Münzen und Medaillen - Geprägte Geschichte

KAPITAL & LUXUS
KAPITAL & LUXUS
Die Faszination „Münzen“
Geld ist geprägte Geschichte
Münzen – geprägte Geschichte (Seite 69 – 71)
Münzen – Sammlerobjekt (Seite 72 – 74)
Münzen – Anlageobjekt (Seite 75 – 77)
Dr. Hubert Ruß
Dr. Hubert Ruß arbeitet als von der IHK
öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Münzen und Medaillen. Er
ist seit 1990 im Münzhandel tätig und leitet
seit 2010 als geschäftsführender Vorstand
die Künker Numismatik AG in München.
Künker am Dom ist eine Schwesterfirma
von Europas führendem Münzauktionshaus, der F.R. Künker GmbH & Co. KG in
Osnabrück. In München hat man sich
neben dem Handel mit Sammlermünzen und Edelmetallen vor allem der
(kostenlosen) Beratung in allen
numismatischen Fragen verschrieben.
Kontaktdaten:
Künker Numismatik AG
Löwengrube 12
80333 München
Tel. 089-552784914
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68 AnlegerLand 2016
NUMISMATIK In einem Interview mit der Zeitschrift
„Der Spiegel“ sprach sich Wirtschaftsweise Peter Bofinger im
Mai 2015 für die Abschaffung von Münzen und
Geldscheinen aus, da sie bei den heutigen technischen
Möglichkeiten ein Anachronismus seien1. Dabei sind Münzen
viel mehr als reines Zahlungsmittel, Münzen vermitteln
uns die Geschichte zurückliegender Epochen und sind
oftmals unsere einzigen Quellen.
eit der Erfindung der Münze in der Zeit des Krösus um
650 vor Christus war der Wert des Geldes stets durch seinen Metallgehalt bestimmt. Darauf basierten Währungsvereinbarungen; Inflationen und Währungskrisen lagen in der
Metallzu- und abfuhr sowie in der Verringerung des Feingehaltes
begründet. Erst 1914 änderte sich der Charakter unseres Geldes
fundamental, da nun nicht mehr der Metallgehalt zählte, sondern
der Staat den Wert des von ihm ausgegebenen Geldes garantierte.
Einige Streiflichter sollen den kulturhistorischen Wert unseres
Geldes beleuchten.
Die Idee, Geld gegen Zinsen zu verleihen, markiert den Beginn
der Geldgeschäfte. Statt mit Naturalien wurden Arbeiter jetzt mit
Geld entlohnt und Steuern mit Geld bezahlt.
Doch schon in der Antike sah man das Geld auch kritisch. So
schrieb der Tragödiendichter Sophokles (496 – 405 v.Chr.): „Es
gibt nichts Schlimmeres auf der Welt als Geld. Es läßt Städte verwaisen; Menschen ihr Zuhause aufgeben; es verführt und verdirbt ehrliche

Menschen und verwandelt Tugend in Falschheit.“ 2
Die kleinsten Münzen der Welt
Die kleinasiatische Landschaft Lydien gilt als die Geburtsregion
des Geldes. Hier ging man um 650 v. Chr. dazu über, die bis dahin
üblichen gestempelten Metallbarren in Münzform auszugeben.
Bald prägte jeder Stadtstaat seine eigenen Münzen, die anhand
ihrer Bildmotive identifizierbar waren. Unterschiedliche Gewichtsstandards erschwerten den Handel, da fremde Münzen in
einheimische getauscht werden mussten. Erste Währungsunionen
waren die Folge.
Die antike Stempelschneidekunst brachte wahre Kleinkunstwerke
hervor: Schrötlinge mit einem Durchmesser von 0,5 cm zeigen
äußerst filigrane und kunstvolle Darstellungen (Abb. 1). Welche
technische und handwerkliche Meisterleistung ohne unsere heutigen Hilfsmittel! Wie hat man diese Winzlinge aufbewahrt? In einer
Geldbörse oder hat man sie einfach in die Backentasche im Mund
gesteckt, wenn man auf den Markt ging?
1:1
1:4
Abb. 1
AnlegerLand 2016 69
KAPITAL & LUXUS
KAPITAL & LUXUS
Das Mittelalter: arm an Münzen
Griechen, Römer, Kelten – sie alle brachten eine Vielzahl von
Münzen in Gold, Silber und Bronze hervor, die heute von numismatisch Interessierten gesammelt werden. Diese Vielfalt änderte
sich mit dem Untergang des römischen Weltreiches grundlegend.
Im europäischen Mittelalter (ca. 500 – 1500 n. Chr.) war das
Verhältnis der Menschen zum Geld ein gänzlich anderes. Geld
in Münzform machte nur einen kleinen Teil des wirtschaftlichen
Handelns aus, der Tauschhandel herrschte wieder vor. So reduzierte
sich das Geld für 800 Jahre auf ein Münznominal: den Denar oder
Pfennig (Abb. 2).
Verbotenes Geld
Im März 1933 gaben die USA den Goldstandard auf, nachdem bereits die Bank of England 1931 das Pfund Sterling von der Golddeckung gelöst hatte. Die Folge war eine Kette von Währungsabwertungen. Der Besitz von Gold wurde den US-Bürgern verboten.
Hintergrund dieses Verbots bildete die Weltwirtschaftskrise von
1929, die massive Auswirkungen wie Deflation und Zusammenbrüche von Banken mit sich brachte. Gold gewann immer mehr an
Wert. Viele US-Bürger horteten nun ihre Goldreserven zu Hause
oder schafften diese ins Ausland. Dem sollte entgegengewirkt
werden durch das Goldverbot (Abb. 6).
Die Konfiszierung betraf sämtliche Goldmünzen, -barren und
-zertifikate, die bis zum
1.5.1933 zum Festpreis
von 20,67 US-Dollar
pro Feinunze abgegeben werden mussten.
Gold, das bei staatlich
angeordneten Durchsuchungen gefunden
wurde, wurde entschädigungslos konfisziert.
Dennoch wurde nur
etwa 30 % des Goldes
abgegeben.
Abb. 4: Mittels einer zweiseitigen Waage (Wippe) wurden die
nach unten sinkenden guthaltigen Münzen aussortiert (Kippen) und aus dem Verkehr gezogen.
Abb. 2
Vom Pfennig zum Taler
Das Aufblühen vieler Städte um das Jahr 1300 förderte den überregionalen Handel; die Geldwirtschaft lebte wieder auf, wurde
aber durch fehlende größere Nominale behindert. Stellen Sie sich
vor, sie hätten ein Pferd kaufen wollten und müssten den Preis in
Höhe von 5 Pfund Haller in 1.200 Münzen bezahlen!
Es erfolgte eine Verfeinerung des Münzsystems durch neue Goldund Silbermünzen: Aus Italien kamen Dukaten und Goldgulden
(spätes 13. Jh.), aus Böhmen und Meißen Groschen (gegen 1400)
und aus Hall in Tirol 1486 der Taler (Abb. 3). Man schätzt, dass
der Geldbestand um 1500 in ganz Europa 3.500 Tonnen Gold
und 37.500 Tonnen Silber betrug.
Die Vielfalt der entstehenden Münzsorten führte dazu, dass professionelle Geldwechsler in den Städten ihre Dienste anboten; in
den in Italien aufkommenden Banken wurden neben Münzen
bald auch Schuldscheine und Wechsel gehandelt.
„Böses“ Geld
Zu Beginn des 30-jährigen Krieges wurde Deutschland zwischen
1620 und 1622/1623 von der sog. Kipperzeit heimgesucht (Abb.
4): Der durch die Reichsmünzordnung vorgeschriebene Feingehalt der Münzen wurde auf Befehl der Münzherren sukzessive
reduziert, bis viele Prägungen fast nur noch aus Kupfer bestanden.
Auf diese Weise suchten die Münzherren, mehr Geld für die
Kriegslasten zu generieren.
Leidtragende dieser Geldentwertung war die Bevölkerung, der
infolgevonTruppendurchzügenundEinquartierungenbereitsschwere
Lasten auferlegt wurden. Meist wurde der Sold der Truppen in
Kippermünzen ausbezahlt, die aus den umliegenden Territorien
stammten (Abb. 5). Da ihre Annahme von den Händlern und
Handwerkern immer öfter verweigert wurde, waren Konflikte vorprogrammiert.
Abb. 5
Abb. 3
70 AnlegerLand 2016
1622 forschte man z. B. in Weißenstadt in der Markgrafschaft
von Brandenburg-Bayreuth nach dem dortigen Münzmeister und
erfuhr, „... daß er in Hosen und Wambß gar eilend zum Kirchenlamitzer Thor hinausgegangen und sich also auf flüchtigen Fuß gesetzt“, wobei er seine Frau und seine zwei Kinder zurückließ. Die
Münzkipperei endet 1623, als die für die Verschlechterung verantwortlichen Münzherren über Steuern und Abgaben ihre eigenen
geringhaltigen Münzen zurückerhielten.
Nicht verboten wurde
jedoch zunächst das
private Sammeln von
historischen Goldmünzen. So stieg daraufhin
Abb. 6: Mit der Executive order 6102
die Einfuhr von vor
verbot Präsident Roosevelt den Besitz von Gold.
1933 geprägten Goldmünzen rapide an.
1962 verbot Präsident J. F. Kennedy auch den inländischen Besitz von Goldmünzen, welche vor 1933 geprägt worden waren.
Die Regierung wollte so angeblich den zunehmenden Fälschungen
und Nachprägungen entgegenwirken.
Dies hatte zur Folge, dass die Preise für Goldmünzen in den USA
massiv anstiegen (Abb. 7). Außerdem kam es zu einem enormen
Anstieg der Schmugglertätigkeit. Das Goldverbot für US-Bürger
bestand für 41 Jahre und wurde am 31.12.1974 durch Präsident
Gerald Ford aufgehoben.
Abb. 7
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ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. 1: Hauck & Aufhäuser Privatbankiers, Auktion 21 (2009), Nr.
143, Milet, Elektron-1/48 Stater, Mitte 6. Jh. v.Chr. Löwenkopf v.v. /
Skorpion in vertieftem Quadrat.
Abb. 2: F.R. Künker GmbH & Co KG, Auktion 205 (2012), Nr. 1405,
Von diesem Porträt-Denar Karls des Großen mit Kaisertitel (800 –
814) existieren wohl nur 35 Exemplare.
Abb. 3: F.R. Künker GmbH & Co KG, Auktion 254 (2014), Nr. 2940,
Der in Hall/Tirol unter Erzherzog Sigismund, dem Münzreichen
(1446 – 1496) geprägte Guldentaler 1486 gilt als die erste Großsilbermünze der Neuzeit.
Abb. 4 & 6: www.wikipedia.org
Abb. 5: Hauck & Aufhäuser Privatbankiers, Auktion 19 (2006), Nr.
1902, Brandenburg-Bayreuth. Markgraf Christian, Kipper-Sechsbätzner 1622, Mzst. Pegnitz. Interessant ist die Lochung, durch die
die „schlechte Münze“ entwertet wurde.
Dr. Hubert Ruß
Abb. 7: National Numismatic Collection, National Museum of American History, Ein amerikanischer Double Eagle von 1933 erzielte
2002 auf einer Auktion 7,59 Mio. US-Dollar und gilt als die teuerste
Goldmünze.
1
2
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bargeld-peter-bofinger-will-muenzen-und-scheine-abschaffen-a-1033905.html.
http://www.aphorismen.de/suche?f_autor=3513_Sophokles&f_thema=Geld%2C+Gold.
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KAPITAL & LUXUS
KAPITAL & LUXUS
Münzen und Medaillen –
Sammlerobjekte
Wer dagegen das Glück auf dem Rücken der Pferde sucht, wird
ebenfalls fündig. Gehört doch das Pferd neben dem Adler als Wappentier zu den am häufigsten auf Münzen abgebildeten Tieren.
So ließen sich z. B. die Landgrafen von Thüringen im Mittelalter
gerüstet und hoch zu Ross auf ihren Brakteaten darstellen (Abb. 3).
Abb. 3
NUMISMATIK Für außergewöhnliche Menschen, die das Besondere lieben – Münzen als Objekt
der Sammlerbegierde, exklusives Präsent oder Wertanlage?
ünzsammler befinden sich seit jeher in guter Gesellschaft. Über Jahrhunderte hinweg war das Sammeln von
Münzen ein Privileg des Adels und der wohlhabenden
Bürgerschicht. Der wirtschaftlich und politisch äußerst engagierte
Papst Bonifatius VIII. (1294 – 1303) gilt als der erste historisch
belegte Münzsammler des Hochmittelalters. Aber auch der Kaufmann Jakob Fugger „der Reiche“ (1459 – 1525), der flämische
Maler Peter Paul Rubens (1577 – 1640), der Gründer des gleichnamigen Bankhauses Mayer Amschel Rothschild (1745 – 1812)
und Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) trugen umfangreiche Münz- und Medaillensammlungen zusammen.
Sie sind ein begeisterter Segler? Auch dieses Sammelgebiet hat
numismatisch viel zu bieten! So warten Medaillen aus dem
­
17. Jahrhundert mit teilweise großformatigen Motiven von Seeschlachten und Schiffsdarstellungen auf (Abb. 2).
Faszination Münze
Münzen machen Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“ und erlauben es, sich ein Stück Vergangenheit nach
Hause­zu holen. Natürlich spielt auch die nie nachlassende
Faszina­tion des Geldes an sich eine Rolle, dessen wechselnde Gestalt die Menschheit schon immer in ihren Bann gezogen hat.
Gemessen an der früheren Exklusivität ist das Sammeln von Münzen heute weit verbreitet – entsprechend der eigenen finanziellen
Möglichkeiten: Numismatisch-historische Raritäten abseits von
silbernen Gedenkmedaillen und modernen Euro-Sonderserien
sind und bleiben aber auch heute einer finanzkräftigen Sammlerschicht vorbehalten.
Abb. 4
Abb. 5
Abb. 6
Abb. 7
Kunstinteressierte finden sicherlich Gefallen an Prägungen der verschiedenen Stilrichtungen. Oder wie wäre es mit einem besonders
exklusiven Hochzeitspräsent? Seit der Antike haben sich berühmte Herrscher mit ihren Ehefrauen auf eindrucksvollen Prägungen
verewigen lassen (Abb. 8).
Fachsprache der Numismatik
Wie andere Wissenschaften besitzt auch die Numismatik ihre eigene Sprache, vor allem was die Klassifizierung der Erhaltung betrifft: Die Beschreibung „schön“ bezeichnet bei Münzen unglücklicherweise das Gegenteil, nämlich eher unansehnliche Prägungen
in einem stark abgegriffenen Zustand.
Die nächstbessere Stufe lautet „sehr schön“ (deutliche Umlaufspuren), gefolgt von „vorzüglich“ (minimale Umlaufspuren) und
„Stempelglanz“. Stempelglänzende Münzen sind am begehrtesten,
denn selbst nach langer Zeit wirken sie noch so, als wäre sie eben
erst geprägt worden.
Abb. 1
Geprägte Geschichte
Dass diese Liebhaberei für nahezu jeden Interessierten etwas bereithält, lässt sich an der Bandbreite historischer Sammlermünzen
verdeutlichen: Sie suchen ein exklusives Geschenk für einen Arzt?
Wie wäre es mit einer 1.750 Jahre alten römischen Münze mit
einer Darstellung des Gottes der Heilkunst (Abb. 1).
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Apropos historische Ereignisse! Selbstverständlich hält die Numismatik für jeden geschichtlich Interessierten eine Fülle von seltenen Stücken bereit. Ob der berühmte Denar auf die Ermordung
Julius­Cäsars (100 – 44 v.Chr., Abb. 4), ein Augustalis aus der Zeit
des Stauferkaisers Friedrich II. (1220 – 1250, Abb. 5), ein Louis
d’or des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. (1643 – 1715,
Abb. 6) oder eine Goldmünze des bayerischen Königs Ludwig II.
(1864 – 1886, Abb. 7) – für jeden Herrscher und jede Epoche
finden sich interessante Prägungen.
Abb. 2
Abb. 8
Allerdings bleibt bei diesen Angaben ein subjektiver Beurteilungsspielraum des Betrachters, was zu mitunter weit voneinander abweichenden Beurteilungen für dieselbe Münze führen kann. 
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KAPITAL & LUXUS
KAPITAL & LUXUS
Einer der wichtigsten Leitsätze für Sammler und Münzbesitzer
lautet: Münzen darf man nicht putzen oder in einem Tauchbad
reinigen. Jede Manipulation in dieser Richtung führt zu einem
erheblichen Wertverlust.
Historische Sammlermünzen
als Anlage? – Chancen und Risiken
Preisbildende Kriterien
Entscheidend für den Marktwert einer Münze sind zwei Kriterien:
der Erhaltungsgrad, also die Qualität, sowie die Seltenheit – wie
viele Münzen sind geprägt worden, wie viele verloren gegangen?
In den letzten Jahren erfolgte eine Verschiebung der Gewichtung
weg von der Seltenheit hin zur besten Qualität der Sammelobjekte.
Je nach äußerer Erscheinung ergeben sich so Preisunterscheide bis
zum Faktor 100 oder darüber hinaus (Abb. 9).
NUMISMATIK Hochwertige Sammlermünzen
verzeichnen in letzter Zeit enorme Preissteigerungen.
Dennoch sollte man unter Anlageaspekten
Vorsicht walten lassen und vor allem auf eine gute
Beratung bauen. Das Sammeln von Münzen sollte
in erster Linie ein Hobby sein.
Beratung empfehlenswert
Gerade für Neueinsteiger ist es sehr empfehlenswert, sich um fachkundige Hilfe zu bemühen; so lassen sich Anfängerfehler und Fehlinvestitionen vermeiden, man kann sich vor Fälschungen schützen.
Hilfestellungen erhält man bei qualifizierten Fachhändlern. Sie geben
Tipps bei der Wahl des Sammelgebietes, kennen die entsprechende
Fachliteratur und beraten gerne in Fragen der Erhaltung und des Preises. Oftmals entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis zwischen Sammler und Händler, das ein ganzes Sammlerleben Bestand hat.
Dr. Hubert Ruß
Von der IHK für München und Oberbayern öffentlich bestellter
und vereidigter Sachverständiger für Münzen und Medaillen
des Mittelalters und der Neuzeit;
Geschäftsführender Vorstand von Künker am Dom
Abb. 9
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Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Römische Münzen. Gordianus III. (238–244). Bronzemünze
(Æ-4 Assaria), Münzstätte Nikopolis pros Istron (Moesia inferior).
Abb. 7: Bayern, Ludwig II. (1864–1886).
Vereinskrone 1869, Münzstätte München.
Abb. 2: Niederlande. Silbermedaille 1653 (von J. Pool) auf den Tod
des holländisch-westfriesischen Admirals Maarten Hapertszoon
Tromp am 10. August in der Seeschlacht bei Scheveningen.
Abb. 8: Habsburg. Kaiser Maximilian I. „der letzte Ritter“
(1490 –1519). Guldiner o.J. (geprägt nach 1511), Münzstätte Hall.
Abb. 3: Mühlhausen (Thüringen), Reichsmünzstätte. Friedrich I.
(1152–1190). Brakteat.
Abb. 4: Römische Republik. M. Iunius Brutus. Denar, 42 v. Chr.,
Feldlagermünzstätte in Kleinasien oder Nordgriechenland.
ei aller im ersten Teil des Beitrags beschriebenen Sammelleidenschaft soll natürlich auch der Aspekt der Wertanlage
angesprochen werden. Zunächst ist zwischen reinen (in
der Regel modernen) Anlagemünzen (z.B. Krügerrand) und historischen Sammlermünzen zu unterscheiden. Bei Anlagemünzen
richtet sich der Preis in erster Linie nach dem Metallwert, also dem
Feingehalt des verprägten Edelmetalls.
Auch bei diesen Bullionmünzen sind in seltenen Fällen erstaunliche
Wertsteigerungen zu verzeichnen. So erzielte ein Krügerrand aufgrund des raren Jahrgangs 1967 und der seltenen Erhaltungsstufe
„Polierte Platte“ im Frühjahr 2014 in einer Auktion 1.300 Euro und
damit erheblich mehr als den Metallwert (damals ca. 1.000 Euro,
Abb. 1).
Abb. 9: Hessen, 5 Mark 1875, links in Erhaltung „fast sehr schön“
(Preis 50 Euro), rechts in Erhaltung „Stempelglanz“ (Preis 5.000 Euro)
Abb. 2
Weitere Erläuterungen zu den in diesem Beitrag abgedruckten Münzen finden Sie in dem verlängerten Beitrag unter
www.kuenker-numismatik.de
Abb. 5: Sizilien. Kaiser Friedrich II. (1197–1250). Augustalis,
nach 1231, Münzstätte Messina.
Abb. 6: Frankreich, Louis XIV. (1643–1715). Louis d‘or à la mèche
courte 1649 D, Münzstätte Lyon.
74 AnlegerLand 2016
Historische Sammlermünzen mit Potenzial
Bei seltenen Sammlerstücken liegt der Liebhaberpreis in der
Regel deutlich über dem reinen Materialwert. Abb. 2 zeigt zwei
10-Mark-Stücke aus Preußen. Trotz gleicher Qualität erzielte die
(Alle Abbil­dungen stammen aus Auktionen der
Fa. F.R. Künker GmbH & Co. KG.)
Abb. 1
obere Münze auf einer Auktion 150 Euro, die untere 2.200 Euro.
Warum? Ausschlaggebend war die sehr geringe Auflagenhöhe der
unteren Münze. Bereits diese kurze Gegenüberstellung lässt die
Tücken erahnen, will man historische Sammlermünzen sinnvoll
als Investment nutzen.

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KAPITAL & LUXUS
KAPITAL & LUXUS
Eine gute Nachricht für Einsteiger mit Interesse an deutscher Geschichte: Im europäischen Vergleich sind deutsche Sammlermünzen in ausgezeichneter Erhaltung noch verhältnismäßig günstig.
Darüber hinaus bietet das Sammelgebiet Altdeutsche Münzen eine
große Vielfalt an Typen und Prägeherren. Denn das Deutsche
Reich war bis 1871 in viele kleine Fürstentümer unterteilt, von
denen ein Großteil auch das Münzrecht besaß.
Betrachten wir das Potenzial historischer Sammlermünzen. Schon
vor dem Börsencrash waren Münzen auf lange Frist eine interessante Anlage. In den vergangenen 20 Jahren sind für viele Bereiche
kontinuierlich steigende Münzpreise zu verzeichnen. So konnten
z. B. seltene Goldmünzen des Deutschen Kaiserreichs (1871 – 1918)
ihren Preis im Schnitt verdoppeln. Dieser Trend lässt sich nicht
verallgemeinern, doch generell kann man sagen, dass eine gepflegte
Sammlung mit ausgezeichneten Erhaltungen und Seltenheiten
ihren Wert oftmals steigert.
Volatile Märkte
Auch bei historischen Münzen gibt es Zeiten verstärkter Nachfragen und Flauten. Hier einige Beispiele: Nach einem Boom Mitte
der 1970er-Jahre waren antike griechische Münzen Ende der
1990er-Jahre wesentlich weniger nachgefragt als heute. Mangels
attraktiver Zinsen und alternativer Anlageformen gerieten sie in
letzter Zeit wieder verstärkt in das Blickfeld von Anlegern.
2012 erzielte z. B. eine außergewöhnlich schöne griechische Münze,
ein Dekadrachmon aus der antiken sizilianischen Stadt Akragas,
einen Zuschlag von 2,3 Mio. SFR zuzüglich Aufgeld (Abb. 3).
Mit der Finanzkrise fiel alles in sich zusammen, der Markt erholt
sich erst nach und nach. Aufgrund des stark gefallenen Rubels ist
er inzwischen zweigeteilt: Hochwertige Münzen erzielen weiterhin
sensationelle Preise, Stücke in schwacher Qualität fallen im Preis.
Die Bedeutung des Faktors Erhaltung wird hier überaus deutlich.
Abb. 4
Etwas anders gelagert ist die Entwicklung im Bereich der chinesischen Münzen: Lange Jahre wurden die modernen Gold- und
Silberprägungen von Sammlern und Anlegern überhaupt nicht
beachtet; niedrige Auflagenzahlen – sonst ein wichtiges Kriterium
für eine Preisentwicklung – wurden nicht honoriert.
Mit der Erstarkung der Wirtschaftsmacht China erwachte auch
das weltweite Interesse an der chinesischen Münzgeschichte. Nach
2010 waren für die modernen chinesischen Prägungen rasante
Preissteigerungen zu verzeichnen. Derzeit klingt die Begeisterung
für die hübschen Motive mit niedrigen Auflagenzahlen wieder ab,
den Preis halten können die seltenen, großen Nominale (Abb. 5).
Abb. 1: Südafrika, 1 oz 1967, seltener Jahrgang in rarer Qualität
Abb. 2: Preußen, 10 Mark 1878 (oben) und 1886 (unten)
Kopf Wilhelms I. nach rechts / Reichsadler
Abb. 4: Russland, Nikolaus I., sog. Familienrubel 1836
Büste nach rechts / Medaillon seiner Gattin im Kreis der Kinder
Abb. 3
Dies war bei griechischen Münzen kein Einzelfall: Der Markt wurde einige Jahre von einem Sammler dominiert, der mit großem
Kapitaleinsatz den Löwenanteil der hochwertigen griechischen
Münzen weltweit auf Auktionen erwarb. Händler schätzen seine
scheinbar unerschöpflichen finanziellen Möglichkeiten, viele
Sammler hingegen waren so verärgert oder verunsichert, dass sie
sich mit dem Gedanken trugen, mit dem Sammeln aufzuhören.
Mit dem plötzlichen Tod des Sammlers entstand ein Vakuum,
man darf gespannt sein, wie sich der Markt weiter entwickelt.
Kommen wir zum Beispiel Russland: Bis 2008 boomte der Markt
für russische Münzen. So erzielte beispielsweise der 1836 geprägte
Familienrubel des russischen Zaren Nikolaus I. in unserer Auktion
2012 einen Zuschlag in Höhe von 650.000 Euro und war damit
lange Zeit die teuerste jemals in Europa versteigerte Münze (Abb. 4).
76 AnlegerLand 2016
Abb. 5: China, Hsuang Tung (1908 – 1911), 1 Dollar o.J. (1911),
Tientsin, Probe in Silber, Zuschlag: 460.000 Euro
Drache über Wert / chinesische Legende
Abb. 6: Ungarn, Maria von Anjou (1382 – 1387),
Goldgulden o.J. (nach 1385), Kaschau
Wappen im Sechspass / Stehender hl. Ladislaus
(Abbildungsnachweis: Abb. Nr. 3: Auktion NAC 66 (2012), Nr. 6,
alle übrigen Abbildungen: F. R. Künker GmbH & Co. KG)
Der beste Schutz gegen Münz-Nepp ist eine ausführliche Beratung
bei versierten Fachhändlern. In der Regel garantieren die deutschen Händler oder Münzauktionshäuser die Echtheit der von
ihnen verkauften Münzen.
Sammlermünzen - Chancen und Risiken
Zusammenfassend gilt es folgende Fakten für das Thema „Münzen
als Anlage“ zu beachten:
ff Spekulative Anleger können Märkte und
Preisentwicklungen längerfristig manipulieren.
ff Sammlermünzen lassen sich selten schnell ohne Verlust verkaufen.
ff In Krisenzeiten entfällt der historische Wert möglicherweise, es zählt der reine Metallwert.
ff Gute Erhaltungen werden immer seltener und damit immer teurer.
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. 3: Sizilien, Akragas, Dekadrachmon, ca. 409 – 406 v. Chr.
Nike über Quadriga nach links / Adler nach links mit Schlange in
den Fängen
Abb. 6
Abb. 5
Preisentwicklung nicht vorhersagbar
Aufgrund solcher Trends ist die Preisentwicklung von historischen
Münzen unberechenbar. Sammler dürfen sich nicht darauf verlassen, bei einem Verkauf nach kurzer Zeit das investierte Kapital
wieder zu erhalten.
Preiskorrekturen können auch durch Funde ausgelöst werden. Ein
Beispiel: Mitte der 1990er-Jahre wurde in Regensburg ein Tongefäß mit Goldgulden der ungarischen König Maria gefunden
(Abb. 6). Dieser Münztyp galt bisher als sehr selten und obwohl
der Fund in ein Museum ging, fiel der Preis im Handel – rein aufgrund der Tatsache, dass mehr Münzen die Jahrhunderte überlebt
hatten, als man bisher angenommen hatte.
Hier schließt sich der Kreis wieder zu den Wertpapieren. Wer in
Aktien investiert, kennt ebenfalls nie alle Faktoren zur Wertsteigerung oder zum Verlust, selbst Branchenexperten sind nie zu
100 % sicher.
Grundsätzlich sollte beim Münzensammeln der Hobby-Charakter
im Vordergrund stehen. Lange Sammelzeiten ermöglichen den
Ausgleich von Schwankungen. Der Haupttenor muss auf den
guten Erhaltungen liegen. Während andere Anlageobjekte oder
Wertpapiere im Depot schlummern, besitzt man mit Münzen
haptisch erfahrbare Kleinkunstwerke, die Geschichte erzählen.
Dr. Hubert Ruß
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des Mittelalters und der Neuzeit
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Bedrohung durch Fälschungen
Fälschungen werden derzeit v. a. aus Osteuropa und China angeboten, meist auf Börsen oder im Internet. Das Spektrum reicht
von einfachen Güssen bis hin zu nahezu perfekten Imitationen.
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