Tauchen: Vergangenheit bis in die Gegenwart

Tauchen: Vergangenheit bis in die Gegenwart Eine wissenswerte Zusammenfassung
Der ultimative Menschheitstraum vom Tauchen ist wahrscheinlich so alt wie der Traum vom Fliegen. Der
Beginn der Taucherei reicht nach heutigem Wissensstand weit in die vorchristliche Zeit zurück. Man
vermutet heute, durch gefundene Malereien und Darstellungen von Tauchern in alten Dokumenten, dass
der Ursprung der Taucherei etwa 4500 v. Chr. begann. Damals stand der Mensch dem Element Wasser
noch ohne irgendwelche technischen Hilfsmittel entgegen.
Bei recht aufwendigen Ausgrabungen im früheren Mesopotamien fanden Archäologen Muschelreste die
laut Schätzungen aus der Zeit 4500 v.Chr. stammen. Aufgrund der Beschaffenheit und der
Lebensbedingungen dieser gefundenen Muscheln fanden Zoologen heraus, dass diese Muscheln nicht in
unmittelbarer Strandnähe gelebt haben konnten, sondern man vermutet, dass diese erst vom Menschen
mit an die Wasseroberfläche heraufgebracht werden mussten. Der erste Zweck des Tauchens war
wahrscheinlich das Beschaffen von Nahrung. Irgendwann in der fernen Vergangenheit, hatte wohl
jemand beim Genuss des Muschelfleisches eine wunderschöne Perle zwischen den Zähnen auch warf man
die schönsten Schalen dieser fremden Wesen aus dem Meer nicht achtlos beiseite, somit entstand wohl
der zweite Zweck, denn Muschelanhänger und mit Perlmutt verzierte Artefakte belegen das.
Die alten Kreter verehrten bereits vor über 4500 Jahren ihren Gott Glaukos, der auch noch in der heutigen
Zeit als Schutzpatron griechischer Taucher, Fischer und Segler gilt. Gefundene graphische
Aufzeichnungen mit Tauchern, die ungefähr 2500 Jahre alt sind, hat man in griechischen Gräbern
gefunden. Die Griechen benutzten Vorrichtungen aus Ziegenbälgen, in denen sie einen Vorrat an
Atemluft mit in die Tiefe nahmen und so ihre Tauchzeit über ihr eigenes Lungenvolumen hinaus
verlängern konnten. Der erste historisch dokumentierte Nachweis des Tauchens mit Ausrüstung reicht bis
ins 10. Jahrhundert v.Chr. zurück. Auch auf einem gefundenen Relief aus Ninive, das sich heute im
britischen Museum in London befindet, zeigt einen schwimmenden Assyrer, welcher einen Lederschlauch
mit sich in die Tiefe des Meeres führt. In früheren Zeiten wurden Schnorchel vor allem aus
Bambusröhren hergestellt. Ein 2400 Jahre altes Dokument aus China erklärt, wie man z.B. aus
Rhinozeroshörnern Schnorchel mit Mundstück herstellte. Apparaturen, die den Taucher mit Luft
versorgten und so einen längeren Tauchgang möglich machten, wurden bereits in Texten der Antike
erwähnt. So berichtet schon Aristoteles (384-322 v.Chr.) von Hilfsmitteln, die es dem Menschen
ermöglichten, unter Wasser zu atmen. Plinius der Ältere (24-79 n.Chr.) soll den Einsatz von Tauchern
erwähnt haben, die mit einer Art Schnorchel unter Wasser bleiben konnten und beim Durchbrechen von
gegnerischen Seeblockaden eingesetzt wurden. Eine der berühmtesten Sagen diesbezüglich ist
wahrscheinlich die Geschichte von Scyllias (ca. 500 v.Chr.), wie sie vom Historiker Herodot (5.
Jahrhundert v. Chr.) festgehalten wurde und noch heute in zahlreichen modernen Texten wiedergegeben
wird. Ein kleiner Auszug daraus lautet wie folgt:
Scyllias, der Schatztaucher, befand sich als Häftling an Bord eines Schiffes des persischen Königs Xerxes
I., als er erfuhr das Xerxes eine griechische Flotte angreifen wollte, ergriff er sogleich ein Messer und
sprang rasch über Bord. Die Perser konnten ihn nicht im Wasser entdecken und nahmen deshalb an, dass
er wohl ertrunken sei. Scyllias aber tauchte in der Nacht unbemerkt auf und durchtrennte alle Ankerseile
der persischen Kriegsschiffe. Um weiterhin unbeobachtet zu bleiben benutzte er ein hohles langes
Schilfrohr wie einen Schnorchel, anschließend schwamm er etwa 15 Kilometer um sich der griechischen
Flotte vor Kap Artemisium anzuschließen.„
Von einem römischen Historiker und Geschichtsschreiber wurde in Überlieferungen berichtet, das schon
685 v.Chr. die neu gegründete Kolonie Kalchedon Freitaucher einsetzte, um Kupfer vom Meeresgrund zu
bergen. Die ersten komplexeren Tauchversuche mit technischen und wissenschaftlichen Hintergrund,
wurden vermutlich unter Alexander dem Großen um 322 v.Chr. gemacht. Alexander der Große tauchte
angeblich damals höchst persönlich in einem Holzfass ähnlichen Apparat von Bord eines seiner
Kriegsschiffe. Der merkwürdige Tauchapparat wurde damals Cason genannt und erhielt Später den
Namen Skapheandros (Boot-Mensch).
In der Zeit der römischen Kaiser, wie z.B. Caesar und Plinius, berichtet man von einer Ur-Version der
Kampftaucher, welche damals wohl die glorreiche Aufgabe hatten, Schiffsperren in feindlichen Häfen zu
öffnen und feindliche Schiffe anzubohren, so das diese sinken würden. Ein weiteres Aufgabengebiet
bestand wohl darin, dass sie auch eingesetzt wurden, um wertvolle Ladungen von gesunkenen Schiffen
sowohl in Friedens- wie auch in Kriegszeiten an das Tageslicht zu befördern.
Ein englischer Mönch namens Bacon erwähnte um 1294 n.Chr. eine Art Taucherglocke in seinen
Aufzeichnungen und die Entstehung der Taucherbrille ist wahrscheinlich auf persische Perlentaucher
zurückzuführen. Um 1331 wurden hauchdünn geschliffene und polierte Schildkrötenpanzer zu Brillen
zusammengebaut. Diese Brillen waren immer nur 2-Glas-Brillen, welche den Nasenbereich nicht mit
einbezogen. Dadurch bestand die Gefahr des Unterdruckes im Augenbereich der hierdurch die Tauchtiefe
stark einschränkte. Einige Jahrzehnte später, etwa 1405, beschreibt Konrad Keyser, der als Begründer der
kriegstechnischen Literatur gilt, in seinem Werk Bellifortis (Der Kampfstarke) Schwimmgurte, eine
lederne Tauchjacke sowie einen Metallhelm, der vorn zwei Sichtfenster hatte. Etwa um das Jahr 1430
herum, verfasste zudem ein ungenannter deutscher Kriegstechniker eine eigenartige und reichhaltige
technische Bilderhandschrift, die in der Münchener Staatsbibliothek aufbewahrt wird. An einer
Taucherausrüstung aus dieser Handschrift sind leicht die untergeschnallten Bleischuhe, ein anscheinend
wasserdichter Lederanzug, ein Taucherhelm mit Glasfenstern sowie ein ledernder Luftschlauch zu
erkennen. Die Schlauchmündung wird von zwei Korkkugeln über Wasser gehalten. Auf einigen
Dokumenten des berühmten Werks Codex Atlantica von Leonardo de Vinci welche aus dem Jahre 1500
entstammen, wurden schon damals fiktive Konstruktionspläne von Schnorcheln, Masken,
Taucheranzügen und Tauchhelmen dargstellt. Er erfand um 1500 im Geiste einen Tauchhelm aus festem
Leder, ausgestattet mit einem Sichtfenster und besonders spitzen Dornen, um eventuell auftauchende
Seemonster in die Flucht schlagen zu können.
In Vegetius' de re militari 1511-1532 findet sich eine der ersten Illustrationen eines Tauchers. Dieser trägt
einen Taucherhelm, der ihn über einen langen Lederschlauch mit der Wasseroberfläche verbindet. Im
Jahre 1531 wurden bereits Schätze aus gesunkenen Schiffen von Caigula mit Hilfe von Taucherglocken
geborgen. Anscheinend war es schon damals möglich, über eine Stunde mit Hilfe der Tauchglocken unter
Wasser zu arbeiten. Die Glocke wurde damals nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche gehalten. Ihr
Boden war offen und im oberen Teil befand sich die durch den Wasserdruck komprimierte Luft. Ein
aufrecht stehender Taucher konnte also atmen. Außerdem war es möglich, die Glocke für ein oder zwei
Minuten zu verlassen, um z.B. Schwämme zu sammeln oder den Grund zu erforschen. 1598 wurde zum
Tauchen eine Taucherglocke ohne Belüftung von Will Phillipps an einem Wrack der spanischen Flotte
gebraucht. Dadurch waren bis zu dem Zeitpunkt nur relative kurze Tauchgänge zulässig. Erst durch den
Ingenieur Denis Papin (1647-1712) konnte die Tauchzeit verlängert werden. Er benutzte als erster
Taucherglocken mit Frischluftsäcken, die die frische Luft in die Glocken pumpten.
1650 entwickelte von Guericke die erste wirksame Luftpumpe für die externe Luftversorgung der
Taucherglocke. Damit war es nun Robert Boyle möglich, Experimente an Tieren durchzuführen. Robert
Boyle, der englische Physiker und Urheber von Boyle 's Gesetz, beobachtete 1667 eine Gasblase im Auge
einer Viper, die durch einen simulierten Tauchgang entstand. Er schrieb: "Ich habe eine sehr
offensichtliche Blase im Auge einer Viper gesehen, die sich von einer Seite zur anderen bewegte.
Gleichzeitig machte das Tier keinen guten Eindruck". Dies ist die erste bekannte Aufzeichnung einer
Dekompressionskrankheit oder auch Bends* genannt.
Der Engländer John Lethbridge baute 1715 einen Tauchapparat, einen Zylinder aus Eichenholz, der von
der Oberfläche mit Pressluft versorgt wurde. In diesem Gerät konnte ein Taucher für ca. 30 Minuten in
18m Tiefe ausharren und die Arme ausstrecken um Unterwasserarbeiten durchzuführen. Dabei wurde
eine Art Handschuh aus gefettetem Leder benutzt um Wasser aus dem Zylinder fernzuhalten. Dieser
Tauchapparat soll mehrere Jahre erfolgreich benutzt worden sein
Ein weiterer bedeutender technischer Schritt in der Tauchgeschichte passierte 1717. In diesem Jahr
benutzte er die erste Taucherglocke, die von der Oberfläche aus belüftet wurde. Dieses System wurde im
gleichen Jahr vom Astronom Edmund Hally als Patent angemeldet. Mit ihr war es nun möglich für 90
Minuten auf knapp 50 Fuß Tiefe zu arbeiten.
Schon sehr früh war den Ingenieuren dieser Tauchgeräte das Problem des Stickstoffs bewusst, mit dem
Ergebnis, das laut gefundenen Dokumenten bereits 1662 von Henshaw und 1775 von Priestley eigens
hierfür Druckkammern zur Heilung von Stickstoffkrankheiten konstruiert und eingesetzt wurden.
Der Amerikaner John Smeaton verfeinerte 1788 das Prinzip der Taucherglocke. Er benutzte nun eine
handbetriebene Pumpe, um Frischluft in die Glocke zu bringen. Ein Richtungsventil verhinderte das
Zurückströmen der Luft aus der Glocke durch den Schlauch wenn man aufhört zu pumpen. Im Jahre 1790
wird Smeatons modifizierte Glocke im Hafen von Ramsgate/England bei Bergungsarbeiten benutzt und
kaum 10 Jahre später findet man diese Technik in fast allen großen Häfen der Welt.
Um 1797 entwickelt Klingert den ersten kompletten Tauchanzug, welcher aus einem Taucherhelm, der
dazugehörigen aus Leder bestehenden und wasserdichten Jacke sowie Hose bestand.
Dann, 1819 entwickelte der deutsche Werkzeug- und Büchsenmacher August Siebe eine viel
versprechende Version eines Helmtauchgeräts namens "heavy-footers", das über einen Schlauch von
oben mit Luft versorgt wurde. Nun war die Voraussetzung geschaffen, um mit den ersten Taucherhelmen
zu tauchen. Nach Jahren der Konstruktion gelang es Siebe, mittlerweile nach England ausgewandert, um
1839 den ersten funktionssicheren Tauchanzug aus Segeltuch zu entwickeln. Mit Hilfe manueller Pumpen
wurden diese Anzüge von der Oberfläche aus mit Luft versorgt. Schon um 1840 waren diese Systeme in
soweit perfektioniert, dass umfangreiche Unterwasser-Bergungsarbeiten möglich wurden. Noch im
gleichen Jahr entwickelte der deutsche Werkzeugmacher Siebe einen offenen Metallhelm nach dem
Prinzip der Taucherglocke, welcher zwar nicht wasserdicht war, aber mit einer Lederjacke verknüpft
werden konnte.
Der erste Caisson kam 1839 zum Einsatz, in dem man Taucher durch ein weites Eisenrohr ein- und
ausschleusen konnte.
Der in Deutschland geborene und in England lebende Erfinder August Siebe verband 1837 den
Taucherhelm der Gebrüder Deane wasserdicht mit einem luftgefüllten Gummianzug. Dieser geschlossene
Tauchanzug war mit einer Pumpe an der Wasseroberfläche verbunden. Es wurde daraus der erste wirklich
effektive Standartanzug und er ist der Prototyp der noch heute eingesetzten Helmtauchgeräte. In seinem
Nachruf wird Siebe als der Urvater des Tauchens bezeichnet. Die entwickelte Tauchausrüstung erlaubte
Tauchgänge von mehr als 40 Meter Tiefe.
Siebes Tauchanzug wird 1839 erfolgreich während der Bergung des britischen Kriegsschiffes HMS Royal
George benutzt. Das Schiff sank 1783 mit 108 Kanonen an Bord auf ca. 20 Meter Wassertiefe in der
Nähe von Spithead. Das erprobte Helmtauchgerät "standard diving apparatus" von Siebe wurde nun auch
zum Standart für die königlichen Ingenieure. Während dieser Bergungsaktion, welche bis 1843 dauerte,
berichteten Taucher erstmals von Problemen mit Rheumatismus und Kälte. Zweifellos wurden damals
auch die Symptome der Dekompressionskrankheit beschrieben. Bei dieser Bergungsaktion wurde
erstmals die Anwendung des Partnersystems eingeführt. Als Ergebnis der Erfahrungen, die man bei der
Bergung der HMS Royal George gewann, wurde 1843 die erste Tauchschule durch die Royal Navy
gegründet.
Der erste Erfinder eines Lungenautomaten war der Franzose Benoit Rouquay im Jahre 1850. Die
damaligen Geräte wurden ursprünglich nur für Grubenunglücke eingesetzt. Das Gerät hatte ein Kupferoder Blechreservoir mit einem Luftdruck von 4 Bar, einen durch eine Membran gesteuerten
Druckminderer und ein Mundstück. Das Amphibiengerät wurde vom Marineoffizier Auguste Denayrouze
in Kleinstarbeit in ein funktionierendes Tauchgerät umgewandelt. Eine verbesserte Version dieses Urtyps
wurde bis 1924 als "Rouquayrol-Denayrouze" Tauchgerät mit 35l Reservoir und 30-40 bar Druck
verkauft und erlaubte schon damals Tauchgänge bis 40m oder 1/2 Stunde Arbeit auf 10m.
Im Jahre 1854 verwendete Triger auf 65 Fuß einen Caisson um wichtige Erkenntnisse über die
Auswirkungen von erhöhtem Druck auf den Menschen zu beschreiben. Der französische Cassion
(Kasten), war ein großes, nach unten offenes Gefäß aus dem die Luft unter Wasser nicht entweichen
konnte. Aus diesen Taucherglocken konnten mehrere Männer über längere Zeit ihre Atemluft beziehen
und dadurch etwa wertvolle Ladungen gesunkener Schiffe bergen.
1855 stellte Joseph Cabirol auf einer Ausstellung "Universelle" seine neue überarbeitete Tauchausrüstung
aus. Angespornt, wurde er durch vorhergehende Modelle. Er erregte großes Aufsehen und vor allem
Interesse in der Öffentlichkeit. Der Helm verfügte z.B. über vier Sichtfenster und ein
Doppelsicherheitssystem. Die Luftzufuhr wurde mit einem Schlauch garantiert, welcher nahe dem rechten
Ohr angeschlossen wurde. Die Luftzufuhr konnte bei diesem Modell vom Taucher über ein Ventil selbst
geregelt werden. Durch die verhältnismäßig einfache Bedienung genoss diese Neuerfindung einen großen
Erfolg, ein weiterer Grund hierfür lag wohl in der Tatsache, dass die Testversuche von Cabirol öffentlich
stattfanden.
Die schon bekannten Franzosen Benoit Rouquayrol und Auguste Denayrouse, ein Bergbauingenieur und
ein Marineleutnant patentieren 1865 einen Apparat für das Atmen unter Wasser. Es bestand aus einem
Stahlbehälter für Pressluft (ca. 17-24 bar) auf dem Rücken des Tauchers, welcher über eine Anordnung
von Ventilen mit einem Mundstück verbunden war. Dieses, auch als "Aerophore" bekannte Gerät, lieferte
nur dann Atemluft, wenn der Taucher eingeatmet hatte. Dies geschah unter anderem über eine
Steuermembrane, die auch den Umgebungsdruck berücksichtigte - also praktisch der erste Atemregler.
Der Taucher war über einen Schlauch mit der Oberfläche verbunden, durch den frische Luft in seinen
Niederdrucktank gefördert wurde. Es war aber auch möglich das Halteseil zu lösen und nur mit dem Tank
auf dem Rücken kurzzeitig frei zu tauchen. Die "Aerophore" ist der Vorläufer der modernen
Tauchausrüstung. Tatsächlich brachte die Erfindung von Rouquayrol und Denayrouze nicht den
erwarteten Erfolg und das Tauchen wurde für eine längere Zeit mit schwerer und einschränkender
Ausrüstung weitergeführt. Der Apparat ist auch aus Jules Vernes Roman "20000 Meilen unter dem Meer"
bekannt.
Ein weiterer Durchbruch in der Taucherei wurde 1866 erzielt, als der erste Bedarfsregler für die
lungenautomatische Dosierung in Amerika zum Patent angemeldet wurde.
Im Jahre 1870 wagte sich ein Taucherteam mit einer Rouquayal - Denayrouse Ausrüstung bis zum
Kielboden einer Galeone vor, die im tiefen Schlamm einer Buchtenge lag. Sie bargen insgesamt 44
Kilogramm Silber. Doch der Erfolg kam sie damals teuer zu stehen, weil sie nach drei Stunden Arbeit in
20 Metern Tiefe ohne Dekompressionsstopp zur Wasseroberfläche auftauchten. Einer nach dem anderen
wurde von Bends* befallen. Die Unglücklichen führten ihre starken Schmerzen und Lähmungen auf die
ungewohnten Strömungen, die in den großen Tiefen herrschten, zurück.
1873 kam es beim Bau der Brooklyn-Bridge in den USA zum wiederholten Male zu
Dekompressionskrankheiten bei den Arbeitern. Zum ersten Mal wurde die Rekompression in der
Druckkammer angewendet.
Der englische Händler und Seefahrer Henry A. Fleuss entwickelte 1876 das erste Tauchgerät, das mit
reinem Sauerstoff, anstelle von Pressluft betrieben wurde. Dieser Prototyp eines geschlossenen
Kreislaufgerätes ist auch der Vorläufer der modernern Geräte, wie sie heute z.B. von Militärtauchern
benutzt werden. Das ausgeatmete Kohlendioxid wird bei diesem Gerät von einem Seil aufgenommen,
welches vorher in ätzender Pottasche eingeweicht wurde. So konnte die Luft wieder eingeatmet werden
und es wurden keine Blasen in das umgebene Wasser abgegeben. Die Tauchtiefen waren beschränkt, da
reiner Sauerstoff ab einer Tiefe von ca. 10 Metern toxische Wirkungen aufzeigt - ein Fakt, den man
damals auch nicht kannte. Aber der Apparat ermöglichte relativ lange Tauchzeiten von bis zu 3 Stunden.
1880 wird dieses Gerät von dem berühmten englischen Taucher Alexander Lambert verwendet, als er
eine Klappe in einem gefluteten Tunnel versiegeln sollte. Diese Klappe befand sich in 18m Tiefe und 300
Meter weit im Tunnel.
Der Franzose Paul Bert veröffentlicht 1878 "La Pression Barometrique", eine damals 1000seitige
Ausarbeitung, welche sich mit den physiologischen Auswirkungen von Druckveränderungen befasste. Er
erklärte, dass die Ursache der Dekompressionskrankheit die Gasblasen des Stickstoffes im Körper waren
und empfahl einen allmählichen und keinen sofortigen Aufstieg als eine Möglichkeit dieses Problem zu
vermeiden. Weiterhin erkannte er, dass die Symptome durch eine Rekompression vermindert werden
können. Bert stellte die Verbindung zwischen Boyles Beobachtungen einer Viper (siehe 1667) und den
Symptomen der Presslufttaucher im 19. Jahrhundert her.
Insbesondere Paul Bert und John Scott Haldane aus Frankreich bzw. Schottland sind als treibende Kräfte
in der Tauchmedizin hervorzuheben. Ihre Studien haben damals geholfen die Auswirkungen des
Wasserdrucks auf den menschlichen Körper zu erklären und sichere Grenzen für das Presslufttauchen zu
definieren.
1906 wird John Scott Haldane, ein berühmter schottischer Physiologe, von der britischen Regierung
gebeten, auf dem Gebiet der Vermeidung von Dekompressionskrankheiten zu forschen. Zwei Jahre später
1908 veröffentlichen John Scott Haldane, Arthur E. Boycott und Guybon C. Damant ihr einzigartiges
Werk: "Die Verhütung der Dekompressionskrankheit" (Orig.: "The Prevention of Compressed Air
Illness". Diese, an Ziegen durchgeführten hyperbaren Experimente, waren die Grundlage für die
Dekompressionsstopps beim Auftauchen. Auf dieser Abhandlung basierende Austauchtabellen wurden
bald von der Royal Navy und dann auch von der U.S. Navy benutzt. Somit bewahrten sie unzählige
Taucher vor einem Dekompressionsunfall.
Das deutsche Unternehmen Dräger entwickelt 1912 das erste schlauchlose und somit autonome
Helmtauchgerät.
Zu Beginn der 20er Jahre begannen die USA mit Forschungen bezüglich des Einsatzes von HeliumSauerstoff Mischungen für das Tieftauchen. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges hatte man dadurch eine
Monopolstellung auf diesem Gebiet. 1924 (Oberflächenversorgung; Tauchgerät): Erst 1924 startete die
U.S. Navy in Zusammenarbeit mit dem Bureau of Mines erste experimentelle Tauchgänge mit HeliumSauerstoffgemischen.
Der Franzose Yves le Prieur zweckentfremdet 1926 Druckluftflaschen von Michelin und taucht mit 3
Liter Pressluft pro Flasche in einem Pariser Schwimmbad. 1933 stattet er sein Gerät mit einer
Vollgesichtsmaske aus.
Das amerikanische "Bureau of Construction & Repair" führt als erste Institution der USA den Mark V
Taucherhelm ein. Angeschlossen an einen Tiefseeanzug und einen Versorgungsschlauch wurde er zu dem
ultimativen Arbeitsgerät der nächsten Jahrzehnte. Er wurde für fast alle Bergungsarbeiten auch während
des 2. Weltkrieges eingesetzt und erst 1980 als Standartausrüstung der U.S. Navy vom Nachfolgemodell
MK 12 abgelöst. Nur wenige Veränderungen wurden im Laufe der Jahre vorgenommen und so
unterschied sich das letzte Modell nur leicht von der Version aus dem Jahre 1917.
Guy Gilpatric, war ein ehemaliger amerikanischer Pilot, der im südlichen Frankreich wohnte. Er benutzte
als erster Taucher Gummimasken mit eingesetzten Gläsern zum Schnorcheln. Seit Mitte der 30er Jahre
waren dann Gummimasken, Flossen und Schnorchel allgemein gebräuchlich.
Louis Marie de Corlieu erhält nach Jahren der Tüftlerei in Frankreich 1933 sein erstes Patent für aus
Gummi gefertigte Flossen. Ihre damalige Bezeichnung hieß noch "Schwimmpropeller". Vermutlich setzte
er zwischen zwei Gummiplatten noch zusätzlich ein Sägeblatt ein, um die Stabilität zu erhöhen. Dies gilt
als die Geburtsstunde der bis heute gebräuchlichen Flossen, auch wenn die Erfindung damals noch auf
kein allzu großes Interesse stieß (Anmerkung: Perlentaucher in der Südsee, Leonardo da Vinci und manch
anderer erfinderischer Geist hatten im Prinzip schon sehr viel früher auf ähnliche Schwimmhilfen gesetzt;
dennoch basiert die industrielle Fertigung sowie der professionelle Einsatz von Flossen grundsätzlich auf
dem Patent De Corlieus). Mit dem Zweiten Weltkrieg sollte sich dieses Desinteresse schlagartig ändern.
Später wurden sie dann weltweit von einem erfolgreichen amerikanischen Unternehmer namens Owen
Churchill vertrieben.
Der erste Tauchsportclub erblickte 1933 in Kalifornien das Tageslicht nannte sich damals "The Bottom
Scratchers". Ein Jahr später fand sich in Frankreich eine weitere Gruppe von Amateurtauchern zusammen
und gründete in Paris den ersten französischen "Club des Sous-l'Eau". Das Hauptinteresse dieser und
ähnlicher Vereine galt damals dem Speerfischen bzw. Harpunieren.
Yves Le Prieur, ein Kapitän der französischen Marine modifiziert ebenfalls 1933 die Erfindung von
Rouquayrol und Denayrouse. Er kombinierte ein Ventil mit einer 100 Bar Hochdruckpressluftflasche und
dies gab dem Taucher vollständige Bewegungsfreiheit und Unabhängigkeit von Schläuchen zur
Oberfläche. Der Apparat enthielt aber keinen Regler. Der Benutzer erhält frische Luft indem er einen
Hahn öffnet, während die ausgeatmete Luft über den Maskenrand ins Wasser entweicht. Aber wie er der
Zeitung "The Silent World" berichtete, erlaubte diese Kombination nur kurze Tauchgänge. Ab 1935
wurde dieses Tauchgerät von Le Prieur auch von der französischen Marine genutzt.
1934 berichtet Gilpatric von seinen Erlebnissen im Mittelmeer für die Saturday Evening Post und 1938
veröffentlicht er sein erstes Buch über das Sporttauchen und die Unterwasserjagd mit dem Titel "The
Compleat Goggler". Im übrigen war unter den begeisterten Lesern diese Buches war auch ein heute sehr
bekannter Leutnant der französischen Marine namens Jacques Cousteau.
Le Prieur gründet 1936 den ersten Club der Welt für das Tauchen mit Tauchgeräten, den "Club of Divers
and Underwater Life".
Die erste Nation der jüngeren Zeitrechnung, die auf Kampftaucher setzte, reanimiert nach den Erfolgen
im Ersten Weltkrieg ihre Bemühungen zum Aufbau einer einsatzbereiten Einheit - die italienische Marine
gründet nämlich ihre schon bald legendäre Kampfschwimmertruppe (ab 1942 Gamma genannt).
Ausgerüstet mit zweiplätzigen, steuerbaren Torpedos, so genannten Taschenunterseebooten resp. auch
"Maiali" (Schweine) genannt, beschädigten diese als "Incursori" bekannten Taucher z.B. 1941 zwei große
englische Schlachtschiffe (Valiant und Queen Elizabeth) im Hafen von Alexandria so stark, dass sie für
einige Zeit außer Gefecht gesetzt sind. England übernahm daraufhin die italienische Technik für die
eigenen Truppen, und Kampfschwimmer-Einheiten wurden weltweit zum festen Bestandteil fast aller
Armeen. Die Italiener dürften ebenfalls die ersten (westlichen) Taucher gewesen sein, die das Potential
von Schwimmflossen für Kampfeinsätze erkannten. Und sie dürften wohl der Grund für die
Wortschöpfung "Froschmänner" gewesen sein. Begleitet wurden die italienischen Taucher (ca. ab 1938)
von, speziell im Auftrag von Panerai durch Rolex hergestellten, insgesamt wenigen hundert Uhren
(wasserdicht bis 30 Meter), nachdem kein bestehendes Uhren-Modell die vorhergehenden Versuche
überstand. (Anmerkung: Panerai stellte als Hoflieferant der italienischen Marine bislang ausschließlich
Torpedozünder, Kompasse, Tiefenmesser etc. her und betrat mit der Uhrenfertigung Neuland.) Ebenfalls
wurden offenbar einige wenige unsignierte Panerais von Rolex direkt an die deutschen Kampfschwimmer
geliefert, nachdem Italien nicht mehr als Bündnispartner verfügbar war.
Der Franzose Paul Dubois fertigt in diesem Jahr die erste standardisierte Taucherbrille unter dem
Marken- und Produktnamen Squale Lux (Anmerkung: Die Entstehung der Vollgesichts-Tauchmaske
dürfte Japan zugeschrieben werden, wo vermutlich bereits 1918 solche Modelle auftauchten). Zwei Jahre
später erhält Maxime Forjot das Patent für die Voll-Gesichtsmaske, bei der wie beim japanischen Modell
die Nase mit eingeschlossen war (und somit die Funktion des Druckausgleichs übernehmen konnte).
Edgar End und der Ingenieur Max Gene Nohl machen 1938 den ersten geplanten Sättigungstauchgang
und erreichen mit einem HELIOX-Gasgemisch (80% Helium, 20% Sauerstoff) im Michigansee die
Rekordtiefe von 126 Metern. Er verwendete dazu ein schlauchloses Helmtauchgerät eigener
Konstruktion. Max Nohl bekam daraufhin die Dekompressionskrankheit
Die erste Einglas-Taucherbrille unter Einbeziehung der Nase wurde 1938 erfunden.
1939 lässt sich Alec Kramarenko den ersten von ihm entwickelten Schnorchel mit Ventil patentieren.
Erstes Produktionsjahr von Owen Churchills Schwimmflossen. Anfang 1940 wurden nur 946 Paare
verkauft aber später steigerte sich die Produktion drastisch und Tausende werden an die Alliierten
veräußert.
Der kanadische Ingenieur Emile Gagnan und der französische Marineoffizier Jacques-Yves Cousteau
perfektionieren 1943 das von Rouquayrol und Denayrouze entwickelte Regulatortauchgerät. Nach einer
Veränderung des Ur-Typs (Ein- uns Ausatemventil wurden auf die selbe Höhe gebracht) patentierten sie
den legendären "Aqua-Lung". Die "Aqua-Lunge", ein autonomes Drucklufttauchgerät, ermöglicht
Tauchgänge bis in 40 Meter Tiefe mit einem Vorrat von 1500 bis 4000 Liter Luft während ein bis zwei
Stunden. Sie legten dadurch den technischen Grundstein für die folgende rasante zivile Verbreitung des
Tauchsports. Im Januar 1943 wird diese Entwicklung von Cousteau in der kalten Marne, einem Fluss bei
Paris, getestet. Die Berichte/Dokumentationen Cousteaus sowie des Wiener Zoologen Hans Hass sorgten
für die notwendige Propagierung.
Im Sommer und Herbst 1943 machten Cousteau und zwei enge Freunde, Frederic Dumas und Philippe
Tailliez über 500 Tauchgänge mit dem Aqua-Lung und erhöhten dabei allmählich die bisher erreichten
Tauchtiefen. Im Oktober taucht Dumas während eines sorgfältig geplanten Tauchgangs auf 64m ab und
spürt "l'ivresse des grandes profondeurs" - das Verlocken der großen Tiefen.
Cousteau's Aqua Lunge wird ab dem Jahr 1946 kommerziell in Frankreich vermarktet. In Großbritannien
erst ab 1950, Kanada ab 1951 und USA als Schlusslicht ab 1952.
Der englische Versuchstaucher Wilfried Bollard bricht 1947 während eines militärischen Experiments
unter der Leitung von William Shelford mit 165 Metern Tiefe den Helium-Tiefenrekord den seit zehn
Jahren gültigen Rekord von Gene Nohl.
In den 50er Jahren verändert sich der Tauchsport allmählich vom Schorcheln hin zum Tauchen mit
Tauchgeräten. Erste Tauchsportgeschäfte werden weltweit eröffnet.
Der Engländer George Wookey erreicht während eines HELIOX-TGs 1957 vor Norwegen die neue
Rekordtiefe von 184 Metern.
Als in den 60er Jahren die Unfallzahlen der Sporttaucher drastisch ansteigen werden die ersten
Organisationen gegründet um Taucher auszubilden und zu zertifizieren.
Der Schweizer Tauchexperte und Mathematiker Hannes Keller stellt 1961 mit 222 Meter Tiefe einen
neuen HELIOX-Tieftauchrekord im Tessin (CH) auf. Ein Jahr später erhöhte Keller vor Kalifornien
gemeinsam mit Peter Small den Rekord auf über 300 Meter. Peter Small, Gründungsmitglied und
Journalist des englischen "Sub Aqua Clubs", überlebte diesen Tauchgang aber tragischerweise nicht.
Georges Beuchat erhält 1965 das Patent für seine aus Vollgummi hergestellten schwarzen Jet-Fin Flossen
mit den charakteristischen Strömungskanälen im Blatt - bis heute sind sie der Inbegriff der
professionellen Tauchflosse geblieben.
Der größte Tauchbrevet Aussteller der Welt, PADI, wird 1966 durch John Cronin und Ralph Erickson
gegründet. PADI bildet im ersten Jahr des Bestehens 1967 genau 3226 Taucher aus.
Am 14. Oktober 1968 tauchen John J. Gruener und R. Neal Watson vor den Bahamas mit Pressluft auf
133m, dieser Rekord wird erst 1990 gebrochen.
In Holland stellt sich 1969 der Taucher Francis Falejczyk für den ersten Menschenversuch mit Sauerstoff
angereicherter Atemflüssigkeit zur Verfügung - während einer Stunde wurde einer seiner Lungenflügel
mit dieser Lösung erfolgreich versorgt. Bis heute gilt die Flüssigkeitsatmung als Möglichkeit zur
Überwindung von herrschenden Tiefen- und Atemgas-Limitierungen.
Der amerikanische Tauchphysiologe Peter Bennett entwickelt 1970 das bis heute für große Tiefen
eingesetzte Atemgasgemisch TRIMIX oder HELIAIR, mit welchem das für HELIOX problematische
Heliumzittern (ab einer Tiefe von rund 100 Meter) bedeutend reduziert wird. Damit sollten später Tiefen
von über 600 Meter erreicht werden.
In den 70er Jahren wird eine unumgängliche Entwicklungen in der Tauchtechnik und für die
Tauchsicherheit eingeführt: Ein Tauchschein (Zertifikat) ist erforderlich, um Flaschen füllen zu lassen
oder Ausrüstung auszuleihen. Die Ventile mit Reservewarneinrichtung werden allmählich von
Flaschenventilen ohne Reserve abgelöst, da man Finimeter benutzten konnte. Tarierhilfen und
Einschlauchregler werden fester Bestandteil der Tauchausrüstung (vorher wurden Zweischlauch - Regler
eingesetzt).
DAN (Divers Alert Network) wird 1980 als gemeinnützige Organisation für Tauchsicherheit an der Duke
University gegründet.
Der erste kommerziell verfügbare Tauchcomputer, der "Orca Edge", wird 1983 eingeführt. Im nächsten
Jahrzehnt werden diverse Modelle entwickelt und sie gehören bald zur Standartausrüstung für
Sporttaucher.
Allein den USA werden in den 90er Jahren jährlich ca. 500.000 neue Sporttaucher ausgebildet, viele neue
Tauchmagazine kommen auf den Markt, Tauchcomputer werden weit verbreitet, Tauchtourismus wird zu
einem großen Wirtschaftszweig. Das technisch orientierte Tauchen (technical diving) verbreitet sich Amateure, die fortschrittliche Technologien nutzen wie z.B. Mischgase, Vollgesichtsmasken,
Kommunikation, Scooter usw..
Jim Bowden erreicht 1994 mit einem offenen SCUBA-System die Rekordtiefe von 276 Meter - er
verwendete hierzu das TRIMIX Gasgemisch und benötigte für die anschließende Dekompression 10
Stunden.
Die deutschen Taucher Volker Clausen, Manfred Führmann und Chris Ullmann stellen 2003 vor dem
Panorama Reef mit 224,5 Meter Tiefe den neuen Tauch-Weltrekord mit dem geschlossenen
Kreislaufgerät Buddy auf. Gesponsert wurden sie u. a. vom Uhrenhersteller Sinn.