Rede von Dr. Klaus Patzak, Finanzvorstand

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Hauptversammlung der OSRAM Licht AG
Dr. Klaus Patzak
Finanzvorstand OSRAM Licht AG
Internationales Congress Center München, 16. Februar 2016
Es gilt das gesprochene Wort
OSRAM Licht AG
Marcel-Breuer-Straße 6, 80807 München, Deutschland
Corporate Communications & Brand Strategy
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Sehr geehrte Damen und Herren,
auch ich darf Sie herzlich begrüßen und freue mich, Ihnen über unser erfolgreiches
Geschäftsjahr 2015 aus Sicht des Finanzvorstandes zu berichten.
Das letzte Jahr hat erneut gezeigt, dass sich die Lichtindustrie in einem raschen Wandel
befindet – und dass Osram seine führende Position erfolgreich behaupten kann! In
diesem Transformationsprozess ist es wichtig, die Interessen aller Beteiligten im Blic k
zu behalten. Aus Sicht eines Finanzvorstandes sind zunächst Sie, die Aktionärinnen und
Aktionäre, von besonderer Bedeutung.
Lassen Sie mich daher gleich zu Beginn eines klarstellen: Ich bin mit der Entwicklung
des Aktienkurses nicht zufrieden. Wir wissen, dass auch Sie von den Kurseinbußen seit
November enttäuscht sind. Unsere Aktie hat zwar – wie bereits gehört – im Kalenderjahr
2015 einen Kursanstieg von 18 Prozent erzielt und damit in etwa so viel gewonnen wie
der MDAX. Dennoch sind wir vom Höchststand unserer Aktie von gut 54 Euro aus dem
August 2015 derzeit weit entfernt und dies obwohl die operative Performance des
Unternehmens erneut verbessert werden konnte.
Der Vorstand nimmt die Kursentwicklung aber als Ansporn auf. Wir werden mit unseren
Investoren intensiv über die zukünftige Ausrichtung sprechen. Nicht nur heute auf der
Hauptversammlung, sondern auch in den nächsten Wochen und Monaten.
Meine Damen und Herren,
der Lichtmarkt wächst und bietet Osram deshalb gute Wachstumschancen.
Entscheidend ist, sich auf die Teilmärkte zu fokussieren, die Osram ein nachhaltig
profitables Wachstum und ein attraktives Chancen- und Risikoverhältnis eröffnen. Wir
haben hierfür finanziell eine gute Grundlage geschaffen, um aus eigener Kraft unsere
Position im Wettbewerb auszubauen. Und wir werden alles tun, um durch eine
erfolgreiche Geschäftsentwicklung zu überzeugen!
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In diesem Sinne kann ich Ihnen für das Geschäftsjahr 2015 Geschäftszahlen vorlegen,
die aus Sicht eines Finanzvorstandes sehr erfreulich sind:

Der Umsatz konnte nominal kräftig um 8,4 Prozent auf gut 5,5 Milliarden Euro
gesteigert werden. Ohne Berücksichtigung von Währungs- und Portfolioeffekten
entspricht das in etwa dem Vorjahresniveau. Wir haben also den
fortschreitenden Rückgang im Geschäft mit traditionellen Lampen und Leuchten
durch ein Wachstum bei LED-Komponenten und LED-Produkten ausgleichen
können.

Der Anteil des LED-Geschäfts am Gesamtumsatz machte im Geschäftsjahr 2015
43 Prozent aus und Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2016 liegen wir
bereits bei 46 Prozent. Das zeigt, dass Osram in der Transformation des
Unternehmens vorankommt.

Die bereinigte EBITA-Marge, also das operative Ergebnis vor Sonderthemen,
liegt mit 10,2 Prozent deutlich über dem Vorjahr und erreicht den höchsten Wert
seit der Abspaltung.

Nach Sonderthemen und Steuern ergibt sich auf Konzernebene ein Nettogewinn
von gut 171 Millionen Euro. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr zwar einen
Rückgang von rund 22 Millionen Euro. Dieser Rückgang ist aber ausschließlich
auf Sonderbelastungen aufgrund der Transformation von Osram zurückzuführen.
Hier haben wir im Geschäftsjahr 2015 239 Millionen Euro aufgewendet. Es ging
dabei vor allem darum, die notwendigen Anpassungen bei der Beschäftigung
sozial verträglich durchzuführen. Dies ist uns im Geist einer fairen
Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretungen gelungen. Hierfür möchte
ich mich herzlich bedanken!

Der freie Mittelzufluss, der so genannte Free Cash Flow, erreichte im
Geschäftsjahr 2015 299 Millionen Euro. Damit konnte der starke Wert des
Vorjahres nochmals übertroffen werden. Und dies, obwohl wir unsere
Investitionen gesteigert haben, aufgrund der Transformation erhebliche Cash Abflüsse schultern mussten und unsere Pensionsfonds durch eine erste
Sonderdotierung gestärkt haben.
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
Der hohe Mittelzufluss aus dem Geschäft stärkt unsere gute Finanzposition. Per
30. September 2015 konnten wir vermelden, dass Osram über eine Nettoliquidität
von 641 Millionen Euro verfügt. Auch unter Berücksichtigung der
Pensionsverbindlichkeiten ist das Unternehmen schuldenfrei.
Und diese gute Entwicklung hat sich auch zu Beginn des neuen Geschäftsjahres
fortgesetzt:

Osram konnte im ersten Quartal ein Wachstum von nominal 6 Prozent
verzeichnen. Auch ohne Währungseffekte ergibt sich noch ein leichtes
Umsatzplus von 0,4 Prozent. Die Rückgänge im Geschäft der traditionellen
Allgemeinbeleuchtung konnten wir damit also erneut ausgleichen.

Die operative Profitabilität lag mit 11,8 Prozent im ersten Quartal über dem
schon hohen Wert des Vorjahres. Hierbei haben uns eine gute Autokonjunktur in
den USA und eine Verbesserung in China ebenso geholfen wie hohe
Lizenzeinnahmen und Kostendisziplin. Wegen der Saisonalität des
Lichtgeschäfts und anziehender Investitionen wird sich die Profitabilität im
zweiten Halbjahr zwar abschwächen. Wir starten aber von einem guten
Fundament aus in das weitere Jahr.

Auch die positive Finanzentwicklung hat sich fortgesetzt.
Wir haben eine weitere Sonderdotierung in unsere Pensionsfonds von rund 100
Millionen Euro vorgenommen. Trotzdem konnte die bilanzielle Nettoliquidität weiter
gesteigert werden.
Meine Damen und Herren,
Osram hat seine Liquiditätsposition seit dem Spin-off um ca. 1 Milliarde Euro verbessert.
Ich denke, Sie stimmen mir zu: Osram ist ein gutes Geschäftsjahr 2015 und ein starkes
erstes Quartal 2016 gelungen. Wir können so aus einer Position der Stärke agieren und
den Wandel in der Lichtindustrie aktiv mitgestalten.
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Meine Damen und Herren,
was sind aus Sicht des Finanzvorstandes die Gründe für unsere robuste Entwicklung in
den letzten Geschäftsjahren und im ersten Quartal? Ich möchte drei Faktoren nennen,
die Osram in den letzten Jahren vorangebracht haben und die auch in Zukunft relevant
sein werden:
Erstens haben wir von unserer starken Stellung bei Automobil- und Industriekunden
profitiert, es aber auch geschafft die Profitabilität im traditionellen Lampengeschäft bei
sinkendem Umsatz auf einem guten Niveau zu halten.
Zweitens haben wir weiter auf die Steigerung unserer operativen Produktivität geachtet
und Kostendisziplin geübt. Alle Geschäftseinheiten haben das Push-Programm
konsequent umgesetzt. Erneut konnten wir so Preisrückgänge, Veränderungen im
Produktmix und Investitionen in neue Produkte durch Produktivitätssteigerungen
ausgleichen. Auch unser „Lean Headquarter“-Programm und die Global Shared
Services-Initiative leisten hier einen wichtigen Beitrag. Aber es sind vor allem unsere
Mitarbeiter und Führungskräfte, die täglich über den verantwortungsvollen Umgang mit
dem Geld des Unternehmens entscheiden. Sie alle haben hier ein großes Lob verdient!
Drittens – und das ist für einen Finanzvorstand natürlich auch sehr wichtig - haben wir
unser Asset Management weiter verbessert. So konnte das Nettoumlaufvermögen durch
konsequentes Management von Vorräten und Verbindlichkeiten per 30. September
2015 trotz eines steigenden Umsatzes um 6 Prozent reduziert werden. Gerade in
strukturell rückläufigen Geschäften wie der traditionellen Allgemeinbeleuchtung ist das
von großer Bedeutung. Wir werden hierauf auch in Zukunft weiter achten, denn Asset
Management ist ein wichtiger Hebel, um die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens
zu stärken.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Osram hat im Geschäftsjahr 2015 seine Stärken unter Beweis gestellt. Unsere
operativen Ergebnisse sind gut. Der LED-Anteil am Umsatz wächst. Und der Wandel
unseres Produktportfolios kommt voran.
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Auch die Bilanz des Unternehmens ist sehr solide. Die Eigenkapitalquote konnte im
Verlauf des Geschäftsjahres von 51 Prozent auf über 52 Prozent gesteigert werden.
Ende des ersten Quartals ist uns eine weitere Verbesserung auf 55 Prozent gelungen.
Das Grundkapital der Gesellschaft beträgt dabei unverändert gut 104,6 Millionen Euro,
eingeteilt in ebenso viele nennwertlose Stückaktien. Seit der Abspaltung haben wir
keine neuen Aktien ausgegeben, also von den bedingten und genehmigten Kapitalia
keinen Gebrauch gemacht.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
auch beim notwendigen Umbau unseres Portfolios konnten wir Fortschritte erzielen.
Neben der noch abzuschließenden Verselbständigung des Lampengeschäfts ist aus
Finanzsicht vor allem der Verkauf der Beteiligung an Felco mit einer Ergebniswir kung
von ca. 270 Millionen Euro ein großer Erfolg.
Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren direkt von dieser Entwicklung. So
haben wir im Vorgriff auf den Felco-Sondererlös bereits im vierten Quartal des
Geschäftsjahrs 2015 eine erste Sonderdotierung der Pensionspläne in Höhe von
58 Millionen Euro vorgenommen. Der Ausfinanzierungsgrad konnte so per 30.
September 2015 auf 79 Prozent gesteigert werden, obwohl uns wie vielen anderen
Unternehmen das niedrige Zinsniveau weiter zu schaffen macht.
Zu Beginn des neuen Geschäftsjahres wurde die Finanzsituation der Pensionspläne
erneut verbessert. Wir haben eine weitere Tranche von rund 100 Millionen Euro in diese
Pläne investiert. Ende des ersten Quartals liegt der Ausfinanzierungsgrad bei
beachtlichen 84 Prozent. Osram ist damit bereits heute hinsichtlich des
Ausfinanzierungsgrads seiner Pensionsverpflichtungen in der Spitzengruppe
Deutschlands. Und wir werden in den nächsten Quartalen noch einmal rund 150
Millionen Euro in die weitere Erhöhung des Ausfinanzierungsgrades investieren.
Damit geben wir unseren Pensionären und Mitarbeitern zusätzliche Sicherheit für ihre
Altersversorgung. Und wir schützen Osram vor künftigen Sonderbelastungen aus
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diesem Bereich. Gleichzeitig wird die Finanzkraft des Unternehmens insgesamt
hierdurch nicht geschmälert.
Meine Damen und Herren,
unsere finanzielle Stärke nutzt aber nicht nur unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,
sondern vor allem auch Ihnen als Anteilseignern von Osram. Wir schlagen Ihnen heu te
erneut vor, eine Dividende von 90 Eurocent je Aktie zu beschließen. Damit schütten wir
mehr als die Hälfte des Konzerngewinns an Sie aus. Die erheblichen Belastungen aus
der Transformation von Osram schultert das Unternehmen also aus eigener Kraft. Auch
für das laufende Geschäftsjahr streben wir trotz stark steigender Investitionen eine
Dividende in mindestens gleicher Höhe an.
Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir keine Aktienrückkäufe getätigt. Von den zu
Beginn des Geschäftsjahres 2015 bestehenden 102.145 eigenen Aktien wurden 60.883
Aktien genutzt, um das Mitarbeiteraktienprogramm 2015 und Ansprüche aus dem
Transaktionsbonus zu bedienen. Zum Geschäftsjahresende hat sich der Bestand daher
auf 41.262 eigene Aktien reduziert. Ausgehend hiervon wollen wir nach dem starken
Geschäftsjahr 2015 nun einen Teil unserer guten Liquiditätsposition durch einen
Aktienrückkauf an die Aktionäre zurückgeben. Vorstand und Aufsichtsrat haben im
November beschlossen, bis zu 500 Millionen Euro in den Aktienrückkauf zu investieren.
Dieser Rückkauf wurde im Januar gestartet und kann ein Volumen von bis zu 9,81
Prozent des Grundkapitals erreichen.
In Umsetzung dieses Programms haben wir bis zum heutigen Tag 720.860 Aktien
zurückerworben. Der Bestand eigener Aktien beträgt per heute 691.292 Stück. Die
Differenz ergibt sich aus der Bedienung des Mitarbeiteraktienprogramms im
vergangenen Monat. Da eigene Aktien nicht dividendenberechtigt sind, hat dies auch
Einfluss auf den Gewinnverwendungsvorschlag, über den Sie unter
Tagesordnungspunkt 2 entscheiden.
Der aktualisierte Beschlussvorschlag zur Dividende lautet somit, von dem Bilanzgewinn
des Geschäftsjahres 2015 von 94.220.460 Euro einen Teilbetrag von 93.598.297,20
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Euro zur Ausschüttung einer Dividende von 90 Eurocent je dividendenberechtigter
Stückaktie zu verwenden und den auf eigene Aktien entfallenden Bilanzgewinn von
622.162,80 Euro auf neue Rechnung vorzutragen.
Meine Damen und Herren,
ich hoffe, dieser Beschlussvorschlag findet Ihre Zustimmung.
Bei der Verwendung der zurückgekauften Aktien haben wir dank der Ermächtigung der
Hauptversammlung viel Flexibilität. So können die Aktien nicht nur eingezogen werden,
sondern auch für weitere Mitarbeiteraktienprogramme genutzt werden. Sie stehen
ebenfalls für die Finanzierung von M&A-Aktivitäten zur Verfügung oder können wieder
über die Börse verkauft werden, wenn Osram das Geld einmal brauchen sollte.
Vorstand und Aufsichtsrat setzen mit einer stabilen Dividende und dem
aufgenommenen Aktienrückkauf also wichtige Signale: Osram ist finanziell stark und
lässt seine Aktionäre an diesem Erfolg teilhaben! Gleichzeitig bleiben wir
handlungsfähig, um in die Zukunft zu investieren.
Meine Damen und Herren,
Osram ist ein Unternehmen mit großer Tradition. Einige von Ihnen hier im Saal sind
ehemalige Kolleginnen und Kollegen. Fast alle von uns kennen Osram und seine
Produkte von Kindesbeinen an. Tradition ist ein großer Wert, aber keine Garantie für
eine gute Zukunft. Darum ist es wichtig, dass wir die Offenheit und die Kraft haben, uns
weiterzuentwickeln.
In den letzten fünf Jahren haben die Mitarbeiter und Führungskräfte von Osram
bewiesen, dass wir gemeinsam die Herausforderung des Wandels im Lichtmarkt
meistern können. Und so glaube ich fest daran, dass Osram auch künftig Erfolg haben
wird. Erfolg gerade auf Feldern, in denen wir unsere technologischen Stärken, die Nähe
zu unseren Kunden und unser Qualitätsbewusstsein zur Geltung bringen können.
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Die Grundlagen hierfür bleiben unverändert:

Streben nach Innovation und der Anspruch technologischer Führerschaft,

Kundenorientierung und der Fokus auf den konkreten Anwendernutzen,

operative Exzellenz im Großen wie in den kleinen Dingen,

Kostendisziplin und nicht zuletzt

Integrität und Mut zur Ehrlichkeit gerade auch im Umgang mit unseren
Schwächen.
Wenn wir dies beherzigen, wird Osram eine gute Zukunft haben – zum Wohle seiner
Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter!
Vielen Dank!
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