOLKMAR DENNER
Auf dem Acker der Zukunft:
Agrar-Roboter BoniRob von Bosch
beseitigt Unkraut automatisch.
auf die Wirklichkeit zu oktroyieren,
gilt es, die in der Situation günstigen
Faktoren aufzuspüren, um diese dann
so zu beeinflussen, dass sich der positive Ausgang der Situation von selbst
ergibt. Es geht also darum, die Situation zu „wandeln“ (Begriff des „hua“).
Genau das ist unser Anspruch bei
Bosch: „den Wandel gestalten“. Und
dazu möchte ich noch einige Beispiele
anfügen.
Bosch ist bereits heute ein hochinnovatives Unternehmen mit durchschnittlich 18 Patentanmeldungen pro
Tag. Dieses Innovationspotenzial wird
nun zunehmend durch die Vernetzung
der Mitarbeiter untereinander gestützt.
Alle Mitarbeiter können auf die unternehmensinterne IT-Plattform Bosch
Connect zugreifen. In über 17.000
„Communities“ über 73 Länder hinweg tauschen die Mitarbeiter Informationen, Know-how und Ideen aus. So
sind schon mehrere Projektideen entstanden, die jetzt umgesetzt werden.
Neue Entwicklungsmethoden aus
der Softwarewelt, wie Scrum, befähi-
gen auch Hardwareentwickler, unter
komplexen und unbekannten Randbedingungen schnell zum Ergebnis
zu kommen. Scrum setzt auf gezielte,
kleine Schritte, sogenannte Sprints.
Schlüsselfaktor ist aber die Befähigung der Teams zu selbst organisierter und bereichsübergreifender Arbeit.
Dabei übernehmen sie die Verantwor-
Fokussierung auf
kleine Schritte macht
komplexe Aufgaben
handhabbar und
reduziert das Risiko in
der Entwicklung
tung für die kontinuierliche Ablieferung von wertschöpfenden Ergebnissen an den Kunden. Die Fokussierung
auf kleine, inkrementelle Schritte
hilft dabei, komplexe Aufgabenstellungen handhabbar zu machen und das
Risiko in der Entwicklung zu reduzieren.
Bei Bosch verwenden wir Scrum in
vielen Bereichen, von der Entwicklung von Elektrowerkzeugen bis zu
den schon erwähnten Fahrerassistenzsystemen. Agile Methoden, wie zum
Beispiel Scrum, unterstützen also zusätzlich das Innovationspotenzial bei
Bosch und helfen damit, den Wandel
zu gestalten.
Offen für Neues zu sein, heißt auch,
sich nach außen zu öffnen. In 2014 hat
Bosch den ersten eigenen „Hackathon“
rund um unser mySpin-Produkt durchgeführt. MySpin ist eine Softwareplattform, die es ermöglicht, Smartphone-Apps auch im Fahrzeug nutzbar
zu machen, und spiegelt damit das
Kundenbedürfnis wider, jederzeit und
überall online zu sein und SmartphoneFunktionalitäten zu nutzen. 30 unabhängige Softwareentwickler haben
ihren exklusiven Zugang zur mySpinSoftware genutzt, um an einem Wochenende in ihrer Freizeit zusammen
mit Bosch-Mitarbeitern weitere Applikationen für mySpin zu entwickeln. In
Dr. Volkmar Denner ist seit 1. Juli 2012 Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert
Bosch GmbH sowie Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG. Zu seinem
Verantwortungsbereich gehören Unternehmensstrategie, Unternehmenskommunikation sowie Anlagen und Bauten. Darüber hinaus verantwortet er als Chief Technical
Officer die zentralen Ressorts „Forschung und Vorausentwicklung“, „Koordination
Technik“ sowie „Neue Arbeitsgebiete“. Zudem ist er zuständig für die Gesellschaften Bosch Software Innovations GmbH und Bosch Healthcare Solutions GmbH. Volkmar Denner wurde am 30. November 1956 in Uhingen geboren, ist verheiratet und
hat drei Kinder. Nach seinem Physik-Studium an der Universität Stuttgart und einem
Forschungsaufenthalt in den USA promovierte er 1985 an der Universität Stuttgart in
Physik zum Dr. rer. nat. und begann 1986 seine Laufbahn in der Bosch-Gruppe.
nur 29 Stunden kamen so 6636 Zeilen
Softwarecodes zustande und alle Beteiligten sind mit weiteren Ideen und
Inspirationen nach Hause gegangen.
Seit 2015 haben wir ein neues Mission Statement bei Bosch, das den Mitarbeitern die Unternehmenswerte und
-ziele näherbringen und ihnen Orientierung in der täglichen Arbeit geben
soll. Nicht nur in seiner Entstehung,
bei der Mitarbeiter aus allen Hierarchieebenen einbezogen wurden, sondern auch bei der Verteilung ist dieses
neue Mission Statement ein deutliches
Zeichen für den Wandel im Unternehmen. So ist das Mission Statement als
Smartphone-App verfügbar und damit
jederzeit griffbereit und „wandelfähig“.
Neue Ideen brauchen eine „Heimat“
im Unternehmen und in der Anfangszeit Gestaltungsfreiräume. Deshalb
bietet Bosch die Möglichkeit, Ideen
als interne Start-ups umzusetzen. Ein
erfolgreiches Beispiel ist die Bosch
Sensortec, die dieses Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum feiert. Mikrosensoren
für die Automobilindustrie hatte
Bosch bereits erfolgreich in den Markt
gebracht. Mit der Bosch Sensortec
wurde dann ein neues Geschäftsfeld
erschlossen, und zwar Mikrosensoren
für die Consumer-Elektronik. Neue
Kunden und neue Märkte haben dabei
ein völlig anderes, „start-up“-artiges
Vorgehen erfordert. Heute ist in zwei
von drei weltweit verkauften Smartphones ein Sensor von Bosch. Auch
die Bosch Tochtergesellschaft eBike
Systems wurde als internes Start-up
zum Erfolg geführt. Elektroantriebe
für Fahrräder einzusetzen – das wurde
lange Zeit belächelt. Doch eBike Systems hat die Bedürfnisse der Endkunden nach umweltbewusster Mobilität
rechtzeitig erkannt und die Partnerschaften mit Fahrradherstellern genutzt, um sich den Markt für Elektroantriebe für Fahrräder zu erschließen.
Heute ist eBike Systems Marktführer
in Europa.
Als weitere Heimat für interne Startups wurde außerdem die Bosch-Startup-Plattform gegründet. Diese bietet
die nötige Infrastruktur und Unterstützung, damit aus Forschungsprojekten
echte Start-ups werden. So arbeitet
zum Beispiel das Start-up „DeepField
Robotics“ daran, autonome Roboter
auch für die Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen. Der „Bonirob“ untersucht das Pflanzenwachstum auf dem
Feld und macht dank Bilderkennung
zudem noch gezielt Jagd auf Unkraut.
Die Welt befindet sich im Wandel
und Bosch ist gewillt, diesen Wandel
aktiv mitzugestalten. Neue Lösungen,
neue Kunden und neue Arbeitsmethoden – all dies trägt zur Veränderung
des Unternehmens bei. Dabei gilt es,
traditionelle Werte und Stärken zu
wahren und trotzdem den Wandel kontinuierlich neu zu initiieren. Bosch ist
ein Traditionsunternehmen im Wandel oder, um es in den Worten unseres
Gründers Robert Bosch zu sagen:
„Überdies bin ich der Meinung, dass
eine Firma in unserer Branche nicht
stehen bleiben kann, sondern sich weiterentwickeln muss“ (Robert Bosch,
1908).
Fotos: BOSCH GmbH
SCHWERPUNKT DIGITALISIERUNG
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K ARL-HEINZ STREIBICH
Digitale Revolution ist ein Tsunami
Der Vorstand der Sof t ware AG beschreibt die Chancen und Risiken der
„digitalen Transformation“ und was die neuen, digitalen Player ausmacht
In den 1940er-Jahren prägte Joseph
Schumpeter, Wirtschaftswissenschaftler
an der Universität Harvard, den Begriff
der „schöpferischen Zerstörung“. Dessen Kernaussage lautet: Jede Neuentwicklung baut auf der Verdrängung des
Alten auf. Diese These ist heute aktueller denn je. Nokia, Kodak, Woolworth
und Blockbuster sind warnende Beispiele dafür, wie einstige Marktführer,
die die Zeichen der Zeit verschlafen haben, von jungen, hungrigen Playern vom
Markt gefegt werden. So prognostizierte
das Marktforschungsinstitut Gartner
schon letztes Jahr, dass bis 2017 rund 20
Prozent der Marktführer ihre Führungsposition aufgrund fehlender Digitalkompetenz an Unternehmen verlieren, die
erst nach dem Jahr 2000 gegründet wurden. Die deutsche Wirtschaft sollte also
alarmiert sein. Denn die „digitale Revolution“ ist längst in vollem Gange und
entwickelt sich zu einem Tsunami. Die
gute Nachricht: Anstatt darauf zu warten, von der Welle überrollt zu werden,
können wir auch lernen, sie zu reiten.
Vor wenigen Jahren noch bezog sich
die Idee der Digitalisierung primär auf
den Konsumgüterbereich. Die meisten
Menschen dachten dabei an Webseiten,
digitales Fernsehen und vielleicht soziale Medien. Die Digitalisierung ganzer
Unternehmen jedoch war damals kaum
vorstellbar. Heute sind vier der fünf
wertvollsten Marken digitale Unternehmen und wir erleben, wie die neuen,
digitalen Player traditionelle Geschäftsmodelle infrage stellen. Doch was macht
die Digitalisierung so disruptiv?
Zunächst mal ist es wichtig zu verstehen, dass die Digitalisierung weit mehr
ist als nur ein IT-Projekt. Es geht um eine
völlig neue Form des unternehmerischen
Handelns, die alle Bereiche durchdringt:
Eine ganz neue
Form des
unternehmerischen
Handelns
von internen Arbeitsabläufen bis zu den
Vertriebskanälen, von Datengewinnung
bis zu neuen Geschäftsmodellen, von
digitalen Produkten bis zur vollständigen Automatisierung der Produktionsabläufe, wie im Falle von Industrie 4.0.
Grundsätzlich gilt: Alles, was vernetzt
werden kann, wird vernetzt. Alles, was
digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Für Unternehmen ergibt sich
dadurch die große Chance, durch Innovationskraft und Agilität in wenigen
Jahren an die Weltspitze zu gelangen.
Aber warum sind digitale Unternehmen
eine oft so überlegene Konkurrenz für
traditionelle Geschäftsmodelle?
Die Erfolgsfaktoren, welche digitale
Unternehmen so effizient und damit
so erfolgreich machen, sind vielfältig.
Zum einen gibt es externe Faktoren: So
entsteht durch die Digitalisierung eine
„Ökonomie des Teilens“. Nur auf dieser
Grundlage funktionieren heute viele digitale Unternehmen. Denn aus der Ferne
betrachtet teilen wir uns alle zusammen
das Internet. Müsste ein einzelnes Unternehmen das heute so selbstverständliche
World Wide Web für sein Geschäftsmodell mit Milliarden potenziellen Nutzern
erst noch entwickeln, wäre dies ein Ding
der Unmöglichkeit. Oder müsste etwa
Facebook jedem seiner 1,4 Milliarden
Nutzer ein Smartphone als Dateneingabe-Tool zur Verfügung stellen, um einen
einheitlichen Standard zu erreichen oder
gar für die Daten seiner Nutzer bezahlen
Fotos: Shutterstock 147965891, Shutterstock 98047061
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K ARL- HEINZ STREIBICH
GEWALTIGE EFFIZIENZSTEIGERUNG
DURCH DIGITALE TRANSFORMATION
3
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|
DIE 7 DIGITALEN EFFIZIENZTREIBER
 Kosten-Sharing
(Sharing Economy)
 Standardisierung
(Adoption Rate)
 Software Plattform
(Operating System)
 Echtzeit Transparenz
(Responsiveness)
 Agile Projekte
(Flexibility)
 Preisreduktion
(Low Entry Barriers)
 Kreativitätssprünge
(Total Digital World)
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|
DIE WERTVOLLSTEN START-UPS DER WELT
Bewertung nicht börsenorientierter IT-Firmen durch Finanzinvestoren, Angaben in Mrd. US-Dollar
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CHINA
Mrd. US$0
CHINA
PALANTIR
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20
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Insgesamt investiertes Kapital
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USA
XIAOMI
46
Aktuelle Bewertung
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INDIEN
DIDI KUAIDI
15
Mrd. US$0
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USA
FLIPKART
15
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PINTEREST
11
Mrd. US$0
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1,4
1,5
Mrd. US$
3,0
Mrd. US$
3,0
Mrd. US$
1,3
Mrd. US$
Mrd. US$
Quelle: Wall Street Journal/Dow Jones Venture Source
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6 |
DIE TOP 20 IT-FIRMEN
NACH MARKTKAPITALISIERUNG
Gesamt
Gesamt
311
Gesamt
630
Mrd. €
2436
Mrd. €
Mrd. €
Europa
Asien
USA
Quelle: Bloomberg
7
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© 2015 Software AG. All rights reserved. For internal use only
RIESIGE DATENMENGEN
WELTWEITER INTERNETVERKEHR IN TERABYTE
50
TB
40
30
20
10
Prognose
1992
0,1 TB
pro Tag
8
|
1997
2002
2007
0,1 TB
pro Sek.
2,0 TB
pro Sek.
2014
15,8 TB
pro Sek.
0
2019
50,6 TB
pro Sek.
© 2015 Software AG. All rights reserved. For internal use only
– das Geschäftsmodell würde im Keim
ersticken. Eine Ökonomie des mehr oder
weniger freiwilligen Teilens, die auf gemeinsamen Standards basiert, ist also
eine zentrale Triebfeder der digitalen
Geschäftsmodelle.
Ein weiterer wesentlicher externer
Faktor ist die Macht der Standardisierung. Smartphones und andere mobile
Endgeräte funktionieren auf die gleiche Art und Weise - egal von welchem
Hersteller. Sie benutzen die gleichen
Übertragungswege und -mittel und können alle mehr oder weniger die gleichen
Services und Angebote in Anspruch
nehmen. Außerdem schafft die Digitalisierung Echtzeit-Transparenz. Angesichts der explodierenden Datenmengen
aus Onlinediensten, Smartphones und
Online-Handel können sich Unternehmen dank Real Time Marketing von der
Konkurrenz abheben. So kann Google
ein genaues Profil jedes Nutzers abrufen.
Und genauso erkennt Google anhand der
anhand der weltweit entstehenden Daten, in Echtzeit den Beginn einer Epidemie oder eines anderen weitreichenden
Ereignisses. Jeder Mobilfunkanbieter
könnte den digitalen „Fingerabdruck“
genauso nutzen, um seinen Kunden individuelle Angebote zu machen und Ratschläge zu geben. Ein weiterer Vorteil:
Die Digitalisierung ermöglicht Transformationen im Sprinttempo. Abläufe
können – im Vergleich zu traditionellen
IT-Projekten – in einem Bruchteil der
Zeit und zu einem Bruchteil der Kosten
entworfen und digitalisiert werden.
Vor allem aber reduziert die Digitalisierung signifikant die Kosten. Denn
wenn wichtige Assets standardisiert
sind und deshalb geteilt werden können, wenn Prozesszeiten um den Faktor
10 verkürzt oder Entscheidungen automatisiert innerhalb von Nanosekunden
getroffen werden können, wenn gigantische Hardwaresysteme durch ein IPSoftwaresignal ersetzt und dank proaktiver Instandhaltung Maschinen eine
100-prozentige Verfügbarkeit erreichen
können und wenn durch selbstfahrende Autos die Unfallrate um 98 Prozent
sinkt – dann muss jedem klar sein, dass
mit Sicherheit nichts so bleiben wird,
wie es bisher war. Digitale Unternehmen werden Services und Systeme anbieten, die deutlich günstiger sind als die
der traditionellen Unternehmen, die auf
proprietären, nicht teilbaren Systemen
basieren.
Hinzu kommt noch ein weiterer, ganz
entscheidender interner Aspekt: Digitale
Unternehmen sind Softwareunternehmen. Dabei lassen sich die neuen digitalen Spieler vereinfacht dargestellt in
zwei Typen unterteilen:
• Zum einen gibt es die „Erschaffer
neuer Märkte“ wie Google, Facebook
oder Twitter. Sie können somit wie aus
dem Nichts neue Werbefläche schaffen
und Unmengen wertvoller Daten über
ihre User und deren Verhalten generieren.
• Die anderen sind die „Angreifer
bestehender Märkte“ wie Uber, Airbnb
oder Alibaba. Das sind junge, digitale
Unternehmen, die klassische Geschäftsmodelle komplett neu erfinden und somit die etablierten Modelle alt aussehen
lassen.
Beide verbinden zwei essenzielle
Dinge: Ihr Geschäftsmodell basiert auf
Softwareplattformen, was ein entscheidender Vorteil gegenüber den etablierten
Marktteilnehmern ist. Denn Softwareplattformen sind mithilfe des Internets
unbegrenzt skalierbar und ermöglichen
exponentielles Wachstum. Das ist auch
der Grund für die meist extrem hohen Börsenwerte dieser Unternehmen
KARL-HEINZ STREIBICH
Karl-Heinz Streibich studierte an der Hochschule für Technik Offenburg und erlangte
dort den Abschluss Diplom-Ingenieur (FH) für Nachrichtentechnik. An der Universität
Stanford, Harvard und der School of Marketing, London nahm er an postgraduierten
Kursen teil. Er ist Mitglied des Aufsichtsrates der Deutschen Telekom AG, der Dürr AG
und der Deutschen Messe AG sowie ehrenamtlich tätig im Präsidium des deutschen
IT-Verbands BITKOM und hält den Ko-Vorsitz der Plattform „Digitale Verwaltung
und öffentliche IT“ des Nationalen IT-Gipfels der Bundeskanzlerin. Zudem ist er Mitbegründer des deutschen Exzellenzclusters für Software und Mitglied des Wirtschaftsund Zukunftsrates der hessischen Landesregierung.
oder für die frappanten Verkaufspreise
junger, oft noch gänzlich unbekannter
Start-ups. Zum anderen verfügen die
neuen Marktteilnehmer typischerweise
über keine klassischen Vermögenswerte.
So besitzt die US-Firma Uber, die aktuell die Taxibranche revolutioniert, selbst
nicht ein einziges Taxi. Und doch wird
das Unternehmen mit gut 50 Milliarden
US-Dollar bewertet. Ähnliches gilt für
Airbnb, den größten Onlineanbieter von
Unterkünften. Obwohl dieser nicht ein
einziges Hotelbett besitzt, ist das Unternehmen 25 Milliarden US-Dollar wert.
Auch Alibaba, eines der größten virtuellen Handelsunternehmen weltweit,
nennt nicht ein Geschäft oder Lager
sein Eigen, bringt jedoch 15 Millionen
Händler mit Hunderten Millionen Kunden zusammen.
Traditionelle Unternehmen dagegen investieren in der Regel viel Geld
in klassische Wirtschaftsgüter, die sie
für das operative Geschäft benötigen.
Paradoxerweise liegt aber ihr Unternehmenswert oft unter dem Wert ihres
Gesamtvermögens, also der Summe
aller Wirtschaftsgüter. Zudem haben
sie meist noch eine traditionelle ITInfrastruktur mit einer antiquierten, si-
loartigen Anwendungslandschaft. Diese
ist inflexibel und nicht skalierbar. Und
nach außen konzentrieren sie sich meist
nur auf wenige, klassische Vertriebskanäle. Eine große Diskrepanz zum digitalen modernen Verbraucher, der längst
auf diversen digitalen Kanälen aktiv ist
und dort auch von digitalen Unternehmen angesprochen wird. Was macht
also den großen Unterschied? Es ist
die Effizienz. Sie macht digitale Unternehmen so bedrohlich, erfolgreich, zukunftsweisend – je nachdem, wie man es
sehen will.
Positiv betrachtet heißt dies, dass
aufgrund der unbegrenzten digitalen
Möglichkeiten jeder die Freiheit hat,
unter Nutzung der heute vorhandenen
Ressourcen Neues zu schaffen und sich
weiterzuentwickeln. Auf dieser Welle
der Gestaltungsfreiheit kann jeder reiten – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Die Mittel sind vorhanden
– und mit den richtigen Ideen und Konzepten ist nahezu alles möglich, egal ob
für ein Start-up oder ein hundert Jahre
altes Traditionsunternehmen. Mit dieser
optimistischen Sicht auf die digitalen
Entwicklungen gewinnt der erste Teil
des Schumpeter’schen Begriffs „schöp-
ferische Zerstörung“ die Oberhand. Den
meisten Führungskräften ist dies durchaus bewusst, und sie sehen auch die
Chancen der digitalen Transformation.
Leider haben nur wenige bereits einen
konkreten Plan.
Trotzdem oder gerade deshalb, sind
traditionelle Geschäftsmodelle auf den
Prüfstand zu stellen. Es ist höchste Zeit,
die gigantischen Datenmassen (Big
Data) zur Steigerung der Produktivität
und Analyse des Kundenverhaltens sofort nutzbar zu machen. Dazu benötigen
Unternehmen eine agile Softwareplattform, flexible digitale Prozesse sowie
ein intelligentes Kundenmanagement
auf allen relevanten Kanälen. Um das
zu erreichen, müssen klassische Firmen
digitale Kompetenz, also Softwarekompetenz, wieder aufbauen. Heute sind vor
allem Softwarearchitekten, Softwareprojektmanager und Datenanalysten
sowie
Prozessmanagement-Experten
gefragt. Die große Chance für Traditionsunternehmen besteht darin, in der
digitalen Welt mutig wie Start-ups zu
agieren, ihr Know-how und ihre Kundenbindungen effizienter einzusetzen
und sich einmal mehr und kreativ neu
zu erfinden.
Fotos: Software AG; BBUG/MS
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SA SCHA L. SCHMIDT UND FLORIAN BÜNNING
E-Gaming als Chance für Unternehmen
und Herausforderung für Eltern
Wie das Internet hier auch das Personalrecruiting und die Werbeplat t formen
revolutionier t, erläuter t der Professor für Spor t und Management dem 137. BBUG
Viele Sportarten, die früher als
extrem galten, sind heute in abgeschwächter Form als Mainstreamsportarten etabliert. Skateboard- oder
BMX-Fahren, Mountainbiking oder
Kitesurfen waren früher primär eine
Freizeitbeschäftigung für Sportfreaks,
heute sind sie bereits nah am Volkssport. Die Vergangenheit zeigt, dass
eine neue Sportart 30 bis 40 Jahre benötigt, bis sie mainstreamfähig ist. Der
Treiber hinter solchen Entwicklungen
sind gesellschaftliche Strömungen.
Das, was heute noch als extrem gilt,
wird sich anpassen, komfortabler und
günstiger werden und schrittweise
Eingang in die Mitte der Gesellschaft
finden.
Spielekonsolen fanden zwar bereits
vor 30 Jahren ihren Weg in unsere Kinderzimmer, neu ist für uns allerdings
die Wucht, mit der E-Games in die
Mitte unserer Gesellschaft drängen.
Ihre Erfolgsgeschichte ist dabei eng
mit der voranschreitenden Digitalisierung und den damit einhergehenden
technologischen Entwicklungen verbunden. Die Europäische E-Gaming
Liga ESL rechnet vor, dass mittlerweile bereits 1,7 Milliarden Menschen
weltweit aktive E-Gamer sind; Tendenz
E-Sportler organisieren sich gern in
„Clans“, sind keine
vereinsamten SpieleNerds in miefigen
Kellern
stark steigend. 70 bis 80 Millionen von
ihnen zählen zu den organisierten Turnierspielern. Sie bezeichnet man auch
als E-Sportler.
In Deutschland ist die ESL mit fast
drei Millionen registrierten Benutzern
Dreh- und Angelpunkt der Szene: Ihre
Webseite fungiert als Plattform, die
Matches zwischen Profi- und Hobbyspielern vermittelt. Die meisten ESportler organisieren sich in „Clans“.
Das sind Spielclubs, die Sportvereinen
ähneln. Man verabredet sich zum Training, zu Wettkämpfen oder auch mal
außerhalb der virtuellen Welt zum Feiern. Das Bild der vereinsamten SpieleNerds in miefigen Kellern ist mittlerweile überholt. Einige Clans sind als
eingetragene Vereine registriert, die
meisten existieren jedoch als lose Zusammenschlüsse von Gleichgesinnten.
Internationale E-Sport-Wettbewerbe
werden mittlerweile in Hallen wie der
Frankfurter Commerzbank Arena oder
der Kölnarena vor Zehntausenden von
Zuschauern ausgetragen und für Millionen von Fans via YouTube und Twit-
SCHWERPUNKT DIGITALISIERUNG
Foto: ESL
Bereits 1,7 Milliarden Menschen weltweit sind aktive E-Gamer – 70 bis 80 Millionen organisierte Turnierspieler.
Sie werden als E-Sportler gefeiert.
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PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016
SA SCHA L . SCHMIDT
Schon beginnen einzelne Unternehmen außerhalb der
Computerspielbranche Onlinespiele zum Bestandteil ihrer
Personalauswahlprozesse zu machen:
Wie viele Entscheidungen pro Minute kann der
Bewerber realisieren?
ter im Internet übertragen. So fand das
Finale der Weltmeisterschaft im Computerspiel League of Legends, welches
bis zu 70 Millionen aktive E-Gamer
jeden Monat spielen, in der Berliner
Mercedes-Benz-Arena statt. Sämtliche
Hallentickets waren innerhalb von Minuten ausverkauft. Das Finale wurde
in mehr als 20 Sprachen im Netz übertragen. Weltmeister wurde das Team
SK Telecom und holte etwa 900.000
Euro Preisgeld. Garant für die Wiederholung des bereits vor zwei Jahren
gewonnenen Titels war wiederum Superstar Lee Sang-hyeok, in der Szene
bekannt als „Faker“. Der 19-jährige
Südkoreaner gilt als „Lionel Messi“
des E-Sports, in seinem Heimatland ist
er bereits Volksheld.
Die Strahlkraft des E-Gamings
zeigt sich auch auf sozialen Videoplattformen wie YouTube. So ist der
Schwede Felix Arvid Ulf Kjellberg,
der sich den Namen PewDiePie gegeben hat und durch das Hochladen von
Videospiel-Mitschnitten berühmt wurde, mit über 40 Millionen YouTubeAbonnenten der beliebteste YouTuber
der Welt – weit vor globalen Superstars
wie Rihanna, Justin Bieber oder Cristiano Ronaldo. Zusammengenommen
wurden seine Videos mehr als zehn
Milliarden Mal angesehen! Allein
letztes Jahr betrug das Jahresgehalt des
25-Jährigen über sieben Millionen US
Dollar.
Dass sich mit der Übertragung von
elektronischen Wettbewerben Geld
verdienen lässt, hat nicht zuletzt
Amazon erkannt. Letztes Jahr hat der
weltweit größte Onlinehändler die
Videoplattform Twitch für circa eine
Milliarde US-Dollar gekauft, auf der
vor allem Livemitschnitte von E-Sport-
Wettkämpfen laufen. Auf der Plattform
haben sich in drei Jahren 55 Millionen
Nutzer angemeldet, von denen eine
Million Videos im Netz platzierten.
Twitch schaltet Werbung während einer
Sendung und beteiligt E-Sportler an
den Werbeerlösen. Für Zuschauer, die
die Werbung überspringen möchten,
verkauft Twitch Abonnements für fünf
US-Dollar im Monat, wobei die Hälfte
den E-Sportlern zugutekommt. Diese
Auszahlungen lohnen sich vor allem
für einige Profis mit mehr als 100.000
Teilnehmern und Millionen von Fans,
die ihre Game Streams verfolgen.
Auch das frei empfangbare Fernsehen
in Deutschland ist mit Sport1 kürzlich in die Berichterstattung eingestiegen. Zudem haben erste E-Sport-Bars
in Großstädten wie Köln oder Berlin
ihre Tore geöffnet, damit Fans live die
wichtigsten virtuellen Turniere rund
um den Globus mitverfolgen können.
Diese ungemeine Popularität von ESport lockt mittlerweile etablierte
Sportsponsoren an. Zielgruppe sind
13 bis 35 Jahre alte technologie-affine
E-Gamer. Aktuell sind Firmen wie
American Express, Coca-Cola, Korean Air, Monster Energy, Nissan im
E-Sport unterwegs, um sich eine gute
Ausgangslage im Wachstumsmarkt zu
sichern, denn die Werbemöglichkeiten
sind vielfältig. Angesichts schrumpfender Werbeeffizienz in klassischen
Medien gilt das In-Game-Advertising
– sprich das Bewerben von Produkten
und Dienstleistungen in E-Games – als
vielversprechender Trend innerhalb
des Marketings. Es ermöglicht dem
Konsumenten, in bisher ungeahnter
Art und Weise mit werbenden Marken
zu interagieren.
In den USA und auch Asien kann
man sich bereits als professioneller ESportler lizenzieren lassen und damit
den offiziellen Status als Profisportler erwerben. Untersuchungen haben
gezeigt, dass Reaktionszeiten und
Auffassungsgabe von E-Sportlern besser sind als die von Kampfjetpiloten.
Neben der exzellenten Hand-AugeKoordination und schnellen Reflexen
verfügen E-Sportler auch über hohes
taktisches Geschick. Die Besten sind
in der Lage, bis zu acht Entscheidungen pro Sekunde, das heißt 480
pro Minute zu realisieren. Dass ESportler Fähigkeiten mitbringen, die
sie auch für andere Bereiche qualifizieren, zeigen erfolgreiche Transfers
von der virtuellen in die reale Welt.
So gewann vor kurzem ein E-SportlerDuo in einem Nissan GT-R ein (reales) Zwölf-Stunden-Autorennen. Das
Wissen und die Fertigkeiten für diese
Herausforderung erlernten die Fahrer
in der virtuellen Welt – durch das regelmäßige Spielen der Rennsimulation
Gran Turismo. Zudem hat die südkoreanische Chung-Ang-Universität, eine
der Topadressen in der koreanischen
Hochschullandschaft, jüngst Studenten
auf der Grundlage ihrer Erfolge im
E-Sport angenommen und mit Stipendien ausgestattet. Schließlich beginnen erste Unternehmen außerhalb der
Computerspielbranche wie beispielsweise Marriot International, Onlinespiele zum Bestandteil ihrer Personalauswahlprozesse zu machen.
Im „War for Talents“ auf Spitzensportler zu setzen, erscheint dabei
als durchaus lohnenswerte Unternehmensstrategie, wie eine unserer
wissenschaftlichen
Untersuchungen
in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthilfe nachweisen konnte.
Fotos: ESL
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E- GAMING
VHV
TELEMATIKGARANT
GUTER
FAHRSTIL
BIS ZU
30 % RABATT
PROFESSOR SASCHA L. SCHMIDT
Seniorprofessor, Lehrstuhlinhaber und Leiter des Center for Sports and Management
(CSM) an der WHU – Otto Beisheim School of Management am Standort Düsseldorf.
Dort ist die Zukunft des Sports einer seiner zentralen Forschungsschwerpunkte. Er
studierte Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Essen und Zürich, wo er
auch promovierte. Er war Visiting Scholar an der Harvard Business School und stieg
danach in die Unternehmensberatung McKinsey ein.
Florian Bünning hat beim Verfassen dieses Artikels mitgewirkt. Er studierte Kommunikationswissenschaften an der Universität Passau und an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Seit 2014 ist er Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter
am Center for Sports and Management an der WHU.
Denn Spitzenathleten bringen –
trotz geringer bis kaum vorhandener
Berufserfahrung – berufsrelevante Persönlichkeitseigenschaften mit, die für
erfolgreiche Führungsnachwuchskräfte in Unternehmen grundlegend sind;
sie sind im Vergleich zu deutschen
Fach- und Führungskräften überdurchschnittlich leistungsmotiviert, diszipliniert und emotional stabil. Zudem
erschienen von der Deutschen Sporthilfe geförderte Athleten ähnlich sozial kompetent. Nicht umsonst nutzen
Firmen wie die Deutsche Telekom oder
die Deutsche Bank Spitzensportler zunehmend als neue Rekrutierungsquelle
für ihren Führungsnachwuchs.
Doch das Leben eines E-Sport-Stars
besteht nicht nur aus Glanz und Gloria.
Die Profis müssen unermüdlich üben,
verbringen ihre Tage und Nächte vor
dem Bildschirm. Ihre Halbwertszeit auf
Topniveau ist aber weitaus geringer als
in anderen Sportarten. Wer mit 17 Jahren nicht in der Weltspitze angekommen ist, wird es schwer haben, noch
den internationalen Durchbruch zu
schaffen. Während im Fußball noch der
Fotos: WHU
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ein oder andere Mitdreißiger im Profibereich erfolgreich mitmischt, ist das
Ende einer E-Sport-Karriere bereits
mit Mitte zwanzig vorprogrammiert.
Die mit dem E-Sport einhergehende
Monomanie lässt aber auch berechtigte
Bedenken über Gefahren der Spielsucht
und mögliche Folgeschäden durch
übermäßigem Spielgenuss aufkommen.
Nicht zuletzt führten E-Sport-bedingte
Erschöpfungstode bereits dazu, dass in
Südkorea ein Gesetz erlassen wurde,
welches E-Sport-Clubs dazu zwingt,
für Kinder unter 18 Jahren nach 22 Uhr
die Pforten der Spielstätten zu schließen. Und die Bedenken gelten nicht
nur im Profibereich. Nein, vielmehr
betreffen sie den Alltag in Familien
und Schulen als Teil einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Die diesjährige Shell Jugendstudie hat ergeben,
dass das Internet – somit auch der
Zugang zu Onlinespielen oder zu den
bei Jugendlichen beliebten BrowserGames – allgegenwärtig ist. So sind mit
99 Prozent nahezu alle Jugendlichen
(ab zehn Jahren!) über Smartphone,
Laptop und Tablet online – und das
jederzeit mit mehr als 18 Stunden Internetnutzung in der Woche (circa 2,5
Stunden am Tag). E-Gaming hat dabei
traditionelle Gesellschaftsspiele längst
überholt und zählt zu den beliebtesten medialen Freizeitbeschäftigungen.
Viele Eltern sind mit dem Mediennutzungsverhalten ihrer Kinder allerdings
überfordert und suchen externe Hilfestellung. In Singapur hat die Regierung
bereits darauf reagiert und betreibt
durch eine „Apfelbaum-App“ bewusste
Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen. In der App geht es darum,
Anreize zu schaffen, die Handynutzung zu unterbrechen. Sobald zwei
oder mehr Freunde die Apfelbaum-App
installiert haben und ihre Smartphones
zusammenlegen, blockieren sich diese
gegenseitig. Solange die Handys unberührt bleiben, wächst ein Apfelbaum
auf dem Bildschirm heran und trägt
Früchte. Virtuelle Äpfel des Baumes
können dann gegen reale Kinogutscheine eingetauscht werden. Eine gute
Idee, denn wir wissen ja alle, dass man
im Kino sein Smartphone auslässt!
TIL ScHwEIGER IN
DER
TELEMATIK-cODE
ODER: wIE SIcHERER FAHRSTIL DEN BETRAG BIS ZU 30 % SENKT
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TOBIA S R AGGE
Kreativität schlägt Kapital
Wie Google die Wertschöpfungskette verändert und wie Unternehmen mit alternativen
Strategien reagieren können, erläuterte der HRS-Chef vor dem 137. BBUG
Der Suchmaschinengigant Google
ist heute weitaus mehr als nur der Ausgangspunkt einer Suche im Internet.
Der Konzern aus Mountain View im
Silicon Valley hat sich längst entlang
der gesamten Wertschöpfungskette
etabliert und setzt Unternehmen aus
unterschiedlichen Branchen unter
Druck. Doch Firmenlenker müssen
sich nicht komplett der zunehmenden
Macht fügen und steigende Kosten
für Onlinemarketing hinnehmen. Mit
Kreativität und Innovation können Unternehmen der neuen Google-Welt ein
Stück weit die Stirn bieten.
Schon heute nutzen 52 Prozent der
Menschen mindestens zwei Geräte mit
einem Internetanschluss. Insbesondere das mobile Internet prägt die Dynamik und das Wachstum der Branche.
Allein zwischen 2010 und 2014 ist die
Anzahl von Smartphone-Nutzern um
43 Prozent gestiegen. Wer als Anbieter diese wachsende Klientel erreichen
möchte, verfährt frei nach dem Motto
„Ganz oder gar nicht“. Entsprechend
werden die Hauptgeschäftsfelder im
Onlinebereich schon längst von den
Megaplayern dominiert: Allein über
Amazon laufen 25 Prozent des gesamten Deutschen Onlinehandels, Facebook vereint als Social Network 1,5
Milliarden Nutzer und Google ist mit
einem globalen Marktanteil von 88
Prozent die unangefochtene Nummer
eins der Suchmaschinen. Doch schon
zwei Jahre nach seiner Gründung 1998
als klassische Suchmaschine erkannte
Google, wie sich mit der Suche Geld
Google erkannte
rasch, wie sich mit
der Suche Geld
verdienen lässt und
baut dies immer
weiter aus
verdienen lässt, und führte im Jahr
2000 die bezahlte Suche ein – die Geburtsstunde des Online-Werbetools
Google AdWords.
Dies war der Startschuss für Goo-
gle, über massive Investitionen und
Akquisitionen neue Produkte einzuführen und neue Geschäftsfelder
zu erschließen. Seit 2004 ist Google
mit seinem E-Mail-Dienst Gmail am
Start, 2005 folgte die Vorstellung von
Google Maps und Google Earth. Das
schon damals bekannte Videoportal Youtube wurde 2006 von Google
übernommen und den Markt für mobile Applikationen sicherte sich Google
2007 mit der Akquisition des mobilen
Betriebssystems Android – heute mit
einer Milliarde Nutzern und 80 Prozent Marktanteil ein Standard in der
mobilen Welt. Jährliche Investitionen
von 9,8 Milliarden US-Dollar haben
zur Folge, dass Google heute in nahezu jeder Branche mitspielt: im Bereich
Telekommunikation mit dem Projekt
FI&Loon, in der Bildung mit Google
Scholar und Google Books und sogar
in der Automobilindustrie mit Prototypen selbstfahrender Autos.
Welchen Einfluss dabei Google auf
bestehende
Wertschöpfungsketten
nimmt, lässt sich gut am Beispiel eines
SCHWERPUNKT DIGITALISIERUNG
Foto: Alexey Boldin / Shutterstock.com 276509996
Unternehmen jeder Branche suchen Maßnahmen, um sich von Google unabhängiger zu machen: Kundenbildungsprogramme,
eigene Apps und alternative Werbemöglichkeiten im Internet sollen Kunden im unternehmenseigenen „Universum“ behalten.
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KRE ATIVE UNTERNEHMENSFÜHRUNG
TOBIA S R AGGE
Heute muss der Kunde das Google-Universum überhaupt nicht
mehr verlassen: Er kauft hier ein, bezahlt, lässt versenden und geht
anschließend noch auf die Bewertungsplattform, die wiederum
direkt an das Social Network Google+ angeschlossen ist.
Kaufprozesses in der Onlinewelt darstellen. Dieser lässt sich klassisch in
folgende Einzelprozesse unterteilen:
Inspiration, Suche, Vergleich, Kauf,
Versand und schließlich die Erfahrungsteilung. Früher ließ sich ein Kunde vielleicht noch offline durch ein
Magazin zu einem neuen Paar Schuhe
inspirieren und versuchte anschließend, diese im Internet zu kaufen. Um
das beste Angebot zu ergattern, gelangte er über eine Suchmaschine an
diverse Onlineshops wie Zalando oder
Otto. Hatte sich der Kunde für den
Kauf entschieden, erfolgte die Bezahlung via Kreditkarte und per Paketversand kamen die Schuhe irgendwann zu
Hause an. Schließlich teilte der Käufer
seinen Freunden über Facebook mit,
wie gut er in den neuen Schuhen doch
aussieht.
Und heute? Der Kunde kann über
Google nicht nur entsprechende Onlineshops finden, sondern das gewünschte Produkt über Google Shopping direkt vergleichen und kaufen
– ohne Umweg über den Onlineshop.
Die Bezahlung erfolgt über den Google-eigenen Bezahldienst Google
Wallet, der Versand noch am selben
Tag über Google Express. Schließlich
kann der Kunde über Googles eigene
Bewertungsplattform Google Reviews
bewerten, die direkt an das Social Network Google+ angeschlossen ist. Er
muss das Google-Universum folglich
nicht mehr verlassen.
Auch in anderen Bereichen breitet
sich Google über die gesamte Wertschöpfungskette aus. Etwa im ReiseSegment: Über Youtube lassen sich
Reisende inspirieren, suchen und buchen den Flug über Google Flight Finder und das Hotel bis dato über den
Google Hotel Finder. Inzwischen hat
Google jedoch angekündigt, sich vom
Hotel Finder zu verabschieden – stattdessen sollen die Hotels künftig direkt
über das Projekt „Book on Google“
auf der Google-Oberfläche gebucht
werden. Die Bezahlung erfolgt ebenfalls über Googles eigene Lösung. Um
in diesem Wettbewerb – in dem der
Hauptakteur die Spielregeln bestimmt
– überhaupt noch bestehen zu können,
müssen Unternehmen zunehmend in
die Tasche greifen: Von 2012 bis 2014
stiegen in den USA die Klickkosten
für Google Adwords massiv, etwa bei
Healthcare (42 Prozent), Automobil (83
Prozent), Telekommunikation (35 Prozent) und Haus & Garten (29 Prozent).
Auch klassische Hotelportale geraten
durch Google unter Druck. Der Google Hotel Finder erschien bisher bei
der Suche nach einem Hotel auf einer
Topposition, gleich nach den bezahlten
Anzeigen. Google liefert dabei vollständige Hotelinformationen, Bilder
sowie Bewertungen und übernimmt
damit immer mehr das Geschäftsfeld
der Hotelportale. Um hier mithalten zu
können, sind allein für HRS die Klickkosten bei Google Adwords von 2012
bis 2014 um das Fünffache gestiegen.
Unternehmen jeder Branche müssen
sich die Frage stellen, ob sie dieses
Spiel weiter mitspielen möchten oder
Der HRS-Chef bei seinem Vortrag im
Palais Biron
ihm mit alternativen Strategien begegnen wollen.
Viele Unternehmen der E-Commerce-Branche wenden längst Strategien an, um die eigene Marke zu
stärken und damit ein Stück weit unabhängiger von Google zu werden. Allen
voran setzen Onlinehändler verstärkt auf TV-Werbung, um der eigenen
Marke mehr Bekanntheit zu verschaffen und den Kunden direkt für sich zu
gewinnen – ohne den inzwischen teureren Umweg über Google.
Einer von vier Werbespots stammt
von einem Unternehmen aus dem
E-Commerce. Als Folge ist deren
Marketing-Budget im Vergleich zum
Vorjahr um 21 Prozent gestiegen. Die
meisten Ausgaben für TV-Werbung
tätigen Amazon (101 Mio. Euro), gefolgt von Check24 (70 Mio. Euro)
und trivago (69 Mio. Euro). Neben
TV-Werbung nutzen Unternehmen
noch weitere Maßnahmen, um sich
von Google unabhängiger zu machen.
Mit Kundenbindungsprogrammen –
seien es eigene oder die Beteiligung
an bestehenden – sollen Kunden dazu
animiert werden, direkt auf das Angebot des eigenen Unternehmens zurückzugreifen statt erst über Google
danach zu suchen. Auch eigene Apps
haben sich als geeignet erwiesen,
die Kunden in einem unternehmenseigenen „Universum“ zu behalten.
Sinngemäß: „Wer direkt meine App
nutzt, sucht nicht erst über Google.“
Kunden sollen
animiert werden,
ohne Umweg über
Google direkt zum
Unternehmensangebot
zu gehen
Schließlich eignen sich alternative
Werbemöglichkeiten im Internet –
etwa Amazon Advertising –, um den
Traffic nicht einzig und allein auf den
Suchmaschinengiganten zu stützen.
Auch das Hotelportal HRS wendet verschiedene Strategien an, um
sowohl im Endkunden- als auch Privatkunden-Segment dem immensen
Kostenanstieg zu begegnen. Dabei sind
diese beiden Geschäftsfelder von wesentlichen Unterschieden geprägt. Das
Endkunden-Segment ist ein Massenmarkt mit standardisierten Produkten
und einem hohen Wettbewerbsdruck.
Hier ist Googles Dominanz am größten. Wie viele andere Unternehmen
des E-Commerce setzt auch HRS auf
den Aufbau und die Stärkung seiner eigenen Marke mit signifikanten
Investitionen in TV-Werbung.
Mit speziellen Angeboten für bestimmte Zielgruppen, etwa dem
Business Tarif für Geschäftsreisende oder zeitlich begrenzten Angeboten wie den HRS Deals, fokussiert
sich HRS auf Kundenbindung. Ebenfalls verbessert HRS kontinuierlich
seine eigene Hotelbuchungs-App,
Foto: BBUG/MS
SCHWERPUNKT DIGITALISIERUNG
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Meister.
KRE ATIVE UNTERNEHMENSFÜHRUNG
Jens Lehmann, deutsche Torwartlegende,
seit 2012 SCHUNK-Markenbotschafter
für präzises Greifen und sicheres Halten.
www.de.schunk.com/Lehmann
Für Greifsysteme
und Spanntechnik.
Deutscher Meister
mit Borussia Dortmund 2002
Englischer Meister
mit Arsenal London 2004
TOBIAS RAGGE
Tobias Ragge (39) leitet in zweiter Generation die Unternehmensgruppe HRS. Er trieb
die Internationalisierung des Unternehmens voran und entwickelte neue Beratungsdienste und Lösungen für Unternehmen. Die Geschäftsfelder wurden unter seiner Regie
mit Zukäufen wie dem Alpenportal Tiscover (2008), der Hotelbuchungsplattform HOTEL
DE (2011) sowie Beteiligungen bei innovativen Lösungsanbietern wie meetago und dem
Start-up conichi (2015) vorangetrieben. Mit weiteren Zukäufen im Bereich Ferienwohnungen erschloss HRS im Jahr 2014 diesen Markt für Onlinebuchungen. Tobias Ragge
studierte International Business Administration an der European Business School in
Östrich-Winkel. Im Dezember 2014 wählte die amerikanische BTN (Business Travel Network) Group Tobias Ragge zu den 25 einflussreichsten Führungskräften der Geschäftsreisebranche.
70 Prozent, die über den direkten oder
alternativen Weg zum Hotelportal gefunden haben.
Noch effizienter ist es für Unternehmen jedoch, sich in spezialisierten
Geschäftsfeldern zu positionieren. Am
Beispiel von HRS etwa das Firmenkunden-Segment – also die Zusammenarbeit mit multinationalen Konzernen wie Siemens, Daimler, World Bank
oder China Mobile. Dabei handelt es
sich um einen sehr speziellen Markt
mit individuellen Kundenwünschen,
hoher Nachfrage und enormer Komplexität. Um sich hier zu etablieren,
hat HRS Services entlang der Wertschöpfungskette bei der Hotelbuchung
geschaffen. Neben dem Suchen und
Buchen des passenden Hotels und der
strategischen Beratung von Travel Managern bietet HRS in diesem Bereich
den zentralen Einkauf von Hotelleistungen für Firmen an. Firmenkunden,
mit denen das sogenannte „Intelligent
Sourcing“ bereits umgesetzt wurde,
konnten so ihre verhandelten Raten
um durchschnittlich 9 Prozent senken.
Alwin Burgäzy,
Meister Bereich
SCHUNK Greifer
Darüber hinaus bietet HRS verschiedene Lösungen, um Abrechnungsprozesse für Hotelbuchungen signifikant
zu vereinfachen. Attraktive Services
übrigens, denen selbst Google nicht
widerstehen kann: Der Konzern gehört
zu den größten Kunden von HRS in
diesem Geschäftsbereich und nutzt die
Vorteile für seine eigenen Geschäftsreisen.
Im Firmenkunden-Segment erzielt
HRS Wachstumsraten im zweistelligen
Prozentbereich – und das ohne immenses Onlinemarketing-Budget.
Es gibt sie also noch: alternative
Strategien, die es konsequent umzusetzen gilt, um dem zunehmenden
Wettbewerbs- und Kostendruck auszuweichen. Und selbst wenn die
Eroberung von Spezialmärkten nicht
oder nicht mehr möglich ist, so eignen
sich dennoch viele Strategien dazu,
sich nicht vollständig der Macht von
Google unterzuordnen und Unsummen
an Onlinewerbung auszugeben. Kreative Ideen können hier weitaus relevanter sein als großes Kapital.
Dominic Schneider,
Meister Bereich Drehtechnik
www.de.schunk.com
Ein starkes Team
Bei Greifsystemen und in der Spanntechnik ist SCHUNK die Nr. 1.
Wir wissen, wie man präzise greift und sicher hält – genau wie
unser Markenbotschafter, die Torwartlegende Jens Lehmann.
Seit Jahrzehnten setzen unsere Greifer und Präzisionsspannmittel
rund um den Globus Maßstäbe. Mehr noch: Sie prägen den
rasanten Fortschritt in vielen Branchen.
In acht Werken, 30 Ländergesellschaften und über 50 Ländern der
Erde engagieren sich die über 2.500 Mitarbeiter der SCHUNK-Familie
Tag für Tag für den Erfolg unserer Kunden – mit Pioniergeist und
Kompetenz, mit Zuverlässigkeit und Leidenschaft. Und immer auf
der Suche nach neuen Standards mit Zukunftspotenzial.
Fotos: HRS
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SCHUNK Greifer PGN-plus-P
der Generation Permanent.
Mit Schmierstofftaschen
in der Vielzahnführung.
SCHUNK
Nullpunktspannsystem.
Hochflexibel mit
90 % weniger Rüstkosten.
SCHUNK
Drehfutter.
60 Sekunden
Backenwechsel.
SCHUNK
Hydro-Dehnspannfutter.
2.000 Nm Drehmoment
bei Ø 32 mm.
© 2015 SCHUNK GmbH & Co. KG
damit der Gast in der HRS-Welt bleibt.
Investitionen in neue Technologien,
die in die bestehenden Applikationen
integriert werden, sollen dies unterstützen. Aus diesem Grund investierte
HRS jüngst einen hohen siebenstelligen Betrag in das Start-up conichi. Mit der App von conichi können
Gäste ihre persönlichen Präferenzen
für den Hotelaufenthalt hinterlegen
(z.B. Allergiker-Bett, Late-Checkout
etc.). Beim Betreten des Hotels erkennt
ein Beacon, ein kleiner Sender auf Bluetooth-Basis, den ankommenden Gast
und übermittelt die Informationen an
ein Tablet an der Rezeption – zusätzlicher Check-in und zeitaufwendiges
Ausfüllen des Meldescheins entfallen.
Damit sollen Gäste nicht nur Zeit sparen, sondern durch eine personalisierte
Ansprache und individuelleren Service
den Hotelaufenthalt völlig neu erleben.
Und die Maßnahmen tragen bereits
Früchte: Im Jahr 2011 gelangten 55
Prozent der Kunden direkt oder über
alternative Kanäle zu HRS, der Rest
kam über Google – 2015 sind es bereits
Manfred Kiefer,
Meister Bereich Werkzeughalter
DIRK BARNARD
Fusion als
Chance nutzen
Der Personalchef von Vodafone Deutschland
erläuterte vor dem 137. BBUG, wie eine
erfolgreiche Integration mit strategischem
Personal- und Talentmanagement beginnt
Mit der strategischen Entscheidung
zum Kauf von Kabel Deutschland (KD)
hat Vodafone einen entscheidenden
Schritt gemacht: Wir sind heute das führende integrierte Telekommunikationsunternehmen in Deutschland. Durch
gemeinsame Produkte, einheitliche und
möglichst schlanke Prozesse, die Nutzung gemeinsamer Standorte und die
teils entfallenden Gebühren für den Kabelanschluss sind wir am Markt besonders erfolgreich. Doch die Integration
zweier Unternehmen bringt gleichzeitig
viele Risiken und Herausforderungen mit
sich. Unser strategisches Ziel war es und
ist es weiterhin, diese früh aufzuzeigen
und gezielt, transparent und proaktiv anzugehen.
Im Rahmen einer Integration müssen
Unternehmen mit Produktivitätsschwankungen, Wachstumseinbußen und Verlusten von Fachpersonal und Spezialisten
rechnen. Grund dafür sind Unsicherheiten und Ängste bei Mitarbeitern und
Führungskräften. Um diesen Risiken entgegenzuwirken, haben wir vorrausschauend Maßnahmen entwickelt, die Talente
an das Unternehmen binden, die unsere
kulturelle Integration fördern und die für
eine transparente und offene Kommunikation sorgen.
Foto: shutterstock 146283479
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UNTERNEHMENSFUSION
DIRK BARNARD
DIRK BARNARD
Seit Januar 2011 ist Dirk Barnard Personalgeschäftsführer von Vodafone Deutschland.
In dieser Verantwortung hat er den kulturellen Wandel des Unternehmens maßgeblich
beeinflusst. Mit der Entwicklung neuer, moderner Arbeitswelten sowie der strategischen
Ausrichtung von HR-Themen und Projekten hat er die Organisation sichtbar weiterentwickelt. Zuvor führte der Diplom-Kaufmann von 2007 an als Global Head of Human
Resources von Genf aus das globale Personalmanagement von Braun, einer Konzerngesellschaft von Procter & Gamble. Nach erfolgreichem Studium an der Uni Mannheim
zum Diplom-Kaufmann startete Barnard 1994 bei Procter & Gamble. Seitdem hatte er
verschiedene Managementfunktionen im Personalbereich des Konsumgüterkonzerns in
Deutschland und in der Schweiz verantwortet.
Mit dem Kauf von KD wurde eine
sehr starke und erfahrene Geschäftsführung an Bord geholt. Die Integration der Geschäftsführung war daher ein
erster und wichtiger Schritt. Die Integration wurde zur Kernaufgabe im
ExCo (Executive Committee), unserem
obersten Führungsgremium. Auf gemeinsamen
Offsite-Veranstaltungen
haben wir die unterschiedlichen Perspektiven genutzt und die besten Ansätze beider Unternehmen vereint. Daran
angeglichen haben wir Integrationsprojekte, die aus Projektteams mit Mitarbeitern und Führungskräften beider
Unternehmen zusammengesetzt sind.
Bei Entscheidungsprozessen konnte
damit sichergestellt werden, dass beide Perspektiven mit einbezogen werden. Eine Schlüsselfunktion bilden
außerdem unsere Change Manager,
die pro Geschäftsbereich im integrierten Unternehmen die Führungskräfte
bei allen Change-relevanten Themen
inklusive der bereichsspezifischen
Kommunikation beraten und unterstützen. Sie dienen als Ansprechpartner
und Sprachrohr der Kolleginnen und
Kollegen aus den Geschäftsbereichen,
initiieren Change-Maßnahmen und
unterstützen bei deren Umsetzung
wie zum Beispiel bei Integrationsworkshops für neu zusammengesetzte
Teams.
Im Integrationsprozess
frühzeitig einen
Talentpool aus
Mitarbeitern beider
Unternehmen
identifizieren
Doch nicht jeder Mitarbeiter lässt sich
bei einer Fusion auf die gemeinsame
Reise mitnehmen. Je nach Betroffenheit
und Konsequenzen für die persönliche
Situation entscheiden sich Mitarbeiter,
einen anderen Weg zu gehen. Das bedeutet auch den Verlust von Know-how,
denn circa 50 Prozent der Talente eines
akquirierten Unternehmens verlassen
dieses in den ersten drei bis fünf Jahren nach dem Kauf. Wir haben daher
frühzeitig innerhalb des Integrationsprozesses Talente identifiziert und einen Talentpool aus Mitarbeitern und
Führungskräften beider Unternehmen
aufgebaut. Die Implementierung eines
ganzheitlichen und nachhaltigen Talentmanagement-Ansatzes war für viele
Führungskräfte von Kabel Deutschland
eine neue Vorgehensweise. Außerdem
binden wir Führungskräfte als Beobachter bei den Assessment-Centern
zur Auswahl der Talente mit ein. Somit
erhalten sie ein objektives Bild davon,
was es heißt, bei Vodafone ein Talent
zu sein. Talente sind für uns Personen
mit hohem Potenzial, denn diese zeigen
fast immer auch eine hohe Performance;
umgekehrt hat nicht jeder Leistungsträger automatisch auch hohes Potenzial.
Hierfür nutzen wir das einheitliche Performance- und Potenzial-Konzept.
Der Fokus auf „das Mitnehmen“ der
eigenen Führungskräfte und Mitarbeiter
spielt in allen Fällen eine zentrale Rolle.
Das verhindert, dass Gerüchte entstehen und sich Informationslücken mit
falschen Nachrichten füllen. Wir haben
bewusst auf „plötzliche“ Angleichungen
von Strukturen verzichtet, um möglichen Leistungseinbußen entgegenzuwirken. Trotzdem ist jede Integration
naturgemäß mit Unsicherheiten verbun-
den. Viele zukunftsgerichtete Fragen
von Mitarbeitern und Führungskräften
kann das Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt schlichtweg noch
nicht beantworten. Eine kontinuierliche
Information über den Fortschritt im
Veränderungsprozess reduziert aber bei
Mitarbeitern und Führungskräften das
Gefühl, schlecht informiert zu sein.
Die Kommunikation folgt einer Kaskade, in der erst die Führungskräfte
von der Geschäftsführung und dann die
Mitarbeiter von ihren Führungskräften
über Neuerungen und Veränderungen
informiert werden. Parallel dazu wird
der aktuelle Stand der Integration online in unserem firmeneigenen Intranet,
in Foren und über unseren speziellen
Integrationsnewsletter zur Verfügung
gestellt. Ziel ist es, über Prozessschritte
zu informieren, Raum für Diskussionen
zu bieten und auf diese Weise auch direkt ein Feedback der Mitarbeiter zu
bekommen. Wir sind dabei keiner Diskussion aus dem Weg gegangen. In einer regelmäßigen Dialogrunde zwischen
Geschäftsführung und Führungskräften haben wir unter anderem über die
Erreichung der kulturellen Integration
diskutiert und die Führungskräfte haben
Ideen hierzu erarbeitet. In solchen Formaten können wir als Geschäftsführung
das gemeinsame Verständnis stärken
und ein gutes Stimmungsbild erhalten, während der Teilnehmer aus erster
Hand die Sichtweise der Geschäftsführung bekommt und Feedback geben
kann. Ein weiteres kreatives Kommunikationsformat sind unsere „Tipi-Talks“.
Die offene Diskussion ohne Protokoll
oder Powerpoint findet in einem TipiZelt mit Indoor-Lagerfeuer statt. Hier
diskutieren Führungskräfte mit Mitarbeitern aus verschiedenen Abteilungen
informell über aktuelle Themen, bei denen die Integration häufig ein wichtiger
Aspekt ist.
Im Laufe der letzten Jahre und insbesondere durch den Umzug in eine neue
Arbeitswelt, den Vodafone Campus, haben Führungskräfte bei Vodafone eine
völlig neue Rolle übernommen. Unsere
Führungskultur ist stark durch das Arbeitsplatzkonzept „Mobile Working“ geprägt, welches nach und nach an den neu
hinzukommenden Standorten von Kabel
Deutschland umgesetzt wird. Damit
verändert sich auch die Führungskultur
bei KD-Führungskräften. Im Kern geht
es darum, sich von der Präsenzkultur
zu lösen und stattdessen ergebnisorientiert zu führen. Es geht nicht darum, wo
die Arbeit erledigt wird, es geht darum,
dass sie bestmöglich getan wird. Die
physische Anwesenheit der Mitarbeiter
im Büro ist nicht mehr von zentraler
Bedeutung. Das erfordert viel Vertrauen und eine ganz andere Art der Zusammenarbeit. Vor Ort sitzen alle Führungskräfte und Mitarbeiter auf offener
Fläche, sodass Abstimmungswege sehr
kurz sind und man leicht miteinander in
Kontakt kommt. Bei gemeinsamen Führungskräfteentwicklungsprogrammen
und -veranstaltungen an Vodafone- und
Kabel-Deutschland-Standorten können
Führungskräfte an Workshops teilnehmen, in denen sie Vodafone-spezifisches
Führungs-Know-how
kennenlernen.
Gleichzeitig nutzen die Führungskräfte diese regelmäßigen Veranstaltungen
zum direkten Austausch und Netzwerken untereinander. Unsere Kommunikation ist standortunabhängig.
So entsteht als Ergebnis der Integration eine neue gemeinsame Unternehmenskultur.
Fotos: Vodafone
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PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016
PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016
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C ARSTEN SPOHR
Die Politik muss die Chancengleichheit
für europäische Airlines sichern
Der Vorstandsvorsitzende referier te vor dem 137. BBUG über die Transformation der
Luf thansa und die langfristige Ent wicklung des internationalen Luf t fahr tmark tes
Mobil zu sein, ist in unserer Gesellschaft selbstverständlich geworden.
Jedes Jahr steigen die Passagierzahlen
um rund 4 Prozent. Aktuell fliegen 3,3
Milliarden Menschen jährlich. Vor zehn
Jahren waren es nur 1,6 Milliarden. Auch
für den Export ist Luftverkehr unverzichtbar geworden: Außenhandelswaren
im Wert von über 200 Milliarden Euro
werden jedes Jahr alleine von und nach
Deutschland geflogen. Das entspricht
in Tonnen zwar nur 3 Prozent aller exportierten Güter, aber einem Warenwert
von 30 Prozent. In aller Regel sind es
besonders wertvolle oder leicht verderbliche Güter, die per Luftfracht transportiert werden. Als 2010 der europäische
Luftraum wegen des Vulkanausbruchs
in Island für mehrere Tage geschlossen
wurde, standen in einigen Industrien die
Bänder still. Wir brauchen den Luftverkehr. Jede Volkswirtschaft ist heute auf
ein gut funktionierendes Netz globaler
Verbindungen angewiesen.
Aber Luftverkehr ist ein sehr komplexes Geschäft. Und es ist massiv von
politischen und gesellschaftlichen Bedingungen abhängig. Dementsprechend
haben sich die Luftverkehrsmärkte in
den letzten Jahrzehnten immer wieder
stark verändert. Aktuell stellt sich der
Luftverkehr im Kontext von drei globalen Megatrends auf:
1. Die Wirtschaftskraft verschiebt
sich nach Asien, mit einer entsprechenden Verlagerung des Weltluftverkehrs dorthin. In Asien werden neue
wirtschaftliche Kraftzentren und Konsumschichten entstehen. In weniger als
Mehr als drei Viertel
aller Fluggäste reisen
privat, Asien ist ein
rasant wachsender Markt
fünf Jahren wird mehr als die Hälfte der
weltweiten Mittelschicht in Asien leben.
Für uns heißt das im Umkehrschluss:
Wer in unserer Industrie am Wachstum
teilhaben will, muss in diesen Märkten
präsent sein.
2. Demografische Veränderungen
führen zu einem veränderten Geschäfts-
und Privatreiseverhalten. Dadurch sind
die Punkt-zu-Punkt-Verbindungen rasant angestiegen und werden weiter
steigen. Neue Konsum- und Mobilitätsmuster haben dies ganz wesentlich vorangetrieben. So erleben wir derzeit eine
Sättigung im Geschäftsreise-Segment.
Weniger als ein Viertel der Passagiere
reist geschäftlich, aber mehr als drei
Viertel aller Fluggäste reisen privat. Der
Luftverkehr stellt sich darauf ein.
3. Die fortschreitende Digitalisierung
unserer Gesellschaft hat heute schon
alle Lebensbereiche verändert und auch
das Kaufverhalten unserer Kunden.
Durch iPhone und Internet sind wir mit
unseren Kunden ganz anders verbunden
als früher. Das nutzen wir jetzt auch für
uns. Unsere gesamte Industrie ist also
weiter im Umbruch.
Auf drei Entwicklungen, die das
Wettbewerbsbild vor allem in Europa
dramatisch verändert haben und weiter
verändern werden, möchte ich hier etwas ausführlicher eingehen. Denn diese
haben auch spürbare Auswirkungen auf
unseren Wirtschaftsstandort.
Erstens, auf die neuen Staatskonzerne,
©: Schweizer Luftwaffe
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Jedes Jahr steigen die Passagierzahlen um rund vier Prozent, aktuell fliegen 3,3 Milliarden Menschen jährlich. Der Wettbewerb wird härter
– Privatunternehmen wie Lufthansa stehen unter gehörigem Druck der Staatskonzerne, die eher günstige Tarife ohne Rückkoppelung zur
Wirtschaftlichkeit anbieten können.
PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016 43
TR ANSFORMATION DES LUF TFAHRTMARK TES
Durch die Überkapazitäten aus dem Golf sinken die Margen
immer weiter: Europäische Carrier – und zunehmend auch
US-Airlines – müssen sich dem unfairen Wettbewerb beugen
und Strecken reduzieren.
deren ungebremstes Wachstum das
Wettbewerbsumfeld komplett verändert
hat. In den vergangenen sieben Jahren
ist der Luftverkehr um eine Milliarde
Passagiere gewachsen. Davon profitieren vor allem die staatlichen Fluggesellschaften aus dem Mittleren und
Nahen Osten. Die Zahlen sind alarmierend: Die Nonstop-Verbindungen
von EU-Flughäfen haben seit 2008 um
7 Prozent abgenommen. Auf den Flughäfen außerhalb der EU haben diese
Nonstop-Verbindungen um 34 Prozent
zugenommen. Dafür ist unter anderem
das Wachstum von Golf-Airlines wie
Emirates und Etihad/Air Berlin verantwortlich, die immer mehr Passagiere,
die von und nach Europa fliegen, über
ihre Drehkreuze umleiten.
Durch die Überkapazitäten aus dem
Golf sinken unsere Margen immer weiter. EU-Airlines sind hier seit Jahren das
Schlusslicht. Gegen ganze Staaten hat
man als Privatunternehmen keine Chance. Selbst Airlines wie Lufthansa nicht!
Wir brauchen Wirtschaftlichkeit, die
wir eigentlich auch haben. Die Staatskonzerne haben sie nicht und brauchen sie nicht. Für die Kunden sind die
günstigen Tarife zunächst natürlich
attraktiv, aber mittelfristig müssen sich
europäische Carrier – und inzwischen
auch zunehmend US-Airlines – dem unfairen Wettbewerb beugen und Strecken
reduzieren. Die für unseren Export und
den Tourismus so enorm wichtige direkte Erreichbarkeit sinkt. Die Verlagerung des Weltluftverkehrs ist in vollem
Gange. Sie geht weg von Europa, hin in
den Nahen Osten – und mit ihr Einfluss
und Anbindung.
Anbindung „von außen“ bedeutet
aber Abhängigkeit und Schwächung.
Und deshalb macht uns das, was wir
derzeit erleben, Sorgen. So hat sich in
den letzten acht Jahren der Anteil der
Passagiere, die aus Deutschland per
Direktflug nach Indien reisen, fast halbiert. In der gleichen Zeit haben die
staatlichen Fluglinien vom Golf ihren
Anteil von unter 20 Prozent auf über 43
Prozent mehr als verdoppelt.
Lufthansa beispielsweise bedient in
Südostasien – jenseits von Indien und
China – nur noch drei Strecken: Bangkok, Singapur und Kuala Lumpur.
Früher sind wir dreimal täglich mit
einem Jumbo in die thailändische
Hauptstadt geflogen, heute nur noch
einmal am Tag mit deutlich kleinerem Fluggerät. Wenn sich diese
Entwicklung fortsetzt, ist der Home
Carrier der Exportnation Deutschland in einem der dynamischsten
Wirtschaftsräume der Welt bald
abgemeldet.
Wie konnte es zu dieser Entwicklung
kommen?
Zum einen ist es eine Besonderheit
unserer Industrie, dass internationales
Handelsrecht nicht greift, denn Luftverkehr ist nicht Teil der WTO. Wir haben
nur die bilateralen Abkommen – die
auf Chancengleichheit und freiwilligen
Interessenausgleich setzen. Die Staatsunternehmen vom Golf spielen aber
nach eigenen Regeln. Es besteht kein
fairer Wettbewerb mehr. Das stellt uns
in Europa vor immense Probleme, denn
wir haben Regeln für Europa. Doch die
greifen nur für europäische Airlines,
nicht für die außereuropäischen Wettbewerber im selben Markt. Damit wird
der Sinn von Wettbewerb auf den Kopf
gestellt.
Das Nachsehen haben diejenigen, die
sich an die Regeln halten beziehungsweise halten müssen: unsere Mitarbeiter, unsere Standorte und unsere Kunden. Deshalb fordern wir schon lange,
dass unsere Behörden die geltenden
Wettbewerbsregeln auch gegenüber
Airlines aus Drittstaaten durchsetzen.
Das EU-Wettbewerbsrecht muss auch
für Nichteuropäer gelten, wenn sie im
Markt Europa agieren! Eine Alternati-
ve stellt eine analoge Anwendung von
WTO-Begriffen und Prozessen dar.
Diese Forderung müssen wir Europäer national und auch auf Ebene der EU
dringend stellen. Der einzige Hebel,
den wir dafür haben, sind die Verkehrsrechte. Wer in unserem Markt agieren
will, muss bindende Regeln anerkennen.
Der zweite Grund, warum EU-Airlines so schlecht abschneiden, liegt in
den zahlreichen Sonderbelastungen
und Alleingängen in Europa. Aufgrund
des Nachtflugverbots ist beispielsweise
der Frankfurter Flughafen, das größte
Drehkreuz Deutschlands, 25 Prozent
der Zeit geschlossen, hochgerechnet
drei Monate pro Jahr. Auch der globale
Frachtumschlag wird durch das Nachtflugverbot ausgesetzt. Diese Ineffizienz
kostet Lufthansa jährlich rund 40 Millionen Euro. Oder, um noch ein Beispiel
zu nennen, der nationale Alleingang bei
der Luftverkehrsteuer – der uns jährlich
mehr als 300 Millionen Euro kostet.
Wenn wir unabhängig bleiben wollen
von Staatsunternehmen und Staaten, die
eine ganz andere Interessenlage haben
als wir, dann müssen die Rahmenbedingungen hier in Europa besser werden.
Die kann allerdings nur die Politik gestalten. Wir brauchen Chancengleichheit für europäische Airlines!
Der europäische Luftverkehrsmarkt
durchlebt derzeit besonders tiefgreifende Veränderungen. Neben den Golf
Carriern hat auch das Wachstum der
Low Cost Carrier den Preisdruck weiter
verschärft. Die Preise fallen. Die Low
Cost Carrier befördern immer mehr
Passagiere und haben immer größere
Flotten. Teilweise haben sie in Europa
Marktanteile von fast 50 Prozent. Und
das Tempo der Veränderungen nimmt
rasant zu. Die Low Cost Airlines haben zunehmend auch Geschäftsreisende im Visier, machen sich gegenseitig
Konkurrenz und durch das FlottenWachstum in diesem Segment wird im-
Foto: Deutsche Lufthansa AG / 01.04.1955 CHD935-15-2 D-ACEF
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C ARSTEN SPOHR
„Wenn wir weiter an der Spitze des Weltluftverkehrs mitfliegen
wollen, dann müssen wir wieder wachsen.“
Der Lufthansa-Chef in seinem Vortrag vor den Teilnehmern des 137. BBUG
mer noch mehr Kapazität in den Markt
gebracht. Alles in allem geraten die
Flugpreise dadurch weiter unter Druck.
Zu den „big five“ in Europa gehören
heute übrigens schon zwei Low Cost
Carrier!
Auf all diese Veränderungen haben
wir uns bereits seit geraumer Zeit eingestellt. Mit der Weiterentwicklung der
Lufthansa-Gruppe reagieren wir insbesondere auf den rasanten Wandel unseres Wettbewerbsumfeldes. Unser Ziel
ist die Zukunftssicherung von Lufthansa mit „7to1 – our way forward“, sieben
Handlungsfeldern, die wir definiert haben, um die Nummer eins bei Kunden,
Aktionären, Mitarbeitern und Partnern
zu werden oder zu bleiben. Unsere gesamte Strategie zielt darauf ab, die
Veränderungen im Markt aktiv mitzugestalten und trotz aller Herausforderungen profitabel zu wachsen.
Um uns zukunftssicher aufzustellen,
wird die Lufthansa Gruppe der Zukunft
künftig auf drei starken, synergetischen
Säulen stehen. Die größte Säule sind
unsere Premium Hub Airlines, Lufthansa, Swiss und Austrian. Hier wollen wir unsere Position als Nummer
eins – mit dem führenden Hubsystem in
Europa – weiter ausbauen. Um hier
höchste Kundenzufriedenheit zu erzielen
und die Margen zu optimieren,
setzen wir auf durchgängige Premiumprodukte für unsere Kunden. Wir führen
standardisierte, kommerzielle Prozesse
ein, wie zum Beispiel beim Check-in.
Aber auch Individualität rückt stärker in
den Fokus. Wir werden für unsere Kunden deutlich mehr maßgeschneiderte
Angebote entwickeln und bereithalten.
Beispielsweise möchten wir schon bei
der Buchung einen Hol- und Bringservice anbieten oder die Vorabbuchung
des Internetzugangs an Bord. Der Kunde
Durch die neuen
Tarifstrukturen Light,
Classic oder Flex
zahlen die Kunden nur
noch für die Dienste,
die sie tatsächlich in
Anspruch nehmen
wird alle zusätzlichen Dienstleistungen
künftig direkt bei uns buchen können,
wenn er auf unserer Homepage bucht.
Und durch die neuen Tarifstrukturen
Light, Classic oder Flex zahlen unsere
Kunden nur noch für die Dienste, die sie
tatsächlich in Anspruch nehmen.
Bei all diesen Entwicklungen haben
wir natürlich auch die Kosten fest im
Blick. Daher haben wir die Komplexität
unserer Flotte reduziert. Wir reduzieren
die Mustervielfalt. Wir vereinheitlichen
Wartungsstandards und wir steuern
unsere Netze und Preise aus nur noch
einer Hand. Auch die strukturellen Kosten werden wir weiter senken. Die Führungsstrukturen des gesamten Konzerns
werden verschlankt. Entscheidungen
werden dadurch beschleunigt und Kosten über weitere Synergien reduziert,
etwa über einen Ausbau der Shared Services. Unsere neuen Strukturen und die
Aufstellung in drei Säulen helfen uns dabei, das möglichst schnell umzusetzen.
Als zweite Säule des Konzerns werden wir unsere Zweitmarke Eurowings
für das Punkt-zu-Punkt-Geschäft deutlich ausbauen. Vorbild ist Germanwings.
Germanwings ist eine Erfolgsgeschichte. Aber mit Eurowings steht nun die
nächste, günstigere Plattform bereit. Im
Stückkostenvergleich wird die neue Eurowings 20 Prozent unter der Germanwings liegen und kann sich mit den relevanten Wettbewerbern messen. Damit
können wir auf vergleichbaren Strecken
auch zu vergleichbaren Kosten fliegen.
Allerdings in besserer Qualität. Wir werden Eurowings als Qualitätsführer zur
Nummer drei im europäischen Punkt-zuPunkt-Verkehr aufbauen. Damit werden
wir unsere Marktposition verteidigen
und weiter ausbauen. Mit der kontinuierlichen Erweiterung des Streckenprofils
zielen wir insbesondere auf das wachstumsstarke Privatreise-Segment ab. Eurowings wird unser Wachstumsmotor im
Low-Cost-Segment sein und der Low
Cost Carrier der Lufthansa-Gruppe –
auf Kurz- und Langstrecke.
Es wird ein einheitliches Produkt und
eine Marke über alle Eurowings-Plattformen geben. Neu ist, dass alle Flugbetriebe, die wir unter der Dachmarke
Eurowings bündeln, die gleichen übergreifenden Standards haben – beispielsweise bei Netzplanung, Vertrieb oder
Produkt. Dadurch können Flugbetriebe
flexibel integriert werden und wir sind
auf diese Weise gleichzeitig für eine
aktive Rolle bei der notwendigen Konsolidierung im europäischen Low-CostSegment gerüstet. Im Unterschied zur
Germanwings wird die neue Eurowings
auch auf Langstrecke fliegen – zum Beispiel von Köln in die ganze Welt, etwa
nach Dubai, Bangkok oder Punta Cana.
Der Langstrecken-Start war am 2. November 2015 mit einer Eurowings A330,
die von Köln nach Varadero auf Kuba
geflogen ist. Nach heutiger Planung wird
die Eurowings-Flotte bis 2017 fast 100
Flugzeuge der A320- und A330-Familie
umfassen.
Unsere dritte Säule wird aus den Aviation Services bestehen. Als AviationKonzern sind wir bereits heute weltweit
die Nummer eins. Die Zusammensetzung unserer Gruppe ist einzigartig. Keine Airline hat so vorausschauend ihr
Geschäft aufgestellt, wie Lufthansa das
bereits vor 20 Jahren getan hat. Und zwar
mit Geschäftsfeldern und Bereichen, die
strategisch und wirtschaftlich als Ganzes viel mehr ergeben als nur die Summe
ihrer einzelnen Bestandteile: Weltweit
führende Premium-Airlines, Punkt-zuPunkt-Airlines, die profitabel wachsen,
und hochprofitable Aviation Services.
Insbesondere bei Lufthansa Technik und
LSG SkyChefs sehen wir hier die besten
Chancen, im Neugeschäft mit Drittkunden auch außerhalb des Konzerns weiter
wachsen zu können.
Alle diese Maßnahmen sind Teil unserer Strategie zur Sicherung unserer
Zukunftsfähigkeit. Diese hat – direkt
nach Sicherheit – oberste Priorität für
uns. Um zukunftsfähig zu bleiben, haben wir daher auch in erheblichem Umfang für unsere Kunden investiert. Das
größte Produkt- und Service-Upgrade,
das es in der Geschichte unseres Unter-
nehmens und in unserer Industrie je gab,
wurde kürzlich abgeschlossen. Wir haben in den vergangenen Jahren in allen
Klassen – First, Business und Economy,
fast 40.000 Sitze ausgetauscht. Unsere
Kabinen sind flottenweit auf einem einheitlichen, topmodernen Standard, der
keinen Vergleich scheuen muss. Auch
die Einführung einer völlig neuen Reiseklasse, der neuen Premium Economy,
war in puncto Buchungslage und Kundenzufriedenheitswerten ein großer Erfolg. Wir fliegen jetzt die größte Premium-Flotte der Welt.
Wir haben aber nicht nur in die Produkte an Bord und in neue Lounges
investiert, sondern auch in eine zeitgemäße und umweltfreundliche Flotte. In
den nächsten zehn Jahren stehen rund
270 fabrikneue Flugzeuge zu einem
Listenpreis von rund 38 Milliarden Euro
zur Auslieferung an.
Um unsere Zukunftsfähigkeit dauerhaft zu sichern, müssen wir künftig
wieder wachsen können. In den letzten
Jahren haben wir uns eine erhebliche
Kapazitätsdisziplin auferlegt. Unser geplantes Wachstum konnten wir nicht
realisieren. Wir sind heute mit rund
25 Flugzeugen weniger am Start, als
wir dies 2012 geplant hatten. Wenn
wir weiter an der Spitze des
Foto: BBUG/MS
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TR ANSFORMATION DES LUF TFAHRTMARK TES
CARSTEN SPOHR
geboren am 16. Dezember 1966 in Wanne-Eickel, erwarb nach seinem Studium zum
Diplom-Wirtschaftsingenieur an der Universität Karlsruhe die Verkehrspiloten-Lizenz
an der Lufthansa Verkehrsflieger-Schule in Bremen und Phoenix. Danach absolvierte
er das Trainee-Programm der Deutschen Aerospace AG und kehrte 1994 zu Lufthansa
zurück. Nach verschiedenen Leitungsfunktionen – unter anderem als Bereichsvorstand
der Lufthansa Passage Airlines und Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Cargo – wurde Spohr 2011 Mitglied des Vorstandes der Deutschen Lufthansa AG und Vorsitzender
des Lufthansa Passagevorstandes. Seit 1. Mai 2014 ist er Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Lufthansa AG. Carsten Spohr ist Inhaber der Lufthansa-Kapitäns-Lizenz
für die Flugzeugmuster der Airbus-A320-Familie. Er ist verheiratet und Vater von zwei
Töchtern.
Weltluftverkehrs mitfliegen wollen,
dann müssen wir wieder wachsen. Denn
Stagnation bedeutet Rückschritt und bedeutet Verlust von Marktanteilen. Und
es bedeutet auch Verlust von Arbeitsplätzen. Jedes Interkontinentalflugzeug
schafft 500 neue und nachhaltige Arbeitsplätze und deshalb sehen wir hier
auch die Politik gefordert, ihren Beitrag
zu leisten, sei es bei der konsequenten
Durchsetzung
eines
einheitlichen
Rechtsrahmens, um für alle Akteure ein
„level playing field“ zu schaffen, sei es
bei der Abschaffung von Ineffizienzen
wie die der fragmentierten europäischen
Flugsicherung mit 47 nationalen Organisationen. Seit Jahren fordern wir einen
einheitlichen europäischen Luftraum,
einen Single European Sky. Dieser wäre
nicht nur das größte Umweltschutzprojekt der Europäischen Union durch
die Einsparung von 10 Prozent CO2Ausstoß. Uns Airlines würde der SES
Milliardenersparnisse bringen. Oder,
um noch ein letztes Beispiel zu nennen,
die Abschaffung einseitiger Sonderbelastungen, wie der Luftverkehrsteuer, denn
wir zahlen unsere Infrastruktur selbst.
Mit diesen Maßnahmen wäre nicht nur
Foto: Deutsche Lufthansa AG
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PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016
unsere Wettbewerbsposition gesichert,
auch gesundes Wachstum wäre wieder
möglich. Und das ist zwingend nötig,
wenn wir nicht weiter zurückfallen und
Arbeitsplätze und Wohlstand hier im
Land sichern wollen.
Lufthansa hat heute mehr als 500
Konzern- und Beteiligungsgesellschaften, darunter die Weltmarktführer Lufthansa Technik, Lufthansa Cargo und
LSG Sky Chefs. Dreh- und Angelpunkt
für unseren Erfolg waren und sind aber
bis heute unsere exzellent ausgebildeten
Mitarbeiter, die an Bord und am Boden rund um die Uhr arbeiten: 2.000
Lufthanseaten waren es 1955 – im Jahr
unseres Neustarts nach dem Zweiten
Weltkrieg. Heute arbeiten rund 120.000
Menschen aus 150 Nationen für die Lufthansa-Gruppe. Lufthansa ist der DAXKonzern, der im Verhältnis zum Umsatz
den höchsten Anteil an Arbeitsplätzen in
Deutschland hat. Wir machen ein Drittel
unseres Umsatzes in Deutschland, ein
Drittel unserer Kunden sind Deutsche,
aber fast zwei Drittel unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihre Arbeit
hier im Land.
Deutschland ist unsere Heimat. Von
hier aus hat die Kranich-Airline zehn
Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ihre unvergleichliche Erfolgsgeschichte gestartet. Aus der kleinen
deutschen Fluggesellschaft ist der weltweit größte Luftfahrtkonzern geworden.
74.000 Passagiere sind 1955, nach der
Neugründung von Lufthansa, mit uns
geflogen – so viel wie heute in sechs
Stunden. Heute begrüßen wir an einem
einzigen Tag mehr als 300.000 Gäste an
Bord. Neben Frankfurt und München
zählen heute auch Zürich, Wien und
Brüssel zu unseren großen Drehkreuzen. Europa ist zu unserem Heimatmarkt
geworden, Mobilität zur Normalität.
Die Luftverkehrsmärkte werden sich
weiter verändern. Die gesamte Lufthansa-Gruppe hat sich darauf eingestellt.
Um auch künftig vorne mitzuspielen
und wieder Maßstab für die gesamte
Branche zu sein, werden wir uns – wie
in den Jahrzehnten vorher – ebenfalls
weiter verändern. Bleiben wird unser
Markenversprechen, das für alle Airlines und Servicegesellschaften des
Konzerns gilt: Sicherheit, Qualität, Service und Zuverlässigkeit – dafür steht
Lufthansa auch in Zukunft!
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FRITZ MERKLE
Perspektiven der privaten
Raumfahrtindustrie
Der Strategievorstand der OHB SE zeigte den Teilnehmern des 137. BBUG auf,
wie sich seine Firma zu Europas drittgrößtem Raumfahrtunternehmen entwickelte
Firmen von OHB SE sind an vielen wesentlichen europäischen Raumfahrtprogrammen beteiligt. Von links oben im Uhrzeigersinn: Galileo,
EXOMARS, ARIANE-6-Rakete, Solar Orbiter, Satellitenkommunikationssystem EDRS, Astronomisches Antennensystem ALMA in der Atacamawüste
1981 wurde in Bremen die OHB
System gegründet. Die Landschaft
war weitgehend geprägt durch große
institutionelle Raumfahrtprogramme.
Wie konnte das kleine Fünf-PersonenUnternehmen sich in diesem Umfeld
zu Europas drittgrößtem Raumfahrtunternehmen und sogenanntem „Large System Integrator“ entwickeln?
Heute realisiert die OHB-Gruppe 22
Satelliten für das europäische Navigationssystem GALILEO, europäische
Wettersatelliten der dritten Generation, das nationale deutsche Radar-Satellitenaufklärungssystem SAR-Lupe
und sein Nachfolgesystem SARah
und ist an den wesentlichen europäischen Raumfahrtprogrammen mit
seinen Firmen an den Standorten Bremen, München/Oberpfaffenhofen und
Augsburg sowie in Italien, Schweden,
Luxemburg und Belgien beteiligt.
Raumfahrt wird von großen Teilen
der deutschen Gesellschaft auch heute noch als ein „volkwirtschaftlicher
Luxus“ gesehen, getrieben von nationalem Prestige und Wissenschaft als
raison d’être. So wie wir die Raumfahrt heute kennen, hat sie ihre Wurzeln im Kalten Krieg und im Wettstreit
der damaligen Blöcke, der jeweils
Mächtigere zu sein. Wer schafft es,
den ersten Satellit in den Weltraum,
den ersten Menschen ins All, den
ersten Menschen auf dem Mond
zubringen …
Satelliten für
Fernsehen,
Kommunikation,
Breitbandinternet
und Wetter
Dabei ist die wirkliche volkswirtschaftliche Bedeutung dieses recht
überschaubaren
Industriesektors
der Bevölkerung nur eingeschränkt
bewusst. Satellitenfernsehen und
-kommunikation ist dabei noch den
meisten Menschen bekannt. Doch der
Nutzen ist wesentlich umfangreicher.
Weltweit gibt es mehrere Initiativen,
zukünftig Breitbandinternet über Satelliten an jedem Punkt der Erde zur
Verfügung zu stellen. Die sich daraus
ergebenden neuen Märkte sind noch
nicht abschätzbar.
Die mithilfe von Wettersatelliten
gewonnenen Daten erlauben deutlich
verbesserte meteorologische Vorhersagen. So lassen sich in der Landwirtschaft Erntezeitpunkte und im Luftverkehr Flugrouten optimieren. Die
volkswirtschaftliche Bedeutung von
Wettersatelliten wird alleine für Europa auf über 30 Milliarden Euro geschätzt.
Das Zeitsignal der GPS-Navigationssatelliten synchronisiert weltweit
Computersysteme und gibt damit dem
globalen Finanzhandel eine Zeitreferenz für Geschäfte und Transaktionen.
Und dies neben seiner ungeheuren Bedeutung in Navigation und Logistik.
Daneben steht die Rolle der Raumfahrt für unsere zivile und militärische Sicherheit. Sie ist eines der
wichtigsten Instrumente im Bereich der Klimaforschung und des
Fotos: OHB System AG
Von der Garagenfirma zum Unternehmen mit mehr als 2.100 Mitarbeitern. Mitte: Die Anfänge der OHB System AG im
Bremer Hemelinger Hafen mit der Höhenforschungsrakete Mikoba. Unten: Konzernzentrale in Bremen mit den beiden
großen Satellitenintegrationshallen
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R AUMFAHRTINDUSTRIE
FRITZ MERK LE
Radar-Aufklärungssatellitensystem SARLupe der Bundeswehr. Fünf Satelliten auf
drei Umlaufbahnen in rund 500 km Höhe
Zwei GALILEO-Satelliten, befestigt am Startraketenadapter zur
Integration in die Rakete.
Rechts: Meteosat-Satellit der dritten Generation
globalen Klimawandels. Schon heute
haben die Auswirkungen des Klimawandels Einfluss auf gesellschaftliche
Konflikte, bis hin zu Bürgerkriegen
und Migration. Erdbeobachtungssatelliten geben erste Informationen
über Naturkatastrophen. Mithilfe von
Kommunikationssatelliten kann die
Verbindung in Krisen- und Katastrophengebiete, trotz der Zerstörung der
Infrastrukturen am Boden, aufrechterhalten werden.
Satelliten sind zentrale Elemente
der militärischen Aufklärung und
Kommunikation. Der Zugriff auf nationale und unabhängige Ressourcen ist
dabei zentral. Neben USA und Russland verfügen hier speziell in Europa
Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Italien über hochentwickelte
Kapazitäten.
Als weiteres bedeutendes Ele-
ment der Raumfahrt ist der Sektor
Wissenschaft und Erforschung des
Weltraumes zu sehen. Die Missionen
Rosetta, mit der Landung auf einem
Kometen, oder die internationale
Raumstation ISS sind hierfür nur einige Beispiele unter vielen.
Diese Szenarien machen deutlich,
dass Raumfahrt heute noch weltweit
weitestgehend durch Regierungen und
Regierungsorganisationen wie NASA,
ESA, DLR und vielen mehr betrieben
wird, handelt es sich doch um hoheitliche Aufgaben.
In diesem Umfeld entwickelte sich
zum Bau der Satelliten und der dazu
notwendigen Startraketen über rund
50 Jahre eine Industrielandschaft, die
ihren Ursprung in der Flugzeug- und
wehrtechnischen Industrie, oftmals
auch in Staats- oder teilstaatlichen
Unternehmen hat. In deren Umfeld
entstanden einige klein- und mittelständige Zulieferbetriebe.
Seit Beginn der 1990er-Jahre zeigt
sich eine erste Welle einer Kommerzialisierung der Raumfahrt. Mit
der Privatisierung von Post, Telefon,
Rundfunk und Fernsehen entstanden
die ersten kommerziellen Betreiber
für Stallelitenkommunikation wie Intelsat, Eutelsat, SES und viele mehr.
Zehn Jahre später entstanden dann
erste privatwirtschaftliche Unternehmen für Erdbeobachtungsdienste.
Und weitere zehn Jahre später setzte
ein neuer Boom auch bei Startraketen
bis hin zum Transport von Menschen
zur Raumstation oder zu touristischen
Zwecken mit Firmen wie SpaceX, Blue
Origin, VirginGalactic ein. Neue, sogenannte Megakonstellationen aus Hunderten bis zu Tausenden Satelliten sind
zurzeit in Planung und Realisierung.
Eine wesentliche Neuerung ist hierbei, dass zahlreiche Programme jetzt
durch Investoren, vor allem aus dem
Silicon Valley, finanziert werden.
Das andere Novum ist: Die Art der
Realisierung entfernt sich vom klassischen Ansatz. Bisher stand Raumfahrt unter dem Credo der höchstmöglichen Zuverlässigkeit. 100 Prozent
Erfolgserwartung standen im Mittelpunkt. Reparaturen waren bis auf
Software-Upgrades nicht möglich.
Also mussten Standards und Prozesse
entwickelt werden, die dies so gut wie
möglich sicherstellten. Selektierte
Bauteile und ausgiebige Tests, verbunden mit umfangreicher Dokumentation, waren mit allen Konsequenzen für
die Kosten zwingend. Die jetzt als Alternative angesehenen Ansätze lassen
ein begrenztes Risiko zu, das durch
zusätzliche Satelliten kompensiert
werden kann. Wenn „nur“ 90 Prozent
der Satelliten ihre Lebenserwartung
erreichen, dafür aber entsprechend
mehr Exemplare in den Weltraum geschossen werden, so ist es wesentlich
wirtschaftlicher, diesen Weg einzuschlagen – zumal sich durch die neuen Prozesse die Herstellkosten für
Satelliten deutlich reduzieren. Diese
neue Denkweise ist gerade dabei, die
Raumfahrtindustrie
aufzumischen.
Da es einen deutlich veränderten Entwicklungsansatz verlangt, werden
etablierte Unternehmen herausgefordert und neue Unternehmen haben die
„New space economy“-Bühne betreten.
Angepasst auf den Bedarf der deutschen Bundeswehr nach einer eigenen
Radarsatellitenkapazität, hat OHB
das Konzept für das heutige SARLupe-System vorgeschlagen. Statt der
geforderten drei Satelliten hat OHB
fünf angeboten und weitgehend auf
Versicherungen verzichtet. Bei Ausfall
sind zwei Satelliten in Reserve und
die Bilddaten, die bis dahin zur Verfügung stehen, können zusätzlich genutzt werden. Dazu wurde von OHB
ein sehr innovatives technisches Konzept, das weitgehend auf Baugruppen
aus anderen Programmen zugriff, eingesetzt. So konnte dieses Programm
der Bundeswehr zu einem Preis von
rund einem Drittel eines anderen
Technologiekonzeptes ohne signifikantes Entwicklungsrisiko realisiert
werden. OHB konnte im Jahr 2001 als
kleines Unternehmen mit 150 Mitarbeitern den Auftrag im Wettbewerb
gewinnen und das damit verbundene
unternehmerische Risiko als Familienbetrieb meistern.
SAR-Lupe zählt aufgrund seiner
Fotos: OHB System
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R AUMFAHRTINDUSTRIE
DR. FRITZ MERKLE
Jahrgang 1950, verheiratet, drei Kinder. Studium der Physik und anschließende Promotion in Angewandter Physik an der Universität Heidelberg. Danach Hochschulassistent und zwei Jahre Gastwissenschaftler am IBM Almaden Research Center in San
Jose, USA. Von 1985 bis 1992 Projektleiter für die optischen Systeme des European
Very Large Telescope (ESO-VLT in Chile) an dem European Southern Observatory
in Garching. Danach Leitung der Geschäftsbereiche Weltraumtechnik und Astronomische Instrumente bei Carl Zeiss. Seit September 2000 bei der OHB System AG als
Mitglied des Vorstands. 2014 Berufung zum Mitglied des Vorstands der OHB SE. Mitglied der International Academy of Astronautics (IAA), Kuratoriumsmitglied bei MaxPlanck und Fraunhofer-Institutionen, Direktoriumsmitglied der US Space Foundation
sowie Mitglied des Senats des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).
sehr hohen Auflösung und echten
Allwetter- und Tag-Nacht-Fähigkeit
weltweit zu den besten militärischen
raumgestützten Aufklärungssystemen.
Die fünf Satelliten wurden zwischen
2006 und 2008 gestartet. Alle sind
mit zusammen über 40 Betriebsjahren
ohne Störung in Betrieb. Auf Basis von
SAR-Lupe und der Durchführung in
Zeit und Budget erhielt OHB 2013 den
Auftrag zu Entwicklung und Bau des
Nachfolgesystems SARah.
Mit dieser Erfahrung und der Reputation aus diesem Programm gelang es
OHB 2010, den Auftrag für zunächst
14 und dann weitere acht Satelliten für
das europäische Navigationssystem
GALILEO in europaweitem Wettbewerb zu gewinnen. Auftraggeber ist die
Europäische Kommission. Kurz darauf
erhielt OHB dann einen weiteren großen Raumfahrtinfrastrukturauftrag über
zwei Wettersatelliten und vier weitere
Satellitenplattformen im Rahmen des
EUMETSAT-Programmes Meteosat
Third Generation.
OHB verbindet dabei die Flexibilität
eines börsennotierten Konzerns mit
der Stabilität eines familiengeführten
Unternehmens. Knapp 70 Prozent der
Anteile sind auch heute noch in der
Hand der Gründerfamilie.
Durch Akquisitionen und Gründungen neuer Tochterunternehmen ist
aus der ursprünglichen OHB System
eine Firmengruppe mit über 2.100
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
unter dem Dach der OHB SE Holding
entstanden.
OHB besitzt heute ein leistungsstarkes Raumfahrtproduktportfolio für
ein breites Anwendungsspektrum in
den Bereichen Erdbeobachtung/Aufklärung, Wissenschaft, Exploration
des Weltraums und bemannte Raumfahrt, Navigation, Telekommunikation
bis hin zu Startraketen.
Als privates Raumfahrtunternehmen
zeigt OHB ein starkes Durchsetzungsvermögen in einem durchGroßkonzerne – in Europa AIRBUS und Thales
Alenia Space – dominierten Markt.
Seine schlanke Organisation, solide
Erfahrung und Flexibilität erlauben es
OHB, sich schnell an neue Trends und
Technologien anzupassen.
DÜRR
QUALITÄT HAT EINEN NAMEN
Der Name Dürr steht für höchste Qualität in Maschinen
und Anlagen. Die Basis für die führenden Marktpositionen
sind globale Präsenz, eine ausgeprägte Innovationskultur
und die Kundenorientierung der rund 14.400 Mitarbeiter.
Weiterhin werden die Emerging Markets ein starker Treiber des Geschäfts bleiben. Auf den amerikanischen und
europäischen Automobilmärkten bieten sich vermehrt
Chancen. Diese Entwicklungen sollten die Performance der
Dürr-Aktie unterstützen.
EIN KURZER RÜCKBLICK:
OHB als Raumfahrtfirma wurde
1981 von dem Ehepaar Manfred und
Christa Fuchs gegründet. Sie übernahmen den kleinen Handwerksbetrieb
Otto Hydraulik Bremen im Hemelinger Hafen. Die Initialen sind heute
noch der Firmenname. Manfred Fuchs
hatte in den 1960er-Jahren Luftfahrttechnik studiert und als Leiter
der Vorentwicklung bei ERNO, heute
AIRBUS Bremen, maßgeblich an den
ersten deutschen und europäischen
Raumfahrtprogrammen mitgewirkt.
In visionärer Vorausschau hat er bereits in den 1980er-Jahren eine zukünftige Rolle privatwirtschaftlichen
Engagements in der Raumfahrt gesehen. OHB baute den ersten privat finanzierten deutschen Satelliten SAFIR
und hielt auch die erste deutsche private Betriebslizenz für einen Kommunikationssatelliten. OHBs damaliger
Ansatz zu Entwicklung und Bau von
Satelliten war bereits dem sehr nahe,
wie er heute in der „new space ecomomy“ angewandt wird.
Foto: OHB System
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www.durr.com
SHI MINGDE
„Chinas Reformkurs öffnet das Land“
Über neue Chancen für die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit
sprach der Botschaf ter der Volk srepublik vor dem 137. BBUG
Derzeit richten sich alle Augen auf
China, besonders auf die Tendenz seiner
Wirtschaftsentwicklung. Wenn man die
Presseberichte hier analysiert, war der
Haupttenor der China-Berichterstattung
in den westlichen Medien entweder die
„Bedrohung“ oder der „Kollaps“. In der
letzten Zeit schwingt das Pendel wieder
in Richtung „Kollaps“. Man soll das
„Rauschen“ ausblenden und die Hauptlinie erfassen, um die chinesische Wirtschaft richtig zu interpretieren.
Wenn man die Wirtschaft Chinas
richtig „lesen“ will, muss man die Teile
sehen, aber noch mehr das Ganze. Im
letzten Jahr wuchs Chinas Wirtschaft
um 7,3 Prozent, und mit dieser Zahl begannen in den Medien die Besorgnisse
und die Kassandra-Rufe. Die chinesische Wirtschaft ist über 30 Jahre lang
durchschnittlich 10 Prozent jährlich
gewachsen, ein weiteres zweistelliges
Wachstum wäre da unrealistisch. Synchron gesehen bedeutet ein Wachstum
von 7,3 Prozent unter den wichtigsten
Volkswirtschaften der Welt den Spitzenwert, der die Zahlen Japans, des Euroraums und der USA bei Weitem übertrifft.
Foto: Shutterstock 47719729, BBUG/MS, Picture Alliance
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PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016
Kürzlich haben sich die internationalen Medien sehr mit dem chinesischen
Einkaufsmanagerindex vom August befasst. China hatte offiziell 49,7 Punkte
bekannt gegeben, etwas unterhalb der
Grenzlinie zwischen Wachstum und
Schrumpfung. Die Medien meinten,
Chinas Industrie würde schrumpfen,
und posaunten hinaus, die Lage sei am
Kippen. Aber es wurde wenig darauf
geachtet, dass der Einkaufsmanagerindex für die Nichtfertigungsindustrie im August ein hohes Niveau von
über 53 Punkten beibehalten hatte. In
Chinas Wirtschaftsstruktur hat der
Dienstleistungsbereich bereits einen
Anteil von 49,5 Prozent am BIP, zum
Wachstum trägt er 81,2 Prozent bei,
bildet also schon die Hauptquelle für
das Wachstum.
Will man die chinesische Wirtschaft
verstehen, dann muss man die Gegenwart betrachten, aber noch mehr muss
man die langfristige Entwicklung im
Blick haben. Zurzeit ist China tatsächlich in einer Anpassungsphase und zeigt
eine „neue Normalität“. Manche Medien interpretieren die „neue Normalität“
als ein Synonym für „verlangsamtes
Wachstum“ und schließen sogar eine
„harte Landung“ nicht aus. Wenn man
die Sache langfristiger betrachtet, wird
man entdecken, dass die derzeitige Anpassung der chinesischen Wirtschaft
genau zum richtigen Zeitpunkt kommt.
Hier geht es nicht um eine erzwungene
Reaktion, sondern um aktive, bewusste
Reformen.
In der Vergangenheit hatte die chinesische Wirtschaftsentwicklung mit
exzessivem Wirtschaften und Trägheit
zu kämpfen. Exzessives Wirtschaften
meint Ressourcenverschwendung, geringe Produktionseffizienz, Raubbau
an der Umwelt. China verbraucht pro
BIP-Einheit vier Mal so viel Energie
wie in Europa, und sieben Mal so viel
wie in Japan. Trägheit meint Innovationsschwäche und Abhängigkeit von
lokalen Finanzausgaben. Die Reformen
sollen jetzt die Effizienz der chinesischen Wirtschaft steigern, das extensive Wirtschaften in ein intensives
umwandeln. Aus Trägheit muss Innovation werden – wir ermutigen zu Firmengründungen und fördern den Innovationsgeist der gesamten Bevölkerung.
Natürlich sind Reformen das schwie-
Der Botschafter der Volksrepublik China, Shi Mingde, im Gespräch mit Bundespräsident Gauck (oben) und vor den Teilnehmern des 137. BBUG
(unten links); China im Aufbruch zwischen gestern und morgen (unten rechts):
Die Volksrepublik sucht den Schulterschluss mit der deutschen Wirtschaft - „Die BBUG gehört zur Elite der deutschen Wirtschaft, ihre Mitglieder
haben ein feines Gespür und einen höchst rationalen wirtschaftlichen Verstand. Ich erhoffe mir, dass Sie die wertvollen Chancen ergreifen, in
China aktiv investieren und Firmen gründen oder Kooperationen ausbauen“, sagte Shi Mingde im Palais Biron. PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016 57
MADE IN CHINA 2025
SHI MINGDE
Am Ende seines Vortrags danken Uwe
Franke (rechts), Frank Trümper und Christine Bortenlänger Botschafter Shi Mingde
für seine offenen Worte im Palais Biron.
rigste Unterfangen, dafür braucht es
Zeit und Geduld.
In der letzten Zeit haben die Turbulenzen an Chinas Börsen die Medien stark beschäftigt. Seit letztem Jahr
sind die Aktienkurse schnell gestiegen,
selbst nach dem gegenwärtigen Rückgang ist immer noch ein Anstieg von
etwa 50 Prozent gegenüber dem letzten Jahr zu verzeichnen. Es gibt auf
der Welt keine Börse, die immer nur
nach oben und nicht nach unten geht.
China hat eine Reihe von Maßnahmen
zur Ordnung des Marktes ergriffen und
damit für die Wahrung der Marktstabilität sowie die Vorbeugung gegen systemische Risiken positive Wirkungen
erzielt. Im Vergleich mit den Börsen
im Westen mit mehr als 200 Jahre Geschichte ist Chinas Börse noch jung und
muss noch viele Erfahrungen sammeln.
Vor kurzem hat die Zentralbank
Chinas bewusst den Mechanismus zur
Festsetzung des Mittelkurses des Renminbi modifiziert, und der Renminbi
hat innerhalb kurzer Zeit an Wert verloren. Das ist Fakt. Doch ein stärker
marktorientierter Mechanismus wirkt
sich ganz offenkundig günstiger für
die langfristige Stabilität einer Währung aus, er ist weit nachhaltiger als ein
starrer Mechanismus. Seit der Wechselkursreform von 2005 ist der reale
Wechselkurs des Renminbi gegenüber
dem US-Dollar um 35 Prozent gestiegen. Die kürzliche Modifizierung hat
den aufgestauten Abwertungsdruck
entweichen lassen. Wenn wir vorausschauen, dann werden die Fundamentaldaten der chinesischen Wirtschaft
entscheidend dafür sein, dass der
Renminbi eine starke Währung ist.
Wenn man die chinesische Wirtschaft
China bemüht sich um
Handelsliberalisierung
und stärkere Öffnung
verstehen will, muss man innere und
äußere Faktoren unterscheiden. Die
chinesische Wirtschaft ist längst eng
und untrennbar mit der Weltwirtschaft
verbunden. In den letzten zwölf Monaten ist das globale Handelsvolumen nur
um 1,5 Prozent größer geworden, was
viel niedriger liegt als die 7 Prozent,
um die es davor lange Zeit im Jahresdurchschnitt gewachsen war. Vor diesem Hintergrund im ersten Halbjahr
beim Export noch eine Steigerung von
1 Prozent zu erzielen, das war für China keine leichte Sache.
Wie reagiert China auf diese ungünstigen externen Faktoren? China bemüht sich zum einen aktiv um Handelsliberalisierung und eine noch stärkere
Öffnung. China hat bereits 14 Freihandelsabkommen abgeschlossen, in die
22 Staaten beziehungsweise Regionen
einbezogen sind. Ferner hat China vier
Freihandels-Pilotzonen eingerichtet.
Zum anderen ist China dabei, seine eigenen inneren Stärken auszubilden, um
dem Ansturm auswärtiger Einflüsse
standhalten zu können. Konkret bedeutet das, dass wir die Binnennachfrage
stärken und eine Konstellation herbeiführen, in der Konsum, Investitionen
und Außenhandel in ausgewogener
Weise gemeinsam zum Wachstum beitragen.
Zwei wichtige Strategien möchte ich
explizit vorstellen:
1) „Made in China 2025“. Seit
langem ist die Fertigungsindustrie Chi-
Die chinesische Regierung möchte durch Innovation und
eine tiefgehende Verschmelzung von Informatisierung
und Industrialisierung ein upgegradetes „Made in China
2025“ schaffen.
nas starker Industriezweig, mit einem
Beitrag von über 40 Prozent zum BIP.
China hatte sich die Bezeichnung
„Werkbank der Welt“ redlich verdient.
Doch es gab Probleme wie mangelnde eigene Innovationsfähigkeit, hohe
Abhängigkeit vom Ausland bei entscheidenden Bauteilen und strukturelle
Defizite. Die chinesische Regierung
hat „Made in China 2025“ mit dem
folgenden Ziel auf den Weg gebracht:
Neue Triebkräfte durch Innovation
und eine tiefgehende Verschmelzung
von Informatisierung und Industrialisierung, damit Schaffung eines upgegradeten „Made in China“.
2) „Ein Gürtel, eine Straße“. Der
Schwerpunkt der Strategie besteht in
einem verstärkten Bau von Infrastruktur zur Förderung der Konnektivität;
„Ein Gürtel, eine Straße“ soll zu einer
Straße der wirtschaftlichen Kooperation, des kulturellen Austausches sowie
des wechselseitigen Nutzens und gemeinsamen Gewinnens ausgebaut werden. „Ein Gürtel, eine Straße“ verfolgt
das Prinzip „gemeinsame Abstimmung, gemeinsamer Aufbau, gemeinsame Nutzung“. Es handelt sich um
eine offene und inklusive Plattform der
regionalen Zusammenarbeit.
In den 43 Jahren seit Aufnahme der
diplomatischen Beziehungen zwischen
China und Deutschland haben sich die
bilateralen Beziehungen mit schnellen
Schritten entwickelt. Besonders die
Wirtschaftsbeziehungen haben ein präzedenzlos hohes Niveau erreicht. 2014
erzielte das chinesisch-deutsche Handelsvolumen mit 177,7 Milliarden USDollar einen neuen Rekord, es beträgt
das fast 650-Fache des Werts von 1972.
Bisher haben sich über 8.200 deutsche
Unternehmen in China und 2.000 chinesische Unternehmen in Deutschland
niedergelassen. Die erste Chinesische
Handelskammer in Europa hat sich
letztes Jahr in Deutschland konstituiert.
Dies ist natürlich nicht zu trennen
von der politischen Flankierung durch
die beiden Regierungen. Besonders
der häufige hochrangige Besuchsaustausch hat das gegenseitige politische
Vertrauen wirksam gefördert. Die
Bundeskanzler Kohl und Schröder haben China jeweils fünf Mal besucht,
und Bundeskanzlerin Angela Merkel
wird im Herbst dieses Jahres China
ihren achten Besuch abstatten. Auch
die chinesische Führung legt auf die
Weiterentwicklung der Beziehungen
mit Deutschland großen Wert. Staatspräsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang haben beide bereits
Deutschland besucht.
Zweitens sind die chinesische und
die deutsche Wirtschaft in hohem Maß
komplementär. Deutschland ist technologisch stark, China hat einen großen Markt, und beide Länder ergänzen
sich viel mehr, als dass sie konkurrieren, sie können von ihren gegenseitigen
Stärken profitieren und zum beiderseitigen Gewinn zusammenarbeiten. Für
Volkswagen und BMW stand 2014 der
chinesische Markt für 36,3 Prozent beziehungsweise 21,7 Prozent ihres weltweiten Absatzes. China trug annähernd
50 Prozent zum Nettojahresgewinn der
deutschen Automobilindustrie bei.
Drittens: Die angestrengten Bemühungen der Wirtschaftskreise Chinas
und Deutschlands sowie der strategische Weitblick der Unternehmer
haben für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen große Beiträge erbracht.
Wenn Volkswagen nicht Weitblick
Foto: BBUG/MS
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MADE IN CHINA 2025
Bosch weltweit.
Innovative Lösungen
für mehr Lebensqualität.
SHI MINGDE
Botschafter Shi Mingde, geboren im Dezember 1954 in Schanghai, verheiratet, ein Kind
1972 bis 1975 Studium in der DDR; 1976 bis 1981 Mitarbeiter der chinesischen Botschaft in der DDR; 1981 bis 1986 Mitarbeiter im Servicebüro für Diplomaten in Peking;
1986 bis 1990 2. Sekretär der chinesischen Botschaft in der DDR; 1990 bis 1993 Vizereferatsleiter der Westeuropaabteilung des chinesischen Außenministeriums; 1993 bis
1997 Botschaftsrat der chinesischen Botschaft in Bonn; 1997 bis 2002 Botschaftsrat des
Planungstabs, Vizeabteilungsleiter für Westeuropa des chinesischen Außenministeriums;
2002 bis 2006 Gesandter der chinesischen Botschaft in Berlin; 2006 bis 2010 Generaldirektor des zentralen Büros für auswärtige Angelegenheiten beim ZK der KP Chinas;
2010 bis 2012 chinesischer Botschafter in Wien; Seit August 2012 Botschafter in Berlin.
besessen hätte, dann hätte die Firma
kaum schon in den 1980er-Jahren die
strategische Entscheidung getroffen, in
China zu investieren und Werke aufzubauen, womit sie ihre Erfolgsgeschichte
in China begründete. In gleicher Weise
kommen auch immer mehr chinesische
Firmen nach Deutschland, um hier zu
investieren, Beteiligungen einzugehen
und Firmen zu übernehmen.
Erfolge sagen nur etwas über die Vergangenheit, für die Zukunft müssen wir
uns weiterhin anstrengen, sonst gilt das
Wort „Wer nicht vorwärtsgeht, der fällt
zurück“. Die Volkswirtschaften Chinas
und Deutschlands sind bereits eng verwoben. Derzeit bringt die Vertiefung
seiner Reformen durch China Chancen, wie sie selten kommen. China und
Deutschland sollten diese Chancen
beim Schopf packen und schwerpunktmäßig auf folgenden Gebieten die Zusammenarbeit vorantreiben:
• Unter der Ägide der chinesischdeutschen Innovationskooperation eine
tiefgehende Koppelung von Deutschlands „Industrie 4.0“ mit „Made in
Foto: Embassy of the People's Republic of China
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China 2025“ vorantreiben.
• In vollem Maß die neue Plattform
nutzen, die von dem strategischen Konzept „Ein Gürtel, eine Straße“ bereitgestellt wird. Beide Länder können nicht
nur ihre eigene bilaterale Zusammenarbeit verstärken, sie können auch unter
voller Nutzung ihrer jeweiligen Stärken eine internationale Zusammenarbeit zur Entfaltung ihrer industriellen
Fähigkeiten eingehen und gemeinsam
Drittmärkte erschließen.
Deutschland sollte die
Zusammenarbeit mit
China vorantreiben
• Beide Seiten können weiterhin ihre
Zusammenarbeit zum wechselseitigen
Nutzen und zum gemeinsamen Gewinn
vertiefen auf Gebieten, auf denen China
Bedarf und Deutschland Stärken hat.
Chinas Industrialisierung neuen Typs,
seine Urbanisierung, Informatisierung,
landwirtschaftliche
Modernisierung
und seine ökologischen Bestrebungen
sind Aspekte, bei denen Deutschland
über fortschrittliche Technologien und
Erfahrungen verfügt.
• Die chinesisch-deutsche Wirtschaftszusammenarbeit kommt nicht
aus ohne die breite Unterstützung
durch die Gesellschaft und die Bevölkerung in beiden Ländern. Beide Seiten
sollten die menschlichen Kontakte aktiv fördern und besonders den Jugendaustausch vorantreiben.
Die Chinesen sagen gern: Chancen
gehören nur denen, die sie nutzen können. Die BBUG gehört zur Elite der
deutschen Wirtschaft, ihre Mitglieder haben ein feines Gespür und einen höchst rationalen wirtschaftlichen
Verstand. Ich erhoffe mir, dass Sie die
wertvollen Chancen ergreifen, in China
aktiv investieren und Firmen gründen
oder Kooperationen ausbauen. Die chinesische Botschaft und ich persönlich
werden dafür alle notwendige Hilfe
und Unterstützung bereitstellen.
Als international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen ist es Bosch
ein Anliegen, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Dafür arbeiten mehr als
360.000 Mitarbeiter weltweit, werden mehr als 4,9 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung investiert und über 4.600 Patente pro Jahr angemeldet. Die daraus entstehenden
innovativen Produkte und Lösungen von Bosch haben eines gemeinsam: Sie machen das
Leben der Menschen täglich ein Stück besser. Mehr Informationen: www.bosch.com
IZZET SELIM YENEL
Turkey is ready to
move forward
The Turkish Embassador to the EU promises sustainable
suppor t concerning the refugees
The EU is a success story. I am aware
that such a sentence would raise a lot of
eyebrows considering the situation we
are in. Nevertheless when you look at the
big picture and where the EU is today in
relation to its origins, no would can doubt the progress made. Yet, it seems people take all the achievements for granted
and focus solely on the problems.
The EU has been successful in
fulfilling goals which can be
identified as the following:
- Establishing a single market
- Establishing a single currency:
the Euro
- Free movement of people:
Schengen
- Enlargement
All of these targets have been mostly
realized and were part of the established system up until a few years ago.
Then one after the other, starting with
the economic crisis and currently with
the migration question these began to
unravel. They are now all being challenged. The response to each has been
late, mixed and incomplete.
The ongoing Trade and Investment
Partnership negotiations with the United States is a cause of concern for
many EU countries and we see popular
reactions against such a deal. This will
have an effect on the internal market.
The economic crisis triggered by the
Euro problem had at one point brought
on discussions of expelling a member
from the Eurozone. Due to the migration problems members are talking about
dismantling Schengen and bringing
back internal border control. Enlargement has been pushed beyond the duration of the current Commission’s tenure.
All these shows that the EU is looking
inward.
In fact the argument made against enlargement was that the EU was to strive
for consolidation. The EU used to gain
strength from past crises by closing
ranks and providing a fresh impetus to
resolve the issues. Now it seems the EU
is continuously rankled by one crisis
after another and appears to be on the
defensive.
One should also accept that there
have been special circumstances which
have made it more difficult for the EU
to deal with these questions. Namely
the Ukraine/Crimea/Russia equation
and more recently the migration crisis.
These have created more pressure on
the EU and we can now attest to that as
it has triggered a reevaluation in Turkey
– EU relations.
Turkey’s relations with the EU spans
more than five decades and has gone
through quite a few turbulences. For
the last few years the aim was to keep
the relationship on an even keel and not
rock the boat too much. The accession
process had come to a virtual halt in
which only one chapter was opened in
the past five years.
Now we are on the verge of a new era
in our relationship. The migration wave
has caused such an alarm that it called
for an immediate response to stem the
flow into the EU. However the reactions
in the 28 member countries have been
very different. There have been those
like Germany that braved the general
outbursts while we have also seen populist statements from some leaders.
Der türkische Botschafter bei der EU, Izzet Selim Yenel, referiert in Brüssel auf dem Fortsetzungsgespräch des 135./136. BBUG im Oktober 2015.
Foto: BBUG/MS
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TÜRK EIS EUROPAPOLITIK
IZZET SELIM YENEL
Place and date of birth: Istanbul, 9.6.1956; Marital status: Married with 2 children;
Educational background: Ankara University, Faculty of Political Science; Foreign languages: English; Professional Experience: 1979 Entry to the Ministry of Foreign Affairs; 1981-84 Permanent Representation of Turkey to the Organization for Economic
Co-operation and Development in Paris; 1984–86 Turkish Embassy in Kabul; 1988–93
Permanent Representation of Turkey to the United Nations in New York; 1994–99 Permanent Delegation of Turkey to the European Economic Community in Brussels; 2005–09
Ambassador to Austria; 2011- Ambassador, Permanent Delegate of Turkey to the EU
The numbers discussed are indeed large but not on the scale in which Turkey
and countries bordering Syria have been
dealing with. Yet, I cannot but think that
it is being blown out of proportion. Turkey has been handling the Syrians for the
past four years without much fuss.
The EU has always put values, humanitarian issues at the forefront. Reaction to
the streaming migrants have not been in
line with these values.
Of the more than 2 million Syrians and
Iraqis in Turkey only an eighth are living
in the camps. The rest are spread out in
the cities and towns. Some towns now
have more Syrians than the locals. Yet,
neither Turkish leaders nor the Turkish
people have objected. Another important
factor is we do not make any distinction
of religion, ethnicity or creed. That is
why we were so surprised by some reactions in the EU member states.
Maybe that has been our mistake. Maybe we should have complained. What we
are facing is a common problem and we
need to deal with it together. In short
maybe there is a silver lining in these
dramatic events. A so called wake up call
for action.
Foto: Permanent Delegation of Turkey to the European Union
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All we need is an open dialogue to manage the flow in a civil, legal and organized manner. Nobody wants to see the
terrible pictures that is the result of human trafficking.
Turkey and the EU recently agreed ad
referenda on an Action Plan to handle the
migrant issue together. When President
Erdoğan came to Brussels on October 5,
2015, the leaders of the EU institutions
went out of their way to offer Turkey elements that were on the shelves for some
time. Turkey did not ask for anything but
once the EU made its promises they were
fine tuned.
Firstly, there was an admission of not
assisting Turkey sufficiently in its efforts
to manage the Syrians. Thus, a promise
of increased financial cooperation was
made. Another was speeding up the visa
dialogue so that Turkish citizens can enter
the Schengen area without a visa, like all
other candidate countries. Accelerating
the accession process so that closed chapters could be opened was also pledged.
Finally participation to EU summits as
was the case until 2004 was mentioned.
Once these pledges by the EU are materialized then the Action Plan will be-
come operational. It is a pity that the rejuvenation of Turkey – EU relations were
brought about by the Syrian migrants.
Another positive development in the
wind is the Cyprus talks. After 50 years
and 10 years after the Annan Plan the two
sides are making real headway for achieving a durable solution. If this is achieved
then it will be a major game changer in
bringing unity to the two Communities
and hence to the Island. It will help bring
Turkey and Greece come closer and remove the political obstacles for Turkey’s
accession process. The current problems
that exist between NATO and the EU
will also fade away. Thus a solution will
be a win-win-win situation for all.
If we can make progress on resetting
our relationship with the EU and couple it
with a solution in Cyprus then we can see
2016 in a totally different light. This is
our goal and Turkey will spare no effort
on reaching a successful conclusion.
We need a strong, self-confident EU
that offers solutions rather than being
unsure on how to handle the problems.
I can assure you that Turkey is ready
to move forward and come closer with
such an EU.
Kontrollverlust?
Was tun, wenn die Konzerntochter aus dem Ruder läuft?
Wer rechtzeitig handelt, behält die Kontrolle! Wir informieren Sie
gerne über die Möglichkeiten der Restrukturierung durch das
neue Schutzschirmverfahren.
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VISAR DURIQI
All are leaving,
escaping from corruption
Kosovo doesn’t see any serious initiative for foreign investment
Die Friedensnobelpreisträgerin 2015, Sihem Bensedrine vom Quartett des Nationalen Dialogs,
diskutiert mit einem Offizier auf einer Demonstration in Tunesien, die die Auflösung des Parlaments fordert.
Meinungsfreiheit ist Menschenrecht
Die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte zu Gast beim 137. BBUG
Mit der Vergabe des diesjährigen Frie­d ensnobelpreises an das tunesische "Quartett
für nationalen Dialog“ hat die norwegische Jury in Oslo den Kampf der tunesischen
Zivilgesell­s chaft für eine friedliche politische Transition gewürdigt. Sihem Bensedrine,
Gründungsmitglied der zu dem preisgekrönten "Quartett" gehörenden tunesischen
Liga für Menschenrechte (LTDH), war 2002 Stipendiatin der Hamburger Stiftung für
politisch Verfolgte, die zum 137. BBUG drei ihrer aktuellen Stipendiaten entsandte.
Die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte ist eine Nichtregierungsorganisation mit
gemeinnützigem Charakter. Sie gewährt Menschen, die sich öffentlich für Freiheit und
Recht einsetzen und daher in ihren Ländern politisch verfolgt werden, ein einjähriges
Stipendium, um ihnen die Möglichkeit zu schaffen, ohne Bedrohung ihre Stimme zu
erheben.
Die Auswahl der Gäste, die der Stiftungsvorstand jeweils im Dezember trifft, folgt
dabei weder länder- noch berufsspezifischen Kriterien.
Der investigative Journalist Visar Duriqi aus dem Kosovo, der libysche Fernsehreporter Salah Zater und der pakistanische Menschenrechtsaktivist Kamal Khan stehen als
Stipendiaten des Jahres 2015 exemplarisch für weit über 150 Verfolgte, denen die
Stiftung bisher helfen konnte. Ihre Vorträge vor den Teilnehmern des 137. BBUG sind
nachfolgend abgedruckt.
In October 2011 the Government of
Kosovo - a country of only 1.8 million inhabitants and which declared its
independence from Serbia unilaterally
in 2008 - failed on one of the projects
economists believed could help to improve the ailing economy: the privatization of 75 per cent of Kosovo’s public
telecommunications company (PTK).
As a participant to this public tender,
“Croatian Telecom” (T-HT) had offered some 600 million Euro. At that
time, the biggest shareholder of T-HT
was “Deutsche Telekom”. But just as
T-HT was about to take ownership of
the before mentioned 75 per cent of
PTK, the company withdrew from the
bid. "In light of the charges recently
filed against certain PTK managers suspected of corruption, T-HT is currently reviewing its continued participation
in the privatization process,” Maja Weber, spokeswoman of T-HT in Zagreb,
told Reuters news agency.
This decision by T-HT was based
on the news about corruption charges
filed by the EU mission in Kosovo
(EULEX) against the CEO of PTK,
the Chairman of the company and the
owners of “Devoll”, one of the biggest
private corporations in Kosovo.
In the end, the European Prosecutor
would fail to defend this case in court.
Since then, Kosovo has not seen any
other serious initiative for foreign investment, with most potential foreign
investors citing the same reason as
T-HT: the high level of corruption..
Yet, while the Government continues
to send out press releases titled "Foreign direct investments in Kosovo
are going to increase", it has not been
able to answer the simplest questions:
Which company will benefit from direct foreign investment? Where are
they located? Who are the owners, how
many people are employed? And so on.
All these years of corruption have
put the very legitimacy of the entire
political class of Kosovo into question.
Confidence into the central organs of
government is at its lowest point since
2008. To take over the government,
the opposition has finally chosen the
path of radicalism, using even tear gas
in the Assembly Hall.
85% of Kosovars are not satisfied
with the Prime Minister, 87% do not
believe in the work of the Prosecutor's
Office and just 17% of the citizens are
satisfied with the work of central institutions in Kosovo.
Moreover – not only is the current
government of Kosovo an unnatural
coalition between two parties that
have traditionally been sworn enemies. In addition, at the election in
2014 approximately 60 per cent of
voters abstained from participating,
thus questioning the legitimacy of
the political system as a whole. 16
years have passed since the NATO
Foto: Picture Alliance
ZUFLUCHT DEUTSCHLAND
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VISAR DURIQI
intervened militarily in Kosovo. During these years, the country has been
governed by either two groups: corrupt political leaders originating from
the Kosovo Liberation Army (KLA),
which was closely connected to suspicious and sometimes described as
“public racketeering efforts” funds
like “Motherland calling”. Or by the
pacifist “Democratic Movement of
Kosovo”, which was founded by the
late president Ibrahim Rugova and financed by an equally suspicious fund
called “Three per cent”, run by Bujar
Bukoshi’s Government based in Bonn,
Germany . These past 16 years of endemic corruption, nepotism and violence have opened Kosovo and its 90
per cent Muslim population to a flourishing “jihadist recruitment industry” run by a group of radical imams.
This year, the Minister for Internal Affairs, Skender Hyseni, told the
newspaper “Express” that the number
of Kosovars participating in jihad in
Syria and Iraq (in ISIS and Xhabhatu
Al-Nusra) is over 300. This makes Kosovo the fourth biggest source worldwide of jihadists fighting for terrorist
groups in Syria and Iraq worldwide.
Among these jihadists are some of the
most ruthless in ISIS.
Studies have shown that Kosovar
jihadists are originating mainly from
economically underdeveloped rural
areas, where education and public investment is lacking.
Parallel to this jihadi problem, Kosovo is facing another big challenge:
Ever more Kosovars are trying to leave the country by all means. Manfred
Schmidt, until recently the president
of the Federal Office for Migration and Refugees, has confirmed to
"Deutsche Welle", that in early 2015
more than 30 thousand Kosovars migrated to Germany. However, as the
federal government of Germany has
declared Kosovo a safe state of origin,
the refugees’ hope to be granted political asylum status in Germany has all
but vanished.
But, is Kosovo really a safe place?
Or, has the decision by the German
government to define “safe states” as
countries unaffected by open war and
civil strife to be interpreted as politically motivated?
In Kosovo, the rate of poverty affects nearly 30% of the population,
unemployment is generally above
35% in all age groups, and over 60%
of young people are unemployed. The
level of social assistance from the
state for a family of 5 members is just
around 70 Euros per month, meaning
that the Kosovars concerned have to
live on less than 50 cents per day.
The average wage of employment is
360 Euros, while the prices for basic
needs like food are more expensive
than in Germany. Working conditions
in the private sector are on a primitive
level. The majority of journalists have
no employment contract. The majority
of workers in the construction sector
are working under “suicidal” conditions, while a national health insurance scheme is almost nonexistent.
Yet, this situation is seen positively
by the Government of Kosovo: "The
main advantage of the Kosovo workforce is low operating costs. With estimated average monthly salary of €
360, it is the most competitive in Europe", is clearly written on the website
of the Government specifically designed to invite foreign investors.
To make the situation even worse,
the contradictionary policies of the
EU member states have turned Kosovo into the most isolated country in
Europe. Because of the high rate of
crime in the region, Kosovars for the
past 16 years have experienced a very
strict visa regime. Today, as many
Kosovars have been forced by the above mentioned unsafe living and working conditions to apply for economic
asylum, the same countries have decided to declare Kosovo a “safe place”
in order to facilitate the return of unwanted migrants.
Today, Kosovars have only one legal
option to leave their country in search
for a better life: They can go to Turkey without visa. But there, as they
are rejected by Western Europe, they
become easy bait for recruiters constantly looking for new apprentices
for jihad and ISIS terrorism.
There might be a way out: foreign
investment must be controlled from
outside Kosovo. Today IPKO is one of
the biggest investors in Kosovo, but its
CEO and the board are chosen by the
Ministry of Economic Development
in Slovenia. By this little trick, the
company has been little bit protected
from corruption.
German companies that would like
to invest in Kosovo should follow this
example. As long as corruption must
be considered a “Kosovo life style”,
decisions should be taken only in
Germany.
Visar Duriqi
Die drei Stipendiaten der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte bei der Diskussion im Palais Biron: Visar Duriqi, Kamal Khan & Salah Zater.
K AMAL KHAN
It is high time
The human right defender from Pakistan calls the International Community to
take collective measures for ensuring human treatment
The recent unwise resolve by the Pakistan government following the Peshawar school incident is an apparent
evidence of its inclination towards '' an
eye for an eye and a tooth for a tooth''
policy. There is no doubt that Pakistan
has been a victim of religious extremism since the USA's invasion Afgha-
nistan in 2001. The responsibility of
these ill-fated aftermaths lie solely the
shoulders of Pakistan that despite being
a key American ally gave refuge to a
considerable number of Taliban affiliates. Owing to Pakistan's sympathetic
approach toward the terrorist, who easily cross border after carrying out fatal
attacks across the Afghanistan border.
Furthermore, the vulnerability of Pakistan attracted them as the most suitable
ground for their inhumane activities,
in this regard Pakistan is unjustifiable
to ascribe its nasty measure of lifting
moratorium on death penalty to permanently eliminate the reign of terror.
Foto: BBUG/MS
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K AMAL K HAN
Such means lack sagacity, farsightedness and sincerity because the claim
to confronting terrorism is a distance
dream so long as the leadership fails
to address the root causes of terrorism.
It can be anticipated that Pakistan is
sinking deep into the quagmire of violence and lawlessness that may last
for an indefinite span of time, unless
it discontinues its lethal nexus with all
Taliban and initiate impartial actions
against all religious militants. Concurrently Pakistan’s inefficient democratic government has consented to military elite's decision of lifting long-held
moratorium on corporal punishment.
Pakistan, according to HRCP (Human Rights Commission of Pakistan),
is one of the leading countries with
8000 prisoners lying in the death row.
These prisoners include convicts under
Anti-Terrorism Act, 1997, as well as
under the Pakistan Panel Code, 1860,
and under other laws. Previously it
was believed that convicts of terrorism
shall be executed but cases like that of
Abdul Basit and Khizir Hayat bewildered people. Abdul Basit, a 43 year
old convicted murderer who is to be
brought to the gallows on wheelchair
due to his paralysis from waist down.
Dainus Puras, the UN Special Rapporteur on right to health, has also voiced
concern over death row inmate Basit.
He says, '' We call on the authorities of
Pakistan to protect the right to health
of Abdul Basit and Khizar Hayat, and
other inmates in the death row with severe psychological disabilities''. Basit's
execution was to take place after the
court ordered a warrant on July 29, but
was suspended temporarily due to human rights organisations voices.
Another convict is Shafqat
Hussain who is believed to be below
the age of 18 at the time of alleged
murder was hanged few months before.
In this case the court failed to prove
his definite age at the time of murder.
Shafqat's execution despite stern resistance befell on august 4 at Karachi
central jail.
On the other hand The European
Union and The International Human
Rights organization are lying emphasis on reversion of moratorium on capital punishment. The European Union awarded Pakistan with a GSP Plus
status which was implemented from
January 1, 2014 on its commitment
to moratorium on death penalty. This
very status was to pave the way for
Pakistani's access to European markets and is a big boost to Pakistani
economy. On one hand Islamabad is
enjoying economic advantages from its
European allies, whereas on the other
it is overtly violating the commitment
it made to the Union.
Precisely, on June 12, 2015, a German delegation asked Pakistan to rethink its stand on death penalty as it
would affect both investment opportunities' and Islamabad's image in Europe. Similarly, The Human Rights
Watch has also stated that, ''Pakistan's
use of the death penalty is inconsistent
with international human rights law''.
Human rights watch deputy director
for Asia division, Phelim Kine, says,
''The Pakistani government's ill-conceived decision to completely abandon its death penalty moratorium puts
thousands of lives at risk''. Islamabad,
however, is not listening to all these
stakeholders concerns. The so called
democratic government is adamant
on a continuation of capital punishment, as it ascribes the imposition of
moratorium on capital punishment to
handling over the country to the terrorists groups. Hereby it is resorting
to what the human rights activists call
'Cruel law's for deterring terrorism’. In
this regard the number of executions
have reached a count of 284 Since
December 21, 2014.
Most of the voices raised are concerns for ineffective dispensation of
justice. Since in every law there is miscarriage of justice, it is hereby imperative for Pakistan to impose the de facto
moratorium on execution. People who
are send to imprisonments are found
innocent on some other day. Such victims can compensate for the time they
spent in the jail but what about those who were executed? Among such
fears, The National Action Plan allows
the establishment of military courts
run by military officers. These military judges not only lack professional
skills of civilian courts but also judicial expertise.
In a nutshell, Pakistan is to act like
a responsible state for the commitment
it made to international community.
This approach may not only strengthen
its morale but also bodes well for its
economic and political wellbeing. The
comity of civilised nations are to put
stern pressure on Pakistan in order to
make Pakistan oblige to a reversion of
its decision. In this regard the abolition
of the GSP Plus Status is the best option that may push Islamabad to reverse
its inconsiderate policy. Therefore, it is
high time The International Community takes collective measures for ensuring human rights not just in Pakistan,
but also across the globe.
Kamal Khan
SAL AH Z ATER
Libya four years
after the revolution
Bombarded rebel forces in Misrata, Libya, on April 15, 2011. More than a hundred government rockets crashed into the city. A ceramic
factory on fire near the Tripoli street. Photo by Julien Fouchet/ABACAPRESS.COM
Until the revolution of the 17th of February against Gaddafi four years ago
the Libyan people were deprived of the
countries resources for 42 years. Money
made with oil and gas was diverted past
them directly into the hands of Gaddafi
and his family. For more than four decades the Libyan public was deprived of
freedom of expression, human rights and
the means to bring about change and take
part in decisions in any way.
It has to be said that Libya was a safe
country before the revolution, tourism
was flourishing and foreign companies were attracted to the country. Even
though the economy was strong, the
health and education systems were in terrible state and poverty amongst the population was high.
Today the country can be described as
a failed state, a nation living in complete
chaos without even a constitution regulating the relationship between citizens and
the legislative. The economy has suffered
badly and security in the country has
strongly decreased. The old government
failed to introduce a new constitution.
The lack of a strong government after
the regime change meant that the elected
parliament was weak. The deteriorating
security situation meant that Libya became a gateway for illegal immigration and
people smuggling. The crime rate rose,
bringing with it many cases of murders,
kidnappings and torturing. It also meant
that that militias gained control of certain
areas, like the Muslim Brotherhood supported by Qatar, Turkey and some Western countries taking over Tripoli.
The old national congress is responsible for the loss of the country
Today Libya practically has two parliaments. The old parliament based in Tripoli refused to hand over the power to the
elected new one which is based in Tobruk
for safety reasons. At the same time, it
has to deal with two governments claiming power, one in Tripoli and on in Al
Bayda City. At the same time fights between the Libyan army and militias called
Fagr Libya from Misrate City continue.
In other words, no force or organisation
is able to protect Libya at this moment in
time.
The only thing guiding the conflicts
are personal interests, money, greed for
power which has resulted in the destruction of the country. A good example
for this are the two Libyan embassies in
Egypt, demonstrating the divide in the
country. The political leadership is weak
and corrupt, meaning that many politicians support militias and criminals.
The dialogue between the new and old
parliaments was supported by the United
Nations, headed by Bernardino León.
Efforts to see talks continue were unsuccessful and the failed agreement meant
that both parties rejected the formation
of a united national government.
The UN official Bernardino Leon said
at a press conference at the headquarters
of the United Nations Mission in Tunisia
in October: ‘The path of negotiations will
continue, a political solution is the only
alternative’ the head of the Libyan parliament, Agila Saleh said that the Muslim
Brotherhood organizations were respon-
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SAL AH Z ATER
SAL AH Z ATER
ZUFALLSBEGEGNUNG ZWISCHEN
BADEN-BADEN UND HAMBURG
sible for blocking the political dialogue in
Libya and putting the country in a deep
mess, calling on the international community to support the new legal parliament.
Commanding general of the Libyan
Army Khalifa Haftar who started fighting against IS (Islamic State) said at a
press conference in Amman the Jordanian capital. The militant armed groups in
Libya receive support from Turkey, Qatar
and Sudan and now there is great fear
that militants allied to Islamic State will
be strengthened. IS control Sirte and are
still fighting the army in Benghazi and
some of them are in Misratah and Sabratha. There is also war in Darnah City.
Fights that started in Benghazi one year
ago are still lasting between the army and
the Islamic state, leading to the question
of the financing of IS. Where do the cars,
weapons and bombs come from? In past
weeks there have been two demonstrations in Benghazi rejecting the newest
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draft for the constitution, claiming many
people currently involved in the process
to be responsible for war crimes. The Islamic state bombed the demonstrations,
killing more than 10 people, injuring
more than 30. On a daily basis there are
killings while houses and institutions are
destroyed.
US President Barack Obama said
Monday in a speech before the General
Assembly of the United Nations that he
was counting on the international community to do more to avoid a leadership
vacuum in Libya, which is in a state of
chaos since the fall of Muammar Gaddafi four years ago.
The Russian President Vladimir Putin
also released a statement about the situation in the states of the Middle East and
Libya. He said tens of thousands of extremists were fighting under the banners
of the so-called Daash, adding that the
actions of the United States are responsible for a lot of states, including Libya
and Iraq having failed. Putin said many
recruits came from Libya, which is "a
country where state institutions were destroyed as a result of a flagrant violation".
In my opinion the international community proves to be a failure every day,
unable to end the war in Libya. The Libyans rely on themselves to find a solution for their country to be able to live
in peace again and to stop the suffering
in Libya lasting since the revolution. It
is only the Libyans that can reach an
agreement to live in a democratic state
supported by laws and human rights – for
this to be possible, those responsible, IS
and the militias need to be held responsible. Among the most prominent obstacles
to forming a national unity government
are disputes concerning the management
of the basic institutions of the state, and to
achieve a cease-fire, and the formation of
a national army.
Salah Zater
Anfang Oktober saß ich im Zug von
Baden-Baden nach Hamburg. Ich hatte einen Vortrag gehalten, die schöne,
für mich neue badische Landschaft genossen, jetzt war ich auf dem Weg zurück in die Stadt, in der ich seit Februar
lebe – nachdem ich aus meiner Heimat
Libyen fliehen musste, weil mich meine
Arbeit als TV-Journalist in große Gefahr
gebracht hatte.
Im Zug fielen mir zwei Jugendliche auf.
Sie waren ungewöhnlich leicht gekleidet
und wirkten angespannt. Wir kamen ins
Gespräch. Bashir und Bashir, der eine
16-jährig, der andere ein Jahr älter, waren zwei Monate zuvor aus Afghanistan
geflüchtet, jeder für sich. Irgendwann
unterwegs waren sie einander begegnet
und hatten beschlossen, für den Rest des
Wegs zusammenzubleiben. Beide wollten
es bis Norwegen schaffen, beide hatten
ihre Familien in Afghanistan zurückgelassen und hofften, sie bald aus dem sicheren Europa unterstützen zu können.
Die Flucht hatte deutliche Spuren bei
ihnen hinterlassen. Sie hatten tagelang
keine Gelegenheit zum Duschen gehabt,
sie schämten sich dafür, dass sie auf der
Straße schliefen, besaßen nichts außer
der Kleidung, die sie am Körper trugen.
Seit Wochen hatten sie nicht mit ihren
Familien gesprochen, weil sie keinen Zugang zu einem Telefon hatten. Schlepper
hatten sie misshandelt, sie waren bestohlen worden, tagelang zu Fuß gelaufen.
Einmal, in Pakistan, hatte man ihnen verboten, Wasser aus einem Fluss zu trinken,
wenn sie nicht dafür bezahlen könnten.
Die Geschichte dieser beiden jungen
Menschen erschütterte mich tief – der
Gegensatz zwischen ihrer Entschlossenheit, die Flucht zu meistern, und der kindlichen Verletzlichkeit, die die beiden ausstrahlten. Ich lud sie ein, die Nacht bei mir
zu verbringen: eine Dusche, eine Mahlzeit
und eine Nacht mit einem Dach über dem
Kopf, um Kraft für den Rest des Wegs zu
sammeln.
Aber in Hamburg trennten sich unsere Wege. Ankommende Flüchtlinge, die
weiter nach Skandinavien reisen wollten,
wurden direkt zum nächsten Zug weitergeleitet. Zum Abschied umarmten
mich Bashir und Bashir fest. Sie drehten
sich um, gingen ein paar Schritte, dann
kehrten sie noch einmal um und wir umarmten uns noch einmal. Uns allen standen die Tränen in den Augen.
Ich frage mich seitdem oft, was aus
den beiden Bashirs geworden ist. Haben
sie Norwegen erreicht? Haben sie Menschen getroffen, denen sie vertrauen
können und die ihnen geben, was Kinder
auf der ganzen Welt brauchen: nicht nur
Kleidung und Essen, sondern auch Aufmerksamkeit, Respekt, Sicherheit? Aber
es geht nicht nur um diese beiden Jungen. Ich frage mich wieder und wieder:
Wie können wir zulassen, dass sich Kinder zur Flucht gezwungen sehen? Wo
ist die Weltgemeinschaft, die sich doch
dem Schutz junger Menschen verpflichtet hat? Ich wünsche mir, dass jeder für
einen kurzen Moment versucht, sich in
die Situation der beiden Jugendlichen
hineinzuversetzen: die lange Reise, die
Demütigungen, die Ungewissheit. Es gibt
zu viele Bashirs da draußen. Das müssen
wir ändern.
Salah Zater
PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016
73
Mahnung ins Ungewisse
Jens Spahn, Teilnehmer des 136. BBUG, ist Staatssekretär im Finanzministerium.
Mit einem kritischen Buch zur Migrationskrise löste er eine heftige Debatte aus
Foto: Shutterstock 142481542
Mit Beiträgen von Herfried Münkler, Boris Palmer, Sineb El Masrar, Julia Klöckner, Klaus von Dohnanyi, Mouhanad Khorchide,
Franz-Josef Overbeck, Bernd Fabritius, Wido Geis, Michael Hüther, Wolfgang Ischinger, Markus Kerber, Bruno Le Maire,
Peter
Limbourg,
Carsten Linnemann, Wolfgang Niersbach, Hermann Parzinger, Julian Reichelt, Oliver Samwer, Markus Söder
Foto:
Shutterstock
142481542
und Paul Ziemiak
Jens Spahn ist der Querdenker der
CDU. Der umtriebige Staatssekretär im
Finanzministerium hat ein Buch mit dem
lyrischen Titel „Ins Offene“ vorgelegt,
das in Berlin heftige Debatten auslöst
und manchen Spitzenpolitiker der Bundesregierung eher „ins Mark“ trifft. In
dem Buch lässt der CDU-Spitzenmann
nicht nur Kritiker der Flüchtlingspolitik
Angela Merkels losdonnern, dass Horst
Seehofer und Markus Söder ihre helle
Freude haben dürften.
Auch Spahn selbst schreibt im Ton der
offenen Anklage: „Obgleich Zigtausende
Menschen jeden Tag haupt- und ehrenamtlich fast Übermenschliches leisten,
um der Lage Herr zu werden, erleben wir
doch in vielen Bereichen eine Art Staatsversagen“. Er mahnt: „Die Grenze kann
nicht gesichert, Recht nicht durchgesetzt,
Tausende von Asylanträgen nicht bearbeitet werden.“ Und weiter: „Keine Gesellschaft erträgt es, wenn nicht definiert
ist, wer unter welchen Bedingungen ein
Teil von ihr werden kann. Deutschland
als komplexe moderne Gesellschaft mit
den höchsten Sozialleistungen der Welt
kann nicht funktionieren, wenn sich quasi jeder durch Betreten des Staatsgebietes
selbst zuweisen kann.“
Spahn spricht von „Skandal“ und „Disruption“, und er spricht damit aus, was
viele Unions-Politiker derzeit denken,
sich aber aus Loyalität zu Angela Merkel
nicht offen zu sagen trauen. Zum Beispiel,
dass die illegale Masseneinwanderung
von Hunderttausenden muslimischen
Männern Deutschland in schwere Konflikte stürzen wird: „Die allermeisten
dieser zumeist jungen Männer sind in Gesellschaften groß geworden, in denen der
Mann mehr zählt als die Frau, wo Antisemitismus und Schwulenhass Alltag sind,
in denen es eine hohe Affinität zu Gewalt
als Konfliktlösung gibt und in denen der
Islam und die Ehre der Familie im Zweifel über allem anderen stehen“, warnt
Spahn – selbst ein bekennender Homosexueller. Er lehnt unmissverständlich die
naiven Multikulti-Illusionen einer Willkommenskultur-Wir-schaffen-das-Politik
ab: „Wir dürfen nicht die alten Fehler von
falsch verstandener Toleranz gegenüber
anderen Traditionen und Kulturen wiederholen, deren Folgen in zu vielen deutschen
Stadtteilen in Form regelrechter Parallelgesellschaften sichtbar sind. Wir sollten
aufhören, uns zwischen „Multikulti“ und
den eigenen, teils auch selbst erst mühsam
in den letzten Jahrzehnten erarbeiteten
Freiheiten und Werten zu verheddern.“
Wäre Jens Spahn irgendein Hinterbänkler der CDU, dann würde das Buch
vielleicht kaum wahrgenommen. Doch
„Ins Offene“ hat in der Bundesregierung
für erhebliche Unruhe gesorgt. Denn
Spahn ist Präsidiumsmitglied der CDU,
er wurde auf dem Bundesparteitag 2014
nach einem spektakulären Machtkampf
gegen seinen Konkurrenten Hermann
Gröhe von der Partei gewählt. Seither
gilt Spahn als „Mister Mut“ in seiner
Partei. Zugleich ist Spahn – auch dank
einer beachtlichen Medienpräsenz – zu
einem Shootingstar der Union geworden, ein reflektierter, liberaler, lässiger
Mann der neuen CDU-Generation.
In der Migrationskrise übt er nun
scharfe Kritik an seiner eigenen Regierung. Seine Mahnungen sind laut und
deutlich: „Über 300.000 Menschen ohne
Registrierung halten sich in Deutschland
auf, keiner weiß, wo sie herkommen und
wo genau sie sind, weil es an Personal
und Infrastruktur mangelt. Und der naive Luxus, geltendes Recht nicht umzusetzen, fordert nun einen hohen Tribut.“
Für zusätzliche Brisanz sorgt das
Buch, weil Spahn ausgerechnet Staatssekretär im Ministerium von Wolfgang
Schäuble ist, den zahlreiche Unionspolitiker schon seit Wochen als Ersatzkanzler ins Spiel bringen, falls Merkel mit
ihrer Offen-Tor-Politik scheitern sollte.
PB
ZUFLUCHT DEUTSCHLAND
208 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag – 19,99 Euro
74
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75
KL AUS RIT TERSHAUS
„Was ich noch sagen wollte“
Das Zusammenwachsen Europas von
1957 an durch ein persönliches Schlüsselerlebnis zu beleuchten, ist ein Problem
der Selektion. Es gibt sicher so manches
Schlüsselerlebnis. - Zum Beispiel die
Gurkenverordnung (EWG Nr. 1677/88):
Sie bestimmt, dass eine Gurke der Handelsklasse „Extra“ eine maximale Krümmung von zehn Millimeter auf zehn
Zentimeter Länge haben darf. Das ist
Regelungswahn!
Mein Schlüsselerlebnis hatte ich schon
September 1977 anlässlich unseres fünften Fortsetzungsgesprächs (46. BBUG
1972) in Wien. Am 22. 9. 77 empfing uns
Dr. Bruno Kreisky (SPÖ-Bundeskanzler
von 1970–1983) im Palais Pallavicini, um
mit uns über österreichische Neutralitätspolitik und seine Stellung in der Welt zu
diskutieren. Ihm war als Sozialdemokrat
sehr wohl bewusst, dass die BBUG-Institution eher konservativ orientiert ist.
Wir hingen an seinen Lippen, weil
seine damaligen Ausführungen schon
sehr stark europaorientiert waren. Kreisky war an den Verhandlungen mit der
Sowjetunion beteiligt, die zum Abzug
der sowjetischen Besatzungstruppen ab
1955 führten. Der später beginnenden
europäischen Integration stand Kreisky
sehr positiv gegenüber und als späterer
Außenminister wurde er mehr und mehr
zum politischen Kommunikator zwischen West und Ost unter besonderer Berücksichtigung der Interessen Europas.
Er hatte sehr gute Kontakte zu Adenauer und de Gaulle und verfolgte damals
schon eine aktive Nachbarschaftspolitik
zwischen Europa und den Staaten des
Ostblocks. Unter Kreisky kam es zum
Freihandelsabkommen mit der EG. Auch
zu arabischen Politikern pflegte er gute
Beziehungen, ja die palästinensische Befreiungsorganisation hatte eine „PLOBotschaft“ Wien.
Er erzählte von seiner Volksverbundenheit, die auch dadurch zum Ausdruck
kam, dass seine Telefonnummer im öffentlichen Telefonverzeichnis stand, weil
er für seine Bürger immer erreichbar sein
wollte. Und auch der Orden wider den
tierischen Ernst wurde ihm 1961 verliehen. P. M. Lingens schreibt: „Was Bruno
Kreisky auszeichnete, war nicht überragender Intellekt, sondern sehr gesunder
Hausverstand.“
Und damit komme ich zum zweiten
Highlight unseres 46. BBUG: Unser Gesprächsleiter Gerd Tacke! 1972 war er
Aufsichtsratsvorsitzender der Siemens
AG., nachdem er zuvor als erster Vorstandsvorsitzender die neu entstandene
Siemens AG geführt hatte. Was hat das
mit Europa zu tun? Tacke war vorherjah-
relang für das gesamte Auslandsgeschäft
des Siemens-Konzerns verantwortlich
und seine Politik war: mit viel Engagement das Auslandgeschäft durch große
Investitionen im Ausland, zunächst vor
allem in Europa, zu erweitern und zu
intensivieren. Das war in den fünfziger
Jahren des 20. Jahrhunderts nicht ohne
Kritik und Bedenken zu verwirklichen.
Aber seine Führungsmaxime immer mit
„Leidenschaft und Augenmaß“ (Max
Weber) zu handeln, war sehr erfolgreich
und wurde uns Anfang-Vierzigern fast
täglich vorgebetet, wofür wir 46er ihm
heute noch dankbar sein müssen. Tacke
war für uns ein extrem vorbildlicher Vorgesetzter, der die heute von allen gepredigte Teamarbeit damals schon erfolgreich praktizierte.
Wo könnten wir heute stehen, wenn
die Weber’sche Maxime für die entscheidenden Unternehmensführer – und natürlich auch für die Politiker! – Anfang
des 21. Jahrhunderts wenigstens teilweise
richtungsweisend gewesen wäre.
DIESER BEITRAG FAND IM BBUGJUBILÄUMSBAND KEINEN PLATZ
MEHR UND WIRD DAHER AN DIESER
STELLE VERÖFFENTLICHT.
Endlich Zeit,
Projekte anzuschieben statt
auf der A5 zu stehen.
Diese Zeit gehört Dir.
Fahren Sie doch mal wieder Bahn. Wo sonst können Sie unterwegs
lesen, arbeiten und tun und lassen, was Sie wollen? Steigen Sie ein.
Es ist schließlich Ihre Zeit.
Die Bahn macht mobil.
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BBUG INTERN
DAS WAR DAS 137. BBUG …
vom 13. September bis 2. Oktober 2015
ERÖFFNUNG:
Dr.
Christine
Bortenlänger,
Geschäfts-
führender Vorstand, Deutsches Aktieninstitut
e.V., Frankfurt a. M. (122. BBUG)
GESPRÄCHSLEITUNG:
Dr. Uwe Franke, Präsident, Weltenergierat –
Deutschland e.V., Berlin (101. BBUG)
DISKUSSIONSLEITER:
Dr. Matthias Afting, Executive Vice President
– Head of Global HR and Organisation, Vor-
werk & Co. KG, Wuppertal (133. BBUG), Dr.
Christine Bortenlänger, Dr. Uwe Franke, Dr.
Florian Funke, Mitglied des Vorstands, Franz
Haniel & Cie. GmbH, Duisburg (125. BBUG),
Dr. Michael Heckmeier, Business Unit Lei-
ter Pigments & Functional Materials, Merck
KGaA, Darmstadt (132. BBUG)
Power Control, Infineon Technologies AG,
Neubiberg
4 Frauen, 28 Männer; 25 aus Mitgliedsfirmen;
REFERENTEN WAREN
verbands der Personaldienstleister (BAP), Dr.
UNTER ANDEREM:
Haniel & Cie. GmbH, Duisburg (125. BBUG),
WIRTSCHAFT:
ficer, AIRBUS Defence & Space, München,
BISCHOFF, Vorsitzender des Aufsichtsrats,
glied des Vorstands, Deutsche Bahn AG, Ber-
GmbH, Düsseldorf (132. BBUG), Dr. Manfred
Daimler AG, München, Dr. rer. nat. Volkmar
DENNER, Vorsitzender der Geschäftsführung, Robert Bosch GmbH, Gerlingen (113.
BBUG), Prof. Dr. Ulrike DETMERS, Mit-
glied der Geschäftsführung und Gesellschaf-
Hansjörg & Andrea Herrmann
(MANN+HUMMEL)
Thorsten Schönenberger & Jana Eggert
(LBBW Baden-Württemberg)
Florian & Andrea Barsch
(ExxonMobil Production)
Stephan Philipp & Benita Kühne
(Intersnack Group)
Carsten & Marion Seeliger
(Thomas Cook)
Constantin H. Beier &
Amelie Beier Middelschulte
(ACIA (Aon))
Gert-Hartwig & Hanna Lescow
(Drägerwerk)
Ralf & Gaby Spettmann
(BASF)
Dirk & Steffi Biermann
(50Hertz Transmission)
Anja & Guiseppe Marzuillo
(Norddeutsche Landesbank)
Werner & Sylvia Stegmüller
(KSB)
Markus Binkert & Susanne Neeracher
(Swiss International Air Lines)
Anette Messemer &
Hans Meier-Scherling
(Commerzbank)
Burkhard & Jennifer Straube
(SGL Group)
Hans Bohnen & Susanne Fischer-Bohnen
(Clariant International)
Eveline Y. & Frank Metzen
(Atlantik-Brücke)
Roland Theis & Simone Herrmann
(Landtag des Saarlandes)
Alfred Kärcher GmbH & Co. KG, Winnenden
Helmut & Katrin Gassel
(Infineon Technologies)
Jochen & Nadine Peter
(Carl Zeiss)
Stephan & Tatiana Unger
(Daimler Financial Services)
sitzender des Vorstands, ExxonMobil Central
Andreas Görgen & Agnès Joessel
(Auswärtiges Amt)
Christof Gabriel & Ursula Pieper
(Lazard Asset Management)
Alexander Unterschütz &
Sandra Harbert-Unterschütz
(Linde)
BBUG), Dr. Stephan LEITHNER, Mitglied
Bjoern & Daniela Goerke
(SAP)
Matthias & Tina Platsch
(Siemens)
Jan Wilmans & Carolin Luckey
(HSBC Trinkaus & Burkhardt)
a. M. (117. BBUG), Dr. Frank MASTIAUX,
Reinhold & Sabine Groß
(TRUMPF)
Tilo & Verena Quink
(ThyssenKrupp)
Cornel Wisskirchen & In-Ha Kim
(Deutsche Bank)
den-Württemberg AG, Karlsruhe (126. BBUG),
Sebastian & Julie Guth
(Bayer Pharma)
Thomas & Brigitte Schinecker
(Roche Diagnostics Deutschland)
Dr.-Ing. Heike HANAGARTH, ehem. Mitlin, Dr. Joachim HASENMAIER, Mitglied
der Unternehmensleitung, Corporate Board
Divisions Animal Health and CHC, Boehringer
Ingelheim GmbH (130. BBUG), Dr. Michael
HECKMEIER, Business Unit Leiter Pig-
ments & Functional Materials, Merck KGaA,
Fachhochschule Bielefeld, Dr. Rainer ESSER,
ILLEK,
und Professorin für Betriebswirtschaftslehre,
Geschäftsführer, Zeitverlag Gerd Bucerius
Medien GmbH, Hamburg, Dipl.-Ing. Frank
FERCHAU, Geschäftsführer, ABLE Manage-
Vorstands, International Flavors & Fragran-
BBUG), Andreas FIBIG, Vorsitzender des
ces Inc., New York (127. BBUG), Reinhard
FLOREY, Mitglied des Vorstands (CFO),
Dr. Helmut Gassel, Division President Industrial
Jumana Al-Sibai & Peter Delhey
(Robert Bosch)
terin der Mestemacher-Gruppe, Gütersloh,
Vorständen bzw. Geschäftsführungen
SPRECHER:
Bernhard GERWERT, Chief Executive Of-
Dirk BARNARD, Geschäftsführer, Vodafone
ment Services GmbH, Gummersbach (128.
Durchschnittsalter: 45 Jahre
137. BADEN-BADENER UNTERNEHMER GESPRÄCH
Florian FUNCK, Mitglied des Vorstands, Franz
zwei Politiker und eine Vertreterin aus gesellschaftlichen Institutionen; 20 Mitglieder von
& Co. KG, Eschborn, und Vorstandsmitglied
und Vizepräsidentin des Bundesarbeitgeber-
GmbH & Co. KG und Geschäftsführer der DvH
TEILNEHMER:
schäftsführerin Randstad Deutschland GmbH
Outokumpu Holding Germany GmbH, Duisburg (130. BBUG), Heide FRANKEN, Ge-
Darmstadt (132. BBUG), Dr. Christian P.
Mitglied
des
Vorstands
Perso-
nal, Deutsche Telekom AG, Bonn, Hartmut
JENNER, Vorsitzender der Geschäftsführung,
(111. BBUG), Dr. Gernot KALKOFFEN, VorEurope
Holding
GmbH,
Hamburg
(100.
des Vorstands, Deutsche Bank AG, Frankfurt
Vorsitzender des Vorstands, EnBW Energie Ba-
BRANCHENZUGEHÖRIGKEIT DER REFERENTEN
BRANCHENZUGEHÖRIGKEIT DER TEILNEHMER
Gesellschaft, NGO (14)
Chemie und Pharma (4)
Nahrungsmittel und NMCG (1)
Politik, öffentliche Hand, Verbände und andere (11)
Grund-, Werk- und Rohstoffe (4)
Finanzdienstleister (1)
Wissenschaft (11)
Automobil- und Fahrzeugbau (2)
Medizin, Healthcare, Biotech (1)
Technologie und Maschinen-/Anlagenbau (5)
Energiewirtschaft (2)
Wirtschaftsprüfung und Beratung (1)
andere Dienstleistungsbranchen (4)
Transport und Logistik (2)
IT- und Kommunikation (4)
Medien (1)
Mischkonzerne /
andere Industriebranchen (1)
Technologie und Maschinen-/Anlagenbau (8)
Medizin, Healthcare, Biotech (2)
Grund-, Werk- und Rohstoffe (1)
Finanzdienstleister (7)
IT und Kommunikation (2)
Nahrungsmittel und FMCG (1)
Chemie und Pharma (3)
Automobil- und Fahrzeugbau (1)
Transport und Logistik (1)
Politik, öffentliche Hand,
Verbände und andere (3)
Wirtschaftsprüfung und Beratung (1)
andere Dienstleistungsbranchen (1)
Energiewirtschaft (1)
Grafiken & Fotos: BBUG
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BBUG INTERN
BBUG INTERN
Dr. Fritz MERKLE, Mitglied des Vor-
Paul FEDDECK, Abteilungsleiter Raumfahrt-
haber des Centers for Sports and Management,
Torsten OLTMANNS, Partner Executive
rum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), Bonn,
Düsseldorf, Prof. Dr. Nora SZECH, Lehr-
stands, OHB System AG, Bremen, Prof. Dr.
Communications & Chairman Global Marketing, Roland Berger Strategy Consultants
GmbH, Berlin, Tobias RAGGE, Geschäftsfüh-
render Gesellschafter, HRS – Hotel Reservati-
on Service / Robert Ragge GmbH, Köln (128.
BBUG), Dipl.-Kfm. Phillip SCHILLING, Ge-
schäftsführer, TRACK GmbH, Hamburg (129.
BBUG), Dr. Ulf M. SCHNEIDER, Vorsitzen-
der des Vorstands, Fresenius SE & Co. KGaA,
Bad Homburg, Dipl.-Ing. Boris SCHUCHT,
Vorsitzender der Geschäftsführung, 50Hertz
Transmission GmbH, Berlin (126. BBUG), Dr.
Harald SCHWAGER, Mitglied des Vorstands,
BASF SE, Ludwigshafen (117. BBUG), Mika
SEITOVIRTA, Vorstandsvorsitzender (CEO),
Strategie und Programmatik, Deutsches ZentDr. Christoph FREI, Secretary General, World
stuhl für Politische Ökonomie am Institut für
ter des Leitungsstabs und Sprecher des Mi-
stitut für Technologie (KIT), Prof. Dr. Orestis
EnergyCouncil, London, Martin JÄGER, Leinisters des Bundesministeriums für Finanzen,
Berlin, Dr. Katharina KRAUß, Referatsleiterin Sonderkommission Kartellbekämpfung
Vertreterin der Hamburger Stiftung für politisch
Felix SEMMELROTH, Dezernent für Kul-
tur und Wissenschaft, Stadt Frankfurt a.M.,
Mingde SHI, Botschafter der Volksrepublik
Prof. Dr. Claus DIERKSMEIER, Direktor,
Ltd., Beijing (115. BBUG), Dr.-Ing. Stefan
WEINGARTNER, Mitglied des Vorstands,
Sequa Corporation, Florida (124. BBUG),
Michael WEINREICH, Mitglied des Vorstands, arvato AG, Baden-Baden (129. BBUG),
Prof. Dr. h.c. Horst WEITZMANN, Badische
Stahlwerke GmbH, Kehl und Ehrenvorsitzender
des Vorstands der BBUG (51. BBUG)
VERBÄNDE UND ANDERE:
Dr.
Christine
BORTENLÄNGER,
Weltethos Institut an der Universität Tübin-
Vizedekanin Lehre, Business School EBS Universität für Wirtschaft und Recht, Wiesbaden,
Dr. Stine MARG, Geschäftsführende Leiterin,
Institut für Demokratieforschung, Universität
Göttingen, Prof. Dr. Jürgen MLYNEK, Präsischer Forschungszentren, Berlin, Prof. Dr. jur.
Ge-
schäftsführender Vorstand, Deutsches Akti-
eninstitut e.V., Frankfurt a. M. (122. BBUG),
Stephanie BSCHORR, Präsidentin des Ver-
bands deutscher Unternehmerinnen e.V. (VdU),
Gesellschafterin und Geschäftsführerin der
HTG Wirtschaftsprüfung GmbH und der
HTG Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Berlin,
Markus OGOREK, Dekan, Law School EBS
Universität für Wirtschaft und Recht, Wiesba-
Aber Ihr habt die Vorgänger wohl geschla-
Firmen, Positionen, Individuen. Vielfalt
Geschäftsführer, Rheingau Musik Festival Konzertgesellschaft mbH, Oestrich-Winkel, Zsolt
HORPÁCSY, Dramaturg der Oper Frankfurt,
Kamal KHAN, Menschenrechtsaktivist, Pa-
kistan, Rüdiger LENTZ, Executive Director,
für Wirtschaft und Philosophie, Freiburg,
MCC, Berlin, Dr. Petra KREIS-HOYER,
ten eine edle, aber wilde Mischung von
Jena, Michael HERRMANN, Intendant und
für Klimaforschung (PIK), Ko-Vorsitzender
der Arbeitsgruppe III des IPCC, Direktor des
Mäßigung erst nach Verwarnungen durch
reich, dass sie doppelt zählten. Ansons-
Aspen Institute Germany, Berlin, Dr. Philippe
Direktor und Chefökonom, Potsdam-Institut
„Nur“ vier Frauen, aber so einfluss-
Publizist, Wien, Silke HELFRICH, Autorin,
gen, Prof. Dr. Ottmar EDENHOFER, Stv.
dent emeritus, Helmholtz-Gemeinschaft Deut-
POLITIK, ÖFFENTLICHE HAND,
Hamburg, Visar DURIQI, Journalist, Koso-
Mitbegründerin des Commons Institut e.V.,
WISSENSCHAFT:
MERZ, Geschäftsführer, Thales-Akademie
Dr. Frank OBERGFELL, Vorsitzender des
Vorstands,
ObergfellTechnologyGroup
AG
(OTG) und Gründer der Thales-Akademie für
Wirtschaft und Philosophie, Freiburg, Felix
OLDENBURG, CEO Germany and Europe,
Ashoka Deutschland gGmbH, München (130.
BBUG), Dr. Michael VESPER, Vorsitzender
des Vorstands, Deutscher Olympischer Sportbund, Frankfurt a. M., Salah ZATER, Journalist, Libyen
eben. Trotzdem eine ganz erstaunliche
Harmonie. Eine disziplinierte Truppe,
beherrscht und zugleich mächtig und for-
dernd diskutierend. Offen, menschlich,
verantwortungsvoll. Alle beteiligten sich,
lieferten
kluge Beiträge, klärten, was
es zu klären gab. Kein Dominator, kein
Die Themen unseres Gesprächs haben
fühl, die Freundschaft und Feierfreude
einen weiten Bogen gespannt. Er reichte
eine Woche dabei? Und am Ende dann der
rungen in China über die Digitalisierung,
noch gesteigert. Waren sie wirklich nur
absolute Feierhöhepunkt, die Abschlussparty. Unvergesslich.
Frank Trümper und sein Team haben
von den unternehmerischen HerausfordeGovernance und Energiewende bis zu ordnungspolitischen und ethischen Fragen.
Die Agenda hat sich durch die VW-
völlig neue Bühne bekommen. Und wenn
meidung von Konfrontationen. Doch halt!
Da gab es eine kleine Revolution, diesen
Ausbruch der Ungeduld. „Mit allem Re-
spekt, ich kann Ihnen nicht mehr folgen.
Was wollen Sie uns eigentlich sagen?“ Ein
verständlicher Einwurf zu einem hoch-
wurden perfekt verwöhnt. Bei den Vor-
bissen, die wir alle lange in Erinnerung
behalten werden, wie zum Beispiel den
sprühenden Marketer, den kühlen Rech-
ner, den fliegenden Kommunikator, den
ehrlichen Politiker und vieles, vieles mehr.
Die drei Wochen mit Euch fantastischen
Vortrag über Krisenkommunikation eine
dann Carsten Spohr (Vorstandsvorsitzender Lufthansa – 123. BBUG) den perfek-
ten Umgang mit dem dramatischen Verlust
eines voll besetzten Flugzeugs vorlebt, hat
sich der Wert der BBUG erneut gezeigt.
Beim Bühnendialog unserer Teilnehmer
komplexen Vortrag. Damit war die Revo-
137ern waren für mich ein Geschenk. Mit
aus Verwaltung und Politik zu den hoch-
der konstruktiven Dissonanz flackerte
Danke für alles.
zen der Flüchtlingslage in Deutschland
lution aber auch schon beendet, das Feuer
meist schwächer.
schaft, Berlin und Direktor, Max-Planck-Institut
- Das Energie-Trilemma: Wirtschaftlichkeit,
startenden Düsenflugzeug. Pure Lebens-
Prof. Dr. Sascha L. SCHMIDT, Lehrstuhlin-
- Sport, Wirtschaft und Gesellschaft
Sicherheit, Nachhaltigkeit
nahtlos eingefügt, das Gemeinschaftsge-
trägen/den Vortragenden gab es Lecker-
es um den „sozialen Kontakt“ ging: Es
für Chemische Energiekonversion, Mülheim,
BBUG geprägt.
artige Momente haben das Bild des 137.
heit durch die Werkstattgespräche, Ver-
Abend, schnelle Offenheit und Vertraut-
- Perspektiven der Luft- und Raumfahrtindustrie
in Deutschland und Europa
gen. Eure wunderbaren Partner haben sich
Krise spontan geändert, dadurch hat ein
Aachen, Prof. Dr. Robert SCHLÖGL, Direktor, Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesell-
mer wieder aktuelle Themen sowie groß-
Großartiges geleistet. Geist und Körper
TAGESTHEMEN:
- Digitalisierung
Beeindruckende Persönlichkeiten, im-
das Hotel, die ja so einiges gewöhnt sind.
Ausfall, kein Streit, das „Du“ am ersten
den, Prof. Dr. rer. nat. Reinhart POPRAWE,
Leiter, Fraunhofer-Institut für Lasertechnik,
HELMUT GASSEL
Division President IPC,
Infineon Technologies AG,
Sprecher des 137. BBUG
UWE FRANKE
(101. BBUG) Präsident
Weltenergierat – Deutschland e.V.
Gesprächsleiter des 137. BBUG
freier Journalist und Auslandskorrespondent,
Hamburg, Dr. Katrin SUDER, Staatssekretä-
BICH, Vorsitzender des Vorstands, Software
nagement of Daimler AG Greater China
Verfolgte, Dr. Johannes VON DOHNANYI,
vo, Christian FELBER, Univ.-Lektor, Freier
lin, Tina SOLIMAN, Journalistin, NDR TV,
TROSKA, Member of the Board of Ma-
Martina BÄURLE, Geschäftsführerin und
China in der Bundesrepublik Deutschland, Ber-
des Vorstands, Deutsche Lufthansa AG, Frank-
AG, Darmstadt (115. BBUG), Hubertus
titut für Technologie (KIT)
Liga GmbH (DFL), Frankfurt a.M., Prof. Dr.
rin, Bundesministerium der Verteidigung, Berlin
furt a. M. (123. BBUG), Karl-Heinz STREI-
TERZIDIS, Leiter EnTechnon, Karlsruher Ins-
GESELLSCHAFT, NGO
SEIFERT, Geschäftsführer, Deutsche Fußball
IM GESPRÄCH ÜBER
KRISEN UND WIE
MAN SIE MEISTERT –
DIE EINSICHTEN
DES 137. BBUG
Volkswirtschaftslehre (ECON), Karlsruher In-
(SKK), Bundeskartellamt, Bonn, Christian
Outokumpu Oyj, ESPOO, Finnland, Dipl.Wirtsch.-Ing. Carsten SPOHR, Vorsitzender
WHU - Otto Beisheim School of Management,
Euch ist mir um Deutschland nicht bang.
Der Alltag hat Euch wieder und wahr-
Umso mehr Feuer hattet Ihr, wenn
scheinlich schon halb verschlungen, Baden-
wurden Dezibel gemessen wie bei einem
die Freundschaften bleiben, ein Leben
freude, unverwüstlich, unermüdlich bis
in die frühen Morgenstunden. Gelinde
Baden wie ein verklingender Traum. Aber
lang. Versprochen!
aktuellen und weitreichenden Konsequen-
und Europa waren die Aufmerksamkeit,
Präsenz und Betroffenheit aller beinahe
physisch greifbar.
Die freundliche und offene Atmosphäre
hat auch bei schwierigen und persönlichen
Themen wunderbar fröhliche Momente
möglich gemacht.
Fotos: BBUG/MS
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BBUG INTERN
BBUG INTERN
REGIONALKREIS BADEN-WÜRTTEMBERG
REGIONALKREIS BAYERN
Von Offshore bis Formel 1
Wie sicher bleibt die Energieversorgung?
Vortrag von Thomas Kusterer, Finanzvorstand der EnBW AG (133. BBUG)
Die Veranstaltungen im Jahre 2015
drehten sich um das Thema Schonung
der Umwelt durch Nutzung von regenerativer Energie und Reduktion des Verbrauchs von fossilen Brennstoffen. So
besuchten wir im Juli 2015 die EnBW
Energie Baden-Württemberg AG in
Stuttgart. Das Unternehmen ist wie die
anderen großen deutschen Energieversorger dadurch geprägt, dass aus der
Historie große Kraftwerke auf der Basis
von Kohle, Gas und Atomkraft betrieben
werden. Spätestens seit dem Beschluss
der Bundesregierung zum Ausstieg aus
der Atomkraft hat sich das Umfeld für
die Energieversorger deutlich verändert.
Herr Kusterer (133. BBUG), Mitglied des
Vorstands, erläuterte uns, wie die EnBW
den Wandel hin zu einem Energieversorger der Zukunft schaffen will: unter
anderem durch Investitionen in erneuerbare Energien und Netzinfrastruktur
sowie den Ausbau von Energiedienstleistungen. Im Bereich der Windenergie
betreibt die EnBW On-shore-Windparks
in Deutschland und der Türkei sowie den
ersten kommerziellen Offshore-Wind-
Begrüßung durch den Regionalkreissprecher
Ulrich Skirk (115. BBUG)
park Baltic 1 und seit kurzem den deutlich größeren Offshore-Windpark Baltic 2 in der Ostsee. Diese Investitionen
in Windkraft erfordern aber auch hohe
Investitionen in entsprechende Transportnetze in Deutschland. Diskutiert
wurden auch die Herausforderungen
durch eine Zunahme von kleinen Energieversorgern, die ihren Strom in die
Netze einspeisen, sowie die bestehenden
und zukünftigen Fördermaßnahmen der
Bundesregierung und deren Auswirkung
auf den Preis für Energie und den Standort Deutschland.
Am 1. Oktober waren wir Gast bei
der MAHLE GmbH in Stuttgart Bad
Cannstatt. Die MAHLE Stiftung, der die
Anteile an der MAHLE GmbH gehören,
feiert dieses Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum. Herr Jörg Stratmann (130. BBUG),
verantwortlicher Geschäftsführer für
den Unternehmensbereich Thermomanagement, erläuterte zunächst kurz die
Entstehung von MAHLE, die die meisten Menschen als Kolbenhersteller kennen. Das Produktportfolio wurde in den
vergangenen Jahren deutlich erweitert.
Über die Jahre ist MAHLE sowohl durch
organisches Wachstum als auch durch
Zukäufe stark gewachsen und macht
heute rund elf Milliarden Euro Umsatz
weltweit. Herr Stratmann erläuterte, wie
sich der Unternehmensbereich Thermomanagement durch die Zukäufe der Anteile an der Behr GmbH & Co KG sowie
in diesem Jahr durch Delphi Thermal
entwickelt hat. Dabei hat er insbesondere
die engen technischen Zusammenhänge
zwischen Klimatisierung, Motor-, Ladeluft- und Abgaskühlung aufgezeigt,
die einerseits deutliche Verbesserungen
im Energieverbrauch, aber auch Leistungssteigerungen bei kleinen Motoren
ermöglichen. Auch das Engagement von
MAHLE in die Elektromobilität konnte
anhand des Renault Twizzy begutachtet
werden. Spannend wurde es dann auch
noch einmal beim Besuch des Museums,
in dem es vom großen Schiffskolben,
Frontends bis zu Motoren der Formel 1
alles zu sehen gab, was Mahle herstellt.
Ulrich Skirk
(115. BBUG)
Netzleitzentrale, Hochspannung
Im Juli traf sich unser Regionalkreis
Bayern vor den Toren Münchens zur
Besichtigung der Netzwerkstelle der
Bayernwerk AG in Dachau. Wir wurden vom Regionalleiter Christoph Hof
und dem Verantwortlichen für Mittelund Hochspannung im Bayernwerk
Herrn Wolfgang Tauber in die vielfältigen Aufgaben einer Stromnetzleitstelle eingeführt.
Vor Ort haben wir auch einen Blick in
das Kontrollzentrum der Netzleitstelle
der TenneT, dem Übertragungsnetzbetreiber in Bayern, werfen können.
Nach der Besichtigung wurden uns
BBUG - RK Bayern beim Netzleitwerk Bayernwerk
die speziellen Herausforderungen an
die Netzbetreiber aus dem gestiegenen
Aufkommen der erneuerbaren Energien
und deren hohe Schwankungsbreite sehr
plastisch vor Augen geführt. Am Beispiel der jüngsten Sonnenfinsternis
konnten wir sehr exemplarisch erkennen, welche Probleme sich ergeben,
solange die erneuerbaren Energien
nicht auch zu angemessenen Kosten
gespeichert werden können. Speziell
wurden folgende Themen diskutiert:
Blackouts gab es in Deutschland in
den letzten Jahrzehnten fast keine;
wird das auch im Rahmen der Ener-
giewende so bleiben?
Welche Energiequellen sind zukunftsfähig und wie werden sich deren
Einsatzgebiete verändern?
Wie stellt sich das Bayernwerk auf
diese Herausforderungen ein?
Anschließend haben wir die
Vor- und Nachteile sowie die damit
zusammenhängenden
Belastungen
der Stromkunden, die sich aus der
Energiewende ergeben, sehr lebhaft
diskutiert.
Christian Weller von Ahlefeld
(122. BBUG)
Fotos: BBUG
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BBUG INTERN
BBUG INTERN
REGIONALKREIS ZÜRICH/SCHWEIZ
REGIONALKREIS BERLIN-BRANDENBURG
Über die Pflege der traditionellen Arbeitsweisen
Einblicke in die Zukunft der Luftfahrt und der Infrastrukturfinanzierung
Der Gastgeber – CEO Oliver Ebstein –
entführt die Teilnehmer in die Welt der mechanischen Uhrmacherei.
Auf Einladung von Herrn Oliver
Ebstein, CEO der Chronoswiss AG,
fanden 20 BBUGler und Gäste den Weg
an den Vierwaldstättersee, um im Herzen von Luzern in die Welt der mechanischen Uhrmacherei einzutauchen.
Gegründet wurde das Unternehmen
von dem deutschen Uhrmachermeister
Gerd-Rüdiger Lang, der mitten in der
Quarzkrise mechanische Zeitmesser
nach Schweizer Qualitätsmaßstäben
baute. Seit jeher werden nur Komponenten ausgewählter Schweizer Lieferanten
verwendet. In den Händen einer neuen
Generation hat sich die Marke unter der
Inhaberfamilie Ebstein weiterentwickelt und ist dabei doch ihrer Tradition
treu geblieben: Reine Mechanik, Swiss
Made, keine Kompromisse.
Im „House of Chronoswiss“ in Luzern führte Herr Ebstein die Teilnehmer
durch die historischen Stationen des
Unternehmens. Die Passion und Begeis-
terung des Gastgebers für die Marke
und das Handwerk, welches dahintersteckt, haben die Teilnehmer sofort in
ihren Bann gezogen. Verstärkt wurde
die Begeisterung durch die einzigartige
Architektur und das Design des House
of Chronoswiss. Mit einer Kombination
aus Historama, Showroom und Schauatelier konnten die Teilnehmer die einzelnen Prozesse und Werke hautnah bewundern. Jahrhundertealte Traditionen
wie die Feuer-Emaille oder Guilloche
wurden ausgiebig erklärt und sogar vorgeführt. Die Teilnehmer haben gemerkt,
dass echte Handarbeit, Handwerkskunst und die Pflege der traditionellen
Arbeitsweisen dem Gastgeber – Herrn
Ebstein – besonders am Herzen liegen.
Diese Werte machen auch die Marke
Chronoswiss so einzigartig.
Nach der spannenden Führung blieb
noch genügend Zeit, um sich bei einem
köstlichen Apéro im Showroom des
House of Chronoswiss auszutauschen
– der eine oder andere Teilnehmer ließ
es sich natürlich nicht nehmen, einige exklusive Uhren anzuprobieren und
eventuell schon auf die Wunschliste zu
setzen. Herr Rümmelein (119. BBUG)
schloss die Veranstaltung mit einem Geschenk an den Gastgeber Herrn Ebstein.
Geplante Veranstaltungen des Regionalkreises Zürich / Schweiz im Jahre
2016:
Donnerstag, 10. März 2016: Besuch
der Deutschen Botschaft in Bern, beim
Gastgeber Seiner Exzellenz, dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Herrn Dr. Otto Lampe.
Donnerstag, 23. Juni 2016: Besuch der
Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), beim
Gastgeber Herrn Eric Gujer, Chefredaktor der NZZ.
Michael Rümmelein
(119. BBUG)
Der Regionalkreis Berlin-Brandenburg traf sich zu einem weiteren Thementag am 09.09.2015 auf Einladung
von Bernhard Rabert, Regionaldirektor Rolls-Royce International Ltd., auf
dem Standort Dahlewitz bei Berlin.
Rolls-Royce Deutschland ist der
einzige deutsche Flugzeughersteller
mit Zulassung für die Entwicklung,
Herstellung und Instandhaltung moderner ziviler und militärischer Turbinentriebwerke und beschäftigt in
Deutschland an den Standorten Dahlewitz und Oberursel insgesamt 3.500
Mitarbeiter. Bis zum heutigen Tage
wurden 6.000 Triebwerke vom Stand-
ort Dahlewitz ausgeliefert. Nach einer
detailreichen Besichtigung von Produktion und Prüfeinrichtungen wurde
die Zukunft der Luftfahrt mit ihren
ökonomischen und ökologischen Herausforderungen leidenschaftlich mit
dem Management diskutiert.
Der nächste BBUG-Thementag erfolgte auf Einladung von Herrn Volker Booten (115. BBUG), Partner der
Price-waterhouse Coopers AG WPG,
am 06.10.2015 in die neue Niederlassung von PWC am Berliner Hauptbahnhof. Der Blick aus dem Vortragsraum auf das Kanzleramt war
imposant. Der Leiter der Abteilung
Infrastrukturfinanzierung und PWC
Partner Herr Arnold gab einen umfassenden und tiefen Einblick in die
künftigen Herausforderungen für die
Infrastruktursparte insbesondere in
Deutschland. Die unterschiedlichen
Finanzierungsmodelle wie das PPPModell wurden detailliert dargestellt
und bei der anschließenden Diskussion wurden die unterschiedlichen Positionen deutlich, aber es konnten auch
Bedenken der Diskussionsteilnehmer
ausgeräumt werden.
Jens-Uwe Fischer
(107. BBUG)
Fotos: BBUG
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REGIONALKREIS RHEIN-MAIN
REGIONALKREIS RHEIN-RUHR
Chemie, Finanzen, Software und Pizza
Stabwechsel und Innovationen
Nestlé-Wagner GmbH
Nach dem eindrucksvollen 60. BBUGJubiläum Anfang Juni, das sowohl eine
hohe inhaltliche Wertigkeit gebracht
sowie eine perfekte Gelegenheit zum
Netzwerken über die Gespräche hinweg
ermöglicht hat, setzte der Regionalkreis
Rhein-Main im Juli seine monatlichen
Alumnitreffen mit einem Highlight fort.
Margret Suckale, Mitglied des Vorstands der BASF SE (117. BBUG), hatte in das Feierabendhaus des vor 150
Jahren in Ludwigshafen als „Badische
Anilin und Soda Fabrik“ gegründeten
Unternehmens eingeladen. Bereits die
Anfahrt zum Veranstaltungsort ließ die
imposante Größe des Firmengeländes erfahren, das wie ein selbstständiger Stadtteil Ludwigshafens wirkt. Der Ausblick
in die Zukunftsmärkte dieses weltweit
führenden Chemieunternehmens und das
vielfältige, weitsichtige Engagement für
junge Forscher faszinierte die BBUGler
ganz besonders.
Ausnahmsweise traf sich der Regionalkreis Rhein-Main zu einem zweiten
Termin im Juli. Die Gastgeber Martin
PWC
(107. BBUG) Scholich (110. BBUG),
Marius Möller (112. BBUG) und Frank
Schmidt (133. BBUG) von Price-waterhouseCoopers AG WPG disku-tierten
gemeinsam zu dem Thema „PwC – eine
Big Four im Wandel“. Für uns alle war
es besonders spannend, wie sich das
Leistungsspektrum einer international
tätigen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft verändert und
erweitert. Wieder einmal bewies sich der
Kreis der Baden-Badener Alumni als geeignetes Forum, auch ungewöhnlichen
Fragestellungen nachzugehen. Begriffe
wie „Team“ und „Partner“ wurden während der Diskussion mit Leben gefüllt.
Karl-Heinz Streibich (115. BBUG) lud
uns im September nach Darmstadt in die
Software AG ein. Wir erhielten von ihm
ein Update zur aktuellen Entwicklung des
Unternehmens. Der anschließende Vortrag von Wolfram Jost (Chief Technology
Officer CTO) zum Thema „Die digitale
Transformation“ hat uns an Beispielen
aus der Praxis verdeutlicht, wie sehr sich
im Zuge der digitalen Transformation die
Software AG
Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber
und dem Dienstleister Software AG verändert hat.
Beim Oktobertreffen bei Nestlé Wagner GmbH in der Deutschlandzentrale
des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns
drehte sich alles um die Pizza. Ralf Wagner (130. BBUG) – nicht verwandt oder
verschwägert – und Hubert Stücke (100.
BBUG) sprachen gemeinsam mit Thomas
Göbel, Vorsitzender der Geschäftsleitung
der Nestlé Wagner GmbH über „WagnerPizza, Integration eines Mittelständlers in
einen global operierenden Konzern“. Mit
seinen Tiefkühlpizzen hat Nestlé Wagner
einen Marktanteil von circa 30 Prozent.
Seit 2013 ist die Firma eine 100-prozentige
Tochter der Nestlé Deutschland AG. Eine
besondere Ehre erwies uns der Ehrenpräsident der Nestlé AG Helmut Maucher
durch sein Kommen, der bei den Q&As
die Ethikprinzipien des Unternehmens als
wesentlichen Erfolgsfaktor betonte.
Gabriele Eick
(107. BBUG)
Der alte und neue Regionalsprecher umrahmen den
Gastgeber Thomas Rodemann, Vorwerk.
Bei seinem letzten Einsatz als Sprecher
des Regionalkreises Rhein-Ruhr führte
Sven Eggert (96. BBUG) die Baden-Badener der Region nach Wuppertal zur
Firma Vorwerk. Über 70 Anmeldungen
bestätigen die glückliche Hand, die dem
dienstältesten Regionalsprecher der
BBUG in seiner 17-jährigen Tätigkeit
stets zu eigen war.
Das passende Ambiente bot die Villa
Mittelsten Scheid , eine um 1900 erbaute Wuppertaler Villa, die von den
Vorwerk-Eigentümern aufwendig saniert und zur Vorwerk Academy erweitert wurde.
Den Vortragsteil bestritt Thomas
Rodemann, Vorsitzender der Geschäfts-
Beim Vortrag hatten die Zuhörer - trotz geballter Informationen - auch
immer wieder etwas zu lachen.
führung der Vorwerk Elektrowerke. Er
ist in dieser Funktion Chef der Entwicklungsschmiede des Unternehmens
und konnte den Teilnehmern aus erster
Hand Einblicke in die aktuelle Produktpalette geben. Die Produktnamen
Kobold und Thermomix waren (nicht
nur) den anwesenden Damen bestens
bekannt. Jedoch hörte insbesondere der
handwerklich interessierte Teil der Zuhörer auf, als Rodemann die neue Vorwerk-Palette „Twercs“ vorstellte, eine
innovative Serie von akkubetriebenen
Elektrowerkzeugen.
Auch heute noch ist das 1883 gegründete Unternehmen geprägt von der Kultur
eines inhabergeführten Mittelständlers,
wenn auch über 500.000 Menschen
weltweit im Dienst von Vorwerk stehen,
der weitaus größte Teil davon als selbstständige Verkaufsberater. Sie bilden das
Rückgrat des Direktvertriebs, der Vorwerk so erfolgreich hat werden lassen.
Nach einer angeregten Fragerunde
dankte Jens Lemke (115. BBUG) als
neuer Regionalsprecher Rhein-Ruhr
seinem Vorgänger Sven Eggert (96.
BBUG) für die gute Zusammenarbeit
und verabschiedete die Gruppe in den
bei guten Gesprächen ausklingenden
Abend.
Jens Lemke
(115. BBUG)
Foto: Prof. Dr. Klose: PWC & Jürgen Kallmeyer: Software AG, Nestlé (83. BBUG)
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Vom 14. bis 17. September
2015 traf sich das 37. und 38.
Gespräch in Minden in Westfalen. Nach einem fröhlichen
Get-together im Victoria Hotel
am Markt in den frühen Abendstunden des 14. September – bei
dem es unendlich viel zu erzählen gab – wurde am nächsten
Vormittag eine Klebstofffabrik
der Firma Henkel in Porta Westfalica besucht. Natürlich galt
unser Interesse bei dem sehr
gut organisierten Rundgang
der Produktion und den Produkten; besonders beeindruckt
waren wir von dem Teamgeist
und tollen Engagement der
Mitarbeiter. Bevor es zu einer
Weser-Rundfahrt ging, haben wir
das eindrucksvolle Kaiser-WilhelmDenkmal in Augenschein genommen.
Das Denkmal selbst ist sehr gelungen, der Blick von dort oben über das
Weserbergland sehr imposant. Bei
der gemütlichen Schiffsrundfahrt haben wir nicht nur die Weser, sondern
auch den Weser-Ems-Kanal befahren.
Es ist schon beeindruckend, mit dem
BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
37./38. BBUG
IN MINDEN
41. BBUG
IN WEIMAR
14. BIS 17. SEPTEMBER 2015
18. BIS 20. JUNI 2015
Schiff die Weser zu kreuzen; eine gewaltige Schleuse macht dies möglich.
Abends ging es in die Knolle – ein
stimmungsvolles, rustikales Restaurant mit üppigen Portionen.
Der nächste Tag führte uns nach
Rödinghausen zum Gestüt Auenquelle. Nach einem überaus freundlichen
Empfang fuhren wir mit dem großen
Bus von Koppel zu Koppel.
Karl-Dieter Ellerbracke – der
Besitzer des Gestüts – zeigte uns stolz die vielen, tollen
Vollblutstuten mit ihren Fohlen und im Anschluss den in
Auenquelle aufgestellten, erfolgreichsten deutschen Deckhengst Soldier Hollow. Nach
einem sehr, sehr gemütlichen
Mittagessen im Privathaus der
Ellerbrackes, bei dem wir alles
Wissenswerte über die Vollblutzucht diskutierten, fuhren
wir gut gelaunt und beschwingt
zum Schloss Bückeburg. Dort
besichtigten wir die einzigartige Barockkapelle und erfuhren
Interessantes zur Geschichte
des Herzogtums SchaumburgLippe. Zurück in Minden, wurde bei
böhmischen Spezialitäten im Restaurant Böhmerwald alles Gehörte und
Gesehene – wie sich das für BadenBadener gehört – diskutiert.
Nach einem gemütlichen Frühstück
vertagten wir uns auf kommendes
Jahr.
Albrecht Woeste
Es muss etwas dran sein, dass
Alter konserviert. Die Anzahl
der Gesprächsfreunde, die sich
zu unserem alljährlichen Treffen
einfindet, ist in den vergangenen
Jahren annähernd konstant geblieben. Und so haben sich dieses Jahr
zwölf Freunde und Freundinnen auf
Einladung unseres Sprechers, Dr. Peter
Götz, in Weimar versammelt.
Einen ersten Eindruck verschaffte uns
der „Administrator des Herzöglichen
Postwesens“ mit seinem „Spaziertheater“ durch die Gassen von Goethes Weimar. Er las dabei aus Briefen von und
über Goethe und erzählte Geschichten
und Anekdoten, teilweise illustriert mit
Figuren auf dem aufklappbaren Fahrradtheater.
Später konnten wir uns im Theater
im Gewölbe über eine kabarettistische
Darstellung zum Thema „Schiller zum
Verlieben“ amüsieren. Erotische Bezüge aus seinen Werken und Begebenheiten aus Weimar rundeten das Bild des
Klassikers ab. Das Schauspielerteam aus
zickiger Professorin, todernstem Rezitator und virtuosem Harmonikaspieler bot
erstklassige, geistreiche Kleinkunst.
Am zweiten Tag standen diverse Führungen auf dem Programm. Eine sehr
sachkundige Dame führte uns zunächst
durch das Goethe-Museum mit einer
Vielzahl von Exponaten aus Goethes
Besitz und entließ uns nach einer viel
zu kurzen Stunde zu einem Rundgang
durch das angrenzende Wohnhaus Goethes.
Am Nachmittag trafen wir uns wieder
mit unserer Führerin in der Anna Amalia Bibliothek, die durch einen Brand im
September 2004 einen großen Teil ihres
Bestands von damals 196.000 Bänden
verloren hatte. Die Bauschäden konnten
verhältnismäßig schnell behoben werden, sodass das Gebäude im Oktober
2007 wiedereröffnet werden konnte.
50.000 Bücher waren jedoch total verbrannt und nur 28.000 konnten unversehrt geborgen werden. Die übrigen waren durch Hitze, Wasser und Rauch mehr
oder weniger stark beschädigt und werden sukzessive restauriert, wofür auch
neuartige Verfahren eingesetzt
werden. Wir konnten den bekannten Rokokosaal betreten und uns
von der Qualität der Wiederherstellung überzeugen.
Der letzte Programmpunkt
war eine Führung durch das Wohnhaus
Schillers, das einen guten Eindruck von
den Lebensverhältnissen seiner Zeit vermittelte. Dem Chronisten hat die aufgeweckte, herausfordernde Art unserer
dortigen Führerin besonders gefallen.
Der Abschiedsabend hatte seinen Höhepunkt in der Vorführung des Filmes
unseres letztjährigen Treffens in Frankfurt, erneut ein Meisterwerk unseres Filmemachers seit bald vier Jahrzehnten,
Günther Wurst.
Wir verabschiedeten uns am nächsten
Morgen nach dem Frühstück mit einem
herzlichen Dank an unseren Sprecher
Dr. Götz und seine Frau, die es hervorragend verstanden haben, uns zu einem
weiteren Besuch in Weimar zu motivieren, denn Weimar ist nicht nur in kultureller, sondern auch in kulinarischer
Hinsicht eine Reise wert.
Wolfgang Ohme
Fotos: BBUG
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Zum zweiten Mal seit 1972 trafen
sich die Teilnehmer des 46. BBUG
in Bremen.
Wo wir im vergangenen Jahr noch 17
Teilnehmer waren, zählten wir jetzt nur
noch zwölf. Man kann sagen, der harte
Kern. Das schöne Wetter schienen wir
ausgerechnet für dieses lange Wochenende gepachtet zu haben. Wir feierten unser Wiedersehen Donnerstagabend in der
Ständigen Vertretung, einem bekannten
In-Lokal in der Böttcherstraße.
In diesem Jahr wollten wir hauptsächlich unser Zusammensein genießen, und
so wurden die Tage auch mehr für „leichte
Kost“ geplant. Freitagmorgen stiegen wir
in einen Bus, der uns in die neue Überseestadt brachte. Hier treffen Gewerbe,
Industrie, Wohnen und Gastronomie aufeinander, und Überseestadt wird im Laufe
der nächsten Jahrzehnte eine ansehnliche
Stadt werden.
Unser erstes Ziel war Lloyd Caffee, eine
kleine Kaffeerösterei in dem ehemaligen
HAG-Gebäude. Wer kennt nicht KaffeeHAG! Im berühmten Marmorsaal wurden
wir von einer jungen, alerten Diplomingenieurin durch die Geschichte des ehemaligen Unternehmens geführt. Sie wurde er-
BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
46. BBUG
IN BREMEN
47. BBUG
IM MARKGRÄFLERLAND
01. BIS 04. OKTOBER 2015
04. BIS 07. OKTOBER 2015
gänzt durch Sigrid Eissing, die 35 Jahre für
Familie Dr. Roselius (Besitzer von HAG
und kultureller Wohltäter der Stadt Bremen) gearbeitet hat. Nach einem Bericht
über die Herkunft und die Verarbeitung
des Rohkaffees konnten wir verschiedene
Kaffeesorten verkosten. Ein kompletter
Röstvorgang von der grünen Bohne bis
zum fertigen Espresso wurde uns gezeigt.
Es war schon sehr beeindruckend,
wie sich der ehemalige Hafen in dieser
Stadt entwickelt. Einhundert Meter lange
Schuppen wurden umgebaut zu Büroflächen, Gewerberäumen, Wohnungen und
Lofts, in denen man sogar sein Auto mit
in die Wohnung nehmen kann. Auch fehlt
es nicht an moderner Hotellerie und Restaurants.
Bemerkenswert. Neben der Rundfahrt
durch die Überseestadt, wurden wir von
der kundigen Hostess zu einer Besichtigung der neuen Lebkuchen Manufaktur
Bremen eingeladen. Alles handgefertigt, in
bester Qualität! Schröters Leib und Seele
im Schnoor (Altstadt) krönte diesen interessanten und ausgefüllten Tag.
Am Samstag erlebten wir im Focke-
Museum eine wunderbare Führung durch „1.200 Jahre Bremen“,
spannend dargeboten von einer sehr
erfahrenen Diplom-Philosophin. Unsere
kleine Gruppe war begeistert. Und anschließend wurde bei Eissings gegessen,
getrunken, erzählt, musiziert und gesungen
Nach einer Ruhepause im Atlantic
Grand Hotel trafen wir uns zum üblichen
Festabend im Kaiserzimmer des Bremer
Ratskellers. Ein herrlicher Raum, in dem
schon von 1890 bis 1914 Kaiser Wilhelm
II. einmal im Jahr zum Frühschoppen zu
Gast war. Außerdem befinden sich dort
zwei Gemälde von Arthur Fitger aus dem
Jahr 1875.
Peter Flößer, nun schon seit 26 Jahren
Sprecher, machte anhand einer von ihm
gefertigten „Zeit-Verlaufs-Statistik“ auf
unser Alter aufmerksam. Seine launige
Ansprache stand aber, wie immer, unter
dem Motto: „Das Schönste im Leben ist
Leben.“
Es waren schöne und sonnige Tage in
Bremen. Wir freuen uns auf Heidelberg
im nächsten Jahr. Dort planen Ingrid Kaup
und Frank Heide das 44. Folgetreffen.
Johannes Eissing
Verena Alborino hat dieses Treffen der 47er im Markgräfler Land
mit viel Gespür gestaltet, ein sehr
gelungenes Treffen alter Freunde, die sich
seit 42 Jahren kennen. Die „Sprache der
Bilder“ bestimmte den Rundgang durch
Freiburg und die Führung von Frau Dr.
P. Rohde im Freiburger Münster. Sie
machte die Bedeutung von Bildern für
die mittelalterlichen Menschen deutlich.
Des Lesens noch nicht mächtig, erfuhren
diese damals durch Bilder in den Kirchen
von der Geschichte und den Lehren des
Christentums. Die Glasfenster des Münsters und die figürlichen Darstellungen am
Tympanon des Westportals gaben uns dafür vielfältige Beispiele.
Das Zusammensein am Abend begann
mit einem kleinen Barockkonzert junger
Künstler, die anschließende Weinprobe
gab reichlich Anregung für Zunge und
Sinne.
Durch die herbstliche badische Landschaft fuhren wir am nächsten Tag
nach Weil am Rhein. Dort besuchten wir die eindrucksvolle Ausstellung
„Bauhaus:Design“ im Vitra Design Museum. Hier herrschte die „Sprache der
Linien“, und uns wurde deutlich, in welch
starkem Maße Bauhausstil in die Formen
unseres täglichen Lebens eingegangen ist.
Nach einer herrlichen Fahrt am Rande
des Schwarzwalds erreichten wir schließlich das schöne mittelalterliche Städtchen
Staufen. Nun droht diese Stadt aber infolge eines modernen Industriefehlers zu
zerbrechen. Das Stadtzentrum von Staufen hat sich nach einer Erdwärmebohrung
um 60 Zentimeter gehoben. Umfangreiche Gebäudeschäden sind bereits eingetreten. Die ausführliche Diskussion ließ
die Ursache und leider auch die Tatsache
deutlich werden, dass es keine sofortige
Lösung für die Stadt gibt. Unter diesem
Eindruck haben wir uns dem Diktum der
Staufener Bürger „Staufen darf nicht zerbrechen“ angeschlossen.
Am Abend lernten wir ein weiteres
Beispiel bester alemannischer Lebensart
kennen und genossen das Festmahl mit
großem Zuspruch.
Bei unseren Diskussionen ging es nicht
nur um aktuelle Politik in Nah und Fern,
die Flüchtlingswelle aus dem Nahen Osten und VW. Wir haben uns auch mit der
Frage beschäftigt, wie wir unsere Tref-
fen in der Zukunft gestalten können, sodass möglichst viele unserer
Freunde daran teilnehmen können.
Wir sind alle älter geworden, die Reihen
lichten sich und die Probleme der Organisation werden schwieriger. Trotzdem
wollen wir weitermachen, weil wir den
Zusammenhalt der 47er Gruppe, der uns
in all den Jahren seit Baden-Baden sehr
wertvoll geworden ist, nicht aufgeben wollen. Für den Herbst 2016 hat es Joachim
Meyer-Blücher dankenswerterweise übernommen, ein Treffen in Schleswig auszurichten. Wir freuen uns darüber, aber
in der weiteren Zukunft werden wir uns
wohl darauf ausrichten müssen, unsere
Treffen an einem für alle Teilnehmer gut
erreichbaren Standort abzuhalten und auf
umfangreiche Programmgestaltung zu
verzichten.
Am Schluss dieses Berichts über ein
gelungenes, harmonisches und sehr interessantes Treffen steht unser Dank an Verena Alborino, die das alles mit sehr viel
Hingabe gestaltet hat.
Es verstarb unsere Freundin Gisela Berkelmann am 6. August 2015
Walter Blume
Fotos: BBUG
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Zu unserem
jährlichen Treffen sind wir
in diesem Jahr
vom 3. bis 6.
Mai in Kassel
z usa m menge kommen. Kassel und das
Welt k u lt u r e rbe
Bergpark
Wil helmshöhe sind immer
eine Reise wert,
nicht nur wegen der Wasserspiele im
Sommer!
Der Eröffnungsvortrag von Herrn
Dirk Schwarze „Kunst und Kultur in
Kassel“ hat uns die Bedeutung der
Stadt hervorragend nahegebracht, auch
weil er die Geschichte der Landgrafen
von Hessen einbezog.
Am ersten Tag fuhren wir durch das
Fulda-Tal nach Melsungen und besuchten die Firma B. Braun, das Weltunternehmen für medizinische Produkte
und Dienstleistungen. Der Besuch der
„Stadt der Industrie“ war in vieler Hinsicht bemerkenswert, von der Unter-
BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
49./50. BBUG
IN KASSEL
57./58. BBUG
IN BREMEN/BREMERHAVEN
03. BIS 06. MAI 2015
10. BIS 13. SEPTEMBER 2015
nehmensphilosophie über die Architektur in einer wunderschönen Landschaft bis zur automatisierten Produktion. Auf der Rückfahrt machten wir
im mittelalterlichen Fritzlar halt. Im
Dom St. Peter erhielten wir eine beeindruckende Führung und hörten ein
kleines Orgelkonzert.
Die berühmte Gemäldesammlung
Alte Meister im Museum Schloss Wilhelmshöhe sahen wir am zweiten Tag.
Frau Dr. Werner führte uns zu den Höhepunkten, von Albrecht Dürer über
Frans Hals zu Tizian und Rembrandt.
Dabei hatten wir das ganz große Glück,
Rembrandts
„Belsazars
Gastmahl“ mit
dem Menetekel
als zeitlich begrenzte Leihgabe der National
Gallery, London, zu sehen –
ein ganz großes
Erlebnis!
Der
Nachmittag
war
dem
Herkules und dem Bergpark gewidmet, im
Frühling ein starker Eindruck. Beim
traditionellen festlichen Abendessen
besuchte uns als Überraschungsgast
„Dorothea Viehmann“, die Erzählerin
der Märchen, die die Gebrüder Grimm
dann aufgeschrieben haben. Es war ein
schöner Abend!
Margret und Manfred Schütze danken wir für Gestaltung und Ausrichtung
unseres Treffens, das wir alle sehr genossen haben. Im Mai 2016 werden wir
uns an Saale und Unstrut wiedersehen.
Günther Heinrichs
Der 1. November naht – Redaktionsschluss für das Vordenkermagazin. Das Institut erinnert an
Einsendung von Foto und Bericht.
Kein Problem, das Gruppenfoto
liegt vor. Fast alle der 27 Teilnehmer sind darauf. Damit ist dokumentiert, wer in Bremen dabei war
– und wie wir am 10. September
2015 aussahen!
Beim Verfassen des Berichts
fragt man sich unwillkürlich, für
wen man eigentlich schreibt. Auf
jeden Fall nicht für die Teilnehmer.
Alle 57er/58er, auch die Freunde,
die diesmal nicht mitfahren konnten, erhalten sowieso einen ausführlichen Bericht mit mehr oder minder internen Details – wie sich das nun einmal in einem
Bericht über ein Treffen eines seit fast 40
Jahren existierenden, fast schon familiären Freundeskreises zwangsläufig ergibt.
Der kurze Beitrag im Jahresheft bräuchte,
um bei der Vielzahl überhaupt gelesen zu
werden, nur Stichworte zu Themen und
Schwerpunkten des Treffens zu enthalten.
Interessant, aber im Berichtsweg wohl
nur schwer realisierbar, wären Angaben,
wie jedes BBUG nach welchen Kriterien
und Erfahrungen sein Jahrestreffen
organisiert.
Ein Erfahrungsaustausch zwischen
den einzelnen Sprechern bei einer Zusammenkunft zum Beispiel im Institut in
Baden-Baden wäre hierzu – und auch zu
anderen Fragen von allgemeinem Interesse – ein geeigneteres Diskussionsforum
und sicherlich sehr sinnvoll.
Die 57er/58er führen ihr Jahrestreffen
immer noch nach dem Muster der Zusammenkünfte in früheren Zeiten durch.
Die Programmpunkte entstammen möglichst gleichgewichtig den Bereichen Po-
litik/Wirtschaft, Kultur und Touristisches.
In Bremen stand nach dem touristischen und kulturellen Programm eine Diskussion mit einem
hochrangigen Vertreter der Wirtschaft zur wirtschaftlichen und
insbesondere finanziellen Lage
des Bundeslands Bremen im Mittelpunkt. Und das ist die Krux: Arbeit, Kultur, Gesundheitswesen et
cetera werden von den Menschen
in und von Bremen in Anspruch
genommen, aber man wohnt billiger im ganz nahen Niedersachsen,
das demzufolge die Steuern erhält.
Der Besuch des großartigen Erlebnismuseums Auswandererhaus in Bremerhaven informierte sehr eindrucksvoll –
und zeitnah zur aktuellen Flüchtlingssituation – über drei Jahrhunderte deutscher
Aus- und Einwanderungsgeschichte. Und
ein Spaziergang auf dem Weserdeich sowie eine Fahrt durch die Hafenanlagen
gehörten natürlich auch zum Programm.
Eike Müller-Elschner
Frank Trümper nimmt Stellung auf S. 138
Fotos: BBUG
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BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
59./60. BBUG
IN LÜNEBURG
63./64. BBUG
IN BERLIN
07. BIS 10. MAI 2015
17. BIS 21. MAI 2015
Im Seminaris Lüneburg begrüßt Willi Uszko
23 Freundinnen und
Freunde, nachdem sich
der Kreis kurz vor Beginn
aus persönlichen Gründen, aber auch durch den
Bahnstreik um acht Personen reduziert hat. Beim Essen und bis
in den späten Abend gibt es viel zu „beschnacken“.
Auf einem großen Salzstock liegend,
verdankt die Stadt Lüneburg ihren
Reichtum dem weißen Gold, wie das
Salz im Mittelalter genannt wurde. Der
Handel erstreckte sich über ganz Nordeuropa. Im Salzmuseum erfahren wir
auf lebendige Weise die Bedeutung des
Salzes für die Stadt. Mit der Kutsche bestaunen wir viele der rund tausend Baudenkmäler aus dem Mittelalter – zumeist
sehr gut erhalten. Das Rathaus aus dem
16. Jahrhundert verdeutlicht die Spuren
jeder Epoche, und so wird unser Gang
durch kostbar ausgestattete Räume zu
einer Zeitreise durch Mittelalter, Barock
und Renaissance. Gleiches erleben wir
im Kloster Lüne vor den Toren der Stadt,
dessen Gründung auf das Jahr 1172 zu-
rückgeht.
Ein besonderer Höhepunkt ist ein mittelalterliches Essen in der Krone unter
der historischen Bezeichnung „Brauerkumpaney zu Lüneburg“. Das „EssSpektakel“ folgt in seinem Ablauf möglichst originalgetreuen historischen Vorbildern, die vom Lüneburger Stadtarchiv
und vom Theater sorgfältig recherchiert
wurden. Unter der Leitung des Zeremonienmeisters mit seiner Kumpanin wird für
Ordnung gesorgt durch die Einführung
des „Brauherrn“ und der „Tischvögte“,
die „strengstens auf die Tischsitten, Riten und die gleichmäßige Verteilung der
Speisen und Getränke“ zu achten haben.
Zwischen den sechs Gängen, von Marketenderinnen serviert, erfreuen uns Musikanten und Sänger – alle in historischen
Kostümen – mit „züchtigem und verwegenem Gesang“, jeweils proklamiert in
geschmiedeter Versform
vom Zeremonienmeister.
Ein tolles Erlebnis, darin
sind wir ins am Schluss
alle einig.
Aber natürlich darf
bei unseren Treffen auch
ein aktuelles Thema
nicht fehlen. Deshalb haben wir Herrn
Prof. Dr. Vahrenholt gebeten, uns seine
Sichtweise zu erläutern zu dem Thema:
„Energiewende und Klimaschutz – von
der Vorreiterrolle zum Fiasko“. Die Thesen seines Anfang 2012 veröffentlichen
Buches „Die kalte Sonne“ erklärt der
Redner mithilfe zahlreicher Schaubilder
und Grafiken. Die anschließende Diskussion hinterlässt eine nachdenkliche
Zuhörerschaft. Die Verteilung der von
uns erworbenen Buchexemplare gibt sicher die Gelegenheit, sich mit diesem
hochaktuellen Thema weiter zu befassen.
Bei einem vorzüglichen Abendessen
im Wintergarten des Hotels beschließen
wir unser Treffen, in der Hoffnung, dass
wir uns in Köln – vom 21. bis 24. April
2016 – in größerem Kreis wiedersehen.
Willi Uszko
Im Mai 2015 war es schon zum vierten Mal, dass sich 31 Teilnehmer der
63er/64er in Berlin trafen. Das spricht
für die Attraktivität der Hauptstadt, aber
auch für den Zusammenhalt, der die
Teilnehmer motiviert, die Anreise sogar
aus dem Ausland anzutreten. Allerdings
verkleinert sich der Kreis altersbedingt
zusehends. Erfreulicherweise bleiben
die Singles gern dabei.
Im Zwei-Tages-Programm, organisiert
von Freund Hans-Jürgen Kochmann,
folgten auf die obligatorische Stadtrundfahrt ein Bundestagsbesuch inklusive
Diskussion mit Prof. Riesenhuber (Energiepolitik), eine geführte Besichtigung
des Kanzleramts, eine Information vor
Ort über Situation und Perspektiven des
Flughafens BER (Ursachen der Verzögerungen, Kostensteigerungen, Fertigstellungsperspektiven) und zum Abschluss
ein wundervolles Pollini-Klavierkonzert
in der Philharmonie. Ein prall gefülltes
wunderbares Programm!
Beim traditionellen Golfturnier am
dritten Tag „kämpften“ nur noch zwölf
Teilnehmer um den 30 Jahre alten Pokal.
Große Begeisterung für den wunderschönen Golfplatz Berlin-Wannsee!
Im nächsten Jahr richten Eike und
Wolfram Freudenberg das Treffen in
Stuttgart aus (8. bis 10. Mai). Wir freuen
uns sehr darauf!
Hans-Jürgen Kochmann;
Volker Schäfer
Fotos: BBUG
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BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
65./66. BBUG
IN STRASBOURG
67./68. BBUG
IN WÜRZBURG
31. MAI BIS 03. JUNI 2015
17. BIS 19. SEPTEMBER 2015
Am Abend des 31. Mai trafen wir
uns, 26 Teilnehmer, zum Empfang
auf der Terrasse des Hotels Régent
Petite France. Als Speaker hatte
Andreas Graf von Hardenberg den
ehemaligen Vize-Generalsekretär
des Europarats (Gerichtshof für
Menschenrechte), Herrn Dr. Christian Krüger, gewonnen.
Am nächsten Morgen begrüßte
uns Madame Ivy Mousson-Lestang,
gebürtige Deutsche und Witwe eines französischen Diplomaten, die
uns mit großem Charme und unerschöpflichem Wissen die folgenden Tage begleitete. Zunächst ging es zum Europäischen
Parlament. Dieser gigantische Komplex
dient 751 Abgeordneten als Tagungsort.
Frau Dr. Tittor, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, erläuterte die Struktur und die
Arbeit des Parlaments. Derzeitige Hauptschwerpunkte sind die Flüchtlinge, die
Ukraine und Russland sowie Griechenland. Nachmittags unternahmen wir eine
Stadtrundfahrt durch Straßburg und besichtigten das Liebfrauenmünster (Grundsteinlegung 1115, Einweihung 1439).
Während des Abendessens im Restaurant Au Cerf d’Or wurde uns ein Vortrag
geboten, der einen Höhepunkt darstellte.
Referent war Professor Étienne François,
Historiker, ehemals an der Sorbonne und
seit 1991 ein „Berliner“, wo er an der
TH und der FU lehrte und sich in seinem Ruhestand noch immer dem Thema
Deutschland/Frankreich widmet. Ohne
Notizen erläuterte er die Entwicklung
beider Länder. Frankreich weist seit dem
9. Jahrhundert ein tausendjähriges Königtum auf, von der Republik abgelöst,
mit dem Zentrum Paris. In Deutschland
herrschte dagegen Föderalismus, mit Ausnahme der NS- und der DDR-Zeit. Der
Franzose ist bereit, für die Republik zu
sterben, nicht aber für die Demokratie.
Der Deutsche dagegen bekennt
sich zur Demokratie. Die französische Jugend hat begonnen, die
eigene Geschichte zu hinterfragen
(Vichy, Versagen in der NS-Zeit),
wodurch eine weitere französischdeutsche Annäherung stattfindet,
erfreulicherweise im europäischen
Rahmen.
Am letzten Tag fuhren wir bei
strahlendem Sonnenschein nach
Colmar. Der Isenheimer Altar
von Matthias Grünewald und die
Werke von Martin Schongauer haben uns
begeistert. Anschließend ging es nach
Riquewihr und Ittenwiller. Dort erwartete
uns Graf d’Andlau auf seinem Weingut.
Der Graf und seine Familie empfingen
uns mit großer, aufrichtiger Herzlichkeit
und baten zu einer Weinprobe ins Haus.
Das Treffen klang in der Brasserie des
Hotels Les Haras aus.
Doris und Hans-Joachim Scharf bereiten das nächste Treffen vom 5. bis 8. Juni
2016 in Kassel vor.
Elmo Freiherr von Schorlemer,
Edgar Alwers
37 Teilnehmer folgten der Einladung von Frauke und Hermann
Sigle. Nachdem der Wiedersehensfreude genügend Ausdruck verliehen worden war, referierte Lars
Klodwig über die Strategie des „mittelständischen“ Unternehmens Knauf aus
Iphofen, einer Weinstadt in Unterfranken.
1932 im Saarland gegründet als Unternehmen zum Betrieb von Gipsbrüchen,
seit 1949 auch Tagebau in Unterfranken,
Weiterverarbeitung in Gipsputzwerk.
Wachstum durch Erfindung von Maschinenputz und Gipsplatten, damit kompletter Trockenbausysteme. Es folgten
unter anderem Bauchemieprodukte und
Dämmstoffe (heute sehr bedeutend). Entscheidend ist Rohstoffbasis, heute auch
Gips aus Rauchgasentschwefelung. Produktionsstätten und Vertriebsorganisationen mit 25.000 Mitarbeitern weltweit und
sechs Milliarden Euro Umsatz. Da Familie sehr präsent: Familienkonzern.
Knauf beansprucht in jedem Markt die
Marktführerschaft. Es gibt keinen Direktvertrieb, der große firmeneigene Außendienst unterstützt lokale Partner. Ziel
ist die Kostenführerschaft und Präsenz in
allen größeren Märkten.
Fragestellung: Warum bauen wir Autos anders als Häuser? Knaufs Konzept
ist die Entwicklung einzelner Module,
die zusammen alle Anforderungen eines Hauses abdecken sowie beliebig
kombinierbar und schnell realisierbar
sind. Knauf-Produkte (u. a. Trockenbau-,
Fassaden- und Fußbodensysteme sowie
Dämmstoffe) sollen klassische Baumaterialien ersetzen. Der Käufer kann online
aus verschiedenen Modulen sein Haus
bauen. Dann erfolgt die Umsetzung in
standardisierte Produktionsprozesse. Darin liegt ein hohes Potenzial auch für die
Unterbringung von Flüchtlingen.
Am zweiten Tag konnten wir die Kultur und Sehenswürdigkeiten der alten Bischofsstadt genießen, die nach dem Krieg
auf den Ruinen wiederaufgebaut worden
war. Wertvolle Kunstgegenstände waren
im Krieg in Sicherheit gebracht worden,
darunter viele Arbeiten in Holz und Stein
des Bildhauers Tilman Riemenschneider
aus dem 15. Jahrhundert. Bemerkenswert
waren für uns das Grab Walters
von der Vogelweide und die Bürgerkirche St. Marien. Hier wurde
das Geheimnis der unbefleckten
Empfängnis Mariä „conceptio per
aurem“ gelüftet: das Wort Gottes in Marias Ohr.
Von der Festung hatten wir einen herrlichen Blick über die Stadt. Die fürstbischöfliche Residenz ist ein barocker
Prachtbau von Balthasar Neumann und
Battista Tiepolo. Das 600 Quadratmeter
überspannende Rippengewölbe überstand
den Bombenangriff im März 1945.
Spät am Abend konnten wir bei der
Zeitungsherstellung zuschauen: in der
Main-Post Druckerei mit drei modernen
Rotationsmaschinen (je 10 Mio. Euro Investition und 45.000 Zeitungen/Std. Kapazität). Es gibt keine Bleiplatten mehr,
sondern recyclebare Alufolien und Lasertechnologie.
Dieses erste zweitägige Treffen war ein
voller Erfolg. Herzlichen Dank an Sigles
„Würzburg-Welterbe, Weingenuss, Wohlgefühl“.
Hans-Georg Barth
Fotos: BBUG
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BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
69. BBUG
IN KASSEL
70. BBUG
IN KARLSRUHE
31. AUGUST BIS 03. SEPTEMBER 2015
03. BIS 05. JUNI 2015
Am Abend eines heißen
Tages feierten die zu ihrem
jährlichen Treffen erschienenen 69er im Kurparkhotel Bad
Wilhelmshöhe
Wiedersehen
– fröhlicher Auftakt eines der
Natur und Kunst gewidmeten
Programms, das unsere Freunde Marlene und Hans Schneider
um das Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe und seine
vom Kasseler Herkules gekrönten Wasserspiele arrangiert hatten.
Von Regenschauern unbeeindruckt,
erlebten wir eine niveauvoll und vergnüglich kommentierte Stadtrundfahrt
(unsere muntere Gästeführerin, Frau
Cecilia Winter, sei künftigen Besuchern Kassels empfohlen), die uns
nahebrachte, wie die einst strahlende
Residenzstadt der hessischen Landgrafen und Kurfürsten, nach schweren
Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg
und jahrzehntelanger Zonenrandlage,
seit der Vereinigung beider deutscher
Nachkriegsstaaten wiedererblüht. Als
Stationen der Rundfahrt seien beispielhaft Bergpark, Schloss Wilhelmshöhe
und Herkules genannt, auch der – wie
die ganze Stadt – durchgrünte Vordere
Westen und seine eindrucksvoll restaurierten Gründerzeit- und JugendstilEnsembles, das kurz vor der Eröffnung
stehende neue Brüder-Grimm-Museum, schließlich Friedrichsplatz und
Fridericianum, Karlsaue und Orangerie. Dann, im – wie durch ein Wunder
der Kriegszerstörung entgangenen –
Marmorbad wurden kundig und unterhaltsam unsere Kenntnisse der antiken
Mythologie aufgefrischt. Das Marmorbad ist ein landgräflicher Repräsentation gewidmeter barocker Pavillon
voller anmutiger – Anfang des 18.
Jahrhunderts vom französischen Bildhauer Pierre-Étienne Monnot nach den
„Metamorphosen“ des Ovid geschaffe-
ner – Statuen und Reliefs aus
weißem Carrara-Marmor vor
farbig strukturierten marmornen Wänden.
Am nächsten Tag, bei wieder blauem Himmel, war das
erstes Ziel die bedeutende,
uns lebendig präsentierte Galerie Alter Meister im Schloss
Wilhelmshöhe. Abschließend
folgte, die vielfältigen Wasserspiele begleitend, ein ausgedehnter
Rundgang durch den Bergpark, in dessen 300-jährige Geschichte der Kasseler Kulturjournalist Dirk Schwarze uns
am Vorabend anschaulich eingeführt
hatte.
Besondere Erwähnung verdienen
die Genüsse aus Küche und Keller, einschließlich liebevoll gestalteter Menükarten, die uns mittags und abends
erfreuten, wenn wir bei freundschaftlichem Gespräch in immer passend
gewähltem Ambiente miteinander tafelten. Unseren einfallsreichen Gastgebern Dank für dieses wieder besonders
gelungene Treffen.
Heinrich Otto
Vor dem Jubiläum in
Baden-Baden trafen sich 24
Teilnehmer in Karlsruhe,
um die 1715 von Karl-Wilhelm, Markgraf von BadenDurlach, im Hardtwald gegründete, auf dem Reißbrett
entstandene
fächerförmige
Residenzstadt des ehemaligen
Landes Baden kennenzulernen. Eine Stadtführung mit Frau Friede
zum Motto „Architektur und Stadtplanung“ führte vorbei an Schloss, Bundesverfassungsgericht und markanten
Bauten des klassizistischen Architekten
Friedrich Weinbrenner.
Am Tag darauf war ein Vortrag
von Prof. Dr. Claus Mattheck über die
„Denkwerkzeuge der Natur“ an der
Reihe. Der Leiter für Biomechanik am
KIT machte uns anhand von Zugdreiecken klar, wie die Natur ihre formund werkstoffoptimierten Strukturen
findet. Künftig werden wir den Baumwuchs mit anderen Augen sehen.
Mit der Straßenbahn ging es dann
in die Oststadt zum Schloss Gottesaue,
dem wiederaufgebauten Renaissancebau auf dem Areal der ehemaligen Be-
nediktinerabtei, heute Sitz der Hochschule für Musik. Im Restaurant Purino
stärkten wir uns für einen Gang durch
den Alten Schlachthof, ein beachtliches
Konversionsprojekt der Stadt Karlsruhe seit 2005. Frau Nathalie Gorenflo
stellte uns das Gelände mit 17 Gebäuden in einem Kreativpark unter weitgehender Erhaltung der alten Bausubstanz vor. Mit preiswerten Mieten fördert Karlsruhe hier junge Start-ups der
Medienbranche, bildende Künstler, das
Kunsthandwerk, Musikschaffende und
grafische Unternehmen. Wie zufällig
gesellte sich Harald Denecken zu uns,
früher Erster Bürgermeister und Initiator des Projekts. Neben Technik und Informatik an der Universität hat die Förderung von Innovationen und Kultur in
der Stadt eine herausragende Rolle. Be-
eindruckt von den vielfältigen
Facetten Karlsruhes ließen wir
den Tag im Alten Schützenhaus
auf dem Turmberg ausklingen.
Breslau war vom 2. bis 6.
September 2015 das Ziel der
zwölfköpfigen Radl-Gruppe.
Eine überaus lebendige Stadt,
die ihre Kulturschätze mustergültig restauriert und mit modernen Projekten ergänzt hat, mit vielen jungen Menschen. Vom Hotel aus
eroberten wir das historische Stadtzentrum. Per Bus ging es zum Gut der Moltkes in Kreisau, zur Friedenskirche in
Schweidnitz, zum Schloss Fürstenstein,
zu den Weberhäuschen in Schömberg
und ins Kloster Grüssau. Abschluss war
ein Jazzkonzert im tags zuvor eröffneten Nationalen Musikforum.
Dank geht wieder an Renate und
Georg Mehl für abwechslungsreiche
Programme.
Unser Treffen im nächsten Jahr wird
vom 5. bis 8. Juni 2016 in Edinburgh/
Schottland stattfinden.
Wolfram Scheerbaum;
Wilfried Daudt
Fotos: BBUG
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17 Teilnehmer besuchten beim
44. Treffen die alte Kaiserstadt Aachen. Gut gelaunt trafen wir uns in
den altehrwürdigen Kaffeestuben
van den Daele/Kockartz zu ersten, regen Gesprächen, gepaart mit
freudiger Aussicht auf gemeinsame
Tage – bei vielen in Erinnerung
an die eigene Studienzeit in dieser
reizvollen Stadt.
Eine Altstadtführung schloss
sich an: zur schwefelhaltigen
Kaiserquelle am Elisenbrunnen, zum
Geldbrunnen, Symbol für Geiz, Gier,
Wohltaten und Bettelei, Karlsbrunnen
von 1620 und Rathaus am Marktplatz,
Fischmarkt sowie Münsterplatz.
Abends trafen wir uns in der stilvollen Atmosphäre des Ratskellers zu
einem gepflegten Essen. Dabei wurden
intensiv Geschehnisse der Politik und
Wirtschaft diskutiert, aber auch von familiären Ereignissen berichtet.
Der Folgetag begann mit der Domführung. Ehrfurchtsvoll bewunderten
auch diejenigen, die den Dom von früher kannten, Westwerk und Oktogon,
das bedeutendste Bauwerk aus karolingischer Zeit, das Karl der Große als
BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
73. BBUG
IN AACHEN
74. BBUG
IN BREMEN
15. BIS 17. SEPTEMBER 2015
10. BIS 13. JUNI 2015
Pfalzkapelle nach byzantinischen Vorbildern 805 erbauen ließ, und die 1414
angebaute gotische Chorhalle mit Marien- und Karlsschrein. Der Dom war
von 936 bis 1531 Krönungsort deutscher
Könige.
Wenige Schritte sind es zum gotischen Rathaus, das im 14. Jahrhundert
auf den Grundmauern der verfallenen
Kaiserpfalz errichtet wurde. Der große
Saal war Bühne der Krönungsfestmähler – während der Führung forschte jeder in seinem Gedächtnis nach den mit
diesem Ort verbundenen, geschichtlichen Ereignissen. Heute wird hier der
Karlspreis verliehen.
Was wäre Aachen ohne seine Prin-
ten? Für uns stand fest, eine familiär geführte Printenbäckerei zu
besuchen, um uns in die Geheimnisse von Teig und Verarbeitung
einweihen zu lassen. Es verstand
sich von selbst, die Köstlichkeiten
zu probieren und zu erwerben.
Abends führte uns der Weg in
eine der gemütlichen, alten Studentenkneipen Am Knipp, um bei
kräftigen Speisen und entsprechenden Flüssigkeiten an alte Zeiten zu erinnern. Doch bald standen die
uns heute bewegenden Fragen wieder im
Vordergrund und führten zu lebhaften
Debatten und kritischen Erörterungen.
Am letzten Tag besichtigten wir das
Couven-Museum mit seiner Aachener
Wohnkultur vom Rokoko bis zum Biedermeier.
Mit einem gemeinsamen Mittagessen im Postwagen, einer Studentenkneipe in historischer Holzbauart aus dem 17.
Jahrhundert, ging das Treffen zu Ende.
Der Abschied wurde leichter durch die
Freude auf ein Wiedersehen in Salzburg
vom 13. bis 16. September 2016.
Heinz Schlotterbeck
Hamburg und Lübeck waren bereits Ziele früherer 74er Treffen. Mit
Bremen wurde nun das Trio der großen
Hansestädte komplett. Dazu passte ganz
besonders, dass wir beim Abendessen im
Hotel Atlantic zu unserer Freude mit Haye
Jacobsen einen echten Hanseaten begrüßen konnten, der mit seiner Frau aus Argentinien angereist war. Nach Jahrzehnten
sahen wir uns im Kreis der 74er wieder.
Insgesamt hatten sich 28 Teilnehmer
eingefunden, die am Folgetag in zwei
Gruppen fachkundig durch die Bremer
Altstadt geführt wurden. Die Keimzelle
um den Bremer Marktplatz mit Dom und
Rathaus und dem Roland beeindruckt
stets auch den, der die Stadt schon besucht
hat. Mancher entdeckte dabei Neues oder
wurde an besondere Denkwürdigkeiten
erinnert, so bei der Besichtigung des Gesamtkunstwerks Böttcherstraße an die
Entstehungsgeschichte des Reliefs „Der
Lichtbringer“ von Bernhard Hoetger.
„Buten un Binnen – Wagen und Winnen“, der Wahlspruch der Bremer Kaufleute ziert das Portal des gegenüber dem
Rathaus gelegenen Schütting, wo uns
anschließend Herr Dr. Frank Thoss, Geschäftsführer der Bremer Handelskammer,
zu einem Vortrag über die Bremer Wirtschaft empfing. Er machte deutlich, wie
sehr angesichts der wirtschaftlichen Strukturveränderungen der letzten Jahrzehnte
diese Aussage über die Risikobereitschaft
des Unternehmers ihre Gültigkeit behalten
hatte. Nach lebhafter Diskussion stärkten
wir uns im Restaurant 1783 im Keller des
Schütting.
Passende Demonstration für die Entwicklung zu neuen Wirtschaftszweigen
war der anschließende Besuch der Airbus
Defence and Space, wo wir nach allgemeinen Informationen zum Unternehmen Gelegenheit hatten, uns in einer Nachbildung
der Weltraumstation ISS einige Augenblicke in das eng begrenzte Arbeitsumfeld
der Astronauten zu versetzen.
Die ausführliche Ratskellerführung
am frühen Abend durch historische Gewölbe vorbei an Prunkfässern und das
festliche Abendessen im Ratskellerrestaurant holten uns wieder wohltuend in die
Gegenwart zurück.
Mit dem Besuch der Jacobs University
begann der nächste Tag. Die Präsidentin,
Frau Prof. Dr.-Ing. Katja Windt, beein-
druckte uns in ihrem Vortrag über Leitbild, Ziele, Studienprogramm, Studienplatzvergabe und Organisation dieser Privatuniversität. Der Gang über den Campus
und die Besichtigung von Studentenwohnungen löste unvermeidlich das Bedauern
aus, nicht unter solchen Bedingungen erneut das Studium aufnehmen zu können.
Das Essen in der Mensa erinnerte uns auch
weit mehr an ein Restaurant als an unsere
einschlägigen Erfahrungen.
Durch Bernhard Hoetger waren wir
auf Worpswede bereits eingestimmt; die
Fahrt dorthin und die Führungen und Besichtigungen ließen uns am Nachmittag in
die große Zeit und die Atmosphäre dieser
Künstlerkolonie mit all den anderen berühmten Namen eintauchen. Das Abendessen im Worpsweder Bahnhof war der
geeignete Rahmen, um unser Treffen zu
beschließen. Barbara Illner und Gundolf
Schütze sei sehr herzlich gedankt für dieses dichte, inhaltsreiche Programm und
die perfekte Organisation. Fulda und Umgebung werden wir im kommenden Jahr
dank der Vorbereitung durch Karin und
Hermann Schinkhof erkunden können.
Werner Bandle
Fotos: BBUG
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Zum 30. Jahrestag des Starts
des 75. BBUG im Mai 1985 trafen wir uns im Salzkammergut.
Ausgehend vom Quartier im idyllischen Seehof am Mondsee starteten wir ein Programm mit den
Schwerpunkten
Freundschaft,
Kultur und Wirtschaft.
Nach der Fahrt entlang der
zahlreichen zauberhaften Seen
besuchten wir am ersten Tag in
Bad Ischl das langjährige Refugium des österreichischen Kaiserpaares. Anders als in vielen
Museen mit ihren zur Schau gestellten Exponaten strahlen die
Räume in der Kaiservilla gelebte Wirklichkeit aus bis hin zum Arbeitszimmer
Franz Josephs, in dem er die Depesche
zur Kriegserklärung 1914 geschrieben
hat.
Ähnliches erlebt man in der LehárVilla, in der alles so belassen wurde,
wie es der Komponist vor rund einhundert Jahren eingerichtet hat. Angesichts
des geöffneten Flügels und der handgeschriebenen Partituren glaubt man, die
bekannten Melodien seiner Werke zu
hören. Wir lauschten ihnen dann real
BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
75. BBUG
IN MONDSEE
76. BBUG
IN BADEN-BADEN
26. BIS 29. MAI 2015
02. BIS 04. JUNI 2015
während unserer Mittagspause.
Am Nachmittag standen der Besuch
der Weltkulturerbe-Stadt Hallstatt und
der Salzwelten auf dem Programm. Auf
der Basis neuester – 7.000 Jahre alter
– Funde wird in beeindruckenden Präsentationen das Leben der Menschen in
der Hallstattzeit lebendig. Allein diese Kombination von modernster 3-DTechnik im ältesten Salzbergwerk der
Welt bot genug Gesprächsstoff beim
Abendessen in Altaussee.
Der nächste Tag begann mit der Be-
sichtigung der Werkstätten der
Gmunder Keramik und der anschließenden eigenen Bemalung
von Tellern und Tassen, die nach
dem Brennen in einigen Tagen
jeden schon beim Frühstück an
seine künstlerische Begabung
erinnern werden.
Am Nachmittag besuchten
wir das Werk Laakirchen der
Heinzel Group, um uns von der
Unternehmensleitung die Herstellung von Papier erklären und
zeigen zu lassen. Die intensive Diskussion betraf neben der
Technik auch die Einschätzung
der Zukunftschancen dieser Industrie
vor dem Hintergrund der digitalen Revolution.
Unser Jubiläumstreffen endete – wie
immer – mit intensiven Gesprächen bei
landestypischen Speisen und Getränken
sowie der Vorfreude auf die nächste Begegnung.
Die nächste Reise wird vom 22. bis
25. Mai 2016 nach Rügen und Stralsund
gehen.
Jürgen Hubbert
Bereits bei unserem letztjährigen
Treffen in Konstanz hatten wir vereinbart, dass wir unser Treffen 2015
in Baden-Baden mit dem 60-jährigen Jubiläum des BBUG kombinieren
wollen. Wir trafen uns bereits am Dienstag der Woche zum Abendessen im Rebland im Hotel Heiligenstein in Neuweier.
Bei badisch/französischer Küche waren Ereignisse der letzten zwölf Monate
schnell berichtet und kommentiert.
Am nächsten Morgen brachen wir bei
herrlichem Sonnenschein mit dem Bus
nach Freiburg auf. Bei einem ausführlichen Stadtrundgang verging die Zeit wie
im Flug. Unsere Stadtführerin verstand es
prächtig, uns die Sehenswürdigkeiten und
Besonderheiten der Breisgau-Stadt näherzubringen. Zu Höchstform lief sie auf,
als wir am Münster angekommen waren:
Eine rhetorisch begabte Kunsthistorikerin ließ die mittelalterliche Gotik wieder
lebendig werden.
Nach Kunst und Kultur verlangten die
körperlichen Bedürfnisse nach ihrem
Recht: Unser Ziel war das Weingut Franz
Xaver im nahen Waldkirch. In einer mit
blühenden Rosen bewachsenen Laube
erwartete uns die Besitzerin mit einer
Weinprobe und einem frugalen Mittagsbuffet. Für unser Wohlbefinden und für
die Qualität von Essen und Trinken zeugt
am besten die Tatsache, dass wir das Doppelte der geplanten Zeit an diesem wunderschönen Ort verbrachten. Das Abendessen in der Weinstube zum Engel in Neuweier beschloss einen gelungen Tag.
Der Mittwoch führte uns an der Kette der Vogesen vorbei nach Colmar. Ein
Unikum von Stadtführer begann unseren
Rundgang zunächst sehr humoristisch,
bewies aber mit zunehmender Dauer, dass
er durchaus über profunde Kenntnisse der
elsässischen Wein-Hauptstadt verfügt.
Das Mittagessen in der Wistub Pfeffel
lud zum Genuss elsässischer Spezialitäten ein: Choucroute, Flammkuchen mit
den passenden Weinen.
Zu unserer Nachmittagsveranstaltung
führte uns der Weg nach Kirrwiller. Der
kleine 500-Einwohner-Ort beherbergt ein
französisches Revue-Theater von Pariser
Niveau: ein tolles Ballett, Artistik vom
Feinsten und jede Menge Humor und Ko-
mik.
Das Abendessen im Hotel Heiligenstein auf der schattigen Terrasse ließ keine Wünsche offen. Der
Vergleich des Baden-Badener Reblands
mit der Toskana war an diesem Abend
gar nicht so weit hergeholt.
Der Freitagvormittag konnte individuell gestaltet werden. Das Festprogramm
„60 Jahre BBUG“ startete im Festspielhaus mit einer bemerkenswerten Rede
des Bundesaußenministers Frank-Walter
Steinmeier und lieferte mit der Management-Symphony eine für ein AmateurOrchester beeindruckende Leistung.
Der Samstagvormittag ließ uns die
Auswahl zwischen vier Diskussionsrunden. Das Feedback war überwiegend
positiv und lobte die Vielfalt der präsentierten Meinungen. Der Höhepunkt
war zweifellos die Oper „La Traviata“.
Sowohl die Inszenierung von Rolando
Villazón als auch die Sängerinnen und
Sänger boten höchsten Genuss.
Unser nächstes Treffen wird vom 23.
bis 25. Mai 2016 im Ruhrgebiet stattfinden.
Hans-Werner Richter
Fotos: BBUG
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78. BBUG
IN AMSTERDAM
79./80. BBUG
IN DEN HAAG UND ROTTERDAM
28. BIS 31. MAI 2015
24. BIS 27. SEPTEMBER 2015
Im zentral gelegenen Hotel NH
Museum Quarter fanden sich 20 Teilnehmer des diesjährigen Treffens am
Abend zu einem Begrüßungstrunk
ein. Zur Orientierung in der Stadt der
Grachten und Kanäle schloss sich eine
stimmungsvolle, abendliche Grachtenfahrt mit Abendessen an.
Eine fachkundige Führung durch
das vor zwei Jahren sehr zu seinem
Vorteil umgebaute großzügige Rijksmuseum stand am nächsten Vormittag
auf dem Programm, während der Nachmittag zu einem Stadtbummel durch
die verwinkelten, pittoresken Altstadtgassen einlud.
Ein Höhepunkt des Programms
folgte am Abend mit dem Besuch des
Niederländischen
Philharmonischen
Orchesters im Concertgebouw, wo
Franz Liszts Klavierkonzert Nr. 2,
Anton Bruckners 6. Symphonie sowie
Alban Bergs Sonate, op.1 dargeboten
wurden, was bei der hervorragenden
Akustik des Konzertsaals ein besonderer Genuss war.
Fußläufig gut zu erreichen bot sich
am nächsten Tag der Besuch des VanGogh-Museums an, wiederum geführt
von unserem kompetenten Kunstsachverständigen, der in der bewussten Beschränkung der Zahl der besprochenen
Bilder den Besuch umso interessanter
machte.
Der ästhetische und kulinarische
Höhepunkt des Zusammenseins im
Kreis der Freunde war, wie gewohnt,
dem letzten Abend vorbehalten. Zu Fuß
oder per Taxi ging es in das Museum
Geelvinck-Hinlopen Huis an der Herengracht, wo nach einer Besichtigung
des von Albert Geelvinck und Sara
Hinlopen im 17. Jahrhundert erbauten,
luxuriösen Stadthauses ein festliches
Abendessen stattfand. Einhelliges Lob
galt den Organisatoren Peter Wack und
Rainer Grohe für die Ausrichtung dieses gelungenen 29. Treffens unseres
Freundeskreises.
Das kommende Jubiläumsjahr 2016
lässt ein frohes Wiedersehen in „heimischen Gefilden“ erhoffen.
Hanns J. Thiele
Unsere Niederländerin Resy
(Delnoy) und Jürgen (Töniges) lockten mit ihrem Programm „Brücken
schlagen“ 50 Teilnehmer nach Den
Haag. Nach dem Begrüßungscocktail
am Donnerstag ging es zu Fuß ins
historische ’t Goude Hooft zu einem
rustikalen Abendessen. Dabei erinnerten wir uns auch mit Trauer an
unsere verstorbenen Freunde Hermann
Erbacher und Wolfgang Schumann.
Der Freitagvormittag war zwei hochinteressanten Vorträgen der deutsch-niederländischen Anwältin, Politikerin und
Autorin Prof. Britta Böhler gewidmet. International bekannt wurde sie durch ihre
strafrechtlichen Mandate für den Kurdenführer Öcalan und den Fortuyn-Attentäter Volkert van der Graaf sowie die
„Ausbürgerungsaffäre“ der aus Somalia
stammenden Islamkritikerin Ayaan Hirsi
Ali. In lockerer und präziser Art machte sie mit uns eine hochinteressante Tour
d’Horizon durch verschiedene politische
und Rechtssphären, wie zum Beispiel die
Möglichkeiten und Grenzen von Strafprozessen, die Verquickung von Politik
und Recht, internationale Vertragstreue
(Vollstreckungsproblematik!) oder die
Rolle der Medien und Rechtsvergleiche
D/NL. Sie endete mit einer Lesung aus
ihrem Thomas-Mann-Buch bei Standing
Ovations ihrer begeisterten Zuhörer.
Der Nachmittag begann mit einer
Führung durch die Stadt und das 400 Jahre alte, umfangreich modernisierte Mauritshuis mit seiner einzigartigen Sammlung flämischer und niederländischer Gemälde. Das Abendessen gab es in einem
Patrizierhaus aus dem 18. Jahrhundert,
garniert mit einem anschaulichen Vortrag
von Victor Moussault, dem Direktor des
Mauritshuis.
Der Samstag war Rotterdam gewidmet. Einer der vielen spektakulären
Neubauten ist das Schifffahrtsmuseum
mit seinem einzigartigen Hafen – Museumsteil mit 53 Schiffen. Direktor Frits
Loomeijer hielt uns vor dessen Besichti-
gung einen anschaulichen Vortrag.
Danach folgte eine Führung durch
die Innenstadt bis zur Markthal, wo
uns nach einer echt holländischen
Brotzeit Architekt Jan Knikker die
ereignisreiche Baugeschichte dieses
singulären Projekts mit der riesigen
Markthalle, den Tiefgaragen und
239 Wohneinheiten auf elf Etagen
erzählte.
Bei einer Busrundfahrt durch die
1940 fast völlig zerstörte Stadt bestaunten wir dann den abwechslungsreichen
und fantasievollen Wiederaufbau. Sein
offizielles Ende fand das Treffen nach der
Rückfahrt bei einem festlichen Abendessen im noblen Hotel Des Indes, einem
Adelspalast aus dem 19. Jahrhundert.
Dort erfuhren die beiden Organisatoren
auch ihre verdiente Würdigung von der
dankbaren Corona. Außerdem wurde
nach der schon bekannten Radltour vom
3. bis 5. Juni die nächste Reise festgelegt,
Danzig vom 22. bis 25. September 2016,
deren Gelingen in den Händen von Klaus
Kunze und Uli Heymann liegt. Also: Auf
ein gesundes Wiedersehen in 2016 !
Degenhard Merkle
Fotos: BBUG
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Marianne und Karl
Grüter luden zum 28. gemeinsamen Folgegespräch
mit einem breit gefächerten
interessanten Programm in
das Rheinland ein. In die
Freude des Wieder-sehens
der 38 Teilnehmer mischten sich Gedanken an einen
wenige Tage zuvor leider verstorbenen
Freund unseres Kreises.
Nachdem bei unserem vorjährigen Treffen in Bremen die Themen
„Weltraum“ und „Wasser“ im Fokus
standen, lag nun der Schwerpunkt auf
„Erde“. Bei der Bayer CropScience
AG in Monheim am Rhein, in die
Landschaft oasenhaft zwischen Rasen, Blumen und Bäumen eingebettet,
konnten wir uns eingehend mit dieser
Sphäre befassen. Begrüßt wurden wir
im Urwald unter Glas des Tropicariums. Herr Michael Andreas Schulz,
Finanzvorstand und selbst BadenBadener (134. BBUG), präsentierte
das Unternehmen, einen lebhaften
Gedankenaustausch auslösend. Führungen durch die Biologische Forschung (Pflanzenkrankheiten) sowie
BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
81./82. BBUG
IN KÖLN
83. BBUG
IN HANNOVER
17. BIS 20. SEPTEMBER 2015
18. BIS 20. SEPTEMBER 2015
die logistisch herausfordernde sogenannte Substanzbibliothek folgten.
Die freundliche Einladung zum Lunch
mit Fortsetzung der Gesprächsrunde
nahm unsere Gruppe dankbar an.
Am Nachmittag ging es dann nach
Grevenbroich-Frimmersdorf in das
Rheinische Braunkohlenrevier. RWE
Power AG vermittelte uns im Besucherzentrum des Tagebaus Garzweiler
erste Eindrücke über die Ausmaße des
Reviers. Braunkohle wird allmählich
den alternativen Energieträgern Wind
und Sonne weichen müssen. RWE
Power steht vor der Herausforderung
einer massiven Neuausrichtung. Anschließend fuhr man mit dem Bus
zur Besichtigung von Garzweiler. Der
gewaltige Eingriff in die Natur, die
mächtigen Kohleflöze, riesigen Schau-
felbagger, kilometerlangen
Transportbänder
beeindruckten.
Der Tag klang bei
Kölsch und regionalen
Speisen mit dem Besuch
eines typischen Altstadtlokals – voller rheinischer
Lebenslust,
ohrenbetäubend laut – aus.
Am folgenden Vormittag tauchten
wir in eine gänzlich eigene Welt ein,
wir blickten hinter die Kulissen von
Film und Fernsehen bei den MMC
Studios Köln-Ossendorf. Rundfahrt
und Rundgang durch die Kölner Innenstadt waren dem Nachmittag vorbehalten. Den Abschiedsabend verbrachten wir in einem feinen Restaurant nahe dem FC-Stadion, vor dem
Fans den Erfolg über den rheinischen
Dauerrivalen Borussia MG ausgiebig
feierten.
Ein wieder spannendes, bereicherndes Treffen war zu Ende. Und
für 2016 kreisen erste Überlegungen
um Berlin.
Günter Rill
Am Freitagabend starten wir
unser Treffen direkt vor unserem
Hotel. Am Anleger wartet ein
rundum verglastes Boot, mit dem
wir in den nächsten Stunden etliche Runden auf dem Maschsee drehen.
Ein rustikales Büfett vom Markt, reichlich Flüssiges und ein „Seebär“ mit Akkordeon heben die Stimmung. Nachdem
in der Dunkelheit Hannovers Ufer nicht
mehr zu sehen sind, wähnen wir uns auf
See und beginnen mit dem offiziellen
Programmpunkt 1: dem Absingen von
Shantys! Da die Textvorlagen in trübem
Licht nur schwer zu lesen sind, tönt über
den Maschsee ein sehr individueller, aber
vor allem lauter Gesang.
Am Samstagmorgen bringt uns der
Bus nach Hildesheim, und wir können unsere Stimmen schonen: Mit zwei
Führerinnen erkunden wir die Altstadt.
Unter dem Motto „Hildesheim im Mittelalter“ feiert die Stadt in diesem Jahr
ihr 1200-jähriges Stadtjubiläum. Mariendom und Michaeliskirche, beides
Weltkulturerbe, liegen auf unserem Weg,
natürlich auch der wiederaufgebaute
Alte Marktplatz mit dem Knochenhauer
Amtshaus. Wir können leicht dem roten
Jubiläumspfad durch die Stadt folgen.
Zurück in Hannover, werden die Tapas im Grünen draußen auf einer Veranda zur Herausforderung: Zwei große
Restaurantschirme und dazu noch viele
kleine Schirme können weitgehend verhindern, dass der Wolkenbruch von oben
Tapas und Wein verwässert. Ein feuchtfröhliches Mittagessen! Nur der Organisator blickt mit Sorgenfalten auf der Stirn
gen Himmel.
Den Abend verbringen wir im Hardenbergschen Haus in den Herrenhäuser
Gärten. Den Sektempfang genießen wir
im gepflegten Park, danach ist im Grünen Salon stilvoll und dem Kreis angemessen eine lange Tafel gedeckt. Nach
dem Hauptgang machen wir uns auf
den Weg zum Garten des Schlossrestaurants: An diesem Abend endet der 26.
Internationale
Feuerwerkswettbewerb
mit der Vorführung des Schwedischen
Siegerteams. Sie begeistern eine halbe
Stunde lang mit grandioser Vorführung
inklusive musikalischer Untermalung. Zurück im Hardenbergschen
Haus, werden nun Dessert und
Käse im Kaminzimmer reserviert
– eine fast private und sehr gemütliche Atmosphäre.
Am Sonntagmorgen (wie immer mit
leicht reduzierter Teilnehmerzahl) machen wir uns zu Fuß auf den Weg durchs
Grüne zum schlossähnlichen wilhelminischen Neuen Rathaus (Bauzeit 1901 bis
1913!). Eine kundige Führerin erläutert
uns die Stadtgeschichte anhand der Stadtmodelle von 1689, 1939, 1945 und heute.
Dazu die Baugeschichte des Hauses; wir
können die Plenarsäle besichtigen und
den berühmten Hodler-Saal. Zum Abschluss geht es nach geduldig ertragener
Wartezeit im engen und wackeligen Bogenaufzug rauf auf die Rathauskuppel:
ein grandioser Blick über die Stadt!
Damit verabschieden wir uns von
Hannover (und Hildesheim) und danken
Ferdinand Pohl für viele interessante
Eindrücke seiner Stadt. Nächstes Jahr sehen wir uns vom 23. bis 25. September in
Krakau wieder.
Axel Gattung
Fotos: BBUG
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BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
84. BBUG
IN BRÜGGE UND GENT
85./86. BBUG
IN REGENSBURG
07. BIS 09. SEPTEMBER 2015
07. BIS 10. MAI 2015
Nach einem wunderbaren
Golfwochenende
im Juni in Garmisch-Partenkirchen trafen sich die
84er nun einschließlich
der Nichtgolfer in Brügge.
23 Teilnehmer genossen
die hervorragend organisierten Tage bei schönem
Wetter und nutzten sie nicht nur zur
Auffrischung der Geschichtskenntnisse.
Die wechselvolle Geschichte der Stadt
machte das europäische Trauerspiel der
letzten Jahrhunderte bewusst. Zumindest die Hoffnung besteht, dass das ein
Ende gefunden hat. Aber diese Hoffnung
hatten sicher auch die Generationen vor
uns.
War Brügge über lange Zeit eine
blühende Stadt, so verging wegen politischer Querelen der Wohlstand. Modernisierungen und Neubauten unterblieben, und es entstand ungeplant eine
historische Touristenhochburg. Aber
auch hier wüteten die Bilderstürmer der
Reformation wie der napoleonische Säkularisierungswahn. So blieb es nicht
aus, dass die ehemals großartige Kathedrale nur noch an ihren freigelegten
Grundmauern im Keller eines Hotels zu
besichtigen ist.
Der Stadtrundgang führte uns zu allen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Und
die gibt es reichlich. Beim Besuch des
alten Hospitals wurde uns erläutert, dass
den eingelieferten Patienten zunächst
vor allen medizinischen Maßnahmen
die Beichte abgenommen wurde. Bei der
Betrachtung der Instrumente und Erläuterung der Methoden wurde schnell klar,
warum die Beichte am Anfang der Behandlung stand.
Am zweiten Tag führte uns eine
kurze Busfahrt nach Gent. Ich habe die
Stadt Anfang der sechziger Jahre kennengelernt. Damals ging es den Flamen
schlecht. Entsprechend war der Zustand
der Stadt. Viele Häuser waren aus Sicherheitsgründen eingerüstet. Heute ist
alles renoviert und sehenswert. Allein durch ihre Größe ist die Stadt Gent nicht
mit Brügge vergleichbar.
In den entsprechenden Altstadtbereichen waren aber
die Touristen dominant. Zur
Mittagspause steuerten wir
das älteste Haus der Stadt
an, das jedoch durch einen Aufzug geringförmig modernisiert wurde.
Das private Orgelkonzert wurde mit
dem Bach’schen Ohrwurm, Toccata und
Fuge d Moll, eröffnet. Es ist immer wieder erstaunlich wie dieses Werk seine
Zuhörer in seinen Bann zieht. Mit kurzen Beispielen wurden wir dann in die
Neuzeit der Orgelkompositionen geführt.
Ein ausgesuchtes Menu am Abend
läutete den Abschied aus Brügge ein, der
am nächsten Morgen – mit gegenseitigen guten Wünschen für Heimfahrt und
Gesundheit – leider Wirklichkeit wurde.
Die vorhergehende Abstimmung ergab,
dass unser nächstes Ziel im Juni Dublin
sein wird.
Albrecht Müller
„Regensburg
liegt
gar schön. Die Gegend
musste eine Stadt hervorlocken.“
Dieser Satz wurde
nicht vom Regensburger Stadtmarketing erdacht, sondern von Goethe und wir 40
Baden-Badener können ihn nur bestätigen. Die Einführung hätte nicht besser
sein können, denn der Kulturreferent
der Stadt, Klemens Unger, erzählte uns
mit großem Engagement die Geschichte
Regensburgs und deren Entwicklung bis
zur Neuzeit. Der Regensburger Donaubogen war schon zur Steinzeit besiedelt,
noch heute sichtbare Zeichen stammen
aus der Römerzeit. Es ist eines der ältesten Bistümer in Deutschland und natürlich jahrhundertelang Tagungsort der
Reichstage. Das Spannende ist, dass das
alles noch heute erlebbar ist, denn es ist
ein Glück, dass die Altstadt, nicht wie so
viele andere, dem Erdboden gleichgebombt wurde. Ziel und Opfer waren die
Messerschmitt-Werke, die im Westen
der Stadt angesiedelt waren.
Als ob es nicht schon der Kontraste
genug war: Von Walhalla ging die Fahrt
nach Wisent zum Nepaltempel. In einer
liebevoll gestalteten Gartenlandschaft
liegt dieser für die Expo 2000 in Hannover handwerklich bemerkenswert gestaltete Tempel.
Am Samstag erwarteten uns Führer,
um die Altstadt vorzustellen. Es gibt so
viele Kirchen, dass wir nur einen kleinen Teil besuchen konnten, denn auch
die Steinerne Brücke, das Alte Rathaus,
in dem der Reichstag 1663 bis 1803 permanent tagte, und die römische Porta
Praetoria bekamen wir erläutert. Was
besonders hervorgehoben werden muss,
ist der sehr gute Zustand der Altstadt,
kein Wunder, dass die Stadt 2006 zum
Weltkulturerbe erhoben wurde.
Das Festessen am Samstagabend im
Hotel Bischofshof wurde gekrönt von
einem lebhaften Vortrag des Bundesverfassungsrichters a. D. Herrn Prof. Dr.
Steiner, der uns an vielen Beispielen er-
läuterte, dass die Tätigkeit eines Richters nicht
dröge sein muss.
Natürlich kann man
Regensburg nicht verlassen, ohne an einer Messe
im Dom teilzunehmen.
Die Messe wurde begleitet von den Regensburger Domspatzen und Orgelmusik der gewaltigen Reger Orgel. Ein krönender Abschluss dieser wunderbaren
Tage in Regensburg.
Das abwechslungsreiche und hochinteressante Treffen wurde von Vroni
und Manfred Gottschaller exzellent
vorbereitet und organisiert. Mit Bestürzung und tiefer Trauer mussten wir vier
Wochen später die Nachricht vom plötzlichen Tod unseres Freundes Manfred
hinnehmen. Unsere Anteilnahme gilt
Vroni und den Kindern. Wir haben einen
echten und aufrichtigen Freund verloren.
2016 findet das Treffen – 25 Jahre
nach dem ersten gemeinsamen Treffen
der beiden Jahrgänge in Berlin – wieder
in der Hauptstadt statt. Termin: 28. April
bis 1. Mai.
Babo von Harrach
Fotos: BBUG
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BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
87./88. BBUG
IN BADEN-BADEN
89./90. BBUG
IN HAMBURG
04. BIS 05. JUNI 2015
17. BIS 20. SEPTEMBER 2015
Der Freundeskreis 87./88. hatte beschlossen, das jährliche Treffen diesmal dem 60. Jubiläum der BBUG in
Baden-Baden voranzustellen. So trafen am Donnerstagabend 19 fröhliche
Teilnehmer bei herrlichsten Sommertemperaturen im Dorint Hotel ein, um
dann gesellig die lange, laue Nacht auf
der Terrasse des Rizzi zu genießen.
Unser Organisator Christian Baumgürtel hatte ganze Arbeit geleistet – so
kann das Wochenende in Baden-Baden
starten.
Als wir uns am Freitagmorgen per
Bus auf den Weg nach Iffezheim mach-
ten, strahlten die Teilnehmer mit der
Sonne um die Wette. Der Besuch des
größten, deutschen Laufwasserkraftwerks, Rheinkraftwerk der EnBW, bot
uns Einblicke in die Geschichte und
Technik der Energiegewinnung am
Rhein, von der Wasserregulierung bis
zu den Fischwanderwegen und modernstem Turbinen- und Anlagenbau.
Natürlich auch mit angeregter Diskussion zur Energiewende.
Von der fachkundigen, wie unterhaltsamen Führung beseelt, machten
wir uns per Bus auf durch die Weinberge zum Spargelessen nach Heili-
genstein.
Mit Blick in das Rheintal und über
das Rebland ließen wir unser kurzes
individuelles Treffen ausklingen. Unser herzlichster Dank an Ulrike und
Christian Baumgürtel.
Zurück in Baden-Baden, ging es
dann zügig an die Vorbereitung für das
offizielle Programm der BBUG, welches wir als ein Highlight nach dem
anderen empfanden.
Die Gruppe trifft sich in Amsterdam vom 9. bis 12. Juni 2016.
Susanne Wentzler-Christ
48 BBUGler treffen sich im
September auf Einladung von
Gerda und Georg Schöning, unterstützt von Niels Michelsen
und Christian Reidock. Das Programm steht unter dem Motto
„Neues entdecken und lernen,
Schönes erleben und alles gemeinsam genießen“.
Neues lernen wir bei der DEA
Deutsche Erdöl AG mit Sitz in
Hamburg. Herr Rappuhn, der CEO,
stellt uns das Unternehmen vor, das sich
seit 116 Jahren mit der umweltfreundlichen und nachhaltigen Förderung
von Erdöl und Erdgas sowie dessen
Speicherung befasst. In Fachvorträgen
tauchen wir ein in die Geologie von
Förderstätten, in modernste Bohr- und
Fördertechniken sowie speziell in
das Fracking, erfahren aber auch, wie
wichtig Umweltschutz, Sicherheit und
Gesundheitsvorsorge im Unternehmen
genommen werden.
Am Nachmittag liegt uns Hamburg
bei der Turmbesteigung der Sankt Michaelis Kirche zu Füßen. Nach der Führung durch die Kirche und die Krypta
wissen wir, warum die Hamburger ih-
ren Michel so lieben!
Bei schönem Wetter unternehmen
wir in der HafenCity einen Spaziergang, promenieren von den MagellanTerrassen bis zum Anleger Elbphilharmonie und fahren mit der Barkasse
MS Hamburger Deern elbabwärts nach
Blankenese zum Dinner. Wir wundern
uns, wie viele Menschen an Land stehen und uns fröhlich, teilweise mit
Bettlaken, zuwinken, drehen uns um:
Wir werden von der Queen Mary 2 „begleitet“! Auch das haben unsere Gastgeber möglich gemacht!
Am Samstag erwartet uns wieder
ein besonderes Erlebnis: „Auge in Auge
mit den Giganten“. Wir besichtigen das
HHLA Container Terminal in Alten-
werder, das mit seinen fahrerlosen Flurförderzeugen für die
Verteilung der Container zu den
modernsten Containerhäfen der
Welt gehört. Einen Moment der
Stille genießen wir im Seefahrerheim, wo in einem Raum im
Nebeneinander der Altäre jeder
Seefahrer den seinen zum Beten
findet. Der Rückweg führt uns
durch den alten Elbtunnel zu den
St. Pauli Landungsbrücken: Neben der
technischen Leistung von 1911 sind wir
beeindruckt von der schönen und aufwendigen Architektur.
Unser Treffen klingt aus bei einem
festlichen Empfang und Abendessen in
der besonderen Atmosphäre des Norddeutschen Regattavereins an der Schönen Aussicht der Außenalster. Danke an
die Organisatoren für die wunderbaren
Tage und das Erleben in Freundschaft!
Wir freuen uns schon jetzt auf unser
Jahrestreffen in Leverkusen und Köln
in der Zeit vom 8. bis 11. September
2016 unter der Federführung von Margret und Wolfram Wagner.
Alfred Odendahl
Fotos: BBUG
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BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
91./92. BBUG
IN STOCKHOLM
96. BBUG
IN MURNAU
11. BIS 14. JUNI 2015
11. BIS 14. JUNI 2015
Nachdem das Brautpaar Prinz
Carl Philip von Schweden und
Miss Sofia Hellqvist ihre Hochzeit genau auf unseren schon vor
Jahresfrist beschlossenen Termin
gelegt hatte, erlebten wir die langen Tage in Stockholm bei schönstem „Königs“-Wetter in allgegenwärtiger
Hochzeitsstimmung. Wenn man davon
absieht, dass wir dadurch einige organisatorische Einschränkungen hinnehmen
mussten, war dieses Ereignis für unser
Treffen ein zusätzliches Highlight.
Wie versprochen, hatte unser Freund
Claus Loewe unter Einbeziehung seiner
guten geschäftlichen Kontakte ein in jeder Weise hervorragendes Programm
vorbereitet.
Schon allein die Hotelterrasse auf
der dem Zentrum nahe gelegenen Insel
Skeppsholmen war ideal für ein vielfaches freudiges Hallo beim Get-together.
Auch nach mehr als zwei Jahrzehnten
Baden-Baden sind Vorträge noch immer
ein fester Bestandteil im Programm unserer Folgegespräche! Diesmal waren die
Ausführungen von Mrs. Anna Felländer,
Chief Economist Swedbank, und von Mr.
Marcus Strömberg, CEO der AcadeMe-
dia, sehr aufschlussreich und interessant
und führten zu lebhaften Diskussionsbeiträgen.
Nach der obligatorischen Stadtrundfahrt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Stockholm ging es am
Abend nach einem kurzen Bootstrip zum
geschichtsträchtigen
Freilichtmuseum
Skansen, wo die Kultur und Tradition
ganz Schwedens auf kleinstem Raum gezeigt wird. Der geführte Rundgang durch
die historischen Anlagen endete in einem
der Festsäle, wo wir hervorragend diniert
und uns bestens unterhalten haben.
Der Programmpunkt am Samstag „bis
zum Nachmittag zur freien Verfügung“
wurde allseits begrüßt und als besonders
angenehm empfunden. Diese Gelegenheit hat jeder auf seine Weise genutzt, um
sich in – im Hochzeitsfieber befindlichen
– Stockholm umzusehen, Sehenswürdigkeiten und nahe liegende Museen zu be-
suchen oder entspannt einfach nur
die Sonne zu genießen.
Abschließender Höhepunkt
unseres Treffens war die zweistündige Bootsfahrt durch die einmalig schöne Schärenlandschaft.
Dabei konnte man sich lebhaft
vorstellen, dass sich in einem der schmucken Häuschen auf einer der mehr als
20.000 Inseln der kurze, aber intensive
schwedische Sommer genießen lässt. Das
Grinda Wärdshus, gelegen auf Grinda,
der Insel der Erlebnisse, war unser angesteuertes Ziel. Auf der Terrasse erhielten
wir in voller Abendsonne einen bleibenden Eindruck von der schwedischen
Landschaft und wurden mit üppigen
Fischspezialitäten kulinarisch verwöhnt.
Fazit: Mit dieser schönen und sehr
harmonisch verlaufenen Schwedenreise hat uns unser Freund Claus Loewe
ein Erlebnis besonderer Art vermittelt,
das allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben wird. Inzwischen steht auch
schon fest, dass es vom 2. bis 6. Juni 2016
ein freudiges Wiedersehen in Dresden geben wird.
Kurt Baiker
Nur drei Tage vorher waren
Merkel, Obama und Cie abgereist,
da konnte der stellvertretende
Landrat Dr. Rapp die Gäste des
nächsten Gipfeltreffens im Landkreis
Garmisch-Partenkirchen
begrüßen,
nämlich die 96er zum Jahrestreffen in
Murnau am Staffelsee; ein „staatstragender Empfang“ im Hotel Alpenhof,
mit taufrischen Anekdoten vom Elmauer
Gipfel und ein trefflicher Start in die vor
uns liegenden Tage, die Gitta und Peter
Fischl so inhaltsreich und liebevoll vorbereitet hatten.
Nicht nur die Kanzlerin hatte oberbayerisches Wetterglück, ebenfalls die
Fischls am nächsten Morgen. Wir fuhren
zur weltweit ältesten Bergwetterstation
auf den Hohenpeißenberg, die seit 1781
Wetterdaten aufzeichnet und heute Teil
des
Klimaüberwachungsprogramms
Global Atmosphere Watch ist. Ein Vortrag führte uns ein in die Ermittlung/Verifizierung von Wettertrends, die die globale Erderwärmung dokumentieren. Anschließend genossen wir das 360-GradPanorama von der Aussichtsplattform.
Auf dem Weg zur Brotzeit im Restaurant Bayerischer Rigi mit Weißwürsteln
schauten wir in die prächtige RokokoWallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt.
Dann ging es zum Werk der RocheGruppe in Penzberg. Auf dem alten
Bergwerksgelände ist eins der größten
Biotechnologiezentren Europas entstanden. Den Standort mit 5.400 Mitarbeitern zeichnet aus, dass hier F&E und
Produktion für die Geschäftsbereiche Diagnostics und Pharma parallel betrieben
werden, um in der „Personalisierten Medizin“ neue Akzente zu setzen. Vor allem
die Präsentation von Dr. Scheuer über das
von ihm entwickelte bildgebende Verfahren bei Tierversuchen beeindruckte uns.
So kann mit wesentlich weniger Tierversuchen die Effizienz neuer Wirkstoffe gegen bösartige Tumore bestimmt werden.
Am Abend wurde es im Griesbräu
mitten im Ort zünftig. Viel Bier und üppige Spanferkelportionen sorgten für beste Stimmung.
Der Samstag galt der kulturellen
Vielfalt in und um Murnau. Im Buchheim Museum am Starnberger See sahen
wir die erste gemeinsame Ausstellung aus den Sammlungen
der Freunde L. Buchheim und H.
Nannen, „Expressionismus²“, mit
150 Exponaten von 51 Künstlern. Auf
dem „Steg“ des architektonisch reizvollen Gebäudes nahmen wir einen Imbiss
zu uns.
Zurück im Ort, besuchten wir das
Schlossmuseums Murnau. Es zeigt die
wichtige Rolle Murnaus in der Kunstund Literaturgeschichte Anfang des 20.
Jahrhunderts (Werke der Künstlergruppe
Der Blaue Reiter und des Dramatikers
Ödön von Horváth) sowie Heimatkundliches zum Murnauer Moos und zur Hinterglasmalerei. Besonders Kunstbeflissene gingen noch ins Münter-Haus. Das
Abschlussdinner im Hotel wurde wieder
ein munterer Abend in freundschaftlicher
Runde von 32 der 96er, die der Einladung
der Organisatoren Gitta und Peter Fischl
gefolgt waren. Den beiden gebührt von
Herzen unser Dank!
Auf frohes Wiedersehen beim nächsten 96er Gipfel in Ludwigsburg vom 2.
bis 5. Juni 2016)!
Marlies & Karl-Joachim Neidhart
Fotos: BBUG
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Die alte polnische Königsstadt
Krakau war das Ziel des diesjährigen 97./98. Folgetreffens. Dieses
malerische und geschichtsträchtige
an der Weichsel gelegene Kleinod
europäischer Kultur in der Mitte
Europas hat uns 43 BBUGler während
des viertägigen Treffens sehr begeistert.
Als wir uns am ersten Abend im Innenhof des Restaurants La Campana zum
Aperitif trafen, hatten sich die Regenwolken gerade verzogen, sodass wir uns für
den Rest des ganzen Treffens am sonnigen Wetter erfreuen durften. Dann ging
es hinunter in einen der vielen Krakauer
Gewölbekeller, in dem wir fröhliches
Wiedersehen feiern konnten.
Im Konferenzsaal des Hotels Stary
führte uns am Donnerstagmorgen Generalkonsul Dr. Werner Köhler in die sehr
wechselhafte Entwicklung der deutschpolnischen Beziehungen ein. Als zweiter
Referent stand uns Herr Gerhard Gnauck,
langjähriger Korrespondent der Zeitung
Die Welt in Warschau zur Verfügung. Zusätzlich zu seinem Thema „Das Deutschlandbild der Polen“ schlug er insbesondere den Bogen zu den besorgniserregenden
Entwicklungen in der Ukraine, die eine
BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
97./98. BBUG
IN KRAKAU
99./100. BBUG
IM RHEIN-MAIN-GEBIET
14. BIS 17. MAI 2015
10. BIS 13. SEPTEMBER 2015
starke Belastung, ja krisenhafte Zuspitzung der Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union zur
Folge haben. Dieses Thema nahm auch
Bogdan Klich, Ex-Verteidigungsminister
und derzeitiger Senator mit seinem engagierten europäisch orientierten Vortrag
auf, ohne die neuen Herausforderungen,
die sich für Europa durch die krisenhafte Entwicklung in Afrika und Mittelost
ergeben, zu vernachlässigen. Schließlich stellte uns der Vorstandsvorsitzende
der RWE Polska, Dr. Filip Thon (130.
BBUG), sein in und um Warschau tätiges
regionales Stromunternehmen im Gefüge
des polnischen Wirtschafts- und Rechtsgefüges vor.
Am Nachmittag besuchten wir die
ehemals sozialistische Retortenstadt
Nowa Huta und das nun zum ArcelorMittal-Konzern gehörende Stahlwerk.
Ein Gang entlang einer hochmodernen
und menschenleeren Stranganlage, in der
die glühende Bramme Schritt für Schritt
vollautomatisch schließlich zu einem Coil Walzblech verarbeitet
wird, zeigte uns ein beeindruckendes Beispiel auch in Polen
angewandter Hochtechnologie.
Den späten Nachmittag und
Abend verbrachten wir in Kasimierz mit
seinen noch sichtbaren Resten einer früher blühenden jüdischen Kultur und – im
früheren Getto – mit den bedrückenden
Bildern des nationalsozialistischen Terrors. Den Abend schloss ein KlezmerKonzert mit nachfolgend typisch jüdischen Gerichten ab.
Ein Besuch auf dem Wavel, dem Nationalheiligtum der Polen, mit Schloss,
Kathedrale und Königsgräbern, vor dem
wir standesgemäß mit Kutschen vorfuhren, sowie viele Eindrücke von der Stadtführung – insbesondere der Besuch des
berühmten Veit-Stoß-Altars in der Marienbasilika sowie ein fulminanter Abschlussabend mit klassischem Bläserkonzert – rundeten ein insgesamt gelungenes
Treffen ab. Im kommenden Jahr werden wir uns vom 5. bis 8. Mai im KölnAachener-Raum treffen.
Gert Maichel
Unser diesjähriges Treffen begann
bei herrlichem Wetter
im Odenwald, wo uns
unsere Gastgeber Günther Teufel und
Ralf Gissel im Lufthansa Training &
Conference Center Seeheim-Jugenheim
willkommen hießen. Vorgeschaltet war
für einige Teilnehmer ein Golfturnier
im Golfpark Groß-Zimmern unter der
einfühlsamen Leitung von Albert Filbert. Bei dem abwechslungsreichen Programm mit den Schwerpunkten Darmstadt und Frankfurt wurden Günther und
Ralf durch ihre liebenswerten Ehefrauen
Brita und Barbara unterstützt.
Der Freitag begann mit einem Besuch der Software AG in Darmstadt und
einem Vortrag des sympathischen CEO
Karl-Heinz Streibich (115. BBUG) zum
Thema „Digitalisierung“. Der homogene
Markt USA stellt auch auf diesem Gebiet
für den heterogenen Markt Europa eine
Herausforderung dar. Digitale Start-ups
wie Uber, Airbnb oder Alibaba sind Beispiele für neue digitale Geschäftsideen,
die sich ohne kapitalintensive Assets erfolgreich behaupten.
Der zweite Besuch an diesem Tag
führte uns zur Deutschlandzentrale von
PWC in Frankfurt, wo wir zunächst den
herrlichen Spätsommertag auf der Dachterrasse des erst vier Jahre alten Towers
185 zu einem Rundblick auf das grüne
Frankfurt nutzten. Vorstand Markus
Burghardt (111. BBUG) gab uns einen
Überblick über die Aktivitäten von PWC
und sprach über „Aktuelle Entwicklungen in der deutschen und europäischen
Finanzwelt“. Das nicht immer konfliktfreie Nebeneinander von Wirtschaftsprüfung und strategischer Beratung gab
viel Stoff für eine intensive Diskussion.
Der Tag wurde abgerundet durch ein
eindrucksvolles
Pre-Dinner-Konzert:
Irène Duval, Solovioline, und Hayoung
Choi, Solovioloncello, von der Kronberg
Academy spielten äußerst virtuos Stücke unter anderem von Johann Sebastian
Bach und Béla Bartók sowie ein Duett
von Johan Halvorsen. Manfred Spindler
ermöglichte diese Vorführung. Im Anschluss fand ein festliches Abendessen
statt mit dem Dinnerspeaker Thomas
Schmid, Journalist,
Autor und ehemals
Herausgeber der Zeitung Die Welt, der
zum Thema „Wir müssen lernen, in einer
instabilen Welt zu leben“ sprach.
Der Samstag umfasste nach den
Wirtschaftsthemen die noch komplexere
Welt der Erdgeschichte und der Biodiversität. Zunächst stand der Besuch des
Welterbes Grube Messel auf dem Programm. Daran schloss sich ein Besuch
der Mathildenhöhe in Darmstadt, Zentrum des Darmstädter Jugendstils an.
Ein weiterer Höhepunkt am Abend war
das Senckenberg Museum mit einem
Vortrag durch den Generaldirektor der
Senckenberg Gesellschaft, Prof. Dr. Volker Mosbrugger, zum Thema „Biodiversität: Gefährdetes Naturkapital“. Unter
dem strengen Blick einiger Dinosaurier
wurde der Abend im Museum mit einem
Imbiss beendet.
Am Sonntag wurde das abwechslungsreiche Wochenende nach dem
Frühstück beendet. Wir sehen uns wieder im September 2016 in Rom.
Hans-Dieter Bott
Fotos: BBUG
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BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
101./102. BBUG
IN BADEN-BADEN
103./104. BBUG
IN BADEN-BADEN
04. BIS 07. JUNI 2015
05. BIS 07. JULI 2015
In diesem Jahr hatten wir unser Folgetreffen mit der BBUG-Jubiläumsveranstaltung vom 5. bis 7. Juni verknüpft
und uns bereits am 4. Juni 2015 in Baden-Baden zu einem abwechslungsreichen und spannenden Zusatzprogramm
getroffen. Unser Freund Hans F. W.
Frey, gebürtiger Badener, hatte das Programm für uns ausgearbeitet und die
gut 30 Teilnehmer damit hoch erfreut.
Am 4. Juni fuhren wir gemeinsam
nach Karlsruhe zur Staatlichen Majolika Manufaktur. Wir wurden dort vom
Leiter der Manufaktur mit einem lebendigen Einführungsvortrag und einer
kompetenten Führung durch die Kunstwerkstätten freundlichst empfangen.
Anschließend durften wir unter künstlerischer Begleitung unsere persönlichen Talente zum Ausdruck bringen
und eigens reservierte Majolika-Schalen eigenhändig kunstvoll bemalen und
danach fachmännisch brennen lassen.
Das künstlerisch anspruchsvollste Exponat wurde schließlich von den Künstlern der Majolika professionell ausgewählt und prämiert. Den kurzweiligen
und hochkreativen Tag schlossen wir
mit einem stimmungsvollen badischen
Abend in der Cantina Majolika ab, zu
dem uns unsere Freunde Kornelia und
Hans F. W. Frey anlässlich ihrer beiden
Geburtstage großzügig eingeladen hatten.
Den Freitag verbrachten wir zunächst bei Bosch in Gerlingen/Schillerhöhe. Hauptattraktion war, neben der
Öffnung und kundigen Führung durch
die Brasilien-Bibliothek des Hauses,
das Kolloquium mit Vertretern der TU
Stuttgart und Bosch über die Forcierung und Stärkung von Venture Capital.
Im Gedankenaustausch mit dem Rektor
der Universität und seinen Kollegen
ging es insbesondere um die Suche
nach verbesserten Umsetzungs-, Finanzierungs- und Vermarktungsmöglichkeiten von Innovationen der Forscher
und Entwickler der Hochschule.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen auf Einladung von und im Hause Bosch, bei dem die Diskussionen
lebhaft fortgesetzt wurden, mündete
unser individuelles Folgetreffen 2015
am Nachmittag in das gemeinsame
offizielle BBUG-Jubiläumsprogramm,
welches wir alle großartig und in der
Themenauswahl als zukunftsweisend
betrachteten.
Die Stimmung in Baden-Baden war
wieder bestens und die Freude auf unser nächstes Frühjahrsfolgetreffen in
Buenos Aires, in der Zeit vom 17. bis
20. März 2016, ist groß.
Udo vom Berg
In diesem Jahr haben wir
das 17. Nachfolgetreffen der
103./104. BBUG Anfang Juli
mit dem 60-jährigen Jubiläum
der Baden-Badener Unternehmer Gespräche kombiniert.
Mit knapp 40 angemeldeten
Teilnehmern haben wir an
dem exzellenten zweitägigen
Programm mit den vielen
Höhepunkten in Baden-Baden teilgenommen, das für
unsere Gruppe mit der hervorragenden Aufführung der
Verdi Oper „La Traviata“ im
Festspielhaus und dem ausgezeichneten Buffet seinen offiziellen Abschluss fand.
Am Sonntag hat unser
103./104. BBUG eine mehrstündige leichte Wanderung um das Alte Schloss
Hohenbaden oberhalb von
Baden-Baden auf einem
wunderschönen Höhen- und Waldweg
unternommen. Organisiert wurde unser Zusammentreffen dankenswerterweise und schon traditionell von unseren Freunden Norbert und Annemarie
Indlekofer. Das herzliche und kommunikative Wiedersehen an den gelungenen beiden vorangegangenen Jubiläumstagen wurde reflektiert, viele
weitere interessante Gespräche wurden
geführt und nach den Tagen
und Abenden im Kongresshaus respective Festspielhaus
in Baden-Baden genossen
wir die frische Luft bei herrlichem Sonnenschein. Als außerordentlich nette und große
Überraschung bei wunderbarem Ausblick zum Schwarzwald und ins Rheintal bis zu
den Vogesen servierten die
beiden Söhne von Norbert
und Annemarie ein Picknick
mit Schwarzwälder Schinken
und Sekt. Nach der Wanderung wurden Restdurst und
Appetit im gastlichen Ambiente des Rittersaals im Alten
Schloss Hohenbaden gestillt.
Danach hieß es Abschied
nehmen bis zum kommenden
Jahr, in dem wir uns vom 16.
bis 18. September in Nabburg/Regensburg bei unseren
Freunden Thomas und Mandana Hanauer wiedersehen werden.
Michael Portoff;
Roland Ochsenfeld
Fotos: BBUG
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BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
105./106. BBUG
IN PARIS
107./108. BBUG
IN BADEN-BADEN
14. BIS 17. MAI 2015
04. BIS 07. JUNI 2015
Dieses Jahr trafen sich die
105er/106er in Paris mit einer
Beteiligung von 60 Personen.
Dank der ausgezeichneten Vorbereitung
durch Andreas Hübner war ein Mix aus
traditionellem Paris-Programm und dem
Focus auf Neuer Kunst entstanden. Fantastisch!
Mit stürmischen Begrüßungen und
Umarmungen und „Wie schön, dass wir
uns wiedersehen“ fand das Salut & Rendezvous im Restaurant Mollard vis-à-vis
des Hotels statt. Gegründet im Jahr 1867,
beeindruckt es heute mit wunderbar erhaltenen Jugendstilelementen.
Den offiziellen Auftakt bildete am Folgetag ein Besuch bei der Unternehmensgruppe Oddo & Cie. Das privatwirtschaftliche Spezialkreditinstitut setzt den Fokus
auf Asset Management und Brokerage.
Das Unternehmen ist Spezialist für französische Small Caps und bekannt für sein
erstklassiges Research. Zudem hat Oddo
kürzlich in Deutschland die in Frankfurt
ansässige Seydler Bank übernommen und
in Düsseldorf die Meriten Asset Management.
Zu Beginn hörten wir Herrn JeanPierre Pinatton, Vorsitzender des Auf-
sichtsrats mit seinem Eingangsvortrag zur
aktuellen politischen Situation in Frankreich. Darauf gab uns Gilles Haumont,
CEO von Mellerio – dem ältesten und letzten unabhängigen französischen Juwelier
der Welt – einen umfassenden Überblick
über die französische Luxusindustrie.
Das Lunch nahmen wir inmitten der
Galerie Thaddaeus Ropac ein. Die Galerie hat 2012 in Pantin eröffnet und ist
spektakulär in einer denkmalgeschützten
Kesselfabrik untergebracht. Wir sahen die
Ausstellung „Second Body“ von Antony
Gormley und „De l’Amitié“ von Andreas
Slominski.
Den Nachmittag verbrachten wir dann
auf dem Place Vendôme und bei dem Juwelier Mellerio und sahen hochexklusive,
historische Schmuckstücke von französischen und europäischen Königinnen.
Der krönende Abschluss des Tages
war ein Dinner im Privatclub Cercle de
l’Union Interalliée, wo wir auf großzügige
Einladung von Lazard Asset Management
verwöhnt wurden. Das musikalische Programm wurde von Patricia Seidl, Pianis-
tin, Sängerin und Tochter unseres Baden-Badener Freundes
Dr. K. Richard Seidl hervorragend bestritten.
Im Mittelpunkt des nächsten Tages
stand ein gemeinsamer Gruppenbesuch
bei der Fondation Louis Vuitton im Bois
de Boulogne. Dieses Privatmuseum beherbergt überwiegend Werke des 20. Jahrhunderts, die auf 11.000 Quadratmetern
präsentiert werden. Im Anschluss hatten
wir die Möglichkeit, die Ausstellung „The
,Enfants terrible‘ of fashion“ von Jean Paul
Gaultier im Grand Palais zu besuchen. Legendär ist das Bustier, welches Madonna
bei der Blonde Ambition Tour 1990 getragen hat!
Am Nachmittag konnte man – ganz
nach Neigung – eine Führung durch Montmartre oder das Marais-Viertel mit den alten und prächtigen Stadtpalästen, schiefen
Häusern der Handwerker und Ordensniederlassungen der Tempelritter machen.
Beim abschließenden Dinner Cruise
auf der Seine begann dann schon die Vorfreude auf unser nächstes Treffen vom 5.
bis 8. Mai 2016 am Tegernsee!
Ralf Guntermann
Die Tatsache nutzend, dass
sich die meisten 107er/108er
das 60. Jubiläum in
Baden-Baden nicht entgehen lassen wollten, hatten wir
drei Sprecher entschieden,
das Festwochenende um zwei
Tage nach vorne zu verlängern und uns im Vorfeld zu
unserem Jahrestreffen in der
Bäderstadt im Schwarzwald zu treffen.
Wir 107er/108er trafen uns zur Einstimmung auf das vor uns liegende außergewöhnliche Wochenende bereits
am Donnerstagabend in dem traumhaft
schön auf einer Anhöhe gelegenen Restaurant La Provence. Die Gespräche
wurden dort fortgesetzt, wo sie bei unserem letzten Treffen in Schottland aufgehört hatten. Es wurde eine erste lange
Nacht – und sollte nicht die letzte an diesem Wochenende bleiben.
Der Sommer hatte es an diesem Wochenende gut mit uns gemeint. Die fast
tropischen Temperaturen konnten uns
trotzdem nicht davon abhalten, am späten Vormittag des nächsten Tages in bester Wanderlaune zum Forellen-Schlemmer-Lädele in Gaisbach zu laufen. Auch
heute stand auf dem Programm „Austausch ist fast alles“.
So hatten wir 107er/108er uns schon
warmgelaufen und privat und beruflich
auf den neusten Stand gebracht, als am
Abend das offizielle Jubiläumsprogramm mit Cocktailempfang und der
außergewöhnlichen Rede des Außenministers Dr. Frank-Walter Steinmeier zur
aktuellen Weltlage begann. Der Abend
schloss mit Gustav Mahlers 1. Symphonie mit der beeindruckenden Klangfülle
des Ensembles The Management Symphony. In diesem Orchester haben sich
Führungskräfte der deutschen Wirtschaft und ambitionierte Hobbymusiker zusammengefunden, unter anderem
auch ein BBUGler: Dr. Manfred Spindler (100. BBUG).
Der Samstagvormittag
bot, ganz in BBUG-Tradition, Podiumsgespräche zu
aktuellen Wirtschaftsthemen und ausreichend Gelegenheit, sich auch über
das eigene Gespräch hinweg weiter zu vernetzen.
Nach einem entspannten Nachmittag fanden
wir uns alle in festlicher Abendrobe im
Baden-Badener Festspielhaus wieder,
wo wir eine ungewöhnliche Inszenierung von „La Traviata“ hören und sehen
konnten und den Sommerabend bis in
die frühen Morgenstunden ausdehnten.
Unermüdliche BBUGler trafen sich
am Sonntagmorgen zur Abschluss-Matinée im Garten und unter den schattigen
Bäumen des Palais Biron wieder. Am
frühen Nachmittag hieß es dann endgültig für alle, Abschied zu nehmen und
sich auf das nächste Jahrgangstreffen zu
freuen. Für uns 107er/108er ist dies Sizilien, Taormina vom 26. bis 29. Mai 2016.
Wilfried Porth;
Jens-Uwe Fischer;
Gabriele Eick
Fotos: BBUG
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BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
109./110. BBUG
IN FRANKFURT
111./112. BBUG
IN GENT
14. BIS 17. MAI 2015
14. BIS 17. MAI 2015
Dieses Jahr war Frankfurt, die Stadt des Geldes und
der Künste, das Ziel unseres
alljährlichen Wiedersehens.
Das Organisationsteam (Thomas Duhnkrack, Roberto Gualdoni, Rainer Holler, Altfried
Lütkenhaus, Martin Scholich
und Martin Wienkenhoever) hatte ein
Programm vorbereitet, welches so gut
wie keine Wünsche offen ließ. „Über den
Dächern von Mainhattan“: So lautete das
Motto des ersten Abends, denn Martin
Scholich hatte im Namen von PWC in
den neuen Tower 185 eingeladen. Der
Name Tower 185 ist dabei etwas irreführend, denn mit rund 200 Metern Höhe
ist der PWC-Tower das vierthöchste
Bürogebäude in Deutschland. Die Stadt
lag uns mit all ihrer Pracht und Gebäudevielfalt im wahrsten Sinne des Wortes
zu Füßen. Prof. Christoph Mäckler, der
bekannte Architekt und Städtebauer, gab
uns einen Einblick in seine architektonischen Grundgedanken zum Tower 185.
Am zweiten Tag wurden die Themen
Geld und Kunst auf eine ganz besondere Art miteinander verbunden.
Dabei zeigt Hans-Dieter Brenner, der
Vorstandsvorsitzende der Helaba auf,
dass es heute wirklich einer Kunst gleichkommt, mit einer Landesbank noch Geld
zu verdienen. Friedrich von Metzler
zeigte die Verantwortung auf, die heute
ein privates Bankhaus hat. Danach folgte ein Besuch im Staedel Museum. Wir
hatten dank der einführenden Worte von
Thomas Duhnkrack, der sich als echter
Städel-Fan outete, einen tiefen Einblick
in die bildhafte Kunst. Michael Gorriz
begrüßte uns am Abend auf der herrlichen Terrasse des Ruderclubs Germania,
wo wir einen zauberhaften Blick auf den
Main hatten.
„Von der Furt zum Knoten“: So
lautete das Motto am Samstag. Beim
Stadtrundgang erreichte unser Ohr eine
ganze Menge an Informationen über die
Geschichte der Stadt – kulinarisch abgerundet durch den Verzehr von grüner
Soße im steinernen Haus.
Anschließend konnten wir
von Peter Knapp, Geschäftsführer Interxion Deutschland
GmbH erfahren, dass Frankfurt heute Weltmarktführer ist
im Business der Daten. Beim
Rundgang durch den Westend
Campus konnte man in den Gesichtern
der Teilnehmer lesen: So macht studieren
auch heute wirklich Spaß!
Als wäre es ein Stück vom Paradies:
Der Rheingau gehört zu Frankfurts Rahmenprogramm und Martin Wienkenhoever hatte mit dem Organisationsteam
Schloss Johannisberg ausgewählt. Eine
Probe von köstlichem Wein mit einem
herrlichen Blick auf den Rhein … Gaumen und Seele, was wollt ihr mehr.
„Mainfahrt oder Heimfahrt“: Wie
immer hatte für den ausklingenden Sonntag jeder seine eigene Wahl getroffen.
Einstimmig fiel das Votum aus für unser nächstes Ziel: Auf Wiedersehen vom
26. bis 29. Mai 2016 in Brüssel. Pamela
Knapp und Klaus Huber werden uns dann
über das Parkett der Europapolitik führen.
Wolfgang Setzler
Mittelalter und Zukunft treffen sich in
Gent.
Das
Folgetreffen
2015 führte die 111er
und 112er nach Gent,
eine bezaubernde Stadt
im Herzen Belgiens mit
zahlreichen mittelalterlichen Denkmälern. Unter
strahlend blauem Himmel kamen die perfekt
erhaltenen Gebäude zur
vollen Geltung. Bei der
Besichtigung des Gemäldes „Het Lam Gods“
der Gebrüder Van Eyck
wurden wir eingeführt
in die Schwierigkeiten
und den enormen Aufwand bei der Restauration solcher Gemälde.
Den Sprung „zurück in
die Zukunft“ vollzogen wir bei Bayer
Cropscience mit einem Blick in die heutigen und zukünftigen Möglichkeiten
der Gentechnologie bei Nutzpflanzen.
In bester BBUG-Tradition folgte eine intensive Debatte mit verschiedenen Fach-
leuten zu den Chancen und Risiken der
Gentechnologie. Am nächsten Tag waren wir bei The Vlerick Business School
eingeladen, wo wir die Entwicklung der
Finanzmärkte unter die Lupe nahmen
in einer Diskussion mit Freddy Van den
Spiegel. Seine provokanten Thesen sorgten für anregende
Gespräche auch in
der Folge und neue
Erkenntnisse.
Belgien konnten wir
nicht verlassen, ohne
Brügge gesehen zu
haben: Selbst starker
Regen konnte die Begeisterung für dieses
Kleinod nicht dämpfen. Natürlich durften
wir auch das kulinarische Potenzial Belgiens erkunden. Hier
wird nur so viel verraten: Viele BBUGler
sprachen vom besten
Essen aller bisherigen Treffen. Viele
waren am Ende überzeugt: Wir kommen zurück, um weitere
kulinarische Highlights zu entdecken.
Zunächst aber geht es vom 5. bis 8. Mai
2016 nach Paris.
Alain Bauwens
Fotos: BBUG
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BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
113./114. BBUG
IN AMSTERDAM
115./116. BBUG
AM WÖRTHERSEE
14. BIS 17. MAI 2015
14. BIS 17. MAI 2015
Das diesjährige Folgetreffen der
113er/114er führte uns mit fast 60 BBUGlern nach Amsterdam. Wir genossen die
Möglichkeit, die Vielfalt der Innenstadt aus
verschiedenen Perspektiven zu erleben –
per Klassik-Bootskonvoi durch die Grachten, mit vier Kutschen in stetigem Trab
durch die engen Gassen und auch zu Fuß.
Vertiefen konnten wir unsere historischen Kenntnisse durch den Besuch der
Hermitage und des Rijksmuseums. Aktuell
besichtigten wir in Amsterdam die noch
bis zum November laufende Ausstellung
„Alexander, Napoleon & Joséphine, eine
Geschichte von Freundschaft, Krieg und
Kunst“. Neu für viele von uns war die Information, dass die Regenten der europäischen
Königshäuser von Belgien, Dänemark, Luxemburg, Norwegen und Schweden Nachkommen von Joséphine sind.
Auch über die Geschichte der Oranier und die Verbindung Oranien – Nassau
erhielten wir später anschauliche Informationen von Reinildis van Ditzhuyzen. Die
Expertin für europäische Adelshäuser und
speziell das niederländische Königshaus
brachte uns in einem sehr lebendigen Vortrag nahe, wie die Oranier durch geschickte Eheschließungen Thron, Anerkennung
und Geltung wahrten (Oranje lebt).
Das vor zwei Jahren nach zehnjährigem
Umbau und Erweiterung wiedereröffnete
Rijksmuseum beeindruckte uns schon auf
den ersten Blick durch die Gebäudearchitektur und das neue Ausstellungskonzept.
Mit einem Rundgang durch die ständige
Ausstellung verschafften wir uns aber eine
Übersicht über die niederländische Kunst,
vorwiegend im 17. Jahrhundert, dem sogenannten Goldenen Zeitalter. Natürlich
bildete die Betrachtung der „Nachtwache“
von Rembrandt einen Höhepunkt.
Dagegen waren wir im Miele
Inspirience Center selbst gefordert. Auf
Einladung von Herrn Brouwer, dem Leiter
der Miele Vertriebsgesellschaft Niederlande, in Vianen, besichtigten wir zunächst
das 2008 umgebaute Center. Es präsentiert
in großzügigen Räumlichkeiten sämtliche
Produktlinien, dient als Schulungsstätte
für Miele-Mitarbeiter und bietet auch für
Endkunden eine große Informationsvielfalt, die sehr gut angenommen wird. Herr
Brouwer gab uns in seiner Präsentation
und im persönlichen Gespräch Einblicke
sowohl in den niederländischen Markt
für Konsumentenelektronik insgesamt
als auch in die Entwicklung des 1899 in
der Nähe von Gütersloh gegründeten
Zwei-Familien-Unternehmens Miele, dessen Historie mit Holz-Butterfässern und
Milchzentrifugen begann. Mit der Errichtung von Brand Stores und dem verstärkten Fokus auf Onlineshopping sieht sich
das Unternehmen auch für die Zukunft gut
aufgestellt. Das Center beinhaltet auch ein
großes Kochstudio mit elegantem Dining
Room. Hier galt es für uns im Kookworkshop selbst tätig zu werden.
Fazit: Das mit Bedacht ausgewählte Programm von Kornelia und Martin
Fischedick und Bettina und Jürgen Schmitt
brachte uns Information und Aktion und
ließ genug Zeit zum Gedankenaustausch
unter Freunden. Auch der Tanz am Abschiedsabend fehlte nicht.
Die Diskussion um die nächsten Folgetreffen bestätigte für 2016 das Reiseziel
Wien. Alfred Ötsch hat die Organisation
übernommen. Wir werden uns erstmals
am Fronleichnamswochenende treffen
und dies auch in den kommenden Jahren
beibehalten.
Marion Prinz; Thomas Fischer
„KÄRNTEN MACHT S!NN“:
Unter diesem Motto hatten Johanna und Ulrich Glaunach in ihre
gute Stube an den Wörthersee eingeladen, und rund 70 Teilnehmer
und Partner des 115./116. BBUG
folgten ihrem Ruf. Ihr Einladungsmotto hatten die Glaunachs nicht
von ungefähr gewählt: Unter dem
gleichen Namen hat Uli Glaunach
gemeinsam mit anderen Kärntner
Persönlichkeiten eine Initiative gegründet, um Geschäftspartnern und Freunden
die Schönheit der Region näherzubringen
– auch mit dem Ziel, Kärnten als potenziellen Ruhesitz für erfolgreiche und wirtschaftlich unabhängige Persönlichkeiten
zu positionieren.
Die Wahl des Hotels jedenfalls war
für diesen Zweck bestens geeignet. Im
Werzer’s in Pörtschach lud das in den See
hineingebaute klassische Badehaus insbesondere die früh anreisenden BBUGler
zu einem Welcome Drink mit wunderschöner Aussicht über den See ein. Durch
den strahlend blauen Himmel motiviert,
charterte dann eine Gruppe wasserbegeisterter Baden-Badener ein Schnellboot
samt Skipper und ließ sich bei bis zu 70
km/h über das Wasser einmal um den See
chauffieren.
Im Vortragsteil zu Land und Leuten
wurde offensichtlich, wie sehr das Bundesland Initiativen wie „KÄRNTEN
MACHT S!NN“ benötigt. In vielen der
präsentierten Zahlen und Vergleichen der
Regionen Österreichs offenbart sich die
Wirtschaftsschwäche Kärntens. Mehr als
einmal bemühten die lokalen Vertreter
den Vergleich, Kärnten sei „das Griechenland Österreichs“.
Als Gegenpol zu diesen ernsten Themen diente der mit viel Liebe fürs Detail
von Johanna „Hannerl“ Glaunach ausgearbeitete Nachmittag. In sechs Gruppen
absolvierten die Teilnehmer eine Schnitzeljagd mit mehreren Stationen, bei denen
die BBUGler ihre ganze Kreativität aufbringen mussten. In die Annalen der 115./116. wird sicherlich
die Rap-Version des Volkslieds
„Du bis die Rose vom Wörthersee“ eingehen, das von der Gruppe
mit dem Namen Steinreich dargeboten wurde. Sicherlich nicht zufällig war diese Gruppe dann auch
der Sieger bei der Aufgabe, das
Leben am Wörthersee möglichst
mondän in Szene zu setzen (vgl. Foto).
Am Samstag folgte der traditionelle
BBUG-Eigenvortrag. Diesmal gab Jens
Bergmann als Infrastruktur-Verantwortlicher der Deutschen Bahn den Gesprächsfreunden Einblicke in seinen Verantwortungsbereich. Anschließend erkundeten
die 115er/116er per Bus das Umland und
die Burgen Kärntens. Der Höhepunkt des
Tages aber war der Abschiedsabend, zu
dem die Glaunachs in ihr Klösterle eingeladen hatten – ein von ihnen mit viel Liebe renoviertes Kloster aus der Zeit Maria
Theresias. Am Ende zogen alle Teilnehmer das gleiche Fazit: „Es war schee am
Wörthersee.“
Jens Lemke
Fotos: BBUG
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BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
119./120. BBUG
IN HAMBURG
119./120. BBUG
IN VAITOUDDEN
10. BIS 13. SEPTEMBER 2015
27. FEBRUAR BIS 02. MÄRZ 2015
Nach dem gelungenen Besuch
der Bundeshauptstadt im vergangenen Jahr reisten die Teilnehmer unserer Gruppe in diesem Jahr nach
Hamburg. Bei schönstem Spätsommerwetter konnten die bereitgestellten Regenschirme das Wochenende
über getrost auf den Hotelzimmern verbleiben. Mit dem Get-together, das in
den Räumlichkeiten des Bankhauses M.
M. Warburg & CO nahe der Binnenalster
stattfand, konnten die unterschiedlichsten Gesprächsfäden bei Häppchen und
Getränken beschwingt und unbeschwert
wieder aufgenommen werden. Offenbar
gab es dafür auch Bedarf, denn der Ausklang des Abends an der Hotelbar dauerte dann bis in die Morgenstunden an.
Der Freitag stand im Zeichen der
Luftfahrt, die sich uns bei der Lufthansa
Technik AG von ihrer besten Seite zeigte. Nicht nur die zahlreichen Maschinen
hochrangiger Persönlichkeiten aus aller
Welt, deren Sonderausstattungen keine
Wünsche offen ließen, sondern auch die
Turbinenwartung und deren perfekt geplanter Ablauf konnten begeistern und
zudem ein sicheres Gefühl bei den Teilnehmern hinterlassen.
Der anschließende Besuch des Thalia Theaters verschaffte uns einen Blick
hinter die Kulissen einer der renommiertesten Theaterbühnen Deutschlands.
Nach dem absolvierten Tagwerk wurden
wir dann von der Commerzbank am
Jungfernstieg in bester Alsterlage mit
unvergleichlichem Blick auf die Binnenwie auch die Außenalster hervorragend
bewirtet.
Am Samstagmorgen ging es direkt
vom Hotelanleger in einer Barkasse auf
die südliche Elbseite zu den Terminalanlagen von Eurokai. Das familiengeführte
Unternehmen, das große Teile des Containerumschlags im Hamburger Hafen
abwickelt, gehört heute zu den größten
Terminalbetreibern in Europa. Eine
Begehung der 70 Meter hohen Containerkrananlagen war nicht jedermanns
Sache. Dennoch traute sich etwa die
Hälfte der Teilnehmer, einen Kran zu
besteigen und die vertäuten Container-
schiffe sowie deren Löschung und
Beladung aus der Vogelperspektive
zu betrachten.
Die anschließende Barkassenrundfahrt durch den Hafen und die
Fleete der Speicherstadt, die kürzlich zum Weltkulturerbe ernannt wurde, fand bei strahlendem Sonnenschein
statt. Aufgrund der Cruise Days, dem
alljährlichen Treffen der größten Kreuzfahrtschiffe in der Hansestadt, war die
Elbe durch Berufs- und Sportschifffahrt
zudem recht gut besucht.
Um die Hamburg Cruise Days sowie den Blue Port – den durch Tausende
Neonröhren blau erleuchteten Hafen –
inklusive des zu Ehren der Kreuzfahrtschiffe stattfindenden Feuerwerks aus
der Nähe betrachten zu können, fand
unser Abschlussabend mitten in der HafenCity in Sichtweite des neu erbauten
Kreuzfahrtterminals, direkt neben der
Elbphilharmonie statt.
Im kommenden Jahr werden wir den
Erfolg des Strukturwandels im Ruhrgebiet vom 8. bis 11. September in Essen in
Augenschein nehmen.
Peter Rentrop-Schmid
Es war ohne Zweifel eine Reise der
ganz besonderen Art.
Im Februar 2015 machten sich über
40 Teilnehmer auf den Weg nach Nordschweden. Am Freitag flogen wir nach
Arvidsjaur. Von dort ging es mit dem
Bus durch verschneite Landschaften
nach Arjeplog, wo wir das Silvermuseum besuchten. Hier bekamen wir einen guten Eindruck über das „Land der
Samen“ und ihre Geschichte. Danach
ging es zu unserem Hotel Silverhatten,
wo das Abendessen auf uns wartete.
Am nächsten Tag wurden unsere
Fahrkünste auf eine harte Probe gestellt. Auf dem Bosch-Test-Center (mit
einem gefrorenen See) konnten wir
dann zeigen, wie gut wir das Fahrzeug
auch auf blankem Eis beherrschen.
Dank ABS und ESP war das eigentlich
gar nicht so schwierig. ;-) Alle hatten
enormen Spaß, zumal das Wetter sich
von seiner besten Seite zeigte. Die
Temperaturen, die normalerweise bei
unter minus 20 Grad Celsius liegen,
stiegen auf milde Minusgrade. Die
Sonne lachte den ganzen Tag.
Am Nachmittag ging es dann mit
Schlittenhunden weiter. Eine nicht alltägliche Art des Reisens. Es blieb auch
ein Geheimnis, ob die Huskies oder die
BBUGler mehr Spaß hatten, durch die
verschneiten Landschaften zu ziehen.
Den urigen Abend verbrachten wir
dann in einem Samenzelt und lernten
dort die Sitten und Gebräuche sowie
die kulinarischen Köstlichkeiten kennen.
Ein weiteres Highlight war die
ganztägige Exkursion mit Schneemobilen am Sonntag. Auch hier war es
nach jedermanns Geschmack: Die einen fuhren gemütlich durch wunderschöne Landschaften, andere begaben
sich auf zugefrorenen Seen in einen
Geschwindigkeitsrausch und stellten
(zumindest persönliche) Rekorde auf.
Insgesamt war diese ganz spezielle
Reise ein unvergessliches Erlebnis.
Robert Hanser
Fotos: BBUG
124
PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016
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BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
121./122. BBUG
IN BARCELONA
123./124. BBUG
IN DRESDEN
30. APRIL BIS 03. MAI 2015
24. BIS 27. SEPTEMBER
Das jährliche Treffen des Kreises
der 121./122. BBUG fand in diesem
Jahr in Barcelona statt. Wolf-Dieter
und Claudia Kurz sowie Gerhard und Susanne Steiger haben mit viel Liebe zum
Detail ein Programm zusammengestellt,
das in der Mischung aus anregenden Impulsvorträgen zu Wirtschaft und Gesellschaft und den Eindrücken der Stadt in
ihren vielen Facetten die verbindenden
Erlebnisse unserer Gruppe um einen weiteren Höhepunkt bereichert hat.
Schon das große Hallo am Abend der
Anreise zeigte: Hier kommen Freunde
zusammen, die sich auf intensive Begegnungen und den vertrauten Austausch
so richtig freuen können. Pünktlich am
nächsten Morgen ging es für uns zur
IESE Business School, die hoch über dem
Stadtkern in traumhafter Lage heute in
den einschlägigen weltweiten Rankings
eine führende Position einnimmt. Im
Anschluss an die Begrüßung durch Professor Heukamp, dem Associate Dean for
MBA Programs, wurden Professor Alfredo Pastor mit seinem Vortrag „Current
Trends in the Global Economy“ und Professor Josep Valor, der seine Forschungsschwerpunkte zum Thema „Digital Den-
sity – the Challenges for Global Leaders“
vortrug, dem exzellenten Renommee
dieser Business School mehr als gerecht.
Professor Valor stellte in seinem Vortrag
die Auswirkungen der wirtschaftlichen
Entwicklung in den Emerging Markets
auf die Volkswirtschaften in Westeuropa
in den Vordergrund. Einen besonderen
Schwerpunkt bildeten dabei Prognosen
zur Entwicklung der Arbeitsmärkte in
den führenden Industrienationen. Professor Valor fokussierte sich auf neueste
Entwicklungen im Bereich der Vernetzung und Verarbeitung von Massendaten
und begründete damit seine Einschätzungen zu radikalen Paradigmenwechsel in
heute etablierten Geschäftsmodellen. Die
Fragen und angeregten Diskussionen, die
während unserer Tage in Barcelona immer wieder auf das Gehörte Bezug nahmen, zeugten von der aktuellen Relevanz
der vorgetragenen Themen.
Anschließend feierte ein neues Format in unserem Kreis seine Premiere.
Gudrun Kollatz stellte sich dem kritischen Publikum und beeindruckte mit
einem fachkundigen und anregenden
Vortrag zur Männerfreundschaft zwischen Gaudi und Güell, deren visionäre, architektonische Ergebnisse das
Stadtbild Barcelonas bis heute prägen.
Eine bessere Einstimmung und Vorbereitung auf den anschließenden Besuch
der Sagrada Família hätte es nicht geben
können. Erfüllt von den vielfältigen Eindrücken dieser lebendigen und facettenreichen Stadt beendeten wir das offizielle
Programm des Tages in einer Tapasbar.
Wann der Abend für diejenigen endete,
die sich anschließend in den engen Gassen der Stadt in spontanen Runden zusammenfanden, ist nicht protokollkundig.
Am Samstag entdeckten wir zunächst
gemeinsam die Wohnarchitektur Gaudis
bei einer Besichtigung der Casa Milà und
anschließend bei herrlichem Frühlingswetter zu Fuß das gotische Viertel der
Stadt. Der Abend in gemeinsamer Runde
bildete den Abschluss unseres Treffens:
dass Wolf-Dieter, Claudia, Gerhard und
Susanne bei der Vorbereitung sogar an
die Tänzerinnen und Tänzer unter uns
gedacht hatten, verlieh diesem Abend seine ganz besondere Note.
Lorenz Freudenberg
Der Einladung
zum 7. Folgetreffen der 123./124.
BBUG in das
Elbflorenz
folgten dieses Jahr 67
Teilnehmer,
um
sich die Einblicke
in die schillernden Facetten Dresdens
nicht entgehen zu lassen. Mit einem
abwechslungsreichen, spannenden und
unterhaltsamen Programm sollte den
Teilnehmern die Kunst- und Kulturstadt
Dresden sowie das angrenzende Umland
nahegebracht werden.
Mit Barbecue und Jazzmusik wurde
am Donnerstagabend bei einem gemütlichen Get-together im Restaurant Italienisches Dörfchen das diesjährige Folgetreffen eröffnet. Am historischen Theaterplatz gelegen, zwischen Elbe, Zwinger
und Hofkirche, waren das Wiedersehen
und die Mitteilungsfreude herzlich.
Auch dieses Jahr blieben wir dem
BBUG-Erfolgsrezept, Information und
Erlebnis zu mischen, treu und erlebten
den Freitag mit spannenden sowie provokativen Vorträgen und Diskussionen
aus den Bereichen Kultur, Lifestyle,
Wirtschaft und Politik.
Politik zum Anfassen gab es für die
Teilnehmer, als Dr. Gregor Gysi an der
anschließenden Dampfschifffahrt von
Pirna nach Rathen teilnahm und ebenso den 45-minütigen Aufstieg auf die
Bastei mit den Teilnehmern absolvierte.
Vor dem sächsischen „Ahmdbrod“ im
Panoramarestaurant auf der Bastei erläuterte unser Ehrengast, der sächsische
Ministerpräsident Tillich, die Stärken
des Freistaats Sachsen sowie Probleme
der aktuellen Flüchtlingssituation. Während des gesamten Abends standen die
Ehrengäste den Teilnehmern sowohl für
Privates als auch Politisches Rede und
Antwort.
Am Samstag standen den Teilnehmern dann drei verschiedene Exkursionen zur Auswahl, um Dresden und das
Umland nach eigenen Interessen zu er-
kunden. Die Teilnehmer hatten die
Wahl
zwischen
einem exklusiven
Stadtrundgang mit
spezifischen Sehenswürdigkeiten
Dresdens, einem
Besuch der Meissener Porzellanmanufaktur mit anschließender Weinverkostung oder einem Ausflug in die Sächsische Schweiz mit dem Besuch der legendären Uhrmacherstadt Glashütte und der
Festung Königsstein.
Bei einer gemeinsamen exklusiven
Führung durch die Produktionsstätte
des Phaetons war es vor allem für die
männlichen Teilnehmer ein Highlight,
einen Blick hinter die Kulissen bei VW
in der Gläsernen Manufaktur zu erhalten. Beim abschließenden Gala Dinner
im Restaurant Kastenmeiers konnten die
Teilnehmer nach einem exklusiven DreiGänge-Menü auch dieses Jahr das Tanzbein bis in die grauen Morgenstunden
schwingen. Im nächsten Jahr führt uns
die Reise nach Graz.
Steffen Heine
Fotos: BBUG
126
PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016
PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016
127
BBUG-FOLGETREFFEN
BBUG-FOLGETREFFEN
125./126. BBUG
IN BRÜSSEL
127./128. BBUG
IN BADEN-BADEN
14. BIS 17. MAI 2015
04. BIS 05. JUNI 2015
In
diesem
Frühsommer
gab
es
wahrscheinlich
keinen Ort, an dem
man das Ringen Europas um eine Lösung der Schuldenkrise
Griechenlands besser erleben konnte, als
Brüssel. So stand das diesjährige Treffen der 125er/126er in Brüssel ganz im
Zeichen der großen europäischen Herausforderungen. Mehr als 70 Teilnehmer
folgten der Einladung in die europäische
Hauptstadt. Mit dem Hotel Amigo hatten
wir eine wunderbar zentral gelegene Herberge mit viel Charme, die auch von europäischen Spitzenpolitikern sehr gerne
genutzt wird.
Den Auftakt des Treffens bildete eine
Präsentation des Europäischen Kommissars für Digitalisierung Günther Oettinger. Er referierte über die „Digitalisierung
in der EU“. Besonders eindrucksvoll war
sein leidenschaftliches Plädoyer für ein
politisch weiteres Zusammenwachsen
Europas. In der lebhaften Diskussion im
Anschluss wurde auch die Griechenlandfrage thematisiert.
Die Vorträge und Diskussionen fanden in den Räumen von Elia statt, einem
belgischen Energiekonzern, der auch eine
Beteiligung an 50Hertz in Deutschland
hält. CEO François Cornelis berichtete
über die „Erfahrungen eines belgischen
Unternehmens mit der Akquisition einer
deutschen Beteiligung“. Der Schwerpunkt seiner Ausführungen lag auf der
Analyse des europäischen Energiesektors
in einer Zeit großer Veränderungen.
In diesem Zusammenhang sei Boris
Schucht herzlich gedankt, der die Kontakte zu Elia hergestellt und an vielen
Stellen das diesjährige Treffen großzügig unterstützt hat. Der erste Tag wurde
abgerundet durch ein Abendessen in der
schönen Brüsseler Altstadt, an dem Kommissar Oettinger ebenfalls teilnahm und
unsere Diskussion bereicherte.
Am nächsten Vormittag starteten wir
mit einem Impulsvortrag von Prof. Dr.
Lüder Gerken, der selbst Baden-Badener
(122. BBUG) ist und vielen BBUGs über
seine Vorträge bekannt ist. Er beleuchtete
den Themenkomplex „Was wird aus der
EU?“ und mahnte eindringlich
alle Beteiligten
zu mehr ökonomischer Disziplin. Zur Griechenlandfrage erläuterte der
Chef des Centrums für Europäische Politik, einem stiftungsbasierten Thinktank
zu europäischen Fragen, die ökonomischen Zusammenhänge.
Hendrik Abma, Director General der
European Semiconductor Industry Association, malte im Anschluss ein Bild der
„Europäischen Microelectronics Strategie“. Der Vortrag schloss nahtlos an die
Digitalisierungsdebatte des Vortags an,
bevor dann Wouter de Geest, CEO von
BASF Antwerpen, über die „Wirtschaftsstrukturen in Belgien“ sprach.
Danach traf man sich zu verschiedenen Thementouren in Brüssel, ein
exquisites Abendessen rundete den Tag
ab. Nach den erfüllten Diskussionen in
Brüssel schauen wir nun nach Vorne zu
unserer nächsten Station in Mai 2016 in
Stockholm.
Joachim Jäckle;
Christian Wojczewski; Klaus Meder
Die Zielauswahl für unser erstes selbst organisiertes Folgetreffen fiel recht leicht, konnten wir
es doch mit dem 60. Geburtstag
unserer BBUG in Baden-Baden
verbinden. Angesichts des zu erwartenden
großartigen Rahmens der Geburtstagsfeier haben wir uns mit unserem Treffen auf
das Wiedersehen und fröhliche Gespräche
in lockerem Umfeld und nettem Ambiente
fokussiert.
Zum Auftakt trafen wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse
von Schloss Eberstein, mit Blick über das
Murgtal und die vollkommen neu angelegten Weinberge des eigenen Weingutes.
Über diese konnten wir uns dann anschließend noch bei einer Führung informieren,
und manch einer nutzte die abschließende
Verkostung noch zum Erwerb flüssiger
Souvenirs. Die ganze Anlage des Schlosses und seiner Umgebung – mit einer fast
750-jährigen Geschichte – ist ein Beispiel
dafür, wie man mit kommerziellem Gespür und unternehmerischer Triebkraft
einem brachliegenden Kulturgut neues
Leben einhauchen kann.
Zum Abend hin fanden wir uns dann
im Theaterkeller des Hotels Dorint in
Baden-Baden ein, wo wir nach einem
gemeinsamen Dinner bis in den frühen
Morgen hinein zu heißen Rhythmen des
engagierten DJ kräftig die Puppen haben
tanzen lassen. Auch wenn man ob der
hochsommerlichen Temperaturen häufiger einmal nach draußen musste, so war
die Tanzfläche doch immer gut gefüllt.
Den Organisatoren eine Bestätigung,
dass so eine Komponente auch zukünftig
immer ihren Platz bei den Treffen haben
sollte.
Freitagvormittag waren wir dann zu
Gast bei der BASF im Ludwigshafener
Stammwerk. Selbst für gestandene „Industrievertreter“ schon beeindruckend,
wie man mit zigtausend Kilometern unterschiedlichster Rohrleitungen mitten in
„Öko-Deutschland“ nicht nur den Überblick, sondern auch seine Position als einer der Weltmarktführer im Bereich Chemie behält. Die BASF bot uns obendrein
noch einen Einblick in die kulturellen
Gepflogenheiten eines „deutschen Blue
Chip“ in Form eines genussvollen Essens verbunden mit einer Weinprobe des exzellenten
BASF-Weinkellers, ein Benchmark für höchste Weinkultur.
Wenn diese Weinprobe dann auch noch
vom Chef des Weinkellers, Bernhard
Wolff (Bild) persönlich in einer Dynamik
und Spritzigkeit präsentiert wird, die seinen Weinen um nichts nachsteht, was will
man dann noch mehr? In dem Moment
haben wohl viele Freunde – genauso wie
ich mir – gewünscht, viele solch motivierter Mitarbeiter und Führungskräfte im eigenen Team haben zu dürfen.
Erfüllt von einem beeindruckenden
Besuch, konnten wir dann Freitagnachmittag noch einmal kurz in den vielen
Freiluft-Cafés in Baden-Baden verschnaufen, bevor die große Geburtstagsfeier begann, für deren tolle Ausrichtung
auch wir alle der BBUG-Führung herzlich
danken.
Für unser Folgetreffen am 2. bis 5. Juni
2016 haben wir Barcelona ausgewählt und
die ersten Pläne des Organisationsteams
klingen schon sehr vielversprechend.
Stefan Jaenecke
Fotos: BBUG
128
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129
BBUG-FORTSETZUNGSGESPR ÄCHE
BBUG-FORTSETZUNGSGESPR ÄCHE
129./130. BBUG
IN LONDON
135./136. BBUG
IN BRÜSSEL
18. BIS 22. NOVEMBER 2015
14. BIS 18. OKTOBER 2015
Die klassischen Vorurteile gegenüber England sind:
die Engländer sind unhöflich, das Essen ist schrecklich und es regnet die meiste
Zeit. Trotz dieser wenig vielversprechenden Perspektiven fiel in diesem Jahr die Wahl für die Fortsetzungsgespräche der 129-130 auf London. Der
ersten Aussage muss ich widersprechen.
Im Gegenteil: Hier gibt es sie noch: die
Gentlemen. Darüberhinaus ist es eine,
für Deutsche, irritierende Eigenschaft der
Engländer Negatives niemals direkt auszudrücken. "I hear what you are saying“
bedeutet nicht etwa „ja, sehe ich auch
so", sondern, "das ist ausgemachter Blödsinn". Während der Deutsche bei der Bemerkung „we should have dinner“ sofort
den Terminkalender zieht, bedeutet das
bei den Engländern nicht mehr als eine
weitläufige Sympathiebekundung. Die
Beurteilung des Essens sei jedem selbst
überlassen. Allerdings das Wetter erfüllte
alle gängigen Vorurteile. Auf der Erwartungsskala 100 Punkte. Die Gespräche
zeichneten sich durch qualitativ hochwertige und thematisch breit gestreute
Inhalte aus. Nach einer Einführung in
die Energie Technologie durch BP, ging
es weiter mit einem witzigen Vortrag zur
Re-Industrialisierung. Daran anschliessend diskutierten wir die Auswirkungen eines Brexits. Der Vortrag von Julia
Middleton über kulturelle Intelligenz bot
für jeden von uns Denkstoff. Core oder
Flex war hier die Frage. Weiter ging es
mit Themen zur britischen Gesellschaft
in Form von Vor-Ort-Gesprächen. Der
zweite Tag lag vormittags im Zeichen der
Finanzwelt. Nicht nur Regulation, sondern auch Fintec werden herkömmliche
Bankenmodelle massiv verändern und in
Frage stellen. Auch der Nachmittag stand
unter dem Thema Veränderungen. Der
Besuch von „The Crystal“, ein Projekt der
Firma Siemens in Bezug auf nachhaltiges
Bauen, eröffnete uns aber nicht nur die
Augen hinsichtlich zukünftiger Stadtgestaltung. Die Einstellung und Erwartungen an Arbeit und damit einhergehend
die Anforderungen an die Gestaltung
des Arbeitsplatzes hat sich
seit der Generation X massiv
verändert. Wohin die Reise
geht, haben wir Dank der
Firma TP Bennet erfahren.
Veränderungen machen aber
auch (erfreulicherweise !) nicht vor der
britischen Infrastruktur halt. Welche Probleme es macht eine solche multikulturelle Stadt zu erneuern und regieren brachte
uns auf witzige Weise Sir Robin Wales,
der Bürgermeister von Newham, nahe.
Sieht man von dem schottischen Akzent
ab, der für viele schwer zu verstehen war,
war dies ein bemerkenswerter Vortrag,
der viel über die Engländer aussagt, die
offenbar nichts für mainstream Politiker
übrig haben. "He is a character" ist hier
positiv gemeint. Abends konnten wir uns
dann für Shakespeare oder Vivaldi entscheiden. Die Qual der Wahl.
Am Samstag luden Streetart, die Royals oder Architektur dazu ein dieser Stadt
noch ein wenig näher zu kommen. Abgerundet wurde der Tag durch ein gemeinsames Abendessen in „The old Bank of
England“. Einfach perfekt!
Kirsten Sänger
Vom 14. bis 18. Oktober 2015 vereinigten sich zwei Jahrgänge der BadenBadener Unternehmer Gespräche (135.
und 136.) erstmals. So viel vorweg: Die
Vereinigung ist gelungen – die Neugier
und die Freude am Austausch führten
uns zueinander. Die Jahrgangsherkunft war schnell verblasst.
Als Resonanzboden der Vereinigung diente nicht mehr und nicht
weniger als die „Hauptstadt Europas“
– Brüssel. Folgerichtig standen die
ersten beiden Tage im Zeichen der
Diskussion über die Zukunft und die
aktuellen Herausforderungen unseres Kontinents. Es bleibt ein in Teilen
verstörendes Bild aus Bürokratiegläubigkeit und Hilflosigkeit, gleichzeitig
jedoch auch Optimismus und Stolz
auf das Erreichte in der Entwicklung
der europäischen Institutionen zurück.
Unterschiedlichste Protestkundgebungen, zum Beispiel von Landwirten und
Medizinstudenten, waren ein steter
Begleiter in Brüssel.
In der Landesvertretung BadenWürttemberg beeindruckten insbesondere die inspirierenden Vorträge von
Helga Schmid (Stellvertretende Generalsekretärin des Europäischen Auswärtigen Dienstes) über die jüngsten
Iranverhandlungen sowie von Selim
Yenel (türkischer Botschafter bei der
Europäischen Union) über das ambivalente Verhältnis der EU zur Türkei.
Die epochale Herausforderung der
Flüchtlingsfrage zog sich als roter Faden durch den Diskurs.
Thematische Vor-Ort-Besuche in
Brüssel sowie Ausflüge wahlweise nach
Gent und Lüttich prägten die zweite
Hälfte des Folgegesprächs. Eine Lernerfahrung ist: Wo sich in Brüssel die
politische Macht ballt, gleichen Gent
und Lüttich dies durch ihren städtischen Charme aus. Ein Besuch kann
uneingeschränkt empfohlen werden.
Veredelt hat die Zeit das gesellige
Beisammensein. Dass wir uns an einem
Abend – ausgerechnet in Brüssel – auf
einem Oktoberfest wiederfanden, wird
sicherlich auch in Erinnerung bleiben.
Unser Dank an das BBUG-Team für die
hervorragende Vorbereitung sei an dieser Stelle noch einmal betont.
Cornelius Riese
Fotos: BBUG
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DIE NEUEN VORSTÄNDE
DR. RER. NAT. VOLKMAR DENNER
In ihrer letzten Sitzung hat die Mitgliederversammlung des BBUG e.V. turnusgemäß einen neuen Vorstand für die Wahlperiode 2015 - 2020 gewählt. Der ehemalige Hauptgeschäftsführer des BDI, Werner Schnappauf, wechselte ins Kuratorium
des Vereins. Franz Fehrenbach hat sich nicht zur Wiederwahl aufgestellt. Martin Blessing (Commerzbank), Kurt Bock (BASF),
Christoph Franz (Roche Holding), Susan von Heill (Faustmann & Rodenkirchen), Karl-Ludwig Kley (Merck), Peter Leibinger
(Trumpf), Stephan Leithner (ehem. Deutsche Bank), Wilfried Porth (Daimler) und Siegfried Russwurm (Siemens) wurden als
Vorstände bestätigt. Markus Kerber ist als amtierender Hauptgeschäftsführer des BDI geborenes Mitglied des Vorstands.
Neu gewählt wurden fünf weitere Alumni der BBUG, die wir Ihnen auf dieser Seite kurz vorstellen:
Seit 1. Juli 2012 Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Zudem ist er zuständig
für die Gesellschaften Bosch Software Innovations GmbH, Robert Bosch Healthcare Telemedicine Systems Inc. und Bosch Healthcare Solutions GmbH.
Nach dem Abitur 1975 studierte Volkmar Denner Physik an der Universität Stuttgart und legte 1981
das Diplomexamen ab. Nach einem Forschungsaufenthalt in den USA promovierte er 1985 an der Universität Stuttgart in Physik zum Dr. rer. nat.
Zu seinen vielen Stationen der Bosch-Gruppe war Volkmar Denner u.a. Entwicklungsleiter Motorsteuergeräte sowie in Personalunion Produktmanager Motorsteuergeräte und Geschäftsleiter Verkauf und Entwicklung im Geschäftsbereich Halbleiter
und elektronische Steuergeräte. In 2006 wurde Volkmar Denner in den Vorstand berufen. Er ist Mitglied des Vorstands des
VDA (Verband der Automobilindustrie), Beirat in der RA Rohstoffallianz GmbH sowie Vorsitzender der Vereinigung der
Freunde der Universität Stuttgart. Volkmar Denner ist verheiratet und hat drei Kinder.
WERNER BAUMANN
Seit 1. Januar 2010 Mitglied des Vorstands der Bayer AG. Seit dem 1. Oktober 2014 ist er zuständig für
die Bereiche Strategie und Portfoliomanagement und darüber hinaus für die Region Europa. Seit dem
1. April 2015 ist Baumann auch Vorsitzender des Vorstands der Bayer HealthCare AG.
Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Aachen und Köln trat Werner Baumann 1988 in
die Bayer AG ein. In Leverkusen übernahm er seine ersten Aufgaben im Ressort Konzernfinanzen. 1991
ging er als Controller zur Bayer Hispania Comercial nach Barcelona, Spanien. Hier wurde er 1995 Assistent der Geschäftsführung. Ein Jahr später wechselte Baumann zur Bayer Corporation nach Tarrytown,
USA. Dort leitete er zuletzt die globale Organisation Business Planning & Administration für den Geschäftsbereich Diagnostika.
Im Juli 2002 kehrte Baumann nach Deutschland zurück und wurde Mitglied des Executive Committees und Leiter Central Administration & Organization von Bayer HealthCare. Im Oktober 2003 erfolgte die Berufung in den Vorstand des neu gegründeten
Teilkonzerns Bayer HealthCare AG, wo er außerdem die Funktion des Arbeitsdirektors innehatte. Zudem begleitete er als Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor von Bayer Schering Pharma von 2006 bis September 2009 die Integrationsphase des Unternehmens in den Teilkonzern. Bis zum 1. Oktober 2014 war Baumann Finanzvorstand der Bayer AG. Werner Baumann ist verheiratet
und hat vier Kinder.
DR. CHRISTINE BORTENLÄNGER
Seit 2012 Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts e.V. Frankfurt.
Nach einer Banklehre bei der Bayerischen Vereinsbank AG studierte Christine Bortenlänger Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München mit den Schwerpunkten
Bankbetriebswirtschaftslehre und Systemforschung. In 1996 promovierte sie zum Thema „Börsenautomatisierung – Effizienzpotenziale und Durchsetzbarkeit“.
Christine Bortenlänger begann ihre Berufskarriere an der Deutschen Forschungsgemeinschaft in
1994 als Projektleiterin eines internationalen Forschungsprojekts zum Themenkreis „Elektronische Märkte“. Bevor sie zur öffentlich-rechtlichen Börse München wechselte, war sie Projektverantwortliche für Electronic Commerce in der Bayerischen
Landesbank in München und Projektleiterin für Strategie- und Organisationsprojekte im Finanzdienstleistungsbereich bei Dr.
Seebauer & Partner in München. In 1998 wurde sie stellvertretende Geschäftsführerin der öffentlich-rechtlichen Börse München
und in 2000 Geschäftsführerin. Gleichzeitig wurde sie in den Vorstand der Bayerischen Börse AG berufen. Mit Wirkung vom
September 2012 wurde sie zum Vorstand des Deutschen Aktieninstituts e.V. in Frankfurt ernannt. Christine Bortenlänger ist
verheiratet und hat drei Kinder.
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PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016
RALF W. DIETER
Seit 1. Januar 2005 in den Vorstand der Dürr AG berufen und seit 1. Januar 2006 Vorstandsvorsitzender.
Nach Abschluss seines Studiums der Volkswirtschaftslehre trat Ralf Dieter in die DAT AG, Ratingen, ein,
wo er verschiedene Führungspositionen innehatte. Ab 1995 arbeitete er als Manager bei IBM in Deutschland
und Frankreich. 1999 wurde er Vorsitzender der Geschäftsführung der Carl Zeiss Industrielle Messtechnik
GmbH, Oberkochen. Im Mai 2003 trat Ralf Dieter als Vorstandsvorsitzender der Tochtergesellschaft Carl
Schenck AG (Darmstadt) in den Dürr-Konzern ein. In dieser Funktion verantwortete er die tief greifende
Restrukturierung der Schenck-Gruppe. Ralf Dieter ist verheiratet und hat keine Kinder.
CARSTEN SPOHR
Seit 1. Mai 2014 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG.
Nach seinem Studium zum Diplom-Wirtschaftsingenieur an der Universität Karlsruhe erwarb Carsten
Spohr die Verkehrspiloten-Lizenz an der Lufthansa Verkehrsflieger-Schule in Bremen und Phoenix und
danach absolvierte er als Mitglied der zentralen Nachwuchsgruppe das Trainee-Programm der Deutschen Aerospace AG, München.
1994 kehrte Carsten Spohr zur Deutschen Lufthansa zurück und übernahm zunächst die Leitung des
zentralen Personalmarketings. Ab 1995 war er als Referent des Vorstandsvorsitzenden tätig, bis er 1998 die Verantwortung
für die regionalen Partnerschaften der Lufthansa in Europa übernahm. 2000 wurde Carsten Spohr die Leitung des AllianzManagements der Deutschen Lufthansa übertragen. Darüber hinaus übernahm er 2003 die Verantwortung für die PassageStrategie und die Passage-Beteiligungen der Deutschen Lufthansa. Im Oktober 2004 wurde Carsten Spohr in den Bereichsvorstand der Lufthansa Passage Airlines berufen. Mit Wirkung vom 15. Januar 2007 wurde Carsten Spohr zum Vorsitzenden
des Vorstandes der Lufthansa Cargo AG ernannt. Ab 1. Januar 2011 war er Mitglied des Vorstandes der Deutschen Lufthansa
AG und Vorsitzender des Lufthansa Passage-Vorstandes. Carsten Spohr ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern.
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BBUG INTERN
BBUG INTERN
EHRENDES GEDENKEN
Unsere Verstorbenen des Jahres 2015*
sowie Nachmeldungen vergangener Jahre
Augter, Harald (85)
Baur, Walter (35)
Bürk, Erhard (31)
Commes, Max-Theodor (45)
Drögemüller, Frieder (68)
Dyckerhoff, Klaus (12)
Edin, Robert (82)
Erbacher, Hermann (80)
Feit, Dietrich (18)
Frhr. von Weizsäcker, Richard (6)
Friesecke, Walter (7)
Funke, Werner (18)
Geitmann, Hans-Peter (51)
Göhring, Hans-Ulrich (45)
Gottschaller, Manfred J. (85)
Grohmann, Johannes (64)
Habbel, Wolfgang R. (29)
Hambeck, Kurt (45)
Hoessrich, Ingrid (68)
Klebe, Hans (39)
Krätzer, Hans (74)
Kremers, Dieter (28)
Lamb, Fritz (30)
Leysen, André (38)
Madaus, Jürgen (56)
Meyer, Willi (37)
Middelmann, Ulrich (77)
Monning, Wolfgang (101)
Nieland, Helmut (28)
Pfaff, Dieter (105)
Pfeiffer, Klaus Peter (81)
Pöppinghaus, Klaus (25)
Reiss, Jürgen (49)
Reschop, Hartleff (17)
Rick, Manfred (54)
Rodenbeck, Werner (67)
Roos, Hermann (63)
Rothe, Oleg (20)
Schauhoff, Herbert (25)
Schild, Rudolf (22)
Schmidt, Hans-Albert (70)
Schneider, August (43)
Schram, Armin (28)
Schumann, Wolfgang (80)
Sigle, Rolf (10)
Trautner, Richard (51)
vom Bruck, Karl (29)
von Seidel, Alexander (7)
Weiss, Rainer (77)
Wilke, Gerhard (31)
Willers, Hans Georg (5)
Willuhn, Dietrich (10)
Windscheid, C. F. Otto (19)
Zimmer, Horst (15)
* soweit bei Redaktionsschluss bekannt geworden; BBUG-Nr. in Klammern
134
PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016
ORGANISATION UND GREMIEN
Mitglieder
Die Baden-Badener Unternehmer Gespräche werden rechtlich und finanziell getragen von dem gleichnamigen gemeinnützigen Verein,
der 1955 gegründet wurde. Zu seinen Mitgliedern zählen rund 120 der bedeutendsten Unternehmen vornehmlich der Industrie sowie
Banken und Versicherungen, Unternehmen aus Handel, Verkehr, Medien und Kommunikation. Zusammen repräsentieren sie das Rückgrat
des Wertschöpfungsnetzwerks der deutschen Volkswirtschaft.
Vorstand (Wahlperiode: Mai 2010 bis Mai 2015)
Senator E.h. Dr. h.c. Horst WEITZMANN, Badische Stahlwerke GmbH, Kehl (Ehrenvorsitzender)
Dr. Karl-Ludwig KLEY, Vorsitzender der Geschäftsleitung, Merck KGaA, Darmstadt (Vorsitzender)
Dr. Kurt BOCK, Vorsitzender des Vorstands, BASF SE, Ludwigshafen (Stellvertreter des Vorsitzenden)
Dr. Stephan LEITHNER, (Schatzmeister)
Werner BAUMANN, Mitglied des Vorstands, Bayer AG und Vorsitzender des Vorstands Bayer HealthCare AG, Leverkusen
Martin BLESSING, Vorsitzender des Vorstands, Commerzbank AG, Frankfurt a.M.
Dr. Christine BORTENLÄNGER, Geschäftsführender Vorstand, Deutsches Aktieninstitut e.V., Frankfurt a.M.
Dr. rer. nat. Volkmar DENNER, Vorsitzender der Geschäftsführung, Robert Bosch GmbH, Gerlingen
Ralf DIETER, Vorsitzender des Vorstands, Dürr AG, Bietigheim
Dr. Christoph FRANZ, Präsident des Verwaltungsrats, Roche Holding, Basel
Dipl.-Kfm. Susan VON HEILL, Geschäftsführerin, Faustmann & Rodenkirchen, Duisburg
Dr. Markus KERBER, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Präsidiums, BDI, Berlin
Dr.-Ing. E.h. Peter LEIBINGER, Geschäftsführender Gesellschafter, Trumpf GmbH & Co. KG, Ditzingen
Wilfried PORTH, Mitglied des Vorstands, Daimler AG, Stuttgart
Prof. Dr. Siegfried RUSSWURM, Mitglied des Vorstands, Siemens AG, Erlangen
Dipl.-Wirtsch.-Ing. Carsten SPOHR, Vorsitzender des Vorstands, Deutsche Lufthansa AG, Frankfurt a.M.
Kuratorium
Kerstin ANDREAE, MdB, Stellv. Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen, Berlin
Burkhard BALZ, MdEP, EVP-Fraktion (Christdemokraten), Brüssel
Prof. Dr. Dr. Andreas BARNER, Vorsitzender der Unternehmensleitung, Boehringer Ingelheim GmbH, Ingelheim
Jürgen BERTSCH, ehem. Geschäftsführer, Baden-Badener Unternehmergespräche, Carlsberg
Dr. Marijn DEKKERS, Vorsitzender des Vorstands, Bayer AG, Leverkusen
Dr. Klaus ENGEL, Vorsitzender des Vorstands, Evonik Industries AG, Essen
Dipl.-Wirtsch.-Ing. Franz FEHRENBACH, Vorsitzender des Aufsichtsrats, Robert Bosch GmbH, Gerlingen
Jürgen FITSCHEN, Ko-Vorsitzender des Vorstands, Deutsche Bank AG, Frankfurt a.M.
Ulrich GRILLO, Präsident, Bundesverband der Deutschen Industrie e.V., Berlin
Dr. Rüdiger GRUBE, Vorsitzender des Vorstands, Deutsche Bahn AG, Berlin
Dipl.-Ing. Franz HANIEL, Vorsitzender des Aufsichtsrats, Franz Haniel & Cie. GmbH, Duisburg
Dr.-Ing. Heinrich HIESINGER, Vorsitzender des Vorstands, ThyssenKrupp AG, Essen
Joe KAESER, Vorsitzender des Vorstands, Siemens AG, München
Dipl.-Wirtsch.-Ing. Ingo KRAMER, Präsident, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Berlin
Harald KRÜGER, Vorsitzender des Vorstands, BMW AG, München
Bill McDERMOTT, Sprecher des Vorstands, SAP SE, Walldorf
Dr. Georg PACHTA-REYHOFEN, Sprecher des Vorstands, MAN SE, München
Kasper RORSTED, Vorsitzender des Vorstands, Henkel AG & Co. KGaA, Düsseldorf
Wolfgang SCHMIDT, Staatsrat (SPD), Freie und Hansestadt Hamburg
Dr. Werner SCHNAPPAUF, Senior Advisor, Bank of America Merrill Lynch, Berlin
Dr. Eric SCHWEITZER, Präsident, Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V., Berlin
Frank-Jürgen WEISE, Vorsitzender des Vorstands, Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Martin WINTERKORN, ehem. Vorsitzender des Vorstands, Volkswagen AG, Wolfsburg
Dr. Dieter ZETSCHE, Vorsitzender des Vorstands, Daimler AG, Stuttgart
Geschäftsführung
Frank TRÜMPER, Telefon (07221) 97 89 0, E-Mail: [email protected]
PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016
135
DAS WIRD WICHTIG 2016
HAUPTGESPR ÄCHE
101. /102. BBUG 17.03.-20.03.
Buenos Aires
Baden-Baden
103./104. BBUG 16.09.-18.09.
Nabburg/Regensburg
Baden-Baden
105./106. BBUG 05.05.-08.05.
Tegernsee
107./108. BBUG 26.05.-29.05.
Taormina/Sizilien
Heidelberg
109./110. BBUG 26.05.-29.05.
Brüssel
Schleswig
111./112. BBUG 05.05.-08.05.
Paris
Saale/Unstrut
113./114. BBUG 26.05.-29.05.
Wien
57./58. BBUG 08.09.-11.09.
Trier
119./120. BBUG 08.09.-11.09.
Essen
59./60. BBUG 21.04.-24.04.
Köln
121./122. BBUG 05.05.-08.05.
München
63./64. BBUG 08.05.-10.05.
Stuttgart
123./124. BBUG NN
Graz
65./66. BBUG 05.06.-08.06.
Kassel
125./126. BBUG Mai
Stockholm
67./68. BBUG 22.09.-25.09.
Anholter Schweiz
127./128. BBUG 02.06.-05.06.
Barcelona
NN
129./130. BBUG 10.06.-12.06.
Wien
138. BBUG 28.02. bis 18.03.
139. BBUG 18.09. bis 07.10.
FOLGETREFFEN
45./46. BBUG Herbst
47. BBUG Herbst
49./50. BBUG Mai
69. BBUG Oktober
70. BBUG 05.06.-08.06.
Edinburgh/Schottland
FORTSET ZUNGSGESPR ÄCHE
München
131./132. BBUG 04.05. -08.05.
Istanbul
73. BBUG 13.09.-16.09.
Salzburg
133./134. BBUG 25.05.-29.05.
Madrid
74. BBUG 05.06.-08.06.
Fulda
135./136. BBUG 08.06.-12.06.
Rom
75. BBUG 22.05.-25.05.
Rügen/Stralsund
137./138. BBUG 19.10.-23.10.
Berlin
76. BBUG 23.05.-25.05.
Ruhrgebiet
71./72. BBUG 01.09.-04.09.
79./80. BBUG 22.09.-25.09.
Danzig
81./82. BBUG 15.09.-18.09.
Berlin
83. BBUG 23.09.-25.09.
Krakau
84. BBUG Juni
Dublin
85./86. BBUG 28.04.-01.05.
Berlin
87./88. BBUG 09.06.-12.06.
Amsterdam
89./90. BBUG 08.09.-11.09.
Leverkusen/Köln
91./92. BBUG 19.05.-22.05.
Dresden
96. BBUG 02.06.-05.06.
97./98. BBUG 05.05.-08.05.
99./100. BBUG September
Ludwigsburg
Köln/Aachen
Rom
REGIONALKREISE
RK
24.02. Frühjahr 2015
RK Bayern
Hannover
München
EON
Rhein-Main
RKRK
Rhein-Main
15.02.; 14.03.; 11.04.;
09.05.; 13.06.; 11.07.;
12.09.; 10.10.; 07.11.;
05.12.
RKRK
Zürich/Schweiz
10.03. März
Zürich/Schweiz
23.06. Juni
September
03.11.
Deutsche
Botschaft
Galenica
AG Berlin
AG / ETH
Zürich
NeueCereneo
Zürcher Zeitung
(NZZ)
Victorinox AG
Benefizkonzert
Weitere RK-Termine rufen Sie bitte über das BBUG-Intranet ab.
M I TG L I E D E R V E R S A M M L U N G
13.05.
Baden-Baden
TEILNEHMERBRIEF
WICHTIGER HINWEIS: Beiträge mit digitalen Fotos sind willkommen. Bitte beachten Sie die für den Druck notwendige hohe
Bildauflösung. Beim Speichern der Fotos verwenden Sie bitte die maximale JPG-Bildqualität. Der Textumfang ist auf 2.000 bis 2.500
Zeichen beschränkt, damit Raum für wenigstens ein Foto bleibt. So vermeiden wir unliebsame Kürzungen.
Redaktionsschluss 01.11.2016
136
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ZU GUTER LETZT
BERICHTE VON DEN FOLGETREFFEN –
WARUM UND FÜR WEN?
In seinem Bericht über das Folgetreffen des 57./58. BBUG (siehe S. 93) wirft
Herr Müller-Elschner die Frage auf, für
wen und warum diese Berichte eigentlich
verfasst werden sollen. Ich will diese Frage
aufgreifen, weil sie ins Herz dessen zielt,
worum es bei den BBUG insgesamt geht.
Von Anfang wirken wir darauf hin,
dass aus der ersten Begegnung der Teilnehmer im Hauptgespräch in Baden-Baden ein „familiärer“ Freundeskreis wird,
wie Herr Müller-Elschner es formuliert
(und was ja auch der Erfahrung der allermeisten BBUG-Gruppen entspricht). Zugleich erschöpft sich die BBUG nicht im
„Familiären“ oder, neudeutsch, im „Netzwerken“. Bei den BBUG geht es um den
Beitrag heutiger, zukünftiger – und ehemaliger! – Wirtschaftsführer für die Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft
insgesamt. Deswegen überrascht es mich
nicht, dass solche Fragen wie die in dem
Bericht des 57./58. BBUG (leider nur andeutungsweise) erwähnte Problematik des
Länderfinanzausgleichs oder der Migration bei BBUG-Folgetreffen wie diesem
intensiv diskutiert werden.
Warum aber darüber berichten? Im
besten Falle aus zwei meines Erachtens
für die BBUG sehr wesentlichen Gründen:
Gegen weitverbreitete Vorurteile signalisieren diese Berichte immer wieder höchst
eindrucksvoll die Ernsthaftigkeit, die Verbindlichkeit und das Verantwortungsbewusstsein der ansonsten ja viel gescholtenen „Manager“. BBUGler verbinden sich
nicht miteinander, um Spaß miteinander
zu haben oder den gegenseitigen Vorteil
zu suchen, sondern um sich gemeinschaftlich mit den drängenden Fragen ihrer Zeit
auseinanderzusetzen und aus ihrem Handlungskreis heraus einen Beitrag zu leisten.
Frank Trümper, Geschäftsführer der
Baden-Badener Unternehmer Gespräche
Zweitens aber dokumentieren und
„archivieren“ diese Berichte auch für uns,
die BBUG selbst, über den Verlauf vieler
Jahre, was uns eigentlich beschäftigt und
bewegt hat, welche Probleme wir ernst genommen (und welche, im Rückblick, vielleicht auch zu ernst) und welche wir sträflicherweise ignoriert oder unterschätzt
haben - vom Waldsterben (wer erinnert
sich noch?) über Wettbewerbsfähigkeit bis
hin zu den aktuellen Wanderungsbewegungen.
Wenn Sie sich also als Berichterstatter Ihrer Gruppe das nächste Mal fragen,
was und für wen Sie eigentlich schreiben,
dann denken Sie nicht nur an Ihre Gruppe, sondern an alle BBUG-Alumni und
auch an die vielen externen Leser. Was
interessiert Sie, welche Fragen haben Sie
bewegt. Was waren die zentralen Themen
und kontroversen Meinungen in der Gruppe? Welcher Gesprächspartner hat Sie –
warum? – beeindruckt und welche neuen
Einsichten oder Perspektiven auf ein Problem haben Sie gewonnen? So bekommen
wir ein Bild davon, was uns beschäftigt
– und immer wieder eine neue Ermunterung, uns den unbequemen Themen unserer Zeit „unternehmerisch“ zu stellen.
Mit herzlichem Gruß
Ihr Frank Trümper
IMPRESSUM
Herausgeber
Frank Trümper
Baden-Badener Unternehmer Gespräche
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PAL AIS B IRON NR . 22 | WINTER 2016
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