“Tafelrunde” erzielt überraschenden Durchbruch: Tafel

“Tafelrunde” erzielt überraschenden Durchbruch: Tafel bleibt
bis 31. 3. in Königsborn – und soll künftig Zuschüsse
bekommen
Geschrieben von Silvia Rinke am 2. Juni
2015 in kirche, Politik+Gesellschaft, Tagesthema, Veranstaltungen, Vereine, Wirtschaft+Handel
Überraschender Durchbruch der gemeinsamen “Tafelrunde” heute Abend für die Tafel Unna. Die
Lebensmittelausgabe in Königsborn bleibt bis Ende März 2016 weiter im ev. Paul-Gerhardt-Haus an der
Fliederstraße – die ev. Kirchengemeinde verlängert dem Tafel-Verein den gekündigten Mietvertrag um ein
halbes Jahr. In dieser Zeit – faktisch ab heute – soll die Bedürftigeneinrichtung zum kreisweiten Politikum
werden – und entsprechend öffentliches Geld bekommen.
Konkret sollen sich alle Städte und Gemeinden des Kreises, die die Tafel von Königsborn aus mit
Lebensmittel für Bedürftige versorgt, künftig an einer Sockelfinanzierung beteiligen. Bisher finanziert
sich die Tafel ausschließlich über Spenden und Sponsoren, sie bekommt keinen Cent Zuschüsse von
Städten, Kreis, Land. Dies soll, muss sich nun ändern, sind sich zumindest schon einmal die
Ratsfraktionen in Unna einig.
Volle Tische und Stühle bei der “Tafelrunde”. Fast 40 Besucher waren am frühen Abend ins PaulGerhardt-Haus gekommen. Die Runde ging mit überraschend konkreten Ergebnissen auseinander.
Überraschend handfeste Ergebnisse erzielte damit am frühen heutigen Abend die “Tafelrunde” im PaulGerhardt-Haus; ein von Rudolf Fröhlich (CDU) initiiertes gemeinsames
“Krisengespräch” mit Vertretern aller politischen Fraktionen, der Stadt Unna, der ev. und kath. Kirche
und natürlich der Tafel selbst.
Zur Erinnerung: Die Lebensmittelausgabe hatte für ihren langjährigen Standort in den Räumen der ev.
Kirche an der Fliederstraße die Kündigung erhalten, da die Kirche das Gebäude verkaufen will und muss.
Die Frist über den 30. 9. hinaus zu verlängern sei jedoch nie ein Problem gewesen, unterstrich
Pfarrerin Susanne Stock am Abend vor großer Runde – (fast 40 Besucher waren Fröhlichs Einladung
gefolgt, so dass sogar extra Stühle herbeigeschafft werden mussten).
Tafel-Geschäftsführerin Ulrike Trümper, Vorstandskollege Roland Lutz (re.); li. Ludger Büngener,
Pastoralverbund St. Katharina Unna, zu dem die Herz-Jesu-Kirchengemeinde Königsborn gehört. Büngener
fand im diesjährigen Osternachtsgottesdienst überraschend klare Worte an die Adresse der katholischen
Gemeinden: Für die Tafel sei Hilfe angesagt.
Eine konkrete Lösung des Raumproblems böte sich einen Steinwurf weit direkt in Königsborn an:
An der Zechenstraße stünde der Tafel ein leeres Firmengebäude zur Verfügung, das so sagte Tafel-
Chefin Ulrike Trümper, gut in Frage käme – “es kostet aber 4000 Euro Miete.” Bei dieser Summe zogen
viele Anwesende hörbar die Luft ein.
“Für uns sind 1000 Euro Kaltmiete das Limit”, sagte Roland Lutz vom Tafel-Vorstand klipp und klar.
Aber dann müsse eben endlich, nach über elf Jahren reiner Spendenfinanzerung, über “ein Finanzpaket
aus öffentlichen Mitteln” reden, forderte Anabela Dias de Oliveira vom DrogenabhängigenHilfsprojekt LÜSA deutlich. “Das ist eine Tür, die man bisher noch gar nicht aufgemacht hat.” Jetzt steht
sie offen.
Man sprach klare Worte – auf Seiten der Tafel wie auch auf der der ev. Gemeinde.
Die Forderung, endlich ausgesprochen, nach öffentlicher Unterstützung für die Tafel griff die Gabriele
Meyer (CDU) als Vorsitzende des Sozialausschusses gleich offen auf. “Es stimmt, Sie sind nie
mit Zuschüssen bedacht worden, und darüber müssen wir konkret nachdenken. Es ist aber auch
eine Kreisaufgabe“, nahm sie die anderen Kommunen in die Pflicht, in der die Tafel Unna
insgesamt 3500 bedürftige Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt.
980 Tonnen Lebensmittel werden jährlich umgeschlagen, bilanzierte Ulrike Trümper, von Geschäften
gespendete Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden. Ausgabestellen sind in Königsborn und Massen
sowie in Bergkamen, Holzwickede, Fröndenberg, Lünen, Bönen und Selm.“Wenn Bönen eine eigene Tafel
hatte, würden die Menschen schlicht und ergreifend verhungern”, nannte Trümper die dringende
Notwendigkeit einer weiterhin gemeinsamen großen zentralen Lebensmittelsammel- und Ausgabestelle.
Die ist nun mal in Königsborn verwurzelt und soll, muss dort bleiben, warb der Tafel-Vorstand für ein
gemeinsames Bemühen um Standorterhalt. Die einzige passende Räumlichkeit, die in wochenlanger Suche
gefunden wurde, ist freilich – mit 4000 Euro Monatskaltmiete – nicht eben billig. Doch bisher konnte die
Tafel eben auch die Räume der ev. Gemeinde kostenlos nutzen, “wir bezahlen hier nur die
Betriebskosten, 200 Euro”, machte Ulrike Trümper dieses Entgegenkommen der Königsborner
Kirchengemeinde noch einmal klar.
Nichtsdestotrotz habe sie es “nicht schön gefunden, als mir am 31. März völlig unvorbereitet die
Kündigung zum 30. 9. zu Hause vorbeigebracht wurde”, sagte die Tafel-Vorsitzende deutlich zu den beiden
Pfarrerinnen Susanne Stock und Hannelore Hollstein, die mit am Tisch saßen. Auch Pfarrer Andreas Taube
war gekommen, die Runde war damit komplett. Man habe Fristen einhalten müssen, verteidigte Susanne
Stock diese (abrupt wirkende) Kurzfristigkeit.
Vorn links neben Pfarrerin Hollstein: Synodalassessor Hans-Martin Böcker aus Kamen, der momentan
während der Vakanz die Superindentin / den Superintendenten des Kirchenkreises vertritt.
Initiator Rudolf Fröhlich (CDU) zwischen den Pfarrerinnen Hannelore Hollstein (li.) und Susanne Stock.
Nichtdestoweniger wird der Mietvertrag nun verlängert um ein halbes Jahr – bis zum 31. März
nächsten Jahres. Neuneinhalb Monate lang kann die Tafel also erst einmal weitermachen wie bisher.
Die Politik versucht bis dahin über den Kreistag und die Bürgermeisterkonferenz ein gemeinsames
Finanzierungsmodell auf die Beine zu stellen, so dass man der Tafel im günstigsten Fall am Ende das
passende Mietobjekt an der Zechenstraße bezahlen kann.
Abzüglich des Eigenanteils, den die Tafel selbst zahlen könnte – immerhin 1000 Euro – bliebe für die
Kommunen ein gemeinsamer Restbetrag von 36 000 Euro zu tragen.
Vertreter der Lokalpolitik: Sarah Göldner (FW/FLU, 2. v. li.), Christoph Tetzner (Piraten, re.).
Die Freude über diese interfraktionelle Einigkeit war allen Besuchern der “Tafelrunde” anzusehen,
einschließlich den anwesenden Politiker des Unnaer Rates. Freilich warnte Piraten-Fraktionschef Christoph
Tetzner (der der Tafel übrigens eine eigene Immobilie angeboten hatte – die leider nicht passte) nach dem
vielversprechenden Gesprächsergebnis: “Es darf nicht wieder so kommen wie bei der Werkstatt im Kreis
Unna, wo Unna allein alle Zuschüsse zahlen muss.” Diesmal sind alle in der Pflicht.
Nächster Beschlusstermin in Sachen Tafel: Haupt- und Finanzausschuss Unna,
Donnerstag, 11. Juni, 17 Uhr, Ratssaal.
Für die Königsborner Gemeinde als Zuhörer da: Pfarrer Andreas Taube (2. v. li). Re. Dietrich Schneider
vom Ev. Kirchenkreis.