Boden nur flach abhobeln

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■ BAUERNBLATT | 27. Februar 2016
Neue Entwicklungen bei der mechanischen Unkrautbekämpfung
Boden nur flach abhobeln
Stroh und Unkraut sollten möglichst vollständig als Erosionsund Verdunstungsschutz an der
Bodenoberfläche verbleiben. Im
Idealfall sollte man nur an der abgestorbenen Vegetation erkennen, dass eine Bodenbearbeitung
erfolgt ist. Gerade bei konservierender Bodenbearbeitung und Direktsaat sind wir bisher darauf angewiesen, mit Herbiziden vor der
Saat einen „reinen Tisch“ zu schaffen; vor einigen Jahren wurde dafür der Begriff „chemisches Pflügen“ geprägt. Der Einsatz von
Totalherbiziden ist jedoch zunehmend in die Diskussion gekommen. Dies hat erst in diesem Jahr
den Gesetzgeber dazu bewogen,
die Anwendungsbestimmungen Mehrbalkige Federzinkengrubber wie dieser Einböck Taifun eignen sich gut
für den Wirkstoff Glyphosat deut- zur mechanischen Unkrautbekämpfung; Winkelstabwalzen und Striegel
lich zu verschärfen.
enterden die abgeschnittenen Unkräuter.
Die Anwendungsbestimmung
NG 351 besagt dazu: „Mit glypho­
sathaltigen Pflanzenschutzmitteln
dürfen innerhalb eines Kalender­
jahres auf derselben Fläche ma­
ximal zwei Behandlungen mit ei­
nem Abstand von 90 Tagen durch­
geführt werden. Die maximale
Wirkstoffmenge von 3,6 kg/ha und
Jahr darf dabei nicht überschrit­
ten werden.“ Als Landwirte wer­
den wir uns darauf einstellen müs­
sen, dass es in Zukunft noch dras­
tischere Anwendungsbestimmun­
gen für Glyphosat geben wird. Die
meisten Praktiker haben das Prob­
lem bereits erkannt und arbeiten
an Lösungen, um den Glyphosat­
einsatz in der Praxis zu reduzieren.
Dafür gibt es viele Ansatzpunkte,
wie Einsatz geeigneter Additive,
die richtige Einstellung des pHWerts der Spritzbrühe sowie die
teilflächenbezogene oder sensor­
gestützte Anwendung von Herbi­
ziden.
An erster Stelle steht jedoch die
Bodenbearbeitung als wichtigs­
te Maßnahme der mechanischen
Unkrautbekämpfung. Allerdings
muss bei der mechanischen Un­
krautbekämpfung ein hoher Wir­
kungsgrad erreicht werden, denn
sonst sind viele Probleme vorpro­
grammiert: erhöhter Aufwand an
selektiven Herbiziden, Wachstums­
depressionen und Ertragsverluste
bei den Kulturpflanzen, Fortbeste­
hen der „grünen Brücke“ (Über­
tragung von Krankheitserregern),
massives Auftreten von Durch­
flach in den Boden eingearbeitet
und dann angewalzt werden. Dies
ist bei vielen Pflanzen zu beobach­
ten, die einen Wurzelballen ausbil­
den, wie Ausfallgetreide oder ver­
schiedenen Ungräsern.
Für eine optimale Unkrautbe­
kämpfung sind folgende Voraus­
setzungen zu erfüllen:
●●ganzflächiger Schnitt und voll­
ständiges Abtrennen des Be­
wuchses
●●präzise Tiefenführung, möglichst
nur 2 bis 3 cm tief
●●Unkrautpflanzen lose an der Bo­
denoberfläche ablegen, nicht
ein­arbeiten oder anwalzen
●●Wurzeln möglichst sauber enter­
den, damit die Pflanzen sicher
absterben
So können die Unkräuter, Un­
gräser und Ausfallpflanzen auch
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wuchs und nicht zuletzt auch eine derlich sind. So ist in der Praxis nach
Entwicklung von Herbizidresisten­ wie vor oft zu beobachten, dass er­
zen.
gänzend zur Stoppelbearbeitung
noch Glyphosat eingesetzt wird,
auch wenn keine Verunkrautung
Alternativen
mit hartnäckigen Wurzelunkräu­
zum Pflügen gesucht
tern wie Quecke, Ackerkratzdistel,
Der klassische Streichblechpflug Ampfer oder Ackerwinde vorliegt.
ermöglicht zweifellos eine effek­
Offensichtlich gelingt es mit den
tive Unkrautbekämpfung, wenn vorhandenen Geräten nicht, die
der Boden sauber gewendet und vorhandene Verunkrautung voll­
der vorhandene Bewuchs ausrei­ ständig zu beseitigen. Eine Ursa­
chend tief eingearbeitet werden. che dafür kann sein, dass kein voll­
Bei einer nichtwendenden Boden­ ständiger Schnitt erfolgt, sodass
bearbeitung kann dagegen manch­ sich die Unkrautpflanzen schnell
mal ein Teil der Altverunkrautung wieder von der Schädigung erho­
überleben, sodass für einen ausrei­ len. Andererseits können die Un­ bei feuchteren Bedingungen mit
chenden Bekämpfungserfolg oft kräuter aber auch wieder anwach­ einem hohen Wirkungsgrad be­
mehrere Bearbeitungsgänge erfor­ sen, wenn sie mitsamt ihrer Wurzel kämpft werden. Bereits nach we­
Erste flache Stoppelbearbeitung mit einer Kurzscheibenegge Rabe Fieldbird, um Ausfallgetreide zum Auflaufen zu
bringen.
Fotos (4): Werkbild
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Pflanze
nigen Stunden an der Bodenoberfläche sind die Pflanzen durch Sonne und Wind so weit ausgetrocknet, dass sie sicher absterben. Im
Idealfall kann sich dabei der Bedeckungsgrad des Bodens sogar noch
erhöhen, da zusätzlich noch ein Teil
der Wurzeln an die Bodenoberfläche gebracht wird. Hinsichtlich der
geringen Arbeitstiefe wirkt sich
positiv aus, dass bei langfristiger
konservierender Bodenbearbeitung die Tragfähigkeit der Böden
zunimmt und kaum noch tiefere
Fahrspuren entstehen.
Eine vorherige Stroheinarbeitung wirkt kontraproduktiv, da
sich das feuchte, zähe Stroh vor die
Schneidwerkzeuge setzt und dann
einen sauberen Schnitt behindert.
Sehr sinnvoll ist jedoch ein flaches
„Ankratzen“ der Bodenoberfläche
zum Beispiel durch einen Schwerstriegel oder die Kurzscheibenegge, um Unkraut- und Ausfallsamen
in Kontakt mit dem Boden zu bringen und zur Keimung anzuregen.
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jeweiligen Anforderungen. Derartige Grubber, ausgerüstet mit
breiten Gänsefußscharen, bieten
bereits gute Voraussetzungen für
eine mechanische Unkrautbekämpfung.
Leichtgrubber als
Alternative
Sterncrackerwalze an einem Grubber Vibrocat von EuM: Unkräuter, hier
Ampfer, werden an die Bodenoberfläche gebracht, wo sie sicher abtrocknen.
Fotos (2): Holger zu Jeddeloh
Statt eines Universalgrubbers
können auch spezielle Leichtgrubber verwendet werden, die oft
auch als Großfederzinkenegge bezeichnet werden. Die intensiv federnden Zinken bewirken eine feine Krümelung des Bodens, fördern
dabei aber gleichzeitig eine Enterdung der Wurzeln. Eingesetzt werden diese Leichtgrubber vor allem
beim zweiten Arbeitsgang der
Stoppelbearbeitung oder zur Saatbettbereitung.
Gut kombinieren lassen sie sich
auch mit Kurzscheibeneggen, die
für den ersten flachen Arbeitsgang auf der Stoppel eingesetzt
werden. Die Kurzscheibenegge
schneidet dabei längeres Stroh, lockert den Boden und regt das Ausfallgetreide zur Keimung an. Der
ganzflächig schneidende Leichtgrubber wird dann zur Nachbear-
Walze durch Winkelstab- oder Mes- tet, sodass die gewünschte Bearserwalzen, die den Boden nur we- beitungstiefe auch bei größeren
nig verfestigen und die Unkräuter Arbeitsbreiten exakt eingehalten
an der Bodenoberfläche belassen. werden kann, unabhängig von
Nachläufer wie der Sterncracker der Walze oder dem Unterlenker.
krümeln intensiv, legen dann aber Wenn möglich, sollte der Grubber
die Unkräuter an der Bodenober- ohne Walze gefahren und stattdesUmdenken bei
fläche ab.
sen ein Striegel angebaut werden.
der Bodenbearbeitung
Viele neuere Grubber sind mit Schnellwechseleinrichtungen geDie in der Praxis eingesetzten einem eigenen Fahrwerk und zu- statten einen raschen Wechsel der
Grubber und Kurzscheibeneggen sätzlichen Stützrädern ausgerüs- Grubberzinken, entsprechend den
können die oben aufgeführten Anforderungen meist nicht vollständig erfüllen. Bei Grubbern gilt dies
besonders für die Standardausführung mit Flügelscharen, die bei den
meisten Landwirten nach wie vor
unter fast allen Bedingungen eingesetzt werden. Diese Werkzeuge
arbeiten die Unkräuter mit ihrem
Wurzelballen flach ein und walzen
sie dann fest an; bei feuchten Bedingungen können damit aber viele Unkräuter wieder austreiben. Zu
berücksichtigen ist, dass die Grubber vor allem hinsichtlich einer intensiven Stroheinarbeitung optimiert worden sind, während für
eine effektive Unkrautbekämpfung
andere Ansprüche bestehen. Gleiches gilt auch für die meisten Scheibeneggen. Gerade bei den Kurzscheibeneggen besteht außerdem
das Problem, dass kein ganzflächiger Schnitt erfolgt.
In vielen Fällen lassen sich dreiund vierbalkige Grubber aber mit
relativ geringem Aufwand modifizieren. Dazu sind vor allem die herkömmlichen Flügelschare durch
breite und flache Gänsefußschare
zu ersetzen, die den Boden weniger
intensiv mischen und die Unkräuter
vollständig abschneiden. Dabei sollten sich die Grubberschare um einige Zentimeter überschneiden.
Eine weitere Möglichkeit ist der Er- Beim Queckenkiller der dänischen Firma CMN Maskintec läuft ebenfalls ein gegenläufiger Zinkenrotor hinter eisatz der ganzflächig verdichtenden nem Grubber; die Zinken bringen vor allem Queckenrhizome an die Bodenoberfläche.
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Der aus Frankreich kommende Glyph-O-Mulch ist ein klassischer Flachschneider, der mit einem hydraulisch angetriebenen Zinkenrotor kombiniert wurde.
beitung eingesetzt, wodurch eine
optimale Bekämpfung von Unkräutern und Ausfallgetreide erfolgen kann.
Entscheidend für eine gute Unkrautbekämpfung ist vor allem eine
präzise Tiefenführung, die über
Stützräder oder ein eigenes Fahrwerk erfolgen kann. Statt schwerer Walzen wird ein Striegel montiert, oder es kommen leichte Winkelstabwalzen zum Einsatz. Welche
Zinkenausstattung gewählt wird,
hängt angesichts des engen Strichabstandes vor allem vom Strohbesatz ab. Häufig werden schmale
Zinken mit breiteren Gänsefüßen
kombiniert, dabei ist auf einen
ganzflächigen Schnitt zu achten.
Spezialgerät
Flachschneider
Das Konzept der konservierenden Bodenbearbeitung wurde
bereits in den 1930er und 1940er
Jahren in Nordamerika entwickelt,
nachdem es dort in den Prärien zu
verheerenden Erosionsschäden gekommen war. Da damals noch keine Herbizide zur Verfügung standen, entwickelte man sogenannte
„Unterschneider“. Ziel war es, die
Bodenbedeckung so weit als möglich zu erhalten, dabei aber die organischen Rückstände an der Bodenoberfläche zu belassen. Kennzeichnend für die Unterschneider
sind sehr breite Flachschare (zirka
1,2 m breit), welche die Unkräuter flach unter der Bodenoberfläche abschneiden, meist noch ergänzt durch Schneidseche. Stützräder führen diese Schare präzise
in der Tiefe. Als Nachwerkzeuge
folgen meist Stachelwalzen, welche die abgeschnittenen Unkräuter ausschütteln sollen.
Mit dem „Glyph-O-Mulch“ hat
der französische Hersteller EcoMulch dieses Prinzip vor einigen
Jahren wieder aufgegriffen. Besonderheit ist hier ein aktiv angetriebener Rotor, welche die abgeschnittenen Unkräuter nachbearbeitet und damit den Wirkungsgrad des Gerätes verbessern soll.
Queckenkiller aus
Dänemark
Die dänische Firma CMN Maskintec A/S bietet mit dem Queckenkiller ein Gerät an, das vor allem
gegen Wurzelunkräuter gute Wirkungsgrade verspricht. Dabei handelt es sich um eine Kombination
aus einem herkömmlichen Flügelschargrubber mit einem nachlaufenden, aktiv angetriebenen Zinkenrotor. Im Gegensatz zu den anderen hier beschriebenen Geräten
greift dieser Grubber damit deutlich tiefer in den Boden ein, um
die Rhizome der Wurzelunkräuter freizulegen. Der gegenläufig arbeitende Zinkenrotor zieht
danach die Rhizome an die Bodenoberfläche, wo sie rasch vertrocknen.
Abrollende Werkzeuge
im Einsatz
Herkömmliche Scheiben- und
Kurzscheibeneggen haben bei der
mechanischen Unkrautbekämpfung nur einen eingeschränkten
Wirkungsgrad, da bei flacher Einstellung meist kein ganzflächiger Schnitt erfolgt. Mit dem Ringschneider von Heko und der Kelly-Kettenegge gibt es jedoch zwei
abrollende Geräte, die auch bei geringer Arbeitstiefe einen ganzflächigen Schnitt ermöglichen.
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störte Matte an der Bodenoberfläche zu belassen. Damit würde die organische Masse nahezu
vollständig an der Bodenoberfläche verbleiben,
wodurch sich ein ähnliches
Arbeitsbild wie beim Einsatz von Totalherbiziden
ergibt. Zu vergleichen ist
dieses Verfahren mit der
Gewinnung von Rollrasen, der in etwa 2 cm starken Bahnen geschnitten
wird. Die dabei eingesetzten Maschinen kombinieren aktiv angetriebene,
schwingende Flachschare
mit Andruckwalzen. Diese Geräte müssten jedoch
Ringschneider von Heko: Die selbstschärfenden Ringschneiden ermöglichen einen für den Einsatz im Ackerganzflächigen scharfen Schnitt und zeigen gegenüber Unkräutern eine sehr gute bau modifiziert werden.
Da die grünen PflanBekämpfungswirkung.
Foto: Ruth Brummer
zenteile somit an der BoDer Heko-Ringschneider hat eine legt. Wenn danach noch eine Wal- denoberfläche verbleiben, trockbesonders gute Schnittwirkung, da ze folgt, erhalten die Unkraut- nen sie ebenfalls sicher aus und
das Prinzip des ziehenden Schnitts wurzeln allerdings wieder Boden- sterben vollständig ab – ähnlich
mit der selbstschärfenden Ring- schluss.
wie auch bei einem Rollrasen,
schneider verbunden wird. Durch
Durch den hohen Energiebedarf
die Geometrie der Schneidringe haben Fräsen und Zinkenrotoren
wird so das Unkraut ganzflächig allerdings heute im Ackerbau an
abgeschnitten, auch bei einer sehr Bedeutung verloren. Wenn dieEine effektive mechanische Unse jedoch in sinnvoller Kombinatiflachen Arbeit.
krautbekämpfung muss kein WiBei der Kelly-Kettenegge wer- on mit passiven Lockerungswerkderspruch zum Erosionsschutz
den dagegen schwere Gusskörper, zeugen eingesetzt werden, ergibt
sein! Wenn die Unkräuter auf der
die flexibel an einer Kette aufge- sich für diese angetriebenen WerkBodenoberfläche abgelegt werhängt sind, an der Bodenoberflä- zeugkombinationen vielleicht wieden, lässt sich die Bodenbedeche entlanggezogen. Die Gusskör- der ein Comeback. Wünschensckung trotz Bodenbearbeitung
per führen dabei eine
erhalten, im Einzelfall sogar verschrubbende oder kratbessern. Wird das Unkraut Sonzende Arbeit an der Bonenschein und Wind ausgesetzt,
denoberfläche durch,
stirbt es rasch und vollständig ab.
wodurch der vorhandeGerade bei der Bekämpfung von
ne Bewuchs abgerissen
Ausfallgetreide und Ausfallraps
wird. Die besten Effeksowie einjährigen Unkräutern
te gibt es dabei auf harkönnte damit auf einen obligaten, nicht vorbearbeitetorischen Einsatz von Totalherbiten Böden, da hier eine
ziden verzichtet werden, wie er
entsprechende
„Geheute trotz Stoppelbearbeitung
genschneide“ vorhanoft noch üblich ist.
den ist. Durch die flexiDafür ist in der Praxis jedoch ein
ble Aufhängung ergibt Arbeitsweise der Kelly-Kettenegge: Die StahlUmdenken erforderlich, denn
sich eine sehr gute Bo- scheiben schrubben an der Bodenoberfläche und
bisher sind Grubber und Scheibekämpfen dadurch den vorhandenen Bewuchs.
denanpassung.
beneggen vor allem für eine intensive Stroheinmischung opwert
wäre
auch
eine
Kombination
timiert. Der Anwender erwarMit aktiven
mit einem Strohmanagement, also
tet, dass der Acker nach der BeWerkzeugen arbeiten
einer intensiven Zerkleinerung der
arbeitung „schwarz“ ist. Bei der
Prinzipiell können auch aktiv an- Stängel zum Beispiel vom Raps und
„vertikalen“, vermischungsarmen
getriebene Bodenfräsen und Zin- Mais, um die Ackerhygiene zu verBodenbearbeitung sollen aber
kenrotoren zur mechanischen Un- bessern.
das Stroh und auch das Unkraut
krautbekämpfung eingesetzt wermöglichst vollständig als Ero­
den. Hier kommt der Effekt zum
sions- und Verdunstungsschutz
Rollrasen
Tragen, dass die schweren Bodenan der Bodenoberfläche verbleischälen
krümel nach dem Auffräsen zuben. Im Idealfall sollte man nur
nächst nach unten fallen, ehe sich
Ein bisher noch nicht umgean der abgestorbenen Vegetatidas leichtere Mulchmaterial abset- setzter Gedanke besteht darin,
on erkennen, dass eine Bodenzen kann. Unkräuter und Rhizo- die Unkräuter und Ungräser an
bearbeitung erfolgt ist. Das orme werden damit wie erwünscht der Bodenoberfläche flach zu unganische Material bleibt damit
an der Bodenoberfläche abge- terschneiden und dann als unge-
­ er nicht angewalzt oder bewäsd
sert wird. Die organische Masse
bleibt damit wie bei keinem anderen Bodenbearbeitungsverfahren an der Bodenoberfläche erhalten. Speziell beim Einsatz von
Grasuntersaaten könnte dieses
Abschälen eine gute Alternative
zum Einsatz von Totalherbiziden
sein. Dieses Verfahren wird allerdings nur auf ebenen Flächen gut
funktionieren, da bei Bodenun­
ebenheiten kein flacher und zugleich ganzflächiger Schnitt möglich ist. Ein anderer Weg könnten
modifizierte Schwingsiebroder
aus dem Baumschulbereich sein,
die den Bewuchs ganzflächig abschneiden. Durch die Schwingbewegungen werden die Unkräuter
meist optimal enterdet und an der
Bodenoberfläche abgelegt.
Hardy Schulz
LOP Landwirtschaft ohne Pflug
Emminger & Partner GmbH
Tel.: 030-40 30 43-41
[email protected]
FAZIT
an der Bodenoberfläche erhalten, ähnlich wie auch bei der Direktsaat. Mit einem flachen Bodeneingriff und einer geringen
Durchmischung ist eine energiesparende und schlagkräftige Bodenbearbeitung möglich.
Für den Landwirt bestehen verschiedene Optionen, die Effektivität der mechanischen Unkrautbekämpfung zu verbessern. Die
vorhandenen Geräte lassen sich
in den meisten Fällen durch veränderte Scharformen und andere Walzen für die mechanische Unkrautbekämpfung optimieren. Eine andere Option ist
der Einsatz der hier vorgestellten Spezialmaschinen, die allerdings einen höheren Investionsaufwand erfordern. Weiter verschärfte Anwendungsbestimmungen für Herbizide und
zunehmende Resistenzprobleme können aber in Zukunft dazu
führen, dass diese Spezialtechnik,
die heute vor allem im Ökolandbau von Interesse ist, auch bei
konservierender Bodenbearbeitung an Bedeutung gewinnt. Vor
diesem Hintergrund bleibt zu
hoffen, dass von den Herstellern
intensiv an diesem Problem gearbeitet wird, damit sich die Unkrautprobleme der Zukunft mit
weniger Herbiziden, aber trotzdem ohne Einsatz des Pfluges lösen lassen.