Taiwan Aktuell 623

Zweiwöchentliche Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der
Republik Chi
China
Herausgeber: David Wei-Ta Chang, Redaktion: Helga Doppler & Dr. Svenja Weidinger
Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland, Büro München - Presseabteilung
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Präsident Ma appelliert an Japan
Taifun verursacht hohe Schäden in der Landwirtschaft
Mehr Lohn für ausländische Hausangestellte
Politik
Präsident Ma appelliert an Japan
Er glaube an die Bereitschaft Japans, seine Rolle im Zweiten Weltkrieg zu
reflektieren, erklärte Präsident Ma Ying-jeou. Doch Japans Regierung sollte
konkretere Schritte ergreifen, besonders was ehemalige Trostfrauen sowie eine
Reihe weiterer Fragen betreffe.
Präsident Ma machte diese Aussagen am Samstag, den 15. August 2015, in der
Academia Historica im Rahmen der Eröffnung einer Sonderausstellung anlässlich
des 70. Jahrestages des Sieges der Republik China im Widerstandskrieg gegen
Japan. Der Begriff “Trostfrauen“ ist eine euphemisierende Bezeichnung für die
Zwangsprostituierten, die während des Zweiten Weltkriegs von der japanischen
Armee in Taiwan und anderen Regionen rekrutiert worden waren.
Nr. 623 15.08.2015
23. Jahrgang
ISSN 0945-618X
Ma sagte in Hinblick auf die Rede des japanischen Premierministers Shinzo Abe
vom Freitag, den 15. August 2015, Japans Aggression habe Leid und Verluste
unvorstellbaren Ausmaßes über die unschuldige Zivilbevölkerung gebracht. Die
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Menschen in der Republik China hätten am schlimmsten unter der brutalen Vorgehensweise
der Japaner während des Zweiten Weltkriegs zu leiden gehabt.
Japans Premierminister Abe hatte in seiner Rede im Einklang mit den Standpunkten früherer
Premierminister Reue gezeigt und die Bereitwilligkeit Japans, seine Rolle im Zweiten Weltkrieg
zu überdenken, angesprochen.
Präsident Ma sagte weiter: "Wir hoffen sehr, dass Japans Regierung in Zukunft die Tatsachen
der Geschichte anerkennt und mit noch größerer Aufrichtigkeit und mehr
Verantwortungsbewusstsein konkrete zukunftsweisende Maßnahmen ergreift, um eine wahre
Versöhnung mit den Nachbarländern zu erreichen und freundschaftliche und kooperative
Beziehungen zu entwickeln. Wir werden ebenfalls auf dieser Basis weiterhin die besondere
partnerschaftliche Beziehung mit Japan vorantreiben, um gemeinsam den Frieden und den
Wohlstand in der Region zu bewahren. Die Taten der Vergangenheit können zwar vergeben,
aber nicht vergessen werden.“
Aus Anlass des 70. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges und des Sieges im
Widerstandskrieg gegen Japan wurden in Taiwan mehrere Gedenkveranstaltungen abgehalten.
Dazu gehörte auch die am Samstag, den 15. August 2015, eröffnete Sonderausstellung mit
dem Titel “Vom Krieg zum Frieden“. Die Ausstellung, die in der Academia Historica und dem
Museum der Streitkräfte in Taipeh zu sehen ist, wurde gemeinsam vom
Verteidigungsministerium und vom Bildungsministerium konzipiert.
Auch Bürgerrechtsgruppen forderten zum Jahrestag bei einer Demonstration eine explizite
Entschuldigung Japans bei den früheren Zwangsprostituierten.
Mehrere Gruppen waren am Freitag, den 14. August 2015, zu einer Protestveranstaltung in der
Nähe des japanischen Vertretungsbüros in Taipeh zusammen gekommen, um an das Leid der
sogenannten Trostfrauen zu erinnern. Sie forderten eine auch nach 70 Jahren noch nicht
erfolgte, offizielle Entschuldigung von der japanischen Regierung, die während des Zweiten
Weltkriegs 2 000 Frauen aus Taiwan an unterschiedliche Kriegsschauplätze verschleppt oder
mit falschen Versprechungen angeworben hatte, um sie dann als Zwangsprostituierte im
japanischen kaiserlichen Heer zu missbrauchen.
Kang Shu-hua, Direktorin einer Stiftung für die Wahrung der Rechte von Frauen mit Sitz in
Taipeh, erklärte bei der Veranstaltung: “Es gibt nur noch sehr wenige überlebende damalige
Zwangsprostituierte und wir hoffen, dass sich die japanische Regierung offiziell bei ihnen
entschuldigen wird“.
Die Worte der Entschuldigung von Japans Premierminister seien zu vage ausgefallen, er habe
nicht einmal das Wort “Zwangsprostituierte“ erwähnt. Die Stiftung bemüht sich seit mehreren
Jahren darum, dass die betroffenen Frauen eine finanzielle Entschädigung von der japanischen
Regierung erhalten, bisher jedoch ohne Erfolg.
Zum Ende der Veranstaltung folgte eine Schweigeminute zum Gedenken an die versklavten
Frauen.
(cp/rti)
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Wirtschaft
Taifun verursacht hohe Schäden in der Landwirtschaft
Der Taifun Soudelor hat in Taiwans Landwirtschaft Schäden in Höhe von mehr als 100
Millionen Euro verursacht. Nach ersten Angaben der Kabinettskommission für Landwirtschaft
hat die zerstörerische Kraft des Taifuns in Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Aquawirtschaft und
Viehwirtschaft sowie an landwirtschaftlichen Einrichtungen Schäden in Höhe von fast 3,6
Milliarden NT$, umgerechnet ca.103 Millionen Euro, verursacht. Wie die Kabinettskommission
bekannt gab, beziehen sich diese Zahlen auf den Stand der Berechnungen von Freitagabend,
den 14. August 2015.
Am schwersten betroffen sind die Städte und Landkreise Chiayi, Yunlin, Kaohsiung, Changhua,
Yilan, Tainan, Pingdong, Taichung und Hualien. Die Landwirte in den betroffenen Regionen
können für die Ertragsausfälle und den Wiederaufbau landwirtschaftlicher Einrichtungen
finanzielle Unterstützung vom Staat beantragen.
Die Verluste bei den Agrarprodukten belaufen sich auf über 267 Millionen NT$, umgerechnet
etwa 77 Millionen €. In dieser bisherigen Gesamtsumme sind auch die Schäden eingerechnet,
die in der Imkereiwirtschaft Taiwans entstanden sind. Sie machen 27 Prozent der
Gesamtverluste aus.
Der Taifun hat Schäden an Agrarflächen von insgesamt 50 182 Hektar angerichtet. Am
schlimmsten betroffen sind die Bananenplantagen mit Verlusten in Höhe von 505,5 Millionen
NT$, umgerechnet 14,5 Millionen €. Auch weitere Agrarprodukte wurden durch den Taifun
größtenteils vernichtet, darunter Obstsorten wie Guaven, Papayas und Pomelos sowie
Bambussprossen.
In der Viehwirtschaft betragen die Verluste 22,66 Millionen NT$, umgerechnet 632 300 €. In der
Aquawirtschaft sind Verluste in Höhe von 86,01 Millionen NT$, umgerechnet 2,4 Millionen €, zu
beklagen, in der Forstwirtschaft waren es 56,36 Millionen NT$, umgerechnet 1,6 Millionen €,
und an landwirtschaftlichen Gebäuden und anderen Einrichtungen sind Schäden in Höhe von
742,14 Millionen NT$ entstanden, das entspricht knapp 21 Millionen €.
Der Taifun Soudelor war am Samstag, den 08. August 2015, mit Windgeschwindigkeiten von
bis zu 237 Kilometern pro Stunde über Taiwan und später Festlandchina hinweggefegt und
sorgte für heftige Regenfälle. Allein in Taiwan kostete er sechs Menschen das Leben, unter
ihnen ein achtjähriges Mädchen und seine Mutter, die von einem Strand an der Ostküste der
Insel ins Meer gespült wurden. Ein Mann wurde von einer Werbetafel erschlagen, zudem kam
ein Feuerwehrmann ums Leben.
Vielerorts kam es zu Überschwemmungen, zahlreiche Bäume knickten um. Tausende
Menschen mussten ihre Häuser verlassen. In der nördlichen Region, im Landkreis Taoyuan
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wurden zehn Häuser unter einer Schlammlawine begraben. Die Bewohner des abgelegenen
Dorfes waren jedoch von der Feuerwehr rechtzeitig evakuiert und in Sicherheit gebracht
worden. Die Behörden zählten 101 Verletzte und mehr als drei Millionen Haushalte, die
zwischenzeitlich von der Stromversorgung abgeschnitten waren. Auch im Flug- und Zugverkehr
kam es zu erheblichen Behinderungen. Sämtliche 279 Inlandsflüge sowie 37 internationale
Verbindungen mussten gestrichen werden.
(eB)
Gesellschaft
Mehr Lohn für ausländische Hausangestellte
Das Arbeitsministerium Taiwans hat am Samstag, den 15. August 2015, bekannt gegeben,
dass die monatlichen Gehälter für ausländische Hausangestellte auf 17 000 NT$, umgerechnet
ca. 475 €, anzuheben seien. Als Grund für die Erhöhung wude genannt, dass die Löhne seit 18
Jahren nicht mehr angepasst worden seien.
Als Vertreter seines Ministeriums erklärte der stellvertretende Arbeitsminister Hau Feng-ming,
Ende des Monats würden Beamte seiner Behörde mit Vertretern aus Indonesien, den
Philippinen und anderen Ländern, aus denen Arbeitskräfte nach Taiwan kommen, zusammen
treffen, um über die Angelegenheit zu beraten. “Ich habe in letzter Zeit fast täglich mit den
zuständigen Stellen in den betreffenden Ländern gesprochen“, sagte Hau.
Die Vertreter der Herkunftsländer der ausländischen Arbeitskräfte in Taiwan hätten einen
rigiden Standpunkt eingenommen und forderten eine Anhebung der Gehälter auf 17 500 NT$,
ca. 490 €, so Hau. Er fügte hinzu, er habe Beamte aus Indonesien, den Philippinen, Vietnam
und Thailand deshalb zu Gesprächen eingeladen. Weiterhin erklärte er, dass bei der
Berechnung und Anhebung der Monatslöhne die Kosten für Verpflegung und Unterbringung, die
von den Arbeitgebern gestellt würden, mit einbezogen werden müssten.
Hau präsentierte zwei Optionen, die die Regierung für eine Anhebung der Löhne habe: Eine
Möglichkeit sei, den gesetzlichen monatlichen Mindestlohn in Taiwan zugrunde zu legen
abzüglich der Kosten für Essen und Unterbringung. Die zweite Variante sei, die Löhne auf
17 000 NT$, umgerechnet 475 €, anzuheben.
Der landesweite gesetzliche Mindestlohn war im vergangenen Monat von 19 273 NT$,
umgerechnet ca. 539 €, auf 20 008 NT$, umgerechnet ca. 560 €, angehoben worden.
Ausländische Arbeitskräfte haben davon jedoch nicht profitiert, da ihre Löhne nicht dem
Arbeitsgesetz Taiwans unterliegen. Die Monatsgehälter der 220 000 ausländischen
Hausangestellten liegen seit 18 Jahren unverändert bei 15 840 NT$, umgerechnet ca. 443 €.
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Falls eine Lohnerhöhung eingeführt werde, erhielten neu ankommende ausländische
Arbeitnehmer diesen sofort, für die bereits im Land beschäftigten Personen würden die
zukünftigen Lohnzahlungen mit den Arbeitgebern verhandelt. Danach befragt, was geschehe,
wenn die Verhandlungen scheiterten, erklärte Hau, das Ministerium würde dann in Erwägung
ziehen, die Anzahl der ausländischen Arbeiter zu verringern bzw. neue Möglichkeiten von
Anwerbung von Ausländern prüfen.
(tt)
Kurzmeldungen
Taiwan hat seine Mangoexporte mehr als verdoppelt. Dies gab die Landwirtschafts- und
Lebensmittelbehörde (AFA) Taiwans Anfang August bekannt. Taiwan habe in der ersten Hälfte
dieses Jahres 3 607 Tonnen Mangos exportiert. Somit gab es einen Anstieg von 107 Prozent im
Vergleich mit dem gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Der Wert dieser Lieferungen
belief sich auf 12,86 Millionen US$, eine Zunahme der Einnahmen um 135 Prozent. Die
Gesamtmenge der Mangoexporte könnte dieses Jahr 10 000 Tonnen erreichen, also fast
doppelt soviel wie letztes Jahr, als nur knapp über 60 00 Tonnen der Früchte exportiert wurden.
Taiwan liefert seine Mangos an Festlandchina, nach Japan, Südkorea und Singapur, insgesamt
werden 90 Prozent der in das Ausland verkauften Menge in diese Länder exportiert.
In Taiwan haben Studenten und andere Demonstrierende in den vergangenen Wochen
mehrmals gegen eine Reform der Lehrplände und die Einführung neuer Unterrichtsbücher
protestiert, die ihrer Ansicht nach eine pro-chinesische Anschauung verbreiten sollen. Hunderte
Protestierende setzten sich über Barrikaden rund um das Bildungsministerium hinweg. Etwa
200 Demonstranten hielten Teile des Gebäudes besetzt. Eskaliert war die Situation auch, als
sich einer der Schüler, die an den ersten Protesten beteiligt gewesen war das Leben
genommen hat. Bildungsminister Wu Se-Hwa stellte sich den Dmonstranten und verteidigte die
Lehrplanreform, außerdem, so erklärte er, seine die Bücher bereits gedruckt.
Keine Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst. Die Gehälter von Beamten, Soldaten und
Lehrern in Taiwan werden im nächsten Jahr nicht erhöht. Das Kabinett hatte beraten, ob die
Gehälter im öffentlichen Dienst erhöht werden sollen und entsprechende Analysen durchführen
lassen. Kabinettssprecher Sun Lih-chyun erklärte dazu, es seien im Haushalt keine
Gehaltserhöhungen für den öffentlichen Dienst vorgesehen. Begründet wurde diese
Entscheidung mit den rückläufigen Trends der Wirtschaftsindikatoren. Die Behörde für Statistik
hatte vergangene Woche die Wirtschaftswachstumsprognose für dieses Jahr auf 1,56 Prozent
nach unten korrigiert. Im Mai hatte die Behörde noch mit 3,28 Prozent Wachstum gerechnet.
Für das Jahr 2016 hat die Statistikbehörde ebenfalls das prognostizierte Wirtschaftswachstum
auf nur 2,70 Prozent beziffert.
Veranstaltungshinweis
Das preisgekrönte Ensemble “Academy of Taiwan Strings“ mit 16 Streicherinnen und
Streichern ist zum ersten Mal in Bayern zu hören und dies gleich drei Mal:
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In München geben die Musiker ein Konzert mit Unterstüzung der Taipeh Vertretung in der
Bundesrepublik Deutschland, Büro München
in der Erlöserkirche Schwabing
an der Münchner Freiheit, Germaniastr. 4
am Samstag, den 22. August 2015 um 18 Uhr
für kleine und große Kinder, um spielerisch Instrumente und Orchester kennen zu lernen.
Hauptkonzert um 19 Uhr
Eintritt frei
Es wird um eine Spende für die Krichenmusik der Erlöserkirche gebeten.
Beim Klassikfestival SummerSerenade am Ammersee treten die Musiker zwei Mal auf:
Am Premierensonntag, den 30. August 2015 um 20 Uhr, unter der Leitung von Grzegorz
Kotow in der Klosterkirche Herz-Jesu von St. Ottilien, Erzabtei 1, 86941 St. Ottilien
Am Montag, den 31. Augut 2015 um 20 Uhr interpretiert das Orchester aus Taiwan
gemeinsam mit dem jungen Percussionisten und ARD-Preisträger Alexej Gerassimez
Sibelius, Haydn und Mieczyslaw Karlowicz in Herrsching im Haus Bayr. Landwirtschaft,
Rieder Str. 70, 82211 Herrsching a. A.
Karten und Infomationen: www.ammerseerenade.de
Academy of Taiwan Strings
Abkürzungen:
(cp) China Post; (cna) Central News Agency; (cht) China Times (tn) Taiwan News; (tt) Taipei
Times; (ten) Taiwan Economic News; (taito) Taiwan Today; (rti) Radio Taiwan International;
(fotai) Focus Taiwan; (tnen) Taiwan New Economy Newsletter; (eB) eigener Bericht; (udn)
United Daily News
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