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Unterrichten
Insiders live
Infos zu Studium und Beruf aus erster Hand
Organisiert von Sabina Peterka und moderiert von Nicole Pietrowski,
Studienberatung Kanton Schwyz.
Am 12. November 2015 fand an der Kantonsschule Kollegium in
Schwyz eine Insiders live-Veranstaltung zum Thema
„Naturwissenschaften oder Technik studieren – und dann?“ statt. Die
Referierenden berichteten von ihren Erfahrungen aus dem Studium und
von ihrem vielseitigen Berufsalltag.
Gesundheitswissenschaften + Technologie
Lea Richner ist Masterstudentin im 3. Semester an der ETH. Sie
studiert Gesundheitswissenschaften und Technologie. Diese
Studienrichtung gibt es seit 2011 und sie ist eine der Personen, welche
zum ersten Mal dieses Studium abschliessen werden. Das Studium
verbindet Gesundheit, Technologie und den Menschen. In ihrer
Fachrichtung dreht sich vieles um Menschen, die gesundheitliche
Probleme haben. In ihrem Studium findet sie heraus wie sie diesen
Personen z.B. durch die Robotik helfen kann oder wie eine
Rehabilitation aussehen sollte. Sie betreibt Untersuchungen zu
Spitzensportlern oder auch im Bereich der Molekularbiologie, um
herauszufinden was innerhalb des Körpers passiert.
Der Bachelor ist folgendermassen aufgebaut: im ersten Jahr müssen die
allgemeinen Fächer wie Mathematik, Physik, Biologie und Chemie
absolviert werden. Im 2. Jahr wird es konkreter mit Anatomie und
Physiologie und im 3. Jahr kommen neue Blöcke (Neurowissenschaften,
Medizintechnik, Molekulare Gesundheitswissenschaften sowie
Bewegungswissenschaften und Sport) dazu, die nach Wahl im Master
vertieft werden können.
Speziell an der ETH finden
die Prüfungen in den
Semesterferien statt. Konkret
finden sie den ganzen August
statt und von Mitte Januar bis
Anfang Februar.
Während dem Bachelor
verbringt man die Zeit mit
vielen Vorlesungen und eher
wenig Praktika. Vorlesungen
im Master finden dagegen nur
noch für 30 ECTS statt. Der
Rest besteht aus über drei
Monaten Praktikum und sechs Monaten um die Masterarbeit zu
schreiben. Aus ihren Erfahrungen erzählt Lea Richner, dass das erste
Jahr hauptsächlich aus Vorlesungen zusammen mit vielen
Mitstudierenden im selben Raum bestand. Nach den ersten drei Jahren
kam mehr Praxis dazu. Sie absolvierte ein Praktikum an der ETH und
ging danach für ein weiteres Praktikum nach Chicago, um dort mit
Patienten mit Hirnschädigungen zu arbeiten.
Momentan arbeitet sie an ihrer Masterarbeit im Spital Balgrist in Zürich.
Sie untersucht den Energieverbrauch von Personen im Rollstuhl. Sie
wählte im Master die Vertiefung „Gesundheitstechnologien“.
Folgendes berichtet Lea Richner über ihre Mitstudierenden: Eine Person
habe z.B. die Vertiefung Bewegungswissenschaften gewählt, sei nun in
Magglingen und habe die Leitung über den Bereich Velofahren bei der
Olympiade in Rio de Janeiro 2016.
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Eine andere Person habe die Vertiefung Neurowissenschaften gewählt
und arbeite zurzeit an einer Schlafstudie an der EPI-Klinik in Zürich.
Eine weitere Person habe schliesslich Molekularbiologie als Vertiefung
gewählt und untersuche nun, ob künstliches Knorpelgewebe einsetzbar
ist.
Als Berufsfelder führt Frau Richner Forschung und Entwicklung,
Privatindustrie, Beratung, Gesundheitspolitik und die Lehre auf.
Ein wichtiger Punkt ist, dass sie in ihrem Bereich keine Therapien
durchführen, sondern neue Therapiemethoden entwickeln.
Auf die Frage, wie sie auf diese Kombination kam, antwortet Lea
Richner, dass sie schon immer Sport mochte. Jedoch mag sie auch das
Innovative und dass sie konkrete Ergebnisse sehen kann, was als
Sportlehrerin nicht möglich gewesen wäre.
Sie schliesst im Sommer 2016 ihr Studium ab und möchte in der
Forschung bleiben. Jedoch sei „Gesundheitswissenschaften und
Technik“ ein Bereich, der weiter wächst und auch von Kantonen
gefördert wird, daher steigen die Möglichkeiten, nach dem Studium eine
Anstellung zu finden, in Zukunft sicher.
Maschinenbau
Jonas Wyrsch ist Maschinenbauingenieur (ETH Zürich).
Als Kind war er fasziniert von Legos und Autos. Ferner gilt sein
grundsätzliches Interesse der Technik. Die Fähigkeit und das Interesse
für das Studium eines „puren“ Fachs wie Mathematik und Physik hat er
bei sich nicht gefunden. Er bezeichnet sich eher als Generalisten mit
breiten Interessen. Aber er wollte Dinge zusammenbringen/koordinieren
und so kam er auf das Studienfach des Maschinenbauingenieurs. Dieses
lässt viele Optionen offen: sich in die Forschung zu vertiefen, zu lehren
oder kombiniert mit einem Wirtschaftsstudium abzuschliessen. Obwohl
die Studienzeit vor allem zu Beginn streng war (Auszug von zu Hause,
fachliche Herausforderungen) würde er wieder gleich entscheiden. Die
definitive Überzeugung für das Studium packte ihn erst während dem
Praktikum vor dem Masterstudium, welches er im Tunnelbau beim
Üetlibergtunnel absolvierte.
Mit dem beruflichen Einstieg kam das Freiheitsgefühl. Nach Feierabend
hatte man wirklich frei und zum ersten Mal erhielt man einen richtigen
Lohn. Er startete wiederum
im Tunnelbau auf der
Baustelle des GotthardBasistunnels in Erstfeld.
Dies war eine grosse
Herausforderung: Das
Arbeitsklima in der
Baubranche ist eher rau.
Zudem war er beim Eintritt
jünger als die meisten
Mitarbeiter, die er als
Vorgesetzter leitete und
welche zum Teil sehr langjährige Erfahrung im Tunnelbau mitbrachten.
Daher war es wichtig, die Erfahrungen der Mitarbeiter in die
Entscheidungen einzubringen und gut zu kommunizieren, um
erfolgreich mit ihnen zusammenzuarbeiten zu können.
Bei seiner nächsten Tätigkeit beim Kraftwerksprojekt Linth-Limmern in
Linthal war er Infrastrukturleiter. Er war zuständig für das Inventar und
die Werkstattbetriebe. Zuletzt betreute er bei der Schweizerischen
Südostbahn (SOB) in der Abteilung Infrastruktur Erneuerungsprojekte.
Ab nächsten Monat tritt er eine neue Stelle als Verkaufsleiter Anlagen
bei DeLaval (Anlagen für die Milchproduktion) an. Zu seinen Stellen
kam Jonas Wyrsch, weil er z.B. durch sein Praktikum bereits Leute aus
dem Tunnelbau kannte. Richtig beworben habe er sich erst im letzten
Jahr direkt und über Vermittlungsbüros. Auch Initiativbewerbungen
hätten geholfen. Seine jeweiligen Hauptaufgaben im Beruf waren kurz
zusammengefasst: für ein Projekt die richtigen Leute zusammenführen
und koordinieren (bei Bedarf mittels Sitzungen). Als überragende
Sonnenseite des Berufs sieht er, dass man etwas Reales, Sichtbares
verwirklichen kann. Als mögliche Schattenseite nennt er, dass bei solch
grossen Projekten auch viele Personen aus verschiedenen Bereichen
stets mitreden, was das Fortschreiten des Projekts behindern kann.
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Als ein Erfolgsfaktor für den Beruf erwähnt er die Lernbereitschaft, das
konsequente Erledigen von Pendenzen und gerne mit Menschen
zusammenzuarbeiten.
Andere Optionen nach dem Studium reichen vom Einstieg bei
Grossfirmen wie der ABB über ein Doktorat bis zur Lehre.
Von seinen ehemaligen Studienkollegen arbeitet jemand in einer
Raffinerie bei Shell in Köln. Ein anderer ist Patentanwalt bei ABB,
wofür er einen zusätzlichen Master absolvierte. Auf die Frage, wie
wichtig Fremdsprachen im Studium sind, antwortet Jonas Wyrsch, dass
Englisch ein Thema ist. Im Bachelor ist der Lehrstoff nur teilweise in
Englisch, Mastervorlesungen an der ETH werden offiziell in Englisch
gehalten.
Auf die Frage, ob man im Studium auf die Projektleitung vorbereitet
wird, antwortet er, dass man vorwiegend technisch darauf vorbereitet
wird. Vieles erlernt man erst im Beruf.
Das Studium dauerte für Jonas Wyrsch 6 Jahre inklusive Masterarbeit (6
Monate in London) und der Repetition einiger Prüfungen.
Geowissenschaften
Jacqueline Huber studiert Geographie im 5. Semester des
Masterstudiengangs an der Universität Zürich. Sie begann ihr Studium
2010 und ist seit 2013 im Master. Zur Zeit schreibt sie ihre
Masterarbeit über die Gletscher der Antarktis und arbeitet als
Assistentin im Schülerlabor der UZH. Wieso sie Geographie wählte? Sie
wollte wissen, warum die Berge da sind wo sie sind und auch die
verschiedenen Aspekte der Erde kennenlernen. Sie ging zum
Geographie-Lehrer und fragte ihn aus. Sie fragte Freundinnen und
Freunde, die das studierten und ging mit an Vorlesungen und fand ihr
Interesse bestätigt.
Das Geographie-Studium ist eine Kombination aus Natur-, Sozial- und
Informatikwissenschaften. Das Studium eröffnet viele Welten einer
Erde. Im Studium kann man vier Vertiefungen wählen: Physische
Geographie, Humangeographie, Geographische
Informationswissenschaft und Fernerkundung.
Der Physische Geograf geht der Frage nach, was der Gletscher an dieser
Stelle macht. Der Humangeograph interessiert sich z.B. für den
Tourismus auf dem Gletscher. Die Fernerkundung und die
Geographische Informationswissenschaft beobachtet, ohne in Berührung
mit der Natur zu kommen, z.B. über Satelliten.
Während des Studiums gibt es viele kleine Forschungsprojekte für die
man zur Erforschung auch raus geht.
Viel draussen zu sein, um z.B.
Gletscher zu vermessen, erwähnt
Jacqueline Huber als eine der
Highlights ihres Studiums.
Das Studium besteht einerseits aus
der Bachelorstufe, für welche 180
ECTS zu erbringen sind und die man
in maximal sechs Jahren abschliessen
muss. Da der Bachelorabschluss
nicht berufsqualifizierend ist, sollte
andererseits der Master absolviert
werden*. Dieser dauert mindestens 3 Semester und maximal 6
Semester, während derer 90 ECTS zu erbringen sind. Für 2015 haben
sich 116 neue Studierende angemeldet, somit ist das Geographische
Institut eher klein. Im ersten Jahr des Bachelorstudiengangs besucht
man die Pflichtvorlesungen. Im zweiten Jahr kann man neben den
Pflichtvorlesungen ein Nebenfach wählen. Im dritten Jahr vertieft man
sich in einem oder mehreren Teilbereichen nach Interesse und schreibt
die Bachelorarbeit.
Es braucht Eigenverantwortung, Selbständigkeit, Fähigkeit, die Ruhe zu
bewahren, einen Ausgleich zum Studium, z.B. war das bei ihr Sport. Ein
Auslandsemester ist während des Studiums möglich. Sie war in
Montana. Trotz des bürokratischen Aufwandes habe es sich gelohnt.
Neben dem Studium zu arbeiten sei möglich, jedoch auch
personenabhängig.
Nach dem Studium kann man z.B. als wissenschaftliche Mitarbeitende
bei Meteo Schweiz, bei einer Versicherung für die Einschätzung von
Naturgefahren oder beim Tiefbauamt für Verkehr und Mobilität arbeiten.
Geographen können sich gut in Berufe eingliedern.
*Die meisten Jobangebote setzen den Master voraus, aber Jacqueline Huber kennt
verschiedene Personen, die bereits nach dem Bachelor in die Berufswelt eingestiegen
sind. Es komme eben auch etwas auf die Ansprüche gegenüber dem Job an.
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Auf die Frage nach dem Nebenfach nennt Jacqueline Huber Physik, da
sie wusste, dass sie sich in Gletscherkunde vertiefen wollte. Das
Physikstudium habe geholfen, Zusammenhänge zu verstehen, jedoch
wäre es nicht zwingend nötig gewesen. Im Master wählte sie als
Nebenfach Erdwissenschaften aus dem Angebot der ETH.
Auf die Frage, wie die Exkursionen finanziert werden, erwidert sie: Im
Basisjahr sind sie Bestandteil der Vorlesungen, daher bezahlt die Uni
Zürich die Exkursionen, die restlichen waren nicht sehr teuer.
Arbeitsmarkt
Tanja Güntert ist Senior Consultant Life Sciences bei Kelly Scientific
Resources Zürich.
Sie studierte in Konstanz Biologie. Ihr Interesse für die Biologie wurde
durch eine Lehrperson geweckt. Obwohl das Studium hart war, hat sie
die Zeit geliebt, da es während dem Studium auch Freiheiten gab. Nach
ihrem Masterabschluss, machte sie ihren Doktor in Neurobiologie (4.5
Jahre) an der Universität Zürich. Das Doktorat habe sie absolviert, da sie
schlecht informiert war und dachte, dass es ein Muss sei. Sie wusste
aber, dass die Forschung auf die Dauer nichts für sie war und wollte in
ein dynamisches Umfeld wechseln.
Bei Kelly Scientific Resources werden Naturwissenschaftlerinnen und
Naturwissenschaftler vermittelt, ob diese nun einen Lehrabschluss oder
Studienabschluss haben und zwar in den Bereichen Pharmazeutik,
Chemie, Lebensmittel, Kosmetik, Medizin, etc.
Jobchancen für Personen aus Naturwissenschaften sind gut. Der
Einstieg in den ersten Job nach dem Studium ist jedoch nicht einfach.
Der Masterabschluss macht Sinn bei den Naturwissenschaften, aber ist
kein Muss. Wenn man gut durchkommt im Studium und es Spass
macht, empfiehlt sie den Master. Ein Doktorat ist jedoch nicht nötig.
Tanja Güntert empfiehlt, bereits während des Studiums die Mauer
zwischen Studium und Arbeitswelt zu durchbrechen, z.B. mit Praktika,
Teilzeitstellen oder Industriepraktika. Man könne auch die Masterarbeit
gleich in der Industrie schreiben und sich damit einen Vorteil gegenüber
den anderen, die keine Erfahrung aufweisen können, verschaffen. Man
muss sich mit dem Studium nicht beeilen, sondern Erfahrung ist heute
wichtiger.
Um nach dem Studium den Arbeitsmarkt kennenzulernen, empfiehlt sie
das Buch von Toby Freedman, „Career Opportunities in Biotechnolgy
and Drug Development“, 2009.
Zum Vorgehen bei der Stellensuche gibt Tanja Güntert die folgenden
Internetplattformen an: jobs.ch, jobwinner.ch, monster.ch und
kellyservices.ch. Zeitungsinserate und Fachmagazine sind ebenfalls gute
Quellen. Die Social Media wie
XING, LinkedIn, Twitter, etc. sind
ebenfalls zu verfolgen.
Das wichtige ist, dass man wissen
muss, wer man selbst ist, was
einem Spass macht, was man kann
und was man nicht kann. Dann ist
es leichter, den passenden Job zu
finden. Sie empfiehlt ausserdem,
bei der Studienwahl auch das
zukünftige Berufsleben
einzubeziehen.
Von der ersten Bewerbung bis zum
ersten Arbeitstag kann es schon
zwei Monate oder länger brauchen.
Für eine Anstellung brauche es hard skills, soft skills und v.a.
Motivation und Interesse!!
Während der Bewerbungsphase muss man erreichbar und gut vorbereitet
sein. Sie empfiehlt, eine Liste mit allen offenen Fragen und Antworten
zu erstellen.
Auf die Frage, ob diese Branche einen Wachstum in der Schweiz erlebt,
antwortet Tanja Güntert, dass die Life Science Branche im Moment
leidet, aber dieser Bereich werde immer gebraucht, da es sich um
Inhalte für den Menschen handelt.
Wie viel Bewerbungen braucht es bis zum ersten Job? Sie antwortet
darauf: „Es kann manchmal eine Weile dauern aber es gelingt immer.“
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