03.15 Leidenschaft Klettern: Kaum jemand verkörpert dies so sehr

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03.15
Prävention, Diagnostik, Therapie,
Rehabilitation & Medizintechnik
Leidenschaft Klettern:
Kaum jemand verkörpert dies so sehr
wie Thomas Huber, gemeinsam
mit seinem Bruder Alexander auch
als „Huberbuam“ bekannt.
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Sportmedizinische
Vorsorge
Prof. Dr. med. Kurt Steuer
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Schwimmerschulter
Leonie Antonia Beck
Prof. Dr. med. Alexander Beck
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Prof. Dr. med. Walter Schmidt
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Editorial
MEDIZINISCHE TRAINER?
Gleich zwei mittelstarke Erdbeben gingen in der vergangenen Woche durch ganz Fußballdeutschland. Jürgen Klopp erklärte seinen nicht ganz überraschenden Rücktritt zum
Ende der Saison und Dr. Müller-Wohlfahrt und sein Team beendeten die fast 40-jährige
­Zusammenarbeit mit dem FC Bayern München.
Dass ein Trainer nach knapp sieben Jahren einen
Verein verlässt, ist heutzutage natürlich auch
etwas Außergewöhnliches, man muss nur einmal bedenken, dass der HSV in dieser Saison
alleine schon vier Trainer hatte. Und natürlich
gehörte Jürgen Klopp mit seinen Erfolgen und
seiner Art quasi schon zum Inventar der
­Borussia. Trotzdem ist der Rücktritt von Dr.
Müller-Wohlfahrt und seinem Team fast noch
interessanter, denn er lässt viele Fragen offen
und zeigt gleichzeitig zwei ganz grundlegende
Fragen auf: Wie viel Macht darf eigentlich ein
Teamarzt in einem Verein haben und wie „medi­
zinisch“ sollte ein Trainer sein?
Natürlich bleiben bei solchen Geschehnissen
viele Fakten hinter verschlossenen Türen und
das Meiste sind Mutmaßungen. Dass persön­
liche Diskrepanzen zu solchen Schritten führen
können, ist auch kein Geheimnis und öffent­
liche Erklärungen, wonach „aus uns unerklär­
lichen Gründen die medizinische Abteilung für
die Niederlage (Porto) hauptverantwortlich gemacht wurde“ und man dadurch das Vertrauens­
verhältnis nachhaltig beschädigt hätte (MüllerWohlfahrt 16.04.) oder „der FC Bayern München mit Bedauern die Entscheidung von Vereinsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller Wohlfahrt
zur Kenntnis genommen hat, seine medizinische
Tätigkeit für den Klub niederzulegen“ (Pressemitteilung FC Bayern München 17.04.), sind
zwar notwendig, lüften aber meistens keine
Geheimnisse.
Pep Guardiolas Verhältnis zum Doc war von
Anfang an nicht optimal. So störte sich der
spanische Trainer daran, dass der Arzt tagsüber
nicht auf dem Trainingsgelände war und die
Spieler für Behandlungen und Untersuchungen
immer in seine Praxis mussten. Dann kam der
Streit bezüglich der Behandlung von Thiago,
bei dem Guardiola letztendlich eingestand,
03.15 medicalsports network
dass die Behandlung bei einem spanischen
Arzt nicht optimal war. Und schließlich das
hämische Klatschen in Richtung Bayern-Ärzte
nach der Verletzung von Benatia im Pokalspiel
gegen Leverkusen. Die Unstimmigkeiten aufgrund der vielen Verletzten und des drohenden
CL-Aus waren dann wohl nur noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Aufschlussreicher ist aber eine Situation aus dem
vergangenen Jahr. Beim Spiel gegen den 1. FC
Köln kritisierte der Trainer die Ärzte, nachdem
er Jerome Boateng zum wiederholten Male
verfrüht vom Feld nehmen musste. „Wir können nicht in j­edem Spiel einen Abwehrspieler
wechseln. Abwehrspieler spielen normalerweise von der ersten bis zur letzten Minute. Wir
müssen noch mal mit den Ärzten sprechen“, so
Guardiola. Diese Aussage kann man als Forderung an das medizinische Team auffassen:
Macht die Spieler fit! Oder man kann es als
grundsätzlichen Affront interpretieren: Ihr
macht eure Arbeit nicht richtig! Wer bestimmt
– wer führt – wer entscheidet? Diese Fragen
muss man sich in den Vereinen stellen, auch
hier gilt: Vernunft siegt. In einer guten und
kooperativen Zusammenarbeit zwischen Trainerteam und medizinischer Abteilung liegt der
Schlüssel zum Erfolg. Dass es bei Guardiola
und Müller-Wohlfahrt nicht gepasst hat, steht
außer Frage, die Trennung war demnach eine
logische Konsequenz.
Wer das bedauert, sollte einen Blick in den
Daily Mirror werfen: „Der sogenannte
‚Star-Doktor’ wird von vielen in der Sportwelt
gepriesen, aber es gibt auch Zweifel an seinen
Methoden. Er ist ein klassisch ausgebildeter
Arzt, aber einer, der Methoden anwendet, die
viele als Homöopathie ansehen würden.“ Oder
einfach nur abwarten, denn als Jürgen Klinsmann FCB-Trainer wurde, trat der Sportarzt
schon einmal zurück, kehrte aber sofort zurück, als Klinsmann entlassen wurde …
Ihr Masiar Sabok Sir
2
Inhalt
06 Prävention
LEBENDIGER SPORTLER =
GUTER SPORTLER
Prof. Dr. med. Kurt Steuer
14 Prävention
SCHWIMMERSCHULTER
Leonie Antonia Beck,
Prof. Dr. med. Alexander Beck
18 Diagnostik
SONOGRAPHIE
Dr. med. Marcus Siebert
22 Interview
ARKTISCHES FIEBER
mit Jörn Theissig
25 Forschung
YUKON ARCTIC ULTRA
Bild: © istockphoto.com | POMACHKA
Dr. med. Mathias Steinach
26 Forschung
HÖHENTRAINING
Prof. Dr. med. Walter Schmidt,
Nadine Wachsmuth
34 Therapie
KNORPELSCHÄDEN
Dr. med. Lukas Bauer,
Dr. med. Ulrich Lanz
38 Faszien
„AUCH ALS ERWACHSENER
SOLLTE MAN HOPSERLAUF
MACHEN“
Dr. Robert Schleip
40 Therapie
KONSERVATIVE THERAPIE
Masiar Sabok Sir,
Robert Erbeldinger,
Nils Schulz
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FALLBEISPIELE AKUT-RSWT
Dr. med. Stefan Mattyasovszky,
Steffen Tröster,
Prof. Dr. med. Christoph Schmitz
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SPORTKINESIOLOGIE
Dr. med. Werner Klingelhöffer
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Herausgeber
Jörg Peter Matthes [ JPM]
Mitherausgeber
Robert Erbeldinger
Anzeigenverkauf
Oliver Michaut
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Kathrin Witteborg
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Konzeption, Layout
4t Matthes + Traut Werbeagentur
www.4t-da.de
Jannette Jochum
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Beirat
Prof. Dr. Thomas Wessinghage (2006),
Ärztlicher Direktor der Medical Park Kliniken im Tegernseer Tal
Dr. med. Andree Ellermann (2008),
Facharzt für Orthopädie, Sport­medizin, Chirotherapie.
Ärztlicher D
­ irektor und ­Leitender Arzt ­ARCUS Sportklinik,
Pforzheim
Dr. med. Walter Oskar Schüler (2008),
Leitender Arzt Kardiologie/Innere Medizin
ARCUS Sportklinik, Pforzheim
Dr. med. Jens Enneper (2011),
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie,
Sport­medizin und C
­ hirotherapie Orthopädie und Sport/Köln
Dr. med. Andreas Gösele-­Koppenburg (2011),
Facharzt für O
­ rthopädie, Sportmedizin, ­
Ärztlicher D
­ irektor Crossklinik Basel
Dr. med. Thomas Frölich (2011),
Chirurgie, Allgemeinmedizin, Sportmedizin-­
Sporttraumatolgie, ­Ethianum Heidelberg
Dr. med. Frank Thormählen (2011),
Facharzt für Orthopädie und Unfall­chirurgie, ­Sportmedizin,
­Medizinische Trainingstherapie, ­Physikalische Therapie,
Chirotherapie, Hamburg
Prof. Dr. med. Wilhelm Haverkamp (2012),
Komm. Klinikdirektor der Medizinischen Klinik
mit Schwerpunkt Kardiologie, ­Charité Berlin
Helen Voigt
[email protected]
Prof. Dr. Mario Thevis (2012),
Leiter des Zentrums für Präventive
Dopingforschung an der DSHS Köln
Redaktion
Masiar Sabok Sir, Leitung (MSS)
[email protected]de
Sven Kruse (2012), Sportphysiotherapeut
des DOSB und Gründer/Inhaber
der MediVital Rehazentren, Hemer
Dr. med. Thomas Ambacher (TA)
Aidin Dinkhah (AD)
Jörg Peter Matthes ( JPM)
Dr. Gerhard Schilling (GS)
Yvonne Schmidt (YS)
Kathrin Witteborg (KW)
Dr. med. Thomas Ambacher (2013),
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, ­Chirurgie,
­Sportmedizin. Ärztlicher Direktor und Leitender Arzt
­ARCUS Klinik, Pforzheim
Druck
Frotscher Druck GmbH
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www.frotscher-druck.de
Preis
Einzelheft: 9,50 E incl. Versand
Jahresabo (8 Ausgaben)
Deutschland:
76 E incl. Versand, zzgl. MwSt.
Europäisches Ausland:
91,50 E, incl. Versand
Titelbild:
© www.huberbuam.de
Prof. Dr. med. Peter Angele (2014),
sporthopaedicum Straubing/Regensburg, ­Universitätsklinikum
­Regensburg, Vize-Präsident AGA, FIFA Medical Centre
Regensburg
Dr. med. Werner Krutsch (2014),
Universitätsklinikum Regensburg,
FIFA Medical Centre ­Regensburg,
Beratungsarzt Bayrischer Fußballverband
Robert Erbeldinger (2014), Dipl. Sportwissenschaftler
PD Dr. med. Matthias Brem (2015), Oberarzt und Funktions­­
bereichsleiter ­Orthopädische Sportmedizin, Klinikum Nürnberg
10. Jahrgang 2015
z.Zt. gilt die Anzeigenpreis­liste Nr. 10 vom September 2014.
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Der Verlag hat das Recht, den redak­tionellen Beitrag in unveränderter
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nehmen Verlag und Redaktion sowie die Agentur keinerlei Gewähr.
Die namentlich gekennzeichneten ­Beiträge stehen in der Verantwortung des Autors.
03.15 medicalsports network
FÜR DEINEN KÖRPER
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Interna
LIEBE LESER DER MEDICALSPORTSNETWORK,
Sie halten eine besondere Ausgabe der medicalsportsnetwork in der Hand. Wir richten unseren
Blick auf bemerkenswerte sportliche Aktivitäten, die auf außergewöhnliche Art und Weise
in der Natur durchgeführt werden und ein besonderes, herausragendes Erlebnis ermöglichen.
Das Phänomen, risikoreiche Situationen im Erlebnissport aufzusuchen, übt auf viele Menschen
eine gewisse Faszination aus. Wollen wir damit
als alleiniger Akteur unsere eigenen subjektiven
Grenzen ein Stück weit hinausschieben? An
einer Steilwand erlebt man das Ausgeliefertsein
im Hinblick auf die Natur und deren Gewalten
– es ist auch eine Form der Unsicherheit im
Leben. Dieser „Trend“ zeigt sich ebenfalls am
erhöhten Expeditionsangebot von Reise-Agenturen, denn Bergsteigen z. B. ist „in“. Sowohl
Außenstehende als auch Wissenschaftler sind
vom Extremsport und den damit verbundenen
Gefahren fasziniert – das Außergewöhnliche
ist in verschiedenen Fachgebieten ein spannender Forschungsgegenstand – die Sportler werden genauestens unter die Lupe genommen.
Man fragt sich: Warum gibt ein Mensch bewusst seine Sicherheit auf? Was veranlasst einen
Menschen zu einer Handlung, die die bewusste
Inkaufnahme risikoreicher, gefährlicher Situationen beinhaltet? Was treibt sie an bzw. worin
liegt ihre Motivation? Die Antworten sind
viel fältig. Ein Ansatz könnte darin bestehen,
dass Extremsportler sich ihren physischen,
psychischen, finanziellen und zeitlichen Ressourcen aussetzen, um das Risiko zu suchen. Die
Motivation, das eigene Selbstvertrauen und die
Emotionen im Zusammenhang mit bereits erbrachten Leistungen bilden eine Einheit. Der
Sport in extremer Höhe oder auch unter extremen Bedingungen ist ein Gegenstand des
Außergewöhnlichen und hat für den Athleten
sicherlich auch eine hohe emotionspsychologische Bedeutung – so manch einem mögen
an dieser Stelle auch Begriffe wie Flow-Erleben
oder Sensation Seeking in den Sinn kommen.
Es werden Leistungsgrenzen und Grenzerfahrungen aufgesucht. Unter höchsten psychischen
und physischen Krafteinsatz und maximaler
Konzentration wird bei härtesten Bedingungen
das persönliche Ziel angestrebt. Ist dieses erreicht, treten Hochgefühle auf, die das eigene
Tun bestätigen und belohnen. Ein unglaublicher
Moment! Thomas Huber auf unserem Titelbild
gibt Ihnen vielleicht schon einen gewissen Vorgeschmack.
Viel Spaß beim lesen,
Ihre Kathrin Witteborg
6. MEDICALSPORTSNETWORK KONGRESS
Samstag, 10. Oktober 2015 in der ARCUS Sportklinik Pforzheim
SAVE THE DATE
Themen
ND
STA ARD
LD
IT GOLD
ST
DM
AR
GOLDSTAND
IT
M
D
DAR MIT G
O
AN
4
§
§
§
§
§
Kontroversen in der Sportkardiologie
Ultraschalldiagnostik beim Sport
Functional Movement Screen (FMS)
Überlastungssyndrome beim Tennis
Patella – aktuelle Behandlungskonzepte
§
§
§
§
§
Operative Versorgung von Muskelverletzungen
Dreidimensionale myofasziale Bewegungsketten
Return to play nach Kreuzbandverletzungen
workshops Sportkardiologie + FMS
Talk im Foyer mit Specialguest Marc Girardelli
Mehr Informationen
Masiar Sabok Sir | [email protected] | Tel: 06151-360 56 19
medicalsports network 03.15
Arthrosetherapie mit Polynukleotiden
Im Rahmen der 63. Jahrestagung der Vereinigung Süddeutscher
Orthopäden und Unfallchirurgen e. V. (VSOU) findet am Freitag,
1. Mai ein Fachsymposium zum Thema „Intra-artikuläre Therapie
der Arthrose – aktuelle Erkenntnisse zur Therapie mit Poly­nukleo­
tiden“ statt. Prof. Billigmann, Institut für Leistungsdiagnostik
und Sporttraumatologie in Koblenz, der die wissenschaftliche
Leitung des Humantis-Symposiums inne hat, wird einen Überblick über die aktuelle Studienlage der Arthrosetherapie mit Poly­
nukleotiden geben und aktuelle Erfahrungswerte aus der Praxis
vorstellen. Der Fachvortrag von Prof. Schmal, Leitender Oberarzt
der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg, beschäftigt sich mit den Behandlungsstrate­
gien bei Arthrose. Dr. Schröder, Praxis für Orthopädie und
­Unfallchirurgie in Wuppertal-Ronsdorf, wird zum Thema „Adenosinrezeptoren: Nachweis der Sensitivität für Desoxyadenosin –
Wirkmodell für Polynukleotide“ referieren. Das Produkt Chondro­
Joint der Firma Humantis setzt bei der Arthrosetherapie gezielt
auf hochgereinigte physiologische Polynukleotide, die in Form
eines Gels direkt in das Gelenk gespritzt werden. Diese Art der
Therapie hat sich in den letzten Jahren bereits in vielen Ländern
Europas bestens bewährt.
www.humantis.de
Heart and Sports 2015
Der 2. Kongress für Sportkardiologie „Heart and Sports 2015“
findet am 12. und 13. Juni in Erlangen statt. Nach dem Erfolg und
der sehr positiven Resonanz auf die Veranstaltung im Mai 2014,
wurde in diesem Jahr wieder ein praxisnahes und interaktives Programm zusammengestellt. Ausgewählte Experten werden die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem spannenden Gebiet der Sportkardiologie präsentieren und Tipps für den klinischen
Alltag geben. Dabei soll natürlich auch genügend Platz für angeregte Diskussionen sein. Gibt es eine Sportsucht? Ist Marathon
lebensgefährlich? Sind Cholesterinsenker „Trainingskiller“? Wie
wird die Sportkardiologie im Alltag niedergelassener Ärzte gelebt?
Welche Bedeutung hat die Echokardiografie beim Sportler wirklich? Diesen und vielen anderen Fragestellungen wollen sportmedizinisch interessierte Ärzte aller Fachrichtungen auf den Grund
gehen und von den Erfahrungen anderer lernen. Aufgelockert
wird das Programm u. a. durch einen „KardioFun-Run“ am 12.
Juni, zu dem die Kongressteilnehmer herzlich eingeladen sind.
www.heart-and-sports.de
03.15 medicalsports network
5
Prävention
6
medicalsports network 03.15
LEBENDIGER SPORTLER =
GUTER SPORTLER
Plädoyer für eine konsequente Umsetzung qualifizierter sportmedizinischer
Vorsorgeuntersuchungen in Deutschland
Prof. Dr. med. Kurt Steuer, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie
und Unfallchirurgie des Johanniter Krankenhauses Bonn
Für das italienische Staatsgebiet müsste ein vergleichbarer
Artikel nicht geschrieben werden. In Italien wurde bereits
im Dezember 1978 mit der gesetzlichen Einführung des
nationalen Gesundheitsdienstes SSN der Schutz
der Gesundheit für Sporttreibende in den Rang
eines Gesetzesziels erhoben.
Im Februar 1982 wurde mit dem Dekret „Normen zum gesundheitlichen Schutz der wettkämpferischen Tätigkeit“, eine Gesetzesnovellierung in Kraft gesetzt, welche als Kerninhalt die
sportmedizinische Eignungsuntersuchung verpflichtend vorschreibt (siehe Resnyak: Sportmedizin in Italien, medicalsportsnetwork 06.14) [1]. Aber auch der deutsche Rechtsraum ist aktuell nicht frei von Regula rien und Empfehlungen.
Worum geht es?
Der plötzliche Herztod oder „sudden cardiac death (SCD)“ beschreibt einen unerwartet auftretenden Tod durch einen Herzstillstand. Ursächlich dominieren bei plötzlichen Herztodesfällen bei anscheinend gesunden und jungen Leistungssportlern
angeborene Herzmuskelerkrankungen und entzündliche, meist
im Rahmen von Infektionen erworbene Herzerkrankungen [2].
Statistisch betrachtet ist das Risiko, einen plötzlichen Herztod
zu erleiden, bei jungen Sportlern 2,5-mal höher als bei Nichts-
03.15 medicalsports network
Prävention
portlern [3]. Wobei an dieser Stelle darauf
hingewiesen werden soll, dass je nach Interessenlage und Blickwinkel höchst unterschied­
liche Wahrscheinlichkeiten publiziert werden.
Eine Aussage ist aber aus allen Angaben abzuleiten: Das Risiko ist erschreckend hoch. Unter
dem Begriff der Inzidenz, d. h. einer Neu­er­
krankung an einer bestimmten Krankheit, üblicherweise pro 100.000 Einwohner und Jahr
angegeben, publiziert Van Camp 1995 für den
plötzlichen Herztod Wahrscheinlichkeiten von
1,45/100.000 [4]. Für männliche ameri­ka­nische
Basketballspieler berichtet Harmon 2011 über
Wahrscheinlichkeiten von 1/3.100 Sportlern,
einen SCD pro Jahr zu erleiden [5]. Harmon
resümiert, dass für die Gesamtheit der im Rahmen der National Collegiate Athletic Asso­
ciation (NCAA) organisierten Sporttreibenden
damit der plötzliche Herztod (SCD) die führende medizinische Todesursache darstellt [5].
Anlässlich der 24. Handball-Weltmeisterschaft
im Januar 2015 in Qatar referierten im Rahmen
des sportmedizinischen Symposiums unter dem
Titel „Conference on New Sports Medi­
cine
Concepts in Handball“ Victoria Watt und
Maria-Carmen Adamuz. Unter der Über­
schrift „Sudden Cardiac Death in Handball“
wurden von den Kardiologinnen für einen
Fünfjahreszeitraum Ergebnisse für 476 in
­Qatar untersuchte Handballsportler vorgestellt.
Demnach mussten die Kardiologinnen der
­Aspetar Sport­k linik in Qatar Prävalenzzahlen
von 1/238 für „Herzkreislaufzustände, die in
einem SCD münden könnten“, feststellen.
D. h.: 0,4 % der untersuchten Handballsport­
lerinnen, vor allem aber der männlichen Sportler, waren auffällig, also gefährdet [6]. Die
Autorinnen schlossen daraus, dass 4/1000 Hand­
ballsportler Herzveränderungen aufwiesen, die
in einem SCD münden können.
Wer sind in Deutschland die Meinungsbildner?
Für Deutschland lassen sich im Wesentlichen
vier Gruppen von Handelnden erkennen.
Es handelt sich hierbei um:
1. Die deutsche Sportmedizin
„„ 2. Den Deutschen Olympischen Sportbund
(DOSB)
„„ 3. Die Berufsgenossenschaften –
hier unter Federführung der Verwaltungs„„
8
„„
berufsgenossenschaft (VBG) – als gesetz­
licher Versicherer der Berufssportlerinnen
und Berufssportler
4. Die Krankenkassen
1.Deutsche Sportmedizin
Bereits im Jahre 2002 veröffentlichte die heutige Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin
und Prävention (DGSP) ein abgestuftes sport­
ärzt­liches Vorsorgekonzept. Für verschiedene
Zielgruppen wurden von einer Experten­kom­
mis­
sion und dem Präsidium der Deutschen
Gesellschaft für Sportmedizin Vorschläge für
ein vierstufiges Untersuchungsprogramm veröffentlicht [7]. Demnach sieht der Vorsorg­e­
katalog für die Stufe 1 mit der Zielgruppe
„„ aller Sporttreibenden im Kindesund ­Jugendalter, aber auch den
„„ Freizeit-, Breiten- und Volkssportler
bis 35 Jahre
inhaltlich einen
„„ Anamnesebogen zum Selbstausfüllen,
„„ eine durch einen Arzt zu erhebende
­standardisierte Anamnese sowie
„„ eine körperliche Untersuchung
­(internistisch und orthopädisch)
gemäß einem Erhebungsbogen vor,
ggf. zusätzliche Untersuchungen
bei bestimmten Sportarten.
Gemäß diesem aus dem Jahr 2002 stammenden Konzept waren für die Stufe 1 Sportler nur
fakultativ ein EKG in Ruhe, ggf. Laboruntersuchungen (Urinstatus) bzw. eine Belastungsuntersuchung (Ergometrie) vorgesehen. Breiten­
sportler mit zukünftiger Wettkampf­teilnahme
oder bei Trainingsumfang von sechs Stunden/
Woche, aber auch Leistungssportler, die keinem
der Kader angehören, wurden nach diesem
Konzept in die Stufe 3 eingeordnet. Natürlich
waren auch für diese Sportler Vorsorgeunter­
suchungen wie für die Stufe 1 vorgesehen.
Zusätzlich wurde seitens der DGSP aber mit
einer Ergometrie (Fahrrad, Lauf band) bzw.
einem Belastungs-EKG, einer Echokardio­
graphie sowie speziellen orthopädischen Unter­
suchungen bzw. einer Labordiagnostik (z. B.
Urinstatus, Blutbild, Lipidstatus, Ferritin,
K alium, Magnesium, gGT, Kreatinin, Blut­
­
zucker) eine deutlich ausgeweitete Diagnostik
empfohlen [7]. Im Jahr 2007 wurden seitens der
DGSP die sogenannte „S 1-Leitlinie Vorsorge­
untersuchung im Sport“ veröffentlicht. Die
DGSP wollte mit diesen Leitlinien ganz bewusst zum einen die internistisch und ortho­
pädisch orientierten Sportärzte sensibilisieren,
aber auch – als zweite Zielgruppe – die Sporttreibenden selbst ansprechen. Die Leitlinien
fassten unter evidenzbasierten Kriterien die Ergebnisse einer Literaturrecherche in Form von
Empfehlungen zur Untersuchungsgestaltung
zusammen [8]. Durch die Veröffentlichung im
Deutschen Ärzteblatt im Jahr 2010 erreichten
Löllgen, Leyk und Hansel unter dem Thema
„Sportärztliche Vorsorgeunter­suchung im Breiten- und Freizeitsport: Internistisch-kardio­
logische Aspekte“ eine wirklich breitere ärzt­
liche Leserschaft [9]. Löllgen et al. kommen als
Ergebnis einer Konsensuskonferenz zu der
Empfehlung, dass aus ethischen, juristischen
und medizinischen Gründen eine sportärzt­
liche Vorsorgeuntersuchung mit einer einheit­
lichen Anamnese, einer klinischen Untersuchung und einem qualifizierten Ruhe-EKG als
Standard vorzuschlagen ist [9]. Die Autoren
weisen auch in dieser Publikation auf die wohl
bekannteste und häufig zitierte Arbeit von
Corrado hin. Corrado publizierte bereits im
­
Jahre 2006 als Ergebnis einer retrospektiven
italienischen Studie mit mehr als 34.000 Beo­
bachteten, dass durch qualifi­zierte sportärzt­liche
Vorsorgeunter­such­un­gen in der Gruppe der im
Vorfeld untersuchten Sportler eine Senkung
der sport­assoziierten Todesfälle um 89 % möglich war [10].
2. Deutscher
Olympischer S­ portbund (DOSB)
Der Deutsche Olympische Sportbund lässt erfreulicherweise keinerlei Zweifel an seiner
Grundintention zu. Unter der Überschrift
„Einmal im Jahr zur Grunduntersuchung“ wird
die Marschrichtung unmissverständlich formuliert [11]. Zu beachten ist aber, dass nicht
alle Sportlerinnen und Sportler in den Verantwortungsbereich des DOSB fallen. Der DOSB
ist für C-, B- und A-Kader­
athletinnen und
Athleten verantwortlich, die ihm von den jeweiligen Sportverbänden zum entsprechenden
Stichtag gemeldet worden sind. Für diese
­A ktiven sind jährliche – präventiv ausgerichtete
medicalsports network 03.15
– standardisierte sportmedizinische Gesundheitsuntersuchungen vorgesehen. Mit dem
Hinweis, dass je nach der Spezifik der betriebenen Sportart spätestens im D-Kader
eine „Eingangsuntersuchung“ verpflichtend
durchgeführt werden sollte, können auch
junge Sportler, die sich im Grenzbereich
zum Leistungssport befinden, gemeldet und
damit der Untersuchung zugeführt werden.
Der DOSB hat – je nach dem Anforderungsprofil der Sportdisziplin – vier Kategorien aufgestellt, die sich bezüglich des
abzuarbeitenden medizinischen Untersuchungsspektrums unterscheiden. Deutsche
Handballspielerinnen und -spieler, d. h.,
DHB-Kaderathleten, sind wie auch Basketballer der höchsten und damit „aufwendigsten“ Kategorie 4 zugeordnet.
Unabhängig von allen Kategorien wird expressis verbis, um „lebensbedrohliche Herzund Gefäßerkrankungen rechtzeitig erkennen zu können“, seitens des DOSB für
jeden Sportler eine echokardiographische
Untersuchung gefordert. Diese sonographische Untersuchung soll alle zwei Jahre
wiederholt werden, bei Auffälligkeiten jährlich. Hat der jeweilige Sportverband die zur
Untersuchung vorgesehenen Sport lerinnen
und Sportler bei einem der vom DOSB lizenzierten sportmedizinischen Untersuchungszentren anmeldet, erfolgt die Abrechnung der Kosten für die sportmedizinischen
Gesundheitsuntersuchungen sowie eventuell
für die einer gleichzeitig durchgeführten
leistungsphysiologischen Untersuchung entsprechend der geltenden Gebührenordnung
für Ärzte (GOÄ) über den Geschäftsbereich Leistungssport des DOSB [12]. Nicht
unerwähnt soll bleiben, dass der DOSB eine
Liste von 24 lizenzierten sportmedizinischen Untersuchungszentren veröffentlicht
hat, die für vergleichbare Untersuchungen
angesprochen werden können.
3. Berufsgenossenschaften –
die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG)
So klar und nachvollziehbar der DOSB
seine Position darstellt, so unübersichtlich
erscheint die Rolle des gesetzlichen Unfallversicherers, d. h. der Berufsgenossenschaft.
03.15 medicalsports network
Die seitens der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) verantwortete medizinische
Rehabilitation ist vorbildlich und steht hier
nicht zur Diskussion. Für den aktuell zu
beleuchtenden Präventionsbereich überrascht
aber ein Widerspruch zwischen einerseits
einer Fülle vonseiten der VBG klar adressierter Anforderungsprofile, z. B. gegenüber Vereinsvorständen und anderseits einer
gleichzeitig erschreckend wenig konkreten
Verantwortlichkeit. Die Aufgaben und vor
allem das konkrete Leistungsangebot der
Berufsgenossenschaft im Bereich der Prävention sind intransparent. Demnach ist die
Abwägung von „Pflichten“ und „Rechten“
unausgewogen. Eindeutig geklärt ist die
Frage „Wer ist versichert?“ Alle bei Sportvereinen angestellten Sportler, die im Training die körperliche Leistungsfähigkeit erhalten und steigern, um zugunsten des
Vereins im Wettkampf Leistung zu erbringen, unterliegen dem Versicherungsschutz.
Der „unversicherte Freizeitsport“ wird
eindeutig von der unfallversicherten (beitragspflichtigen) Sportausübung abgegrenzt.
So ist der Unfallversicherungsschutz ab
01.01.2015 daran gebunden, dass einkommensteuer- und sozialversicherungspflichtige Geld- oder Sachleistungen fließen, die
(1.) in jedem Monat der Vertragslaufzeit die
Grenze von 200 Euro netto überschreiten
und (2.) den gesetzlich vorgesehenen Mindestlohn nicht unterschreiten [11].
Ebenso eindeutig plakatiert die VBG die
Rolle des „juristisch Verantwortlichen“. Für
die Sicherheit und Gesundheit der „Versicherten der VBG“ trägt im Sportverein der
Vorstand die Verantwortung. So ist der
Vorstand eines Sportvereins als Vertreter
der juristischen Person „Sportverein e. V.“
für den sicheren und gesundheitsgerechten
Vereinsbetrieb verantwortlich. Der jeweilige Vereinsvorstand kann völlig problemlos
nachlesen, dass er mit (1.) den Vorschriften
des Arbeitsschutzgesetzes, (2.) dem Sozialgesetzbuch VII und (3.) der Unfallverhütungsvorschrift, hier auch den „Grundsätze(n) der Prävention“ (BGV A1), einer
Fülle von gesetzlichen Normen unterliegt.
In der DGUV-Vorschrift „Grundsätze der
Prävention“ wird der Vorstand explizit zu
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Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie des Johanniter Krankenhauses Bonn
„„
Lehrauftrag an der Hochschule Bonn
Rhein Sieg, hier mitverantwortlich im
Fachbereich Sozialversicherungen für
das Studium des berufsgenossenschaftlichen Nachwuchses und den
Studienabschluss Bachelor of Arts,
Fachrichtung Sozialversicherungsmanagement
Netzwerk
„„
leitender Verbandsarzt des Deutschen
Handballbundes (DHB)
[email protected]
Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten
Gesundheitsgefahren verpflichtet [12]. In der
Rubrik „Pflichten“ rät die Berufsgenossenschaft dem Vereinsvorstand: „Besprechen Sie
im Vorstand die Verantwortung für den sicheren Vereinsbetrieb (...) Beurteilen Sie die Arbeitsbedingungen, insbeson­dere Gefährdungen
der Beschäftigten und Mitglieder beim Sporttreiben. Prüfen Sie, ob arbeitsmedizinische
Vorsorge erforderlich ist.“ [13] Neben der
Notwendig­keit der arbeitsmedizinischen Vorsorge werden seitens der VBG auch
sportmedizi­
nische Untersuchungen ins Feld
geführt. Als dezidiertes Ziel der sportmedizinischen Untersuchungen wird in diesem
Zusammen­hang auch die Beurteilung individueller gesundheitlicher Risiken des Sportlers
(z. B. Spielfähigkeit) benannt [14]. Dass es die
VBG sehr genau versteht, „Pflichten“ zu formulieren, ist auch in VBG-Publika­tionen wie
„Training und Übungen sicher leiten – Tipps
10
und Hinweise für Übungsleiter und Trainer“
nachzulesen. So werden nicht nur Ausführungen zur „Aufsichtspflicht“ nach­lesbar. Zitat:
„Sie haben als Übungs­leiter und Trainer für die
körperliche U
­ nversehrtheit der von Ihnen betreuten Sportler zu sorgen ... Beim Training
und bei Übungen mit Jugendlichen haben Sie
weitergehende Aufsichtspflichten, da Sie quasi
‚die Rolle der Eltern‘ übernehmen … Sie haben
sich über die körperlichen Voraus­setzungen der
von Ihnen betreuten Sportler zu informieren;
hierzu gehört nicht nur die momen­tane körperliche Leistungsfähigkeit, sondern auch der indi­
vi­duelle Gesundheitszustand – z. B. Diabetes.
Sie sollten sich immer einen Überblick verschaffen, welchen Gefahren die Teilnehmer
während der Übungseinheit ausgesetzt sind.“
[15] Die VBG schreckt nicht einmal davor
zurück, ihren Anforderungskatalog mit dem
dezidierten Hinweis auf das Bürger­liche Gesetzbuch (§ 823, § 832 BGB) zu unterstreichen.
Die Rubrik „Rechte“ lässt eine vergleichbar
konsequente Handschrift vermissen. Ein dem
DOSB vergleichbarer kon­k reter Leistungskatalog, d. h., eine Auflistung der seitens der
VBG angebotenen und verantworteten Leis­tun­
gen mit Ansprechpartnern und einer Kosten­
übernahme­erklärung ist nicht veröffentlicht.
Die VBG führt zwar aus, dass im organisierten
Sport die sportmedizinische Untersuchung
­fester Bestandteil des Sportbetriebs ist und die
Indikation und die zeitlichen Intervalle sportmedizinischer Untersuchungen in erster Linie
durch den Trainer/Übungsleiter in Absprache
mit ­
einem Sportmediziner (z. B. Vereinsarzt)
vorgegeben würden, die Rolle und Verantwortung des gesetzlichen Unfallversiche­
r ungs­
trägers bleibt aber unklar. Die Aussage, die
sportmedizinische Unter­
suchung wird in der
Regel von dem Vereinsarzt (Sportmediziner)
durchgeführt, ist schnell formuliert [16]. Schon
die Kombination aus „internistisch-kardio­
logischer“ und „orthopädischer“ Fragestellungen sollte den auch für Prävention verantwortlichen Ver­
sicherer vielleicht veranlassen, die
praktischen Abläufe zu hinterfragen und ggf.
zu regeln. Sicher ist, dass die üblicherweise
eingesetzten, d. h. verpflichteten Arbeitsmediziner bei Fragen des Leistungssports schnell an
ihre inhaltlichen Grenzen stoßen. Der alleinige
Verweis auf einen Einsatz des Mannschafts­arztes
ist aber zu einfach. Wird seitens der Berufsgenossenschaft darauf verwiesen, dass in manchen
Amateursportbereichen für die Ausübung der
entsprechenden Sportarten seitens der Spitzen­
ver­bände regelmäßige ärztliche Untersuchungen vorgeschrieben sind, in anderen Sportarten
sogar Gesundheitsbescheinigungen für die
Wett­k ampfzulassung verlangt werden, ist das
Reg­
lement für den durch sie verant­
worteten
Berufssport zumindest überraschend lückenhaft. Die VBG fordert zwar mit Hinweis auf
das Lizenzierungsverfahren sport­medi­zi­nische
Untersuchungen, die praktische Umsetzung
dieser Maßnahmen wird aber weder organisiert
noch die Durchführung kontrolliert, Hin­weise
für eine finanzielle Absicherung vergleichbarer
Untersuchungen sucht man vergeblich. Die auch
für die Sportart Handball seitens der VBG mit
der Handball-Bundesliga (HBL) abgestimmten sportmedizinischen Un­tersuch­ungs­­bögen
können hier allenfalls als erster Schritt in die
richtige Richtung verstanden werden.
medicalsports network 03.15
Bemerkenswert ist der Hinweis, wonach die Untersuchung von
Profi­sportlern gemäß den sportmedizinischen Untersuchungsbogen
wegen der präventiven Zielsetzung auf die betriebsärztliche Betreuungszeit angerechnet werden können [16]. Konkrete Vorgaben über
Umfang und Form der „betriebsärztlichen Betreuung“ der Berufssportler habe ich nicht finden können, mit Ausnahme eines Hinweises, wonach arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen von Fach­
ärzten für Arbeitsmedizin oder Ärzten mit der Zusatzbezeichnung
Betriebsmedizin durchgeführt werden sollen [16]. Es sollte eigentlich nicht der Realität entsprechen, wenn bezüglich der Prävention
von Gesund­heitsschäden für die relativ kleine Gruppe der Berufssportler und damit für eine Versichertengruppe, die nur von ihrer
körperlichen Leis­tungsfähigkeit „lebt“, niedrigere Maßstäbe angelegt werden als für Freizeitsportler. Die Berufsgenossenschaft verpflichtet die mit ihnen zusammenarbeitenden Partner sehr real, zur
Not auch mit Verweis auf das Bürgerliche ­Gesetzbuch. Welchen
konkreten Beitrag die VBG in Zukunft leisten will, um ihren
Präventionsverpflicht­ungen nachzukommen, ist kurzfristig zu verhandeln und dann praktisch umzusetzen. Seitens der Berufsgenossenschaft ist meines E
­ rachtens kein grundlegender Widerstand, eher
jedoch noch Unsicher­heit über ­Ziele, Aufgaben und eine praktische
Umsetzung zu bemerken. So unkompliziert, umfassend und – für den
Sportler – kostenfrei, wie der DOSB die Kadersportler absichert, so
unkompliziert und umfassend sollte ein vergleichbares Betreuungsangebot für die gesetzlich versicherten Berufssportler durch die Berufsgenossenschaft zeitnah entwickelt werden.
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4. Gesetzliche Krankenkassen
Die Rolle der gesetzlichen Krankenkasse ist wichtig, ist sie für die
mit Abstand größte Zahl der potenziellen Leistungsnachfrager zuständig. Die meisten von einer sportmedizinischen Vorsorgeunter­
suchung profitierenden Sportlerinnen und Sportler sind keine Kader­
athleten oder Berufssportler. „Die Kosten für rein präven­
tive,
sportmedizinische Untersuchungen über­
nehmen die gesetzlichen
Krankenkassen nicht.“ [17] Diese Aussage ist für das Jahr 2015
glücklicherweise nicht mehr so richtig, diese Aus­sage war vor zehn
Jahre aber zutreffend und stammte von der Stiftung Warentest. Die
­renommierte Stiftung Warentest publizierte im Jahr 2006 (Testheft
2/2006) einen Leistungsvergleich zwischen niedergelassenen Sport­
ärzten und sportmedizinischen Untersuchungszentren für sportmedizinische Vorsorge­untersuchungen. Klare Testsieger waren damals
die Sportzentren in Hamburg und München. Diese ließen sich die
ärztlichen Untersuchungen aber auch mit bis zu 970 Euro fürstlich
entlohnen. Ein bereits im Januar 2006 seitens der Stiftung Warentest
gegebener Hinweis ist auch 2015 noch gültig. Sofern ein Patient
gesundheitliche Beschwerden angibt, das Treppensteigen schwer­
fällt, die Brust schmerzt oder Probleme bei der Atmung auftreten,
sind zumindest Teile einer eigentlich präventiven sportmedizi­
nischen Untersuchung als Kassenleistung abrechenbar [17]. Sechs
Jahre später, im November 2012, informierte der Bayrische Sport­
ärzteverband seine Mitglieder über eine mit der Techniker Kranken-
03.15 medicalsports network
JETZT MIT SPEZIALTRAINING
DER RADIALEN STOSSWELLENTHERAPIE IM PROFI-FUSSBALL
11
Prävention
kassen abgeschlossene Vereinbarung. Unter der
Überschrift „Sportmedizinische Vorsorgeuntersuchungen mit der TK – qualifizierte
IGEL-Leistungen durch Sportmediziner“ wurde publiziert, dass es dem ersten sportmedizi­
nischen Landesverband in Deutschland gelungen sei, mit einer Krankenkasse einen Vertrag
über die Erbringung einer sportmedizinischen
(IGEL-)Leistung abzuschließen. Gemäß dieser
Vereinbarung erstatten die Techniker Kranken­
kassen ihren Mitgliedern 80 % der ärztlichen
Rechnung, welche zwischen 66 und 150 Euro
läge. Die Nachfrage nach diesen sportmedizinischen Vorsorgeleistungen sei in Regensburg,
Erlangen und Würzburg hoch [8]. Da die
sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung ein
lukratives Zusatzgeschäft für Ärzte ist, veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin im Internet genaue Abrechnungs­
modalitäten. Demnach werden vergleichbare
sportmedizinische Untersuchungen als Basis­
untersuchung mit 84,85 Euro incl. aller denkbaren Zusatz­untersuchungen mit bis zu 190,16
Euro + 3,35 Euro pro Anzahl der Laktatmessungen in Abrechnung gebracht werden [19].
Im September 2013 konnte im Deutschen Ärzteblatt die Nachricht gelesen werden: „Immer
mehr Krankenkassen übernehmen sport­medi­
zinische Vorsorgeuntersuchung.“ Die Deutsche
Gesellschaft für Sportmedizin benachrichtigte
hier über eine Kostenübernahme für Sportvorsorgeuntersuchungen durch die Techniker
Krankenkasse, die BKK RWE, die BKK vor
Ort und die BKK Mobil Oil [20]. Die Realität
ist aber weiterhin kompliziert. Im Jahr 2015 ist
nicht einmal innerhalb „derselben Ersatzkasse“
ein einheitlicher, an den Versicher­ten zurückfließender Erstattungsbetrag üblich. So erstattet beispielhaft die AOK Nordost für sportmedizinische Untersuchungen 80 % der Kosten
– bis maximal 50 Euro. Die AOK Rheinland/
Hamburg übernimmt für die sportmedizinischen Untersuchungen im Rahmen des Gesundheitsbudgets bis zu 125 Euro pro Jahr.
Eine Teilnahme am Gesundheitsbudget ist jedoch Voraussetzung. Die AOK PLUS lässt
mitteilen, dass sie der Einfachheit halber 90 %
des Rechnungsbetrages – bis zu 120 Euro –
übernimmt. Die AOK Bremen/Bremerhaven
bezahlt die sportärztliche Untersuchung komplett, hier aber mit dem Vermerk „im Rahmen
der 300 EUR PLUS für zusätzliche Leistungen
pro Jahr“. [21] Die Angaben der Vaillant BKK
sind ­
vergleichsweise eindeutig. Sie teilt mit,
dass sie für sportmedizi­nische Untersuchungen
80 % der Kosten im Rahmen des Gesund­heits­
kontos bis max. 300 Euro pro Jahr bezahlt [21].
Für den interessierten Versicherten bleibt, nur
im Internet im Rahmen von Vergleichsportalen
[21] die Erstattungsmodalitäten der Kranken­
kassen nach­
zulesen oder die Recherche auf
seine gesetzliche Kranken­versicherung zu konzentrieren.
Fazit
Wenn es uns gelingt, bei nur einer Sportlerin
oder einem Sportler einen plötzlichen Herztod
zu verhindern, haben wir schon alles richtig
gemacht und das Engagement hat sich ausgezahlt. Die deutsche Sportmedizin fordert
spätes­tens seit dem Jahr 2010 aus ethischen,
juristischen und medizinischen Gründen eine
präventive sportmedizinische Untersuchung mit
Mindeststandard. Der Deutsche Olympische
Sportbund (DOSB) hat seit Jahren für seine
Kaderathleten ein vorbildliches Angebot in der
Praxis verankert. Jeder Kaderathlet, der sich
nicht in jährlichem Abstand prophylaktisch
untersuchen lässt, handelt fahrlässig. Ein Sport­
lerumfeld, das vergleichbare Versäumnisse toleriert, hat sich demselben Vorwurf zu stellen.
Die Berufsgenossenschaft (VBG) als gesetz­
licher Versicherer der deutschen Berufssportler
muss konkretere Angebote entwickeln, um im
Rahmen des Arbeitsschutzes und der selbst
gesteckten Präventionsziele ihren Verpflichtun­
gen nachweislich gerecht werden zu können.
Unverbind­
liche Absichtserklärungen müssen
zugunsten eines realen Handelns und einer
kontrollierbaren Übernahme von Verantwortung
sofort abgelöst werden. Die Krankenkassen
tragen für den ambitionierten Freizeitsportler
und damit für die mit Abstand größte Gruppe
Verantwortung. Die Krankenkassen, in gleichem
Maße aber natürlich auch die als Leistungsanbieter auftretenden Sportmediziner, sollten sich
ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung
bewusst werden. Hier ist mit Nachdruck von
allen Beteiligten ein sinnvolles Handeln zu
fordern. Was getan werden soll, ist nachlesbar.
Literatur beim Autor und in seinem Beitrag
auf www.medicalsportsnetwork.com
Handball – natürlich kein körperloser Sport
12
Bilder: © Sascha Klahn
medicalsports network 03.15
Verband
DEGUM
BEIM SPORT UMGEKNICKT?
Etwa jede vierte Verletzung im Sport betrifft
das Sprunggelenk. Vor allem beim Ballsport,
aber auch beim Tennis oder Laufen kommt es
häufig vor, dass Sportler mit dem Fuß um­
knicken und sich so ein Band zerren oder gar
einen Bänderriss zuziehen. Welche Schäden
genau im Gelenk entstanden sind, kann der
Orthopäde oder Unfallchirurg mittels Ultraschall abklären. Ergänzend oder auch alternativ
zu Röntgen und MRT liefere die Sonografie
bei Sprunggelenksverletzungen entscheidende
Informationen, betont die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). Trotz Schwellung und Schmerzen sei
die sonografische Abklärung auch bei einer
frischen Verletzung möglich. „Gerade auch bei
Kindern und Jugendlichen sollten wir die
strah­
lenfreie Alternative mittels Ultraschall
wählen, wann immer dies möglich ist“, so Dr.
Hartmut Gaulrapp, stellvertretender Leiter des
DEGUM-Arbeitskreises Bewegungsorgane.
Neben den Verletzungen der Bänder selbst, erkennt der Arzt im Ultraschall auch Blutergüsse
oder knöcherne Bandausrisse. Dabei reißen
kleine Teile des Knochens an der Ansatzstelle
zum Band aus. „Das Besondere ist, dass es sich
beim Gelenkultraschall um eine dynamische
Untersuchung handelt“, erklärt Gaulrapp.
Während er mit der einen Hand den Schallkopf führt, drückt er mit der anderen das
Schienbein nach unten. Dies macht den Bänder­
riss und das Ausmaß der Instabilität gut sicht-
bar: Schieben sich Fersenbein und Sprungbein
dabei um zwei Millimeter oder mehr vor, ist
das ein klarer Hinweis darauf, dass die Bänder
überdehnt sind und das Gelenk nicht ausreichend stabilisieren können. Eine solche „Instabilität“ kann den Patienten auch nach Ausheilung der Verletzung langfristig beeinträchtigen.
„In bis zu 20 % der Fälle bleibt das Gelenk
chronisch instabil, was das Risiko für erneute
Verletzungen des Sprunggelenks erhöht“, sagt
Gaulrapp. Betroffene knicken häufiger um und
fühlen sich beim Laufen nicht mehr sicher.
„Zur Beurteilung sollte unbedingt eine abschließende Ultraschallkontrolle und gegebenenfalls eine Therapie erfolgen.“
www.degum.de
BNK
DEN SCHMERZEN
EINFACH DAVON GEHEN
Die Schaufensterkrankheit gehört zu den
peripheren arteriellen Verschlusskrankheiten
­
(PAVK). Dabei handelt es sich um Durch­
blutungsstörungen, die überwiegend in den
Beinen auftreten und bei körperlicher Aktivität
aufgrund von Sauerstoffmangel zu Schmerzen
führen. Diese zwingen Betroffene dazu, die
Bewegung wiederholt einzustellen. In Deutschland leiden laut der Deutschen Gesellschaft für
Angiologie (DGA) aktuell rund 4,5 Mio. Menschen an der gefährlichen Durchblutungsstörung. Um schwerwiegende Folgeerkrankungen
zu verhindern, ist eine fachinternistische Diagnostik beim Auftreten von ersten Symptomen
03.15 medicalsports network
unbedingt notwendig. Je nach Befund ist dann
gegebenenfalls eine Angioplastie oder die Implantation von Stents nötig, um die eng gestellten Gefäße offen zu halten und eine langfris­
tige Verbesserung für den Patienten zu erreichen.
In einigen Fällen haben sich zur Behandlung
von PAVK auch sekundärpräventive Maß­
nahmen wie das Gehtraining bewährt. „Dass
Schmerzen beim Gehen ausgerechnet durch
weitere Bewegung gelindert werden können,
scheint auf den ersten Blick paradox. Doch
aktuelle Studien bestätigen das Gehtraining als
Erfolg versprechende und gleichzeitig kostengünstige Therapieform bei PAVK“, erklärt Prof.
Dr. Johannes Dahm, Leiter der Arbeitsgruppe
Angiologie des Bundesverbandes Niederge­
lassener Kardiologen (BNK). Das Gehtraining
fördert die Kollateralenbildung, wodurch sich
die Sauerstoffversorgung verbessert und die
Beschwerden gelindert werden. „Idealerweise
können wir so in frühen Stadien der PAVK einen
operativen Eingriff verhindern“, so Prof. Dr.
Dahm. Diese Effekte wurden besonders bei Ge­
fäßsportgruppen mit überwachten und strukturierten Trainingsprogrammen beobachtet.
www.bnk.de
13
Prävention
SCHWIMMERSCHULTER
Verletzungen, Überlastungsschäden und/oder muskuläre Dysbalancen
Leonie Antonia Beck1, Prof. Dr. med. Alexander Beck2
1
Deutschhausgymnasium, Würzburg
2
Stiftung Juliusspital, Leiter Institut für
Sportmedizin und Sportverletzungen, Würzburg
14
medicalsports network 03.15
Das Schultergelenk gilt im Schwimmsport als häufigstes medizin­isches Problem, vor allem im
­Hochleistungsbereich. Doch bereits ehe hier Probleme auftreten, ist es wichtig einzuschreiten.
Hier ist der Sportmediziner frühzeitig gefragt, präventiv vorzugehen, bevor in erster Linie ­
konservative Maßnahmen notwendig werden. Opera­tive arthroskopische Behandlungsoptionen
sollten erst nach Versagen der kon­servativen Möglichkeiten in Betracht gezogen werden.
Der Begriff „Schwimmerschulter“ ist keine
korrekte medizinische Bezeichnung, sondern
eher eine Sammeldiagnose von Verletzungen,
Überlastungsschäden und­/oder muskulären Dys­
balancen im Schulterbereich. Hierbei werden
Probleme von Muskeln und Sehnen der Rotatorenmanschette sowie Bändern, dem subacromialen Schleimbeutel und den Knochen des
Schultergelenks zusammengefasst. Die häufig­
ste Ursache für Schulterschmerzen ist die mecha­
nische Reizung der Supraspinatussehne durch
Einengung des subacromialen Raums. Dies kann
durch eine Schulterinstabilität nach rezidivierenden Mikroverletzungen bei Überlastung oder
durch muskuläre Dysbalancen des Schultergür­
tels gefördert werden. Hierbei sind die Innenrotatoren verkürzt und gleichzeitig die Außenrotatoren untrainiert, was zu einer Dezentrierung
des Oberarmkopfes nach dorsal und kranial
führt. Ursächlich für solche Dysbalancen ist die
Überkopf beanspruchung vom Schultergelenk,
besonders bei den Schwimmarten Kraul, Rücken
und Delphin. Jenes führt zu einem Engpasssyndrom und damit letztlich zu einer mecha­
nischen Irritation der Supraspinatussehne.
Warum aber gerade bei Schwimmern?
Beim Schwimmen erfolgt der Vortrieb durch
Innenrotation, was zu einer überdurchschnittlichen Kräftigung dieser Muskeln führt, wobei
die antagonistisch wirkenden Außenrotatoren
eher untrainiert bleiben. Diese Muskelungleich­
gewichte werden zusätzlich noch durch das
Kraft­training an Land verstärkt, da dort versucht
wird, dieselben Muskeln wie beim Wassertraining noch höher mit Gewichten zu belasten.
Somit kommt es zur Instabilität, da die Muskeln der Rotatorenmanschette geschwächt werden, denn die vorwiegend außenrotatorischen
Muskeln zentrieren üblicherweise den Humerus­
03.15 medicalsports network
kopf in der Pfanne. Folgen sind Fehlstellungen
im Gelenk, eine Verschiebung der Kraftvektoren
aus der optimalen Position heraus und daraus
resultierende Fehlbelastungen. Diese kontinuierliche Dezentrierung des Gelenkes führt zur
Einengung des Schulterdachraumes und damit
zu Schmerzen, Abnutzung der Supraspinatussehne und Überlastungssyndromen. Resultat ist
im Endeffekt eine Fehlstellung und relative
Instabilität des Oberarmkopfes in der Gelenkpfanne, was zu einem Impingement führt.
Alexander Beck
Untersuchung von
­Hochleistungssportlern
Im Rahmen einer Untersuchung wurden die
Schwimmerinnen und Schwimmer der ersten
und zweiten Mannschaft des Schwimmvereins
Würzburg 05 (SVW 05) zum Thema Schulterprobleme befragt. Der SVW 05 ist Bundesstützpunkt des Deutschen Schwimmverbandes
(DSV) für Freiwasserschwimmen, die beiden
ersten Mannschaften (weiblich und männlich)
bestehen somit ausschließlich aus Hochleistungs­
sportlern. Beide erste Mannschaften schwimmen
in der Ersten Bundesliga und wurden im Jahr
2015 Vizemeister bei den Frauen bzw. Bronzemedaillengewinner bei den Männern. Die beiden
zweiten Mannschaften bestehen zwar vorwiegend aus Nachwuchsschwimmern, absolvieren
jedoch bereits ein volles Trainingsprogramm.
Sie siegten in ihrer jeweiligen Liga und sind
2015 in die nächsthöhere Liga aufgestiegen
(Landesliga bzw. 2. Bundesliga). Von den 28
Schwimmerinnen und Schwimmern (57 %
männ­lich und 43 % weiblich) gaben 17 Schulterprobleme an (61 %), elf (39 %) gaben keine
Probleme an. Interessanterweise waren fast alle
Schwimmer, die keine Schulterprobleme angegeben haben, rechts oder beidseits atmende
Schwimmer (Abb. 1). Dagegen war nur einer
„„
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie,
Facharzt für Chirurgie, spezielle Unfallchirurgie,
Sportmedizin, Notfallmedizin,
physikalische Therapie
„„
Chefarzt der Abteilung Orthopädie,
Unfall- und Wiederherstellungschirurgie,
Juliusspital Würzburg
„„
Schwerpunkte: arthroskopische Chirurgie, Endoprothetik, Sportverletzungen und U
­ nfallchirurgie
„„
Leiter des Instituts für Sportmedizin
und Sportverletzungen am Juliusspital
Network
„„
Kooperationspartner
Olympiastützpunkt Bayern
„„
Mitglied im geschäftsführenden Vorstand des Berufsverbandes der Orthopäden und Unfallchirurgen (BVOU), Mitglied in den Präsidien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und
der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und
Unfall­chirurgie (DGOU)
„„
Betreuender Mannschaftsarzt der Langstreckenund Freiwasserschwimmer des Deutschen
Schwimmverbandes (DSV). ­Medizinische
­Betreuung des Bundesstützpunkts Lang­
streckenschwimmen beim SVW 05 in Würzburg
[email protected]
15
Prävention
Leonie Antonia Beck
von neun Schwimmern, die nach links atmen,
ohne Schulterprobleme (12,5 %), acht Athleten
(87,5 %) hatten mit rezidivierenden Schulterschmerzen zu kämpfen. In keinem einzigen Fall
traten die Schulterprobleme isoliert in der linken
Schulter auf, sondern waren immer nur rechts
oder beidseitig lokalisiert. Die häufigsten Schulterprobleme tauchten bei den Lagenschwimmern auf. Erwartungsgemäß stiegen Schulterprobleme mit der zunehmenden Anzahl an
trainierten Jahren und der Trainingsintensität an.
Der Schwimmsport gilt als eine sehr trainingsumfangreiche Sportart, die im Kindesalter begonnen werden sollte, sofern man ein gewisses
Leistungsniveau erreichen möchte. Akute Verletzungen sind äußerst selten, so taucht die
Sportart Schwimmen in aktuellen Publikationen
zu Sportverletzungen im Kindes- und Jugendalter meist gar nicht auf. Auch wenn insgesamt
die negativen körperlichen Folgen im Hochleistungsbereich eher gering einzustufen sind,
gilt dennoch die Schwimmerschulter als die
häufigste Überlastung im Schwimmsport. Um
solche Überlastungsschäden an der Schulter zu
vermeiden, ist es schon in einem sehr frühen
Stadium wichtig, also bereits mit Beginn des
Leistungssports, präventiv vorzugehen. Hierfür
ist ein Training der antagonistischen, dorsalen
Muskeln der Rotatorenmanschette und des
Schulterblatts im Rahmen des Krafttrainings
zur Stabilisierung und Minderung der muskulären Dysbalance zu empfehlen. So wird zum
Training des Musculus rhomboideus und Musculus trapezius die Übung „horizontale Abduktion am Rhomboideus-Trainer“ empfohlen.
Damit kann der einseitige Druck auf den Humeruskopf und die damit verbundene Reizung
des Ligamentum coracoacromiale bzw. des dort
gelegenen Schleimbeutels unter der Schulterhöhe vermindert werden. Am einfachsten lässt
sich eine solche „Außenrotationsübung“ mit
einem Theraband durchführen: Bei einem 90°
flektierten Ellenbogen, der an der Thoraxwand
anliegt, wird gegen den Widerstand des Therabandes der Unterarm nach außen bewegt (Abb. 2).
Hierdurch wird der hintere Teil des Schultergürtels trainiert, also der Musculus infraspinatus, Musculus teres minor und Musculus
deltoideus pars spinalis zusammen mit einer
„Flexions-/ Abduktionsübung“ zur Stärkung des
M. seratus anterior und M. rhomboideus. Diese
einfache Übung kann als Standardübung zur
Prävention der Schwimmerschulter empfohlen
und überall durchgeführt werden. Erst wenn
alle präventiven und konservativen Behandlungsmethoden inklusive ausreichender Phy-
Abb. 2: Außenrotationsübung zur Stärkung
der hinteren Schultermuskulatur.
Abb. 3: Rechts atmende Schwimmerin, die
beim Armkraulzug die Leine im Blick hat.
Prävention und Behandlung
Schülerin an der Sportakademie im
Deutschhausgymnasium Würzburg
(Abiturklasse)
„
Network
„
C-Kadermitglied im Deutschen
Schwimmverband
„
Teilnehmerin der Deutschen Schwimmnationalmannschaft bei der WM 2013 in
Barcelona, der EM 2014 in Berlin
und der Kurzbahn WM 2014 in Doha
„
Spezialdisziplinen: 800 und 1500 m Freistil
[email protected]
28
Atmungsseite und Schulterprobleme
Atmung
17
Schulter
14
9
8
6
rechts
links
5
3
beidseits
gesamt
Abb. 1: Atmungsseite in Relation zum Auftreten von Schulterproblemen.
16
medicalsports network 03.15
siotherapie nicht mehr zum Erfolg führen, wird der Gang zum
arthroskopisch tätigen Orthopäden oder Unfallchirurgen zur operativen Sanier­ung notwendig.
Fazit
Die Schwimmerschulter ist die häufigste Überlastung im Schwimm­
sport. Eigene Untersuchungen konnten zeigen, dass die Schwimmer
selbst dieses Problem zum Teil gar nicht wahrhaben wollen bzw.
einfach ignorieren. Übungen, die präventiv einem Überlastungssyndrom entgegenwirken, sind oft langweilig und werden meist
–wenn überhaupt – lustlos durchgeführt. In unserer Untersuchung
konnten wir zeigen, dass lediglich knapp 30 % der Schwimmer,
die Schulterprobleme haben, nur ein spezifisches Krafttraining
oder spezifische Übungen für ihre Schulter durchführen. Rechts
atmende Schwimmer haben deutlich seltener Schulterprobleme,
da sie nach unserer Einschätzung beim Atmen zur Leine schauen
und somit abschätzen können, wie weit sie den Arm und die
Schulter heben müssen, um nicht mit der Leine zu kollidieren
(Abb. 3). Links atmende Schwimmer haben sehr viel häufiger
Schulterprobleme, die sich dann auch vorwiegend auf die rechte
Schulter auswirken. Dies erklären wir damit, dass sie von der
Leine weg atmen und die rechte Schulter unbewusst übermäßig
heben, um nicht mit der Leine, die sie nicht sehen, in „schmerzhaften“ Kontakt zu kommen. Hier ist präventiv frühzeitig durch
eine Verbesserung der Technik (geringeres Heben des Armes in
der rechten Schulter sowie Koordination der Armrückführung
mit der Rollbewegung um die Längsachse, sodass die Abduktion
des Armes nicht über die 90°-Position erfolgt) einzugreifen. Eine
solche Verbesserung der Technik ist sehr wichtig; intensives
Techniktraining ist aber nur in jüngeren Jahren möglich, denn
wenn sich ein Schwimmstil erst einmal „eingeschliffen“ hat, ist er
in älteren Jahren kaum mehr zu korrigieren. Deswegen ist vom
behandelnden Sportmediziner zu fordern, dass er in engem Kontakt
mit dem zuständigen Trainer steht, um bei Schulterproblemen
frühzeitig präventiv tätig zu werden. Sofern eine konservative
Behandlung keinen relevanten Erfolg mehr bringt, ist eine Schultergelenksarthroskopie zu erwägen, in deren Rahmen dann auch
der subacromiale Raum erweitert (ASD = arthroskopisches subacromiales Detrapment) und so die Engstelle beseitigt wird. Oft
ist aber zu diesem Zeitpunkt bereits eine Chronifizierung eingetreten, die im schlechtesten Fall das Ende der Schwimmkarriere
bedeutet.
Literatur beim Autor
Bild: © istockphoto.com| microgen
Instrumentengestützte
Faszientherapie
„Die instrumentengestützte FaszienTherapie mit dem FAZER ist eine vielversprechende Methode, um fasziale
Verspannungen zu lösen.
Insbesondere bei
chronischen Adhäsionen
sowie bei Narbengewebe
ermöglicht der FAZER ein
detaillierteres und auch
langsam-einschmelzenderes
Arbeiten als es mit bloßen
Händen möglich wäre.“
Dr. Robert Schleip
www.artzt-vitality.de
03.15 medicalsports network
17
Diagnostik
SONOGRAPHIE
Aktuelle Ultraschalldiagnostik am Kniegelenk
Dr. med. Marcus Siebert, Klinik für Orthopädie,
Unfallchirurgie & Rehabilitative Medizin,
Rotes Kreuz Krankenhaus Kassel
18
medicalsports network 03.15
Aktuell ist jeder zweite Deutsche mindestens einmal pro
­Woche sportlich aktiv. Darüber hinaus betreibt nahezu jeder
vierte Mitbürger regelmäßig Sport, o
­ rganisiert in Vereinen
und Verbänden. Dabei w
­ erden jährlich bis zu 2 Mio. behandlungsbedürftige Sport­unfälle verzeichnet, bei denen
die S­ onographie der Bewegungsorgane einen wichtigen
diagnos­tischen und therapeutischen Beitrag leisten kann.
Sportverletzungen
der unteren Extremität häufig
In der Analyse der ca. zwei Mio. Sportunfälle im Freizeit- wie auch Leistungssport
sind Verletzungen der unteren Extremität
statistisch gesehen führend. Vor allem in
den klassischen Ballsportarten wie Fußball, Handball, Basketball und Volleyball
sind sie zu beobachten. Insbesondere Trau­
mata des Kniegelenks sind nach Mus­kel­
verletzungen und Läsionen des oberen
Sprunggelenks die dritthäufigsten Verletzungen im Sport. Jedoch ist den letzten
Jahren die Zahl der Knieverletzungen durch
eine starke Zunahme der vorderen Kreuzbandrupturen, insbesondere im Frauen­
fußball, deutlich angestiegen. Dabei könnte
z. B. durch den Einsatz kleinster portabler
Ultraschallgeräte eine Verbesserung der
Akutversorgung bereits auf dem „Spielfeld“
erzielt werden, indem Verletzungsart und
Lokalisation frühzeitig erkannt und einer
zielgerichteten Therapie zugeführt werden.
Ultraschall vernachlässigt
Neben diesen akuten Traumata dürfen die
chronischen Sportschäden am Bewegungs­
apparat nicht in Vergessenheit geraten.
Denn nicht nur bei akuten, sondern auch
bei chronischen Sportverletzungen kann
die Sonographie der Bewegungsorgane,
insbesondere der unteren Extremität, einen
wichtigen diagnostischen und therapeu­
tischen Beitrag leisten. Erstaunlicherweise
werden aber kernspintomographische Untersuchungen in Deutschland so häufig
durchgeführt wie in keinem anderen Gesundheitssystem der Welt. Selbst in den
USA werden weniger MRTs gefahren,
wenngleich die Vereinigten Staaten Spit-
03.15 medicalsports network
zenreiter bei den CT-Untersuchungen
sind. Dennoch: Die Sonographie des Bewegungsapparats gilt für immer mehr
Sportorthopäden als ein etabliertes, zeitund kostengünstiges Verfahren mit zunehmender Genauigkeit und der einzigartigen Möglichkeit einer funktionellen und
dynamischen Real-time-Untersuchung.
Etablierte Sonographie
am Kniegelenk
Die aktuelle Sonographie am Bewegungsapparat erfolgt mit Geräten, die sowohl
mit Linearschallköpfen (Frequenzen von
7,5 – 15 MHz) und mit Curved-ArraySchallköpfen (3,5–7,5MHz) als auch mit
der Option der Farbdoppler- und Duplexsonographie ausgestattet sind. Nach Empfehlung der DEGUM (Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin) sind
der alleinigen sonographischen Diagnostik am Kniegelenk vorbehalten:
„„ intraartikulärer Erguss
„„ Baker-Zyste
„„ Ruptur der Quadrizepsund Patellarsehne
„„ Meniskusganglion
Nur in Ausnahmefällen bedarf es hierbei
einer weiterführenden Bildgebung.
Der intraartikuläre Erguss als erster Hinweis auf einen Kniebinnenschaden nach
Trauma lässt sich schnell und sicher mittels Ultraschall nachweisen. Einen ebenso
sicheren Nachweis liefert die Sonographie
beim spontanen Hämarthros unter Antikoagulantien oder einem Knieempyem vor
einer geplanten diagnostischen Punktion.
Rupturen der Quadrizeps- und Patellarsehne sind so genannte „Winner“ in der
19
Diagnostik
Ultraschalldiagnostik. Auch hier gelingt der
sonographische Nachweis mit einer sehr hohen
Sensitivität und Spezifität. Meniskusganglien
sind einer sonographischen Diagnostik ebenfalls
sehr gut zugänglich. Insbesondere unmittelbar
präoperativ können sie durch den Operateur
selbst lokalisiert und nachfolgend intraoperativ
zielgerichtet entfernt werden. Die popliteale
Zyste oder auch Baker-Zyste ist eine präfor-
mierte Bursa, meist von Gastrocnemius und
Semi­membranosus, welche mit Synovia ausgefüllt ist und mit dem Intraartikularraum kommuniziert. Auch ihre Darstellung gelingt sicher
und valide mittels Ultraschall, wobei sich die
So­nographie insbesondere auch für die Verlaufs­
beobachtung von Bakerzysten mit exakter Größenbestimmung sowie der Möglichkeit eines
einfachen Seitenvergleiches sehr gut eignet.
Standardschnittebenen der DEGUM- Knie
Ventral
Suprapatellarer Longitudinalschnitt
Suprapatellarer Transversalschnitt
Infrapatellarer Longitudinalschnitt
Dorsal
Medialer Longitudinalschnitt
Interkondylärer Longitudinalschnitt
Lateraler Longitudinalschnitt
Kondylärer Transversalschnitt
Tibialer Transversalschnitt
Lateral
Medialer Longitudinalschnitt
Lateraler Longitudinalschnitt
Ventrale Region; Suprapatellarer Longitudinalschnitt
Menisken und Ligamente unsicher
Dagegen zeigt sich bei Läsionen des medialen
Kollateralbands (MCL), der Menisken sowie
des vorderen Kreuzbands (VKB), die häufig im
Mannschaftsbreitensport verursacht werden, mit
der alleinigen sonographischen Diagnostik eine
unsichere Genauigkeit. Lediglich bei akut­
traumatischen Meniskusläsionen sowie frischen
Rupturen des MCL und VKB konnte in einigen
aktuellen Studien gezeigt werden, dass diese
mit höherer Sicherheit erkannt werden können.
Dagegen sind degenerative Meniskusläsionen
selbst mit verbesserter Schallkopfqualität und
höherer Frequenz nach aktueller Datenlage
nicht mit ausreichender Sicherheit durch den
Ultraschall darstellbar. Läsionen im Bereich
der Pes-anserinus-Sehnen sind einem sono­
graphischen Nachweis gut zugänglich, wenn
gleich hier einheitliche Veröffentlichungen mit
höherer Sensitivität und Spezifität fehlen.
Momentan liefert die Kernspintomographie
­
diesbezüglich, vor allem aber in der Meniskusdiagnostik, die valideren Ergebnisse.
Sonometrie
Die sonographische Diagnostik von VKB-Rupturen – auch älterer Genese – zeigt sich hin­
gegen in einer Vielzahl von Studien durch die
Sonometrie als ein gutes und reliables Verfahren beschrieben. Dabei wird in Bauchlage eine
ventrale Tibiatranslation durchgeführt und im
Seitenvergleich die Strecke bestimmt. Ein ähnliches Vorgehen kann zum Nachweis von Rupturen des medialen Kollateralbands genutzt
werden. Unter Valgusstress wird dabei die
­medialseitige Aufklappbarkeit bestimmt. Die
Sonometrie ist eine relativ einfache und etablierte Methode mit sicherem indirekten Rupturnachweis und somit eine Methode mit hoher
Genauigkeit.
Weitere sonographische
­Möglichkeiten
Seitliche Region; Medialer Longitudinalschnitt
20
Aber auch chronisch-degenerative Knieläsionen
wie das Patellaspitzensyndrom oder auch
„ Jumpers knee“ zeigen sich der sonographi­
schen Diagnostik zugänglich. Hierbei kann im
konservativen Therapieverlauf eine Reduktion
der initial kolbig-echoarm imponierenden Verdickung im proximalen Sehnenansatz beschrieben werden. Des Weiteren sind die Beurteilung
medicalsports network 03.15
von Knorpelstärke und -struktur sowie die
fortgeschrittene Gonarthrose mit deren osteophytären Veränderungen sonographisch gut darstellbar. Letztlich können auch avaskuläre
Osteonekrosen am Kniegelenk, hier allen voran
der M. Osgood-Schlatter, durch eine sonographische Diagnostik und Verlaufskontrolle beim
Jugendlichen sicher dargestellt werden.
Marcus Siebert
Fazit
„
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnung Sportmedizin.
„
Stellv. ltd. Oberarzt in der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative
Medizin im Roten Kreuz Krankenhaus
Kassel.
„
Studium der Medizin an der PhilippsUniversität in Marburg mit Auslandsaufenthalten in der Schweiz und den USA
Network
Nach Empfehlung der DEGUM sind der alleinigen sonographischen Diagnostik am Kniegelenk der intraartikuläre Erguss, die BakerZyste, Rupturen der Quadrizeps- und Patellarsehne sowie das Meniskusganglion vorbehalten. Der direkte sonographische Nachweis von
Kreuz- und Kollateralbandrupturen gelingt
mit einer zunehmenden Genauigkeit. Dagegen
sind Meniskusläsionen momentan auch mit
verbesserter Schallkopfqualität nicht valide
diagnostizierbar. Die Sonographie des Bewegungsapparats – und hier im Speziellen des
Kniegelenks – ist ein etabliertes, zeit- und
kostengünstiges Verfahren mit zunehmender
Genauigkeit und der einzigartigen Möglichkeit
einer funktionellen und dynamischen Realtime-Untersuchung.
Dabei ist der sportorthopädische Ultraschall
sicher und noninvasiv sowie schnell und flächendeckend verfügbar. Röntgenstrahlen können vermieden werden und in vielen Fällen auch
„
Seit mehreren Jahren sportmedizinische
Betreuung von Handballvereinen in Nordhessen sowie eines Fitnessstudios in Kassel
„
Noch zu Beginn des Studiums leistungssportlich im Bereich Mountainbiking aktiv
und Teilnahme an nationalen wie internationalen Wettkämpfen
[email protected]
eine undifferenzierte Anwendung der MRT unnötig werden lassen. Dies wird zukünftig eine
deutliche Zeit- und Kostenersparnis bedeuten
und damit dem Sportler zu einer schnellen
Diagnose und adäquater Therapie verhelfen.
Dabei sollte sich die Sonographie nicht als
Konkurrenz zu den anderen bildgebenden Verfahren sehen, sondern als Partner im diagnostischen Ablauf. Es wäre wünschenswert, dass
der muskuloskeletale Ultraschall immer mehr
Anwender in der Orthopädie und Unfallchirurgie erreichen kann. Weiterführende Untersuchungen sollten zu einer sportsonographischen
Etablierung beitragen.
Bild: panthermedia.net | eraxion
www.rkh-kassel.de/kliniken-zentren
» NAHRUNGSERGÄNZUNGSMITTEL können
für Leistungssportler TOTAL SINNLOS sein «
Dr. med. Klaus Pöttgen
Mannschaftsarzt Darmstadt 98, Medizinischer Leiter Ironman Germany 2002-2014
tinyurl.com/meine-these-1
Interview
ARKTISCHES
FIEBER
Interview im Rahmen Yukon Arctic Ultra mit Jörn Theissig
Der Yukon Arctic Ultra in Kanada ist der kälteste und einer der
härtesten Ultra-Marathons der Welt. Die Teilnehmer können sich
zwischen drei Distanzen (100, 300 oder 430 Meilen) entscheiden.
In diesem Jahr sind insgesamt 81 Teilnehmer an den Start
­gegangen, 32 davon auf der Langdistanz. Einer von Ihnen war der
Frankfurter Kriminalbeamte Jörn Theissig, der dieses physisch
und psychisch extrem anspruchsvolle Event mit einem Charity-­
Projekt verband. medicalsportsnetwork sprach mit ihm über seine
Erlebnisse in der faszinierenden Naturkulisse von Kanada.
22
medicalsports network 03.15
Herr Theissig, in diesem Jahr haben Sie am ­kältesten und
härtesten (Ultra-) Marathon der Welt, dem Yukon Arctic
­Ultra Marathon, t­ eilgenommen. Gleichzeitig sind Sie kein
­Profisportler, sondern im „normalen Leben“ P
­ olizist. ­
Daher: Wie kommt man auf die Idee, b
­ ei so einem Lauf
­mitzumachen?
Es ist richtig, dass ich kein Profisportler bin, aber wie so viele Breiten­
sportler bin ich z. B. auch schon Marathon gelaufen. Diese Massenveranstaltungen haben mir allerdings keine große Freude bereitet. Schon
seit den 1990er-Jahren habe ich eine Affinität für Eis und Schnee, so
habe ich mit 8-, 10- und 12-Tages-Touren mit ­Kompass und Verpflegung
angefangen und das weiter ausgebaut. Im Grunde ist es die Freude an der
Natur und an Ultradistanzen, die mich zu diesem Event geführt hat,
denn beim Yukon Arctic Ultra fand ich diese einzigartige Verbindung,
eingebettet in einer super Organisation von Robert Pollhammer. Es roch
förmlich nach Abenteuer.
Können Sie uns etwas mehr über das Spendenprojekt s­ agen,
das Sie im R
­ ahmen des Laufs unterstützt haben?
Meine Mutter ist 2006 an einer Krebserkrankung gestorben. Damals
habe ich eine Parallele zum Extremsport erkannt. Eine Krebs­therapie ist
quasi wie ein Marathon. Lang, schwer und man will nur ankommen.
Willen und Durchhaltevermögen sind gefordert, ­R ahmenbedingungen
können sich dabei immer ändern. Das Projekt Schmetterling e. V. hilft
Krebskranken und ihren Familien, mit der psychischen Belastung der
Krankheit umzugehen. Viele wissen überhaupt nicht, wie wichtig solch
eine psychoonkologische Betreuung ist. Fast jeder kennt in seinem Verwandten- oder Bekanntenkreis jemanden, der an Krebs erkrankt ist,
dabei wird oft vergessen, dass es neben dem Tumor auch um den Menschen geht. Eine psychologische Betreuung ist essenziell und es ist
ethisch nicht verantwortlich, dass solch eine Betreuung nicht stattfindet,
weil die Krankenkassen es erst dann zahlen, wenn das Kind schon in den
Brunnen gefallen ist und z. B. Depressionen entstanden sind. Daher war
mein Ziel, bei dem Lauf einerseits Spenden­gelder für das Projekt zu
generieren, aber anderseits auch ein Stück weit die Gesellschaft wachzurütteln. Insgesamt konnten wir im Rahmen des Spendenlaufs und weiterer
Events über 70.000 Euro er­laufen.
Da Sie, wie erwähnt, kein Profisportler sind, war der
­zeit­liche Rahmen für die Vorbereitung sicher ein wenig eng.
Gab es spezielle Trainingsmethoden?
Für mich stand von Anfang an fest, dass meine Vorbereitung fordernd
sein soll, aber eben auch Spaß machen muss. Schließlich begab ich mich
auf die längste Wanderung meines Lebens. Um mich auf so einen Lauf
vorzubereiten musste ich auf ein wenig unkonventionelle Methoden zurückgreifen. So bin ich z. B. mehrfach mit zwei alten Autoreifen im
Schlepptau bzw. Zugeschirr durch den Frankfurter Stadtpark gelaufen.
Oder ich habe mich acht Stunden in ein Kühlhaus einschließen lassen.
Mit Ergometer, Zelt und voller Ausrüstung. Dazu kamen dann natürlich
auch lange Mountain-Bike-Touren, Trailrunning im Karwendelgebirge
03.15 medicalsports network
und vor allem sehr viel Mentaltraining. Dies vor allem aus dem korea­
nischen Bereich (Qi Gong), aber auch in Form von Boxtraining. Da sieht
man, wie es ist, wenn man am Boden liegt und immer wieder aufstehen
muss. Im Grunde muss man seinen Körper überlisten und lernen, den
Körper zu verstehen. Wenn er nicht mehr will, muss man ihn überlisten
können. Wenn er wirklich nicht mehr kann, muss man aufhören.
Können Sie uns auch etwas über die medizinische Betreuung
im Vorfeld des Wettkampfes erzählen?
Im Vorfeld gab es natürlich eine Vielzahl von medizinischen Checks,
u. a. Herzultraschall. Kardiologisch habe ich mich komplett untersuchen
lassen. Beim Veranstalter musste ich drei Wochen vor dem Lauf ein
ärztliches Attest einreichen, sonst hätte ich nicht starten dürfen.
Und wie sah mit der medizinischen Kontrolle
während des Rennens aus?
Neben der medizinischen Betreuung vonseiten der Veranstalter wurde
ich speziell auch noch von Dr. Steinach betreut, da ich ja auch an seiner
Studie teilgenommen habe (Anmerkung der Redaktion: siehe Artikel
Dr. Steinach auf Seite 25). Das medizinische Team machte an jedem
Checkpoint genaue Untersuchungen hinsichtlich Erfrierungen, Frostbeulen usw. Dr. Steinach analysierte genau meine Körperwerte, so wurde
ich teilweise auch nachts verkabelt, um mein Schlafverhalten zu messen,
morgens gab es dann ein EKG, mir wurde Blut abgenommen und be­
züglich der mentalen Situation musste ich einen Fragebogen ausfüllen.
Natür­lich war ich sehr froh, dass ich somit eine doppelte Absicherung
hatte, außerdem war es immer ein Anreiz weiterzulaufen, denn ich
wusste, am nächsten Checkpoint wartet jemand auf mich.
Geben Sie uns doch bitte einen E­ indruck von Ihren ersten
Tagen? Wie spürt man diese Kälte und die extremen
­Bedingungen? Und vor allem, wie geht man damit um?
Es haut einen förmlich um. Ich bin am ­Dienstag hingeflogen, und sonntags (08.02.) war der Start. Bis dahin standen Ausrüstungscheck, Rennbriefing, Ein­weisung in die Studie etc. auf dem Programm. Außerdem
musste ich meine Essensbeutel p
­ acken. Anfangs wollte ich pro Stunde
ca. 300 kcal zu mir nehmen. Also packte ich möglichst fettreiche Stunden­
beutel. In Deutschland hatte ich schon 6 kg Müsliriegel selbst gebacken.
Während des Laufs bin ich nachts um 1:00 oder 1:30 Uhr aufgestanden,
damit ich ca. um 2:30 Uhr loslaufen konnte. Mein Essverhalten hat sich
sehr schnell komplett verändert. Nach drei Tagen hatte ich nur noch
Interesse an Gummibärchen. Ich merkte, dass ich viel weniger aß. Auf
diese Weise habe ich aber auch meinen Körper völlig neu kennengelernt.
Auf der anderen Seite war aber auch von Anfang an ein riesiges Glücksgefühl vorhanden. Ich war sofort eins mit der Natur und auch eins mit
mir selbst. Wenn man in dieser Natur ist, dann gibt es kein Stimmungstief, ich war sofort geerdet und lernte Dinge wie Dankbarkeit und Demut.
Man bekommt zu alltäglichen Dingen einen anderen Bezug. Man wird
wirklich so reichlich beschenkt, ja, es haut einen um.
23
Interview
Leider mussten Sie denn Wettkampf
am zehnten Tag abbrechen.
Was waren die Gründe dafür?
Ich bin um 2:00 Uhr morgens losgelaufen. Wie
mehrere Läufer litt auch ich an einem Schienbeinkantensyndrom. Natürlich muss man beim
Yukon Arctic Ultra eine extreme Belastung
aushalten, man hat eine ca. 30 kg schwere ­Pulka
die mit Lebensmitteln und Ausrüstung beladen
ist. Dadurch führt man ständig eine unnatür­
liche Bewegung aus, man hebt den Vorderfuß
stärker an. Irgendwann ging es dann einfach
nicht mehr. Für mich war es die richtige Entscheidung abzubrechen. So schön es ist, es ist es
nicht wert, seine Gesundheit aufs Spiel zu set-
zen. In dem Moment war es aber natürlich
bitter. Ich gab per Satellitentelefon Bescheid
und wurde abgeholt. Inoffiziell bin ich Siebter
geworden, aber offiziell zählt nur eine Platzierung, wenn man ins Ziel gekommen ist. Allerdings haben insgesamt nur fünf Starter das
Ziel zu Fuß erreicht. Bei mir war es knapp – ich
hatte schon 520 km absolviert, es fehlten nur
noch 170 km bis zum Ziel.
Allerdings gibt es auch andere Optionen wie
z. B. eine Grönland-Durchquerung. Mal schauen, auf jeden Fall hat mich das arktische Fieber
erwischt.
Vielen Dank für das interessante
­Gespräch und viel Erfolg auf Ihrem
weiteren Weg.
Sind Sie nächstes Jahr wieder am Start
oder haben Sie andere Pläne?
Die Langdistanz wird nur alle zwei Jahre angeboten. 2017 möchte ich es noch einmal probieren, ich habe da noch eine Rechnung offen.
Projekt Schmetterling e.V.
Der Verein hat sich die Aufgabe gestellt,
Krebspatienten eine umfassende psycho­
onkologische Betreuung zu ermöglichen,
die zumeist nicht von den Krankenkassen
getragen wird. Darüber hinaus ist es unser
Ziel, die Notwendigkeit einer frühzeitigen psychoonkologischen Betreuung nach
der Diagnose Krebs deutlich zu machen
und in der Öffentlichkeit entsprechend
zu kommunizieren. Die finanzielle Förderung erfolgt zum Teil aus Spenden von
Industrie, Wirtschaft sowie von Privatpersonen. Der größte Teil jedoch wird
bisher mit den Benefizveranstaltungen
erzielt. Durch diese erfolgreichen Veranstaltungen wird das Ziel des Vereins, die
Bedeutung schneller psychoonkologischer
Beratung nach der Diagnose Krebs herauszustellen, im positiven Umfeld erreicht,
getreu dem Leitsatz „Mit der ­Diagnose
Krebs hin zum Leben“. Der Verein fördert schwerpunktmäßig das Universitäre
Centrum für Tumorerkrankungen (UCT)
am Klinikum der J.W. Goethe-Univer­
sität in Frankfurt am Main. Spendengelder fließen zu 100 % in die Betreuung der
Patienten. Möglichkeiten zu Spenden
finden Sie unter:
www.verein-projekt-schmetterling.de
24
medicalsports network 03.15
Forschung
YUKON ARCTIC ULTRA
Betrachtungen aus physiologischer Sicht
Dr. med. Mathias Steinach, Zentrum für Weltraummedizin und Extreme Umwelten, Berlin
Der menschliche Körper besitzt eine
hohe Adaptationsfähigkeit sich an
neue Umgebungen und Funktions­
zustände anzupassen. Die Unter­
suchung der ablaufenden physio­
logischen Prozesse zeigt, wozu unser
Körper in der Lage ist. Die Kombination von langandauernder Belastung
mit der extrem kalten Umgebung
machen den Yukon Arctic Ultra für
die Forschung besonders interessant.
Menschen sind gleichwarme ­
Säugetiere, was
bedeutet, dass eine stabile Temperatur (Körperkerntemperatur) aufrechterhalten wird, unabhängig von Änder­ungen der Umgebungstemperatur. Dies war ein evolutionärer Vorteil
gegenüber Tieren, die auf äußere Wärmequellen
angewiesen sind wie z. B. Reptilien.
Andererseits erfordert eine konstante Kerntemperatur eine adäquate Wärmeproduktion
und kann so einen hohen Energiebedarf nach
sich ziehen – der Preis für die gewonnene Autonomie in der kalten Umgebung. Sehr tiefe
Temperaturen – wie sie bei dem diesjährigen
Yukon Arctic Ultra mit -40 °C (und sogar noch
darunter) auf­
traten – bedeuten eine enorme
physiologische Herausforderung, da die Aufrechterhaltung einer stabilen Kerntemperatur
bei derart niedrigen Temperaturen zunehmend
schwieriger wird.
Probleme mit der Thermoregulation bei
Rennen wie dem Yukon Arctic Ultra können
entstehen, wenn mehr Wärme verloren geht,
als produziert wird, das Risiko dafür ist dabei
umso größer, je tiefer die Umgebungstemperaturen liegen. Das Zeitfenster für Toleranzen
wird sehr viel kleiner, wenn die Temperaturen
-40 °C oder sogar -50 °C und darunter betragen.
03.15 medicalsports network
Verstärkt wird der Effekt, wenn ein Teilnehmer
sich überanstrengt hat und die Lagen seiner
Kleidung durchgeschwitzt sind. Falsche Entscheidungen wie z. B. zum falschen Zeitpunkt
die Handschuhe auszuziehen, können schnell
zu Erfrierungen führen, einer lokalen Hypothermie, bei der das Gewebe einfriert, hauptsächlich an ausgesetzten Körperstellen wie Finger,
Zehen und Nase, was zum Verlust dieser Körper­
teile führen kann. Die Hypothermie kann jedoch
auch den gesamten Körper betreffen, wenn die
Körperkerntemperatur sinkt und dies zum Kältezittern führt sowie im weiteren Verlauf zu
Verwirrung, irrationalem Verhalten, Rückgang
von Atmung und Blutdruck und zuletzt zu
Herzversagen führen kann. Selbst wenn eine
Person aus der kalten Umgebung gerettet werden
konnte, können weiterhin Arrhythmien des
Herzens auftreten, ausgelöst durch eine Imbalance der Elektrolyte durch den Rückfluss von
Blut und Lymphe aus wiedererwärmten Körper­
teilen in das Körperzentrum. Daher muss solch
ein Patient mit großer Vorsicht behandelt werden.
abzeichnet. Die ist auch der Grund, weshalb
die Untersuchung von Veränderungen in Körpermasse, Körperzusammensetzung, Ener­gie­
umsatz und den assoziierten Hormonen während des Yukon Arctic Ultra von so großem
Interesse sind.
Der Yukon Arctic Ultra ist aus den genannten
Gründen ein interessantes Forschungsgebiet für
die Physiologie in extremen Umwelten. Es zeigen
sich jedoch auch Parallelen zur Weltraum­medi­
zin wie große Abhängigkeit von technischen
Hilfsmitteln und persönlichen Fähigkeiten, die
Isolation der Teilnehmer mit eingeschränkter
Möglichkeit zur Rettung, eine dadurch erhöhte
Gefahr mit persönlichem Risiko im Falle des
Scheiterns sowie eine erhöhte psychische Belastung und Veränderungen im Schlaf-WachRhythmus, was den Yukon Arctic Ultra auch
als Analog für Weltraumaufenthalte interessant werden lässt.
Mathias Steinach
Extremfall Yukon Arctic Ultra
Da sich die Teilnehmer des Yukon Arctic Ultra
langdauernd körperlich belasten, entsteht in
diesem Zeitraum eine erhebliche Menge an
Wärme. Dabei wird nur 25 % der internen
chemischen Energie in mechanische Arbeit
­
umgesetzt – also in Fortbewegung wie Laufen,
Radfahren etc. – der weit größere Teil wird als
Wärme frei. Diese „Ineffizienz“ ist ein offensichtlicher Vorteil bei tiefen Temperaturen, da
die freigesetzte Wärme dabei unterstützt, die
Körperkerntemperatur bei 37 °C zu halten.
Gleichfalls steigt so der Energiebedarf mehrfach an – durch die körperliche Belastung und
um die Kerntemperatur in der kalten Umgebung
stabil zu erhalten. Der daraus resultierende
Energiebedarf kann dabei sogar die Energie­
zufuhr durch die Nahrung überschreiten, was
sich letztlich in einem Verlust an Körper­masse
„„
Studium der Medizin 1998 – 2005
„„
Assistent in der Sportmedizin 2006
„„
Seit 2007 Arzt und Wissenschaftler
am Z­ entrum für Weltraummedizin
und Extreme Umwelten Berlin
[email protected]
www.zwmb.de
25
Forschung
HÖHENTRAINING
Was ist gesichert?
Prof. Dr. med. Walter Schmidt,
Leiter Abteilung Sportmedizin/Sportphysiologie, Nadine Wachsmuth
Institut für Sportwissenschaft, Universität Bayreuth
Höhentraining wird von vielen Athleten praktiziert, um mit legalen Mitteln
den Sauerstofftransport über eine verstärkte Hämoglobinbildung zu erhöhen
und so die Leistung zu verbessern. In den vergangenen Jahren
sind die Methoden des Hypoxietrainings modifiziert worden,
wobei bislang objektive Daten über den Erfolg und mögliche Mechanismen
der einzelnen Maßnahmen immer noch rar sind.
26
medicalsports network 03.15
Höhentraining wird von vielen Athleten genutzt, um die Wettkampfleistung im Flachland zu verbessern. Dabei wird allgemein davon
ausgegangen, dass sich die Höhentrainingsmaßnahme stets positiv auswirkt und dass der Wirkungsmechanismus insbesondere durch eine
Vermehrung der Erythrozyten und somit einer
Optimierung des Sauerstofftransports über das
Hämoglobin erfolgt. Die wissenschaftliche
Datenlage war bis vor ca. zehn Jahren jedoch
sehr dürftig, da einerseits nur sehr wenige kontrollierte Studien (z.B. mit Kontrollgruppe) an
Spitzensportlern durchgeführt wurden, weil
die erythropoietische Effizienz noch nicht direkt
bestimmt werden konnte und weil sehr wahrscheinlich der Höhenaufenthalt auch genutzt
wurde, um Blutmanipulationen zu vertuschen.
Die Annahme einer direkten Wirkung einer
höhenbedingt verstärkten Erythropoiese auf
die Ausdauerleistung scheint auf den ersten
Blick nachvollziehbar zu sein, da in Transfusionsexperimenten die Veränderung der Hämoglobinmasse um 1 g mit einer Veränderung der
maximalen Sauerstoffaufnahme um ca. 4 ml/min
einhergeht. Nach einer normalen Blutspende von
500 ml sinkt somit die VO2max um ca.
250 ml/ min, nach Reinfusion einer Bluteinheit
in Rahmen eines autologen Blutdopings steigt
sie in entsprechender Größenordnung an (Abb.1).
Aus bislang nicht geklärter Ursache gilt diese
lineare Beziehung nicht unter akuten Höhenbedingungen, da Bluttransfusionen in der Höhe
die VO2max nicht verändern, und sehr wahrscheinlich auch nur eingeschränkt nach Rückkehr aus einem Höhentrainingslager, wie später
ausgeführt wird.
Etablierte Höhentrainingsmethoden
– LHTH und LHTL
Dennoch hat sich aufgrund empirischer Erfahrungen das Höhentraining in der Praxis durchgesetzt und in den letzten beiden Jahrzehnten
hinsichtlich der methodischen Anwendung weiter differenziert. Die ursprüngliche Form, die
sich nach den Olympischen Spielen 1968 in
Mexico herausbildete und heute noch weitgehend u.a. von deutschen Athleten praktiziert
wird, besteht aus einem kontinuierlichen Aufenthalt für drei bis vier Wochen auf Höhen
zwischen ca. 2.000 m und 2.800 m (Live High
– Train High; LHTH). Da eine nennenswerte
03.15 medicalsports network
27
Forschung
Walter Schmidt
„„
Leiter der Abteilung Sportmedizin/Sportphysiologie, G
­ eschäftsführender Direktor
des Instituts für Sportwissenschaft der
Universität Bayreuth
„„
Tätigkeitsfeld: Forschung und
Lehre im Bereich Exercise Physiology
„„
Forschungsschwerpunkte: Höhen- und
­E xtremphysiologie, Anti-Doping, Bedeutung
des Blutes unter unterschiedlichsten
­sportphysiologischen und klinischen
­Bedingungen
Network
„„
Aktive Mitgliedschaften in DGSP,
ACSM und ECSS
„„
Gutachter für internationale Zeitschriften
und Organisationen (u.a. WADA, DFG)
Nadine Wachsmuth
„„
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
der Abteilung Sportmedizin/-physiologie
„„
Tätigkeitsfeld: Forschung und Lehre
im Bereich Exercise Physiology und Health
and Fitness
„„
Forschungsschwerpunkte: Anpassung des
Blutes an verschiedene Höhenlagen, Auswirkungen von Eisenmangel auf das Blut
und die Leistungsfähigkeit
Network
„„
Mitgliedschaften: ECSS, ACSM
[email protected]
erythropoietische Aktivität erst ab ca. 1.600 m
auftritt, sind Höhen darunter kaum zu empfehlen, wenngleich auch von positiven Erfahrungen von niedriger gelegenen Höhencamps – z.B.
in Südafrika, Namibia oder Australien – berich­tet
wird, wenn sie wiederholt als Höhentrainingskette durchgeführt werden.
Da in Höhen oberhalb von 2.000 m die Trainingsintensität zumindest in der Anfangsphase
verringert und nach Rückkehr auf Meereshöhe
28
oft eine erneute Re-Adaptationsphase durchgeführt werden muss, wurden ab Mitte der
1990er-Jahre von finnischen und amerikanischen Wissenschaftlern erste Modifikationen
durchgeführt, mit der diese Nachteile vermieden werden sollten. Die Athleten trainieren
hierbei in Normoxie unter den für sie normalen
Bedingungen und schlafen unter Hypoxie
(Live High – Train Low; LHTL). Das finnische Konzept, das sich durchgesetzt hat, nutzt
speziell ausgestaltete Schlafräume, wobei der
Sauerstoffmangel durch Unterdruck oder auch
durch Beimischung von Stickstoff erzeugt wird.
Der amerikanische Ansatz, der im regelmäßigen
Wechsel der natürlichen Höhe bestand, hat sich
aus praktischen Gesichts­punkten nicht durchgesetzt. Eine weitere Differenzierung dieser
Methode besteht im Höhenwechsel des Trainings, das sowohl auf Schlafhöhe als auch auf
deutlich niedrigerer Höhe absolviert wird (Live
High – Train High – Train Low; LHTHTL).
Während diese Methoden in Deutschland­so gut
wie nicht angewandt werden, sind sie in anderen
Ländern wie z. B. Australien in den Routinebetrieb des Trainings eingebaut. Ein vor zehn
Jahren erfolgter heftiger Disput zwischen amerikanischen und australischen Forschern über die
Effektivität und Mechanismen des LHTL
konnte mittlerweile beigelegt werden. Es zeigte
sich, dass die täglichen Hypoxie­phasen während
eines LHTL-Programms mindestens 12 Stunden betragen müssen, um eine effektive Erythropoiese hervorrufen zu können. Die „Standard­
anwendung“ von LHTL besteht daher aus
meist drei Wochen auf einer simulierten Höhe
von zumeist 3.000 m mit ca. 14 Stunden täglicher
Hypoxieexposition.
Wirkungsmechanismen
Bis vor ca. 15 Jahren war es kaum möglich, den
vermuteten Haupteffekt, d. h. die erythropoietische Wirkung eines Höhentrainings, direkt
zu be­stimmen. Die durchweg schon während der
ersten Tage in der Höhe angestiegene Hä­mo­
globinkonzentration ist allein auf Kon­zen­tra­
tions­effekte infolge einer verstärkten Diurese
in der Höhe zurückzuführen (Abb.2). Erst mit
der Vereinfachung der CO-Rückatmungsmethode zur Bestimmung der Gesamtkörperhämoglobinmenge (Hb-Menge) konnten routinemäßige Messungen an einer Vielzahl von
Hochleistungssportlern durchgeführt werden.
Es zeigten sich hierbei extrem individuelle
Antworten, die nach drei bis vier Wochen auf
ca. 2.500 m zwischen 12 % Anstieg und keiner
Veränderung lagen (Abb.3). In einer umfangreichen Metaanalyse in Zusammenarbeit mit
dem Australian Institute of Sport konnten wir
für die ersten Wochen in der Höhe im Mittel
einen Anstieg der Hb-Menge um 1 % pro 100
Stunden in Hypoxie zeigen, wobei es keinen
medicalsports network 03.15
Chronische Anpassung –
­kenianische Läufer
Athleten, die chronisch in der Höhe leben und
trainieren, wie z. B. kenianische Läufer, besitzen
nicht unbedingt höhere Hb-Mengen. Beim Vergleich der besten deutschen Mittel- und Lang­
streckenläufer mit kenianischen Spitzenläufern
zeigten sich unmittelbar nach Ankunft im
Flachland keine Unterschiede, wohl aber geringere Werte bei den Kenianern nach sechs
Wochen Leben im Flachland. Eine meist vermutete, höhenbedingte größere Hb-Menge
liegt demnach nicht vor, ebenfalls keine größeren Herzvolumina und keine bessere VO2max.
Wir fanden bei den afrikanischen Läufern im
standardisierten Stufentest jedoch eine um
10 % höhere Geschwindigkeit bei identischer
VO2max (vVO2max 22km/h vs. 20 km/h), was
eine bessere Laufökonomie beweist (Abb.5).
03.15 medicalsports network
Dopingeffekte auf die Leistung
Schmidt and Prommer, ESSR, 2010
ΔVO 2max (ml/min)
600
Die im Vergleich mit den deutschen Läufern
y = 3.48x + 4,2
veränderten biomechanischen Gegebenheiten,
r2 = 0.96
400
d.h. längere Beine, weniger Beinmuskulatur
200
und die Fähigkeit, mehr Energie in ihren
Achillessehnen zu speichern, dürften die wichEPO Gabe
0
Parisotto et al. 2000
tigsten Ursachen hierfür sein.
Lundby et al. 2008
Wenn Athleten aus dem Flachland in der
-200
550 ml Blood Donation
Höhe antreten, sollten ausreichende, oft mehr24 days rhEPO Administration
Controls
-400
wöchige Anpassungsprozesse stattgefunden
13 weeks rhEPO Administration
haben. Wenn dies nicht möglich ist, wie z.B.
-600
-100
-50
0
50
100
150
bei Fußball-Länder­spielen in einigen HauptΔ tHb-mass (g)
Blutentnahme
städten Südamerikas (z. B. La Paz, Bolivien­auf
3.600 m), wird meist die „fly in-fly out“-­ Abb. 1: Einfluss von Blutentnahmen und
Strategie angewandt, d. h., die Mannschaften Erythropoietindoping auf Hämoglobinmenge und
VO2max.
fliegen unmittelbar vor dem Spiel ein, bestreiten­
das Spiel innerhalb der nächsten zwei bis vier
Stunden und reisen wieder ab. Es soll hierbei
ein enges physiologisches Fenster ausgenutzt
Hb Konzentration
Blutvolumen
werden, bei dem die Nachteile der Höhe noch Differenz (%)
Plasmavolumen
+ 20
nicht voll greifen sollen. Wir haben diese
Hb Menge (Erythrozytenvolumen)
Strate­gie anhand objektiver Kriterien mit der
+ 10
australischen U17 Nationalmannschaft überprüft und fest­gestellt, dass dieses „physiologische
0
Fenster“ nicht existiert und seine postulierte
Existenz lediglich einem Verbot offizieller
-10
Länderspiele in großen Höhen vorbeugen soll.
Dauer des
-20
Leistungsentwicklung nach
­Rückkehr ins Flachland
Über das optimale Timing einer Höhentrainings­
maßnahme lagen bis vor Kurzem nur anekdo­
tische Erzählungen vor. Nur wenige Athleten
sprechen von verbesserten Leistungen unmittel­
bar nach Rückkehr. Meist wird von einem
Leistungseinbruch innerhalb der ersten Woche
nach Rückkehr und einer sich anschließenden
Leistungsverbesserung mit einem Optimum
nach ca. drei Wochen berichtet. Wir haben
dies an Schwimmern überprüft und fanden den
Leistungseinbruch in der ersten Woche, als
auch die beste Leistung drei bis fünf Wochen
nach Rückkehr anhand von Wettkampfergebnissen und standardisierten Tests bestätigt
(Abb. 6). Auch hinsichtlich der VO2max nach
einem Höhentrainingslager existieren unter­
schied­liche Aussagen in der Literatur, ebenso
wie hinsichtlich ihrer Abhängigkeit von der
hinzugewonnenen Menge an Hämoglobin. Auch
hier konnten wir in einer Meta-Analyse zeigen,
dass eine – wenn auch relativ kleine – positive
Korrelation der Verbesserung der VO2max mit
Höhenaufenthaltes
Stunden
Tage
Wochen
Monate
auf ca. 3000m
Abb. 2: Verhalten der einzelnen Blutvolumina und
daraus r­ esultierend der Hämoglobinkonzentration
in den unterschied­lichen Phasen einer Höhenanpassung.
tHb -Menge nach Höhentrainingslager Sierra Nevada
114
112
ΔtHb-Menge (%)
Unterschied zwischen den Methoden LHTH
und LHTL gab (Abb.4). Entscheidende Einflussfaktoren auf die höhenbedingte Erythropoiese sind der Eisenhaushalt und der Gesundheitsstatus. Vor einem Höhenaufenthalt muss
unbedingt der Eisenstatus bestimmt und im
Bedarfsfall Eisen supplementiert werden. Die
Ferritingrenzwerte werden dabei international
sehr unterschiedlich gehandhabt; während bei
uns relativ niedrige Werte (<40 ng) herangezogen
werden, empfehlen die Australier bereits eine
Supplementation bei Werten <100 ng/ml, z. T.
sogar höher (135 ng/ml); eine aus unserer Sicht
aber übertriebene Maßnahme. Auch Infek­tio­
nen und Verletzungen können die erythropoi­
etische Antwort unterdrücken. Der Mechanismus liegt sehr wahrscheinlich in einer durch
proinflammatorische Zytokine hervorgerufen
Suppression der Erythropoietinbildung und
Erythropoietinwirkung.
Die Ursache für die unterschiedliche Höhenantwort, d.h. die Existenz von Respondern und
Nonrespondern, ist dennoch noch nicht geklärt.
Möglicherweise spielt die Höhe der initialen
Hb-Menge eine Rolle, da Athleten mit sehr
hohen Werten vor dem Höhentraining häufig
eine geringere Antwort zeigen. Geschlechtsunterschiede in der Höhenantwort bestehen nicht.
Frauen bilden zwar absolut weniger Hämoglobin; relativ betrachtet zeigen sich aber keine
Unterschiede.
110
Frauen
Männer
Kranke/Verletzte
108
106
104
102
100
98
vor Höhe
nach Höhe
Abb. 3: Individuelle erythropoietische Antwort
nach d
­ reiwöchigen Höhentrainingslagern (2320 m)
von S­ chwimmern der deutschen Nationalmannschaft.
29
Rubrik
Forschung
der in der Höhe dazugewonnenen Hb-Menge
besteht (Abb.7). Darüber hinaus vermuten wir,
dass die Erhöhung der Hb-Menge nicht in jedem
Fall unmittelbar die Leistung verbessert, wohl
aber mit zu einer höheren Trainingsintensität
und besseren Regeneration beiträgt und somit
indirekt die Leistung optimiert.
Training unter Hypoxie
In den vergangenen Jahren sind die Höhenmaß­
nahmen weiter differenziert worden: Einige Ath­
leten trainieren zusätzlich für jeweils ein bis zwei
Stunden 2– bis 3-mal pro Woche in Hypoxiekammern oder auch an Geräten, die hypoxische Gasgemische produzieren. Des Weiteren
Upper 2.5% limit
Lower 2.5% limit
8
Changes in Hb mass (%)
7
6
5
4
Fazit
3
2
Das Konzept des Höhentrainings ist in den ver­
gangenen zwei Jahrzehnten deutlich differenziert worden. Dabei ist die Antwort sowohl auf
LHTH- und auf LHTL-Protokolle ausgesprochen individuell, sodass jeder Athlet für sich
entscheiden muss, ob und welche der beiden
Formen ihm nützlich sein können. Der Wirkungsmechanismus von LHTH und LHTL
wird in großen Teilen über eine verstärkte Ery­
thropoiese bewirkt, wodurch die Ausdauerleistung direkt oder indirekt über eine höhere
Trainingseffektivität verbessert wird. Auch das
optimale Timing einer Höhentrainingsmaßnahme ist sehr individuell, wobei sich im Mittel
jedoch die Beendigung der Höhentrainingsmaß­
nahme drei Wochen vor dem entscheidenden
Wettkampf als optimal herausgestellt hat. Die
Trainingsform LLTH hat keinen Einfluss auf
die Erythropoiese und auf die Ausdauerleistung.
Möglicherweise können Athleten mit hochana­
eroben Belastungsformen hiervon profitieren.
0
Bild: © www.huberbuam.de
2
1
0
0
100 200 300 400 500 600 700
Time at altitude (hours)
Abb. 4: Mittlere Veränderung der Hämo­
globinmenge während Höhentrainings­
maßnahmen. Dargestellt sind die
­Ergebnisse einer Metaanalyse.
Abb. 5: Kenianischer Läufer während eines
Feldstufentests an der Universität Bayreuth.
Gore et al. Methods of the international study on soccer at altitude 3600 m
(ISA3600). Br J Sports Med. 2013 Dec;47 Suppl 1:i80-5.
Leistungsveränderungen während
und nach einem Höhentrainingslager
6
4
Zeitdifferenz (%)
setzen sich einige Athleten einer intermediären
Hypoxie aus, indem sie über einen Zeitraum
von zumeist 60 bis 90 min für wenige Minuten
abwechselnd normale Umgebungsluft und ein
stark hypoxisches Gasgemisch (oft ent­sprech­
end 6.000 m) unter körperlichen Ruhebedingungen einatmen. Übereinstimmend wird für
keine dieser Maßnahmen ein erythropoie­tischer­
Effekt beschrieben. Und auch die Einflüsse auf
den Muskelstoffwechsel widersprechen sich.
Eine Meta-Analyse zeigte keine Wirkungen
auf die Ausdauerleistung, wohingegen sehr intensive anaerobe Belastungen und ein spezielles
hochintensives Sprinttraining in Hypoxie die
anaerobe Leistung tendenziell verbessern soll.
-2
-4
HTL
FTL
nach FTL
-6
vor
HT-1 HT-2 HT-3 10d 16d 23d 30d
58d 65d 72d
nach HTL
Abb. 6: Leistungsveränderungen während
und nach einem Höhentrainingslager. Dargestellt ist die Veränderung der Schwimmzeit in einem standardisierten Stufentest.
Wachsmuth et al. Leistungsentwicklung nach einem Höhentrainingslager
– eine Pilotstudie. Dtsch Z Sportmed 64 (2013) 339 - 342.
30
Abb. 7: Veränderung der VO2max nach einer
Höhentrainingsmaßnahme in Abhängigkeit
von der Hämoglobinmenge.
Saunders PU et al. Relationship between changes in haemoglobin mass
and maximal oxygen uptake after hypoxic exposure. Br J Sports Med. 2013
Dec;47 Suppl 1:i26-30.
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Therapie
KNORPELSCHÄDEN
Was gibt es Neues am Schultergelenk?
Dr. med. Lukas Bauer, Dr. med. Ulrich Lanz
1. Orthopädische Abteilung,
Orthopädisches Spital Speising
Knorpeldefekte im Schultergelenk betreffen sowohl
ältere Patienten im Sinne der Omarthrose als auch junge,
sportlich aktive Menschen mit fokalen Knorpelschäden.
Nach dem Markov-Decision-Modell wird Patienten unter
47 Jahren eher zu einem arthroskopischen Management
geraten, Patienten über 66 Jahren zu einer
Totalendoprothese des Schultergelenkes.
Dazwischen liegt ein Graubereich mit individuell angepasster Therapieplanung
in Absprache mit den Patienten (Spiegl et al. 2014).
Klinik
Patienten mit Früharthrose beschreiben ihre Schmerzen
oft als tiefsitzend
und nachts am unerträglichsten. Die Beweglichkeit in der Schulter ist
vor allem im mittleren Bewegungsdrittel
schmerzhaft und es kann durch freie Gelenkskörper zur Einklemmungssymptomatik kommen. Zudem entwickeln diese Patienten oft
eine leichte Muskelatrophie. Ein positiver
„Kompressions-Rotations-Test“ nach subacromialer Infiltration ist ein weiterer Hinweis für
das Vorliegen eines chondralen Defektes im
Schultergelenk.
Ätiologie
Pathogenetische Ursachen der Arthrose gibt es
34
zahlreiche. Neben den klassischen Abnützungserscheinungen im Alter kommt es in erster Linie
bei jungen Patienten posttraumatisch zur sogenannten Früharthrose des Schultergelenkes.
Hier spielt vor allem die Schulterluxation eine
bedeutende Rolle. Da der Oberarmkopf im Vergleich zur Schulterpfanne über eine geringere
Knorpeldicke verfügt, kommt es dort häufiger
zum Auftreten von Knorpeldefekten. Diese
Beobachtung konnten wir in einer laufenden
Studie an unserer Abteilung mit signifikanten
Ergebnissen bestätigen.
Therapie
Welche neuartigen Möglichkeiten stehen uns
nun in der Therapie von Knorpeldefekten im
Schultergelenk zur Verfügung? Neben den bekannten konservativen Behandlungsmöglichkeiten zeigte eine Therapie der Früharthrose
mit Hyaluronsäure sowohl in der Kontrollgruppe als auch in der Placebogruppe eine signifikante Verbesserung in der VAS. Ein Unterschied zwischen Hyaluronsäuregruppe und
Placebogruppe konnte jedoch nicht beobachtet
werden (Kwon et al. 2013). Das alleinige arthroskopische Debridement scheint vor allem
medicalsports network 03.15
bei größeren osteochondralen Läsionen und humeralen Osteophyten wenig erfolgreich zu sein, bei Frühstadien der Omarthrose­
ist es jedoch vertretbar (Van Thiel et al. 2010, Richards et al. 2007).
Ein aus dem Gebiet der Kniearthroskopie kommendes und vielfach eingesetztes Verfahren mit positiven Ergebnissen ist das
sogenannte Microfracturing. In der Schulterarthroskopie noch
wenig erforscht, zeigen die vorliegenden Studien vor allem bei
kleinen humeralen Defekten zufriedenstellende Ergebnisse, die
sich in Schmerzreduktion und Verbesserung der klinischen Scores
wie Constant Score oder Oxford-Schulter-Score widerspiegeln.
Bei Knorpeldefekten über 2 cm Durchmesser stößt diese Methode
an ihre Grenzen.
In einer derzeit laufenden Studie, in der wir untersuchen, ob
Microfracturing im Schultergelenk das Fortschreiten der gleno­
humeralen Arthrose verhindern und das Implantieren einer
Schulterprothese verzögern kann, erhielten wir eindeutige Ergebnisse. Bei den von uns sowohl radiologisch als auch klinisch
nachuntersuchten elf Patienten konnten wir bei lediglich vier
Patienten ein Fortschreiten der Arthrose beobachten. Die klinischen Scores verbesserten sich um rund 20 %. Zusammenfassend
können wir aus dieser Studie schließen, dass Microfracturing die
Schmerzen reduziert sowie die Beweglichkeit und den subjektiven
Schulterwert signifikant verbessert (Abb. 1 und 2).
Ein weiterer Ansatz für sportlich aktive jüngere Patienten bildet
das sogenannte Comprehensive Arthroscopic Management (CAM),
eine umfangreiche arthroskopische Sanierung bei Patienten mit
gravierenden Arthroseerscheinungen im Schultergelenk. Mit einer
definierten Abfolge operativer Schritte (Testung der ROM unter
Anästhesie, arthroskopisches Debridement, Entfernung freier
Gelenkskörper, Microfracturing, Synovektomie, Abtragung des
inferioren Osteophyten, inferiore Kapsulotomie, Release des N.
axillaris, anteriore Kapsulotomie, Tenodese/Tenotomie der langen
Bizepssehne und subacromiale Dekompression) konnten Erfolge
in der Schmerzreduktion und Funktion vor allem bei Patienten mit
einer Gelenksspaltbreite über 2 mm erzielt werden (Millett et al.
2013).
Ein vor allem in den Vereinigten Staaten verbreiteter Therapieansatz ist die Knorpeltransplantation – von der osteochondralen
autologen Transplantation (OATS) über Fremdspenden (Allografts) bis hin zur autologen Chondrozytentransplantation. Im Ver­
gleich zum Microfracturing ist die Studienlage sehr dünn, vor
allem Langzeitstudien sucht man vergeblich. Eine weitere umstrittene Problematik stellt die Morbidität der Spenderregion bei
OATS dar (Buchmann et al. 2012, Gobezie et al. 2011). Eine
eher untergeordnete Rolle spielt das biologische Resurfacing, bei
dem man mit lateraler Meniskus-Allograft oder humaner azellulärer dermaler Zellenmatrix versucht, das Glenoid wieder aufzubauen. Aufgrund einer doch hohen Versagensrate von rund 50 % ist
diese Methode nur in Ausnahmefällen indiziert (Strauss et al. 2013).
Den Übergang zur offenen endoprothetischen Versorgung
bildet das partielle arthroskopische Resurfacing. Der Vorteil der
arthroskopischen Versorgung besteht in einer geringeren Infek­
03.15 medicalsports network
35
P
Witten 07
Therapie
Lukas Bauer
Ulrich Lanz
tionsrate, einem geringeren Weichteiltrauma und
in der Schonung der Subscapularissehne. Bei
größeren fokalen Knorpeldefekten konnten
Anderl et al. durch die arthroskopische Implantation der sogenannten Partial Eclipse Prothese
in einer 2014 veröffentlichten Studie signifikante Verbesserungen in allen getesteten Scores
nachweisen (siehe Abb. 3).
Fazit
„
Assistenzarzt an der 1. Orthopädische Abteilung, Orthopädisches Spital Speising,
Österreich
„
Oberarzt an der 1. Orthopädische Abteilung, Orthopädisches Spital Speising,
Österreich
„
(BITTE UM 1-2 PUNKTE ERGÄNZEN)
„
Spezialteamleiter Schulter
[email protected]
Network
„
Mitglied des AGA-Komitee Schulter
„
Teamarzt des österreichischen Daviscup
Teams (Tennis)
„
Teamarzt des österreichischen Leichtathletikteams
[email protected]
Abb. 1: Rechtes Schultergelenk, arthroskopischer Blick von dorsal, fokaler humeraler
Knorpeldefekt
36
Abb. 2: Rechtes Schultergelenk, arthroskopischer Blick von dorsal auf einen humeralen Knorpeldefekt bei Durchführung des
Microfracturings mittels 90° Ahle
Bei sportlich aktiven Patienten mit Knorpeldefekt sollte der primäre Therapieansatz ein
konservatives Management sein. In Abhängigkeit von der Größe des vorliegenden Knorpeldefektes, dem Alter des Patienten und seinen
Ansprüchen stehen unterschiedliche operative
Behandlungsmethoden zur Verfügung. Kleine
Defekte können durch Debridement oder Microfracturing therapiert werden. Für ausgeprägte
Läsionen stehen das CAM und die PartialEclipse-Prothese zur Verfügung. Patienten unter
47 Jahren sollten einem arthroskopischen Management, Patienten über 66 Jahren einer endoprothetischen Versorgung zugeführt werden.
Für Patienten zwischen 47 und 66 Jahren sollte
eine den Ansprüchen des Patienten entsprechend individuell angepasste Therapie erfolgen.
Literatur bei den Autoren
Bild: © pixathlon
Abb. 3: Rechtes Schultergelenk, postoperatives Röntgenbild einer arthroskopisch implantierten Partial Eclipse Prothese bei fokalem humeralen Knorpeldefekt
medicalsports network 03.15
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Regel selbst ausreichend Ubiquinol. Doch mit
zunehmendem Alter geht die körpereigene
Synthese zurück. So hat zum Beispiel ein
40-Jähriger etwa 30 Prozent weniger Ubiquinol im Herzmuskel als ein 20-Jähriger. Bei
­einem Mangel sinkt unter anderem die Leistungsfähigkeit. In diesem Zusammenhang ist
eine Studie1 des Olympia-Stützpunktes RheinRuhr besonders relevant. Über sechs Wochen
hinweg erhielten 100 Athleten täglich entweder
300 mg Ubiquinol oder ein Placebo. Während
der Studie trainierten die Teilnehmer indivi­
duell in Vorbereitung auf die Olympischen
Spiele in London. Bei beiden Gruppen erhöhte
sich die körperliche Leistungsfähigkeit: um
0,30 Watt pro kg Körpergewicht in der Place­
bo-Gruppe und um 0,38 W/kg KG in der
Ubiquinol-Gruppe. Bei der Ubiquinol-Gruppe
nahm die körperliche Leistungsfähigkeit stärker zu als bei der Placebo-Gruppe. Dies zeigt,
dass Ubiquinol die Leistung über den Trainingseffekt hinaus signifikant erhöhen kann.
03.15 medicalsports network
Wissenschaftliche Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass Ausdauersport den Blutplasmaspiegel an Ubiquinol senkt. In einer
Studie2 mit Rugby-Spielern wurde festgestellt,
dass schon eine einzige intensive Trainingseinheit von rund 40 Minuten den Ubiquinol-­
Spiegel im Blut signifikant verringert. Für
Hochleistungssportler werden daher Dosierungen von mindestens 200 mg Ubiquinol pro
Tag empfohlen. Als Nahrungsergänzung ist
Ubiquinol besser geeignet als das oxidierte
Coenzym Q10, da es direkt bioverfügbar ist
und somit auch schneller wirken kann. Der
Mikronährstoff hat keinerlei Nebenwirkungen
und ist auch in der „Kölner Liste“ dopingfreier
Substanzen aufgeführt.
1 Alf, D: Ubiquinol supplementation enhances peak power production in
trained athletes: a double-blind, placebo controlled study, J Int Soc Sports
Nutr. 29;10(1):24 (2013).
2 Tiano, L: Ubiquinol in Sport Nutrition, presented at Bridge2Food
Conference, 4th Sport & Performance Platform, Cologne, April 2014.
Bild: © fotolia.com|Warren Goldswain
Sandra Schulze, Ernährungswissenschaftlerin,
Weinheim, Germany
37
Faszien
„AUCH ALS ERWACHSENER SOLLTE
MAN HOPSERLAUF MACHEN“
Rolle und Stellenwert des Faszientrainings – Interview mit Dr. Robert Schleip
Die Forschungen auf dem Gebiet der Faszien haben in den letzten Jahren eine Reihe von neuen
Erkenntnissen gebracht. Trotzdem ist die internationale Faszienforschung ein noch recht junges
Fachgebiet, auch das auf diesen aktuellen Erkenntnissen basierende Faszientraining steckt noch
in den Kinderschuhen. Aidin Dinkhah hat Dr. Robert Schleip auf dem diesjährigen Faszien Summit
in München getroffen, das vom 07. – 08. Februar stattgefunden hat (www.fasziensummit.de)
und sich mit ihm über die Bedeutung von Faszientraining unterhalten.
Herr Dr. Schleip, welche Funktionen
haben die Faszien im menschlichen und
tierischen Körper?
Früher hat man gedacht, Faszien wären nur
Verpackungsorgane. Der Muskel selbst wäre
ohne diese Hülle im entspannten Zustand wie
ein Sirup. Also haben wir das im Labor getestet:
Unter dem Einsatz von Kollagenase, einem
Enzym, das kollagene Bindegewebe wegfrisst,
wird der Muskel, der vorher wie Hühnchenfleisch war, zu einem Sirup, den man leeren
kann. Das wäre die formgebende Funktion, die
man schon lange kennt. Neu ist jetzt die Erkenntnis, dass die Faszie eben nicht nur Ver­
packungsorgan ist, sondern auch Sinnesorgan,
speziell für die koordinative Körperwahrnehmung. Die Propriozeption lebt wohl viel mehr
in den oberflächlichen membranösen Binde­
gewebeschichten – was wir Faszien nennen – als
in der Gelenkkapsel, wie man früher gemeint
hat oder in der Muskelspindel. Die Faszie kann
auch Schmerzquelle sein – Faszie als Sinnes­
organ. Außerdem sind Faszien muskulärer
Kraftüberträger. Wenn ein Bizeps kontrahiert,
kommt nur ein Teil der Kraft in der Sehne an
und macht die Bewegung, die wir alle gelernt
haben. Der Rest wird über die faszialen aterenten Verbindungen übertragen. Der Faszienumschlag um den Bizeps, das Epimysium, ist mit
dem vom Trizeps vernetzt und spannt bei einer
Bizepskontraktion auch auf der Rückseite, bei
manchen Leuten mehr, bei anderen weniger.
38
Da kommen die Spannungen ganz anders über
die Gelenke, als wir es bisher angenommen
haben. Das wäre die Funktion force transmis­
sion und die ist z. B. bei spastischen Kindern
dramatisch verändert. Man kann nun schauen,
wie viel force transmission in welche Richtung
ein Patient hat. Wie kann man das fördern oder
abbauen?
Warum sollten wir unsere Faszien
­trainieren? Was bewirkt Faszien­
training in menschlichem Körper?
Wir haben uns bisher sehr damit beschäftigt,
wie man Muskeln systematisch trainieren kann.
Wir haben uns auch mit den kardiovaskulären
Fähigkeiten befasst, um z. B. für einen Marathon besser trainieren zu können. Auch mit der
sensomotorischen Koordination. Aber fast alle
Belastungsschäden im Sport sind Verletzungen
am kollagene faserige Bindegewebe. Was wir
daraus schlussfolgern müssen, ist, dass das Faszientraining das schwächste Glied in unserer
bisherigen Trainingskette ist. Verletzungsprophylaxe ist ein wichtiger Grund für ein Faszientraining, es gibt aber auch andere Gründe.
Können wir mit Faszientraining
die Leistung bei Leistungssportlern
steigern?
Ja, auf jeden Fall. Es kommt immer darauf an,
um welche Sportart es sich handelt. Wenn jemand Billardspieler oder Schütze ist, wo viel-
leicht die sensomotorische Koordination im
Vordergrund steht, kann ich nur hypothetische
Antworten geben, ich weiß es nicht. Aber
wenn Schnellkraft wichtig ist, bei athletischen
und schnellen Powerbewegungen wie Sprünge
und Würfen, weiß man jetzt, dass die roten
Fasern bei geübten Athleten weniger aktiv sind
als bei ungeübten Sportlern. Die Schnellkraft
kommt von dem Katapulteffekt des weißen
Gewebes der faszialen Elemente. Diese können
schneller zurückschnorren, als irgendein Muskel sich selbst zusammenziehen kann. Wenn
Schnelligkeit wichtig ist, wäre das ein Grund
für das Faszientraining.
Welchen Stellenwert hat dieses
­Training im Vergleich zu konditionellen
Trainingsmethoden (Kraft, Ausdauer,
Koordination)? Brauchen die Faszien
ein gezieltes und spezielles Training?
Ja, natürlich trainiert man immer alles ein
­bisschen mit. Derjenige, der in die Muckibude
geht, tut auch etwas für seine Ausdauer und ist
leicht besser beim Marathonlaufen. Aber wenn
er nach drei Jahren Krafttraining einfach ohne
kardiovaskuläres Spezialtraining zum Triathlon
antritt, versagt er nach 300 m. Das Training
war eben nicht speziell genug. Und genauso
sehe ich das mit dem Faszientraining. Die Faszien wurden immer irgendwo, aber insuffizient
mittrainiert. Das heißt, wenn es darum geht,
dass meine Achillessehne belastbarer ist und
medicalsports network 03.15
Robert Schleip
„„
Humanbiologe (Ph.D., 2003-2006),
­Universität Ulm
„„
Diplompsychologe (M.A., 1980),
Universität Heidelberg
„„
seit 2006: Direktor des Fascia Research
­Projects der Universität Ulm
„„
seit 2006: Forschungsdirektor der European
Rolfing Association e.V.
Network
ich vorher nur irgendein Kreislauftraining gemacht habe, ist die Achillessehne so spröde wie
bei einem Couch-Potato. Wir wissen jetzt noch
nicht alles, aber wir haben paar Richtwerte:
Wenn ich Faszien „unkaputtbarer“ machen will,
dass sie belastbarer sind, ohne zu zerreißen und
dass sie zum Katapult werden und nicht zum
spröden Seil – wie muss das Training von der
Dosierung und den Regenerationspausen her
aussehen?
Ist ein Lauftraining
kein Faszientraing?
Gute Frage. Laufen ist interessanterweise ein
viel besseres Faszientraining für die Beine als
Radfahren. Das ist eine federnde Bewegung für
die Beinfaszien. Ein Radfahrer hat kaum fasziale Elemente, weil die Bewegungsenergie nicht
innerhalb des Körpers gespeichert wird. Ein
Vorfußlauf dagegen ist ein noch faszialerer
Laufstil und ein gelegentlicher Vorfußlauf
kann als Ergänzung zum normalen Laufstil
sinnvoll sein. Für die Oberkörperfaszien wäre
rhythmisches Diskotanzen wunderbar, aber
auch das Werfen. Wir experimentieren mit
unterschiedlichen Bällen, die man irgendwo
dagegen wirft und wieder auffängt. Das sollte
eigentlich im Wachstumsalter trainiert werden.
Werfen, Hüpfen und Hopserlauf müssen in den
Kindheitsalltag rein, nur Hocken und Gewichte
stemmen reicht nicht. Wir müssen wieder mit
Kreidezeichnungen für Himmel und Hölle und
03.15 medicalsports network
Gummitwist in die Hinterhöfe. Auch als Erwachsener muss man Hopserlauf machen.
Welche Rolle spielt Faszientraining
in Prävention und Rehabilitation,
vor allem bei Leistungssportlern?
In der Prävention spielt es eine große Rolle, das
ist jetzt die neue Prämisse, die wir noch nicht
bewiesen haben. Dort kann man viel machen,
das ganze Feld ist in einer neuen Auf bruchsstimmung. Wir haben noch keine robusten
klinischen Studien dazu, ob Leistungssportler,
die Gummitwists oder Ähnliches in ihr Training
sinnvoll mit einbauen, weniger Verletzungen
pro Jahr haben. Diesen Beweis sind wir noch
schuldig. Von der Grundlagenforschung spricht
vieles dafür, denn egal, ob man Sprunggelenkverletzungen oder Kreuzbandverletzungen hat,
man weiß, dass Kollagen adäquat trainiert werden muss und wir wissen, wie das geht.
„„
seit 2004: Vorstandsmitglied der Somatics
Academy, München
„„
2002-2004: Direktor der Deutschen
­Gesellschaft für Myofascial Release,
­Neuötting
In welchem Entwicklungsstadium
sehen Sie die Faszienforschung und
welche Rolle spielen dabei solche
­Veranstaltungen wie „Faszien Summit“
in München?
Das ist so wie die Chaostheorie vor 20 Jahren,
das war so eine internationale Auf bruchsstimmung oder die ersten Computerjunkies in ihren
Garagen. Diese Veranstaltung hier in München
passt dazu ganz gut . Trotz Konkurrenzen entstehen hier Austauschnetzwerke, wir haben ein
goldenes Gebiet vor uns und da kann jeder noch
was Neues entdecken. Das Faszientraining ist
ein Mosaikstein im Mosaik eines Ganzkörpergesundheitstrainings, jedoch nicht der zentrale
Stein. Es sollte zum Muskeltraining, Kreislauftraining oder sensomotorisches Training ergänzt werden.
Vielen Dank für das Gespräch
Buchtipp
Faszien-Fitness
Schleip, Robert/Bayer, Johanna
riva Verlag 2014
ISBN 978-3-86883-483-3
19,99 €
39
Therapie
KONSERVATIVE THERAPIE
Akut-RSWT im Hochleistungssport Fußball
Konservative Therapieoptionen
erfreuen sich bei Therapeuten,
aber auch bei Sportlern, einer
immer größer werdenden Beliebtheit. Gerade im Hochleistungssport können Alternativen
im Bereich der Therapie, aber
auch im Bereich der Prävention,
zu extremen Verbesserungen
für Spieler und Vereine sorgen –
im physischen und im
wirtschaftlichen Bereich.
Ein gutes Beispiel für eine positive Anwendung
findet man beim Fußball-Bundesligisten FSV
Mainz 05, bei dem seit November 2014 die
Stoßwellentherapie zum Einsatz kommt. Involviert dabei ist das komplette Medical Team
von Mainz 05 (siehe Infokasten), was von ganz
entscheidender Bedeutung für den Erfolg ist.
Nur in einem perfekten Zusammenspiel zwischen
Medical Team und Spielern kann eine optimale
Umsetzung stattfinden. Masiar Sabok Sir,
Robert Erbeldinger und Nils Schulz unterhielten
sich dafür mit den fünf Mainzer Profispielern
Johannes Geis, Jonas Hofmann, Koo Ja-Cheol,
Park Joo-ho und Shinji Okazaki, die alle mit der
Stoßwellentherapie behandelt wurden, sowie
mit Steffen Tröster, Christopher Rohrbeck und
Stefan Stüwe, Physiotherapeuten von Mainz 05.
Erfahrungen aus Sicht der Spieler
Positives weiß Jonas Hofmann, der in dieser
Saison von Borussia Dortmund ausgeliehen ist,
über die Anwendung der Stoßwellentherapie zu
berichten. „Wir mussten alle herhalten bei Steffen
Tröster. Was mich gleich positiv gestimmt hat,
war seine klare Ansage, dass diese Therapiemethode uns helfen wird“, so Hofmann. „Sie
nimmt einem sehr schnell die Schmerzen, auch
wenn es zu Beginn etwas wehtut. Jedoch merkt
man sehr schnell, dass dies nachlässt und im
Nachhinein eine deutliche Linderung der
Schmerzen stattfindet. Das schafft natürlich
enormes Vertrauen in die Therapieform.“ Der
gewünschte Leistungszustand könne so wieder
Spieler des FSV Mainz 05 während der Stoßwellentherapie (EMS, Swiss DolorClast).
V.l.n.r.: Okazaki, Koo, Park
40
medicalsports network 03.15
schnell hergestellt werden. Zusätzlich ist die
Behandlung mit der Stoßwellentherapie eine
sowohl effiziente als auch sehr schnelle Therapiemethode.“ Dies strapaziert nicht unnötig die
Geduld der Sportler, was sich wiederum auf die
mentale Situation positiv auswirkt.
Im asiatischen Raum wird die Stoßwellentherapie schon seit längerer Zeit erfolgreich
angewendet. So konnten die Spieler Koo, Park
und Okazaki bereits in ihren Nationalteams
(Südkorea und Japan) Erfahrungen sammeln.
„Bei uns in Südkorea gibt es teilweise mehrere
Geräte pro Team und ich kann wirklich nur
Positives darüber berichten. Daher freut es
mich natürlich umso mehr, dass es das jetzt
auch bei meinem Verein, dem FSV Mainz 05
gibt“, berichtet Koo. Zustimmung erhält er von
seinen Mannschaftskollegen Park und Okazaki, die von Anwendungen im Bereich des
Sprunggelenks bis hin zu muskulären Behandlungen berichten.
Praktische Anwendung
Die Stoßwellentherapie wurde in Mainz von
allen Spielern sehr schnell akzeptiert. Hauptanwendungsgebiete sind dabei das Sprunggelenk
sowie die gesamte fußballspezifische Muskulatur (aktiver Bewegungsapparat Muskel, Sehnen
und Bänder). Zum Einsatz kam die Stoßwellentherapie vorwiegend nach dem Spiel und Training bis zu 2- bis 3-mal pro Woche. Vorwiegend zur Regeneration, aber auch zur
Rehabilitation bei Beschwerden und besonders
bei Schmerzen. Die Behandlung der Schmer-
MEDICAL TEAM FSV MAINZ 05
Kardiologen/Internisten:
Dr. med. Kathrin Stelzer
Dr. med. Felix Post
Dr. med. Karsten Keller
Orthopäden:
Dr. med. Stefan Mattyasovszky
Dr. med. Patrick Ingelfinger
Externer Osteopath:
Dr. med. Dietmar Hellmich
Zahnarzt:
Dr. med. dent. Christopher Köttgen
Athletik-Fitnesstrainer:
Jonas Grünewald
Axel Busenkell
Physiotherapeuten:
Steffen Tröster (Dipl. Sportwiss., Osteopath BAO)
Christopher Rohrbeck (Osteopath, Heilpraktiker)
Stefan Stüwe (Heilpraktiker, Akupunkteur)
zen spielt dabei für alle Spieler eine herausragende Rolle. „Die Stoßwellentherapie nimmt
einem sehr schnell die Schmerzen. Das ist sehr
hilfreich und man ist äußerst dankbar dafür“,
sagt Koo. Im präventiven Bereich findet eine
Anwendung auch nach dem Spiel statt. Doch
welche Rollen spielen eigentlich der Arzt und
Therapeut dabei? Auch hier herrscht unter den
Spielern eine eindeutige Meinung: Eine ganz
wichtige Rolle. „Wir vertrauen unseren Therapeuten und den Teamärzten blind. Steffen
Tröster hat sich sehr intensiv mit der Stoßwellentherapie auseinander gesetzt, wurde von der
Swiss DolorClast Academy und Prof. Christoph
Schmitz (LMU München) intensiv geschult
und ist der Antreiber hier in unserem Verein
hinsichtlich dieser Therapiemethode. Ich spreche für alle, wir vertrauen ihm und der Zusammenarbeit mit den Teamärzten total“, berichtet
Johannes Geis. Bei ihm fand eine Anwendung
z. B. im Bereich einer Muskelverhärtung im
Oberschenkel und bei kleineren alltäglichen
Verletzungen statt. „Ich bin sehr wissbegierig
und allem Neuen gegenüber offen, also habe
ich auch kein Problem mit neuen Therapieformen, vor allem dann nicht, wenn ich nachweislich davon profitiere“, ergänzt Hofmann. Dabei
wirkt es sich extrem positiv aus, dass die Spieler
des FSV Mainz 05 perfekt vom Medical Team
des Vereins informiert und aufgeklärt werden.
Ein abschließendes Statement, dem alle Spieler
zustimmen, kommt von Johannes Geis: „Durch
die Behandlung regeneriere ich deutlich
schneller.“ Kein unwichtiger Punkt im modernen Hochleistungssport.
Spieler des FSV Mainz 05 während der Stoßwellentherapie
(EMS, Swiss DolorClast + PiezoClast). V.l.n.r.: Hofmann, Geis
03.15 medicalsports network
Bild: Polaroid Hintergrund © istockphoto.com| t_kimura
Steffen Tröster, welche Indikationen
ergeben sich für den Einsatz der
Stoßwellentherapie?
Da wären natürlich die klassischen Indikationen der
Tendinopathien (Patellaspitzensyndrom, Achillodynie) zu nennen. Auch Fersensporne wurden schon
erfolgreich behandelt. In der akuten Stoßwellentherapie, sowohl radial als auch fokussiert, gibt es aus unserer Sicht neue Behandlungsmöglichkeiten. Exemplarisch wären hier zu nennen: die Muskelverhärtung/
Zerrung, akute Triggerpunkttherapie, akute Bänderverletzungen, Knochenheilungsstörungen (Pseudarthrose) und akute Muskelkontusionen. Auch haben
unsere Erfahrungen gezeigt, dass Ödeme nach
Sportverletzungen durch Stoßwellentherapie schneller
resorbiert werden. Die moderne akute Stoßwellentherapie (radial und fokussiert) ist eine super Ergänzung zu den Therapiemethoden (manuelle Therapie,
Osteopathie, Sportphysiotherapie), die sich bei den
oben genannten Verletzungen des Bewegungsapparates schon bewährt haben. Außerdem nutzen wir
die Stoßwelle auch im präventiven Bereich, vor allem
bei der Muskelpflege.
41
case series
FALLBEISPIELE AKUT-RSWT
Anwendung bei Fußballprofis des FSV Mainz 05
Dr. med. Stefan Mattyasovszky1, Steffen Tröster2, Prof. Dr. med. Christoph Schmitz3
Klinik für Orthopädie, Universitätsmedizin Mainz, Teamarzt FSV Mainz 05, Physiotherapeut FSV Mainz 05,
1
3
2
Stoßwellen-Forschungslabor, Anatomische Anstalt, Ludwig-Maximilians-Universität München
Nach der Vorstellung des Konzepts der Akut-RSWT im Profifußball (siehe MSN 02.15) und den
Erfahrungsberichten mehrerer Spieler des FSV Mainz 05 in dieser Ausgabe sollen nun einige
Fallbeispiele zum konkreten Einsatz von Akut-RSWT bei Fußballprofis des FSV Mainz 05 kurz
vorgestellt und im wissenschaftlichen Kontext diskutiert werden.
Ein Zusammenhang mit den oben erwähnten
Spielerinterviews kann, muss aber nicht bestehen.
Die Beispiele sind einer systematischen interna­
tionalen Anwendungsbeobachtung von AkutRSWT an Spielern des FSV Mainz 05, ACF
Fiorentina (Italien) und Botafogo (Rio de Janeiro/
Brasilien; siehe MSN 01.15) entnommen. Alle
hier beschriebenen RSWT-Behandlungen wurden mit dem Swiss DolorClast (EMS, Nyon,
Schweiz) und dem EvoBlue Handstück durchgeführt. Die angegebenen Daten (Arbeitsdruck,
Impulsfrequenz) können nicht einfach auf radiale
Stoßwellengeräte anderer Hersteller übertragen
werden, da bei hohen Frequenzen das hier verwendete Handstück höhere Energien erzeugt, als
sie mit anderen Geräten erzielt werden (Császár
et al., zur Publikation eingereicht). Die individuelle Einstellung des Arbeitsdrucks und der
Impulsfrequenz, basierend auf Biofeedback
durch den Spieler, ist ein wichtiges Element der
Akut-RSWT; die Verwendung von Voreinstellungen (üblich bei heute verfügbaren radialen
Stoßwellengeräten) sollte unbedingt vermieden
werden.
3.000 Impulse bei 2,4 bar Arbeitsdruck
und 14 Hz Impulsfrequenz).
„„ Ergebnis: Reduktion der Schmerzen
bis zum Spiel auf VAS = 0.
Der Spieler konnte das komplette Spiel
durchspielen. Weder während noch nach
dem Spiel zeigten sich Komplikationen,
und der behandelte Muskel war nicht
­weiter schmerzhaft.
Dieser Fall ist typisch für den erfolgreichen
Einsatz von Akut-RSWT. Die akute Wirkung
von Stoßwellen am Muskel ist wissenschaftlich
bisher nur ansatzweise verstanden. Wahrschein­
lich wirken mindestens drei Mechanismen synergistisch zusammen: (1) mechanische Lockerung der Muskulatur; (2) Schmerzlinderung
durch die Entfernung von Substanz P aus
C-Schmerzfasern und myofaszialen Triggerpunkten (Mayer et al., 2003; Shah et al., 2008);
und (3) temporäre Paralyse (über-) kontrahierter Muskelfasern (vgl. Angstman et al., 2015).
2. Fall
„„
1. Fall
„„
„„
42
Anamnese und Diagnose:
Ermüdungs­bedingte Muskelverhärtung im
M. biceps femoris rechts. Schmerzintensität
auf der Visual Analog Scale (VAS score)
vor ­Behandlung = 6.
Therapie: RSWT am Tag vor einem
Bundesligaspiel (36-mm Applikator,
„„
„„
Anamnese und Diagnose: „Pferdekuss“
­linke Hüfte im Bereich des M. tensor
­fasciae latae während eines Bundesligaspiels; VAS = 8.
Therapie: RSWT am Tag nach dem Spiel im
Bereich des M. tensor fasciae latae (36-mm
Applikator, 5.000 Impulse, 2,5 bar, 14 Hz).
Ergebnis: Reduktion des Schmerzes auf
VAS = 1 innerhalb von zwei Tagen nach
Trauma. Der Spieler konnte beide Trainings­
einheiten am ersten Trainingstag der neuen
Woche ohne Schmerzen absolvieren.
Der „Pferdekuss“ ist eine klassische Verletzung
im Profifußball, die nicht selten von versteckten Fouls herrührt. Oftmals bleibt unklar, was
genau die häufig länger andauernden Schmerzen auslöst, die den Spieler stark beeinträch­
tigen können. Womöglich steht eine Reizung
des Periosts des Trochanter major im Vordergrund. Die guten Ergebnisse der Akut-RSWT
beim „Pferdekuss“ stehen im Einklang mit den
Ergebnissen der RSWT beim chronischen
Trochanter major-Schmerzsyndrom (Furia et al.,
2009; Rompe et al., 2009).
3. Fall
Anamnese und Diagnose: Re-Fraktur des
5. Mittelfußknochens im proximalen
Schaftbereich rechts. Zustand nach
Fraktur mit konsekutiver Schrauben­
osteosynthese und Ausbildung
einer Pseudarthrose.
„„ Therapie: RSWT über einen Zeitraum
von zehn Wochen, im Durchschnitt sechs
Behandlungen pro Woche (insgesamt
49 Behandlungen) (36-mm Applikator,
jeweils 2.000 Impulse, 2 bar, 20 Hz).
„„ Ergebnis: Knöcherner Durchbau der
Pseudarthrose am Ende des Behandlungszeitraums.
Dieser Fall ist in mehrfacher Hinsicht interessant: (1) Entgegen mancher Meinung in der
Literatur bedarf die Behandlung von Pseudar„„
medicalsports network 03.15
Stefan Mattyasovszky
Steffen Tröster
„„
Studium der Humanmedizin an der
Friedrich-Alexander-Universität in
Erlangen-Nürnberg
„„
Staatlich anerkannter Physiotherapeut,
Diplom-Sportwissenschaftler und
Osteopath BAO
„„
Oberarzt der Klinik für Orthopädie des
Zentrums für Orthopädie und Unfall­
chirurgie der Universitätsklinik Mainz
„„
2011 – 2012 medizinische Abteilung –
Junior Team FC Bayern München
„„
„„
Mannschaftsarzt des FSV Mainz 05
2012 – heute im Team der medizinischen
Abteilung FSV Mainz 05
throsen an oberflächlich gelegenen Knochen
keiner hochenergetischen fokussierten Stoßwellenbehandlung. (2) Der hier vorgestellte Fall
steht in Einklang mit Berichten über die erfolgreiche Behandlung von oberflächlichen Pseu­
darthrosen mit RSWT in der Literatur (Silk et
al., 2012). (3) Auch die mehrfach wiederholte
Behandlung der hier geschilderten Pseudarthrose führte zu keiner Lockerung der liegenden Osteosynthese. (4) Ob im hier vorliegenden Fall wirklich 49 Behandlungen mit RSWT
nötig waren, kann nicht beurteilt werden. Bedenkt man aber, dass eine individuelle Behandlung weniger als zwei Minuten dauerte und die
Spieler täglichen Kontakt zum Medical Team
haben, erscheint der hier geschilderte Aufwand
nicht zu hoch.
4. Fall
„„
„„
Anamnese und Diagnose:
Zerrung des Innenbandes des rechten
Knies mit leichtem Ödem am Ansatz des
Innenbandes; VAS = 6 – 7.
Therapie: RSWT, eine Behandlung pro
Tag, erste Behandlung am Tag nach dem
Trauma, insgesamt vier Behandlungen
(36-mm Applikator, 2.000 Impulse,
1,7 bar, 20 Hz).
03.15 medicalsports network
Ergebnis: vor der letzten Behandlung
bereits völlige Schmerzfreiheit (VAS = 0)
mit vollständiger Beseitigung des Ödems.
Dieser Fall zeigt eindrucksvoll die Fähigkeit
der RSWT, zur schnelleren Resorption von
Ödemen beizutragen. Die zugrunde liegenden
Mechanismen sind noch vollkommen unbekannt; eventuell besteht ein Zusammenhang
zur Ausschaltung der C-Schmerzfasern durch
die Stoßwellenbehandlung (vgl. Campos und
Calixtos, 2000).
„„
5. Fall
„„
„„
Anamnese und Diagnose:
Zerrung der ischiocruralen Muskulatur
links; VAS = 6; VAS bei SLR
(straight-leg-raise) = 4.
Therapie: Kombinierte radiale (RSWT)
und fokussierte (fESWT) Stoßwellen­
therapie, jeweils eine RWST und fEWST
Behandlung pro Tag, erste Behandlung
zwei Tage nach dem Trauma, insgesamt
vier Behandlungstage (RSWT: 36-mm
Applikator, jeweils 2.000 Impulse verteilt
über den gesamten Muskelbauch, 2 bar,
20 Hz; fESWT: Swiss PiezoClast [EMS],
35-mm Gelkissen [d.h. Fokuspunkt ca.
15 mm unter der Hautoberfläche], jeweils
Christoph Schmitz
„„
Inhaber des Lehrstuhls für Neuroanatomie
an der LMU München
„„
2008 bis 2011 International Business
Manager Orthopaedics and Medical Scientific
Officer bei EMS Electro Medical Systems S.A.
„„
Forschungsschwerpunkt (u.a.):
molekulare und zelluläre Wirkmechanismen
extrakorporaler Stoßwellen am Stütz- und
Bewegungsapparat
2.000 Impulse über dem Schmerzpunkt
mit Einstellung 12 [positive Energie­
flussdichte 0,173 mJ/mm 2], 8 Hz).
„„ Ergebnis: Reduktion des Schmerzes auf
VAS = 1 bereits vor der zweiten Behandlung.
VAS bei SLR vor der vierten Behandlung
= 0. Keine Schmerzen beim Laufen,
volle Trainingsfähigkeit nach der vierten
Behandlung.
Dieser Fall passt gut zu unseren früheren Ergebnissen bei akuten Muskelproblemen von
Athleten während der Olympischen Sommerspiele 2004 und 2008 sowie dem schnellen
Heilungsverlauf von Aksel Lund Svindal vor
der Winterolympiade 2010 (siehe Henne und
Schmitz msn 5/2011). Die Mechanismen sind
komplex und beinhalten wahrscheinlich auch
die Aktivierung von Muskel-Stammzellen.
Fazit
Zusammenfassend eröffnet die Akut-RSWT
eine hochinteressante neue Perspektive bei der
beschleunigten Rehabilitation sicher nicht nur
von Fußballprofis. Der Erfolg der Akut-RSWT
hängt dabei ganz wesentlich von der Expertise
und Erfahrung sowie der Interaktion der Mitglieder des Medical Teams ab.
Literatur und Röntgenbilder (3. Fall) bei den Autoren.
43
more
SPORTKINESIOLOGIE
Körper und Geist in Balance für mehr Leistungsfähigkeit
Dr. med. Werner Klingelhöffer, Institut & Campus für sportkinesiologische Trainingsmethoden, Bad Tölz
Der FC Bayern München feierte in dieser Saison den größten Herbstmeistervorsprung aller Zeiten –
die vor Kurzem noch durchaus ebenbürtige Borussia Dortmund kämpfte gegen den Abstieg.
Topspieler und exzellente Trainer haben beide Teams. Was passiert hier?
Nicht nur im Profisport lässt sich ein solches
Phänomen regelmäßig beobachten. Auch im
Breitensport und über alle Sportarten hinweg ist
die Leistungsfähigkeit der Teams oder Einzelsportler oft nahezu gleichwertig. Der Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg liegt
lediglich in der Abruf barkeit der Leistung.
Und genau damit beschäftigt sich, vereinfacht
gesagt, die Sportkinesiologie: mit der gezielten
Abruf barkeit der Leistung.
Mentale Balance und
theoretischer Hintergrund
Auch wenn das fachliche Können, die Kraft
und Kondition vorhanden sind, ist es immer
entscheidend, wie diese Fähigkeiten bei Bedarf
eingesetzt werden. Hier kommt die mentale
Balance ins Spiel. Der erfolgreiche Leistungs-
sportler ist körperlich und geistig austrainiert.
2012 holte Bundestrainer Joachim Löw einen
Kinesiologen ins Trainingslager nach Marseille,
als bekannt wurde, dass damals Borussia Dortmund erfolgreich nach diesem Prinzip trainiert.
Bekannt ist dieses Trainingsprinzip auch unter
dem Namen „Brain Gym“. Die Sportkinesio­
logie schlägt die Brücke zwischen den Disziplinen Sportmedizin und -psychologie, traditioneller chinesischer Medizin (TCM), Taping
und den Therapiemöglichkeiten aus BrainGym,
Touch forHealth und Hyperton X. Touch for
Health und Hyperton X sind die Anwendungsmöglichkeiten, die über die Muskulatur direkt
Zugang zum Meridiansystem der TCM haben.
Jeder Muskel hat zu einem bestimmten Meri­
dian eine besondere Beziehung. Diese Besonderheit wird nun in die Trainingslehre aufge-
Werner Klingelhöffer
„„
Facharzt für Orthopädie, Zusatzbezeichnung
Sportmedizin, Chirotherapie,
Akupunktur, Sportkinesiologie
„„
Institut & Campus für sportkinesiologische
Trainingsmethoden, Bad Tölz
Network
„„
Orthopädischer Beirat
der Münchner Gruppe-Rolfing®
„„
Kooperationspartner der Int.
­Kinesiologieakademie Frankfurt-Bergen
„„
Gastdozent an der
Steinbeis-Hochschule Berlin
„„
Mitglied im Bayrischen Sportärzteverband
„„
Kooperationspartner der Sport/­
Jugendherberge Bad Tölz
[email protected]
44
nommen. Da der Mensch sich in drei Ebenen
(oben-unten, vorne-hinten, rechts-links) bewegt und der Schnittpunkt dieser Ebenen sich
in der Mitte des Körpers etwas unterhalb des
Nabels befindet, trainieren wir vor allem zuerst
das Erreichen der Balance in dieser Mitte. Auch
andere Disziplinen kennen diese Mitte: Das
CORE-Stability-Training, asiatische Kampf­
sportarten oder Pilates – beim Erreichen der
körperlichen Mitte kommt es automatisch zu
einer Aktivierung der Kommunikation der beiden Gehirnhälften, was mental leistungs­f ähiger
macht.
Ziel der sportkinesiologischen Übungen ist die
Aktivierung und Kommunikation der beiden
Gehirnhälften. Dabei bedienen wir uns eines
Denkmodells, das neurophysiologisch nicht
korrekt ist, aber für unsere Zwecke genügt: Die
linke Gehirnhälfte steht für die analytische
Intelligenz, die rechte Gehirnhälfte für die
emotionale und soziale Intelligenz. Jede sportliche Leistung wird über die linke Hälfte ausgelöst. Dort „versiegt“ sie aber irgendwann und
muss nun sukzessive von rechts unterstützt
werden. Wie kann man sich das in der Praxis
vorstellen? Die Unterstützung von rechts kann
die emotionale Laola-Welle sein, begleitende
Musik oder aber auch Farben sind ebenfalls
möglich. Die Sportkinesiologie will sich nicht
auf diese emotionalen Einflüsse von außen
verlassen, sondern arbeitet daran, dass der
Sportler emotionale Motivation aus sich selbst
heraus bei Bedarf abrufen kann.
Mentales Training
auch für den Breitensport
Bei Profisportlern wird die Bedeutung des
mentalen Trainings nicht infrage gestellt. Bei
medicalsports network 03.15
Linke Hälfte
Aktion
rationelles Denken
Leistung
Muskelarbeit
Karriere
Aussehen/Fassade
Fremdbestimmung
Belehrung
Emotionale Intelligenz (EQ)
Die Balance der beiden Gehirnhälften
Analytische Intelligenz (IQ)
Breitensportlern ist das viel schwieriger. Ins­
besondere bei Jugendlichen wird man nicht
gelobt, wenn man mentales Training durchführen will. Ein jugendlicher Sportler definiert
sich oftmals nicht über seine mentale Bereitschaft, sondern über die Muskulatur. Wir haben
daher ein Training erarbeitet, das körperlich
anspruchsvoll und steigerungsfähig ist und
„durch die Hintertür“ gleichzeitig das Denken
fördert. Die Sportkinesiologie setzt die emo­
tio­
nalen Faktoren bewusst so ein, dass die
Leistungskurve oben gehalten wird. Das
Erstaun­
liche daran ist, dass damit auch die
Ver­letzungsanfälligkeit abnimmt und sich die
gesamte Spielweise ändert. Im Prinzip ist hier
das One-Touch-System begründet. One-Touch
oder Tiki-Taka kann jeder erlernen, sofern er
die sportspezifischen Fertigkeiten besitzt. Mann­
schaftsspieler setzen für gewöhnlich zuerst ihre
linke Gehirnhälfte ein und schauen dann (mit
rechts), wie es weiter gehen kann. Dreht man
die Richtung um, das heißt, erst rechts, dann
links, gewinnt das Spiel an Schnelligkeit. Alle
Fußball-Bundesligamannschaften übernehmen
zunehmend dieses System, daraus entstehen
Spielautomatismen.
Die Königsdisziplin in der Sportkinesiologie
wird erreicht, indem der Meridianumlauf der
Elementelehre mit den zugehörigen Muskeln
als Trainingsfahrplan genommen wird. Da alle
Meridiane immer mehrere Muskeln „beheimaten“, reicht ein Muskel, um einen Meridian zu
aktivieren. Wenn dies im richtigen Verlauf
geschieht, werden alle Meridiane gleich an­
­
gesprochen und es entsteht zusätzlich eine
energetische Balance. So sind verschiedene
­
Anwendungs­
formen entstanden: das myofas­
ciale dynamische Stretching, das Training mit
Bändern, Trainingszirkel und auch die Meri­
dianmassage.
Rechte Hälfte
Emotion
Musik, Rhytmus, Struktur
Gefühl, Harmonie
Wissen
Wertschätzung
Anerkennung, Respekt
Zielsetzung, Definition
Kommunikation
Ein Beispiel für das dynamische Stretching im Meridianumlauf aus dem Element Metall
mit den zugehörigen Muskeln. So gibt es für jedes TCM- Element eine entsprechende
Übungsabfolge.
Fazit
Der Slogan „Wir bewegen Sport“ soll es ausdrücken. Es ist nicht das Ziel der Sportkinesio­
logie, eine Sportart zu vermitteln – das machen
die Trainer. Der Sportler soll durch Sportkinesiologie sein Potenzial besser und punktgenau
abrufen können. Der Trainer lernt, wie er seine
Vorgaben mit seinem Team erfolgreich um­
setzen kann.
Bild: © istockphoto.com | T-Immagini
03.15 medicalsports network
Buchtipp
Basics der Sportkinesiologie
Kinsporth-Verlag 2014,
www.kinsporth.de
ISBN 978-3-00-045395-3
76,50 €
45
News
AG Sportkardiologie der DGK
Bei der DGK-Jahrestagung in Mannheim wurde
die Vorsitzende der BNK-Arbeitsgruppe Sport
und Prävention Frau Dr. Susanne Berrisch-­
Rahmel auch zur stellvertretenden Vorsitzenden der AG Sportkardiologie der DGK gewählt
und wird in zwei Jahren turnusgemäß den Vor­
sitz übernehmen. Frau Berrisch-Rahmel setzte
sich in einer geheimen Wahl gegen Herrn Dr.
Frank van Buuren, Herzzentrum Bad Oeynhausen, durch, der die deutsche Sportkardio­
logie aber weiter als Nucleusmitglied der Sek­
tion Sportscardiology der European Society of
Cardiology auf europäischer Ebene vertreten
wird. Bei überwiegend Nicht-BNK-Mitgliedern dieser AG wurde mit dieser Wahl neben
der Anerkennung der Leistung des BNKs auf
dem Gebiet der Sportkardiologie insbesondere
auch die mehrjährige gute Zusammenarbeit von
Frau Dr. Berrisch-Rahmel mit allen Gremien
gewürdigt. Sie tritt die Nachfolge von Herrn
Prof. Dr. Martin Halle (TU München) an, der
die Sportkardiologie auch in dieser Funktion
stark vorangetrieben hat. Gemeinsam mit Herrn
Prof. Dr. Christoph Burgstahler von der Uni
Tübingen wird sie nun maßgeblich in den
nächsten Jahren die institutionellen und inhaltlichen Geschicke der deutschen Sportkardio­
logie leiten.
www.bnk.de
www.dgk.org
46
Erstes deutsches Referenzzentrum
Foto: v.l.n.r.: Dr. Chang Chairman SEWON CELLONTECH, Dr. Lindner Cambomed, Herr Huber
Geschäftsführer Cambomed, Marc Wahler SEWON CELLONTECH Deutschland
Bild: © SEWON CELLONTECH
Seit 2012 steht die Cambomed Klinik für eine
enge Verzahnung der ambulanten und stationären Gesundheitsversorgung im Allgäu. Die
hohe fachärztliche Kompetenz und der Komfort
der Klinik gewährleisten den Patienten beste
Voraussetzungen zum Gesundwerden. In der
Cambomed Klinik finden Operationen aus den
Bereichen Orthopädie und Unfallchirurgie,
Chirurgie, Neurochirurgie (Rücken und Wirbel­
säule), HNO und Urologie statt. Dr. Chang,
Präsident der Firma RMS (Regenerative Medi­
cal System; gehört zum Koreanischen Konzern
SEWON CELLONTECH) aus Seoul/Südkorea war zu Gast in der Cambomed Klinik
und wurde dort von Vertretern der Klinik sowie dem Leiter des Geschäftsfeldes International und dem Regionalgeschäftsführer Allgäu der
IHK Schwaben empfangen. Das Geschäftsfeld
der Firma RMS ist die Biotechnologie. In
Euro­pa betreibt das Unternehmen u. a. ein eigenes Labor im Norden von London. Dort ist
auch die Europäische Repräsentanz. Die Zielsetzung von RMS ist es, mittels regenerativer
Medizin die natürlichen Heilprozesse des Körpers zu unterstützen und die Funktion von beschädigtem Gewebe oder Organen zu reparieren oder zu verbessern. Das Konzept von RMS
wurde von Dr. Chang und seinen Kollegen
entwickelt. Durch umfangreiche Forschung hat
RMS seit 1996 Schlüsselfaktoren der Geweberegeneration identifiziert. Nach EU-Ländern
wie England, Spanien, Italien und Portugal, in
denen die Behandlungsmethode bereits etabliert ist, wird RMS gemeinsam mit der Firma
Medselekt und der Cambomed Klinik- als
­erstes deutsches Referenzzentrum – die Behand­
lungsmethode in Deutschland etablieren. Knor­
peldefekte an Knie und Sprunggelenk, die zum
Teil bereits schon bei Jugendlichen auf Grund
von Sportverletzungen entstehen, führen mit
zunehmenden Alter zu fortschreitendem schnelleren Knorpelverschleiß, oft ist dann eine Kniegelenksendoprothese die letzte Möglichkeit.
Das Produkt Cartifill™ von RMS ist eine biologische und zellfreie Kollagen-Matrix die verwendet wird, um solche Knorpeldefekte zu
behandeln. Bei dieser Behandlungsmethode
­
handelt es sich um eine Erweiterung der herkömmlichen Mikrofrakturierung. Durch den
Einsatz dieser Methode werden Stammzellen
aus dem Knochenmark rekrutiert, die Stammzellen interagieren mit dieser Matrix und haben das Potential, sehr gutes Gewebe aufzubauen und so die finale Option eines künstlichen
Gelenkes herauszuzögern.
www.rmsbio.net
www.swcell.com
medicalsports network 02.15
03.15
Produkte
Software-Update für
optimalere Diagnoseunterstützung
Extreme Kompression um
beanspruchte Muskelgruppen
Die in Fachkreisen anerkannte Stärke
Die australische Marke 2XU bringt die
zers seca mBCA 515 zur Ermittlung
TIGHTS auf den Markt. Sie bietet
des medical Body Composition Analy-
2XU ELITE MCS COMPRESSION
der Körperzusammensetzung ist seine
eine extreme Kompression um die
Präzision und medizinische Validie-
bean­spruchten Muskel-gruppen durch
rung. In zahlreichen Studien (aktueller
das 2XU Muscle Containment Stam-
Stand: www.seca.com/studies) wurden
ping (MCS). MCS ist eine revolu­tio­
die Messergebnisse des innovativen
näre Technologie, bei der sehr kraft­
Gerätes mit dem wissenschaftlichen
Goldstandard verglichen und so auf
volle Aufdrucke auf dem Material
präzise Muskeln, Sehnen und Faszien
medizinisches Niveau gebracht. Jetzt
neue Darstellung und Berechnung der
genau definierter Zonen mit großer
Gerätes sowie die PC-Software seca
tes Design für die Auswerteparameter
gewährleistet
wurde die Software des innovativen
analytics 115 einem Update unterzogen.
Das Ergebnis sind neue Auswerteparameter und ein optimiertes Design
für eine noch bessere und schnellere
Interpretation der Messwerte: validierter Messung des viszeralen Fettes,
Skelettmuskelmasse, grafisch optimierBCC und BIVA, optimierte Darstellung des Phasenwinkels und einsei­
tiger, übersichtlicher Ausdruck der
Patientenergebnisse auf Knopfdruck.
Kompressionsstärke umschließen. Dies
einen
bestmöglichen
Schutz und Unterstützung der Mus­
kulatur. Zusätzlich zum normalen
­Kompressionseffekt des schon an sich
kraftvollen Materials werden so Muskelvibrationen und -schäden bestmöglich reduziert.
www.2xu.de
www.mbca.seca.com
Wackeln für die Gesundheit
Innovativ, funktionell und ein absoluter
Neue Zielgruppen – mehr Umsatz
Hingucker. Die SLACK NUT mini
ermöglicht ein einzigartiges Training
zur funktionellen Verbesserung von
Koordination im Wettkampftraining
Den Balance-Akt kann jeder für sich in
Gesundheitssport wird gewackelt.
Kraft, Koordination und Beweglichkeit.
Anspruch nehmen. Vom Profi-Sportler
– zur Verbesserung spezifischer Kraft/
und in der Reha bis zum Breiten- und
www.wow2sports.de
Zell- und gewebeschonend
Das Stoßwellen-System LIKAWAVE
VARIO von LIKAMED zeichnet
Die Firma HUR rief auf der FIBO
erten Trainingsgeräte von HUR sind
allen Zielgruppen zu öffnen - unab-
tionen.
Trainingseinrichtungen dazu auf, sich
hängig von Alter, Trainingszustand
und Mobilität. Auch Rollstuhlfahrer
sollen in einem speziell für sie einge-
richteten Umfeld trainieren können.
Die pneumatischen, computergesteu­
02.15 medicalsports network
03.15
klein gebaut, viele haben DoppelfunkDie
neue
Smart-Touch-
Technologie nimmt Einstellungen automatisch vor und macht das Trainieren noch einfacher.
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sich durch eine besondere Leistungs-
fähigkeit aus: Es arbeitet technisch
gesehen radial, jedoch hochenerge-
und Frequenz während der Behand-
tisch und wirkt dabei in einem Bereich
lung in einem programmierten Zyklus
von maximal 55 mm. Darüber hinaus
trempunkten variiert. Live auf dem
von 6 bis 20 mm bei einer ­Eindringtiefe
bietet das System eine zell- und gewebeschonende Betriebsart – den Va-
rio-Modus. Dabei werden Intensität
dynamisch zwischen definierten ExVSOU-­Kongress: Stand U34.
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FREUEN SIE SICH SCHON JETZT
AUF DIE NÄCHSTE AUSGABE
Die medicalsportsnetwork 04.15 erscheint u. a. zur Jahrestagung der NOUV
in Hamburg und zum GOTS-Kongress in Basel mit folgenden Themen:
Kurzschaftprothesen
an der Hüfte
Prof. Dr. med.
Dr. h.c. Jörg Jerosch
„
„
Chefarzt Klinik für Orthopädie
und Unfallchirurgie
Johanna-Etienne-Krankenhaus, Neuss
Proximale Humersufrakturen
Prof. Dr. med. Johannes Rueger
„
„
Direktor Klinik für Unfall-, Hand- und
Wiederherstellungschirurgie
Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf
Sport mit Vorhofflimmern?
Dr. med. Dierk-Christian Vogt
Bild: © istockphoto.com | POMACHKA
„
Kardiologisch-Nephrologische
Gemeinschaftspraxis, Ludwigsburg
PD Dr. med. Roman Laszlo
© pixathlon
„
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Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin, Universitätsklinikum Ulm
und vieles mehr...
Druckfrisch Anfang Juni
auf Ihrem Schreibtisch!
medicalsports network 03.15
ETM ­ Sport
SCHILLER präsentiert die erste automatisierte
EKG ­Interpretation für Sportler Herzen
Die Differenzierung zwischen
physiologischen und pathologi­
schen EKG Veränderungen ist
bei Sportlern eine grosse Heraus­
forderung. SCHILLER’s ETM Sport
ermöglicht Ihnen im Rahmen von
Sporttauglichkeitsuntersuchungen
falsch­positive Ergebnisse bei
erhaltener Sensitivität für Herz­
erkrankungen zu reduzieren.
ETM Sport basiert auf den Seattle­
Kriterien1 und ist in SCHILLER’s
Stress Test Systemen CARDIOVIT
CS ­200 Excellence, CS ­200 Touch
und CS ­200 Office integriert.
1 Drezner JA, et al. Br J Sports Med 2013;
47:122–124. doi:10.1136/bjsports­2012­092067
CARDIOVIT
CS-200 Touch
Hauptsitz: SCHILLER AG, Altgasse 68, CH­6341 Baar, Phone +41 41 766 42 42, Fax +41 41 761 08 80, [email protected], www.schiller.ch
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