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Nr. 21 · 24. Mai 2015
GESCHICHTE
UND
GESELLSCHAFT
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Jede Verdienstmöglichkeit fehlt
Ausstellung zeigt die Zeit der Leuchtenberger in Eichstätt ohne idyllische Verklärung
ie bayerische Landesausstellung
widmet sich dieses Jahr in
Ingolstadt dem Thema „Napoleon
und Bayern“ (wir berichteten). In
dieser Ausstellung ist mehrmals
die Rede von Eugène Beauharnais,
der ab 1817 einen Part in der Geschichte des ehemaligen Unteren
Hochstifts Eichstätt und der ehemaligen fürstbischöflichen Hauptund Residenzstadt an der Altmühl
spielte. Mit der Ausstellung „Stiefsohn Napoleons, Vizekönig von
Italien, Fürst von Eichstätt. Eugène
Beauharnais“ will die Staats- und
Universitätsbibliothek der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Eugène bis Oktober einem
breiten Publikum vorstellen.
Ein Nachfahre Eugènes, Nikolaus
Herzog von Leuchtenberg, kam
zur Ausstellungseröffnung am 12.
Mai nach Eichstätt. Der Ur- Ur-UrEnkel aus der russischen Linie
der Familie gab den sehr zahlreich
erschienenen, an der Geschichte
Eichstätts Interessierten einen
kurzen Überblick der Familiengeschichte nach Eichstätt. Danach
hielt der Referent für Diözesangeschichtliche Aufgaben des Bischöflichen Ordinariats Eichstätt, Dr.
Leo Hintermayr, der sich in seiner
Doktorarbeit intensiv mit der Geschichte Eichstätts unter den
Leuchtenbergs beschäftigt hatte,
einen Vortrag zum Thema „Das
Fürstentum Eichstätt der Herzöge
von Leuchtenberg 1817-1833“.
Zunächst ging Hintermayr kurz
auf die wechselvolle Geschichte
Eichstätts zwischen 1803 und 1817
ein. Als Eichstätt, die ehemalige
Residenzstadt der Fürstbischöfe
nach einem kurzen Zwischenspiel als Teil des Großherzogtums
D
Die Ausstellung „Stiefsohn
Napoleons. Vizekönig von
Italien. Fürst von Eichstätt.
Eugène Beauharnais“ im
Foyer der Staats- und Seminarbibliothek Eichstätt, Hofgarten
1, ist noch bis zum 31. Oktober
zu sehen.
Öffnungszeiten: Montag bis
Freitag im Mai, Juni, Juli
und Oktober: 8.30-19 Uhr;
August und September:
8.30-17 Uhr.
Eintritt: frei.
Toskana 1806 an Bayern kam,
brach das wirtschaftliche und
soziale Gefüge der Stadt zusammen. Denn es fielen nicht nur
die vielen Arbeitsplätze bei Hof
und in der Verwaltung weg, auch
die Handwerker erhielten kaum
mehr Aufträge, da zum einen den
Bürgern das Geld fehlte und zum
anderen Aufträge des Hofes, der
Kirchen und Klöster ausblieben.
Eichstätt wurde zur trostlosen
Provinzstadt. Es fehlte „alle Gelegenheit zum Verdienst“, klagten
die Bewohner.
Die Eichstätter Misere erbarmte
sogar die Regierungsstellen in
München, die mit der Verlegung
von Behörden an die Altmühl
versuchten, der Stadt wirtschaftlich
wieder auf die Beine zu helfen.
Doch die nach Eichstätt versetzten
Beamten beschwerten sich dauernd
über ihren neuen Einsatzort,
reichten um Versetzung ein und
brachten nicht die erhoffte Lösung
der wirtschaftlichen Probleme.
Zu Beginn des Jahres 1817
schien das Eichstätter Elend ein
Ende zu haben. Der Stiefsohn
Napoleons, Vizekönig von Italien
und Schwiegersohn des ersten
bayerischen Königs Max I. Joseph,
Eugène Beauharnais, hatte Eichstätt erkoren, als Residenzstadt des
neu zu schaffenden Fürstentums
Foto: Universitätsbibliothek Eichstätt-Ingolstadt
Eichstätt. Vier Orte hatte ihm sein
Schwiegervater als Residenz angeboten Bayreuth, Kempten, Dillingen
und Eichstätt. Nicht das italienische
Flair der Altmühlstadt gab bei
Eugènes Wahl den Ausschlag, davon ist Hintermayr überzeugt, den
leidenschaftlichen Jäger begeisterten
vielmehr die Wälder rund um
Eichstätt mit ihrem Wildbestand.
Foto: Kreitmeir
SERVICE
Eugène
Beauharnais
(1781-1824):
Das Gemälde zeigt ihn
als General an der
Spitze seiner Truppen
während des
Russland-Feldzugs
Napoleons 1812.
Eine Ausstellung
der Staats- und
Universitätsbibliothek
beleuchtet die Zeit der
Beauharnais als
Fürsten von Eichstätt.
Die Eichstätter wie auch die Bewohner zwischen Mühlheim und
Schloss Hirschberg setzten große
Hoffnungen in die Wahl des frisch
ernannten Herzogs von Leuchtenberg. Er verstand es zudem durch
sein gewinnendes Wesen und sein
spontanes Zugehen auf die Menschen, Sympathien zu gewinnen.
Seine Wohltaten verteilte er spontan.
So senkte er zweimal in einem Jahr
den Preis seines in der Hofmühl
gebrauten Bieres, ohne an die
Konsequenzen für die anderen
Brauer der Stadt zu denken. Diese
beschwerten sich im Oktober 1817
über das geschäftsschädigende
fürstliche Verhalten in München.
Hintermayr zeigt den Niedergang
der Eichstätter Wirtschaft in der
Leuchtenbergzeit auf, dass der
Herzog und seine Familie, die sich
selten in Eichstätt aufhielten, nicht
die wahren Probleme angingen,
Arbeitsplätze eher abbauten, als
schufen und nur erfolgreiche Unternehmen wie die Obereichstätter
Hütte förderten: Eigentlich hatten
sie kein Interesse an Eichstätt.
Eugènes Witwe, die Bayerische
Prinzessin Auguste Amalie, mochte
Eichstätt nicht. So verkaufte ihr
Sohn Herzog August 1832/33 die
Herrschaftsrechte an Bayern und
im Frühjahr 1835 hatte das Eichstätter Elend, laut einer Eingabe
in München, die höchste Stufe erreicht.
Klaus Kreitmeir
Bei der Ausstellungseröffnung: Eugène Beauharnais Ur-Ur-Ur-Enkel
Nikolaus Herzog von Leuchtenberg (l.) und Dr. Leo Hintermayr, Referent für
diözesangeschichtliche Aufgaben im Bistum Eichstätt.